0485/2022
Strategiekonzept "Wasserwirtschaftliche Klimafolgenanpassung" der StEB Köln
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Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VIII/VIII 0485/2022 Vorlagen-Nummer 30.03.2022 0485/2022 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 31.03.2022 Strategiekonzept "Wasserwirtschaftliche Klimafolgenanpassung" der StEB Köln Starke Regenereignisse können insbesondere in einer dicht bebauten und stark versiegelten Stadt wie Köln zu erheblichen Beeinträchtigungen durch Überflutungen führen. Zu den Extremereignissen zählen zudem das vermehrte Auftreten von sogenannten urbanen Hitzein- seln und langanhaltenden Trockenzeiten. So heizen sich insbesondere die stark versiegelten Berei- che einer Stadt stark auf. Der nachhaltige Umgang mit Niederschlagswasser kann neben der Begrü- nung und Verdunstung die Resilienz in Köln gegenüber Starkregen stärken und somit die Folgen von Hitze- und Trockenwetterperioden mildern. In den letzten Jahren wurden gemeinsam mit den StEB Köln zahlreiche Maßnahmen angegangen und umgesetzt. Mit dem hier vorgelegten Strategiekonzept Wasserwirtschaftliche Klimafolgenanpas- sung wollen die StEB Köln aus Ihrer Sicht alle bisher vorhandenen Aktivitäten zusammenfassen und weiterentwickeln. Das Strategiekonzept soll langfristig in Köln einen wesentlichen Beitrag leisten für: die Stärkung des natürlichen Wasserhaushalts den Gewässerschutz den Überflutungs- und Hochwasserschutz die Sicherung und Optimierung der Freiraumqualität die Anpassung an den Klimawandel im Kontext der Schwammstadt. Hierzu bedarf es der Etablierung der Leitidee des Schwammstadtkonzepts. Durch Minimierung der Eingriffe in den natürlichen Wasserkreislauf bei Neubaugebieten und bei baulichen Veränderungen im Stadtgebiet, sowie idealerweise durch eine Verbesserung der vorhandenen Situation im Bestand, soll die Resilienz gegenüber Klimaveränderungen deutlich gesteigert werden. Dies erfordert nicht nur einen angepassten Umgang mit Niederschlagswasser, sondern auch ein intensives und abgestimm- tes Zusammenwirken von Stadtplanung, Freiraumplanung und Wasserwirtschaft. Zweck dieses Konzeptes ist es, die Aktivitäten der StEB Köln insbesondere zur Hitze- und Trocken- wettervorsorge zu bündeln. Das extreme Starkregenereignis vom 14. Juni 2021 zeigt sehr deutlich, dass die bereits vorhandenen Aktivitäten zur Überflutungsvorsorge gesteigert und ergänzt werden müssen. Zudem soll die Resistenz (Widerstandsfähigkeit) sowie die Resilienz (Erholung nach einem Schaden) des Kölner Stadtgebietes erhöht werden, indem der örtliche Wasserkreislauf möglichst ge- schlossen bleibt und Störungen auf das notwendige Maß reduziert werden. Bei allen maßgeblichen Veränderungen wollen die StEB Köln die Auswirkungen der Veränderungen bewerten und Möglichkeiten zur Verbesserung vorschlagen. Bestandteile einer wassersensiblen Stadtentwicklung sollten sowohl eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung (Versickerung und Speicherung), als auch eine Vermeidung von Störungen des Wasserkreislaufes (Entsiegelungen, Straßen-, Fassaden- und Dachbegrünungen usw) sein. Es sollen bewährte Arbeiten beibehalten und bei Erfordernis intensiviert werden. Hierfür werden bei Bedarf die erforderlichen finanziellen und personellen Ressourcen bereitgestellt. 2 Um die Ziele einer verstärkten Etablierung der wasserwirtschaftlichen Klimaanpassung zu erreichen, sollen nachfolgende Aktivitäten fortgeführt, intensiviert oder neu eingeführt werden: Die laufenden Maßnahmen zur Überflutungsvorsorge sollen fortgeführt werden - unter Fort- schreibung der Gefahrenkarten, der Weiterentwicklung von Regenwasserrückhaltung und - nutzung im Straßenraum, sowie der Sensibilisierung und Beratung Stadtgesellschaft in Köln. Bei der Entwicklung neuer Baugebiete und bei Veränderungen im Bestand sollen sinnvolle Maßnahmen von grün-blauen Infrastrukturmaßnahmen auf Basis des Schwammstadtkonzepts systematisch entwickelt und eingeführt werden. Die Überflutungsvorsorge mittels multifunktionaler Flächennutzung im öffentlichen Raum soll unter besonderer Nutzung der Rückhaltung und Speicherung von Niederschlagswasser wei- terentwickelt werden. Anhand von besonders stark betroffenen Kölner Fokusgebieten sollen mittels Pilotprojekten die wasserwirtschaftlichen Maßnahmen der Klimaanpassung gemeinsam untersucht, bewertet und umgesetzt werden. Bei allen Beteiligten soll durch fachliche Kommunikation und partizipative Planungsprozesse die Akzeptanz erhöht werden. Gerade für Änderungen in bestehenden Bebauungen bedürfen Klimafolgenanpassungen einer erhöhten Information und Motivation zur Selbstvorsorge. Die nötigen organisatorischen Strukturen sollen etabliert werden, mit deren Hilfe eine interdisziplinäre Bearbeitung von Klimaanpassungen bei Veränderungen im öffentlichen Raum sowie bei neuen Bau- gebieten und Neubauvorhaben auf privaten Grundstücken ermöglicht wird. Gez. Wolfgramm
220328 Konzept_Wawi_Klimafolgenanpassung_final
242101 Zeichen
i
Strategiekonzept „Wasserwirtschaftliche
Klimafolgenanpassung“ der
Stadtentwässerungsbetriebe Köln
aufgestellt durch:
Stadtentwässerungsbetriebe Köln
StEB Köln
Geschäftsbereich Planung und Bau
Abteilung Wasserwirtschaftliche Grundlagen
Stand 25.03.2021
i
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ................................................................................................................................................... 1
2 Strategische Ziele der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung.............................. 2
3 Wasserwirtschaftliche Klimafolgenanpassung in der Politik und Verwaltung ............... 4
4 Aktueller Stand ........................................................................................................................................ 5
5 Rechtliche Grundlagen .......................................................................................................................... 8
5.1 Wasserrecht ............................................................................................................................................................. 9
5.2 Planungs- und Baurecht .............................................................................................................................. 10
5.3 Daseinsvorsorge und Gefahrenabwehr ..................................................................................................... 13
6 Akteure zur Umsetzung der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung ............... 14
7 Stand der Technik, Wissenschaft und Forschung ..................................................................... 17
7.1 netWORKS ............................................................................................................................................................. 18
7.2 SAMUWA ................................................................................................................................................................ 19
7.3 KURAS ...................................................................................................................................................................... 19
8 Umsetzung in anderen Großstädten ............................................................................................. 20
8.1 Rotterdam .............................................................................................................................................................. 20
8.2 Kopenhagen .......................................................................................................................................................... 21
8.3 Hamburg ................................................................................................................................................................ . 22
9 Bausteine der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung .......................................... 25
9.1 Potentiale und Möglichkeiten einer fachtechnischen Umsetzung ................................................. 25
9.2 Blau-Grün-Graue Infrastrukturen ................................................................................................................ 27
9.3 Maßnahmenübersicht ....................................................................................................................................... 30
9.3.1 Maßnahmengruppe Gebäudebegrünung ......................................................................................... 31
9.3.2 Maßnahmengruppe Regenwassernutzung ...................................................................................... 34
9.3.3 Maßnahmengruppe Entsiegelung ....................................................................................................... 35
9.3.4 Maßnahmengruppe Versickerung....................................................................................................... 36
9.3.5 Maßnahmengruppe Künstliche Wasserflächen ............................................................................. 38
9.3.6 Maßnahmengruppe Reinigung ............................................................................................................. 39
9.3.7 Maßnahmengruppe Stauraum im Kanal ........................................................................................... 40
10 Mögliche Förderprogramme ............................................................................................................ 41
11 Besonders stark betroffene Bereiche - Stadtraumanalyse ................................................... 43
11.1 Stadt- und Stadtteilanalyse ...................................................................................................................... 44
11.1.1 Stadtanalyse .................................................................................................................................................... 44
ii
11.1.2 Stadtteilanalyse ............................................................................................................................................. 47
11.2 Gefährdungsanalyse - Fokusgebiete ........................................................................................................ 50
11.3 Ausblick – Potentialanalyse und Maßnahmenkonzept .................................................................... 52
11.4 Ausblick - Bearbeitung der Fokusgebiete .............................................................................................. 54
12 Kommunikationskonzept.................................................................................................................. 55
12.1 Städtische, stadtnahe und private Bauträger im öffentlichen Raum .......................................... 55
12.2 Meinungsbildner .............................................................................................................................................. 55
12.3 Betroffene ............................................................................................................................................................ 56
12.4 Ausblick und weiteres Vorgehen ............................................................................................................... 58
13 Handlungsprogramme ....................................................................................................................... 61
13.1 Aktueller Stand der Maßnahmenentwicklung ..................................................................................... 61
13.2 Ausblick - Erweiterung Handlungskatalog ............................................................................................ 64
14 Zusammenfassung ............................................................................................................................... 65
Anhänge:........................................................................................................................................................... 66
Literaturverzeichnis .................................................................................................................................... 67
iii
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Schwammstadtprinzip (Quelle: Verband kommunaler Unternehmen). ......................... 2
Abbildung 2: Die Organisationsstruktur von RISA (Quelle: HSE und BUE 2015). ............................... 23
Abbildung 3: Funktionsweise des Retentionsraums He in-Klink-Stadion in Hamburg (Quelle: Geo
(2019), 2020-07-29). ..................................................................................................................................................... 25
Abbildung 4: Multifunktionalität der Regenwassersysteme (eigene Darstellung nach fbr
Wasserspiegel 3/20). .................................................................................................................................................... 26
Abbildung 5: Beispiele für multifunktionale Maßnahmen im Regenwassersystem ( COUTTS et al.
2012: 5). .............................................................................................................................................................................. 27
Abbildung 6: Identifizierte Bausteine und ihre jeweilige Zuordnung als blaue, grüne oder graue
Infrastruktur (Quelle: TRAPP et al. 2020). ............................................................................................................. 28
Abbildung 7: Die strategisch -systemare Verknüpfung von Wasser, Stadt und Freiraum erfolgt
durch integrierte Maßnahmenkonzepte (Quelle: ILPÖ 2015). .................................................................... 29
Abbildung 8: Eigenschaften der extensiven und intensiven Dachbegrünung (Quelle: StEB Köln
2018). ................................................................................................................................................................................... 32
Abbildung 9: Beispiele künstlicher Wasserflächen (Quelle: Muriel Leitfaden, MUST
Städtebau/StEB Köln). .................................................................................................................................................. 38
Abbildung 10: Kategorisierung des Herkunftsbereiches nach der durchschnittlichen täglichen
Verkehrsstärke (DTV) (Quelle: Bezirksregierung Köln, Fachhochschule Köln, 2009). ..................... 39
Abbildung 11: Vorgehen Stadtraumanalyse für Köln. ..................................................................................... 44
Abbildung 12: Der Ist -Zustand des Betrachtungsraums (Flächennutzung, Grü nsystem,
Gewässersystem. Versiegelung und Kanalsystem). .......................................................................................... 45
Abbildung 13: Analyse und Gegenüberstellung der Stadtteile. ................................................................... 50
Abbildung 14: Verortung der 19 priorisierten Fokusgebiete als Ergebnis der Raumanalyse. ....... 51
Abbildung 15: Beispielhafte Darstellung Fokusgebiet mit Informationen der untersuchten
Kriterien (hier Vietorstraße in Köln-Kalk). .......................................................................................................... 52
Abbildung 16: Projektspezifische Potentialpyramide (nach UBA 2019)................................................. 53
Abbildung 17: Beispielhafte Darstellung eines Überflutungsbereichs auf Kölner Stadtgebiet mit
angrenzender städtischer Fläche zur potentiellen multifunktionalen Nutzung. ................................. 63
iv
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Übersicht der Festsetzungsmöglichkeiten in der Bauleitplanung (Quelle: Leitfaden für
eine wassersensible Stadt und Freiraumgestaltung in Köln 2017: 61) ................................................... 11
Tabelle 2: Integration wasserwirtschaftlicher Klimafolgenanpassung Stadt Köln: Auflistung
relevanter Ämter Stand: Januar 2021. ..................................................................................................................... 14
Tabelle 3: Maßnahmenübersicht (eigene Darstellung verändert nach SAMUWA 2016 und KURAS
2017). ................................................................................................................................................................................... 30
Tabelle 4: Maßnahmenübersicht für die Maßnahmengruppe „Gebäudebegrünung“ (verändert
nach SAMUWA 2016 und KURAS 2017)................................................................................................................ 31
Tabelle 5: Maßnahmenübersicht für die Maßnahmengruppe „Regenwassernutzung“ (verändert
nach SAMUWA 2016 und KURAS 2017)................................................................................................................ 34
Tabelle 6: Maßnahmenübersicht für die Maßnahmengruppe „ Entsiegelung“ (verändert nach
SAMUWA 2016 und KURAS 2017). ......................................................................................................................... 35
Tabelle 7: Maßnahmenübersicht für die Maßnahmengruppe „Versickerung“ (verändert nach
SAMUWA 2016 und KURAS 2017). ......................................................................................................................... 36
Tabelle 8: Vergleich der Methoden zur Regenwasserbewirtschaftung/Versickerung (Quelle: StEB
Köln). .................................................................................................................................................................................... 37
Tabelle 9: Maßnahmenübersicht für die Maßnahmengruppe „Künstlichen Wasserflächen“
(verändert nach SAMUWA 2016 und KURAS 2017). ....................................................................................... 38
Tabelle 10: Maßnahmenübersicht für die Maßnahmengruppe „Reinigung“ (verändert nach
SAMUWA 2016 und KURAS 2017). ......................................................................................................................... 39
Tabelle 11: Maßnahmenübersicht für die Maßnahmengruppe "Stauraum im Kanal" (verändert
nach SAMUWA 2016 und KURAS 2017)................................................................................................................ 40
Tabelle 12: Förderprogramme, die für die wasserwirtschaftliche Klimafolgenanpassung geeignet
sind (eigene Darstellung), Stand Januar 2021. ................................................................................................... 41
Tabelle 13: Übersicht der SWOT-Analyse (eigene Darstellung). ................................................................ 56
Tabelle 14: Erläuterung Teilmaßnahmen Kommunikation im Rahmen des Strategiekonzeptes
„Wasserwirtschaftliche Klimafolgenanpassung“ ............................................................................................... 59
v
Abkürzungsverzeichnis
ALKIS Amtliches Liegenschaftskatasterinformationssystem
BauGB Baugesetzbuch
BBSR Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung
BHKG Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz
BMBF Bundesministerium für Bildung und Borschung
BSU Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (Hamburg)
BUE Behörde für Umwelt und Energie (Hamburg)
BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
DKK Dänische Krone
DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.
EU Europäische Union
FONA Forschung für nachhaltige Entwicklung
HmbAbwG Hamburgerisches Abwassergesetz
HSE Hamburger Stadtentwässerung AöR
HWaG Hamburgerisches Wassergesetz
HWRM-RL Hochwasserrisikomanagementrichtlinie
INIS Intelligente und multifunktionelle Infrastruktursysteme für eine zukunftsfähige
Wasserversorgung und Abwasserentsorgung
IRWM Integrated Regional Water Management
K Kelvin
KURAS Konzepte für urbane Regenwasserbewirtschaftung und Abwassersysteme
LID Low Impact Development
LNU Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt
LWG NRW Landeswassergesetz NRW
MUKLIMO_3 mikroskaliges urbanes Klimamodell, 3-dimensionale Version
NBK Niederschlagswasserbeseitigungskonzept
QT Querschnittsthemen
RE RheinEnergie AG
RISA RegenInfraStrukturAnpassung
SKU Stauraumkanal mit unten liegender Entlastung
StEB Köln Stadtentwässerungsbetriebe Köln
SUDS Sustainable Urban Drainage System
SWOT-Analyse Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats Analyse
UBA Umweltbundesamt
WBP Wasserwirtschaftlicher Begleitplan
WRRL Wasserrahmenrichtlinie
WSUD Water Sensitive Urban Design
ZO Zivilgesellschaftliche Organisation
1
1 Einleitung
Die globale Erwärmung führt neben einer Verschiebung der Niederschlagsmengen von den Som-
mer- zu den Wintermonaten zu einem höheren Wasserdampfgehalt in der Atmosphäre. Die ver -
stärkte Konvektion wirkt sich dabei auch auf die Häufigkeit und auf die Intensität von Starkrege-
nereignissen aus. Gleichz eitig stellen insbesondere in Wachstumsregionen wie Köln der hohe
Baunutzungsdruck und die fortschreitende Nachverdichtung von Siedlungsflächen die Stadt- und
Freiraumplanung vor große Herausforderungen. Starke Regenereignisse können besonders in ei-
ner dicht bebauten und stark versiegelten Großstadt wie Köln zu erheblichen Beeinträchtigungen
durch Überflutungen führen. Zusätzlich signalisieren die inn erstädtische Überwärmung, verlän-
gerte Trockenperioden, die Verschlechterung der Luftqualität, die Lärmbe lastung und der fort-
schreitende Artenschwund durch den Verlust wertvoller Lebensräume dringlichen Handlungsbe-
darf in deutschen Großstädten.
In Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Klimaschutz, Umwelt und Naturschutz, Landwirt -
schaft und Verbrauchersch utz, dem Umwelt - und Verbraucherschutzamt der Stadt Köln, dem
Deutschen Wetterdienst und den Stadtentwässerungsbetrieben Köln wurde bereits 2013 das Pro-
jekt „Klimawandelgerechte Metropole Köln“ durchgeführt (LANUV Fachbericht 50 & PTAK et al.
2013). Neben der Erörterung bedeutsamer Handlungsfelder basierend auf Modellberechnungen
für ausgewählte Klimaszenarien wurden in der Studie erste Handlungsempfehlungen und Anpas-
sungsstrategien zur Bewältigung der prognostizierten Klimawandelfolgen formuliert. Zu neh-
mende Starkregenereignisse und die Überwärmung innerstädtischer Quartiere durch anhaltende
Trockenwetterperioden und hohe Temperaturen erfordern in diesem Zusammenhang gesamt-
städtische Anpassungen, um den gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen auf Kölner
Stadtgebiet adäquat entgegenzutreten.
In den vergangenen Jahren konnten im Bereich der Überflutungsvorsorge bereits zahlreiche Maß-
nahmen erfolgreich umgesetzt werden. Neben der zielgruppenorientierten Erstellung von Leitfä-
den und der Durchführ ung zahlreicher Beratungsangebote und Informationskampagnen stehen
den Bürger*innen der Stadt Köln Starkregengefahrenkarten zur Einschätzung des individuellen
Risikos am Wohnort zur Verfügung. Städtische Förderprogramme zur Dachbegrünung (Grün -
hoch3) und die Mitarbeit der StEB Köln in klimawandelbezogenen Forschungsprojekten (z.B. Ver-
tiKKA, Iresilience) ergänzen die Bestrebungen für ein klimaangepasstes Köln. Das Engagement
zahlte sich aus: im Jahr 2018 wurde die Stadt Köln gemeinsam mit der StEB Köln als „Klimaaktive
Kommune“ ausgezeichnet. Auf diesem Erfolg soll nun weiter aufgebaut werden.
Eine optimale und effiziente Bewältigung der prognostizierten klimatischen Veränderungen und
daraus resultierenden Wetterextremen kann dabei letztlich nur als Kombination von oberflächi-
gen, stadtplanerischen und wasserwirtschaftlichen Maßnahmen gedacht werden. Daraus ergibt
sich die Notwendigkeit einer umfassenden, konzeptionellen Herangehensweise, die auch im ur-
banen Umfeld den Prozessen und Funktionen des natürlichen Wasserkreislaufs genügend Platz
einräumt. Eine Rückführung des Wassers in seinen natürlichen Kreislauf bietet in diesem Zusam-
menhang vielfältige Möglichkeiten, den klimatischen Herausforderungen auf nachhaltige Weise
zu begegnen. Eine Stadt, die sich in ihrer strategischen Ausrichtung an diesem Leitgedanken ori-
entiert, bezeichnet man als Schwammstadt.
2
Abbildung 1: Schwammstadtprinzip (Quelle: Verband kommunaler Unternehmen).
