V/0179/2009
Untersuchungen Hiltruper See
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Berichtsvorlage
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V/0179/2009 DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Grünflächen und Umweltschutz Betrifft Untersuchungen Hiltruper See Beratungsfolge 19.03.2009 Bezirksvertretung Münster-Hiltrup Bericht 05.05.2009 Ausschuss für Umweltschutz und Bauwesen Bericht Bericht: I. Ausgangssituation Der Hiltruper See, nach seinem ersten Pächter zwischenzeitlich auch Steiner See genannt, ist ein künstlich angelegtes Gewässer in Münster-Hiltrup. Der See ist zentraler Bestandteil des Wasserschutzgebietes „Hohe Ward“; im Süden und Osten schließt sich das gleichnamige Land- schaftsschutzgebiet an; nördlich des Sees verläuft der Dortmund-Ems-Kanal. Das Erholungsge- biet Hiltruper See befindet sich direkt über dem Münsterländer Kiessandzug. Der Abgrabungssee entstand 1914 im Zuge des Sandabbaus für die Anlage von Eisenbahnlinien. Ab 1920 wurde er erstmals für eine Forellenzucht verpachtet. Wegen seiner Bedeutung für die Trinkwassergewin- nung der Stadtwerke Münster wurde 1967 der Sandabbau eingestellt und das Baden im See ver- boten. Der See bedeckt eine Fläche von fast 16 ha bei einer maximalen Wassertiefe von 4,50 m. Seit 1968 hat dort der Hiltruper Segel-Club e.V. sein Segelrevier. In unmittelbarer Nähe befinden sich das städtische Freibad Hiltrup, die Anlagen des 1. Tennisclub Hiltrup sowie das Hotel Kraut- krämer. Der Hiltruper See ist wegen seiner Lage im Wasserschutzgebiet ein besonders sensibles Ge- wässer. Deshalb wird er im Auftrag der Unteren Wasserbehörde seit 1992 regelmäßig unter- sucht. Im Vordergrund steht dabei die Entwickl ung der Makrophyten (Wasserpflanzen). Bis 2003 war das Tausendblatt (Myriophyllum) die dominierende Art, während das Hornblatt (Ceratophyl- lum) nur untergeordnet vorkam. Danach änderte sich das Bild: Sukzessiv breitete sich das Horn- blatt weiter aus und im Spätsommer konnte das Tausendblatt nur noch vereinzelt nachgewiesen werden; Laichkräuter kamen gar nicht mehr vor. Allerdings schien es sich dabei auch nur um ein Übergangsstadium zu handeln, da schon im Herbst 2007 die dichten, filzigen Bestände des Hornblatts vor allem im Südbecken durch bis dahin nur untergeordnet vorkommende Wasser- pest-Arten (Elodea) überdeckt wurden. Die Untersuchungen in 2008 bestätigen diese Entwick- lung. Mittlerweile be- bzw. verhindert die Wasserpest, die sich in der Vegetationsperiode vom Seegrund bis zur Wasseroberfläche verdichtet, die sportliche Nutzung der Wasserflächen wie in vielen anderen Seen Deutschlands. Vorlagen-Nr.: V/0179/2009 Auskunft erteilt: Herr Hirschmann Ruf: 492 67 93 E-Mail: Hirschmann@stadt-muenster.de Datum: 09.03.2009 Öffentliche Berichtsvorlage 2 V/0179/2009 II. Ökologische Probleme Seit dem Sommer 2007 sind negative ökologisc he Entwicklungen im Hiltruper See zu beobach- ten, mit denen in dieser Form nicht zu rechnen war. Im Juli kam es erstmalig zu einer Massen- entwicklung von Cyanobakterien (auch Blaualgen genannt). Diese Bakterien werden optisch durch Färbung des Wassers und Aufrahmungen am Ufer sichtbar und können unterschiedliche Toxine (vor allem Leber- und Nervengifte) bilden, die im Wasser freigesetzt werden. Noch 2006 waren die Blaualgenpopulationen nur geringfügig angewachsen. Nachdem die Stadtwerke Müns- ter durch die Umweltbehörde von diesen Ergebnissen in Kenntnis gesetzt wurden, beauftragten sie noch im Juli das Hygieneinstitut der Uni Münster mit der Analyse der Algentoxine. Die Was- serproben wurden aus