A-W/0048/2021
Straßennamen für Albachten
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Originalantrag
1579 Zeichen
CDU-Fraktion in der BV-West
CDU-Kreisverband Münster e.V .
Mauritzstraße 4-6 • 48143 Münster
Telefon (02 51) 4 18 42-0
Telefax (02 51) 4 18 42-44
post@cdu-muenster.de • www.cdu-muenster.de
Münster, 20.08.2021
An den
Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Münster – West
Herrn Jörg Nathaus
Pantaleonplatz 7
48161 M ü n s t e r
Straßennamen für Albachten
Die Straßen im Baugebiet Albachten-Ost und Freie Flur werden nach den nachstehenden
Albachtener Persönlichkeiten benannt.
Begründung:
Maria Bruns (1908 - 1940),
geb. 13.8.1908 in Roxel als Maria Pöppelmann, verstorben am 1.7.1940 in Albachten.
Sie war zusammen mit ihren beiden Kleinkindern und ihrer Nichte das erste Bombenopfer des
2. Weltkrieges in Albachten.
Maria Eggemann geb. Schulte Altenroxel,
geb. ca. 1565 in Roxel, heiratete 1588 Johann Eggemann aus Albachten, der 1613 verstarb.
Sie wurde als Witwe der Hexerei angeklagt und konnte sich 1630 nur gegen Leistung der
Uhrfehde vor dem Feuer- bzw. Galgentod retten (im Stadtarchiv gibt es umfangreiches
Material über sie).
Joseph Spieker,
geb. 1881 - 1962, kath. Pfarrer von Albachten seit 1934.
Er war ein mutiger Gegner des Nationalsozialismus. Im Buch "Willkommen in Albachten ...
Geschichte und Geschichten aus 875 Jahren", Münster 2017, S. 145 ff ist sein biografisches
Lebensbild beschrieben.
Die Namensvorschläge wurden vom Historiker Josef Häming entwickelt.
Gezeichnet:
Peter Hamann, Christian Hinzmann, Thomas Lilge, Karin Park-Luikenga, Nicholas Reuting,
Nils Schappler, Peter Wolfgarten
Stellungnahme der Verwaltung vom 21.02.2023
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' A~1w/oof.fs/ :10QA · DER OBERBÜRGERMEISTER II MÜNSTER Vermessungs- und Katasteramt Stadt·Münster · 48127 Münster Bezirksvertretung Münster-West a. d. D. Datum und Zeichen Ihres Schreibens 20.08.2021 Ihr Antrag A-W/0Q48/2021 Straßennamen für Albachten STADT ~AÜNSTER '\t, 2 8. FEB. 2023 . Amt für &.ir~ r- u. A~l'&S01'Vfoe B@zirkiN4f'W · . Vv'Mt Münster, 21.02.2023 Sehr geehrte Damen und Herren, vielen Dank für das Schreiben vom 20. August 2021 in dem die CDU Fraktion in der SV-West für Albachten in den Baugebieten Albachten Ost und Freie Flur die Straßenbenennungen nach Maria Bruns, Maria Eggemann und Joseph Spieker vorschl.agen. Die Bezirksvertretung Münster-West hat in ihrer Sitzung am 07.10.2021 im Bebauungsplan Nr. 572 Albachten - südlich Weseler Straße/ östlich Hohe Geist (Albachten-Ost) Straßenbenennungen nach Marga Spiegel, Nelly Sachs, Barbara Renz und Lily Braun beschlossen. In der Sitzung wurde weiterhin beschlossen, dass die Verwaltung die drei Namen aus dem Antrag A-W/0048/2021 zu einem späteren Zeitpunkt in einem anderen Baugebiet in Albachten berücksichtigen soll. ' Dies war bisher leider nicht möglich. Für das Baugebiet Freie Flur wurde kein neuer Straßenname benötigt. Ein weiteres Baugebiet ist für Albachten zz. nicht in der Planung. Dennoch wird die Verwaltung die von Ihnen vorgeschlagen Benennungen bei·der nächsten geeigneten Gelegenheit in Albachten aufgreifen. Für Ihre Vorschläge und Ihr Engagement in der Sache möchte ich mich herzlich bedanken. Eine Kopie