Abbildung 1 veranschaulicht das Prinzip der Schwammstadt: Eine Kombination unterschied li-
cher, dezentral angelegter Maßnahmen ermöglicht der Stadt Wasser wie ein Schwamm aufzusau-
gen, zwischen zu speichern, zeitverzögert wieder abzuleiten oder synergistisch für andere Be -
darfe zur Verfügung zu stell en. Sie unterscheidet sich grundlegend von einer zentral angelegten
Regenwasserbewirtschaftung, bei der Niederschlagswasser vornehmlich über die Kanalisation
abgeleitet, zurückgehalten, und/oder im Vorfeld über bauliche Anlagen (z.B. Regenklärbecken)
gereinigt wird. Eine nachhaltige Nutzung der Ressource Wasser im Sinne der wasserwirtschaftli-
chen Klimafolgenanpassung begründet sich im Wesentlichen auf die Nutzung der Prozesse Rück-
halt (bzw. ober- oder unterirdischer Ablauf), Versickerung und Verdunstung.
2 Strategische Ziele der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung
I. Stärkung des natürlichen Wasserhaushalts
Eine am natürlichen Wasserhaushalt ausgerichtete Regenwasserbewirtschaftung sieht im Gegen-
satz zu der konventionellen Ableitung des Regenwassers über die Kanalisation eine Implementie-
rung dezentraler Maßnahmen vor (siehe Kapitel 9). Für eine langfristig ausgeglichene Bilanzie-
rung des natürlichen Wasserhausha ltes ist es notwendig, negative Effekte auf den Natur - und
Wasserhaushalt im Rahmen von Bauvorhaben auf ein Minimum zu reduzieren oder zu kom pen-
sieren. Ein natürlicher Wasserhaushalt reguliert das Mikroklima und reduziert Trockenheitsprob-
leme.
3
II. Gewässerschutz
Oberirdische Gewässer- und Grundwasserkörper sind wesentlicher Bestandteil des Naturhaus -
haltes und in ihrer Funktion als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu erhalten. Punktuelle Ein -
leitungen von Abwasser, Niederschlagswasser und Mischwasser in den Vorfluter oder Grundwas-
serkörper führen neben stofflichen Einträgen zu einer hydraulischen Belastung der an sässigen
Lebensgemeinschaften. Ziel muss es daher sein, Einleitungen und Abschläge in Gewässer zu redu-
zieren und Niederschlagswasser durc h eine Versickerung in angrenzenden Auen bereichen dem
Vorfluter bzw. dem Grundwasserkörper zuzuführen. Sofern eine Versickerung über die belebte
Bodenzone nicht möglich ist, sollte über technische Behandlungsverfahren durch Anlage von Re-
tentionsbodenfiltern oder Regenklärbecken eine gedrosselte Ableitung der Abfluss spitzen und
Reinigung des infiltrierenden Wassers angestrebt werden.
III. Überflutungs- und Hochwasserschutz
Im Zuge des fortschreitenden Klimawandels ist insbesondere die Überflutungsvorsorge in stadt-
planerischen Prozessen frühzeitig zu berücksichtigen. Alternativen Konzepten und Lösungen zur
temporären Zwischenspeicherung oder dauerhaften Rückhaltung von Starkregenereignissen gilt
hier besonderes Augenmerk. Der Ausbau multifunktionaler Fläc hennutzungen ist durch die Be -
reitstellung geeigneter Planungsgrundlagen für städtische Akteure voranzutreiben. Ziel ist es, das
breite Spektrum planungsrechtlicher Festsetzungsoptionen in Bebauungsplänen stärker in den
Fokus zu rücken und damit das Potent ial planungs- und bauordnungsrechtlicher Möglichkeiten
für eine wassersensible Stadtgestaltung auszuschöpfen. Die planungsrechtliche Verankerung der
Errichtung grün-blauer Infrastruktur ist damit wichtiger Baustein für eine zukunftsfähige Über -
flutungsvorsorge.
IV. Sicherung und Optimierung der Freiraumqualität
Die Umsetzung dezentraler Maßnahmen der Regenwasserbewirtschaftung ist neben der Stärkung
des natürlichen Wasserhaushalts mit umfangreichen positiven Effekten u.a. für das Stadtklima,
Stadtbild und die biologische Vielfalt verknüpft, und führt so zu einer Verbesserung der Lebens -
qualität im urbanen Raum. Lebenswerte Städte gestalten bedeutet, Wasser und Grün in die Stadt-
quartiere zurückzuholen. Blau- grüne Infrastruktur verbindet städtische hydrolog ische Funktio-
nen mit Vegetationssystemen in der Stadtgestaltung und generiert einen hohen sozioöko nomi-
schen Nutzen. Der öffentliche Raum wird wieder für Erholung, Bewegung und soziale Aktivitäten
erlebbar und nutzbar gemacht. Eine Steigerung der ästhetisc hen Attraktivität um liegender Ge-
bäude und Grundstücke wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden der Anwohnenden aus.
V. Sicherung der Lebensqualität in Hinblick steigender Temperaturen
Wetterextreme wie Hitze- und Trockenperioden, lang anhaltende Hitzewellen mit hohen Tempe-
raturen aber auch Starkregenereignisse sind als Folge des Klimawandels schon heute in Köln
deutlich spürbar. In der Kölner Innenstadt ist gerade in den Sommermonaten durch die Bildung
einer Hitzeinsel eine überdur chschnittliche Erwärmung im Vergleich zum Umland zu verzeich-
nen. Hohe Temperaturen können insbesondere für sensible Bevölkerungsgruppen (z.B. Kinder,
Senioren) eine Gesundheitsgefährdung durch Dehydration/Überhitzung zur Folge haben. Klima-
prognosen gehen davon aus, dass sich der Trend zu lang anhaltenden Hitzeperioden mit hohen
Temperaturen (Zunahme von Sommertagen und von heißen Tagen) sowie milderen Wintern wei-
ter fortsetzen wird. Das Konzept der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung sieht vor,
Wasser für Trockenperioden zwischen zu speichern und durch blau-grüne Infrastruktur die Hit-
zebelastung zu reduzieren.
4
Fazit: Die fortschreitenden Klimaveränderungen signalisieren dringenden Handlungsbedarf für
eine klimafolgenangepasste Wasserwirtschaft. Eine klimafolgenangepasste Bewirtschaftung der
Ressource Wasser ist mit positiven Entwicklungen für zahlreiche Aspekte verknüpft. Positive Ef-
fekte auf den Natur- und Wasserhaushalt erhalten und werten den städtischen Raum auf und er-
höhen die Resilienz gegen über prognostizierten Klimaveränderungen in Bezug auf Hitze, Tro-
ckenheit und Starkregenereignissen.
3 Wasserwirtschaftliche Klimafolgenanpassung in der Politik und Verwal-
tung
Klimafolgenanpassung ist ein immerwährendes Thema in verschiedenen Beschlüssen im Kölner
Stadtrat, seinen Ausschüssen und in den neun Bezirksvertretungen. Ein holistischer Ansatz, wie
er in dieser Ausarbeitung dargestellt ist, wurde bisher nicht beschlossen. Dies begründet sich in
der Verteilung der tangierenden Aufgaben auf die einzelnen Fachämter. Im Bereich der wasser-
wirtschaftlichen Klimafolgenanpassung ist die Stadtverwaltung in den letzten Jahren durch Ein-
zelmaßnahmen aktiv gewesen. In der Folge sollen einige der bisher umgesetzten Einzelmaßnah-
men kurz benannt werden:
Im Rahmen des Projektes „Klim awandelgerechte Metropole Köln“ (LANUV 2013) wurde das
Stadtgebiet auf mögliche Folgen des Klimawandels untersucht und Anpassungsstrategien er ar-
beitet. Basierend auf den Erkenntnissen dieser Studie wird der Umgang mit Hitze im u rbanen
Raum im Rahmen eines Hitzeaktionsplans (Stadt Köln 2020) erörtert. Kinder, Kranke, Menschen
im Alter und Menschen mit Behinderung reagieren besonders anfällig auf Belastungen durch
Hitze. Der Hitzeaktionsplan hat zum Ziel, insbesondere diese vulnerablen Bevölkerungsgruppen
durch konkrete Maßnahmen aufzuklären und zu schützen. In diesem Zusammenhang wurden in
den letzten Jahren u.a. die Errichtung von Trink wasserbrunnen im öffentlichen Raum diskutiert
und dieses Vorhaben letztendlich im Jahr 2020 umgesetzt.
Des Weiteren wurde ein Antrag nach mehr offenen Wasserflächen und Aktivierung der städti -
schen Brunnen in der Bezirksvertretung en Nippes und Innenstadt erörtert. Diese Maßnahmen
können einen aktiven Beitrag zur Hitze - und Starkregenüberflutungsprävention liefern und den
öffentlichen Raum insgesamt aufwerten.
Die attraktive Neugestaltung des Kölner Straßenraums ist seit langem ein Thema im Kölner Rat
und in der Stadtgesellschaft. Die Stadtverwaltung versucht in diesem Kontext dem Wunsch der
Bevölkerung nach mehr urbanem Grün Rechnung zu tragen und mehr an Hitze und Trockenheit
angepasste Straßenbäume zu pflanzen. Dabei hat sich die Stadt Köln im Kontext der Kampagne
„Stadtgrün naturnah“ (Stadt Köln 2018) zu einem nachhaltigen Umgang mit urbanem Grün ent-
schieden. Gerade durch die Förderung von Dach - und Fassadenbegrünung im Rahmen des För-
derprograms „GrünHoch3“ sollen zusätzlich Grünflächen geschaffen werden. Diese Flächen kön-
nen als wichtiger Zwischenspeicher bei Starkregenereignissen fungieren und W asser kurzfristig
zurückhalten oder verdunsten lassen.
Fazit: Die Stadtverwaltung konnte in den letzten Jahren im Bereich der Klimafolgenanpassung
bereits unterschiedliche Maßnahmen planen und umsetzen. Durch die hier beschriebenen was-
serwirtschaftlichen Klimafolgenanpassungen können die bisherigen Maßnahmen systematisiert,
weiterentwickelt und in den Kontext eines Gesamtkonzeptes eingebunden werden.
5
4 Aktueller Stand
Das Klimakonzept Köln als Grundlage des Handelns
Mit dem Ziel, Schäde n infolge von Starkregenereignissen zu reduzieren, entwickelten die StEB
Köln 2013 das Klimakonzept Wasser. Im Rahmen des Konzeptes wurden Schadens - und Gefähr-
dungspotenziale bewertet sowie Risikobereiche und Maßnahmen zur Risikovorsorge identifi-
ziert. Da s Wissen aus bereits durchgeführten Forschungsvorhaben, die Erfahrungen aus dem
Hochwasserschutz sowie die Erkenntnisse aus dem Erfahrungsaustausch verschiedener Groß-
städte und externer Gutachter sind in die Strategie eingeflossen. Diese wurde im Jahr 2014 dem
Verwaltungsrat und dem Rat der Stadt Köln zur Zustimmung vorgelegt. Das Klimakonzept Wasser
beinhaltet einen konkreten „Handlungskatalog Starkregen“, der regelmäßig fortgeschrieben wird
und eine umfassende Gesamtübersicht der geplanten Maßnahmen für die nächsten Jahre bereit-
stellt. Viele Maßnahmen konnten bereits erfolgreich abgeschlossen werden. Nachfolgend werden
beispielhaft die bisherigen Aktivitäten der vergangenen Jahre skizziert.
Maßnahmen der Informationsvorsorge
Die Informationsvorsorge zum Thema Starkregen ist integraler Bestandteil der Kölner Klimaan -
passungsstrategie. Ziel ist es, die Bevölkerung über die Gefahren durch urbane Überflutungen zu
informieren, Ratschläge für sinnvolle Objektschutzmaßnahmen an die Hand zu geben und auf
diese Weise die Resilienz gegenüber Starkregenereignissen zu erhöhen. Digitale Informationsan-
gebote bieten in diesem Zusammenhang ergänzend zu analogen Broschüren und Leitfäden eine
ideale Plattform. Unter Berücksichtigung eingeschränkter personeller Ressourcen u nd der Viel-
zahl der zu informierenden Personen und damit verbundenen Einzelfallbetrachtungen sind digi-
tale Hilfsmittel zur automatisierten Information, Hilfestellung und Vereinfachung der Maß nah-
menfindung besonders erforderlich.
Vor diesem Hintergrund werden bereits seit vielen Jahren Gefährdungskarten zu Rheinhochwas-
ser und Grundhochwasser online bereitgestellt. Im März 2017 erfolgte schließlich die Ver öffent-
lichung von Starkregengefahrenkarten durch die StEB Köln. Im Sinne einer ganzheitlichen Über-
flutungsvorsorge wurden damit die bereits bestehenden Hochwasser- und Grundhochwasserge-
fahrenkarten komplettiert.
Die Gefahrenkarten zeigen, wo im Kölner Stadtgebiet besondere Gefahren durch Hochwasser,
Grundhochwasser und Starkregen bestehen. Alle Gefahrenkarten sind im Internet einsehbar und
für jedes Grundstück durch die Eingabe von Straßenname und Hausnummer auswertbar. Auf die-
ser Grundlage können interessierte Bürger*innen ihre individuelle Gefahrenlage bewerten und
nachfolgend sinnvolle Schutzmaßnahmen planen und umsetzen. Zusätzlich dient die Karte als Pla-
nungswerkzeug für die städtischen Fachämter zur Beurteilung der Gefährdung sensibler Objekte
sowie für städtebauliche Flächenentwicklungen und Änderungen im öffentlichen Verkehrsraum.
Die Überflutungsgefährdung durch Aufstau im Entwässerungsnetz und somit einem Rück stau in
die jeweilige Grundstücksentwässerung ist im gesamten Kölner Stadtgebiet einheitlich festgelegt
und bedarf keiner individuellen Berechnungen von Wasserspiegelhöhen. Die Notwendigkeit von
Rückstausicherungen bzw. Hebeanlagen und der Einhaltung von einschlägigen fachtechnischen
Regelwerken ist in diesem Zusammenhang seit vielen Jahren ein kontinuierliches Thema der StEB
Köln.
Seit Anfang 2017 wird die Themenseite Starkregen auf www.steb-koeln.de/starkregen regelmä-
ßig aktualisiert. Die StEB Köln informieren hier, warum es bei seltenem Starkregen zu Über flu-
6
tungen kommen kann, welche Gebiete besonders gefährdet sind und was Bewohner zu ihrem ei-
genen Schutz unternehmen können. Konkrete Hinweise zu Schutzmaßnahmen liefert der Leit fa-
den „Wassersensibel planen und bauen in Köln“. Unter Hinzunahme von Fotos und Schaubildern
wird auf einfache und leicht verständliche Weise erklärt, wie ein sinnvoller Schutz vor Starkregen
realisiert werden kann. Der Leitfaden liegt u.a. beim Bauaufsichtsamt der Stadt Köln aus, um bau-
willigen Kölnern und Architekten rechtzeitig Beispiele zum Objektschutz aufzuzeigen.
Um Fragen des Objektschutzes zusätzlich zu persönlichen Beratungsgesprächen zu beantworten,
haben die StEB Köln im Jahr 2020 das Online Beratungs -Tool „Wasser-Risiko-Check“ entwickelt.
Der „Wasser -Risiko-Check“ kombiniert die Gefahrenkarten, Leitfäden und das Fachwissen der
Mitarbeitenden der StEB Köln, um gezielt Hilfestellung in der Maßnahmenplanung zu leisten.
Durch die Adresseingabe und einen einfachen Fragebogen erhalten Interessierte konkrete Aus -
wertungen zur Gefahrenlage und passende Maßnahmenempfehlungen.
2018 wurde Köln für die Aktivitäten der Überflutungsvorsorge vom Bundesumweltministerium
und dem Deutschen Institut für Urbanistik als „Klimaaktive Kommune“ ausgezeichnet. In den ver-
gangenen Jahren haben die StEB Köln große Anstrengungen unternommen, um die Bevölkerung
aktiv in die Überflutungsvorsorge einzubinden. Eine mehrjährige Informations -kampagne mit
Ständen auf Straßenfesten, Vorträgen bei Bürgervereinen und einer Wander -ausstellung in den
Bezirksrathäusern diente dazu, die 2017 veröffentlichten Starkregengefahrenkarten und die zu-
sammen mit den Fachämtern der Stadt Köln erarbeiteten Leitfäden in die Stadtteile zu transpor-
tieren. Ein besonderer Höhepunkt war die Veranstaltung „Starkregen, Hochwasser, Klimaverände-
rungen – was kann ich tun ?“ am 30.03.2019 im VHS Forum am Neumarkt mit über 300 Besu-
cher*innen. Die StEB Köln sind ebenfalls bei der Kölner Wissenschaftsrunde aktiv. Sie beglei ten
u.a. die bürgernahen Vorlesungen bei der Vortragsreihe „Wissenschaft im Rathaus“ zusammen
mit der technischen Hochschule Köln. Abgerundet wird die Informationsbereitstellung durch die
Beigabe einer Broschüre „Schutz vor Starkregen“ im Rahmen des Grundsteuerbescheids oder
durch Megalight-Kampagnen auf dem Kölner Stadtgebiet.
Die Einbindung der Überflutungsvorsorge in die Prozesse der Stadtplanung
Bei Aufstellung von neuen Bebauungsplänen und Erschließungsplanungen findet frühzeitig die
Einbindung der Regenwasserbewirtschaftung und des Überflutungsschutzes statt. Bei wasser -
wirtschaftlich relevanten Erschließungen, bei großen Erschlie ßungsgebieten in Rheinnähe oder
bei Betrachtung kritischer Infrastrukturobjekte wurden wasserwirts chaftliche Fachbeiträge er -
arbeitet und den städtischen Fachämtern bzw. den städtebaulichen Planern zur Verfügung ge-
stellt. Da viele Erschließungsgebiete eine eher kleinräumige Ausdehnung besitzen oder aufgrund
ihrer Bedeutung keines wasserwirtschaftlichen Fachbeitrags bedürfen, wurde gemeinsam mit
Mitarbeitern der Stadt Köln der „ Leitfaden zur wassersensiblen Stadt - und Freiraumgestaltung“
entwickelt. Er richtet sich an alle öffentlichen Stellen, Stadtentwicklungsgesellschaften, In vesto-
ren und privaten Ingenieurbüros, die an der Gestaltung der städtischen Oberfläche beteiligt sind.
Ziel ist es, ökologisch und ökonomisc h effiziente Anpassungsmaßnahmen an die sich ändern den
Niederschlagsverhältnisse im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung aufzuzeigen. Der Leitfa-
den beschreibt verfügbare Planungswerkzeuge, Maßnahmenpotenziale und ihre Einsatzmöglich-
keiten sowie planungsrechtliche Aspekte und vorbildlich umgesetzte Beispiele.
Ein weiterer Impuls zur Implementierung der Überflutungsvorsorge in die Prozesse der Stadtver-
waltung beschreibt das Vorhaben „Planer im Dialog“. Das Vorhaben „Kommunale Überflutungs -
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vorsorge: Planer im Dialog“ des Deutschen Instituts für Urbanistik (difu) und der Deutsche Verei-
nigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall Deutschen (DWA) gefördert mit Mitteln der
Deutschen Umweltstiftung (DBU) untersucht praxisbezogene und interdisziplinäre Lösungen
zum kommunalen Schutz vor Überflutungen infolge von Starkregenereignissen. Angelehnt an die
Planspiel-Methode bearbeiteten Vertreterinnen und Vertreter aus den Kölner Fachämtern und
aus 15 weiteren ausgewählten Städten im Bundesgebiet konkrete Aufgabenstellungen in eintägi-
gen Werkstätten. Neben einer Sensibilisierung für das Thema standen der praxisorientierte Aus-
tausch zwischen den Fachressorts und modellhaftes Entwickeln von Herangehensweisen im Vor-
dergrund der Werkstätten. Das Vorhaben wurde 2018 abgeschlossen.
Zusammen mit dem Straßenplanern der Stadt Köln wurde weiterhin untersucht, wie die Vergrö-
ßerung des hydraulischen Leistungsvermögen von Straßeneinläufen, sogenannten Gullys, im Köl-
ner Stadtgebiet verbessert werden kann. Das Abflussvermögen von Straßeneinläufen ist teilweise
bei Starkregen wegen der Verlage von Laub und Blättern stark limitiert, kanalseitige hydraulische
Leistungsreserven bleiben infolge ungenutzt.
