V/0115/2022
Dialogverfahren Wolbecker Straße - Ergebnisse und weiteres Verfahren
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Beschlussvorlage
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V/0115/2022 V/0115/2022 Öffentliche Beschlussvorlage Betrifft Dialogverfahren Wolbecker Straße - Ergebnisse und weiteres Verfahren Beratungsfolge 03.05.2022 Bezirksvertretung Münster-Mitte Anhörung 05.05.2022 Betriebsausschuss Münster Marketing Anhörung 11.05.2022 Ausschuss für Verkehr und Mobilität Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Die Ergebnisse des Dialogverfahrens sowie die diesbezügliche Dokumentation und Rahmenplanung werden als Grundlage für das weitere Verfahren zur Kenntnis genommen. 2. Die Verwaltung wird beauftragt, die Ergebnisse des bisherigen Verfahrens in einem dreistufigen Verfahren, unterschieden nach 2.1 Ad-hoc-Maßnahmen, 2.2 Zwischenlösungen sowie 2.3 Entwurfs- und Ausführungsplanungen zur dauerhaften Umgestaltung des gesamten Bereichs zwischen Hansaring und Servatiiplatz unter Berücksichtigung angemessener Beteiligungsformate zur weiteren Beschlussfassung auszuarbeiten. 3. Es wird zur Kenntnis genommen, dass die Verwaltung kurzfristig eine öffentliche Vor-Ort- Werkstatt plant. Hierbei werden die wesentlichen Ergebnisse des Dialogverfahrens vorgestellt sowie auf Grundlage des Rahmenplans mögliche erste „Ad-hoc-Maßnahmen“ zur Diskussion gestellt II. Finanzielle Auswirkungen: Aus den genannten Beschlusspunkten ergeben sich keine unmittelbaren finanziellen Auswirkungen. Amt für Mobilität und Tiefbau 14.04.2022 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Bentler T elefon:492-6504 Bentler@stadt-muenster.de - 2 - V/0115/2022 Begründung: Mit Beschluss der Vorlagen V/0062/2020 „Stadtverträgliche Mobilität: Moderiertes Dialogverfahren zur Neuaufteilung des Verkehrsraums an der Wolbecker Straße“ sowie V/1081/2020/1 „Stadtverträgliche Mobilität: Moderiertes Dialogverfahren zur Neugestaltung des Straßenraums an der Wolbecker Straße zwischen Servatiiplatz und Hansaring – Verhandlungsvergabe“ wurde die Verwaltung beauftragt, eine entsprechende Ausschreibung in die Wege zu leiten. Im Rahmen einer Verhandlungsvergabe wurde die Bietergemeinschaft Urban Catalyst (Berlin) und SHP Ingenieure (Hannover) unter Beteiligung von modulorbeat (Münster) mit der Konzeptionierung und Durchführung des Dialogverfahrens beauftragt. Das Dialogverfahren wurde Herbst vergangenen Jahres durchgeführt. Zentrales Element war dabei ein Reallabor auf der Wolbecker Straße, das vom 17.09.2021 – 26.09.2021 stattgefunden hat. Nun liegt der Abschlussbericht „Dokumentation Dialogverfahren Wolbecker Straße“ ergänzt um einen Rahmenplan vor. Der Abschlussbericht, der über den Sitzungsdienst digital abgerufen werden kann, gibt einen Überblick zum durchgeführten Verfahren, den wesentlichen Ergebnissen und gleichzeitig einen Ausblick auf die nun folgenden Schritte. In dem Abschlussbericht werden das Dialogverfahren – insbesondere das im Rahmen des Verfahrens durchgeführte Reallabor – umfassend dokumentiert, die dabei erzielten Ergebnisse festgehalten und hinsichtlich ihrer Bedeutung für das weitere Verfahren eingeordnet, Leitlinien für die weitere Planung und die Einbeziehung von Anliegenden entwickelt, weiterführende Schritte in einem strategischen Rahmenplan planerisch dargestellt sowie gutachterliche Handlungsempfehlungen für das weitere Verfahren skizziert. Die Ergebnisse aus der stadträumlichen und verkehrlichen Analyse, aus dem Reallabor sowie deren Übertragung in einen Rahmenplan bilden die Grundlage für die Handlungsempfehlungen durch die bearbeitenden Büros. Diese gliedern sich in gutachterliche Empfehlungen für die weiteren Verfahrensschritte sowie für das weitere planerische Vorgehen mit konkreten, sofort umsetzbaren Maßnahmen ab dem Jahr 2022. Die Ergebnisse des Reallabors einschließlich Rahmenplan sollen im Rahmen einer öffentlichen Werkstatt im Quartier an der Wolbecker Straße präsentiert und besprochen werden. Dieses wird voraussichtlich Ende Mai / Anfang Juni 2022 geschehen. Im Rahmen der öffentlichen Werkstatt sollen die weiteren Verfahrensschritte vorgestellt und erste Ad-hoc-Maßnahmen erörtert sowie Empfehlungen erarbeitet werden. Diese sollen nach Prüfung sowie ggf. erforderlicher Beschlussfassung möglichst beginnend im Herbst umgesetzt werden. Ausgangslage Die Wolbecker Straße ist in im Abschnitt zwischen Servatiiplatz und Hansaring ein multifunktionaler, hoch verdichteter Stadtraum mit rd. 10.000 Kfz/T ag,einem hohen Anteil an Durchgangsverkehr und ca. 9.000 Radfahrer:innen/T ag. Hier treffen vielfältige Interessen und Bedürfnisse in Hinblick auf Lebensraum, Aufenthaltsraum, Arbeitsraum und T eilhabe an der Mobilität zusammenkommen. Entsprechend unterschiedlich sind die Blickwinkel, die gewählten Verkehrsmittel und das Verhalten im Verkehr. Im Alltag nutzen Menschen die Wolbecker Straße häufig mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Kurze Wege zum Einkaufen oder zur Schule werden zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt. Als Bestandteil des Hauptverkehrsstraßennetzes hat der Abschnitt gleichzeitig überörtliche Bedeutung, denn die Wolbecker Straße ist eine wichtige radiale Verbindung zwischen Umland und Innenstadt. Somit überlagern sich unterschiedliche Nutzungen und Anforderungen an den Straßenraum. Für die vielfältigen Nutzungsansprüche ist der zur Verfügung stehende Platz nicht ausreichend. Dieses beinhalten Konfliktpotenziale: Radfahrende und Zufußgehende kommen sich auf den weitgehend nicht ausreichenden Nebenanlagen „in die Quere“. Auf der Straße hingegen fühlen sich Radfahrende auch nach Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht wegen der hohen Anzahl fahrender und - 3 - V/0115/2022 parkender PKW häufig unsicher. Auch sind die Unterschiede zwischen den gefahrenen Geschwindigkeiten noch groß (ca. T empo15 km/h Radverkehr gegenüber T empo30 km/h MIV), was häufiges Überholen bei oftmals zu geringen Sicherheitsabständen bedeutet. Cafés und Restaurants hätten gerne mehr Außensitze, es fehlen aber geeignete Flächen. Lieferverkehre blockieren in ihrer „Parkplatznot“ oftmals die Straße und machen sie zusätzlich unübersichtlich und unsicher. Busse fahren wegen blockierter Straße Verspätungen ein und den Haltestellen fehlen teilweise separate Aufstellflächen für die Fahrgäste. Mit dem Dialogverfahren Wolbecker Straße stellt sich die Stadt Münster pro-aktiv und exemplarisch der Aufgabe, wie die Neugestaltung des öffentlichen Straßenraums einhergehen kann mit einer fairen Neuaufteilung zwischen den unterschiedlichen verkehrlichen Nutzungsarten und -ansprüchen: Wie kann die Wolbecker Straße für alle am Verkehr T eilnehmenden sicherer und entspannter werden? Wie kann das Umfeld freundlicher und grüner, wie können Begegnungszonen gestaltet werden? Dies waren zentrale Fragestellungen zum Einstieg in das Dialogverfahren Wolbecker Straße, in dem nach Zukunftsbildern und Lösungen für den rund 900 Meter langen Abschnitt zwischen Servatiiplatz und Hansaring gesucht wird. Umsetzung des Dialogverfahrens Das Dialogverfahren umfasste mehrere Phasen. Aufbauend auf eine umfassende verkehrliche und stadträumliche Analyse wurde vom 17.09. bis 26.09.2022 ein Reallabor vor Ort durchgeführt. Innerhalb des Reallabors – umgesetzt als verdichteter Verkehrsversuch mit hohem Beteiligungsanteil – wurden der Austausch zwischen den Nutzenden gefördert und perspektivische Ideen gesammelt, die nun in darauf aufbauende Verfahrensschritten im Hinblick auf ihre Umsetzungsmöglichkeiten geprüft und in konkrete Planungen überführt werden. Das zehntägige Reallabor war das zentrale Beteiligungselement des Dialogverfahrens. Im Vorfeld wurden Anliegende und Nutzende durch begleitendende Öffentlichkeitsarbeit über das bevorstehende Reallabor und die damit einhergehende temporäre Umgestaltung der Straße informiert. Im Fokus stand der ca. 400 Meter lange Abschnitt zwischen Bremer Platz im Westen und Dortmunder Straße/Sophienstraße im Osten. Begleitet wurde die Umgestaltung durch vielfältige Beteiligungsformate. Zentrale Anlaufstelle war ein mobiler Marktstand auf dem Parkplatz eines Lebensmitteleinzelhändlers. Im Reallabor wurden verkehrliche Maßnahmen, etwa T empo 20, das Radfahren im Mischverkehr auf der Straße und die Herausnahme von Fahrbahnradparken, versuchsweise umgesetzt. Vor Ort gab es die Möglichkeit des praktischen Ausprobierens und des unmittelbaren Austauschs über Eindrücke und Erfahrungen. Rückmeldungen der Nutzenden wurden vor Ort festgehalten, um sie bei den weiteren Planungen berücksichtigen zu können. Im Zuge der durchgeführten Maßnahmen hat die Verkehrsplanung zudem wichtige Erkenntnisse zu den unmittelbaren verkehrlichen Auswirkungen der erprobten Elemente gewonnen. Mit der vorliegenden Dokumentation werden die Ergebnisse des ersten Verfahrensschrittes zusammengefasst. Sie bilden die Grundlage für die nun folgenden Schritte mit Einleitung des - 4 - V/0115/2022 formalen Planungsprozesses. Dies sind neben einer umfassenden und bildstarken Vorstellung der im Rahmen des Reallabors durchgeführten Maßnahmen und der in der Beteiligung erzielten Ergebnisse, insbesondere der erarbeitete Rahmenplan. Ziele des Reallabors Mit dem Dialogverfahren und dem dabei durchgeführten Reallabor wurde für die Wolbecker Straße ein öffentlicher und transparenter Planungsansatz gewählt, bei dem frühzeitig, vor dem eigentlichen Verfahren in die Beteiligung eingestiegen wurde. Reallabore zeichnen sich dadurch aus, dass unterschiedliche Menschen zusammenkommen, um zukunftsfähige Lösungen zu erarbeiten und auszuprobieren. Das Reallabor wurde als offener Prozesse gestaltet, um aus den Ergebnissen zu lernen. Dieser Ansatz ermöglichte Anwohnenden und Nutzenden, Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung sich im direkten Dialog fachlich begleitet durch Planungsbüros über Ergebnisse auszutauschen und diese weiterzudenken. Im Vordergrund stand dabei das gegenseitige Verstehen und gemeinsame Lernen in einem experimentellen Umfeld. Bei den umgesetzten Maßnahmen ging es darum, Raum erlebbar zu machen und Lösungsvorschläge zu diskutieren. Unterschiedliche Perspektiven auf den Straßenraum wurden herausgearbeitet, um für alltägliche Konfliktsituationen und -themen zu sensibilisieren. Ziel war es, auf diese Weise bereits vor dem Einstieg in das eigentliche Verfahren, wichtige Hinweise zu bekommen, in welche Richtung sich die weiteren Planungen entwickeln sollen. Die Ergebnisse aus dem Reallabor werden für das weitere Verfahren dokumentiert, fließen in die Leitlinien für die Umgestaltung der Wolbecker Straße ein und sind eine wichtige Grundlage für die Erarbeitung eines Rahmenplans. Maßnahmen der verkehrlichen Umgestaltung Ein wesentlicher Bestandteil des Reallabors war die versuchsweise Anwendung verkehrlicher Maßnahmen, mit denen der Straßenraum umverteilt, die Verkehrssicherheit verbessert und die Aufenthaltsqualität in den Seitenräumen gestärkt werden sollten. Hierbei wurden bevorzugt Maßnahmen ausgewählt, die mit vertretbarem Aufwand und Mitteleinsatz eine sichtbare Veränderung im Straßenraum erzielen konnten. Im Detail wurden folgende verkehrlichen Elemente umgesetzt: Herabsetzung des T emposauf 20 km/h Radverkehr verpflichtend auf der Fahrbahn Aktivierung von Pkw-Stellplätzen am Fahrbahnrand für andere Nutzungen Verbesserung der Überquerbarkeit Das T empolimit wurde für die Projekttage von 30km/ auf 20 km/h gesenkt und damit die Geschwindigkeit von Autofahrenden und Radfahrenden einander angenähert. Um die Wirksamkeit dieser Maßnahme auf das Geschwindigkeitsniveau einordnen zu können, wurden während des Reallabors Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt und ein Dialogdisplay eingesetzt. - 5 - V/0115/2022 Beteiligungsformate im Rahmen des Dialogverfahrens Charakteristisch für das Dialogverfahren war nicht nur die frühzeitige Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern, sondern auch die Vielfalt der Beteiligungsangebote, mit denen unterschiedliche Zielgruppen von Nutzenden angesprochen wurden. Partizipative Formate, wie eine interaktive Plakatwand an der Eisenbahnunterführung, moderierte Spaziergänge oder ein Feedback-Barometer boten zielgruppenspezifische Möglichkeiten, Kritik, Anregungen und eigene Ideen einzubringen. Ein Marktstand auf dem Parkplatz eines Lebensmitteleinzelhandels war zentraler Anlaufpunkt. Hier gab es auch einen regelmäßigen Mittagstisch, der zum Austausch mit der Verwaltung einlud. Darüber hinaus gab es die Möglichkeit im Internet an einer digitalen Befragung teilzunehmen. Dieses Angebot ermöglichte es, ortsungebunden Rückmeldungen zu geben und hatte insbesondere Pendlerinnen und Pendler als Zielgruppe. Als Zwischenstand wurden erste Ergebnisse in einen begehbaren Plan übertragen und bei der Abschlussveranstaltung zum Reallabor als Grundlage für den Rahmenplan vorgestellt. Auswertung der Ergebnisse Die Rückmeldungen aus dem Reallabor wurden im Nachgang ausgewertet. Erfasst wurden sie über das Feedback-Barometer an, dass an der Anlaufstation an der Wolbecker Straße aufgestellt war, Beteiligungskarten mit qualitativen Rückmeldungen zu den Themenfeldern „Feedback“, „Gefahrenstellen“ und „Zukunftsvisionen“ und durch eine von der Stadt Münster durchgeführte Online- Umfrage. Das Feedback-Barometer visualisierte die Meinungen zu vier Einzelmaßnahmen (T empo 20, Radverkehr auf der Fahrbahn, weniger PKW-Stellplätze, Querungshilfe) des Reallabors. In der Mehrzahl waren die Rückmeldungen zu den einzelnen Maßnahmen zustimmend. Gut zwei Drittel äußerten sich positiv zu den im Reallabor