dieses Schreibens erhalten die Fraktionen in der BV und die fraktionslosen Einzelmitglieder. Mit freundlichen Grüßen i. A. ~ ~ ~ o Nora Schwabe Mo-Do 8:00 - 16:00 Uhr Fr 8:00 - 13:00 Uhr Ihre Ansprechpartnerin: Nora Schwabe Zimmer: E409 · Telefon: 02 51 / 4 92-62 35 Fax: 02 51 / 4 92-77 55 Strassennamen-Widmung@ stadt-muenster.de Stadt Münster Telefon: 02 51 / 4 92-0 Fax: 02 51 / 4 92-77 00 stadtverwaltung@stadt muenster.de www.stadt-muenster.de Service für Menschen mit Behinderung: www.stadt-muenster.de/ barrierefrei
Anlage_1
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Pfarrer Joseph Spieker (1881-1962) von Josef Häming oseph Theodor SPIEKER wurde am 13. August 1881 auf dem elterlichen Hof in Greven-Schmedehausen als ältes- tes Kind des Bauernehepaares Gerhard Theodor SPIEKER und der Josephina Anna Lucia BußMmAnn (* 22. Juli 1853, Greven) geboren. Der Vater war am 28. Januar 1851 in Ib- benbüren-Dörenthe als Sohn von Gerhard Anton SpiEKER (-15. November 1818, Ibbenbüren) und der Anna Maria Elisabeth Ausrrup (-11. Januar 1824, Greven-Schmede- hausen) geboren. Das Bauernpaar auf dem Hof Austrup in Schmedehausen Theodor BRINKMANN genannt Aus- TRUP (*6. Januar 1812, Greven) und Gertrud Austrup (*18. Mai 1820, Greven) blieb ohne Kinder; als Hofes- nachfolger wurde deshalb der älteste Sohn der Schwester der Gertrud Austrup, nämlich der oben genannte Ger- hard (*1851) auserkoren; das Ehepaar SriEKER führte deshalb nach landläufiger Übung auch den Hofesnamen AusTrup als Zusatz. Joseph SPıEker hatte sieben Geschwister: « Maria Gertrud, *30. August 1882, tvor 1952 als Or- densschwester im Vorsehungskloster in Münster « Anton Wilhelm, *6. November 1884, }21. Juli 1956, Recklinghausen, Verwalter auf Gut Westrend « Maria Emma, *16. August 1886, 126. Februar 1959, Saerbeck, als Ehefrau von Josef LEHMANN « Victor Heinrich, *6. März 1888, } 2. Februar 1963, Gre- ven, 00 10. Mai 1922 mit Paula Maria HoRSTMANN aus Haddorf bei Wettringen; er übernahm den elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb in Greven, Schmedehau- sen 27; aus dieser Ehe stammt auch der Pfarrer Ewald SPIEKER, *1936, der heute als Emeritus in Münster- Hiltrup lebt « Albert Hermann, *5. Februar 1890, } ca. 1896 * Linus Anton Gerhard, *8. Mai 1894, } 24. März 1895 « Aloysius August Clemens, *21. November 1895, zwi- schen 1916 und 1918 gefallen! 1 Inden Verlustlisten aufgeführt 1916 als leicht verwundet (http:// des.genealogy.net/search/show/5172140) und 1918 als vermisst (http://des.genealogy.net/search/show/9157697). Abb. 99: Pfarrer Joseph Spieker (Sammlung Ewald Spieker, Münster-Hiltrup) Nach dem Besuch der Volksschule in Greven, Schmede- hausen, wechselte er auf das Gymnasium Paulinum in Münster, wo er Ostern 1902 sein Abitur ablegte?, dem sich das Theologiestudium in Münster anschloss; im Jahre 1905 wurde er am bischöflichen Priesterseminar immatri- kuliert°. Am 16. Juni 1905 erfolgten die niederen Weihen‘. 