V/0278/2025
Fertigstellung des 2. Archiventwicklungsplans für das Stadtarchiv Münster
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Archiventwicklungsplan (AEP) 2025-2030
53700 Zeichen
Archiventwicklungsplan 2025–2030 1 Inhalt Über uns 3 Unser Leitbild 7 Unser Auftrag 9 Unsere Meilensteine aus den letzten fünf Jahren 12 Unsere Arbeit 15 Interne Verwaltung 15 Magazinierung und Zwischenarchiv 16 Bewertung und Übernahme 19 Erschließung und Nutzung 23 Konservierung und Restaurierung 29 Forschung und Vermittlung 31 Veröffentlichungen in den Reihen des Stadtarchivs 2020–2024 45 2 Eingang zum Lesesaal des Stadtarchivs, Foto: Thorsten Arendt (Münster) 3 Über uns Das Stadtarchiv ist eine der ältesten Einrichtungen der Stadtverwaltung. Wir verwahren historische Überlieferung zu mehr als 800 Jahren Stadtgeschichte und machen das Archivgut der Öffentlichkeit zugänglich. Das dient einerseits der Rechtssicherung für die Stadt und für ihre Bürger*innen, andererseits sind die bei uns verwahrten Quellen Grundlage für die historische Forschung. Die Nutzung des Archivs ist kostenlos möglich – und wer das wünscht, wird dabei beraten und unterstützt. Seit vielen Jahren stellen wir die Bestände- übersicht, Findbücher und Archivgut digital zu Verfügung. Vorträge zur Stadt- geschichte und Unterlagen zur Historischen Bildungsarbeit sind ebenfalls über das Internet abrufbar. In Zahlen: • Das Stadtarchiv verwahrt gut 4.700 laufende Meter* Archivgut. Das sind über eine Viertelmillion Archivalien. Darunter sind rund 5.800 mittelalter- liche und frühneuzeitliche Urkunden, 160.000 Akten, 12.500 Karten und Pläne, 8.000 Plakate und 80.000 Fotografien, Dias, Postkarten und Stadt- ansichten. * Als Messgröße dient im Archivwesen der sogenannte „laufende Meter“ (lfm). Für die Berechnung wird gezählt, wie viele Schachteln mit Archivgut aufeinandergestapelt werden müssen, bis die Höhe von einem Meter erreicht ist – im Stadtarchiv sind das 9 Schachteln zu je 11 cm Höhe. Die insgesamt im Stadtarchiv verwahrten 4,7 laufende km Archivgut entsprechen also über 42.000 Kartons, die aufein- ander gestapelt vom Ludgerikreisel bis vor die Tür des Lesesaals in der Speicherstadt reichen würden. 4 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 • Der Lesesaal ist an drei Tagen geöffnet (dienstags und mittwochs 10:00 – 17:00 Uhr und donnerstags 10:00 – 18:00 Uhr). An 15 modern aus- gestatteten, hellen Arbeitsplätzen kann das Archivgut eingesehen wer- den und eine Präsenzbibliothek zur Stadtgeschichte mit rund 30.000 Bänden genutzt werden. Dieses Angebot nutzen jährlich zwischen 750 und 850 Personen. • Im Jahr beantworten wir zwischen 1.150 und 1.350 schriftliche Anfragen, rund die Hälfte betrifft die historischen Geburts-, Heirats- und Sterbe- register. • Im Jahr 2024 waren im Rahmen der Historischen Bildungsarbeit über 1.000 Schüler*innen aller weiterführender Schulformen bei uns; von den Hochschulen waren es über 250 Studierende. • Für die Verwaltung bieten wir ein Zwischenarchiv mit Platz für fast 11.000 laufende Meter Unterlagen an. Diese werden für die tagtägliche Arbeit nicht mehr gebraucht, müssen aber aufgrund rechtlicher Bestim- mungen noch aufbewahrt werden. Am Ende dieser Aufbewahrungs- fristen entscheiden Mitarbeitende des Stadtarchivs, welche Unterlagen als Archivgut dauerhaft aufgehoben und welche vernichtet werden können. • Im Stellenplan verfügt das Stadtarchiv über zehn sogenannte Vollzeit- äquivalente. Effektiv arbeiten hier inklusive studentischer Hilfskräfte, einer Auszubildenden und temporärem Personal 15–16 Personen. Trotz wachsender Bevölkerung, wachsender Anzahl der Mitarbeitenden in der Stadtverwaltung und der Übernahme weiterer Aufgaben wurde seit 20 Jahren weder unsere Personal- und Finanzausstattung verbessert noch ein Inflationsausgleich durchgeführt. 5 Über uns Abb. 1: Benchmark zur Personalausstattung (VZÄ) von Stadtarchiven anderer Großstädte vergleichbarer Größe. Quelle: Stellenpläne in den Haushalten 2024. Zusammenstellung: Stadtarchiv Münster 2025. 10 10 12,3 22,2 30 34,8 43,4 6 Studierendengruppe beim Workshop „Reiz des Archivs“ , Foto: Stadtarchiv Münster 7 Unser Leitbild Vision Als Stadtarchiv unterstützen wir alle, die sich mit Fragen zur Stadtgeschichte Münsters an uns wenden. Wir sind überzeugt, dass dieser freie Zugang zum städtischen Archivgut das Wissen über die Stadt und ihre Bevölkerung in Geschichte und Gegenwart bereichert. Wir bewahren ein einzigartiges, unersetzliches kulturelles Erbe, das von Generation zu Generation in der Stadtgesellschaft weitergegeben wurde und weitergegeben wird. Deshalb gehen wir so sorgfältig damit um, dass es in seiner äußeren Form, seinem Wert und seiner Aussagekraft dauerhaft erhal- ten bleibt. Wir sichern für die Stadt und die Bürgerschaft zentrale Unterlagen, die ihre Rechte und Ansprüche nachweisen. Wir erweitern unsere Archivbestände um Unterlagen aus unserer Zeit, damit die Gegenwart in der Zukunft multiperspektivisch erforscht werden kann. Wir beschreiben die Archivbestände, machen sie recherchierbar und zu einer zuverlässigen Informationsquelle für alle heutigen und zukünftigen Nutzer*innen. 8 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 Wir stärken durch den freien Informationszugang das bürgerschaftliche Vertrauen in die kommunalen demokratischen Institutionen und ermög- lichen gesellschaftliche Teilhabe. Mit unserer Arbeit tragen wir zur gemeinschaftlichen und individuellen Identitätsbildung bei und ermöglichen Nutzer*innen, historisches Wissen zu hinterfragen, zu belegen oder zu widerlegen. Wir tragen aktiv zur Kultur und Bildung in der Stadt bei, indem wir For- schungsaufträge aus der Kommunalpolitik umsetzen, unsere Ergebnisse verständlich und barrierearm aufbereiten und veröffentlichen. Als außer- schulischer Lernort ermöglichen wir Schüler*innen forschendes Lernen an historischen Originalquellen. Werte und Wege Die Interessen und Wünsche unserer Nutzer*innen berücksichtigen wir bei der Priorisierung und Durchführung unserer Aufgaben. Kommunikation auf Augenhöhe und die Orientierung am Gemeinwohl leiten unsere Entschei- dungen. Den fachlichen Herausforderungen, zum Bespiel in den Bereichen der Digitalisierung und der Bestandserhaltung, begegnen wir mit innovativen Lösungen. Unsere Arbeit basiert auf Eigenverantwortung, Lösungsorientierung, Zuverlässigkeit, Sorgfalt, Nachvollziehbarkeit und Transparenz. 9 Unser Auftrag Satzung für das Stadtarchiv Münster einschließlich Benutzungs- und Gebührenordnung vom 23.06.2021 (Amtsblatt der Stadt Münster Nr. 23 S. 205) § 1 Absatz 2: Das Stadtarchiv hat folgende Aufgaben: 1. Das Stadtarchiv hat Unterlagen des Rates, sonstiger Gremien, der Ämter, Einrichtungen und der Dienststellen der Stadt (anbietungspflichtige Stellen), die zur Aufgabenerfüllung nicht mehr benötigt werden, auf ihre Archivwürdigkeit hin zu prüfen und die als archivwürdig erkannten Teile als Archivgut zu übernehmen. Über die Archivwürdigkeit entscheidet das Stadtarchiv nach fachlichen Kriterien. Dies gilt auch für die Überlieferung der Rechtsvorgänger der heutigen Stadt Münster. Unterlagen sind laut § 2 Abs. 1 Archivgesetz NRW Urkunden, Amtsbücher, Akten, Schriftstücke, amtliche Publikationen, Karteien, Karten, Risse, Pläne, Plakate, Siegel, Bild-, Film- und Tondokumente und alle anderen, auch elektronischen Aufzeichnungen, unabhängig von ihrer Speicherungsform, sowie alle Hilfsmittel und ergänzenden Daten, die für die Erhaltung, das Verständnis dieser Informationen und deren Nutzung notwendig sind. 10 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 2. Das Stadtarchiv unterhält in Kooperation mit dem Personal- und Organisationsamt der Stadt Münster ein Zwischenarchiv, in dem die Unterlagen, deren Aufbewahrungsfristen noch nicht abgelaufen sind, bis zur Entscheidung über die Archivwürdigkeit aufbewahrt werden. Das Verfügungsrecht über das Zwischenarchivgut verbleibt bei der abliefernden Stelle. 