umgesetzten Maßnahmen. Eine detaillierte Auswertung findet sich in der Dokumentation ab Seite 35. Um die zahlreichen Hinweise und Eindrücke aus der Bevölkerung, die über die Beteiligungskarten, per Mail oder während der abschließenden Abschlussveranstaltung geäußert wurden, in die Rahmenplanung einfließen zu lassen, wurden die Rückmeldungen, unterschieden nach entwurfstechnischen, verkehrstechnischen und ordnungsrechtlichen Elementen, kategorisiert. In der Beteiligung wurden darüber hinaus weitere Elemente wie Konzepte oder Marketingmaßnahmen, die sich nicht in die genannten Kategorien einordnen lassen. - 6 - V/0115/2022 Fachliche Beurteilung der temporären Umgestaltung Während des zehntägigen Projektzeitraums wurden verschiedene Maßnahmen im Straßenraum getestet, sodass hier bereits wertvolle Erfahrungen zu deren positiven wie negativen Auswirkungen gemacht werden konnten. Folgende Elemente des Reallabors wurden aus fachlicher Sicht als Qualitäten des Reallabors gewertet: weniger Konflikte im Seitenraum; Flanieren auf breiten Gehwegen möglich T empo 20 überwiegend eingehalten (entsprechend der begleitenden Geschwindigkeitsmessung) Radfahrende können beim T empo 20 im fließenden Verkehr mitfahren; weniger Überholvorgänge und damit ein geringes Konfliktpotenzial Mittelinsel als Überquerungshilfe und Element zur Verkehrsberuhigung Aufzeigen von Flächenpotenzialen; freigewordene Flächen wurden bespielt Eine Sonderstellung nimmt an dieser Stelle, die Einführung von T empo20 ein. Diese konnte zwar im Verkehrsversuch umgesetzt werden und zeigte dort positiv zu bewertende Auswirkungen. Allerdings fehlt auf Grundlage aktuell geltender Vorschriften die rechtliche Grundlage, T empo20 im genannten Bereich über einen längeren Zeitraum auszuprobieren oder dauerhaft umzusetzen. Solange es für die Umsetzung von T empo 20 keinen gesetzlichen Rahmen gibt, wird das Augenmerk daher darauf liegen, mit welchen anderen Maßnahmen eine Angleichung des Geschwindigkeitsniveaus von Radfahrenden und MIV in die Wege geleitet werden kann und welche Schritte hierzu nötig sind. Bei der temporäreren Umgestaltung des Straßenraums konnten aber auch einige Mängel identifiziert werden, die u.a. auf den experimentellen Charakter des Reallabors, begrenzte Kapazitäten oder die kurze Vorbereitungszeit zurückzuführen sind. Folgende Punkte gilt es bei einer Überarbeitung des Entwurfs daher zu beachten: Knotenpunkt Wolbecker Straße/Bremer Platz: Linksabbiegen für Radfahrende aus Richtung Osten verbessern Positionierung der Mittelinsel prüfen – Überquerungsbedarf besteht weiter östlich Absperrbaken, die das Radfahren auf den Gehwegen unterbinden sollten, beeinträchtigen auch die Barrierefreiheit weiterhin parkende Fahrräder auf Gehwegen, zusätzliches Angebot an Fahrradstellplätzen nicht ausreichend unübersichtliche Anzahl von Verkehrsschildern (insbesondere durch Beschilderung zur Parkregelung) Ladezonen wurden nur teilweise angenommen, Lieferverkehr hält weiterhin am Fahrbahnrand Leitlinien für die weitere Planung Aufbauend auf die Bestandsanalyse, den Erfahrungen aus dem Reallabor und den Rückmeldungen der Nutzenden schlägt das Büro Urban Catalyst elf Leitlinien für die Wolbecker Straße zwischen Servatiiplatz und Hansaring vor. Diese sollen als „Kompass“ für die nachhaltige Zukunftsgestaltung der Straße dienen. Gesprächen und Beteiligungskarten abgeleitet. - 7 - V/0115/2022 Die Wolbecker Straße wird in Zukunft … eine Straße sowohl zum Durchfahren als auch zum Verweilen. eine grüne und klimafreundliche Straße. für alle am Verkehr T eilnehmendensicherer gestaltet. ein Ort mit gerechter Straßenraumaufteilung. ein Verkehrsraum, der auf besonderer Rücksichtnahme basiert. eine wichtige Verbindung zwischen Innenstadt und Münsteraner Umland bleiben – mit entschleunigtem Abschnitt. ein Begegnungsort mit hoher Aufenthaltsqualität für Quartiersbewohner*innen und für die gesamte Stadtgesellschaft. ein Raum mit vielen unterschiedlichen Nahversorgungs- und Gastronomieangeboten sowie Freiräumen bleibt. gemeinsam im Dialog entwickelt. in einem komplexen Interessensaugleich neu verhandelt. ein Raum mit wenigen Pkw-Parkflächen und geordnetem Fahrradparken. Rahmenplan als Navigationsinstrument Auf Grundlage der Ergebnisse des Reallabors und unter Berücksichtigung der verkehrstechnischen Rahmenbedingungen wurde ein städtebaulicher Rahmenplan erarbeitet. Während die Leitlinien die übergeordneten konzeptionellen Ziele benennen, verortet der Rahmenplan diese im Straßenraum und zeigt Umgestaltungserfordernisse entlang des Straßenverlaufs auf. Der städtebauliche Rahmenplan stellt eine wesentliche Grundlage für die weitere Planung dar. Er dient als Navigationsinstrument, dass Einzelmaßnahmen und Projekte in die langfristige, strategische Entwicklung der Wolbecker Straße einbettet. Der Rahmenplan berücksichtigt Vorgaben, die sich aus aktuellen Planungsprozessen (Masterplan Münster Mobilität 2035+, Innenstadtkonzept – INSEK, Fahrradnetzplanung), und der übergeordneten Verkehrsfunktion ergeben. Die Wolbecker Straße ist eine Hauptverkehrsstraße und wichtige Verbindungsstraße zwischen Innenstadt und Umland und soll diese Funktion auch zukünftig erfüllen. Zudem ist die Straße eine Hauptachse im ÖPNV, so dass die Befahrbarkeit für den Busverkehr sowie die gute Erreichbarkeit der Bushaltestellen weiterhin sichergestellt werden muss. Für den Radverkehr ergibt sich die besondere Situation, dass die Veloroute zwar entlang der parallel verlaufenden Schillerstraße (Fahrradstraße) geführt wird, gleichzeitig aber auf der Wolbecker Straße mit einem erheblichen Anteil an Quell- und Zielverkehren zu den vielfältigen Nutzungen entlang der Straße zu rechnen ist. Dem Rahmenplan liegen nachfolgende ordnende und gestalterische Ziele zugrunde: Fair und transparent: Angemessene Flächenaufteilung schaffen Rücksichtsvoll und besonnen: Mehr Raum für Zufußgehende schaffen Sicher und entschleunigt: Geschwindigkeitsangleichung prüfen Identitätsstiftend und umsichtig: Hansaplatz und Bremer Platz als wichtige Stadteingänge am Übergang vom Münsteraner Umland zur Innenstadt qualifizieren Klimaschützend und gesund: Begrünungsstrategien entwickeln Grün und einladend: Aufenthaltsqualität der Seitenräume stärken Vielseitig und durchlässig: Plätze multifunktional nutzen Handlungsempfehlungen für das weitere Verfahren Die Ergebnisse aus der stadträumlichen und verkehrlichen Analyse, aus dem Reallabor sowie die Weiterführung in den Rahmenplan mit ergänzender verkehrlicher Vertiefung bilden die Grundlage für die Handlungsempfehlungen. Ziel ist es dabei, die im Reallabor bewährte Elemente bei den weiteren Planungen zu berücksichtigen. Eine Einführung von Tempo 20 sollte geprüft werden, sobald es hierfür einen rechtlichen Rahmen gibt. Die Handlungsempfehlungen gliedern sich in Empfehlungen für den weiteren Umgang mit den Ergebnissen aus dem Dialogverfahren Wolbecker Straße, sowie ein darauf aufbauendes dreistufiges Verfahren als Umsetzungsstrategie für die im Rahmenplan vorgestellten Maßnahmen. - 8 - V/0115/2022 Im Sinne eines partizipativen Prozesses mit Dialogverfahren sowie eines testenden und lernenden Planungsansatzes, der mit dem Reallabor gewählt wurde, empfiehlt das Planungsbüro weiterhin ein prozessuales und weiterhin auf Dialog setzendes Vorgehen. Die Ergebnisse des Rahmenplans, der verkehrlichen Vertiefungen sowie die Leitlinien für die weitere Planung sind zeitnah mit der Stadtbevölkerung, der Verwaltung sowie der Politik zu diskutieren, um Rückmeldungen aufzunehmen und sie im weiteren Planungs- und Gestaltungsprozess zu berücksichtigen. Hierfür wird insbesondere die eingangs erwähnte öffentliche Werkstatt zur Vorstellung und Diskussion des Rahmenplans und zentraler Maßnahmen, z.B. Umgang mit Radverkehr, Umgang mit Anlieferung, Stärkung des ÖPNV für Pendlerinnen und Pendler sowie Koordination von Nutzungen auf freiwerdenden Flächen vorgeschlagen. Im Anschluss an die Vorstellung der Ergebnisse sollen die nächsten Schritte zur Umsetzung in die Wege geleitet werden. Für das weitere Verfahren wird daher vorgeschlagen, in einem dreistufigen Verfahren schrittweise vorzugehen. Auch hierbei sollte wieder genügend Platz für den Dialog mit den Nutzenden und Anliegenden eingeplant werden. Die einzelnen Phasen unterscheiden sich nach: Ad-hoc-Maßnahmen auf Basis der im Rahmen der Werkstatt entwickelten Ergebnisse, Maßnahmen benennt, die möglichst noch in 2022 mit einfachen Mitteln umzusetzen sind. bspw. - Bau von Sitzgelegenheiten für niedrigschwelligen Aufenthalt in den Seitenräumen - Umnutzung von Kfz-Stellplätzen in Radabstellanlagen, Sitzgelegenheiten und Außensitze für Gastronomie, Aktivierung von Stellplätze durch Anwohnende/Anliegende - Begrünungsstrategien des Straßenraums Zwischenlösungen auf Basis weiterführender Planungen im Anschluss an einen konkreten anordnungsreifen verkehrstechnischen Entwurfs, die ab 2023 Maßnahmen in die Wege leiten, die inhaltlich bereits auf die dauerhafte Umgestaltung einzahlen bspw. - Verlegung des Radverkehrs auf die Straße (Mischverkehr) - Erleichterung der Querung zwischen dm und REWE-Markt für Fußgänger*innen - Testen eines Logistik/Mobilitäts-Hubs auf dem REWE-Parkplatz in Abstimmung mit - dem Eigentümer - Qualifizierung Stadteingang Hansaplatz in Abstimmung mit der aktuellen Umgestaltung - Umgestaltung des Kreuzungsbereichs und Stadteingangs Bremer Platz - Angleichung der Geschwindigkeit von Radfahrenden und MIV Entwurfsplanungen zur dauerhaften Umgestaltung des gesamten Bereichs zwischen Hansaring und Servatiiplatz von Hauswand zu Hauswand Ausblick Das Dialogverfahren Wolbecker Straße startete im September 2021 mit dem zehntägigen Reallabor. In den folgenden Verfahrensschritten geht es nun darum, die Ergebnisse in konkrete Planungen umzusetzen. Aufbauend auf die für Ende Mai / Anfang Juni 2022 vorgesehene öffentliche Werkstatt zur Präsentation der Ergebnisse, sollen möglichst noch in 2022 erste Ad-hoc-Maßnahmen umgesetzt werden. Parallel bereitet die Verwaltung ebenfalls aufbauend auf die Ergebnisse, die Ausschreibung der Entwurfs- und Ausführungsplanung vor. Die Vergabe eines entsprechenden Auftrags kann bei planmäßigem Verlauf bis Ende 2022 erfolgen. Die Vergabe der baulichen Maßnahmen unterscheidet sich voraussichtlich nach zwei Bauabschnitten. Während die Vorbereitung der Ausschreibung baulicher Maßnahmen im östlichen Bereich (von der Bremer Straße bis zum Hansaring) unmittelbar im Anschluss an die Ausführungsplanung erfolgen kann, ist die bauliche Umsetzung westlich (Servatii-platz bis Bremer Straße) abhängig von weiteren Maßnahmen (Mobility Hub, Neubau am Servatiiplatz, Veloroute) im Umfeld. In der Zeit bis zur baulichen Umsetzung der Entwurfsplanung werden verkehrliche Lösungen, die auf das Planungsziel einzahlen, soweit möglich interimsweise umgesetzt. In den weiteren Verfahrensschritten werden den Handlungsempfehlungen aus dem Dialogverfahren folgend weitere Beteiligungsmöglichkeiten angeboten. Die politischen Gremien werden über die weiteren Schritte fortlaufend informiert und an entsprechender Stelle in die Entscheidung eingebunden. - 9 - V/0115/2022 In Vertretung gez. Robin Denstorff Stadtbaurat Anlagen: Anlage A Dokumentation Dialogverfahren Wolbecker Straße (steht digital im Sitzungsdienst zur Verfügung)
Anlage A
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Anlage A zur V/0115/2022 Kurzüberblick Mit dem moderierten Dialogverfahren zur Neuaufteilung des Verkehrsraums zwischen Servatiiplatz und Hansaring wurde ein Prozess zur Weiterentwicklung von Straßenräumen im Sinne einer stadtverträglichen Mobilität in die Wege geleitet. Die Vorlage befasst sich mit den Ergebnissen und den sich daraus ergebenden Handlungsansätzen des „Dialogverfahren Wolbecker Straße“. Für die nächsten Schritte wird ein dreistufiges Verfahren unterschieden nach Ad-hoc-Maßnahmen, Zwischenlösungen und endgültiger Entwurfsplanung vorgeschlagen. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Mit dem moderierten Dialogverfahren zur Neuaufteilung des Verkehrsraums zwischen Servatiiplatz und Hansaring verfolgt die Stadt Münster das Ziel einer zeitgemäßen Einbindung von Anliegern in Planungsprozesse. Nachdem erfolgreichen Einstieg sollen die Ziele auch in den nun folgenden Verfahrensschritten gestärkt werden. Inhaltlich ordnet sich das Dialogverfahren in weitere Stadtentwicklungsprozesse der Stadt Münster ein. Das Dialogverfahren hat sowohl eine Schnittmenge zum Masterplan Mobilität Münster 2035+ als auch zum Integrierten Innenstadtentwicklungskonzept (InSEK). Finanzierung Produktgruppe: Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja Nein Bereits veranschlagt? Ja Nein Aus den genannten Beschlusspunkten ergeben sich keine unmittelbaren finanziellen Auswirkun- gen Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig x überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig vollständig freiwillig Die vorgesehenen Beteiligungsverfahren gehen über das Maß der gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligung hinaus. Die Beauftragung des Verfahrens erfolgte auf Grundlage der Beschlüsse der Vorlagen V/0062/2020 „Stadtverträgliche Mobilität: Moderiertes Dialogverfahren zur Neuaufteilung des Verkehrsraums an der Wolbecker Straße“ sowie V/1081/2020/1 „Stadtverträgliche Mobilität: Moderiertes Dialogverfahren zur Neugestaltung des Straßenraums an der Wolbecker Straße zwischen Servatiiplatz und Hansaring – Verhandlungsvergabe“. Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Zeitgemäße Beteiligungsverfahren sind ein wesentliches Instrument der T eilhabein der Stadtgesellschaft.
