V/0281/2021
Öffentliches Andenken an bedeutende Frauenpersönlichkeiten im Stadtbild fördern Antrag A-R/0019/2021 der SPD-Fraktion
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Anlage_2-Stellungnahme-Stadtarchiv
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DER OBERBÜRGERMEISTER ||| MÜNSTER Stadtarchiv - E An den Speichern 8, 62 - Vermessungs- und Katasteramt Ann Ihr/e Ansprechpartner: Anja Gussek Vermessungs- u. Katasieramt Telefon: 0251/492-47 02 Fax: 0251/492-77 27 archiv@stadt-muenster.de 02.07.2019 STELLUNGNAHME DES STADTARCHIVS (VERFASSER: PHILIPP ERDMANN) ZUM ANTRAG AN DEN RAT NR.: A-R/0019/2019 Der Antrag zur Förderung des öffentlichen Andenkens an Frauenpersön- lichkeiten im Münsteraner Stadtbild im Frauenjahr 2019 wurde in der Rats- sitzung vom 3.4.2019 an den Ausschuss für Gleichstellung verwiesen, für den unter Hinzuziehung der Dezernate und Ämter OB, I, Ill, 17 und 33 eine Vorlage erstellt werden soll. Das Stadtarchiv empfiehlt zu den im Antrag erwähnten 16 Frauenpersön- lichkeiten, die bei Straßenbenennungen in Betracht gezogen werden sollen: Der Antrag der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Münster, das öffentliche An- denken an Frauenpersönlichkeiten im Münsteraner Stadtbild im Frauenjahr 2019 zu fördern, greift die gegenwärtige Benennungspraxis einiger Be- zirksvertretungen auf und ist dementsprechend grundsätzlich zu unterstüt- zen. Das Stadtarchiv empfiehlt eine Strukturierung bzw. Hierarchisierung der Vorschläge des Antrags nach Themen und ihrer lokalhistorischen Bezüge zu Münster: „Mütter des Grundgesetzes“: Friederike Nadig [gen. Frieda Nadig] war eine der „vier Mütter des Grund- gesetzes“ und weist als Westfälin ebenso wie Helene Wessel regionale Bezüge auf. Mit Elisabeth Selbert ehrte die Bezirksvertretung Münster-Mitte bereits 1995 eine „Mutter des Grundgesetztes“ mit einer Straßenbenen- nung. Neben den zwei Westfälinnen ist als vierte Persönlichkeit aus diesem Kreis auch Helene Weber als Namensgeberin in Betracht zu ziehen. NS-Regimekritikerinnen bzw. Akteurinnen der Erinnerungskultur: Nelly Sachs, Anna Haag, Marga Spiegel, Schwester Laudeberta und Thea- nolte Bähnisch setzten sich in der NS-Zeit für Verfolgte ein bzw. wurden selbst verfolgt. Nach 1945 bemühten sie sich aktiv um die Erinnerung und Belange der NS-Verfolgten. Bis auf Nelly Sachs und Anna Haag weisen sie mindestens temporär lebensgeschichtliche Bezüge zu Münster auf. Frauenrechtlerinnen Lily Braun, Dr. Gisela Naunin, Barbara Renz, Anna Lucas und Anna Siem- sen engagierten sich durch Tätigkeiten in Publizistik, Verbänden oder Poli- tik für die Gleichstellung von Frauen und vertraten Interessen von Frauen in unterschiedlichsten öffentlichen Teilbereichen. Auch Theanolte Bähnisch und Anna Haag [beide auch bei NS-Regimekritikerinnen] ließen sich hier anführen, nach letzterer sind mehrere Straßen in B.-W. benannt. Wissenschaftlerinnen: Maria Goeppert-Mayer und Emmy Noether haben internationale für ihre Forschungen erhalten und galten als Pionierinnen in ihren Fächern. Nach beiden wurden bundesweit bereits Straßen benannt. Hier ließe sich noch ein weiterer Vorschlag mit lokalen Bezügen einbringen: Waltraut Seitter (1930 - 2007) war die erste Lehrstuhlinhaberin für Astro- nomie in Deutschland. Sie studierte in den USA und wurde nach berufli- chen Stationen u.a. in Bonn und Nashville zur Professorin und Direktorin des Astronomischen Instituts der Uni Münster ernannt. Sie war die erste Frau, die in Deutschland einen Lehrstuhl für Astronomie innehatte. In Müns- ter organisierte sie u.a. internationale Tagungen. Ein Asteroid wurde bereits 1986 nach ihr benannt. Künstlerinnen: Marianne Kirchgässner, Hanne-Nüte-Kämmerer und Anna Lucas waren künstlerisch aktiv, setzten in ihrem Bereich Maßstäbe oder förderten Frauen in der Kunst und Literatur. Nicht zuzuordnen und wegen ihrer lokalgeschichtlichen Bezüge zu Münster für eine Straßenbenennung zu empfehlen: Alexandrine von Taxis Eine weitere Sortierung ergibt sich durch die lokalhistorische „Nähe“ zu Münster, die nur ein Teil der vorgeschlagenen Persönlichkeiten aufweist: Alexandrine von Taxis, Marga Spiegel, Anna Lucas, Barbara Renz, Schwester Laudeberta, Gisela Naunin und (nur verhältnismäßig kurz) Lily Braun und Marianne Kirchgässner wirkten mindestens zeitweise in Münster oder im Münsterland. Anna Siemsen und Theanolte Bähnisch studierten in Münster bzw. legten hier akademische Prüfungen ab. Anna Haag, Friederike Nadig, Maria Goeppert-Mayer, Nelly Sachs und Emmy Noether weisen keine lokalgeschichtlichen Bezüge zu Münster auf. Weil sich ihr Wirken über den Zeitraum der NS-Diktatur 1933-1945 erstreckt und keine offene Opposition zu belegen ist, sollten zu Gisela Naunin (Verfassungs- Juristin) und Hanne Nüte-Kämmerer weitere Forschungen angestellt, z.B. Entnazi- fizierungsakten im LAV R oder Nachlässe überprüft werden. Der Nachlass des Ehemanns von Gisela Naunin liegt im LWL-Archivamt für Westfalen. (Weitere Lite- ratur zu G. Naunin: Büscher, Gudrun u.a., Zeitgenossinnen - Frauengeschichte(n) aus Nordrhein-Westfalen, S. 82-85; zu Nüte-Kämmerer siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Hanne-N%C3%BCte K%C3%A4mmerer ) Weitere Namensvorschläge: Die Ratsfrauen Mathilde Grönhoff und Katharina Dume könnten die Rei- he der bereits durch Straßenbenennungen geehrten Ratsfrauen seit 1919 ergänzen. Sie waren beide politisch und karitativ in Münster engagiert (Wei- teres bei: Roswitha Link, „Mit ihrem sozial warm empfindenden Herzen“. Die ersten Frauen in Münsters Stadtverordnetenkollegium 1919-1924, in: Arbeitskreis Frauengeschichte (Hg.), Frauenleben in Münster: ein histori- sches Lesebuch, Münster 1991, S. 34-67). Maria Alberti (1767 bis 1811) war Malerin der Romantik und pflegte als erste Oberin der Barmherzigen Schwestern in Münster z.B. während einer Typhusepidemie in Münster kranke Menschen (Weiteres bei Marion Böker, Malerinnen in Münster - ein Bild gewinnen, in: Arbeitskreis Frauenge- schichte (Hg.), Frauenleben in Münster: ein historisches Lesebuch, Münster 1991, S. 300-325, hier S. 306f). Nerina Erman (1874-1951) hatte italienische Wurzeln und zog 1902 nach Münster. Sie kämpfte für das Recht der Frauen, studieren zu dürfen, und wurde 1912 Vorsitzende der Ortsgruppe des Frauenstimmrechtsverbands Nordwestdeutschland in Münster (Weiteres in: Frauenbilder. Geschichte(n) aus Münster, Münster 2007, S. 41) Mechthild Demel (1924-2006) engagierte sich seit den 1960er Jahren für die Friedensbewegung, führte seit 1983 jeden Freitag eine Mahnwache für Frieden vor der Lambertikirche durch und war unter anderem jahrelang beim Friedensforum Münster, in der Flüchtlingshilfe und bei der Bahn- hofsission aktiv. Sie erhielt 2000 die Münster-Nadel. Grundsätzlich wäre zu überlegen, wie sich der zivilgesellschaftliche Einsatz für bisher unterrepräsentierte gesellschaftliche Teilgruppen wie migrantisch geprägten Communities durch Straßennamen sichtbar(er) machen ließe. Hier schlägt das Stadtarchiv mit Nerina Erman exemplarisch eine Frauen- persönlichkeit vor. Philipp Erdmann