3. Das Stadtarchiv hat das Archivgut zu verwahren, zu erhalten, instand zu setzen, zu erschließen und für die Benutzung bereitzustellen. Das Archivgut ist unveräußerlich. 4. Das Stadtarchiv kann Unterlagen von rechtlich selbständigen Unter- nehmen und Stiftungen der Stadt in gleicher Weise wie städtische Unterlagen als Archivgut übernehmen. Für dieses Archivgut gelten vorbehaltlich abweichender Vereinbarungen die nachfolgenden Rege- lungen entsprechend. 5. Das Stadtarchiv kann Unterlagen von anderen Stellen oder von natür- lichen oder juristischen Personen als Archivgut übernehmen, soweit eine dauernde Verwahrung, Erschließung, Bereitstellung und Nutzung im öffentlichen Interesse liegen und das Archivgut Bezüge zur Stadt Münster oder ihren Rechtsvorgängern hat. Für dieses Archivgut gelten vorbehaltlich abweichender Vereinbarungen mit den Eigentümerinnen/ Eigentümern des Archivguts bzw. Rechteinhaberinnen/Rechteinhabern die nachfolgenden Regelungen entsprechend. 11 Unser Auftrag 6. Das Stadtarchiv hat die Aufgabe, das Archivgut durch Sammeln von Unterlagen zu ergänzen, die geeignet sind, die Geschichte der Stadt, das Stadtbild, Veränderungen und Ereignisse sowie das Wirken von Menschen in der Stadt zu dokumentieren. 7. Das Stadtarchiv unterhält eine wissenschaftliche Dienstbibliothek als Präsenzbibliothek. 8. Das Stadtarchiv fördert aktiv die Erforschung und Kenntnis der Stadt- und Landesgeschichte. Es trägt zur Bildungs- und Kulturarbeit in der Stadt bei. 12 Unsere Meilensteine aus den letzten fünf Jahren 2020 2021 • Reinigung und Neuverpackung des Bestands „Armenkommission“ • Einbau einer Rollregalanlage im Magazin für Neuzugänge • Erstbestückung des überarbeiteten Onlineportals „Archive in NRW“ (rd. 230 Findbücher mit fast 100.000 Archivalien) • Themenportal „Briten in Münster“ geht online • Bildungspartnerschaft Overberg-Kolleg • Gedruckte Fassung des Archiventwicklungsplans • Massenentsäuerung des Bestands „Armenkommission“ • Das Scan-on-Demand-Projekt startet • Mit „Archivalien Digital“ geht eine Online-Quellenkunde an den Start • Neuanmietung: auf 381 m² finden im LWL-Zentralmagazin (Speicher 15) 1.800 lfm Archivgut und 68 lfm Großformate Platz • Neue Satzung für das Stadtarchiv beschlossen • Sammlung zum Jubiläum „Frauenstraße 24“ 13 Unsere Meilensteine aus den letzten fünf Jahren 2022 2023 • Scan-on-Demand wird zum regelhaften Angebot des Stadtarchivs • Ratsprojekt „Vergessene Verfolgte“ beginnt • Übernahme des schwul-lesbischen Archivs „Rosa Geschichte(n)“ und Ausstellung Queer Münster • Mehr als 4.000 Karten und Pläne werden restauriert und verpackt • Themenportal „Koloniale Spuren“ geht online • Datenbank zum Geschichts- wettbewerb des Bundespräsidenten geht online • Bildungspartnerschaft Gesamtschule Mitte • 9. Verleihung des Historiker*innen- preises und des Nachwuchspreises der Stadt • Themenportal „Vergessene Verfolgte“ geht online • Infostelen an den Kriegerdenkmalen werden aufgestellt und feierlich eingeweiht • Brandmeldeanlage in Speicher 14 geht in Betrieb • Erste großangelegte Entsäuerung von Archivgut 2024 • Erweiterung der Magazinfläche in Speicher 14 um Regalanlagen für 820 lfm Archivgut und 1.269 lfm Zwischenarchivgut • Bildungspartnerschaft Geschwister- Scholl-Realschule • Im Onlineportal „Archive in NRW“ stehen mehr als 500.000 Einträge zu Archivalien bereit (in 382 Findbüchern mit rund 10.000 vollständig digitalisierten Archivalien) • Zweite großangelegte Entsäuerung von Archivgut 14 Inbetriebnahme der neuen Regalanlage im Speicher 15, Foto: Stadtarchiv Münster 15 Unsere Arbeit Interne Verwaltung Mit dem ersten Archiventwicklungsplan ist das Stadtarchiv in eine konzep- tionelle Neuaufstellung gegangen. Arbeitsprozesse wurden optimiert und digitalisiert. Sowohl im Hinblick auf die zunehmend digitale Überlieferung als auch auf virtualisierte Nutzungsszenarien ist das Haus gut aufgestellt. Maßnahmen 2020 – 2024 Entwicklung eines Leitbilds In einem extern moderierten Workshop verständigten sich alle Mitarbeiten- den auf gemeinsame Visionen, Werte und Wege, die uns in der täglichen Arbeit leiten sollen. Das Ergebnis ist diesem AEP vorangestellt. Pläne für 2025 – 2030 Einführung der Allgemeinen E-Akte (AEAM) Die AEAM-Lösung wird sukzessive über die gesamte Stadtverwaltung aus- gerollt; das Stadtarchiv ist seit Ostern 2024 mit Vorarbeiten befasst und wird zum Jahreswechsel 2025 in den produktiven Betrieb wechseln. Dabei sollen die Potentiale einer effizienteren Aufgabenerledigung und Schriftgutverwal- tung gehoben werden. Ziel: Die E-Akte wird erfolgreich im Stadtarchiv eingeführt. 16 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 Magazinierung und Zwischenarchiv Eine fachgerechte Unterbringung des Archivguts (nach ISO 11799:2003) sorgt dafür, dass Schäden durch Mikroorganismen und Papierzerfall und in der Folge teure Restaurierungsmaßnahmen vermieden werden. Eine gegen Feuer, Einbruch, Diebstahl und Vandalismus geschützte Verwahrung muss für die unwiederbringliche historische Überlieferung der Stadt (und solche, die es werden kann) sichergestellt sein. Diese Unterlagen, deren Aufbewahrungsfristen noch nicht abgelaufen sind, die aber für die tägliche Arbeit nicht mehr benötigt werden, können von Dienststellen der Stadtverwaltung zur zunächst zeitweiligen Aufbewahrung an das Stadtarchiv übergeben werden. Wir verwalten diese Unterlagen in Kooperation mit dem Personal- und Organisationsamt in einem Zwischen- archiv und stellen sie den Ämtern bei Bedarf zur Verfügung. Das Stadt- archiv sorgt per Hauspost im Rahmen des eingerichteten „Aktenservice“ für den Transport der in den Dienststellen benötigten Akten und für die sachgemäße Reponierung der Aktenrückgaben. Außerdem fungiert es als gesamtstädtischer Ansprechpartner und Organisator bei neuen Aktenein- lagerungen in das Zwischenarchiv. Über die Übernahmen wird ein Nach- weis geführt und die Aufbewahrungsfristen regelmäßig kontrolliert. Nur mit einer ausreichenden und dauerhaften Personalausstattung kann diese professionelle Aktenbetreuung garantiert werden. 17 Unsere Arbeit Maßnahmen 2020 – 2024 1. Personelle Ressourcen verstetigen Die beiden Mitarbeitenden im Zwischenarchiv konnten auf der Basis von befristeten Verträgen weiter beschäftigt werden; eine Entfristung der einen Stelle konnte bisher nicht erreicht werden. Sie ist durch Spar- maßnahmen im Rahmen der Haushaltskonsolidierung gefährdet. Abb. 2: Entwicklung der Magazinflächen und -belegung während der Laufzeit des 1. AEP , Daten: Stadtarchiv Münster 2025. 