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A-W/0048/2021

Straßennamen für Albachten

Antrag an die BV West 23.08.2021

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung Münster-West, Sitzung am 20.04.2023, TOP 11.1

Originalantrag

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Ansehen

Stellungnahme der Verwaltung vom 21.02.2023

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Ansehen

Anlage_1

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Ansehen

Originalantrag

1579 Zeichen

CDU-Fraktion in der BV-West 
CDU-Kreisverband Münster e.V . 
Mauritzstraße 4-6 • 48143 Münster 
Telefon (02 51) 4 18 42-0 
Telefax (02 51) 4 18 42-44 
post@cdu-muenster.de • www.cdu-muenster.de 
 
 
 
         Münster, 20.08.2021 
 
An den 
Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Münster – West 
Herrn Jörg Nathaus 
Pantaleonplatz 7 
48161 M ü n s t e r 
 
 
 
Straßennamen für Albachten 
 
Die Straßen im Baugebiet Albachten-Ost und Freie Flur werden nach den nachstehenden 
Albachtener Persönlichkeiten benannt. 
 
Begründung: 
 
Maria Bruns (1908 - 1940), 
geb. 13.8.1908 in Roxel als Maria Pöppelmann, verstorben am 1.7.1940 in Albachten. 
Sie war zusammen mit ihren beiden Kleinkindern und ihrer Nichte das erste Bombenopfer des 
2. Weltkrieges in Albachten. 
 
Maria Eggemann geb. Schulte Altenroxel, 
geb. ca. 1565 in Roxel, heiratete 1588 Johann Eggemann aus Albachten, der 1613 verstarb. 
Sie wurde als Witwe der Hexerei angeklagt und konnte sich 1630 nur gegen Leistung der 
Uhrfehde vor dem Feuer- bzw. Galgentod retten (im Stadtarchiv gibt es umfangreiches 
Material über sie). 
 
Joseph Spieker, 
geb. 1881 - 1962, kath. Pfarrer von Albachten seit 1934. 
Er war ein mutiger Gegner des Nationalsozialismus. Im Buch "Willkommen in Albachten ... 
Geschichte und Geschichten aus 875 Jahren", Münster 2017, S. 145 ff ist sein biografisches 
Lebensbild beschrieben. 
 
Die Namensvorschläge wurden vom Historiker Josef Häming entwickelt. 
 
Gezeichnet: 
Peter Hamann, Christian Hinzmann, Thomas Lilge, Karin Park-Luikenga, Nicholas Reuting, 
Nils Schappler, Peter Wolfgarten

Stellungnahme der Verwaltung vom 21.02.2023

2088 Zeichen

' 
A~1w/oof.fs/ :10QA · 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
II MÜNSTER 
Vermessungs- und Katasteramt 
Stadt·Münster · 48127 Münster 
Bezirksvertretung Münster-West 
a. d. D. 
Datum und Zeichen Ihres Schreibens 
20.08.2021 
Ihr Antrag A-W/0Q48/2021 
Straßennamen für Albachten 
STADT ~AÜNSTER 
'\t, 2 8. FEB. 2023 . 
Amt für &.ir~ r- u. A~l'&S01'Vfoe 
B@zirkiN4f'W · . Vv'Mt 
Münster, 21.02.2023 
Sehr geehrte Damen und Herren, 
vielen Dank für das Schreiben vom 20. August 2021 in dem die CDU­ 
Fraktion in der SV-West für Albachten in den Baugebieten Albachten­ 
Ost und Freie Flur die Straßenbenennungen nach Maria Bruns, Maria 
Eggemann und Joseph Spieker vorschl.agen. 
Die Bezirksvertretung Münster-West hat in ihrer Sitzung am 07.10.2021 
im Bebauungsplan Nr. 572 Albachten - südlich Weseler Straße/ östlich 
Hohe Geist (Albachten-Ost) Straßenbenennungen nach Marga Spiegel, 
Nelly Sachs, Barbara Renz und Lily Braun beschlossen. In der Sitzung 
wurde weiterhin beschlossen, dass die Verwaltung die drei Namen aus 
dem Antrag A-W/0048/2021 zu einem späteren Zeitpunkt in einem 
anderen Baugebiet in Albachten berücksichtigen soll. 
' 
Dies war bisher leider nicht möglich. Für das Baugebiet Freie Flur wurde 
kein neuer Straßenname benötigt. Ein weiteres Baugebiet ist für 
Albachten zz. nicht in der Planung. 
Dennoch wird die Verwaltung die von Ihnen vorgeschlagen 
Benennungen bei·der nächsten geeigneten Gelegenheit in Albachten 
aufgreifen. 
Für Ihre Vorschläge und Ihr Engagement in der Sache möchte ich mich 
herzlich bedanken. 
Eine Kopie dieses Schreibens erhalten die Fraktionen in der BV und die 
fraktionslosen Einzelmitglieder. 
Mit freundlichen Grüßen 
i. A. 
~ ~ ~ o Nora Schwabe 
Mo-Do 8:00 - 16:00 Uhr 
Fr 8:00 - 13:00 Uhr 
Ihre Ansprechpartnerin: 
Nora Schwabe 
Zimmer: E409 
· Telefon: 02 51 / 4 92-62 35 
Fax: 02 51 / 4 92-77 55 
Strassennamen-Widmung@ 
stadt-muenster.de 
Stadt Münster 
Telefon: 02 51 / 4 92-0 
Fax: 02 51 / 4 92-77 00 
stadtverwaltung@stadt­ 
muenster.de 
www.stadt-muenster.de 
Service für Menschen 
mit Behinderung: 
www.stadt-muenster.de/ 
barrierefrei