Dokumentation Dialogverfahren Wolbecker Straße
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Amt für Mobilität und Tiefbau, Münster Marketing Dokumentation Dialogverfahren Wolbecker Straße Impressum » Herausgeberin Stadt Münster Amt für Mobilität und Tiefbau Albersloher Weg 33 48155 Münster Münster Marketing Klemensstraße 10 48143 Münster » Konzept und Umsetzung des Reallabors Urban Catalyst GmbH: Anna Bernegg Jürgen Höfler Theresa Kalmer Sarah Oßwald Franka von Pflug Johanna Westermann Modulorbeat: Marc Günnewig Annalotte Irmler Jan Kampshoff Simon Neumayer SHP Ingenieure: Peter Bischoff Fabienne Korte » Inhaltliche Bearbeitung der Broschüre Urban Catalyst GmbH » Weitere Informationen www.stadt-muenster.de/wolbecker www.mobil-in-muenster.de/wolbecker Münster, April 2022 Amt für Mobilität und Tiefbau, Münster Marketing Dokumentation Dialogverfahren Wolbecker Straße Abbildungsverzeichnis » Ralf Emmerich: S. 24; S. 25 Mitte rechts, unten rechts; S. 26/27 unten; S. 31 oben links » Hubertus Huvermann: Cover; S. 8; S. 10; S. 17 Mitte rechts, unten; S. 18; S. 23; S. 27 Mitte rechts; S. 56 » modulorbeat: S.20; S. 27 oben; S. 33; S. 50; S. 54/55 » Münster Marketing/Brigitte Kappenberg: S. 6; S. 27 oben rechts, Mitte links; S. 29; S. 31 Mitte links; S. 34 » Münster Marketing/Charlotte Seick: S. 31 unten » SHP Ingenieure: S. 17 oben, » Stadt Münster/Münsterview: S. 43 » Urban Catalyst: S. 16; S. 22 Mitte links, unten links; S. 25 links; S. 28; S. 31 oben rechts, Mitte rechts » Matthias Wüstefeld: S. 21 oben rechts Ein besonderer Dank geht an: » Andreas Lating vom Lyrikkeller » ADFC Münster » Bar Levin » Bun Bites Beef » Casa Pazzi » Dorothea Bister » Dr. Andrea Dittrich-Wesbuer » Leonie Nienhaus, B-Side » Glow Kitchen » Hartmut Brasch » Indro e.V. » Jörn Müller, City-Trödel-Raffelland » Julia Hansel, Fuss e.V. » Leonie Nienhaus, B-Side » Montmartre » Peperoni » Pianohaus Micke » Pommbuur-Fritten » Salam Kitchen » Sascha Kullak, B-Side » Stefan Spitzer, REWE-Markt Wolbecker Straße » Ströer » Svea Öhlschläger » Teilchen & Beschleuniger » Ulrich Koch, Gardinen Rauch » und natürlich alle Besucher:innen und Teilnehmer:innen des Reallabors Wolbecker Straße 7 Inhalt A Einführung 9 B Ausgangsbedingungen des Dialogverfahrens Dialogverfahren zur Neuordnung der Wolbecker Straße 11 Stadt- und straßenräumliche Betrachtung 14 C Dokumentation Reallabor Ziele des Reallabors 19 Maßnahmen der verkehrlichen Umgestaltung 21 Programm und Formate 24 D Auswertung der Ergebnisse Ergebnisse aus dem Reallabor 35 Rahmenplan als Navigationssystem 45 E Schlussbetrachtungen Handlungsempfehlungen für das weitere Dialogverfahren 51 Ausblick 53 8 9 A Einführung Die Wolbecker Straße ist Hauptverkehrsstraße und zugleich Alltagsraum. Sie verbindet die Innenstadt Münsters mit dem Umland und versorgt die Anwohnenden mit vielfältigen Angeboten des täglichen Bedarfs. Die Straße steht für ein Nebeneinander von Durchqueren und Verweilen. Die Wolbecker Straße ist le- bendig, urban und hip – aber gleichzeitig auch überlastet und ein Unfallhotspot. Hier ist auf wenig Raum eine Menge los, Konflikte zwischen den unterschiedlichen Verkehrsteilnehmenden sind allgegenwärtig. Die vielseitigen Nutzungen spiegeln sich in der Aufteilung des Straßen- raums heute noch kaum wider, dem motori- sierten Individualverkehr (MIV) ist ein Großteil des verfügbaren Raums zugeschrieben. Mit der Einführung Streckengeschwindigkeit Tempo 30 (2019) und der Aufhebung der Radwegbenut- zungspflicht (2020) wurde die Straße in den letzten Jahren bereits an neue Anforderungen angepasst. In Zukunft soll die Wolbecker Straße weiter an Sicherheit und Aufenthaltsqualität gewinnen und dennoch Hauptverkehrsachse bleiben. Um Zukunftsvisionen zu entwickeln, wie „Die Wolbecker“ sicherer, freundlicher und grüner werden kann, hat die Stadt Münster ein Dialog- verfahren für den rund 900 Meter langen Ab- schnitt zwischen Servattiplatz und Hansaring einberufen. Nach dem Motto „erst testen, dann planen“ startete dieses im September 2021 mit einem zehntägigen Reallabor und damit verbun- denen verkehrlichen Maßnahmen auf dem knapp 400 Meter langen Abschnitt zwischen Bremer Platz und Dortmunder Straße. Aus den gewonne- nen Erkenntnissen wurden anschließend Hand- lungsempfehlungen und ein Rahmenplan mit konkreten Umgestaltungsvorschlägen abgeleitet. Mit dem moderierten Dialogverfahren für die Wolbecker Straße stellt sich die Stadt Münster proaktiv einer Debatte für eine zukunftsori- entierte Gestaltung innerstädtischer Straßen- räume. Unter diesem Motto sucht die Stadt Münster gemeinsam mit zahlreichen Beteilig- ten nach Antworten auf die Frage: Wie können wir die Innenstadt zukunftsfähig machen? Im Vordergrund des zehntägigen Reallabors stan- den daher gleichermaßen der Dialog mit den Nutzer*innen der Straße sowie das Ausprobie- ren konkreter verkehrlicher Maßnahmen. Ziel war es, die Bedürfnisse der Menschen vor Ort zu erfassen, um diese in der anschließenden Pla- nung bestmöglich berücksichtigen zu können. Durch unterschiedliche Beteiligungsformate wurden viele verschiedene Nutzer*innengrup- pen angesprochen und deren Meinungen fest- gehalten: motorisierte und nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer*innen, Anwohner*innen, Expert*innen und insbesondere Gruppen, deren Bedürfnisse und Alltagsroutinen oft zu wenig berücksichtigt werden, wie zum Beispiel Men- schen mit Rollstuhl oder Kinderwagen, Kinder und Senior*innen. In dieser Dokumentation werden zunächst in Teil B die Ausgangsbedingungen des Dialog- verfahrens und der Straße vorgestellt. In Teil C werden die Zielsetzung und die Formate des Reallabors aufgezeigt. Die Auswertung des Reallabors, die planerische Übersetzung in den Rahmenplan und die verkehrliche Vertiefung werden in Teil D dargestellt. Schlussbetrach- tungen wie Handlungsempfehlungen für den weiteren Prozess befinden sich in Teil E. 10 11 B Ausgangsbedingungen des Dialogverfahrens Auf der Wolbecker Straße kommen wie unter einem Brennglas unterschiedliche Interessen und Entwicklungen zusammen: Als Alltagsort wird die Wolbecker Straße vor allem von Fußgänger*in- nen und Radfahrer*innen zum Einkaufen und Kaffeetrinken oder als Weg zur Schule genutzt. Gleichzeitig stellt sie für alle Verkehrsteilnehmer*innen eine wichtige Verbindung in die Innen- stadt dar. Somit überlagern sich unterschiedliche Nutzungen und Anforderungen an den Straßen- raum, insbesondere auch für die Pendler*innen aus der Stadtregion. Sie bergen Konfliktpotenziale, die besonders auf dem Abschnitt der Wolbecker Straße zwischen Brremer Straße und Hansaplatz deutlich werden: So kommen sich zum Beispiel Fahrradfahrer*innen und Fußgänger*innen auf den Gehwegen in die Quere, Fahrradfahrer*innen fühlen sich oftmals durch die hohe Anzahl an fah- renden und parkenden PKW auf der Straße unsicher, Cafés und Restaurants verfügen über wenig Fläche für Außensitze. Gleichzeitig verändert sich auch in Münster das Mobilitätsverhalten: Es zeigt sich in einer Zunah- me des Radverkehrs und ÖPNV sowie in einer wachsenden Vielfalt der Verkehrsmittel wie E-Bikes, Lastenfahrräder, E-Roller, E-Autos etc., aber auch in neuen Formen gemeinschaftlich genutzter Verkehrsmittel. Somit müssen in Zukunft auch der Parkraum für Shared Mobility und Ladestatio- nen für Verkehrsmittel mit Elektroantrieb sowie für Lieferdienste stärker mitgedacht werden. Aber auch Veränderungen der Gewerbenutzungen in den Erdgeschosszonen sowie drängende Zukunfts- themen wie die Anpassung an den Klimawandel stellen neue Anforderungen an die Wolbecker Straße. Teil B zeigt zunächst den Gesamtprozess des Dialogverfahrens auf. Anschließend wird die Wolbecker Straße unter stadt- und straßenräumlichen Gesichtspunkten vorgestellt. Dialogverfahren zur Neuordnung der Wolbecker Straße Um die vielfältigen und teils gegensätzlichen Interessen und Anliegen in Bezug auf die Wolbecker Straße zu fassen und in Einklang zu bringen, entschied sich die Stadt Münster Anfang 2021 für die Initiierung eines Dialogver- fahrens. Das Herz des Dialogverfahrens stellte das zehntägige Reallabor dar, in dem die unter- schiedlichen Perspektiven und Themen auf- gegriffen und zur Diskussion gestellt wurden. Dafür wurde die Straße in diesem Zeitraum auch verkehrlich umgestaltet und mit einer mo- bilen Basisstation und unterschiedlichen Betei- ligungsformaten begleitet. Das Reallabor wurde zuvor durch eine stadträumliche und verkehr- liche Analyse, die Gestaltung eines grafischen Erscheinungsbildes, die Entwicklung von Betei- ligungsformaten und durch die Aktivierung und Ansprache der Anlieger: innen vorbereitet. Die Ergebnisse aus dem Reallabor stellten im Nach- gang eine wichtige Grundlage für die Erarbei- tung eines Rahmenplans und der verkehrlichen Vertiefungen dar. 12 13 14 Stadt- und straßenräumliche Betrachtung Die Grundlage für die verkehrliche Umgestaltung und die Formate des Reallabors war eine intensive Auseinandersetzung mit dem Stadt- und Straßenraum: Stadträumliche Betrachtung Der zwischen Eisenbahnbrücke und Hansaring gelegene innerstädtische Abschnitt der Wolbe- cker Straße verbindet den Hauptbahnhof sowie das Bahnhofs- und Hansaviertel mit den umlie- genden Wohnquartieren. » Städtebau Geschlossene, drei- bis viergeschossige Block- randstrukturen sowie einzelne öffentliche Plätze (Bremer Platz, Hansaplatz, Zumsandeplatz) prägen die Wolbecker Straße. Unregelmäßige Blockgrößen erzeugen ein abwechslungsreiches stadträumliches Ensemble, wobei die Durchwe- gung an einzelnen Abschnitten nur für nicht mo- torisierte Verkehrsteilnehmer*innen ermöglicht wird (bspw. REWE-Parkplatz, Linnebornstiege). » Angrenzende Nutzungen Die Wolbecker Straße ist vor allem zwischen Bre- mer Platz und Dortmunder Straße eine wichtige Schlagader mit intensiver Nutzung der Erdge- schosszonen durch die umliegenden Anwoh- ner*innen der umliegenden Quartiere. Mit ei- nem vielfältigen gastronomischen Angebot und diversen Einzelhandelsbetrieben übernimmt die Wolbecker Straße wesentliche Funktionen der Nahversorgung. Fachmärkte für Lebensmittel und Drogeriebedarf, Fachgeschäfte wie Bäckerlä- den und Friseursalons decken die Grundversor- gung für den täglichen und mittelfristigen Be- darf. Diese hohe Angebotsdichte im Straßenzug trägt zu einer hohen Bekanntheit und starken Nutzung des Straßenzuges, vor allem durch die Nachbarschaft, bei. Dieser Nutzungsmix wird in den letzten Jahren durch zahlreiche gastronomische Angebote und vereinzelte Kindertagesstätten überlagert. Handel und Gastronomie sind in Veränderung, zahlreiche neue Geschäfte und Lokale, die sich insbesondere auch an ein junges studentisches Zielpublikum wenden, wurden innerhalb der etzten zehn Jahre eröffnet. Damit verbunden sind Aufwertungstendenzen sowie eine höhe- re Nachfrage und Besucher*innenfrequenz im Bereich dieses Straßenabschnitts. Zahlreiche soziale Einrichtungen (Overbergschule, Kinder- tagesstätten, Senior*inneneinrichtung, Zweig- stelle der Stadtbibliothek, Drogenhilfezentrum etc.) verstärken zusätzlich die Bedeutung der Wolbecker Straße für das Quartier. » Nachbarschaften und angrenzende Akteur:innen Mit den unterschiedlichen Angeboten auf der Wolbecker Straße geht eine heterogene Nut- zer*innenstruktur einher. Während Personen mit Substitutions- oder Drogenproblemen vornehmlich den benachbarten Bremer Platz als Treffpunkt nutzen, kommt das studentische Milieu abends gerne zwischen Dortmunder Stra- ße und Linnebornstiege zusammen. Vor- und nachmittags nutzen Kinder und Jugendliche die Außenräume der umliegenden Bildungsinsti- tutionen. Während der Öffnungszeiten werden die Einkaufmöglichkeiten von der Nachbarschaft wahrgenommen. Wenngleich einige Gruppen sich räumlich voneinander abgrenzen und zeit- lich versetzt agieren, kommt es aufgrund der räumlichen Nähe zu Überlappungen und Inter- essenskonflikten. Insgesamt kann das Quartier des angrenzenden Hansaviertels aufgrund der vielseitigen Akteur*innenkonstellationen als sehr dynamisch und urban beschrieben werden. Die Entwicklung des angrenzenden Hansaviertels erfährt auch bundesweite Aufmerksamkeit. Es wurde als eines von vier Pilotquartieren der Na- tionalen Stadtentwicklungspolitik 2021 im Pro- gramm „Stadt gemeinsam gestalten. Neue Model- le der Quartiersentwicklung“ ausgezeichnet. Aus zivilgesellschaftlicher Initiative heraus entsteht im Rahmen des Pilotprojekts ein umfassender Prozess der Quartiersentwicklung, in dem neue Formate der Mitbestimmung und Mitgestaltung unter Ko- ordination des Hansaforums erprobt werden. 