3717/2024
Evaluation der nachhaltigen Transformation des Kultursektors in Köln
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Mitteilung Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle VII/VII/2 Vorlagen-Nummer 27.11.2024 3717/2024 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 28.11.2024 Ausschuss Kunst und Kultur 03.12.2024 Evaluation der nachhaltigen Transformation des Kultursektors in Köln Gemäß der Beschlussvorlage 0039/2023 Umsetzung einer Maßnahme des Kulturentwick- lungsplans: Einrichtung einer Koordinationsstelle ‚Nachhaltigkeit in der Kultur‘ wurde eine sol- che Stelle (befristet bis zum 31.12.2024) eingerichtet. Mit dieser Stelle sollten das Wissen im Bereich Nachhaltigkeit vertieft und die diesbezüglichen Initiativen aus dem Kölner Kultursektor gestärkt und vernetzt werden. Die Koordinationsstelle sollte als Schnittstelle zwischen den in- volvierten Ämtern, städtischen Institutionen und der Freien Szene agieren sowie den gesamt- städtischen Transformationsprozess für die Kulturszene professionell und zielorientiert unter- stützen und damit einen Beitrag zur Erreichung der Umweltziele der Stadt Köln leisten. Die Stelle wurde zum 01. 09. 2023 mit einem Mitarbeiter besetzt, der die Vorgaben aus der Vorlage erfolgreich umgesetzt hat. Da es an finanziellen Ressourcen für eine Befristungsver- längerung der Stelle fehlt, hat der Stelleninhaber das Beschäftigungsverhältnis zum 31. Au- gust 2024 beendet. Zu den Vorgaben des Ratsbeschlusses gehört auch eine jährliche Evaluation, die „sowohl über die Fortschritte wie auch über Schwierigkeiten oder Schwachstellen der Transformation im Kultursektor berichten und gegebenenfalls Änderungsvorschläge unterbreiten“ soll. Mit die- ser Evaluation wurde Dr. Christopher Garthe beauftragt. Die Evaluation ist dieser Mitteilung als Anlage 1 beigefügt. Gez. Charles Anlage: Anlage 1 Evaluation der nachhaltigen Transformation des Kultursektors in Köln
Anlage 1_Evaluation der nachhaltigen Transformation des Kultursektors in Köln
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EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS IN KÖLN November 2024 EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 2 AUFTRAGGEBER Stadt Köln VII/2 Kulturdezernat/Planungsreferat Kulturentwicklungsplanung Richartzstraße 2 – 4 50667 Köln DURCHFÜHRUNG Dr. Christopher Garthe Paul-Ehrlich-Straße 5-13 79106 Freiburg im Breisgau EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 3 INHALT 1 Einleitung ............................................................................... 4 2 Rahmenbedingungen und Ausgangssituation .................... 6 3 Ergebnisse der Evaluation: Überblick und Bewertung der Maßnahmen und Projekte ..... 11 4 Einflussfaktoren und Hindernisse bei der Umsetzung ...... 33 5 Empfehlungen und Handlungsoptionen ........................... 39 EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 4 1 Einleitung 1.1 Hintergrund In den letzten Jahren hat die Stadt Köln zahlreiche Aktivitä ten zur Förderung von Nachhaltigkeit initiiert und sich als Vorreiterin im Bereich Klimaschutz und nachhal- tiges Wirtschaften etabliert. Der Kultursektor spielt dabei eine entscheidende Rolle, da er als Schnittstelle zwischen Öffentlichkeit, Kunst und gesel lschaftlicher Trans- formation ein besonderes Potenzial besitzt. Die Bedeutung von Kulturinstitutionen im Rahmen einer nachhaltigen Stadtentwicklung liegt nicht nur in ihrer Vorbild- funktion, sondern auch in ihrer Fähigkeit, Bewusstsein zu schaffen, gesellsch aftli- che Diskussionen anzustoßen und innovative Lösungen für ökologische und soziale Herausforderungen zu entwickeln. Mit der Einrichtung der Koordinationsstelle „Nachhaltigkeit in der Kultur“ und der Initiierung von Projekten wie „Köln hoch 3“ wurden erst e wichtige Schritte unter- nommen, um Nachhaltigkeitsziele im Kulturbereich zu verankern. Diese Bemühun- gen müssen jedoch kontinuierlich überprüft und weiterentwickelt werden, um lang- fristige und wirksame Veränderungen zu erzielen. Die vorliegende Evaluation leistet einen Beitrag zur Beurteilung der bisherigen Ansätze und zeigt auf, in welchen Be- reichen eine Intensivierung der Bemühungen erforderlich ist. 1.2 Zielsetzung der Evaluation Der vorliegende Evaluationsbericht hat das Ziel, die bisherigen Aktivitäten der Stadt Köln zur Förderung von Nachhaltigkeit im Kulturbereich zu analysieren und bewer- ten. Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage, wie die eingeleiteten Initiativen zur nachhaltigen Transformation des kulturellen Sektors beigetragen haben. Es werden Stärken und Schwächen der bisherigen Maßnahmen identifiziert und ins- besondere Hemmnisse und Erfolgsfaktoren herausgearbeitet. Die Evaluation fragt nach Erfolgen, Hürden im Umsetz ungsprozess und stellt die Bedarfe der Stakehol- der heraus, um eine Transformation umzusetzen. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 5 Basierend auf dieser Analyse und Bewertung werden konkrete Empfehlungen für die Weiterentwicklung und Optimierung des nachhaltigen Kultursektors in Köln ab- geleitet. Die Evaluation dient somit nicht nur der Überprüfung der bisherigen Maß- nahmen, sondern auch als Grundlage für zukünftige Planungen und Strategien. 1.3 Evaluationsansatz und Methodik Die summative Evaluation folgt einem qualitativen Ansatz und umfasst im Wesent- lichen Dokumentenanalyse sowie die Durchführung von leitfadengestützten Inter- views. Im Sinne eines Mixed -Methods-Ansatzes wird der Output auch quantitativ untersucht. Die Evaluation beziffert Erfolge auch mit Zahlen, ohne eine quantitative Messung anzustreben. Als grundlegende Datenquellen werden Dokumente, wie Projektberichte, Planun- terlagen, Webclippings und interne Berichte der beteiligten Kulturinstitutionen aus- gewertet und analysiert. Zur Vertiefung werden leitfadengestützte Experten-Interviews durchgeführt, durch die eine Einordnung der Projektergebnisse möglich wird und spezifische Fragen ge- klärt werden. Im Rahmen der Experteninterviews werden verschiedene Akteur*in- nen aus der Verwaltung, Leitungen und Mitarbeitende aus Kulturinstitutionen so- wie Aktive der freien Szene befragt. Die Auswertung der Interviews findet qualitativ statt. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 6 2 Rahmenbedingungen und Ausgangssituation 2.1 Nachhaltigkeit als Leitbild für kulturelle Praxis Das Konzept der Nachhaltigkeit wurde als Reaktion auf die globalen ökologischen Herausforderungen entwickelt. Nachhaltigkeit kann daher verstanden werden als ein passendes Leitbild und zur Analyse von und Lösungsentwicklung für diese Her- ausforderungen. Die globalen Krisenerscheinungen haben genauso wie das Leitbild der Nachhaltigkeit vielfältige Bezüge zum kulturellen Sektor. Doch die Komplexität des Begriffs und die Bandbreite unterschiedlicher Anforderungen machen die Über- tragung auf die Arbeit von Kulturakteur*innen und die Umsetzung zu einer großen Herausforderung. NACHHALTIGKEIT ALS LEITBILD FÜR KULTU- RELLE PRAXIS FRAGT: WIE KANN KULTUR ZU EINER SOZIAL GERECH- TEN ZUKUNFT INNERHALB DER PLANETAREN GRENZEN BEITRAGEN? Nachhaltigkeit als Leitbild für kulturelle Praxis bedeutet eine Fokussierun g auf die Frage, wie Kultur zu einer sozial gerechten Zukunft innerhalb der planetaren Gren- zen beitragen kann. Das Leitbild Nachhaltigkeit schärft den Blick für die Funktion von Kultur in sozial-ökologischen Systemzusammenhängen und deutet auf das spe- zifische Potenzial von Kulturakteur*innen hin, in diesen Systemen auf eine globale nachhaltige Zukunft hinzuwirken. Nachhaltigkeit rückt dafür in das Zentrum des Selbstverständnisses von Kulturakteur*innen und prägt grundlegend die Arbeit in Kulturinstitutionen. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 7 Nachhaltigkeitsbegriff und Analyseraster Nachhaltigkeit im Kultursektor umfasst vier Dimensionen. Erstens, die ökologische Dimension: Die Umweltauswirkungen von Kultur sind die offensichtlichsten Verbin- dungen zum Konzept der Nachhaltigkeit. Zweitens, die soziale Dimension: Nachhal- tigkeit umfasst hier Aspekte von Inklusion, Diversity, Gleichberechtigung, soziale Gerechtigkeit und De- Kolonisation. Drittens, umfasst die ökonomische Dimension Fragen zur finanziellen Resilienz, zu Einsparungen durch Ressourceneffizienz sowie zu Postwachstums-Aspekten. Viertens, die programmatische Dimension: Sie adres- siert die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in Programm, Angebote und In- teraktionen mit Rezipienten. Im Gegensatz zu dieser umfassenden Sichtweise wird Nachhaltigkeit heute oft als ein sogenanntes grünes Konzept missverstanden. Ein auf ökologische Herausforde- rungen und möglicherweise technische Lösungen reduziertes Verständnis ist je- doch viel zu eng gefasst. Auch wenn ökologische Probleme den Ausgangspunkt dar- stellen, adressiert Nachhaltigkeit in erster Linie eben nicht ökologischen Themen, sondern stellt den Menschen in den Mittelpunkt: Seine Bedürfnisse und das Gute Leben. Kulturelle Einrichtungen, wie Museen, Theater, Opern oder freie Spielstätten, ste- hen vor der Herausforderung, ihre Ressourcen effizienter zu nutzen und gleichzeitig als Akteur*innen des gesellschaftlichen Wandels zu agieren. Durch ihre Arbeit kön- nen sie das Bewusstsein für Nachhaltigkeitsthemen schärfen und zu einem breiten nachhaltigen Diskurs beitragen. 2.2 Nachhaltige Kulturpolitik im Kontext der Stadt Köln Eine Evaluation der umgesetzten Maßnahmen sowie eine Identifizierung von Hemmnissen und zukünftigen Handlungsoptionen ist nur vor dem Hintergrund be- reits bestehender Strategien und Planunterlagen möglich. Gleichermaßen sind die vorhandenen Governance -Strukturen zentral für den Transformationsprozess in Richtung Nachhaltigkeit. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 8 Die Stadt Köln hat bereits vielfältige Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit angesto- ßen und umgesetzt. Ein bedeutender Meilenstein war der Beschluss der Stadtstra- tegie „ Kölner Perspektiven 2030+“, die eine zukunftsgerichtete und nachhaltige Stadtentwicklung skizziert. Die konsequente Ausrichtung der Stadt auf Klima- schutzziele untersucht die Strategie "Köln kl imaneutral 2035" . Auf dieser Basis wurde der "Aktionsplan Klimaschutz" veröffentlicht, in dem erste Maßnahmen und Umsetzungspfade zur Klimaneutralität beschrieben werden. In diesem Rahmen spielt der Kultursektor eine wichtige Rolle, da er sowohl erhebli- che Ressourcen verbraucht als auch als Multiplikator für gesellschaftlichen Wandel fungiert. Ebenfalls wichtig ist d as Zero-Waste-Konzept, d as auf Abfallvermeidung und die Umstellung auf eine Kreislaufwirtschaft abzielt. Dieser Plan wird auch auf den Kulturse ktor angewendet, der durch die Wiederverwendung von Materialien und die Reduktion von Abfällen in der Veranstaltungsplanung seinen Beitrag leisten soll. „Wir werden von allen Seiten zur Transformation gedrängt.“ Zitat aus einem der Interviews Im Hinblick auf die Governance -Ausprägung ist auch die Direktor *innenrunde, in der die Direktor*innen der neun städtischen Museen vertreten sind, zu berücksich- tigen. Stärker strategisch ausgerichtet, ist auch der KEP- Lenkungskreis von ent- scheidender Bedeutung. Der Lenkungskreis überwacht und steuert den Prozess der Kulturentwicklungsplanung, um langfristige Strategien für die kulturelle Entwick- lung der Stadt festzulegen und deren Umsetzung zu begleiten. Daneben sind weitere Gremien und Stakeholder für den Transformationsprozess von Bedeutung. Dazu gehören unter anderem das Kulturamt und der Ausschuss Kunst und Kultur. Der Ausschuss entscheidet unter anderem über die Planung von städtischen Kultureinrichtungen während das Kulturamt insbesondere für die freie Szene und deren Förderung relevant ist. Der Kunstbeirat unterstützt als beratendes EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 9 Gremium mit dem Schwerpunkt Kunst im öffentlichen Raum . Auch wenn die vor- rangige Aufgabe dieser Gremien nicht Nachhaltigkeitsthemen umfasst, können diese Gremien nachhaltige Aspekte stärker berücksichtigen. Verständnis von Nachhaltigkeit im Kultursektor in Köln Nachhaltigkeit im Kölner Kultursektor wird überwiegend aus einer ökologischen Perspektive verstanden, wobei der Fokus stark auf Maßnahmen zur Reduzierung des CO₂ -Ausstoßes lieg t. Dies steht im Einklang mit dem Ziel der Stadt Köln, bis 2035 klimaneutral zu werden. Maßnahmen wie die Senkung des Energiever- brauchs und die Schonung von Ressourcen werden als zentrale Beiträge zu diesem Klimaschutzziel gesehen. Allerdings beschränkt si ch das Verständnis von Nachhaltigkeit häufig auf ökologi- sche Aspekte, während andere Dimensionen, wie die soziale , ökonomische oder programmatische Nachhaltigkeit, weniger Beachtung finden. Dabei sollte Nach- haltigkeit im Kultursektor nicht nur als Reduzier ung von Emissionen, sondern auch als langfristige Wirkung und Relevanz für eine Große Transformation verstan- den werden. Ein „blinder Fleck“ bleibt die programmatische Nachhaltigkeit – also die Frage, wie Kulturangebote inhaltlich nachhaltig gestaltet werde n können, um langfristig eine positive gesellschaftliche Wirkung zu entfalten. Hier besteht Potenzial, über die reine CO₂ -Einsparung hinauszugehen und kulturelle Programme zu entwi- ckeln, die nachhaltige Werte in der Gesellschaft verankern und gleichzeitig Res- sourcen schonen. 2.3 Herausforderungen und Potenziale für eine Transformation des Kultursektors Auf dem Weg einer Transformation birgt der Kultursektor spezifische Hindernisse. Hierzu gehören Budgetknappheit, schwere Zu gänglichkeit von Fachwissen zu Nachhaltigkeit sowie fehlende Unterstützung. Außerdem können konkrete Vorbe- halte und Gegenargumente bei Kulturakteur*innen gegen die Veränderungen hin zu mehr Nachhaltigkeit existieren. Dazu gehören fehlende Zeit und die Befürchtung, EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 10 dass Ressourcen in anderen Aufgabenbereichen innerhalb der Institution reduziert werden. Ein auf diese Gründe aufsattelndes Narrativ ist die Erzählung von Nachhal- tigkeit als sogenanntes Luxusprojekt. So wird Nachhaltigkeit häufig als etwas be- handelt, das umgesetzt wird, wenn die Gesamtsituation, insbesondere die Besuchs- zahlen und das Budget, dies zulassen. Der Kultursektor im Zwiespalt Der Kultursektor befindet sich hier in einem Zwiespalt: Einerseits ist er weniger kli- maschädlich und trägt weniger zu sozialen Ungleichheiten bei als andere Sektoren und gesellschaftliche Bereiche – es liegt daher die Annahme nahe, dass Nachhaltig- keit für Kultur lediglich eine untergeordnete Rolle spielt; ein „nice to have“. Wenn, andererseits, Kultur der soziale Kitt unserer Gesellschaft ist, dann ist ein nachhaltiger Kulturbetrieb die unbedingte Voraussetzung für eine gesamtgesell- schaftliche Transformation. Dann kommt dem Kultursektor eine Schlüsselrolle zu – und Nachhaltigkeit wird zu einem „must have“. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 11 3 Ergebnisse der Evaluation: Überblick und Bewertung der Maßnahmen und Projekte In den letzten Jahren hat die Bedeutung von Nachhaltigkeit in Kulturinstitutionen stetig zugenommen. In Köln wurden zahlreiche Initiativen ins Leben gerufen, um die ökologischen, sozialen und ökonomischen Auswirkungen der Kulturbetriebe zu ver- bessern und nachhaltige Strukturen zu fördern. Dabei wurden verschiedene An- sätze verfolgt, die von der Optimierung der betrieblichen Abläufe bis zur Förderung des Bewusstseins für Nachhaltigkeit bei den Besucherinnen und Mitarbeiterinnen reichen. Im Folgenden werden zentrale Initiativen und Maßnahmen beschrieben, die in den analysierten Dokumenten dargestellt wurden. „Wir möchten unsere Vorbildfunk- tion, unsere Reichweite ausnut- zen.“ Zitat aus einem der Interviews 3.1 Köln als eine Pionierin im Bereich nachhaltige Kultur Die Stadt Köln hat sich in den letzten Jahren stark auf die Förderung einer nachhal- tigen Kultur konzentriert. Dabei spielt der Kulturdezernent Stefan Charles eine zent- rale Rolle. Unter seiner Führung wurde der Kultursektor gezielt auf Nachhaltigkeit und Klimaneutralität ausgerichtet. Charles betont dabei die Bedeutung von Museen und Kulturinstitutionen als Vorreiter und Multip likatoren für umweltfreundliches Handeln. Die Kölner Museen, darunter das Wallraf -Richartz-Museum, das Museum Schnütgen und das Museum Ludwig, haben begonnen, innovative Maßnahmen zur Reduzierung ihres ökologischen Fußabdrucks umzusetzen. So wurden beispie ls- weise klimaneutrale Ausstellungen organisiert und die Nachhaltigkeit in d ie Muse- umsarbeit integriert. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 12 Der Kulturdezernent Stefan Charles hat eine klare Vision für die Zukunft der Kölner Kultur: Durch nachhaltige Bauprojekte, wie zum Beispiel gemeinschaftlich genutzte Depots, und die Sanierung bestehender Gebäude möchte er den ökologischen Fuß- abdruck des Kulturbetriebs weiter verringern. Für ihn sind diese Maßnahmen Teil eines umfassenden Transformationsprozesses, bei dem Kulturinstitutionen nicht nur von außen, sondern auch im Inneren nachhaltig arbeiten und so zu Vorbildern für andere Städte und Sektoren werden. So setzt sich das Kulturdezernat dafür ein, dass nicht nur technische Verbesserun- gen wie die Installation von Photovoltaikanlagen oder die energetische Sanierung der Museumsgebäude vorangetrieben werden, sondern auch das Bewusstsein der Besucher*innen geschärft wird. Ein Großteil der CO₂- Emissionen im Kulturbereich entsteht durch die An- und Abreise der Gäste. Diesem Aspekt wird daher besondere Aufmerksamkeit beigemessen. Ein weiterer Schwerpunkt des Transformationsprozesses lag in der Verstärkung der Zusammenarbeit. Das Kulturdezernat fördert den Dialog zwischen Kulturinstitutio- nen, Politik und Öffentlichkeit, um nachhaltige Praktiken zu stärken. Durch diese Vision und die angestoßenen Aktivitäten kann die Stadt Köln sowie das Kulturde- zernat als eine Pionierin im Bereich der nachhaltigen Kultur bezeichnet werden. 3.2 Evaluation der Maßnahmen Insgesamt lässt sich festhalten, dass der Kultursektor in Köln auf einem vielverspre- chenden Weg ist, Nachhaltigkeit in seine Strukturen zu integrieren. Zahlreiche Initi- ativen und Maßnahmen bieten innovative Ansätze zur Förderung ökologischer, so- zialer und ökonomischer Nachhaltigkeit. Im Folgenden werden schlaglichtartig aus- gewählte Maßnahmen, Projekte und Initiativen vorgestellt und analysiert. Die Aus- wahl hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und impliziert nicht, dass nicht darge- stellte Projekte weniger bedeutsam sind. Die vorgestellten Maßnahmen haben das Potenzial, Modellprojekte für den gesamten Kultursektor zu werden, sofern sie die notwendige Unterstützung erhalten und weiterentwickelt werden. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 13 3.2.1 Koordinationsstelle "Nachhaltigkeit in der Kultur" Die Koordinationsstelle "Nachhaltigkeit in der Kultur" in Köln wurde im Rahmen des Kulturentwicklungsplans eingerichtet, um die nachhaltige Transformation des Kultursektors zu fördern. Ihre Hauptaufgaben umfassen die Vernetzung von Kultur- institutionen, Beratung bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen s owie die Koordination von Projekten wie der Klimabilanzierung und der Weiterbildung von Transformationsmanager*innen. Die Stelle fungiert als Schnittstelle zwischen städtischen Ämtern und der freien Szene, um den Kultursektor auf die Erreichung der Klimaziele bis 2035 vorzubereiten. Eurocities Culture Forum: Call to Action Der Eurocities Call to Action wurde durch den Kulturdezernent 2023 unterzeichnet und zielt auf eine kohlenstoffarme und inklusive re Kultur ab. Städte verpflichten sich, mindestens eine Priorität aus den Bereichen ökologische Transformation und Inklusion zu verfolgen. Erreicht wurde, dass sich europäische Städte zusammenfan- den, um gemeinsam nachhaltigere Kulturpraktiken zu entwickeln . Sie teilten Best- Practice-Beispiele und verbesserten ihre öffentlichen Beschaffungen sowie Mobili- tätskonzepte. Erfolgreich war insbesondere die Stärkung der Zusammenarbeit durch die Einführung einer Taskforce, um den Austausch zwischen den Städten zu fördern und kulturelle Nachhaltigkeit stärker zu verankern. Workshop und Planspiel: Kommunikation – Innovation - Diffusion Der Workshop "Innovation-Diffusion" am 22. Februar 2024, organisiert von der Ko- ordinationsstelle Nachhaltigkeit in der Kultur, zielte darauf ab, Kenntnisse zur Um- setzung von Nachhaltigkeitsideen und Strategien zum Umgang mit Widerständen zu vermitteln. Ein zentraler Punkt war das Amoeba-Modell nach Alan Atkisson, dass die Rollen von Akteur*innen in Innovationsprozessen beschreibt. Der Workshop half dabei, Change Agents zu mobilisieren und gab praxisnahe Ansätze für die Diffusion von Nachhaltigkeitsinnovationen. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 14 Diverse Initiativen und Vernetzungs-Aktivitäten Beispielhaft für weitere Initiativen und Vernetzungs-Aktivitäten steht eine Initiative mit Warner Bros. (International Television Production Deutschland). Bei einem Ver- netzungstreffen der Koordinationsstelle für Nachhaltigkeit im Kultursektor wurde die Zusammenarbeit mit der Stabstelle Events, Film, TV initiiert. Warner Brothers zeigte großes Interesse an nachhaltigen Initiativen und war daraufhin aktiv am Ma- terialkarussell beteiligt, indem sie Materialien aus ihren Produktionen zur Wieder- verwendung bereitstellten. Dieses Engagement bot eine wertvolle Gelegenheit, Sy- nergien zwischen Filmproduktionen und nachhaltigen Kulturprojekten we iter aus- zubauen. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 15 Analyse und Bewertung Die Arbeit der Koordinationsstelle Nachhaltigkeit in der Kultur in Köln kann insge- samt als äußerst positiv bewertet werden. Trotz der Herausforderungen, die mit ei- ner neu geschaffenen Stelle und einem oft begrenzten Zeithorizont einhergehen, hat die Koordinationsstelle eine wichtige Rolle dabei gespielt, ANGEREGTE MASSNAHMEN IN EINZELNEN INSTITUTIONEN Kulturinstitutionen in Köln haben begonnen, eine Reihe von nachhaltigen Praktiken in ihre Betriebsabläufe zu integrieren. Zahlreiche Pilotprojekte zeigen beispielhafte Maß- nahmen, die von technischen Verbesserungen bis hin zu organisatorischen Veränderun- gen reichen. So wurde bspw. Nachhaltigkeit innerhalb eines Qualitätsmanagement-Sys- tems als Ziel verankert. Zudem wurden Transformationsmanager*innen ausgebildet, die als zentrale Akteur*inne n für die Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen verantwortlich sind. Im Bereich der Infrastruktur wurden energetische Sanierungen und die Umrüstung auf LED-Technik vorangetrieben. Auch Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsquali- tät stehen im Fokus, wie die Erweiterung von Gärten zu öffentlichen Parks oder die Schaf- fung von kühlen Räumen für heiße Tage. „Better done, than perfect.“ Zitat aus einem der Interviews Dazu gehören die Umstellung auf öko-zertifizierte Druckverfahren und die verstärkte Nut- zung digitaler Kommunikationsmittel, oder die Nutzung von Recyclingpapier. Urban Gar- dening-Projekte und die Begrünung von Außenflächen mit heimischen Pflanzen fördern die Biodiversität. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 16 Nachhaltigkeitsthemen im Kultursektor zu verankern und zu fördern. Sie hat sich als treibende Kraft erwiesen, um ökologische und soziale Nachhaltigkeitsziele in den städtischen Kulturinstitutionen sichtbar zu machen und entsprechende Maß- nahmen anzustoßen. Die Koordinationsstelle hat zudem erfolgreich Kooperationen und Netzwerke zwi- schen den städtischen Institutionen und der freien Szene gefördert. Sie hat dazu beigetragen, dass Institutionen, die bisher wenig Berührungspunkte mit dem Thema Nachhaltigkeit hatt en, ihre Praktiken hinterfragen und anpassen. Dies hat zu einer deutlichen Stärkung des Bewusstseins für Nachhaltigkeit in der Kultur- szene beigetragen. Durch ihre Arbeit konnte die Koordinationsstelle Pilotprojekte begleiten, deren Um- setzung direkt das Ziel der Stadt Köln, bis 2035 klimaneutral zu werden, unterstüt- zen. Ihr Einsatz hat die Grundlage für eine langfristige nachhaltige Entwicklung im Kölner Kultursektor geschaffen. 3.2.2 Barcamp „Ökologische Nachhaltigkeit in der Kultur“ Das Barcamp „Ökologische Nachhaltigkeit in der Kultur“, das am 1. September 2023 im Bürgerhaus Stollwerck in Köln stattfand, diente als offene Plattform für Kultur- schaffende, um über ökologische Nachhaltigkeit zu diskutieren und sich über Best- Practice-Beispiele auszutauschen. Die Veranstaltung entstand aus dem Wunsch von Akteur*innen der f reien Szene sowie städtischen Institutionen, einen intensiveren Austausch über das Thema zu ermöglichen. Aktivitäten und Erfolge Teilnehmer*innenzahl und Engagement: Etwa 85 Kulturschaffende nahmen an dem Barcamp teil, was die hohe Relevanz des Themas für die Kulturszene unterstreicht. 16 Teilnehmer*innen boten eigene Sessions an, in denen sie Themen aus verschie- denen Perspektiven beleuchteten, von Qualität als Gesprächsöf fner bis zur Öko - Verantwortung im internationalen Musikaustausch. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 17 BARCAMP MIT RUND 85 TEILNEHMER*INNEN. Keynotes und wissenschaftliche Perspektive: Die Veranstaltung wurde von zwei in- spirierenden Keynotes begleitet. Die Keynotes lieferten entscheidende wis sen- schaftliche Erkenntnisse, die den Teilnehmer*innen halfen, ökologische Nachhal- tigkeit in ihren Arbeitsbereichen zu reflektieren. Diskussionsplattform für spartenübergreifende Themen: Das Barcamp bot den Teil- nehmer*innen die Möglichkeit, in verschiedenen Gruppen offene Diskussionen zu führen. Es wurden spartenspezifische und spartenübergreifende Bedarfe im Be- reich Nachhaltigkeit erörtert, insbesondere im Hinblick auf die Herausforderungen der Zusammenarbeit im Kulturbereich und die damit verbundenen ökolo gischen Bedenken. Einer der größten Erfolge des Barcamps war die Schaffung eines Raums für offenen Dialog. Verschiedene Akteur*innen hatten die Möglichkeit, ihre Perspek- tiven einzubringen und kontroverse Themen zu diskutieren. Vernetzung und Wissensaustau sch: Die Teilnehmer*innen nutzten das Barcamp, um neue Netzwerke zu knüpfen und sich über spartenübergreifende Initiativen aus- zutauschen. Es wurde festgestellt, dass der Dialog zwischen den Kulturschaffenden aus verschiedenen Bereichen stark zur Sensibilisierung für ökologische Nachhaltig- keit beitrug. Präsentation von Best -Practice-Beispielen: Teilnehmer*innen hatten die Möglich- keit, erfolgreiche Beispiele aus ihrer Praxis vorzustellen und voneinander zu lernen. Dies trug dazu bei, konkrete Lösungsansätze für die ökologische Transformation in der Kultur zu entwickeln und bestehende Projekte zu reflektieren. Das Barcamp schaffte es, eine breite Basis für ökologische Nachhaltigkeit in der Kul- tur zu legen und zeigte Wege auf, wie Kunst, Kultur und Wissenschaft gemeinsam zur sozial-ökologischen Transformation beitragen können. Analyse und Bewertung EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 18 Das Barcamp zeigt Potenzial, um als Modell für ähnliche Formate zu dienen, die den Austausch zwischen Kulturinstitutionen fördern und innovative Ideen entwickeln. Es wird jedoch deutlich, dass eine stärkere institutionelle Unterstützung notwendig ist, um konkrete Ergebnisse zu erzielen. Die Vernetzung und die Sensibilisierung der Akteur*innen für ökologische Themen sind als positiver erster Schritt zu werten, je- doch bleibt die langfristige Implementierung der Ideen offen. Ein zentrales Hindernis bleibt die praktische Umsetzung der erarbeiteten Ideen, da diese oft an finanzielle oder strukturelle Grenzen stoßen. Kultureinrichtungen sind häufig auf externe Förderung angewiesen, was ihre Autonomie einschränkt. 3.2.3 Köln hoch 3: Weiterbildung „Transformationsmanager*in Nachhaltige Kultur“ und Erstellung von Klimabilanzen Das Projekt „Köln hoch 3“ bestand aus verschiedenen Teilprojekten, darunter die Erstellung von Klimabilanzen und die Weiterbildung „Transformationsmanager*in Nachhaltige Kultur“. Es zielte darauf ab, die Kulturinstitutionen der Stadt in ihren Bemühungen um ökologische Nachhaltigkeit zu unterstützen. Aktivitäten und Erfolge Teilnehmer*innen: An der Weiterbildung na hmen 19 Personen aus 17 verschiede- nen Kulturinstitutionen teil. Diese Führungskräfte und Nachhaltigkeitsverantwort- liche wurden im Zeitraum von 6. September bis 27. Oktober 2023 geschult. Die zweite Runde von Köln hoch 3 wurde Anfang November 2024 gestartet – in diesem Rahmen werden weitere 19 Mitarbeiter*innen aus 16 verschiedene Kulturinstitutio- nen zu Transformationsmanger*innen ausgebildet EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 19 19 NEUE TRANSFORMATIONS-MANAGER*INNEN AUSGEBILDET Positive Resonanz: Die Teilnehmer*innen bewerteten die Weiterbil dung durchweg positiv. Sie gaben an, dass sie durch das Programm angeregt wurden, sich weiter mit Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Praktischer Nutzen: Viele der Teilnehmer*innen schätzten die erlernten Kompeten- zen als nützlich für ihre Tätigkeit in den Kulturinstitutionen ein. Vernetzung: Die Weiterbildung förderte den Austausch zwischen den Teilneh- mer*innen, was als großer Mehrwert gesehen wurde. Dieser Austausch erleichterte die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen und stärkte das Bewusstsein für Nachhaltigkeitsthemen. Fundierte Klimabilanzen: Die detaillierte Erfassung der CO₂ -Emissionen bietet eine valide Grundlage für zukünftige Maßnahmen und ermöglicht es den Kulturinstituti- onen, ihre ökologischen Auswirkungen besser zu verstehen und zu verringern. 