Anlage_1

15348 Zeichen

Pfarrer Joseph Spieker (1881-1962)

von Josef Häming

oseph Theodor SPIEKER wurde am 13. August 1881 auf

dem elterlichen Hof in Greven-Schmedehausen als ältes-

tes Kind des Bauernehepaares Gerhard Theodor SPIEKER

und der Josephina Anna Lucia BußMmAnn (* 22. Juli 1853,

Greven) geboren. Der Vater war am 28. Januar 1851 in Ib-

benbüren-Dörenthe als Sohn von Gerhard Anton SpiEKER

(-15. November 1818, Ibbenbüren) und der Anna Maria

Elisabeth Ausrrup (-11. Januar 1824, Greven-Schmede-

hausen) geboren. Das Bauernpaar auf dem Hof Austrup

in Schmedehausen Theodor BRINKMANN genannt Aus-

TRUP (*6. Januar 1812, Greven) und Gertrud Austrup

(*18. Mai 1820, Greven) blieb ohne Kinder; als Hofes-

nachfolger wurde deshalb der älteste Sohn der Schwester

der Gertrud Austrup, nämlich der oben genannte Ger-

hard (*1851) auserkoren; das Ehepaar SriEKER führte

deshalb nach landläufiger Übung auch den Hofesnamen

AusTrup als Zusatz.
Joseph SPıEker hatte sieben Geschwister:

« Maria Gertrud, *30. August 1882, tvor 1952 als Or-
densschwester im Vorsehungskloster in Münster

« Anton Wilhelm, *6. November 1884, }21. Juli 1956,
Recklinghausen, Verwalter auf Gut Westrend

« Maria Emma, *16. August 1886, 126. Februar 1959,
Saerbeck, als Ehefrau von Josef LEHMANN

« Victor Heinrich, *6. März 1888, } 2. Februar 1963, Gre-
ven, 00 10. Mai 1922 mit Paula Maria HoRSTMANN aus
Haddorf bei Wettringen; er übernahm den elterlichen
landwirtschaftlichen Betrieb in Greven, Schmedehau-
sen 27; aus dieser Ehe stammt auch der Pfarrer Ewald
SPIEKER, *1936, der heute als Emeritus in Münster-
Hiltrup lebt

« Albert Hermann, *5. Februar 1890, } ca. 1896

* Linus Anton Gerhard, *8. Mai 1894, } 24. März 1895

« Aloysius August Clemens, *21. November 1895, zwi-
schen 1916 und 1918 gefallen!

1 Inden Verlustlisten aufgeführt 1916 als leicht verwundet (http://
des.genealogy.net/search/show/5172140) und 1918 als vermisst
(http://des.genealogy.net/search/show/9157697).

