3958/2021
Sachstandsbericht „Archäologische Landesausstellung "Roms fließende Grenzen""
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/4512 Vorlagen-Nummer 17.11.2021 3958/2021 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Kunst und Kultur 30.11.2021 Sachstandsbericht „Archäologische Landesausstellung "Roms fließende Grenzen"" In seiner Sitzung am 26.10.2021 hat der Ausschuss Kunst und Kultur der Mittelverwendung in Höhe von insgesamt 261.000 € aus dem Sonderausstellungsetat 2022 – vorbehaltlich des Inkrafttretens der Haushaltssatzung 2022 – für die Archäologische Landesausstellung „Roms fließende Grenzen“ zuge- stimmt (TOP 4.9, Vorlage 3314/2021). Herr Dr. Elster (CDU-Fraktion) bittet bis zur nächsten Sitzung am 30.11.2021 um einen ausführlichen Sachstandsbericht zur Landesausstellung. Auf Bitten von Herrn Prof. Schäfer (SPD-Fraktion) soll der Sachstandsbericht zudem die Beantwor- tung der nachfolgenden Fragen beinhalten: a) Welche Auswirkungen hat die Ausstellung auf das Römisch-Germanische Museum? b) Resultieren daraus Beeinträchtigungen der Regelausstellung? Antwort der Verwaltung: Geschichte der Archäologischen Landesausstellung Nordrhein-Westfalen Das Land Nordrhein-Westfalen finanziert seit 1990 im 5-Jahres-Rhythmus Archäologische Landes- ausstellungen. Der Grundgedanke war eine Leistungsschau der nordrhein-westfälischen Boden- denkmalpflege, um sie in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen. Die Koordination der Ausstellungen wurde jeweils von den drei gemäß Denkmalschutzgesetz NRW verantwortlichen Landesarchäologien für Westfalen-Lippe, den Landschaftsverband Rheinland und die Stadt Köln getragen. Die Ausstellungen der Jahre 1990, 1995, 2000, 2005 und 2010 wurden jeweils zunächst im Römisch- Germanischen Museum der Stadt Köln gezeigt, in der Folge dann an einem zweiten Standort in Westfalen oder auch im niederländischen Nimwegen. Inhaltlich widmeten sich die ersten vier Ausstellungen dem gesamten Spektrum der archäologischen Bodendenkmalpflege in Nordrhein-Westfalen, von erdgeschichtlichen Versteinerungen bis hin zur Archäologie der Moderne. Alle archäologischen Landesausstellungen waren von großem Erfolg belohnt. Die fünf Präsentationen in Köln in den Jahren 1990 bis 2010 haben jeweils weit über 100.000 Besucher*innen gezählt. Der musealen Präsentation wurde jeweils ein reich bebilderter Begleitband zur Seite gestellt, in dem Ar- chäologinnen und Archäologen über ihre Arbeit und deren Ergebnisse berichten. Erstmals 2015 wurde das LVR-LandesMuseum in Bonn zum Ausstellungsstandort der Archäologi- schen Landesausstellung. Damit einher ging eine inhaltliche Neuaufstellung der Leistungsschau, da 2 nicht mehr allein herausragende Funde aller Epochen aus allen Teilen des Landes im Mittelpunkt standen, sondern mit dem Titel „Revolution Jungsteinzeit“ erstmals ein thematischer Schwerpunkt gesetzt wurde. Die Archäologische Landesausstellung 2021 Turnusmäßig hätte die Archäologische Landesausstellung 2020 stattgefunden. Aufgrund der erwarte- ten Eintragung des Niedergermanischen Limes in die Liste des UNESCO-Welterbes, die im Juli 2021 tatsächlich erfolgreich umgesetzt wurde, hat man sich im federführenden Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW bewusst entschieden, die Archäologische Landesausstellung auf die Jahre 2021/22 zu verschieben. Anknüpfend an die thematische Ausrichtung des Jahres 2015 wurde der Präsentation der Titel „Roms fließende Grenzen“ gegeben. Erstmals wird die Ausstellung auf fünf Standorte verteilt, die jeweils eigene Aspekte zum Thema „Leben am Römischen Limes“ formulieren. Frau Ministerin Ina Scharrenbach, die die Schirmherrin der Ausstellung ist, sieht in der Archäologi- schen Landesausstellung 2021/22 ein Spiegelbild der erfolgreichen Arbeit der drei Landesarchäolo- gien in Nordrhein-Westfalen. Jeder Standort wird mit jeweils 450.000 Euro Landesmitteln gefördert, der Eigenanteil der Stadt Köln liegt bei 56.000 €. Im September 2021 hat zunächst das Lippische Landesmuseum Detmold die Ausstellung „Grenz- überschreitung am Limes“ eröffnet. Im selben Monat folgte der LVR-Archäologischer Park Xanten / LVR-RömerMuseum unter dem Titel „Der Limes am Niederrhein“. Im