AN/0819/2022
Endometriose als Krankheit bekannter machen
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SPD Antrag nach § 3
4976 Zeichen
An die Vorsitzende des Ausschusses für die Gleichstellung von Frauen und Männern Frau Teresa De Bellis-Olinger Frau Oberbürgermeisterin Henriette Reker SPD-Fraktion im Rat der Stadt Köln Rathaus, Spanischer Bau 50667 Köln fon 0221. 221 259 50 fax 0221. 221 246 57 mail fraktion@koelnspd.de web www.koelnspd.de Eingang beim Amt der Oberbürgermeisterin: 11.04.2022 AN/0819/2022 Antrag gem. § 3 der Geschäftsordnung des Rates Gremium Datum der Sitzung Ausschuss für die Gleichstellung von Frauen und Männern 25.04.2022 Endometriose als Krankheit bekannter machen Sehr geehrte Frau Ausschussvorsitzende sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, die SPD-Fraktion bittet Sie, folgenden Antrag in die Tagesordnung des Ausschusses am 25.04.2022 aufzunehmen: Der Ausschuss für die Gleichstellung von Frauen und Männern möge beschließen: 1. Die Stadt Köln unterstützt die Forderungen der Endometriose-Vereinigung nach ver- stärkter Erforschung und einen bundesweiten Aktionsplan. Die Stadt schreibt dazu die zuständigen Landes- und Bundesministerien an und fordert diese konkret dazu auf: Die Lehrpläne an den Schulen anzupassen, sodass Menstruation kein Tabuthema bleibt und Endometriose schon bei Schüler*innen bekannt wird. Mehr Geld in die Erforschung der Erkrankung zu investieren. 2. Die Stadt Köln klärt über die Krankheit öffentlich auf/sensibilisiert und regt Fortbildun- gen von Ärzten an, damit die Krankheit frühzeitiger erkannt wird. 3. Die Stadt Köln unterstützt Selbsthilfegruppen in geeigneter Form. 4. Die Stadt Köln schult die Verwaltung, insbesondere die Mitarbeitenden der Schwer- behindertenstelle, Rettungsdienste, Gesundheitsämter usw., damit Betroffene nicht erst erklären müssen, an welcher Krankheit sie leiden und wie sie sich auswirkt (Ste- rilität, chronische Schmerzen usw.) Begründung: Vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnose durch einen Arzt vergehen laut Stu- dien mehrere Jahre. Doch die Symptome haben es in sich. Sie reichen von massiven krampfartigen Schmerzen im Unterbauch, Brechanfällen, Schmerzen beim Geschlechtsver- kehr und einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen bis hin zur Ohnmacht und stellen laut - 2 - einer Studie aus demselben Jahr den Grund für die Unfruchtbarkeit einer von zwei ungewollt Kinderlosen dar. Doch obwohl die Betroffenen jeden Monat parallel zur Regelblutung so sehr unter der Krankheit leiden, werden die Auswirkungen häufig als gewöhnliche Regelbe- schwerden heruntergespielt. Bei der Endometriose beginnt Gewebe aus der Gebärmutterschleimhaut, an anderen Orten im Körper zu siedeln und unkontrolliert zu wachsen. Beispiele sind die Oberfläche der Eier- stöcke, des Eileiters, des Darms, der Blase oder des Bauchfells. Losgetreten vom monatli- chen Zyklus wachsen die Gewebebereiche mit und verursachen so die Beschwerden. Sie können bluten, sich entzünden oder Organe verkleben und diese so in ihrer Funktionsfähig- keit beeinträchtigen. Bei manchen Betroffenen sind die Schmerzen zudem nicht an den Zyk- lus gekoppelt. Die Ursache der Erkrankung ist nach wie vor nicht hinreichend erforscht. Die Behandlung konzentriert sich auf die Symptome und kann zumindest temporär, etwa durch operative Entfernung des Gewebes und durch Hormontherapien, für große Erleichterung sorgen. Es wird geschätzt, dass etwa zehn Prozent aller Frauen an der Wucherung der Gebärmut- terschleimhaut leiden. Damit ist die Endometriose die zweithäufigste gynäkologische Erkran- kung in Deutschland und etwa doppelt so häufig wie eine Typ-II-Diabetes. Ihre geringe Be- kanntheit steht jedoch nach wie vor in keinem Verhältnis zu ihrer großen Verbreitung und den vielen unnötigen Leiden, die Frauen ihretwegen ertragen müssen. Die Endometriose-Vereinigung Deutschland kritisiert, dass in den vergangenen 20 Jahren nur etwa 500.000 Euro an Forschungsgeldern des Bundes für die Erforschung der Krankheit aufgewandt wurden. Eine Besprechung zu einem mit der Krankheit in Verbindung stehenden Thema hat es weder im Bundestag noch in einem der Landtage gegeben. Das zeigt bei- spielhaft, wie gering bisher der Aufwand dafür ist, diese Frauen betreffende Krankheit besser zu verstehen und die Beschwerden zu lindern. Auch, weil die Endometriose als „Frauenkrankheit“ mit tabuisierten Themen und Körperzo- nen in Verbindung steht, müssen die Gegenmaßnahmen zu einem öffentlichen Anliegen werden. Ergebnisse der Forschung zu geschlechtsabhängigen Ungleichheiten im medizini- schen Sektor zeigen immer wieder, etwa im sogenannten „gender pain gap“, wie sehr weibli- che Leiden und Schmerzen gegenüber männlichen in der Beachtung herabgestuft sind. Da- mit handelt es sich beim Kampf gegen die Endometriose um ein wichtiges Gleichstellungsan- liegen, das nur als Querschnittsaufgabe und mit dem entsprechenden politischen Willen wirksam angegangen werden kann. Mit freundlichen Grüßen gez. Mike Homann SPD-Fraktionsgeschäftsführer
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: endgültig zurückgezogen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AN/0819/2022
- Typ
- SPD Antrag nach § 3
- Datum
- 11.04.2022
- Erstellt
- 11.04.2022 12:31