0048/2023
AN/2017/2022, Nachfrage zu einer Beantwortung des Gesundheitsamtes zu Sozialpsychiatrischen Zentren
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
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Dezernat, Dienststelle V/53 Vorlagen-Nummer 16.01.2023 0048/2023 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Integrationsrat 17.01.2023 Gesundheitsausschuss 24.01.2023 AN/2017/2022, Nachfrage zu einer Beantwortung des Gesundheitsamtes zu Sozialpsychiatrischen Zentren Mit der Nachfrage zu der Antwort 1581/2022 stellt der FachAK4 folgende Fragen mit der Bitte, die Beantwortung auch dem Gesundheitsausschuss vorzulegen: 1.: In der Antwort zur Frage 1 wird beschrieben, dass der Anteil der Bürger*innen mit Migrati- onshintergrund an allen Bürger*innen die in den Kontakt- und Beratungsstellen der Sozi- alpsychiatrischen Zentren (SPZ) in den letzten beiden Jahren erreicht bzw. von ihnen be- treut wurden, 16,23% im Jahr 2021 und 18,29% im Jahr 2020 betrug. Der Anteil von Bür- ger*innen mit Migrationshintergrund an der Kölner Stadtbevölkerung beträgt 40,5% (Stand 31.12.2021). Wie erklärt sich die Verwaltung diese vergleichsweise sehr geringe Inanspruchnahme der Angebote der SPZ durch Kölner*innen mit Migrationshintergrund? Welcher Handlungsbedarf wird hier gesehen? Die Verwaltung antwortet hierauf wie folgt: Die beiden oben genannten Anteilswerte basieren auf unterschiedlichen Erhebungsgrund - lagen, sind daher nicht unmittelbar vergleichbar. Der vom Amt für Stadtentwicklung und Statistik dokumentierte Anteil von Bürger*innen mit Migrationshintergrund an der Kölner Stadtbevölkerung wird auf Grundlage einer Erhebung aus dem Einwohnermeldeverfahren durch Kombination verschiedener Merkmale ermittelt. Danach gehören zu den Bürger*innen mit Migrationshintergrund Personen mit nichtdeutscher Staats- angehörigkeit, eingebürgerte Personen, Spätaussiedler*innen und in Deutschland Geborene nach dem "Geburtsortprinzip" gemäß § 4 Staatsangehörigkeitsgesetz. Es werden teilweise auch die Großelterngenerationen einbezogen. Die von den Kontakt- und Beratungsstellen (KoBS) der Sozialpsychiatrischen Zentren erhobene Anzahl von Menschen „mit Migrationshintergrund“ hingegen bezieht sich auf Besu- cher*innen, bei denen Migrationshintergrund vorliegt und die Mitarbeitenden der KoBS aus- drücklich Kenntnis davon erhalten. Dies kann sich beispielsweise im Rahmen einer Beratung ergeben, bei der der rechtliche Status eine wesentliche Rolle spielt. Bei allen anderen Besu- cher*innen wird die Herkunft als „deutsch oder unbekannt“ erfasst. Das Begriffsverständnis von Migrationshintergrund bezieht sich darauf, ob ein Elternteil und/oder die Person selbst im Ausland geboren sind. Da ein niedrigschwelliger Zugang des Angebots gewährleistet werden 2 soll, wird nicht bei allen Besucher*innen systematisch die Herkunft überprüft. Die von den Kontakt- und Beratungsstellen der Sozialpsychiatrischen Zentren erhobenen Da- ten geben damit Hinweis darauf, dass der Anteil der Besucher*innen mit Migrationshin- tergrund mindestens den Anteil von 16,23% im Jahr 2021 und von 18,29% im Jahr 2020 be- trug. Dies weist in erster Linie darauf hin, dass Menschen mit Migrationshintergrund erreicht werden. Inwieweit der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund, die die KoBS besu- chen, von dem Mittelwert der Menschen mit Migrationshintergrund in Köln abweicht, kann jedoch quantitativ nicht genau ermittelt werden. Es wird angestrebt, dass sich alle Menschen mit und ohne Migrationshintergrund willkommen fühlen, unabhängig von Voraussetzungen, Lebenssituation, Hintergründen, Herkunftsort (sie- he hierzu auch 2). Die Angebote der Sozialpsychiatrischen Zentren und ihren Kontakt- und Beratungsstellen weisen einen inklusiven Ansatz auf und stehen allen Menschen mit sozial- psychiatrischen Bedarfen offen. Bei Menschen mit Migrationshintergrund handelt es sich um eine sehr heterogene Gruppe von Menschen mit unterschiedlichsten Bedarfen, persönlichen Voraussetzungen, Lebenssituatio- nen und sozialen, kulturellen sowie religiösen Hintergründen. Entsprechend unterschiedlich ist die Resonanz von Menschen mit Migrationshintergrund auf das Angebot der Sozialpsychiatri- schen Zentren. Hindernisse können sich insbesondere durch Sprach- und Kulturbarrieren er- geben. So wird beispielsweise beobachtet, dass Menschen einiger bestimmter Kulturkreise von den KoBS der SPZ weniger gut erreicht werden, während der Zugang bei anderen niedrigschwel- ligen Unterstützungsleistungen zur Grundversorgung tendenziell besser gelingt. Hier können transkulturelle Aspekte speziell bei dem Thema psychische Erkrankungen und Unterstüt- zungserwartungen eine Rolle spielen. Wenn