1031/2025
Beendigung Verkehrsversuch Venloer Straße und Verstetigung der Einbahnstraße
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Anlage 6 Auswertung Öffentlichkeitsbeteiligung Textversion
6647 Zeichen
Ergebnisse der Öffentlichkeitsarbeit und Beteiligung Ein weiterer Baustein zur Auswertung des Verkehrsversuches sind die Rückmeldungen aus der Öffentlichkeitsbeteiligung. Im Frühjahr 2024 fanden zwei Gestaltungsworkshops mit Bürger*innen und ein Workshop für Gewerbetreibende statt. Dort haben Teilnehmende gemeinsam mit Mitarbeitenden der Verwaltung Ideen zur Verbesserung der Einbahnstraße entwickelt. Bis Ende September konnten Kölner*innen bei Online-Befragungen und bei Spaziergängen vor Ort Feedback zu den einzelnen Prototypen und Ideen zur Verbesserung der Einbahnstraße geben. Im Rahmen der Online-Befragung gab etwa die Hälfte der Befragten an, die Venloer Straße für Erledigungen zu nutzen. Rund ein Drittel der Teilnehmenden wohnt in oder direkt an der Venloer Straße. 18 Prozent nutzen die Straße lediglich als Wegverbindung. Positives Feedback zu Verweiloasen Neue, gemietete Sitzelemente sollten für mehr Aufenthaltsqualität auf der Venloer Straße sorgen. Die Besucher konnten sie seit Sommer 2024 testen. Am 22. November 2024 wurden die Prototypen über die dunkle Jahreszeit abgebaut. Das Feedback zu den Verweiloasen war insgesamt positiv. Online sind 283 Rückmeldungen dazu eingegangen. Etwa ein Drittel der Befragten gab an, mit Kindern auf der Venloer Straße unterwegs zu sein. Mehr als 100 Personen können sich vorstellen, bei der Pflege der Verweiloasen zu unterstützen. Sowohl online als auch bei Spaziergängen vor Ort lieferten Kölner*innen Vorschläge zur Verbesserung. Sie wünschten sich etwa Mülleimer in unmittelbarer Nähe zu den Oasen. Zudem wiesen sie darauf hin, dass die Prototypen unterschiedlich gut funktioniert haben. Eine andere Platzierung könnte sinnvoll sein. Viele Rückmeldungen zur Radverkehrsführung Die meisten Rückmeldungen in dieser Beteiligungsphase erfolgten zur Neuaufteilung des öffentlichen Straßenraumes. Dazu gab es drei Varianten: Alle fahren im Mischverkehr zusammen Ein breiter Radstreifen in Gegenrichtung Zwei breitere Radschutzstreifen Online erhielt die Verwaltung über 4.200 Rückmeldungen, allerdings waren nicht alle Bevölkerungsgruppen gleich vertreten. Das meiste Feedback gab es aus der Altersgruppe zwischen 30 und 44 Jahren (50 Prozent). Etwa gleich viele Teilnehmende waren unter 30 (20 Prozent) sowie über 44 Jahre alt (23 Prozent). Menschen ab 60 Jahren und älter nahmen kaum an der Online-Befragung teil (circa 6 Prozent). Viele gaben an, die Venloer Straße mit verschiedenen Verkehrsmitteln zu nutzen. Die meisten sind mit dem Rad (36 Prozent) oder zu Fuß (32 Prozent) unterwegs. Autofahrer*innen (15 Prozent) stehen etwa zu gleichen Teilen den ÖPNV-Nutzer*innen gegenüber (13 Prozent). 61 Prozent der Teilnehmenden spricht sich für die dritte Variante der breiteren Radschutzstreifen auf beiden Seiten aus. 68 Prozent aller Teilnehmenden gaben an, dass ihnen die Fahrradinfrastruktur besonders wichtig ist. Dem gegenüber stehen 15 Prozent, die einen schnelleren Radverkehr und demzufolge eine schwierigere Überquerung der Straße für Fußgänger*innen befürchten. Teilnehmende der Spaziergänge vor Ort legten ihren Fokus auf Barrierefreiheit und Fußverkehr. Die Mehrheit sprach sich für die erste Variante mit dem Mischverkehr aus, die viel gegenseitige Rücksichtnahme erfordert. Gerade die älteren Teilnehmenden sahen dies als die einzig mögliche Variante. Wenige Rückmeldungen zur Wirtschaftszone Ende August 2024 hat die Verwaltung auf der Venloer Straße die erste Wirtschaftszone in Köln eingerichtet. Dafür hat sie Parkflächen als absolutes Halteverbot ausgewiesen und mit zusätzlichen Schildern versehen. Sie zeigen mit eindeutigen Markierungen und Piktogrammen, dass die Flächen Gewerbe- und Handwerksbetrieben, dem Lieferverkehr, Paketzusteller*innen und Pflegediensten vorbehalten sind. Die Rahmenbedingungen zum „Pilotprojekt Wirtschaftszone“ hat die Verwaltung in Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn, der Industrie- und Handelskammer zu Köln und der Handwerkskammer zu Köln entwickelt. Zur Wirtschaftszone gab es insgesamt 57 Rückmeldungen aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Da für die Befragung zur Einrichtung der Wirtschaftszone explizit die Rückmeldung der Geschäftstreibenden für die Verwaltung interessant war, haben Mitarbeitende der Stadt die Online-Befragung direkt in den anliegenden Geschäften durchgeführt. Dennoch lag die Zahl dieser Teilnehmenden mit knapp 7 Prozent hinter denjenigen, die die Venloer Straße für Erledigungen nutzen (21 Prozent) und denen, die dort wohnen (15 Prozent). Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Rückmeldung aller Teilnehmenden waren, dass die Vorteile der Wirtschaftszone bekannter werden müssen und die Zone stark kontrolliert werden sollte. Zudem wurde das Halten in der zweiten Reihe als starkes Sicherheitsrisiko benannt. Dem wirkt die Einrichtung der Wirtschaftszone entgegen. Aufräumen einer Straßenkreuzung Ein in den Gestaltungsworkshops oft genannter Kritikpunkt waren unübersichtliche und aufgrund von vielen unterschiedlichen Nutzungen „zugestellte“ Kreuzungsbereiche auf der Venloer Straße. Beispielhaft hat die Stadt im Bereich Venloer Straße / Sömmeringstraße / Hansemannstraße Fahrradständer und Haarnadeln bzw. Anlehnbügel verschoben, um die Gehwege an den Kreuzungen aufzuräumen und damit übersichtlicher und sicherer zu gestaltet. Dazu hat sie öffentlich informiert, eine Beteiligung fand nicht mehr statt. Bürgermails an die Fachverwaltung Neben der Öffentlichkeitsbeteiligung erreichten die Stadtverwaltung auch per E-Mail viele Rückmeldungen zum Verkehrsversuch Venloer Straße. Außer zahlreichen positiven Rückmeldungen und Lob bezüglich der Verkehrsberuhigung auf der Venloer Straße gab es auch Kritik. Diese bezog sich insbesondere auf eine Verkehrszunahme in den Nebenstraßen, allem voran der Piusstraße und Vogelsanger Straße. Durch die Einrichtung der Venloer Straße als Einbahnstraße war eine Verlagerung des Verkehrs sowohl seitens der Anliegenden als auch anhand von Verkehrsmodellierungen seitens der Fachverwaltung erwartet worden. Anhand von Verkehrszählungen wurde ermittelt, wo Handlungsbedarf besteht. Dabei wurden auch die Beobachtungen der Betroffenen einbezogen. Primäres Ziel des Verkehrsversuches ist die Erhöhung der Verkehrssicherheit auf der Venloer Straße. Da dieses Ziel erreicht wurde, gilt es im zweiten Schritt, den Verkehr im Quartier verträglich zu verteilen. Die hierzu geeigneten Maßnahmen werden derzeit geprüft. In diesem Zusammenhang wurde seitens der politischen Gremien für die Piusstraße bereits eine Drehung der Fahrtrichtung der Einbahnstraße beschlossen.
Anlage 7 Auswertung Öffentlichkeitsbeteiligung Präsentation
24925 Zeichen
Einrichtung der Einbahnstraße
Zweite Stufe des
Verkehrsversuchs Venloer
Straße
Auswertung der Beteiligungsergebnisse
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
2023 2024 2025
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Überblick
aller Beteiligungsphasen
333Tage
23.Oktober 2023 bis
19.September 2024
Beteiligungszeitraum
3
Phasen der
Online-Beteiligung
3
Beteiligungs-Workshops
4
Spaziergänge
7092
Rückmeldungen
8479
Seitenansichten
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
15Termine
Vor Ort für Fragen,
Antworten und Anregungen
Beteiligte Dienststellen
Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung
• Projektleitung, -verantwortung und -steuerung
Dezernat III Mobilität
• Kommunikation/ Öffentlichkeitsarbeit
Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
• Beratung sowie Planung, Durchführung und Auswertung der Öffentlichkeitsbeteiligung
Innovationsbüro
• Beratung zu Bürgerzentrierung und Mitwirkung bei den Gestaltungsworkshops mit
Bürger*innen
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Beteiligungs- bzw.
Kommunikations-
phase I
Information zur Einbahnstraße
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Beteiligungs- und Kommunikationsphase I
Information
Aus dem Beteiligungs- und Kommunikationskonzept:
Information….
…über die Beteiligungspause,
die Einführung der Einbahnstraße und
Die Ankündigung der geplanten Beteiligung
Ziele:
Information, Aufklärung, Verständnis, Nachvollziehbarkeit für die Zielgruppen
Zeitrahmen:
Mit Veröffentlichung der Verwaltungsvorlage
Formate:
Öffentlichkeitsveranstaltung Bürgeramt Ehrenfeld am …. , Mail an Multiplikator*innen am…, Aktualisierung der
Projektwebsite auf www.stadt-koeln.de/...
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Beteiligungsphase II
Fragen und Feedback zur
Einbahnstraße
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Beteiligungsphase II
Fragen und Feedback zur Einbahnstraße
Aus dem Beteiligungskonzept:
Einbahnstraße ist nicht gleich Einbahnstraße. Wie die Aufwertung der Einbahnstraße in den Nebenanlagen aussehen muss, um
ohne Baumaßnahmen und mit einfachen Mitteln eine Verschönerung des Straßenzuges zu erzielen, wird Gegenstand einer
Öffentlichkeitsbeteiligung sein. Da verkehrliche Änderungen erfahrungsgemäß eine Eingewöhnungsphase benötigen, wird die
Einrichtung der Einbahnstraße zunächst seitens der Verwaltung über zwei Monate beobachtet und die Akteur*innen vor Ort und
digital befragt, wie sie mit den Veränderungen klarkommen und welche Bedarfe und Bedürfnisse es gibt.
Die Verwaltung erfährt so, „wo der Schuh drückt“, was also noch unklar und unverständlich ist. Die Verwaltung erkennt frühzeitig
mögliche Gefahrenstellen und kann diese umgehend beseitigen.
Ziele:
Erkenntnisgewinn für Verwaltung, Aufklärung, Verständnis und Nachvollziehbarkeit für die Zielgruppen
Beteiligungsformate:
Online-Dialog auf www.meinungfuer.koeln mit der Möglichkeit, Fragen/Hinweise zu geben. Fragen werden im Rahmen eines
FAQ (häufig gestellte Fragen) beantwortet
Aufsuchende Beteiligung mit dem MeinungsMobil vor Ort auf der Venloer Straße
Zeitrahmen:
Direkt nach Einrichtung der Einbahnstraße für zwei Monate
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Beteiligungsphase
Sicherheit
Alle Perspektiven
(Autofahrende,
Radfahrende,
Fußgänger*innen)
äußerten, dass sich die
Sicherheit auf der Straße
erhöht hat, es
übersichtlicher und auch
entspannter geworden ist.
Hinweis-
beschilderung
Da der Bedarf nach mehr
Beschilderung geäußert
wurde, ist die Verwaltung
tätig geworden und hat die
Hinweisbeschilderung
entsprechend angepasst;
kleinere Anpassungen der
Beschilderung wurden
aufgrund von
Bürgerhinweisen
vorgenommen
Navigationsdienstleister
wurden informiert
Kontrollen
Da der Bedarf nach mehr
Kontrollen gegen
Verkehrsverstöße, wie z.
B. Parken auf der Radspur
oder Geisterfahrende,
geäußert wurde, hat die
Verwaltung durch
Ordnungsamt und Polizei
verstärkt Kontrollen
durchführen lassen
Verkehr in den
Nebenstraßen
Vor allem in der Pius- und
Vogelsanger Straße hat
der Verkehr zugenommen
und es wurde geäußert,
dass es dadurch
gefährlicher geworden ist.
Die Verwaltung hat daher
folgende Maßnahme
ergriffen:
- Verstärkt Verkehrs-
beobachtungen
durchgeführt
- Anlieger frei für
Piusstraße
eingerichtet
- zwingend Links in der
Fuchsstraße
eingerichtet
Platz für
Radfahrende
Viele Radfahrende
wünschen sich
Radfahrstreifen oder
Schutzstreifen, damit mehr
Platz zwischen MIV und
Radverkehr ist und der
MIV die Straße mittig
nutzt. Dazu teilte die
Verwaltung mit, dass diese
Frage im Rahmen der
Ausgestaltung der
Einbahnstraße
(Beteiligungsphase II)
behandelt wird
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Beteiligungsphase
Wartezeiten
und Umwege
Diejenigen, die sich gegen
die Einbahnstraße
aussprechen, kritisieren,
dass es zu längeren
Wegezeiten und teilweise
sogar großen Umwegen
gekommen ist.
Es wurden
Verkehrsverlagerungen
erwartet. Die
Ergebnisse der
Verkehrsuntersuchungen
zeigen in welchem Bereich
nachzusteuern ist
Weniger
Kundschaft
Die wenigen Kommentare
von
Geschäftstreibenden/Gew
erbetreibenden beinhalten
die Aussage zur
Verkehrssicherheit und
beschreiben eine
insgesamt ruhigere
Straße, was sie auch auf
ihre Kundschaft
übertragen.
Stadt Köln führt eine
Leerstandsanalyse durch
und wertet eine Studie der
Uni Köln zur Thematik aus
Weiteres
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Beteiligungsphase IIIa
Ausgestaltung der Einbahnstraße
zusammen mit Bürger*innen a la
„Pimp your Einbahnstraße“
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Beteiligungsphase IIIa
Ausgestaltung der Einbahnstraße
Aus dem Beteiligungskonzept:
Gemeinsam mit der Öffentlichkeit werden Maßnahmen für die Aufwertung der Einbahnstraße in den Nebenanlagen entwickelt.
Der Fokus liegt dabei darauf, wie in den Nebenanlagen gute Ideen ohne Baumaßnahmen und mit einfachen Mitteln zu einer
Verschönerung des Straßenzuges beitragen können. Einige Maßnahmen werden kurzfristig umgesetzt, einige mit in eine
politische Beschlussvorlage aufgenommen und andere wiederum nach Prüfung abgelehnt und deren Nicht-Umsetzbarkeit
begründet. Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt agil und iterativ: Umsetzung, Testung/Prüfung, Anpassung
Ziele:
Erkenntnisgewinn für die Verwaltung, Akzeptanz und Unterstützung, damit die Aufwertung der Einbahnstraße in den
Nebenanlagen gelingt
Beteiligungsformate:
Service-Design-Thinking-Workshops mit Multiplikator*innen und Interessenvertreter*innen. Straßenspaziergänge zu
unterschiedlichen Themen und entsprechend unterschiedlich eingeladenen Akteur*innen
Zeitrahmen:
Zwei Monate nach Einrichtung der Einbahnstraße
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Die wichtigsten Erkenntnisse
aus den Gestaltungsworkshops
• Insgesamt 83 Teilnehmende in zwei Gestaltungsworkshops
• 10 Gruppen, eine davon war eine gesonderte Kindergruppe
• Jede Gruppe arbeitete mit einer Persona. Personas sind fiktive Personenbeschreibungen mit
bestimmten Merkmalen, die anhand der Rückmeldungen der ersten Beteiligungsphase entwickelt
wurden.
• Jede Gruppe entwickelte für die jeweilige Persona im ersten Schritt eine „Traumstraße“.
• Im nächsten Schritt entwickelten die Teilnehmenden zahlreiche Ideen. Aus diesen priorisierte jede
Gruppe besonders geeignete Ideen und entwickelte hierzu einen Ideen-Steckbrief sowie einen
ersten Prototyp, wie die Straße für diese Persona aussehen könnte.
• Die Kindergruppe entwickelte Visionen der Einbahnstraße, indem die Kinder ihre Erfahrung mit
der Straße teilten und sich – methodisch angeleitet – in tierische Besucher*innen der Straße
hineinversetzten.
Zur Dokumentation der Workshops
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Die wichtigsten Erkenntnisse
aus dem Workshop mit Gewerbetreibenden
• Themen Wirtschaftsverkehr und Lade- und Lieferzonen auf der Venloer Straße
• Eingeladen waren Mitgliedsunternehmen der Industrie- und Handelskammer Köln (IHK) und der Handwerkskammer zu Köln (HWK) mit Sitz in und um die
Venloer Straße Der Workshop fand mitten in der Woche in der Mittagszeit statt, um einen Abgleich der Theorie- mit der Real-Situation vor Ort vornehmen
zu können
• Daher konnten leider einige Gewerbetreibende nicht dabei sein, sie erhalten aber über die IHK und HWK die Dokumentation und h aben weiterhin über
die Online-Beteiligung zur Venloer Straße die Möglichkeit, Hinweise zu geben
• Interessierte Handwerksbetriebe haben im Vorfeld gespiegelt, dass sie eine Teilnahme nicht realisieren können, da sie betrieblich eingebunden sind
• Der Workshop hat bewusst unter Ausschluss von Beobachter*innen stattgefunden, um eine produktive und vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre zu
schaffen
Leitfrage des Workshops war:
Welche Bedarfe haben Sie in Bezug auf die Lade- und Liefersituation auf der Venloer Straße?
Konkret:
„Wie sieht die theoretische Lade- und Liefersituation aus und entspricht diese der Praxis?“
„Was ist notwendig, damit die Lade- und Liefersituation für Sie besser wird?“
Die Online-Befragung der Gewerbetreibenden erfolgte gemeinsam durch IHK, HWK und Stadt Köln im Umfragezeitraum 12.12.2023 bis 12.01.2024
• Anzahl der Rückmeldungen (IHK Köln): 61 von 590 per Mail erreichbare Mitgliedsunternehmen der IHK mit Sitz in und um die Venloer Straße (ca. 10 %
Rücklaufquote)
• Anzahl der Rückmeldungen (HWK Köln): 11 Mitgliedsunternehmen der HWK zu Köln mit Sitz in und um die Venloer Straße (ca. 10 % Rücklaufquote)
Zur Dokumentation der Workshops
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Beteiligungsphase IIIb
Feedback zur Einbahnstraße, um Maßnahmen zu testen und ggf.
anzupassen
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Beteiligungsphase IIIb
Feedback zur Einbahnstraße, um Maßnahmen zu testen und ggf. anzupassen
Im Sinne eines iterativen Vorgehens werden einige Maßnahmen getestet und ggf.
angepasst, dann erneut getestet und ggf. angepasst.
Ziele:
Erkenntnisgewinn, Anpassungsfähigkeit und Kund*innenzentrierung
Beteiligungsformate:
Online-Dialog auf www.meinungfuer.koeln mit der Möglichkeit, Fragen/Hinweise zu
geben. Fragen werden im Rahmen eines FAQ (häufig gestellte Fragen) beantwortet
Aufsuchende Beteiligung mit dem MeinungsMobil vor Ort auf der Venloer Straße
Zeitrahmen:
Ab Veränderung der Einbahnstraße durch Umsetzung von Sofort-Maßnahmen
durchgehend bis Ende des Verkehrsversuches
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
In der Beteiligung getestete Maßnahmen:
Aufräumen einer
Straßenkreuzung
Mögliche
Raumaufteilung Verweiloasen
Wirtschaftszone
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Aufräumen einer Straßenkreuzung
• Dieser Wunsch wurde Mehrfach in den Gestaltungsworkshops eingebracht
• Daher wurden einige Ecken bereits exemplarisch freigeräumt
• Dazu wurde öffentlich informiert – es gab jedoch keine Beteiligung mehr dazu
Zu den Veränderungen
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Visualisierungen zur
möglichen
Neuaufteilung der
Straße
Visualisierte Prototypen
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Videos zur möglichen Raumaufteilung
Die Verwaltung hat drei Varianten zur möglichen Raumaufteilung als Videos
visualisiert und nach der Einschätzung der Öffentlichkeit gefragt
Idee 1
Alle fahren zusammen
Idee 2
Breiter Radstreifen in
Gegenrichtung
Idee 3
Breite Radschutzstreifen
Zu den Videos
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Feedback zur
möglichen
Raumaufteilung
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Angaben zur Nutzung
Ich nutze die Venloer Straße für Erledigungen 49%
Ich wohne auf oder direkt an der Venloer Straße 26%
Ich nutze die Venloer Straße nur als Wegeverbindung 24%
Ich betreibe ein Geschäft auf oder direkt an der Venloer Straße 1%
Ich arbeite auf oder direkt an der Venloer Straße 0%
Keine Angabe 0%
Insgesamt 4247 Rückmeldungen
zur Raumaufteilung
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Angaben zur Person
Altersverteilung
unter 18 Jahre
1%
18 bis 29 Jahre
20%
30 bis 44 Jahre
50%
45 bis 59 Jahre
23%
60 bis 74
Jahre
6%
75 Jahre und älter
0%
Altersverteilung
unter 18 Jahre 29
18 bis 29 Jahre 853
30 bis 44 Jahre 2087
45 bis 59 Jahre 980
60 bis 74 Jahre 260
75 Jahre und älter 10
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
•
•
So sind die Teilnehmer*innen auf der
Venloer Straße unterwegs
Mit dem Auto
15%
Zu Fuß
32%
Mit dem Rad
36%
Mit öffentlichen
Verkehrsmitteln
13%
Mit dem E-Scooter
4%
5% gaben an mit Mobilitätseinschränkungen
auf der Venloer Straße unterwegs zu sein
28% gaben an mit Kindern auf der Venloer
Straße unterwegs zu sein
Wie sind Sie auf der Venloer Straße unterwegs?
(Mehrfachauswahl)
Mit dem Auto 1573
Zu Fuß 3418
Mit dem Rad 3786
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln 1426
Mit dem E-Scooter 430
Sonstiges 0
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Das ist den Teilnehmer*innen besonders Wichtig
Verkehrssicherheit
2%
Parken
2%
Geschwindigkeitskontr
olle
2%
Fahrradinfrastruktur
68%
Sichere Querung
15%
Verkehrsfluss
11%
Fahrradinfrastruktur 1042
Sichere Querung 221
Verkehrsfluss 167
Geschwindigkeitskontrolle 38
Parken 31
Verkehrssicherheit 25
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Varianten Raumaufteilung
Bevorzugte Varianten gesamt
Radschutzstreifen
Idee 1: Alle fahren zusammen
21%
Idee 2: Breiter Radfahrstreifen in
Gegenrichtung
18%
Idee 3: Breitere Radschutzstreifen
61%
Idee 1: Alle fahren zusammen Idee 2: Breiter Radfahrstreifen in Gegenrichtung Idee 3: Breitere
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Verbesserung des
Verkehrsflusses
Erhöhung der
Verkehrssicherheit für
Radfahrende
Erhöhung der
Verkehrssicherheit für
Autofahrende
Erhöhung der Verkehrssicherheit
und sichere Querungsmöglich-
keiten für Fußgänger*innen
Idee 1: Alle fahren
zusammen
431 / 28% 368 / 24% 127 / 8% 605 / 40%
Idee 2: Breiter
Radfahrstreifen in
Gegenrichtung
392 / 26% 708 / 46% 165 / 11% 257 / 17%
Idee 3: Breitere
Radschutzstreifen 1213 / 24% 2388 / 47% 644 / 13% 842 / 16%
Variante und erwartete Verbesserung
Auch hier wird die Verbesserung für die Radfahrenden hervorgehoben – in Variante 1 wird
eine Verbesserung für den Fußverkehr erwartet
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Häufige inhaltliche Rückmeldungen
Drehung der Einbahnstraße 41
Fußverkehr stärken und sichere Querung 570
Geschwindigkeit KFZ 11
Geschwindigkeit Radverkehr 22
Keine Einbahnstraße 22
Klare Aufteilung 145
Mehr Kontrollen 103
Parken 391
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Erkenntnisse aus den
Spaziergängen
zur Verkehrsführung
• Viele Vertreter*innen zum Thema
Barrierefreiheit und Fußverkehr
• Variante Mischverkehr wird aus der Sicht
Barrierefreiheit und Fußverkehr als einzig
mögliche Variante angesehen
• Als Variante fehlte „Alles soll so bleiben
wie es aktuell ist“
• Hinweis es sind zu viele Straßenschilder
auf dem Fußweg
• Hinweis zur Einbahnstraßenregelung: Für
die Straße ist es schön, aber es müssen
Umwege zurückgelegt werden
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Die wichtigsten Erkenntnisse
• Sehr viele Rückmeldungen und ein wichtiges Thema Verkehrsführung
• nicht alle Bevölkerungsgruppen gleich vertreten
• meiste Feedback aus der Altersgruppe zwischen 30 und 44 Jahren (50 Prozent)
• Wenige Menschen ab 60 Jahren nahmen kaum an der Online-Befragung teil (circa 6 Prozent)
• Viele gaben an, die Venloer Straße mit verschiedenen Verkehrsmitteln zu nutzen
• die meisten sind mit dem Rad (36 Prozent) oder zu Fuß (32 Prozent) unterwegs
• 61 Prozent der Teilnehmenden spricht sich für die dritte Variante der breiteren Radschutzstreifen
auf beiden Seiten aus
• 68 Prozent aller Teilnehmenden gaben an, dass ihnen die Fahrradinfrastruktur besonders wichtig
ist
• 15 Prozent befürchten einen schnelleren Radverkehr und demzufolge eine schwierigere
Überquerung der Straße für Fußgänger*innen
• Teilnehmende der Spaziergänge vor Ort legten ihren Fokus auf Barrierefreiheit und Fußverkehr
• Hier sprach sich die Mehrheit für die erste Variante Mischverkehr aus, viel Gegenseitige
Rücksichtnahme erforderlich, ältere Teilnehmende sahen dies als die einzig mögliche Variante
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Prototypen der
Verweiloasen
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Verweiloasen
• Vielfacher Wunsch aus den Gestaltungsworkshops: Verweiloasen und neue Aufenthaltsflächen
• Einrichtung verschiedener Verweiloasen mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten
• Optische Aufwertung der Verweiloasen durch Bepflanzung
• Verweiloase 1
Eine Wellenliege - außergewöhnliches Relaxmöbel für bis zu 4 Personen
• Verweiloase 2
Parklet „Mini Park“, bestehend aus einem Holzpodest mit verschiedenen Sitzbänken mit
Rückenlehne, einem verstellbaren Tisch, einer Bücherkiste, bepflanzten Pflanzkübeln. Das Parklet
ersetzt einen Pkw-Stellplatz und bietet Aufenthaltsqualität.
• Verweiloasen 3
Podest lang - multifunktionale angenehme Sitzmöglichkeit. Als Bank, zum liegen, zum abstellen
und für kurze Aufenthalte für bis zu 8 Personen.
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Einblicke Verweiloasen
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Feedback zu den
Prototypen der
Verweiloasen
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Angaben zur Nutzung
Ich nutze die Venloer Straße für Erledigungen 48%
Ich wohne auf oder direkt an der Venloer Straße 33%
Ich nutze die Venloer Straße nur als Wegeverbindung 18%
Ich betreibe ein Geschäft auf oder direkt an der Venloer Straße 1%
Ich arbeite auf oder direkt an der Venloer Straße 0%
Keine Angabe 0%
Insgesamt 283 Rückmeldungen
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Angaben zur Person
Altersverteilung
75 Jahre und älter
0% unter 18 Jahre
0%
18 bis 29 Jahre
11%
30 bis 44 Jahre
46%
45 bis 59 Jahre
34%
60 bis 74 Jahre
9%
7%
gaben an, dass Sie selber
mobilitätseingeschränkt oder mit Menschen mit
Mobilitätseinschränkungen in dem Anschnitt
unterwegs sind
34%
gaben an, dass Sie mit Kindern in dem
Anschnitt unterwegs sind
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Wie nutzen Sie die Verweiloasen?
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Sonstige...
Hier habe ich W-Lan
Hier finde ich Schatten an heißen Tagen
Hier hat die Natur Platz in der Stadt (insbesondere Insekten)
Sie bieten einen attraktiven Treffpunkt
Hier gibt es Platz für ein ruhiges Gespräch ohne Konsumzwang
Hier kann man sich kurz ausruhen 26 %
23 %
21 %
16 %
11 %
2 %
-
- 5 10 15 20 25 30
Auswirkungen der Verweiloasen
Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit %
Positive Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit 42%
Eher positive Auswirkung auf die Verkehrssicherheit 20%
Keinen Einfluss auf die Verkehrssicherheit 31%
Eher negativen Einfluss auf die Verkehrssicherheit 4%
Negativen Einfluss auf die Verkehrssicherheit 3%
Auswirkungen auf die Aufenthaltsqualität %
Positive Auswirkungen auf die Aufenthaltsqualität 79%
Eher positive Auswirkung auf die Aufenthaltsqualität 12%
Keinen Einfluss auf die Aufenthaltsqualität 3%
Eher negativen Einfluss auf die Aufenthaltsqualität 2%
Negativen Einfluss auf die Aufenthaltsqualität 4%
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
pflegen 18
bepflanzen 3
aufräumen 18
gießen 27
Ordnung 8
Patenschaft 4
Reinigung 2
aufmerksam sein 4
Welche Funktionen bieten die
Verweiloasen aus Ihrer Sicht?
Sie bieten einen attraktiven Treffpunkt 200
Hier kann man sich kurz ausruhen 245
Hier gibt es Platz für ein ruhiges Gespräch ohne Konsumzwang 218
Hier finde ich Schatten an heißen Tagen 100
Hier habe ich W-Lan 23
Hier hat die Natur Platz in der Stadt (insbesondere Insekten) 150
Sonstige... 0
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Sind Sie bereit, sich für den Erhalt der
Verweiloase zu engagieren, beispielsweise
die Pflanzen zu pflegen, die Verweiloase
sauber zu halten?
Ja 117
Nein 157
Was könnten Sie sich vorstellen?
Rückmeldungen zum Thema Verkehrssicherheit
Ruhe 15
erhöhte Sicherheit 27
positive Atmosphäre 15
bessere Verkehrsübersicht 26
kein Parken 6
Entspannung 7
fehlender Sicherheitsabstand 6
belebend 9
zwecklos 14
Behinderung 2
Lebensqualität 3
erhöhte Gefahr 6
Rücksicht 3
Entschleunigung 5
keine Parkplatznutzung 13
nicht dem Verkehr zugehörig 8
aufmerksames Miteinander 7
unübersichtlich 9
erhöhter Verkehr 2
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Rückmeldungen zur Aufenthaltsqualität
kommunikativ 14
kostenlos 19
gute Optik 13
Entspannung 10
Verschönerung 6
qualitativ 4
Ausbaufähig 4
nützlich 6
einladend 17
neue Möglichkeit 9
Aufenthalt 8
negative Anziehung 11
unattraktiv 9
weniger Verkehr 3
allgemeine Verbesserung 15
mehr Grün 8
gemütlich 11
für Pausen 10
mehr Sitzmöglichkeiten 3
positive Atmosphäre 13
Vermüllung 7
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Hinweise zu den Oasen
Verbesserungsvorschläge
schöner gestalten 7
Standorte erweitern 14
Überdachung 10
Abschaffen 6
sauber halten 14
mehr Bänke 5
mehr Bäume 2
mehr Wert auf Pflanzen legen 14
Trennung zur Straße 4
Sonstiges 4
zu teuer 2
Stromanschluss 1
Rückenlehne 4
Mülleimer 36
Fehlende Funktionen
Bücherschrank 3
Mülleimer 20
Schatten 10
Wasserspender 17
Abschaffen 5
Beleuchtung 2
Ablagefläche 4
Kontrollen 2
Informationsschilder 6
Aschenbecher 2
Stromanschluss 3
Spielelemente 2
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Erkenntnisse aus den
Spaziergängen
zu den Verweiloasen
• An den Oasen fehlen Mülleimer
• Podeste sollten direkt und ohne Spalt am
Gehweg stehen (bereits verändert worden)
• Pflanzkübel auf einer Höhe zum Straßenrand
• Die Möbel gefallen optisch sehr gut und
werten den Straßenraum deutlich auf
• Alle Möbel wurden rege genutzt
• Verschiedene Möbelarten kommen gut an –
Hinweis: bei der Platzierung die Menschen
die dort wohnen mitnehmen
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Die wichtigsten Erkenntnisse
• Die Verweiloasen funktionieren grundlegend sehr gut und werden viel genutzt
• Über die Platzierung muss nachgedacht werden, da die Oasen unterschiedlich
gut funktionieren
• Die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten werden gerne angenommen
• Die Oasen benötigen regelmäßige Pflege, es gibt bereits engagierte
Nachbar*innen die sich vorstellen könnten dabei zu unterstützen
• In unmittelbarer Nähe zu den Verweiloasen benötigt es Mülleimer
• Zu den Verweiloasen haben sich viele Menschen mit Kindern zurückgemeldet
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Prototyp
Wirtschaftszone
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Eindrücke Wirtschaftszone
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Feedback zur
Wirtschaftszone
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Überblick
Insgesamt 57 Rückmeldungen
Ist Ihnen die Wirtschaftszone aufgefallen?
nein 44%
ja 56%
Sind die Regeln verständlich und klar?
nein 20%
ja 80%
Ist Ihrem Empfinden nach die Verkehrssicherheit durch die Einrichtung
der Wirtschaftszone gestiegen?
Negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit 5%
Eher negative Auswirkungen auf die 2% Verkehrssicherheit
Keinen Einfluss auf die Verkehrssicherheit 25%
Eher positive Auswirkungen auf die 41% Verkehrssicherheit
Positive Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit 27%
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Wer hat teilgenommen?
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5
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0
Ich wohne auf oder Ich betreibe ein Ich arbeite auf oder Ich nutze die Ich nutze die Ich nutze die Ich nutze die
direkt an der Geschäft auf oder direkt an der Venloer Straße für Venloer Straße als Venloer Straße nur Venloer Straße als
Venloer Straße direkt an der Venloer Straße Erledigungen (zum Lieferant, KEP- als Taxifahrer (oder
Venloer Straße Beispiel für Dienstleister, Wegeverbindung Ähnliches)
Einkäufe, Handwerker, etc.
Arztbesuche)
Insgesamt 57 Rückmeldungen
84%
nutzen die
Wirtschaftszone nicht
15%
nutzen die Wirtschaftszone
für Liefertätigkeiten für ihr
Geschäft
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Die wichtigsten Erkenntnisse
• Die Lieferung passiert sehr lokal und schon eine Kreuzung weiter werden
andere Ladezonen genutzt
• Die Vorteile der Wirtschaftszone sind noch nicht hinreichend bekannt
• Es muss weiterhin stark kontrolliert werden
• Das zweite Reihe Halten des Lieferverkehrs wird als starkes Sicherheitsrisiko
benannt
November 2024 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung
Anlage 8 Gewerbliche Belange
5773 Zeichen
Gewerbliche Belange
Aufgrund der Erfahrungen aus vorherigen Verkehrsversuchen wurde Anfang 2023
aktiv in den Austausch mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie der
Handwerkskammer zu Köln (HWK) gegangen, um die Interessen der
Gewerbetreibenden und Handwerksbetriebe stärker in Verkehrsversuche zu
integrieren. Gemeinsam mit den Verbänden wurde ein Baukastensystem zur
Partizipation bei größeren Verkehrsmaßnahmen entwickelt. Es sieht zur Einbindung
der Unternehmen Befragungen, Rundgänge, Unternehmensbesuche und einen
Workshop vor.
Dieses Baukastensystem wurde im Rahmen des Verkehrsversuchs Venloer Straße
angewendet. Die IHK und die HWK haben dazu Anfang Dezember 2023 in
Abstimmung mit der Stadtverwaltung Köln eine Umfrage zu den ersten Erfahrungen
und möglichen Verbesserungsvorschlägen für die Venloer Straße durchgeführt.
Außerdem wurde zusammen mit der IHK und HWK im März 2024 ein Workshop für
die Gewerbetreibenden im Umfeld der Venloer Straße durchgeführt. Hierbei lag der
Fokus auf den Themen "Wirtschaftsverkehr" und "Lade- und Liefersituation auf der
Venloer Straße".
Nähere Informationen zu dem Beteiligungsverfahren sind hier einsehbar:
Dokumentation des Workshops mit den Gewerbetreibenden | Beteiligungsportal der
Stadt Köln
Am 30.08.2024 wurde auf der Venloer Straße die erste Wirtschaftszone in Köln
eingerichtet. Hierbei wurden Parkflächen mit einem absoluten Haltverbot und
entsprechender Zusatzbeschilderung ausgewiesen, die Gewerbe- und
Handwerksbetrieben, dem Lieferverkehr, Paketzusteller*innen und Pflegediensten
vorbehalten sind. Zudem kamen eindeutige Markierungen und Piktogramme zum
Einsatz.
Die Rahmenbedingungen zum "Pilotprojekt Wirtschaftszone" wurden in
Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn, der Industrie- und Handelskammer zu Köln und
der Handwerkskammer zu Köln entwickelt.
Im Rahmen des „Sofortprogramms zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren
NRW“, das im Zeitraum von März 2022 bis Dezember 2023 im Bezirkszentrum
Ehrenfeld[1] vom Amt 15 umgesetzt wurde, wurde u. a. auch eine Leerstandsanalyse
durchgeführt. Bei der monatlichen Erhebung zwischen März und November 2023
wurden jeweils knapp 20 Leerstände in Erdgeschosslagen festgestellt. Dabei wurde
eine stetige Fluktuation der Leerstände beobachtet; über den gesamten
Erhebungszeitraum hinweg war damit keine räumliche Konzentration von
Leerständen festzustellen. Von insgesamt 27 Leerständen, die im
Erhebungszeitraum festgestellt wurden, standen ca. 67 % voraussichtlich mehr als
sechs Monate leer, 15 % der Leerstände standen zwischen drei und sechs Monaten
leer und 19 % der Leerstände standen kurzfristig unter drei Monaten leer. Die
[1] Das Bezirkszentrum umfasst die Venloer Straße im Bereich zwischen Innere Kanalstraße und Lessingstraße
sowie die angrenzenden Nebenstraßen. Die genaue Abgrenzung findet sich im Einzelhandels - und
Zentrenkonzept, S. 335.
Nachfrage nach Ladenlokalen im Bezirkszentrum Ehrenfeld scheint demnach auch
nach der Covid-19-Pandemie stabil.
Zudem wurden 2017 und 2022 gesamtstädtische Einzelhandelserhebungen inkl.
Erhebungen der Leerstände durchgeführt, in denen im Bezirkszentrum 2017 17
Leerstände und 2022 zehn Leerstände erhoben wurden. In 2022 setzte sich die
Nutzung der Gewerbeeinheiten dabei wie folgt zusammen: 136
Einzelhandelsbetriebe, 305 Komplementärnutzungen (Dienstleistung, Gastronomie,
Kultur, etc.) und 10 Leerstände.
Mit der Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts (Erhebung mit
Stand 2017) wurde das Bezirkszentrum in Bezug auf die Verkaufsflächenausstattung
und die Anzahl der Betriebe als „gut aufgestellt“ bewertet, da beide Merkmale
deutlich oberhalb des Orientierungswertes für ein Bezirkszentrum liegen.
Eine erneute Erhebung des Einzelhandels wird derzeit durchgeführt, mit den
Ergebnissen ist voraussichtlich im Frühjahr 2025 zu rechnen.
Darüber hinaus wurde im Oktober 2024 seitens der Universität zu Köln eine
Ausarbeitung zur wirtschaftlichen Entwicklung auf der Venloer Straße erstellt. Im
Wesentlichen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass durch die Reduktion des
motorisierten Verkehrs und die Schaffung von mehr Verkehrssicherheit und mehr
Raum für zu Fuß Gehende und Rad Fahrende die Attraktivität der Straße für
Anwohnende und Besuchende gestiegen ist. Dies könnte zu einer potentiellen
Steigerung des Kundenaufkommens führen. Langfristig könnte sich dies positiv auf
die Geschäfte auswirken, insbesondere auf Gastronomiebetriebe und andere
Einzelhandelsformen.
Bezüglich der Parkplatzsituation, die für viele Gewerbetreibende eine hohe Priorität
hat, ist Folgendes festzustellen. Die nahegelegenen Parkmöglichkeiten in den
Parkhäusern Barthonia Forum und Neptunplatz werden immer häufiger genutzt und
halten noch weitreichende Kapazitäten vor.
Der stationäre Einzelhandel in Deutschland leidet seit Jahren unter den Folgen der
Corona-Pandemie, der steigenden Konkurrenz durch den Online-Handel und der
hohen Inflation. Auch für die auf der Venloer Straße stark vertretenen Branchen, wie
den Lebensmitteleinzelhandel oder die Gastronomie, stellen diese externen Faktoren
eine erhebliche Belastung dar.
Die Forschung zeigt, dass Maßnahmen zur Förderung der Nahmobilität häufig zu
positiven wirtschaftlichen Effekten führen, insbesondere wenn diese Maßnahmen die
Aufenthaltsqualität verbessern. Allerdings erfordert dies Zeit, da sich die
Anpassungen des Kundenverhaltens und die damit verbundenen wirtschaftlichen
Effekte oft erst nach einer gewissen Phase der Eingewöhnung voll entfalten. Die
hohe Ladendichte und die Vielfalt der Geschäfte auf der Venloer Straße bieten dabei
eine solide Grundlage, um diese Effekte auch hier erwarten zu können.