1.678 8.573 2.232 8.720 freibelegtfreiverzeichnet unverzeichnet Magazinbelegung im Historischen Archiv Magazinbelegung im Zwischenarchiv 2019 20192024 lfm 2024 11.000 10.000 9.000 8.000 7.000 6.000 5.000 4.000 3.000 2.000 1.000 0 3.023 3.615 1.124 3.170 1.347 1.359 18 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 2. Magazinflächen ausweiten Für das historische Archivgut konnte im Speicher 15 ein Magazinraum angemietet und mit Regalen und Planschränken ausgestattet werden. In Speicher 14 konnten ebenfalls zusätzliche Rollregale eingebaut wer- den. Für das Zwischenarchiv wurde eine halbe Etage im Speicher 14 mit einer Hängeregistratur für 1.269 lfm Akten ausgestattet (das Stadtarchiv wurde dabei vom Personal- und Organisationsamt unterstützt). Pläne für 2025 – 2030 1. Umlagerung von Großformaten, Bildern und AV-Medien Gute, das heißt den Anforderungen des Archivguts angepasste Lager- bedingungen bestimmen, ob und wie lange Archivgut nutzbar bleibt. Da der Originalerhalt gesetzliche Aufgabe ist, entstehen durch unsach- gemäße Lagerung der Archivalien unter Umständen erhebliche Folge- kosten bei der dann notwendigen Restaurierung. Kurz: Gute Lagerung schützt unersetzliches Kulturgut und spart so Geld! Ziel: Die (Um-)Lagerung von Archivgut soll vorangetrieben werden: Fotografien, Dias und AV-Medien sollen im klimatisierten Sonder- magazin eingelagert werden; Großformate in den dafür vorgesehenen Magazinflächen des Speichers 15. 2. Optimierung der klimatischen Bedingungen im Speicher 14 Die historischen Gebäude der Speicherstadt ermöglichen sichere und gut nutzbare Magazine. Leider ist die Gebäudeisolierung nicht optimal, sodass vor allem durch die nur teilweise verschatteten Fensterflächen 19 Unsere Arbeit Wärme eindringt und die Temperaturen im Sommer über die durch von der ISO-Norm (ISO/TR 19815:2018-07) vorgegebenen Werte steigen. Ziel: Es werden geeignete Maßnahmen ergriffen, um auf dem Weg einer passiven Klimatisierung die Temperatur-Spitzen abzufangen und rasche untertägige Klimawechsel im Raumklima zu vermeiden. Bewertung und Übernahme Zentral beim Prozess der Archivierung ist die archivische Bewertung und Übernahme von Schriftgut der städtischen Ämter und Dienststellen. Dieser Arbeitsschritt entscheidet über die Dichte der Überlieferung, den nachfolgenden Arbeitsauf- wand und den Raum bedarf im Archiv. Als archiv- würdig bewertet werden Unterlagen, denen ein bleibender Wert für Wissenschaft und Forschung, historisch-politische Bildung oder die Rechts- sicherung der Kommune und ihrer Bevölkerung zukommt. Die Unterlagen werden so zu Archivgut, das nicht mehr dem Entstehungszweck und sei- nem rechtlichen Kontext verpflichtet ist, sondern dem Archivgesetz NRW und der Satzung des Stadt- archivs. Dieses archivische Kulturgut wird dauer- haft verwahrt und kann später durch die interes- sierte Öffentlichkeit eingesehen werden. Temporäre Lagerung von übernommenen Schulunterlagen im Zwischenarchiv (Speicher 14), Foto: Stadtarchiv Münster 20 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 Maßnahmen 2020 – 2024 1. Erstellung von Bewertungs- und Archivierungsmodellen für die städtischen Ämter und Beteiligungsgesellschaften Die Heterogenität der Abgaben verhindert statische Bewertungs- und Archivierungsmodelle bei der analogen Überlieferungsbildung. Um das Aussonderungsverfahren dennoch noch stärker im Bewusstsein der Verwaltung zu verankern, wurden jährliche Informationsschreiben an die Amtsleitungen eingeführt. Zur intersubjektiven Absicherung der von den Archivar*innen getroffenen Bewertungsergebnisse wurde ein gemeinsamer Arbeitskreis „Überlieferungsbildung“ im Haus etabliert. 2. Erstellung von Dokumentationsprofilen zur Schärfung der nicht- amtlichen Überlieferung Es wurden Stärken und Schwächen der Überlieferungslage für die wichtigsten Lebensbereiche der Stadt analysiert und gezielt Nachlässe eingeworben und Sammlungen angelegt. Im Fokus standen dabei be- sonders die Neuen Sozialen Bewegungen und Künstlernachlässe wie der von Wilm Weppelmann. 3. Beteiligung des Archivs bei DMS-Einführungsprozessen Sowohl durch die normativen Vorgaben (Schriftgutordnung der Stadt) als auch in der praktischen Umsetzung ist das Stadtarchiv in die Ein- führungsprojekte der E-Akte eingebunden und wirkt an der Festlegung von Aktenplänen, Aufbewahrungsfristen und bei Fragen des Ersetzen- den Scannens von Altakten-Beständen mit. Bewertungs- und Übernah- meprozesse wurden konzipiert und befinden sich zurzeit in der Umset- zung durch das DMS-Team der citeq. 21 Unsere Arbeit 4. Datenübernahme ins digitale Langzeitarchiv Die NRW-weite Langzeitarchiv-Lösung DiPS.kommunal wurde in Be- trieb genommen und größere Bestände aus dem amtlichen und nicht- amtlichen Bereich konnten erfolgreich archiviert werden. Die größte Übernahme betrifft Altdaten aus dem elektronischen Gewerberegister: Datensätze zu mehr als 30.000 Betrieben der 1970er bis 2000er Jahre konnten als Archivgut übernommen werden. Sie stellen eine wichtige Quelle für Forschungen zur wirtschaftlichen Entwicklung Münsters dar. Pläne für 2025 – 2030 1. Inhalte der Besprechungsdatenbanken sichern Schon seit Mitte der 2000er Jahre nutzen viele Dienststellen in unter- schiedlichem Umfang die über das Intranet angebotene Besprechungs- datenbank. Hier können Ergebnisse und Protokolle von Allgemeinen Dienstbesprechungen und Teildienstbesprechungen interner Arbeits- und Projektgruppen dokumentiert und recherchierbar gehalten werden. Viele interne Strategien zur Projektplanung und zur Aufgabenerledi- gung lassen sich ohne die hier enthaltenen Informationen nicht mehr nachvollziehen, da die Datenbank die früher übliche papiergestützte Protokollierung von Besprechungen ersetzt. Laut Satzung müssen auch „elektronische Daten, die einer laufenden Aktualisierung unterliegen“ (= Datenbanken) dem Stadtarchiv zur Übernahme angeboten werden. Die in den Datenbanken enthaltenen Inhalte müssen gesichtet, archi- visch bewertet und archivwürdige Teile in ein langzeitstabiles Format gebracht und ins elektronische Langzeitarchiv überführt werden. Ziel: Das Sichern der Datenbankinhalte gelingt, sodass das Verwal- tungshandeln dauerhaft nachvollziehbar bleibt. 22 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 2. Dokumentationslücken im nichtamtlichen Bereich schließen Es gehört zum Satzungsauftrag, dass das Stadtarchiv amtliches Archiv- gut durch das Sammeln von Unterlagen ergänzt, die die Geschichte der Stadt, das Stadtbild, Veränderungen und Ereignisse sowie das Wirken von Menschen in der Stadt dokumentieren. Im letzten AEP-Zeitraum ist es gelungen, wichtige Überlieferung der Neuen Sozialen Bewegungen zu sichern. In anderen Dokumentationsbereichen gibt es aber noch Lücken, u. a. in den Bereichen Migration und Politische Parteien. Ziel: Das Stadtarchiv kommt mit migrantischen Vereinen und Familien über die Sicherung historischer Unterlagen ins Gespräch. Mit den Rats- fraktionen, Orts- und Kreisverbänden der Politischen Parteien werden archivische Regelungen diskutiert. 3. Aktenübernahmen durch Stadthaus 4 – Umzüge Durch den Neubau des Stadthauses 4 und die damit verbundenen Um- züge von Dienststellen werden sich diese von einer großen Menge an Papierunterlagen trennen. Noch junge Akten müssen im Zwischen archiv eingelagert und recherchierbar gehalten werden; ältere Akten müssen auf ihre Archivwürdigkeit geprüft und in die Archivbestände übernom- men bzw. vernichtet werden. Diese Aufgaben müssen aufgrund des straffen Zeitplans der Umzüge in der Regel sehr zügig erfolgen. Ziel: Kontrollierte Übernahme und Einlagerung von Zwischenarchiv- beständen sowie Bewertung und Übernahme von Endarchivbeständen derjenigen Dienststellen, die von den 2024–2033 anstehenden Um- zügen unmittelbar oder mittelbar betroffen sein werden. 