Abb. 99: Pfarrer Joseph Spieker (Sammlung Ewald Spieker,
Münster-Hiltrup)

Nach dem Besuch der Volksschule in Greven, Schmede-
hausen, wechselte er auf das Gymnasium Paulinum in
Münster, wo er Ostern 1902 sein Abitur ablegte?, dem
sich das Theologiestudium in Münster anschloss; im Jahre
1905 wurde er am bischöflichen Priesterseminar immatri-
kuliert°. Am 16. Juni 1905 erfolgten die niederen Weihen‘.

2 Schulnachrichten des Gymnasiums Paulinum 1902. Münster 1902,
s.18

3 Priesterseminar Münster Matrikel Nr. A 88

4 Kirchl. Amtsblatt Münster 1905, S. 55

145

Lebensbilder

2 Der

Abb. 100: Einführung von Joseph Spieker (mit Kreuz in der Hand)
als Pfarrer in Albachten im Jahre 1934 (Bildersammlung Norbert
Espenkott)

Die Subdiakonsweihe war am 10. August 1905°, die Di-
akonsweihe am 23. Dezember 1905°, jeweils in Münster.
Die Priesterweihe schließlich empfing er am 9. Juni 1906
(Donnerstag nach Pfingsten) im Hohen Dom zu Müns-
ter” aus der Hand des Bischofs Hermann Jakob Dingelstad
(1835-1911).

Am 27. Mai 1906 wurde er zum Kaplan ernannt und
gleichzeitig zum Vikarieverwalter an St. Joannis Bap-
tist, St. Anna et St. Antonii zu Nienborg®. Seine Ernen-
nung zum Kaplan in Marl St. Georg erfolgte am 5. August
1911°, der dann die Ernennung zum Vikar dortselbst am
5. November 1915 folgte'°. Die Ernennung zum dritten
Kaplan zu Rheine, St. Antonius, war dann am 24. Januar
1920'!. In Rheine, St. Antonius wirkte er dann bis Anfang
1934, ehe er schließlich am 18. Januar 1934 zum Pfarrer
von St. Ludgerus zu Albachten ernannt wurde!” und damit
zum Nachfolger des Pfarrers Heinrich Thoms (* 29. De-
zember 1874, Holtwick, 122. Dezember 1933, Albach-
ten'?) wurde, der ab 1925 in Albachten gewirkt hatte.

Sein priesterliches Leben war sehr konservativ gelei-
tet. Davon wich er auch nicht durch Weisungen zurück.
Sein Neffe, Pfarrer em. Ewald Spieker, wusste zu berich-
ten, dass er von seinem vorgesetzten Pfarrer in Rheine die
Anweisung erhielt, für einen Selbstmörder ein kirchliches
Begräbnis auszurichten. Dieses lehnte er aus Gewissens-

Ebd. 1905, S. 61f.

Ebd. 1906, S. 19£.

Ebd. 1906, S. 92; Priesterbuch des Bistums Münster 1957, S. 23
Ebd. 1906, S. 97; Priesterbuch wie vor

9 Ebd. 1911, S. 90; Priesterbuch wie vor

10 Ebd. 1915, $. 114; Priesterbuch wie vor

11 Ebd. 1920, S. 18; Priesterbuch wie vor

12 Ebd. 1934, S. 18, 22; Priesterbuch wie vor

13 Ebd. 1933, $. 142

osnau

146

Abb. 101: Bischof Graf von Galen (Bildmitte) bei seinem Besuch
1938 in Albachten vor der Albachtener Kirche (links neben dem
Kreuz Pfarrer Spieker) (Sammlung Norbert Espenkott)

gründen ab und wandte sich sogar bis an den Heiligen
Stuhl in Rom, wo ihm Recht gegeben wurde.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit in Albachten emp-
fing ihn der Donner des Naziregimes. Er war ein Mann
klarer Worte und sagte, was er dachte. Es war daher nicht
verwunderlich, dass die Nationalsozialisten sich ihn aufs
Korn nahmen. In einem Bericht der Staatspolizeistelle
für den Regierungsbezirk Münster vom 5. Juli 1935 über
ein Gespräch mit dem Pfarrer vom 21. Januar 1935 wird
beschrieben, dass Pfarrer Spieker deutliche Worte über
das Verhalten der Staatsgewalt, insbesondere über die
Einschränkungen der Rechte der Kirche fand’. Das ge-
gen Pfarrer Spieker eingeleitete Strafverfahren wurde von
dem Sondergericht in Dortmund eingestellt, wie aus dem
Monatsbericht der Staatspolizeistelle Münster über Maß-
nahmen gegen Geistliche hervorgeht'°.