beispielsweise für Angehörige kollektivistisch ausgeprägter Kulturen bei psychischer Erkrankung die familiäre und Community-bezogene Unterstützung gängig akzeptiert und vertraut ist, wird zunächst dort der Kontakt gesucht und nicht bei einem SPZ als einer Institution „von außen“ mit professionellen sozialpsychiatrischen Leistungen. Diese Haltung kann sich jedoch mit der Zeit der Aufenthaltsdauer in Deutschland abschwächen, so dass die Hemmschwelle, ein SPZ zu betreten, sinkt und das Angebot zu einem späteren Zeitraum in Anspruch genommen wird. Es wird daher auf die umfassende und frühzeitige Bekanntmachung der SPZ – insbesondere auch für neu einreisende Menschen mit Migrationshintergrund - hingewirkt. Von Seiten ande- rer niedrigschwelliger Angebote wie Streetwork oder Gesundheitslotsinnen und Gesundheits- lotsen, ein gefördertes Angebot auf Grundlage des interkulturellen Maßnahmenprogramms der Stadt, das Menschen in Einrichtungen für Geflüchtete frühzeitig aufsucht und erreicht, wird gezielt über das vielfältige Angebot des Gesundheitswesens - unter anderem auch der SPZ als Angebot für Menschen mit psychischen Erkrankungen- informiert. Durch die gute Vernet- zung der SPZ mit anderen Akteurinnen und Akteuren des Sozialraums und über die Psycho- soziale Arbeitsgemeinschaft Köln (PSAG) mit Fachkräften anderer angrenzender Arbeitsbe- reiche werden Menschen mit psychischen Erkrankungen immer wieder durch andere Einrich- tungen auf das Angebot der SPZ hingewiesen. Darüber hinaus besteht Vernetzung und re- gelmäßiger Kontakt der SPZ zu Diensten und Einrichtungen der Gesundheitsversorgung, wo Menschen mit Migrationshintergrund behandelt bzw. im Erstkontakt beraten werden. Des Weiteren wird durch inklusive Veranstaltungen wie zum Beispiel ein kulturelles Event in den Räumlichkeiten des SPZ für alle Menschen des Stadtbezirks oder die Beteiligung des SPZ am Stadtteilfest, die niedrigschwellige Begegnung und Kontaktaufnahme begünstigt. Um die Sprachbarrieren zu mindern oder zu beseitigen, halten die SPZ mehrsprachige Flyer und Texte vor und setzen Sprach- und Kulturmittler*innen (SIM) ein. Bei Ausschreibungen für Fachkräfte wird Migrationshintergrund neben anderen Diversitätsaspekten einbezogen, inter- kulturelle Kompetenz und Sprachkenntnisse sind willkommen. 2.: In der Antwort zu Frage 4 wird beschrieben, dass eine gute Kooperation zwischen den neun SPZ und dem Gesundheitszentrum für Migrant*innen als Sozialpsychiatrisches 3 Kompetenzzentrum Migration besteht und regelmäßig Fortbildungen angeboten werden, an denen alle 9 Sozialpsychiatrischen Zentren teilnehmen. Welche konkreten Angebote und Konzepte zur Erreichung und Begleitung der Ziel- gruppe entstehen aus diesen jährlichen Fortbildungen und Kooperationen für die Men- schen mit Migrationshintergrund? Wie und in welchen spezifischen Angeboten für die Zielgruppe zeigt sich dies? Die Verwaltung antwortet hierauf wie folgt: Durch die interkulturellen Fortbildungen in Kooperation mit dem Sozialpsychiatrischen Kompe- tenzzentrum (SPKOM) konnten bei Mitarbeitenden der SPZ interkulturelle Kompetenz, Kom- munikation und Haltungen sowie Grundwissen über trans- und interkulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten vermittelt und/oder erweitert werden. Dies konnte zu einer höheren Sensibilisierung der Mitarbeitenden und damit zur interkulturellen Öffnung der SPZ beitragen. Für 2023 ist darüber hinaus ein weiterer vertiefender Austausch zwischen den SPZ und dem SPKOM geplant. Das Ziel ist, den niedrigschwelligen Zugang von Menschen mit Migrations- hintergrund in die SPZ und gemeindeintegrierte Versorgung des Sozialraums weiterhin zu verbessern. Angestrebt ist nach wie vor die interkulturelle Öffnung und die Unterstützung und Inklusion aller Menschen mit psychischen Erkrankungen durch Angebote der SPZ (siehe hier- zu auch die Antwort zu Frage 1). Das Thema „Bereicherung durch kulturelle Vielfältigkeit“ wird durch Angebote der SPZ aufgegriffen, zum Beispiel durch ein Kochgruppenangebot mit inter- nationaler Küche, bei dem Menschen unterschiedlicher Herkunft ihre Rezepte einbringen und vorstellen. Ob und inwieweit sich dabei auch ein spezifisches Angebot für Menschen mit Mig- rationshintergrund vor dem Hintergrund der erkrankungsspezifisch vielfältigen Bedürfnisse und der zahlreichen Kulturen der Menschen aus über 180 Nationen in Köln als sinnvoll erwei- sen kann, wird bei der Angebotsausrichtung der einzelnen SPZ auf ihre jeweils sehr unter- schiedlichen Stadtbezirke einbezogen. Gez. Dr. Rau
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0048/2023
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
- Datum
- 16.01.2023
- Erstellt
- 04.01.2023 12:58