15 Straßenräumliche Betrachtung Im Folgenden wird die Ausgangssituation der Wolbecker Straße für die unterschiedlichen Verkehrsarten Rad- und Fußverkehr, öffentli- cher Personennahverkehr (ÖPNV) und Kfz- Verkehr dargestellt und analysiert: » Radverkehr – Schnittstelle zur Veloroute Auf Höhe der Eisenbahnunterführung wurden in den letzten Jahren durchschnittlich etwa 9.000 Radfahrende am Tag gezählt. Damit ergibt sich ein Verkehrsaufkommen, das in diesem Abschnitt annähernd dem des Kfz-Ver- kehrs entspricht. Da die Veloroute zwischen Everswinkel und Münster, die sich in diesem Abschnitt noch im Planungsstadium befindet, zwischen Everswinkel und Münster am Bremer Platz auf die parallel verlaufende Schillerstraße verschwenkt, ist die Radverkehrsfrequenz im östlichen Teil der Wolbecker Straße vermutlich etwas geringer. Dennoch kommt dem Rad- verkehr aufgrund der vielen Ziele entlang des innerstädtischen Abschnitts der Wolbecker Straße eine wesentliche Bedeutung zu. Der Radverkehr verläuft auf schmalen, baulich angelegten Radfahrstreifen sowie weitgehend im Seitenraum. Große Hinweisschilder am Stra- ßenrand weisen explizit darauf hin, dass diese Radwege nicht benutzungspflichtig sind und das „Radfahren auf der Fahrbahn erlaubt“ ist. Auffällig ist zudem der offensichtliche Mangel an Fahrrad- abstellanlagen im Straßenraum, fast überall wer- den Fahrräder an den Fassaden auf den Gehwe- gen abgestellt. Auch eine Vielzahl an verwaisten Rädern, von denen viele nicht mehr fahrtüchtig sind, sind im Straßenraum vorzufinden. » Fußverkehr – Schmaler Seitenraum mit vie- len Hindernissen Für Zufußgehende stellen die abgestellten Fahrräder auf den ohnehin sehr schmalen Geh- wegen ein Hindernis dar. Sie bergen ein Gefah- renpotenzial, da sie Zufußgehende zwingen, auf die Radwege auszuweichen. Weitere Engstellen ergeben sich durch diverse Einbauten (Verkehrsschilder, Straßenbeleuch- tung) oder werden von haltenden Fahrzeugen verursacht. Durch das Ausweichen der Fußgän- ger*innen auf Radwege ergeben sich an diesen Stellen zusätzliche Konflikte zwischen den Ver- kehrsteilnehmenden. Besondere problematisch sind diese Hindernisse auch im Hinblick auf die Barrierefreiheit. » Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) – Hauptachse im ÖPNV Mit den Stadtbuslinien 11, 22, 33/34, der Nacht- buslinie N 84 sowie weiteren Regionallinien ergeben sich etwa 500 Busfahrten pro Tag. Alle drei Minuten fährt tagsüber ein Bus unter der Eisenbahnbrücke hindurch. Allein aus den Stadtbussen steigen täglich etwa 1.500 bis 2.000 Fahrgäste an den drei Haltestellen Bremer Platz, Sternstraße und Sophienstraße ein oder aus. Damit stellt die Wolbecker Straße eine wichtige Achse im ÖPNV-Netz Münsters dar. Mit einem Abstand von etwa 300 Metern sind Bushaltestellen aus dem Einzugsbereich auf sehr kurzen Wegen erreichbar. Der dichte Hal- testellenabstand führt jedoch auch dazu, dass die Busse in kurzen Abständen halten müssen, um Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen, so dass die Busse häufig das Geschwindigkeits- niveau im Kfz-Verkehr vorgeben. » Kfz-Verkehr – Hauptachse für den Autoverkehr Die Wolbecker Straße ist eine Hauptverkehrs- straße in der Stadt Münster und Teil des klas- sifizierten Straßennetzes (Kreisstraße 9). Als Hauptachse in die Stadt hat sie eine zentrale Verbindungsfunktion zwischen der Innenstadt, den Außenbezirken und der Stadtregion. An Werktagen verkehren etwa 10.000 Kraftfahr- zeuge auf der Wolbecker Straße. Seit Anfang 2019 gilt zwischen dem Bremer Platz und dem Hansaring aus Lärmschutzgründen eine Stre- ckengeschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h. Aufgrund der vielen Geschäfte und gastronomi- schen Einrichtungen in den Erdgeschosszonen kommt der Wolbecker Straße auch eine hohe Erschließungs- und Aufenthaltsfunktion zu. Für den Kfz-Verkehr gibt es daher straßenbegleiten- de Stellplätze für Besucher*innen, Kunden*in- nen- und Lieferverkehre, die überwiegend 16 bewirtschaftet sind. Die Parkregelung ist derzeit uneinheitlich: Stellenweise gibt es eine Bewirt- schaftung mit Parkschein, andernorts ein einge- schränktes Halteverbot mit unterschiedlichen zeitlichen Einschränkungen, teilweise ist auch freies Parken erlaubt. » Unfallgeschehen Zwischen dem Servatiiplatz und der Dortmun- der Straße ereigneten sich in den letzten Jahren zahlreiche Unfälle mit Leicht- und Schwerver- letzten (Quelle: Stadt Münster, Unfalldaten der Polizei 2018-2020). Die Auswertung der Unfalltypensteckkarte zeigt, dass bei einem Großteil der Unfälle Radfahrende beteiligt sind. Ziel muss daher es sein, die Verkehrssicherheit insbesondere für diese Gruppe zu verbes- sern und Unfallfolgen zu vermeiden, indem bspw. Radfahrende stärker in das Blickfeld des Kfz-Verkehr gerückt werden, diesen mehr Raum gegeben wird und die Geschwindigkeit des Kfz-Verkehrs herabgesetzt wird. Das Umfeld der Wolbecker Straße wird von einer aktiven Nachbarschaft mitgestaltet. Die Wolbecker Straße ist heute von lebendigen Erdgeschosszo - nen mit Gastronomien und Ein- zelhandel geprägt. Seit 2020 ist die Radwegebenutzungspflicht an der Wolbecker Straße zwi- schen Servatiiplatz und Hansa- ring aufgehoben. Radfahrende können sowohl auf der Fahrbahn als auch auf dem schmalen Rad- weg fahren. 17 Im Bereich des Reallabors zählt die Wolbecker Straße mit drei Bushal- testellen je Richtung eine hohe Haltestellendichte. Die vorhandenen Fahrradabstellflächen am Fahrbahnrand reichen für die hohe Anzahl an Fahrrädern nicht aus. Verkehrswidrig abge - stellte Pkw verengen den Seitenraum zusätzlich. Auf dem Gehweg abgestellte Fahrräder nötigen Zufußgehende auf den Radweg auszu - weichen, was zu Konflik - ten führt. 18 19 C Dokumentation Reallabor Das Reallabor wurde in einem kompakten Zeitraum von zehn Tagen im September 2021 durch- geführt. Zur Umsetzung gehörte neben verkehrlichen Umgestaltungen ein Rahmenprogramm mit vielseitigen Dialog- und Beteiligungsformaten wie Spaziergängen, Mittagstischen, Beteiligungs- karten, einem Open-Air-Kino und einem Nachbarschaftsgespräch. Das für das Reallabor eigens angefertigte Mobiliar – bestehend aus Hockern, Aufstellern und einem umgebauten Marktstand – trug zur Sichtbarkeit der Aktion im Straßenraum bei. Im Rahmen des Reallabors gelang es, viele Menschen zu beteiligen, miteinander ins Gespräch zu kommen und einen Austausch über Zu- kunftsvisionen und Gestaltungsideen anzustoßen. Die verschiedenen Formate wurden durch ein interdisziplinäres Team aus beauftragten Planungsbüros und der Stadtverwaltung durchgehend begleitet. Teil C zeigt sowohl die Ziele des Reallabors als auch die verkehrlichen Maßnahmen sowie die Inhalte der Beteiligungsformate auf. Ziele des Reallabors Das gegenseitige Lernen in einem experimen- tellen Umfeld stand beim Reallabor Wolbecker Straße im Vordergrund. Anstatt die Wolbecker Straße direkt umzugestalten, wurde ein vorlau- fender Planungsansatz gewählt, der sich durch ein schrittweises Testen und Diskutieren von Umgestaltungsvorschlägen auszeichnet. Die- ser Ansatz ermöglicht sowohl Bürger*innen, Anwohner*innen als auch der Verwaltung ein Miteinander-Lernen im direkten Dialog sowie anhand von Ergebnissen. Als Beteiligungsform wurde daher ein Reallabor gewählt, das sich dadurch auszeichnet, dass unterschiedliche Akteur*innen aus Verwaltung, Planungsdiszi- plinen und Stadtgesellschaft zusammenkom- men, um zukunftsfähige Lösungen zu erarbei- ten und auszuprobieren. Das Reallabor verfolgte mehrere Ziele: Verschiedene Zielgruppen ansprechen und Nutzer*innen ins Gespräch bringen: Im Reallabor des Dialogverfahrens Wolbecker Straße sollten unterschiedliche Perspektiven auf den Raum verdeutlicht und sichtbar werden. Die vielfältigen, teils gegensätzlichen Interessen, die an der Wolbecker Straße bestehen, sollten dabei herausgearbeitet werden. Das Reallabor diente als Plattform, durch die unterschiedliche Nut- zer*innen-/Zielgruppen (wie Bewohner*innen, Menschen mit Behinderung, Fußgänger*innen, Radfahrer*innen, Autofahrer*innen) miteinander ins Gespräch kommen, um für unterschiedliche Perspektiven, alltägliche Konfliktsituationen und -themen sensibilisiert zu werden. 20 Raum erlebbar machen und Lösungs- vorschläge diskutieren: Ein weiteres Ziel war es, durch den veränder- ten Straßenraum eine neue Umgebung und damit ein neues Raumerleben zu ermöglichen und einen greifbaren Kontext für Dialog und Kritik zu schaffen, um mit den Nutzer*innen über die Weiterentwicklung der Wolbecker Straße in Austausch zu treten. Dafür wurden Lösungsansätze (siehe Maßnahmen der ver- kehrlichen Umgestaltung) ausprobiert und Veränderungsmöglichkeiten der Wolbecker Straße zur Diskussion gestellt. Auf Grundlage der städtebaulichen und verkehrlichen Analyse wurden schließlich Maßnahmen als Vorschlä- ge entwickelt, die für den Zeitraum des Realla- bors temporär auf der Straße angewendet und getestet wurden. Offenen Prozess gestalten und aus Ergebnissen lernen: Das Reallabor war als offener Experimentier- und Dialogprozess angelegt, in dem unter- schiedlichste Themen und Anregungen einge- bracht werden konnten. Auf diese Art sollte ein gegenseitiges Lernen für Nutzer*innen, An- wohner*innen und die Verwaltung ermöglicht werden. Aus den Ergebnissen wurde schließlich ein Rahmenplan mit konkreten Umgestaltungs- vorschlägen, eine verkehrliche Vertiefung sowie Empfehlungen für den weiteren Prozess erar- beitet (siehe Kapitel D). Vielfältige Nutzer:innengruppen kamen miteinan- der in Austausch und diskutierten ihre Perspektven und Einschätzungen zur Wolbecker Straße. 21 Maßnahmen der verkehrlichen Umgestaltung Ein wesentlicher Bestandteil des Reallabors war das Testen verkehrlicher Maßnahmen, mit denen der Straßenraum umverteilt, die Ver- kehrssicherheit verbessert und die Aufenthalts- qualität in den Seitenräumen gestärkt werden sollten. Aufgrund des kompakten Zeitraums der temporären Umgestaltung und der kurzen Vor- bereitungszeit wurden bevorzugt Maßnahmen ausgewählt, die mit vertretbarem Aufwand und Mitteleinsatz eine sichtbare Veränderung im Straßenraum erzielen konnten. Im Detail wurden folgende verkehrlichen Elemente umgesetzt: Herabsetzung des Tempos auf 20 km/h Zwischen Bremer Straße und Dortmunder Stra- ße wurde die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 auf 20 km/h reduziert. Bei dieser Ge- schwindigkeit können die meisten Radfahrenden gut im Kfz-Verkehr mitfahren, so dass weniger Überholvorgänge zu erwarten sind und Kon- fliktsituationen verhindert werden. Durch gerin- gere Geschwindigkeiten können in der Regel die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer*in- nen erhöht und Unfälle vermieden werden. Radverkehr auf der Fahrbahn Um den Fußgänger*innen im Seitenraum mehr Platz zur Verfügung zu stellen, wurde der Rad- verkehr stadtauswärts zwischen Linnebornstiege und Dortmunder Straße sowie stadteinwärts zwischen Sophienstraße und Sauerländer Weg auf die Fahrbahn geführt und damit ein „Misch- verkehr“ eingeführt. Die Nutzung der Fahrbahn durch Radfahrende war nun nicht mehr freiwil- lig, sondern bindend. Die baulich angelegten Radwege im Seitenraum wurden den Gehwegen zugeordnet und mit Piktogrammen entspre- chend gekennzeichnet. Die Verbreiterung der teilweise sehr schmalen Gehwege sollte die Verkehrs- und Aufenthaltsqualität für Fußgän- ger*innen verbessern. Vom zusätzlichen Platzangebot sollten insbe- sondere auch mobilitätseingeschränkte Perso- nen und Kinder, die weiterhin mit dem Fahrrad auf dem Gehweg fuhren, profitieren. Durch die getrennte Führung sollte sich zudem das Kon- fliktpotenzial zwischen Zufußgehenden und Radfahrenden verringern. Aktivierung von Pkw-Stellplätzen Während des Reallabors wurden 25 Stellplät- ze am Fahrbahnrand, die zuvor mit Parkschein bewirtschaftet wurden, für neue Nutzungen zur Verfügung gestellt. Die freigewordenen Flächen konnten beispielsweise mit Sitzmöglichkei- ten eingerichtet oder von Initiativen bespielt werden. Stellplätze, auf denen im Bestand ein eingeschränktes Halteverbot gilt, blieben über- wiegend erhalten oder wurden als Lieferzonen zum Be- und Entladen kenntlich gemacht. Eini- ge Stellplätze wurden auch für die temporäre Verkehrsführung der Radfahrenden benötigt. Der Bespielung der Stellplätze war ein Aufruf vorausgegangen. Diesem folgten beispielsweise die beiden benachbarten Bars „Bun Bites Beef“ und „Bar Levin“. Diese zimmerten sich auf dem Fahrbahnrand einen temporären Außengast- ronomiebereich mit Tischen und Bänken aus Europaletten und Holzresten. Andere Gewerbe- treibende machten Angebote auf einem Teil des Gehwegs: Das „Pianohaus Micke“ stellte ein Kla- vier auf den Bürgersteig, das von zahlreichen Pas- sant*innen bespielt wurde. Mitglieder des ADFC rollten einen Kunstrasen auf dem Seitenstreifen aus. Andreas Lating vom Lyrikkeller tippte auf seiner Schreibmaschine spontane Texte auf Themenvorschlag von Passant*innen auf einer Anhängerplattform. Am letzten Wochenende frittierten „Pommbuur-Fritten“ in ihrer mobilen Küche Pommes – dort, wo sonst Autos parken. Verbesserung der Überquerbarkeit Um Fußgänger*innen das Überqueren der Wolbecker Straße zu erleichtern und den Ver- kehr zu entschleunigen, wurde auf Höhe der Haltestelle Sternstraße eine Querungshilfe in Form einer breiten und überlangen Mittelinsel 22 eingerichtet. Ein positiver Nebeneffekt dieser Maßnahme im Hinblick auf die Verkehrssi- cherheit ist die Entschleunigung des MIV, der um die Verkehrsinsel herumgeleitet wurde. Die Mittelinsel wurde dabei so platziert, dass Radfahrende zwar an einem haltenden Bus vorbeifahren können, der Kfz-Verkehr diese jedoch nicht überholen konnte. Der Bus konnte die Haltestelle so als Pulkführer verlassen und Verlustzeiten auch bei hohem Verkehrsaufkom- men geringhalten. Um im Notfall Einsatz- und Rettungsfahrzeugen auch bei zwei gegenüber- liegend haltenden Bussen ein Durchkommen zu sichern, wurde die Mittelinsel entsprechend breit und überfahrbar ausgebildet. Ob mit einem Kunstrasen, Palmen, einer mobi- len Küche, Lyrik oder Klavier – wie vielfältig die Möglichkeiten sind Stellplätze zu bespielen, zeigte sich während des Reallabors. 23 Das Tempolimit wurde für die Projekttage von 30 auf 20 km/h gesenkt und damit die Geschwindigkeit von Autofahrenden und Radfahrenden einander angenähert. Fahrradfahrer*innen wurden im Rahmen des Reallabors auf die Fahr - bahn geleitet. Die Radwege wurden den Zufußgehenden zugewiesen. Eine temporäre Mittelinsel auf Höhe der Bushaltestelle Sternstraße erleichterte Fußgänger*innen das Überqueren der Fahrbahn. 24 Programm und Formate Die Straße anders als gewohnt zu erleben und sich darüber auszutauschen – darin lag ein wesentlicher Fokus des Reallabors. Der Ort des Austauschs war die Basisstation auf dem beleb- ten REWE-Parkplatz: An einem umgestalteten, acht Meter langen Marktstand konnten Passie- rende und Interessierte täglich zwischen 10:00 und 18:00 Uhr mit dem Reallabor-Team – be- stehend aus Mitarbeitenden der beauftragten Büros Urban Catalyst und modulorbeat – sowie Vertreter*innen der Verwaltung ins Gespräch kommen und sich über das Reallabor informie- ren. Um viele unterschiedliche Perspektiven auf die Straße einzufangen und leicht ins Gespräch zu kommen, wurden viele verschiedene Beteili- gungsformate angeboten. Das Programm startete am ersten Wochenende mit Aktionen. Dazu gehörten eine künstlerische Herangehensweise an die Straße im Rahmen eines Zeichenworkshops. In moderierten Spa- ziergängen konnte das vielseitige Wissen der Teilnehmenden über die Straße für den Prozess erschlossen werden. Während des Nachbar- schaftsgesprächs wurden unterschiedliche Perspektiven auf die Straße und Wünsche an eine Umgestaltung von Anwohner*innen ein- gebracht. Anschließend konnten sich Interes- sierte während einer Filmvorführung von men- schen- und umweltgerechten Umgestaltungen städtischer Räume inspirieren lassen. Unter der Woche stand das Erleben der verkehrlichen Umgestaltungen sowie der Austausch darüber im Vordergrund. Teil des zweiten Wochenen- des waren die Abschlussveranstaltung und eine Ausstellung der Meinungen und Ergebnisse. Eine Konstante im Programm stellte der tägli- che Mittagstisch an der Basisstation als Dialog- format dar. Die unterschiedlichen Beteiligungsformate luden zum Austausch ein und sollten vor allem auch Spaß machen. Das buntgestreifte Realla- bor-Mobiliar bestehend aus Holzhockern und Aufstellern unterstützte die Sichtbarkeit der Basisstation. Zum Programm gehörten folgende Formate: Ein Info-Flyer mit den wesentlichen Programm- punkten wurde vorab in der Nachbarschaft verteilt. Direkt vor Ort baute das modulorbeat-Team einige Tage vor dem Start ihr eigens für das Reallabor entworfenes Mobiliar. 