Anlage 3 Unfallanalyse Endbericht
122642 Zeichen
UNFALLANALYSE IM STADTTEIL KÖLN-EHRENFELD ZWISCHEN INNERER KANALSTRAßE UND EHRENFELDGÜRTEL SOWIE SUBBELRATHER STRAßE UND WEINSBERGSTRAßE Im Auftrag der Stadt Köln Köln, im Februar 2025 2 UNFALLANALYSE ZUR VENLOER STRAßE IN DEN PHASEN DES VERKEHRSVERSUCHS IM STADTTEIL KÖLN-EHRENFELD ZWISCHEN INNERER KANALSTRAßE UND EHRENFELDGÜRTEL SOWIE SUBBELRATHER STRAßE UND WEINSBERGSTRAßE Planungsbüro VIA eG Marspfortengasse 6 50667 Köln Tel. 0221 / 789 527-28 Fax 0221 / 789 527-99 Bearbeitung: Agnes Etzbach Andrea Fromberg (Projektleitung) Peter Gwiasda Celina Hoffmann Joost Unkenholz 10. Februar 2025 Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 3 Inhaltsverzeichnis 1 Ausgangslage und Zielsetzung ................................................................................ 10 2 Methodik und Datengrundlage ................................................................................. 17 3 Unfallanalyse ............................................................................................................. 24 3.1 Unfälle mit allen Verkehrsarten und Personenschaden ............................................... 24 3.1.1 Unfallzahlen und -entwicklung für alle Unfälle mit Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet ......................................................................................... 24 3.1.2 Unfallzahlen und -entwicklung für alle Unfälle mit Personenschaden auf der Venloer Straße ................................................................................................... 33 3.1.3 Zusammenfassung der Ergebnisse zur Unfallentwicklung mit allen Verkehrsarten ........................................................................................................................... 41 3.2 Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung ............................................................................. 42 3.2.1 Unfallzahlen und -entwicklung für Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet ....................................... 42 3.2.2 Unfallzahlen und -entwicklung für Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden auf der Venloer Straße .......................................................... 50 3.2.3 Zusammenfassung der Ergebnisse zur Unfallentwicklung mit Radverkehrsbeteiligung ...................................................................................... 65 3.3 Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung ............................................................................. 68 3.3.1 Unfallzahlen und -entwicklung für Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet ....................................... 68 3.3.2 Unfallzahlen und -entwicklung für Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden auf der Venloer Straße .......................................................... 76 3.3.3 Zusammenfassung der Ergebnisse zur Unfallentwicklung mit Fußverkehrsbeteiligung ...................................................................................... 85 4 Ergebnisse und Handlungsempfehlungen .............................................................. 87 4.1 Auswirkungen auf die parallelen Straßen, insbesondere auf die Vogelsanger Straße durch Verlagerungseffekte .......................................................................................... 87 4.2 Auswirkungen auf das nachgeordnete Straßennetz .................................................... 90 4.3 Unfalldichte und Unfallrate im Vergleich der drei Zeiträume auf der Venloer Straße .... 90 4.4 Radverkehr auf der Venloer Straße: Verschiebungen bei den Unfalltypen, Veränderungen, die deutlich werden ........................................................................... 91 4.5 Auswirkungen auf den Fußverkehr, insbesondere in den Querungssituationen ........... 92 4.6 Handlungsempfehlungen............................................................................................. 92 Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 4 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1-1: Radverkehrsführung an der Venloer Straße ändert sich mehrfach ............ 10 Abbildung 1-2: Unfallauswertung Venloer Straße nach Kategorie und Typ für die Jahre 2013 bis 2017 .................................................................................. 11 Abbildung 1-3: Häufigste Unfallkonstellationen auf der Venloer Straße in den Jahren 2015 bis 2017 mit Radfahrerbeteiligung und Personenschaden ................ 12 Abbildung 2-1: Abbiege-Unfälle mit geradeaus fahrenden Radfahrenden im Seitenraum ............................................................................................... 19 Abbildung 2-2: Unfallträchtigste Konfliktsituation bei Zweirichtungsradverkehr an Einmündungen ohne Lichtsignalanlage ..................................................... 20 Abbildung 2-3: Untersuchungsraum für die Unfallanalyse Anfang 2021 bis Ende 2024 .......................................................................................................... 22 Abbildung 2-4: absolute Anzahl der Unfälle mit Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet in den drei Phasen (n=453) ..................................... 23 Abbildung 3-1: Unfalllagebild über alle Unfälle mit Personenschaden im Untersuchungsraum in den drei Zeitschnitten (n=453 von Anfang November 2021 bis Ende September 2024) ............................................. 25 Abbildung 3-2: Unfalllagebild über alle Unfälle mit Personenschaden im Untersuchungsraum in Phase 0 (n=140 Unfälle in 12 Monaten) ................ 27 Abbildung 3-3: Unfalllagebild über alle Unfälle mit Personenschaden im Untersuchungsraum in Phase 1 (n=171 Unfälle in knapp 12 Monaten) ..... 28 Abbildung 3-4: Unfalllagebild über alle Unfälle mit Personenschaden im Untersuchungsraum in Phase 2 (n=142 Unfälle in gut 11 Monaten) .......... 29 Abbildung 3-5: absolute Anzahl der Unfälle mit Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet in den drei Phasen (n=453) und durchschnittlich pro Jahr (n=466) .............................................................. 30 Abbildung 3-6: absolute Anzahl der Unfälle mit Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet in den drei Phasen aufgeschlüsselt nach Monaten (n=453) ....................................................................................... 31 Abbildung 3-7: Unfälle mit Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet in allen drei Phasen nach Unfallschwere im Vergleich (hochgerechnet, n=466) ...................................................................................................... 31 Abbildung 3-8: Unfälle im gesamten Untersuchungsgebiet in allen drei Phasen nach Unfallschwere im Vergleich (hochgerechnet, n=466) ................................ 32 Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 5 Abbildung 3-9: Unfälle im gesamten Untersuchungsgebiet in allen drei Phasen nach Unfallbeteiligung im Vergleich (hochgerechnet, n=466) ............................. 33 Abbildung 3-10: Durchschnittliche Anzahl der Unfälle auf der Venloer Straße im Vergleich zu Subbelrather Straße und Vogelsanger Straße in den drei Phasen (n=179) ........................................................................................ 34 Abbildung 3-11: Unfalllagebild über alle Verkehrsunfälle mit Personenschaden nur auf der Venloer Straße (n=96 von Anfang November 2021 bis Ende September 2024) ...................................................................................... 35 Abbildung 3-12: Unfalllagebild über alle Verkehrsunfälle mit Personenschaden nur auf der Venloer Straße in den drei Zeitschnitten ............................................. 36 Abbildung 3-13: absolute Anzahl aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden nur auf der Venloer Straße in den drei Phasen (n=96) und durchschnittlich pro Jahr (n=98) ......................................................................................... 37 Abbildung 3-14: absolute Anzahl aller Unfälle mit Personenschaden nur auf der Venloer Straße in den drei Phasen aufgeschlüsselt nach Monaten (n=96) ....................................................................................................... 38 Abbildung 3-15: alle Verkehrsunfälle mit Personenschaden nur auf der Venloer Straße in allen drei Phasen nach Unfallschwere im Vergleich (hochgerechnet, n=98) .............................................................................. 39 Abbildung 3-16: alle Verkehrsunfälle mit Personenschaden nur auf der Venloer Straße in allen drei Phasen nach Unfalltyp im Vergleich (hochgerechnet, n=98) ........................................................................................................ 39 Abbildung 3-17: alle Unfälle mit Personenschaden nur auf der Venloer Straße in allen drei Phasen nach Unfallbeteiligung im Vergleich (hochgerechnet, n=98) ........................................................................................................ 40 Abbildung 3-18: Unfalllagebild über alle Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden im Untersuchungsraum in den drei Zeitschnitten (n=265 von Anfang November 2021 bis Ende September 2024) ............... 43 Abbildung 3-19: Unfalllagebild für Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden in Phase 0 (n=84 Unfälle in 12 Monaten) ..................... 44 Abbildung 3-20: Unfalllagebild für Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden im Untersuchungsraum in Phase 1 (n=101 Unfälle in knapp 12 Monaten) ............................................................................... 45 Abbildung 3-21: Unfalllagebild für Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden im Untersuchungsraum in Phase 2 (n=80 Unfälle in gut 11 Monaten) .................................................................................... 46 Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 6 Abbildung 3-22: absolute Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet in den drei Phasen (n=265) und durchschnittlich pro Jahr (n=273) ............................. 47 Abbildung 3-23: Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet in allen drei Phasen nach Unfallschwere im Vergleich (hochgerechnet, n=273) ................................ 48 Abbildung 3-24: Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet in allen drei Phasen nach Unfalltyp im Vergleich (n=273) ................................................................................. 49 Abbildung 3-25: Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet in allen drei Phasen nach Unfallbeteiligung im Vergleich (n=273) ...................................................... 49 Abbildung 3-26: Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße im Vergleich zu Subbelrather Straße und Vogelsanger Straße in den drei Phasen .................................................................................... 52 Abbildung 3-27: Unfalllagebild für Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße (n=62 von Anfang November 2021 bis Ende September 2024) ............................................. 53 Abbildung 3-28: Unfalllagebild über Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße in den drei Zeitschnitten.............................................................................................. 54 Abbildung 3-29: absolute Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße in den drei Phasen (n=60) und durchschnittlich pro Jahr (n=62) .............................................. 55 Abbildung 3-30: durchschnittliche Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung im Untersuchungsgebiet und auf der Venloer Straße in den drei Phasen ...... 56 Abbildung 3-31: Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße in den drei Phasen nach Monaten (n=62) ...................................... 56 Abbildung 3-32: absolute Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße im RVKE und in den drei Phasen ............................................................................................... 57 Abbildung 3-33: Anzahl Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Radfahrende an der Dauerzählstelle Venloer Straße................................................................. 58 Abbildung 3-34: Unfalldichte und Unfallrate auf der Venloer Straße.................................... 59 Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 7 Abbildung 3-35: Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße in allen drei Phasen nach Unfallschwere im Vergleich (hochgerechnet, n=63) .............................................................................. 59 Abbildung 3-36: Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße in den Jahren 2013 bis 2017 und in den Phasen des Verkehrsversuchs ..................................................................................... 60 Abbildung 3-37: Unfallschwere bei Unfällen mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden im Vergleich zwischen Venloer, Subbelrather und Vogelsanger Straße .................................................................................. 61 Abbildung 3-38: Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße in allen drei Phasen nach Unfalltyp im Vergleich (hochgerechnet, n=63) .............................................................................. 62 Abbildung 3-39: Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße in den Jahren 2013 bis 2017 (n=123) ............................... 63 Abbildung 3-40: Unfalltyp bei Unfällen mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden im Vergleich zwischen Venloer, Subbelrather und Vogelsanger Straße .................................................................................. 64 Abbildung 3-41: Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße in allen drei Phasen nach Unfallbeteiligung im Vergleich (n=63) ........................................................................................ 65 Abbildung 3-42: Unfalllagebild über alle Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden im Untersuchungsraum in den drei Zeitschnitten (n=59 von Anfang November 2021 bis Ende September 2024) ................. 69 Abbildung 3-43: Unfalllagebild für Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden in Phase 0 (n=20 Unfälle in 12 Monaten) ..................... 70 Abbildung 3-44: Unfalllagebild für Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden in Phase 1 (n=20 Unfälle in knapp 12 Monaten) .......... 71 Abbildung 3-45: Unfalllagebild für Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden in Phase 2 (n=19 Unfälle in gut 11 Monaten) ............... 72 Abbildung 3-46: absolute Anzahl der Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet in den drei Phasen (n=59) und durchschnittlich pro Jahr (n=61) ................................. 73 Abbildung 3-47: Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet in allen drei Phasen nach Unfallschwere im Vergleich (hochgerechnet, n=61) .................................. 74 Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 8 Abbildung 3-48: Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet in allen drei Phasen nach Unfalltyp im Vergleich (hochgerechnet, n=61) .......................................................... 74 Abbildung 3-49: Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden in allen drei Phasen nach Unfallbeteiligung im Vergleich (hochgerechnet, n=61) ........................................................................................................ 75 Abbildung 3-50: Anzahl der Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße im Vergleich zu Subbelrather Straße und Vogelsanger Straße in den drei Phasen (n=26) ................................................................................... 78 Abbildung 3-51: Unfalllagebild über alle Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße (n=14 von Anfang November 2021 bis Ende September 2024) ............................................. 79 Abbildung 3-52: Unfalllagebild über Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße in den drei Zeitschnitten.............................................................................................. 80 Abbildung 3-53: absolute Anzahl der Unfälle Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße in den drei Phasen (n=14) und durchschnittlich pro Jahr (n=14) .............................................. 81 Abbildung 3-54: durchschnittliche Anzahl der Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung im Untersuchungsgebiet und auf der Venloer Straße in den drei Phasen ...... 82 Abbildung 3-55: Anzahl der Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße in den drei Phasen nach Monaten (n=14).................................................. 82 Abbildung 3-56: Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße in allen drei Phasen nach Unfallschwere im Vergleich (n=14) ....................................................................................................... 83 Abbildung 3-57: Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße in allen drei Phasen nach Unfalltyp im Vergleich (n=14) ....................................................................................................... 84 Abbildung 3-58: Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße in allen drei Phasen nach Unfallbeteiligung im Vergleich (n=14) ........................................................................................ 85 Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 9 Tabellenverzeichnis Tabelle 3-1: Unfälle mit allen Verkehrsarten im Untersuchungsgebiet, auf der Venloer Straße, der Subbelrather Straße und der Vogelsanger Straße im Vergleich .............................................................................................. 34 Tabelle 3-2: Unfälle mit allen Unfällen und nur mit Radverkehrsbeteiligung im Untersuchungsgebiet, auf der Venloer Straße, der Subbelrather Straße und der Vogelsanger Straße im Vergleich ..................................... 51 Tabelle 3-3: Unfälle mit allen Unfällen, nur mit Radverkehrsbeteiligung und nur mit Fußverkehrsbeteiligung im Untersuchungsgebiet, auf der Venloer Straße, der Subbelrather Straße und der Vogelsanger Straße im Vergleich ................................................................................................... 77 Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 10 1 Ausgangslage und Zielsetzung Die Venloer Straße ist eine der Hauptachsen des Verkehrs im Stadt- bezirk Ehrenfeld. An ihr lassen sich die sich wandelnden Verkehrsbe- darfe und städtebaulichen Ansprüche mit unterschiedlichen Aufent- haltsqualitäten sehr deutlich ablesen. Der Radverkehrsanteil auf dieser Straße ist einer der höchsten in ganz Köln (an Spitzentagen bis ca. 10.000 Radfahrende / Tag) und hält sich in etwa mit dem Kfz-Verkehr (8.600 bis 12.300 Kfz / Tag) die Waage. Auch der Fußverkehrsanteil ist sehr hoch. Der Radverkehr wurde an der Venloer Straße zwischen Innerer Kanal- straße und Ehrenfeldgürtel über einen langen Zeitraum auf zu schma- len baulich angelegten Radwegen geführt. Dieser Zustand wurde we- gen der erheblichen Unfallbelastung und der Beeinträchtigung der Auf- enthaltsqualität als nicht mehr haltbar angesehen. Bereits im Jahr 2007 wurde die Idee einer E inbahnstraßenführung für Kfz di skutiert, um Platz für eine Radverkehrsführung auf der Fahrbahn zu gewinnen. Da die Alleebäume aus Sicherheitsgründen gefällt werden mussten, ergab sich 2011 die Möglichkeit unter Beibehaltung des Zweirichtungsver- kehrs Schutzstreifen zu markieren. Abbildung 1-1: Radverkehrsführung an der Venloer Straße ändert sich mehrfach Quelle: Planungsbüro VIA Die Vor- und Nachteile dieser Maßnahme wurden kontrovers diskutiert, auch unter dem Gesichtspunkt der Verkehrssicherheit. Um diese Dis- kussion zu versachlichen, wurde im Rahmen der Erarbeitung des Rad- verkehrskonzeptes für den Stadtbezirk Ehrenfeld für die Jahre 2013 bis 2017 eine Unfallauswertung für die Venloer Straße vorgenommen. Ausgangslage Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 11 Auffällig häufig waren in dem untersuchten Zeitraum Unfälle mit ruhen- dem Verkehr aufgrund unachtsam geöffneter Türen sowie Unfälle an den Knotenpunkten. Unfälle im Längsverkehr wiesen keine außerge- wöhnliche Häufung auf. Abbildung 1-2: Unfallauswertung Venloer Straße nach Kategorie und Typ für die Jahre 2013 bis 2017 Quelle: Planungsbüro VIA Aufgrund dieses auffälligen Unfalllagebildes wurde im Radverkehrs- konzept Ehrenfeld nur für die Venloer Straße und nur für die Jahre 2015 bis 2017 (3-Jahresanalyse) eine mikroanalytische Unfallanalyse durchgeführt, die erlaubte, die Unfälle im Detail nach Unfallkostellatio- nen zu untersuchen. Die häufigsten Unfallkonstellationen wurden im Radverkehrskonzept für den Stadtbezirk Ehrenfeld in folgenden Abbil- dungen aufgeführt. Hot Spot Venloer Straße Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 12 Abbildung 1-3: Häufigste Unfallkonstellationen auf der Venloer Straße in den Jahren 2015 bis 2017 mit Radfahrer- beteiligung und Personenschaden Quelle: Planungsbüro VIA Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 13 Die häufigsten Unfallkonstellationen waren: • Unfälle beim Halten/Parken • Unfälle beim Abbiegen und Einbiegen/Kreuzen • Unfälle beim Überholvorgang. Durch die mikroskopische Auswertung wurde deutlich, dass das Längsparken mit Öffnen der Fahrertür und das Halten auf der Fahr- bahn mit Öffnen der Beifahrertür für Radfahrende auf dem Schutzstrei- fen eine Gefahr darstellt, wenn nicht genügend Abstand zwischen Pkw-Tür und Fahrlinie der Radfahrer eingehalten wird. Überholvor- gänge, die durch Pkw vorgenommen werden, sind ebenfalls eine häu- figere Unfallkonstellation auf der Strecke, wenn kein ausreichender Si- cherheitsabstand eingehalten wird. Auch abbiegende Kfz stellen für Radfahrer ein Sicherheitsrisiko dar, vor allem das Linksabbiegen ist problematisch. Die häufigsten Unfall- konstellationen in den Knotenpunkten waren: • Missachtung des Vorrangs der Radfahrenden auf dem Schutz- streifen beim Abbiegen nach links (von Kfz und Radfahrenden) • Missachtung des Vorrangs der Radfahrenden auf dem Schutz- streifen beim Abbiegen nach rechts (nur Kfz) • Missachtung des Vorrangs beim Einbiegen (durch Kfz und Radfahrende, 1x unter Rotlichtverstoß des Radfahrenden). Die Mikroanalyse hatte ergeben, dass die Knotenpunktunfälle der häu- figsten Unfallkonstellationen keinen Zusammenhang mit der Infrastruk- tur hatten. Hier führt die Missachtung der Vorrangregelungen an den Knotenpunkten zu Unfällen. Die Ergebnisse der Mikroanalyse zeigten zudem eindeutig, dass vor allem das Halten auf der Fahrbahn mit Öffnen der Beifahrertür und das Längsparken mit Öffnen der Fahrertür sowie das Ein- und Ausparken Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung verursachten. Dies wurde als ein Hinweis darauf gewertet, dass zum einen der Schutzstreifen auf der Venloer Straße ein Sicherheitsrisiko für Radfahrende ist, da er sie auf die randliche Fahrbahn „drückt“ und zum anderen das Kfz-Parken ne- ben der Radverkehrsanlage trotz des Sicherheitstrennstreifens von 0,5 m Breite unfallträchtig ist. Folgende Entwicklungsziele für die Venloer Straße wurden daraufhin im Radverkehrskonzept für den Stadtbezirk Ehrenfeld formuliert: Ergebnisse der Radver- kehrs-Unfallanalyse 2015- 2017 Entwicklungsziele Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 14 • Das übergeordnete Ziel ist, die Verkehrsmittelwahl durch At- traktivierung zu verändern. Dies entspricht auch den gesamt- städtischen Zielen (Mobil 2025). • In der Einkaufs - und zentralen Veedelsstraße soll der Kfz - Durchgangsverkehr deutlich reduziert und weiter beruhigt wer- den. • Die Ansprüche von Rad- und Fußverkehr sollen höher gewich- tet werden, die des Kfz -Verkehrs (fahrend und ruhend) gerin- ger. • Die Verkehrssicherheit für den Radverkehr soll erhöht werden. Für die Führung des Radverkehrs auf Schutzstreifen soll eine Alternative erarbeitet werden. • Eine höhere Aufenthaltsqualität soll geschaffen werden. Die Venloer Straße soll in Richtung Grünes Netz, d. h. verträgliche Ab- wicklung aller Verkehrsarten im Mischverkehr, entwickelt werden. Um die diskutierten zukünftigen Verkehrsführungen in ihren Wirkungen beurteilen zu können, hatte die Stadt Köln verschiedene VISUM - Modellberechnungen durchgeführt. Da die Variante Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich / Tempo 20 - Zone in der Verkehrssimulation der Stadt Köln unter den Einzelmaß- nahmen die höchsten Verlagerungswirkungen aufwies, wurde diese Variante bevorzugt. Es wurde darauf hingewiesen, dass sie mit einer Einbahnstraßenführung kombiniert werden kann, vorzugsweise mit dem Planfall „abweisende Einbahnstraßen vom Gürtel ausgehend“. Für diese Variante wurden im Modell die höchsten Kfz-Verkehrsverla- gen errechnet. Vor allem eine Umorganisation der Kfz -Parkstände auf ganzer Länge sollte aus Verkehrssicherheitsgründen geplant werden. Als Ziel wurde definiert, überwiegend Liefer-/Ladezonen, Außengastronomie und Fahrradstellplätze sowie Grünbepflanzungen vorzusehen. Zu diesen im Radverkehrskonzept für den Stadtbezirk Ehrenfeld aus- gesprochenen Maßnahmenempfehlungen hat die Stadt Köln von No- vember 2022 bis heute einen Verkehrsversuch in zwei unterschiedli- chen Ausprägungen auf der Venloer Straße durchgeführt: 1. Vom 1.11.2022 bis zum 22.10.2023 wurde auf der Venloer Straße im Abschnitt Ehrenfeldgürtel bis Franz -Geuer-Straße Tempo 20 – Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich angeord- net. VISUM-Berechnungen Maßnahmen- empfehlungen aus dem Radverkehrskonzept Verkehrs- versuche Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 15 Im Zuge dieser Phase wurde auf der Venloer Straße die Rechts-vor-Links-Regelung eingeführt, die bestehende LSA an der Josephskirche wurde abgeschaltet, die Schutzstreifen wur- den durch Markierung ungültig gemacht. Um die gefahrenen Kfz-Geschwindigkeiten weiter zu verringern und Querungsstel- len zu sichern, wurden Seitenraumvorstreckungen provisorisch eingerichtet. Das Kfz-Parken ist auf ein Mindestmaß reduziert worden, ehemalige Parktaschen wurden in Liefer-/Ladezonen, Fahrradstellplätze und Außengastronomie umgewandelt. In der Stadtgesellschaft wurde diese Phase sehr kritisch bewer- tet, da die Kfz-Verkehrsbelastung und auch die Kfz-Geschwin- digkeit in etwa gleich blieben, aber alle Verkehrsteilnehmenden durch die ergriffenen Maßnahmen verunsichert waren. 2. Vom 23.10.2023 bis heute wurde auf der Venloer Straße im Abschnitt Ehrenfeldgürtel bis Franz -Geuer-Straße eine Ein- bahnstraße mit Kfz-Fahrtrichtung Innenstadt bei Tempo 30 an- geordnet. Radfahrende dürfen die Venloer Straße in beide Richtungen befahren. Im Zuge dieser Phase wurde auf der Venloer Straße die Vor- fahrt-Regelung wieder eingeführt, die bestehende LSA an der Josephskirche wurde wieder eingeschaltet, die provisorischen Seitenraumvorstreckungen entfernt. Das Kfz -Parken blieb auf ein Mindestmaß reduziert. In der Stadtgesellschaft wurde diese Phase besser bewertet, allerdings beschweren sich vor allem die Anwohnenden in der Piusstraße und der Vogelsanger Straße über einen starken Kfz-Zuwachs, der insbesondere den Knotenpunkt Vogelsanger Straße / Gürtel an die Grenzen der Leistungsfähigkeit bringt. Die Stadt Köln hat zur Bewertung der Verkehrsversuchsphasen eine weitere Unfallanalyse in Auftrag gegeben. Folgende Fragestellungen sollen vorrangig beantwortet werden: • Wie stellt sich das Unfalllagebild in dem genannten Bereich vor und während der beiden Verkehrsversuchsphasen insge- samt dar? • Wie stellt sich das Unfalllagebild für die einzelnen Verkehrsar- ten (hier vor allem im Fokus: Fuß- und Radverkehr) vor und während der beiden Verkehrsversuchsphasen dar? • Welche Schlussfolgerungen können aus einem Vergleich ge- zogen werden? Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 16 • Welche Schlussfolgerungen können für die Venloer Straße auch im Vergleich zu den Ergebnissen der Unfallanalyse spe- ziell für den Radverkehr von 2015 bis 2017 gezogen werden? Nachdem in dem folgenden Kapitel zunächst die Methodik und das zur Verfügung gestellte Datengerüst erläutert wird, werden die Ergebnisse der Unfallanalyse nach den oben aufgeführten Leitfragen beschrieben. Schließlich wird ein Fazit aus den Ergebnissen den Unfallanalyse ge- zogen und Handlungsempfehlungen formuliert, die zum Ziel haben, den Verkehr so zu organisieren, dass die Verkehrssicherheit auf der Venloer Straße möglichst optimal berücksichtigt wird. Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 17 2 Methodik und Datengrundlage Als Datengrundlage für die Unfallanalyse wurde die elektronische Un- falltypensteckkarte (EUSka) genutzt. EUSka erfüllt alle im „Merkblatt zur örtlichen Unfalluntersuchung in Unfallkommissionen“ der For- schungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen 1 zum Führen und Auswerten von Unfalltypensteckkarten genannten Anforderungen. Durch EUSka werden standardisierte Datengrundlagen für die Unfall- forschung geschaffen und Maßnahmen zur Verbesserung der Ver- kehrssicherheit können kontinuierlich evaluiert werden. Die Schwere der Unfälle ist ein wesentliches Merkmal der Unfallana- lyse. Die Bewertung der Unfallschwere wird nach dem Merkblatt zur Örtlichen Unfalluntersuchung in fünf Unfallschwerekategorien einge- teilt: • Kategorie 1: Unfall mit Getöteten (U(GT)) • Kategorie 2: Unfall mit Schwerverletzten (U(SV)) 2 • Kategorie 3: Unfall mit Leichtverletzten (U(LV)) • Kategorie 4: schwerwiegender Unfall mit Sachschaden (U(SS)) • Kategorie 5: sonstiger Unfall mit Sachschaden (U(LS)). Die Darstellung in den Unfalltypenkarten erfolgt durch unterschiedlich große Kreissignaturen. Ein zweites wesentliches Merkmal der Unfalluntersuchung ist der Un- falltyp. Der Unfalltyp beschreibt die Situation, in der es zum Unfall ge- kommen ist. Zur Bestimmung des Unfalltyps ist allein die Beschreibung der Konflikt- situation ausschlaggebend, die Kategorien werden ausdrücklich nicht nach Unfallursache oder gar Schuldfrage vergeben. Daher ist in der Unfallanalyse, die hier vorgenommen wird, der Unfal lverursacher nur näherungsweise über die Reihenfolge der Nennung anzunehmen. Die Unfallverursacherfrage bzw. die Schuldfrage klärt niemals die Polizei; dies ist eine rechtliche Fragestellung. 1 Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen (FGSV): Merkblatt zur Örtlichen Unfalluntersuchung in Unfallkommissionen (M Uko). Köln, 2012 2 Nach der Statistik der Straßenverkehrsunfälle des Statistischen Bundesamtes: Schwerver- letzte sind Personen, die unmittelbar zur stationären Behandlung (mindestens 24 Stunden) in einem Krankenhaus aufgenommen wurden. Gesundheitsberichterstattung des Bundes 06.11.2013 http://www.gbe-bund.de/gbe10/abrechnung.prc_abr_test_lo- gon?p_uid=gastg&p_aid=&p_kno- ten=FID&p_sprache=D&p_suchstring=8960::Verkehrsunf%E4lle,%20Verkehrsunfall, abge- rufen am 4.11.2013 standardisierte Unfalldaten Unfallschwere Unfalltypen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 18 Abbildung 2-1: Relevanz zur Bestimmung des Unfalltyps Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen (FGSV): Merkblatt zur Örtlichen Unfall- untersuchung in Unfallkommissionen (M Uko). Köln, 2012, Seite 8 Die Unfalltypen werden nach dem Merkblatt zur Örtlichen Unfallunter- suchung in sieben Kategorien, die in den Unfallkarten eine einheitliche Farbigkeit erhalten, eingeteilt: • Typ 1: Fahrunfall (F); grün • Typ 2: Abbiege-Unfall (AB); gelb • Typ 3: Einbiegen/Kreuzen-Unfall (EK); rot • Typ 4: Überschreiten-Unfall (ÜS); weiß • Typ 5: Unfall durch ruhenden Verkehr (RV); hellblau • Typ 6: Unfall im Längsverkehr (LV); orange • Typ 7: Sonstiger Unfall (SO); schwarz Diese Unfalltypen werden im Folgenden kurz erläutert und in Bezug auf ihre Radverkehrsrelevanz dargestellt: Fahrunfälle sind laut M Uko: Der Fahrunfall wurde ausgelöst durch den Verlust der Kontrolle über das Fahrzeug (wegen nicht angepasster Geschwindigkeit oder falscher Einschätzung des Stra- ßenverlaufs, des Straßenzustandes o.Ä.), ohne dass andere Verkehrsteilnehmer dazu beigetragen haben. Infolge unkontrollierter Fahrzeugbewegungen kann es dann aber zu einem Zusammenstoß mit anderen Ver- kehrsteilnehmern gekommen sein. In Bezug auf Fahrunfälle mit Radfahrbeteiligung werden auch Alleinun- fälle gefasst. Den Unfalltyp „Abbiege-Unfall“ definiert die M Uko: Fahrunfall Abbiege-Unfall Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 19 Der Unfall wurde ausgelöst durch einen Konflikt mit ei- nem, den Vorrang Anderer zu beachtenden Abbieger und einem aus gleicher oder entgegengesetzter Rich- tung kommenden Verkehrsteilnehmer (auch Fußgän- ger!) an Kreuzungen, Einmündungen, Grundstücks - oder Parkplatzzufahrten. Abbiege-Unfälle sind innerorts sehr häufige Unfalltypen bei Unfällen mit Radverkehrsbeteiligung. Die ERA nennt Beispiele für häufige Ab- biege-Unfälle mit Radfahrenden: Abbildung 2-1: Abbiege-Unfälle mit geradeaus fahrenden Radfah- renden im Seitenraum Quelle: Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV): Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA). Köln, 2010, Seite 38 Ebenso wie der Abbiege-Unfall ist der Einbiegen- /Kreuzen-Unfall ein häufiger Unfalltyp für Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung innerorts. Un- ter der Kategorie „Einbiegen/Kreuzen-Unfall“ wird laut M Uko gefasst 3: Der Unfall wurde ausgelöst durch einen Konflikt zwi- schen einem Einbiegenden oder kreuzenden Warte- pflichtigen und einem vorfahrtberechtigten Fahrzeug an Kreuzungen, Einmündungen oder Ausfahrten von Grundstücken oder Parkplätzen. Die ERA nennt als einen der häufigsten Radfahrunfälle folgenden Ein- biegen-/Kreuzen-Unfall: 3 Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen (FGSV): Merkblatt zur Örtlichen Unfalluntersuchung in Unfallkommissionen (M Uko). Köln, 2012, Seite 9 Einbiegen/Kreuzen-Unfall Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 20 Abbildung 2-2: Unfallträchtigste Konfliktsituation bei Zweirichtungs- radverkehr an Einmündungen ohne Lichtsignalan- lage Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV): Empfehlungen für Radver- kehrsanlagen (ERA). Köln, 2010, Seite 42 Eine von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zum Unfallge- schehen zwischen abbiegenden Kfz und geradeausfahrenden Radfah- rerenden durchgeführte Studie untersuchte die Einflüsse der Verkehrs- infrastrukturgestaltung und des Verhaltens der Verkehrsteilnehmer auf die Verkehrssicherheit beim Abbiegen an innerörtlichen Knotenpunk- ten.4 In vier Städten (Erfurt, Darmstadt, Magdeburg und Münster) wurden rund 900 Unfälle zwischen abbiegenden Kfz und geradeausfahrenden Radfahrenden aus den Jahren 2007 -2009 analysiert. Als besonders unfallauffällige Infrastrukturen in Bezug auf Rechtsabbiegeunfälle ha- ben sich Radwege mit Furtabsetzungen von mehr als 2 Metern in Ver- bindung mit Sichthindernissen herausgestellt. In Bezug auf Linksab- biegeunfälle ergaben sich hohe Unfallrisiken bei Radverkehrsführung im Mischverkehr an unsignalisierten Knotenpunkten. Schließlich wur- den viele Unfälle jedoch auch durch die unerlaubte Nutzung der Geh- wege oder das Linksfahren der Radfahrenden begünstigt. Um einen Überschreiten-Unfall handelt es sich, wenn Der Unfall durch einen Konflikt zwischen einem die Fahrbahn überschreitenden Fußgänger und einem Fahrzeug ausgelöst wurde - sofern das Fahrzeug nicht soeben abgebogen ist. 4 http://www.udv.de/de/strasse/wege-fuer-radfahrer/mensch/radfahrer, abgerufen am 18.10.2013 Überschreiten-Unfall Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 21 Um einen Unfall mit ruhendem Verkehr handelt es sich, wenn der Unfall ausgelöst wurde durch einen Konflikt zwischen einem Fahrzeug des fließenden Verkehrs und einem Fahrzeug, das parkt/hält bzw. Fahrmanöver in Zusam- menhang mit dem Parken/Halten durchführte. Diese Unfälle sind häufig Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung, in denen Radfahrende in plötzlich sich öffnende Autotüren fahren. „Unfälle im Längsverkehr“ sind laut M Uko: Der Unfall wurde ausgelöst durch einen Konflikt zwi- schen Verkehrsteilnehmern, die sich in gleicher oder entgegengesetzter Richtung bewegten, sofern dieser Konflikt nicht einem anderen Unfalltyp entspricht. Hierunter werden Überholunfälle und Unfälle aufgrund des nicht Be- achtens des Rechtsfahrgebotes geführt. Unter „sonstige Unfälle“ werden Unfälle gefasst, die zu keiner anderen Kategorie zuzuordnen sind. Die Stadt Köln hat für die erneute Unfallanalyse für den Zeitraum 2021 bis 2024 bei der Polizei die Unfalldaten für alle Verkehrsarten im Be- reich Innere Kanalstraße – Weinsbergstraße – Melatengürtel/Ehren- feldgürtel - Subbelrather Straße (inklusive der begrenzenden Straßen) angefordert: Unfall mit ruhendem Ver- kehr Unfall im Längsverkehr Sonstige Unfälle Datengrundlage Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 22 Abbildung 2-3: Untersuchungsraum für die Unfallanalyse Anfang 2021 bis Ende 2024 Quelle: Planungsbüro VIA Die Zeiträume wurden nach der Verkehrsversuchsphase 1 bestimmt: vom 1.11.2022 bis zum 22.10. 2023 galt in der Venloer Straße Tempo 20/Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich, aus statistischer Sicht gesehen leider nicht ganz 12 Monate. Demnach sind die Unfall- daten für die 12 Monate vorher als Phase 0 ausgewertet worden. Da die Polizei die Unfalldaten erst nach Ablauf von drei Monaten übermit- teln kann, konnten auch die Unfalldaten für die Phase 2, in der die Ein- bahnstraßenführung auf der Venloer Straße galt, nicht ganz für ein Jahr in die Analyse einbezogen werden, da der vorliegende Bericht Ende Januar 2025 an die Stadt Köln übergeben werden sollte. Dem- nach liegen die Unfalldaten für folgende Zeiträume vor: • 01.11.2021 bis 31.10.2022 (12 Monate) Unfalllage bis unmittelbar vor der Verkehrsversuchsphase in der Venloer Straße Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 23 • 01.11.2022 bis 22.10.2023 (knapp 12 Monate) Unfalllage in der 1. Phase des Verkehrsversuchs: Tempo 20/ Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich in der Venloer Straße) • 23.10.2023 bis 30.09.2024 (gut 11 Monate) Unfalllage in der 2. Phase des Verkehrsversuchs: Einbahn- straßenführung für Kfz in der Venloer Straße. Die Polizei hat für das Untersuchungsgebiet in den genannten Zeiträu- men alle Unfälle in den Kategorien 1 bis 4 zur Verfügung gestellt. In der vorliegenden Unfallanalyse werden nur die Unfälle der Kategorie 1 bis 3 einbezogen, das heißt nur die Unfälle mit Personenschaden. Die Unfälle mit Sachschaden (Kategorie 4) wurden aussortiert. Die Anzahl der Unfälle verteilen sich auf diese Phasen entsprechend der folgen- den Tabelle, in der Summe stehen alle Unfälle mit allen Verkehrsarten im Untersuchungsgebiet. Abbildung 2-4: absolute Anzahl der Unfälle mit Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet in den drei Pha- sen (n=453) Quelle: Planungsbüro VIA Da die Unfalldaten in den Phasen 1 und 2 jeweils nicht ganz ein Jahr umfassen, wurden die Unfälle aus Phase 1 und 2 in der folgenden Un- fallanalyse jeweils auf ein Jahr, d.h. 365 Tage, hochgerechnet. Zu Be- ginn der Kapitel werden zunächst die absoluten Zahlen genannt und im Anschluss mit den hochgerechneten Zahlen weitergearbeitet, um die Phasen miteinander vergleichbar zu machen. Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 24 3 Unfallanalyse Die Unfallanalyse wird in folgender Reihenfolge dokumentiert: Zu- nächst werden die Unfälle mit allen Verkehrsarten und Personenscha- den im gesamten Untersuchungsgebiet und dann nur für den Aus- schnitt Venloer Straße dargestellt, dabei werden die Unfälle an den Knotenpunkten mit der Inneren Kanalstraße und dem Ehrenfeldgürtel nicht miteinbezogen, da bei der Unfallanalyse zur Venloer Straße der Fokus auf der Streckenanalyse und den „innenliegenden“ Knotenpunk- ten liegen soll. Es folgen die Analyseergebnisse nur für die Unfälle mit Radverkehrs- beteiligung und Personenschaden zunächst für das gesamte Untersu- chungsgebiet und dann ebenfalls nur für den Abschnitt auf der Venloer Straße (ohne die an den Knotenpunkten Innerer Kanalstraße und Eh- renfeldgürtel). Die Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personen- schaden werden nach dem gleichen Muster aufbereitet. Da die absoluten Unfallzahlen vor allem bei der Analyse des verkehrs- mittelspezifischen Unfallgeschehens auf der Venloer Straße in den ein- zelnen Phasen sehr gering sind , wurde in Abstimmung mit der Stadt Köln entschieden, dass in den folgenden Grafiken grundsätzlich keine prozentualen Anteile, sondern absolute Zahlen dargestellt werden. 