2 Schulnachrichten des Gymnasiums Paulinum 1902. Münster 1902, s.18 3 Priesterseminar Münster Matrikel Nr. A 88 4 Kirchl. Amtsblatt Münster 1905, S. 55 145 Lebensbilder 2 Der Abb. 100: Einführung von Joseph Spieker (mit Kreuz in der Hand) als Pfarrer in Albachten im Jahre 1934 (Bildersammlung Norbert Espenkott) Die Subdiakonsweihe war am 10. August 1905°, die Di- akonsweihe am 23. Dezember 1905°, jeweils in Münster. Die Priesterweihe schließlich empfing er am 9. Juni 1906 (Donnerstag nach Pfingsten) im Hohen Dom zu Müns- ter” aus der Hand des Bischofs Hermann Jakob Dingelstad (1835-1911). Am 27. Mai 1906 wurde er zum Kaplan ernannt und gleichzeitig zum Vikarieverwalter an St. Joannis Bap- tist, St. Anna et St. Antonii zu Nienborg®. Seine Ernen- nung zum Kaplan in Marl St. Georg erfolgte am 5. August 1911°, der dann die Ernennung zum Vikar dortselbst am 5. November 1915 folgte'°. Die Ernennung zum dritten Kaplan zu Rheine, St. Antonius, war dann am 24. Januar 1920'!. In Rheine, St. Antonius wirkte er dann bis Anfang 1934, ehe er schließlich am 18. Januar 1934 zum Pfarrer von St. Ludgerus zu Albachten ernannt wurde!” und damit zum Nachfolger des Pfarrers Heinrich Thoms (* 29. De- zember 1874, Holtwick, 122. Dezember 1933, Albach- ten'?) wurde, der ab 1925 in Albachten gewirkt hatte. Sein priesterliches Leben war sehr konservativ gelei- tet. Davon wich er auch nicht durch Weisungen zurück. Sein Neffe, Pfarrer em. Ewald Spieker, wusste zu berich- ten, dass er von seinem vorgesetzten Pfarrer in Rheine die Anweisung erhielt, für einen Selbstmörder ein kirchliches Begräbnis auszurichten. Dieses lehnte er aus Gewissens- Ebd. 1905, S. 61f. Ebd. 1906, S. 19£. Ebd. 1906, S. 92; Priesterbuch des Bistums Münster 1957, S. 23 Ebd. 1906, S. 97; Priesterbuch wie vor 9 Ebd. 1911, S. 90; Priesterbuch wie vor 10 Ebd. 1915, $. 114; Priesterbuch wie vor 11 Ebd. 1920, S. 18; Priesterbuch wie vor 12 Ebd. 1934, S. 18, 22; Priesterbuch wie vor 13 Ebd. 1933, $. 142 osnau 146 Abb. 101: Bischof Graf von Galen (Bildmitte) bei seinem Besuch 1938 in Albachten vor der Albachtener Kirche (links neben dem Kreuz Pfarrer Spieker) (Sammlung Norbert Espenkott) gründen ab und wandte sich sogar bis an den Heiligen Stuhl in Rom, wo ihm Recht gegeben wurde. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit in Albachten emp- fing ihn der Donner des Naziregimes. Er war ein Mann klarer Worte und sagte, was er dachte. Es war daher nicht verwunderlich, dass die Nationalsozialisten sich ihn aufs Korn nahmen. In einem Bericht der Staatspolizeistelle für den Regierungsbezirk Münster vom 5. Juli 1935 über ein Gespräch mit dem Pfarrer vom 21. Januar 1935 wird beschrieben, dass Pfarrer Spieker deutliche Worte über das Verhalten der Staatsgewalt, insbesondere über die Einschränkungen der Rechte der Kirche fand’. Das ge- gen Pfarrer Spieker eingeleitete Strafverfahren wurde von dem Sondergericht in Dortmund eingestellt, wie aus dem Monatsbericht der Staatspolizeistelle Münster über Maß- nahmen gegen Geistliche hervorgeht'°. Bereits sechs Monate vor dem allgemeinen Unterrichts- verbot für Geistliche erhielt Joseph Spieker am 16. März 1937 Unterrichtsverbot durch die Regierung und durfte fortan keinen Religionsunterricht in Schulen mehr ertei- len". 