3860/2016
Freigabe zusätzlicher Mittel für Maßnahmen zur Biodiversität und Umweltbildung Teilplan 1401 - Umweltordnung und Umweltvorsorge
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Beschlussvorlage Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/57/574 Vorlagen-Nummer 3860/2016 Freigabedatum Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Freigabe zusätzlicher Mittel für Maßnahmen zur Biodiversität und Umweltbildung Teilplan 1401 - Umweltordnung und Umweltvorsorge Beschlussorgan Ausschuss für Umwelt und Grün Gremium Datum Beschluss: Vorbehaltlich der Entscheidung der Stadtkämmerin bezüglich einer Ermächtigungsübertragung der in 2016 nicht ausgegebenen Mittel beschließt der Ausschuss Umwelt und Grün die Freigabe von 315.000 € für die Maßnahmen: „Biodiversität“, „kommunale Ernährungspolitik“, sowie Umweltbildung „Köln als Lebensraum“. Die im Haushaltsplan 2016/2017 veranschlagten Maßnahmen wurden mit dem Bewirtschaftungsvermerk „Mittelfreigabe erfolgt durch Fachausschuss“ versehen. Die konkrete Verwendung der Mittel erfolgt maßnahmenbezogen (Erläuterung s. Begründung). Die Mittel wurden im Haushaltsplan 2016/2017, Teilergebnisplan 1401 – Umweltordnung und – vorsorge, in den Teilplanzeilen 13, Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen und Teilplanzeile 16, sonstige ordentl. Aufwendungen, veranschlagt: 2016 2017 Teilplanzeile 1. Biodiversität 40.000 € 75.000 € 16, sonstige ordentl. Aufwendungen, 2. Kommunale Ernährungspolitik 40.000 € 40.000 € 13, Aufw. für Sach- u. Dienstleistungen, 3. Umweltbildung „Köln als Lebensraum“ 40.000 € 80.000 € 13, Aufw. für Sach- u. Dienstleistungen. Ausschuss für Umwelt und Grün 02.02.2017 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Ja, investiv Investitionsauszahlungen € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme (2017) 315.000 € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € c) bilanzielle Abschreibungen € Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Erträge € b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten € Einsparungen: ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € Beginn, Dauer Begründung: 1. Biodiversität (115.000 €): Biodiversität ist gerade im Zusammenhang mit den dadurch zu stärkenden Ökosystemdienstleis- tungen ein immer wichtigeres Handlungsfeld. Dies wird u.a. durch die internationale, die nationale und die landeseigene Biodiversitätsstrategie dokumentiert. Dabei setzt sich immer mehr auch die Erkenntnis durch, dass sich die Förderung der Artenvielfalt nicht nur auf Schutzgebiete konzentrie- ren darf. Vielmehr ist Natur vor allem hinsichtlich der ‚nature based solutions‘ im Rahmen zuneh- mender Umweltbelastungen auch direkt vor der Haustür dringend erforderlich. Erst in diesem Jahr hat Umweltministerin Hendricks den Wert der Stadtnatur herausgehoben, da dem Klimawandel und der Schadstoffbelastungen von Boden und Luft durch stabile Ökosysteme besser entgegen- gewirkt werden kann. Die Wichtigkeit des Themas wurde von Seiten der Stadt Köln bereits in 2010 durch die Unterzeichnung der Deklaration „Biodiversität in Kommunen“ bekundet. Mit der Beteili- gung am Wettbewerb „Bundeshauptstadt Biodiversität“ in 2011 wurde jedoch durch die Platzierung (Platz 79 von 124) offenbar, dass in Köln ein großer Handlungsbedarf in Bezug auf diese Thematik besteht. Das größte Defizit lag dabei mit Rang 109 von 124 im Bereich „Natur in der Stadt“. Durch erste Projekte wurde im Folgenden versucht, diese Defizite zu verringern. Zu den wesentlichen Projekten zählen bislang: - Naturforscherkiste, die Natur entdecken mit Hubert der Heuschrecke(Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biodiversität 2014) http://www.stadt-koeln.de/leben-in- koeln/umwelt-tiere/umweltbildung/die-naturforscherkiste . - Ganz Köln im Spatzenfieber (Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biodiversität 2016) www.stadt-koeln.de/spatz . - Naturkalender für Köln in 2016 (Spatzenkalender) und 2017 (Wilde Tiere in der Stadt). - Ökologische Gestaltung des Außengeländes in einer Sozialsiedlung in Zusammenarbeit mit dem Amt für Wohnungswesen. 