Peilrohren entnommen, die mit dem Hiltruper See über eine lange Unter- grundpassage in Verbindung stehen. Die Ergebnisse lagen unterhalb der Nachweisgrenze für das Blaualgengift Microcystin. Für die Trinkwassergewinnung bestand daher zu keiner Zeit eine Gefährdung der Wasserqualität durch Algentoxine. Das Gutachten empfiehlt allerdings ein re- gelmäßiges Monitoring des Seewassers. Im Juli 2007 wurde dann das weitere Vorgehen in einer großen Runde abgestimmt. Die Teilneh- mer kamen aus verschiedenen Dienststellen: Be zirksregierung Münster, Stadtwerke Münster GmbH, Stadt Münster beteiligt mit Amt für Grünflächen und Umweltschutz (Untere Wasserbehör- de) und Gesundheitsamt, Institut für Hygiene der Uni Münster, Technologie Zentrum Wasser TZW (Dresden) und Ingenieurgesellschaft Tuttahs & Meyer (Bochum). Seitdem wird im Auftrag der Stadtwerke Münster GmbH als Wasserwerksbetreiber vom TZW das Grundwasser im Zustrom der Brunnengalerie (G rundwassermessstellen 7E und 7D, Entnahme- brunnen XXV, Rohmischwasser West, TW) im 14-tägigen Rhythmus weiter beprobt, um zu ver- hindern, dass über die Bodenpassage Algentoxine in die Wassergewinnung gelangen können. Das See-Monitoring liegt gemäß § 116 Abs. 1 Nr. 1 Landeswassergesetz (LWG) im Rahmen der Gewässeraufsicht in der Zuständigkeit der Unteren Wasserbehörde. In deren Auftrag wurde der See von September 2007 bis November 2008 an drei Probestellen insgesamt 18 mal intensiv untersucht. Zusätzlich wurden noch Sedimentbeprobungen durchgeführt. Der lange Beobach- tungszeitraum wurde deshalb gewählt, um di e im Hiltruper See begonnene Dynamik von einem makrophytendominierten Flachsee zu einer zunehmenden Blaualgendominanz mit den einherge- henden negativen Folgen besser beurteilen zu können. Erste Untersuchungsergebnisse wurden bereits in der BV Hiltrup und beim Segelclub Hiltrup im September 2008 vorgestellt. III. Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse Die drei Seeteile Nordwest, Nordost und Süd weisen Unterschiede in Zusammensetzung und Deckungsgrad ihrer Unterwasservegetation auf. Myriophyllum spicatum (Tausendblatt) ist fast gar nicht mehr zu finden, Ceratophyllum demersum (Hornkraut) bildet nur in Teilen des Nordost- teils große Bestände aus und ist im Nordwestteil und Südteil nur mit weniger als 10% vertreten. Dort dominiert inzwischen Elodea (Wasserpest) in den zwei Arten E. nutalli und E. canadensis in filzigen Beständen. Ob auch die Wasserpest Hemmstoffe gegen das Algenwachstum abgibt, ist noch nicht endgültig belegt. In der sommerlichen Phase der Biomasseproduktion werden große Nährstoffmengen in der Un- terwasservegetation gebunden, die den Planktonorganismen somit nicht zur Verfügung steht. Deren Freisetzung geschieht in einer Periode, in der bei niedrigeren Temperaturen nur begrenzt mit Algenblüten zu rechnen ist. 3 V/0179/2009 In der letzten Juli-Woche kam es zu einer Massenentwicklung von verschiedenen Blaualgenar- ten. Mitte August hatte sich die Blaualgenentwicklung zu einem Maximum der Gattung Anabaena verschoben. Die Arten bilden das hoch toxische Nervengift Anatoxin. Damit einhergehend sind sehr hohe pH-Werte (bis 9,6) und geringe Sichttiefen (teilweise unter 0,5 m) kennzeichnend. En- de August verbesserte sich die Situation wieder. Größere Sichttiefen, niedrigere pH-Werte und eine Sauerstoffsättigung unter 100 % bedeuteten, dass ein Abbau von Biomasse überwog. Die Blaualgen-Population war deutlich zurückgegangen. Ab Anfang September dominierten zwar immer noch Blaualgen-Arten das Plankton, allerdings ist es zu keiner weiteren Massenentwick- lung