Sanierungsberechnungen als gekoppelte 1D-2D-Berechnung
Während die Starkregengefahrenkarte als Werkzeug zur Informationsvorsorge dient, werden ge-
koppelte 1D-2D-Berechnungen als Bestandtei l von Sanierungsbetrachtungen durchgeführt . Als
überflutungsgefährdet identifizierte Bereiche können im Rahmen einer gekoppelten Kanalnetz -
berechnung mit hohem Detaillierungsgrad betrachtet werden. Die Kopplung einer hydrodynami-
schen Kanalnetzberechnung mit einem detaillierten Oberflächenabflussmodell ermöglicht die Be-
rücksichtigung des Kanalnetzes und somit den Wasseraustausch zwischen dem Kanalnetz und der
Oberfläche in beide Richtungen. Auf Verkehrsflächen stehendes Wasser kann bei dieser Betrach-
tung über Straßeneinläufe und Schachtabdeckungen in das Kanalnetz gelangen. Ferner kann bei
überlasteten Kanalabschnitten auch Wasser aus dem Kanal an der Oberfläche austreten. Auf die-
ser Grundlage können verschiedene Sanierungsvarianten im Kanalnetz, an der (öffentlichen)
Oberfläche und als (privater) Objektschutz berechnet werden, sowie die Wirkung der Maßnahme
und deren Kosten ermittelt werden. Diese Art der Berechnung wurde in den letzten Jahren in ein-
zelnen Stadtteilen durchgeführt und die Maßnahmen an die unterschiedlichen Fachbereiche der
Stadtverwaltung weitergegeben. So berücksichtigt beispielsweise das Amt für Straßen und Ver -
kehrswesen der Stadt Köln Bordsteinabsenkungen oder –Anhebungen in zukünftigen Planungen
bei Erneuerungen oder Sanierungen von Straßen.
Die Forschungsvorhaben
Die StEB Köln bringt seit vielen Jahren ihre Expertise als Kooperationspartner in Forschungspro-
jekte ein. Das von der deutschen Umweltstiftung geförderte Projekt MURIEL untersucht die Mög-
lichkeiten und Grenzen von multifunktionalen, urbanen Retentionsräumen und leitet daraus
Handlungsempfehlungen für die Praxis ab. Die Ergebnisse wurden in einem abschließenden Pro-
jektbericht zusammengefasst und stehen auf der Internetseite der StEB Köln zum Download zur
Verfügung. Es ist vorgesehen, die Konzepte der multifunktionalen Nutzung auf Kölner Stadtgebiet
weiter zu konkretisieren und umzusetzen.
Ein weiterer Schritt, um unterschiedliche Akteure und die lokale Bevölkerung bei der Entwicklung
innovativer Maßnahmen an einen Tisch zu bringen stellt das Projekt Iresilience im Stadtteil Köln-
Deutz dar. In einem mehr jährigen Kommunikations -, Beteiligungs - und Kooperationsprozess
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werden Akteurinnen und Akteure in den Quartieren sensibilisiert und für Aktivitäten zur Klima -
vorsorge mobilisiert. Iresilience unterstützt die in Köln -Deutz lebenden und sich engagierenden
Menschen und Einrichtungen dabei, Lösungen zur Klimawandelanpassung zu den Themen Hitze
und Gesundheit, Starkregen und Grün zu entwickeln und langfristig umzusetzen. Die StEB Köln
sind dabei federführend für den Themenbereich Überflutungsvorsorge zuständig.
Die geringe Flächenverfügbarkeit insbeso ndere in stark verdichteten Innenstadtbereichen er -
schwert die Errichtung herkömmlicher Baumstandorte und Grünanlagen. Vertikale Begrünungs-
lösungen gewinnen in diesem Zusammenhang immer mehr an Relevanz. An dieser Stelle setzt das
durch die StEB Köln begleitete Forschungsprojekt VertiKKA an. Das Gesamtziel des Projektes be-
steht in der Entwicklung eines innovativen technologischen Ansatzes zur Steigerung der urbanen
Energie-, Flächen- und Ressourceneffizienz sowie der lokalen Lebensqualität als auch des Klima-
schutzes. Hierfür werden wartungsarme, selbstregelnde Grünmodule mit integrierten Photovol -
taik-Elementen zum Einsatz an Fassaden entwickelt. Die Module sollen eine Vielzahl von Anfor -
derungen im urbanen Raum erfüllen: Reduktion der Hitzeinsel, Steigerung der urbanen Biodiver-
sität, Entlastung der Kanäle, Produktion regenerativer Energie, Steigerung der Kühlleistung von
Gebäuden und verbesserte Wärmedämmung, Produktion von Strom durch die Photovoltaik und
Verbesserung der Luftqualität.
Derzeit wird die Software VISDOM unter der Leitung von VRVis Wien, in Kooperation mit dem
Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft an der technischen Universität in Wien und der wis-
senschaftlichen Visualisierung-Gruppe an der ETH Zürich und den StEB Köln entwickelt. Die Soft-
ware dient zukünftig als Entscheidungshilfe, um Überflutungsszenarien infolge von Hoch wasser
und Starkregen zu berechnen, zu bewerten und Vorschläge zum Überflutungsschutz zu unterbrei-
ten. Die Software kann perspektivisch für die Gefährdungsabschätzung durch Starkregen und für
die Maßnahmenplanung, wie z.B. Objektschutz oder auch die multifunktionale Flächennutzung
eingesetzt werden.
Fazit:
Um zukünftig den steigenden Herausforderungen durch die prognostizierte Zunahme von Stark-
regen und deren Sturzfluten bewältigen zu können müssen alle Akteure, die Beteiligten des Stadt-
konzerns und die Bürger*innen gemeinschaftlich handeln. Hierzu haben die StEB Köln in den letz-
ten Jahren Impulse gesetzt, viele Beteiligte informiert, Werkzeuge an die Hand gegeben und über
die Information zur Partizipation angeregt . Vor dem Hintergrund steigender Temperaturen, an -
haltender Trockenperioden und vermehrten Starkregenniederschlägen im Zuge des Klima wan-
dels ist es jedoch zwingend notwendig, den bestehenden Handlungskatalog um weitere Maßnah-
men der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung zu ergänzen.
5 Rechtliche Grundlagen
Eine einheitliche rechtliche Grundlage wie ein Gesetz oder eine Verordnung speziell zur Notwen-
digkeit der Umsetzung der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung zur Planung und zur
Realisierung, sowie zum Betrieb von Anlagen zur Abmilderung der Klimafolgen liegt derzeit
(Stand Dezember 2020) nicht vor.
Konkrete rechtliche Regelungen, die in Bezug zu dem Themenbereich der wasserwirtschaftlichen
Klimafolgenanpassung im Sinne des hier vorliegenden Konzeptes stehen, sind i m Wasserrecht,
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im Planungs- und Baurecht, sowie in den Vorschriften zur Daseinsvorsorge und zur Gefah-
renabwehr auf den föderalen Ebenen von Bund, Land und Kommune verankert und werden im
Folgenden kurz erläutert.
5.1 Wasserrecht
Die rechtlichen Vorgaben zur Überflutungsvorsorge, zum Hochwasserschutz, zum Gewässer und
Grundwasserschutz sowie zu den Anforderungen an Planung, den Bau und Betrieb von (de-) zent-
ralen Abwasserableitungs- und Behandlungsanlagen sind national und international vielzählig.
Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die europäische Wasserrahmenricht-
linie (WRRL) sowie die Hochwasserrisiko managementrichtlinie (HWRM-RL) der EU . Die
Wasserrahmenrichtlinie (BMU 2020) fordert eine insgesamt stärker auf die Ökologie ausgerich-
tete, ganzheitliche und nachhaltige Gewässernutzung. Auswirkungen von Überschwemmungen
und Dürren auf die Gewässer sollen vermindert werden. Der Schadstoffeintrag soll verhindert o-
der begrenzt werden. Auch die Kommunalabwasserrichtlinie (UBA 2020) sieht vor, dass die
Umwelt vor schädlichen Einwirkungen durch nicht ausreichend gereinigtes kommunales Abwas-
ser geschützt wird. Um dies zu erreichen, stellt die Richtlinie Anforderungen an die Mitgliedstaa-
ten für das Sammeln und Reinigen von Abwasser aus Siedlungsgebieten einer bestimmten Größe.
Die Hochwasserrisikomanagementrichtlinie (EU 2007) dient der Bewertung und dem Ma-
nagement von Risiken durch Hochwasser. Sie verfolgt das Ziel, hochwasserbedingte Risiken für
die menschliche Gesundheit, die Umwelt, Infrastrukturen und Eigentum zu verringern und zu be-
wältigen. Dabei sollen auch Klimaveränderungen und die veränderte Nutzung des Bodens und
dessen Wasserrückhaltefähigkeit betrachten werden. Die Grundwasserrichtlinie (BMU 2017)
beschreibt Maßnahmen zur Verhinderung oder Begrenzung des Eintrags von Schadstoffen in das
Grundwasser. Die Vorgaben dieser Richtlinien werden auf nationaler Ebene im Wasserhaushalts-
gesetz des Bundes sowie in den Wassergesetzen der Länder und den darauf beruhenden Rechts-
quellen umgesetzt und damit innerstaatlich verbindlich.
Die bisherigen, rechtlichen Regelungen bilden größtenteils das Prinzip der Abwassersammlung, -
ableitung und -behandlung ab und definieren Grenzwerte und Standards, um die negative Beein-
flussung von Mensch, Tier, Gewässer und Infrastruktur möglichst auszuschließen oder zu begren-
zen. Seit dem Jahr 1995 ist ein wasserrechtlicher Paradigmenwechsel zu verzeichnen. Bis da hin
galt es, Wasser möglichst schnell (in Mischsystemen) aus den Städten hinauszuführen. M it der
Einführung des § 51a in dem damaligen Landeswassergesetz des Landes NRW stellen die Ver-
sickerung von Niederschlagswasser bzw. die ortsnahe Ableitung ein en neuen wasserrechtlichen
Weg zum naturnahen Umgang mit Niederschlagswasser dar. Durch die Einführung des sogenann-
ten Trennerlasses in NRW wurde die stoffliche Belastung des Niederschlagswassers in „ behand-
lungsbedürftig“ und „nicht behandlungsbedürftig“ kategorisiert und für die Kategorien spezifi-
sche Behandlungsmethoden vorgegeben. Beide Rechtsquellen unterstreichen die Notwendigkeit,
das Niederschlagswasser einer Nutzung vor Ort ohne Gewässer/Grundwasserbelastung zuzufüh-
ren und Mischsysteme zu entlasten.
Fazit: Der wasserrechtlich vorgesehene Umgang mit (unbelastetem) Niederschlagswasser ent -
spricht den Zielen der hier vorliegenden wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung. Die oben
beschriebenen Richtlinien und deren Umsetzung auf nationaler Ebene fordern u.a. einen nachhal-
tigen und an den Klimawandel angepassten Umgang mit Wasser im urbanen Raum und beeinflus-
sen damit die wasserwirtschaftliche Klimafolgenanpassung nachhaltig.
Bei längeren Trockenwetterperioden werden auch größere Regenwasserspeicher nicht aus rei-
chen, um genügend Niederschlagswasser zur Bewässerung von Grünflächen bereitzustellen. In
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diesem Fall muss entweder mit Frischwa sser oder Grundwasser bewässert oder trockenresis-
tente Pflanzen und Bäume gepflanzt werden. Eine Alternative ist die Nutzung von Brauch wasser
zur Bewässerung von Grünflächen. Die Nutzung von Brauchwasser zur Bewäs serung von Grün-
flächen ist wasserrechtlich problematisch. Brauchwasser, das unter den Begriff des Abwassers im
Sinne des § 54 Abs. 1 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) fällt, unterliegt der Abwasserbe seitigungs-
pflicht. Abwasser ist das durch häuslichen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder sonstigen Ge-
brauch in seinen Eigenschaften veränderte Wasser und das bei Trockenwetter damit zusammen
abfließende Wasser (Schmutzwasser) sowie das von Niederschlägen aus dem Bereich von bebau-
ten oder befestigten Flächen gesammelt abfließende Wasser (Niederschlagswasser). Brauchwas-
ser stellt nach dieser Definition in der Regel Schmutzwasser dar und unterfällt damit dem Abwas-
serrecht. Danach hat der nach Landesrecht zuständige Abwasserbeseitigungs pflichtige das Ab-
wasser so zu beseitigen, dass das Wohl der Allgemeinheit nicht beeinträchtigt wird (§ 55 Abs. 1
WHG). Abwasserbeseitigungspflichtig sind in NRW grundsätzlich die Kommunen oder Wasser-
verbände, die auf der Grundlage des Wasserverbandsgesetzes (WVG), des Gesetzes über kommu-
nale Gemeinschaftsarbeit (GKG) oder besonderer Gesetze gegründet werden können. Spiegelbild-
lich zur Abwasserbeseitigungspflicht unterliegen die Nutzungsberechtigten eines Grundstücks,
auf dem Abwasser anfällt, der Pflicht, das Abwasser dem Ab wasserbeseitigungspflichtigen zu
überlassen, wenn sie nicht selbst abwasserbeseitigungspflichtig sind. Diese gegenseitige Ver-
pflichtung von Abwasserbeseitigungspflichtigem und Nutzungsberechtigten kann nur durch eine
Übertragung der Abwasserbeseitigungspflicht auf Dritte aufgehoben werden, die von der zustän-
digen Behörde (in NRW das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) vor-
zunehmen ist.
Dies wird im Vollzug und auch in der Überwachung derzeit noch als kritisch angesehen. Eine ein-
fache vertragliche Regelung ist in diesem Zusammenhang problematisch, da § 49 LWG eine Ent -
scheidung der zuständigen Behörde voraussetzt. Erforderlich ist ein öffentlich-rechtlicher Vertrag
zwischen Kommune/Wasserverband, Nutzungsberechtigten und Aufsichtsbehörde (LANUV) ge -
mäß §§ 54 ff. VwVfG.
Fazit: Die Nutzung von Brauchwasser zur Bewässerung von Grünflächen ist wasserrechtlich kom-
plex. Hier bedarf es zukünftig vertraglicher Regelungen bzw. einer Anpassung des Wasserrechtes.
5.2 Planungs- und Baurecht
Der Bund fordert die Städte in der Klimaschutznovelle in § 1 Abs. 5 BauGB vom 30. Juli 2011 dazu
auf, im Rahmen der Bauleitplanung „eine menschenwürdige Umwelt zu sichern, die natürlichen
Lebensgrundlagen zu schützen, sowie den Klimaschutz und die Klimaanpassung, insbesonder e
auch in der Stadtentwicklung, zu fördern“. Die Klimaschutzklausel in § 1a Abs. 5 BauGB verleiht
den Klimabelangen bei der planungsrechtlichen Abwägung ein zusätzliches, rechtliches Gewicht.
Sie veranlasst die Stadtplanung dazu, die Koordinierungs - und Steuerungsfunktion der Bauleit -
planung voll auszuschöpfen. Damit soll sie den in § 1 Abs. 6 Nr. 1 BauGB geforderten „allgemeinen
Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse und die Sicherheit der Wohn- und Ar-
beitsbevölkerung“ mithilfe integrierter Anpassungskonzepte für die Stadt- und Infrastrukturpla-
nung gerecht werden. Gemäß dem bauplanungsrechtlichen Auftrag zur Berücksichtigung der Fol-
gen des Klimawandels bei der Auf stellung von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen gibt Ta-
belle 1 zunächst eine Übersicht über geeignete Festsetzungen für die dezentrale Regenwasserbe-
wirtschaftung und für die Starkregenvorsorge im Rahmen der verbindlichen Bauleitplanung.
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Festsetzungsmöglichkeiten zur wassersensiblen Stadtgestaltung in der verbindlichen Bauleitpla -
nung
§ 9(1) Nr. 1, 2, 3 BauGB Verringerung baulicher Dichte (Maß der baulichen Dichte, Bauweise, über -
baubare Flächen)
§ 9(1) Nr. 10 BauGB Flächen, die von der Bebauung freizuhalten sind
§ 9(1) Nr. 14 BauGB Flächen für die Abfall- und Abwasserbeseitigung, einschließlich der Rück-
haltung und Versickerung von Niederschlagswasser
§ 9(1) Nr. 15 BauGB Öffentliche und private Grünflächen
§ 9(1) Nr. 16 BauGB Wasserflächen sowie Flächen für die Wasserwirtschaft, für Hochwasser-
schutzanlagen und für die Regelung des Wasserabflusses
§ 9(1) Nr. 20 BauGB Flächen oder Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von
Boden, Natur und Landschaft
§ 9(1) Nr. 21 BauGB mit Geh-, Fahr- und Leitungsrechten zugunsten der Allgemeinheit, eines
Erschließungsträgers oder eines beschränkten Personenkreises zu belas-
tenden Flächen (z.B. Notwasserwege)
§ 9(1) Nr. 24 BauGB von der Bebauung freizuhaltende Schutzflächen und ihre Nutzung, die Flä -
chen für besondere Anlagen und Vorkehrungen zum Schutz von schäd li-
chen Umwelteinwirkungen
§ 9(1) Nr. 25 BauGB Flächen zum Anpflanzen oder Pflanzbindungen für die Erhaltung von Bäu -
men, Sträuchern und sonstigen Bepflanzungen sowie von Gewässern
§9(3) BauGB Höhenlage (z.B. Erdgeschossbodenhöhe und Straßenoberkante)
§9(5) Nr. 1 BauGB Flächen, bei deren Bebauung besondere bauliche Vorkehrungen gegen äu-
ßere Einwirkungen oder besondere bauliche Sicherungsmaßnahmen ge-
gen Naturgewalten erforderlich sind
§9(1) Nr. 20 BauGB Textliche Festsetzungen zur Wasserdurchlässigkeit
§ 12 (6) & § 14 BauNVO Festsetzung der Unzulässigkeit von Stellplätzen, Garagen oder sonstigen
Nebenanlagen auf den nicht überbaubaren Grundstücksflächen
§ 9 (6a) BauGB Nachrichtliche Übernahme von festgesetzten Überschwemmungsschutzge-
bieten gem. § 78 Abs. 2 WHG
Diese Auflistung der planungsrechtlichen Festsetzungsmöglichkeiten des BauGB macht deutlich,
dass sich – nicht erst seit der Klima -Novelle von 2011 – ein breites Spektrum an Möglichkeiten
bietet, Maßnahmen der urbanen Überflutungsvorsorge über Planzeichen oder textlich im Bebau-
ungsplan festzulegen. Viele von ihnen werden regelmäßig angewandt – wie die Festsetzung von
Grünflächen, die Flächen zum Anpflanzen oder Pflanzbindungen u.v.a.m.
Vertragliche Vereinbarungen im Rahmen von Städtebaulichen Verträgen
Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und die Anpassung an den Klimawandel werden im
§ 1 BauGB unter anderem als Ziele benannt, die es im Rahmen der Bauleitplanung zu beachten
gilt. Diese Vorgaben können unter Beachtung des Abwägungsgebotes eventuell Anlass für ergän-
zende Regelungen in städtebaulichen Verträgen nach § 11 BauGB geben, welche die Durchführung
wassersensibler Maßnahmen fordern. Zu nennen sind hier beispielhaft Regenwasserbewirtschaf-
tung, Fassaden- und Dachbegrünung, Gestaltung von Tiefgarag endächern und Anlage von Stell-
plätzen in wasserdurchlässiger Bauweise oder der Rückbau baulicher Anlagen oder Entsiegelung
als Voraussetzung für Neubauvorhaben (Eingriff-Ausgleich)
Im Regelfall sollen jedoch die o.g. Festsetzungsmöglichkeiten in Bebauungsp länen genutzt wer-
den, da oftmals nur sie im Genehmigungsverfahren herangezogen werden und auch nur sie einer
Beteiligung der Öffentlichkeit unterliegen.
Tabelle 1: Übersicht der Festsetzungsmöglichkeiten in der Bauleitplanung (Quelle: Leitfaden für eine wasser-
sensible Stadt und Freiraumgestaltung in Köln 2017: 61)
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Vertragliche Vereinbarungen im Rahmen der Nutzung von Straßenflächen zur Ableitung von Nie -
derschlagswasser
Straßenflächen können bei Starkregen für die temporäre Zwischenspeicherung und die oberirdi-
sche Ableitung von Niederschlagswasser von privaten und öffentlichen Flächen dienen. Gemäß §
48 Satz 1 LWG NRW sind die Nutzungsberechtigten der privaten Grundstücke verpflichtet, Nie-
derschlagswasser zu überlassen und gemäß § 46 Abs. 1 sind die abwasserbeseitigungspflichten
Gemeinden – in Köln die StEB Köln - verpflichtet, dieses Niederschlagswasser zu übernehmen und
zu beseitigen. Hieraus ergibt sich das Problem, dass auf die Straßenfläche Niederschlagswasser
zufließt, für das der Straßenbaulastträger nicht übernahme - und überlassungspflichtig ist. In ei-
nigen Städten wurde von den dortigen Juristen zur Klarstellung empfohlen, dass der Abwasser-
beseitigungspflichtige und der Straßenbaulastträger eine Verwaltungsvereinbarung erstellt aus
der hervorgeht, dass und wie der Straßenraum im Starkregenfall allgemeinwohlverträglich ge-
nutzt wird.