14 Meldungen aus Münster: 1924-1944; geheime und vertrauliche Berichte von Polizei, Gestapo, NSDAP und ihren Gliederungen, staatlicher Verwaltung, Gerichtsbarkeit und Wehrmacht über die politische und gesellschaftliche Situation in Münster; eingeleitet und bearbeitet von Joachim Kuropka. Münster 1992 S. 446 ff. 15 A.a.0.S. 499 16 Priester unter Hitlers Terror, eine biographische und statistische Erhebung Band II, 4. Aufl., bearbeitet von Ulrich von Hehl, Chri- stoph Kösters, Petra Stenz-Maur und Elisabeth Zimmermann; in: Veröffentlichung der Kommission für Zeitgeschichte, Reihe A: Quellen - Band 37., Paderborn u.a. 1998; mit einem Verweis auf: Der Kampf um die Schulen in Westfalen 1933-1945, von Wilhelm Damberg, in: VKZG, Reihe B: Forschungen Bd.43, Mainz 1986 Pfarrer Joseph Spieker (1881-1962) Sicher hat es Joseph Spieker in seinem Widerstand ge- 1938 in Albachten kam deshalb sicher nicht von unge- gen das Naziregime sehr geholfen, dass der Bischof von fähr und hat die Stellung des Pfarrers gestärkt. Über die Münster, der spätere Kardinal Clemens August Graf von Zeit des Naziregimes fertigte er einen Pfarrbericht vom Galen, sich gleichfalls resolut gegen die Einschränkungen 17. März 1946 an das Generalvikariat zu Münster, der der Kirche wehrte. Die Visitation des Bischofs im Jahre nachstehend in Bild und Text wiedergegeben wird: Asbulm 77.3.1946, 54 ee TEE wer. Arm: a AEIIE a ERSTER a ea ehe IR ER Aartr eg. a Pr mann ln Pape rshrech urn: Don Gyrbantor ; Er Ar u ER et EEE: RR wer Am Drau Em. ıs0i Der: ee Amdurn EN“, Were en Baht Lor Bun arten u Yen Hein m Fe rn ernfat ra rn rc HF Ra, EIER TEE aa a FEREITT im. ob Abb. 102a: Bericht Pfarrer Spiekers vom 17.03.1946 an das Generalvikariat, Seite 1 (Bistumsarchiv Münster [BAM], GV NA, Büro des Generalvikars, A 101-3) 147 Lebensbilder Er 47 En aa) Yen PR RE 3733 77 san - ne = ya Amar 2 ea Aue ect arms Jenfethge RER a Pro RER way. pe oo Zr een lm ın ERTER - Pr eg 2m Bee ee RR REPEITEREN Mapa La werd Reg her veygır nf rg ga gr haben. Bengppeelen Mal, mehr Y Eee un dag zug E er m FE TEE al pa . tn Bingen. Mater umge fer af sub an a pet fa La Am vn rm Iırki, a ee Ze ee ERLEBT ProıbLı Bra hpongen RE fh -n Abb. 101b: Bericht Pfarrer Spiekers vom 17.03.1946 an das Generalvikariat, Seite 2 (Bistumsarchiv Münster (BAM), GV NA, Büro des Generalvikars, A 101-3) 148 Pfarrer Joseph Spieker (1881-1962) Pfarrbericht Unser Homiletikprofessor, Domkapit[ular] Prof. Hüls sagte wieder- holt im Kolleg: Sie glauben nicht, wie dumm die Menschen sind. Die Bewegung des N. S. zeigt, daß die Menschen immer wieder auf die Lockung hereinfallen: Ihr werdet sein wie Gott. „Jetzt kann man doch wieder hoffen“ sagte ein altes Mütterchen nach der Macht- übernahme, obwohl es ihr bisher ganz gut gegangen war. Wenn Hirtenbriefe der Bischöfe verlesen waren, sagte Frauen, die nicht daran dachten, sich auch nur ein Jota aus dem Glaubensbekenntnis abknöpfen zu lassen: „Lassen die Kerls (Bischöfe) doch ihren Mund halten, sie wissen ja nichts davon“. Trotz aller Vergeweltigung warf man ja jedem Standes eine Zuckerbrocken vor: dem Arbeiter „Kraft durch Freude‘, deren Veranstaltungen manches Eheglück zerstörten, die Bauern hießen Erbhofbauern, wenn sie auch nichts auf ihrem Hof zu sagen hatten, Bessergestellte wurden durch Göringl[s] Jagdfimmel verführt, an Lebensfragen der Nation vorbeizusehen. Dabei litt das Ganze unsäglich unter dem vermehrten Wild- und Kaninchen- bestand. Als nach einigen strengen Wintern kein Obst in genügender Weise erschien, wurde alles der Kälte