3.1 Unfälle mit allen Verkehrsarten und Personenschaden 3.1.1 Unfallzahlen und -entwicklung für alle Unfälle mit Per- sonenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet Die bereit gestellten Verkehrsunfalldaten mit Personenschaden im Un- tersuchungsgebiet für die drei Zeiträume wurden im Geografischen In- formationssystem (GIS) räumlich verortet . Eine Übersicht über die Lage der Unfälle und ihre Zuordnung zu den drei Zeitschnitten gibt die nachfolgende Karte: Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 25 Abbildung 3-1: Unfalllagebild über alle Unfälle mit Personenscha- den im Untersuchungsraum in den drei Zeitschnitten (n=453 von Anfang November 2021 bis Ende Sep- tember 2024) Quelle: Planungsbüro VIA Deutlich wird, dass die weitaus überwiegende Mehrheit der Unfälle mit Personenschaden im Untersuchungsgebiet an folgenden Straßenzü- gen und ihren Knotenpunkten polizeilich registriert werden: • Innere Kanalstraße Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 26 • Ehrenfeldgürtel • Venloer Straße • Subbelrather Straße • Vogelsanger Straße. Alle anderen Straßenzüge, auch die Weinsbergstraße, weisen im Un- tersuchungszeitraum nur solitäre Unfallstellen auf. Die folgenden Kar- ten zeigen das Unfalllagebild im gesamten Untersuchungsraum für alle Verkehrsarten nach Unfallschwere und Unfalltyp in den drei Zeitschnit- ten: Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 27 Abbildung 3-2: Unfalllagebild über alle Unfälle mit Personenscha- den im Untersuchungsraum in Phase 0 (n=140 Un- fälle in 12 Monaten) Quelle: Planungsbüro VIA Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 28 Abbildung 3-3: Unfalllagebild über alle Unfälle mit Personenscha- den im Untersuchungsraum in Phase 1 (n=171 Un- fälle in knapp 12 Monaten) Quelle: Planungsbüro VIA Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 29 Abbildung 3-4: Unfalllagebild über alle Unfälle mit Personenscha- den im Untersuchungsraum in Phase 2 (n=142 Un- fälle in gut 11 Monaten) Quelle: Planungsbüro VIA Die Anzahl der Unfälle mit Personenschaden beträgt 453 im gesamten Untersuchungsgebiet von Anfang November 2021 bis Ende Septem- ber 2024. Da die Zeiträume zwar nur geringfügig unterschiedlich, aber dennoch nicht identisch lang sind, wurde die Anzahl der Unfälle in den Unfallzahlen und -entwicklung Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 30 drei Zeiträumen auf Unfälle pro Jahr hochgerechnet. So ergibt sich fol- gendes Bild: Abbildung 3-5: absolute Anzahl der Unfälle mit Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet in den drei Pha- sen (n=453) und durchschnittlich pro Jahr (n=466) Quelle: Planungsbüro VIA Hierbei zeigt sich, dass es im gesamten Untersuchungsgebiet in Phase 1 durchschnittlich mehr Unfälle mit Personenschaden pro Jahr gab als in den beiden anderen Zeiträumen. Auch in Phase 2 finden im gesamten Untersuchungsgebiet noch mehr Unfälle als in Phase 0 statt, diese schneidet mit 140 Unfällen durchschnittlich pro Jahr am besten ab. Die folgende Abbildung zeigt die Unfälle mit Personenschaden im ge- samten Gebiet in den drei Phasen nach Monaten (absolute Anzahl, nicht hochgerechnet): Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 31 Abbildung 3-6: absolute Anzahl der Unfälle mit Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet in den drei Pha- sen aufgeschlüsselt nach Monaten (n=453) Quelle: Planungsbüro VIA Im untersuchten Zeitraum passieren im Untersuchungsgebiet rund 13 Unfälle pro Monat mit Personenschaden, Es gibt einige wenige Mo- nate, die deutlich unter oder über diesem Durchschnitt liegen, diese bilden jedoch Ausnahmen. Die Unfallkategorie gibt die Schwere des Unfalls wieder. Im gesamten Untersuchungsgebiet ereignete sich in den drei untersuchten Zeiträu- men ein Unfall mit Todesfolge in Phase 1. Abbildung 3-7: Unfälle mit Personenschaden im gesamten Untersu- chungsgebiet in allen drei Phasen nach Unfall- schwere im Vergleich (hochgerechnet, n=466) Quelle: Planungsbüro VIA Vergleich Unfallschwere in den drei Phasen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 32 Der Vergleich in den drei Phasen zeigt, dass es in Phase 1 zwar die meisten Unfälle mit Personenschaden im Untersuchungsgebiet gege- ben hat, die Anzahl der Unfälle mit Schwerverletzten jedoch im Phase 0 am höchsten war. Der Anteil der Schwerverletzten im Untersu- chungsgebiet hat in den drei Phasen kontinuierlich abgenommen, Der Unfalltyp beschreibt die Konfliktsituation, in deren Folge es zu ei- nem Unfall kommt. Es zeigen sich leichte Unterschiede im Vergleich der drei Phasen in Bezug auf den Unfalltyp: Abbildung 3-8: Unfälle im gesamten Untersuchungsgebiet in allen drei Phasen nach Unfallschwere im Vergleich (hochgerechnet, n=466) Quelle: Planungsbüro VIA Die Anzahl der Knotenpunktunfälle (Abbiegeunfälle und Einbie- gen/Kreuzen-Unfälle) verändert sich nur geringfügig, auch bei anderen Unfalltypen verschiebt sich die Anzahl in den Phasen im Vergleich nicht wesentlich. Nur die Unfälle im Längsverkehr, dies sind vor allem Überhol-Unfälle 5, haben zwischen Phase 0 und Phase 1 deutlich zu- genommen und sind in Phase 2 ähnlich hoch geblieben. Die Unfalldaten für das gesamte Untersuchungsgebiet wurden nach Unfallbeteiligung in den drei Phasen ausgewertet, das Ergebnis zeigt folgende Abbildung: 5 Vgl. Kapitel 2 Vergleich des Unfalltyps in den drei Phasen Vergleich Unfallbeteili- gung in den drei Phasen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 33 Abbildung 3-9: Unfälle im gesamten Untersuchungsgebiet in allen drei Phasen nach Unfallbeteiligung im Vergleich (hochgerechnet, n=466) Quelle: Planungsbüro VIA Die Anzahl der Unfälle mit Personenschaden, in denen nur die Ver- kehrsmittel der Nahmobilität beteiligt waren (Radverkehr und Fußver- kehr) zeigt in den untersuchten drei Phasen keine Auffälligkeiten. Al- lerdings gab es in Phase 1 deutlich mehr Unfälle mit Kfz und Radver- kehr sowie Kfz und Kfz. 3.1.2 Unfallzahlen und -entwicklung für alle Unfälle mit Per- sonenschaden auf der Venloer Straße Die Venloer Straße wurde in der Presse als eine der gefährlichsten Straßen Deutschlands genannt. Die von der Polizei für die drei Phasen zur Verfügung gestellten Unfalldaten können nach Straßenzügen ge- genübergestellt werden, wobei jeweils die Knotenpunkte mit der Inne- ren Kanalstraße und dem Ehrenfeldgürtel nicht berücksichtigt wurden. Die folgende Tabelle zeigt die Unfalldaten mit Personenschaden für alle Verkehrsarten für das Gesamtgebiet, die Venloer Straße, die Sub- belrather Straße und die Vogelsanger Straße. Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 34 Tabelle 3-1: Unfälle mit allen Verkehrsarten im Untersuchungs- gebiet, auf der Venloer Straße, der Subbelrather Straße und der Vogelsanger Straße im Vergleich Quelle: Planungsbüro VIA Während die Anteile der Unfälle mit allen Verkehrsarten auf der Venloer Straße von rund einem Viertel aller Unfälle im Gesamtgebiet in Phase 0 auf rund ein Sechstel in Phase 2 sinkt, steigen die Unfälle mit allen Verkehrsarten auf der Subbelrather Straße an – wenn auch nicht so stark. Die Unfälle auf der Vogelsanger Straße bleiben in allen drei Phasen auf einem niedrigen Niveau, allerdings mit ganz leicht ansteigender Tendenz. Die folgende Grafik stellt die Unfälle mit allen Verkehrsarten für die drei Straßen noch einmal im Vergleich dar: Abbildung 3-10: Durchschnittliche Anzahl der Unfälle auf der Venloer Straße im Vergleich zu Subbelrather Straße und Vo- gelsanger Straße in den drei Phasen (n=179) Quelle: Planungsbüro VIA Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 35 Eine Übersicht über die Lage der Unfälle mit Personenschaden für alle Verkehrsarten nur auf der Venloer Straße und ihre Zuordnung zu den drei Zeitschnitten gibt die nachfolgende Karte: Abbildung 3-11: Unfalllagebild über alle Verkehrsunfälle mit Perso- nenschaden nur auf der Venloer Straße (n=96 von Anfang November 2021 bis Ende September 2024) Quelle: Planungsbüro VIA Die Unfälle aller drei untersuchten Zeitschnitte verteilen sich über die gesamte Venloer Straße, nur zwischen Leostraße und Fuchsstraße fin- den auf der Strecke weniger Unfälle statt. Von den innenliegenden Knotenpunkten sind vor allem die westlichen bis zur Geisselstraße un- fallbelegt, aber auch an den Knotenpunkten mit Gutenbergstraße und Fuchsstraße finden viele Unfälle statt. Dass es aber durchaus Veränderungen in den drei Zeitschnitten gibt, zeigt die nächste Abbildung, die die Unfalllage, die Unfallschwere und den Unfalltyp für alle Verkehrsarten getrennt nach den drei Zeitschnit- ten verortet: Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 36 Abbildung 3-12: Unfalllagebild über alle Verkehrsunfälle mit Perso- nenschaden nur auf der Venloer Straße in den drei Zeitschnitten Quelle: Planungsbüro VIA Ins Auge springt, dass die Anzahl aller Unfälle mit Personenschaden vor allem in Phase 2 deutlich abgenommen hat und dass sich die poli- zeilich registrierten Unfalltypen verändern. Dies wird mit den folgenden Erläuterungen und Abbildungen ausgeführt: Die Anzahl der Unfälle aller Verkehrsarten mit Personenschaden nur auf der Venloer Straße beträgt 96 von Anfang November 2021 bis Ende September 2024. Da die Zeiträume (geringfügig) unterschiedlich lang sind, wird die Anzahl der Unfälle in den drei Zeiträumen auf die Unfälle pro Jahr hochgerechnet. So ergibt sich folgendes Bild: Unfallzahlen und -entwicklung Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 37 Abbildung 3-13: absolute Anzahl aller Verkehrsunfälle mit Personen- schaden nur auf der Venloer Straße in den drei Phasen (n=96) und durchschnittlich pro Jahr (n=98) Quelle: Planungsbüro VIA Die Betrachtung der drei Zeiträume zeigt einen starken Rückgang der Zahl der Unfälle in Phase 2 an, die absoluten Unfallzahlen mit allen Verkehrsmitteln haben sich in Phase 2 nahezu halbiert. In Phase 1 da- gegen ist die Anzahl aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden auf der Venloer Straße im Vergleich zu Phase 0 vor dem Verkehrsversuch noch einmal geringfügig angestiegen. Die folgende Grafik zeigt die Anzahl der Unfälle auf der Venloer Straße nach Monaten aufgeschlüsselt: Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 38 Abbildung 3-14: absolute Anzahl aller Unfälle mit Personenschaden nur auf der Venloer Straße in den drei Phasen auf- geschlüsselt nach Monaten (n=96) Quelle: Planungsbüro VIA Durchschnittlich finden fast drei Unfälle pro Monat mit Personenscha- den statt. Auch hier gibt es Monate, die deutlich darüber oder darunter liegen, doch keine wirklichen Auffälligkeiten. Auf der Venloer Straße ereignete sich in den drei untersuchten Zeit- räumen ein Unfall mit Todesfolge. Hierbei wurde am Knotenpunkt Ven- loer Straße / Piusstraße ein über 80 -jähriger Fußgänger von einem rechts abbiegenden Lieferwagen angefahren und verstarb noch an der Unfallstelle. Darüber hinaus wurden 7 Unfälle mit Schwerverletzten und 90 Unfälle mit Leichtverletzten in den drei Zeiträumen durch die Polizei aufgenommen. Vergleich Unfallschwere in den drei Phasen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 39 Abbildung 3-15: alle Verkehrsunfälle mit Personenschaden nur auf der Venloer Straße in allen drei Phasen nach Unfall- schwere im Vergleich (hochgerechnet, n=98) Quelle: Planungsbüro VIA Der Vergleich in den drei Phasen zeigt, dass zwar in Phase 1 die ab- solut am meisten Unfälle auf der Venloer Straße passiert sind, dass es in Phase 0 aber einen deutlich höheren Anteil an Schwerverletzten gab. In Phase 2 wurden mit Abstand die am wenigsten Unfälle mit Per- sonenschaden und mit schwerverletzten Personen polizeilich regis- triert. Der Unfalltyp beschreibt die Konfliktsituation, in deren Folge es zu ei- nem Unfall kommt. Es zeigen sich einige Unterschiede im Vergleich der drei Phasen in Bezug auf den Unfalltyp: Abbildung 3-16: alle Verkehrsunfälle mit Personenschaden nur auf der Venloer Straße in allen drei Phasen nach Unfall- typ im Vergleich (hochgerechnet, n=98) Quelle: Planungsbüro VIA Vergleich des Unfalltyps in den drei Phasen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 40 Die Anzahl der Knotenpunktunfälle (Abbiegeunfälle und Einbie- gen/Kreuzen-Unfälle) verdoppelte sich in Phase 1, auch die Unfälle im Längsverkehr nahmen in Phase 1 stark zu. Alle Unfallzahlen je Unfall- typ nahmen in Phase 2 grundsätzlich ab, nur die Überschreiten-Unfälle blieben davon ausgenommen, besonders stark nahmen in Phase 2 die Unfälle ab, die durch ruhenden Verkehr verursacht wurden. Für alle Unfälle mit Personenschaden, die auf der Venloer Straße po- lizeilich registriert wurden, wurde die Unfallbeteiligung nach den drei untersuchten Phasen aufgeschlüsselt: Abbildung 3-17: alle Unfälle mit Personenschaden nur auf der Ven- loer Straße in allen drei Phasen nach Unfallbeteili- gung im Vergleich (hochgerechnet, n=98) Quelle: Planungsbüro VIA Die Abbildung zeigt, dass in Phase 1 und 2 einige wenige Unfälle zwi- schen Radfahrenden und zu Fuß Gehenden aufgenommen wurden, die es in dieser Verkehrsmittelkombination in Phase 0 gar nicht gab. Dafür gab es in Phase 2 keine Unfälle nur zwischen Radfahrenden. Insgesamt sinkt die absolute Anzahl der Unfälle, bei denen nur die Nahmobilitätsverkehrsmittel Fuß und Rad beteiligt sind, in Phase 2 stark. Überhaupt sinkt die Anzahl der verschiedenen Unfallbeteiligungen in Phase 2 stark, mit einer Ausnahme: Es gibt mehr Unfälle zwischen Kfz und zu Fuß Gehenden. Am deutlichsten ist der Rückgang zwischen den Unfallbeteiligten Kfz und Radfahrenden. Vergleich der Unfallbetei- ligung in den drei Phasen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 41 3.1.3 Zusammenfassung der Ergebnisse zur Unfallentwick- lung mit allen Verkehrsarten Von 01.11.2021 bis zum 30.09.2024 wurden im Untersuchungsgebiet 453 Unfälle mit Personenschäden mit allen Verkehrsarten polizeilich registriert. Davon fanden 96 Unfälle auf der Venloer Straße statt, das sind 21%. In der Phase 1 wurden im gesamten Untersuchungsgebiet deutlich mehr Unfälle polizeilich registriert als in den Phasen davor und danach, in denen die Anzahl der Unfälle nahezu gleich war. Dagegen hat sich auf der Venloer Straße ein anderes Bild ergeben: Hier gab es in Phase 1, in der auf der Venloer Straße Tempo 20/Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich angeordnet war, nur geringfügig mehr Unfälle mit Personenschaden, dafür aber in Phase 2, in der auf der Venloer Straße die Einbahnstraßenführung angeordnet war, deutlich weniger Unfälle als in Phase 0. Somit unterscheidet s ich Entwicklung der An- zahl der Unfälle im Gesamtgebiet von dem auf der Venloer Straße. Stieg die Anzahl der Unfälle auf der Venloer Straße in Phase 1 gegen- über Phase 0 leicht an und fiel in Phase 2 stark ab, so sieht das in den parallelen Straßen Subbelrather Straße und Vogelsanger Straße an- ders aus: In beiden Straßen gibt es einen Anstieg in Phase 1 und in Phase 2 werden die etwas höheren Zahlen gehalten. Allerdings sind die absoluten Zahlen hier deutlich geringer, in Phase 0 gab es auf der Venloer Straße mehr als doppelt so viele Unfälle wie in der Subbel- rather Straße, die Vogelsanger Straße lag noch einmal deutlich darun- ter. Umso erstaunlicher ist es, dass in Phase 2 in der Venloer Straße weniger Unfälle registriert wurden als in der Subbelrather Straße. 11% der Unfälle im Untersuchungsgebiet hatten schwerverletzte oder getötete Personen zur Folge. Auf der Venloer Straße hatten 8% der Unfälle schwerverletzte oder getötete Personen zur Folge, der Schwer- verletzten-Anteil ist hier also geringer. Im Gesamtgebiet dominieren die Unfälle an Knotenpunkten und die Fahrunfälle. In Phase 1 und 2 nehmen zudem die Unfälle im Längsver- kehr stark zu. Auf der Venloer Straße dominieren in Phase 0 und 1 die Unfälle mit ruhendem Verkehr, diese nehmen jedoch in Phase 2 stark ab, d.h die hohe Unfallgefährdung durch ruhenden Verkehr ist auf der Venloer Straße beseitigt worden. Nur in Phase 1 dominierten auf der Venloer Straße die Unfälle im Längsverkehr, in Phase 0 und 2 nehmen diese Entwicklung der Anzahl der Unfälle im Vergleich: Gesamtgebiet und Ven- loer Straße Entwicklung der Anzahl der Unfälle im Vergleich: Venloer Straße, Subbel- rather Straße, Vogelsan- ger Straße Unfallschwere Unfalltypen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 42 wieder ab. In Phase 2 dominiert auf der Venloer Straße kein Unfalltyp mehr. Im gesamten Untersuchungsgebiet geschehen in den drei Phasen 60% der Unfälle mit den Beteiligten Kfz -Radverkehr und Kfz-Kfz, die Phasen unterscheiden sich hier auch nicht wesentlich. Auf der Venloer Straße sinkt dieser Anteil aber kontinuierlich: von 72% in Phase 0 auf 50% in Phase 2. Die Unfälle zwischen Radfahrenden und zu Fuß Gehenden haben im Vergleich zu Phase 0 in Phase 1 und 2 zugenommen und die zwischen Kfz und zu Fuß Gehenden haben im Vergleich zu Phase 0 und 1 in Phase 2 zugenommen. 3.2 Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung In den folgenden Unterkapiteln werden ausschließlich die Unfälle be- schrieben, die mit Radverkehrsbeteiligung stattgefunden haben, dabei ist es unerheblich, ob die Radfahrenden als Unfallverursacher 6 oder als weitere Unfallbeteiligte in der Polizeistatistik geführt werden. 3.2.1 Unfallzahlen und -entwicklung für Unfälle mit Radver- kehrsbeteiligung und Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet Auch die folgenden Karten, die nur die Unfälle zeigen, die mit Radver- kehrsbeteiligung polizeilich registriert wurden, machen deutlich, dass die weitaus überwiegende Mehrheit der Unfälle mit Radverkehrsbetei- ligung und Personenschaden im Untersuchungsgebiet an folgenden Straßenzügen und ihren Knotenpunkten stattfinden: • Innere Kanalstraße (hier schwerpunktmäßig nur an den Kno- tenpunkten) • Ehrenfeldgürtel • Venloer Straße • Subbelrather Straße • Vogelsanger Straße. Alle anderen Straßenzüge, auch die Weinsbergstraße, weisen im Un- tersuchungszeitraum nur solitäre Unfallstellen vor allem an den Kno- tenpunkten auf. 6 Beteiligter 1 („Bet 1“) Unfallbeteiligung Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 43 Die folgenden Karten zeigen das Unfalllagebild im gesamten Untersu- chungsraum für alle Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung nach Unfall- schwere und Unfalltyp in den drei Zeitschnitten: Abbildung 3-18: Unfalllagebild über alle Unfälle mit Radverkehrsbe- teiligung und Personenschaden im Untersuchungs- raum in den drei Zeitschnitten (n=265 von Anfang November 2021 bis Ende September 2024) Quelle: Planungsbüro VIA Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 44 Abbildung 3-19: Unfalllagebild für Unfälle mit Radverkehrsbeteili- gung und Personenschaden in Phase 0 (n=84 Un- fälle in 12 Monaten) Quelle: Planungsbüro VIA Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 45 Abbildung 3-20: Unfalllagebild für Unfälle mit Radverkehrsbeteili- gung und Personenschaden im Untersuchungsraum in Phase 1 (n=101 Unfälle in knapp 12 Monaten) Quelle: Planungsbüro VIA Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 46 Abbildung 3-21: Unfalllagebild für Unfälle mit Radverkehrsbeteili- gung und Personenschaden im Untersuchungsraum in Phase 2 (n=80 Unfälle in gut 11 Monaten) Quelle: Planungsbüro VIA Die Anzahl der Unfälle mit Personenschaden und Radverkehrsbeteili- gung beträgt 265 im gesamten Untersuchungsgebiet in den drei Zeit- räumen von Anfang November 2021 bis Ende September 2024. Auch hier werden die Werte der Phasen 1 und 2 hochgerechnet, um die et- was unterschiedlich langen Zeiträume zu berücksichtigen und die Werte direkt vergleichbar zu machen. Unfallzahlen und -entwicklung Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 47 Abbildung 3-22: absolute Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteili- gung und Personenschaden im gesamten Untersu- chungsgebiet in den drei Phasen (n=265) und durchschnittlich pro Jahr (n=273) Quelle: Planungsbüro VIA Auch bei den Unfällen mit Radverkehrsbeteiligung und Personenscha- den zeigt sich erneut, dass es im gesamten Untersuchungsgebiet in der Phase 1 durchschnittlich pro Jahr mehr Unfälle gab als in den bei- den anderen Zeiträumen. Allerdings finden in Phase 2 im gesamten Untersuchungsgebiet nahezu gleich viel Unfälle wie in Phase 0 statt , bezogen auf alle Unfälle mit Personenschaden waren in Phase 2 noch mehr Unfälle als in Phase 0 registriert, d.h. insgesamt steigen die Un- fallzahlen im Untersuchungsgebiet, nicht aber die mit Radverkehrsbe- teiligung (Abbildung 3-4: Unfalllagebild über alle Unfälle mit Perso- nenschaden im Untersuchungsraum in Phase 2 (n=142 Unfälle in gut 11 Monaten). Die Unfallkategorie gibt die Schwere des Unfalls wieder. Im gesamten Untersuchungsgebiet ereignete sich in den drei untersuchten Zeiträu- men kein Unfall mit Radverkehrsbeteiligung und Todesfolge. Vergleich Unfallschwere in den drei Phasen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 48 Abbildung 3-23: Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personen- schaden im gesamten Untersuchungsgebiet in allen drei Phasen nach Unfallschwere im Vergleich (hochgerechnet, n=273) 7 Quelle: Planungsbüro VIA Der Vergleich in den drei Phasen zeigt, dass zwar die Anzahl der Un- fälle mit Radverkehrsbeteiligung in Phase 1 im Vergleich zu Phase 0 zunimmt, dass aber der Anteil der schwerverletzten Personen sinkt. In Phase 2 ist die Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung wieder nahezu gleich wie in Phase 0, aber der Anteil der Schwerverletzten ist geringer. Der Anteil der Schwerverletzten beträgt in Phase 0 12 %, in Phase 1 9 % und in Phase 2 7 %, was 6 schwer verletzten Pe rsonen entspricht. Der Unfalltyp beschreibt die Konfliktsituation, in deren Folge es zu ei- nem Unfall kommt. Es zeigen sich leichte Unterschiede im Vergleich der drei Phasen in Bezug auf den Unfalltyp bei den Unfällen mit Per- sonenschaden und Radverkehrsbeteiligung: 7 Die hochgerechneten Werte sind gerundet, die Nachkommastellen sind nicht sichtbar. Da- her ergibt sich eine geringfüge Abweichung in der Summe der Unfälle in den Phasen von der Gesamtsumme. Vergleich des Unfalltyps in den drei Phasen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 49 Abbildung 3-24: Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personen- schaden im gesamten Untersuchungsgebiet in allen drei Phasen nach Unfalltyp im Vergleich (n=273) 8 Quelle: Planungsbüro VIA Die Knotenpunktunfälle nehmen im Vergleich zu Phase 0 in den Pha- sen 1 und 2 zu. Deutlich wird, dass die Fahrunfälle und die Unfälle mit ruhendem Verkehr in der Phase 2 geringer sind als in den anderen beiden Phasen. Dafür nehmen die Unfälle im Längsverkehr in den Phasen 1 und 2 im Vergleich zu Phase 0 deutlich zu. Die Daten für Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenscha- den für das gesamte Untersuchungsgebiet wurden nach Unfallbeteili- gung in den drei Phasen ausgewertet, das Ergebnis zeigt folgende Ab- bildung: Abbildung 3-25: Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personen- schaden im gesamten Untersuchungsgebiet in allen 8 Die hochgerechneten Werte sind gerundet, die Nachkommastellen sind nicht sichtbar. Da- her ergibt sich eine geringfüge Abweichung in der Summe der Unfälle in den Phasen von der Gesamtsumme. Vergleich der Unfallbetei- ligung in den drei Phasen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 50 drei Phasen nach Unfallbeteiligung im Vergleich (n=273)9 Quelle: Planungsbüro VIA Die Grafik zeigt, dass es vor allem in Phase 1 deutlich mehr Unfälle mit Personenschaden zwischen den Unfallbeteiligten Kfz und Radverkehr gab. Erstaunlich hoch sind auch die Alleinunfälle von Radfahrenden in allen drei Phasen. 3.2.2 Unfallzahlen und -entwicklung für Unfälle mit Radver- kehrsbeteiligung und Personenschaden auf der Ven- loer Straße Die Venloer Straße wird vor allem für den Radverkehr in Köln als be- sonders gefährlich eingeschätzt. Die von der Polizei für die drei Pha- sen zur Verfügung gestellten Unfalldaten können nach Straßenzügen gegenübergestellt werden, wobei jeweils die Knotenpunkte mit der In- neren Kanalstraße und dem Ehrenfeldgürtel nicht berücksichtigt wur- den. Die folgende Tabelle zeigt die Unfalldaten mit Radverkehrsbetei- ligung und Personenschaden für das Gesamtgebiet, die Venloer Straße, die Subbelrather Straße und die Vogelsanger Straße auch noch einmal im Vergleich zu der Tabelle mit allen Verkehrsunfällen. 9 Die hochgerechneten Werte sind gerundet, die Nachkommastellen sind nicht sichtbar. Da- her ergibt sich eine geringfüge Abweichung in der Summe der Unfälle in den Phasen von der Gesamtsumme. Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 51 Tabelle 3-2: Unfälle mit allen Unfällen und nur mit Radverkehrs- beteiligung im Untersuchungsgebiet, auf der Ven- loer Straße, der Subbelrather Straße und der Vogel- sanger Straße im Vergleich Quelle: Planungsbüro VIA Sanken die Anteile der Unfälle mit allen Verkehrsarten auf der Venloer Straße von rund einem Viertel aller Unfälle im Gesamtgebiet in Phase 0 auf rund ein Sechstel in Phase 2, so sanken die Anteile der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung in den drei Phasen noch stärker: von einem Drittel auf ein Zehntel. Wie die Unfälle mit allen Verkehrsarten steigen auch die Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung auf der Subbelrather Straße an. Die Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung auf der Vogelsanger Straße bleiben genau wie die mit allen Verkehrsarten in allen drei Phasen auf einem niedrigen Niveau, die meisten Unfällle mit Radverkehrsbeteiligung gab es allerdings in Phase 1. Die folgende Grafik stellt die Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung für die drei Straßen noch einmal im Vergleich dar: Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 52 Abbildung 3-26: Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße im Vergleich zu Subbelrather Straße und Vogelsanger Straße in den drei Phasen Quelle: Planungsbüro VIA Eine Übersicht über die Lage der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße und ihre Zuordnung zu den drei Zeitschnitten gibt die nachfolgende Karte: Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 53 Abbildung 3-27: Unfalllagebild für Unfälle mit Radverkehrsbeteili- gung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße (n=62 von Anfang November 2021 bis Ende September 2024) Quelle: Planungsbüro VIA Die nächste Abbildung zeigt die Unfalllage, die Unfallschwere und den Unfalltyp für die Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung nur auf der Ven- loer Straße in den drei Zeitschnitten: Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 54 Abbildung 3-28: Unfalllagebild über Unfälle mit Radverkehrsbeteili- gung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße in den drei Zeitschnitten Quelle: Planungsbüro VIA Sehr deutlich wird, dass die Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbetei- ligung und Personenschaden vor allem in Phase 2 deutlich abgenom- men hat und dass sich die polizeilich registrierten Unfalltypen verän- dern. Dies wird mit den folgenden Erläuterungen und Abbildungen aus- geführt. Die Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personenscha- den nur auf der Venloer Straße beträgt 60 von Anfang November 2021 bis September 2024, auf jeweils ein Jahr hochgerechnet sind es 62 Unfälle. Es ergibt sich folgendes Bild: Unfallzahlen und -entwicklung Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 55 Abbildung 3-29: absolute Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteili- gung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße in den drei Phasen (n=60) und durchschnitt- lich pro Jahr (n=62) Quelle: Planungsbüro VIA Die durchschnittliche Zahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße ist in Phase 0 und 1 noch annähernd gleich gewe- sen, in Phase 2 sinkt die Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteili- gung sehr stark auf fast ein Drittel. Damit entwickeln sich die Radverkehrsunfälle auf der Venloer Straße gegenläufig zu denen im gesamten Untersuchungsgebiet, denn es fan- den im gesamten Untersuchungsgebiet in Phase 1 mehr Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung statt, nicht aber auf der Venloer Straße und in Phase 2 sinken die Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße sehr stark, während im Gesamtgebiet keine Verringerung, son- dern nur das Niveau aus Phase 0 wieder erreicht wird. Dies verdeut- licht die folgende Grafik: Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 56 Abbildung 3-30: durchschnittliche Anzahl der Unfälle mit Radver- kehrsbeteiligung im Untersuchungsgebiet und auf der Venloer Straße in den drei Phasen Quelle: Planungsbüro VIA Die folgende Grafik zeigt die Anzahl der Radverkehrsunfälle auf der Venloer Straße pro Monat in den drei Phasen. Abbildung 3-31: Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße in den drei Phasen nach Mona- ten (n=62) Quelle: Planungsbüro VIA In allen Phasen sind immer wieder auch Monate mit etwas mehr Un- fällen oder ganz ohne Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung enthalten. Deutlich wird aber auch, dass in Phase 2 die Unfälle mit Radverkehrs- beteiligung durchgängig auf einem sehr niedrigen Niveau liegen. Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 57 Stellt man die Ergebnisse mit denen aus dem Radverkehrskonzept Eh- renfeld gegenüber, dann ergibt sich folgendes Bild: Abbildung 3-32: absolute Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteili- gung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße im RVKE und in den drei Phasen Ins Auge fällt, dass die Venloer Straße in den 8 Jahren, die untersucht wurden, für Radfahrende noch nie so sicher war, wie in der Phase 2 des Verkehrsversuchs. Und dies ist umso erstaunlicher vor dem Hintergrund, dass die Anzahl der Radfahrenden auf der Venloer Straße seit dem Jahr 2018 konstant hoch geblieben ist, wie folgende Grafik zeigt: 18 24 21 29 31 28 26 9 0 5 10 15 20 25 30 35 2013 2014 2015 2016 2017 Phase 0 Phase 1 Phase 2 Vergleich Unfallzahlen und -entwicklung mit dem RVKE Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 58 Abbildung 3-33: Anzahl Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung10 und Radfahrende an der Dauerzählstelle Venloer Straße11 Quelle: Planungsbüro VIA So zeigt die Grafik sehr deutlich, dass der Trend, dass bei einem ho- hem Radverkehrsanteil auch die Anzahl der Unfälle mit Radverkehrs- beteiligung hoch sind, an der Venloer Straße gebrochen werden konnte, auch schon vor der Phase 2 des Verkehrsversuchs. Im Radverkehrskonzept Ehrenfeld konnte die Unfalldichte und die Un- fallrate für die Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße berechnet werden, da sowohl die Anzahl der Unfälle mit Rad- verkehrsbeteiligung als auch die Anzahl der Radfahrenden durch die Dauerzählstelle bekannt waren. Diese Tabelle wurde mit den vorlie- genden Daten ergänzt: 10 Da die Unfalldaten aus 2024 nur bis einschließlich September vorliegen, wurden die Unfälle auf ein Jahr, d.h. 365 Tage, hochgerechnet, dafür wurde bei der Anzahl 9 das Sternchen gesetzt. 11 Zu beachten ist, dass hier die Anzahl der Unfälle in Jahren dargestellt werden und daher andere Zeiträume und auch andere Zahlen als in den Phasen des Verkehrsversuchs darge- stellt sind. Die Unfallzahlen für die Jahre 2028 bis 2020 liegen dem Gutachterbüro leider nicht vor. Unfalldichte und Unfall- rate Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 59 Abbildung 3-34: Unfalldichte und Unfallrate auf der Venloer Straße Quelle: Planungsbüro VIA Deutlich wird, dass sowohl die Unfalldichte als auch die Unfallrate in Bezug auf die Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße deutlich gesunken ist. Es ist anzunehmen, dass Unfallrate und Unfalldichte bereits in den drei Jahren 2018 bis 2020 gesunken sind, da 2021 bereits niedrige Werte erreicht worden sind. Leider kann diese Vermutung nicht verifiziert werden, da für diesen Zeitraum dem Gut- achterbüro die Anzahl der der Radverkehrsunfälle nicht vorliegen. Auf der Venloer Straße ereignete sich in den drei untersuchten Zeit- räumen kein Unfall mit Todesfolge und Radverkehrsbeteiligung. Es wurden 5 Unfälle mit Schwerverletzten und 58 Unfälle mit Leichtver- letzten in den drei Zeiträumen durch die Polizei aufgenommen. Abbildung 3-35: Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personen- schaden nur auf der Venloer Straße in allen drei Phasen nach Unfallschwere im Vergleich (hochge- rechnet, n=63) Vergleich Unfallschwere in den drei Phasen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 60 Quelle: Planungsbüro VIA Der Vergleich in den drei Phasen zeigt, dass die Unfälle mit Radver- kehrsbeteiligung insgesamt stark zurückgehen und Schwerverletzte sowohl in Phase 1 als auch in Phase 2 nur noch solitäre Ereignisse sind. Reiht man die aktuellen Ergebnisse in die aus dem Radverkehrskon- zept Ehrenfeld ein, in dem die Unfallschwere mit Radverkehrsbeteili- gung auf der Venloer Straße in den Jahren 2013 bis 2017 analysiert wurde, so ergibt sich folgendes Bild: Abbildung 3-36: Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personen- schaden nur auf der Venloer Straße in den Jahren 2013 bis 2017 und in den Phasen des Verkehrsver- suchs Quelle: Planungsbüro VIA Auf der Venloer Straße sank in Phase 2 nicht nur die Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung unter alle zuvor untersuchten Jahren, auch die Anzahl der schwerverletzten Personen blieb konstant niedrig. Schließlich sollen die Ergebnisse für die Venloer Straße noch mit de- nen der benachbarten Straßen Subbelrather Straße und Vogelsanger Straße verglichen werden. Die folgende Abbildung zeigt die Unfall- schwere im Vergleich in den drei Phasen des Verkehrsversuchs. Vergleich mit Subbel- rather und Vogelsanger Straße Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 61 Abbildung 3-37: Unfallschwere bei Unfällen mit Radverkehrsbeteili- gung und Personenschaden im Vergleich zwischen Venloer, Subbelrather und Vogelsanger Straße Quelle: Planungsbüro VIA Der Vergleich macht noch einmal deutlich, von welch hohem Unfallniveau die Venloer Straße gestartet ist und dass sie in Phase 2 unter dem Niveau von der Subbelrather Straße angekommen ist. Auf der Subbelrather Straße sind die Unfälle mit Radverkehrsbeteili gung vor allem in Phase 2 angestiegen, ob dies möglicherweise durch einen Verlagerungseffekt von Radverkehr von der Venloer Straße auf die Subbelrather Straße zu erklären ist, kann empirisch nicht belegt werden, da die Anzahl der Radfahrenden auf der Subbelrather Straße keinem Monitoring unterliegt. Gleiches gilt für die Vogelsanger Straße, aber die Radverkehrsunfälle auf der Vogelsanger Straße liegen im Vergleich der drei Straßen auf einem sehr niedrigen Niveau, mit einem leichten Peak in Phase 1. Die Auswertung zeigt auch, dass Unfälle mit Schwerverletzten auf allen drei Straßen nicht häufig sind und das die Anzahl in allen drei Phasen sehr konstant ist. Der Unfalltyp beschreibt die Konfliktsituation, in deren Folge es zu ei- nem Unfall kommt. Es zeigen sich deutliche Unterschiede im Vergleich der drei Phasen in Bezug auf den Unfalltyp: Vergleich Unfalltyp in den drei Phasen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 62 Abbildung 3-38: Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personen- schaden nur auf der Venloer Straße in allen drei Phasen nach Unfalltyp im Vergleich (hochgerech- net, n=63) Quelle: Planungsbüro VIA Waren in der Phase 0 auf der Venloer Straße noch die Unfälle domi- nant, die durch ruhenden Verkehr verursacht wurden, so reduzierte sich der Anteil in Phase 1 bereits und in Phase 2 gab es keinen einzi- gen Unfall mit Radverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße mehr, der durch ruhenden Verkehr verursacht wurde. Auch die Fahrunfälle (meist Alleinunfälle von Radfahrenden) sind stark zurückgegangen. In Phase 1 werden auf einmal Unfälle im Längsverkehr dominant, dies sind meist Überholunfälle. 12 Dieses Problem verschwindet in Phase 0 weitgehend. Auch gibt es in Phase 1 und 2 nun Überschreiten-Unfälle, d.h. Unfälle zwischen Radfahrenden und zu Fuß Gehenden, die die Fahrbahn que- ren. Diese waren vor dem Verkehrsversuch in Phase 0 gar nicht poli- zeilich registriert worden. Es ist zu vermuten, dass aufgrund der gerin- geren Kfz-Verkehrsbelastung in Phase 2 zu Fuß Gehende häufiger ab- seits der gesicherten Querungsstellen die Venloer Straße queren. Die Karte mit den verorteten Unfällen bestätigt, dass die beiden Über- schreiten-Unfälle in Phase 2 an der Wahlenstraße und am U-Bahnhof Piusstraße stattfanden (vgl. Abbildung 3-28). 12 Folgende Ursachen gibt die Polizeistatistik an: 4x ungenügender Sicherheitsabstand, 1x nicht angepasste Geschwindigkeit, 1x sonstiger Fehler beim Überholen, 1x Alkoholeinfluss; 6 der 7 Unfälle im Längsverkehr wurden durch Kfz verursacht. Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 63 Insgesamt zeigt die Analyse der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße, dass in Phase 2 keiner der Unfalltypen mehr eine Dominanz besitzt. Wie stark vor allem die Unfälle mit Radver- kehrsbeteiligung und ruhendem Verkehr zurück gegangen sind, zeigt die folgende Grafik: Abbildung 3-39: Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personen- schaden nur auf der Venloer Straße in den Jahren 2013 bis 2017 (n=123) Quelle: Planungsbüro VIA Damit hat die Empfehlung aus dem Radverkehrskonzept Ehrenfeld, die Verkehrssicherheit auf der Venloer Straße zu optimieren, in dem möglichst alle Kfz-Stellplätze entfernt und in Liefer -/Ladezonen, Stell- plätze für Fahrräder und Flächen für Außengastronomie umgewandelt werden, voll und ganz ihr Ziel erreicht. Wir empfehlen der Stadt Köln dringend, dies so beizubehalten, da ansonsten erneut Unfälle zwi- schen ruhendem Verkehr und Radverkehr zu befürchten sind. Schließlich sollen die Ergebnisse für die Venloer Straße noch mit de- nen der benachbarten Straßen Subbelrather Straße und Vogelsanger Straße verglichen werden. Die folgende Abbildung zeigt den Unfalltyp im Vergleich in den drei Phasen des Verkehrsversuchs. 1 4 6 2 1 2 4 2 10 4 2 5 6 1 1 2 1 4 1 2 2 2 3 4 3 3 4 2 6 11 6 12 12 9 4 1 7 2 5 2 1 4 3 2 5 3 3 2 1 0 5 10 15 20 25 30 Phase 2 (n=9) Phase 1 (n=26) Phase 0 (n=28) 2017 (n=31) 2016 (n=29) 2015 (n=21) 2014 (n=24) 2013 (n=18) Fahrunfall (F) Abbiegeunfall (AB) Einbiegen/Kreuzen-Unfall (EK) Überschreiten-Unfall (ÜS) Unfall durch ruhenden Verkehr (RV) Unfall im Längsverkehr (LV) Sonstiger Unfall (SO) Vergleich mit Subbel- rather und Vogelsanger Straße Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 64 Abbildung 3-40: Unfalltyp bei Unfällen mit Radverkehrsbeteiligung und Personenschaden im Vergleich zwischen Ven- loer, Subbelrather und Vogelsanger Straße Quelle: Planungsbüro VIA Auf der Venloer Straße dominieren in Phase 0 Unfälle mit ruhendem Verkehr und in Phase 1 Unfälle im Längsverkehr und mit ruhendem Verkehr. In Phase 2 gibt es keinen dominierenden Unfalltyp mehr. Auf der Subbelrather Straße dominieren in allen drei Phasen Fahrun- fälle und Unfälle an Knotenpunkten. Auf der Vogelsanger Straße gibt es in allen drei Phasen keinen domi- nierenden Unfalltyp. Erneut wurde die Unfallbeteiligung für alle Unfälle mit Radverkehrsbe- teiligung auf der Venloer Straße in den drei Phasen des Verkehrsver- suchs ausgewertet: Vergleich Unfallbeteili- gung in drei Phasen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 65 Abbildung 3-41: Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung und Personen- schaden nur auf der Venloer Straße in allen drei Phasen nach Unfallbeteiligung im Vergleich (n=63) Quelle: Planungsbüro VIA Hier zeigt sich noch einmal, dass alle Unfallgegnerkombinationen in Phase 2 stark zurück gehen, vor allem gibt es deutlich weniger Unfälle zwischen Radfahrenden und Pkw, insgesamt werden nur noch sehr wenige Unfälle mit Pkw polizeilich registriert. Neu hinzugekommen sind einige wenige Unfälle zwischen Radfahrenden und zu Fuß Ge- henden. 