Bereits sechs Monate vor dem allgemeinen Unterrichts-
verbot für Geistliche erhielt Joseph Spieker am 16. März
1937 Unterrichtsverbot durch die Regierung und durfte
fortan keinen Religionsunterricht in Schulen mehr ertei-
len".

14 Meldungen aus Münster: 1924-1944; geheime und vertrauliche
Berichte von Polizei, Gestapo, NSDAP und ihren Gliederungen,
staatlicher Verwaltung, Gerichtsbarkeit und Wehrmacht über die
politische und gesellschaftliche Situation in Münster; eingeleitet
und bearbeitet von Joachim Kuropka. Münster 1992 S. 446 ff.

15 A.a.0.S. 499

16 Priester unter Hitlers Terror, eine biographische und statistische
Erhebung Band II, 4. Aufl., bearbeitet von Ulrich von Hehl, Chri-
stoph Kösters, Petra Stenz-Maur und Elisabeth Zimmermann; in:
Veröffentlichung der Kommission für Zeitgeschichte, Reihe A:
Quellen - Band 37., Paderborn u.a. 1998; mit einem Verweis auf:
Der Kampf um die Schulen in Westfalen 1933-1945, von Wilhelm
Damberg, in: VKZG, Reihe B: Forschungen Bd.43, Mainz 1986

Pfarrer Joseph Spieker (1881-1962)

Sicher hat es Joseph Spieker in seinem Widerstand ge- 1938 in Albachten kam deshalb sicher nicht von unge-
gen das Naziregime sehr geholfen, dass der Bischof von fähr und hat die Stellung des Pfarrers gestärkt. Über die
Münster, der spätere Kardinal Clemens August Graf von Zeit des Naziregimes fertigte er einen Pfarrbericht vom
Galen, sich gleichfalls resolut gegen die Einschränkungen 17. März 1946 an das Generalvikariat zu Münster, der
der Kirche wehrte. Die Visitation des Bischofs im Jahre nachstehend in Bild und Text wiedergegeben wird:

Asbulm 77.3.1946,
54

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Abb. 102a: Bericht Pfarrer Spiekers vom 17.03.1946 an das Generalvikariat, Seite 1 (Bistumsarchiv Münster [BAM], GV NA, Büro des

Generalvikars, A 101-3)
147

Lebensbilder

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Abb. 101b: Bericht Pfarrer Spiekers vom 17.03.1946 an das Generalvikariat, Seite 2 (Bistumsarchiv Münster (BAM), GV NA, Büro des
Generalvikars, A 101-3)

148

Pfarrer Joseph Spieker (1881-1962)

Pfarrbericht

Unser Homiletikprofessor, Domkapit[ular] Prof. Hüls
sagte wieder-

holt im Kolleg: Sie glauben nicht, wie dumm die
Menschen sind. Die

Bewegung des N. S. zeigt, daß die Menschen immer
wieder auf die Lockung

hereinfallen: Ihr werdet sein wie Gott. „Jetzt kann man
doch wieder

hoffen“ sagte ein altes Mütterchen nach der Macht-
übernahme, obwohl es ihr

bisher ganz gut gegangen war. Wenn Hirtenbriefe der
Bischöfe verlesen

waren, sagte Frauen, die nicht daran dachten, sich auch
nur ein Jota aus

dem Glaubensbekenntnis abknöpfen zu lassen: „Lassen
die Kerls (Bischöfe)

doch ihren Mund halten, sie wissen ja nichts davon“.
Trotz aller Vergeweltigung

warf man ja jedem Standes eine Zuckerbrocken vor:
dem Arbeiter

„Kraft durch Freude‘, deren Veranstaltungen manches
Eheglück zerstörten,

die Bauern hießen Erbhofbauern, wenn sie auch nichts
auf ihrem Hof zu

sagen hatten, Bessergestellte wurden durch Göringl[s]
Jagdfimmel

verführt, an Lebensfragen der Nation vorbeizusehen.
Dabei litt das Ganze

unsäglich unter dem vermehrten Wild- und Kaninchen-
bestand. Als nach einigen

strengen Wintern kein Obst in genügender Weise
erschien, wurde alles

der Kälte zugeschrieben, die soviele Obstbäume
vernichtet habe, während das

Wild hier im Westen doch viel mehr Schaden an Obst-
Pflanzungen angerichtet

hatte, aber das durfte nicht erwähnt werden.