Auflagen zur Wasserdurchlässigkeit und zur Begrünung von Flächen in der Bauordnung NRW
Die nordrhein-westfälische Landesbauordnung fordert in § 9 Abs. 1, die nicht überbauten Flächen
von Baugrundstücken „wasseraufnahmefähig zu belassen oder herzustellen und zu begrünen o-
der zu bepflanzen, soweit dem nicht die Erfordernisse einer anderen zulässigen Verwendung der
Fläche entgegenstehen.“ Aus der Regelung nach § 9 Abs.1 BauO NRW erwächst die generelle Ver-
pflichtung, die tatsächlich nicht überbauten Flächen eines bebauten Grundstücks stets i m Sinne
der wassersensiblen Stadtgestaltung zu gestalten. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens kön-
nen somit Forderungen nach einer wasserdurchlässigen Befestigung gestellt werden, sofern nicht
die Abflussbelastung oder eine zu geringe Durchlässigkeit des Bodens eine Versiegelung erfor-
dert. Auch für Zufahrten, Stellplätze oder als Arbeitsflächen kann die Wasseraufnahmefähigkeit
verlangt werden, soweit es Art und Größe dieser Anlagen zulassen.
Städtebauliche Gebote zur Bepflanzung, zum Rückbau und zur Entsiegelung von Grundstücksflä-
chen
Weiterhin sieht der Gesetzgeber städtebauliche Gebote vor wie zum Beispiel das Pflanzgebot nach
§ 178 BauGB oder das Rückbaugebot nach § 179 BauGB. In der Praxis finden diese jedoch keine
Anwendung. Bevor zu Zwangsmitteln de s Ordnungsrechts gegriffen wird, sollte es immer das
oberste Ziel sein, einvernehmliche Lösungen mit den betroffenen Grundstückseigentümer*innen
zu finden.
Satzungen nach Bauordnung NRW zur Gestaltung von privaten Grundstücksfreiflächen und Einfrie-
dungen
Die Möglichkeiten von Satzungen nach Bauordnung sind in der Praxis beschränkt. So bietet sich
gemäß § 89 Abs. 1 Nr. 5 BauO NRW die Möglichkeit, Satzungen über die Art, Höhe und Gestaltung
von Abgrenzungen und Einfriedungen zu erlassen. Auch wenn letztere auch eine schützende bzw.
die Ableitung unterstützende Funktion bei Starkregenereignissen erfüllen, so sind diese Regelun-
gen eher als Festsetzungen in Bebauungsplänen vorzuziehen.
Weiterhin ermöglicht theoretisch § 89 Abs. 1 Nr. 7 BauO NRW den Erlass von S atzungen zur Be-
grünung baulicher Anlagen, wodurch die Begrünung von Dächern unter Festlegung bestimmter
Maßgaben gefordert werden kann. Da begrünte Dächer einen wichtigen Beitrag zur Retention von
Niederschlägen leisten können sowie positiven Einfluss auf das Mikroklima haben, könnte sich
auch hierin ein Ansatzpunkt zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel bieten.
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Auch hier gilt jedoch der Vorrang von Festsetzungsmöglichkeiten in Bebauungsplänen – die Dach-
begrünung gehört mittlerweile zu den Standardfestsetzungen.
Für Satzungen, die die Begrünung und Bepflanzung von beispielsweise Vorgärten zum Inhalt ha-
ben (entsprechend § 86 Abs. 1 Nr. 4 BauO NRW a.F.), ist mit der ersatzlosen Streichung der Be-
griffe „Begrünung und Bepflanzung“ die Ermächtigungs grundlage entfallen, wodurch entspre-
chende „Vorgartensatzungen“ unwirksam geworden sind (Änderung der BauO NRW in Kraft seit
01.01.2019). Zwar bietet § 89 Abs. 1 Nr. 5 BauO NRW die Möglichkeit Satzungen zur „Gestaltung
[…] der unbebauten Flächen der bebauten Grundstücke“ zu erlassen, der Gesetzesbegründung fol-
gend schließt dies jedoch die „gärtnerische Gestaltung“ ausdrücklich nicht ein. Damit entfällt die
Möglichkeit mittels Erlass örtlicher Bauvorschriften, die Freihaltung bestimmter Flächen (z.B.
Vorgärten, Stellplätze etc.) für den Rückhalt oder die Ableitung von Starkregen zu gewährleisten.
Auch hier sind Festsetzungen in den Bebauungsplänen grundsätzlich vorzuziehen.
Informelle Instrumente
Die Ausarbeitungen zu wassersensiblen Stadtgestaltung können – wie auch andere städtische
Broschüren im Umweltbereich – Investoren für die Ausarbeitungen von Wettbewerbsauslobun-
gen sowie ihre Planungen mit an die Hand gegeben werden und so für die Umsetzung der einzel-
nen Maßnahmen – soweit sie nicht sowieso verpflichtend sind – werben.
Als weitere Broschüren können z.B. benannt werden
• der Flyer zur naturnahen Vorgartengestaltung für den Klima- und Artenschutz „Grün
statt Grau“
• Broschüre zum Projekt „Gärten Grüne Oasen für Spatz & Co –damit Tiere nicht nur
Zaungäste bleiben“
• Klimaleitlinien Stadt Köln
• Stadtstrategie Kölner Perspektiven 2030
• „GRÜNhoch3 Dächer | Fassaden | Höfe“
• Förderprojekt „Wasser muss zum Baum“
Fazit: Das Baugesetzbuch und die Landesbauordnung ermöglichen bau - und planungsrechtlich
die Umsetzung der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung. In der Praxis ist es oftmals
Thema des Vollzugs, dass Kontrollen und entsprechende ordnungsrechtliche Maßnahmen nicht
immer umgesetzt werden können.
5.3 Daseinsvorsorge und Gefahrenabwehr
Die Garantie der kommunalen Selbstverwaltung gemäß Artikel 28 Absatz 2 GG beschreibt das
Recht der Gemeinden, die Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in
eigener Verantwortung zu regeln. Die Ausgestaltung der kommunalen Selbstverwaltung erfolgt in
den landesrechtlichen Kommunalgesetzen (Gemeindeordnung, Kreisordnung, etc.). Gegenstand
der kommunalen Selbstverwaltung sind insbesondere die Bereiche der Daseinsvorsorge und der
örtlichen Gefahrenabwehr.
Rechtsinstrumente zum Umgang mit Starkregen und anderen Extremwetterlagen finden sich im
Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz (BHKG ). Hiernach
sind die Gemeinden verpflichtet, unter Beteiligung ihrer Feuerwehr , Brandschutzbedarfspläne
und Pläne für den Einsatz der öffentlichen Feuerwehr auch im Bereich der Hilfeleistung außerhalb
von Bränden aufzustellen und umzusetzen (§ 3 Abs. 3 BHKG). Die Kreise haben unter Beteiligung
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der Gemeinden Katastrophenschutzpläne aufzustellen (§ 4 Abs. 3 BHKG). Sowohl Brandschutzbe-
darfs- wie auch Katastrophenschutzpläne sind alle fünf Jahre unter Würdigung der gesamten ört-
lichen Sachlage fortzuschreiben und gegebenenfalls sich ändernden Rahmenbedingungen anzu-
passen. Zu den einbezogenen Rahmenbedingungen gehören dabei auch veränderte Anforderun-
gen durch den Klimawandel. Zur Koordinierung von Großeinsatzlagen und Katastrophen wie bei-
spielsweise Extremwetterereignissen richten Kreise und kreisfreie Städte Krisenstäbe und Ein-
satzleitungen ein (§ 35 Abs. 1 BHKG).
Fazit: Die Regelungen im BHKG beziehen sich nicht auf spezifische Maßnahmen zur Starkregen-
vorsorge, sondern betreffen den Einsatz der (örtlichen) Feuerwehr im Brand- und Katastrophen-
fall. Sie regeln die Zuständigkeit der Feuerwehr und bestimmen feuerpolizeiliche Maßnahmen.
Die wasserwirtschaftliche Klimafolgenanpassung verfolgt demgegenüber einen gefahrenspezifi-
schen Ansatz. Sie soll Gefahren aus Starkregenereignissen vorbeugen. Im Kollisionsfall dürfen je-
doch Maßnahmen aus de r wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung den Brand- und Kata-
strophenschutzplänen nicht widersprechen.
Aus rechtlicher Sicht bestehen keine grund sätzlichen Hinderungsgründe gegen die Umsetzung
von Maßnahmen der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung . Um langfristig die stra tegi-
schen Ziele der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung zu erreichen, sind im Rahmen der
rechtlichen Möglichkeiten die Maßnahmen in die jeweiligen Planungsprozesse einzubinden. So
gilt es, mit der Stadt Köln die Umsetzung de r wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung zu
verabreden. Dies ist z.B. die Unterstützung bei der Formulierung von Standards und textliche n
Festsetzungen und Hinweise im Rahmen von Bebauungsplanverfahren. Die Maßnahmen, die nicht
über Bebauungsplanverfahren geregelt werden - dies können z.B. der Neubau, der Ausbau und
die Sanierung von öffentlichen Flächen, wie Straßen- und Platzflächen, aber auch der öffentlichen
und privaten Gebäude sein - sind über geeignete Verträge und Vereinbarungen festzulegen.
6 Akteure zur Umsetzung der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpas-
sung
Zur Umsetzung der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung ist eine Kooperation zwischen
der Stadt Köln und den StEB Köln notwendig. Die unten aufgeführte Liste gibt einen ersten Über-
blick über mögliche beteiligte Ämter und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird
deutlich, dass die Umsetzung einer wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung eine Quer -
schnittsaufgabe unterschiedlicher Dezernate und Ämter der Stadtverwaltung Köln und der StEB
Köln ist. Eine enge Kooperation zwischen den einzelnen Dezernaten und Ämtern innerhalb der
Stadt Köln und der StEB Köln ist zwingend notwendig.
Tabelle 2: Integration wasserwirtschaftlicher Klimafolgenanpassung Stadt Köln: Auflistung relevanter Ämter
Stand: Januar 2021.
Dezernat/Amt Aufgabenbereich
Dezernat OB
Amt für Presse und Öffentlich-
keitsarbeit (13)
Aktuelle und mediengerechte Information von Presse, Hörfunk,
Fernsehen, Nachrichtenagenturen und ihren Beauftragten; Konzepti-
onelle Planung und Koordination der gemeindlichen Öffentlichkeits-
arbeit; Veröffentlichung amtlicher Bekanntmachungen als Anzeigen;
Bürgerbüro
15
Rechtsprüfungsamt (14) Prüfung von städtischen Vergaben
Dezernat I (Allgemeine Verwaltung , Ordnung und Recht)
Amt für Informationsverarbei-
tung (12)
Planung, Weiterentwicklung und Betrieb der IT-, Netz- und Tele-
kommunikationsinfrastruktur, Bereitstellung von (georeferenzier-
ten) Daten
Amt für öffentliche Ordnung
(32)
Nutzung von öffentlichen Verkehrsflächen, z. B. für Großveranstal-
tungen, Umzüge, Sportveranstaltungen, Wahlkampfveranstaltungen,
Veranstaltungen unter freiem Himmel wie Straßen- und Volksfeste,
Trödel- und Antikmärkte, Zirkusgastspiele, Vergabe von Festplätzen;
Sonstige Nutzungen, wie Film- und Drehgenehmigungen, Nutzungen
von Grünflächen, Informations- und Verkaufsstände, Blumenkübel,
Warenauslagen, Kioske, Pyrotechnik/Feuerwerk, Erlaubnisse nach
dem Sprengstoffgesetz
Amt für Recht, Vergabe und
Versicherung (30)
Durchführung der Vergabeverfahren (VOB, VOL, VOF) für alle städti-
schen Ämter, Eigenbetriebe und eigenbetriebsähnlichen Einrichtun -
gen; Rechtsberatung für die Verwaltung
Dezernat II (Finanzen)
Kämmerei (20) Finanzwirtschaftliche Grundsatzfragen; Finanzplanung
Dezernat III (Mobilität und Liegenschaften)
Amt für Liegenschaften,
Vermessung und Kataster (23)
Verwaltung von unbebautem und bebautem Fiskalbesitz inkl. der
städtischen Gaststätten sowie der städtischen Parkhäuser und Tief-
garagen; Führung des amtlichen Liegenschaftskatasters; Manage-
ment von Geodaten, Geschäftsstelle Geobeirat; Ingenieurvermes-
sung;
Bauverwaltung (62)
Aufgaben zur Verwaltung des Straßenraums im Sinne der Straßen-
gesetze (Widmung und Entwidmung öffentlicher Verkehrsflächen,
Entscheidung über Inanspruchnahme des Straßenraumes als Son-
dernutzung oder sonstige Benutzung); Durchführung von Erschlie-
ßungsmaßnahmen (insbes. Abschluss und Abwicklung von Er schlie-
ßungsverträgen) und Sicherung der Erschließung im Bauleitplanver-
fahren
Amt für Verkehrsmanagement
(64)
Baustellenkoordinierung, Verkehrserhebungen/Wegweisung, Son-
dernutzungen im öffentlichen Straßenland (Aufstellen von Bau zäu-
nen, Gerüsten, Containern), Verkehrsleitzentrale, Verkehrsum leitun-
gen, Planung, Bau und Betrieb von Lichtsignalanlagen, Öffentliche
Beleuchtung, Intelligente Verkehrslösungen
Amt für Straßen und Verkehrs-
entwicklung (66)
Aufgaben des Wegebaues und der Wegeverwaltung (Entwurf, Neu-
bau und Unterhaltung von öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen
einschl. Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflicht; Entwurf,
Neubau und Unterhaltung von Straßen, Wegen und Plätzen auf nicht
öffentlichen städt. Grundstücken im Auftrag der zuständigen Dienst-
stellen); Koordinierung aller Arbeiten der im Straßenraum tätigen
Versorgungsbetriebe
Amt für Brücken, Tunnel und
Stadtbahnbau (69)
Entwurf, Neubau (Projektleitung und Koordination) und Unterhal-
tung von Stadtbahn-Bauwerken, Brücken, Tunneln, Tiefgaragen,
Lärmschutzwänden; Vergabe von Lieferungen und Leistungen zur
Ausführung von Bauvorhaben im Stadtbahn- und Brückenbau sowie
sonstigem Ingenieurbau
Dezernat IV (Bildung, Jugend und Sport)
Amt für Schulentwicklung (40)
Schulbau und -betreuung; Einrichtungsplanung von Schulneubauten,
Erweiterungsbauten, industriellen Fertigbauten und Beschaffung
von Mobiliar, Unterrichtsmitteln und Sportgeräten (Erstbedarf, für
den naturwissenschaftlichen Bereich auch Ersatzbeschaffung)
16
Amt für Kinder, Jugend und Fa-
milie (51)
Bauangelegenheiten, Verwaltung und Betrieb der städtischen Tages-
einrichtungen für Kinder und Jugendhilfeeinrichtungen
Sportamt (52) Sportstättenbau/-generalinstandsetzung; Pflege und Unterhaltung
von Sportstätten; Sportanlagenkataster
Dezernat V (Soziales, Umwelt, Gesundheit und Wohnen)
Koordinationsstelle Klima-
schutz (V/7)
Strategische Ausrichtung des gesamtstädtischen Klimaschutzprozes-
ses, zentrale Ansprechpartnerin zu den Themen Klimaschutz und
SmartCity Cologne für Verwaltung, Politik, Investorinnen und Inves-
toren sowie Unternehmen in Köln, Projektkoordination, Ab stimmun-
gen zwischen den beteiligten Akteurinnen und Akteuren.
Amt für Soziales, Arbeit und
Senioren (50)
Aufsicht über Pflegeheime und sonstige Einrichtungen der Alten-
und Behindertenhilfe in der Trägerschaft von Verbänden der freien
Wohlfahrtspflege, privater Trägerschaft und kommunaler Träger-
schaft
Gesundheitsamt (53)
Kommunale Aufgaben der Krankheitsprävention und Gesundheits -
förderung einschl. der gesundheitlichen Aufklärung der Bevölke-
rung; Gesundheitlicher Umweltschutz, umweltmedizinische Bera-
tung
Umwelt und Verbraucher-
schutzamt (57)
Aufgaben der Unteren Wasserbehörde nach dem Wasserhaushalts-
gesetz, Landeswassergesetz Nordrhein-Westfalen und den hierzu er-
lassenen Verordnungen; Vertretung der Umweltbelange im Bau- und
Fachplanungsrecht; Anpassung an den Klimawandel, GRÜN hoch 3
Dächer | Fassaden | Höfe, Hitzeaktionsplanung, Klimawandelge-
rechte Metropole Köln, Iresilience, Arbeitskreis Klimawandelanpas-
sung mit den StEB Köln, Stadtklimatologie
Dezernat VI (Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Wirtschaft)
Amt für Stadtentwicklung und
Statistik (15)
Grundsatzfragen nachhaltiger Stadtentwicklung; Gesamtstädtische
und teilräumliche Entwicklungsplanungen und Nutzungsstruktur-
konzepte für kleinräumige Projektentwicklungen;
Gebäudewirtschaft der Stadt
Köln (26)
Erstellung der Hochbaustatik. Gutachten und Planung zu Dachauf -
bau, Akustik, Schall-, Wärme-, Brandschutz, Bauphysik in städtischen
Hochbauten
Stadtplanungsamt (61)
Aufstellung und Änderungsverfahren des Flächennutzungsplanes
(FNP) einschl. großräumige Fortschreibung des FNP mit vorberei-
tenden Integrierten Raumanalysen; Aufstellung von Bebauungs plä-
nen von der Erarbeitung des Städtebaulichen Planungskonzeptes bis
zur Rechtskraft sowie Änderungen und Aufhebungen; Durchführung
von Umweltprüfungen und Gestaltung des öffentlichen Raums im
Rahmen der Bauleitplanung;
Bauaufsicht (63)
Baugenehmigungen (Prüfung und Bescheidung von Anträgen bei Er -
richtung, Änderung, Nutzungsänderung und Abbruch baulicher An-
lagen einschließlich evtl. erforderlicher Abweichungen und Befrei-
ungen);
Amt für Landschaftspflege und
Grünflächen (67)
Rekultivierungs- und Renaturierungsplanungen für geschädigte
Landschaftsbestandteile (Bachläufe, Gruben, Deponien usw.); Pla-
nung, Ausbau und Unterhaltung öffentlicher Grünflächen; Organisa-
tion, Planung und Durchführung von Sonderprogrammen (Fassaden-
begrünung, Hofbegrünung usw.); Pflege des Straßenbegleitgrüns;
Dezernat VII (Kunst und Kultur)
Stadtkonservator, Amt für
Denkmalschutz und Denkmal-
pflege (48)
Denkmalschutz und Denkmalpflege, Bauforschung
17
Neben den StEB Köln und der Stadt Köln sind weitere Akteure und Partner aus der Zivilgesell-
schaft notwendig, um das Strategiekonzept zur wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung er-
folgreich umzusetzen. Diese Kooperation sollte dazu führen, dass die allgemeine Akzeptanz in der
Gesellschaft für Maßnahmen der Klimafolgenanpassung steigt. Auch können Partner aus der Zi-
vilgesellschaft bei der mittel- und langfristigen Planung und Betreuung von Maßnahmen einbezo-
gen werden. Die unten aufgeführte Auflistung stellt einen ersten Überblick von Partnern aus der
Zivilgesellschaft dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
- RheinEnergie (RE)
- Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
- Naturschutzbund Deutschland (NABU)
- Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU)
- GAG Immobilien
- Haus und Grund
- Kölner Zoo
- Industrie und Handelskammer und Unternehmen (z.B. Messe, Ford, etc.)
- Bezirksregierung Köln (Regionalplan)
- Kölner Grünstiftung
- Feuerwehr Köln (Forschungszentrum)
- Universität zu Köln und TH Köln sowie weitere Forschungseinrichtungen
7 Stand der Technik, Wissenschaft und Forschung
Die wissenschaftliche Untersuchung des Klimawandels und seiner weitreichenden Implikationen
auf unterschiedlichen räumlichen Ebenen und Handlungsbereiche unserer Gesellschaft ist Gegen-
stand intensiver Forschung. Während die Existenz des Klimawandels aus wissenschaftlicher Sicht
eindeutig belegt ist und über Modelle und Klimaszenarien zukünftige Entwicklungen abgebildet
werden können, rückt auch das Themenfeld der Klimafolgenanpassung insbesondere in urbanen
Gebieten in den letzten Jahrzehnten vermehrt in den wissenschaftlichen Fokus. Eine Abfrage über
die Suchmaschine Google Scholar zur allgemeinen Literaturrecherche wissenschaftlicher Doku-
mente verdeutlicht den Umfang der Forschungsbestrebungen. Legt man einen Betrachtungszeit-
raum der Jahre 2000-2020 zugrunde, können durch Eingabe unterschiedlicher Suchwortkombi -
nationen die nachfolgenden Ergebniszahlen in absteige nder Reihenfolge generiert werden:
1.000.000 (Climate change adaption ), 260.000 ( Green blue infrastructure ), 138.000 ( Urban resi-
lience climate change), 87.000 ( Climate change urban heat island ), 47.000 ( Sponge city). Die Da-
tenbank des Kompetenzzentrums Klimafolge und Anpassung (Kompass) des Umweltbundesamts
(UBA) liefert 542 Ergebnisse für die Forschungslandschaft „Anpassung an den Klimawandel“ auf
bundesweiter Ebene. Eine vollumfängliche Darstellung des Forschungsgeschehens ist angesichts
der Fülle und der dynamischen Entwicklung von Forschungsvorhaben daher auch auf bundeswei-
ter Ebene nur schwer möglich. Eine Übersicht der wichtigsten Projekte im Rahmen urbaner
Klimaanpassung in Deutschland und ausgewählter internatio naler Forschungsvorhaben ist dem
Anhang 1 zu entnehmen. Das vorliegende Konzept baut partiell auf den Forschungs ergebnissen
der Projekte KURAS, netWorks und SAMUWA auf. Diese werden nachfolgend näher erläutert.