3.2.3 Zusammenfassung der Ergebnisse zur Unfallentwick- lung mit Radverkehrsbeteiligung Im Untersuchungszeitraum vom 01.11.2021 bis zum 30.09.2024 wur- den im Untersuchungsgebiet 265 Unfälle mit Personenschäden und Radverkehrsbeteiligung polizeilich registriert. Davon fanden 62 Unfälle auf der Venloer Straße statt, das sind 23 %, damit ist auf der Venloer Straße der Anteil der Radverkehrsunfälle nur unwesentlich höher als der Anteil mit allen Verkehrsarten, obwohl hier ein sehr hoher Radver- kehrsanteil festzustellen ist. In der Phase 1 wurden im gesamten Untersuchungsgebiet deutlich mehr Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung polizeilich registriert als in den Phasen davor und danach, in denen die Anzahl der Unfälle nahezu gleich war. Dies ist ein gleiches Ergebnis wie bei den Unfällen mit allen Verkehrsarten, d.h. die Unfälle mit allen Verkehrsarten und die Rad- verkehrsunfälle entwickelten sich im Gesamtgebiet gleich. Entwicklung der Anzahl der Unfälle im Vergleich: Gesamtgebiet und Ven- loer Straße Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 66 Dagegen hat sich auf der Venloer Straße bei den Unfällen mit Radver- kehrsbeteiligung ein ganz anderes Bild ergeben: Schon in Phase 1, in der auf der Venloer Straße Tempo 20/Verkehrsberuhigter Geschäfts- bereich angeordnet war, sank die Anzahl der Unfälle mit Radverkehrs- beteiligung geringfügig, um in Phase 2, in der auf der Venloer Straße die Einbahnstraßenführung angeordnet war, ganz rapide abzusinken. Somit unterscheidet sich die Entwicklung der Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung im Gesamtgebiet von der auf der Venloer Straße ganz erheblich: Die Unfallanzahl reduzierte sich um zwei Drittel im Vergleich zu Phase 0. Vergleicht man die Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße mit denen aus dem Radverkehrskonzept Ehrenfeld für die Jahre 2013 bis 2017 so wird überaus deutlich, dass noch nie so wenige Unfälle mit Radverkehrsbe- teiligung wie in Phase 2 polizeilich registriert wurden. Die Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße sank in Phase 1 gegenüber Phase 0 schon leicht und fiel in Phase 2 noch einmal stark ab. In den parallelen Straßen Subbelrather Straße und Vogelsanger Straße sieht das anders aus: Auf der Subbel- rather Straße gibt es einen leichten Anstieg in Phase 1 und nochmal in Phase 2. Auf der Vogelsanger Straße ist die Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung in Phase 1 am höchsten, in Phase 2 ist fast wieder das Niveau von Phase 0 erreicht. Allerdings sind in diesen bei- den Straßen die absoluten Zahlen bei den Unfällen mit Radverkehrs- beteiligung deutlich geringer, in Phase 0 gab es auf der Venloer Straße mehr als doppelt so viele Unfälle wie in der Subbelrather Straße, die Vogelsanger Straße lag noch einmal deutlich darunter. Auch bei den Unfällen mit Radverkehrsbeteiligung rutscht die Anzahl auf der Venloer Straße in Phase 2 unter die in der Subbelrather Straße. Werden die Unfallzahlen für die Venloer Straße aus den Jahren 2013 bis 2017 aus dem Radverkehrskonzept Ehrenfeld mit denen aktuell un- tersuchten verglichen, so zeigt sich, dass die aktuellen Unfallzahlen deutlich unter dem damaligen Niveau liegen, obwohl di e Anzahl der Radfahrenden nahezu konstant hoch geblieben ist. Spätestens in der Phase 2 des Verkehrsversuchs kann von der Venloer Straße als „ge- fährliche“ Straße für den Radverkehr nicht mehr geredet werden. Sowohl die Unfalldichte als auch die Unfallrate ist in Bezug auf die Un- fälle mit Radverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße deutlich ge- sunken. Es ist anzunehmen, dass Unfallrate und Unfalldichte bereits in den drei Jahren 2018 bis 2020 gesunken sind, da 2021 bereits niedrige Werte erreicht worden sind. Entwicklung der Anzahl der Unfälle im Vergleich: Venloer Straße, Subbel- rather Straße, Vogelsan- ger Straße Entwicklung der Anzahl der Unfälle im Vergleich: Phasen des Verkehrsver- suchs und RVKE Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 67 9% der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung im Untersuchungsgebiet hatten schwerverletzte Personen zur Folge. Auf der Venloer Straße hatten 8% der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung schwerverletzte Per- sonen zur Folge, der Schwerverletzten-Anteil unterscheidet sich somit nicht auf der Venloer Straße vom gesamten Untersuchungsgebiet. Der Anteil der schwerverletzten Personen bei den Unfällen mit Radver- kehrsbeteiligung auf der Venloer Straße ist auch in den untersuchten fünf Jahren im Radverkehrskonzept Ehrenfeld niedrig gewesen, hier haben sich keine Veränderungen ergeben. Auch im Vergleich der drei Straßen Venloer Straße, Subbelrather Straße und Vogelsanger Straße zeigt sich, dass die Anzahl der Schwerverletzten in allen drei Phasen gering ist. Im Gesamtgebiet dominieren auch bei den Unfällen mit Radverkehrs- beteiligung die Unfälle an Knotenpunkten und die Fahrunfälle. In Phase 1 und 2 nehmen zudem die Unfälle im Längsverkehr stark zu. Auf der Venloer Straße sind in Phase 0 die Unfälle mit ruhendem Ver- kehr dominant, diese nehmen jedoch in Phase 1 stark ab und sind in Phase 2 gar nicht mehr vorhanden, d.h . die hohe Unfallgefährdung durch ruhenden Verkehr ist auf der Venloer Straße beseitigt worden. Dieses Ergebnis wird noch einmal unterstrichen, wenn die Auswertun- gen zum Unfalltyp aus den Jahren 2013 bis 2017 aus dem RVKE hin- zugezogen werden. Nur in Phase 1 gab es auf der Venloer Straße zudem viele Unfälle im Längsverkehr, in Phase 0 und 2 sind diese nicht zahlreich vertreten. In Phase 2 dominiert auf der Venloer Straße kein Unfalltyp mehr. Auf der Subbelrather Straße dominieren in allen drei Phasen Fahrun- fälle und Unfälle an Knotenpunkten. A uf der Vogelsanger Straße gibt es in allen drei Phasen keinen dominierenden Unfalltyp, ähnlich wie auf der Venloer Straße in Phase 2. Im gesamten Untersuchungsgebiet geschehen in den drei Phasen die meisten Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung mit den Beteiligten Kfz - Radverkehr. Aber auch die Alleinunfälle von Radfahrenden sind zahl- reich. Die Phasen unterscheiden sich hier auch nicht wesentlich. Auf der Venloer Straße gibt es entgegen dem Trend im gesamten Un- tersuchungsgebiet in Phase 2 deutlich weniger Unfälle zwischen Rad- fahrenden und Pkw, insgesamt werden nur noch sehr wenige Unfälle mit Pkw polizeilich registriert. Auf der Venloer Straße neu sind in Phase 1 und 2 einige wenige Unfälle zwischen Radfahrenden und zu Fuß Ge- henden. Unfallschwere Unfalltypen Unfallbeteiligung Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 68 3.3 Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung In den folgenden Unterkapiteln werden ausschließlich die Unfälle be- schrieben, die mit Fußverkehrsbeteiligung stattgefunden haben, dabei ist es unerheblich, ob die zu Fuß Gehenden als Unfallverursacher 13 oder als weitere Unfallbeteiligte in der Polizeistatistik geführt werden. 3.3.1 Unfallzahlen und -entwicklung für Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden im gesamten Untersuchungsgebiet Die folgende Karte zeigt, dass es insgesamt deutlich weniger Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung als mit Radverkehrsbeteiligung gibt. Den- noch sind auch bei den polizeilich registrierten Unfällen mit Fußver- kehrsbeteiligung vor allem folgende Straßenzüge unfallbelegt: • Venloer Straße • Subbelrather Straße • Vogelsanger Straße. Am Ehrenfeldgürtel und an Innerer Kanalstraße finden schwerpunkt- mäßig nur an den Knotenpunkten Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung statt. Da hier die Trennwirkung der beiden Straßen sehr hoch ist , gibt es auf der Strecke keine Überschreiten- Unfälle, die in der Regel die häufigsten Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung sind – neben denen an den Knotenpunkten. Alle anderen Straßenzüge, auch die Weinsbergstraße, weisen im Un- tersuchungszeitraum nur einzelne Unfallstellen auf. Die folgenden Karten zeigen das Unfalllagebild für Unfälle mit Perso- nenschaden und Fußverkehrsbeteiligung im gesamten Untersu- chungsraum in den drei Zeitschnitten: 13 Beteiligter 1 („Bet 1“) Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 69 Abbildung 3-42: Unfalllagebild über alle Unfälle mit Fußverkehrsbe- teiligung und Personenschaden im Untersuchungs- raum in den drei Zeitschnitten (n=59 von Anfang November 2021 bis Ende September 2024) Quelle: Planungsbüro VIA Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 70 Abbildung 3-43: Unfalllagebild für Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden in Phase 0 (n=20 Unfälle in 12 Monaten) Quelle: Planungsbüro VIA Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 71 Abbildung 3-44: Unfalllagebild für Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden in Phase 1 (n=20 Unfälle in knapp 12 Monaten) Quelle: Planungsbüro VIA Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 72 Abbildung 3-45: Unfalllagebild für Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden in Phase 2 (n=19 Unfälle in gut 11 Monaten) Quelle: Planungsbüro VIA Die Anzahl der Unfälle mit Personenschaden und Fußverkehrsbeteili- gung beträgt 59 im gesamten Untersuchungsgebiet in den drei Zeit- räumen von Anfang November 2021 bis Ende September 2024. Auch hier muss aufgrund der unterschiedlich langen Zeiträume bei der Be- trachtung der Phasen 1 und 2 die durchschnittliche Anzahl der Unfälle Unfallzahlen und -entwicklung Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 73 pro Jahr mit Personenschaden und Fußverkehrsbeteiligung bewertet werden. Abbildung 3-46: absolute Anzahl der Unfälle mit Fußverkehrsbeteili- gung und Personenschaden im gesamten Untersu- chungsgebiet in den drei Phasen (n=59) und durch- schnittlich pro Jahr (n=61) Quelle: Planungsbüro VIA Die Anzahl der Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenscha- den im gesamten Untersuchungsgebiet bleibt in den drei Phasen na- hezu konstant . Damit zeigen die Fußverkehrsunfälle einen anderen Trend als die Unfälle mit allen Verkehrsarten und die Radverkehrsun- fälle auf, gab es bei beiden im gesamten Untersuchungsgebiet in der Phase 1 durchschnittlich deutlich mehr Unfälle als in den beiden ande- ren Zeiträumen. Die Unfallkategorie gibt die Schwere des Unfalls wieder. Im gesamten Untersuchungsgebiet ereignete sich in den drei untersuchten Zeiträu- men ein Unfall mit Fußverkehrsbeteiligung und Todesfolge. Hierbei wurde am Knotenpunkt Venloer Straße / Piusstraße ein über 80-jähri- ger Fußgänger von einem rechts abbiegenden Lieferwagen angefah- ren und verstarb noch an der Unfallstelle. Es wurden 12 Unfälle mit Vergleich der Unfall- schwere in den drei Pha- sen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 74 Schwerverletzten und 53 Unfälle mit Leichtverletzten in den drei Zeit- räumen durch die Polizei aufgenommen.14 Abbildung 3-47: Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personen- schaden im gesamten Untersuchungsgebiet in allen drei Phasen nach Unfallschwere im Vergleich (hochgerechnet, n=61) Quelle: Planungsbüro VIA Weder die Anzahl der Fußverkehrsunfälle mit Personenschaden noch der Anteil der Schwerverletzten unterscheidet sich in den drei Phasen im gesamten Untersuchungsgebiet. Der Unfalltyp beschreibt die Konfliktsituation, in deren Folge es zu ei- nem Unfall kommt. Bei den Unfällen mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden unterscheidet sich der Unfalltyp in den drei unter- suchten Phasen: Abbildung 3-48: Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personen- schaden im gesamten Untersuchungsgebiet in allen 14 Bei einigen Unfällen können auch mehr als eine verletzte Person polizeilich registriert wer- den, das müssen auch nicht immer zu Fuß Gehende sein. Vergleich des Unfalltyps in den drei Phasen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 75 drei Phasen nach Unfalltyp im Vergleich (hochge- rechnet, n=61) Quelle: Planungsbüro VIA Der Anteil der Knotenpunktunfälle verringert sich, ebenso die Sonsti- gen Unfälle (Restkategorie). Dagegen nehmen die Überschreiten-Un- fälle deutlich zu, in geringerem Maße auch die Unfälle im Längsver- kehr. Die Daten für Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenscha- den wurden für das gesamte Untersuchungsgebiet nach Unfallbeteili- gung in den drei Phasen ausgewertet, das Ergebnis zeigt folgende Ab- bildung: Abbildung 3-49: Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personen- schaden in allen drei Phasen nach Unfallbeteiligung im Vergleich (hochgerechnet, n=61) Quelle: Planungsbüro VIA Vergleich der Unfallbetei- ligung in den drei Phasen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 76 Die Unterschiede sind nicht groß, aber insgesamt lässt sich sagen, dass es von Phase 0 bis Phase 2 weniger Unfälle zwischen Fußver- kehr und Kfz und dafür mehr Unfälle zwischen Fußverkehr und Rad- verkehr gegeben hat. 3.3.2 Unfallzahlen und -entwicklung für Unfälle mit Fußver- kehrsbeteiligung und Personenschaden auf der Ven- loer Straße Die von der Polizei für die drei Phasen zur Verfügung gestellten Unfall- daten können nach Straßenzügen gegenübergestellt werden, wobei jeweils die Knotenpunkte mit der Inneren Kanalstraße und dem Ehren- feldgürtel nicht berücksichtigt wurden. Ob die Venloer St raße für den Fußverkehr ein höheres Sicherheitsdefizit im Vergleich zu den benach- barten Straßen aufweist, soll in dem folgenden Kapitel untersucht wer- den. Die folgende Tabelle zeigt die Unfalldaten mit Fußverkehrsbetei- ligung und Personenschaden für das Ges amtgebiet, die Venloer Straße, die Subbelrather Straße und die Vogelsanger Straße auch noch einmal im Vergleich zu der Tabelle mit allen Verkehrsunfällen und den Unfällen mit Radverkehrsbeteiligung. Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 77 Tabelle 3-3: Unfälle mit allen Unfällen, nur mit Radverkehrsbetei- ligung und nur mit Fußverkehrsbeteiligung im Unter- suchungsgebiet, auf der Venloer Straße, der Sub- belrather Straße und der Vogelsanger Straße im Vergleich Quelle: Planungsbüro VIA Insgesamt sind die Fußverkehrsunfälle nur sehr wenige, so dass die prozentualen Anteile nicht überbewertet werden dürfen. Dennoch zeigt sich, dass die Anzahl der Fußverkehrsunfälle mit Personenschaden vor allem auf der Venloer Straße in den drei Phasen zugenommen hat und dies in einem gegenläufiger Trend zu den Unfällen mit allen Verkehrsarten und den Radverkehrsunfällen steht. Die folgende Grafik stellt die Unfälle mit Fußverkehr und Personenschaden für die drei Straßen noch einmal im Vergleich dar: Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 78 Abbildung 3-50: Anzahl der Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße im Vergleich zu Subbelrather Straße und Vogelsanger Straße in den drei Phasen (n=26) Quelle: Planungsbüro VIA Eine Übersicht über die Lage aller Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung nur auf der Venloer Straße und ihre Zuordnung zu den drei Zeitschnit- ten gibt die nachfolgende Karte: Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 79 Abbildung 3-51: Unfalllagebild über alle Unfälle mit Fußverkehrsbe- teiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße (n=14 von Anfang November 2021 bis Ende September 2024) Quelle: Planungsbüro VIA Die nächste Abbildung zeigt die Unfalllage, die Unfallschwere und den Unfalltyp für die Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung nur auf der Venloer Straße in den drei Zeitschnitten: Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 80 Abbildung 3-52: Unfalllagebild über Unfälle mit Fußverkehrsbeteili- gung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße in den drei Zeitschnitten Quelle: Planungsbüro VIA In Phase 0, d.h. ein Jahr vor dem Verkehrsversuch gab es nur zwei Überschreiten-Unfälle im Umfeld der U-Bahn-Haltestelle Körnerstraße, einer davon auch an der Lichtsignalanlage (LSA). In Phase 1 gab es erneut einen Überschreiten-Unfall eben dort, zwei Über schreiten-Un- fälle in Höhe Simrockstraße / Thebäerstraße und den tödlichen Abbie- geunfall an der Piusstraße. Wie bereits erwähnt, wurde am Knoten- punkt Venloer Straße / Piusstraße ein über 80-jähriger Fußgänger von einem rechts abbiegenden Lieferwagen angefahren und verstarb noch an der Unfallstelle. In Phase 2 finden findet hier wieder ein Überschrei- ten-Unfall statt und je ein weiterer an der Wahlenstraße, in Höhe Gu- tenbergstraße und im Umfeld der U -Bahn-Haltestelle Piusstraße. Zu- dem wurde in Höhe Kepplerstraße ein Abbiege-Unfall polizeilich regis- triert. Die Unfälle im Längsverkehr fanden nahe Ehrenfeldgürtel und Leostraße statt. Mit Ausnahme um den Bereich der U -Bahn-Haltestelle Körnerstraße gibt es keine wiederkehrenden Unfallauffälligkeiten bei der Lage der Fußverkehrsunfälle. Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 81 Die Anzahl der Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personenscha- den nur auf der Venloer Straße beträgt 14 von Anfang November 2021 bis Ende September 2024. Die Betrachtung der drei Zeiträume (Phase 0, 1 und 2) zeigt einen linearen Anstieg auf niedrigem absoluten Ni- veau. Auch bei den Fußverkehrsunfällen wurde die Anzahl der Unfälle in den drei Zeiträumen auf die Unfälle pro Jahr hochgerechnet, da die absolute Anzahl jedoch so gering ist, ändert die Hochrechnung an der durchschnittlichen Anzahl pro Jahr nichts. So ergibt sich folgendes Bild: Abbildung 3-53: absolute Anzahl der Unfälle Fußverkehrsbeteiligung und Personenschaden nur auf der Venloer Straße in den drei Phasen (n=14) und durchschnittlich pro Jahr (n=14) Quelle: Planungsbüro VIA Damit stehen die Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße gegen den Trend im Untersuchungsgebiet, denn im gesamten Untersuchungsgebiet blieb die Anzahl der Unfälle mit Fußverkehrsbe- teiligung nahezu konstant über alle drei Phasen, wie die folgende Gra- fik noch einmal verdeutlicht: Unfallzahlen und -entwicklung Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 82 Abbildung 3-54: durchschnittliche Anzahl der Unfälle mit Fußver- kehrsbeteiligung im Untersuchungsgebiet und auf der Venloer Straße in den drei Phasen Quelle: Planungsbüro VIA Die folgende Grafik zeigt die Anzahl der Fußverkehrsunfälle auf der Venloer Straße pro Monat in den drei Phasen. Abbildung 3-55: Anzahl der Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße in den drei Phasen nach Mona- ten (n=14) Quelle: Planungsbüro VIA Waren die zwei Fußverkehrsunfälle in Phase 0 als solitäre Ereignisse über verschiedene Monate verteilt, so ist in der zweiten Hälfte von Phase 1 und der ersten Hälfte von Phase 2 fast in jedem Monat regel- mäßig je ein Fußverkehrsunfall polizeilich registriert worden. Gegen Ende der Phase 2 nahmen die Fußverkehrsunfälle allerdings wieder ab, so dass die Entwicklung weiter beobachtet werden sollte. Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 83 Auf der Venloer Straße ereignete sich in den drei untersuchten Zeit- räumen ein Unfall mit Todesfolge bei den Unfällen mit Fußverkehrsbe- teiligung. Hierbei wurde am Knotenpunkt Venloer Straße / Piusstraße ein über 80-jähriger Fußgänger von einem rechts abbiegenden Liefer- wagen angefahren und verstarb noch an der Unfallstelle. Es wurden 3 Unfälle mit Schwerverletzten und 1 0 Unfälle mit Leichtverletzten in den drei Zeiträumen durch die Polizei aufgenommen. Abbildung 3-56: Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personen- schaden nur auf der Venloer Straße in allen drei Phasen nach Unfallschwere im Vergleich (n=14) Quelle: Planungsbüro VIA Der Vergleich in den drei Phasen zeigt, dass in Phase 0 alle Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung schwerverletzte Personen zur Folge hat- ten. Dies kann möglicherweise mit einer noch höheren gefahrenen Kfz- Geschwindigkeit in Phase 0 erklärt werden. Die Phasen 1 und 2 zeigen hauptsächlich leicht verletzte Personen bei den Unfällen mit Fußverkehrsbeteiligung, es gibt nur jeweils eine schwerverletzte und eine getötete Person. Der Unfalltyp beschreibt die Konfliktsituation, in deren Folge es zu ei- nem Unfall kommt. Es zeigen sich leichte Unterschiede im Vergleich der drei Phasen in Bezug auf den Unfalltyp: Vergleich derUnfall- schwere in den drei Phasen Vergleich des Unfalltyps in den drei Phasen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 84 Abbildung 3-57: Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personen- schaden nur auf der Venloer Straße in allen drei Phasen nach Unfalltyp im Vergleich (n=14) Quelle: Planungsbüro VIA Es kann vermutet werden, dass zu Fuß Gehende durch den langsamer fahrenden und reduzierten Kfz-Verkehr, der noch einmal deutlich in Phase 2 mit der Einbahnstraßenregelung abgenommen hat, auch ab- seits der Querungshilfen und auch weniger aufmerksam queren. Die- ser Erklärungsversuch wird auch gestützt durch die Lokalisierung der Unfälle (siehe Abbildung 3-52). In einem Längsverkehr-Unfall war ein zu Fuß Gehender beteiligt, der auf der linken Fahrbahnseite längs unterwegs war und von einem E - Scooter angefahren wurde. In dem anderen Fall war ein zu Fuß Ge- hender auf der rechten Fahrbahnseite unterwegs und wurde von einem Pkw angefahren. Auch für die Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung nur auf der Venloer Straße wurde die Unfallbeteiligung in allen drei Phasen ausgewertet: Vergleich der Unfallbetei- ligung in den drei Phasen Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 85 Abbildung 3-58: Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung und Personen- schaden nur auf der Venloer Straße in allen drei Phasen nach Unfallbeteiligung im Vergleich (n=14) Quelle: Planungsbüro VIA Waren die beiden Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung in Phase 0 vor dem Verkehrsversuch immer Konflikte zwischen Fußgänger und Kfz bzw. Schwerverkehr, so kamen in den Phasen 1 und 2 Unfalle zwi- schen Fußverkehr und Radverkehr hinzu. Gab es in Phase 1 keinen einzigen Unfall mehr zwischen Kfz- und Fußverkehr und nur einen mit Schwerverkehr, so nahm diese Unfallgegnerkonstellation in Phase 2 wieder deutlich zu. Bei den drei Unfällen zwischen Kfz und Fußverkehr in Phase 2 ver- merkte die polizeiliche Unfallaufnahme zweimal falsches Verhalten von Fußgängern ohne auf den Verkehr zu achten und einmal falsches Ver- halten von Kfz gegenüber zu Fuß Gehenden. Bei den insgesamt fünf Unfällen zwischen Radfahrenden und zu Fuß Gehenden in Phase 1 und 2 wurden in der polizeilichen Unfallauf- nahme die zu Fuß Gehenden als Unfallverursacher geführt. Es wurde in allen drei Phasen kein einziger Unfall polizeilich aufgenommen, in dem der Unfall durch Radverkehr verursacht wurde. 15 3.3.3 Zusammenfassung der Ergebnisse zur Unfallentwick- lung mit Fußverkehrsbeteiligung Im Untersuchungszeitraum vom 01.11.2021 bis zum 30.09.2024 wur- den im Untersuchungsgebiet 59 Unfälle mit Personenschäden und 15 Beteiligter 1 („Bet 1“) Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 86 Radverkehrsbeteiligung polizeilich registriert. Davon fanden 14 Unfälle auf der Venloer Straße statt, das sind 24 %, damit ist auf der Venloer Straße der Anteil der Fußverkehrsunfälle ungefähr so hoch wie der der Radverkehrsunfälle und nur unwesentlich höher als der Anteil mit allen Verkehrsarten. Während im gesamten Untersuchungsgebiet sowohl für die Unfälle mit allen Verkehrsarten als auch die Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung in der Phase 1 deutlich mehr Unfälle polizeilich registriert wurden als in den Phasen davor und danach, bleiben die Unfäl le mit Fußverkehrs- beteiligung auf einem Niveau in allen drei Phasen. Darin unterscheiden sich die Fußverkehrsunfälle von denen mit allen Verkehrsarten und de- nen mit Radverkehrsbeteiligung im Gesamtgebiet erheblich. Während die Anzahl der Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung im gesam- ten Untersuchungsgebiet in den drei Phasen konstant blieb, nahm die Anzahl der Fußverkehrsunfälle auf der Venloer Straße von Phase 0 über 1 und 2 kontinuierlich zu, allerdings ausgehend von einem sehr geringen absoluten Niveau. Im Gesamtgebiet beliebt über die drei Phasen nicht nur die Anzahl der Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung konstant gleich, auch die Anzahl der Schwerverletzten variiert kaum in den drei Phasen, allerdings ist in Phase 1 ein tödlicher Unfall mit Fußverkehrsbeteiligung zu beklagen. Auf der Venloer Straße hatten die zwei Unfälle mit Fußverkehrsbeteili- gung in Phase 0 vor dem Verkehrsversuch ausnahmslos schwerver- letzte Personen zur Folge. Dies ändert sich in Phase 1 und 2: Obwohl hier die Anzahl der Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung ansteigt, sind vor allem leichtverletzte Personen die Folge, in Phase 1 gibt es nur die eine getötete Person und in Phase 2 nur eine schwerverletzte Person. Im Gesamtgebiet dominieren bei den Unfällen mit Fußverkehrsbeteili- gung die Überschreiten-Unfälle, sie nehmen von Phase 0 über Phase 1 und 2 auch zu. An zweiter Stelle stehen die Abbiegeunfälle. Auf der Venloer Straße dominieren ebenfalls die Überschreiten-Unfälle und auch hier nehmen sie von Phase 0 auf Phase 1 und 2 zu. Im gesamten Untersuchungsgebiet geschehen in den drei Phasen die meisten Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung mit den Beteiligten Kfz - Fußverkehr sowie Radverkehr-Fußverkehr. Die Phasen unterscheiden sich hier auch nicht wesentlich. Auf der Venloer Straße steigen die Unfälle zwischen Fußverkehr und Kfz sowie Radverkehr an, allerdings werden meist die zu Fuß Gehen- den als Unfallverursacher polizeilich registriert. Entwicklung der Anzahl der Unfälle im Vergleich: Gesamtgebiet und Ven- loer Straße Unfallschwere Unfalltypen Unfallbeteiligung Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 87 4 Ergebnisse und Handlungsempfehlungen Zunächst sollen Antworten die folgenden Leitfragen gegeben werden, die bei Beauftragung der Unfallanalyse formuliert wurden. Auf der Ba- sis der Ergebnisse sollen Handlungsempfehlungen für die Verwaltung formuliert werden. 4.1 Auswirkungen auf die parallelen Straßen, insbesondere auf die Vogelsanger Straße durch Verlagerungseffekte Die Auswirkungen auf die parallelen Straßen konnten in der Unfallan- alyse insoweit untersucht werden, dass das Unfalllagebild in den drei Phasen gegenübergestellt werden konnte. Es zeigte sich, dass neben der Venloer Straße vor allem die Subbelrather Straße unfallbelegt ist und deutlich abgeschwächt auch die Vogelsanger Straße. Auf der Weinsbergstraße fanden in allen drei Phasen nur sehr wenige verein- zelte Unfälle statt. Die Anzahl aller Unfälle im Gesamtgebiet war in Phase 1 am höchs- ten, in Phase 0 und 2 lagen sie auf einem fast gleichen Niveau. Diese Entwicklung wurde auf den drei parallelen Straßenzügen Ven- loer Straße, Subbelrather Straße und Vogelsanger Straße nicht nach- vollzogen: Der Anteil aller Unfälle auf der Venloer Straße an denen des Gesamtgebietes sank in den drei Phasen kontinuierlich und erstaunlich stark ab. Der Anteil aller Unfälle auf der Subbelrather Straße stieg von einem niedrigen Niveau ausgehend leicht, aber kontinuierlich an, in Phase 2 ist der Anteil auf Venloer Straße und Subbelrather Straße nahezu gleich. Von besonderem Inter esse ist in die sem Zusammenhang die Wirkung der Einbahnregelung auf das Unfallgeschehen der Par allel- straßen. Zwischen Phase 1 und 2 hat sich die Unfallbelastung der Sub- belrather S traße nicht erhöht, so dass negative Folgen für die Ver- kehrssicherheit durch Verdrängungseffekte nicht festzustellen sind. Der Anteil aller Unfälle auf der Vogelsanger Straße startete auf einem noch einmal deutlich niedrigen Niveau und erhöhte sich ebenfalls kon- tinuierlich aber nur sehr gering. Eine Verlagerung des Gesamtverkehrs von der Venloer Straße auf die Vogelsanger Straße fand vor allem während der Einbahnstraßenführung ( Phase 2) statt, hier gab es auf der Vogelsanger Straße jedoch gleich viele Unfälle mit allen Verkehrs- arten (8 Unfälle) wie in Phase 1. Hier hat die Verlagerung eines Teil s Unfälle mit allen Verkehrs- arten Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 88 des Kfz-Verkehrs zumindest nicht zu einer Verschlechterung der Ver- kehrssicherheit geführt. Wie bei den Unfällen mit allen Verkehrsarten zeigten auch die Unfälle nur mit Radverkehrsbeteiligung im Gesamtgebiet einen Höchstwert in Phase 1. Diese Entwicklung wurde auf der Venloer Straße nicht nachvollzogen: Der Anteil der Unfälle nur mit Radverkehrsbeteiligung an der Venloer Straße sank in den drei Phasen noch einmal stärker als der Anteil an allen Verkehrsarten. Die Venloer Straße war für den Radverkehr in den untersuchten acht Jahren noch nie so sicher wie in Phase 2. Auf der Subbelrather Straße ist ein gleicher Trend wie bei den Unfäl- len mit allen Verkehrsarten zu beobachten gewesen: ein leichter An- stieg bei geringer Fallzahl ( Unfälle mit Radverkehrs- beteiligung Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 89 Tabelle 3-3). In Phase 2 liegt der Anteil der Radverkehrsunfälle bezo- gen auf das Gesamtgebiet in der Subbelrather Straße höher als auf der Venloer Straße, was am starken Rückgang auf der Venloer Straße liegt. Auf der Vogelsanger Straße gibt es in allen drei Phasen nur wenige Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung, in Phase 1 gab es am meisten (vgl. Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 90 Tabelle 3-3). In der Phase 2 (Einbahnstraße) war die Unfallzahl sogar rückläufig. Negative Effekte für die Verkehrssicherheit sind auch auf der Vogelsanger Straße nicht festzustellen. Die Anzahl der U nfälle nur mit Fußverkehr im Gesamtgebiet blieb über alle drei Phasen konstant. Die Anzahl der Unfälle mit Fußverkehr steig in der Venloer Straße von 2 in Phase 0 kontinuierlich auf 7 in Phase 2. Im Gegensatz zum Rad- verkehr ist der Fußverkehr jetzt höheren Unfallrisiken auf der Venloer Straße ausgesetzt, doch werden diese zum größten Teil durch die zu Fuß Gehenden vor allem beim Queren selbst verursacht. Die Anzahl der Unfälle mit Fußverkehr in der Subbelrather Straße blieb auf niedrigem Ni veau gleich (2 bzw . 1) und die in der Vogelsanger Straße erhöhten sich von 2 auf 4 in Phase 2. Auswirkungen durch die Verkehrsverlagerung lassen sich bei den geringen Fallzahlen nicht nachweisen. 4.2 Auswirkungen auf das nachgeordnete Straßennetz Die meisten Unfälle finden auf den radialen Hauptverkehrsstraßen Venloer S traße, Subbelrather Straße und Vogelsanger Straße statt : 39% aller Unfälle mit allen Verkehrsarten, 42% aller Unfälle mit Rad- verkehrsbeteiligung und 45% aller Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung finden hier statt. Der Anteil der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung auf den drei radialen Hauptverkehrsstraßen an allen Unfällen im Untersu- chungsgebiet sinkt von 50% in Phase 0 auf 35% in Phase 2. Ein weiterer hoher Anteil der Unfälle geschehen vor allem an den Kno- tenpunkten der Tangentialen Ehrenfeldgürtel und Innere Kanalstraße. Im nachgeordneten Straßennetz werden nur vereinzelt Unfälle polizei- lich registriert, dies sind solitäre Ereignisse. 4.3 Unfalldichte und Unfallrate im Vergleich der drei Zeiträume auf der Venloer Straße Die Unfalldichte und die Unfallrate wurden für die Unfälle mit Radver- kehrsbeteiligung auf der Venloer Straße im Radverkehrskonzept Unfälle mit Fußverkehrs- beteiligung Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 91 Ehrenfeld berechnet. Mit den vorliegenden Unfalldaten konnte die Be- rechnung fortgeführt werden. Im Ergebnis steht, dass sowohl Unfall- dichte als auch Unfallrate in den Phasen des Ver kehrsversuchs sehr deutlich gesunken sind. 4.4 Radverkehr auf der Venloer Straße: Verschiebungen bei den Unfalltypen, Veränderungen, die deutlich werden Waren die Unfälle mit ruhendem Verkehr auf der Venloer Straße in der Unfallanalyse aus dem Radverkehrskonzept Ehrenfeld für die Jahre 2013 bis 2017 und auch noch in der Zeit vor dem Verkehrsversuch (Phase 0) dominant, so reduzierten sich diese in Phase 1 schon erheb- lich und waren in Phase 2 überhaupt nicht mehr vorhanden. Die hohe Unfallgefährdung durch parkenden und haltenden Verkehr ist dem- nach auf der Venloer Straße grundsätzlich beseitigt worden. Auch die Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung an den Knotenpunkten ging im Vergleich zu den Jahren 2013 bis 2017 schon stark zurück. Gab es in Phase 1 auf der Venloer Straße mehr Unfälle im Längsver- kehr (Überholunfälle), so gingen diese in Phase 2 wieder zurück. In Phase 2 reduzieren sich die Unfälle mit Radverkehr auf der Venloer Straße sehr stark und es sind keine dominanten Unfalltypen mehr vor- handen. Der Anteil der schwerverletzten Personen auf der Venloer Straße bei den Unfällen mit Radverkehrsbeteiligung war und ist durchgängig sehr gering (durchschnittlich in 8 Jahren: 7%) . Hierin hat sich auch in den Phasen des Verkehrsversuchs nichts geändert. Die Unfälle zwischen Radverkehr und Kfz sinken in den drei Phasen sehr stark ab (von 19 in Phase 0 auf 4 in Phase 2). Es gibt zudem kontinuierlich weniger Alleinunfälle bei Radfahrenden. Unfälle zwischen Radverkehr und Radverkehr gibt es einige wenige in Phase 0 und 1, keinen einzigen mehr in Phase 2. Neu hinzu kommen in Phase 1 und 2 Unfälle zwischen Radverkehr und Fußverkehr (3 in Phase 1 und 2 in Phase 2). Für den Radverkehr hat der Verkehrsversuch vor allem in Phase 2 die Verkehrssicherheit grundlegend verbessert. Unfalltyp Unfallschwere Unfallbeteiligung Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 92 4.5 Auswirkungen auf den Fußverkehr, insbesondere in den Querungssituationen Bleibt die Anzahl der Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung im gesamten Untersuchungsgebiet überaus konstant in den drei Phasen, so ändert sich das auf der Venloer Straße. Hier stiegen die Unfallzahlen von 2 in Phase 0 auf 5 in Phase 1 und 7 in Phase 3. Waren in Phase 0 alle Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung Überschrei- ten-Unfälle, so waren es in Phase 1 und 2 je 4 Überschreiten-Unfälle. Hinzu kamen in Phase 1 und 2 je ein Abbiegeunfalle und in Phase 2 2 Unfälle im Längsverkehr. In 3 der 4 Überschreiten-Unfälle in Phase 1 wurden zu Fuß Gehende von der Polizei als Unfallverursacher vermerkt, d.h. der Unfall passierte beim Überqueren abseits der definierten Querungshilfen (Fußgänger- überwege, Lichtzeichenanlagen). Auch in Phase 2 wiederholte sich das Bild: zu Fuß Gehende queren abseits der Querungsanlagen und werden bei einem Unfall als Verursacher geführt. 4.6 Handlungsempfehlungen Die Einbahnregelung und die damit verbundene Halbierung der Ver- kehrsmenge in Phase 2 hat sich bewährt. Ob die Reduzierung der Ver- kehrsmenge oder die Einbahnregelung dafür entscheidend ist , kann nicht abschließend beurteilt werden. Eindeutig kann jedoch die Umorganisation des Parkens und die Re- duktion der Kfz-Stellplätze als Erfolg identifiziert werden, da die Unfälle mit ruhendem Verkehr in der Phase 2 keine Rolle mehr spielen. Daraus leiten sich folgende kurzfristige Empfehlungen ab: • Beibehaltung der Einbahnregelung • dauerhafte Geschwindigkeitskontrolle • Beibehaltung der Seitenraumgestaltung mit reduziertem Stell- platzangebot • „Aufräumen“ der Seitenräume und weitere Verbesserung der Sichtbeziehungen für ein sicheres Fußgängerqueren. Die anstehende Umgestaltung sollte auf folgenden Grunderkenntnis- sen aufgebaut werden: Unfallanalyse auf der Venloer Straße in den Phasen des Verkehrsversuchs im Stadtteil Köln-Ehrenfeld 93 • Gliederung der Fahrbahn in eine schmale Kernf ahrbahn mit zwei breiten Schutzstreifen von 2,00 m und 0,75 m Sicherheits- abstand zum Parken. • Der baulich noch vorhandene Parkst reifen sollte durch einen Multifunktionstreifen ersetzt werden , wobei die Sichtver hält- nisse zugunsten der querenden zu Fuß Gehenden verbessert werden sollten (u.a. „freie Ecken“). • Schaffung eines fußverkehrsfreundlichen Kernbereiches ggf. mit T empo 20 und der Möglichkeit für zu Fuß Gehende, f lä- chenhaft zu queren. Über die Querschnittsgestaltung und die Ausdehnung dieses zentralen Bereichs müsste noch entschie- den werden, Ein weiteres Monitoring der Unfallzahlen auf der Venloer Straße, aber auch auf Subbelrather und Vogelsanger Straße wird als sinnvoll erach- tet. Zudem sollten die positiven Erkenntnisse zur Verkehr ssicherheit kommuniziert werden, vor al lem im Hinblick auf die deutlich verbes- serte Sicherheit der Nahmobilitätsverkehrsmittel.
Anlage 4 Geschwindigkeitsmessung
1461 Zeichen
Vmax StVO Jahr 2022 Jahr 2023 Jahr 2024 (Venloer Str). zw. Philipstr.- Keplerstr. Ri. Keplerstr. 30 30 30 Ri. Philipstr. 30 28 30 27 Querschnitt 29 30 Venloer Str.zw. Gutenbergstr.- Leostr. Ri. Gutenbergstr. 30 32 29 Ri. Leostr. 30 34 30 31 Querschnitt 33 30 Sömmeringstr. zw. Reisstr.- Vogelsanger Str. Ri. Vogelsanger Str. 30 32 29 20 Keplerstr. zw. Vogelsanger Str.- Reisstr. Ri. Reisstr. 30 33 30 26 Geisselstr. zw. Venloer Str.- Vogelsanger Str. Ri. Vogelsanger 30 27 31 26 Thebäerstr. Zw. Vogelsanger Str.- Venloer Str. Ri. Venloer Str. 30 26 28 Piusstr. zw. Venloer Str.- Vogelsanger Str. Ri. Vogelsanger Str. 30 28 20 24 Fuchsstr. zw. Vogelsanger Str.- Stuppstr. Ri. Stuppstr. 30 34 37 34 Klarastr. zw.Venloer Str.- Stammstr. Ri. Stamm Str. 30 24 33 26 Wahlenstr. zw. Stammstr.- Venloer Str. Ri.Venloer Str. 30 25 28 24 Pellenzstr. zw. Simrockstr.- Gutenbergstr. Ri. Gutenbergstr. 30 27 27 22 Glasstr. zw. Phillipstr.- Subbelrather Str. Ri. Subbelrather Str. 30 27 31 31 Simrockstr. zw. Subbelrather Str.- Christian-Schult-Str. Ri. Subbelrather Str. 30 33 32 21 Ri. Christian-Schult-Str. 30 29 33 20 Querschnitt 32 33 21 Gutenbergstr. zw. Christian-Schult-Str.- Subbelrather Str. Ri. Christian-Schult-Str. 30 39 31 35 Philippstr Ri. - Venloer Str. Ri. Venloer Str. 30 27 Datum: 26.02.2025 zum Bereich Venloer Str. Geschwindigkeitsmessung Vergleich anhand V85 (Grenzgeschwindigkeit für die ersten 85% der Fahrzeuge)
Anlage 5 Auswertung Verkehrserhebungen - Bericht
21952 Zeichen
BERNARD Gruppe ZT GmbH
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Geschäftsführung: M. Bernard-Schwarz, B. Lanbach, J. Mazur
BERICHT Datum: 27.03.2025
Projekt-Nr.: P503444
Version: 01
Autoren: Markus Fischer
Ramin Sadiri
Abolhassani
Lara Vennhoff
Auftraggeber:
Stadt Köln
Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung (Amt 68)
Willy-Brandt-Platz 2
50679 Köln
Projekt:
Verkehrsversuch Venloer Straße,
Köln-Ehrenfeld
Inhalt:
Auswertung Verkehrserhebungen,
Kurzbericht
Projektname: Verkehrsversuch Venloer Straße, Köln-Ehrenfeld
Projektnummer: P503444
Datum: 27.03.2025
BERNARD Gruppe ZT GmbH Seite 2 von 17
INHALTSVERZEICHNIS
1 Aufgabenstellung und Hinweise zur Arbeitsmethodik ................................ ................................ .. 4
2 Verkehrsversuch ................................ ................................ ................................ ......................... 5
2.1 Bestand ................................ ................................ ................................ ................................ ...... 5
2.2 Stufe 1 des Verkehrsversuchs ................................ ................................ ................................ .... 5
2.3 Stufe 2 des Verkehrsversuchs ................................ ................................ ................................ .... 5
3 Verkehrserhebungen ................................ ................................ ................................ .................. 6
3.1 Übersicht ................................ ................................ ................................ ................................ .... 6
3.2 Baustellen ................................ ................................ ................................ ................................ ... 7
3.3 Differenzen ................................ ................................ ................................ ................................ . 8
4 Vergleich Tagesverkehr ................................ ................................ ................................ .............. 9
4.1 Stufe 1 des Verkehrsversuchs – Bestand ................................ ................................ ................... 9
4.2 Stufe 2 des Verkehrsversuchs – Bestand ................................ ................................ ................. 13
5 Vergleich Spitzenstunden ................................ ................................ ................................ ......... 15
6 Fazit ................................ ................................ ................................ ................................ .......... 16
ANLAGENVERZEICHNIS
Anlagen Tagesverkehr:
Anlage 1.1 und 1.2 2022 (Bestand)
Anlage 1.3 und 1.4 2023 (1. Stufe Verkehrsversuch)
Anlage 1.5 und 1.6 Differenz 2023 minus 2022
Anlage 1.7 und 1.8 2024 (2. Stufe Verkehrsversuch)
Anlage 1.9 und 1.10 Differenz 2024 minus 2022
Anlage 1.11 und 1.12 Differenz 2023 minus 2022 in Prozent
Anlage 1.13 und 1.14 Differenz 2024 minus 2022 in Prozent
Anlage 1.15 Oktober 2024, KP 23
Anlagen Morgenspitze (Spitzenstunde differenziert nach Knotenpunkt):
Anlage 2.1 und 2.2 2022 (Bestand)
Anlage 2.3 und 2.4 2023 (1. Stufe Verkehrsversuch)
Anlage 2.5 und 2.6 Differenz 2023 minus 2022
Anlage 2.7 und 2.8 2024 (2. Stufe Verkehrsversuch)
Anlage 2.9 und 2.10 Differenz 2024 minus 2022
Projektname: Verkehrsversuch Venloer Straße, Köln-Ehrenfeld
Projektnummer: P503444
Datum: 27.03.2025
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Anlage 2.11 und 2.12 Differenz 2023 minus 2022 in Prozent
Anlage 2.13 und 2.14 Differenz 2024 minus 2022 in Prozent
Anlage 1.16 Oktober 2024, KP 23
Anlagen Mittagspitze (Spitzenstunde differenziert nach Knotenpunkt):
Anlage 3.1 und 3.2 2022 (Bestand)
Anlage 3.3 und 3.4 2023 (1. Stufe Verkehrsversuch)
Anlage 3.5 und 3.6 Differenz 2023 minus 2022
Anlage 3.7 und 3.8 2024 (2. Stufe Verkehrsversuch)
Anlage 3.9 und 3.10 Differenz 2024 minus 2022
Anlage 3.11 und 3.12 Differenz 2023 minus 2022 in Prozent
Anlage 3.13 und 3.14 Differenz 2024 minus 2022 in Prozent
Anlage 1.17 Oktober 2024, KP 23
Anlagen Abendspitze (Spitzenstunde differenziert nach Knotenpunkt):
Anlage 4.1 und 4.2 2022 (Bestand)
Anlage 4.3 und 4.4 2023 (1. Stufe Verkehrsversuch)
Anlage 4.5 und 4.6 Differenz 2023 minus 2022
Anlage 4.7 und 4.8 2024 (2. Stufe Verkehrsversuch)
Anlage 4.9 und 4.10 Differenz 2024 minus 2022
Anlage 4.11 und 4.12 Differenz 2023 minus 2022 in Prozent
Anlage 4.13 und 4.14 Differenz 2024 minus 2022 in Prozent
Anlage 1.18 Oktober 2024, KP 23
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Projektnummer: P503444
Datum: 27.03.2025
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1 Aufgabenstellung und Hinweise zur Arbeitsmethodik
Im Stadtteil Köln -Ehrenfeld wurde n im Rahmen des Verkehrsversuch s auf der Venloer Straße
Verkehrszählungen durchgeführt. Die BERNARD Gruppe ZT GmbH wurde von der Stadt Köln beauftragt
die Verkehrszählungen auszuwerten. Ziel der Auswertung ist es, die Verkehrszählungen übersichtlich
darzustellen, zu vergleichen und zu bewerten. Insgesamt wurden 27 Knotenpunkte und 15 Querschnitte
in den Beobachtungszeiträumen 2022, 2023 und 2024 ausgewertet. Der folgenden Abbildung 1 ist die
Verortung zu entnehmen.