25 Auftaktevent Das Auftaktevent verwandelte einen Transit- raum in einen Aufenthaltsraum und ermög- lichte den Besucher*innen einen Bereich des Tunnels unter der Eisenbahnbrücke neu zu erleben. Das Setting regte zum Austausch über die Maßnahmen des Reallabors, die Wolbecker Straße und ihrer Zukunftsvisionen an. Die Eröffnung des Reallabors fand unter der Eisenbahn- brücke statt und läutete die Projekttage mit Musik und informellen Gesprächen ein. 26 Interaktionswand und Plakatwand Beim Vorbeigehen schnell eine Idee zur Zukunfts- vision für die Wolbecker Straße hinterlassen – das ermöglichte die insgesamt 20 Meter lange In- teraktionswand unter der Eisenbahnbrücke. Auf einem Plan der Wolbecker Straße konnten Pas- sant*innen zudem Ideen für die Straße, Lieblings- orte und Gefahrenstellen und vieles mehr ein- zeichnen. Am Ende der Woche waren die Plakate gefüllt mit Informationen zu den Fragen „Was ist für die Zukunft der Straße besonders wichtig?“, „Wie nutzt Du die Straße?“ und viele weitere. Wissenswerte und anregende Verkehrsfakten waren auf der gegenüberliegenden Straßenseite angeklebt. Die 22 Poster zeigten Hintergrundinfor- mationen und sollten zum Nachdenken über die Themen Verkehrsmittelwahl, Flächenverteilung und Verkehrsverhalten anregen. Gespräche an der Basisstation Über Flyer an die Nachbarschaft, Social Media, Presseartikel und Radio-Teaser wurde auf das Reallabor aufmerksam gemacht. Die meisten Besucher*innen kamen allerdings spontan zur Basisstation und äußerten sich über den Ist-Zu- stand und die verkehrlichen Umgestaltungen im Rahmen des Reallabors. Das Projektteam, das an pinken Warnwesten zu erkennen war, bestand sowohl aus Mitarbeitenden der beauftragten Bü- ros als auch aus Vertreter*innen der Verwaltung der Stadt Münster. So konnten Bürger*innen ihre Anregungen, Kritik und Erfahrungen direkt an zuständige Mitarbeiter*innen herantragen. Die Stadtverwaltung wurde für die Passant*in- nen greifbar, deren Redebedarf über die Straße ungebrochen groß war. Es beteiligten sich Bürger*innen zwischen 6 und 92 Jahren. Offener Mittagstisch Einen zentralen Programmpunkt des Reallabors stellte der tägliche Mittagstisch an der Basissta- tion dar. Das Angebot diente als niederschwel- liger Türöffner für die Kontaktaufnahme zu Passant*innen und entewickelte sich zum Treff- punkt in der Nachbarschaft. Für die kostenlose Verpflegung sorgten umliegende Gastronomien mit großem Engagement. Zeichenworkshop Eine künstlerische Herangehensweise an die Straße bot der Zeichenworkshop am ersten Wochenende. Unter der Anleitung einer Illustra- torin brachten große und kleine Teilnehmer*in- nen ihre Eindrücke und Visionen der Wolbecker Straße zu Papier. Die entstandene Collage veran- schaulicht die drängenden Themen der Wolbe- cker Straße wie zum Beispiel den motorisierten Verkehr mit seinen negativen Auswirkungen wie Lärmemissionen und erhöhter Unfallgefahr. Auch der Wunsch nach mehr gegenseitiger Rücksichtnahme und mehr Platz für Fußgän- ger*innen und Fahrradfahrer*innen fand in der Collage Platz. Die Wände unter der Eisenbahnbrücke boten Raum sowohl für Interaktion (stadteinwärts) also auch für Fakten zur Wolbecker Straße (stadtauswärts). 27 Beim gemeinsamen Zeichnen, Basteln und Kleben wurden Ideen und Visionen auf einer Collage zusammengebracht. Der Mittagstisch von der umliegenden Gastro- nomie schuf eine gute Grundlage für Gespräche. An der mobilen Basisstation auf dem Supermarkt-Parkplatz kamen Interessierte mit dem Projektteam und Vertreter*innen der Verwaltung ins Gespräch. 28 Moderierte Spaziergänge Die Aktivitäten auf der Wolbecker Straße sind hoch, der Raum ist knapp. Und jede Nutzer*in- nengruppe hat eine eigene Perspektive auf die Straße. Um dieses Bürger*innenwissen zu er- schließen, wurden drei moderierte Spaziergänge durchgeführt, die den Teilnehmenden Raum gaben, ihre eigenen Ansichten einzubringen und die Herausforderungen an Ort und Stelle zu veranschaulichen. So schilderten beispielsweise Teilnehmende mit körperlichen Einschränkun- gen ihre Probleme im Alltag, die die aktuelle Gestaltung der Wolbecker Straße nach sich zieht. So sind Rad- und Fußwege für blinde Menschen nur schwer auseinanderzuhalten, da es nur op- tische Kennzeichnungen auf den Wegen gibt. Quer geparkte Fahrräder bergen Gefahren, da sie Zufußgehende dazu zwingen, auf den Radweg auszuweichen. Auch seien die Bordsteinkanten der Fußwege höher als die der Radwege, was Rollstuhl-Fahrer*innen beim Queren von Sei- tenstraßen ebenfalls zur Nutzung des Radwegs zwinge. Teilnehmer*innen gaben der Gruppe mit, dass Zufußgehende in Statistiken zum Modal Split in der Regel zu kurz kämen: So seien ÖPNV-Nut- zer*innen einen erheblichen Teil ihrer Wege zu Fuß unterwegs, werden aber – aufgrund der höheren Kilometerzahl – als ÖPNV-Nutzer*innen gezählt. Anwohner*innen machten auf weitere Verände- rungen der Straße aufmerksam: Läden des täg- lichen Bedarfs würden zu hippen Kneipen und Restaurants verwandelt. Das unterstütze Gentri- fizierungstendenzen und steigende Mieten im Hansaviertel. Veränderungen auf der Wolbecker Straße zur Steigerung der Lebensqualität und zur Abmilderung von Verkehrsproblemen soll- ten aber keineswegs aus Sorge vor Aufwertungs- tendenzen unterbunden werden. Einige Radfahrende äußerten, dass sie sich auf der Fahrbahn unsicher fühlten und einen separa- ten Radweg bevorzugen würden. Andere Teil- nehmende befürworteten die Nutzungspflicht der Fahrbahn für Radfahrende insbesondere bei Tempo 20 km/h im Rahmen der verkehrlichen Umgestaltungen. An vielen Beispielen wurde während der Spaziergänge deutlich, dass Maß- nahmen zusammengedacht werden müssen. Auch das angedachte Quartiersparkhaus sollte unterschiedliche Nutzungen zusammenden- ken. So sollte es auch über öffentliche Toiletten verfügen. Die Umbenennung des Parkhauses in „Quartiersparkhaus“ würde die neue Ausrich- tung auf Anwohner*innen verdeutlichen und sei damit zu begrüßen. Ein anderes Preissystem sei allerdings eine Voraussetzung für die Akzeptanz einer Reduzierung von Pkw-Stellplätzen. 29 Die Stadtspaziergänge boten allen Beteiligten Einblicke in unter - schiedliche Perspektiven und Herausforderungen der Straße. 30 Nachbarschaftsgespräch „Was macht die Wolbecker Straße in Zukunft aus?“ lautete die zentrale Frage des Nachbar- schaftsgesprächs. In der niedrigschwelligen Diskussion auf dem Supermarktparkplatz gab es zunächst Einblicke aus Perspektive der Verwal- tung, der Planung und von Nachbarschaftsinitiati- ven, bis schließlich die Teilnehmenden ihre ganz unterschiedlichen individuellen Sicht- weisen einbrachten. Anwohner*innen begrüßten jene Zukunftsvi- sionen, die auf eine geringere Dominanz des Autoverkehrs im Viertel setzen. Den Vorstoß „Lastenräder statt Lieferfahrzeuge“ teilten aller- dings nicht alle in der Runde. Lokale Händler*in- nen seien auf Transporter angewiesen und der ohnehin knappe Parkraum im Viertel sei durch die Maßnahmen im Rahmen des Reallabors noch eingeschränkter. Fahrradfahrende äußer- ten sich dagegen positiv zur Reduzierung von Pkw-Stellplätzen. Neben der Verbesserung von Sichtachsen und einem größeren Platzangebot würden sich mit weniger Stellplätzen auch fol- genschwere „Dooring-Unfälle“ – also Unfälle in Folge unaufmerksam geöffneter Pkw-Türen – verringern lassen. Pendler*innen gaben der Runde mit, dass das ÖPNV-Angebot zwischen Innenstadt und Umland noch unzureichend sei. Viele in der Runde wünschten sich eine „ver- kehrsberuhigte Wolbecker“. Die Teilnehmenden waren sich darüber einig, dass die gesammelten Ideen und Anregungen des Reallabors keinesfalls im Planungsdickicht verschwinden dürften. Open-Air-Kino Inspiration für eine andere Stadtplanung gab der Dokumentarfilm „The Human Scale“. Der Film des dänischen Architekten und Stadtplaners Jan Gehl geht am Beispiel von fünf Metropolen der Frage einer lebenswerten Stadt nach und zeigt Möglichkeiten auf, wie sie nach den Bedürfnissen des Menschen gestaltet werden können, um die Lebensqualität zu verbessern. Gehl erklärt die Bedürfnisse der Menschen nach mehr Fuß- und Radwegen und nach mehr Orten, die zum Verweilen und zur Begegnung einladen, zum wichtigsten Maßstab für die Stadtplanung. Der Film ist damit auch als Kritik an der autogerechten Stadt zu verstehen. Die temporäre Umwandlung des Supermarkt-Parkplatzes in ein Open-Air-Kino zeigte beispielhaft, wie ein scheinbar monofunkti- onaler Ort neu genutzt werden kann. Beteiligungskarten Bei den Gesprächen an der Basisstation wurden die Teilnehmer*innen angehalten, ihre Anre- gungen dem Projektteam auf Beteiligungskarten zu hinterlassen. An einer Schautafel neben der Basisstation sammelte und strukturierte das Pro- jektteam die Karten thematisch und ordnete sie Überthemen zu. Aus dem Reallabor resultierten insgesamt knapp 600 Beteiligungskarten (siehe Auswertung der Beteiligungskarten in Teil D). Maßnahmenboard Neben den Beteiligungskarten konnten die Be- sucher*innen auf zwei Tafeln an der Basisstation ihren Meinungen Ausdruck verleihen. Auf einem Plan der Straße verorteten die Teilnehmer*innen Lieblingsorte, Räume mit hoher Aufenthaltsqua- lität, Problemstellen und gefährliche Querungen. Aufsteller mit konkreten Anregungen wie „mehr Bäume“, „mehr Mikrofreiräume“, „mehr Stellplät- ze“, „mehr Platz fürs Rad“, „mehr Außengastro- nomie“ oder „mehr Sitzmöglichkeiten“ konnten auf einem Plan der Straße platziert werden. Die Anzahl der Anregungen an räumlichen Verände- rungen wuchs während des zehntägigen Labors stetig. Die Hinweise bildeten eine Grundlage für Gespräche und Diskussionen. Feedback-Barometer Auf einem Feedback-Barometer konnten die Teil- nehmer*innen vier verkehrliche Umgestaltungen „20 km/h für alle“, „Querungshilfen“, „Fahrräder auf der Fahrbahn“ und „weniger Pkw-Stellplät- ze“ als positiv oder negativ bewerten, indem sie Klebepunkte verteilten. Die Farbe der Punkte gab Auskunft über die überwiegende Fortbewegungs- art der Befragten: Fahrradfahrer*innen punkteten in grün, Fußgänger*innen klebten blaue und Autofahrer*innen pinke Punkte. 31 Beim Nachbarschaftsgespräch tauschten sich Bürger*innen mit Vertre- ter*innen von Wissenschaft, Verwaltung und Bürgerinitiativen über die Zukunft der Wolbecker Straße aus. Knapp 600 Beteiligungskarten hinterließen die Teilnehmenden im Laufe des Reallabors dem Projektteam. Das Feedback-Barometer zeigte ein Stimmungsbild über die Akzeptanz der verkehrlichen Maßnahmen. Punkte im äußeren Bereich markierten positive Bewertungen, im inneren negative. Die Unterschiedlichen Far - ben der Punkte zeigen die Verkehrsmittelart der Teilnehmenden an. Supermarkt-Parkplatz mal anders – im Rahmen des Open-Air-Kinos zeigte ein Dokumentarfilm Beispiele wie durch eine andere Stadtplanung die Lebensqualität für Menschen in Städten erhöht werden kann. 32 Abschlussveranstaltung und Ausstellung Die Ergebnisse des Reallabors wurden schließlich zusammengeführt und in der Abschlussveranstal- tung am Hansaplatz diskutiert und ausgestellt. Aus den unterschiedlichen Beiträgen auf den Be- teiligungskarten wurden die herausgearbeiteten Leitlinien für die Entwicklung und Umgestaltung auf dem Hansaplatz aus- und vorgestellt. An- schließend konnten sie von den Teilnehmer*in- nen bewertet und priorisiert werden. Während der Abschlussveranstaltung teilten einige Anlieger*innen und Nutzer*innen ihre Eindrücke, die sie über den Zeitraum des Realla- bors gesammelt hatten. Die breiteren Gehwege empfanden die Beteiligten als spürbare Verbes- serung. Auch die niedrigen Geschwindigkeiten von 20 km/h auf der Straße für Kfz- und Rad- verkehr sowie die neuen Flächen auf den ehe- maligen Stellplätzen wurden als Verbesserung benannt. Die gemeinsame Nutzung der Straße von Rad- und Kfz-Verkehr wurde dagegen un- terschiedlich bewertet. Konkrete Maßnahmen und Umgestaltungs- vorschläge wurden parallel zur Diskussion auf einem begehbaren Plan festgehalten. Die Ergeb- nisse aus dem Reallabor und die Diskussions- beiträge wurden schließlich von Expert*innen aus den beauftragten Büros hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit planerisch bewertet. Stadtbaurat Robin Denstorff ordnete das Reallabor in den Kontext der Verkehrsversuche ein, die an unter- schiedlichen Stellen der Stadt im Sommer 2021 stattfanden (siehe Ergebnisse in Teil D). Begehbarer Plan Während der Abschlussveranstaltung wurden die diskutierten Ergebnisse des Reallabors an- hand eines begehbaren Plans zusammenfassend vorgestellt sowie ergänzende Anmerkungen der Teilnehmer*innen eingetragen. Der sechs Meter lange Plan zeigte den Verlauf der Wolbecker Straße zwischen Servattiiplatz und Hansaring mit ihren unterschiedlichen Abschnitten auf. Einflussgebende Rahmenbedingungen aus dem Umfeld sowie Konsens- und Konfliktpunkte zur Umgestaltung konnten mit dem interaktiven Instrument und durch den spielerischen Aus- handlungsprozess anschaulich herausgearbeitet werden. Ziel der Arbeit am begehbaren Plan war es, die Diskussion mit direktem Raumbe- zug zu führen und den Plan als „zeichnerisches Protokoll“ einzusetzen. Zugleich sollte ein Stim- mungsbild entstehen, das den Umfang und die Möglichkeiten zur Umgestaltung der Straße von den unterschiedlichen Akteur*innen auf- zeigt. Der begehbare Plan ist somit eine erste Arbeitsgrundlage zur fachlichen Bewertung von Ideen und Maßnahmen und wird im Rahmen der weiteren Arbeit als städtebaulicher Rahmenplan ausgearbeitet und abgestimmt. 33 Auf der Abschlussveranstaltung diskutierten Teilnehmer*innen die Ergebnisse des Reallabors. Die Diskussionsbeiträge wurden parallel auf einem begehbaren Plan festgehalten, der für die weitere Bearbeitung eine wichtige Grundlage darstellt. 