18
7.1 netWORKS
Das Projekt NetWORKS teilt sich in 4 Forschungsprojekte auf, di e der Frage nachgehen, wie eine
Siedlungswasserwirtschaft der Zukunft aussehen kann.
Das Forschungsprojekt netWORKS 1 wurde im Schwerpunkt "Sozial-ökologische Forschung" des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Zeitraum von 11/2002 - 03/2006 ge-
fördert. Es hatte zum Ziel, ein nachhaltiges Strategiekonzept für die netzgebundene Wasserinfra-
struktur zu entwickeln. Die zugrunde liegenden Annahmen sind, dass sich mit der Änderung über-
geordneter Strukturen, wie z.B. den Siedlungsstrukturen, auch die Anforderungen an das System
ändern. Dadurch werden Kommunen vor immense Herausforderungen gestellt. Wie kann das Sys-
tem weiterhin zukunftsfähig sein? Wie kann weiterhin die gute Service-Qualität erhalten werden?
- sind zentrale Forschungsfragen. Ziel von netWORKS 1 ist es, den Kommunen Fachwissen und
Transformationswissen zu vermitteln, um sich auf diese Weise an die Zukunft anzupassen.
Die Ergebnisse des Projektes netWORKS 1 wurden im A nschluss-Projekt netWORKS 2 aufgegrif-
fen (Förderzeitraum 07/2007 - 12/2009). Das Forschungsprojekt verfolgt die Grundan nahmen,
dass es bisher sinnvoll war, Wasserversorgungs - und Entsorgungs-Systeme zentralisiert zu pla-
nen und zu unterhalten. Jedoch stellen Schrumpfungstendenzen und der fortschreitende Klima-
wandel die städtische Infrastruktur vor Herausforderungen: Unter - und Überlasten, sowie ext-
reme Schwankungen innerhalb der Systeme sind die Folge. Diese aktuellen Tendenzen ziehen Pla-
nungsunsicherheiten mit sich – Stadtrückbau, sowie Stadtumbau werden selten ganzheitlich ge-
dacht und die Folgekosten sind oft unklar. netWORKS2 hat das Ziel, Referenzkonzepte zu ent wi-
ckeln und zu untersuchen, wie der wasserwirtschaftliche Anpassungsbedarf in Stadtkonzepte
über semi- und dezentrale Maßnahmen eingeflochten werden kann.
Das Forschungsprojekt netWORKS 3 wurde innerhalb der Fördermaßnahme "Intelligente und
multifunktionelle Infrastruktursysteme für eine zukunftsfähige Wasserversorgung und Ab was-
serentsorgung (INIS)" im Förderschwerpunkt "Nachhaltiges Wassermanagement (NaWaM)" als
Bestandteil des BMBF-Programms "Forschung für nachhaltige Entwicklungen (FONA)" vom Bun-
desministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert (Förderzeitraum Mai 2013 bis April
2016). Grundannahme des Forschungsprojektes ist, dass Wasserwirtschaftsunternehmen/ -be-
triebe zunehmend auf weitreichende ökologische, ökonomische und gesellschaft liche Verände-
rungen reagieren müssen. Lösungen wurden bereits vor diesem Hintergrund ent wickelt, fanden
jedoch bislang keine flächendeckende Anwendung. Als Hauptgrund wurden die vielen Unklarhei-
ten und Unsicherheiten benannt. Um darauf zu reagieren, wurden in netWORKS 3 Handreichun-
gen entwickelt, wie Umsetzungsprozesse neuartiger Systemlösungen gelingen können. Dazu wur-
den Kosten abgeschätzt und i n Modellregionen Systemlösungen simuliert, bewertet und umge-
setzt.
Während in den netWORKS Forschungsprogrammen 1-3 die Erprobung von einzelnen Maßnah-
men im Vordergrund steht, rückt der Verknüpfungsgedanke bei netWORKS 4 in den Vordergrund.
Das Forschungsprojekt netWORKS 4 wurde innerhalb der Fördermaßnahme "Nachhaltige Trans-
formation urbaner Räume" im Förderschwerpunkt "Sozial -ökologische Forschung" als Be stand-
teil des BMBF -Programms "Forschung für nachhaltige Entwicklungen (FONA)" vom Bundes mi-
nisterium für Bildung und Forschung (BMBF) im Zeitraum von Oktober 2016 bis September 2019
gefördert. Die Grundannahme ist, dass Wasserinfrastruktur klimarobust und anpassungs fähig,
also resilient gegenüber Starkregen und langen Hitzeperioden ausgelegt sein sollte und den res-
sourcenschonenden Umgang mit Wasser unterstützt. Um dieses Ziel zu erreichen, muss blaue,
grüne und graue Infrastruktur auf sinnvolle Weise miteinander verknüpft werden. Im Rahmen
19
von netWORKS 4 wurden Infokarten entwickelt, die einzelne Maß nahmen vorstellen, um einen
Dialog auf Augenhöhe mit Fachplanern und fachfremden Akteuren zu ermöglichen, damit eine
integrierte Planung und Kopplung gelingen kann (WINKER et al. 2019).
7.2 SAMUWA
Das vom BMBF im Programm "Intelligente und multifunktionel le Infrastruktursysteme für eine
zukunftsfähige Wasserversorgung und Abwasserentsorgung" (BMBF -INIS) geförderte For-
schungsprojekt SAMUWA entwickelt die bestehende Planung und den Betrieb von Ent wässe-
rungssystemen weiter. Dazu wird ein interdisziplinäres Vorgehensmodell mit abge stimmten
Maßnahmen zur wassersensiblen Stadtgestaltung entwickelt und in 4 Beispielquartieren erprobt.
Ziel der Maßnahmen war es, den natürlichen Wasserhaushalt wieder herzu stellen und das Ma-
nagement des urbanen Wasserhaushaltes anpassungsfähiger zu gestalten. Das im Rahmen von
SAMUWA entwickelte Vorgehensmodell verzahnt herbei Wasserwirtschaft, Stadt- und Freiraum-
planung.
Als Modellgebiete wurden Wuppertal, Münster, Reutlingen und Gelsenkirchen ausgewählt. In
Wuppertal wurden ein zukunftsfähiges Niederschlagsmanagement, eine verschmutzungsabhän-
gige Abflusssteuerung und Maßnahmen zur dezentralen Niederschlagswasserbehandlung unter-
sucht. In Münster wurde ein Planungstool zur Regenwasserbewirtschaftung, sowie Stufen-Modul-
konzepte entwickelt und erprobt. Im Projektgebiet Reutlingen wurde u.a. die Zuflussmenge der
Kläranlage im Falle eines Regenereignisses interaktiv gesteuert. Regenwasserrückhalt und –Ver-
sickerung wurden in Gelsenkirchen in urbane Freiräume integriert und ein Tool e ntwickelt, mit
dem die Interaktionen von Kanalsystem und Grundwasser abgeschätzt werden können. Region
übergreifend wurde ein Best-Practice-Katalog für Städtebauliche Leitbilder und die Entwicklung
der Siedlungsentwässerung erstellt, bei denen die Diszip linen Landschaftsplanung und Wasser-
wirtschaft Belange aus den Bereichen urbaner Freiraumgestaltung und Siedlungswasser wirt-
schaft miteinander verknüpft haben. Dazu wurden die Organisation und die institutionellen Rah-
menbedingungen von Planungsabläufen analysiert und Hemmnisse aufgespürt. Darüber hin aus
wurden Maßnahmen und Simulation zur Abflusssteuerung sowie Software und Leitfäden zur Pro-
zessoptimierung entwickelt.
7.3 KURAS
Das Projekt KURA S (Konzepte für urbane Regenwasserbewirtschaftung und Abwassersysteme)
wurde vom BMBF im Rahmenprogramm „FONA - Forschung für nachhaltige Entwicklungen“ in-
nerhalb der Fördermaßnahme „Intelligente und multifunktionelle Infrastruktursysteme für eine
zukunftsfähige Wasserversorgung und Abwasserentsorgung“ im Zeitraum von Juni 2013 – Okto-
ber 2016 gefördert. Es umfasst die exemplarische Darstellung der Regenwasserbewirtschaftungs-
maßnahmen in zwei Modellquartieren in Berlin, sowie die Untersuchung für Maß nahmen gegen
Über- und Unterlast im Kanalnetz.
Im Rahmen des Projektes wurden zwei Leitfäden entwickelt. Im Leitfaden mit dem Schwerpunkt
„Abwassersysteme“ wurden zunächst beispielhaft an einem Berliner Stadtbezirk die zu erwarten-
den Veränderungen durch den Kli mawandel und die sich verändernde Demografie beschrieben,
und die Auswirkungen auf das Kanalsystem analysiert. Darauf aufbauend wurden Maßnahmen
entwickelt und kombiniert, welche dann wiederum experimentell und als Simulation überprüft
wurden. Daraus ergeben sich Handlungsempfehlungen für Abwassersysteme. Der zweite Leit fa-
den umfasst den Schwerpunkt „Regenwasserbewirtschaftung“. Auch hier wurden zwei Berliner
Modellquartiere ausgewählt, anhand derer die im Projekt entwickelte KURAS -Methode erprobt
20
wurde. Dazu wurde zunächst die Problemlage analysiert und die Machbarkeit überprüft. In einem
nächsten Schritt wurden Stakeholder mit in die Planung miteinbezogen. Gemeinsam wurden Ziele
definiert und darauf aufbauend Maßnahmen ausgewählt und miteinander kombiniert. Diese Kom-
binationen wurden im weiteren Verlauf auf ihre Auswirkungen auf die Wasserbilanz, auf die Frei-
raumqualität, das Stadtklima, die Biodiversität, die Oberflächengewässer und das Grundwasser
untersucht. Des Weiteren wurden die Ökobilanz und die K osten betrachtet. Die verschiedenen
Maßnahmen wurden in Steckbriefen erklärt, die Kosten und Nutzen eingeordnet und Hinweise
für die Planung kommuniziert.
8 Umsetzung in anderen Großstädten
Konzepte zur wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung und daraus abgeleitete Maßnahmen
werden bereits seit vielen Jahren in anderen Städten sowohl national als auch international mit
großem Engagement entwickelt und umgesetzt. Der Begriff der „Schwammstadt“ wird in diesem
Zusammenhang häufig als Synonym für eine wassersensible Klimafolgenan passung verwendet.
Aus Gründen der Vergleichbarkeit in Hinblick auf großklimatische Verhältnisse werden Städte
aus tropischen oder subtropischen Regionen nachfolgend nicht näher betrachtet. Eine exemplari-
sche Darstellung von Maßnahmen der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung beschränkt
sich im Folgenden auf die Städte Rotterdam, Kopenhagen und Hamburg.
8.1 Rotterdam
Organisation und Regelungen
Da es für eine effiziente Regenwasserbehandlung sinnvoll ist, sich nicht nur a uf den öffentlichen
Raum zu konzentrieren, sondern auch gezielte Maßnahmen im privaten Bereich in Betracht zu
ziehen, wurde in Rotte rdam das Umweltmanagementgesetz erlassen. Mit dem Umweltmanage -
mentgesetz erhält die Gemeinde die Befugnis durch Verordnungen Regeln für die Aufbereitung
von Regenwasser festzulegen. Die Gemeinde legt diese Regeln in einer Regenwasserverordnung
fest. Die Regenwasserverordnung wird dadurch zum Teil des Prozesses, den neue Bauprojekte
durchlaufen müssen, um eine Umweltgenehmigung (und damit eine Baugenehmigung) zu erhal-
ten. Dabei ist die Regenwasserverordnung so zu gestalten, dass sie den Anforderungen des Um -
weltgesetzes entspricht. Die Regenwasserverordnung Rotterdams sieht vor, dass bei Neubaupro-
jekten Regenwasser nicht oder so wenig wie möglich in die Kanalisation eingeleitet wird. Des Wei-
teren sind für bestehende Gebäude die Abtrennung des Regenwassers aus dem Mischsystem und
der Anschluss an die zentralen Regenwassersysteme vorgesehen.
Für neue Gebäude gilt eine Mindestanforderung von 50 mm Wasserspeicher , die im Verhältnis
zur Oberfläche des neuen Bauwerks und der Pflasterung steht. Mit dieser Mindestanforderung
soll gewährleistet werden, dass der größte Anteil des Niederschlags vor Ort behandelt werden
kann. Die Zahl basiert auf den Ausführungen des „Standardization of Precipitation Events Stress
Test Flooding“ und zeigt die erwarteten Wiederkehrzeiten von Niederschlagsereignissen für das
aktuelle Klima und das zu erwartende Klima im Jahr 2050 (schriftlicher Kontakt mit Rotterdam).
Für den Ausbau von Kanälen und Wasserwegen, der Schaffung von Gründächern und neuen Grün-
flächen und den Bau von Wasserplätzen (Multifunktionale Flächen) war eine Analyse der derzei-
tigen und zukünftigen wasserwirtschaftlichen Situation Rotterdams auf gesamtstädtischer Ebene
die Planungsgrundlage.
21
Finanzierung
Die Anpassungsprojekte werden größtenteils durch Kommunalgelder finanziert. Die Kosten wer-
den durch Wasserbehörden und nationale sowie regionale Subventionen kofinanziert. Die Haupt-
finanzierungsquelle für wasserbezogenen Maßnahmen ist die Abwassergebühr. Die Gebühr
wurde in den letzten Jahren erhöht, sodass die Investitionskosten der Wasserplätze zum Teil auch
aus diesem Budget finanziert werden konnten. Zusätzlich gibt es für die Entwicklung von Wasser-
plätzen noch ein von der Regierung genehmigtes Investitionsbudget. Aktuell wird ein Klimaan -
passungsplan aktualisiert (Rotterdams WeerWood) der die Grundlage für eine Budgetanfrage
beim Stadtrat für die Umsetzung von wasserbezogenen Anpassungsmaßnahmen bilden wird.
Pilotprojekte
Die Stadt baut Strukturen, die an Wadis angelehnt sind, und bei Starkregen das Regenwasser auf-
nehmen und gezielt leiten soll en. Weitere Maßnahmen sind offene Wasserflächen. Mit dem Pro -
jekt des Sponge Garden soll getestet werden, welche Begrünung und welcher Untergrund beson -
ders gut geeignet sind, um als Schwamm zu fungieren und damit Wasser zu speichern und gleich-
zeitig Trockenheit vorzubeugen. In Rotterdam werden Projekte umgesetzt, die eine Mehrfachnut-
zung möglich machen. Dadurch findet eine horizontale Finanzierung zwischen den unterschiedli-
chen Ressorts statt, wodurch Projekte einfacher integriert geplant, gebaut und abgerechnet wer-
den können (BBSR 2015).
Ein öffentlicher Platz, dessen vorrangige Nutzung als Aufenthaltsort und Sportfläche dient, wurde
zu einer Multifunktionalen Fläche umgebaut. Bei Starkregen sammelt sich Regenwasser im tiefer-
liegenden Bereich des Platzes. Dort wird es in drei Becken mit einer Einstauhöhe von 2 m zwi-
schengespeichert. Das Regenwasser über große Edelstahlrinnen transportiert, die im Normalfall
von Skatern genutzt werden können. Des Weiteren bietet der Platz eine Wasserwand und ei nen
Regenbrunnen, die ebenfalls Regenwasser transportieren. Das Dachwasser der benachbarten Ge-
bäude wird über den Regenbrunnen zum Platz geleitet. Im Anschluss an das Starkregenereignis
wird das Regenwasser über eine unterirdische Filteranlage dem Grundwasserkörper zugeführt
(KIND et al., 2019).
Ein weiterer Quartiersplatz wurde im Zuge seines Umbaus als Wasserplatz gestaltet. Dafür wurde
auf dem grünen Platz eine tiefliegende, versiegelte Fläche geschaffen, die Regenwasser auffängt
und zurückhält. Bei Hitze kann das Becken auch gezielt geflutet werden, sodass eine Spielmög -
lichkeit für Kinder entsteht. Die Speicherkapazität des Beckens beträgt 864 m³ (KIND et al., 2019).
8.2 Kopenhagen
Organisation und Regelungen
Dem Klimawandel und den daraus resultierenden Folgen wird in Dänemark traditionell eine
große Beachtung geschenkt. Bereits im Jahr 2011 hat die Stadt Kopenhagen den „Climate Adap -
tion Plan“(COWI et al. 2011) verabschiedet. Der Plan beschreibt Anpassungsstrategien an sich
verändernde Klimabedingungen. Auf Basis des Anpassungsplans wurde der „Cloudburst Manage-
ment Plan“ (Kopenhagen 2012) aufgestellt. Hauptziel ist die Erhöhung der Resilienz gegenüber
Klimawandel bedingten Starkregenereignissen. Des Weiteren soll der Plan auch dazu beitragen,
die Stadt durch die Schaffung neuer und attraktiver Grünflächen lebenswerter zu gestalten.
Durch die Anfertigung von Überflutungs- und Risikokarten wurden Maßnahmen definiert, welche
die Stadt bis 2033 umsetzen soll. Die Maßnahmen sollen die Stadt vor einem Unwetter schützen,
welches statistisch nur alle 100 Jahre wiederkehren sollte. Gegenwärtig ist die Stadt nur gegen ein
22
10-jähriges Unwetter geschützt. Die Maßnahmen werden nach Priorität umgesetzt. Neben klassi-
schen (multifunktionalen) Retentionsflächen, wie z.B. Parks oder Spielplätzen, wird die Stadt Ko-
penhagen in bestimmten Fällen auch zusätzliche unterirdische und oberirdische Regenwasserka-
näle bauen, um Regenwasser in die Ostsee oder in Stadtseen abzuleiten. Diese Maßnahmen sollen
insbesondere dort angewandt werden, wo zusätzliche Retentionsräume aus Platzgründen nicht
umsetzbar sind. Zusätzlich zu den Planungen, welche erst 2033 abgeschlossen sein werden, soll
ein „Emergency Response Plan“ umgesetzt werden, der besonders die kritische Infrastruktur (z.B.
Krankenhäuser) vor Starkregenereignissen schützen soll. Insgesamt werden Kosten von 3,8 Mrd.
DKK (ca. 510 Mio. Euro) zur Umsetzung des „Cloudburst Management Plans“ veranschlagt.
Der Plan wird maßgeblich von der Stadt Kopenhagen und der angrenzenden Kommunen Fre-
deriksberg getragen. Als wesentliche Akteure sind auch die beiden lokalen Energieversorger
Energi und Frederiksberg Forsyning zu nennen. Von einem partnerschaftlichen Ansatz aus ge-
hend, sind auch weitere Akteure der Stadtgesellschaft eingeladen sich einzubringen. Insbe son-
dere lokale Unternehmen und Personen sollen aktiviert werden, um vor Ort Maßnahmen auch auf
privaten Grund umzusetzen und zu betreuen. Anzumerken ist, dass der „Cloudburst Management
Plan“ rechtlich nicht bindend ist. Um in der Praxis umgesetzt zu werden, müssen die Maßnahmen
in die allgemeine Stadtplanung, wie den „Municipal Master Plan“, aufgenommen werden.
Finanzierung
Gegenwärtig geht man davon aus, dass die Umsetzung des Plans ca. 3,8 Mrd. DKK kosten wird.
Dieser Summe stehen ca. 5-6 Mrd. DKK (ca. 670 – 810 Mio. Euro) Schäden durch Starkregenereig-
nisse in den letzten Jahren gegenüber. Die Finanzierung soll maßgeblich über die Abwasser ge-
bühren erfolgen. Weiter Finanzquellen sind allgemeine Steuern und private Mittel. Um die Finan-
zierung über die Abwassergebühren zu ermöglichen wurde vorgeschlagen, die Gebührenordnung
durch die Zentralregierung für ganz Dänemark anzupassen. Bei der Erarbeitung des „Cloudburst
Management Plans“ war eine Finanzierung über die Gebühren rechtlich unzulässig. Um Starkre-
gen oberirdisch über Straßen ableiten zu dürfen, müsste ebenfalls das Bau- und Umweltrecht an-
gepasst werden. Auch dieses rechtliche Problem soll durch die Zentralregierung für ganz Däne-
mark angepasst werden.