3 - Einbringen der Biodiversitätsaspekte in das Schulgartenprojekt Gärtnern mit Pänz http://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/umwelt-tiere/umweltbildung/gaertnern-mit-paenz- pauken-pausen-pastinaken . Bislang standen für diesen Bereich keine stadteigenen Haushaltmittel zur Verfügung, die Projekte konnten daher meist nur über zusätzliche Fördermittel finanziert werden. Die Akquise bindet je- doch hohe personelle Kapazitäten und ist nicht bei jedem Projekt erfolgreich. Zur Verbesserung der Situation ist es daher erforderlich, auf eigene Mittel zurückgreifen zu können. Folgende Maßnahmen sollen dabei aus dem genannten Haushaltsansatz finanziert werden: - Anlage eines Wildbienenlehrpfades auf Gut Leidenhausen. Dazu erforderlich sind die Umsetzung von wildbienengerechten Strukturen sowie eine Be- schilderung in Bezug auf Leben und Schutz der Wildbienen. Ziel: Von den 506 in Deutschland vorkommenden Wildbienenarten sind über die Hälfte bedroht. Dabei handelt es sich um sehr effektive Bestäuber, die nicht nur den Wildblumenbestand sichern, sondern auch zu einer wesentlichen Erhöhung der Ernteerträge im Gemüse- und Obstanbau beitragen. Über diese Tiergruppe ist bei der Bevölkerung leider sehr wenig be- kannt. In dem Projekt soll es darum gehen, Vorurteile abzubauen (z.B. in Bezug auf die Gefährlichkeit) und über die (Ökosystemdienst-) Leistungen dieser Arten zu informieren. Ziel ist es dabei, die Menschen zu motivieren, auch im eigenen Umfeld mit naturnaher Ge- staltung zum Schutz der Natur beizutragen. Die Kosten des Lehrpfades belaufen sich dabei auf ca. 30.000 €. Davon stehen 5000 € über eine Förderung durch die HIT-Umweltstiftung bereits zur Verfügung. Somit beträgt der städtische Anteil 25.000 €. - Begleitend zu dem Wildbienenlehrpfad sollen bienengerechte Gärten an verschiedenen Standorten im öffentlichen Raum des Stadtgebietes eingerichtet werden. Die Kosten für die Anlage je Garten belaufen sich auf ca. 6.000 € (Su. 30.000 € bei fünf Gärten). - Im Rahmen des Spatzenprojektes wurde ein Spatzenkinderbuch entwickelt und an alle Kölner Grundschulen als Klassensatz verschickt. Aufgrund der guten Resonanz und der Nachfrage nach weiteren Klassensätzen wäre es erforderlich, hier einen Nachdruck zu beauftragen. Dieser solle 3.000 Exemplare beinhalten, um auch alle Kindergärten und Se- niorenheime mit dem Büchlein zu versorgen (Kosten 6.000 €). - Ebenfalls im Rahmen des Spatzenprojektes wurde von der Universität zu Köln in Koopera- tion mit der Stadt ein Leitfaden für Lehrer zur spatzengerechten Schulhofgestaltung entwi- ckelt. Dieser soll barrierefrei über eine externe Beauftragung gestaltet und als PDF- Dokument über das Internet zur Verfügung gestellt werden (Kosten 1.500 €). - Im Bereich des Flehbaches befindet sich ein ehemaliges Niedermoor, welches in der Ver- gangenheit trockengelegt und mit Kehricht angefüllt wurde. Eine Renaturierung würde nicht nur dem Biodiversitätsaspekt gerecht, sondern auch zur Wiederherstellung der Bo- denfunktionen beitragen und als CO2-Senke fungieren und somit klimatisch wirksam wer- den. Erste sondierende Gespräche mit den zuständigen Fachdienststellen haben ergeben, dass dies auch prinzipiell möglich ist. Zur weiteren Umsetzung sind jedoch entsprechende Gutachten erforderlich. Dazu gehören ein landschaftspflegerischer Begleitplan, eine arten- schutzrechtliche Prüfung sowie im Besonderen eine Machbarkeitsanalyse zur Beseitigung der Altablagerungen, die nicht nur eine Klassifizierung der Belastungsklassen und deren Entsorgungskosten beinhaltet, sondern auch eine Analyse, auf welchem Weg ein Abtrans- port möglich ist. Zur Einleitung der Maßnahme sollten 40.000 € zur Verfügung gestellt werden. - Über ein Projekt in Zusammenarbeit mit den NGOs sollen Nisthilfen an öffentlichen Ge- bäuden, insbesondere Schulen, angebracht werden, um die Brutsituation der Gebäudebrü- ter zu verbessern (Kosten 10.000 €). - Es sollen Workshop zur Leitbildfindung für Biodiversität Stadt Köln unter Beteiligung von NGOs und Dienststellen durchgeführt werden (Kosten 2.500 €). - Nachrichtlich: 4 Im Rahmen der Deklaration Biodiversität in Kommunen wurde ein Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ gegründet, dem alle Kommunen gegen einen nach Einwohnerzahl ge- staffelten Beitrag beitreten können. Das Bündnis bietet eine gute Plattform für einen Aus- tausch zu laufenden bzw. umgesetzten Projekten und einer gemeinsamen Planung und Umsetzung neuer Ideen zur Verbesserung der Biodiversität. Die jährlichen Kosten nach Beitritt belaufen sich auf 5.000 € (in obiger Summe nicht enthalten). Da der Beitritt zum Bündnis vom Rat zu beschließen ist, wird insoweit auf Vorlage 4221/2016 verwiesen. 