34 35 D Auswertung der Ergebnisse Am Ende des zehntägigen Reallabors waren vielfältige Ergebnisse über die unterschiedlichen Betei- ligungsformate eingegangen. In diesem Kapitel werden zunächst die quantitativ ermittelten Ergeb- nisse aus dem Feedback-Barometer, der Online-Umfrage und den Beteiligungskarten dargestellt sowie sechs ermittelte Themenfelder erörtert. Schlussfolgerungen aus den gewonnenen Erkennt- nissen aus den Gesprächen und Beteiligungskarten wurden in Form von Leitlinien für die Wolbe- cker Straße formuliert. Auch die auf der Abschlussveranstaltung diskutierten konkreten Vorschläge zur Umgestaltung werden im Kapitel dargestellt. Aus fachlicher Sicht wurden anschließend die temporären Umgestaltungen beurteilt sowie die Beteiligungsergebnisse eingeordnet. Schließlich wurden in einem Rahmenplan die Ergebnisse zusammengefasst und Ziele für die weitere Planung beschrieben. Ergebnisse aus dem Reallabor Die Auswertungen der Beteiligungsergebnisse, insbesondere der zahlreichen Beteiligungs- karten, bildeten zusammen mit der Ableitung der Leitlinien und den Ergebnissen aus der Abschlussveranstaltung die Grundlage für die weitere Planung. Stimmungsbild zu den verkehrlichen Umgestaltungen Die Meinungen zu den verkehrlichen Umge- staltungen waren überwiegend positiv. Erfasst wurden sie über das Feedback-Barometer an der Basisstation und durch eine von der Stadt Münster durchgeführte Online-Umfrage im Nachgang des Reallabors. Das Feedback-Ba- rometer an der Basisstation visualisierte die Meinungen zu vier Einzelmaßnahmen (Tem- po 20, Mittelinsel, Mischverkehr, Aktivierung Pkw-Stellplätze) des Reallabors. Am Ende zeig- ten 2.166 Punkte von über 500 Teilnehmer*in- nen eine überwiegend positive Beurteilung der Maßnahmen: 83% der Befragten stuften die vier abgefragten Maßnahmen als positiv ein. 92% der Fußgänger*innen, 87% der Fahrradfah- rer*innen, aber auch 58% der Autofahrenden begrüßten die Umgestaltungen. Auch in der durch die Stadt durchgeführten Online-Umfra- ge, an der sich 112 Personen beteiligten, zeigte ein gemischtes aber in der Mehrheit positives Stimmungsbild auf die temporären Impulse auf. Pendler*innen waren mit einem Anteil von 30% stärker an der Online-Umfrage vertreten als während des Reallabors. Große Zustimmung erhielt die temporäre Querungshilfe/Mittelinsel (Zustimmung Feed- back-Barometer: 90%, Online-Umfrage: 70%). Auch die Resonanz auf die anderen temporären Maßnahmen war überwiegend positiv: „Tem- polimit auf 20 km/h“ (Feedback-Barometer: 86%; Online-Umfrage: 58%), „Radfahren auf der Fahrbahn“ (Feedback-Barometer: 80%, On- line-Umfrage: 60%), „weniger Pkw-Stellplätze“ (Feedback-Barometer: 77%, Online-Umfrage: 66%). Fahrradfahrer*innen waren mit 50% am Gesamtanteil überdurchschnittlich stark an der Feedback-Barometer-Umfrage vertreten. 30% der Befragten ordneten sich zur Gruppe der Zufußgehenden und 20% der Autofahrenden zu. Bei der Online-Umfrage waren die breiteren Gehwege als Maßnahme des Reallabors am 36 beliebtesten: 82% der Befragten vergaben dafür eine positive Schulnote (Note 1, 2 oder 3). Während mehr als zwei Drittel der online Be- fragten die Auswirkungen der Maßnahmen auf die Sicherheit und die Aufenthaltsqualität positiv einschätzten, waren es beim Thema Verkehrsfluss nur 55%. Rund 70% der Befragten würden es begrüßen, die Maßnahmen in der vorgeschlagenen oder einer angepassten Form weiterzuführen. Cluster zentraler Themen aus den Be- teiligungskarten » Methodik der Auswertung Im Rahmen des zehntägigen Reallabors konn- ten Bürger*innen ihre Ideen, Wünsche und Anregungen zur Umgestaltung der Wolbecker Straße in unterschiedlichen Formaten einbrin- gen. Die Beteiligungskarten gab es in drei Aus- führungen: „Feedback“, „Gefahrenstellen“ und „Zukunftsvisionen“. Aus dem Prozess resultier- ten insgesamt 571 ausgefüllte Beteiligungskar- ten und zehn E-Mails, welche rund 150 ver- schiedene Ideen und Meinungen zur Zukunft der Wolbecker Straße beinhalten. Aufgrund von Mehrfachnennungen von Ideen pro Karte wur- de dabei jede Nennung berücksichtigt, sodass in der Auswertung insgesamt 1.135 Stimmen gezählt wurden. Die Auswertung erfolgte stufenweise. Zunächst wurden die Beteiligungskarten thematisch geord- net und an der Basisstation in Schaukästen ge- hängt. Im Nachgang des Reallabors wurden sechs Themenfelder abgeleitet. Dabei wurden die Rück- meldungen thematisch zusammengefasst, wobei je Themenfeld nur die zehn meistgenannten Umgestaltungsideen Berücksichtigung fanden. Die Themen und die Häufigkeit der Nennungen sind der folgenden Tabelle zu entnehmen. 37 Fahrradfahren Stimmen Fahrräder auf Fahrbahn statt auf dem Gehweg 99 Fahrräder nicht auf der Fahrbahn 32 Ausbau Wolbecker Straße zur Fahrradstraße 26 Radfahrschutzstreifen auf Fahrbahn 6 Entschleunigung Tempo 20 für alle Verkehrsteilehmer:innen 42 reine Einbahnstraße 33 Tempo 30 24 Verkehrs-/ Geschwindigkeitskontrollen 24 ruhender Verkehr mehr Fahrradstellplätze 42 Alternativen schaffen: z.B. P&R, bessere ÖPNV-Anbindung 35 Parkhaus/ Quartiersgaragen/ Tiefgaragen ausbauen 14 Anwohnerparkplätze weiterhin gewährleisten und ausbauen 13 öffentlicher Raum mehr Begrünung/ Bäume 95 mehr Platz für Außengastronomie 63 mehr Bänke/ Sitzmöglichkeiten 33 Gehweg breiterer Gehweg (und Radweg) 81 mehr Querungshilfen für Fußgänger:innen 51 Fahrrad- und Rollerparkverbot auf dem Gehweg 11 Autofreiheit autofreie Wolbecker Straße 51 Parkplätze im Straßenraum reduzieren 44 verkehrsberuhigte Wolbecker Straße: z.B keine Durchfahrt von PKW, aber Anlieferung möglich 35 Insgesamt wurden 1.135 Stim- men auf 571 Beteiligungskarten gezählt. Die Tabelle zeigt eine Übersicht der Nennungen je Themenfeld. 38 Ergebnisse der Auswertung Aus den Ergebnissen der Auswertung wurden die sechs Themenfelder „Fahrradfahren“, „Ent- schleunigung“, „Ruhender Verkehr“, „öffentli- cher Raum“, „Zufußgehen“ und „Autofreiheit“ abgeleitet. Das Ergebnis der Auswertung zeigt, dass eine Veränderung der Wolbecker Straße von den meisten Nutzer*innen begrüßt und erwünscht wird. Vor allem eine gerechtere Ver- teilung der Straßenflächen auf die unterschied- lichen Verkehrsteilnehmer*innen steht dabei im Fokus der weiteren Betrachtung. » „Fahrradfahren“ Die Verlegung des Radwegs auf die Fahrbahn wurde kontrovers diskutiert. Zwar wurde die Verlegung des Radwegs auf die Fahrbahn von einem Großteil begrüßt, da mehr Platz für Fuß- gänger*innen und Außengastronomie geschaf- fen wurden. Gleichzeitig fühlten sich vor allem jüngere und ältere Radfahrer*innen, sowie Fa- milien auf der Straße zwischen den vielen PKW aktuell noch unsicher. » „Entschleunigung“ In diesem Themenfeld zeigte sich, dass sich vor allem Anwohner*innen bzw. Fußgänger*innen und Radfahrer*innen eine deutliche Entschleu- nigung, d.h. geringeres Tempo und Geschwin- digkeitskontrollen auf der Wolbecker Straße wünschen. Im Gegensatz dazu stellt die Wolbe- cker Straße für motorisierte Pendler*innen eine wichtige Verbindung dar. » „Ruhender Verkehr“ Grundsätzlich wurde eine Reduktion von PKW-Stellplätzen in der Wolbecker Straße von vielen Teilnehmer.innen begrüßt. Gleichzeitig wurden Stellflächen für Anwohner*innen oder Anlieferungen weiterhin als wichtig empfun- den. Darüber hinaus wurde zum einen die Neuverteilung von Parkplatzflächen in Fahrra- dabstellplätze für gut befunden. Gleichzeitig wurden auch park & ride mit verbesserter ÖPNV-Anbindung für Pendler*innen begrüßt. „Ich wünsche mir, dass die Straße mehr in Gänze gedacht wird – Radfahrer*innen müssen schon ab der Brücke auf die Straße und bis zum Hohenzollernring.“ „Die Geschwindigkeitsbegren- zung von 20 km/h finde ich gut, da man so als Fahrradfahrer auf der Straße nicht um sein Leben fürchten muss und mehr Platz für Fußgänger*in- nen entsteht.“ „Für mich als Pendlerin aus dem östlichen Umland sind die Maßnahmen ein zusätzliches Verkehrshindernis.“ „Im Moment stehen die Radfahrer im Stau der Au- tos. Besser: Einbahnstraße + Radwege.“ „Parkmöglichkeiten für behin- derte Menschen, alte Leute aber auch für die Anlieferung der Läden müssen bleiben!“ „Als älterer Mensch bin ich ängst - lich auf der Fahrbahn neben Bus und Auto. Im Alter wird man unsicherer, aber ich möchte wei- terhin beweglich bleiben und mit dem Rad fahren können.“ „Das Radfahren auf der Fahrbahn sollte aber keine Pflicht sein, damit unsichere Fahrradfahrer*innen, z.B. ältere oder beeinträch- tigte Menschen, auch auf dem Radweg fahren können.“ 39 » „Öffentlicher Raum“ Deutlich wurde in diesen Themenfeld, dass die Wolbecker Straße einen wichtigen öffentlichen Raum in Münster darstellt und auch heute schon als Begegnungsort genutzt wird. Der öffentliche Raum sollte dabei in Zukunft weiter gestärkt werden, die Aufenthaltsqualität und Begrünung gefördert werden. » „Zufußgehen“ Eine Verbreiterung der Gehwege und ein Ausbau von Querungshilfen für Fußgänger*innen wurde begrüßt, auch weil sie mehr Barrierefreiheit in der Wolbecker Straße bieten: » „Autofreiheit“ Eine autofreie bzw. verkehrsberuhigte Wolbe- cker Straße wurde vor allem von Anwohner*in- nen vorgeschlagen. Eine Nutzung der Wolbe- cker Straße für PKW wurde ausschließlich für Anlieferungen etc. möglich sein. „Ich wünsche mir für die Zukunft der Wolbecker Straße einen breiten Bürger*in- nensteig, der inklusiv und barrierefrei ist und allen Menschen das stressfreie Laufen ermöglicht.“ „Ein breiterer Fußgängerweg wäre toll, dieser sollte dann aber nicht durch die Außengastronomie vollgestellt werden.“ „Ich wünsche mir für die Zukunft der Wolbecker Straße mehr Barrierefreiheit. Bei einer Umgestaltung sollten von Anfang an die Belange von Menschen mit Behinderungen berücksichtigt werden.“ „Der ruhende Verkehr sollte einen anderen Platz, z.B. in einem Parkhaus, bekommen.“ „Die Seitenstraß en sollten nur für Anwohnerparken frei sein. Sie werden derzeit massiv von Touristen etc. genutzt.“ „Parkplätze könnten als mögliche Fläche für Freizeitgestaltung und einen Markt umgenutzt werden.“ „Am besten komplett ohne Autos. Die Straße hat jetzt so viele tolle Restaurants, Cafés, Läden – wenn nun der Lärm und Gestank weg wäre, wäre es perfekt.“ „Es wäre ein Traum, wenn die Wolbecker Straße autofrei wäre, man eine gro- ße Radspur hätte und ansonsten die tolle Gastro- und Einkaufswelt mehr Platz und Ruhe hätte.“ „Ich wünsche mir die Wolbecker Straße als Ort der Begegnung, wo man einfach sein möchte, auf dem Boden Pizza essen & spontan mit Fremden in Kontakt treten kann.“ „Ich wünsche mir eine Wolbecker Straße mit entsiegelten Flächen, viel Grün und Möglichkeiten, Beete oder Hochbeete anzulegen.“ „Ich wünsche mir auch gastro-unabhängige Sitzmöglichkeiten auf der Straße.“ „Vor allem für die ansässige Gastronomie und das Gewerbe wären größere Flächen ohne MIV hilfreich, da sie größere Außen- gastronomie betreiben könnten.“ 40 … eine Straße sowohl zum Durch - fahren als auch Verweilen. » Funktion Mikroebene, Aufenthaltsqualität Der Abschnitt Servattiiplatz-Hansaring soll den Ansprüchen – Mobilität und Auf - enthalt – gerecht werden. Der Gestaltung der Übergangsbereiche zwischen unter - schiedlichen Abschnitten kommt für eine eindeutigen Unterscheidung der Zonen eine wichtige Bedeutung zu. ... für alle Verkehrsteilnehmer*in - nen sicherer gestaltet. »Sicherheit Die Zahl der Verkehrsunfälle insbesonde - re mit Personenschaden soll minimiert werden. Fuß- und Fahrradverkehr werden getrennt. Der in Teilen nur 1,6 Meter brei - te Fußweg soll verbreitert werden. … eine grüne und klimafreundli - che Straße. » Klimaschutz Die Umgestaltung steht im Zeichen des Kli- maschutzes und der Klimaanpassung. Ent- siegelungen und die Schaffung von neuen Grünflächen im öffentlichen Raum führen zu einer Verbesserung des Mikroklimas. Weitere klimarobuste Umgestaltungen wie beispielsweise die Schaffung von Wasser - flächen und schattenspendenden Objek - ten u.a. sollen umgesetzt werden. ... ein Ort mit gerechter Straßen - raumaufteilung. » Neuaufteilung der Flächen Die Straßenraumgestaltung soll an ein sich verändertes Mobilitätsverhalten an - gepasst werden. Die Verteilung der Ver - kehrsmittel soll sich in der Aufteilung des Straßenraums widerspiegeln. Grundlage einer Neugestaltung sind die Bedürfnisse der Anwohner*innen, diese gilt es neu auszuloten und zu verhandeln. … ein Verkehrsraum, der auf besonderer Rücksichtnahme basiert. » Verhalten Der schmale Verkehrsraum erfordert in einem besonderen Maße ein umsichtiges und rücksichtsvolles Verhalten aller Ver - kehrsteilnehmer*innen. Die Einhaltung von §1 der Straßenverkehrsordnung: „ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“ ist hier besonders wichtig. Insbesondere den schwächsten Verkehr - steilnehmer*innen ist eine erhöhte Auf - merksamkeit einzuräumen. … eine wichtige Verbindung zwischen Innenstadt und Müns - teraner Umland bleiben – mit entschleunigtem Abschnitt. » Funktion Die Wolbecker Straße bleibt eine wichti - ge Zubringerstraße zwischen Innenstadt und Münsteraner Umland. Sie übernimmt eine wichtige Funktion für die Stadt-Um - land-Beziehung insbesondere für Pend - ler*innen. Im schmalen und lebendigen Abschnitt Servattiiplatz-Hansaring wer - den Umgestaltungen im Interesse der An - wohner*innen und Nutzer*innen durch - geführt. Leitlinien für die Wolbecker Straße Die elf Leitlinien für die Wolbecker Straße dienen als „Kompass“ für die nachhaltige Zukunftsgestaltung der Straße und geben eine Orientierung für deren Umgestaltung. Sie wurden aus den Gesprächen und Beteiligungskarten abgeleitet. Die Wolbecker Straße* wird in Zukunft … 41 … ein Begegnungsort mit hoher Aufenthaltsqualität für Quar - tiersbewohner*innen und für die gesamte Stadtgesellschaft. » Nutzer:innen Sowohl die Anwohner*innen als auch die Nutzer*innen sind sehr gemischt. Sie ha - ben unterschiedliche Ansprüche an den Raum, die Infrastruktur und die Angebo - te. Attraktive Aufenthalts- und Verweilor - te auch ohne Konsumpflicht sollen dazu einladen, das Quartier als Gemeinschafts- und Erlebnisraum zu nutzen. Es besteht ein Bedarf an weiteren öffentlichen Sitz - gelegenheiten sowie an öffentlichen To - iletten (z.B. Quartiersgarage, Hansaplatz). … ein Raum mit vielen unter - schiedlichen Nahversorgungs- und Gastronomieangeboten sowie Freiräumen bleibt. » Angebote Die Straße soll in ihrer Lebendigkeit ge - stärkt werden und sich durch eine vielfäl - tige Mischung an Nutzungen auszeichnen. Die Erdgeschossnutzungen sollen sich in Zukunft stärker in den Außenbereich aus - dehnen können. Bei der Gestaltung des Straßenraums sollen Flächen für temporäre Events und Freiräume für