8.3 Hamburg
Organisation und Regelungen
2017 lebten 1,8 Mio. Menschen in Hamburg (Stadt Hamburg). Seit 1990 verzeichnet Hamburg ei-
nen jährlichen Zuwachs an Siedlungs - und Verkehrsflächen von durchschnittlich ca. 163 ha,
wodurch hauptsächlich landwirtschaftliche Flächen reduziert wurden. Das Stadtgebiet Hamburgs
weist zurzeit eine Siedlungs- und Verkehrsfläche von 60 % auf (Stand 2009, HSE und BUE 2015).
Die zunehmende Innenverdichtung Hamburgs trägt dazu bei, dass der Versiegelungsgrad und so-
mit auch der Niede rschlagswasserabfluss erhöht wer den (HSE und BUE 2015 ). Aufgrund der
komplexen naturräumlichen Situation liegen sehr unterschiedliche Aus gangsbedingungen für
Siedlungs- und Entwässerungsaktivitäten vor (RISA, Strukturplan Regenwasser 2030).
Im Rahmen der RISA (Regeninfrastrukturanpassung Hamburg 2030) wurde der Wasserwirt -
schaftliche Begleitplan (WBP ) entwickelt. Der WBP verfolgt das Ziel, eine frühzeitige und inte-
grierte Planung zu veranlassen. Dabei soll eine angemessene und effiziente Integration der Be-
lange der Regenwasserbewirtschaftung in den Bebauungsplanprozess und in vorgeschaltete
Plan- und Wettbewerbsverfahren erreicht werden. Durch eine frühzeitige und funktionsgestalte-
rische Einbindung der wasserwirtschaftlichen Erfor dernisse in die städtebaulichen Planungen
23
sollen ein funktionierendes Entwässerungskonzept und die dafür benötigten Flächen sicherge-
stellt werden. Derzeit sind diese beiden Planungsinstrumente noch nicht vom Senat beschlossen
und sollen zunächst in Pilotprojekten auf ihre Tauglichkeit überprüft werden. Nach dem Ende des
Projekts wird dem hamburgischen Senat eine Entscheidungsgrundlage für die weitere Erstellung
vorgelegt (BBSR 2015).
Das Projekt RISA wurde von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) zusammen mit
HAMBURG WASSER initi iert. Um den unterschiedlichen und komplexen Aufgabenbereichen ge-
recht zu werden, wurden verschiedene Arbeitsgruppen gegründet, die von einzelnen Universitä-
ten wissenschaftlich beglei tet wurden. Im Bereich der Querschnit tsthemen (QT) sollen überge-
ordnete und verbindende Fragestellungen behandelt werden, um Synergien zu bündeln und ge-
meinsame Vorgehensweisen und Strategien zu erarbeiten und zu nutzen.
Abbildung 2: Die Organisationsstruktur von RISA (Quelle: HSE und BUE 2015).
Um eine wassersensible Stadtplanung umsetzen zu können ist eine enge Zusammenarbeit zwi -
schen der Wasserwirtschaft, der Stadtplanung, der Landschaftsplanung, der Verkehrsplanung,
der Wissenschaft, der Fachbüros und den Umweltschutzverbänden nötig. Durch das „ Integrated
Regional Water Management “ (IRWM) wird diese Zusammenarbeit gewährleistet, indem es die
Organisationsstruktur vorgibt, die sich aus verschiedenen Bausteinen zusammensetzt. Dabei be-
zieht sich die Organisationsstruktur auf Gesetzgebung, Maßnahmen, Planung, Finanzierung und
Kommunikation (HSE und BUE 2015).
Finanzierung
2012 hat Hamburg eine Niederschlagswassergebühr eingeführt, wodurch im Rahmen des Gebüh-
rensplittings indirekt die Umsetzung von dezentralen Regenwasserbewirtschaftungsmaßnahmen
gefördert wird. Staatliche Fördermittel und Ausgleichsregelungen können Anreize für das IRWM
darstellen. Einen wichtigen Baustein stellen die Grundstückseigentümer dar, die eigenständig zur
dezentralen Niederschlagswasserversickerung auf ihren Grundstücken beitragen sollen.
24
Die Kosten der dezentralen Niederschlagsentwässerung werden durch Einnahmen der Nieder -
schlagswassergebühr von Hamburg Wasser gedeckt, da die Gebühr dem Kostendeckungsprinzip
unterliegt. Die Mehrkosten für die zentrale Entwässerung über Binnengewässer und Gräben wer-
den aus dem Haushalt der Stadt Hamburg gedeckt. Durch das Verursacherprinzip wird in Verbin-
dung mit dem Kostendeckungsprinzip von Gebühren gegenüber Steuermitteln eine größere Pla -
nungssicherheit durch die gleichzeitige Zweckbindung der Einnahmen erreicht. Des Weiteren
wird eine Schutzzulage zur Niederschlagsentwässerungsgebühr für den weitergehenden Gewäs-
serschutz vorgeschlagen. Für übergeordnete und dem Allgemeinwohl dienliche Maßnahmen, die
bisher nicht durch die Gebührenzweckbindung erfasst werden, werden Fördermöglichkeiten und
Finanzierungsmodelle geprüft. Für die Erhebung einer Oberflächenentwässerungsgebühr wären
rechtliche Anpassungen im Hamburgerischen Abwassergesetz (HmbAbwG) und dem Hamburge-
rischen Wassergesetz (HWaG) erforderlich.
Pilotprojekte
Seit 2013 gibt es im Hamburger Stadtteil Neugraben -Fischbek den ersten Regenspielplatz
Deutschlands. Der Spielplatz ist mit Sickergruben und Regenwassermulden ausgestattet und leis-
tet somit bei Starkregen einen Beitrag zur Entwässerung des Stadtteils. Zusätzlich gibt es spezielle
Spielgeräte entlang der Flutmulde, die zum Spielen mit Wasser einladen. Des Weiteren informie-
ren Informationstafeln über den Zusammenhang von Regen, Versickerung und Grundwasserneu-
bildung, sodass der Spielplatz auch zur Umweltbildung beiträgt. Überschüssiges Regenwasser aus
dem Hamburger Sielnetz wird bei Starkregen von dem Spielplatz aufgenommen und zu einem
angrenzenden Brunnenschutzgebiet geleitet. Die Funktionalität und Wirksamkeit des Regenwas-
serspielplatzes konnte bereits validiert werden (UBA 2019).
Weiterhin hat die Stadt Hamburg hat eine Gründachoffensive für die Hamburger Schulen ins Le -
ben gerufen. Im Zuge dessen wurden seit Auflage des Programms mit einem Budget von 7,5 Mio.
Euro im Sommer 2018 bereits 3.000 m² Gründächer fertig gestellt. 100.000 m² befinden sich noch
in der Planung und knapp 30.000 m² werden zeitnah umgesetzt (Quelle: www.hamburg.de, Stand
22.07.2020). In neuen Bebauungsplänen ist eine Pflicht zur Dachbe grünung bei Neubauten fest-
geschrieben.
In der Grundschule Wegenkamp im Hamburger Stadtteil Stellingen fand eine Kooperation zwi -
schen RISA und dem Schulbau Hamburg statt. Dabei wurden das Regenwasser- und das Schmutz-
wassersystem saniert und eine Zwischenspeicherung und Versickerung durch Mulden versicke-
rung eingerichtet. Das auf den Dachflächen anfallende Regenwasser wird über offene Pflasterrin-
nen abgeleitet und in mehreren Rückhaltemulden gesammelt. In den Mulden findet eine Drosse-
lung des Regen wassers statt, bevor es an das öffentliche Siel abgegeben wird. Außer dem findet
ein Wissenstransfer statt, indem das Thema Klimawandel in den Unterricht und in Schulprojekte
eingebunden wird, es findet Umweltbildung für Kinder, Lehrer und Eltern statt. Des Weiteren läuft
ein Pilotprojekt zur Mitbenutzung. Die Entwässerungselemente wurden in die Schulgestaltung
eingebunden (HSE und BUE 2015).
25
Abbildung 3: Funktionsweise des Retentionsraums Hein-Klink-Stadion in Hamburg (Quelle: Geo (2019), 2020-
07-29).
Ein weiteres Pilotprojekt ist das Hein-Klink-Stadion im Stadtteil Billstedt im Osten der Stadt. Das
Stadion wird zu einem großen Wasserspeicher (siehe Abbildung 3), der während Starkregener-
eignissen als Retentionsfläche dient, umgebaut. Dazu wird Oberflächenwasser der angrenzenden
Straßen unterirdisch grob gefiltert und zum Stadion geleitet. In den Boden unter dem Platz wer -
den Rigolen mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 500 m³ eingebaut, die das Wasser auf -
nehmen und versickern. Wenn die Kapazitäten der Rigolen erschöpft sind, wird auch die oberir -
dische Laufbahn des Stadions geflutet. Nötig wird dies ab einer Regenmenge von 24 Litern oder
mehr pro Quadratmeter und pro Stunde.
9 Bausteine der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung
Ziel dieses Kapitels ist es, e inen umfassenden Überblick über mögliche Maßnahmen der dezent-
ralen Regenwassernutzung bereitzustellen und diese unter Beachtung ganzheitlicher Wirkungs-
zusammenhänge in Form einer Übersichtstabelle zu bewerten. Ein für die Stadt Köln noch zu kon-
zipierender Handlungskatalog (siehe Kapitel 0) soll des Weiteren als ämterübergreifende, plane-
rische Grundlage fungieren, um mittelfristige Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen und einen
belastbaren Orientierungsrahmen für zukünftige Maßnahmenumsetzungen bereitzustellen.
9.1 Potentiale und Möglichkeiten einer fachtechnischen Umsetzung
Vor dem Hintergrund der prognostizierten Zunahme von Starkniederschlägen, Hitze und Tro-
ckenperioden im Zuge des Klimawandels sind die ökologischen und gesamtökonomischen Syner-
giepotenziale einer wassersensiblen Stadt- und Freiraumgestaltung zu nutzen, um zukünftig die
Lebensqualität in Köln maßgeblich zu verbessern. Auch die Forschungsprojekte KLIMZUG (UBA)
und DynAKlim (UBA) zeigen, dass Maßnahmen der wassersensiblen Stadtentwicklung als Werk-
zeug zur Klimafolgenanpassung dienen können. Im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung ist
es notwendig, ökologisch und ökonomisch effiziente Anpassungsmaßnahmen an die sich ändern-
den Niederschlagsverhältnisse zu entwickeln. Der Umgang mit seltenen Starkregen kann sich da-
bei jedoch nicht auf die öffentlichen En twässerungssysteme beschränken. Ein Ausbau bzw. die
Dimensionierung der Kanalisation für einen vollständigen Rückhalt auch extremer Nie der-
schlagsereignisse ist weder aus betrieblicher noch aus wirtschaftlicher Sicht zielführend. Ne ben
der Überflutungsvorsorge bei Starkregen muss das Ziel einer „wassersensiblen“ Stadtge staltung
26
sein, Abflussspitzen in Gewässern zu vermeiden, die Gewässerqualität zu verbessern und dem Ziel
eines naturnahen hydrologischen Kreislaufs möglichst nahe zu kommen.
Es bedarf daher künftig in Köln einer Stadt - und Freiraumplanung, die – im Gegensatz zu dem
bisher verfolgten Ansatz einer möglichst schnellen Ableitung in die Kanalisation – das Ziel ver -
folgt, zunächst nach ortsnahen Lösungen zur Ver sickerung, Verdunstung, Nutzung, sowie zur
Speicherung und gedrosselten Ableitung von Regenwasser zu suchen. Diese dezentrale Regen-
wasserbewirtschaftung eröffnet vielseitige Optionen, die Gestaltung und die Aufenthaltsqualität
im öffentlichen Raum zu verbessern. Insbesondere beim Neubau bie ten sich umfangreiche Mög-
lichkeiten für eine wassersensible Gestaltung an. Der dezentrale Umgang mit Regenwasser sollte
daher hier frühzeitig in die Freiraumplanung einbezogen werden. Neben den gestalterischen
Möglichkeiten bietet eine wassersensible Gestaltung urbaner Verkehrs- und Freiflächen auch Sy-
nergiepotenziale zur Verbesserung des Lokalklimas. Insbesondere eine Entsiegelung und eine Er-
höhung des Anteils an begrünten Oberflächen können sowohl Wasser aufnehmen, als auch gleich-
zeitig durch Verdunstungskühle zur Hitzevorsorge in dichter bebauten Quartieren beitragen.
Die Stadtentwässerung sollte für eine wassersensi ble sowie klimaangepasste Stadtentwicklung
die Multifunktionalität des Regenwassersystems nutzen. Abbildung 4 führt die diversen Aufgaben
und Nutzen von Regenwassersystemen auf: Gewässerschutz, Überflutungsschutz, naturnahe
Wasserbilanz, Kanalnetz Entwicklung, Regenwassernutzung, Wasser als Gestaltungselement, Be-
wässerung von Stadtgrün, Kühlungseffekte.
Diese Multifunktionalität von Regenwasser in der Stadt kann auf unterschiedlichen Ebenen und
durch unterschiedliche Maßnahmen genutzt werden. In diesem Zusammenhang ist auch von „Wa-
ter Sensitive Urban Design“ (WSUD), „Sustainable Urban Drainage System“ (SUDS) oder „Low Im-
pact Development “ (LID) die Rede. Die se Ansätze beinhalten Maßnahmen, die ganzheitlich im
Abbildung 4: Multifunktionalität der Regenwassersysteme (eigene Darstellung nach fbr Wasserspiegel 3/20).
27
Sinne des Schwammstadtkonzepts ansetzen. Abbildung 5 zeigt am Beispiel von Maßnahmen, wie
die Multifunktionalität eines Regenwassersystems auf unterschiedlichen Ebenen im städtischen
Raum umgesetzt werden kann.
Abbildung 5: Beispiele für multifunktionale Maßnahmen im Regenwassersystem (COUTTS et al. 2012: 5).
9.2 Blau-Grün-Graue Infrastrukturen
Kapitel 8 hat bereits aufgeführt, wie wasserwirtschaftliche Klimafolgenanpassung in anderen
Städten umgesetzt wird. Es wird deutlich, dass ein Zusammenspiel aus verschiedenen Maßnah -
men die Resilienz einer Stadt nachhaltig s teigert und klimafolgenangepasste Entwicklung ganz -
heitlich fördert. Kruse (2015) zeigt an Referenzbeispielen der Städte N ew York, Rotterdam und
Singapur, wie aus urbanem „Grau“ permanent grüne, blau-grüne oder temporär blaue Infrastruk-
tur entwickelt werden kann. Diese farblichen Elemente stehen für Bausteine der wassersensiblen
Stadtentwicklung, die temporär oder permanent zum Einsatz kommen. T RAPP et. al (2020: 16)
definieren die Elemente im Rahmen von netWORKS wie folgt:
Blaue Infrastruktur = Infrastruktur mit sichtbaren blauen Elementen in Form von Wasser (z.B.
künstliche oder neu angelegte Teiche, Wasserflächen, Wasserspiele oder natürliche Gewässer
Grüne Infrastruktur = Infrastruktur mit sichtbaren grünen Elementen im privaten oder öffentli-
chen Raum. Diese grünen Elemente dienen oft der Ver dunstung oder Versickerung (z.B. entsie-
gelte Freiflächen, Gebäudebegrünung, Versickerungsmulden).
Graue Infrastruktur = Infrastruktur mit technischen Anlagen der Abwasserentsorgung, Systeme
der Betriebswassernutzung im und am Gebäude oder unterirdische Versickerungssysteme, wei -
ter Ver- und Entsorgungs- sowie Verkehrssysteme, zum anderen generell bebaute und versiegelte
28
Flächen wie Dächer und Fassaden, Erschließungs- und Freiflächen der Wohn-, Gewerbe-, Sozial-
oder Bürogebäude. Diese Infrastruktur befindet sich überwiegend unterirdisch oder innerhalb
von Gebäuden
Es gibt keine klaren Abgrenzungen zwischen den drei Elementen. Oftmals kommen die Elemente
auch in Kombination zum Einsatz. Kopplung von blau-grün-grauen Infrastrukturen, sowie deren
Teilsystemen führen auch zu wirtschaftlichen, organisationalen, ökologischen und sozialen Kopp-
lungen. Abbildung 6 veranschaulicht die drei Komponenten mit zugeordneten Maßnahmen („Bau-
steine“) und deren Schnittstellen.
Abbildung 6: Identifizierte Bausteine und ihre jeweilige Zuordnung als blaue, grüne oder graue Infrastruktur
(Quelle: TRAPP et al. 2020).
Konzepte zum Schutz der biologischen Vielfalt und ökologischer Verbundsysteme, Ökosystemleis-
tungen, naturbasierte Lösungen, wassersensible und hitzeangepasste Stadtentwicklung oder dop-
pelte Innenentwicklung ( HANSEN et al. 2017: 22 ) bauen auf der Kopplung von blau, grün und
grauen Infrastrukturelementen auf. Besonders in Städten mit starker Flächenkonkurrenz kann
eine Kopplung und Multifunktionalität der drei Elemente positive Auswirkungen haben. Positive
Effekte sind zum Beispiel eine Reduktion des Hitzestress und der Überflutungsgefahr, die Steige-
rung der Aufenthaltsqualität und der biologischen Vielfalt, die Schaffung von Naturerfahrungs -
räumen und die Freiflächengestaltung (z.B. auf Brachflächen etc.) (HANSEN et al. 2017: 54f). HAN-
SEN et al. (2017: 54ff) definieren die Multifunktionalität folgendermaßen: „Als Multifunktionalität
oder auch Multicodierung grüner Infrastruktur wird die Überlagerung und Verknüpfung verschie-
dener Nutzungen bzw. Entwicklung verschiedener Funktionen verstanden, wie Erholung, Freizeit,
Stadtgestaltung und Naturschutz. Bei Multifunktionalität wird beispielsweise zwischen sozialen,
ökologischen und ökonomischen Funktionen unterschieden (H
ANSEN und PAULEIT 2014). Die Mul-
ticodierung erweitert den Begriff der Funktionen und bezieht sich auf das Zusammenwirken der
Akteure mit ihren jeweiligen Interessen (Codes) (BECKER 2014, ebd. 2012).
Abbildung 7 veranschaulicht, wie Wasser, Stadt und Freiraum durch integrierte Maßnahmenkon-
zepte verknüpft werden können, um die Funktionsweise einer „Schwammstadt“ umzusetzen.
Nach diesem Beispiel werden alle Elemente und Ebenen miteinander verbunden und agieren als
ein abgeschlossenes, multifunktionales Regenwassersystem.
29
Abbildung 7: Die strategisch-systemare Verknüpfung von Wasser, Stadt und Freiraum erfolgt durch integrierte Maßnah-
menkonzepte (Quelle: ILPÖ 2015).
30
9.3 Maßnahmenübersicht
Tabelle 3: Maßnahmenübersicht (eigene Darstellung verändert nach SAMUWA 2016 und KURAS 2017).
31
Wasserwirtschaftliche Klimafolgenanpassung entsteht aus der Implementierung vieler einzelner Maß-
nahmen, die für unterschiedliche räumliche Ebenen zusammengefasst werden können (siehe Ta-
belle 3). Die Ebene Kanaleinzugsgebiet umfasst Maßnahmen, die den Stauraum im Kanal beein -
flussen und die sich durch Reinigung erzielen lassen. Auf der Quartiersebene sind die Entsiegelung
von Flächen, Lösungen zur Versickerung von Regenwasser und die Schaffung von Wasserflächen
zu nennen. Auf Gebäude- und Grundstücksebene stellen die Begrünung von Gebäuden und die Nut-
zung von Regenwasser zur Gebäudekühlung, als Betriebswasser, zur Bewässerung und zur Ka-
nalspülung mögliche Maßnahmen dar.