8 UMFANGEICHE KLIMABILANZEN ERSTELLT Sichtbarmachung des Beitrags der Kulturinstitutionen: Durch die Klimabilanzie- rung wurde der Beitrag der Kölner Kulturinstitutionen zur städtischen CO₂- Bilanz sichtbar gemacht. Auch wenn der Anteil im Verhältnis zu r gesamten städtischen CO₂-Emission gering war (0,07 % bis 0,18 %), stellte dies eine wichtige Grundlage dar, um den Handlungsbedarf der Kulturinstitutionen im Bereich Nachhaltigkeit aufzuzeigen. Bewusstseinsbildung: Die Ergebnisse trugen dazu bei, das Bewusstsein für die öko- logischen Auswirkungen von Kulturinstitutionen zu schärfen und konkrete EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 20 Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Dies förderte eine Kultur der Nachhaltigkeit in den beteiligten Institutionen und schuf die Grundlage für langfristige Verände- rungen. Analyse und Bewertung Das Projekt Köln hoch 3 adressiert die zentrale Herausforderung der Nachhaltigkeit im öffentlichen Kulturbereich - den Klimaschutz -, indem es klare, quantitative Er- gebnisse liefert und somit direkt auf die Klimaziele der Stadt einzahlt. Die enge Ko- operation mit der städtischen Koordinationsstelle Klimaschutz und anderen politi- schen Akteur *innen macht das Projekt besonders relevant für die Funktionslogik öffentlicher Spielstätten. Das Projekt „Köln hoch 3“ erwies sich als erfolgr eiche Initiative, um Nachhaltigkeit in den Kölner Kulturinstitutionen zu fördern. Die Weiterbildung „Transformations- manager*in Nachhaltige Kultur“ hat nicht nur die fachlichen Fähigkeiten der Teil- nehmer*innen gestärkt, sondern auch den Austausch und die Zusammenarbeit zwi- schen den Institutionen gefördert. Kompetenzaufbau: Die Weiterbildung hat maßgeblich dazu beigetragen, die Teil- nehmer*innen zu befähigen, Nachhaltigkeitsstrategien in ihren jeweiligen Instituti- onen zu entwickeln und umzusetzen. Die Weiterbildung stößt auf das Problem, dass nicht alle Teilnehmer*innen die gelernten Strategien in ihren Institutionen umset- zen können, da es oft an der institutionellen Bereitschaft oder den notwendigen Ressourcen mangelt. Einige Institutionen zeigen sich resistent gegenüber Verände- rungen, besonders wenn diese mit zusätzlichen Kosten verbunden sind. Die Veran- kerung der Weiterbildungsergebnisse in die alltägliche Praxis der Institutionen stellt eine zentrale Limitation des Ansatzes dar. Stärkung der Vernetzung: Die Vernetzung und der Austausch zwischen den Kultur- institutionen haben zu einer verstärkten Zusammenarbeit geführt, was als großer Erfolg des Projekts bewertet werden kann. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 21 3.2.4 Leitbild Kulturelle Teilhabe Das "Leitbild Kulturelle Teilhabe" der Stadt Köln zielt darauf ab, allen Bürger*innen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Behinderung, den Zugang zu Kultur zu erleichtern. Es stellt die kulturelle Vielfalt und den Abbau von Barrieren in den Mittelpunkt und definiert klare Handlungsansätze. Das Leitbild wurde erfolgreich entwickelt und soll ab 2024 umgesetzt werden. Es bildet die Grundlage für strategische Maßnahmen zur Verbesserung der kulturellen Teilhabe in allen Kölner Kulturinstitutionen. Aktivitäten und Erfolge Das Leitbild „Kulturelle Teilhabe“ der Stadt Köln legt besonderen Fokus auf die so- ziale Nachhaltigkeit, indem es allen Bürger*innen den gleichberechtigten Zugang zu Kultur ermöglicht. Soziale Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Kontext, dass kul- turelle Angebote für alle Teile der vielfältigen Stadtgesellschaft zugänglich und re- präsentativ gestaltet werden. Dies schließt den Abbau von Barrieren und die Förde- rung von Chancengerechtigkeit unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung oder sozialem Status ein. Das Leitbild zielt darauf ab, die städtischen Kulturinstitutionen zu Orten der Begegnung und des Austauschs zu ma- chen, die die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln und soziale Spaltung verhin- dern. 5 WORKSHOPS ZUM THEMA SOZIALE NACHHALTIGKEIT Die Entwicklung des Leitbilds erfolgte in einem intensiven, partizipativen Prozess, der die Vielfalt der Perspektiven innerhalb der städtischen Kulturinstitutionen inte- grierte. Über 30 Mitarbeiter*innen aus unterschiedlichen Bereichen der städtischen Kulturinstitutionen nahmen an fünf Workshops teil, unterstützt durch Expert*innen des Amts für Integration und Vielfalt. Dieser partizipative Ansatz war zentral, um die Bedürfnisse und Erfahrungen der verschiedenen Akteur*innen einzubeziehen und praxisnahe Lösungen zu entwickeln. Die Beteiligung ermöglichte es, die Herausfor- derungen der kulturellen Teilhabe auf verschiedenen Ebenen – sei es im Programm, EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 22 im Personal oder in den Organisationsstrukturen – gemeinsam zu identifizieren und nachhaltige Handlungsansätze zu formulieren. Ein besonderer Erfolg des Prozesses war die enge Zusammenarbeit und der Wissen- saustausch zwischen Kulturinstitutionen, Expert*innen und der Stadtverwaltung. Diese spartenübergreifende Kooperation trug dazu bei, ein umfassendes Leitbild zu erarbeiten, das die Basis für langfristige Maßnahmen zur Förderung der sozialen Nachhaltigkeit in der Kölner Kulturszene bildet. Analyse und Bewertung Das Leitbild „Kulturelle Teilhabe“ in Köln hat eine positive Wirkung auf die Entwick- lung des Kultursektors der Stadt. Es schafft einen klaren Rahmen, um die kulturelle Vielfalt in Köln zu fördern und den Zugang zu Kultur für alle Bürger*innen – unab- hängig von Herkunft, sozialem Status, Geschlecht oder anderen Merkmalen – zu verbessern. Ein bedeutender Erfolg des Leitbilds ist die Verankerung von Chancengerechtigkeit in den Kulturinstitutionen. Das Leitbild sensibilisiert die Kulturszene dafür, dass kul- turelle Teilhabe mehr ist als der reine Zugang zu Veranstaltungen – es geht um ak- tive Mitgestaltung und die Repräsentation der gesellschaftlichen Vielfalt. 3.2.5 Nachhaltige Clubkultur: Code of Conduct Der Code of Conduct für eine nachhaltige Clubkultur, entwickelt im Rahmen des Projekts „Zukunft Feiern“, zielt darauf ab, Clubs und Veranstaltungsorte klima- freundlicher und ressourcenschonender zu gestalten. Dieser Verhaltenskodex um- fasst konkrete Maßnahmen, die Betreiber*innen von Clubs verpflichten, den Ener- gieverbrauch zu senken, Abfall zu reduzieren und soziale Gerechtigkeit zu fördern. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 23 Aktivitäten und Erfolge In Köln hat das Projekt bereits Erfolge gezeigt: Mehrere Clubs setzen auf den Bezug von Ökostrom, Müllvermeidung und nachhaltige Mobilitätskonzepte für Gäste. Durch die lokale Umsetzung und Einbindung von Expert*innen wurde der Weg für eine breitere Adaption in der Kölner Clubszene geebnet. Besonders hervorzuheben ist die Reduzierung des CO₂ -Ausstoßes durch energieeffiziente Beleuchtung und nachhaltige Kühleinrichtungen, die zu einer Verringerung der Betriebskosten und Umweltbelastung führte. Analyse und Bewertung Der Code of Conduct für eine nachhaltige Clubkultur in Köln hat sich als ein Instru- ment zur Förderung von Nachhaltigkeit in der Kölner Clubszene erwiesen. Seit sei- ner Einführung haben zahlreiche Clubs und Veranstaltungsorte in Köln begonnen, die im Kode x festgelegten Richtlinien umzusetzen, was eine positive Veränderung in der Art und Weise darstellt, wie diese kulturellen Einrichtungen betrieben wer- den. Ein zentrales Ergebnis ist die Sensibilisierung der Betreiber*innen für Nachhaltig- keitsthemen. Der Co de of Conduct hat dazu beigetragen, das Bewusstsein für die Bedeutung ökologisch nachhaltiger Praktiken zu schärfen und entsprechende Maß- nahmen zu initiieren. Besonders hervorzuheben ist die Zusammenarbeit zwischen der Clubszene und der Stadt Köln, die dur ch den Code gefördert wurde und zu ei- nem besseren Verständnis für nachhaltige Clubkultur geführt hat. Neben ökologischen Zielen fördert der Kodex auch soziale Nachhaltigkeit, indem er Richtlinien für faire Arbeitsbedingungen und die Gleichberechtigung aller Ak- teur*innen im Clubbetrieb aufstellt. Dies trägt zu einem integrativeren und gerech- teren Umfeld bei, in dem auch gesellschaftliche Diversität gefördert wird. Trotz dieser Erfolge gibt es noch Herausforderungen, insbesondere in der breiten Umsetzung. Einige Clubs stehen vor finanziellen Hürden, um nachhaltige Maßnah- men vollständig umzusetzen. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 24 3.2.6 Materialkarusell Das Materialkarussell der Kölner Kultur, das am 24. August 2024 stattfand, war eine Veranstaltung zur Förderung der Wiederverwendung von Materialie n aus früheren Kulturproduktionen. Aktivitäten und Erfolge An verschiedenen Kulturinstitutionen in Köln, darunter das Museum Ludwig, das Rautenstrauch-Joest-Museum und das Museum für Angewandte Kunst, wurden Ma- terialien ausgestellt und für neue Projekte zugänglich gemacht. Die Veranstaltung bot Workshops, Führungen und Talks rund um Nachhaltigkeit, Upcycling und die Kreislaufwirtschaft an. Sie ermöglichte es Kulturinstitutionen und Künstler*innen, überschüssige Materialien wiederzuverwenden, wodurch Res- sourcen geschont wurden. Das Projekt förderte den Austausch zwischen Kulturinstitutionen und der breiten Öffentlichkeit zur Ressourcenschonung. Es schuf eine Plattform für nachhaltige Praktiken und sensibilisierte die Kulturszene für ökologische Themen. Analyse und Bewertung Das Materialkarussell stellt einen innovativen Ansatz dar, um Ressourcen im Kultur- bereich zu schonen und kreative Lösungen zur Materialnutzung zu fördern. Es zeigt großes Potenzial, zu einem Modellprojekt für nachhaltiges Handeln im Kultur be- reich zu werden. Die Durchführung hat gezeigt, dass d ie logistische Umsetzung der Materialwieder- verwendung aufwändig ist und ein hohes Maß an Koordination zwischen den betei- ligten Institutionen erfordert. Oft fehlen die finanziellen und personellen Ress our- cen, um die Prozesse der Materialsammlung und -wiederverwendung nachhaltig zu gestalten. Das Projekt bedarf weiterer Unterstützung in Form von Finanzierung und struktu- reller Einbettung, um eine breitere und langfristige Wirkung zu erzielen. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 25 3.2.7 Green Culture Collective und weitere Vernetzungsformate Vernetzungsformate und Netzwerke sind in dem Transformations- und Lernprozess in Richtung Nachhaltigkeit von besonderer Bedeutung. Zu den etablierten Struktu- ren in Köln gehören unter anderem die Folgenden. Green Culture Collective Cologne Das Green Culture Collective Köln ist eine Initiative, die sich der nachhaltigen Trans- formation der Kultur in Köln widmet. Es wurde ins Leben gerufen, um den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Kulturschaffenden, Institutio nen und politi- schen Akteur*innen zu fördern. Ziel des Kollektivs ist es, innovative Lösungen für ökologische, soziale und ökonomische Herausforderungen im Kulturbereich zu ent- wickeln. Dabei spielen Themen wie Kreislaufwirtschaft, Klimaschutz und soziale Ge- rechtigkeit eine zentrale Rolle. Das Collective hat maßgeblich zur Sensibilisierung für Nachhaltigkeit in der Kölner Kulturszene beigetragen. Es wurden zahlreiche Projekte und Workshops organi- siert, in denen Best -Practice-Beispiele vorgestellt und Handlung sansätze für eine nachhaltigere Praxis in der Kultur erarbeitet wurden. Ein bedeutender Erfolg des Kollektivs ist die enge Vernetzung von Akteur*innen aus unterschiedlichen Bereichen der Kultur. Das Collective hat es geschafft, eine Platt- form zu schaffen, die den Dialog über Nachhaltigkeit in der Kultur fördert und kon- krete Maßnahmen zur Umsetzung entwickelt. Transformationsmanager*innen -Stammtisch Im Rahmen eines informellen Stammtischs tauschen sich die ausgebildeten Trans- formationsmanager*innen zu ihren Erfahrungen und neuesten Trends zum Thema Nachhaltigkeit aus. Eine solche etablierte Struktur ist für eine langfristige Fortfüh- rung des Transformationsprozesses von sehr hohem Wert, da sie einzelnen Akteure unterstützen kann und gleichzeitig eine niedrige Einstiegshürde für Interessierte bietet. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 26 DAS MUSEUM LUDWIG ALS VORBILD FÜR EINE NACHHALTIGE MUSEUMSPRAXIS Das Museum Ludwig hat sich in den letzten Jahren intensiv mit dem Thema ökologische Nachhaltigkeit auseinandergesetzt, wobei Miriam Szwast als Kuratorin für Fotografie und Kuratorin für Ökologie sowie als Transformationsmanagerin eine zentrale Rolle spielt. Sie leitet nicht nur kuratorische Projekte, sondern setzt sich auch für die nachhal- tige Neuausrichtung des Museums ein. Eine wichtige Initiative war die Ausstellung „Die Grüne Moderne“ im Jahr 2022, eine der ersten Zero-Emission-Ausstellungen in Deutschland. Dabei wurden verschiedene klima- freundliche Maßnahmen eingesetzt, wie das Dimmen der Beleuchtung, den Verzicht auf internationale Leihgaben und die Reduktion von Plastik in der Ausstellungsgestaltung. Die Ausstellung zog rund 100.000 Besucher*innen an, was die Relevanz des Themas un- terstrich. Darüber hinaus führte Szwast das Konzept des "grünen Museums" weiter mit der Schau "Hier & Jetzt: Und gestern und morgen", in der sie neue Wege für klimaneutrale Ausstellungen erprobte, unterstützt durch Fördermittel des "Fonds Zero". Im Museum Ludwig kommen auch innovative Maßnahmen zur CO₂- Kompensation zum Einsatz und die Kombination von Kunst und Nachhaltigkeitswissenschaft - etwa durch die Präsentation eines Mammutknochens neben Fotografien von Gletschern und Ge- steinsschichten – wurde in der Ausstellung „Hier und jetzt. Und gestern und morgen“ er- probt. Durch den im Museum Ludwig ganzheitlich verfolgten Ansatz, wurde nicht nur das Be- wusstsein für die Klimafreundlichkeit von Ausstellungen geschärft, sondern auch grund- sätzliche Fragen zur Zukunft der Museumsarbeit und ihrer Rolle in Zeiten des Klimawan- dels gestellt. Das Museum Ludwig kann daher als Vorbild auf nationaler Eben für eine nachhaltige Mu- seumspraxis gesehen werden – die Rolle innerhalb von Köln ist nicht hoch genug einzu- schätzen. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 27 3.3 Sensibilisierung der Öffentlichkeit und Partizipation von Stakeholdern In Köln gibt es verschiedene Initiativen und Plattformen, die auf Vernetzung, Koope- ration und den Austausch zwischen den städtischen Institutionen, der freien Szene und der Öffentlichkeit abzielen. Vernetzung und Partizipation von Stakeholdern Die Vernetzung von Akteurinnen und Stakeholdern i n Köln ist zwar vorhanden, je- doch oft auf bestimmte Bereiche oder Veranstaltungen beschränkt. Eine wichtige Plattform hierfür ist die Weiterbildung der Transformationsmanager*innen im Rah- men von Köln hoch 3. Diese Weiterbildung schuf eine wichtige Grundlag e für den Austausch und das Knüpfen von Netzwerken, die jedoch weitergeführt werden müsste, um dauerhaft Wirkung zu entfalten. Das Green Culture Collective bietet ebenfalls eine Plattform für den Austausch , in der sich auch Mitarbeiter*innen der städtischen Institutionen einbringen können. Einbindung der Bürger*innenschaft Die Aufmerksamkeit der breiten Bevölkerung für Nachhaltigkeitsthemen im Kultur- bereich ist nach wie vor gering, was teilweise auf die Vielzahl anderer gesellschaft- licher Krisen zurückzuführen ist. Trotzdem zeigt die Einschätzung der Befragten, dass das Thema bei den Besucher*innen an Bedeutung gewinnen könnte, wenn es stärker kommuniziert und in die Programme eingebunden wird. Die Beteiligung der Bürger*innen und ihre Wahrnehmung der nachhaltigen Initiati- ven im Kölner Kultursektor sind bislang eher begrenzt, zeigen jedoch Potenzial für zukünftige Entwicklungen. Bisherige Projekte und Veranstaltungen, wie das Bar- camp zur ökologischen Nachhaltigkeit, haben den öffentlichen Austausch angeregt, aber die Teilnahme blieb auf spezifische Interessengruppen beschränkt. Nachhaltigkeitskommunikation durch die Verwaltung Ein wichtiger erster Schritt war das Barcamp zur ökologischen Nachhaltigkeit, das als öffentliche Auftaktveranstaltung durchgeführt wurde. Die Teilnahme der EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 28 Öffentlichkeit war jedoch begrenzt, und nachfolgende Veranstaltungen wie die Ab- schlussveranstaltung von Köln hoch 3 waren primär auf geladene Gäste ausgerich- tet. Das Sommerfest des KEP bot zwar erneut eine Möglichkeit zur Einbindung . Diese Veranstaltungen richten sich explizit an die Kulturszene und eine Einbindung der Bevölkerung würde hier den Rahmen sprengen. Dennoch fehlt es an einer um- fassenden Strategie, die Bevölkerung kontinuierlich in die nachhaltigen Entwick- lungsprozesse einzubeziehen. Auf der Website der Kulturentwicklungsplanung (KEP) werden alle Veranstaltungen der KEP sowie externe Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit in der Kultur an- gekündigt. Darüber hinaus bietet die Seite einen aktuellen Sachstand zu allen Pro- jekten der KEP wie zum Beispiel dem Barcamp, dem Leitbild kulturelle Teilhabe o- der Köln hoch 3. Ein zentrales Problem bleibt die mangelnde Transparenz der internen Prozesse und eine Öffentlichkeitsarbeit, die offensiv die Ergebnisse kommuniziert . Im Moment liegt die Holschuld für Informationen vor allem bei interessierten Bürger*innen. Ob- wohl erste Schritte, wie etwa durch öffentliche Veranstaltungen oder das Sommer- fest des Kulturentwicklungsplans, unternommen wurden, fehlt es an einer kontinu- ierlichen Information der Bevölkerung über die laufenden Maßnahmen. Eine umfas- sendere und regelmäßigere Kommunikation über die Fortschritte der Nachhaltig- keitsprojekte könnte das Interesse und die Beteiligung der Bürger*innen steigern. Sensibilisierung und Engagement der Kulturschaffenden Insgesamt zeigt sich, dass die Sensibilisierung der Kulturschaffenden auf einem gu- ten Weg ist. Viele Institutionen haben bereits Maßnahmen ergriffen, und das Enga- gement wächst, auch wenn es weiterhin struktureller Unterstützung und besserer Vernetzung bedarf, um die Kulturschaffenden zu befähigen und zu unterstützen ihre Praxis nachhaltiger auszurichten. 