Es dauerte allerdings nicht gar zu viele Jahre, da hörte
man schon

Einsichtige gestehen: die Geistlichen habe doch richtig
gesehen.

Ich hatte zu Kirchweih in der Predigt vor allem die
kulturelle Bedeu-

Albachten, 17.3.1946

tung der sakralen Kunst dargelegt. Der Ortsgruppen-
leiter, der mit

seinem Notizblock immer im Turm stand, hatte Bericht
erstattet. Der

berüchtigte Schulrat Knorps vernahm mich in der
Schule über die Predigt.

Er erhielt keine Antwort. Ich wurde von der Regierung
aus der Schule

verwiesen, ein halbes Jahr bevor die allgemeine Auswei-
sung der Geistlichen

aus der Schule erfolgte. In der nächsten Parteiversamm-
lung, der stärkst be-

suchten, die jemals stattfand, verlangte die Bevölkerung
Aufschluß, warum

ich aus der Schule verwiesen sei: Umsonst. Mehrere
PG. [Parteigenossen], die aus Protest den

Saal verließen, kamen vor das Parteigericht u. wurden
durch Entziehung von

Aufträgen bestraft. Der Ortsgruppenleiter ergriff bald
danach in einer

Wirtschaft das Hasenpanier, als einer mit einem Stuhle
auf ihn los

wollte, wagte aber nachher nicht, Anzeige zu erstatten.
Verschiedene Male wurde ich vor Gericht geladen, weil
Anzeigen gegen

mich erstattet waren.

Diejenigen, welche den Mut hatten, sich Angriffe auf
Glauben und

Priester zu verbitten, waren nicht sogenannte fromme
und eifrige Christen

sondern solche, von denen man es nicht erwartet hatte.
Das in die Augen

fallende Kirchentum ist also oft mit großer Feigheit
verbunden, während

echte aufrechte Christen von ihrem starken Innenleben
erst in außerordent-

lichen Zeiten etwas verraten. Welche Überraschungen
wird der jüngste

Tag noch bringen!

Spieker Pflarrer]

149

Lebensbilder

Abb. 102: Pfarrer Joseph Spieker bei einem Besuch in Rom 1955
(Sammlung Ewald Spieker, Münster-Hiltrup)

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb er bei seiner
konservativen Grundhaltung und es wird in der Gemein-
de berichtet, dass er sich mit der Besatzungsmacht heftig
auseinandersetzte. So ist aus Gesprächen mit Zeitzeugen
bekannt, dass er die einmarschierten amerikanischen Sol-
daten drastisch anfuhr, als sie die Kirche durchsuchten, in
die sich Mütter mit Kindern zurückgezogen hatten. Seine
Worte waren etwa „sie wären schlimmer als die Nazis“.
Da sie eine hinter dem Altar versteckte Pistole entdeck-
ten, nahmen sie ihn in Gefangenschaft und setzten ihn im
Pfarrhaus in Appelhülsen fest, aus dem er nach etwa drei
Tagen entweichen konnte.

Auch in seinen Predigten nahm er kein Blatt vor den
Mund, da er oft tagesaktuelle Themen einbezog, so dass
sich manchmal auch Zuhörer vor den Kopf gestoßen fühl-

150

Abb. 103: Der Neupriester Pater Paul Stegemann (links) wird am
25. Juli 1954 von Pfarrer Joseph Spieker und seinen Eltern Emma
und Heinrich Stegemann zum Primizhochamt in seiner Heimat-
Pfarrkirche geleitet (Foto: Johannes Eßmann f)

ten. Das Generalvikariat in Münster bat ihn deshalb, in
seinen Ausführungen überflüssige Schärfe zu vermeiden”.
Sehr streng war er auch im Religionsunterricht in der
Schule oder bei der Christenlehre am Sonntagnachmittag.