Die einzelnen Maßnahmen wurden hinsichtlich ihrer Auswirkung auf die Umgebung in Bezug auf
Qualität, Hitze, Biodiversität und Wasser bewertet. Die durchschnittlichen Kosten für die Investi-
tion und den Betrieb sind dargestellt , sowie Schnittstellen zu anderen Projekten der Stadt Köln
und der StEB Köln vermerkt. Grundlage für die Tabellen bilden die Forschungsergebnisse der Pro-
jekte KURAS und SAMUWA. Im Folgenden werden die einzelnen Maßnahmen in den Maßnahmen-
Gruppen vorgestellt. Eine detaillierte Bewertung sowie Beschreibung der einzelnen in Tabelle 3
aufgelisteten Maßnahmen kann den Maßnahmensteckbriefen des KURAS Projektes entnommen
werden (KURAS 2017)
9.3.1 Maßnahmengruppe Gebäudebegrünung
Die Begrünung von Dächern und Fassaden stellt einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des
Klimas, der Aufenthaltsqualität, der Wasserspeicherung und zum Erhalt und zur Förderung der
Biodiversität in Städten dar. Insbesondere in dicht bebauten Innenstädten mit geringem Freiflä-
chenanteil kann durch ihre Anwendung der Grünflächenanteil deutlich erhöht werden.
Grundsätzlich wird zwischen extensiver und intensiver Dachbegrünung unterschieden.
hoher positiver Effekt hoher negativer Effekt kein Effekt
moderater positiver Effekt moderater negativer Effekt
geringer positiver Effekt geringer negativer Effekt
Tabelle 4: Maßnahmenübersicht für die Maßnahmengruppe „Gebäudebegrünung“ (verändert nach SAMUWA
2016 und KURAS 2017).
32
Abbildung 8: Eigenschaften der extensiven und intensiven Dachbegrünung (Quelle: StEB Köln 2018).
Die extensive Dachbegrünung eignet sich besonders für Gebäude mit geringen Lastreserven wie
Garagen, Industriebauten, Gewerbeimmobilien und Wohnhäuser, die keine Nutzung auf der Dach-
fläche vorsehen. Sie ist kostengünstig, leicht und bedarf wenig Pflege. Für die extremen Standort-
bedingungen, die durch eine starke Sonneneinstrahlung, Wind und Trockenheit ch arakterisiert
sind, eignen sich anspruchslose Moose, Kräuter, Gräser und Sedum-Arten. Sie bilden rasch einen
geschlossenen Pflanzenverband, der sich später selbst erhält.
Mit einem vergleichsweise geringem Aufwand kann eine extensive Dachbegrünung Ersatzlebens-
räume für zahlreiche Pflanzen - und Tierarten schaffen, Regenwasser speichern und verdunsten
und somit dazu beitragen, das Mikrok lima am Standort zu verbessen. Bei der intensi ven Dachbe-
grünung ist eine Nutzung des Dachs als Aufenthalts- und Erholungsort vor gesehen. Dachgärten
lassen sich, ähnlich wie bodennahe Gartengrundstücke. individuell gestalten. Es können Rasen,
Stauden, Sträucher und Bäume gepflanzt werden. Auch Wege, Sitzplätze, Spielbereiche und Teiche
können in den Dachgarten integriert werden. Im Vergleich zu extensiv begrünten Dächern sind
intensive Dachbegrünungen pflegeintensiver und benötigen eine kontinuierliche Bewässerung.
Des Weiteren gibt es die Möglichkeit einer „einfachen Intensivbegrünung“, die ohne Sträucher und
Bäume auskommt jedoch eine höhere Wassersp eicherkapazität und eine diversere Auswahl an
Pflanzenarten ermöglicht, als eine extensive Begrünung. Dadurch können die positiven ökologi -
schen und mikroklimatischen Effekte im Vergleich zu Extensivbegrünungen gesteigert werden.
Eine weitere Begrünungsmöglichkeit stellt die Fassadenbegrünung dar, bei der zwischen erdge-
bundenem und systemgebundenem Bewuchs unterschieden wird. Neben klimatischen Gründen
hat die Fassadenbegrünung auch bauphysikalische und ästhetische Vorteile. Dabei verschattet die
Fassadenbegrünung das Gebäude und verhindert eine Aufheizung. Durch die Verdunstungskälte
kühlt sie die Umgebung. Laubabwerfende Pflanzen, wie beispielsweise Wilde r Wein, eignen sich
besonders gut für die Fassadenbegrünung, da die Sonneneinstrahlung im Winter bis zur Fassade
vordringen kann.
Für die Bewässerung erdgebundener Systeme eignen sich Mulden, denen Regenwasser von wenig
verschmutzten, versiegelten Flächen (z.B. Dächer, Gehwege) zugeführt wird und unmittelbar im
33
Wurzelraum der Pflanzen versickert. Detailliertere Informationen zu Begrünungsmaßnahmen
und deren Planungsgrundlagen können dem Leitfaden „Mehr Grün für ein besseres Klima in Köln“
entnommen werden.
Bewertung Kosten - CO2 Ausgleich
Die größten positiven Effekte einer Dachbegrünung liegen sowohl bei der extensiven als auch bei
der intensiven Dachbegrünung in der Biodiversitätssteigerung (siehe Tabelle 4). Moderate posi-
tive Effekte erzielt die Dachbegrünung in der Freiraumqualität und der Minderung des Hitzestress
durch Verdunstungskühlung, sowie der Reduktion des Abflusses für Oberflächengewässer. Die
intensive Form der Dachbegrünung hat des Weiteren einen hohen positiven Effekt auf die Reduk-
tion der Abflussspitze. Fassadenbegrünungen weisen für die Freiraumqualität und für das Stadt-
klima moderat positive Effekte auf.
Dahingegen ist die Gebäudebegrünung allgemein, mit Ausnahme der extensiven Dachbegrünung,
mit hohen In vestitionskosten verbunden. Dachbegrünungen tragen ebenfalls zur Luftreinigung
bei indem sie Feinstaub binden und CO2 absorbieren. Nach drei Jahren können 0,9 kg/m² CO2 ge-
bunden werden, das entspricht bei einer 1000 m² großen Dachfläche 900 kg CO2 (Meurer & Vial-
aneix 2020).
Dachbegrünungen lassen sich sehr gut mit Energiegewinnungssystemen wie Solar - oder Photo-
voltaiktechniken kombinieren. Die Begrünung steigert durch die Reduzierung der Umgebungs -
temperatur die Leistungskapazität der Anlagen. So kann der Energieverlust, der im Sommer bei
überhitzten Photovoltaikanlagen häufig auftritt, ausgeglichen werden.
Die Dachbegrünung sorgt des Weiteren für eine Kühlung des Gebäudes im Sommer und wirkt im
Winter als zusätzliches natürliches Dämmmaterial (Meurer & Vialaneix 2020). Bei der Fassaden-
begrünung sollte darauf geachtet werden, dass laub abwerfende Pflanzen verwendet werden, da
ansonsten im Winter die Aufwärmung des Gebäudes beeinträchtigt werden würde und somit zu
erhöhten Heizkosten führen würde.
34
9.3.2 Maßnahmengruppe Regenwassernutzung
Dort, wo keine Trinkwasserqualität erforderlich ist, kann zurückgehaltenes Regenwasser gespei-
chert oder direkt genutzt werden.
Da in Hitzeperioden kein Regenwasser für die direkte Bewässerung zur Verfügung steht, stellt die
Bewässerung mit gespeichertem Regenwasser eine sinnvolle Alternative dar. Dabei wird Nieder-
schlagswasser von Dächern, Straßen und Wegen zunächst in einer Zisterne zwischengespeichert,
ggf. aufbereitet und bei Bedarf zur Bewässerung genutzt. Sollte die Niederschlagsmenge die Ka -
pazität der Zisterne überschreiten, kann das überschüssige Wasser in Versickerungsanlagen, ein
oberirdisches Sammelbecken oder zur Not in die Kanalisation geleitet werden.
Niederschlagswasser von Dächern muss vor der Speicherung in geschlossenen und lichtgeschütz-
ten Zisternen eine Feinfilterung durchlaufen. Belastetes Niederschlagswasser von stark befahre-
nen Straßen kann gesondert gesammelt und für eine Aufbereitung einer Pflanzenkläranlage oder
einem Retentionsbodenfilter zugeführt werden.
Die Verwendungsmöglichkeiten für gesammeltes Regenwasser sind vielfältig. Da d er Salzanteil
im Regenwasser sehr gering ist, ist es für die Kühlung von Gebäuden sogar besser geeignet als
Trinkwasser, da der Wasserbedarf zur Erzeugung von Verdunstungskälte halbiert werden kann.
Weitere Verwendungsmöglichkeiten stellen beispielsweise d ie Bewässerung von Garten - und
Fassadenbepflanzungen, die Toilettenspülung oder die Nutzung für die Waschmaschine dar.
Die Regenwassernutzung kann durch ihren vielfältigen Einsatz dazu beitragen, beträchtliche
Mengen Trinkwasser einzusparen.
Bewertung - Kosten - CO2 Ausgleich
Die Nutzung von Regenwasser zeichnet sich durch ihren hohen positiven Effekt auf die Reduktion
des Abflusses aus (siehe Tabelle 5). Zusätzlich können Abwassergebühren gespart werden, wenn
hoher positiver Effekt hoher negativer Effekt kein Effekt
moderater positiver Effekt moderater negativer Effekt
geringer positiver Effekt geringer negativer Effekt
Tabelle 5: Maßnahmenübersicht für die Maßnahmengruppe „Regenwassernutzung“ (verändert nach SA-
MUWA 2016 und KURAS 2017).
35
die hintere Dachfläche vom Kanal abgekoppelt wird und das Wasser in eine Regentonne oder Zis-
terne geleitet wird. Für die (Garten-)Bewässerung wird Trinkwasser eingespart, sodass durch die
Bewässerung in Trockenperioden keine Nutzungskonflikte für die Nutzung von Trinkwasser ent-
stehen.
9.3.3 Maßnahmengruppe Entsiegelung
In Städten sorgt eine Vielzahl versiegelter Flächen ( z.B. Straßenflächen, Parkplätze, Hofflächen)
dafür, dass sich Städte zu Hitzeinseln und zu potenziellen Überschwemmungsgebieten entwi-
ckeln. Der Grund dafür ist, dass Niederschlagswasser auf versiegelten Flächen nicht versickern
kann und somit unmittelbar als Oberflächenwasser abfließt und über die Kanalisation abgeleitet
wird.
Um dem entgegenzuwirken, könne n wasserdurchlässige Flächenbefestigungen verwendet wer -
den (z.B. wasserdurchlässige Flächenbefestigungen für Fuß- und Radwege, Rasengittersteine für
Parkflächen). Dadurch wird das Niederschlagswasser dem nat ürlichen Wasserkreislauf zuge -
führt, kann versickern und/oder verdunsten. Positive Effekte daraus sind: Kühlung der Umgebung
durch Verdunstungskühlung, natürliche Bewässerung, ggf. Grundwasserneubildung und die Ent-
lastung der Kanalisation und den Vorflutern, wodurch ein Beitrag zum Überflutungsschutz geleis-
tet wird (siehe Tabelle 6).
Bewertung - Kosten - CO2 Ausgleich
Teilversiegelte Flächen sind für eine Vielzahl öffentlicher und privater Nutzungen geeignet. Dabei
ist darauf zu achten, dass die wasserdurchlässige Flächenbefestigung an ihre Nutzung angepasst
ist. Aus diesem Grund unterscheiden sich die Kosten für Material und Baumaßnahmen erheblich.
Sie reichen von Schotterrasen für etwa 22,50 €/m² bi s zu 60 €/m² für Natursteinpflaster . Die
Unterhaltungskosten von teilversiegelten Flächen sind vergleichbar mit denen versiegelter Flä-
chen. Jedoch ist unter Umständen mit einem höheren Pflegeaufwand zu kalkulieren. So müssen
beispielsweise Pflasterfugen gereinigt werden, um die Versickerungsleistung aufrecht zu halten.
hoher positiver Effekt hoher negativer Effekt kein Effekt
moderater positiver Effekt moderater negativer Effekt
geringer positiver Effekt geringer negativer Effekt
Tabelle 6: Maßnahmenübersicht für die Maßnahmengruppe „ Entsiegelung“ (verändert nach SAMUWA 2016
und KURAS 2017).
36
9.3.4 Maßnahmengruppe Versickerung
Eine dezentrale Versickerung und Regenwasserabkopplung wirkt sich besonders positiv auf
Oberflächengewässer und den Wasserkreislauf aus.
Die Mulden- und Flächenversickerung zeichnet sich dadurch aus, dass Niederschlagswasser von
Dach-, Hof-, und Verkehrsflächen üb er die belebte Bodenzone einer angrenzenden Fläche versi-
ckert. Dabei ist es wichtig, dass der Boden unterhalb von Mulden - und Flächenversickerungen
eine ausreichende Versickerungsfähigkeit aufweist. Eine Reinigung des Niederschlagswassers vor
der Infiltration ins Grundwasser findet über die Oberbodenpassage statt. Bei der Muldenversicke-
rung wird das Niederschlagswasser kurzzeitig zwischengespeichert, bevor es in der Mulde versi-
ckert oder verdunstet. Falls unterhalb der Mulde eine vollständige Versickerung aufgrund unzu-
reichender Versickerungseigenschaften des Bodengefüges nicht möglich ist, kann die Mulde zu-
sätzlich mit einer Rigole kombiniert werden.
Bei der Rigolen - und Schachtversickerung wird Niederschlagswasser unterirdisch zwischenge -
speichert und anschließend versickert. Dabei wird das Niederschlagswasser nicht signifikant ge-
filtert, sodass nur das Regenwasser von Flächen mit geringem Verschmutzungsgrad, wie z.B.
Dachflächen (ausgenommen Metalldächer) oder Geh - und Radwegen, für eine Rigolen versicke-
rung in Frage kommt. Für stärker beanspruchte Flächen, die in einer höheren Verschmutzung des
oberflächig abfließenden Regenwassers resultieren, ist eine technische Vorbehandlung zur Filt-
rierung notwendig.
Baumrigolen können durch die Kombination aus Rigole mit temporärer Wasserspeicherung und
Baumpflanzung die Wasserverfügbarkeit für Stadtbäume, insbesondere in Zeiten mit geringerem
Niederschlagsaufkommen, begünstigen. Durch die Verdunstung über die Blattoberflächen wird
gleichzeitig die Verdunstung sleistung gegenüber anderen Versickerungssystemen erhöht. Eine
spezielle Schichtung des Bodensubstrats und Dimensionierung der Pflanzgrube ermöglicht ein
hoher positiver Effekt hoher negativer Effekt kein Effekt
moderater positiver Effekt moderater negativer Effekt
geringer positiver Effekt geringer negativer Effekt
Tabelle 7: Maßnahmenübersicht für die Maßnahmengruppe „Versickerung“ (verändert nach SAMUWA 2016
und KURAS 2017).
37
optimales Wurzelwachstum und Wasserspeichervermögen . Es gilt, das Niederschlagswasser
durch gute Versickerungseigenschaften der oberen Bodenschichten oder durch direkte Einleitung
dem Wurzelraum zuzuführen. Gleichzeitig ist durch einen ausreichenden Anteil organischer Kom-
ponenten der stoffliche Rückhalt zu gewährleisten. Des Weiteren ist eine technische Belüftung der
Baumrigole zur Aufrechterhaltung des Gasaustauschs notwendig (KURAS 2017).
Tabelle 8: Vergleich der Methoden zur Regenwasserbewirtschaftung/Versickerung (Quelle: StEB Köln).
Maßnahme Flächen-
bedarf
Rückhaltepo-
tential bei
Starkregen
Kühlung durch
Verdunstung
Wartungsmög-
lichkeiten
Kosten
Durchlässige Befestigung +++ + ++ +++ ++
Flächenversickerung +++ + +++ +++ +
Muldenversickerung ++ ++ ++ ++ ++
Mulden-Rigolenversickerung ++ +++ ++ + +++
Rigolenversickerung + ++ + + ++
Rohrrigolenversickerung + ++ - + +++
Regenwasserzisterne + + - + +
+++ hoch ++ mittel + gering - keine Wirkung
Bewertung - Kosten - CO2 Ausgleich
Versickerungsmaßnahmen zeichnen sich besonders durch ihre hohen positiven Effekte auf Ober-
flächengewässer, die Abflussspitze, die Biodiversität, die Änderung des Hitzestresses und die Frei-
raumqualität bei gleichzeig geringem Investitionsvolumen aus (siehe Tabelle 7 und 8). Die für die
Versickerung notwendigen Grünflächen und die Vegetation leisten einen Beitrag für die Aufent-
haltsqualität und begünstigen eine Verringerung der Anzahl der Tropennächte. Die Zuläufe für
Versickerungsflächen sollten von Laub freigehalten werden um einen langfristigen Nutzen der
Versickerungsanlage sicherzustellen.
Schacht- und Rigolenversickerung haben bedingt durch ihre unterirdische Lage keine Auswirkun-
gen auf das Stadtklima, die biologische Vielfalt oder die Freira umqualität. Ein großer Vorteil von
Baumrigolen ist die Kühlung durch Verdunstung bei gleichzeitigem Versickerungspotenzial. Des
Weiteren eignen sich Baumrigolen auch in schmalen Straßenzügen s ehr gut, da mit ihr sowohl
begleitende Mulden als auch Baumreihen untergebracht werden können. Der Pflegeaufwand für
Baumrigolen entspricht dem gleichen Aufwand wie für Straßenbäume ohne Rigole. Die Verkehrs-
sicherheit muss gegeben sein. Das Bodensubstrat sollte regelmäßig auf seine Versickerungs leis-
tung geprüft und ggf. angepasst werden. Da die Herstellung und der Aufbau von Baumrigolen
komplex sind, sind die Investitionskosten relativ hoch . Positiv auf die Instandhaltungskosten
wirkt sich der geringe Bewässerungsbedarf der Baumrigole aus.
38
9.3.5 Maßnahmengruppe Künstliche Wasserflächen
Zu künstlichen Wasserflächen zählen unter anderem städtische Weiher oder wasserführende
Gräben, Brunnen oder sonstige Wasser spiele. Sie dienen der Retention des anfallenden Nieder-
schlagswasser und der Erlebbarmachung des Elements Wasser im urbanen Raum. Künstliche
Wasserflächen können Niederschlagswasser von Dach- oder Gehwegflächen sammeln und kurz-
oder langfristig speichern. Teiche sind im Gegensatz zu Rückhaltebecken dauerhaft mit Wasser
befüllt. Das Wasser kann unter - oder oberirdisch über offene Gräben den Wasserflächen zuge -
führt werden. Eine Reinigung des Regenwassers ist zu empfehlen, um den Algenaufwuchs zu re-
duzieren und die mikrobiologische Qualität zu verbessern.
Bewertung - Kosten - CO2 Ausgleich
Für künstliche Wasserflächen fallen Kosten für regelmäßige Wartungsarbeiten sowie Land-
schaftspflege an. Die Betriebskosten variieren je nach Gewässertyp (Weiher, Teich, etc.). Auch die
Investivkosten sind je nach Typ und Nutzung sehr unterschiedlich. Künstliche Wasserflächen ha-
ben durch Verdunstungsprozesse eine kühlende Wirkung auf ihre direkte Umgebung und erhö-
hoher positiver Effekt hoher negativer Effekt kein Effekt
moderater positiver Effekt moderater negativer Effekt
geringer positiver Effekt geringer negativer Effekt
Tabelle 9: Maßnahmenübersicht für die Maßnahmengruppe „Künstlichen Wasserflächen“ (verändert nach
SAMUWA 2016 und KURAS 2017).
Abbildung 9: Beispiele künstlicher Wasserflächen (Quelle: Muriel Leitfaden, MUST Städtebau/StEB Köln).
39
hen als stadtgestalterisches Element die Attraktivität des öffentlichen Raums. Sie tragen des Wei-
teren durch Uferbepflanzung oder schwimmende Vegetationsinseln zur Erhöhung der Biodiver -
sität durch die Schaffung zusätzlicher Lebensräume für Flora und Fauna bei. Gleichzeitig können
Wasserflächen die Anzahl der Tropennächte erhöhen, da sie durch Wärmespeicherung und –ab -
gabe die Umgebung in der Nacht erwärmen. ( KURAS 2017). Die Umsetzung künstlicher Wasser-
flächen im Bestand ist anspruchsvoll und setzt umfangreiche Planungen voraus. Je nach Dimen -
sion ist hier die Realisierung innerhalb einer Neuerschließung besser geeignet. Eine Schnittstelle
liegt hier beim Gewässerentwicklungskonzept der StEB Köln.
9.3.6 Maßnahmengruppe Reinigung
Straßen- und Gehwegflächen tragen häufig umweltschädliche Stofffrachten in die Gewässer ein.
Durch physikalische Verfahren wie Sedimentation od er Filtration können schädliche Stoff frach-
ten aus dem Niederschlagswasser zurückgehalten werden. Man unterscheidet zwischen der Rei-
nigung im Trenn- und Mischsystem. Während im Trennsystem eine hohe Konzentration an Nähr-
stoffen, hygienischen Indikatororgan ismen und anorganischen/organischen Spurenstoffen vor-
kommen, enthalten Mischwasserüberläufe ungereinigtes Schmutzwasser mit schnell abbaubaren
hoher positiver Effekt hoher negativer Effekt kein Effekt
moderater positiver Effekt moderater negativer Effekt
geringer positiver Effekt geringer negativer Effekt
Tabelle 10: Maßnahmenübersicht für die Maßnahmengruppe „Reinigung“ (verändert nach SAMUWA 2016
und KURAS 2017).