Beschlussvorlage
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V/0281/2021 V/0281/2021 Öffentliche Beschlussvorlage Betrifft Öffentliches Andenken an bedeutende Frauenpersönlichkeiten im Stadtbild fördern Antrag A-R/0019/2019 der SPD-Fraktion Beratungsfolge 12.05.2021 Ausschuss für Gleichstellung Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Die Stadt Münster bewahrt ein ehrendes Andenken an bedeutende Frauenpersönlichkeiten. 2. Das Stadtarchiv wird gebeten, im konkreten Fall einer Benennung eine Biographie zur jeweili- gen Namensgeberin vorzulegen. 3. Die zuständigen politischen Gremien werden gebeten, geeignete Straßen nach diesen Frauen zu benennen, um eine Parität bei nach Personen benannten Straßen herzustellen. 4. Mit diesem Beschluss ist der Antrag der SPD Ratsfraktion Nr. A-R/0019/2019 erledigt. II. Finanzielle Auswirkungen: Es entstehen keine Kosten und keine Folgekosten. Begründung: Im Ratsantrag Nr. A-R/0019/2019 wird ausgeführt, dass die Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren die Grundlage für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern war. Die SPD- Fraktion möchte das Frauenjahr 2019 zum Anlass nehmen, um an die bisherigen Verdienste und das oftmals unermüdliche Engagement vieler Frauen für die eigenen Rechte zu erinnern. Weiter heißt es, dass es wichtig sei, das Jubiläum 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland auch in Münster zu feiern und dass dabei der Benennung von Straßen eine entscheidende Bedeutung zu- kommt. In dem Ratsantrag werden 16 Frauen mit ihrem Lebenslauf vorgestellt: Vermessungs- und Katasteramt 16.04.2021 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Zimmermann Telefon: 492-6242 ZimmermannBernhard@stadt- muenster.de - 2 - V/0281/2021 Friederike Nadig (1987-1970) Mitglied des Parlamentarischen Rates 1948, Landtags- und Bundes- tagsabgeordnete Maria Goeppert-Mayer (1906-1972) Physikerin, ausgezeichnet mit dem Nobelpreis für Physik 1963 Nelly Sachs (1891-1970) jüdisch-deutsche Schriftstellerin. Sie floh 1939 nach Schweden, Nobelpreis für Literatur 1966 Emmy Noether (1882-1935) jüdische Mathematikerin aus Erlangen, emigrierte 1933 in die USA Anna Haag (1888-1982) Politikerin, Pazifistin und Autorin Barbara Renz (1863-1955) katholische Frauenrechtlerin, Aktivistin für Frauenbildung und Gleichstellung Marga Spiegel (1912-2014) jüdische Überlebende des Holocaust, veröffentlichte ihre Erinnerungen an die NS-Vergangenheit Theanolte Bähnisch (1899-1973) Juristin, Staatssekretärin, motivierte Frauen zu politischem Engage- ment Anna Siemsen (1882-1951) SPD-Politikerin, engagierte sich für die Einhaltung der Menschenrechte, für Frieden, Bildungs- und Jugendarbeit Lily Braun (1865-1917) Frauenrechtlerin und Autorin, Aktivistin der frühen Frauenbewegung Marianne Kirchgässner [oder Kirchgeßner] (1769-1808) erfolgreichste und bedeutendste Glasharmo- nika-Künstlerin Anna Lucas, Schriftstellerin und Buchhändlerin, initiierte den ersten Jugend- und Frauenbuchladen in Münster Hanne-Nüte Kämmerer (1903-1981) Textilkünstlerin, Professorin der Werkkunstschule in Münster Gisela Naunin (1904-2002) Juristin, Vorsitzende des Deutschen Frauenrings, engagiert für die Gleich- stellung Alexandrine von Taxis (1589-1666) einzige weibliche Generalpostmeisterin in der Geschichte der Kai- serlichen Reichspost Johanna van Hal, Schwester Laudeberta (1887-1971) Ordens- und Krankenschwester, informierte Bi- schof Cl. A. Graf von Galen über die Euthanasie-Verbrechen. Eine Zulieferung von Biographien zu den gewünschten Frauen wird das Stadtarchiv wie üblich ge- währleisten. Das Stadtmuseum trägt in gewohnter Praxis durch Informationen aus der Objektkultur zur Einschätzung der Persönlichkeiten bei. Z.B. liegt zur Künstlerin Hanne -Nüte Kämmerer ein Kata- log des Stadtmuseums vor, der auch Quellen außerhalb von Münster berücksichtigt. Darüber hinaus unterstützt das Stadtarchiv in seiner Stellungnahme (Anlage 2) die Vorschläge des Ratsantrags und empfiehlt dabei eine Strukturierung bzw. Hierarchisierung der vorgeschlagenen Na- men nach Themen und lokalhistorischen Bezügen. Empfohlen werden die Themen: Mütter des Grundgesetzes NS-Regimekritikerinnen und Akteurinnen der Erinnerungskultur Frauenrechtlerinnen Wissenschaftlerinnen Künstlerinnen Darüber hinaus schlägt das Stadtarchiv sechs weitere bedeutende Frauen für Straßenbenennung vor: - 3 - V/0281/2021 Waltraut Seitter (1930-2007) erste Lehrstuhlinhaberin für Astronomie in Deutschland, Direktorin des Astronomischen Instituts der WWU Münster. Mathilde Grönhoff und Katharina Dume waren politisch und karitativ in Münster tätig. Maria Alberti (1767-1811) Ordens- und Krankenschwester und Malerin der Romantik Nerina Erman (1874 - 1951) aus Italien, Ortsvorsitzende des Frauenstimmrechtsverbandes, kämpfte auch für das Recht der Frauen, studieren zu dürfen Mechthild Demel (1924 - 2006) engagiert in der Friedensbewegung, der Flüchtlingshilfe und in der Bahnhofsmission. Zwischenzeitlich wurden weitere Vorschläge für Straßenbenennungen nach Frauen vorgelegt: Hedwig Kohn, Hertha Sponer, Henriette Son, Hedwig Montag, Rahel Hirsch Und einige Vorschläge standen bisher schon in der Vorschlagsliste des Vermessungs- und Kataster- amtes: Hildegard Graf (1929-2000) Dipl. rer. pol., Ratsmitglied von 1961 bis 1999, Bürgermeisterin 1994-99 Emilie Koch, Gründerin der „Evangelischen höheren Töchterschule“ in der Sonnenstraße Lehrerin an einer evangelischen Schule an der Georgskommende Charlotte Schmitt (1909-1997) in Berlin, Richterin am Bundesverwaltungsgericht in Berlin, ab 1958 Senatspräsidentin Anne Frank (1929-1945) ermordet im KZ Bergen-Belsen, Anne Frank gilt als Symbolfigur gegen die Unmenschlichkeit des Völkermordes in der Zeit des Nationalsozialismus In der Summe sind 31 Namen zur Straßenbenennung vorgeschlagen. Die Liste der Vorschläge ist in Anlage 3 zusammengestellt. Da der Ausschuss für Gleichstellung die neuen Straßennamen nicht selbst beschließen kann, werden mit Nr. 3 der Sachentscheidung die zuständigen Gremien (im We- sentlichen die Bezirksvertretungen) gebeten, diese Benennungen vorzunehmen. Erfahrungsgemäß sind diese Vorschläge nicht kurzfristig umsetzbar. Wenn die Planungsphase für einen neuen Bebauungsplan zu Ende geht und ein Satzungsbeschluss ansteht, haben Bezirksvertre- tungen in der Regel schon konkrete Vorstellungen entwickelt, nach welchem Thema oder mit wel- chem Bezug die Straßen in dem