Seine Neffe Pfarrer em. Ewald Spieker gab den Hinweis,
dass er auch in einen Disput mit Bischof Michael Keller
geriet, als dieser sich für die Neugestaltung des West-
portals im Zuge des Wiederaufbaues des Paulus-Domes
aussprach. Insbesondere die Beseitigung des Turmeingan-
ges des Domes fand sein Missfallen; er drückte sich in ei-
nem Leserbrief in den Westfälischen Nachrichten etwa so
aus, dass man „einer alten Frau den Zopf nicht abschneide
dürfe“.

17 Bistumsarchiv Münster, GV NA, HA Seelsorge-Personal, A 500-34

Pfarrer Joseph Spieker (1881-1962)

Sein priesterliches Wirken war stets sehr familiennah;
er nahm es sich zur Pflicht, einmal im Jahr jede Familie in
Albachten zu besuchen, und das fast immer zu Fuß. Jedes
Kind in seiner Gemeinde kannte er mit Vornamen - aber
auch jeden Haushund konnte er mit Namen ansprechen.
Die von ihm gelesenen Heiligen Messen waren von be-
eindruckender Kürze. Bei sonntäglichen Messen, die der
Hilfsgeistliche Kaplan Hermann Gleis (*30. April 1883,
Rheine, 726. Mai 1975, Havixbeck, Grab in Rheine) las,
war er zu Anfang der Messe noch im Beichtstuhl, wech-
selte dann zur Predigt auf die Kanzel und fing gleich nach
der Wandlung an, die Heilige Kommunion auszuteilen,
während der Kaplan die Messe weiter zelebrierte.

Ein Hochfest für den Gemeindepfarrer Spieker war es
mit Gewissheit, als er am 25. Juli 1954 den Neupriester
Paul Stegemann, Steyler Pater, zu dessen erster Heiliger
Messe in der Heimatpfarrkirche geleiten konnte. An die-
ser Primizfeier nahm die ganz Gemeinde großen Anteil;
von der Bahn, wo das Elternhaus stand, bis zur Kirche war
die Straße festlich geschmückt; der lange Festzug wurde
durch eine stattliche Reitereskorte angeführt.

In seiner Freizeit widmete er sich vor allem dem Pfarr-
garten, der nach seinen Vorstellungen gestaltet wurde und
aus dem er ein wahres Paradies machte; ein besonderes
Augenmerk war die Blumenzucht. Auch der Imkerei hatte
er sich voll verschrieben. Sein ganzes Leben blieb er dem
elterlichen Hofe in Schmedehausen, den er oft besuchte,
und auch der Landwirtschaft im Allgemeinen eng ver-
bunden. Die Familie aus Schmedehausen wiederum ließ
es sich nicht nehmen, häufig „Onkel Pastor“ per Kutsche
in Albachten zu besuchen. Einem guten Tropfen und dem
Kartenspiel war er nicht abgeneigt.

Da er ein großer Engelverehrer war, ließ Joseph Spie-
ker auf seinem Weihekelch eine Engeldarstellung eingra-
vieren. Diesen Kelch vermachte er seinem Neffen Ewald
Spieker, der unter einem neuen Sockel des Kelches beider
Weihedaten eingravieren ließ.

Pfarrer Joseph Spieker verstarb am 10. Februar 1962 in
Albachten und wurde unter großer Anteilnahme der Ge-
meinde am 15. Februar 1962 auf dem kirchlichen Fried-
hof an der Weseler Straße (heute Dülmener Straße) bei-
gesetzt.

Abb. 104: Boden des Kelches von Joseph und Ewald Spieker mit den eingravierten Daten der Priesterweihe (Foto: Josef Häming)

151

Beratungsverlauf (1)

20.04.2023 Bezirksvertretung Münster-West
TOP 11.1 Antrag Entscheidung

Beschluss: Stellungnahme zur Kenntnis genommen

Zur Sitzung

Orte (5)

  • Mauritzstraße 4
  • Weseler Straße
  • Dülmener Straße
  • Freie Flur
  • Hohe Geist

Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.

Details

Aktenzeichen
A-W/0048/2021
Typ
Antrag an die BV West
Datum
23.08.2021
Erstellt
23.08.2021 11:36