Abbildung 1: Verortung der Knotenpunkte und Querschnitte
Im Zuge der vorliegenden Auswertung werden die folgenden Arbeitsschritte durchgeführt:
▪ Übernahme/Zusammenstellung der Datengrundlage
▪ Darstellung der Verkehrszählungen für 3 Spitzenstunden und den Tagesverkehr im Netzmodell
▪ Vergleichende Analyse der Verkehrsdaten
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Datum: 27.03.2025
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2 Verkehrsversuch
2.1 Bestand
Zum Zeitpunkt der Verkehrserhebung im Jahr 2022 wurde kein Verkehrsversuch auf der Venloer Straße
durchgeführt, somit wird die bestehende Ausgangssituation abgebildet. Es gelten folgende verkehrliche
Rahmenbedingungen:
▪ Zweirichtungsverkehr
▪ Zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h
▪ Vorfahrtsstraße
▪ Teilweise signalisierte Knotenpunkte (LSA)
▪ Teilweise Querungshilfen für den Fußverkehr
2.2 Stufe 1 des Verkehrsversuchs
Die erste Stufe des Verkehrsversuch s wurde vom 09.12.2022 bis zum 22.10.20231 umgesetzt. Die
Venloer Straße wurde zwischen der Piusstraße und dem Ehrenfeldgürtel zum verkehrsberuhigten
Geschäftsbereich ausgew iesen (siehe Abbildung 2). Es gelten folgende verkehrliche Rahmen -
bedingungen:
▪ Zweirichtungsverkehr
▪ Tempo-20-Zone
▪ Rechts-vor-links-Regelung
▪ Teilweise signalisierte Knotenpunkte (LSA)
▪ Teilweise Fahrbahneinengung
▪ Entfall des Radschutzstreifen
Abbildung 2: 1. Stufe des Verkehrsversuchs (Quelle: Stadt Köln zugesandt am 16.10.2024)
2.3 Stufe 2 des Verkehrsversuchs
Die zweite Stufe des Verkehrsversu chs wird seit dem 23.10.20232 umgesetzt (fortlaufend). Die Venloer
Straße wurde zwischen der Piusstraße und dem Ehrenfeldgürtel zur Einbahnstraße in Fahrtrichtung Osten
(Richtung Innenstadt) erklärt (siehe Abbildung 3). Es gelten folgende verkehrliche Rahmenbedingungen:
▪ Einrichtungsverkehr in Fahrtrichtung Osten (Einbahnstraße)
▪ Zweirichtungsverkehr für Radfahrende frei
1 Gemäß Angaben der Stadt Köln zugesandt am 16.10.2024
2 Gemäß Angaben der Stadt Köln zugesandt am 16.10.2024
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Projektnummer: P503444
Datum: 27.03.2025
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▪ Zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h
▪ Vorfahrtsstraße
▪ Teilweise signalisierte Knotenpunkte (LSA)
▪ Teilweise Querungshilfen für den Fußverkehr
Abbildung 3: 2. Stufe des Verkehrsversuchs (Quelle: Stadt Köln https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf66/
venloer-strasse-verkehrsversuch-einbahnstrassenregelung.pdf abgerufen am 06.02.2025)
3 Verkehrserhebungen
3.1 Übersicht
Zur Bewertung der verkehrlichen Auswirkungen des Verkehrsversuchs wurden Verkehrszählungen in den
Jahren 2022 (Bestand), 2023 (1. Stufe des Verkehrsversuchs) und 2024 (2. Stufe des Verkehrsversuchs)
durchgeführt. Die Erhebungen umfassten insgesamt 27 Knotenpunkte sowie 15 Querschnitte (siehe
Abbildung 1). Die Verkehrszählungen wurden von der Stadt Köln durchgeführt. Dabei erfolgte die
Erhebung der Knotenpunkte in Blockzählungen, deren Ergebnisse anschließend hochgerechnet wurden.
Die Querschnitte hingegen wurden über einen Zeitraum von 24 Stunden erfasst.
Die Verkehrszählungen werden für folgende Zeitbereiche ausgewertet:
▪ Tagesverkehr [Kfz/24 h]
▪ Morgenspitze [Kfz/h]
▪ Mittagspitze [Kfz/h]
▪ Abendspitze [Kfz/h]ö
Die Auswertung und Darstellung der Verkehrszählungen erfolgt i m Rahmen eines Verkehrsmodell
(Netzmodell). Dieses Vorgehen ermöglicht eine visuelle Darstellung der Verkehrssituation während der
Spitzenzeiten sowie des gesamten Tagesverkehrs. Zudem werden Differenzbilder erstellt, welche einen
Vergleich der verkehrlichen Entwicklungen über die betrachteten Zeitbereiche (2022, 2023 und 2024)
Projektname: Verkehrsversuch Venloer Straße, Köln-Ehrenfeld
Projektnummer: P503444
Datum: 27.03.2025
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ermöglichen. Die Daten werden dabei sowohl in absoluten Zahlen als auch in prozentualen
Veränderungen aufbereitet. Die Ergebnisse sind den Anlagen zu entnehmen. Die Darstellungen werden
in die Bereiche „Nord“ und „Süd“ unterteilt und fortlaufend nummeriert (siehe Abbildung 4).
Abbildung 4: Knotenstrombelastung - 2022 - Tagesverkehr [Kfz/24 h], nördlicher Bereich (links) südlicher Bereich (rechts)
3.2 Baustellen
Die Verkehrszählungen wurden in den folgenden Zeiträumen durchgeführt:
▪ Bestand (2022): 06.04.2022 bis 31.05.2022
▪ Verkehrsversuch 1. Stufe (2023): 18.04.2023 bis 25.05.2023
▪ Verkehrsversuch 2. Stufe (2024): 09.04.2024 bis 03.07.2024
Es ist zu vermerken, dass während der Zählzeiträume vereinzelt Bautätigkeiten stattfanden (siehe
Abbildung 5).3 Eine punktuelle Tangierung der Verkehrszählungen kann daher nicht ausgeschlossen
werden. Die erhobenen Daten behalten in Gesamtheit aber grundsätzlich ihre Gültigkeit.
3 Gemäß Daten der Stadt Köln zugesandt am 06.11.2024 und Verkehrskalender - Stadt Köln abgerufen am 09.01.2025
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Abbildung 5: Übersichtskarte der Baustellen (2022-2024)
3.3 Differenzen
Im Rahmen der Auswertung wurden vereinzelte Differenzen in den Verkehrszählungen festgestellt. Es
wurden Abweichungen zwischen den Erhebungen an Knotenpunkten und Querschnitten (siehe Beispiel),
Unstimmigkeiten bei den Fahrbeziehungen und vereinzelte Falschfahrer festgestellt.
Beispiel: KP17: Sömmeringstraße / Vogelsanger Straße und Q03: Sömmeringstraße
Die Verkehrszählung aus dem Jahr 2023 zeigt eine Diskrepanz von ca. 750 Kfz/24 h zwischen der
Verkehrsbelastung der Sömmeringstraße (Querschnitt) in Fahrtrichtung Süd und dem
Verkehrsaufkommen am Knotenpunkt Sömmeringstraße / Vogelsanger Straße am nördlichen Knotenarm
(siehe Abbildung 6).
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Abbildung 6: Belastung 2023 Tagesverkehr [Kfz/24h], KP17 Sömmeringstraße / Vogelsanger Straße und Q03
Sömmeringstraße / Vogelsanger Straße / Reisstr.
Im Folgenden werden weitere Unstimmigkeiten aufgelistet:4
▪ KP23 und Q07 (Abweichungen zwischen Knotenpunkt und Querschnitt)
▪ KP01 (Unstimmigkeiten in den Fahrbeziehungen)
▪ KP05 (Unstimmigkeiten in den Fahrbeziehungen)
4 Vergleich Tagesverkehr
4.1 Stufe 1 des Verkehrsversuchs – Bestand
Im Folgenden wird die erste Stufe des Verkehrsversuchs (2023) mit dem Bestand (2022) verglichen, die
detaillierten Ergebnisse sind den Anlagen 1.1 bis 1.6 sowie 1.11 und 1.12 zu entnehmen.
4 Hinweis: Die Identifizierung weiterer Differenzen kann aufgrund der Menge an Knotenpunkten, Querschnitten und zu
betrachteten Zeitbereichen nicht ausgeschlossen werden
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Auf der Venloer Straße wurde eine Verkehrsreduzierung von ca. 15 % gegenüber dem Bestand
festgestellt. Diese Reduzierung ist im Wesentlichen auf die eingeführte Geschwindigkeitsbeschränkung
zurückzuführen, da die Attraktivität für den motorisierten Individualverkehr (MIV) sinkt. Dadurch rücken
alternative Um fahrungsrouten wie die Vogelsanger Straße , die Subbelrather Straße und die
Weinsbergstraße als Parallelachsen zur Venloer Straße stärker in den Fokus (siehe Abbildung 7).
Abbildung 7: Mögliche Umfahrungsrouten der Parallel-Achsen
Das Verkehrsaufkommen auf der Vogelsanger Straße hat sich um ca. 20 bis 40 % erhöht, auf der
Weinsbergstraße steigt das Verkehrsaufkommen um ca. 8 % an. Beide Straßen dienen als alternative
Umfahrungsrouten zur Venloer Straße, wobei die Weinsbergstraße weniger stark genutzt wird. Auf der
Subbelrather Straße sinkt das Verkehrsaufkommen, sie wird nicht als Umfahrungsroute genutzt. Der
Rückgang ist u.a. auf den nicht vorhandenen Linksabbieger auf der Inneren Kanalstr. Süd zurückzuführen.
Die folgenden Querstraßen rücken als mögliche Umfahrungsrouten der Venloer Straße in den Fokus
(siehe Abbildung 8).
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Abbildung 8: Mögliche Umfahrungsrouten entlang der Querstraßen der Venloer Straße
Auf vereinzelten Querstraßen der Venloer Straße wurde ein erhöhtes Verkehrsaufkommen festgestellt,
insbesondere auf der Klarastraße, Körnerstraße, Keplerstraße und Rothehausstraße (siehe Abbildung 9).
Dieser Anstieg ist hauptsächlich auf den Quell - und Zielverkehr im Umfeld der Venloer Straße
zurückzuführen. Der Anstieg im Tagesverkehr liegt bei etwa 100 bis 200 Fahrten, was innerhalb de s
werktäglichen Schwankungsbereich liegt.
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Projektnummer: P503444
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Abbildung 9: KP19 Rothehausstraße / Vogelsanger Straße / Fröbelstraße, Belastung 2022 Tagesverkehr [Kfz/24h] (links)
Differenz 2023 - 2022 Tagesverkehr [Kfz/24h] (rechts)
In der folgenden Abbildung 10 wird der Vergleich zwischen der 1. Stufe des Verkehrsversuch und dem
Bestand zusammenfassend dargestellt. Die Vogelsanger Straße und die Weinsbergstraße werden als
parallel verlaufende Umfahrungsroute der Venloer Straße genutzt. Zudem ist ein Anstieg des
Verkehrsaufkommens auf vereinzelten Querstraßen erkennbar.
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Abbildung 10: Vergleich 1. Stufe des Verkehrsversuchs (2023) - Bestand (2022)
4.2 Stufe 2 des Verkehrsversuchs – Bestand
Im Folgenden wird die zweite Stufe des Verkehrsversuchs (2024) mit dem Bestand (2022) verglichen, die
detaillierten Ergebnisse sind den Anlagen 1.1 und 1.2, 1.7 bis 1.10 sowie 1.13 und 1.14 zu entnehmen.
Durch die Einbahnstraßenregelung auf der Venloer Straße verändert sich das Verkehrsaufkommen
deutlich. Stadteinwärts steigt der Verkehr um etwa 50 % an. Vereinzelte Falschfahrer (ca. 50 Fahrzeuge)
nutzen die Venloer Straße in entgegengesetzter Fahrtrichtung. Stadtauswärts weichen viele Fahrzeuge
auf Parallelstraßen aus, da die Venloer Straße in dieser Richtung nicht durchgängig befahrbar ist. Dies
führt zu einer verstärkten Nutzung von Umfahrungsrouten, wodurch sich der Verkehr auf die umliegenden
Straßen verlagert.
Das Verkehrsaufkommen auf der Vogelsanger Straße ist um etwa 150 % gestiegen, während auf der
Weinsbergstraße ei n Anstieg von ca. 17 % zu verzeichnen ist . Beide Straßen dienen als alternative
Umfahrungsrouten zur Venloer Straße, wobei die Weinsbergstraße weniger stark genutzt wird. Auf der
Subbelrather Straße hingegen nimmt das Verkehrsaufkommen ab, ähnlich wie in der ersten Phase des
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Verkehrsversuchs. Sie wird nicht als Umfahrungsroute genutzt. Ein wesentlicher Grund für diesen
Rückgang ist der nicht vorhandene Linksabbieger auf der Inneren Kanalstraße Süd.
Auf vereinzelten Querstraßen der Venloer Straße wurde ein Anstieg des Verkehrsaufkommens festgestellt
(siehe Abbildung 11). Auf den Querstraßen Philippstraße, Körnerstraße , Franz-Geuer-Straße und
Rothehausstraße steigt das Verkehrsaufkommen um ca. 100 bis 300 Fahrten im Tagesverkehr an
(werktäglicher Schwankungsbereich). Auf der Keplerstraße steigt das Verkehrsaufkommen um ca. das
Doppelte an, es handelt sich um einen signifikanten Anstieg. Die Querstraßen werden aufgrund des Quell-
und Zielverkehrs im Umfeld der Venloer Straße vermehrt genutzt.
Abbildung 11: Vergleich 2. Stufe des Verkehrsversuchs (2024) - Bestand (2022)
Auch auf der Piusstraße steigt das Verkehrsaufkommen signifikant an (siehe Abbildung 11). Dieser
Anstieg lässt sich hauptsächlich auf die verstärkte Nutzung der Straße als alternative Umfahrungsroute
zurückführen. Die Anwohnenden der Piusstraße äußerten vermehrt negatives Feedback über die hohe
Verkehrsbelastung. Infolgedessen implementierte die Stadt Köln Maßnahmen, darunter die Ausweisung
der Piusstraße als Anliegerstraße. Um die Auswirkung der Maßnahme zu untersuchen, wurde am
08.10.2024 am Knotenpunkt 23 Venloer Str. / Piusstraße / Franz-Geuer-Str. eine weitere Verkehrszählung
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durchgeführt. Die detaillierten Ergebnisse sind den Anlagen 1.15 bis 1.18 zu entnehmen. Diese ergab
eine Reduzierung des Verkehrsaufkommens auf der Piusstraße um ca. 50 % (siehe Abbildung 12).
Abbildung 12: KP23 Venloer Str. / Piusstraße / Franz-Geuer-Str., Belastung September 2024 Tagesverkehr [Kfz/24h] (links)
Belastung Oktober 2024 Tagesverkehr [Kfz/24h] (rechts)
Der Vergleich zwischen der 2. Stufe des Verkehrsversuch s und dem Bestand lässt sich wie folgt
zusammenfassen. Die Vogelsanger Straße und die Weinsbergstraße werden als parallel verlaufende
Umfahrungsroute der Venloer Straße genutzt. Zudem ist ein Anstieg des Verkehrsaufkommens auf
vereinzelten Querstraßen erkennbar und die Piusstraße wird als Umfahrungsroute genutzt (siehe
Abbildung 11)
5 Vergleich Spitzenstunden
Im Folgenden werde die Spitzenstunden beider Stufen des Verkehrsversuchs (2023 und 2024) mit dem
Bestand (2022) verglichen. Die detaillierten Ergebnisse sind den Anlagen 2.1 bis 4.14 zu entnehmen.
1. Stufe des Verkehrsversuch (2023):
• Morgenspitze [Kfz/h]
• Mittagspitze [Kfz/h]
• Abendspitze [Kfz/h]
2. Stufe des Verkehrsversuch (2024):
• Morgenspitze [Kfz/h]
• Mittagspitze [Kfz/h]
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Datum: 27.03.2025
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• Abendspitze [Kfz/h]
Die Erkenntnisse aus dem Vergleich des Tagesverkehr können grundsätzlich auf alle Spitzenzeitbereiche
übertragen werden. Dementsprechend bestätigen die Ergebnisse aus den Spitzenstunden die getroffenen
Aussagen aus den Auswertungen des Tagesverkehrs.
6 Fazit
Aufgrund des Verkehrsversuchs auf der Venloer Straße verändert sich das Verkehrsaufkommen im und
um den Bereich des Verkehrsversuchs. In der folgenden Abbildung 13 werden die Erkenntnisse des
Verkehrsversuch zusammenfassend dargestellt.
Abbildung 13: Zusammenfassung der Erkenntnisse
Die Ergebnisse zeigen, dass die Vogelsanger Straße und die Weinsbergstraße als Parallelachsen zur
Venloer Straße in beiden Stufen des Verkehrsversuchs als Umfahrungsoute genutzt werden.
Insbesondere in der zweiten Versuchsphase wird verstärkt stadtauswärts gefahren, bedingt durch die
Einbahnstraßenregelung auf der Venloer Straße in Richtung Innenstadt. Die Subbelrather Straße wird in
Projektname: Verkehrsversuch Venloer Straße, Köln-Ehrenfeld
Projektnummer: P503444
Datum: 27.03.2025
BERNARD Gruppe ZT GmbH Seite 17 von 17
beiden Fällen aufgrund des nicht vorhandenen Linksabbiegers auf der Inneren Kanalstraße Süd nicht als
alternative Route genutzt.
In der ersten Stufe des Verkehrsversuchs kam es auf den Querstraßen Klarastraße, Körnerstraße,
Keplerstraße und Rothehausstraße zu einem Anstieg der Verkehrsstärken, welche im werktäglichen
Schwankungsbereich liegen. In der zweiten Stufe des Verkehrsversuchs kam es auf den Querstraßen
Philippstraße, Körnerstraß e, Franz -Geuer-Straße und Rothehausstraße zu einem Anstieg des
Verkehrsaufkommens im werktäglichen Schwankungsbereich. Auf der Keplerstraße und der Piusstraße
ist ein signifikanter Anstieg zu verzeich nen (2. Stufe des Verkehrsversuchs) . In beiden Stufen des
Verkehrsversuchs werden vereinzelte Querstraßen mehr belastet durch Quell- und Zielverkehr im Umfeld
der Venloer Straße. Zudem wird die Piusstraße in der zweiten Stufe des Verkehrsversuchs vermehrt als
Umfahrungsroute genutzt, um die Einbahnstraßenregelung auf der Venloer Straße zu umgehen. Aufgrund
der Einrichtung der Piusstraße als Anliegerstraße reduziert sich das Verkehrsaufkommen und die Nutzung
als Umfahrungsroute.
BERNARD Gruppe ZT GmbH
i.V. Markus Fischer M.Sc. i. A. Lara Vennhoff M.Sc.
Verkehrsplanung Verkehrsplanung
Anlage 2 Beschlusslage Verkehrsversuch Venloer Straße Links 2019-2025
1801 Zeichen
Anlage 2 Beschlusslage Verkehrsversuch Venloer Straße Beschluss des Verkehrsausschusses am 18.06.2019: 1.2 Antrag der CDU-Fraktion, der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sowie der Ratsgruppe GUT vom 05.06.2019 betr. Venloer Straße soll Einbahnstraße werden AN/0732/2019 Änderungsantrag der SPD-Fraktion vom 18.06.2019 AN/0887/2019 Änderungsantrag der FDP-Fraktion vom 18.06.2019 AN/0895/2019 Beschluss der Bezirksvertretung Ehrenfeld am 15.11.2021: 10.2 Verkehrsversuch Venloer Straße in Köln-Ehrenfeld 2716/2021 Beschluss des Verkehrsausschusses am 23.11.2021: 3.3 Verkehrsversuch Venloer Straße in Köln-Ehrenfeld 2716/2021 Änderungsantrag der FDP-Fraktion vom 01.10.2021 AN/2088/2021 Beschluss der Bezirksvertretung Ehrenfeld am 25.09.2023: 1.2 Antrag der SPD-Fraktion, betr.: Antrag zum Verkehrsversuch Venloer Straße 2. Stufe AN/1697 /2023 Beschluss der Bezirksvertretung Ehrenfeld am 25.09.2023: 1.1 Verkehrsversuch Venloer Straße in Köln-Ehrenfeld, Umsetzung der 2. Stufe 2488/2023 Beschluss der Bezirksvertretung Ehrenfeld am 17.06.2024: 8.2 Antrag der SPD-Fraktion, betr.: Drehung der Einbahnstraße Piusstraße sofort umsetzen AN/0240/2024 Beschluss der Bezirksvertretung Ehrenfeld am 02.12.2024: 8.3 Antrag de r CDU -Fraktion, betr.: Piusstraße in Köln Ehrenfeld zur Sackgasse ändern und die Einbahnstraßenregelung aufheben Beschluss der Bezirksvertretung Ehrenfeld am 02.12.2024: 8.4 Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, b etr.: Kreuzungsbereich Venloer Str./Innere Kanalstr. neu strukturieren Beschluss der Bezirksvertretung Ehrenfeld am 24.03.2025: 8.3 Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, b etr.: Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum verbessern: Dauerhaft Verweiloasen entlang der Venloer Straße AN/0239/2025
Beschlussvorlage Ausschuss
35005 Zeichen
Dezernat, Dienststelle
III/68/681/2
Vorlagen-Nummer
1031/2025
Freigabedatum
02.05.2025
Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung
Betreff
Beendigung Verkehrsversuch Venloer Straße und Verstetigung der Einbahnstraße
Beschlussorgan
Verkehrsausschuss
Gremium Datum
Beschluss:
Der Verkehrsausschuss beschließt:
1. Die Verwaltung wird beauftragt, auf der Venloer Straße im Teilabschnitt zwischen
Ehrenfeldgürtel und der Kreuzung Piusstraße/Franz-Geuer-Straße eine Einbahn-
straße in Fahrtrichtung Innenstadt dauerhaft einzurichten (Tempo 30 km/h, Rad-
fahrende in Gegenrichtung frei).
2. Die Verwaltung wird gebeten, auf Basis der vorliegenden Ergebnisse aus den be-
gleitenden verkehrlichen Untersuchungen zum Verkehrsversuch und auf Grund-
lage bestehender politischer Beschlüsse, geeignete flankierende Maßnahmen für
die künftige dauerhafte Einbahnstraße zu planen und umzusetzen.
Der Verkehrsausschuss erklärt den Wiedervorlageverzicht, sofern die Bezirksvertre-
tung Ehrenfeld ohne Änderungen zustimmt.
Verkehrsausschuss 13.05.2025
Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) 19.05.2025
Verkehrsausschuss 24.06.2025
2
Haushaltsmäßige Auswirkungen
Nein
Auswirkungen auf den Klimaschutz
Nein
Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung)
Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung)
Begründung:
Zu Beschlusspunkt 1:
1. Anlass
Im Herbst 2021 entschied der Verkehrsausschuss, zur Erhöhung der Verkehrssicher-
heit auf der Venloer Straße im Teilabschnitt zwischen Ehrenfeldgürtel und der Kreu-
zung Piusstraße/Franz-Geuer-Straße eine Einbahnstraße in Fahrtrichtung Innenstadt
gemäß Straßenverkehrsordnung (StVO) zu erproben. Die Einrichtung der Einbahn-
straße mit Tempo 30 km/h und einer Freigabe für Radfahrende in Gegenrichtung zu
fahren wurde durch die Straßenverkehrsbehörde Köln angeordnet und im Oktober
2023 umgesetzt. Der Verkehrsversuch diente allein dem Zweck zu erproben, ob durch
die Einbahnstraße das in den letzten Jahren erfasste und beobachtete Unfallgesche-
hen deutlich reduziert werden kann und darauf basierend eine Verstetigung der Ein-
bahnstraße durch die Verwaltung empfohlen werden kann.
2. Verkehrssicherheitslage vor dem Verkehrsversuch
Der seinerzeit gefasste Beschluss zum „Verkehrsversuch Venloer Straße“
(2716/2021) zielte darauf ab, die Verkehrssicherheit auf der Venloer Straße deutlich
zu erhöhen. Insbesondere für Radfahrende stellte diese Straße ausweislich der Unfall-
zahlen und der detaillierten Unfallanalyse eine erhebliche Gefahrenquelle dar. Neben
den messbaren Unfallzahlen wurde die Venloer Straße auf diesem Streckenabschnitt
von einer überwiegenden Mehrheit der Radfahrenden im Rahmen der Bürgerbeteili-
gung zum Radverkehrskonzept Ehrenfeld subjektiv als sehr gefährlich eingestuft.
Auf der Venloer Straße zwischen dem Ehrenfeldgürtel und der Inneren Kanalstraße
bestand eine Gefahrenlage. Eine solche folgte konkret aus der in diesem Bereich
übermäßig starken Beanspruchung der Venloer Straße durch unterschiedliche Ver-
kehrsteilnehmende. Zwar bewegten sich die Kfz-Zahlen im Rahmen dessen, was eine
Straße mit den baulichen Maßen der Venloer Straße regelmäßig aufnehmen kann. Bei
dieser Betrachtung unberücksichtigt blieb allerdings die überdurchschnittlich hohe An-
zahl an Radfahrenden, welche sich die Fahrbahnen im Mischverkehr mit dem Kfz-Ver-
kehr teilten sowie das hohe Fußverkehrsaufkommen. Hinzu trat eine für örtliche Ge-
schäftsstraßen mit großen Fußverkehrsaufkommen typische, hohe Anzahl von Über-
querungen der Straße.
Des Weiteren erhielt die Verwaltung vermehrt negative Rückmeldungen aus der Bür-
gerschaft, die das Radfahren auf der Venloer Straße subjektiv als sehr gefährlich ein-
stuften, teils sogar als lebensgefährlich beschrieben. Als besondere Gefahrenursa-
chen wurden von der Bürgerschaft die viel zu geringen Überholabstände von Kraft-
fahrzeugen und Radfahrenden sowie Parkvorgänge mit hohem Konfliktpotenzial ge-
nannt.
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Die Unfallstatistik der Jahre 2013 bis 2017 belegt eine Vielzahl von Unfällen unter Be-
teiligung des Radverkehrs. Gerade so genannte „Dooring“-Unfälle finden in der Unfall-
analyse der Gutachterbüros besondere Erwähnung (s.u. Abschnitt Unfallanalyse).
Eindrücklicher Beleg für das Gefahrenpotenzial des Abschnitts zwischen Ehrenfeld-
gürtel und der Piusstraße / Franz-Geuer-Straße sind die Darstellung der Venloer
Straße im Unfallatlas sowie deren plakative Platzierung als eine der zehn gefährlichs-
ten Straßen Deutschlands im Jahr 2022. Die Gefahrenlage wurde durch mehrere
Quellen bestätigt: Im September 2023 wurde die Venloer Straße beispielsweise vom
Magazin „Auto Motor und Sport“ für das Jahr 2022 als eine der zehn gefährlichsten
Straßen Deutschlands gelistet (https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/unfallsta-
tistik-deutschland-2022-gefaehrlichste-strassen/ [zuletzt abgerufen am 10.10.2023]).
Im „Unfallatlas Deutschland“ des Statistischen Bundesamts, welcher Unfälle mit Per-
sonenschäden – also keine reinen „Blechschäden“ – erfasst, wird die Venloer Straße
zwischen dem Ehrenfeldgürtel und der Simrockstraße ebenfalls in der höchsten Kate-
gorie (von fünf) hinsichtlich der Unfallhäufigkeit geführt. Der Abschnitt zwischen Sim-
rockstraße und Franz-Geuer-Straße fällt in die zweithöchste Kategorie.
Die bisherigen Analysen der Verkehrssituation auf der Venloer Straße legten nach-
drücklich den Schluss nahe, dass die in den Unfallzahlen zum Ausdruck kommende
Gefahrenlage von der auf diesem Abschnitt herrschenden Verkehrsbelastung und der
damit verbundenen Platznot ausgeht.
Im Zuge des nach § 45 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 StVO angeordneten Verkehrsversuchs
wurde die Einbahnstraßenregelung als Vorzugsvariante eingeführt, um das Verkehrs-
aufkommen des motorisierten Individualverkehrs zu reduzieren und die Übersichtlich-
keit des Verkehrsgeschehens für alle Verkehrsteilnehmenden zu verbessern. Diese
Maßnahme sollte insbesondere die Verkehrssicherheit erhöhen und gleichzeitig als
Nebeneffekt die Aufenthaltsqualität entlang der stark frequentierten Einkaufsstraße
positiv beeinflussen.
Die Erprobungszeit begann im Oktober 2023 und war für die Dauer von ca. einem
Jahr angesetzt. Ab Oktober 2024 wurden die verkehrlichen Auswirkungen analysiert,
die wesentliche Grundlage für die vorliegende Beschlussempfehlung der Verwaltung
sind.
3. Flankierende Maßnahmen vor und während des Verkehrsversuchs
Aufgrund von Erfahrungen, die die Verwaltung an gleicher Stelle einige Monate vor
der Einführung der Einbahnstraße gemacht hatte – im Vorfeld wurde im Rahmen einer
1. Erprobungsstufe ein so genannter verkehrsberuhigter Geschäftsbereich mit Tempo
20 km/h, Ausschaltung von Lichtsignalanlagen, Außerkraftsetzung von Fahrradschutz-
streifen und weiteren Maßnahmen erprobt – und direkten Rückmeldungen aus der
Bürgerschaft wurden mit der Einrichtung der Einbahnstraße im Oktober 2023 folgende
verkehrliche Maßnahmen flankierend umgesetzt bzw. wiedereingeführt:
Einrichtung der streckenbezogenen Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h,
Wiederherstellung der temporär im Vorfeld außer Kraft gesetzten Radinfrastruk-
tur (Fahrradschutzstreifen),
die bestehenden Fußgängerüberwege wurden „weiß“ markiert,
die Lichtsignalanlage (LSA) an der Wahlenstraße wurde wieder in Betrieb ge-
nommen,
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in der Nähe der Hansemannstraße wurde ein neuer Fußgängerüberweg einge-
richtet sowie sämtliche bisherigen Elemente zur Querung, die sich nicht als be-
sonders tauglich erwiesen hatten, wurden entfernt.
Zusätzlich zu diesen Maßnahmen wurde eine großräumige Vorwegweisung zur geän-
derten Verkehrsführung eingerichtet und es wurden verstärkte Verkehrskontrollen ins-
besondere in der Anfangsphase der Einbahnstraßeneinrichtung durch das Ordnungs-
amt durchgeführt. Während der Erprobungsphase erfolgten begleitende Beobachtun-
gen des Verkehrsgeschehens und punktuelle Verkehrserhebungen, um ggf. weitere
verkehrliche Anpassungen vornehmen zu können. Auch aus der Bürgerschaft erhielt
die Verwaltung im Rahmen der verschiedenen Öffentlichkeitsbeteiligungsphasen
(siehe Anlage 10) entsprechende Hinweise und Anregungen.
Nach der Analyse und Bewertung der Beobachtungs-, Erhebungs- sowie Beteiligungs-
ergebnisse hat die Verwaltung bereits während der Erprobungsphase zusätzliche ver-
bessernde Maßnahmen umgesetzt. Dazu gehörten:
Die Ausweitung der vorhandenen Vorwegweiser inklusive Ausstattung einiger
Standorte mit Blinkleuchten zur besseren Verdeutlichung der geänderten Ver-
kehrsführung.
Die Verbesserung der Routenwahl der Verkehrsteilnehmer*innen. Dies wurde
dadurch erreicht, dass die Hersteller der verschiedenen Kartendienste von der
Verwaltung darüber informiert worden waren, dass die Venloer Straße erstens in
eine Gemeindestraße abgestuft wurde und zweitens sich dadurch die Verkehrs-
führung geändert hat.
Die Aufstellung von vier LED -Tafeln, die im Wechsel mit verschiedenen Hinwei-
sen die Verkehrsführung darstellen. Es handelte sich um den erstmaligen Ein-
satz solcher Tafeln in der Stadt Köln.
Die Einrichtung einer Wirtschaftszone zur Verbesserung des ruhenden Verkehrs
für Lade- und Liefervorgänge für Gewerbe- und Handwerksbetriebe, Lieferver-
kehr, Paketzustellende sowie Pflegedienste.
Die Einrichtung eines zusätzlichen Taxistandes auf der Höhe der Hausnummern
357 bis 361 auf der Venloer Straße, um mobilitätseingeschränkten Personen ein
zusätzliches Angebot anzubieten.
Die Anpassung der vorhandenen Wegweisung zum Parkhaus Barthoniaforum,
um die Zufahrt zum Parkhaus zu verdeutlichen.
Die Veröffentlichung einer Übersichtskarte zur neuen Verkehrsführung und der
Ausweisung von Routenempfehlungen sowie die Darstellung der Zufahrt zu den
beiden Parkhäusern.
Die Piusstraße wurde in eine Anliegerstraße umgewandelt, sodass sie nur noch
von Anwohnenden und anderen berechtigten Fahrzeugen genutzt werden darf.
Als weitere Maßnahme ist die Drehung der dortigen Einbahnstraße zum weiteren
Schutz der Anwohner vorgesehen.
Um in den Nebenanlagen mehr Übersicht und Platz für zu Fuß Gehende zu
schaffen, wurde beispielhaft eine Straßenkreuzung neu strukturiert.
4. Analyse und Bewertung des Verkehrsversuchs
4.1 Methodisches Vorgehen
Nach Beendigung des Verkehrsversuchs hat die Verwaltung die Wirksamkeit der
Gesamtmaßnahme auf die Verkehrssicherheit umfassend analysiert und bewertet.
Dazu wurden umfassende Verkehrsuntersuchungen in Auftrag gegeben und
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durchgeführt. Hierzu zählten Verkehrserhebungen, Geschwindigkeitsmessungen
sowie eine Analyse des Unfallgeschehens.
Damit die Auswirkungen der Einbahnstraße durch die Verwaltung auch für das
Umfeld beurteilt werden konnten, hat sie in die Untersuchungen nicht nur den
Streckenabschnitt der Einbahnstraße auf der Venloer Straße, sondern den ge-
samten Bereich zwischen Weinsbergstraße, Subbelrather Straße, Innere Kanal-
straße und Ehrenfeldgürtel einfließen lassen. Die ermittelten Daten wurden inten-
siv ausgewertet und umfangreich analysiert.
Vorrangiges Untersuchungsziel war es, zu ermitteln, ob sich durch die Einrichtung
der Einbahnstraße die Verkehrssicherheit auf der Venloer Straße erhöht hat, und
ob sich das Verkehrsaufkommen im Umfeld unverhältnismäßig auf die angrenzen-
den Wohnstraßen verlagert und sich im Umfeld das Unfallgeschehen im Zusam-
menhang mit der Einrichtung der Einbahnstraße erhöht hat.
4.2. Analyse der Unfallentwicklung
4.2.1. Entwicklung der Unfallzahlen
Zur Bewertung der Auswirkungen auf das Unfallgeschehen wurde ein Gut-
achter beauftragt, der alle Unfälle mit Personenschaden hinsichtlich Unfall-
häufigkeit, -schwere und -typ untersucht hat. Als Datengrundlage wurden für
die Unfallanalyse die Unfalldaten der Polizei für den Zeitraum 2021 bis 2024
für alle Verkehrsarten im Bereich der Innere Kanalstraße – Weinsbergstraße
– Melatengürtel/Ehrenfeldgürtel – Subbelrather Straße (inklusive der begren-
zenden Straßen) verwendet.
Da für den Zeitraum der Einbahnstraße (im Weiteren Phase 2 genannt) nur
für elf Monate Unfalldaten vorliegen, wurden seitens des Gutachters die
Werte zur Vergleichbarkeit mit der Vorhersituation (im Weiteren Phase 0 ge-
nannt) auf ein Jahr hochgerechnet. Der Fokus liegt dabei auf der Venloer
Straße und auf allen Straßen im Umfeld der Venloer Straße. Der komplette
Ergebnisbericht zur Unfallanalyse kann der Anlage 3 entnommen werden.
Im Untersuchungsgebiet wurden im Zeitraum 01.11.2021 bis zum
30.09.2024 insgesamt 453 Unfälle mit Personenschäden registriert, davon
fanden 96 Unfälle (21 %) auf der Venloer Straße statt. Im gesamten Untersu-
chungsgebiet war die Anzahl der Unfälle in Phase 0 und Phase 2 nahezu
gleich.
Auf der Venloer Straße ist jedoch eine deutlich andere Entwicklung feststell-
bar: Hier ist in Phase 2, also nach Einführung der Einbahnstraße, die Anzahl
der Unfälle stark gesunken. Auf der Venloer Straße dominieren in Phase 0,
also vor Einführung der Einbahnstraße, die Unfälle mit ruhendem Verkehr. In
Phase 2 nimmt dieser Unfalltyp stark ab. Somit wurde mit der Einführung der
Einbahnstraßenregelung die hohe Unfallgefährdung durch ruhenden Verkehr
auf der Venloer Straße beseitigt. Im gesamten Untersuchungsgebiet gesche-
hen 60 % der Unfälle mit den Beteiligten Kfz/Radverkehr und Kfz/Kfz. Auf
der Venloer Straße sinkt dieser Anteil kontinuierlich ab.
In Bezug auf die Unfallentwicklung mit Radverkehrsbeteiligung wurden im
gesamten Untersuchungsgebiet 265 Unfälle polizeilich registriert. Davon fan-
den 62 Unfälle (23 %) auf der Venloer Straße statt. Die Anzahl der Unfälle in
Phase 0 und 2 waren nahezu identisch.
Auf der Venloer Straße ergibt sich ein augenfällig anderes Bild: Hier sank mit
Umsetzung der Einbahnstraße die Unfallzahl ganz rapide ab. Somit unter-
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scheidet sich die Entwicklung der Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteili-
gung im Gesamtgebiet von der auf der Venloer Straße ganz erheblich.
Auf der Venloer Straße reduziert sich die Unfallanzahl mit Einführung der
Einbahnstraße um zwei Drittel.
Bezieht man noch die Anzahl der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung mit de-
nen aus dem Radverkehrskonzept Ehrenfeld für die Jahre 2013 bis 2017 in
die Bewertung mit ein, wird sehr deutlich, dass noch nie so wenige Unfälle
mit Radverkehrsbeteiligung auf der Venloer Straße nach Einführung der Ein-
bahnstraße polizeilich registriert wurden.
Bezüglich der Unfallentwicklung mit Fußverkehrsbeteiligung wurden im ge-
samten Untersuchungsgebiet 59 Unfälle polizeilich registriert. Auf der Ven-
loer Straße fanden 14 Unfälle (24 %) statt. Während die Anzahl der Unfälle
mit Fußverkehrsbeteiligung im gesamten Untersuchungsgebiet in den Pha-
sen 0 und 2 konstant blieb, nahm die Anzahl der Fußverkehrsunfälle auf der
Venloer Straße zu, allerdings ausgehend von einem sehr geringen absoluten
Niveau.