neuen Baugebiet benannt werden sollen. Andere Vorschläge von Bürgerinnen und Bürgern zu Straßen in den Baugebieten werden selten realisiert, Namen aus der Vorschlagsliste des Vermessungs- und Katasteramtes noch seltener – weniger als einmal pro Jahr. Aber die Straßenbenennungen der vergangenen Jahre zeigen, dass viele Benennungen nach Frauen bereits realisiert wurden. Von Anfang 2015 bis Ende 2020 waren es 23 Straßenbenennungen nach Frauen gegenüber 15 nach Männern bei insgesamt 64 neuen Straßennamen. Mehrere Bezirksvertre- tungen haben das politische Ziel, Straßenbenennungen nach Frauen zu beschließen (siehe das Bau- gebiet am Markweg und das Oxford-Quartier). Die Verwaltung wird die Liste in Anlage 3 mit 31 Vorschlägen für Straßenbenennungen nach Frauen bei jeder sich bietenden Gelegenheit den zuständigen Gremien zur Entscheidung vorlegen. - 4 - V/0281/2021 In Vertretung Denstorff Anlagen: Anlage 1 Ratsantrag der SPD Nr. A-R/0019/2019 Anlage 2 Stellungnahme des Stadtarchivs Anlage 3 Zusammenstellung von 31Vorschlägen für Straßennamen
Anlage_3_Liste-der_31_Vorschläge
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Seite 1 von 7 17.02.2021 31 Vorschläge für Straßenbenennungen nach Frauen Friederike Nadig genannt Frieda Nadig Friderike Nadig, *11.12.1987, die Herforder Sozialdemokratin war eine von vier Frauen, die 1948 als Mitglied des Parlamentarischen Rates an der Ausarbeitung des Grundgesetzes mitwirkte. Nachdem sie zuvor im Zuge der Erlasse der NS-Regierung aus dem Beamten- dienst entlassen wurde, arbeitete sie als Gesundheitspflegerin bis sie 1946 Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt wurde. Nach Kriegs- ende war sie in der neuen Bundesrepublik u.a. als Mitglied des nord- rhein-westfälischen Landtags sowie als Bundestagsabgeordnete poli- tisch aktiv. Hier machte sie sich bis zu ihrem Tod 1970 für Gleichbe- rechtigung der Geschlechter und Lohngleichheit stark. Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019 Maria Goeppert-Mayer Maria Goeppert-Mayer, *28.6.1906, erhielt im Alter von 57 Jahren für ihre Forschung zur Schalenstruktur des Atomkerns als erste deutsche Physikerin den Physik-Nobelpreis. Die Deutsch-US-Amerikanische Naturwissenschaftlerin wanderte nach dem Studium der Mathematik und Physik in Göttingen mit ihrem US-amerikanischen Ehemann nach Baltimore aus und schrieb dort u.a. mit ihm das viel beachtete Standardwerk „Statistische Mechanik“. Nicht zuletzt im Zuge ihrer Professur am Chicagoer Atomforschungszentrum in den 1950er Jah- ren gilt sie als eine der wichtigsten Forscherinnen aus dem Gebiet der Kernphysik sowie als eine der ersten deutschen weiblichen Wis- senschaftlerinnen in der physikalischen Forschung insgesamt. Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019 Nelly Sachs Nelly Sachs, *10.12.1891, die jüdische Dichterin aus Berlin war 1966 nicht nur die erste deutsche Literaturnobelpreisträgerin, sondern ebenso die erste Autorin, die ein Jahr zuvor den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt. Nachdem sie zu Beginn der NS-Dik- tatur selbst um ihr Leben fürchten musste, konnte sie 1940 kurz vor dem ihr angekündigten Transport ins Konzentrationslager nach Schweden fliehen. In ihren Werken spiegelt sich die Erfahrung wider und so thematisiert sie hierin bis zum Tod 1970 oftmals den Holo- caust und das Schicksal Israels. Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019 Emmy Noether Emmy Noether, *23.3.1882, die jüdische Mathematikerin aus Erlan- gen gilt als „Mutter der modernen Algebra“. Sie ist eine der ersten und erfolgreichsten Frauen innerhalb der naturwissenschaftlichen Disziplin des 20. Jahrhunderts: So war sie u.a. die zweite Deutsche, die an einer deutschen Universität in Mathematik promovierte. Ebenso absolvierte sie als erste Frau in Deutschland im Fachbereich Mathematik erfolgreich ihre Habilitation. Zudem setzte sie sich als So- zialdemokratin in den 1920er Jahren für friedenspolitische Projekte ein bevor sie 1933 angesichts der NS-Herrschaft in die USA emi- grierte, wo sie 1935 an einer Krankheit verstarb. Nach ihrem Tod wurde u.a. ein Förderprogramm für Nachwuchswissenschaftlerinnen nach ihr benannt, um nachhaltige weibliche Forschung in diesem Fachbereich an deutschen Universitäten zu fördern. Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019 Seite 2 von 7 17.02.2021 Anna Haag Anna Haag, *10.7.1888, als Politikerin, Pazifistin und Autorin hat sie sich insbesondere für die Rechte der Frauen in der Weimarer Repub- lik und der jungen westdeutschen Bundesrepublik eingesetzt. Ihr Satz „Niemand darf zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden“ aus dem von ihr eingebrachten Gesetz Nr. 1007 des Landes Würt- temberg-Baden wurde 1948 im bundesdeutschen Grundgesetz in Art.4 Abs.3 GG aufgegriffen und gilt als richtungsweisende Errungen- schaft für die Pazifismus-Bewegung in Deutschland. Nachdem sie nach dem Ersten Weltkrieg der „Internationalen Frauenliga für Frie- den und Freiheit“ beitrat und in der NS-Zeit einem Publikationsverbot unterlag, gründete sie nach Kriegsende das Printmedium „Die Welt- bürgerin“, um Frauen ihre politische Mitverantwortung aufzuzeigen. Bis zu ihrem Tod 1982 setze sie sich außerdem, u.a. im Zuge der Gründung des Hausfrauenverbandes, für die gesellschaftliche Aner- kennung der Hausfrauenarbeit als gleichwertige Tätigkeit ein. Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019 Barbara Renz Barbara Renz, *12.12.1863, die katholische Frauenrechtlerin gilt als frühe Aktivistin für Frauenbildung und Gleichstellung. Nach der Been- digung ihres Studiums der Philosophie, Literatur und Psychologie an der Sapienza-Universität in Rom kehrte sie mit Abschluss ihrer Dok- torarbeit nach Bayern zurück. Da Frauen jedoch zum damaligen Zeit- punkt eine Anstellung an einer Universität nicht gestattet war, nahm sie eine fünfjährige Tätigkeit als Privatlehrerin in der USA auf. Ge- meinsam mit ihrem Bruder kam sie 1902 schließlich nach Münster, wo sie eine Zweigstelle des Katholischen Frauenbundes eröffnete. Auch erhielt sie in Münster die Erlaubnis, an der Universität Abend- vorlesungen zu halten. Als Frauenrechtlerin machte sie sich insbe- sondere für die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft und in der katholischen Kirche stark. Von besonderer Bedeutung war für sie bis zu ihrem Lebensende 1955 zudem der Kampf für das Rechte von Mädchen und Frauen auf Ausbildung und Studium. Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019 Marga Spiegel Marga Spiegel, *21.6.1912, die jüdische Überlebende des Holocausts aus dem nordrhein-westfälischen Schwalm-Eder-Kreis entkam mit Hilfe von katholischen Bauern im Münsterland zwischen 1942 und 1945 der nationalsozialistischen Verfolgung. Nachdem ihr Ehemann von befreundeten Bauern von der massenhaften Tötung von Juden im heutigen Polen durch die Nationalsozialisten erfuhr, arrangierte er eine Versteckmöglichkeit für seine Ehefrau und seine Tochter bei Landwirten des Münsterlandes. Dank der mutigen Hilfe der Bauern überlebten sowohl sie als auch ihr Ehemann und ihre Tochter die NS- Zeit. 1965 veröffentlichte Marga Spiegel schließlich ihre Erinnerungen an die NS-Zeit und machte die Mithilfe der Münsterschen Bauern publik. Daraufhin wurden die Bauernfamilien, die die Spiegels ver- steckt hatten, von dem israelischen Botschafter in Deutschland mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Bis zu ihrem Tod 2014 war sie als Zeitzeugin um die Aufrechterhaltung der Erinnerung an die NS-Vergangenheit bemüht und besuchte zahlreiche Schulen und Einrichtungen im Münsterland, um von ihren Erlebnissen zu be- richten. Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019 Seite 3 von 7 17.02.2021 Theanolte Bähnisch Theanolte Bähnisch, *25.4.1899, die Warendorfer Juristin war die erste Regierungspräsidentin Hannovers und erlangte u.a. auf Grund ihrer Tätigkeiten seit Beginn der NS-Zeit als Anwältin in Berlin für poli- tische Verfolgte Bekanntheit. Nach ihrem Jura-Studium in Münster engagierte sie sich nicht nur bereits 1931 mittels kritischer Schriften gegen die nationalsozialistische Bewegung, sondern forderte immer wieder die Frauen ihrer Zeit zu politischen Engagement auf. Nach Kriegsende gründete sie gemeinsam mit weiteren Frauen den Deut- schen Frauenring, dessen Vorsitze sie langjährig innehatte, und war u.a. als Staatssekretärin in der niedersächsischen Landesregierung tätig bis sie 1973 in Hannover verstarb. Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019 Anna Siemsen Anna Siemsen, *18.1.1882, die Hammer Politikerin und Autorin enga- gierte sich im Vorstand der „Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit“ und widmete sich mit großem Elan dem frühen Kampf um die Etablierung und Einhaltung von Menschenrechten in den 1920er Jahren. Nachdem sie in Münster ihre Lehramtsprüfung ab- legte engagierte sie sich in der SPD u.a. von 1923 bis 1931 in der Pa- zifismus-Bewegung der Partei. In der NS-Zeit floh sie in die Schweiz, wo sie maßgeblich an einer regelmäßig erscheinenden frauenpoliti- schen Zeitschrift mitwirkte. Nach Kriegsende macht sich Siemsen bis zu ihrem Tod 1951 weiterhin als Sozialdemokratin speziell für die Bil- dungs- und Jugendarbeit sowie für die europäische Einigung stark. Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019 Lily Braun Lily Braun, *2.7.1865, die Frauenrechtlerin und Autorin setzte sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein und engagierte sich so als eine der führenden Persönlichkeiten der damaligen Frauenbewe- gung von 1887 bis 1890 in Münster für dieses Ziel. Auch verfasste sie mehrfach Artikel für die Zeitschrift „Frauenbewegung“, nachdem sie sich bereits in Jugendjahren kritisch mit sozialer Ungerechtigkeit und der Ungleichstellung der Frau in der deutschen Adelsgesellschaft auseinandergesetzt hatte. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1917 setzte sie sich zudem als Mitbegründerin des „Bundes für Mutterschutz“ für bes- sere Arbeitsbedingungen für Frauen und Mütter ein und gilt als wich- tige Figur der frühen Frauenemanzipationsbewegung des Kaiserrei- ches. Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019 Marianne Kirchgässner Marianne Kirchgässner, *5.6.1769, die blinde Glasharmonikaspielerin und Pianistin war im 18. Jahrhundert mit ihrem musikalischen Können in ganz Europa bekannt. In Münster gastierte sie zwischen 1791 und 1793. Kirchgässner war die erste Instrumentalistin, die mehr als neun Jahre ohne Unterbrechung mit ihrer Musik durch Europa tourte und gilt nicht nur auf Grund ihrer hochmusikalischen Spielart als Pionierin der weiblichen Musikerinnen der damaligen Zeit. Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019 Anna Lucas Anna Lucas, *unbekannt, die Schriftstellerin war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Inhaberin der traditionsreichen Regenberg- schen Buchhandlung, einem Münsteraner Buchhandelsunternehmen, welches u.a. einen Verlag, eine Druckerei und eine Buchhandlung umfasste. In den 1920er Jahren initiierte sie den ersten Jugend– und Frauenbuchladen in Münster. Hiermit förderte sie bis zu ihrem Tod Seite 4 von 7 17.02.2021 nicht nur maßgeblich die Präsenz von Frauen im Bereich von Buch- handel und Verlagswesen, sondern bot literaturinteressierten Frauen in Münster mit ihrem Frauenbuchladen eine wichtige öffentliche An- laufstelle. Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019 Hanne Nüte-Kämmerer Hanne Nüte-Kämmerer, *6.5.1903, die sächsische Textilkünstlerin ist besonders für ihre Stoffentwürfe und den Entwurf des sogenannten „Hähnchenmusters“ auch außerhalb von Deutschland bekannt. Nüte- Kämmerer begann 1929 ihre Lehrtätigkeit an der Werkkunstschule Münster und wurde 1955 zur Professorin der Kunstschule ernannt. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihr künstlerisches Schaffen, u.a. 1973 das Verdienstkreuz 1. Klasse, und auch ihre Kunstwerke sind seit ihrem Ableben 1981 in zahlreichen Museen wie dem Müns- terschen LWL Museum ausgestellt. Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019 Gisela Naunin Dr. Gisela Naunin, *16.9.1904, als Juristin und aktive Vorsitzende so- wie Ehrenpräsidentin des Deutschen Frauenrings setzte sie sich in den 1950er Jahren dafür ein, dass das Letztentscheidungsrecht im Streitfall in einer Familie nicht mehr einzig beim Vater liegt. Auch im Rahmen ihres Jura-Studiums an der Münsterschen Universität enga- gierte sie sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Bundesrepublik. Sie erhielt bereits zu Lebzeiten in ihrer Wahlheimat Münster diverse Auszeichnungen für ihren unermüdlichen Einsatz für die Frauenrechte, wie 1996 die Paulusplakette der Stadt Münster. Bis zu ihrem Tod 2002 lebte sie hier mit ihrem Ehemann und setzte sich für Chancengleichheit von Männern und Frauen ein. Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019 Alexandrine von Taxis Alexandrine von Taxis, *1589, gilt als einzige weibliche Generalpost- meisterin in der Geschichte der Kaiserlichen Reichspost. Sie hat wäh- rend ihrer Amtszeit durch die Einrichtung von Postkursen nach Müns- ter und Osnabrück dafür gesorgt, dass die Dokumente zum Ab- schluss des Westfälischen Friedens 1648 an beide Orte versandt und wenige Jahre später schließlich unterzeichnet werdend konnten. Nachdem ihr Ehemann Leonhard von Taxis verstorben war, über- nahm sie stellvertretend bis zur Volljährigkeit des gemeinsamen Soh- nes das Amt des Generalpostmeisters. Bis zur Ernennung ihres Soh- nes zum neuen Generalpostmeister im Jahr 1646 erweiterte sie konti- nuierlich das Einflussgebiet der Kaiserlichen Reichspost u.a. durch Ausbau der Postroute in die Hafenstadt Calais zugunsten des Post- verkehrs mit England und setzte sich für die Aufrechterhaltung der damaligen Kommunikationswege ein. Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019 Johanna van Hal, Schwester Laudeberta Johanna van Hal, *unbekannt, Ordensschwester und Krankenpflege- rin, war während der NS-Zeit im Zuge ihrer Tätigkeit in der Münster- schen Provinzheilanstalt „Marienthal“ unmittelbar mit den Euthanasie- Verbrechen des Nationalsozialismus konfrontiert. Sie entschied sich, Widerstand zu leisten und die menschenverachtenden Taten zu be- hindern bzw. publik zu machen. So ist es ihr zu verdanken, dass der damalige Bischof von Galen von den Krankentransporten erfuhr und sich öffentlich gegen die Morde aussprach. Im Sommer 1941 ver- sorgte sie ihn regelmäßig mit Informationen über die nationalsozialis- tischen Euthanasie-Verbrechen, was wiederum von Galen zu seiner Seite 5 von 7 17.02.2021 berühmten „Euthanasie“-Predigt vom 3. August 1941 veranlasste. Neben diesem „stillen Protest“ ging Schwester Laudeberta auch aktiv gegen die Maßnahmen der Nationalsozialisten vor und riet so u.a. Verwandten, die ihre Angehörigen in der Heilanstalt besuchten, diese zu ihrem eigenen Schutz aus der Heilanstalt zu entlassen. Als sie am 6. September 1971 verstarb, gerieten ihre Taten in Vergessenheit und sind bis heute kaum bekannt. Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019 Waltraut Seitter Waltraut Seitter (1930-2007) war die erste Lehrstuhlinhaberin für Ast- ronomie in Deutschland. Sie studierte in den USA und wurde nach beruflichen Stationen u.a. in Bonn und Nashville zur Professorin und Direktorin des Astronomischen Instituts der Uni Münster ernannt. Sie war die erste Frau, die in Deutschland einen Lehrstuhl für Astronomie innehatte. In Münster organisierte sie u.a. internationale Tagungen. Ein Asteroid wurde bereits 1986 nach ihr benannt. Quelle: Stadtarchiv Münster, Philipp Erdmann, am 02.07.2019 Mathilde Grönhoff Die Ratsfrauen Mathilde Grönhoff und Katharina Dume könnten die Reihe der bereits durch Straßenbenennungen geehrten Ratsfrauen seit 1919 ergänzen. Sie waren beide politisch und karitativ engagiert. Weiteres bei Roswitha Link, „Mit ihrem sozial warm empfindenden Herzen“. Die ersten Frauen in Münsters Stadtverordnetenkollegium 1919-1924, in: Arbeitskreis Frauengeschichte (Hg.) Frauenleben in Münster: ein historisches Lesebuch, Münster 1991, S. 34-67 Quelle: Stadtarchiv Münster, Philipp Erdmann, am 02.07.2019 Katharina Dume Die Ratsfrauen Mathilde Grönhoff und Katharina Dume könnten die Reihe der bereits durch Straßenbenennungen geehrten Ratsfrauen seit 1919 ergänzen. Sie waren beide politisch und karitativ engagiert. Weiteres bei Roswitha Link, „Mit ihrem sozial warm empfindenden Herzen“. Die ersten Frauen in Münsters Stadtverordnetenkollegium 1919-1924, in: Arbeitskreis Frauengeschichte (Hg.) Frauenleben in Münster: ein historisches Lesebuch, Münster 1991, S. 34-67 Quelle: Stadtarchiv Münster, Philipp Erdmann, am 02.07.2019 Maria Alberti Maria Alberti (1767-1811) war Malerin der Romantik und pflegte als erste Oberin der Barmherzigen Schwestern in Münster z.B. während einer Typhusepidemie in Münster kranke Menschen (Weiteres bei Marion Böker, Malerinnen in Münster – ein Bild gewinnen, in: Arbeits- kreis Frauengeschichte (Hg.) Frauenleben in Münster: ein histori- sches Lesebuch, Münster 1991, S. 300-325, hier S. 306f Quelle: Stadtarchiv Münster, Philipp Erdmann, am 02.07.2019 Nerina Erman Nerina Erman (1874-1951) hatte italienische Wurzeln und zog 1902 nach Münster. Sie kämpfte für das Recht der Frauen, studieren zu dürfen, und wurde 1912 Vorsitzende der Ortsgruppe des Frauen- stimmrechtsverbands Nordwestdeutschland in Münster. Weiteres in: Frauenbilder. Geschichte(n) aus Münster, Münster 2007, S. 41 Quelle: Stadtarchiv Münster, Philipp Erdmann, am 02.07.2019 Seite 6 von 7 17.02.2021 Mechthild Demel Mechthild Demel (1924-2006) engagierte sich seit den 1960er Jahren für die Friedensbewegung, führte seit 1983 jeden Freitag eine Mahn- wache für Frieden vor der Lambertikirche durch und war unter ande- rem jahrelang beim Friedensforum Münster, in der Flüchtlingshilfe und bei der Bahnhofsmission aktiv. Sie erhielt 2000 die Münster-Na- del. Quelle: Stadtarchiv Münster, Philipp Erdmann, am 02.07.2019 Hedwig Kohn Hedwig Kohn (1887-1964) war eine deutsche Physikerin. Sie gehörte neben Lise Meitner und Hertha Sponer zu den einzigen drei Frauen, die vor dem Zweiten Weltkrieg eine Habilitation in Physik erreichten. Weil Immatrikulationen von Frauen nicht zugelassen waren, begann sie 1906 als Gasthörerin an der Universität Breslau zu studieren. Sie promovierte 1913 und arbeitete danach als Assistentin am Physikali- schen Institut. Nach ihrer Habilitation wurde sie Privatdozentin an der Universität. Wegen ihrer jüdischen Abstammung wurde ihr 1933 die Lehrerlaubnis entzogen. Sie emigrierte in die Schweiz, konnte nach USA auswandern und forschte und lehrte an amerikanischen Univer- sitäten, ab 1952 auch an der Durham University of North Carolina, wo zu der Zeit auch Hertha Sponer arbeitete. Quelle im Internet: https://physik.cosmos-indirekt.de/Physik- Schule/Hedwig_Kohn Hertha Sponer Hertha Sponer (1895-1968) war eine deutsche Physikerin. Nach dem Studium in Tübingen und Göttingen promovierte sie 1920 bei Peter Debye (Über ultrarote Absorption zweiatomiger Gase). Von 1921 bis 1925 war sie Assistentin, 1925/26 ermöglichte ein Rockefeller-Stipen- dium ihr einen einjährigen Forschungsaufenthalt in Berkeley, Kalifor- nien. Bis 1932 war Sponer Privatdozentin und danach bis 1934 au- ßerordentliche Professorin in Göttingen. Sie war Mitarbeiterin des No- belpreisträgers James Franck und arbeitete u.a. mit Edward Teller zusammen. Die Arbeitsgruppe um Franck, der jüdischer Abstammung war, wurde aufgelöst, nachdem dieser gegen die Rassenpolitik pro- testiert hatte und am 17. April 1933 zurücktrat. Durch den Einfluss von Robert Wichard Pohl hatte Sponer in Göttingen keine Chance mehr, da dieser keine Frauen in akademischer Stellung duldete. Nachdem die Universität ihre Stelle zum 1. Oktober 1934 kündigte, gelang ihr die Emigration nach Oslo. Dort half ihr der ebenfalls emi- grierte Mineraloge Viktor Moritz Goldschmidt. Von 1936 bis 1966 war sie Professorin an der Duke University, Durham, North Carolina. 1946 heiratete Sponer James Franck. 