23 Unsere Arbeit Erschließung und Nutzung Das Hauptziel eines Archivs ist die Nutzung der archivierten Unterlagen durch die Bürgerschaft. Auf diese Weise schafft das Archiv Transparenz für kommunales Verwaltungshandeln und gewährleistet Informationsfreiheit in historischer Perspektive. Um die Archivbestände öffentlich zugänglich machen zu können, müssen sie zuerst inhaltlich erschlossen werden. Dabei werden der Anlagezweck und die zentralen Inhalte möglichst treffend beschrieben und in eine Datenbank eingepflegt. Durch diese Ver- zeichnung können sich Nutzende in den Beständen orientieren und diejenigen Dokumente finden, die für sie relevant sind. Auch die Erschließung ist somit ein zentraler und wichtiger Bestand- teil der Arbeit im Stadtarchiv. Um den Nutzungsinteressen gerecht zu werden, sollte die Erschließung systematisch und idealerweise zeitnah nach der Übernahme erfolgen. Dabei erfordert die Ver- zeichnung sowohl behördliches als auch historisches Fachwissen. Maßnahmen 2020 – 2024 1. Abbau von Erschließungsrückständen Trotz erheblicher Neuübernahmen ist es gelungen, die Erschließungs- quote (also das Verhältnis von erschlossenem zu nicht erschlossenem Archivgut) leicht zu verbessern (siehe Abb. 3). Inhaltlich konnten Fort- schritte bei den amtlichen Beständen besonders für die Akten des alten Landkreises Münster erzielt werden, im nichtamtlichen Bereich wurden Sammlung Handschriften, Nr. 263: Makulatur aus einem Evangelistar mit einer historisierenden Initiale des hl. Marcus ( byzantisierender Stil) (12. Jh.), Foto: Stadtarchiv Münster 24 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 Abb. 3: Rückgang der Erschließungsrückstände von insgesamt 30 % auf 24 % hier aufgeschlüsselt nach den Teilberei- chen des Archivguts 2019 vs. 2024. Kleinere Abweichungen der Gesamtmenge sind durch andere archivische Maßnah- men bedingt. Quelle Stadtarchiv Münster, 2025 2.500 2.000 1.500 1.000 500 0 erschlossenes Archivgut (lfm) unerschlossenes Archivgut (lfm) 262 5 2019 263 5 2024 Archivgut fürstbischöfliche Zeit 201 25 2019 201 18 2024 Archivgut Preußischer Zeit (1802 bis 1945) 1.007 1.337 2019 930 1.430 2024 Archivgut ab 1945 149 487 2019 583 12 2024 Amtliches Archivgut des Kreises MS 121,9086,95 2019 351,51 108,45 2024 Firmen-, Vereins-, Privatnachlässe 796,75 50,80 2019 787,70 50,30 2024 Archivische Sammlungen Abb. 4: Anzahl bestellter und gescannter Archivalien im Scan-on-Demand-Service, 2021–2024: Nach einem „Boom“ zu Programmstart hat sich ein stabiles Verhältnis von Angebot und Nachfrage eingestellt. Quelle: Stadtarchiv 2025 600 500 400 300 200 100 0 614 564 2021 268 277 2022 217 188 2023 272 240 2024 Bestellte Archivalien Gescannte Archivalien 25 Unsere Arbeit Abb. 5: Anzahl der Benutzungsanträge und der Benutzertage im Stadtarchiv unter Berücksichtigung des „Corona-Knicks“ und des Anlaufens des Scan-on-Demand-Services (S-o-D), 2014–2024. Quelle: Stadtarchiv 2025 1.600 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 S-o-D Wöchentl. Öffnungszeit 22 Stunden 15 Stunden 22 Stunden Anzahl Nutzende im Lesesaal Benutzungsanträge Abb. 6: Anzahl der schriftlichen Anfragen nach den wesentlichen Rechercheinhalten mit einem Allzeithoch 2024, 2008–2024. Quelle: Stadtarchiv 2025 Schriftliche Recherchen Allgemeine Recherchen Recherchen Meldedaten Recherchen Personenstand Recherchen Schulzeugnisse 1.500 1.250 1.000 750 500 250 0 2011201020092008 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 612 729 557 356 90 606 456 105 647 374 63 606 354 81 522 84 554584 526 84 16 668 483 96 25 539 608 122 48 53 567 422 136 56 597 495 83 75 600 530 95 75 591 632 82 56 611 427 57 47 57 555 485 65 47 523 361 66 26 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 45 Bestände – Personennachlässe sowie Archive von Vereinen, Firmen und Parteien – erschlossen. Soweit der Schutz von Persönlichkeits- rechten nicht entgegenstand, wurden die entstandenen Findmittel im Internetportal „Archive in NRW“ zugänglich gemacht. Interessant für die Migrationsgeschichte ist z. B. der Nachlass von Spyridon-Paul „ Spyros“ Marinos. Er war viele Jahre Vorsitzender des Ausländerbeirates der Stadt Münster, dem späteren Integrationsrat. 2. Verstetigung des „Scan-on-Demand“-Projekts als dauerhaften Service Während der Corona-Pandemie wurden Kultureinrichtungen für den Publikumsverkehr teilweise geschlossen. Wir standen vor der Frage, wie wir trotzdem das Recht auf Zugang zum Archivgut sicherstellen können. Als bundesweit erstes Kommunalarchiv haben wir deshalb ab Februar 2021 eine im Förderprogramm „WissensWandel“ geförder- te alternative Digitalisierungsstrategie aufgebaut. Sie orientiert sich unmittelbar an den Wünschen der Archivnutzenden und ermöglicht, dass das Stadtarchiv die gewünschten Archivalien zeitnah online in einem virtuellen Lesesaal zur Nutzung stellen kann. Seit Juli 2022 bietet das Stadtarchiv diesen Service dauerhaft für Interessierte an und hat inzwischen fast 200.000 Scans von rund 1.200 Archivalien zur digita- len Nutzung für die Allgemeinheit einsehbar gemacht (siehe Abb. 4). Besonders erfreulich ist, dass die Zahl persönlich Nutzender nach dem „Corona-Knick“ wieder zugenommen hat – digital Nutzende sind also zusätzliche Interessierte! Die schriftlichen Anfragen sind auf hohem Level stabil mit einem Allzeithoch im Jahr 2024 (siehe Abb. 5–6). 27 Unsere Arbeit Pläne für 2025 – 2030 1. Erschließung von amtlichem Archivgut Die Zugänglichmachung und historische Erforschung des ausgehenden 20. Jh. in den Bereichen Städtebau, Kultur, Bürgerservice und Soziales soll ermöglicht werden. Derzeit im Zwischenarchiv verwahrte Akten des Stadtplanungsamtes (240 lfm) und des Amts für Mobilität und Tiefbau (108 lfm) sollen abschließend bewertet und die archivwürdigen Anteile erschlossen werden. Ca. 40 % des eingelagerten Schriftguts sind archivwürdig; es ist mit ca. 3.000 neuen Verzeichnungseinheiten zu rechnen. Ein weiterer Schwerpunkt stellt die Überlieferung der Kulturdienst- stellen (inkl. VHS) und des Dezernats V der 1990er und 2000er Jahre dar. Hier sollen gut 3.000 Akten verzeichnet werden. Einen dritten Erschließungsschwerpunkt bilden die Akten des Amts für Bürger- und Ratsservice (ca. 2.600 Akten) und des Sozialamts (ca. 1.300 Akten), die ebenfalls zum größten Teil aus den 1990er und 2000er Jah- ren stammen. Diese Vorhaben stehen unter dem Vorbehalt, dass die durch den 1. AEP nachgewiesenen zusätzlichen Stellenbedarfe von gut einer Vollzeit- stelle für eine*n Archivar*in dauerhaft umgesetzt werden. Die für ein Jahr eingerichtete überplanmäßige Stelle ist durch Sparmaßnahmen im Rahmen der Haushaltskonsolidierung gefährdet. Ziel: Die genannten Bestände werden auf Aktenebene in der Datenbank beschrieben. 28 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 2. Erschließung von nichtamtlichem Archivgut Korrespondierend und ergänzend zur amtlichen Überlieferung werden Privat- und Vereinsnachlässe aus dem technischen, künstlerischen und sozialen Bereich inhaltlich erschlossen: • Der Nachlass von Dr. Gerhard Rabeler (1916–1997) soll erschlossen werden. Rabeler war von 1966 bis 1978 Stadtbaurat und Leiter des städtischen Planungs- und Bauverwaltungsamtes und hat die städ- tebauliche Entwicklung der Stadt maßgeblich geprägt (mehr als 176 Verzeichnungs einheiten und ca. 600 Fotografien). • Erschließung des Nachlasses des durch Aktionskunst und Urban Garde- ning bekannt gewordenen Künstlers Wilm Weppelmann (ca. 9,2 lfm). • Verzeichnung des Bestands „Theater im Pumpenhaus“ mit ca. 1.051 Ver- zeichnungseinheiten (ca. 12 lfm) aus den letzten 40 Jahren, die sowohl den Gründungskontext als auch die künstlerische und wirtschaftliche Entwicklung dieser überregional wichtigen Kultureinrichtung erforsch- bar machen. • Der 1990 ins Leben gerufene Verein Frauen & Beruf – Frauenforum Münster e. V. unterstützt besonders alleinerziehende Berufstätige bei ihrer Lebensplanung. Fast 300 Akten sollen erschlossen werden. • Der Heimat- und Kulturkreis Roxel e. V. (HKK) wurde im Jahre 1978 ge- gründet, drei Jahre nach der kommunalen Neugliederung in Nordrhein- Westfalen, durch die Roxel zu einem Stadtteil Münsters wurde. Der HKK ist ein Beispiel für moderne Heimatpflege und Kulturarbeit in einem Stadtteil mit eigener Identität (ca. 100 Verzeichnungseinheiten). Ziel: Die genannten Bestände werden auf Ebene der Verzeichnungseinhei- ten in der Datenbank beschrieben. 