Im Gesamtgebiet und auf der Venloer Straße dominieren bei den Unfällen
mit Fußverkehrsbeteiligung die Überschreiten-Unfälle. Im gesamten Untersu-
chungsgebiet geschehen die meisten Unfälle mit Fußverkehrsbeteiligung mit
den Beteiligten Kfz/Fußverkehr sowie Radverkehr/Fußverkehr. Die Phasen 0
und 2 unterscheiden sich hier nicht wesentlich. Auf der Venloer Straße stei-
gen die Unfälle zwischen Fußverkehr und Kfz sowie Radverkehr an, aller-
dings werden meist die zu Fuß Gehenden als Unfallverursacher polizeilich
registriert.
4.2.2. Beurteilung der erzielten Veränderungen
Bereits vor Einführung der Einbahnstraße wurden, bis auf wenige Ausnah-
men, sämtliche Kfz-Stellplätze in Flächen für Fahrradparken und Ladezonen
umgewandelt. Hintergrund dieser Maßnahme war die hohe Zahl an Dooring-
Unfällen. Im Zweirichtungsverkehr zeigte diese Umgestaltung jedoch keine
Wirkung. Erst mit der Einführung der Einbahnstraße kam es zu einem deutli-
chen Rückgang der Unfallzahlen.
Die Einführung der Einbahnstraßenregelung hat zu einer deutlichen Reduk-
tion aller Unfälle und insbesondere der Unfälle mit Radfahrendenbeteiligung
geführt. Die ursprünglich hohe Unfallgefährdung durch den ruhenden Ver-
kehr konnte erfolgreich beseitigt werden, während die Anzahl der Fußgän-
gerunfälle auf der Venloer Straße absolut gesehen nur minimal gestiegen ist.
Ein Erklärungsansatz für dieses Phänomen ist aus Sicht des beauftragten
Gutachters und der Verwaltung, dass durch das geringere Verkehrsaufkom-
men mehr zu Fuß Gehende mittlerweile dazu neigen, die Straße abseits von
gesicherten Querungen zu passieren und nicht sonderlich auf den Verkehr
zu achten. Gegen Ende des Verkehrsversuches ist feststellbar gewesen,
dass die Anzahl der Fußgängerunfälle wieder abgenommen hat. Die Ent-
wicklung des Unfallgeschehens mit zu Fuß Gehenden wird von der Verwal-
tung weiter beobachtet.
Im gesamten Untersuchungsraum ist keine Zunahme von Unfällen zu ver-
zeichnen, die auf die Einführung der Einbahnstraße zurückzuführen wäre.
Zwar sind die Unfallzahlen insgesamt leicht gestiegen, jedoch vor allem in
Bereichen, in denen das Verkehrsaufkommen nicht zugenommen oder sogar
abgenommen hat (z. B. Subbelrather Straße). Dies deutet darauf hin, dass
andere Einflussfaktoren, z. B. der bauliche Zustand der Verkehrsanlage eine
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Rolle spielen könnte.
Die insgesamt sehr positive Entwicklung der Verkehrssicherheit spricht aus
Sicht der Verwaltung dafür, die Einbahnstraßenregelung dauerhaft zu verste-
tigen. Ergänzende Maßnahmen zur sicheren Führung von zu Fuß Gehenden
sollten auf Grundlage der bereits vorliegenden politischen Beschlüsse ge-
prüft und bei Vorliegen der Vorteilhaftigkeit umgesetzt werden.
4.3. Analyse der gefahrenen Geschwindigkeiten
4.3.1. Entwicklung des Geschwindigkeitsprofils
Zur Bewertung der Veränderung der gefahrenen Geschwindigkeiten auf der
Venloer Straße und auf den Straßenzügen im Umfeld wurden an insgesamt
15 Messpunkten in den Jahren 2022, 2023 und 2024 Geschwindigkeitsmes-
sungen über 24 Stunden durchgeführt. Zur Bewertung der gemessenen Ge-
schwindigkeiten wird der “V85-Wert“ in der Verkehrsplanung herangezogen.
Die Angabe V85 bedeutet, dass 85 % der gemessenen Fahrzeuge diese Ge-
schwindigkeit nicht überschritten haben. Je näher der Wert V85 an der zuläs-
sigen Höchstgeschwindigkeit am Messpunkt liegt, desto besser wird die vor-
geschriebene Geschwindigkeit von den Verkehrsteilnehmenden akzeptiert.
In Anlage 4 sind die Ergebnisse der gemessenen Geschwindigkeiten V85 an
den 15 Messpunkten im Jahresvergleich 2022, 2023 und 2024 dargestellt.
Auf der Venloer Straße ist die Geschwindigkeit V85 nach Einrichtung der
Einbahnstraße im Rahmen des Verkehrsversuches 2024 im Vergleich zur
Ausgangssituation 2022 gesunken. So hat sich auf der Venloer Straße im
Streckenabschnitt zwischen der Philippstraße und der Keplerstraße die Ge-
schwindigkeit V85 von 29 km/h auf 27 km/h reduziert. Auch auf dem Stre-
ckenabschnitt zwischen der Gutenbergstraße und der Leostraße ist die glei-
che Abnahme der gemessenen Geschwindigkeiten feststellbar. Hier sank die
gemessene Geschwindigkeit von 33 km/h auf 31 km/h. Ursprünglich bestand
die Befürchtung, dass die Einrichtung der Einbahnstraße ohne bauliche Ver-
änderungen zu höheren Geschwindigkeiten führen würde, da der Begeg-
nungsverkehr Kfz/ Kfz entfällt und die Straßenbreite subjektiv großzügiger
wahrgenommen wird. Anhand der Ergebnisse hat sich diese Annahme je-
doch nicht bestätigt, möglicherweise aufgrund der hohen Frequenz von Rad-
fahrenden und querenden zu Fuß Gehenden.
An den 13 Messpunkten im Umfeld der Venloer Straße bzw. in den angren-
zenden Wohnstraßen ist ein vergleichbares Bild zur Entwicklung der gefah-
renen Geschwindigkeiten V85 erkennbar. Auch hier sanken die gemessenen
Geschwindigkeiten tendenziell ab und liegen in der Regel unter dem Wert
der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten. Als Ausnahme ist die Gutenberg-
straße im Streckenabschnitt zwischen Christian-Schult-Straße und Subbel-
rather Straße zu nennen. Hier sank die gemessene Geschwindigkeit V85
zwar von 39 km/h auf 35 km/h, übersteigt jedoch die vorgeschriebene Ge-
schwindigkeit von 30 km/h. Allerdings ist die Gutenbergstraße aufgrund einer
Diagonalsperre für die Durchfahrt auf die Venloer Straße abgebunden.
4.3.2. Beurteilung der erzielten Veränderungen
Aufgrund der Ergebnisse aus den Geschwindigkeitsmessungen an den 15
Messpunkten ist an fast allen Messpunkten eine Reduzierung der gemesse-
nen Geschwindigkeiten feststellbar. Auch die befürchtete Zunahme der Ge-
schwindigkeit auf der Venloer Straße durch die Einrichtung der Einbahn-
straße konnte widerlegt werden. Insofern spricht auch dieses Ergebnis dafür,
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die Einbahnstraßenregelung dauerhaft zu verstetigen.
4.4. Analyse des Verkehrsaufkommens
4.4.1. Entwicklung des Verkehrsaufkommens
Für die Analyse wurden Verkehrserhebungen sowohl auf der Venloer Straße
als auch in den Wohnstraßen im Umfeld sowie auf den Haupterschließungs-
straßen durchgeführt. Insgesamt wurden in den Beobachtungszeiträumen
2022, 2023 und 2024 an 27 Knotenpunkten und 15 Querschnitten die Ergeb-
nisse der durchgeführten Verkehrserhebungen zur Analyse herangezogen.
Im Rahmen des Verkehrsversuchs ist eine Veränderung des Verkehrsauf-
kommens auf der Venloer Straße, im Umfeld in den Wohnquartieren und auf
den Haupterschließungsstraßen zu erkennen. Die Ergebnisse sind in der
Anlage 5 und dem Anlagenband 5.1 ausführlich dargestellt.
Während des Verkehrsversuches kam es auf den Querstraßen Philipp-
straße, Körnerstraße, Franz-Geuer-Straße und Rothehausstraße zu einem
Anstieg der Verkehrsstärken. Auf der Keplerstraße und der Piusstraße war
ein deutlicher Anstieg zu beobachten. Während des Verkehrsversuchs wur-
den vereinzelte Querstraßen durch Quell- und Zielverkehr im Umfeld der
Venloer Straße ebenfalls belastet. Zudem wurde die Piusstraße vermehrt als
Umfahrungsroute genutzt, um die Einbahnstraßenregelung auf der Venloer
Straße zu umgehen. Nach Einrichtung der Piusstraße als Anliegerstraße re-
duzierte sich das Verkehrsaufkommen allerdings deutlich. Im Januar 2025
lag das Verkehrsaufkommen nur bei 900 Fahrten/Tag. In den anderen Quer-
straßen war die Verkehrszunahme moderat und lag im Bereich täglicher
Schwankungsbreiten.
Die Haupterschließungsstraßen Vogelsanger Straße und Weinsbergstraße
als Parallelachsen zur Venloer Straße wurden während des Verkehrsver-
suchs als Umfahrungsoute genutzt. Insbesondere wurde verstärkt stadtaus-
wärts gefahren. Auf der Vogelsanger Straße war eine Zunahme in beide
Fahrtrichtungen wahrnehmbar. Die Vogelsanger Straße wurde im Abschnitt
zwischen der Inneren Kanalstraße und dem Melatengürtel von Ende 2019
bis Anfang 2022 umgebaut. Während dieser Zeit war die Straße nur einge-
schränkt oder gar nicht befahrbar. Vor dem Umbau, im Jahr 2016, lag das
tägliche Verkehrsaufkommen im Bereich vor dem Melatengürtel bei 5.540
Kfz im Querschnitt, davon fuhren 3.110 Kfz geradeaus über den Gürtel hin-
weg. Die Verkehrszählungen von 2024 zeigen ein insgesamt geringeres Auf-
kommen: 4.720 Kfz wurden im Querschnitt erfasst, während 2.560 Kfz gera-
deaus über den Gürtel fuhren.
Das subjektive Empfinden einiger Anwohnenden, dass das Verkehrsaufkom-
men stark zugenommen habe, kann nach Einschätzung der Verwaltung auch
mit der Wahrnehmung während der Bauzeit und der Corona-Pandemie zu-
sammenhängen. Zu dieser Zeit verkehrten deutlich weniger Fahrzeuge, so
dass die heutige Verkehrssituation im Vergleich zu der davor als ausgepräg-
ter empfunden wird. Die Verkehrszunahme in beide Fahrtrichtungen deutet
darauf hin, dass sich nach der Corona-Pandemie und der langen Sperrung
durch Bauarbeiten das Verkehrsaufkommen erst wieder normalisiert und
nicht ausschließlich auf die Einrichtung der Einbahnstraße auf der Venloer
Straße zurückzuführen ist. Auf der Subbelrather Straßen sind dagegen keine
Zunahmen bei der Verkehrsstärke festgestellt worden. Hier ist das Verkehrs-
aufkommen sogar gesunken.
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Die Verkehrsmenge auf der Venloer Straße sank im Einbahnstraßenab-
schnitt seit Einführung der Einbahnstraße deutlich. Während die Verkehrs-
menge in dem Teilabschnitt insgesamt im Vergleich zur Situation vor Einfüh-
rung der Einbahnstraße gesunken ist, wurde ein leichter Anstieg des Ver-
kehrs in Richtung Innenstadt registriert. Die Einführung der Einbahnstraße
hat insgesamt jedoch zu einer spürbaren Reduzierung des Verkehrsaufkom-
mens geführt. Die moderaten Verkehrszunahmen auf den Nebenstraßen
stuft die Verwaltung als insgesamt verträglich ein.
4.4.2. Beurteilung der erzielten Veränderungen
Mit Einführung der Einbahnstraße ist ein deutlicher Rückgang im Verkehrs-
aufkommen zur verzeichnen. Dieser Rückgang bedeutet für die Venloer
Straße im Ergebnis einen enormen Gewinn für die Verkehrssicherheit. Zwar
werden die Haupterschließungsstraßen Vogelsanger Straße und Weinsberg-
straße im Umfeld als Ausweichrouten genutzt, die Zunahmen des Verkehrs-
aufkommens hier können durchweg als verträglich bezeichnet werden.
Ebenfalls ist in den Wohnstraßen eine Zunahme im Ziel- und Quellverkehr
feststellbar. Diese Veränderungen in den Wohnstraßen bewegen sich grund-
sätzlich auf dem im Vorfeld des Verkehrsversuchs prognostizierten Niveau
der Verwaltung.
Die umgesetzten Maßnahmen auf der Venloer Straße und in der Piusstraße
konnten das Verkehrsaufkommen bereits positiv verändern. Auf Basis vorlie-
gender politischer Beschlüsse für die Vogelsanger Straße und den Ergebnis-
sen für die Kepler Straße sollten Maßnahmen zur Reduzierung des Ver-
kehrsaufkommens geprüft und bei Bestätigung der Vorteilhaftigkeit umge-
setzt werden.
5. Gesamtbeurteilung Verkehrsversuch und Empfehlung
Insgesamt kann sowohl hinsichtlich der Reduzierung von Geschwindigkeiten, der Ab-
nahme von Verkehrsmengen und Erhöhung der Verkehrssicherheit die probeweise
Einrichtung der Einbahnstraße auf der Venloer Straße als Erfolg beurteilt werden. Das
Ziel, die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden nachweislich zu erhöhen, konnte
durch den einjährigen Verkehrsversuch erreicht werden. Die erhobenen Verkehrsda-
ten untermauern diese positive Entwicklung nachdrücklich.
Nach sorgfältiger Abwägung überwiegen aus Sicht der Verwaltung die Aspekte der Si-
cherheit im Sinne des Wohles der Allgemeinheit auf der Venloer Straße gegenüber
den teilweise in einigen anliegenden Straßen zu beobachtenden Veränderungen im
Verkehrsaufkommen. Die Verwaltung empfiehlt daher die Verstetigung für den erprob-
ten Abschnitt auf der Venloer Straße dauerhaft zur Einbahnstraße. Die dauerhafte
Einrichtung wird die Verwaltung gemäß § 45 Abs. 1 Satz 1, Abs. 9 Satz 3 StVO anord-
nen.
6. Ergebnisse der Öffentlichkeitsarbeit und -beteiligung
Die Verwaltung wurde beauftragt, eine Öffentlichkeitsbeteiligung zum Verkehrsver-
such auf Basis des entwickelten Beteiligungs- und Kommunikationskonzepts (Anlage
10) durchzuführen. Vor Einrichtung der Einbahnstraße wurden die Planungen im Rah-
men einer öffentlichen Veranstaltung am 28.09.2023 im Bezirksrathaus Ehrenfeld vor-
gestellt und erläutert. Mit Einrichtung der neuen Verkehrsführung wurde eine Info-
Seite auf dem Beteiligungsportal der Stadt Köln aktiv gestellt und ein Erklärvideo ver-
öffentlicht. Auf dem Beteiligungsportal bestand bis Juni 2024 die Möglichkeit, online
Feedback zur neuen Verkehrssituation zu geben (siehe: https://mei-
nungfuer.koeln/group/49/dialog/193).
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Zudem waren ab Einrichtung der Einbahnstraße für zwei Monate an insgesamt 15
Terminen Verwaltungsmitarbeitende im Rahmen von Vor-Ort-Beteiligungen auf der
Venloer Straße unterwegs und haben Rückmeldungen der Menschen vor Ort zu den
verkehrlichen Änderungen aufgenommen. Während des gesamten Zeitraums – und
auch jetzt immer noch – konnten sich die Kölner*innen über den jeweiligen Stand der
Beteiligung und über den Projektstand z. B. anhand der FAQ (Frequently Asked
Questions) auf dem Beteiligungsportal informieren.
Ein weiterer Baustein der Auswertung des Verkehrsversuchs sind daher die Rückmel-
dungen aus den verschiedenen Phasen der Öffentlichkeitsbeteiligung. So fanden im
Frühjahr 2024 zwei Gestaltungsworkshops mit Bürger*innen und ein Workshop für
Gewerbetreibende statt. Dort haben Teilnehmende gemeinsam mit Mitarbeitenden der
Verwaltung Ideen zur Verbesserung der Einbahnstraße entwickelt. Bis Ende Septem-
ber 2024 konnten Kölner*innen bei Online-Befragungen und bei Spaziergängen vor
Ort Feedback zu den einzelnen Ideen und den daraus entwickelten Prototypen geben.
Im Rahmen der Online-Befragung wurde die Neuaufteilung des Straßenraums beson-
ders intensiv diskutiert, wobei zu berücksichtigen ist, dass nicht alle Bevölkerungs-
gruppen gleichermaßen vertreten waren. 61 Prozent der Teilnehmenden favorisierten
die dritte Variante mit zwei breiteren Radschutzstreifen. Gleichzeitig gab es Beden-
ken, dass ein schnellerer Radverkehr die Querung der Straße für Fußgänger*innen er-
schweren könnte. Auch die Einrichtung der Wirtschaftszone wurde im Rahmen von 57
Rückmeldungen aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen thematisiert. Die meisten
Rückmeldungen benannten die Notwendigkeit der Bekanntmachung und Benennung
der Vorteile solcher Flächen für Lieferverkehr und Gewerbetreibende. Außerdem
wurde die Notwendigkeit stärkerer Kontrollen betont, um unerlaubtes Parken und Hal-
ten in der zweiten Reihe zu verhindern.
Besonders positiv wurden die Verweiloasen bewertet, die seit Sommer 2024 als tem-
poräre Sitzelemente getestet wurden. Die wichtigsten Erkenntnisse aus den Rückmel-
dungen zu den Verweiloasen sind, dass diese grundlegend sehr gut funktionieren und
viel genutzt werden, eine Auseinandersetzung mit der Platzierung und der Pflege je-
doch sinnvoll ist.
Neben den angebotenen Beteiligungsformaten erreichten die Stadtverwaltung zahlrei-
che Rückmeldungen per E-Mail. Während viele Bürger*innen die Verkehrsberuhigung
positiv bewerteten, äußerten andere Kritik an einer Verkehrsverlagerung in die Neben-
straßen, insbesondere in die Piusstraße und die Vogelsanger Straße. Die Verwaltung
untersucht nun Maßnahmen zur besseren Verteilung des Verkehrs im Quartier. In die-
sem Zusammenhang wurde bereits beschlossen, die Fahrtrichtung der Einbahnstraße
in der Piusstraße zu drehen.
Die umfangreichen Ergebnisse der Öffentlichkeitsarbeit und -beteiligung sind in den
Anlagen 6 und 7 detailliert dargestellt. Diese wurden bereits am 02.12.2024 mit der
Zwischenbilanz der Bezirksvertretung Ehrenfeld vorgelegt ( 3705/2024). Sie geben ei-
nen umfassenden Einblick in die Rückmeldungen und Anregungen der Bürger*innen
sowie in die durchgeführten Beteiligungsprozesse.
7. Auswirkungen auf den Einzelhandel und Beteiligung der Gewerbetreibenden
Aufgrund der Erfahrungen aus vorherigen Verkehrsversuchen wurde Anfang 2023 ak-
tiv in den Austausch mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie der Hand-
werkskammer zu Köln (HWK) gegangen, um die Interessen der Gewerbetreibenden
und Handwerksbetriebe stärker in Verkehrsversuche zu integrieren. Gemeinsam mit
den Verbänden wurde ein Baukastensystem zur Partizipation bei größeren Verkehrs-
maßnahmen entwickelt. Es sieht zur Einbindung der Unternehmen Befragungen,
Rundgänge, Unternehmensbesuche und einen Workshop vor.
11
Im Frühjahr 2024 wurde ein Workshop für Gewerbetreibende organisiert, bei dem An-
regungen aufgenommen und Ideen diskutiert wurden. In Folge dessen wurde auf der
Venloer Straße u. a. die erste Wirtschaftszone in Köln eingerichtet und nach einer kur-
zen Eingewöhnungszeit eine Befragung der ansässigen Unternehmen vorgenommen,
wie Anlage 8 zu entnehmen ist. In der Anlage 8 sind die Aktivitäten auf der Venloer
Straße im Rahmen des Verkehrsversuchs zu den gewerblichen Belangen dokumen-
tiert.
Vereinzelt wurden seitens Gewerbetreibenden Beschwerden zu Einnahmerückläufen
geäußert. Da die Stadtverwaltung zur Entwicklung des Einzelhandels keine konkreten
Daten vorliegen hat, konnte hierzu keine Bewertung erfolgen. Aus diesem Grund hat
die Stadt Köln eine Studie beauftragt, um die wirtschaftlichen Folgen zu analysieren.
Die Ergebnisse der Untersuchung sind in der Anlage 9 dargestellt.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es aktuell zu früh ist, um die wirtschaft-
lichen Auswirkungen des Verkehrsversuchs auf der Venloer Straße abschließend zu
bewerten. Die bisherigen Erkenntnisse lassen jedoch darauf schließen, dass die lang-
fristigen Effekte eher positiv ausfallen könnten, insbesondere für Gastronomie und
Dienstleistungsgewerbe. Gleichzeitig bleibt es wichtig, die weitere Entwicklung der
Kundenzahlen und der Umsätze kontinuierlich zu beobachten und gegebenenfalls
nachzusteuern, um die positiven Effekte der Maßnahmen zu maximieren.
Darüber hinaus bestehen zu dieser Thematik wissenschaftliche Forschungen des
Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu). Kausale Zusammenhänge zwischen Ver-
kehrsberuhigungsmaßnahmen und einer wirtschaftlichen Schlechterstellung des stati-
onären Einzelhandels sind vor dem Hintergrund der vorliegenden Untersuchungen
nicht belegbar. Eine bessere Aufenthaltsqualität und höhere Kundenfrequenzen füh-
ren in fast allen untersuchten Studien zu einer Stabilisierung bzw. Steigerung der Um-
sätze. Die Erklärung ist einfach: Dort, wo sich Menschen gern aufhalten, wo sie sich
wohlfühlen, wo sie länger vor einem Geschäft verweilen, nutzt dies am Ende auch
dem Einzelhandel. Zu den Fakten gehört aber auch, dass nicht alle Branchen gleich-
ermaßen profitieren. Entscheidend ist, wie die Umgestaltung vorgenommen wird. Un-
ter dem Strich bleibt die Feststellung, dass Verkehrsberuhigungsmaßnahmen die
Krise des Einzelhandels nicht kompensieren können, aber durchaus abmildern und
keinesfalls verantwortlich für das „Geschäftesterben“ sind1.
Zu Beschlusspunkt 2:
Die Verwaltung erhielt in der Vergangenheit rund um den Verkehrsversuch auf der
Venloer Straße weitere Arbeitsaufträge für den Verkehrsraum. Diese werden nach der
dauerhaften Einrichtung der Einbahnstraße geprüft und geplant. Eine Übersicht über
die entsprechenden Beschlüsse enthält Anlage 2.
Auswirkungen auf den Klimaschutz
Die Stadt Köln verfolgt das Ziel, die sektorspezifischen Beiträge zum Klimaschutz zu
erfüllen. Die dauerhafte Einrichtung der Einbahnstraße kann durch eine Steigerung
und Förderung von klimafreundlichen Fortbewegungsarten perspektivisch einen Bei-
trag zum Klimaschutz leisten.
Anlagen
Anlage 1 Öffentlichkeitsbeteiligung
1 https://difu.de/presse/pressemitteilungen/2025 -03-28/einzelhandel -profitiert-von-massnahmen -der-verkehrs-
beruhigung?check_logged_in=1
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Anlage 2 Beschlusslage Verkehrsversuch Venloer Straße
Anlage 3 Unfallanalyse
Anlage 4 Geschwindigkeitsmessungen
Anlage 5 Auswertung Verkehrserhebungen - Bericht
Anlage 5.1 Auswertung Verkehrserhebungen - Anlagenband
Anlage 6 Auswertung Öffentlichkeitsbeteiligung Textversion
Anlage 7 Auswertung Öffentlichkeitsbeteiligung Präsentation
Anlage 8 Gewerbliche Belange
Anlage 9 Wirtschaftsbericht Universität zu Köln
Anlage 10 Beteiligungs- und Kommunikationskonzept
Anlage 10 Beteiligungs- und Kommunikationskonzept
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1 von 4 Beteiligungs- und Kommunikationskonzept Verkehrsversuch Venloer Straße - Einrichtung einer Einbahnstraße Stand: 07.09.2023 Kontext – Worum geht’s? Die Venloer Straße ist eine der wichtigsten Hauptachsen in Ehrenfeld mit vielen Nutzungsansprüchen. Im Rahmen des Radverkehrskonzepts Ehrenfeld wurde erarbeitet, dass eine neue Verkehrsführung auf der Venloer Straße enorme Auswirkungen auf das Quartier und die umliegenden Straßen haben könnte. Auf dieser Grundlage haben die Bezirksvertretung Ehrenfeld am 15.11.2021 und der Ver- kehrsausschuss am 23.11.2021 die Verwaltung damit beauftragt, einen zweistufigen Verkehrsversuch durchzuführen, der folgende (zusammengefasste) Inhalte umfasst: 1. Stufe: Einrichtung eines verkehrsberuhigten Bereiches („20er-Zone“) inklusive Umwandlung von Kurzzeitparkplätzen – ist bereits umgesetzt und aktueller Status Quo 2. Stufe: Einrichtung einer Einbahnstraße – steht fest und ist in Planung Der Beschluss beinhaltete das übergeordnete Ziel der Erhöhung der Verkehrssicherheit gemäß Stra- ßenverkehrsordnung (StVO). Eine Erhöhung der Aufenthaltsqualität auf der Venloer Straße durch eine in Folge beabsichtigte Reduzierung der Verkehrsmengen kann dabei die Folge sein. Zielgruppen Politische Akteur*innen: Bezirksvertretung Ehrenfeld, Verkehrsausschuss, StadtAG Behindertenpolitik Medien und Presse Nutzer*innen der Venloer Straße: Anwohner*innen, Autofahrer*innen, Fußgänger*innen, Radfahrer*innen Weitere vom Vorhaben betroffene Akteur*innen: Gewerbetreibende, Gewerbekund*innen, Handwerker*innen, Lieferverkehr, Kitas und Schulen in der Umgebung, Planungsbüro Stadt & Handel, Religionsgemeinschaften, Kunst- und Kulturschaffende, Anwohner*innen in der Umgebung Am Vorhaben interessierte Akteur*innen: IHK, IG Gastro, ADFC, Fuß e.V. und andere Verbände Multiplikator*innen für das Vorhaben: Agora, Sozialraumkoordination, Runder Tisch Ehrenfeld, Handelskümmerer der IHK, All erweltshaus, Religionsgemeinschaften, Kitas und Schulen in der Umgebung 2 von 4 Fahrplan der Planungs-, Kommunikations- und Beteiligungsbausteine 3 von 4 Konkretisierung des Fahrplans Hinweis: Da es sich um ein mehrphasiges Planungsverfahren handelt, erfordert dies auch einen mehr- phasigen Beteiligungsablauf. Die unterschiedlichen Phasen haben unterschiedliche Zielsetzungen und die Einflussnahme der Öffentlichkeit auf die Planung variiert je Phase. Phase 1: Information … über die Beteiligungspause, die Einführung der Einbahnstraße und Ankündigung der geplanten Be- teiligung Ziele: Information, Aufklärung, Verständnis, Nachvollziehbarkeit für die Zielgruppen Zeitrahmen: Mit Veröffentlichung der Verwaltungsvorlage Formate: Öffentlichkeitsveranstaltung Bürgeramt Ehrenfeld, Mail an Multiplikator*innen, Projektwebsite etc. Phase 2: Feedback zur Einbahnstraße Dass die Einbahnstraße eingerichtet wird, ist gesetzt. Aber Einbahnstraße ist nicht gleich Einbahn- straße. Wie die Aufwertung der Einbahnstraße in den Nebenanlagen aussehen muss, um ohne Bau- maßnahmen und mit einfachen Mitteln eine Verschönerung des Straßenzuges zu erzielen , wird Ge- genstand einer Öffentlichkeitsbeteiligung sein. Da verkehrliche Änderungen erfahrungsgemäß eine Eingewöhnungsphase benötigen, wird die Ein- richtung der Einbahnstraße zunächst seitens der Verwaltung über zwei Monate beobachtet und die Akteur*innen vor Ort und digital befragt, wie sie mit den Veränderungen klarkommen und welche Be- darfe und Bedürfnisse es gibt. Die Verwaltung erfährt so, „wo der Schuh drückt“, was also noch unklar und unverständlich ist. Die Verwaltung erkennt frühzeitig mögliche Gefahrenstellen und kann diese umgehend beseitigen. Ziele: Erkenntnisgewinn für Verwaltung, Aufklärung, Verständnis und Nachvollziehbarkeit für die Zielg ruppen Beteiligungsformate: Online-Dialog auf www.meinungfuer.koeln mit der Möglichkeit, Fragen/Hinweise zu geben. Fragen werden im Rahmen eines FAQ (häufig gestellte Fragen) beantwortet Aufsuchende Beteiligung mit dem MeinungsMobil vor Ort auf der Venloer Straße Zeitrahmen: Direkt nach Einrichtung der Einbahnstraße für zwei Monate Phase 3a: Ausgestaltung der Einbahnstraße a la „Pimp your Einbahnstraße“ Gemeinsam mit der Öffentlichkeit werden Maßnahmen für die Aufwertung der Einbahnstraße in den Nebenanlagen entwickelt. Der Fokus liegt dabei darauf, wie in den Nebenanlagen gute Ideen ohne Baumaßnahmen und mit einfachen Mitteln zu einer Verschönerung des Straßenzuges beitragen kön- nen. Einige Maßnahmen werden kurzfristig umgesetzt, einige mit in eine politische Beschlussvorlage aufgenommen und andere wiederum nach Prüfung abgelehnt und deren Nicht -Umsetzbarkeit begrün- det. Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt agil und iterativ: Umsetzung, Testung/Prüfung, Anpassung 4 von 4 Ziele: Erkenntnisgewinn für die Verwaltung, Akzeptanz und Unterstützung, damit die Aufwertung der Ein- bahnstraße in den Nebenanlagen gelingt Beteiligungsformate: Design-Thinking-Workshops mit Multiplikator*innen und Interessensvertreter*innen Straßenspaziergänge zu unterschiedlichen Themen und entsprechend unterschiedlich eingeladenen Akteur*innen Zeitrahmen: Zwei Monate nach Einrichtung der Einbahnstraße Phase 3b: Feedback zur Einbahnstraße, um Maßnahmen zu testen und ggf. anzupassen Im Sinne eines iterativen Vorgehens werden die umgesetzten Maßnahmen getestet und ggf. ange- passt, dann erneut getestet und ggf. angepasst. Ziele: Erkenntnisgewinn, Anpassungsfähigkeit und Kund*innenzentrierung Beteiligungsformate: Online-Dialog auf www.meinungfuer.koeln mit der Möglichkeit, Fragen/Hinweise zu geben. Fragen werden im Rahmen eines FAQ (häufig gestellte Fragen) beantwortet Aufsuchende Beteiligung mit dem MeinungsMobil vor Ort auf der Venloer St raße Zeitrahmen: Ab Veränderung der Einbahnstraße durch Umsetzung von Sofort-Maßnahmen durchgehend bis Ende des Verkehrsversuches Grundlage für die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Öffentlichkeitsbeteiligung sind die vom Rat der Stadt beschlossenen Qualitätsstandards für gute Öffentlichkeitsbeteiligung:
Anlage 11 Auszug Verkehrsausschuss 13.05.2025
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Anlage 11 Geschäftsführung Verkehrsausschuss Frau Krause Telefon: (0221) 221-25909 Fax: (0221) 221-24447 E-Mail: DezIII-session@stadt-koeln.de Datum: 16.05.2025 Auszug aus dem Entwurf der Niederschrift der 44. Sitzung des Verkehrsausschusses vom 13.05.2025 öffentlich 3.4 Beendigung Verkehrsversuch Venloer Straße und Verstetigung der Ein- bahnstraße 1031/2025 RM Wahlen erinnert an die lange, teils holprige Historie dieses Projektes und zieht letztendlich jedoch ein positives Resümée. Die umgesetzten Maßnahmen seien eine gute Verbesserung insbesondere für den Radverkehr, die Unfallzahlen seien zurück- gegangen. In der kommenden Wahlperiode könne dann sicherlich der Abschnitt zwi- schen Gürtel und Äußere Kanalstraße angegangen werden. Er hoffe, dass nun mit dem beschlossenen Haushalt auch die Verweiloasen zeitnah zurückkommen. Auch SE Rohata signalisiert grundsätzliche Zustimmung seitens der SPD -Fraktion. Sofern noch kleinteiligere Maßnahmen auf der Venloer Straße erforderlich seien, soll- ten diese von der BV Ehrenfeld, also den Politiker*innen, vor Ort entschieden werden. Interessieren würde sie noch ein Vergleich der MIV-Daten für den Bereich Subbel- rather Straße/Vogelsanger Straße und des in Rede stehenden Streckenabschnitts der Venloer Straße. Sie bittet diese Daten nachzureichen. Die Verwaltungsvorlage wird ebenfalls von RM De Bellis-Olinger im Namen der CDU- Fraktion begrüßt, wenngleich auch sie auf die anfänglichen Schwierigkeiten verweist. Allerdings habe sie trotz Zustimmung zur Vorlage noch einige Fragen: Wie stellen sich die Zahlen der Wirtschaft aktuell auf der Venloer Straße dar? Wohin hat sich der Verkehr verlagert? Haben sich die Rückstauerscheinungen auf der Vogelsanger Straße verbessert? Können für Handwerker*innen weitere Wirtschaftsparkplätze eingerichtet werden? Be- steht die Möglichkeit, die Anwohner*innenparkplätze tagsüber zu Geschäftszeiten in bewirtschaftete Parkplätze umzuwandeln? Wie und wohin wird freitags der starke Moschee-Verkehr abgewickelt? SB Meinhardt erinnert an die Zusage der Verwaltung im Fachgespräch, auch nach Beschlussfassung noch ggf. mit kleineren Maßnahmen die Situation zu optimieren. 2 Ihn störe beispielsweise, dass sich die Unfallstatistik für zu Fuß Gehende verschlech- tert habe und er hoffe auf die Einrichtung von mehr Zebrastreifen nach dem Vorbild der Dellbrücker Hauptstraße. SB Dr. Beese hingegen macht darauf aufmerksam, dass bei Weitem noch nicht alle Probleme gelöst seien und er die Situation nicht so positiv wie seine Vorredner*innen beurteile. Die Radspur beispielsweise sei nicht breit genug, die Radfahrenden müssen immer noch in der „Regenrinne“ fahren. Auch das Problem mit den Ausweich- und Umwegverkehren müsse noch angegangen werden. Die Situation auf der Piusstraße sei nach wie vor unbefriedigend. Zudem habe der Verkehr auf der Keppeler Straße und die Stauerscheinungen auf dem Gürtel, der Weinsbergstraße und Vogelsanger Straße deutlich zugenommen. Von daher sei für die FDP-Fraktion der Verkehrsver- such nicht beendet und sie könne dem Beschlussvorschlag der Verwaltung heute nicht zustimmen. SE Fahlenbock erinnert an die schon länger zurückliegende Zusage der Verwaltung, weitere Querungshilfen für zu Fuß Gehende einzurichten und bittet um Stellung- nahme. Sofern die Verwaltung hier tätig geworden sei, möchte er wissen, ob die Que- rungshilfen mit taktilen Leitelementen ausgestattet wurden. Frau Bachem, stellv. Leiterin des Amtes für nachhaltige Mobilitätsentwicklung, weist darauf hin, dass heute der Fokus auf die Beurteilung und die Beendigung des Ver- kehrsversuches gerichtet werden sollte. Es handele sich hier um eine rechtliche Frage. Dementsprechend seien die erforderlichen umfangreichen Untersuchungen und Verkehrserhebungen vorgenommen wurden. Letztendlich werde der Verkehrsver- such als positiv bewertet, die Verwaltung sei jedoch noch nicht fertig. Es würden wei- tere kleinere Optimierungsmaßnahmen folgen. Alle hier aufgeworfenen Fragen und Hinweise werde sie heute mitnehmen und zu gegebener Zeit berichten. Beschluss: Der Verkehrsausschuss beschließt: 1. Die Verwaltung wird beauftragt, auf der Venloer Straße im Teilabschnitt zwischen Ehrenfeldgürtel und der Kreuzung Piusstraße/Franz-Geuer-Straße eine Einbahn- straße in Fahrtrichtung Innenstadt dauerhaft einzurichten (Tempo 30 km/h, Rad- fahrende in Gegenrichtung frei). 2. Die Verwaltung wird gebeten, auf Basis der vorliegenden Ergebnisse aus den be- gleitenden verkehrlichen Untersuchungen zum Verkehrsversuch und auf Grund- lage bestehender politischer Beschlüsse, geeignete flankierende Maßnahmen für die künftige dauerhafte Einbahnstraße zu planen und umzusetzen. Der Verkehrsausschuss erklärt den Wiedervorlageverzicht, sofern die Bezirksvertre- tung Ehrenfeld ohne Änderungen zustimmt. Abstimmungsergebnis: Mehrheitlich zugestimmt gegen die FDP-Fraktion
Anlage 1 Öffentlichkeitsbeteiligung
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Anlage 1 Öffentlichkeitsbeteiligung Die Anlage Öffentlichkeitsbeteiligung ist allen Beschlussvorlagen der Verwaltung für Gremien, auf die die Leitlinien Öffentlichkeitsbeteiligung Anwendung finden, beizufügen. Kreuzen Sie bitte eine der folgenden drei Varianten an und machen Sie entsprechende Angaben dazu. Eine freiwillige Öffentlichkeitsbeteiligung wird nicht vorgeschlagen. Warum wird keine Öffentlichkeitsbeteiligung vorgeschlagen? - Eine Öffentlichkeitsbeteiligung hat bereits stattgefunden. Bitte begründen Sie Ihre Entscheidung (Begründung zwingend erforderlich): Die Öffentlichkeit wurde bereits im Vorfeld umfangreich beteiligt. Kontakt OB/1 Büro der Oberbürgermeisterin OB/12 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung Brückenstraße 5-11 50667 Köln Telefon: 0221 – 221 25044 E-M ail: oeffentlichkeitsbeteiligung@stadt-koeln.de Intranetauftritt: Systematische Öffentlichkeitsbeteiligung
Anlage 9 Wirtschaftsbericht Universität zu Köln