1966 kehrte Sponer nach Deutschland zurück. Hertha Sponer starb am 17. Februar 1968 in den Wahrendorffschen Krankenanstalten, Ilten/Hannover. Nach ihr ist auch der Hertha-Sponer-Preis benannt, der alljährlich an junge, wis- senschaftlich erfolgreiche Physikerinnen vergeben wird. Quelle im Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Hertha_Sponer Henriette Son Henriette Son (1909-1992) war eine Studentin der Zahnmedizin an der Universität Münster. Sie konnte ihr Studium wegen ihrer jüdi- schen Abstammung nicht abschließen, floh vor dem Nationalsozialis- mus in die Niederlande und lebte dort untergetaucht in der Illegalität. Nach Kriegsende kämpfte sie, die jahrelang in schwierigsten wirt- schaftlichen Verhältnissen leben musste, über viele Jahre um eine zumindest finanzielle Wiedergutmachung für das erlittene Leid. Hen- riette Son ist 1992 in Amsterdam verstorben. Seite 7 von 7 17.02.2021 Quelle und weitere Angaben in: Bernd Hammerschmidt, Angelika Pries und Marietta Hanekamp, flurgespräche, eine Gemeinschaftsak- tion der WWU Münster und der Fachhochschule Münster, Gedenk- blatt für Henriette Son, http://www.flurgespraeche.de/wp-content/uploads/2017/04/Gedenk- blatt_Son-Henriette.pdf Hedwig Montag Hedwig Montag, *9.3.1889, die erste Frau, die an der Universität Münster die Höhere Lehramtsprüfung ablegte. Nach bestandenem Lehrerinnenexamen gelangte sie über den in Preußen möglichen "vierten Weg" an die Universität. Sie wurde am 9.3.1889 in Hildes- heim geboren, war katholisch und ledig. Vom Sommersemester 1910 bis zum Sommersemester 1913 studierte sie Alte und Neue Philolo- gie und Geschichte in Münster. Im Februar 1914 legte sie hier ihre höhere Lehramtsprüfung ab. Nach ihrem Studium arbeitete Hedwig Montag als Studienrätin in Siegburg, wo sie vom 22.04.1915 bis zum 08.04.1916 gemeldet war. Danach verzog sie nach Gelsenkirchen. Vorschlag einer Bürgerin, Näheres im Internet: https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/ Rahel Hirsch Rahel Hirsch, *15.9.1870 in Frankfurt, †6.10.1953 in London war eine deutsche Ärztin. Sie war 1913 die erste Frau, die in Preußen zur Pro- fessorin der Medizin ernannt wurde. Bis 1938 forschte und lehte sie an der Berliner Charité tätig und musste wegen ihrer jüdischen Ab- stammung 1938 emigrieren. Sie lebte bis 1953 in England. Nähere Information im Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Rahel_Hirsch Hildegard Graf Hildegard Graf *04.11.1929 †01.01.2000, Dipl.rer.pol., Ratsmitglied von 1961 bis 1999, Bürgermeisterin 1994-99 Vorschlag vom CDU-Kreisverband, 2015 Emilie Koch Gründerin der „Evangelischen höheren Töchterschule“ in der Son- nenstraße, Lehrerin an einer evangelischen Schule an der Georgs- kommende. Vorschlag der AMF - Arbeitsgemeinschaft Münsterischer Frauenorga- nisationen, 2006 und Antrag der CDU-Fraktion in der BV West Nr. A- W/0004/2019 Charlotte Schmitt Charlotte Schmitt, *05.09.1909 in Münster, † 26.08.1997 in Berlin, Richterin am Bundesverwaltungsgericht in Berlin, ab 1958 Senatsprä- sidentin Vorschlag von zwei Bürgerinnen, 2001 Anne Frank Anne Frank *12.6.1929 †März 1945 im KZ Bergen-Belsen, Anne Frank gilt als Symbolfigur gegen die Unmenschlichkeit des Völker- mordes in der Zeit des Nationalsozialismus. Vorschlag eines Bürgers, 2018
Anlage_1-Ratsantrag
17251 Zeichen
Antrag an den Rat Nr.: A-R/0019/2019
SPD -Fraktion
im Rat der Stadt Münster
Bahnhofstraße 9
48143 Münster
Tel. (0251) 45 314
Fax (0251) 511 750
www.spd-muenster.de
Öffentliches Andenken an
Frauenpersönlichkeiten im Münsteraner
Stadtbild im Frauenjahr 2019 fördern
Antrag an den Rat der Stadt Münster zur Verweisung an den
Ausschuss für Gleichstellung
Kulturausschuss
Der Rat der Stadt Münster möge beschließen:
I. Die Stadt Münster bewahrt ein ehrendes Andenken an bedeutende
Frauenpersönlichkeiten.
II. Das Stadtmuseum wird gebeten, in geeigneter Weise das Leben und Wirken der
in der Anlage genannten Frauen zu erforschen und zu dokumentieren.
III. In der Stadt Münster werden geeignete Straßen nach den Frauen benannt, um
eine Parität bei nach Personen benannten Straßen in unserer Stadt herzustellen.
Begründung:
Das Jahr 2019 steht ganz im Zeichen der Gleichberec htigung: Seit 100 Jahren dürfen
Frauen in Deutschland wählen und gewählt werden. Da s war die Grundlage für die
Gleichberechtigung von Frauen und Männern. So fand am 19. Januar 1919 nicht nur die
erste Wahl für und mit Frauen statt, sondern hielt ebenso mit Marie Juchacz die erste
Frau eine Rede im deutschen Parlament. Die SPD-Rats fraktion möchte das Frauenjahr
2019 als Anlass nehmen, um an die bisherigen Verdie nste und das oftmals
unermüdliche Engagement vieler Frauen für die eigen en Rechte zu erinnern. Denn auch
wenn es angesichts von Lohnungleichheit und nicht u mgesetzter Parität in politischen
Ämtern noch ein langer Weg bis zur vollständigen Gl eichberechtigung von Frauen und
Männern ist: Umso wichtiger ist es, dieses Jubiläum in Münster zu feiern und in diesem
Jahr an die Errungenschaft zu erinnern.
Hier kommt der Benennung von Straßen eine entscheid ende Bedeutung zu.
Straßennamen weisen für alle Bürgerinnen und Bürger sichtbar auf wichtige Akteure in
der Geschichte der eigenen Stadt sowie über die Sta dtgrenzen hinaus hin und regen zu
Gesprächen und Nachforschungen über die Namensgeber innen und Namensgeber der
26.03.2019
2
Straßen an. Ebenso würdigen sie verschiedenste Pers önlichkeiten aktiv und nachhaltig
im Stadtbild und prägen das öffentliche Bewusstsein und Selbstverständnis einer Stadt.
Aktuell sind rund 90 Prozent der nach Personen bena nnten Straßen in Münster nach
männlichen Persönlichkeiten benannt. Um auch hier d em Ziel der Gleichberechtigung
Rechnung zu tragen ist es nötig, gezielt durch Stra ßenbenennungen nach weiblichen
Persönlichkeiten ein öffentliches Erinnern an das W irken und Handeln von Frauen in
unserer Stadt zu stärken.
Als die erste Frau vor 100 Jahren vor der Nationalv ersammlung sprach, war das ein
wichtiger Schritt für Frauen zur gleichberechtigten Teilhabe in der deutschen Politik.
Auch in Münster lassen sich die Spuren bedeutender Frauenpersönlichkeiten finden. So
setzte sich die Juristin und Ehrenpräsidentin des Deutschen Frauenrings Gisela Naunin in
ihrer Münsterschen Wahlheimat seit den 1950er-Jahre n umfassend für die
Chancengleichheit von Männern und Frauen ein. Diese s Engagement soll sich auch im
Stadtbild wiederfinden und die Menschen in unserer Stadt an den bemerkenswerten
Einsatz für die Gleichberechtigung von Mann und Frau erinnern.
Die Benennung einer Straße oder eines Platzes nach den genannten
Frauenpersönlichkeiten könnte nicht nur das persönl iche mutige Engagement der
einzelnen Frauen ehren. Münster kann damit gleichze itig ein Zeichen für die
Gleichstellung setzen, um auch im öffentlichen Stad tbild die Gleichberechtigung von
Frauen und Männern, die im Leben vieler Münsteraner innen und Münsteraner häufig
bereits gesellschaftliche Realität ist, herzustellen und abzubilden.
Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Fraktion im Rat der Stadt Münster
Dr. Michael Jung Stephan Brinktrine Doris Feld mann
Philipp Hagemann Marius Herwig Dr. Cornelia Jäg er
Mathias Kersting Michael Kleyboldt Marianne Koc h
Katharina Köhnke Thomas Kollmann Gaby Kubig-Ste ltig
Hedwig Liekefedt Anne Schulze Wintzler Petra Sey fferth
Ludger Steinmann Beate Vilhjalmsson Mustafa Sch at
Maria Winkel
3
Anhang
4
Folgende Frauenpersönlichkeiten sollen für eine Straßenbenennung in Betracht
gezogen werden:
• Friederike Nadig
Friederike Nadig, *11.12.1987, die Herforder Sozialdemokratin war eine von vier
Frauen, die 1948 als Mitglied des Parlamentarischen Rates an der Ausarbeitung
des Grundgesetztes mitwirkte. Nachdem sie zuvor im Zuge der Erlässe der NS-
Regierung aus dem Beamtendienst entlassen wurde, arbeitete sie als
Gesundheitspflegerin bis sie 1946 Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt wurde.
Nach Kriegsende war sie in der neuen Bundesrepublik u.a. als Mitglied des
nordrhein-westfälischen Landtags sowie als Bundestagsabgeordnete politisch
aktiv. Hier machte sie sich bis zu ihrem Tod 1970 für Gleichberechtigung der
Geschlechter und Lohngleichheit stark.
• Maria Goeppert-Mayer
Maria Goeppert-Mayer, *28.06.1906, erhielt im Alter von 57 Jahren für ihre
Forschung zur Schalenstruktur des Atomkerns als erste deutsche Physikerin den
Physik-Nobelpreis. Die Deutsch-US-Amerikanische Naturwissenschaftlerin
wanderte nach dem Studium der Mathematik und Physik in Göttingen mit ihrem
US-amerikanischen Ehemann nach Baltimore aus und schrieb dort u.a. mit ihm
das viel beachtete Standardwerk „Statistische Mechanik“. Nicht zuletzt im Zuge
ihrer Professur am Chicagoer Atomforschungszentrum in den 1950er-Jahren gilt
sie als eine der wichtigsten Forscherinnen auf dem Gebiet der Kernphysik sowie
als eine der ersten deutschen weiblichen Wissenschaftlerinnen in der
physikalischen Forschung insgesamt.
• Nelly Sachs
Nelly Sachs, *10.12.1891, die jüdische Dichterin aus Berlin war 1966 nicht nur die
erste deutsche Literaturnobelpreisträgerin, sondern ebenso die erste Autorin, die
ein Jahr zuvor den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt. Nachdem
sie zu Beginn der NS-Diktatur selbst um ihr Leben fürchten musste, konnte sie
1940 kurz vor dem ihr angekündigten Transport ins Konzentrationslager nach
Schweden fliehen. In ihren Werken spiegelt sich diese Erfahrung wider und so
thematisiert sie hierin bis zu ihrem Tod 1970 oftmals den Holocaust und das
Schicksal Israels.
Emmy Noether
• Emmy Noether, *23.03.1882, die jüdische Mathematikerin aus Erlangen gilt als
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„Mutter der modernen Algebra“. Sie ist eine der ersten und erfolgreichsten
Frauen innerhalb der naturwissenschaftlichen Disziplinen des 20. Jahrhunderts: So
war sie u.a. die zweite Deutsche, die an einer deutschen Universität in
Mathematik promovierte. Ebenso absolvierte sie als erste Frau in Deutschland im
Fachbereich Mathematik erfolgreich ihre Habilitation. Zudem setzte sie sich als
Sozialdemokratin in den 1920er- Jahren für friedenspolitische Projekte ein bevor
sie 1933 angesichts der NS-Herrschaft in die USA emigrierte, wo sie 1935 an einer
Krankheit verstarb. Nach ihrem Tod wurde u.a. ein Förderprogramm für
Nachwuchswissenschaftlerinnen nach ihr benannt, um nachhaltig weibliche
Forschung in diesem Fachbereich an deutschen Universitäten zu fördern.
• Anna Haag
Anna Haag, *10.07.1888, als Politikerin, Pazifistin und Autorin hat sie sich
insbesondere für die Rechte der Frauen in der Weimarer Republik und der jungen
westdeutschen Bundesrepublik eingesetzt. Ihr Satz „Niemand darf zum
Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden“ aus dem von ihr eingebrachten
Gesetz Nr. 1007 des Landes Württemberg-Baden wurde 1948 im
bundesdeutschen Grundgesetz in Art. 4 Abs. 3 GG aufgegriffen und gilt als
richtungsweisende Errungenschaft für die Pazifismus-Bewegung in Deutschland.
Nachdem sie nach dem Ersten Weltkrieg der „Internationalen Frauenliga für
Frieden und Freiheit“ beitrat und in der NS-Zeit einem Publikationsverbot
unterlag, gründete sie nach Kriegsende das Printmedium „Die Weltbürgerin“, um
Frauen ihre politische Mitverantwortung aufzuzeigen. Bis zu ihrem Tod 1982
setzte sie sich außerdem, u.a. im Zuge der Gründung des Hausfrauenverbandes,
für die gesellschaftliche Anerkennung der Hausfrauenarbeit als gleichwertige
Tätigkeit ein.
• Barbara Renz
Barbara Renz, *12.12.1863, die katholische Frauenrechtlerin gilt als frühe Aktivistin
für Frauenbildung und Gleichstellung. Nach der Beendigung ihres Studiums der
Philosophie, Literatur und Psychologie an der Sapienza-Universität in Rom kehrte
sie mit Abschluss ihrer Doktorarbeit nach Bayern zurück. Da Frauen jedoch zum
damaligen Zeitpunkt eine Anstellung an einer Universität nicht gestattet war,
nahm sie eine fünfjährige Tätigkeit als Privatlehrerin in den USA auf. Gemeinsam
mit ihrem Bruder kam sie 1902 schließlich nach Münster, wo sie eine Zweigstelle
des Katholischen Frauenbundes eröffnete. Auch erhielt sie in Münster die
Erlaubnis, an der Universität Abendvorlesungen zu halten. Als Frauenrechtlerin
machte sie sich insbesondere für die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft
und in der katholischen Kirche stark. Von besonderer Bedeutung war für sie bis
6
zu ihrem Lebensende 1955 zudem der Kampf für das Recht von Mädchen und
Frauen auf Ausbildung und Studium.
• Marga Spiegel
Marga Spiegel, * 21.06.1912, die jüdische Überlebende des Holocausts aus dem
nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis entkam mit Hilfe von katholischen Bauern im
Münsterland zwischen 1942 und 1945 der nationalsozialistischen Verfolgung.
Nachdem ihr Ehemann von befreundeten Bauern von der massenhaften Tötung
von Juden im heutigen Polen durch die Nationalsozialisten erfuhr, arrangierte er
eine Versteckmöglichkeit für seine Ehefrau und Tochter bei Landwirten des
Münsterlandes. Dank der mutigen Hilfe der Bauern überlebten sowohl sie als
auch ihr Ehemann und ihre Tochter die NS-Zeit. 1965 veröffentlichte Marga
Spiegel schließlich ihre Erinnerungen an die NS-Zeit und machte die Mithilfe der
Münsterschen Bauern so publik. Daraufhin wurden die Bauernfamilien, die die
Spiegels versteckt hatten, von dem israelischen Botschafter in Deutschland mit
dem Titel „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Bis zum ihrem Tod 2014 war sie
als Zeitzeugin um die Aufrechterhaltung der Erinnerung an die NS-Vergangenheit
bemüht und besuchte zahlreiche Schulen und Einrichtungen im Münsterland, um
von ihren Erlebnissen zu berichten.