29 Unsere Arbeit Konservierung und Restaurierung Egal wie alt oder wie wertvoll sie erscheinen – alle Unterlagen, die als archivwürdig bewertet wurden, sind unterschiedslos gleich gut zu behan- deln und in ihrer Entstehungsform zu erhalten. Besondere Herausforderun- gen bestehen bei holzschliffhaltigen Papiersorten sowie bei Umweltpapier, das aus solchem Ausgangsmaterial recycelt wurde. Diese Papiere müssen im aufwändigen chemischen Verfahren der Massenentsäuerung behandelt werden, um den Zerfall durch die sich bildende Ligninsäure zu verhindern. Eine weitere konservierende Maßnahme ist das Scannen. Zwar sollen solche Scans (oder andere Ersatzformen) niemals bestehendes Archivgut ersetzen, da man auf diese Weise die zukünftige Forschung unzulässig einschränken oder gar verhindern würde. Allerdings ermöglichen Digitalbilder in vielen Fällen eine Benutzung bei gleichzeitiger Schonung der Originale. Maßnahmen 2020 – 2024 1. Massenentsäuerung von Archivgut ernsthaft angehen 2021 wurde mit Unterstützung der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) der gesamte Bestand „Armenkommission“ entsäuert (Auftragswert 33.000,– €). In den Jahren 2023 und 2024 konnten größere Entsäuerungsmaßnahmen an den besonders betroffenen Nachkriegsbeständen im Rahmen der Landes- initiative Substanzerhalt (LISE) durchgeführt werden (Auftragswerte je 50.000,– €). 30 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 2. Eindämmung des Papierschädlings „Papierfischchen“ Durch konsequente Magazinhygiene und die Anschaffung großer Tief- kühltruhen, um mit dem Schädling kontaminiertes Schriftgut einfrieren und so die Tiere abtöten zu können, konnte der Schädlings bestand stark eingedämmt werden. Ein vollständiges Ausrotten ist kaum möglich, da sich die bis ca. 1,5 cm langen Tiere in Spalten und Mauer- ritzen zurückziehen und dort bis zu 300 Tage ohne Nahrung überleben können. Papierfischchen sind deshalb in fast allen Archiven, Biblio- theken und Museen „Stammgäste“, die man nicht mehr los wird. Pläne für 2025 – 2030 1. Maßnahmen zur Massenentsäuerung von Archivgut verstetigen Das Stadtarchiv muss – wie im ersten AEP gezeigt – massiv in die Entsäuerung von Archivgut einsteigen, um langfristig das unersetz- liche Archivgut der Stadt zu sichern. Erste Großaufträge wurden in den letzten Jahren durchgeführt, auch für 2025 stehen Sondermittel zur Ver- fügung. Eine Verstetigung der Sondermittel für die Bestandserhaltung über diese Zeit hinaus ist anzustreben. Ziel: Es gelingt, die Mittelbereitstellung zu verstetigen; eine Prio- ri sierung und ein Projektplan für den Zeitraum 2025–2030 werden erarbeitet. 31 Unsere Arbeit Forschung und Vermittlung Eine Stadtgesellschaft lebt immer auch von der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und profitiert von einem wissenschaftlichen Blick auf diese Geschichte. Das Stadtarchiv fördert die Nutzung des Archiv- guts und unterstützt alle Interessierten dabei, sich vor dem Hintergrund des eigenen Geschichtsbewusstseins mit Münsters Vergangenheit zu beschäftigen. Vermittlung verstehen wir als Unterstützung, sich selbst- ständig, mündig und fundiert mit den im Archiv authentisch verfügbaren Quellen oder den daraus erwachsenden Darstellungen auseinanderzu- setzen. Auf dieser Grundlage kann man sich gemeinsam erinnern, aber auch historische Entwicklungen kritisch hinterfragen. Wir fördern so bürgerschaftliches Engagement in der Geschichtskultur. Unser Angebot, das wir seit den 1980er Jahren kontinuierlich weiterent- wickeln, richtet sich an unterschiedliche Zielgruppen mit jeweils ganz eigenen Lernzielen und -bedürfnissen. So besuchen uns Erwachsene in ihrer Freizeit, (angehende) Geschichtsforschende und Lehrkräfte, sowie Schüler*innen ganz unterschiedlicher Jahrgangsstufen und Schulformen. Institutionalisierte Kooperationen mit Schulen in Form von Bildungspart- nerschaften, äußerst hohe Teilnahmezahlen beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten und regelmäßige Besuche von universitären Lern- gruppen tragen dazu bei, dass das Stadtarchiv Münster bundesweit als ein herausragender Ort historischer Bildungsarbeit wahrgenommen wird. Wenn in Münster über Straßennamen, Kriegerdenkmale oder Ehrengräber debattiert wird, ist das Stadtarchiv nach Ratsbeschlüssen häufig eingebun- den. Wir versuchen, die verschiedenen Standpunkte in Gesprächsformaten 32 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 abzubilden, tragen fachwissenschaftliche Einordnungen vor und unter- stützen so nach Wunsch die zuständigen politischen Gremien bei ihren Entscheidungsfindungen. Zwischen 2020 und 2025 konnten unter anderem ein umfassendes Online-Informationsangebot zur Erinnerung im öffentlichen Raum, kri- tisch-einordnende Stelen an Kriegerdenkmalen rund um die Promenade Abb. 7: Die Zahl der Nutzenden in Bildungsformaten zeigen einen Corona-bedingten Einbruch 2020 und 2021, der durch digitale Ersatzangebote zumindest quantitativ leicht abgeschwächt werden konnte. Seit 2022 finden die schulischen Besuche wieder zu ihrem konstanten Niveau zurück und haben zuletzt ein Allzeithoch erreicht. Quelle: Stadtarchiv Münster, 2025. 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 1.300 1.200 1.100 900 700 500 300 100 1.000 800 600 400 200 0 333 137 651 234 877 254 575 181 726 240 610 151 713 199 668 124 576 185 550 186 723 251 676 278 1001 261 868 197 Anzahl Studierende Anzahl Schülerinnen und Schüler 33 Unsere Arbeit und an ehemaligen Zwangsarbeiterlagern im Stadtgebiet des Ersten und Zweiten Weltkriegs installiert werden. Am Train-Denkmal positioniert sich der Rat der Stadt Münster seit 2023 eindeutig und erinnert an die Opfer des kolonialen Völkermords unter deutscher Verantwortung zwischen 1904 und 1908 im heutigen Namibia. Außerdem wurde eine Broschüre zu Krieger- denkmalen in Leichter Sprache entwickelt. Sie steht kostenfrei zur Ver- fügung (vgl. QR-Code). Verschiedene Umbenennungsanträge zu Straßen- namen mündeten in einem Ratsbeschluss vom 11.9.2024 über „Ehrungen im Öffentlichen Raum“, der für zukünftige Ehrungs- und Umwidmungs- vorhaben ein einheitliches Verfahren vorgibt. Maßnahmen 2020 – 2024 1. Live-Stream der Themenabende Die Themenabende fanden ab 2020 abhängig von der Verordnungslage in der Corona-Pandemie mit begrenzter Teilnehmendenzahl im Stadt- archiv statt – teilweise ohne Zuschauende vor Ort. Seitdem werden sie aber immer parallel im Live-Stream auf www.twitch.tv/stadtarchivms übertragen. Ausgewählte Beiträge werden anschließend auf dem YouTube-Kanal des Stadtarchivs eingestellt. Auf diesem Weg konnte die Reichweite unter „Lockdownbedingungen“ zwischenzeitlich deut- lich erhöht werden und pendelte sich dann auf einem guten Niveau ein: Bis Ende 2022 hatten die Live-Streams durchschnittlich 113 Online- Zuschauende, wobei in der Regel 30 bis 60 Personen wieder „analog“ an den Vorträgen teilnahmen, und im Schnitt weitere 110 Aufrufe. Insgesamt werden auf beiden Wegen mehr Menschen erreicht als vor Beginn des Berichtzeitraums und der Corona-Pandemie. 