November 2021 zeigt das LVR- LandesMuseum Bonn die Schau „Leben am Limes“. Im kommenden Jahr folgt das LWL- Römermuseum Haltern am See mit der Präsentation „Rom in Westfalen 2.0“. Den Schlusspunkt setzt Köln mit der Eröffnung am 28.04.2022 mit „Rom am Rhein“. Die Kölner Station ist eine Kooperation von Römisch-Germanischem Museum der Stadt Köln und dem LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln (MiQua). Da das Stammhaus des Römisch-Germanischen Museum wegen Sanierung derzeit geschlossen ist, das Ausweichquartier im Belgischen Haus keine Sonderausstellungsräume ausweist und auch das MiQua seine Räume noch nicht bezogen hat, wurde das Kulturquartier am Neumarkt für die Archäo- logische Landesausstellung in Köln gewählt. Nach verwaltungsinterner Abstimmung wurde das Zeit- fenster der Kölner Station auf den 29.04.2022 bis 09.10.2022 fixiert. Inhalt der Archäologischen Landesausstellung in Köln Der Titel „Rom am Rhein“ trägt der Tatsache Rechnung, dass Köln die einzige Millionenstadt in Deutschland ist, die auf zwei Jahrtausende urbaner Kontinuität zurückblicken kann. Seit ihrer Grün- dung durch Kaiser Augustus wenige Jahre vor Christi Geburt entwickelte sich die römische Stadt zu einem administrativen, wirtschaftlichen, religiösen und kulturellen Zentrum im Nordwesten des Impe- rium Romanum. Aus unterschiedlichen Teilen des Römischen Reiches kamen Menschen an den Rhein und verschmolzen innerhalb von zwei Generationen zu einer provinzialrömischen Gesellschaft, die offen blieb für Zuwanderung aus anderen Reichsteilen. Seit der Schlacht im Teutoburger Wald 9 n. Chr. blieb Köln eine Grenzstadt. Der Rhein wurde zum Grenzfluss zwischen dem römisch besetzten und dem sogenannten „freien“ Germanien. Die ehemali- ge civitas der Ubier wurde 50 n. Chr. mit dem höchsten Recht einer colonia ausgestattet. Fortan hieß die Stadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium, sie wurde zum Abbild Roms in der Fremde. Im Fokus der Ausstellung steht die urbane Qualität, die eine römische Metropole wie Köln auszeichnete. Die Stadt formte einen Lebensraum an der Grenze zur Germania Magna, der die römische Kultur verkör- perte, zugleich Einflüsse der lokalen Bevölkerung aufnahm. Dieser Kulturraum wird in der Ausstellung thematisch gegliedert und über Funde präsentiert. Die öffentlichen Großbauten gehören ebenso zum Erscheinungsbild wie die städtischen und suburbanen Villen. Die Infrastruktur erschloss den Orga- nismus, Handel und Handwerk bildeten das Rückrat für wirtschaftliche Blüte. Es entsteht das Bild einer prosperierenden antiken Großstadt am Limes, die mit dem Sitz des Statthalters, des Vertreters des Kaisers, das Herz der Provinz Niedergermanien bildete. „Rom am Rhein“ – Die Ausstellung gleicht einem Stadtrundgang durch das antike Köln. Die präsentierten Zeugnisse zeigen den Ausstat- 3 tungsluxus, der in öffentlichem wie privatem Bereich anzutreffen war. Die Themen der Kölner Ausstellung sind: - Gründung der Stadt (Oppidum Ubiorum) - Aufstieg zur römischen Kolonie - Öffentliches Bauen in der CCAA (Stadtmauer, Prätorium, Tempel, Ausstattungsluxus) - Infrastruktur (Straßen, Wasserversorgung und –entsorgung) - Handwerk und Handel - Vorstädte und Vorstadtvillen - Friedhöfe - Rezeptionsgeschichte Gezeigt werden Altfunde, die bislang nicht oder nur temporär ausgestellt wurden, sowie aktuelle Fun- de aus jüngsten Ausgrabungen im Stadtgebiet Köln, beispielweise die Zeugnisse einer kostbar aus- gestatteten römischen Villa suburbana (Vorstadtvilla) an der Venloer Straße, Funde aus dem Antoni- terquartier oder von den Ausgrabungen in der Frankstraße. Die Ausstellung des Römisch-Germanischen Museums im Belgischen Haus wird durch die Archäolo- gische Landesausstellung nicht beeinträchtigt, da die dortigen Exponate bewusst nicht Teil der Lan- desausstellung sein werden. Die beiden Präsentationen ergänzen einander inhaltlich. Gez. Charles
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (3)
- Venloer Straße
- Frankstraße
- Neumarkt
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Details
- Aktenzeichen
- 3958/2021
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
- Datum
- 17.11.2021
- Erstellt
- 10.11.2021 13:13