• Theanolte Bähnisch
Theanolte Bähnisch, *25.04.1899, die Warenburger Juristin war die erste
Regierungspräsidentin Hannovers und erlangte u.a. auf Grund ihrer Tätigkeit seit
Beginn der NS-Zeit als Anwältin in Berlin für politisch Verfolgte Bekanntheit. Nach
ihrem Jura-Studium in Münster engagierte sie sich nicht nur bereits 1931 mittels
kritischer Schriften gegen die nationalsozialistische Bewegung, sondern forderte
immer wieder die Frauen ihrer Zeit zu politischem Engagement auf. Nach
Kriegsende gründete sie gemeinsam mit weiteren Frauen den Deutschen
Frauenring, dessen Vorsitze sie langjährig innehatte, und war u.a. als
Staatssekretärin in der niedersächsischen Landesregierung tätig bis sie 1973 in
Hannover verstarb.
• Anna Siemsen
Anna Siemsen, *18.01.1882, die Hammer Politikerin und Autorin engagierte sich
im Vorstand der „Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit“ und
widmete sich mit großem Elan dem frühen Kampf um die Etablierung und
Einhaltung von Menschenrechten in den 1920er-Jahren. Nachdem sie in Münster
7
ihre Lehramtsprüfung ablegte engagierte sie sich in der SPD u.a. von 1923 bis
1931 in der Pazifismus-Bewegung der Partei. In der NS-Zeit floh sie in die
Schweiz, wo sie maßgeblich an einer regelmäßig erscheinenden frauenpolitischen
Zeitschrift mitwirkte. Nach Kriegsende machte sich Siemsen bis zu ihrem Tod
1951 weiterhin als Sozialdemokratin speziell für die Bildungs- und Jugendarbeit
sowie für die europäische Einigung stark.
• Lily Braun
Lily Braun, *02.07.1865, die Frauenrechtlerin und Autorin setzte sich für die
Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein und engagierte sich so als eine der
führenden Persönlichkeiten der damaligen Frauenbewegung von 1887 bis 1890
in Münster für dieses Ziel. Auch verfasste sie mehrfach Artikel für die Zeitschrift
„Frauenbewegung“, nachdem sie sich bereits in Jugendjahren kritisch mit sozialer
Ungerechtigkeit und der Ungleichstellung der Frau in der deutschen
Adelsgesellschaft auseinandergesetzt hatte. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1917 setzte
sich zudem als Mitbegründerin des „Bundes für Mutterschutz“ für bessere
Arbeitsbedingungen für Frauen und Mütter ein und gilt als wichtige Figur der
frühen Frauenemanzipationsbewegung des Kaiserreichs.
• Marianne Kirchgässner
Marianne Kirchgässner, *05.06.1769, die blinde Glasharmonikaspielerin und
Pianistin war im 18. Jahrhundert mit ihrem musikalischen Können in ganz Europa
bekannt. In Münster gastierte sie zwischen 1791 und 1793. Kirchgässner war die
erste Instrumentalistin, die mehr als neun Jahre ohne Unterbrechung mit ihrer
Musik durch Europa tourte und gilt nicht nur auf Grund ihrer hochmusikalischen
Spielart als Pionierin der weiblichen Musikerinnen der damaligen Zeit.
• Anna Lucas
Anna Lucas, *unbekannt, die Schriftstellerin war in der ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts Inhaberin der traditionsreichen Regensbergschen Buchhandlung,
einem Münsteraner Buchhandelsunternehmen, welches u. a. einen Verlag, eine
Druckerei und eine Buchhandlung umfasste. In den 1920er- Jahren initiierte sie
den ersten Jugend- und Frauenbuchladen in Münster. Hiermit förderte sie bis zu
ihrem Tod nicht nur maßgeblich die Präsenz von Frauen im Bereich von
Buchhandel und Verlagswesen, sondern bot literaturinteressierten Frauen in
Münster mit ihrem Frauenbuchladen eine wichtige öffentliche Anlaufstelle.
• Hanne Nüte-Kämmerer
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Hanne Nüte-Kämmerer, *06.05.1903, die sächsische Textilkünstlerin ist besonders
für ihre Stoffentwürfe und den Entwurf des sogenannten „Hähnchenmusters“
auch außerhalb von Deutschland bekannt. Nüte-Kämmerer begann 1929 ihre
Lehrtätigkeit an der Werkkunstschule Münster und wurde 1955 zur Professorin
der Kunstschule ernannt. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihr
künstlerisches Schaffen, u.a. 1973 das Verdienstkreuz 1. Klasse, und auch ihre
Kunstwerke sind seit ihrem Ableben 1981 in zahlreichen Museen wie dem
Münsterschen LWL Museum ausgestellt.
• Dr. Gisela Naunin
Dr. Gisela Naunin, *16.09.1904, als Juristin und ak tive Vorsitzende sowie
Ehrenpräsidentin des Deutschen Frauenrings setzte s ie sich in den 1950er-Jahren
dafür ein, dass das Letztentscheidungsrecht im Stre itfall in einer Familie nicht
mehr einzig beim Vater liegt. Auch im Rahmen ihres Jura-Studiums an der
Münsterschen Universität engagierte sie sich für di e Gleichberechtigung von
Mann und Frau in der Bundesrepublik. Sie erhielt be reits zu Lebzeiten in ihrer
Wahlheimat Münster diverse Auszeichnungen für ihren unermüdlichen Einsatz für
die Frauenrechte, wie 1996 die Paulusplakette der S tadt Münster. Bis zu ihrem
Tod 2002 lebte sie hier mit ihrem Ehemann und setzt e sich für Chancengleichheit
von Männern und Frauen ein.
• Alexandrine von Taxis
Alexandrine von Taxis, *1589, gilt als die einzige weibliche Generalpostmeisterin
in der Geschichte der Kaiserlichen Reichspost. Sie hat während ihrer Amtszeit
durch die Einrichtung von Postkursen nach Münster und Osnabrück dafür
gesorgt, dass die Dokumente zum Beschluss des Westfälischen Friedens 1648 an
beide Orte versandt und wenige Jahre später schließlich unterzeichnet werden
konnten. Nachdem ihr Ehemann Leonhard von Taxis 1628 verstarb, übernahm sie
in Stellvertretung bis zur Volljährigkeit des gemeinsamen Sohnes das Amt des
Generalpostmeisters. Bis zur Ernennung ihres Sohnes zum neuen
Generalpostmeister im Jahr 1646 erweiterte sie kontinuierlich das Einflussgebiet
der Kaiserlichen Reichspost u.a. durch Ausbau der Postroute in die Hafenstadt
Calais zugunsten des Postverkehrs mit England und setzte sich für die
Aufrechterhaltung der damaligen Kommunikationswege ein.
• Johanna van Hal, Schwester Laudeberta
Johanna van Hal, *unbekannt, Ordensschwester und Krankenpflegerin, war
während der NS-Zeit im Zuge ihrer Tätigkeit in der Münsterschen
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Provinzheilanstalt „Marienthal“ unmittelbar mit den Euthanasie-Verbrechen des
Nationalsozialismus konfrontiert. Sie entschied sich, Widerstand zu leisten und
die menschenverachtenden Taten zu behindern bzw. publik zu machen. So ist es
ihr zu verdanken, dass der damalige Bischof von Galen von den
Krankentransporten erfuhr und sich öffentlich gegen die Morde aussprach: Im
Sommer 1941 versorgte sie ihn regelmäßig mit Informationen über die
nationalsozialistischen Euthanasie-Verbrechen, was wiederum van Galen zu seiner
berühmten "Euthanasie"-Predigt vom 3. August 1941 veranlasste. Neben diesem
„stillen Protest“ ging Schwester Laudeberta auch aktiv gegen die Maßnahmen der
Nationalsozialisten vor und riet so u. a. Verwandten, die ihre Angehörigen in der
Heilanstalt besuchten, diese zu ihrem eigenen Schutz aus der Heilanstalt zu
entlassen. Als sie am 6. September 1971 in Münster verstarb, gerieten ihre Taten
in Vergessenheit und sind bis heute kaum bekannt.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig geändert beschlossen
Zur SitzungOrte (5)
- Sonnenstraße
- Bahnhofstraße 9
- Markweg
- An den Speichern 8
- Georgskommende
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Details
- Aktenzeichen
- V/0281/2021
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 31.03.2021
- Erstellt
- 30.03.2021 16:14