34 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 2. Fortschreibung der Publikationsreihen und digitalen Informations- seiten In der Reihe „Quellen und Forschungen“ konnten die Veröffentlichun- gen zum Urkataster Münsters fortgesetzt werden: Band 28 nimmt die alte Landgemeinde St. Mauritz in den Blick, der Band 29 die ehemalige Gemeinde Lamberti. Wie die vorhergegangenen Bände stellt Dieter Overhageböck die preußische Urvermessung aus den 1820er Jahren neben aktuelle Karten und ermöglicht damit wertvolle Erkenntnisse über Siedlungsentwicklung und Eigentumsverhältnisse. Den Abschluss der Veröffentlichungen zum Urkataster soll Band 30 der Reihe im Jahr 2026 bilden. Abb. 8: Statistik der vom Stadtarchiv betreuten Internetpräsenz im Landesportal „ Archive in NRW“ , 2020 – 2024. Die Zahl der „Nutzenden“ bezieht sich auf unterscheid- bare Personen (wenn eine Person dieselbe Seite mehrfach aufruft, wird trotzdem nur einmal gezählt); „Klicks“ sind Seitenaufrufe insgesamt. 20.000 15.000 10.000 5.000 0 2020 6.840 11.131 2021 8.637 11.020 2022 11.000 16.469 2023 15.679 19.257 2024 Nutzende Klicks 1.183577 35 Unsere Arbeit Sechs Veröffentlichungen in der Reihe „Kleine Schriften aus dem Stadt- archiv“ erforschen das Wirken des Stadtarchivars Eduard Schulte, die Völkerschauen im Münsteraner Zoo, die nationalsozialistischen Um- gestaltungsplänen zur Gauhauptstadt, die Aktivitäten der Eheleute Krückmann, die Umwandlung der Promenade in einen Naherholungs- raum und die Geschichte Münsters nach dem Friedensschluss von 1648 (vgl. die Liste der Veröffentlichungen auf Seite 47/48). Sowohl die städtische Präsenz im landesweiten Archivportal (Relaunch 2020) als auch die stadtgeschichtlichen Internet-Präsentationen erfreu- en sich hoher Beliebtheit mit zum Teil mehreren zehntausend Seiten- aufrufen im Berichtszeitraum. Thematische Erweiterungen erfolgten durch Online-Portale zu Briten in Münster (2022), zu kolonialen Räumen in Münster (2022), mit einer Erweiterung und einem Relaunch der Website zu Straßennamen (2023) sowie zu Vergessenen Verfolgten der NS-Zeit und Nachkriegszeit aus Münster (2023) (vgl. Seite 36/37). 3. Geschichtswettbewerb Trotz pandemiebezogener Einschränkungen konnten rund 200 Schü- ler*innen von 19 Münsteraner Schulen 112 Beiträge im Wettbewerbsjahr 2020/21 erfolgreich einreichen. Im Wettbewerbsjahr 2022/23 sind 105 Beiträge von 272 Beitragenden an 15 Münsteraner Schulen entstanden. Eine spendenfinanzierte Broschüre dokumentierte in beiden Wett- bewerbsjahren die Ergebnisse der Schüler*innen. Mit einem vom Stadt- archiv organisierten Festakt im Rathaus für alle Teilnehmenden wurde 2023 an die Würdigungspraxis der Vor-Corona-Zeit angeknüpft. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Didaktik der Geschichte und dem Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Universität Münster ist eine Online-Datenbank veröffentlicht worden: 36 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 Aufrufe 2022 772 2023 3.823 2024 5.362 Zum Internetangebot Aufrufe 2022 6.217 2023 6.168 2024 5.534 Zum Internetangebot Briten in Münster Koloniale Räume 37 Unsere Arbeit Aufrufe 2023 18.271 2024 78.280 Zum Internetangebot Aufrufe 2023 3.864 2024 3.918 Zum Internetangebot Straßennamen „Vergessene“ Verfolgte 38 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 Auf www.geschichtswettbewerb-ms.de finden sich alle rund 2.300 im Stadtarchiv archivierten Wettbewerbsbeiträge aus Münster seit Mitte der 1970er Jahre. Auch die Beiträge der beiden Ausschreibungen im Berichtszeitraum konnten dort ergänzt werden. In der Summe hat die Stadt Münster einen Spitzenplatz in der bundesweiten Wettbewerbs- landschaft durch diese besonderen Formen der Würdigung und Sicht- barmachung wahren können. Logo der Stadt Münster Stadtarchiv Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2022/2023 Mehr als ein Dach über dem Kopf. Wohnen hat Geschichte Beiträge aus Münster Fläche Gelb DDookkuummeennttiieerrtt vvoomm SSttaaddttaarrcchhiivv MMüünnsstteerr Mehr als ein Dach über dem Kopf. Wohnen hat Geschichte Mit freundlicher Unterstützung des Gewinnsparvereins bei der Sparda-Bank West e.V. Partner der Stadt Münster beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten für Kinder und Jugendliche in Deutschland Impressum Herausgeberin: Stadt Münster Stadtarchiv Projektleitung: Philipp Erdmann Redaktion: Jan Hoffrogge, Lena Roark Layout/Satz: typodienst (Altenberge) Druck: Burlage (Münster) Münster 2023 Der Geschichtswettbewerb um den Preis des Bundespräsidenten wird alle zwei Jahre von der Körber-Stiftung aus- gerichtet. 2022/2023 stand er unter dem Motto Mehr als ein Dach über dem Kopf. Wohnen hat Geschichte. Rund 300 Schülerinnen und Schüler aus Münster haben Beeindruckendes geleistet: In dieser Broschüre präsentiert das Stadtarchiv Münster ihre Wettbewerbsbeiträge, die verschiedenste Facetten der Geschichte des Wohnens untersuchen. Mit dieser Veröffentlichung würdigt die Stadt Münster das Engagement aller Teilnehmenden aus Münster. Abb. 9: Die Teilnehmenden des Geschichtswettbewerbs 2022/23 aus Münster mit Oberbürgermeister Markus Lewe und Stadträtin Cornelia Wilkens sowie Archivleiter Dr. Peter Worm. Rechts das Titelbild der vom Stadtarchiv erstell- ten Dokumentation über alle eingereichten Münsterischen Beiträge. 39 Unsere Arbeit 4. Vergessene Verfolgte Nach zweijährigem intensiven Aktenstudium konnte Timo Nahler, wissenschaftlicher Projektmitarbeiter im Stadtarchiv, 352 Menschen aus Münster eindeutig identifizieren, die in der Zeit des National- sozialismus verfolgt wurden. Hinzu kommen mindestens 400 weitere Personen, die Opfer von Zwangssterilisierungen wurden, und mindes- tens 103 Personen, die nach 1945 auf Grundlage der §§ 175 und 175a strafrechtlich verurteilt wurden. Sie gehören zu den bisher „vergesse- nen“ Verfolgten. Das Projekt verstand darunter verfolgte Homosexuelle, sogenannte Asoziale und Berufsverbrecher, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Deserteure und Opfer der Patientenverfolgung, an die nach 1945 kaum erinnert wurde. Das Projekt wurde durch Ratsbeschluss vom 13.3.2021 eingesetzt und am 14.6.2022 verlängert. Kooperationspartner waren das Amt für Gleichstellung und der Geschichtsort Villa ten Hompel. Das federführende Stadtarchiv macht die Forschungsergebnisse auf mehreren Wegen öffentlich: Eine Website stellt anhand von zwölf illus- trierten Einzelbiografien Verfolgungserfahrungen der verschiedenen „vergessenen“ Verfolgtengruppen exemplarisch dar. Darüber hinaus er- schien 2024 eine didaktische Handreichung in der Reihe „Forschen und Lernen“ des Stadtarchivs, die Fragen des Erinnerns an diese „vergesse- nen“ Verfolgten für unterschiedliche Alters- und Lerngruppen aufberei- tet. Ein wissenschaftlicher Forschungsbericht in der wissenschaftlichen Zeitschriftenreihe „Geschichte im Westen“ (2024) skizziert Recherche- wege, ordnet Quellenbestände ein und bietet einen quantitativen Überblick über die Betroffenenzahlen aus Münster. Darüber hinaus hat der Geschichtsort Villa ten Hompel einen Thementag entwickelt, der die Forschungsergebnisse in Workshop-Formaten für Schulklassen 40 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 aufbereitet. Das Forschungsprojekt wurde durch einen wissenschaft- lichen Beirat, bestehend aus Prof. Dr. Mechthild Black-Veldtrup, Norman Devantier, PD Dr. Christoph Lorke und Dr. Julia Paulus, begleitet. 