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Wirtschaftliche Auswirkungen der Förderung von Nahmobilität Eine Einordnung des Verkehrsversuchs auf der Venloer Straße Iwp Discussion Papers No. 1/2024 – Oktober 2024 Felix Mindl Autoren Felix Mindl Telefon: 0221 470 5680 mindl@wiso.uni-koeln.de Assistenz Friederike Feld Philipp Schuster Kontaktadresse Institut für Wirtschaftspolitik an der Universität zu Köln Pohligstr. 1 50969 Köln Forschungsförderung & Kooperation Wir danken der Stadt Köln für die Kooperation und finanzielle Forschungsförderung, die diese Studie ermöglichte. Köln, Oktober 2024 i Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln Inhaltsverzeichnis Abbildungsverzeichnis .............................................................................................................................. ii In aller Kürze ................................................................................................................................................. 1 1. Zum Hintergrund .................................................................................................................................... 3 2. Verkehr und Handel ............................................................................................................................. 4 3. Die Venloer Straße zwischen Ehrenfeldgürtel und Piusstraße ................................................ 6 4. Wirtschaftliche Auswirkungen der Förderung von Nahmobilität ............................................ 7 4.1 Was sagt der aktuelle Forschungsstand? ................................................................................ 8 4.1.1 Kundenaufkommen und Aufenthaltsdauer ........................................................................ 9 4.1.2 Wahl des Transportmittels und damit verknüpfte Konsumausgaben ...................... 11 4.1.3 Umsatz ...................................................................................................................................... 13 4.1.4 Gewerbemieten und Leerstand ......................................................................................... 16 4.2 Was lässt sich aus den bisherigen Erkenntnissen für die Venloer Straße ableiten? . 18 5. Konjunkturbericht ............................................................................................................................... 26 5.1 Online vs. stationärer Einzelhandel .......................................................................................... 29 5.2 Branchenspezifische Konjunkturberichte ............................................................................. 29 6. Fazit ...........................................................................................................................................................32 7. Literatur ................................................................................................................................................. 35 ii Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Verkehrsführung auf der Venloer Straße zwischen Ehrenfeldgürtel und Piusstraße seit Oktober 2023...................................................................................................................6 Abbildung 2: Konsumausgaben je nach genutztem Fortbewegungsmittel auf zwei Berliner Einkaufsstraßen ............................................................................................................................................11 Abbildung 3: Kundeneinzugsgebiet der Venloer Straße zwischen Ehrenfeldgürtel und Piusstraße .....................................................................................................................................................19 Abbildung 4: Entwicklung des Fahrradverkehrs auf der Venloer Straße im Vergleich zur Bonner Straße pro Quartal ......................................................................................................................21 Abbildung 5: Verteilung und Vielfalt der Ladengeschäfte auf der Venloer Straße zwischen Ehrenfeldgürtel und Piusstraße ............................................................................................................25 Abbildung 6: Umsatzentwicklung im Einzelhandel: Stationär vs. Online ................................28 1 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln In aller Kürze In einem Verkehrsversuch in Köln wurde im Oktober 2023 die Venloer Straße zwi- schen Ehrenfeldgürtel und Piusstraße in eine Einbahnstraße Richtung Innensta dt umgewandelt. Zusätzlich wurden die Kurzzeitparkplätze umgewidmet, um Platz für Liefer- und Wirtschaftsverkehr, Außengastronomie, Sitzgelegenheiten und Fahrradabstellflächen zu schaffen. Die Änderungen bei der Verkehrsführung haben das Ziel , die Venloer Straße, die zuvor die unfallreichste Straße in Nord- rhein-Westfalen war, sicherer für den Fuß- und Radverkehr zu machen. Seit Beginn des Verkehrsversuch s wer- den aber vor allem die Auswirkungen auf den lokalen Handel intensiv diskutiert. Wie bereits bei einem ähnlichen Ver- kehrsversuch auf der Deutzer Freiheit be- klagen einige lokale Gewerbetreibende erhebliche Umsatzrückgänge. Dabei ist das Stimmungsbild unter den Ladeninha- bern keinesfalls einheitlich. Vereinzelt be- richten Gewerbetreibende auch von einer Verbesserung der Geschäftssituation. Die vorliegende Untersuchung analysiert, wie die Reduktion des motorisierten Indi- vidualverkehrs und die Verbesserung der Bedingungen für Fußgänger und Radfah- rer das lokale Geschäftsleben beeinflus- sen. Mit diesem Beitrag soll eine Grund- lage für eine sachorientierte Debatte um weitere Anpassungs erfordernisse ge- schaffen werden. Wesentliche Erkenntnisse aus der wis- senschaftlichen Literatur deuten darauf hin, dass ähnliche Maßnahmen in anderen deutschen und internationalen Städten oft zu einer Erhöhung des Fußgänger - und Radverkehrs führten, was eine höhere Verweildauer der Kunden und steigende Umsätze nach sich zog. Langfristig ver- ringert dies den Leer stand und erhöht Mieten von Gewerbe immobilien. Die in der Literatur untersuchten Bezugsgrößen lassen sich in die folgenden vier Themen- gebiete aufteilen: 1. Kundenaufkommen und Aufenthalts- dauer: Studien zeigen, dass die För- derung der Nahmobilität, insbeson- dere durch Fußgänger- und Radfah- rinfrastruktur, zu einer Steigerung des Kundenaufkommens führt. Ein wich- tiger Faktor ist dabei , ob die verän- derte Verkehrsführung auch zu einer verbesserten Verkehrssicherheit bei- trägt. Außerdem erhöh t ein durch Sitzgelegenheiten und Begrünung einladend gestaltete r öffentlicher Raum nachweislich die Aufenthalts- qualität und damit auch die Verweil- dauer in den Einkaufsstraßen. 2. Wahl des Transportmittels und damit verknüpfte Konsumausgaben: Auto- fahrer tragen weniger zu den Ge- samtausgaben in Einkaufsstraßen bei als oft angenommen. Fußgänger und Radfahrer, die zwar bei einzelnen Ein- käufen weniger konsumieren, aber häufiger die Geschäfte besuchen, machten auf ähnlichen Straßen in Berlin 75 % des Umsatzes aus. 3. Umsatz: Historische Daten aus Deutschland und internationale Ver- gleichsstudien deuten darauf hin, dass die wirtschaftliche Attraktivität von Einkaufsstraßen durch Förderung 2 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln der Nahmobilität in der Regel gestei- gert wird oder zumindest unverän- dert bleibt . Dabei verstärken eine hohe Ladendichte und -vielfalt diese positiven Effekte. Einzig bei autona- hen Gewerben wie Werkstätten und KFZ-Zubehörgeschäften konnten Umsatzrückgänge beo bachtet wer- den. 4. Gewerbemieten und Leerstand: Ver- schiedene Studien stellen fest, dass verkehrspolitische Maßnahmen zur Förderung der Nahmobilität tenden- ziell zu höheren Mieten und geringe- ren Leerständen bei Gewebeimmobi- lien in den betroffenen Einkaufsstra- ßen führen, was auf eine gesteigerte Attraktivität für Gewerbetreibende hinweist. Die genaue Entwicklung des Passanten- verkehrs auf der Venloer Straße wurde noch nicht umfassend erhoben . Grund- sätzlich birgt das Einzugsgebiet derer, die die Einkaufss traße in zehn Minuten mit dem Fah rrad erreichen können, mit ca. 63.000 Menschen ein großes Kundenpo- tenzial. Das um gut 50 % stärkere Wachs- tum des Radverkehrs auf der Venloer Straße in Relation zu einer vergleichbaren Kölner Straße während des zweiten Quar- tals 2024 weist bereits daraufhin, dass die neue Verkehrsführung das Radfahren be- günstigt. Auch die Anzahl der Autofahrten ist nicht in dem Maße zurückgegangen , wie eingangs erwartet w erden konnte. Tatsächlich stieg die Anzahl der PKW- Durchfahrten in die gewährte Fahr rich- tung im Zeitraum von Dezember 2023 bis Juni 2 024 so gar um fast 20 % im Ver- gleich zum Vor jahreszeitraum. Des Wei- teren ähneln d ie auf der Venloer Straße umgesetzten Umwandlungen der Kurz- zeitparkplätze den Gestaltungseingriffen in der Litera tur, welche nachweislich die Aufenthaltsdauer der K unden im Ei n- kaufsgebiet ausweiteten. Gleichzeitig zeigt die um etwa 20 % gestiegene Anzahl der Einfahr ten im nah egelengen Park- haus, dass die Venloer Straße auch für PKW-Fahrer ein interessantes Einkaufs- gebiet bleibt. Besonders gravierend fällt der Rückgang der Verkehrsunfälle aus . Während 2022 noch 30 Unfälle auf dem relevanten Straßenabschnitt dokumen- tiert wurden, waren es im Jahr 2023 ge- rade einmal zwei. Diese Indizien geben Grund zur Annahme, dass lan g- bis mitte lfristig das Kunden- aufkommen sowie Verweildauer zumin- dest stabil bleibt und in der Tendenz eher ansteigt. Auch die 155 ansässigen Ge- werbe aus 34 verschiedenen Wirtschafts- zweigen zeugen von einer hohen Laden- dichte und -vielfalt. Obwohl konkrete Umsatzdaten für die Venloer Straße feh- len, deuten die zusammengetragenen In- dizien darauf hin, dass die Umgestaltung langfristig positive Effekte auf das lokale Geschäftsleben haben kann. Dennoch zeigt der Blick in die Konjunk- turberichte, dass die Jahre 2022 und 2023 besonders schwierig für den statio- nären Einze lhandel w aren. Auch 2024 bleibt aufgrund der nur langsam sinken- den Inflation und dem wachsendem On- line-Handel eine Herausforderung. Des- halb ist die Beobachtung der wirtschaftli- chen Entwicklung auf der Venloer Straße weiterhin notwendig. 3 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln 1. Zum Hintergrund Seit der Umwandlung der Venloer Straße in Köln -Ehrenfeld in eine Einbahnstraße im Ok- tober 2023 ist eine zum Teil hitzig geführte Diskussion um die örtliche Verkehrspolitik ent- brannt.1 Die Straße gehörte gemäß Unfallstatistik zu den gefährlichsten Straßen Deutsch- lands.2 Um die Verkehrssicherheit zu verbessern und die Nahmobilität zu fördern, hat die Stadt Köln entsprechende Maßnahmen ergriffen und die Straße in eine Einbahnstraße um- gewandelt. Seither berichten vereinzelte lokale Händler von starken Umsatzeinbrüchen. In dem Streit stehen sich Vertreter einer möglichst autofreundlichen Einkaufsstraße und Ver- treter der Verkehrswende gegenüber. Übergeordnet stellt sich die Frage nach der Bezie- hung zwischen Verkehr und Handel. Zur Versachlichung der Debatte untersucht der vor- liegende Beitrag genau diese Beziehung aus ökonomischer Perspektive. Um die möglichen Auswirkungen des Verkehrsversuchs auf der Venloer Straße auf das lo- kale Geschäftsleben besser einordnen zu können, wird zunächst die Beziehung zwischen Verkehr und Handel historisch aufgearbeitet. Einer näheren Beschreibung der Verkehrs- führung auf der Venloer Straße folgt eine Zusammenfassung des aktuellen Forschungs- standes zu den ökonomischen Effekten von verkehrspolitischen Eingriffen. Die resultieren- den Erkenntnisse werden daraufhin mit den Anpassungen der Verkehrsführung auf der Venloer Straße abgeglichen. Da die ökonomische Entwicklung immer im wirtschaftlichen Gesamtkontext betrachtet werden muss, wird anschließend die Entwicklung des Einzel- handels in Deutschland im Allgemeinen aufgezeigt. Weiter wird im Speziellen auf die Bran- chenstruktur der Venloer Straße eingegangen und die Konjunkturberichte vor diesem Hin- tergrund branchenscharf analysiert. Abschließend werden die Ergebnisse der Studie zu- sammengefasst und in einem Ausblick betont, welche Aspekte bei der Beobachtung der wirtschaftlichen Entwicklung auf der Venloer Straße von besonderer Bedeutung sind. 1 Nachzulesen zum Beispiel bei Gross, Paul, Streit über Verkehrspolitik auf 800 Metern; Die Ven- loer Straße ist aktuell eine Einbahnstraße, doch die Meinungen darüber gehen weit auseinander – Ein Besuch, in: Kölner Stadt-Anzeiger, 22.01.2024 2 Gemäß einer Auswertung des Unfallatlas der statistischen Ämter des Bundes und der Länder durch die Allianz-Versicherung. Nachzulesen zum Beispiel hier: Seibt, Thorsten: Das sind Deutsch- lands gefährlichste Straßen, in: auto motor sport, 15.09.2023 https://www.auto-motor-und- sport.de/verkehr/unfallstatistik-deutschland-2022-gefaehrlichste-strassen/, (abgerufen 10.10.2024) 4 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln 2. Verkehr und Handel Die Beziehungen zwischen Handel und Verkehr sind so alt wie die menschliche Zivilisation. Damit Handel überhaupt zustande kommt, spielt es schon immer eine übergeordnete Rolle, wie Anbieter und Nachfrager von Waren und Dienstleistungen zusammenkommen. Als Orte des Warenaustauschs etablierten sich schon früh Handelszentren , die den Grundstein für unsere heutigen Innenstädte setzten. Noch bis ins späte 19. Jahrhundert waren unsere Städte autofrei und der Verkehr in der Stadt bis hin ins nahe Umland spielte sich überwie- gend zu Fuß ab. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfuhr der motorisierte Individualverkehr in Europa einen regelrechten Boom und wurde massentauglich. Mit dem Boom wurde das Auto zum Fokuspunkt der Verkehrspolitik. Um einen reibungslosen Ver- kehrsfluss zu gewährleisten, wurden Straßen verbreitert und Parkraum geschaffen. Früh wurde absehbar, dass man beim Straßenbau auf natürliche Grenzen stoßen würde. Im Jahr 1963 konstatierte Colin Buchanan in einer Studie für das britische Verkehrsministerium: „Es sieht so aus, als erzeuge jede neue Autobahn, die zur Bewältigung des vorhandenen Ver- kehrs gebaut wird, genügend neuen Verkehr, um weitere Stauungen entstehen zu lassen".3 Schon vor 60 Jahren wurde also beobachtet, dass neu gebaute Kfz-Infrastruktur, die dazu dienen soll, den bestehenden Verkehr zu bewältigen, so viel neuen Verkehr erzeugt, dass es wieder zu Staus kommt. Mit dieser Erkenntnis schien der Anspruch, allen Kunden die Anfahrt bis zur Ladentür zu ermöglichen und ausreichend Parkraum vorzuhalten, zumindest in Stadtzentren nicht mehr realistisch. In den Folgejahren begannen viele deutsche Groß- städte vermehrt den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrsnetzes zu fördern, um eine Al- ternative zum Auto zu bieten. Zusätzlich wurden ab den 1970er Jahren erste Anläufe unter- nommen, den Autoverkehr in Innenstädten zu Gunsten von Fußgängerzonen wieder zu be- ruhigen (so zum Beispie l Aachen, Nürnberg, Freiburg und München). Vielerorts führte diese Entwicklung zu den lebendigen Stadtzentren, die bis heute die führenden Standorte des Einzelhandels bilden. Aktuell stellen die starke Expansion des Online-Handels, die hohe Inflation der vergange- nen Jahre und die Unsicherheit durch anhaltende Kriege gleich mehrere große Herausfor- derungen dar. In vielerlei Branchen ersetzt der Einkauf im Internet den Gang ins Geschäft. 3 Siehe Buchanan (1964), Lenkungsausschuss Pkt. 23 5 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln Dadurch verändert sich die Funktion der Einkaufsstraßen zunehmend von der Versor- gungsfunktion hin zur freizeitlichen Erlebnisfunktion. Außerdem gewinnt das Fahrrad als Fortbewegungsmittel in der Stadt durch ein wachsendes Bewusstsein für Umweltfragen, gesundheitliche Vorteile und städtische Verkehrsprobleme zusätzlich an Attraktivität. In- folgedessen rücken in der Wahrnehmung des öffentlichen Stadtraums bei den Bürgerinnen und Bürgern neue Nutzungsanforderungen in den Vordergrund. Wohn- und Lebensqualität sowie der Radverkehr bekommen eine wachsende Bedeutung. Das hat erhebliche Auswir- kungen auf die Verkehrsplanung. Viele Städte investieren in den Ausbau der Fahrradinfra- struktur wie Radwege, Fahrradparkplätze und Fahrradverleihsysteme. Autoparkplätze wer- den wieder in öffentlichen Raum umgewandelt, der zum Verweilen einladen soll. Entspre- chend bleibt die Abwägung zwischen motorisiertem und nicht -motorisiertem Individual- verkehr in Städten hoch aktuell und weitet sich vom Stadtzentrum auf das weitere Stadt- gebiet aus. Insbesondere wird die Verkehrsführung auf Verkehrsadern mit Verbindung zur Innenstadt – den sogenannten Radialstraßen – diskutiert und angepasst. Die verkehrspo- litischen Anpassungen führen in der Regel zu einer Umverteilung des Straßenraums, bei denen Radfahrern und Fußgängern wieder mehr Platz eingeräumt wird. Im Vordergrund der Überlegungen stehen meist die Verbesserung des Verkehrsflusses und der Verkehrs- sicherheit. Doch werden die Transformationsprozesse stets von der Frage nach den öko- nomischen Auswirkungen auf das Geschäftsleben begleitet. Denn häufig dienen die Radi- alstraßen auch als Stad tteils- bzw. Veedelszentren mit besonderer wirtschaftlicher Rele- vanz. Das Straßenbild ist hier typischerweise von Einzelhandelsgeschäften, Dienstleis- tungsunternehmen und Gastronomie geprägt. Folglich ist es in diesen Fällen von entschei- dender Bedeutung, die Verbindung zwischen Verkehrspolitik und wirtschaftlicher Entwick- lung besser zu verstehen. 6 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln 3. Die Venloer Straße zwischen Ehrenfeldgürtel und Piusstraße Im Juli 2022 startete auf der Venloer Straße ein zweistufiger Verkehrsversuch, um die Ver- kehrssicherheit zu verbessern und die Nahmobilität zu fördern. 4 Bei der Venloer Straße handelt es sich um eine Radialstraße, also eine wichtige Verkehrsader vom Kölner Westen in die Innenstadt. Gleichzeitig dient sie als lebendiges kulturelles und wirtschaftliches Zent- rum für den Stadtbezirk Ehrenfeld , die von einem vielfältigen Geschäfts- und Gastrono- mieangebot geprägt ist. Die Verkehrssituation gestaltet sich jedoch als sehr schwierig. Laut einer Analyse der Allianz-Versicherung zählte die Venloer Straße vor dem Verkehrsversuch zu den zehn gefährlichsten Straßen Deutschlands.5 4 Für mehr Details siehe https://meinungfuer.koeln/verkehrsversuch-venloer-strasse#zeitplan, (abgerufen 10.10.2024) 5 Vgl. Seibt (2023) Notiz: Darstellung der Stadt Köln (https://www.stadt-koeln.de/artikel/71940/index.html). Abbildung 1: Verkehrsführung auf der Venloer Straße zwischen Ehrenfeldgürtel und Piusstraße seit Oktober 2023 7 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln In der ersten Stufe des Versuchs wurden auf der Venloer Straße seit Juli 2022 rund 60 Kurzzeitparkplätze sukzessive in Räume für Liefer- und Wirtschaftsverkehr, Außengastro- nomie, Sitzgelegenheiten, Fahrradabstellanlagen, Abstellflächen für Sharing-Systeme oder Lastenradparken umgewandelt6 und eine „Tempo 20er Zone“ im Oktober 2022 eingeführt. In der zweiten Stufe wurde die Verkehrsführung im Oktober 2023 nochmals geändert. Seit- dem ist die Venloer Straße zwischen dem Ehrenfeldgürtel und der Kreuzung Piusstraße eine Einbahnstraße in Richtung Innenstadt. Zudem wurde ein zusätzlicher Zebrastreifen eingeführt (siehe Abbildung 1). Fußgängern und Radfahrern wird folglich mehr Platz einge- räumt. Im gesamten Bereich gilt Tempo 30. Gleichzeitig wurden Alternativrouten großflä- chig beschildert. Aus dem Kölner Süden kommend, werden Autofahrende über die Weins- bergstraße geleitet. Aus dem Kölner Norden und der Innenstadt geht die Ausweichroute über die Subbelrather Straße. Autofahrer, die die Venloer Straße besuchen möchten, wer- den über die Vogelsanger Straße zu den nahegelegenen Parkhäusern Neptunplatz und Barthonia Forum geleitet. 4. Wirtschaftliche Auswirkungen der Förderung von Nahmobilität Die Erfahrung hat gezeigt, dass lokale Geschäftsinhaber häufig besorgt auf Änderungen der Verkehrsführung in unmittelbarer Ladennähe zugunsten von Fußgängern und Radfah- rern und zulasten der Autofahrer reagieren. Dieser Besorgnis liegt die Annahme zugrunde, dass Autofahrer für einen erheblichen Teil der Einnahmen verantwortlich sind und diese durch die veränderte Verkehrsführung vom Geschäft ferngehalten werden. Regelmäßig wird in der Folge über Umsatzeinbußen geklagt, so auch auf der Venloer Straße. In Köln war dies ähnlich bei einem vorherigen Verkehrsversuch auf der Deutzer Freiheit der Fall. 7 Das Stimmungsbild unter den Gewerbetreibenden ist jedoch keineswegs einheitlich, es gibt auf beiden Straßen auch Befürworter der Nahmobilitätsförderungen, die angeben wirt- schaftlich davon zu profitieren.8 6 Eine genaue Erklärung zur Art der Umwandlung für jeden Parkplatz findet sich hier https://mei- nungfuer.koeln/user-media-library/232, (abgerufen 10.10.2024) 7 Nachzulesen zum Beispiel bei Ebel, Sebastian: Veedel autofrei Kölner Geschäftsleute beklagen hohe Verluste, in Express, 20.12.2022 8 Siehe Gross (2024) und IHK Köln (2022) 8 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln Sicherlich werden die lokalen Handelsumsätze beeinflusst, wenn Änderungen an einer Straße dazu führen, dass mehr oder weniger potenzielle Kundinnen und Kunden die anlie- genden Geschäfte besuchen, sich deren Transportmittel, die Aufenthaltszeit oder ihr Aus- gabeverhalten ändern. Einerseits könnte die Reduzierung des Fahrzeugaufkommens – durch Entfernen von Fahrspuren oder von Parkplätzen am Straßenrand – die Anzahl der potenziellen Kundinnen und Kunden, die mit dem Auto anreisen, verringern. Andererseits könnte die Verbesserung des Zugangs für andere Verkehrsmittel – durch die Einrichtung von Radwegen oder Fahrradabstellplätzen, die Verbesserung des Anschlusses an den öf- fentlichen Nahverkehr, die Verbreiterung von Gehwegen oder die Erleichterung des Über- querens der Straße – die Kundenbasis vergrößern. Die damit möglicherweise verbundene Verbesserung der Aufenthaltsqualität könnte zur längeren Verweildauer einladen und be- wirken, dass weitere Geschäfte aufgesucht werden. Je nachdem, wie sich die Attraktivität der Straße und das Kundenaufkommen entwickeln, kann dies Auswirkungen auf die Nach- frage nach den örtlichen Gewerbeimmobilien haben und durch steigende oder sinkende Mieten auch die Kostenseite der Betriebe beeinflussen. Die aufgezeigten Wirkungskanäle stehen gegenläufig zueinander und es liegt nicht auf der Hand, welcher Effekt überwiegt . Eine systematische Analyse des Forschungsstands zur Förderung von Nahmobilität soll die genannten Aspekte ( Wahl des Transportmittels und Konsumausgaben, Kundenaufkommen und Aufenthaltsdauer, Umsatz sowie Gewerbemie- ten) näher beleuchten (Kapitel 4.1), um dabei zu helfen, die möglichen ökonomischen Aus- wirkungen des Verkehrsversuch s auf der Venloer Straße besser einschätzen zu können (Kapitel 4.2). 4.1 Was sagt der aktuelle Forschungsstand? Die für diesen Beitrag zusammengetragenen Forschungsarbeiten lassen sich in zwei zeit- liche Episoden einteilen. Zum einen werden Erkenntnisse aus Studien zu der großen Welle neu eingeführter Fußgängerzonen in deutschen Innenstädten ab den 1970er Jahren zu- sammengefasst. Diese Studien arbeiten deskriptiv -vergleichend mithilfe von Passanten- 9 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln zählungen und Umfragen. Zum anderen werden internationale Studien ab den 2000er Jah- ren miteinbezogen. Diese bedienen sich zunehmend ökonometrischer9 Methoden, um die ökonomischen Auswirkungen von Nahmobilitätsförderung zu quantifizieren. Der Großteil dieser jüngeren Studien bezieht sich auf den europäischen sowie den nordamerikanischen Raum. Beide Forschungsstränge liefern wichtige Bausteine, um die Kosten und Nutzen von Verkehrseingriffen zur Förderung der Nahmobilität besser zu verstehen. Die folgenden vier Unterkapiteln stellen diese Bausteine inhaltlich differenziert dar. 4.1.1 Kundenaufkommen und Aufenthaltsdauer Ein sehr naheliegender Faktor, der über den wirtschaftlichen Erflog einer Einkaufsstraße bestimmt, ist das Vorhandensein potenzieller Kunden und deren Aufenthaltszeit im Ein- kaufsgebiet. In der Regel wird Nahmobilitätsförderung zumindest teilweise auf Kosten des motorisierten Individualverkehrs umgesetzt. In der Folge suchen sich Kunden, die zuvor mit dem Auto anreisten, entweder anderweitige Einkaufsmöglichkeiten oder wechseln ihr Transportmittel. Andersherum werden manche Kunden aus der Nachbarschaft die nahe- gelegenen Geschäfte nun eher aufsuchen und auf Fahrten mit dem Auto zu weiter entfern- ten Einkaufszentren verzichten.10 Daher ist nicht eindeutig, wie sich die Förderung von Nahmobilität im Saldo auf das Kundenaufkommen auswirkt. Um diese Entwicklung näher zu betrachten, wurden schon die Einführungen von Fußgängerzonen in deutschen Innen- städten zwischen 1965 und 1975 durch Studien mit Passantenzählungen begleitet. Vorher- nachher-Vergleiche in sechs Städten (Aachen, Bamberg, Darmstadt, Herford, Nürnberg und Osnabrück) zeigten hier eine Steigerung des Fußgängeraufkommens um 20 bis 40 % infolge der Verkehrsänderungen.11 Vergleichbare Ergebnisse zeigt eine jüngere Studie aus dem Jahr 2019 zum Ausbau von Fahrradspuren zulasten des Autoverkehrs in einer Ein- kaufsstraße in Toronto, Kanada. Nach einer Adaptionszeit im ersten Jahr mit nur leicht zu- nehmenden Kundenzahlen stieg die durchschnittliche Anzahl täglicher Kunden zwei Jahre 9 Der Begriff "ökonometrisch" bezieht sich auf die Anwendung statistischer und mathematischer Methoden auf wirtschaftliche Daten. Mit ökonometrischen Methoden versuchen Ökonomen, wirt- schaftliche Zusammenhänge numerisch zu messen und die Ergebnisse statistisch zu testen. 10 Siehe BMVBS (2011), 32 f. 11 Siehe Hass-Klau (1993), S. 22 10 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln nach dem Verkehrseingriff um 44 % unter der Woche und um 30 % an Samstagen. 12 Ins- gesamt zeigt die Literatur also, dass die Förderung von Nahmobilität das Fußgängerauf- kommen in den betroffenen Bereichen signifikant erhöhen, wobei die Effekte teilweise eine gewisse Adaptionszeit benötigen. Diese positiven Effekte könnten durch eine Reihe von Entwicklungen weiter verstärkt wer- den. So fand eine regionale Mobilitätsstudie in der Stadt Braunschweig im Jahr 2010 eine zurückgehende Motorisierung junger Menschen. Die Verfügbarkeit von PKWs bei Men- schen im Alter von 18 bis 30 Jahren nahm dort im Vergleich zu 1993 um bis zu 50 % ab.13 Gleichzeitig wird beobachtet, dass die Nutzung des Fahrrads zunimmt. Im Zeitraum zwi- schen 2002 und 2008 stieg die Zahl der täglich mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege deutschlandweit um 17 % an.14 Auch die zunehmende Verbreitung von sogenannten Pede- lecs (Sammelbegriff für alle elektrisch unterstützten Fahrräder) bringt vor allem Personen über 60 Jahren wieder auf das Rad. 15 Diese Beobachtungen lassen erahnen, dass Kunden – zumindest in Städten – ihre Erledigungen zunehmend mit den aktiven Fortbewegungs- mitteln erledigen, so dass Einkaufsstraßen, die zu Fuß, per Rad oder mit dem ÖPNV gut erreichbar sind, in Zukunft noch stärker wirtschaftlich davon profitieren werden. Eine Veränderung der Straßengestaltung zur Verbesserung der Fußgängerfreundlichkeit, die Reduzierung von Verkehr und Parkplätzen sowie die Bereitstellung von Radwegen füh- ren laut Gehl (2010) nicht nur zu mehr Kunden, sondern zu einer längeren und geselligeren Nutzung öffentlicher Räume. 16 Auch die regelmäßige Befragung “vitale Innenstädte” des Instituts für Handelsforschung Köln (IFH) bestätigt, dass die Gestaltung der Innenstadt, das Ambiente und die Vielfalt der Geschäfte für die Kunden einen größeren Einfluss auf die Attraktivität einer Stadt haben als deren Parkmöglichkeiten. 17 Carmona et al. (2018) ver- 12 Siehe Arancibia et al. (2019), S. 476 13 Wermuth (2016), S. 301 14 infas (2010), S. 26 f. 15 Siehe Infas (2019), S. 95 16 Siehe Gehl (2010), S. 12 ff. 17 Im Rahmen der Studie wurden über 33.000 Innenstadtbesucher befragt. Siehe IFH Köln (2015), S. 19 11 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln gleichen die Veränderungen von fünf Orten in London nach einer Neugestaltung des öf- fentlichen Raums mit einer Reihe unveränderter Orte und stellen eine Zunahme von Frei- zeitaktivitäten um 216% fest, wie etwa Sitzen und Entspannen oder das Verweilen in Cafés.18 Diese Studien verdeutlichen, dass sicher und attraktiv gestaltete städtische Umgebungen die Nahmobilität begünstigen, mehr Menschen anziehen, die Aufenthaltsqualität steigern und dazu einladen, mehr Zeit vor Ort zu verbringen. 4.1.2 Wahl des Transportmittels und damit verknüpfte Konsumausgaben Die Präsenz möglicher Kunden im Einkaufsgebiet ist eine wichtige Voraussetzung für den Handel. Ähnlich wichtig ist allerdings die Frage nach ihren Konsumausgaben während des Einkaufs. Oftmals wird die Auffassung vertreten, dass speziell Kunden, die mit dem Auto anreisen, einen Großteil der Einnahmen generieren. Verschiedene Studien untersuchen deshalb, zu welchen Anteilen die verschiedenen Verkehrsmittel von den Kunden genutzt 18 Siehe Carmona et al. (2018), S. 2 Abbildung 2: Konsumausgaben je nach genutztem Fortbewegungsmittel auf zwei Berliner Einkaufsstraßen Notiz: Eigene Darstellung auf Basis der gerundeten Werte von Von Schneidemesser und Betzien (2021). 9% 61% 17% 14% Auto zu Fuß ÖPNV Fahrrad 12 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln werden und wie sich die Konsumausgaben der Besucher unterscheiden, je nachdem wel- ches Verkehrsmittel sie nutzen. Umfragen in Berlin und vielen europäischen Großstädten haben gezeigt, dass Gewerbe- treibende auf Straßen mit PKW-Verkehr unterschätzten, wie häufig Kunden zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Einkaufsstraßen kommen . Gleichzeitig überschätzten die Befragten den Anteil der autofahrenden Kunden um etwa das Dreifache.19 Tatsächlich nutzten auf Einkaufsstraßen, die mit dem PKW befahrbar sind, nur 6 % bis 10 % der Kundschaft das Auto für ihren Einkauf.20 Zwar geben Autofahrer durch- schnittlich etwa doppelt so viel Geld aus wie Nutzer anderer Verkehrsmittel, stellen aber insgesamt – aufgrund ihres geringen Anteils am Gesamtkundenaufkommen und den sel- tenen Besuchen – die Gruppe mit dem geringsten Anteil an den Gesamtausgaben dar. Auf dem Kottbusser Damm und der Hermannstrasse, ebenfalls Radialstraßen in Berlin, kamen Autofahrer auf einen Anteil von 9 % an den Gesamtausgaben – berechnet aus Ausgaben pro Besuch multipliziert mit der Häufigkeit der Besuche. Fußgänger waren dort für 61 % der Gesamtausgaben verantwortlich, Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel für 17 % und Fahrrad- fahrende für 14 %.21 Auch leben potenzielle Kunden meist näher als die Gewerbetreibenden denken (Siehe Abbildung 2).22 Umfragen in Nordamerika (San Francisco, Davis und Toronto) zeigen ähnliche Ergebnisse. Eine Übersichtsstudie fasst zusammen, dass sechs betrachtete Studien allesamt zu dem- selben Ergebnis kommen: Die Kundschaft auf dem Rad und zu Fuß gibt monatlich mehr aus als Autofahrer. 23 Eine weitere Untersuchung der Verkehrsbehörde Londons beziffert, dass Fußgänger monatlich 40 % mehr ausgeben als die autofahrende Kundschaft.24 Diese Untersuchungen zeigen, dass die Bedeutung von Autofahrern für den Einzelhandel auf städtischen Einkaufsstraßen häufig überschätzt wird. Obwohl Autofahrer pro Besuch 19 Siehe Pfaffenbichler et al. (2016), S. 153 f. 20 Siehe Pfaffenbichler et al. (2016), S. 153 f. und Von Schneidemesser und Betzien (2021), S. 2 21 In der Umfrage wurden 145 Händler und über 2.019 Einkäufer befragt. Siehe Schneidemesser und Betzien (2021), S. 5 22 Gerundete Werte, siehe Von Schneidemesser und Betzien (2021), S. 4 23 Siehe Volker und Handy (2021), S. 406 ff. 24 Siehe Traffic for London (2013), S. 52 13 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln mehr ausgeben, sind sie seltener und machen insgesamt einen kleineren Teil der Gesamt- ausgaben aus. Fußgänger, Radfahrer und Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel kaufen durch- schnittlich häufiger ein und geben in Summe mehr Geld aus als Autofahrer. Dies verdeut- licht, dass für den Einzelhandel nicht nur die Erreichbarkeit per Auto, sondern auch die Zugänglichkeit für Fußgänger und Radfahrer entscheidend ist. 4.1.3 Umsatz Die bisherigen Ausführungen haben gezeigt, dass erstens Fußgänger, Radfahrer und ÖPNV-Nutzer auch auf PKW-Straßen im Innenstadtbereich den größten Teil der Gesamt- ausgaben ausmachen und zweitens, dass die Förderung von Nahmobilität und Umgestal- tung des öffentlichen Raums mehr Kundinnen und Kunden anzieht sowie deren Verweil- dauer im Einkaufsgebiet erhöht. Diese Befunde legen nahe, dass Nahmobilitätsförderung auch positive Effekte auf harte Geschäftskennziffern der lokalen Gewerbe, wie den monat- lichen Umsatz, haben sollte. Diese Daten sind für die Forschung schwer zugänglich. Unter- suchungen zur Umsatzentwicklung nach der Einführung neuer Radwege oder der Um- wandlung einer PKW-Straße in eine Fußgängerzone in Deutschland datieren größtenteils auf die Zeit deutlich vor den 2000er Jahren und basieren ausschließlich auf Umfragen bei den Gewerbetreibenden. Einen Überblick dazu bietet eine Übersichtsarbeit von Carmen Hass-Klau.25 Die Ergebnisse sind überwiegend positiv. Allerdings sind Umfrageauswertun- gen zu Umsatzdaten aus zwei Gründen kritisch zu betrachten: Erstens gibt es keine Mög- lichkeit, die Angaben der befragten Personen zu überprüfen und zweitens sind die Teilnah- mequoten in der Regel sehr gering. Das birgt das Risiko, dass die Teilnehmenden nicht repräsentativ für die gesamte Gewerbelandschaft der Straße sind. Dennoch soll im Fol- genden kurz auf die Ergebnisse der Befragungen eingegangen werden. Mehr Aufschluss bieten hingegen internationale Studien, die tatsächliche Umsatzdaten untersuchen, welche unter anderem von den Finanzämtern bereitgestellt werden. Diese Forschungsarbeiten werden im Anschluss dargestellt. Die Forschungsstelle für den Handel Berlin (FfH) befragte im Jahr 1978 im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums in elf deutschen Städten Gewerbetreibende in Straßen, die 25 Siehe Hass-Klau (1993) 14 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln zuvor in Fußgängerzonen umgewandelt w orden waren, sowie Gewerbetreibende in ver- gleichbaren PKW-Straßen, bei denen die Verkehrsführung unverändert blieb.26 In den Um- fragen berichten in den gerade umgewandelten Fußgängerzonen von 1.800 befragten Ge- schäften 83 % der Einzelhandelsgeschäfte und 63 % der Betriebe der Gastronomie von Umsatzanstiegen, wohingegen selbiges nur 20 % (bzw. 25 %) der Betriebe in PKW-Straßen berichteten. Außer den steigenden Umsätzen melden die Befragten in den Fußgängerzo- nen allerdings auch schneller ansteigende Kosten (Ein Aspekt, auf den im folgenden Un- terkapitel 4.1.4 Gewerbemieten und Leerstand weiter eingegangen wird).27 Trotz der ge- stiegenen Kosten berichten innerhalb der Fußgängerzonen 47 % der Betriebe von Gewinn- steigerungen gegenüber 32 % in den Vergleichsstraßen. Eine weitere Veröffentlichung stammt vom Industrie- und Handelstag aus dem Jahr 1979 und betrachtet 170 Fußgänger- zonen.28 Unter dem Titel “Einkaufsmagnet Fußgängerzone” wurde festgestellt, dass in 141 (83 %) Fußgängerzonen durchschnittlich ein Umsatzanstieg, in 24 (14 %) keine Verände- rung und in nur fünf (3 %) ein Rückgang verzeichnet werden konnte. In den Vergleichsstra- ßen mit PKW-Verkehr verzeichneten nur 24 (20 %) der Straßen durchschnittlich einen Umsatzanstieg, 75 (63 %) keine Veränderung und 20 (17 %) einen Rückgang.29 Die präsen- tierten Untersuchungen sind aufgrund ihres Alters und der genannten methodischen Schwächen mit Vorsicht zu betrachten. Gleichwohl ist die Kernaussage deutlich: Die För- derung der aktiven Mobilität (zu Fuß und per Fahrrad) und die Reduzierung des motori- sierten Individualverkehrs führten in den insgesamt 181 untersuchten Städten überwiegend zu Umsatzsteigerungen oder zumindest zu keiner Veränderung. Umsatzrückgänge waren sehr selten. Im nordamerikanischen Raum sind aus jüngerer Zeit sieben Studien, die insgesamt 25 Ver- kehrsanpassungen analysieren, relevant. Davon nutzen sechs statistische Testverfahren, um ihre Ergebnisse zu verifizieren.30 In allen untersuchten Straßen kommen die Forschen- den – ähnlich zu den frühen Umfrageauswertungen aus Deutschland – zu dem Ergebnis, 26 Bei den 11 Städten handelt es sich um Augsburg, Gelsenkirchen, Hildesheim, Köln, Nürnberg, Of- fenbach, Oldenburg, Rheine, Stade, Unna und Wolfenbüttel 27 Siehe Hass-Klau (1993), S. 23 28 Siehe DIHT - Deutscher Industrie- und Handelstag (1979) 29 Siehe Hass-Klau (1993), S. 23 30 Diese Studien sind Liu (2020), Liu und Shi (2020), Rijo (2015), Arancibia et al. (2019), McCor- mick (2012), McCoy et al. (2019) und Department of Transportation New York City (2013), wobei 15 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln dass entweder ein positiver wirtschaftlicher Einfluss oder kein signifikanter Einfluss auf lo- kale Unternehmen festzustellen ist.31 Negative Auswirkungen werden nicht gefunden, mit einer einzigen Ausnahme: Automobilnahe Unternehmen, wie Tankstellen, Autohändler und -werkstätten, erleiden Umsatzrückgänge als Folge des Ausbaus zusätzlicher Fahrradinfra- struktur.32 Besonders hervorzuheben sind dabei die zwei Studien von Liu (2020) sowie Liu und Shi (2020) und eine Studie des New York City Department of Transport (2013), welche unter anderem eine sehr ähnliche Situation zur Venloer Straße betrachte n. Die beiden Studien von Liu (2020) und Liu und Shi (2020) analysieren die wirtschaftlichen Auswirkungen von insgesamt 14 neu angelegten Fahrradwegen in verschiedenen Städten in Nordamerika, da- runter auch San Francisco. Die Autorinnen verwenden ökonometrische Modellierungstech- niken, um statistische Unterschiede in den Wirtschaftsindikatoren Umsatz und Beschäfti- gung zwischen den Gebieten mit veränderter Verkehrsführung und ausgewählten Ver- gleichsstraße zu untersuchen. Der Untersuchungszeitraum erfasst drei Jahre vor sowie drei Jahre nach dem Bau. Für neun der 1 4 untersuchten Standorte ergab die Einführung des Fahrradweges durchweg positive wirtschaftliche Auswirkungen auf lokale Gewerbe, selbst wenn PKW-Fahrspuren oder Parkplätze reduziert wurden.33 Bei drei Standorten waren die wirtschaftlichen Auswirkungen nicht signifikant und zwei Standorte zeigten positive sowie negative Auswirkungen.34 Das New York City Department of Transport (2013) nutzt deskriptiv-statistische Vergleiche für sieben Verkehrseingriffe innerhalb der Stadt. Insbesondere auf der St. Nicholas Avenue ähneln die vorgenommenen Veränderungen sehr stark dem Verkehrsversuch auf der Ven- loer Straße: Ein Teilstück der Straße wurde in eine Einbahnstraße umgewandelt, zusätzlich wurden bedeutende Teile der Fahrbahn und Parkplätze durch Raumgestaltung und Sitz- letztere zwar statistisch vergleichend arbeitet, die gemessenen Unterschiede aber nicht statistisch testet. 31 Zusammengefasst werden die Ergebnisse in der Übersichtsstudie von Volker und Handy (2021), S. 419 32 McCoy et al. (2019), S. 7 33 Siehe Liu (2020), S. 4 34 Ebenda 16 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln möglichkeiten in Fußgängerbereiche umgewandelt, die Fahrradwege verbessert und La- dezonen für lokale Geschäfte eingerichtet, um die Anlieferung zu erleichtern.35 Die Verän- derungen führten zu einer 48 prozentigen Steigerung der Einzelhandelsumsätze am Stand- ort, im Vergleich zu 39 % im gesamten Bezirk. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die lokalen Geschäfte und Bewohner direkt von der erhöhten Sicherheit, dem gestiegenen Fußgängeraufkommen und der verbesserten Straßengestaltung profitieren. Auch die Ergebnisse einer groß angelegten Studie in Spanien, welche insgesamt 14 Städte untersucht, zeigen, dass nach einer Verkehrsänderung Geschäfte in Fußgängerbereichen tendenziell höhere Umsätze aufweisen als Geschäfte in nicht-fußgängerfreundlichen Um- gebungen.36 Ein Schlüsselfaktor ist dabei die Geschäftsdichte in den Fußgängerzonen : Je höher die Geschäftsdichte, umso stärker sind die positiven Effekte. Dies gilt insbesondere für Gastronomiebetriebe. Nachdem schon die Beobachtungen zu den Ausgaben je nach Wahl des Transportmittels, des Kundenaufkommens und der Verweildauer der Kunden erste Indizien dafür geliefert haben, dass Geschäfte durch die Förderung von Nahmobilität tendenziell profitieren kön- nen, zeigt sich dies auch in der Analyse der Umsätze. Die Studien kommen fast ausschließ- lich zu positiven oder zumindest neutralen Ergebnissen. Eine hohe Ladendichte und die Geschäftsvielfalt scheinen die positiven Effekte zusätzlich zu verstärken. Einzig aut onahe Gewerbe sind nachweislich negativ von Nahmobilität fördernden Verkehrseingriffen be- troffen. 4.1.4 Gewerbemieten und Leerstand Im Verlauf der vorangegangenen Kapitel wurde eine kohärente Wirkungskette aufgezeigt: Die Förderung von Nahmobilität hat in vergleichbaren städtischen Umgebungen überwie- gend zu einem höheren Kundenaufkommen, längeren Verweildauern und in der Folge zu höheren Umsätzen geführt. Bei gleichen Kosten versprechen höhere Umsätze auch höhere Gewinne. Sofern diese Wirkungskette zutreffend ist, lockt der Ausblick auf höhere Gewinne kurzfristig zusätzliche Gewerbetreibende an den Standort. Dadurch entsteht eine höhere Nachfrage nach Gewerbeimmobilien, welche sich mittelfristig sowohl auf den Leerstand 35 Siehe Department of Transportation New York City (2013), S. 23 f. 36 Siehe Yoshimura et al. (2022) 17 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln als auch auf die Höhe der Gewerbemieten auswirken kann. Entsprechend werden Gewer- bemieten in der Forschung als Indikator für den Erfolg eines Einkaufsgebiets genutzt. Ei- nige Studien haben bereits den Einfluss von fahrradfahrer- und fußgängerfreundlich ge- stalteten Umgebungen auf Gewerbemieten untersucht.37 Dieses Forschungsfeld unter- sucht unterschiedlich umfangreiche Maßnahmen der Nahmobilitätsförderung von der Ein- führung neuer Fahrradspuren bis hin zu ausschließlichen Fußgängerzonen und bezieht sich auf Städte, die sich in ihrer Größe und ihren geografischen und kulturellen Gegebenheiten unterscheiden. Die meisten der Studien kommen zu dem Schluss, dass die fahrradfahrer - und fußgängerfreundliche Umgestaltung von öffentlichen Räumen sowohl Miet - als auch Kaufpreissteigerungen bei Gewerbeimmobilien hervorruft. In erster Linie unterstützen diese Resultate die Vermutung, dass die Umgestaltung der Ein- kaufsgebiete sich positiv auf den wirtschaftlichen Erfolg auswirkt . Allerdings weisen die Autoren auch darauf hin, dass dieser Erfolg ungewollte Nebeneffekte hervorrufen kann. Möglicherweise können die Umsatzsteigerungen kleiner Gewerbe (sofern sie Mieter und nicht Eigentümer sind) nicht mit den steigenden Mieten Schritt halten. So zeigte sich bei der Einführung einer Fußgängerzone in einem Stadtteil Istanbuls, das kleinere, ältere Ge- schäfte über die Zeit Warenhäusern großer internationaler Ketten wichen und dadurch die Geschäftsvielfalt sank.38 Zu den Auswirkungen auf den Leerstand gibt es nur wenig wissenschaftliche Evidenz. In einer deskriptiven Analyse für die Immobilienanalyse -Firma CBRE beobachten Robinson et al. (2017) für prestigeträchtigere Projekte, wie beispielsweise den Federation Square in Melbourne, nach dem Umbau sinkende Leerstandsquoten. 