Initiativen Berück- sichtigung finden. Die Angebote sollen sich an den Bedürfnissen der Anwohner*innen sowie der Stadtgesellschaft orientieren. … gemeinsam im Dialog. » Prozess Der Gestaltungs- und Planungsprozess soll dialogisch mit lokalen Aktuer*innen und Anwohner*innen umgesetzt wer - den. Die Gestaltung soll im Prozess mit temporären Umgestaltungen ausgetes - tet und schrittweise konsolidiert werden (vgl. Pop-Up -Radwege, Reallabor). … in einem komplexen Interes - sensaugleich neu verhandelt. » Prozess Vielfältige Partikularinteressen treffen auf der Wolbecker Straße aufeinander. Eine verkehrliche Umgestaltung kann nicht alle Perspektiven im gleichen Ausmaß befrieden, weshalb ein transparenter Pla - nungsprozess von hoher Bedeutung ist. ... ein Raum mit wenigen Pkw-Parkflächen und geordnetem Fahrradparken. » ruhender Verkehr Der Fahrbahnrand soll in Zukunft weniger Pkw-Stellplätze aufweisen, sondern Zonen zum Be- und Entladen. Zum Parken soll das angedachte Quartiersparkhaus am Bahnhof ge - nutzt werden. Die Pkw-freien Fahrbahnränder erhöhen die Aufenthaltsqualität und die Sicht auf die Straße. Zudem wird die Sicherheit ver - bessert und sogenannten „Dooring-Unfällen“ vorgebeugt. Fahrräder sollen nicht mehr quer auf dem Gehweg, sondern in erster Linie auf ausgewiesenen Fahrradstellplätzen neben dem Fahrstreifen abgestellt werden. * auf dem Abschnitt Servatiiplatz - Hansaring 42 » Vorschläge zur Umgestaltung aus der Ab- schlussveranstaltung Während der Abschlussveranstaltung wurden die diskutierten Ergebnisse des Reallabors anhand eines begehbaren Plans zusammenfas- send vorgestellt sowie ergänzende Anmerkun- gen der Teilnehmer*innen eingetragen. Folgende Punkte wurden dabei herausgearbeitet: Große Zustimmung erfuhr die Verbreiterung der Gehwege, da dieser öffentliche Raum in- tensiv als Ort für Begegnungen genutzt wird. Konflikte wurden vor allem im häufigen Queren auf Höhe des REWE-Parkplatzes sowie an den Kreuzungspunkten Bremer Platz/Schaumburgs- traße und Bremer Platz/Sauerländer Weg ge- sehen, wofür es in Zukunft Lösungen braucht. Dabei wurden sowohl die stärkere Nutzung der Gehwege von Fußgänger*innen als auch zur Steigerung der Aufenthaltsqualität begrüßt. Es wurden neben mehr Platz für Außengastrono- mie auch konsumfreie Aufenthaltsmöglichkei- ten wie beispielsweise Bänke auf der Wolbe- cker Straße gefordert. Da der Straßenraum in diesem Abschnitt insgesamt einen sehr hohen Versiegelungsgrad und wenig Bäume oder Grünräume aufweist, wurde auf der Straße auch Begrünung gefordert. Die Frage der Führung des Radverkehrs in der Wolbecker Straße wurde diskutiert, da sich die Radfahrer*innen teilweise unsicher zwischen den Autos fühlen. Gleichzeitig wurde der Platz auf den Gehwegen und die Reduktion der Ge- schwindigkeit positiv bewertet. Dabei wurde angemerkt, dass Fahrradfahrer*innen bereits weiter westlich auf die Fahrbahn geleitet wer- den sollten, wenn die Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn gelegt werden sollte. Die Wolbecker Straße sollte dabei mit der Schiller- straße, die als Fahrradstraße weiter ausgebaut werden soll, stärker zusammen gedacht wer- den. Es ist dabei davon auszugehen, dass Rad- fahrer*innen weiterhin die Wolbecker Straße nutzen werden, da dort die Ziele und Quellen wie z.B. Supermärkte, Schulen und Kitas liegen. Die Reduktion der Stellplätze im Straßenraum wurde als zentral herausgearbeitet, um zusätz- lichen Platz für den Fuß- und Radverkehr in der Wolbecker Straße zu schaffen. Dabei wurden gleichzeitig Lösungen für die Parksituation von Anwohner*innen gefordert. Gleichzeitig wurde ein Ausbau der Fahrradabstellanlagen entlang der Wolbecker Straße sowie ein verstärktes Ma- nagement dieser gefordert, z.B. durch die Entfer- nung von verwaisten Fahr- und Schrotträdern. Konkret wurde dabei auf die geplante Erweite- rung des Parkhauses am Bremer Platz verwie- sen, die als zentral für eine Parkplatzreduktion auf der Wohlbecker Straße angesehen wurde. Gleichzeitig wurde in der Diskussion angespro- chen, noch mehr Anwohner*innenparkplätze und Fahrradparkplätze und Logistik-Hubs (für Paketverteilung etc.) umzusetzen. Der REWE-Parkplatz wurde als zentrale Fläche für eine neue Programmatik des Stadtraums he- rausgearbeitet. Hier wird vor allem die Stadt Münster gefragt sein, mit dem Eigentümer ins Gespräch zu kommen, um ggf. Teilflächen z.B. für Car- und Bikesharing-Angebote in Zukunft zur Verfügung stellen zu können. Gleichzeitig müssen aber auch erforderliche Stellplatznach- weise und Lieferzonen mitgedacht werden. Grundsätzlich wurde festgehalten, dass die Wolbecker Straße weiterhin als effizienter Verkehrskorridor für alle Mobilitätsarten ver- standen werden soll. Vor allem für Pendler*in- nen stellt die Straße weiterhin einen wichtigen Zugang zu Innenstadt Münsters dar. So wurden Lösungen für Pendler*innen von außerhalb des Rings in die Stadt gefordert und z.B. die Idee ei- ner P&R-Station am Kanal mit ÖPNV-Anbindung eingebracht. 43 » Beurteilung der temporären Umgestaltung Während des zehntägigen Projektzeitraums wurden verschiedene Maßnahmen im Straßen- raum getestet, sodass hier bereits wertvolle Erfahrungen zu deren positiven wie negativen Auswirkungen gemacht werden konnten. Folgende Elemente des Reallabors wurden aus fachlicher Sicht als Qualitäten des Entwurfs gewertet: » weniger Konflikte im Seitenraum, Flanieren auf breiten Gehwegen möglich » Tempo 20 überwiegend eingehalten (entsprechend Untersuchung) » Radfahrende können beim Tempo 20 im fließenden Verkehr mitfahren, weniger Überholvorgänge und damit ein geringes Konfliktpotenzial » Mittelinsel als Überquerungshilfe und Element zur Verkehrsberuhigung » Aufzeigen von Flächenpotenzialen, freige- wordene Flächen wurden bespielt Bei der temporäreren Umgestaltung des Stra- ßenraums konnten aber auch einige Mängel des Entwurfs identifiziert werden, die u.a. auf den experimentellen Charakter des Reallabors, begrenzte Kapazitäten oder die kurze Vorberei- tungszeit zurückzuführen sind. Folgende Punk- te gilt es bei einer Überarbeitung des Entwurfs daher zu beachten: » Knotenpunkt Wolbecker Straße/Bremer Platz: Linksabbiegen für Radfahrende aus Richtung Osten verbessern » Positionierung der Mittelinsel prüfen – Überquerungsbedarf besteht weiter östlich » Absperrbaken, die das Radfahren auf den Gehwegen unterbinden sollten, beein- trächtigen auch die Barrierefreiheit » weiterhin parkende Fahrräder auf Gehwe- gen, zusätzliches Angebot nicht ausrei- chend » Schilderwald (insbesondere durch Beschil- derung zur Parkregelung) » Ladezonen wurden nur teilweise ange- nommen, Lieferverkehr hält weiterhin am Fahrbahnrand Der begehbare Plan als gemeinsames Ergebnis der Abschlussveranstaltung 44 » Einordnung der Beteiligungsergebnisse Um die zahlreichen Hinweise und Eindrücke aus der Bevölkerung, die über die Beteiligungskar- ten, per Mail oder während der abschließen- den Abschlussveranstaltung geäußert wurden, in die Rahmenplanung einfließen zu lassen, wurden Aspekte mit besonders vielen Nen- nungen kategorisiert. Für die weitere Planung ergeben sich aus verkehrlicher Sicht folgende entwurfstechnische, verkehrstechnische und ordnungsrechtliche Elemente: Entwurfstechnische Elemente » breite Seitenräume (Gastro, Sitzmöglich- keiten, Begrünung) » mehr Überquerungshilfen » Anpassung der Radverkehrsführung » bauliche Trennung der Verkehrsarten oder » Schutzstreifen oder » Radverkehr im Mischverkehr (Variante aus dem Reallabor) » mehr Fahrradabstellanlagen » Reduzierung der Pkw-Stellplätze (Rege- lung Lieferverkehr) Verkehrstechnische Elemente » Anpassung der Signalsteuerung im Sinne einer grünen Welle für den Radverkehr Ordnungsrechtliche Elemente » Tempo 20/30 km/h » Geschwindigkeitskontrollen » Anpassung der Parkraumbewirtschaftung (eingeschränktes Haltverbot zur Gewäh- rung von Ladezonen) » (raschere) Entfernung von verwaisten Fahrrädern Aus der Beteiligung gingen darüber hinaus weitere Elemente hervor, die in diesem Rahmen nicht vertieft berücksichtigt werden konnten, aber dennoch als wichtig erachtet werden und im Rahmen anderer Formate weiterverfolgt werden sollten: » Kampagne für mehr Rücksichtnahme » Aufwertung des Umfeldes (Hansaplatz, Raum für Nachbarschaft, Urban Gardening) » Anwohnerparkkonzept, Quartiersgaragen (Integriertes Parkraumkonzept) » Anlieger-/Einbahnstraßenregelung in um- liegenden Wohnstraßen » P&R, Shuttleservice, Angebote für Pendler*innen Zudem gibt es einige Punkte, die in der Beteili- gung zwar viele Nennungen erhielten, aufgrund der nachfolgend beschriebenen Rahmenbedin- gungen aber mittelfristig nicht ohne Weiteres umsetzbar sind: » Autofreie Wolbecker Straße » Reine Einbahnstraße » Ausbau zur Fahrradstraße » Schritttempo, Tempo 10 km/h 45 Rahmenplan als Navigationsinstrument Auf Grundlage der Ergebnisse des Reallabors und unter Berücksichtigung der verkehrstechnischen Rahmenbedingungen wurde im weiteren Verfahren ein städtebaulicher Rahmenplan erarbeitet, der Projekte und Entwicklungsdynamiken im Umfeld in Bezug zu den Erkenntnissen aus dem Re- allabor stellt und Umgestaltungserfordernisse entlang des Straßenverlaufs aufzeigt. Ergänzend wurden in einem Vertiefungsbereich erste verkehrstechnische Überlegungen skizziert, die in den kommenden Monaten weiter ausgearbeitet und diskutiert werden sollen. Die Ergebnisse aus den Beteiligungskarten und der Abschlussveranstaltung wurden zunächst fachlich eingeordnet und mit den Erfahrungen aus der temporären Umgestaltung zusammengeführt. Aufgaben und Bedeutung der Rahmenplanung Der städtebauliche Rahmenplan stellt eine wesentliche Grundlage für die weitere Planung dar. Er dient als Navigationsinstrument, dass Einzelmaßnahmen und Projekte in die langfris- tige, strategische Entwicklung der Wolbecker Straße einbettet. Neben den veränderten ver- kehrlichen Ansprüchen werden auch Schnitt- stellen zu anderen Fachämtern (z.B. Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit) und Nachbarschaftsinitiativen (z.B. Hansaforum) sichtbar, die es im weiteren Planungsverlauf einzubinden gilt. Mit dem gewählten partizi- pativen Dialogverfahren zur Umgestaltung der Wolbecker Straße hat die Stadt einen Planungs- prozess angestoßen, der auch weiterhin verfolgt werden sollte. Das hohe Interesse am Reallabor machte deutlich, dass die Nachbarschaft in eine Neugestaltung einbezogen werden möchte, die Umsetzung schrittweise erfolgen sollte und eine sektorübergreifende, integrierte Zusammenar- beit der städtischen Fachämter notwendig wird. Als informelles Planungsinstrument im Vor- feld der rechtsverbindlichen Planung fungiert der Rahmenplan als Bindeglied zwischen den Ergebnissen der Reallabors, umliegenden Bau- projekten mit hoher Strahlkraft sowie lokalen Initiativen und zeigt Entwicklungspotentiale des Stadtraums auf. Im Zentrum stehen die Interes- senlagen der unterschiedlichen Nutzer*innen- gruppen, um diese im weiteren Planungs- und Beteiligungsprozess angemessen einbeziehen zu können. Er kann als zentrale Entscheidungshilfe für übergeordnete Behörden bei der Beurteilung der weiteren städtebaulichen und verkehrlichen Planungsschritte herangezogen werden. Konzeptionelle Grundlagen für den Rahmenplan Aus den übergeordneten Planwerken (Innen- stadtkonzept – INSEK, Masterplan Münster Mo- bilität 2035+), die zur Zeit erarbeitet werden, sowie den Vorgaben der Verwaltung der Stadt Münster ergeben sich verschiedene Rahmenbe- dingungen, die es bei der Konzeption des Stra- ßenraums zu berücksichtigen gilt. Insbesondere beziehen sich diese auf die Netzfunktion der Wolbecker Straße für die unterschiedlichen Verkehrsarten. Da die Wolbecker Straße eine Hauptverkehrsstraße und wichtige Verbin- dungsstraße zwischen der Innenstadt und dem Umland ist, kann beispielsweise die Idee einer Einbahnstraße nicht ohne Weiteres verfolgt werden. Zudem ist die Straße eine Hauptach- se im ÖPNV, sodass die Befahrbarkeit für den Busverkehr sowie die gute Erreichbarkeit der Bushaltestellen weiterhin sichergestellt werden muss. Im Radverkehr ergibt sich die besondere Situation, dass die Hauptverbindung im Netz zwar auf der parallel verlaufenden Schillerstra- ße (Fahrradstraße) verläuft, gleichzeitig aber auf der Wolbecker Straße mit einem erhebli- chen Anteil an Quell- und Zielverkehren zu den vielfältigen Nutzungen entlang der Straße zu rechnen ist. Im Hinblick auf die angestrebte Mo - bilitätswende sollte der Radverkehr ohnehin in besonderem Maße gefördert werden, sodass eine komfortable Radverkehrsführung unabdingbar ist. Für den Fußverkehr ist die Wolbecker Straße gleichzeitig Verbindungsweg, Einkaufsbereich und Verweilort, wodurch sich wiederum das Erfordernis einer hohen Aufenthaltsqualität in den Seitenräumen ergibt. 46 Der Betrachtungsraum des Rahmenplans geht in westlicher Richtung über den Bereich des Reallabors hinaus und berücksichtigt wichtige Wegbeziehungen in die Innenstadt. Am östli- chen Ende wird vor allem der Hansaplatz als zentraler Knotenpunkt zwischen Stadtumland- gemeinden, Hansaring und Hohenzollernring aufgegriffen. Wolbecker Straße als Lebensader der Nachbarschaft Insgesamt wird deutlich, dass zwischen den Wünschen der Bevölkerung und Erfahrungen des Reallabors aus fachlicher Sicht eine große Schnittmenge besteht, die sich im Wesentlichen auch mit den übergeordneten Rahmenbedin- gungen decken. Für die weitere Planung wird daher folgende Zielsetzung vorgeschlagen: Die Wolbecker Straße als gemeinsamen, sicheren und lebenswerten Straßenraum neu denken. Hieraus lassen sich wiederum sieben zentrale – drei ordnende und vier gestalterische – Ent- wicklungsziele für die weitere Planung ableiten, welche auch im Rahmenplan ersichtlich werden: » Ordnende Ziele 1. Fair und transparent: Angemessene Flä- chenaufteilung schaffen Zentrales Anliegen der Bürger*innen war die Neuaufteilung des Straßenraums. Den vielfäl- tigen Wünschen der Nutzenden kann nicht einzeln begegnet werden – vielmehr ist eine übergeordnete und grundsätzliche Neuorga- nisation der Verkehrsabläufe in den Blick zu nehmen. Dies betrifft die Verkehrsträger im un- terschiedlichen Ausmaß, wobei die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden höchste Priorität hat. Da der Raum zwischen der angrenzenden Bebauung begrenzt ist und nicht alle Wünsche befriedigt werden können, braucht es transpa- rente Entscheidungs- und Gestaltungsprozesse, um eine hohe Akzeptanz der Neugestaltung erreichen zu können. Durch einen zunehmen- den Anteil des ÖPNV sowie nicht-motorisierter Verkehrsteilnehmer*innen am Verkehrsauf- kommen müssen zudem die Prämissen der Flächenverteilung überdacht werden. Die Wolbecker Straße soll auch weiterhin eine qualifizierte Straße für den motorisierten Indi- vidualverkehr und eine Hauptachse des ÖPNV bleiben. Damit rückt die Neuorganisation des ruhenden Verkehrs, die Radwegeführung und die Gestaltung der Seitenräume in den Fokus. In den weiterführenden Planungsschritten gilt es die Verkehrsabläufe so konfliktfrei wie möglich zu gestalten und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. 