5. Förderung einer partizipativen Geschichtskultur Verstärkt hat das Stadtarchiv im nichtamtlichen Bereich Unterlagen übernommen, die bereits kurz nach der Erschließung im Rahmen von Projekten und Präsentationen erforscht werden konnten. Hier sind in erster Linie das Depositum des Kulturvereins Frauenstraße 24 e. V. und der Bestand Rosa Geschichte(n) mit einer Erweiterung um Unterlagen einzelner Akteur*innen aus dem Umfeld der schwul-lesbischen Vereini- gungen zu nennen. Aus beiden Übernahmen sind Ausstellungen ent- standen, die u. a. im Stadtmuseum zur Geschichte der Hausbesetzung in der Frauenstraße 24 oder im LWL-Museum für Kunst und Kultur zur queeren Geschichte Münsters gezeigt worden sind. Das erste Projekt ist im Wesentlichen durch ehemalige Hausbewohner*innen begleitet durch das Stadtarchiv entstanden; die zweite Ausstellung resultierte aus einem studentischen Forschungsseminar, das intensiv mit den Quellen im Stadtarchiv arbeitete. 6. Historiker*innenpreis und Nachwuchspreis Der seit 1981 von der Stadt Münster vergebene Historikerpreis ist anläss- lich des 375. Jubiläums des Westfälischen Friedens am 27. September 2023 zum neunten Mal und erstmals unter dem geschlechtergerechten Namen „Historiker*innenpreis“ vergeben worden. Die Jury unter Lei- tung von Oberbürgermeister Markus Lewe und organisatorisch beglei- tet vom Leiter des Stadtarchivs, Dr. Peter Worm, wählte einstimmig die Historikerin Prof. Dr. Ute Daniel aus. Parallel ist der Förderpreis für junge 41 Unsere Arbeit Historiker*innen das zweite Mal an Dr. Benedikt Neuwöhner verliehen worden. Einen undotierten Sonderpreis erhielt Julia Bühner für ihre Dissertation. Die hohe Zahl von über 30 Einreichungen bestätigte die Attraktivität dieses Nachwuchspreises. Gerahmt wurde der Festakt von einer wissenschaftlichen Tagung, die das Stadtarchiv zusammen mit dem Institut für vergleichende Städtegeschichte und dem Exzellenz- cluster Religion und Politik der Universität Münster zum Thema „Den Frieden gewonnen? Städte nach 1648 im Vergleich“ organisierte. Ein Tagungsband mit den Forschungsbeiträgen erschien im Oktober 2024. Abb. 10: Im Rathausfestsaal nimmt die Preisträgerin Prof. Dr. Ute Daniel am 27. September 2023 die Urkunde aus den Händen des Oberbürgermeisters entgegen; rechts: die Gewinnerin des Sonderpreises Julia Bühner und der Gewinner des Förderpreis für junge Historiker*innen Dr. Benedikt Neuwöhner. 42 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 Pläne für 2025 – 2030 1. Neukonzeption und Relaunch der Internetseiten des Stadtarchivs Das neue Standardlayout der städtischen Internetpräsenzen hat sich vom dreispaltigem Ansatz mit Menübereich in der linken Spalte ge- löst und arbeitet nun mit Kacheln und maximal 9 „Call-to-Action“. Informationen zur Nutzung des Archivs und zu Veranstaltungen sowie Publikationen, der Zugriff auf Digitalisate, stadtgeschichtliche Präsenta- tionen, Angebote und Materialien zur Bildungsarbeit sollen zeitgemäß und bedienfreundlich dargestellt werden. Das macht eine vollständige Überarbeitung der Seitenstruktur und eine Neuorganisation der Inhalte nötig. Außerdem müssen Texte neu geschrieben werden, ein Angebot in Leichter Sprache soll ebenfalls erarbeitet werden. Die Erfüllung dieser Aufgabe ist von der Mitwirkung des Amts für Kommunikation und der citeq abhängig. Ziel: Der Go-Live der neuen Homepage findet statt. 2. Digitale Quellensammlungen für den Geschichtsunterricht Das Angebot, Quellen für den Unterricht abzurufen, soll auf unserer Homepage ausgebaut werden. Die Sammlung soll Bild- und Textquel- len umfassen und sie auf der Ebene von Leitfragen und Modulen mit Curricula aller Schulformen verbinden. Ein Fokus soll auf Themen und Quellen liegen, die ein besonderes Potential für heterogenitätssensibles historisches Lernen haben. Geplant ist unter anderem, im Vorfeld des 100. Jahrestages der nationalsozialistischen Machtübernahme und an- gesichts aktueller Gefährdungen der Demokratie, eine Quellensamm- lung herauszugeben. Eine weitere Sammlung soll nicht-deutschsprachi- ge Quellen aus dem Stadtarchiv für den Unterricht erschließen. Ziel: Es werden mindestens drei Quellensammlungen bereitgestellt. 43 Unsere Arbeit 3. Auswahl und Verleihung des 10. Historiker*innenpreises der Stadt Münster und des 3. Förderpreises für junge Historiker*innen Alle fünf Jahre wird der Wissenschaftspreis, der 1978 von der Stadt Münster aus Anlass der 330-Jahr-Feier des Westfälischen Friedens gestiftet wurde, für Lebenswerke oder „herausragende Werke der Geschichtswissenschaft“ verliehen. Es müssen Jurys für den Haupt- und den Förderpreis gebildet, der Auswahlprozess und die feierliche Verleihung organisiert werden. Ziel: Im Jahr 2028 können beide Preise an geeignete Personen verliehen werden. 4. Schüler*innenforschung durch den Geschichtswettbewerb fördern Münster nimmt eine herausragende Rolle beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten ein. In keiner anderen Stadt werden die Schü- ler*innenbeiträge zur Lokalgeschichtsforschung in der Weise sichtbar gemacht und gewürdigt, wie es in Münster geschieht (durch Festakte, gedruckte Dokumentationen, Datenbank aller über 1.800 Beiträge auf geschichtswettbewerb-ms.de und die Archivierung der Beiträge im Stadtarchiv). Ein durch das Stadtarchiv intensiv gepflegtes Netz- werk zwischen Schulen, außerschulischen Lernorten, universitärer Geschichtsdidaktik und der Körber-Stiftung sorgt für ein einzigartiges Arrangement für individuelles, forschungsnahes historisches Lernen. Es soll fortgesetzt und an die fachdidaktischen, pädagogischen wie struk- turellen Entwicklungen im Bildungssektor angepasst werden. Ziel: Wettbewerbsbeiträge 2025 / 2027 / 2029 sollen sichtbar gemacht werden. Forschen und Lernen 2 hg. v. Peter Worm Städtische Verwaltung und Justiz in der Frühen Neuzeit Eine Einführung in die seriellen Quellen des Stadtarchivs Münster Tilman Haug 45 Veröffentlichungen in den Reihen des Stadtarchivs 2020–2024 Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster 29 Dieter Overhageböck, Das Urkataster der Gemeinde Lamberti. Grundeigentümer in Karten und Tabellen. Münster 2024. 28 Dieter Overhageböck, Das Urkataster der Gemeinde St. Mauritz. Grundeigentümer in Karten und Tabellen. Münster 2022. Kleine Schriften aus dem Stadtarchiv Münster 21 Ulrike Ludwig / Philip Hoffmann-Rehnitz (Hg.), Münster nach dem Dreißigjährigen Krieg. Münster 2024. 20 Lene Jaspert, „zur Verschönerung der Stadt und zum Nutzen der Menschen“. Die Promenade in Münster im 18. Jahrhundert als Spazier- gang, Stadtgrenze und Stadtverschönerung. Münster 2024. 19 Michael Jung, Im Netz der Rechten. Das deutschnationale Professoren- ehepaar Krückmann und die Stadtgesellschaft in Münster. Münster 2024. „Vergessene Verfolgte“ des Nationalsozialismus in Münster (Forschen und Lernen 3) Forschen und Lernen 3 hg. v. Jan Matthias Hoffrogge und Peter Worm „ Vergessene Verfolgte“ des Nationalsozialismus in Münster Wie kann heute an sie erinnert werden? 46 Archiventwicklungsplan 2025 – 2030 18 Joana Gelhart, Die Gauhauptstadt im Bild. Visuelle Inszenierungen Münsters 1933–1945. Münster 2023. 17 Christin Fleige, Die Völkerschauen im Westfälischen Zoologischen Garten Münster. Zur Inszenierung und Rezeption des „Fremden“ (1879–1928). Münster 2023. 16 Lena Krull (Hg.), Der Archivar als Chronist. Eduard Schulte und die Revolution 1918/19 in Münster. Münster 2021. Forschen und Lernen 3 Jan Hoffrogge (Bearb.), Vergessene Verfolgte. Münster 2024. 2 Tilman Haug, Städtische Verwaltung und Justiz in der Frühen Neuzeit. Eine Einführung in die seriellen Quellen des Stadtarchivs Münster. Münster 2022. 1 Philipp Erdmann (Bearb.), Kriegerdenkmale in Münster. Münster 2020, 2. Auflage 2022. 47 Notizen 48 Notizen Bildnachweis Umschlag: Vorderseite: Stadtarchiv Münster, Besuch einer 6. Klasse im Stadtarchiv im Rahmen einer Bildungspartnerschaft Stadtarchiv Münster, Sammlung Handschriften, Nr. 220: Makulatur mit dem hebräischen Gebetstext des Schma Israel (1. Hälfte 14. Jh.) Stadtarchiv Münster, Schülergruppe aus dem Overbergkolleg bei der Quellenarbeit Stadtarchiv Münster, Straßenszene Ribbergasse aus dem Projekt „Vergessene Verfolgte“, Illustration: Studio Nippoldt Rückseite: Das Archivgebäude „An den Speichern 8“, Foto: R. Berg Impressum Herausgeberin: Stadt Münster, Stadtarchiv Gestaltung: Büro für typographische Dienstleistungen Markus Schmitz Druck: Stadt Münster, Fachstelle Expedition & Druck Mai 2025, Aufl. 150 Stück Stadtarchiv Münster An den Speichern 8 48157 Münster Tel. 02 51/4 92-47 01 Fax 02 51/4 92-77 27 E-Mail: archiv@stadt- muenster.de Öffnungszeiten und digitale Angebote www.stadt-muenster.de/ archiv