zugeschrieben, die soviele Obstbäume vernichtet habe, während das Wild hier im Westen doch viel mehr Schaden an Obst- Pflanzungen angerichtet hatte, aber das durfte nicht erwähnt werden. Es dauerte allerdings nicht gar zu viele Jahre, da hörte man schon Einsichtige gestehen: die Geistlichen habe doch richtig gesehen. Ich hatte zu Kirchweih in der Predigt vor allem die kulturelle Bedeu- Albachten, 17.3.1946 tung der sakralen Kunst dargelegt. Der Ortsgruppen- leiter, der mit seinem Notizblock immer im Turm stand, hatte Bericht erstattet. Der berüchtigte Schulrat Knorps vernahm mich in der Schule über die Predigt. Er erhielt keine Antwort. Ich wurde von der Regierung aus der Schule verwiesen, ein halbes Jahr bevor die allgemeine Auswei- sung der Geistlichen aus der Schule erfolgte. In der nächsten Parteiversamm- lung, der stärkst be- suchten, die jemals stattfand, verlangte die Bevölkerung Aufschluß, warum ich aus der Schule verwiesen sei: Umsonst. Mehrere PG. [Parteigenossen], die aus Protest den Saal verließen, kamen vor das Parteigericht u. wurden durch Entziehung von Aufträgen bestraft. Der Ortsgruppenleiter ergriff bald danach in einer Wirtschaft das Hasenpanier, als einer mit einem Stuhle auf ihn los wollte, wagte aber nachher nicht, Anzeige zu erstatten. Verschiedene Male wurde ich vor Gericht geladen, weil Anzeigen gegen mich erstattet waren. Diejenigen, welche den Mut hatten, sich Angriffe auf Glauben und Priester zu verbitten, waren nicht sogenannte fromme und eifrige Christen sondern solche, von denen man es nicht erwartet hatte. Das in die Augen fallende Kirchentum ist also oft mit großer Feigheit verbunden, während echte aufrechte Christen von ihrem starken Innenleben erst in außerordent- lichen Zeiten etwas verraten. Welche Überraschungen wird der jüngste Tag noch bringen! Spieker Pflarrer] 149 Lebensbilder Abb. 102: Pfarrer Joseph Spieker bei einem Besuch in Rom 1955 (Sammlung Ewald Spieker, Münster-Hiltrup) Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb er bei seiner konservativen Grundhaltung und es wird in der Gemein- de berichtet, dass er sich mit der Besatzungsmacht heftig auseinandersetzte. So ist aus Gesprächen mit Zeitzeugen bekannt, dass er die einmarschierten amerikanischen Sol- daten drastisch anfuhr, als sie die Kirche durchsuchten, in die sich Mütter mit Kindern zurückgezogen hatten. Seine Worte waren etwa „sie wären schlimmer als die Nazis“. Da sie eine hinter dem Altar versteckte Pistole entdeck- ten, nahmen sie ihn in Gefangenschaft und setzten ihn im Pfarrhaus in Appelhülsen fest, aus dem er nach etwa drei Tagen entweichen konnte. Auch in seinen Predigten nahm er kein Blatt vor den Mund, da er oft tagesaktuelle Themen einbezog, so dass sich manchmal auch Zuhörer vor den Kopf gestoßen fühl- 150 Abb. 103: Der Neupriester Pater Paul Stegemann (links) wird am 25. Juli 1954 von Pfarrer Joseph Spieker und seinen Eltern Emma und Heinrich Stegemann zum Primizhochamt in seiner Heimat- Pfarrkirche geleitet (Foto: Johannes Eßmann f) ten. Das Generalvikariat in Münster bat ihn deshalb, in seinen Ausführungen überflüssige Schärfe zu vermeiden”. Sehr streng war er auch im Religionsunterricht in der Schule oder bei der Christenlehre am Sonntagnachmittag. Seine Neffe Pfarrer em. Ewald Spieker gab den Hinweis, dass er auch in einen Disput mit Bischof Michael Keller geriet, als dieser sich für die Neugestaltung des West- portals im Zuge des Wiederaufbaues des Paulus-Domes aussprach. Insbesondere die Beseitigung des Turmeingan- ges des Domes fand sein Missfallen; er drückte sich in ei- nem Leserbrief in den Westfälischen Nachrichten etwa so aus, dass man „einer alten Frau den Zopf nicht abschneide dürfe“. 