2. Rücksichtsvoll und besonnen: Mehr Raum für Fußgänger*innen schaffen Die Nutzenden der Wolbecker Straße haben sehr unterschiedliche Interessen an die Funktionali- tät und Gestaltung der Straße und der Seiten- bereiche. Autofahrer*innen, Fußgänger*innen, Einkaufende, Querende, Nutzer*innen des ÖPNV, Gäste der Gastronomienangebote, Pendler*innen und viele mehr treffen hier auf engstem Raum aufeinander und kommen häufig miteinander in Konflikt. Bislang mussten schwächere Verkehr- steilnehmende wie Fußgänger*innen, mobilitäts- eingeschränkte Personen sowie alte und junge Nutzer*innen hinter den Interessen der motori- sierten Verkehrsteilnehmenden zurücktreten. Die Bedürfnisse dieser Gruppen sollen nun bei der Neugestaltung des Streckenabschnitts eine be- sondere Berücksichtigung finden. 3. Sicher und entschleunigt: Geschwindig- keitsangleichung prüfen Die unterschiedlichen Nutzer*innengruppen haben nicht nur verschiedene Interessen und Ansprüche an den Straßenraum, sondern durchqueren den Stadtraum auch mit unter- schiedlichen Geschwindigkeiten, was vielfach zu Konflikten führt. Eine Angleichung dieser Tempi durch eine weitere Begrenzung der Maximalge- schwindigkeit könnte diesen entgegenwirken. Die Maßnahme bedarf einer vertieften Analyse und Diskussion von Fachplaner*innen, der städ- tischen Verwaltung und den Genehmigungsbe- hörden . 47 » Gestalterische Ziele 1. Identitätsstiftend und umsichtig: Hansaplatz und Bremer Platz als wich- tige Stadteingänge am Übergang vom Münsteraner Umland zur Innenstadt qualifizieren Der Hansaplatz und der Kreuzungsbereich Bremer Platz sind wichtige Stadtplätze in der Nachbarschaft und werden von Anwohner*in- nen, Pendler*innen, Flanierenden und Konsu- mierenden stark frequentiert. In ihrer heutigen Gestaltung besitzen sie allerdings eine geringe Aufenthaltsqualität: Die Stadträume sind we- nig repräsentativ gestaltet. Die Kreuzungsbe- reiche sind zudem für motorisierte wie auch nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer*innen konfliktbehaftet. Eine Umgestaltung der Wol- becker Straße sollte auch diese beiden tangie- renden Stadträume einbeziehen und dort die Verkehrssicherheit erhöhen. 2. Klimaschützend und gesund: Begrü- nungsstrategien entwickeln Auf die zunehmenden Auswirkungen des Klima- wandels muss auch die Gestaltung der Straßen- räume reagieren. Der Streckenabschnitt ist ein hoch versiegelter Raum, der für zunehmende Starkregenereignisse noch nicht gewappnet ist. Zukünftige Gestaltungs- und Planungsprämis- sen sollten sich den veränderten Rahmenbe- dingungen stellen und passgenaue Lösungen entwickeln. Dies umfasst insbesondere die Wahl der Oberflächen und deren Materialität. Begrünungsstrategien können zudem die Le- bensqualität der Anwohner*innen erhöhen und eine stärkere Identität der Nachbarschaft mit dem Stadtteil herstellen. 3. Grün und einladend: Aufenthaltsqualität der Seitenräume stärken Die Organisation und Gestaltung der Wolbe- cker Straße in Kombination mit der hohen Frequentierung und den knappen Flächenres- sourcen lösen Konflikte zwischen den unter- schiedlichen Verkehrsteilnehmendengruppen aus, die nicht immer glimpflich enden. Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicher- heit und Aufenthaltsqualität können dazu bei- tragen, dass die Straße stärker als Aufenthalts- ort denn als Transitraum wahrgenommen wird. Derzeit ist die Aufenthaltsqualität der Seiten- räume beschränkt und konsumfreie Sitzange- bote kaum vorhanden. So kann beispielsweise eine Begrünung der Seitenräume zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität beitragen. 4. Vielseitig und durchlässig: Zentrale Plät- ze multifunktional nutzen Der Streckenabschnitt wird vom Servattiiplatz und Hansplatz eingefasst – dazwischen gibt es kaum Freiräume und auch die Durchwegung der Blockstrukturen ist nur an wenigen Stellen gegeben. Der REWE-Parkplatz ist aus diesem Grund bereits heute auch eine wichtige Ver- bindungsachse für nicht motorisierte Verkehr- steilnehmende. Weitere Angebote – neben den Nutzungen als Parkplatz und als Abkürzung – könnte diesen Raum qualifizieren und einen Mehrwert für die Wolbecker Straße in diesem Streckenabschnitt erzeugen. Eine Multicodierung weiterer Flächen trägt zu deren Attraktivität bei. 48 Verkleinerte Darstellung des Rahmenplans 49 50 51 E Schlussbetrachtungen Mit der Entscheidung die Wolbecker Straße in einem dialogorientierten Verfahren mit der lokalen Bevölkerung umzugestalten, konnte den besonderen Rahmenbedingungen (Akteur*innenvielfalt, dynamische Nachbarschaft, überlagernde Nutzungsinteresse usw.) dieses Streckenabschnitts Rechnung getragen werden. Innerhalb des Reallabors – umgesetzt als verdichteter Verkehrsversuch mit hohem Beteiligungsanteil – wurden gemeinsame Dialoge zwischen den Nutzenden gefördert und Perspektiven gesammelt werden, die es im weiteren Planungsverlauf zu konkretisieren gilt. Handlungsempfehlungen für das weitere Dialogverfahren Die folgenden Empfehlungen für das weite- re Vorgehen wurden aus drei verschiedenen Grundlagen abgeleitet: aus der stadträumlichen und verkehrlichen Analyse, aus den Auswertun- gen des Reallabors sowie aus der Weiterfüh- rung in den Rahmenplan als Grundlage für eine verkehrliche€ Vertiefung. Die Handlungsemp- fehlungen umfassen sowohl Vorgehensweisen für die Prozessgestaltung des Umbaus der Wol- becker Straße als auch ein darauf aufbauendes dreistufiges Verfahren als Umsetzungsstrategie für die im Rahmenplan vorgestellten Maßnah- men. 1. Klärung übergeordneter Rahmenbedingungen Die Wolbecker Straße befindet sich im Span- nungsfeld zwischen ihren Funktionen als All- tagsort für Zufußgehende und Radfahrende und Hauptverkehrsstraße mit einem hohen Anteil an motorisierten Durchgangsverkehr. Im Rahmen der übergeordneten Planung ist die Funktion der Wolbecker Straße im Gesamtstra- ßennetz mit der jeweiligen Bedeutung der Ver- kehrsarten für den innerstädtischen Strecken- abschnitt zwischen Hansaring und Servatiiplatz noch zu klären. Mit Blick auf den Radverkehr ist das Verhältnis der Wolbecker Straße und der parallel verlaufenden – als Fahrradstraße ausge- wiesenen – Schillerstraße herauszuarbeiten: Die Wolbecker Straße ist insbesondere für Radfah- rende Ziel und Quelle, so dass die Schillerstraße für diese Zielgruppe nur bedingt als Alternative zur Wolbecker Straße in Frage kommt. Auch im Masterplan Mobilität Münster 2035+ sollte die Frage der zukünftigen Funktion der Wolbecker Straße im Abschnitt zwischen Servatiiplatz und ‚Ring‘ vertiefend aufgenommen werden. 2. Empfehlungen für das weitere Dialogverfahren Wolbecker Straße Im Sinne eines partizipativen Prozesses mit Dia- logverfahren sowie eines testenden und lernen- den Planungsansatzes, der mit dem Reallabor gewählt wurde, empfehlen die beauftragten Büros ein prozessuales und weiterhin auf Dia- log setzendes Vorgehen. Das heißt, die Ergeb- nisse des Dialogverfahrens sind zeitnah mit der Stadtbevölkerung, der Verwaltung sowie der Politik zu diskutieren. Die Rückmeldungen sollen im weiteren Planungs- und Gestaltungs- prozess Berücksichtigung finden. Je höher der Grad der Beteiligung, desto höher später die Akzeptanz der Maßnahmen zur Umgestaltung der Straße. Neben der Präsentation der Ergebnisse des Dialogverfahrens in den politischen Gremien schlagen die beauftragten Büros für den Früh- 52 sommer 2022 eine Werkstatt für die stadtweite Öffentlichkeit sowie für lokale Stakeholder vor Ort vor. Dabei sollen die Ergebnisse des bishe- rigen Dialogverfahrens und des Rahmenplans vorgestellt und diskutiert werden. Außerdem sollen zentrale Maßnahmen weiterentwickelt und zeitlich erörtert werden. Zu den zentralen Maßnahmen zählen u.a. Vorschläge für den Fuß- und Radverkehr, die Anlieferung, die Stär- kung des ÖPNV für Pendler*innen sowie die Koordination von Nutzungen auf freiwerden- den Flächen. 3. Schrittweises Vorgehen Im Anschluss an die Werkstatt und in Abstim- mung mit den politischen Gremien werden die nächsten Schritte zur Umsetzung formuliert. Für das weitere Verfahren wird ein dreistufiges Vorgehen vorgeschlagen. Auch hierbei sollte wieder genügend Platz für den Dialog mit den Nutzer*innen und Anlieger*innen vor Ort ein- geplant werden. Die einzelnen Phasen unter- scheiden sich durch: » Ad-hoc-Maßnahmen Dazu zählen im Rahmen der Werkstatt entwi- ckelte Ergebnisse und die daraus abgeleiteten Maßnahmen. Diese können möglichst noch 2022 mit einfachen Mitteln umgesetzt werden. So werden beispielsweise Raumpotentiale durch die Herausnahme sämtlicher Parkplätze frei. Die Flächen können mit neuen Nutzungen bespielt, getestet und erprobt werden wie zum Beispiel: » Bau von Sitzgelegenheiten für niedrig- schwelligen Aufenthalt in den Seitenräu- men » Umnutzung von Kfz-Stellplätzen in Rad- abstellanlagen, Ladezonen, Sitzgelegen- heiten und Außensitze für Gastronomie, Aktivierung von Stellplätze durch Anwoh- ner*innen/Anlieger*innen » Mobiles Grün » Zwischenlösungen Nach einer fachlichen Weiterentwicklung der Zielperspektive und unter Einbeziehung der gewonnenen Erfahrung aus den Ad-hoc-Maß- nahmen können ab 2023 bereits aufwendigere Maßnahmen umgesetzt und erprobt werden. Diese sollen bereits als erste Bausteine einer langfristigen Umgestaltung der Wolbecker Straße fungieren bzw. Aufschluss geben, welche Maßnahmen für die Nutzenden vor Ort geeig- net sind. Hierzu zählen beispielsweise die fol- genden Maßnahmen: » Verlegung des Radverkehrs auf die Stra- ße (Mischverkehr) - Radwege werden zu Gehwegen » Herausnahme sämtlicher Parkplätze in diesem Abschnitt » Erleichterung der Querung zwischen dm-Drogeriemarkt und REWE-Markt für Fußgänger*innen » Qualifizierung des Stadteingangs Hansa- platz in Abstimmung mit der aktuellen Umgestaltung » Umgestaltung des Kreuzungsbereichs und Stadteingangs Bremer Platz » (begleitende) Maßnahmen zur Anglei- chung der Geschwindigkeiten von Rad- fahrenden und MIV im Mischverkehr (z.B. Mittelinsel, Dialogdisplays, Zusatzzeichen „Verkehrsversuch“) » Entwurfsplanungen zur dauerhaften Umge- staltung Nach einer kritischen Auswertung und Reflek- tion der temporären Maßnahmen soll sich eine verbindliche Entwurfsplanung für die Umge- staltung anschließen, welche den gesamten Bereich zwischen ‚Ring‘ und Servatiiplatz von Hauswand zu Hauswand (Umsetzung ab/nach 2025 im Zuge der Umgestaltungen am Bremer Platz – Münster Mobility Hub und Medienhaus mit WDR am Servatiiplatz) einschließt. Mit dem gewählten Prozessdesign soll es auch weiterhin möglich werden, Maßnahmen zu testen, anschließend zu konsolidieren oder auch zu verwerfen. Für eine spürbare Verbes- serung der Wolbecker Straße braucht es eine abgestimmte Prozessgestaltung mit wichtigen Meilensteinen und zeitlichen Zielperspektiven, in der die einzelnen Aspekte stark ineinander- greifen müssen. Auch weiterhin soll die Öffentlichkeit kontinu- ierlich und transparent eingebunden werden. Unterschiedliche Beteiligungsformate sind dafür zu entwickeln, um es vielfältigen Zielgrup- pen zu ermöglichen, Teil des Umgestaltungs- prozesses zu werden. Innerhalb des dreistufi- gen Verfahrens ist neben dem Planungsprozess also ein passendes Beteiligungskonzept zu entwickeln. Für die Fachverwaltung gilt es Rahmenbedin- gungen zu klären. So sollen die Perspektiven unterschiedlicher Fachverwaltungen (z.B. Ordnungsamt, Umwelt- und Freiraumplanung, Münster Marketing) eingeholt und diskutiert werden, um eine gemeinsame Zielperspek- tive zu formulieren. Außerdem müssen ver- kehrsrechtliche Festlegungen geprüft werden. Beispielsweise ist „Tempo 20“ in der gültigen Straßenverkehrsordnung nicht vorgesehen und somit verkehrsordnungsrechtlich derzeit nicht umsetzbar. Im internen Dialog der betroffenen Fachämter als auch im Dialog mit den überge- ordneten Genehmigungsbehörden ist ein per- spektivischer Lösungsweg zur Angleichung der Geschwindigkeiten von Radfahrenden und Kfz im Mischverkehr zu entwickeln. Ausblick Die Vorgehensweise „erst testen, dann planen“ für die Umgestaltung der Wolbecker Straße ist aufgegangen. Das Dialogverfahren Wolbecker Straße startete im September 2021 mit dem zehntä- gigen Reallabor. Mit den vorliegenden Ergebnissen wurde nun die Grundlage für das weitere parti- zipative und dialogorientierte Vorgehen zur Umgestaltung der Wolbecker Straße gelegt. Im Sinne eines lernenden und kooperativen Planungsansatzes soll die Beteiligung der Stadtbevöl- kerung, Nutzer*innen und lokalen Anlieger*innen ein wichtiger Bestandteil bei der Neugestaltung des Streckenabschnitts bleiben. Weiterhin sollen Ergebnisse mit der lokalen Bevölkerung und Stakeholdern rückgekoppelt und schließlich umgesetzt werden. Ebenfalls von hoher Bedeutung ist es in den kommenden Monaten zentrale Leitplanken und Weichenstellungen zu setzen, um den Prozess zielorientiert weiterführen und erste – aus den Ergebnissen abzuleitende Maßnahmen – auf die „Straße“ zu bringen. Die große Resonanz und das hohe Interesse am Reallabor machen deutlich, dass das Dialogverfahren mit dem Ziel, die Ergebnisse und Rückmeldungen sichtbar zu machen, konsequent fortgeführt werden muss, um die Wolbecker Straße in Zukunft sicherer, freundlicher und grüner zu gestalten. 53 56
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: mehrheitlich beschlossen
Zur SitzungOrte (15)
- Klemensstraße 10
- Wolbecker Straße 51
- Schillerstraße
- Dortmunder Straße
- Sophienstraße
- Bremer Straße
- Albersloher Weg 33
- Bremer Platz
- Hansaplatz
- Hansaring 42
- Servatiiplatz
- Hohenzollernring
- Linnebornstiege
- Sauerländer Weg
- Sternstraße
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0115/2022
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 06.04.2022
- Erstellt
- 14.02.2022 10:17