3.4 Stärken und Schwächen der bisherigen Ansätze Eine Analyse der Stärken und Schwächen kann Ansatzpunkte für Empfehlungen und Handlungsoptionen für die weitere Kulturpolitik liefern. Übergeordnete EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 29 Stärken u nd Schwächen der durchgeführten Maßnahmen sind im Folgenden zu- sammengefasst. Stärken Die bisherigen Ansätze im Bereich der nachhaltigen Kulturentwicklung in Köln zeichnen sich durch mehrere Stärken aus: • Klarer Ansprechpartner : Mit der Schaffung einer Koordinationsstelle für Nachhaltigkeit im Kultursektor wurde eine zentrale Anlaufstelle etabliert, die als Knotenpunkt für Initiativen und Projekte fungiert. Diese Struktur er- leichtert die Koordination und Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnah- men, da Akteur*innen einen festen Ansprechpartner haben, der Ressour- cen bündelt und Prozesse unterstützt. • Ausbildung von Multiplikator*innen: Die Ausbildung von Transformations- manager *innen in den Kulturinstitutionen hat dazu beigetragen, dass Nachhaltigkeit als Thema institu tionell verankert wird. Diese Multiplika- tor*innen sind entscheidend, um das Thema Nachhaltigkeit weiterzutra- gen, da sie sowohl in den Häusern als auch in der freien Szene Impulse set- zen und für eine langfristige Wirkung sorgen. • Öffentlichkeitswirksame Vera nstaltungen: Durch öffentliche Veranstaltun- gen wie d as Materialkarussell und das Barcamp zur ökologischen Nachhal- tigkeit wurde das Thema in den öffentlichen Fokus gerückt. Diese Veran- staltungen haben nicht nur zur Sensibilisierung der Bevölkerung beigetra- gen, sondern auch wichtige Akteur*innen aus Politik und Kultur zusam- mengebracht. • Gute erste Schritte in Institutionen: Zahlreiche Institutionen haben bereits konkrete Maßnahmen zur Steigerung ihrer Nachhaltigkeit ergriffen, wie etwa energetische Sanierungen , die Umstellung auf LED -Technik und die Förderung von Projekten zur Ressourcenschonung. Diese ersten Schritte legen eine solide Grundlage für weitere nachhaltige Entwicklungen im Kul- tursektor. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 30 Insgesamt haben diese Ansätze dazu beigetragen, dass Nachhaltigkeit stärker in den Fokus der Kulturinstitutionen in Köln gerückt ist und ein Rahmen geschaffen wurde, um langfristig auf eine nachhaltigere Zukunft hinzuarbeiten. Schwächen Die bisherigen Ansätze im Bereich der nachhaltigen Transformation des Kultursek- tors in Köln weisen mehrere Schwächen auf, die den Fortschritt und die Wirksam- keit der Maßnahmen beeinträchtigen: • Ziel hierarchie und Wirkungslogik: Es mangelt an klar definierten Zielen und einer kohärenten Wirkungslogik. Die vorhandenen Maßnahmen sind selten an messbare Ziele gekoppelt, was die Bewertung ihrer Wirksamkeit er- schwert. Ohne klare Zielbeschreibungen und eine r Methodik , die es ermög- licht, die Wirkung der Maßnahmen zu messen, besteht die Gefahr, dass Ak- tivitäten nicht auf maximale Effizienz u nd Wirksamkeit ausgerichtet sind. • Nachhaltigkeitsstrategie: Bis auf einige individuelle Bemühungen und Pi- lotprojekte fehlt eine übergeordnete, strukturierte Nachhaltigkeitsstrate- gie sowie ein umfassendes Nachhaltigkeitsprogramm. Dies führ t dazu, dass der T ransformationsprozess weitgehend unkoordiniert bleibt. Ein syste- matischer Prozess, der alle Institutionen einbindet und die Richtung für langfristige Veränderungen vorgibt, ist bis her nicht vorhanden. Ohne ein solches Rahmenwerk fehlt es auch an einem Bewu sstsein für die Notwen- digkeit dieser Herangehensweise, um einen tiefgreifenden Wandel zu errei- chen. • Tragfähige Strukturen: Trotz der Bemühungen um Capacity Building und die Ausbildung von Transformationsmanager*innen gibt es in den Institu- tionen oft keine stabilen Strukturen, die die Nachhaltigkeitsziele langfristig umsetzen könnten. Dies führt zu einer Überlastung von engagierten Einzel- personen, die damit Gefahr laufen, auszubrennen. Die Nachhaltigkeit der Institutionen kann nicht allein von motivierten Einzelpersonen getragen werden – es fehlt an einer institutionellen Basis für die Transformation. • Reflexion über die Identität der Institution: Eine tiefgreifende Auseinander- setzung mit der eigenen Identität und Verantwortung als Institution findet in vielen Kulturhäusern nicht statt. Diese Reflexion wäre jedoch notwendig, EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 31 um nachhaltige Veränderungen nicht nur oberflächlich, sondern dauerhaft zu verankern. Diese Schwächen verdeutlichen, dass die bisherigen Ansätze nicht ausreichend strukturiert und institutionell verankert sind, um eine langfristige und tiefgreifende Veränderung im Kölner Kultursektor zu ermöglichen. 3.5 Vergleich mit Best-Practice-Beispielen aus anderen Städten Im Vergleich zu anderen deutschen Städten hat der Kölner Kultursektor bereits be- achtliche Fortschritte im Bereich der Nachhaltigkeit gemacht, steht jedoch vor Her- ausforderungen, die in ähnlicher Form auch in anderen Städten zu beobachten sind. Ein Beispiel ist das Hamburger Programm ELF ZU NULL, das auf die Reduktion des ökologischen Fuß abdrucks von Kulturinstitutionen abzielt. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf klar definierten Zielen, etwa der Einführung von CO₂ -neutralen Maßnahmen und der Förderung erneuerbarer Energien in den städtischen Theatern und Museen. Im Gegensatz zu Köln zeichnet sich ELF ZU NULL durch eine klare Ein- bindung der Leitungsebene aus, die systematisch verfolgt wird und durch die Stadt- verwaltung gut unterstützt wird. „Köln gehört mit diesem umfas- senden Programm zu den Vorrei- tern.“ Zitat aus einem der Interviews Die Dresdner Charta für Nachhaltigkeit im Kultursektor verfolgt einen umfassenden Nachhaltigkeits-Ansatz, bei dem neben ökologischen Aspekten auch soziale und kulturelle Nachhaltigkeit im Fokus stehen. Die Charta wurde von einer Vielzahl von Akteur*innen im Ku ltursektor unterzeichnet und bietet eine klare Vision für die EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 32 Transformation der Kulturinstitutionen. Ähnlich wie ELF ZU NULL in Hamburg, zeichnet sich Dresden durch eine klare Zielsetzung und eine stärker institutionali- sierte Struktur aus, die die nachhal tige Transformation unterstützt. Zudem wird in Dresden die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen kulturellen Akteur *in- nen und der Stadtverwaltung systematisch gefördert. Im Vergleich dazu fehlt es in Köln noch an einer übergeordneten Nachhaltigkeits- strategie wie in Dresden. Während einzelne Pilotprojekte und individuelle Initiati- ven, wie die Einführung von Transformationsmanager*innen oder die energetische Sanierung von Kulturgebäuden, vielversprechende Ansätze bieten, fehlt es oft an langfristiger Struktur und institutioneller Verankerung. Insbesondere die Schaffung eines klaren Zielrahmens, könnte Köln dabei helfen, die Nachhaltigkeitsziele des Kultursektors kohärenter und effektiver umzusetzen. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 33 4 Einflussfaktoren und Hindernisse bei der Umsetzung 4.1 Finanzielle und ressourcentechnische Begrenzungen Nachhaltigkeit kann aufgefasst werden als das grundlegende Verständnis, d as die Arbeit von Kulturakteur*innen prägt. Die vielfältige gute Praxis im Kultursektor kann häufig heute bereits als nachhaltig gelten, auch wenn sie nicht in diesem Sinn konzipiert und bisher nicht so bezeichnet wird. Durch die Perspektive der Nachhal- tigkeit werden Aufgaben und Tätigkeiten neu reflektiert und bewertet – und damit entsteht eine grundlegende Chance, die kulturelle Praxis zu verbessern. Nachhaltigkeit ist also keine zusätzliche Aufgabe für Kulturakteur*innen . Es ist nichts, was es auch noch zu erledigen gilt. Nachhaltigkeit ist viel mehr eine Frage, wie deren Arbeit eingeordnet, entwickelt und ausgeführt - und welcher Sinn ihr ge- geben wird. Sie ist damit ein zutiefst kulturelles Thema. „Der Einkauf findet unter Kosten- und Zeitdruck statt – billig und schnell ist aber häufig eben nicht nachhaltig.“ Zitat aus einem der Interviews Nichtsdestotrotz bedarf, mindestens zu Beginn, die Beschäftigung mit dem Thema und die Umsetzung von Maßnahmen einen gesteigerten Zeitaufwand. Eine zentrale Barriere sind daher unzureichende Ressourcen für den Nachhaltigkeitsverantwort- lichen sowie für die Umsetzung von Maßnahmen. In der Regel sind dafür jedoch keine zusätzlichen finanziellen Mittel verfügbar. In kleinen Institutionen mit stark beschränktem Budget und geringer Anzahl an Mitarbeitenden ist die Umsetzung re- gelmäßig nur durch persönliches Engagement bzw. ehrenamtliche Arbeit möglich. Insbesondere wenn die Umsetzung durch Individuen mit hohem persönlichem En- gagement vorangetrieben wird und diese dann vor den beschriebenen organisatio- nalen Herausforderungen stehen, kommt es zu sehr belastenden Arbeitssituation. In einigen Fällen stehen Mitarbeitende vor dem Dilemma, sich zwischen EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 34 Nachhaltigkeit und ihren Kerntätigkeiten entscheiden zu müssen – eine zusätzliche Belastung, die kaum tragbar ist. Mindestens für mittlere bis große Kulturinstitutionen ist die Schaffung einer St ab- stelle für eine*n Nachhaltigkeitsbea uftragte*n notwendig. Doch selbst bei großen Kulturinstitutionen ist es schwierig die Aufgaben so umzuverteilen, dass Zeitkontin- gente für das Thema bzw. eine*n Transformationsmanager*in frei wird. 4.2 Organisationale Herausforderungen in Kulturinstitutionen Bei der Umsetzung in Kulturinstitutionen in Köln zeigen sich die typischen organi- sationalen Hindernisse eines solchen Veränderungsprozesses. Fehlendes Commitment der Leitungsebene und Kompetenzkonflikte Ein typisches Hindernis Stellt eine mangelnde praktische und vor allem ideelle Un- terstützung durch die Direktion dar. Doch die Unterstützung der Direktion ist essen- ziell für die interne Legitimation des Prozesses. Die Direktion muss die Nachhaltig- keitsbestrebungen gegen andere Aufgaben abwägen und damit auch gegen andere interne Widerstände verteidigen. BEST PRACTICE: IM ARBEITSVERTRAG DER BÜHNEN KÖLN IST EIN PASSUS ZUM „SORGSAMEN UMGANG MIT RES- SOURCEN“ INTEGRIERT. Ein weiteres typisches – auch in Köln zu beobachtendes - Hindernis sind entste- hende Konflikte zwischen Abteilungsleiter *innen sowie zwischen der Leitungs- ebene und Nachhaltigkeitsverantwortlichen. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 35 Kulturinstitutionen in Zwischennutzung Ein wesentliches Hindernis für die nachhaltige Transformation der Kölner Kulturin- stitutionen ist die aktuelle Situation vieler städtischer Kultureinrichtungen, die sich entweder im Interim oder in umfangreichen Sanierungsprozessen befinden. Diese Übergangsphase führt zu großer Ungewissheit. Die Rückmeldung aus den Häusern lautet häufig, dass sich Investitionen und Maßnahmen in Richtung Nachhaltigkeit unter diesen unsicheren Bedingungen nicht lohnen. Da viele Institutionen nicht wis- sen, wie lange sie in den Zwischenlösungen verbleiben oder welche strukturellen Veränderungen nach den Sanierungen anstehen, fällt es schwer, sich intensiv mit nachhaltigen Strategien auseinanderzusetzen. Diese Ungewissheit blockiert lang- fristige Planungen und bindet die Ressourcen, die für Nachhaltigkeitsinitiativen notwendig wären. 4.3 Akzeptanz und Mitwirkung von Akteuren und Stakeholdern Die erfolgreiche Umsetzung nachhaltiger Transformationsprozesse im Kultursektor hängt maßgeblich von der Akzeptanz und Mitwirkung der beteiligten Akteur*innen und Stakeholder ab. Ein dabei auftretendes Hindernis stellt die fehlende Durchdringung der Erfahrungen zwischen den Kölner Kulturhäusern dar. Während das Museum Ludwig mit seiner engagierten Arbeit im Bereich der Nachhaltigkeit Vorreiter ist, fließen diese Erfah- rungen nicht in andere Häuser über. Insbesondere die Vern etzung mit der freien Szene müsste weiter ausgebaut werden, um das gesamte Potenzial nachhaltiger Kulturarbeit zu nutzen. Die Direktor*innenkonferenz, in der die Leitungen der städtischen Museen zusam- menkommen, greift das Thema Nachhaltigkeit nur am Rande auf. Hier existieren große Unterschiede in der Priorisierung des Themas zwischen den verschiedenen Institutionen. Insgesamt fehlt eine starke, einheitliche Ausrichtung auf Nachhaltig- keit in der Führungsebene. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 36 Einbindung der Öffentlichkeit und Besucher*innen ist voraussetzungsvoll Die Einbindung der Öffentlichkeit in die nachhaltige Transformation des Kultursek- tors gestaltet sich bislang als herausfordernd. Obwohl Nachhaltigkeit eine zuneh- mende Bedeutung in der Außenkommunikation der Kulturinstitutionen spielt, ist das Interesse der Besucher*innen bisher eher gering. Dies könnte sich jedoch in Zu- kunft ändern, wenn die Auswirkungen des Klimawandels und die Bedeutung nach- haltigen Handelns in der Gesellschaft weiter zunehmen. Es bleibt eine wichtige Auf- gabe der Kulturinstitutionen, ihre Kommunikation zu Nachhaltigkeitsthemen zu in- tensivieren und die Bevölkerung stärker einzubinden. Herausforderungen für Kunstschaffende Auch Kunstschaffende selbst stehen vor erheblichen Herausforderungen, wenn es darum geht, ihre Arbeit nachhaltig zu gestalten. Viele Produktionen und Künst- ler*innen haben den Wunsch, nachhaltig zu arbeiten, scheitern jedoch oft an den Rahmenbedingungen. „Nachhaltige Produktionen wer- den durch die Förderstruktur ver- hindert.“ Zitat aus einem der Interviews Die Fördermittel sind knapp und kommen häufig erst kurz vor Produktionsbeginn, was die Planung und Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen erschwert. Zeit und fi- nanzielle Ressourcen für nachhaltige Lösungen wie Upcycling, die Nutzung von Fundusmaterialien oder das Selbstnähen von Kostümen fehlen häufig. Die derzei- tige Förderstruktur verhindert oft nachhaltige Produktionsweisen, da sie kurzfristig und ohne ausreichende Flexibilität ausgestaltet ist. In einigen Bereichen zeigt sich, dass tradierte Annahmen und veraltetes Wissen wei- terhin das Handeln beeinflussen. Ein Beispiel hierfür sind Klimakorridore in Archi- ven, die nach veralteten Auffassungen beibehalten werden, ohne dass eine Neuaus- richtung stattfindet. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 37 4.4 Gesellschaftliche und politische Einbettung Die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen haben einen entschei- denden Einfluss auf die nachhaltige Transformation des Kultursektors in Köln. Wäh- rend das allgemeine Interesse an Nachhaltigkeit in den letzten Jahren gestiegen ist, stehen die Akteur*innen vor zahlreichen Herausforderungen, die sowohl auf gesell- schaftlicher als auch politischer Ebene zu verorten sind. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen Das Interesse der Gesellschaft an Nachhaltigkeit ist zwar zunehmend spürbar, je- doch lässt sich auch eine gewisse Ermüdung beobachten. Nachdem Bewegungen wie Fridays for Future (FFF) das Thema in den Mittelpunkt gerückt haben, ist das Interesse durch die Überlagerung mit anderen globalen Krisen etwas in den Hinter- grund getreten. Dies kennzeichnet eine Phase des Übergangs: Einerseits besteht ein Bewusstsein für die Dringlichkeit, andererseits führt die Überforderung durch mul- tiple Krisen zu einer gewissen Stagnation. Viele Kulturschaffende befinden sich in einem Spannungsfeld zwischen der Ö ffent- lichkeitswirksamkeit von Nachhaltigkeitsmaßnahmen und dem tatsächlichen lang- fristigen Wandel. Oft werden nachhaltige Aktivitäten als Instrument der Public Re- lations wahrgenommen, während ihre tatsächliche Wirksamkeit noch aussteht. Politische Einbettung und Herausforderungen in der Verwaltung Politisch gesehen steht die nachhaltige Transformation des Kölner Kultursektors vor mehreren strukturellen Herausforderungen. Die Koordinationsstelle für Klima- schutz ist dafür ein zentraler Treiber. Da die Stelle zeitlich befristet war, konnten viele langfristige Maßnahmen nur eingeschränkt angestoßen werden. Gerade bei solch begrenzten Zeiträumen ist es schwierig, feste Kontakte und Netzwerke inner- halb der Verwaltung aufzubauen, die für den nachhaltigen Erfolg un erlässlich sind. Ein Vorteil der Besetzung durch externe Personen liegt in deren unbefangener Her- angehensweise, die es erlaubt, bestehende Strukturen zu hinterfragen. Anderer- seits fehlt es diesen Akteur*innen häufig an den nötigen Allianzen und Verbindun- gen innerhalb der städtischen Verwaltung. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 38 Ein weiteres Hindernis ist die suboptimale Einbindung der Koordinationsstelle auf strategischer Ebene. Die Stelle könnte mit einer klareren Verantwortungsdefinition, einer breiten Unterstützung aus dem Dezernat und d er Mitwirkung bei strategi- schen Entscheidungen eine deutlich größere Effektivität erreichen. Die Größe und Struktur der Stadtverwaltung stellt eine weitere Herausforderung für die Umsetzung nachhaltiger Strategien dar. Das Thema Nachhaltigkeit verlangt nach Überblickswissen, vernetztem Denken und dem Herstellen von Querbezügen. Solche Quervernetzungen sind in der Verwaltung eher unüblich und werden durch Silodenken erschwert. Zudem wird die Entwicklung nachhaltiger Maßnahmen durch den klassischen Poli- tikbetrieb behindert, der häufig von kurzfristigen, wahlorientierten Entscheidungen geprägt ist. Der Fokus auf den Doppelhaushalt und begrenzte Budgetrahmen er- schwert die Umsetzung langfristiger Nachhaltigkeitsprojekte. So stehen den Kultur- institutionen oft nic ht genügend finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfü- gung, um nachhaltige Initiativen konsequent umzusetzen. Qualifiziertes Personal fehlt, und die notwendigen Maßnahmen übersteigen häufig das vorhandene Wissen und die Kapazitäten der beteiligten Akteur*innen. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 39 5 Empfehlungen und Handlungsoptionen 5.1 Sicherung der gegenwärtigen Dynamik Zunächst sind unmittelbare Maßnahmen notwendig, um den angestoßenen Pro- zess und die vorliegende Dynamik nicht zu beeinträchtigen. Z ur Sicherung des be- reits Erreichten, bzw. des Status quo werden bis Ende 2024 die folgenden Maßnah- men empfohlen. Weiterführung der Koordinationsstelle Die Weiterführung der Koordinationsstelle für Nachhaltigkeit im Kulturbereich ist entscheidend, um den Transformationsprozess in Köln langfristig zu sichern und voranzutreiben. Ohne eine solche zentrale Steuerung besteht die Gefahr, dass viele Institutionen die Motivation verlieren und der Transformationsprozess ins Stocken gerät. „Ohne die Koordinationsstelle sehe ich schwarz für die Bünde- lung der Aktionen in der Stadt. Es fehlt somit die politische Rückbin- dung. Dann verlieren Viele die Energie, um in ihrer Institution am Thema weiterzuarbeiten. Das ist eine große Gefahr für den Trans- formationsprozess.“ Zitat aus einem der Interviews EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 40 Die Koordinationsstelle ist auch notwendig, um die Zusammenarbeit zwischen un- terschiedlichen städtischen Stellen zu vereinfachen, Silodenken abzubauen und den Erfahrungs- und Wissenstransfer durch Netzwerkarbeit zu unterstützen. Diese Funktionen sind insbesonde re zu Beginn des Transformationsprozesses notwen- dig. Ein Ziel wäre die Vereinfachung und Förderung der Zusammenarbeit mit ande- ren Stellen und Initiativen, die einen (wenn auch nicht expliziten) Nachhaltigkeits- fokus haben. Dazu gehören bspw. Aktivitäten zu Diversity und Inklusionsthemen. Die Koordinationsstelle könnte auch Synergieeffekte durch ein verändertes Fra- ming realisieren: Vieles, was bereits gemacht wird, trägt zu einer Transformation in Richtung Nachhaltigkeit bei, wird aber isoliert gedacht und um gesetzt – durch ein neues Framing kann die Wirksamkeit für eine Transformation erhöht werden. Öffentlichkeitsarbeit und partizipative Formate Zahlreiche Akteure betonen die Wichtigkeit des Themas Nachhaltigkeit in Ihrer Au- ßenkommunikation. Es besteht jedoch große Unsicherheit darüber was wann an wen kommuniziert werden soll. Wenn die Transformation als transparenter Prozess umgesetzt werden soll und die Glaubwürdigkeit und Reichweite von Kulturinstitutionen genutzt werden soll, wäre eine professionelle Nachhaltigkeitskommunikation zielführend. Für eine Weiterent- wicklung der in Kapitel 3.3 skizzierten Situation, können die Aufgaben der Nachhal- tigkeitskommunikation entweder von der Koordinationsstelle oder von der Öffent- lichkeitsarbeit übernommen werden. Die Vermittlung von Grundlagen der Nachhal- tigkeitskommunikation und der Öffnung der Prozesse für Stakeholder wären sinn- volle Bausteine, die verstärkt umgesetzt werden sollten. Die Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit ist ein Feld, das verbessert werden muss. Bisherige Pressearbeit war zwar vorhanden, jedoch nicht ausreichend, um das Thema Nachhaltigkeit in der Kultur fest in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern. Es ist deutlich, dass dies voraussetzungsvoll und ressourcenintensiv ist, doch ohne eine int ensivere und professionellere Nachhaltigkeitskommunikation wird es schwierig bleiben, eine breite Akzeptanz und Unterstützung zu gewinnen. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 41 Stabsstelle: Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement für das Kulturdezernat Es ist nun die Zeit, Nachhaltigkeit aus der anfänglichen Projektphase heraus in den dauerhaften Betrieb zu integrieren, um zu verhindern, dass die bisherigen Bemü- hungen versanden. Dafür ist es notwendig, eine Stabsstelle für Nachhaltigkeitsma- nagement im Kulturdezernat einzurichten. Idealerweise wird die Stabsstelle mit ei- nem kleinen, aber dauerhaften Team ausgestattet, das die nachhaltige Entwicklung des Kultursektors stadtweit strategisch und kontinuierlich steuert. Ein Beispiel für eine Aktivität mit einer großen Hebe lwirkung wäre die Erarbeitung von Ausschrei- bungsvorgaben für alle städtischen Kulturinstitutionen, in denen Nachhaltigkeit in- tegriert wird. 5.2 Effektivitätssteigerung vorhandener Initiativen Zur Überwindung der skizzierten Hindernisse sowie zur Steigerung de r Effektivität der begonnen Initiativen werden im Jahr 2025 die folgenden Maßnahmen empfoh- len. Etablierung von langfristig tragfähigen Strukturen Die bisherigen Initiativen und Projekte zielen häufig auf einmalige Aktivitäten oder kurzfristige Erfolge. Dies ist wichtig, um eine Selbstwirksamkeitserfahrung der Ak- teure zu stärken und schnell Erfolge auf dem Weg der Transformation feiern zu kön- nen. Langfristig ist es entscheidend, dass Kulturinstitutionen die Nachhaltigkeit nicht nur als ein temporäres Projekt, sondern als integralen Bestandteil ihrer Strukturen betrachten. Um dies zu erreichen, sind kontinuierliche Schulungen, die Sicherstel- lung von Ressourcen und eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Kultur und Po- litik erforderlich. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 42 In einer nächsten Phase der Transformation, sollte der zentrale Fokus aller Aktivitä- ten auf dem Aufbau von langfristig tragfähigen Strukturen liegen. Dabei geht es vor allem um die Einrichtung von permanenten Stellen für das Thema sowie um dar- über hinausgehende Strukturen, wie Arbeitskreise, regelmäßige Strategieprozesse oder Reporting-Abläufe. Für einen solchen institutionellen Change -Prozess ist zu Anfang vor allem eine breite und zielgerichtete Kommunikation und Einbindung der Mitarbeitenden not- wendig. Dabei muss ein Verstän dnis dafür geweckt werden, dass dies kein techni- sches Projekt ist, sondern der Veränderungsprozess die Identität der Institution, und der Tätigkeiten aller Mitarbeitenden betrifft. Koordinationsstelle: Weiterentwicklung in eine Servicestelle Eine Umfirmierung in eine Servicestelle (Sustainable Culture Hub), die neben Bera- tung für Kulturinstitutionen auch Coaching für Individuen anbietet, wäre ein wich- tiger Schritt, um den Nachhaltigkeitsgedanken stärker in den operativen Alltag der Einrichtungen zu integrieren. Dabei sollte eine klare Zielstellung mit einer Wir- kungslogik definiert werden, um die Ergebnisse messbar und nachvollziehbar zu machen. Die Service stelle könnte als Think Tank und stadt -interne Beratungs- instanz fungieren, die kontinuierlich strategische Impulse gibt und die Nachhaltig- keitsaktivitäten in Institutionen politisch rückbindet. Ergänzt werden könnte dieses Angebot durch regelmäßige Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit. Wichtig für den Erfolg einer solchen Servicestelle sind eine niederschwellige Zugangsmöglichkeit sowie insbesondere eine gute Ansprechbar- keit der Stelle. Köln hoch 3: Erweiterung und Strategieentwicklung Die Erweiterung von Köln hoch 3 in der zweiten Runde ab Anfang November ist von zentraler Bedeutung, da das Projekt eine der wichtigsten Initiativen zur Erreichung der städtischen Klimaziele im Kultursektor darstellt. Dabei sollte der Ansatz des Capacity Building beibehalten werden. Die Weiterbildung von Mitarbeitenden in Kulturinstitutionen zu Transformationsmanager *innen hat gezeigt, dass qualifi- zierte Fachkräfte ein Schlüssel zum Erfolg sind. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 43 Zur Optimierung von Köln hoch 3 wäre es zusätzlich sinnvoll, das Projekt stärker in den Alltag der Institutionen zu integrieren, sodass Nachhaltigkeit nicht nur ein tem- poräres Thema bleibt. Dies könnte durch regelmäßige Workshops und ver- pflichtende Nachhaltigkeitspläne für alle teilnehmenden Häuser erreicht werden. Zudem sollte eine engere Verzahnung mit den Finanzierungsstrukturen geschaffen werden, um sicherzustellen, dass ausreichend Mittel für die Umsetzung der Maß- nahmen vorhanden sind. Die Einbindung weiterer Partner*innen aus der freien Szene und ein stärkerer Fokus auf interdisziplinären Austausch könnten zusätzlich zur Innovation und Skalierung der erprobten Maßnahmen beitragen. Schließlich wäre es sinnvoll, ein öffentliches Monitoring einzuführen, um die Fortschritte trans- parent darzustellen und die Bevölkerung aktiv am Transformationsprozess teilha- ben zu lassen. 5.3 Empfehlungen für einen umfassenden Transformationsprozess Der bisherige Transformationsprozess sowie die in den vorherigen Kapiteln skizzier- ten Maßnahmen klammern weitgehend die ökonomisch sowie die programmati- sche Dimension von Nachhaltigkeit im Kultursektor aus. Vor die sem Hintergrund sollten für einen umfassenden Transformationsprozess mittelfristig weitere Maß- nahmen hinzukommen. Die Rolle der Stadt Köln als Vorbild und Multiplikator Transformationale Führung kann als authentische s Leitbild für die städtische Lei- tungsebene fungieren, um einen Transformationsprozess glaubhaft zu vermitteln und andere dafür zu motivieren. Bisher besteht bei einigen Akteur*innen eine wahr- genommene Diskrepanz zwischen dem gesprochenen Wort und den umgesetzten Maßnahmen – die Transformation des Kultursektors kann nur erfolgreich sein, wenn der Prozess von oben glaubhaft unterstützt und umgesetzt wird. Mittelfristig kann eine nachhaltige Kulturpolitik in eine gesamtstädtische Nachhal- tigkeitsstrategie eingebettet werden. Dafür kann ein h olistisches EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 44 Nachhaltigkeitsmanagement eingeführt werden, das über die Klimaziele der Stadt hinausgeht. Basierend auf den Ergebnissen dieser Evaluation sind bei der Umset- zung zwei Aspekte besonders zu berücksichtigen: Erstens, eine hohe Transparenz innerhalb der Verwaltung sowie auch gegenüber der Öffentlichkeit; Zweitens, eine stärkere Fokussierung auf Möglichkeiten , die eine Skalierung der Maßnahmen für einzelne Institutionen aufzeigen. Finanzierung und Fördermittel für die Transformation Grundsätzlich sol lte die städtische Kulturförderung so angepasst werden, dass nachhaltige Produktionen möglich werden. Wenn keine Erhöhung der Förderbe- träge möglich ist, dann sollte zumindest ein längerer Vorlauf gewährleistet werden, damit eine Produktion mit weniger Zeitdruck umgesetzt werden kann – dann bleibt auch mehr Zeit für die Berücksichtigung nachhaltiger Aspekte. Eine langfristige Förderung nachhaltiger Arbeitsweisen in der Kultur ist notwendig, um die skizzierten Hindernisse zu überwinden und nachhaltige Kulturarbeit in Köln auf eine solide Grundlage zu stellen. Dafür wird die Projektförderung idealerweise gezielt um ein Förderprogramm „Nachhaltige Kultur“ erweitert, mit dem nur nach- haltige Aktivitäten gefördert werden. Darüber hinaus ist es – insbesondere für kleine Institutionen – voraussetzungsvoll, auf andere Fördermittel mit nachhaltigem Fokus zuzugreifen. Dafür sollte die Stadt bei der Beantragung von Fördermitteln zu Nachhaltigkeit eine Beratung bzw. Un- terstützungsangebote anbieten. Diese muss nicht auf den Kultursektor beschränkt sein und muss daher nicht im Kulturdezernat angesiedelt sein. KEP: Integration von Nachhaltigkeit als Querschnittsthema Nachhaltigkeit sollte in allen vier Dimensionen integraler Bestandteil der Kulturpo- litik werden. Die Integration in die Kulturentwicklungsplanung ist dafür ein wichti- ges Instrument. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Nachhaltigkeit als ein Quer- schnittsthema betrachtet wird, das alle Tätigkeitsbereiche berührt. EVALUATION DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION DES KULTURSEKTORS 45 Eine Stabss telle für strategisches Nachhaltigkeitsmanagement könnte hier einen wertvollen Beitrag zu einer Kulturentwicklungsplanung leisten, in dem es Aspekte einer Nachhaltigkeitsstrategie sowie konkrete Zielstellungen und Maßnahmenbün- del zur KEP beisteuert.
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3717/2024
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 27.11.2024
- Erstellt
- 21.11.2024 08:29