17 Bistumsarchiv Münster, GV NA, HA Seelsorge-Personal, A 500-34 Pfarrer Joseph Spieker (1881-1962) Sein priesterliches Wirken war stets sehr familiennah; er nahm es sich zur Pflicht, einmal im Jahr jede Familie in Albachten zu besuchen, und das fast immer zu Fuß. Jedes Kind in seiner Gemeinde kannte er mit Vornamen - aber auch jeden Haushund konnte er mit Namen ansprechen. Die von ihm gelesenen Heiligen Messen waren von be- eindruckender Kürze. Bei sonntäglichen Messen, die der Hilfsgeistliche Kaplan Hermann Gleis (*30. April 1883, Rheine, 726. Mai 1975, Havixbeck, Grab in Rheine) las, war er zu Anfang der Messe noch im Beichtstuhl, wech- selte dann zur Predigt auf die Kanzel und fing gleich nach der Wandlung an, die Heilige Kommunion auszuteilen, während der Kaplan die Messe weiter zelebrierte. Ein Hochfest für den Gemeindepfarrer Spieker war es mit Gewissheit, als er am 25. Juli 1954 den Neupriester Paul Stegemann, Steyler Pater, zu dessen erster Heiliger Messe in der Heimatpfarrkirche geleiten konnte. An die- ser Primizfeier nahm die ganz Gemeinde großen Anteil; von der Bahn, wo das Elternhaus stand, bis zur Kirche war die Straße festlich geschmückt; der lange Festzug wurde durch eine stattliche Reitereskorte angeführt. In seiner Freizeit widmete er sich vor allem dem Pfarr- garten, der nach seinen Vorstellungen gestaltet wurde und aus dem er ein wahres Paradies machte; ein besonderes Augenmerk war die Blumenzucht. Auch der Imkerei hatte er sich voll verschrieben. Sein ganzes Leben blieb er dem elterlichen Hofe in Schmedehausen, den er oft besuchte, und auch der Landwirtschaft im Allgemeinen eng ver- bunden. Die Familie aus Schmedehausen wiederum ließ es sich nicht nehmen, häufig „Onkel Pastor“ per Kutsche in Albachten zu besuchen. Einem guten Tropfen und dem Kartenspiel war er nicht abgeneigt. Da er ein großer Engelverehrer war, ließ Joseph Spie- ker auf seinem Weihekelch eine Engeldarstellung eingra- vieren. Diesen Kelch vermachte er seinem Neffen Ewald Spieker, der unter einem neuen Sockel des Kelches beider Weihedaten eingravieren ließ. Pfarrer Joseph Spieker verstarb am 10. Februar 1962 in Albachten und wurde unter großer Anteilnahme der Ge- meinde am 15. Februar 1962 auf dem kirchlichen Fried- hof an der Weseler Straße (heute Dülmener Straße) bei- gesetzt. Abb. 104: Boden des Kelches von Joseph und Ewald Spieker mit den eingravierten Daten der Priesterweihe (Foto: Josef Häming) 151
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Stellungnahme zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (5)
- Mauritzstraße 4
- Weseler Straße
- Dülmener Straße
- Freie Flur
- Hohe Geist
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Details
- Aktenzeichen
- A-W/0048/2021
- Typ
- Antrag an die BV West
- Datum
- 23.08.2021
- Erstellt
- 23.08.2021 11:36