gekommen. Die Nährstoffgehalte des Freiwassers entsprechen dem Trend vergangener Messungen. Im See ist ein großes Angebot an verfügbarem Phosphor vorhanden, der für die Cyanobakterien der wichtigste Nährstoff ist. Eine Limitierung des Stickstoffes im Wasser hat darauf keinen Einfluss, da die Blaualgen diesen auch aus der Luft fixieren können. Eine Faulschlammbildung im See ist weiterhin vernachlässigbar und hat bisher nur in den tiefe- ren Zonen bis zu einer Mächtigkeit von maximal 30 cm stattgefunden. Es sind am See keine An- zeichen einer deutlichen Verlandung oder einer Wasserspiegelerhöhung aufgrund der Anlage- rung größerer Sedimentschichten vorhanden. In den „Tiefenzonen“ des Sees sind zwischen Mai und September anaerobe Bedingungen aus- gebildet, unter denen verstärkter Abbau organischer Materie und Freisetzung von Nährstoffen stattfindet. Auf den Gesamtwasserkörper bezogen sind diese aber zu vernachlässigen. IV. Ausblick auf das weitere Vorgehen Der Eutrophierungsprozess schreitet weiter voran, ebenso ist mit einer weiteren Veränderung der Unterwasservegetation zu rechnen. Der Trend zur Ausbildung von „Blaualgenblüten“ wird anhal- ten. Daher wird in 2009 das Untersuchungsprogramm modifiziert weiter fortgesetzt. Nach dem ausführlichen Monitoring im vergangenen Jahr kann sich die Beobachtung des Sees in Zukunft über das Jahr auf ein Minimalprogramm beschränken. An drei bis fünf ausgewählten Terminen wird die Entwicklung der drei Seeteile in Freiwasser, Plankton und Makrophyten über- prüft. Mit dem eigens angeschafften neuen Messgerät, dem AlgaeTorch, wird das Seewasser durch die Untere Wasserbehörde regelmäßig auf das Vorkommen von Blaualgen untersucht. Der im Monitoring bislang nicht behandelte Komplex des zufließenden Grundwassers und der Niederschläge als mögliche Belastungspfade soll über einen Jahresverlauf untersucht werden, da auch Hinweise für eine Veränderung des Grundwassers (Änderung der Leitfähigkeit im See seit 1977 und 1993) existieren. Hieraus sind Aussagen über die Herkunft der saisonalen Unter- schiede der Nährstoffgehalte im See zu erwarten. Über Elektrobefischung und Stellnetze sollen Informationen über die aktuell nicht bekannte Zu- sammensetzung des Fischbesatzes gewonnen werden. Aus allen erhobenen Daten sowie der Literaturauswertung von Ergebnissen und Entwicklungen vergleichbarer Seen soll ein Handlungskonzept für eine nachhaltige Verbesserung der Situation entwickelt werden. 4 V/0179/2009 Im Rahmen der Risikovorsorge führen die Stadtwerke Münster folgende Maßnahmen durch: • Kontinuierliche Untersuchungen des Hiltr uper Sees und der Messrohre auf Cyanobakte- rien und ggf. Cyanotoxine. • Untersuchung der Grundwasserzuflüsse zum Hiltruper See hinsichtlich der Nährstoff- frachten. • Aufbau eines Frühwarnsystems hinsichtlich der Messrohre auf der Basis einer Chloro- phyll-Analytik. • Bau eines Multi-Level-Brunnens im Bereich der Messrohre. • Machbarkeitsstudie zu technischen Schutzmaßnahmen gegen Seewasserzutritte zur Brunnengalerie. Die Auswertung sämtlicher Ergebnisse soll wich tige Hinweise zu möglichen Maßnahmen liefern, da gerade im Hinblick auf das sensible Umfeld (Wassergewinnung, Freizeitnutzung, Naturschutz und Erholung) nachhaltige und sichere Sanierungsmöglichkeiten zu erarbeiten sind. i. V. Thomas Paal Stadtrat
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (2)
- Zum Hiltruper See
- Hohe Ward
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0179/2009
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 09.03.2009
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37