2. Kommunale Ernährungspolitik (80.000 €) Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt hat seit 2011 im Themenfeld Ernährungsbildung Aktivitä- ten gegen Lebensmittelverschwendung, zur Wertschätzung von Lebensmitteln und für den nach- haltigen Umgang mit Lebensmitteln angestrengt. Hierzu wurde in Kooperation mit den Kölner Ini- tiativen und Vereinen versucht, Bewusstsein im Sinne der Konsumentenbildung zu schaffen. Ge- nannt sei der Aktionstag in 2011, das Schulprojekt „Schad dröm“ sowie die Mitwirkung an der Gründung eines Ernährungsrates für Köln. Um die Anstrengungen zu intensivieren und öffentlich- keitswirksam in der Kölner Bevölkerung sowie in den städtischen Projekten zu implementieren, bedarf es finanzieller Mittel. In folgenden Bereichen soll eine Intensivierung der Aktivitäten erfolgen: - Fortsetzung Projekt „Schad dröm“ durch Erstellung und Umsetzung eines Konzeptes, wel- ches insbesondere den ressourcenschonenden Umgang mit Lebensmitteln in der Schul- gastronomie in Zusammenarbeit mit Verbänden und städtischen Ämtern beinhaltet (exter- ne Beauftragung): 40.000 € - Ernährungs- und Kochkurse für Kinder zur Anleitung einer nachhaltigen Lebensführung: 10.000 € - Unterstützung der Umsetzung von Entscheidungen der Bezirksvertretungen zur essbaren Stadt Köln: 30.000 € für Pflanzaktionen von Obst- und Beerengehölzen in Schulgärten und im öffentlichen Raum. 3. Umweltbildung „Köln als Lebensraum“ (120.000 €) Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt hat seit 2011 im Themenfeld Köln als Lebensraum Aktivi- täten in der Umweltbildung und Informationsbereitstellung zu Natur- und Umwelterfahrung in Köln angestrengt. Hierzu wurde eine Broschüre erstellt, welche einen Überblick über die Lernorte in Köln und hier ansässige Vereine und Initiativen beinhaltete. Es wurde ein erster externer Internet- auftritt (Bildung Köln.de) geschaffen. Inhaltlich wurde dieser Prozess durch die Erstellung des Umweltbildungskonzeptes beim Umwelt- und Verbraucherschutzamt begleitet. Um die Umweltbil- dung durch vielfältige Ansätze in der Kinder- und Jugendförderung sowie auch in der Erwachse- nenbildung in Köln zu verankern, ist weiteres Engagement durch die Bereitstellung von finanziellen Mitteln erforderlich. Seit 2014 wird das Modell-Schulgartenprojekt durch das Umwelt- und Verbraucherschutzamt er- stellt und umgesetzt. Es wurden Kooperationsvereinbarungen mit Kölner Schulen bis 2018 getrof- fen. Die Rückmeldungen zeigten, dass in diesem Themenfeld langfristiges Engagement erforder- lich ist, um die bisherigen Erfolge zu verankern: - Fortsetzung des Schulgartenprojektes unter Einbezug externer Dienstleistungen (Kosten 80.000 €). - Schaffung eines Projektfördertopfes zur Intensivierung der Umwelt- und Naturbildung, über den gute Projekte (Entscheidung über eine unabhängige Jury) von Kölner Umweltinitiati- ven finanziell unterstützt werden sollen (Kosten 40.000 €). Hinweis zu den Finanzmitteln: Die Mittel für die Maßnahmen wurden dem Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz im Rahmen des politischen Veränderungsnachweises zum Haushaltsplan 2016/2017 zur Verfügung gestellt. Aufgrund der Vorläufigen Haushaltsführung konnten die Mittel 2016 nicht zweckentsprechend verwendet wer- den. Um dennoch alle geplanten Maßnahmen in 2017 umsetzen zu können, bedarf es einer entspre- chenden Ermächtigungsübertragung. Hierüber entscheidet die Stadtkämmerin. 5 Zur Dringlichkeit: Die zu bewilligenden Gelder werden zum Großteil für Biodiversitätsprojekte eingesetzt. In diesem Rahmen ist auch die Anlage von Vegetationsstrukturen vorgesehen. Da hier eine Bindung an die Pflanzzeit im Frühjahr besteht und zusätzlich bei der Vergabe von entsprechenden Aufträgen ein Vor- lauf notwendig ist, bedarf es zur Erlangung der Planungssicherheit eines entsprechenden Beschlus- ses in der Februar-Sitzung.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3860/2016
- Typ
- Beschlussvorlage Ausschuss
- Datum
- 23.01.2017
- Erstellt
- 03.08.2017 00:27