Berichtsvorlage
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V/0278/2025 V/0278/2025 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Fertigstellung des 2. Archiventwicklungsplans für das Stadtarchiv Münster Beratungsfolge 13.05.2025 Kulturausschuss Bericht Bericht: Der Archiventwicklungsplan (AEP) 2025 - 2030 benennt die strategischen Ziele und zentralen Ar- beitsvorhaben des Stadtarchivs für die nächsten fünf Jahre. Er beschreibt die gesetzlichen und sat- zungsmäßigen Aufträge sowie die zur Verfügung stehenden Ressourcen und dient damit als mittel- fristige Planungsgrundlage. Damit schreibt das Stadtarchiv den auf Grundlage des Beschlusses des Kulturausschusses vom 21.11.2019 (V/0959/2019) entwickelten AEP 2020 - 2025 fort. Der AEP stellt die sechs zentralen Tätigkeitsfelder des Archivs vor: Interne Verwaltung, Magazinie- rung und Zwischenarchiv, Bewertung und Übernahme, Erschließung und Nutzung, Konservierung und Restaurierung sowie Forschung und Vermittlung. Dem sind die normativen Grundlagen der Arbeit des Stadtarchivs vorangestellt: Das gemeinsam entwickelte Leitbild und die vom Rat der Stadt 2021 beschlossene Archivsatzung. Die fachlichen Kapitel beschreiben jeweils die zwischen 2020 und 2024 angegangenen Maßnahmen aus dem ersten AEP und halten fest, was erreicht werden konnte, benennen aber auch, wenn diese Ziele nicht erreicht werden konnten. In einem zweiten Schritt werden die Pläne für die nächsten fünf Jahre mit den dafür nötigen Sach- oder Personalmitteln dargestellt. Konkret und messbar formulierte Ziele machen die gewünschten Fortschritte nachprüfbar. In den Fällen, in denen die Zielerreichung von externer Mitwirkung oder von der Bereitstellung bzw. Verstetigung von Personalmitteln abhängig ist, wird das entsprechend vermerkt. Ein Benchmarking mit den Städten ähnlicher Größe zeigt die vergleichsweise knappe Personalaus- stattung des Stadtarchivs Münster. Nur Wiesbaden hat die gleiche Zahl an Planstellen (betreibt aber kein Zwischenarchiv), während andere Häuser über die doppelte, dreifache, ja sogar vierfache Stel- lenzahl verfügen. Dem steht ein weit überdurchschnittlicher, durch die Kennzahlen im AEP nachweis- barer Outcome in allen Aufgabenbereichen gegenüber. Damit nimmt das Stadtarchiv bundesweit un- ter anderem in den Bereichen Digitalisierung, Langzeitarchivierung und Historische Bildungsarbeit eine Führungsposition unter den Kommunalarchiven ein. Stadtarchiv 05.05.2025 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Dr. Worm Telefon: 492-4700 Worm@stadt-muenster.de - 2 - V/0278/2025 Das Stadtarchiv befindet sich im Gespräch mit den Querschnittsämtern der Verwaltung über die Er- gebnisse der Archiventwicklungsplanung. Die sachlich -fachlich begründeten Anliegen wurden mit dem Personal- und Organisationsamt und dem Amt für Finanzen und Beteiligungen besprochen. i. V. gez. Cornelia Wilkens Stadträtin Anlagen Anlage A Archiventwicklungsplan 2025 - 2030
Anlage A
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Anlage A zur V/0278/2025 Kurzüberblick Fertigstellung des 2. Archiventwicklungsplans für das Stadtarchiv Münster Ziele/Teilziele/Zielerreichung Ein leistungsstarkes Stadtarchiv trägt zu einem führenden Bildungs-, Wissenschafts-, For- schungs- und Entwicklungsstandort in Europa vor allem im Bereich der Gesellschaftswissen- schaften bei. Das Engagement des Stadtarchivs in den Tätigkeitsfeldern „Digitalisierung“ und „Historische Bildungsarbeit“ hat bundesweite Strahlkraft und Vorbildcharakter für ein modernes Dienstleis- tungsverständnis in diesem Verwaltungsbereich. Die Stadt will auf der Basis ihrer Geschichte und des Prinzips von „Toleranz durch Dialog“ Münster zu einer weltoffenen Stadt weiterentwickeln. Dafür braucht es authentisches, aussa- gekräftiges Archivgut als Fundament und unabhängige historische Grundlagenforschung. Beides stellt das Stadtarchiv sicher. Zielerreichung: Die im Archiventwicklungsplan (2025-2030) dargelegten Ziele benötigen ein Mindestmaß an personeller und finanzieller Ausstattung. Der Blick auf andere Städte ähnlicher Größe belegt, dass Münsters Stadtarchiv derzeit mit vergleichsweise wenig Personal auskommen muss und angesichts dieser knappen Ressourcen die Erfüllung der gesetzlichen Aufträge gefährdet ist. Nur aufgrund eines hochmotivierten Teams konnten die Ziele des ersten AEP weitgehend er- reicht werden. Mittelfristig bedarf es der Bereitstellung der im ersten AEP festgestellten und durch das Personal- und Organisationsamt anerkannten Finanz- und Personalausstattung. Finanzierung Produktgruppe: 0406 Stadtarchiv Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja X Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja X Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja X Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja X Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja X Nein Bereits veranschlagt? Ja X Nein Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist X vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig vollständig freiwillig Archivgesetz Nordrhein-Westfalen - ArchivG NRW vom 16.03.2010, zuletzt geändert durch Gesetz vom 16. September 2014 Kulturgesetzbuch für das Land Nordrhein-Westfalen (Kulturgesetzbuch - KulturGB NRW) vom 01.12.2021 Satzung für das Stadtarchiv Münster einschließlich Benutzungs- und Gebührenordnung vom 23.06.2021 Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Ein leistungsfähiges Stadtarchiv sichert nicht nur das materielle historische Erbe, sondern macht gesellschaftliche Vielfalt genauso wie gesellschaftliche Ungleichheiten in ihrer historischen Di- mension sichtbar. Das geschieht durch ausgewogene Überlieferungsbildung im Sinne des ge- setzlichen Pflichtauftrags, und auch durch die Befähigung aller gesellschaftlicher Gruppen im Rahmen historischer Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, selbst am (De-)Konstruktionsprozess von Geschichte teilzuhaben. Den Abbau von Hürden in der Nutzung historischer Unterlagen durch entsprechende Vermittlungsformate, Digitalisierungsprogramme oder Veröffentlichungen hat das Stadtarchiv in den vergangenen Jahren aktiv vorangetrieben. Hierfür müssen ausrei- chend Ressourcen zur Verfügung stehen.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (3)
- Frauenstraße 24
- An den Speichern 8
- Promenade
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Details
- Aktenzeichen
- V/0278/2025
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 02.05.2025
- Erstellt
- 29.04.2025 11:33