39 Inwiefern diese Erkenntnisse auf weniger prestigeträchtige Projekte wie die Venloer Straße übertragbar sind, ist schwer abzuschätzen, könnte jedoch in den Folgejahren genauer untersucht werden. Die Analyse von Gewerbemieten ist allgemein eine häufig genutzte Methode, um den Ein- fluss verschiedener Faktoren auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Einkaufsgebiets zu mes- sen. So zeigen zwei Studien, dass die Nähe zu öffentlichen Verkehrsmitteln den Wert von 37 Siehe Özdemir und Selcuk (2017), Ivey und Bereitschaft (2021), Kang (2016), Netzell (2013) und Pivo und Fisher (2011) 38 Siehe Özdemir und Selcuk (2017), S. 13 39 Siehe Robinson et al. (2017), S. 10 18 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln Einzelhandelsimmobilien positiv beeinflusst.40 Merten und Kuhnimhof (2023) untersuchen am Beispiel von Aachen, welchen Einfluss die Erreichbarkeit mit dem Auto auf Gewerbe- mieten hat.41 Ihre Forschung ergibt, dass unter sonst gleichen Bedingungen eine Einzel- handelsimmobilie wertvoller ist, wenn sie von vielen anderen Geschäften umgeben ist und sich in einer Fußgängerzone befindet. Auch steigen die Mieten, wenn die Umgebung dicht besiedelt ist. Dahingegen wirkt sich eine gute Erreichbarkeit mit dem Auto, gemessen an der Anzahl der Einwohner, die das Geschäft innerhalb von 20 Minuten Fahrzeit erreich en können, negativ auf die Einzelhandelsmieten aus. Das bedeutet, dass Einzelhandelsimmo- bilien am Stadtrand, nahe an Hauptstraßen und somit gut mit dem Auto erreichbar, nied- rigere Mieten pro Quadratmeter haben als solche in der Altstadt, wo die Erreichbarkeit mit dem Auto schlecht ist. In Bezug auf die Parkinfrastruktur zeigt ihr Modell, dass hohe Kapa- zitäten an Straßenparkplätzen innerhalb von 100 Metern Gehentfernung die Mieten sogar negativ beeinflussen, während dieser Faktor bei einer Entfernung von 100 bis 500 Metern umgekehrt wirkt. Dies erklären die Forschenden dadurch, dass Immobilien wertvoller sind, wenn parkende Autos nicht das Straßenbild prägen, aber genügend Parkplätze in wenigen Gehminuten vorhanden sind.42 Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass für den wirtschaftlichen Erfolg einer Ein- kaufsstraße nicht die Parkplätze direkt vor den Geschäften entscheidend sind, sondern jene, die fußläufig gut erreichbar sind. 4.2 Was lässt sich aus den bisherigen Erkenntnissen für die Venloer Straße ableiten? In Kapitel 4.1 wurde beleuchtet, wie verschiedene Faktoren darüber Aufschluss geben kön- nen, wie ein Eingriff in die Verkehrsführung einer Einkaufsstraße zur Förderung der Nahmo- bilität deren wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst. Ein sehr aussagekräftiges Maß für die Wirtschaftlichkeit der anliegenden Geschäfte bietet deren Umsatzentwicklung. Leider lie- gen für die Venloer Straße derzeit keine belastbaren Umsatzdaten vor und für eine Analyse der Gewerbemieten ist der bisherige Zeithorizont sehr kurz. Die zwei zuverlässigsten Indi- katoren, um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Verkehrsversuchs zu quantifizieren, 40 Siehe Cervero und Duncan (2002) und Ko und Cao (2013) 41 Siehe Merten und Kuhnimhof (2023) 42 Ebenda, S. 80 19 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln können zu diesem Zeitpunkt also nicht analysiert werden. Dennoch werden im Folgenden einige relevante Indizien zusammengeführt, die dabei helfen sollen, eine fundierte Ab- schätzung vornehmen zu können. Zunächst stellt sich die Frage nach der zahlenmäßigen Entwicklung des Kundenaufkom- mens sowie dessen Zusammensetzung je nach Transportmittel. Zählungen der Passanten und Umfragen nach deren Transportmittel liegen für die Venloer Straße leider ebenfalls nicht vor. Drei Ansätze sollen aber dabei helfen erste Anhaltspunkte zu geben. Erstens wird ermittelt, wie gut die Venloer Straße in kurzer Zeit mit dem Fahrrad, zu Fuß oder per ÖPNV zu erreichen ist. Zweitens werden Messungen der PKW- und Raddurchfahrten ausgewertet und drittens die Auslastung der anliegenden Parkhäuser analysiert. Abbildung 3: Kundeneinzugsgebiet der Venloer Straße zwischen Ehrenfeldgürtel und Piusstraße Notiz: Die Rote bzw. blaue Fläche zeigt das Einzugsgebiet der Kunden, die den relevanten Ab- schnitt der Venloer Straße in zehn (2 Km Radius) bzw. fünf (1 Km Radius) Minuten mit dem Fahrrad erreichen können. Zu Fuß erreichen dieselben Kunden das Einkaufsgebiet in 28 bzw. 14 Minuten. 20 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln Ob die Anzahl derjenigen, die per Fahrrad, zu Fuß oder mit dem ÖNPV anreisen, überhaupt ansteigen kann, ist stark davon abhängig, wie viele Personen im nahen Umfeld zur Ein- kaufsstraße wohnen beziehungsweise wie gut die Anbindung an den ÖPNV gestaltet ist. Neben den Straßenbahnlinien 3 und 4, die die Venloer Straße entlangfahren, kreuzt die Linie 13 die Venloer Straße in Höhe Ehrenfeldgürtel (dem Startpunkt der Einbahnstraße). Dort befindet sich auch der Bahnhof Ehrenfeld mit den Linien S12 und S19 sowie diversen Regionalbahnanschlüssen. Außerdem ist mit der Buslinie 142 eine gute Verbindung in den Kölner Süden und nach Köln Nippes gegeben. Der für den Verkehrsversuch relevante Be- reich ist demnach sehr gut an den Nahverkehr angebunden und kann aus verschiedenen Teilen Kölns und sogar überregional mit dem ÖPNV gut erreicht werden. Betrachtet man das Einzugsgebiet, von welchem der Abschnitt der Venloer Straße zwischen Ehrenfeldgür- tel und Piusstraße mit dem Fahrrad in zehn Minuten bzw. in fünf Minuten erreicht werde n kann, zählt man ca. 63.000 bzw. knapp 22.000 Einwohner (Siehe Abbildung 3).43 Fußläufig können dieselben Einwohner in 28 Minuten bzw. 14 Minuten in die Einkaufsstraße gelan- gen.44 Die Venloer Straße ist also auch durch die aktiven Fortbewegungsmittel (per Fahrrad oder zu Fuß) von einer großen Zahl potenzieller Kunden erreichbar. Eine Zählstelle, welche die PKW- und Raddurchfahrten misst, befindet sich auf der Venloer Straße kurz nach Ende der Einbahnstraße zwischen der Piusstraße und der Fuchsstraße. In Ehrenfeld wird traditionell viel Fahrrad gefahren. Besonders in den Coronajahren war das Rad in Köln ein beliebtes Fortbewegungsmittel. Auf der Venloer Straße waren die jährlichen Durchfahrten mit dem Rad 2020 und 2022 mit jeweils über 2 Mi o. auf einem Allzeithoch. Im Folgejahr 2023 ging die Fahrradnutzung in ganz Köln leicht zurück , so auch auf der Venloer Straße. Auch im ersten Quartal 2024 liegt die zahlenmäßige Entwicklung hinter den Rekordjahren aus 2020 und 2022. Allerdings fällt die Wachstumsrate für das zweite Quartal 2024 im Verhältnis zur Bonner Straße – einer ähnlichen Straße in der Kölner Süd- stadt ohne Änderung der Verkehrsführung – deutlich stärker aus. Mit einem Differenz-von- 43 Bei diesen Berechnungen wird eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 Km/h angenommen. So lässt sich eine Strecke von 2,5 Km bzw. 1,25 Km in 10 Minuten bzw. 5 Minuten zurücklegen. Da man die Einkaufsstraße wahrscheinlich nicht auf direktem Weg erreichen kann. Wird ein Radius von 2 Km bzw. 1 Km angenommen, um Abweichungen von der Luftlinie zu berücksichtigen. 44 Bei einer Schrittgeschwindigkeit von 4,3 Km/h. 21 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln Differenzen-Ansatz45 ergibt sich ein um 20 Prozentpunkte höherer Anstieg (siehe Abbil- dung 4).46 Insgesamt stieg das Fahrradaufkommen vom ersten zum zweiten Quartal 2024 um 38,3 %. Daraus ergibt sich ein um 52,2 % stärkerer Zuwachs des Fahrradaufkommens in der Venloer Straße im Vergleich zur Bonner Straße seit dem Verkehrsversuch und nach 45 Der "Differenzen von Differenzen"-Ansatz (oder "Difference-in-Differences", DiD) ist eine Me- thode, um den Effekt einer bestimmten Maßnahme zu messen. Er vergleicht, wie sich eine Gruppe, die eine Maßnahme erfährt, über die Zeit verändert, im Vergleich zu einer statistisch ähn- lichen Gruppe, die von der Maßnahme nicht betroffen ist. Wenn der Unterschied zwischen den Gruppen nach Inkrafttreten der Maßnahme größer ist als vorher, kann das als Hinweis dafür gese- hen werden, dass die Maßnahme einen Effekt hatte. 46 Eigene Auswertung der Daten der Zählstelle Venloer Straße der Stadt Köln Abbildung 4: Entwicklung des Fahrradverkehrs auf der Venloer Straße im Ver- gleich zur Bonner Straße pro Quartal Notiz: Eigene Darstellung auf Basis der Daten der Zählstelle Venloer Straße der Stadt Köln. 22 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln einer kurzen Adaptionszeit in den Wintermonaten. 47 Dieser deutliche Zuwachs kann sehr wahrscheinlich mit der veränderten Verkehrsführung in Verbindung gebracht werden. Betrachtet man das PKW-Aufkommen ist zunächst festzuhalten, dass es für Radialstraßen charakteristisch ist, dass ein Großteil der Autofahrer die Straße einmal in die eine und spä- ter wieder in die andere Richtung passiert, um die Innenstadt oder eben die außenliegen- den Bezirke aufzusuchen. Dabei kommt es häufig vor, dass die Durchfahrenden unterwegs stoppen, um Einkäufe zu erledigen. Durch die Einführung der Einbahnstraße würde man erwarten, dass eine dieser beiden Reisen nicht mehr durch die Venloer Straße führt und somit auch die Anzahl der Durchfahrten um knapp die Hälfte sinkt. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass auch die Hälfte der PKW -Kunden entfallen. Derselbe mögliche Kunde, der zuvor die Venloer Straße an einem Tag zweimal passiert hat, würde zwar nur noch einmal durch die Straße fahren, könnte dabei aber immer noch seine Einkäufe erle- digen. Tatsächlich war es in der Praxis aber so, dass das Autoaufkommen im ersten halben Jahr nach der Einführung der Einbahnstraße gar nicht um die Hälfte gesunken ist. In die ge- währte Richtung durchfahren nun wesentlich mehr Autos die Venloer Straße als vor dem Verkehrsversuch. Während die Durchfahrten in Richtung Stadtauswärts naturgemäß ent- fallen, stiegen die Durchfahrten in Richtung Innenstadt in dem Zeitraum von Dezember 2023 bis Juni 2024 um 18,3 % im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr.48 Möglicher- weise hat sich der Verkehrsfluss so weit verbessert, dass sich zusätzliche Autofahrer für die Venloer Straße entscheiden, entweder um so die Innenstadt zu erreichen oder um eines der Parkhäuser auf der Venloer Straße anzusteuern und dort einkaufen zu gehen. Über letz- tere Möglichkeit bietet die Auswertung der Parkhausauslastung zusätzliche Informationen. Auf der Venloer Straße wurden seit Juli 2022 sukzessive ca. 60 Kurzzeitparkplätze in an- derweitige Nutzungsflächen umgewandelt. Das reduziert die Möglichkeit, mit dem eigenen Auto direkt vor dem Geschäft zu parken. Wie in Kapitel 4.1.4. Gewerbemieten und Leer- stand beschrieben, kommen Merten und Kuhminhof (2023) in ihrer Untersuchung zu dem 47 Bei diesen Zahlen handelt es sich tendenziell um eine konservative Schätzung. Das Amt für Mo- bilität Köln geht davon aus, dass seit der veränderten Verkehrsführung Fahrradfahrer vermehrt auf der Straße fahren und dadurch nicht von der Zählschranke auf dem Radweg erfasst werden. Somit könnte der Zuwachs an Radfahrern auf der Venloer Straße in Wahrheit noch stärker ausfallen. 48 Eigene Auswertung der Daten der Zählstelle Venloer Straße Stadt Köln 23 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln Ergebnis, dass nicht die Parkplätze direkt vor dem Geschäft entscheidend für den kom- merziellen Erfolg einer Einkaufsstraße sind, sondern solche, die zu Fuß gut erreichbar sind. Mit den zwei Parkhäusern Neptunplatz und Barthonia Forum gibt es in direkter Nähe über 1.100 Parkplätze an der Venloer Straße.49 Erste Auswertungen zeigen, dass diese Möglich- keiten auch von den Kfz-Nutzern zunehmend angenommen werden. So verzeichnete das Barthonia Forum im ersten und zweiten Quartal 2023 einen Anstieg der eingefahrenen Au- tos um 24,3 % bzw. 17,3 % im Vergleich zu den jeweiligen Quartalen des Vorjahres (also der Zeit vor dem Wegfall der Straßenparkplätze).50 Dabei war das Barthonia Forum zu kei- nem Zeitpunkt ausgelastet. Vergleichsdaten aus dem Jahr 2022 liegen für das Parkhaus am Neptunplatz nicht vor. Doch die Auswertung der Belegung von Oktober bis Dezember 2023 zeigt, dass auch das deutlich kleinere Parkhaus nie mehr als 70 % ausgelast et war. Genug Parkraum in direkter Einkaufsnähe ist also für den aktuellen Bedarf und auch für eine weiter steigende Nachfrage – aufgrund zunehmender Bekanntheit – ausreichend vorhan- den. Obgleich die Förderung der Nahmobilität auf Kosten des Raums für PKWs umgesetzt wurde und nahezu eine Halbierung des Autoverkehrs erwartet werden konnte, deuten die ange- führten Beobachtungen nicht darauf hin, dass dies auch für die Kundenzahl gilt, die mit dem Auto anreist. Zum einen ist aller Wahrscheinlichkeit nach ein Großteil der Autofahrer, die stadtauswärts jetzt eine der Ausweichrouten nutzen müssen, auf der Rück - bzw. Hin- fahrt Richtung Kölner Innenstadt immer noch potenzieller Kunde. Zum anderen haben sich die Durchfahrten in die gewährte Richtung sogar signifikant erhöht, was sich positiv auf das potenzielle Kundenaufkommen auswirken sollte. Außerdem verdeutlicht die gestie- gene Nutzung der Parkhäuser, dass die Venloer Straße auch nach dem Verkehrsve rsuch ein interessantes Ziel für PKW-Fahrer bleibt. Die Literaturübersicht hat weiter ergeben, dass die Aufenthaltsdauer der Kundschaft zent- ral für die wirtschaftliche Entwicklung ist. Auch d iese ist für die Kunden auf der Venloer 49 Dabei ist das Barthonia Forum mit 1.043 Plätzen das deutlich größere Parkhaus. Parkgebühren betragen hier 4 Euro für zwei Stunden. Das Parkhaus Neptunplatz hat 113 Plätze. Dort kosten zwei Stunden 1,80 Euro. 50 Eigene Auswertungen der Belegungsberichte der Parkhäuser. 24 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln Straße nicht genauer dokumentiert. Vergleicht man die auf der Venloer Straße umgesetz- ten Veränderungen mit Beispielen aus der Forschung, finden sich viele Elemente wieder, die sich nachweislich positiv auf die Verweildauer auswirken. Zum einen verbessert eine gesteigerte Verkehrssicherheit die Aufenthaltsqualität. Hierzu trägt der zusätzliche Zebrastreifen auf der Venloer Straße zwischen Sömmeringstraße und Keplerstraße bei, der die Sicherheit beim Überqueren der Straße zu Fuß erhöht. Des Wei- teren erhöht das niedrigere Autoaufkommen, das zudem seit Oktober 2023 die Straße nur in noch eine Richtung befährt, die Verkehrssicherheit. Das s diese Maßnahmen drastische Wirkung entfaltet haben, zeigt eine Auswertung der Verkehrsstatistik. Waren es 2021 noch 28 Unfälle (davon 26 mit Fahrradfahrer - oder Fußgängerbeteiligung) und 2022 (erst im Oktober 2022 wurde mit der „20er Zone“ die erste Stufe des Verkehrsver such gestartet) 30 Unfälle (davon 25 mit Fahrradfahrer- oder Fußgängerbeteiligung), gab es im gesamten Jahr 2023 nur zwei Unfälle auf der Venloer Straße zwischen Ehrenfeldgürtel und Pius- straße.51 Zum anderen sorgt ein einladend gestalteter öffentlicher Raum für eine gestei- gerte Aufenthaltsdauer der Kunden. Dazu tragen umgewandelten Kurzzeitparkplätze bei. Davon wurden mittlerweile 16 zusätzlich für die Außengastronomie genutzt und zehn wei- tere Parkplätze wurden begrünt oder mit Sitzelementen versehen. Solcherlei Maßnahmen haben in anderen Städten nachweislich zu erhöhten Aufenthaltsdauern der Kunden im Ein- kaufsgebiet geführt (Siehe Kapitel 4.1.1 Kundenaufkommen und Aufenthaltsdauer). Gemäß der Studie von Yoshimura et al. (2022) (siehe Kapitel 4.1.3 Umsatz) ist eine hohe Ladendichte und -vielfalt eine wichtige Grundvoraussetzung, damit sich Maßnahmen zur Nahmobilitätsförderung positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung der Einkaufsstraße aus- wirken. Abbildung 5 zeigt deshalb die Verteilung der Geschäfte entlang der Venloer Straße zwischen Ehrenfeldgürtel und Piusstraße sowie die Anzahl der Läden pro Branche. Gemäß dieser Auswertung gibt es in dem relevanten Straßenabschnitt 155 Gewerbe. Hierbei wird deutlich, dass in fast allen Gebäuden der Venloer Straße ein Ladengeschäft ansässig ist. 51 Eigene Zählungen gemäß des Unfallatlas. Siehe Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Unfallatlas, 2024, https://unfallatlas.statistikportal.de/ (abgerufen 10.10.2024) 25 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln Gemäß der offiziellen Wirtschaftszweigsystematik WZ 200852 sind 34 verschiedene Wirt- schaftszweigklassifizierungen auf der Venloer Straße vertreten (für eine übersichtlichere Darstellung wurden in der Grafik einige Wirtschaftszweige zusammengefasst), wobei die Konzentration von Gastronomiebetrieben, Bekleidungsgeschäften und dem Lebensmitte- leinzelhandel sehr hoch ist. Eine hohe Ladendichte sowie -vielfalt ist somit gegeben. Zuvor in Kapitel 4.1.3 Umsatz beschriebene Studien zeigen, dass dies eine gute Ausgangslage bietet, um positive wirtschaftliche Effekte durch die Förderung von Nahmobilität zu ent- falten. 52 Nähere Infos zu der WZ 2008 Systematik finden sich hier: https://www.destatis.de/DE/Metho- den/Klassifikationen/Gueter-Wirtschaftsklassifikationen/klassifikation-wz-2008.html (abgerufen 10.10.2024) Abbildung 5: Verteilung und Vielfalt der Ladengeschäfte auf der Venloer Straße zwischen Ehrenfeldgürtel und Piusstraße Notiz: Eigene Darstellung mit eigener Auswertung der Informationen auf Google Maps. Die zuge- teilten Branchen orientieren sich an den WZ-2008, wurden aber für eine übersichtlichere Darstellung leicht modifiziert. 26 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln Zusammenfassend zeigt sich, dass trotz fehlender direkter Umsatzdaten und des für eine Analyse der Gewerbemieten zu kurzen Zeitraums mehrere Indizien darauf hindeuten, dass die veränderte Verkehrsführung auf der Venloer Straße positive wirtschaftliche Effekte ent- falten kann. Die gute Anbindung an den ÖPNV und die gute Erreichbarkeit für Fußgänger und Radfahrer ermöglichen es einer großen Anzahl potenzieller Kunden, die Einkaufsstraße bequem zu besuchen. Das vergleichsweise starke Wachstum des Fahrradaufkommens und die gestiegene Nutzung der Parkhäuser geben Hinweise darauf, dass sowohl Radfahrer als auch Autofahrer die Venloer Straße weiterhin frequentieren. Maßnahmen zur Steigerung der Aufenthaltsqualität, wie verbesserte Verkehrssicherheit durch einen zusätzlichen Zebrastreifen und die Reduzierung des Autoverkehrs, haben ver- mutlich zu einer erhöhten Verweildauer der Kunden beigetragen. Die Umwandlung von Kurzzeitparkplätzen in Flächen für Außengastronomie , Sitzmöglichkeiten und Begrünung schafft zudem einen einladenden öffentlichen Raum. Die hohe Ladendichte und -vielfalt entlang der Straße bilden eine solide Grundlage dafür, dass die Förderung der Nahmobilität zu positiven wirtschaftlichen Entwicklungen führen kann. Insgesamt deuten die vorliegenden Indizien darauf hin, dass der Eingriff in die Verkehrs- führung nicht nur die Nahmobilität fördert, sondern auch die wirtschaftliche Attraktivität der Venloer Straße steigern kann. 5. Konjunkturbericht Der Überblick über den aktuellen Forschungsstand in Kapitel 4 ergab, dass bisherige Stu- dien zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Förderung von Nahmobilität überwiegend positive Effekte für lokale Geschäfte finden, lediglich für autonahes Gewerbe, wie Tank- stellen, Kfz-Werkstätten und -Zubehörgeschäfte konnten Umsatzrückgänge nachgewiesen werden. Dennoch klagen einige Gewerbetreibende anderer Branchen nach der Umsetzung des Verkehrsversuchs auf der Venloer Straße über Umsatzrückgänge. Daher stellt sich die Frage, wie sich die niedrigeren Umsätze erklären lassen. Neben der Verkehrssituation vor Ort ist die aktuelle konjunkturelle Gesamtsituation ein weiterer wichtiger Einflussfaktor für die Umsatzentwicklungen der lokalen Geschäfte. Zur besseren Einordnung des Verkehrs- versuch untersucht dieses Kapitel, wie sich der Einzelhandel und das für Einkaufsstraßen typische Dienstleistungsgewerbe wie Friseur- und Kosmetiksalons in Deutschland in den letzten Jahren entwickelt haben. Dabei wird auf die unterschiedliche Entwicklung zwischen 27 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln dem stationären Einzelhandel – also dem physischen Handel in einem Geschäft – und dem Onlinehandel eingegangen (Kapitel 5.1). Um auch Branchenunterschiede zu berücksichti- gen, analysiert Kapitel 5.2. branchenspezifische Umsatzentwicklungen. Der Beginn des Verkehrsversuchs auf der Venloer Straße im Juli 2022 fällt in eine wirt- schaftlich schwierige Zeit. In den Jahren 2022 und 2023 stand der Einzelhandel in Deutschland vor außergewöhnlichen Herausforderungen, die stark von externen Faktoren geprägt wurden. Diese Faktoren reichten von den fortwährenden Auswirkungen der Corona-Pandemie über die geopolitischen Spannungen bis hin zur Inflation, die sowohl das Konsumverhalten als auch die betriebswirtschaftlichen Bedingungen beeinflussten. Wäh- rend bereits ein allgegenwärtiger Fachkräftemangel herrschte und Lieferkettenstörungen weiterhin anhielten, sorgte der Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 für große Unsicherheit und ließ Energie- und Rohstoffpreise in die Höhe schnellen. Davon an- getrieben stieg die Inflation rasant an. I m Jahresdurchschnitt lag sie 2022 bei 7,9 %, dem höchsten Wert seit Jahrzehnten. 53 Dies führte zu einem spürbaren Rückgang der realen Kaufkraft bei den Verbrauchern, welcher sich auch in einem Rückgang ihres Konsumver- halten niederschlug.54 Im Jahr 2023 ist die Inflation zwar leicht rückläufig gewesen, verblieb aber mit 5,9 % auf einem hohen Niveau. 55 Die dadurch konstant hohen Preisen und nur vereinzelt angepassten Löhne hielten die Kaufkraft niedrig und machten auch 2023 zu ei- nem schwierigen Jahr für den Handel.56 53 Siehe Pressemitteilung Nr. 022, Statistisches Bundesamt (2023), https://www.desta- tis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2023/01/PD23_022_611.html (abgerufen 10.10.2024) 54 Siehe HDE (2024a) 55 Siehe Pressemitteilung Nr. 020, Statistisches Bundesamt (2024a), https://www.desta- tis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/01/PD24_020_611.html (abgerufen 10.10.2024) 56 Ebenda 28 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln Abbildung 6: Umsatzentwicklung im Einzelhandel: Stationär vs. Online Notiz: Eigene Darstellung mit Daten des statistischen Bundesamts. Bei diesen Graphen handelt es sich um die Abbildung des Indexwerts , man kann also keine absoluten Umsatzniveaus davon ablesen, sondern nur Entwicklungen relativ zur Basis in 2015. Absolut macht der Umsatz des Onlinehandels ca. 13% des gesamten Einzelhandels aus. Corona-Pandemie Ukrainekrieg 100 150 200 250 2015-Jan 2016-Jan 2017-Jan 2018-Jan 2019-Jan 2020-Jan 2021-Jan 2022-Jan 2023-Jan 2024-Jan Index (2015 = 100) stationärer Einzelhandel Einzelhandel gesamt Onlinehandel 29 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln 5.1 Online vs. stationärer Einzelhandel Der stationäre Einzelhandel ist außerdem seit vielen Jahren mit einer zunehmenden Kon- kurrenz durch den Online - und Versandhandel konfrontiert, welcher seit einigen Jahren deutlich stärker wächst und insbesondere während der Corona-Pandemie nochmal deut- lich zugelegt hat (siehe Abbildung 6). 2020 konnte der stationäre Einzelhandel seinen Um- satz zwar steigern, verzeichnete aber ab 2021 Umsatzverluste, die sich 2022 und 2023 weiter fortsetzten. Im ersten Quartal 2024 lag der Umsatz des stationären Einzelhandels knapp 4 % unter dem Niveau desselben Zeitraums 2019 vor der Pandemie. Der Onlinehan- del konnte zwar von der Pandemie profitieren und wuchs in dieser Zeit real um 23,1 %, doch seit 2022 zeigt sich, dass der gesamte Einzelhandel von der Inflation betroffen ist. Hier erfuhr der Onlinehandel erstmals einen Verlust mit einem Minus von 2,5 % und verblieb auch 2023 auf einem ähnlichen Niveau.57 Insgesamt machte der Onlinehandel 2023 13,2 % des Marktvolumens im gesamten Einzelhandel aus, verglichen zu 10,8 % 2019 vor der Pan- demie.58 Es scheint, als ob die Pandemie nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf den Einzelhandel hatte, sondern das Einkaufsverhalten vieler Personen auch längerfristig beeinflusst. So zeigt eine Auswertung des statistischen Bundesamts in den fünf größten deutschen Städ- ten, dass im Herbst 2023 weiterhin weniger Passanten auf den Einkaufsstraßen unterwegs waren als im Herbst 2019 vor der Pandemie.59 Auch der kontinuierliche Rückgang der La- dengeschäfte deutet auf die anhaltend schwierige Situation des stationären Einzelhandels hin. Innerhalb von zehn Jahren sank die Zahl der Ladengeschäfte in Deutschland seit 2010 um 10,2 % auf 403.000 Geschäfte.60 5.2 Branchenspezifisch e Konjunkturberichte Das vorangegangene Kapitel zeigte, dass der gesamte Einzelhandel sich in einer schwieri- gen wirtschaftlichen Situation befindet und speziell der stationäre Einzelhandel unter der 57 Siehe HDE (2023), S. 3 58 Siehe HDE (2024b), S. 10 59 Siehe Pressemitteilung Nr. N 065, Statistisches Bundesamt (2024b) https://www.desta- tis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/11/PD22_N065_45.html (abgerufen 10.10.2024) und Statista (2023) S. 23 60 Siehe Statistisches Bundesamt (2024b) 30 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln rasant steigenden Konkurrenz des Onlinehandels leidet. Die Betrachtung der Umsatzent- wicklung des stationären Einzelhandels als Ganzes unterschlägt jedoch die starken Bran- chenunterschiede. Um die sen Unterschieden gerecht zu werden , ist ein differenzierter Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung der auf der Venloer Straße vertretenen Branchen hilfreich. Im Fokus des folgenden Abschnitts liegen zum einen die Branchen, die auf der Venloer Straße stark vertreten sind, und zum anderen solche, die von sehr hohen Umsatz- einbußen berichten. Daraus ergibt sich die folgende Auswahl: Geschäfte des Lebensmit- teleinzelhandels sowie Bäckereien, Apotheken, Bekleidungsgeschäfte, Friseur- und Kos- metikstudios und die Gastronomie. Aufgrund pandemiebedingter Kontaktbeschränkungen und Homeoffice -Regelungen ver- brachten viele Menschen 2020 deutlich mehr Zeit zuhause und haben entsprechend häu- figer zuhause gegessen. Dies führte im Lebensmitteleinzelhandel zu einem Rekordanstieg der Umsätze von real 5,4 %. In den Folgejahren verzeichnete der Lebensmitteleinzelhandel allerdings kontinuierliche Umsatzverluste, wozu 2023 besonders die stark steigenden Nah- rungsmittelpreise beitrugen. Speziell im Lebensmittelhandel herrscht ein starker Wettbe- werb zwischen Discountern. Zudem verhalten sich Konsumenten sehr preissensibel. Des- wegen können steigende Einkaufspreise von den Lebensmittelgeschäften nur sehr schwer an die Verbraucher weitergegeben werden. So lag der Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2023 5 % unterhalb des Vor -Pandemie Niveaus von 2019. 61 Das Bäckerhandwerk konnte seinen Umsatz 2022 und 2023 wieder steigern, lag aber 2023 ebenfalls real 2,6 % unter- halb seines Umsatzniveaus von 2019.62 Die Apotheken befanden sich während der Corona -Pandemie in einer besonderen Posi- tion. Ihre realen Umsätze stiegen 2020 um 7 %, 2021 um 7,8 % und 2022 um 1,3 %. 63 Im Jahr 2023 nahm diese Entwicklung dann ein Ende und die Apotheken verzeichneten einen 61 Siehe Pressemitteilung Nr. 041,Statistisches Bundesamt (2024c), https://www.desta- tis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/01/PD24_041_45212.html (abgerufen 10.10.2024) 62 Eigene Berechnungen mit Daten von Nettoumsatz im Bäckerhandwerk in Deutschland in den Jahren 1990 bis 2023, Statista (2024), https://de.statista.com/statistik/daten/studie/29290/um- frage/umsatz-der-baeckereien-in-deutschland-zeitreihe/ (abgerufen 10.10.2024) und Statisti- sches Bundesamt (2024d) 63 Eigene Berechnung mit Daten des Statistischen Bundesamtes (2024e) 31 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln realen Umsatzverlust von 3,1 %. 64 Während 2022 noch Sonderumsätze durch Schutzmas- ken, Covid-19-Zertifikate, -Impfstoffe, -Impfungen, -Arzneimittel und -Testungen in Höhe von 540 Mio. € erziel t werden konnten, fielen diese 2023 quasi weg .65 Hinzu kamen im Jahr 2023 Umsatzrückgänge für rezeptfreie Arzneimittel und Nicht-Arzneimittel, steigende Kosten für den Wareneinsatz und zunehmende Konkurrenz aus dem Onlinehandel. Durch- schnittlich führte dies 2023 zu einem um 13 % niedrigeren realen Betriebsergebnis 66 vor Steuern als noch im Vorjahr.67 Außerdem lässt sich seit Jahren ein deutlicher Rückgang der Anzahl der Apotheken beobachten. Im Jahr 2023 schlossen netto knapp 500 Apotheken. Dabei war der Rückgang im 4. Quartal 2023 der stärkste seit Aufzeichnungsbeginn 1956.68 Friseur- und Kosmetikstudios waren von den Kontaktbeschränkungen während der Pan- demie besonders betroffen und verzeichneten 2020 und 2021 starke Umsatzverluste. Im Jahr 2022 fiel der Umsatzzuwachs trotz der hohen Inflationsrate vergleichsweise groß aus, da die Umsätze in den beiden Vorjahren außergewöhnlich niedrig waren. Dennoch lag der Umsatz 2022 immer noch real 12,5 % unterhalb des Vor-Corona-Umsatzes von 2019.69 Auch die stationären Bekleidungsgeschäfte wurden stark von der Pandemie getroffen. Lock-Down bedingt mussten die Geschäfte viele Monate geschlossen bleiben. Gleichzeitig ging der Bedarf nach formeller Kleidung fürs Büro und Freizeitklamotten für soziale Anlässe rapide zurück. In der Folge sank der Umsatz 2020 um 25,1 % zum Vorjahr. In dieser Phase erlebte der Online -Bekleidungshandel einen starken Boom, welcher sich auch nach der Pandemie als anhaltend starker Konkurrent etabliert. Auch 2021 war noch keine Erholung in Sicht und der Umsatz sank um weitere 5,9 % im Vergleich zu 2020. Erst 2022 gelang eine sprunghafte Erholung. Hier stieg der Umsatz um 27,8 % und konnte 2023 noch leicht ausgebaut werden. Damit lag der Umsatz 2023 allerdings immer noch 8 % unter dem Vor- Corona-Niveau von 2019.70 64 Ebenso 65 DAV (2023), S. 32 66 Das Betriebsergebnis ergibt sich aus dem Netto-Umsatz abzüglich des Wareneinsatzes, der Personalkosten und aller sonstigen steuerlich abzugsfähigen Kosten. 67 DAV (2024), S.89 68 DAV (2024), S.7 69 Eigene Berechnungen mit Daten des Statistischen Bundesamtes (2024f). Die Daten liegen nur bis einschließlich 2022 vor. 70 Die Umsatzentwicklungen in diesem Abschnitt beziehen sich auf eigene Berechnung mit Daten des Statistischen Bundesamtes (2024e) 32 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln Die Umsätze von Restaurants, Gaststätten und Imbissbuden brachen 2020 real um knapp 34 % ein und sanken auch 2021 noch leicht. Trotz eines starken Zuwachses des realen Umsatzes 2022 von 41,3 %, hatte sich die Gastronomie nicht vollständig von den Auswir- kungen der Pandemie erholt, als 2023 die nächste Herausford erung in Form steigender Nahrungsmittelpreise bevorstand. Der Umsatz von Restaurants, Gaststätten und Imbissbu- den sank 2023 leicht und lag damit immer noch fast 10 % unterhalb des Niveaus vor der Pandemie von 2019.71 Die Anzahl der Betriebsaufgaben in der Gastronomie stieg 2023 um 8,6 % gegenüber dem Vorjahr und lag rund 10 % über der Anzahl der Betriebsneugründun- gen im selben Jahr.72 6. Fazit Die Umwandlung der Venloer Straße in eine Einbahnstraße und die Einführung weiterer verkehrsberuhigender Maßnahmen haben kontroverse Reaktionen hervorgerufen. Insbe- sondere wird von einigen Gewerbetreibenden ein starker Umsatzrückgang beklagt. Diese Kritik ist nicht ungewöhnlich für verkehrspolitische Eingriffe, die die Nahmobilität fördern und den motorisierten Individualverkehr einschränken. Die se Studie beleuchtet jedoch mehrere wesentliche Punkte, die eine differenzierte Bewertung der wirtschaftlichen Au s- wirkungen ermöglichen: 1. Einfluss auf Kundenzahlen und -verhalten: Vergleichbare Studien aus Deutschland und dem internationalen Raum zeigen, dass verkehrsberuhigende Maßnahmen in Einkaufsstraßen häufig zu einem Anstieg des Fußgänger- und Radverkehrs führen. Auch auf der Venloer Straße konnte in Folge des Verkehrsversuchs ein stärkerer Zuwachs der Radfahrenden im Vergleich zur Bonner Straße (vergleichbarer Stra- ßenzug in der Kölner Südstadt) verzeichnet werden. Dies lässt vermuten, dass die Attraktivität der Straße für Anwohner und Besucher gestiegen ist, was zu einer po- tenziellen Steigerung des Kundenaufkommens führen könnte . Langfristig könnte sich dies positiv auf die Geschäfte auswirken, insbesondere auf Gastronomiebe- triebe und andere Einzelhandelsformen, die von einer hohen Verweildauer profitie- ren. 71 Die Umsatzentwicklungen in diesem Abschnitt beziehen sich auf eigene Berechnung mit Daten des Statistischen Bundesamtes (2024fg 72 DEHOGA, 2024, S. 9 33 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln 2. PKW-Verkehrsfluss: Die PKW-Durchfahrten sind seit Einführung der Verkehrsbe- ruhigung um wesentlich weniger als die Hälfte zurückgegangen. Möglicherweise er- laubt die Einbahnstraße einen besseren Verkehrsfluss und lockt so auch Neukunden mit dem PKW an. Die nahegelegenen Park möglichkeiten in den Parkhäusern Barthonia Forum und Neptunplatz werden immer häufiger genutzt und halten noch weitreichende Kapazitäten vor. 3. Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität: Die Reduktion des motorisierten Ver- kehrs und die Schaffung von mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer haben zu einer signifikanten Erhöhung der Sicherheit auf der Venloer Straße geführt. Dies spiegelt sich in einem starken Rückgang der Unfallzahlen wider. Der Rückbau von Parkplätzen zugunsten von Sitzgelegenheiten und Außengastronomieflächen sowie der Ausbau von Radwegen haben d as Potential, die Aufenthaltsqualität in diesem Abschnitt erheblich zu verbessern. 4. Wirtschaftliche Unsicherheit: Die derzeit beklagten Umsatzeinbrüche müssen im Kontext der allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gesehen werden. Der stationäre Einzelhandel in Deutschland leidet seit Jahren unter den Folgen der Corona-Pandemie, der steigenden Konkurrenz durch den Online-Handel und der hohen Inflation. Auch für die auf der Venloer Straße stark vertretenen Branchen, wie den Lebensmitteleinzelhandel oder die Gastronomie, stellen diese externen Fakto- ren eine erhebliche Belastung dar. 5. Langfristige Perspektive: Die Forschung zeigt, dass Maßnahmen zur Förderung der Nahmobilität häufig zu positiven wirtschaftlichen Effekten führen, insbesondere wenn diese Maßnahmen die Aufenthaltsqualität verbessern. Allerdings erfordert dies Zeit, da sich die Anpassungen des Kundenverhaltens und die damit verbunde- nen wirtschaftlichen Effekte oft erst nach einer gewissen Phase der Eingewöhnung voll entfalten. Die hohe Ladendichte und die Vielfalt der Geschäfte auf der Venloer Straße bieten dabei eine solide Grundlage, um diese Effekte auch hier erwarten zu können. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es aktuell zu früh ist, um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Verkehrsversuchs auf der Venloer Straße abschließend zu bewerten. Die bisherigen Erkenntnisse lassen jedoch darauf schließen, dass die langfristigen Effekte eher 34 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln positiv ausfallen könnten, insbesondere für Gastronomie und Dienstleistungsgewerbe. Gleichzeitig bleibt es wichtig, die weitere Entwicklung der Kundenzahlen und der Umsätze kontinuierlich zu beobachten und gegebenenfalls nachzusteuern, um die positiven Effekte der Maßnahmen zu maximieren. 35 Verkehrsversuch auf der Venloer Straße in Köln 7. Literatur Arancibia, D., Farber, S., Savan, B., Verlinden, Y., Smith Lea, N., Allen, J., & Vernich, L. (2019). Measuring the Local Economic Impacts of Replacing On -Street Parking With Bike Lanes: A Toronto (Canada) Case Study. Journal of the American Planning Association, 85 (4), 463-481. https://doi.org/10.1080/01944363.2019.1638816 BMVBS – Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. (2011). Nahversor- gung und Nahmobilität: Verkehrsverhalten und Zufriedenheit. 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Beratungsverlauf (2)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1031/2025
- Typ
- Beschlussvorlage Ausschuss
- Datum
- 02.05.2025
- Erstellt
- 08.04.2025 08:33