Abbildung 10: Kategorisierung des Herkunftsbereiches nach der durchschnittlichen täglichen Verkehrs-
stärke (DTV) (Quelle: Bezirksregierung Köln, Fachhochschule Köln, 2009).
40
Stoffen wie Ammonium etc. (KURAS 2017). Regenwasserkanäle in Trennsystemen stellen eine di-
rekte Schnittstelle zur Umwelt dar, weshalb in Nordrhein -Westfalen der Trennerlass einheitlich
die Vorgehensweise regelt. Das Niederschlagswasser wird – ausgehend von Herkunftsbereichen
– in die Kategorien unbelastet/schwach belastet/stark belastet eingestuft ( siehe Abbildung 10).
Mit Begründung kann eine vom jeweiligen Herkunftsbereich abweichende Einstufung des Belas-
tungsgrades oder der Art der zu erwartenden Belastung des Niederschlagswassers erfolgen, wenn
dies nach den konkreten Verhältnissen des Einzelfalls gerechtfertigt ist.
Bodenfilterbecken zur Abwasserbehandlung, auch als Pflanzenbeete oder Pflanzenkläranlagen
bezeichnet, werden seit längerem als Alternative zum Anschluss an eine zentrale Kläranlage an -
gewendet. In den letzten Jahren ist jedoch auch ein vers tärkter Einsatz zur Regenwasser - und
Mischwasserbehandlung zu beobachten. Aufgrund der begrenzten Filterleistung ist ein Bodenfil-
ter zwangsläufig in Kombination mit einem Retentionsvolumen zu sehen. Der Retentionsraum
kann in Form eines Regenrückhalte- bzw. Mischwasserbeckens vorgeschaltet werden oder in das
Bodenfilterbecken integriert werden, letzteres wird als Retentionsbodenfilter bezeichnet. (NBK
StEB Köln 2020).
Bewertung - Kosten - CO2 Ausgleich
Die Reinigung von Niederschlagswasser hat wenig bis geringen Wirkungseffekt auf die ausge -
wählten Faktoren (siehe Tabelle 10). Als zentraler Vorgang in der Stadtentwässerung ist die Rei-
nigung von Niederschlagswasser verantwortlich für die Gewässerqualität der Stadt und spielt
eine elementare Rolle.
9.3.7 Maßnahmengruppe Stauraum im Kanal
Tabelle 11: Maßnahmenübersicht für die Maßnahmengruppe "Stauraum im Kanal" (verändert nach SA-
MUWA 2016 und KURAS 2017).
Köln wird zu ca. 94 % über ein Mischsystem entwässert. Regen- und Schmutzwasser werden ge-
meinsam über ein Kanalnetz der Kläranlage zugeführt. Starkregenereignisse können die Kapazi-
tätsgrenzen von Kanälen übersteigen, sodass Mischwasserüberläufe in Gewässer abschlagen. Um
hoher positiver Effekt hoher negativer Effekt kein Effekt
moderater positiver Effekt moderater negativer Effekt
geringer positiver Effekt geringer negativer Effekt
41
Abschlägen, und damit einer stofflichen und hydraulischen Belastung der Gewässer vorzubeugen,
kann der Stauraum im Kanal erhöht werden, um mehr Niederschlagswasser temporär aufzuneh-
men. Die Zwischenspeicherung kann durch unterschiedliche Stauräume vorgenommen werden:
Regenüberlaufbecken, Stauraumkanäle oder vorübergehend durch Einstau des Kanals. Zusätzlich
können Filtrationssysteme am Auslass in ein Gewässer zum Einsatz kommen. Stauräume im Ka-
nalsystem können zur Reduzierung der entlasteten Schmutzfrachten sowie des Über laufvolu-
mens führen. (KURAS 2017). In den Kölner Kanalnetzen erfolgt die Niederschlagswasserbehand-
lung durch Nutzung der vorhanden, vergleichswei se flach liegenden Hauptsammler, als Stau -
(raum-)kanäle. Gemäß DWA A 128 und A110 sind Stauraumkanäle so zu planen, dass die Min-
destschleppspannung einzuhalten ist. Die Bezirksregierung Köln fordert in den wasserrechtlichen
Genehmigungen für Kanalstauräume mit unten liegenden Entlastungen (SKU ) regelmäßig auto-
matische Reinigungsein richtungen, wenn ein rechnerischer Schleppspannungsnachweis nicht
vorliegt oder nicht vollständig erbracht werden kann. (NBK StEB Köln 2020)
Bewertung - Kosten - CO2 Ausgleich
Zusätzlicher Stauraum im Kanal zeigt einen positiven Effekt auf die Reduktion der Abflussspitzen.
KURAS liegen keine Daten zu Betriebs -/Instandhaltungskosten vor. Inspektionen sind nach Nie-
derschlagsereignissen notwendig.
10 Mögliche Förderprogramme
In der Tabelle 12 sind die Förderprogramme aufgelistet, die für eine Förderung von Maßnahmen
im Rahmen einer wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung in Frage kommen. Dabei wurden
Förderprogramme ausgewählt, die auch von den StEB Köln in Anspruch genommen werden kön-
nen. Die Auswahl des passenden Förderprogrammes muss jedoch individuell für die ent spre-
chende Maßnahme und für die entsprechenden Gegebenheiten vor Ort ausgewählt werden. Zu-
sätzlich sind kurzfris tig ausgerufene Fördergelder in der finanztechnischen Umsetzung zu be-
rücksichtigen und die aktuellen Entwicklungen in der Förderlandschaft aufmerksam zu verfolgen.
Tabelle 12: Förderprogramme, die für die wasserwirtschaftliche Klimafolgenanpassung geeignet sind (eigene
Darstellung), Stand Januar 2021.
Förderprogramm Fördergegenstand
Richtlinie für die Förderung von Maß-
nahmen der Wasserwirtschaft für das
Hochwasserrisikomanagement und zur
Umsetzung der Europäischen Wasser-
rahmenrichtlinie NRW
Maßnahmen der Wasserwirtschaft, insbesondere: Maßnahmen der
Wasserwirtschaft für das Hochwasserrisikomanagement (Grundsätz-
lich oder überregionale Planungen, Untersuchungen, Wasserbauliche
Maßnahmen, Flächenbereitstellung, Öffentlichkeitsarbeit, Bildungsar-
beit), Maßnahmen zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmen -
richtlinie (Überregionale Planungen, Monitoring und Untersuchungen,
wasserbauliche Maßnahmen, Flächenbereitstellung, Öffentlichkeits ar-
beit, Bildungsarbeit)
Förderrichtlinie Hochwasserrisikoma-
nagement und Wasserrahmenrichlinie
(FöRL HWRM/WRRL) NRW
Umwelt- und Naturschutz in NRW, Grundsätzliche und überregionale
Planungen, Monitoring und Untersuchungen, Wasserbauliche Maß -
nahmen, Flächenbereitstellungen, Öffentlichkeitsarbeit und Bildungs-
arbeit
KfW-Umweltprogramm Bis zu 10 Mio. Euro pro Vorhaben. Bis zu 100% der Investitionskosten.
100 % des Kreditbetrags werden ausgezahlt. Abrufbar wahlweise in
42
einer Summe oder in Teilbeträgen. Der Kredit kann innerhalb von 12
Monaten nach Zusage abgerufen werden.
Die Kombination mit anderen öffentlichen Fördermitteln ist unter Be-
achtung der EU-Beihilfegrenzen möglich.
Life - EU-Förderprogramm für den Na-
turschutz
Als Instrument zur Projektförderung ermöglicht das LIFE-Programm
die Finanzierung von Personalkosten, Voruntersuchungen, Erstellung
von Managementplänen, Grunderwerb, Öffentlichkeitsmaßnahmen
und aktiven Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensräume
Richtlinie Grüne Infrastruktur Maßnahmen zur Schaffung, Erhaltung, Wiederherstellung und Verbes-
serung von Elementen der Grünen Infrastruktur in den Städten und im
Stadtumland als Beiträge zur Umsetzung folgender Strategien, Pro-
gramme und Pläne: Biodiversitätsstrategie NRW, Masterplan Um welt
und Gesundheit NRW, Landesstrategie „Bildung für nachhaltige Ent-
wicklung – Zukunft lernen NRW (2016-2020)“, Klimaschutzplan, Bo-
den- und Flächenschutz sowie Wasserwirtschaft
Klimaschutzinitiative - Kommunale Kli-
maschutz-Modellprojekte
Mit dem Förderaufruf „Kommunale Klimaschutz-Modellprojekte“ sol-
len im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) kommu -
nale Klimaschutzprojekte mit modellhaftem, investivem Charakter ge -
fördert werden.
Der Modellcharakter der Vorhaben soll sich auszeichnen durch
- hohe Treibhausgasminderung im Verhältnis zur Fördersumme;
- die Verfolgung der klimaschutzpolitischen Ziele des Bundes;
- einen besonderen und innovativen konzeptionellen Qualitätsan-
spruch;
- den Einsatz bester verfu ̈ gbarer Techniken und Methoden;
- die Übertragbarkeit beziehungsweise Replizierbarkeit des Ansat-
zes sowie
- eine u ̈ berregionale Bedeutung und deutliche Sichtbarkeit mit bun-
desweiter Ausstrahlung.
Richtlinie über die Förderung der Ein-
richtung neuer interkommunaler Ko-
operationen - NRW.BANK.Kommunal
Invest/NRW.BANK.Kommunale Invest
Plus
Den Kommunen in Nordrhein-Westfalen werden zinsgünstige, lang-
fristige Finanzierungsmöglichkeiten für eine Vielzahl von Inves titio-
nen zur Verfügung gestellt.
Grundsätzlich werden alle Investitionen in die kommunale Infrastruk-
tur mitfinanziert, z.B. im Rahmen der
- Maßnahmen zur Luftreinhaltung (Fahrzeuge ohne Verbrennungs-
motor, selbstgenutzte Normale- oder Schnellladeinfrastruktur
etc.),
- allgemeinen Verwaltung,
- öffentlichen Sicherheit und Ordnung,
- Wissenschaft, Technik und Kulturpflege,
- Stadt- und Dorfentwicklung,
- touristische Infrastruktur,
- soziale Infrastruktur (z.B. Kindergärten, Schulen),
- Wasserversorgung und Abwasserentsorgung,
- kommunale Verkehrsinfrastruktur,
- Energieeinsparung und Umstellung auf umweltfreundliche Ener-
gieträger
43
Grundstücke, die notwendiger Bestandteil eines aktuell anstehenden
Investitionsvorhabens sind, können mitfinanziert
werden. Außerdem können Erschließungsmaßnahmen und Aufwen-
dungen für den Grunderwerb, die dauerhaft von der Kommune zu tra-
gen und nicht umlagefähig sind (z. B. für öffentliche Wege), finanziert
werden.
Richtlinie zur Förderung von Klima-
schutzprojekten in sozialen, kulturellen
und öffentlichen Einrichtungen im Rah-
men der Nationalen Klimaschutzini-
titaive vom 22.06.2016
Nach dieser Richtlinie werden gefördert:
- die Erstellung von Klimaschutzkonzepten und Teilkonzepten,
- die Umsetzung dieser Konzepte,
- Beratungsleistungen für Kommunen, die am Beginn ihrer Klima-
schutzaktivitäten stehen sowie
- investive Maßnahmen, die zu einer CO2-Emissionsminderung füh-
ren.
Darüber hinaus gibt es lokale Förderprogramme für Privatpersonen oder kleinere Unternehmen,
die Gelder für die Umsetzung von Klimafolgenanpassungsmaßnahmen zur Verfügung stellen (z.B.
Förderprogramm GrünHoch3).
11 Besonders stark betroffene Bereiche - Stadtraumanalyse
Die vorgestellten Maßnahmen aus Kapitel 9 sollen im Sinne einer klimafolgenangepassten Stadt-
entwicklung zukünftig im Bestand sowie bei Neuerschließungen berücksichtigt und angewendet
werden. Um zu beurteilen, welche Gebiete in Köln einen besonderen Handlungsbedarf aufzeigen,
wurde in mehreren Schritten eine räumliche Analyse Kölns durchgeführt. Zur zielgerichteten und
wirkungsvollen Umsetzung potentieller Maßnahmen wurde zunächst der Ist-Zustand Kölns im
Hinblick auf Klimafolgenanpassung ausgewertet. Aufgrund der hohen Anzahl an betroffenen Flä-
chen der Metropole Köln wurde eine kleinräumige Auswertung besonders hoher Gefährdungspo-
tentiale aus Überflutungen und Hitze sowie Befestigungsgrad vorgenommen, um passende Stand-
orte mit besonders hohem Handlungsbedarf für eine klimafolgenangepasste Stadtentwicklung zu
identifizieren. Die Untersuchungen erfolgten anhand einer GIS -Analyse. Die Ergebnisse der GIS-
Analyse wurden durch Ortsbegehungen überprüft und 19 besonders stark durch Starkregen und
Hitze betroffene Fo kusgebiete definiert. Zu diesen gefundenen Fo kusgebieten können anschlie-
ßend die Umsetzungsp otentiale der in Kapitel 9 genannten technischen Maßnahmen bewertet
und die damit einhergehenden positiven Veränderungen untersucht werden. Hierzu sollen zu-
nächst in zwei Pilotprojekten in Workshops gemeinsam mit den städtischen Fachdienststellen ge-
eignete Maßnahmen definiert und die Wirksamkeit der Maßnahmen berechnet werden. So sollen
bei allen Beteiligten Erfahrungen gesammelt werden, um die Maßnahmen im Rahmen eigener Pla-
nungen auf das restliche Stadtgebiet übertragen zu können.
Als Orientierung für die Analyse dienten der SAMUWA Leitfaden, das Forschungsvorhaben KURAS
sowie die Dissertation von KRUSE (2014). Das Forschungsvorhaben SAMUWA befasst sich inner-
halb der wassersensiblen Stadtraumplanung mit einem Vorgehensmodell, welches 5 Schritte be-
inhaltet. Die Schritte führen durch 4 Planungsebenen. Dieses Modell lässt sich teilweise auf Köln
übertragen und erlaubt eine Identifizierung möglicher Projektstandorte.
44
Das Forschungsprojekt KURAS untersuchte ebenfalls Stadtgebiete. Dafür wurden zunächst Ziele
festgelegt. Anschließend erfolgte eine Problemanalyse. Im Anschluss wurde eine Machbarkeits-
analyse durchgeführt. Aufbauend auf dieser Grundlage wurde der Maßnahmenkatalog herange-
zogen und für das Untersuchungsgebiet potentielle Maßnahmen ausgewählt. Das Ergebnis ist eine
auf das Fokusgebiet abgestimmte Maßnahmenkombination.
Kruse (2014) untersuchte den Raum Hamburg. Auch hier wurden prioritäre Bearbeitungsgebiete
durch eine Raum analyse ausgewählt. Dies erfolgte anhand eines integrierten Schichtenmodells,
welches die Zusammenhänge zwischen Wasserwirtschaft und Stadt- sowie Freiraumplanung dar-
stellt. Das Ergebnis der Arbeit zeigt, dass sich prioritäre Bearbeitungsgebiete durch hoch ver sie-
gelte innerstädtische Bereiche, überflutungsgefährdete Bereiche, Gewässer- und Kanalsystem so-
wie Bereiche mit Freiraumdefizit charakterisieren lassen.
Die für Köln durchgeführte Stadtraumanalyse fasst die Erkenntnisse dieser Forschungsprojekte
in ihren wesentlichsten Elementen zusammen und bezieht sich aufgrund der ohne großen Auf -
wand erfassten geringen verfügbaren Datenbasis zunächst nur auf die besonders stark gefährde-
ten Bereiche (Fokusgebiete) . Abbildung 11 zeigt das Vorgehen im Rahmen der Stadtraumanalyse
für Köln. Es wird deutlich, wie sich im Laufe der Analyse der Schwerpunkt von der gesamtstädti-
schen Fläche zu den einzelnen Fokusgebieten verlagert.
Abbildung 11: Vorgehen Stadtraumanalyse für Köln.
11.1 Stadt- und Stadtteilanalyse
11.1.1 Stadtanalyse
Die Großstadt Köln ist mit 1,1 Millionen Einwohner*i nnen nach Berlin, Hamburg und München
die viertgrößte Stadt Deutschlands und die bevölkerungsreichste Kommune in Nordrhein-West-
falen. Das Stadtgebiet liegt in der Köln -Bonner Rheinebene (auch als Kölner Bucht bezeichnet)
zwischen dem Bergischen Land und der Eifel.
Am Rhein geleg en beläuft sich das Stadtgebiet von Köln auf ca. 405 km². In Ost -West-Richtung
beträgt die größte Ausdehnung 27,6 km und in Nord -Süd-Richtung 28,1 km. Das linksrheinische
45
Rheinufer erstreckt sich auf eine r Länge von ca. 40 km, die Länge des rechtsrheinischen
Rheinufers beträgt ca. 28 km.
Köln ist in neun Stadtbezirke aufgeteilt: Innenstadt, Rodenkirchen, Lindenthal, Ehrenfeld, Nippes,
Chorweiler, Porz, Kalk und Mülheim, die insgesamt wiederum in 86 Stadtteile unterteilt werden.
Kölns Bevölkerungsentwicklung ist steigend. Im März 2020 lag die mittlere Bevölkerun gsdichte
bei 2682 Einwohnern/km² (Landesdatenbank NRW 2020). Prozentual ist die größte Be völke-
rungsgruppe die der >65 Jährigen mit 17,4% (31.12.2017) (Information und Technik NRW 2020)
Diese Bevölkerungsgruppe ist u.a. bei Hitze besonders betroffen und profitiert demnach verstärkt
von den Maßnahmen der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung.
Die folgenden Elemente sind für eine großräumige Betrachtung der wasserwirtschaftlichen Kli-
mafolgenanpassung relevant: Flächennutzung, Grünsystem, hydrologisches System, Versiegelung
und Kanalsystem (siehe Abbildung 12).
Flächennutzung
Mehr als die Hälfte (61,1%) der Flä-
che auf Kölner Stadtgebiet ist Sied -
lungs- und Verkehrsfläche. Diese
teilt sich in Gebäude- und Freifläche,
Betriebsfläche (32,9%), Erholungs -
und Friedhofsfläche (11,8%) und
Verkehrsfläche (16,3%) auf. Damit
ist die Flächenaufteilung typisch für
eine Stadt des Typs Großstadt. Im
Landesdurchschnitt entfällt jedoch
nur 22,9% auf Siedlungs - und Ver -
kehrsflächen. Es zeigt sich an diesen
Zahlen, dass die Hälfte des Stadtge -
bietes versiegelt sind, 1/3 des Stadt-
gebiets sind bebaut – hier dominie-
ren in der Peripherie Wohngebiete,
im Zentrum Mischgebiete. Die
Hälfte des Stadtgebietes ist nicht
versiegelt (Erholungs - und Freiflä-
che und Frei fläche außerhalb der
Siedlungs- und Verkehrsfläche),
hier sind die größ ten Anteile mit je
16,6% Landwirt schaftsfläche und
Waldfläche.
Grünsystem
Landwirtschafts- und Waldfläche
sind überwiegend am Stadtrand zu
finden, jedoch verfügt Köln über ein
einzigartiges Grünsystem: Es gibt
den inneren und den äußeren
Grüngürtel, die sich beide aus der
Abbildung 12: Der Ist-Zustand des Betrachtungsraums (Flächen-
nutzung, Grünsystem, Gewässersystem. Versiegelung und Kanalsys-
tem).
46
ehemaligen Stadtbefestigung entwickelt haben. Ersterer umschließt halbkreisförmig die links-
rheinische Innenstadt, Zweiterer legt sich annähernd um das gesamte Stadtgebiet. Die beiden
Ringe sind durch viele kleine Grünanlagen miteinander verbunden. Damit verfügt Köln über ein
großes zusammenhängendes System aus Grünflächen, die sich über das Stadtgebiet verteilen.
Gewässersystem
Im Stadtgebiet gibt es einige verlandete Mäanderbögen des Rheins, wie z.B. den Worringer Bruch,
südlich von Worringen, der mit 37,5 m über NN den tiefsten Punkt darstellt. Das Stadtbild prägt
der Rhein, jedoch gibt es einige Bäche, die das Stadtgebiet durchziehen. Dabei unterscheiden sich
die linksrheinischen Fließgewässer deutlich von den rechtsrheinischen Bächen. Erstere sind in
ihrer Wasserführung stark durch den Braunkohle Abbau im Rheinischen Revier und der damit
verbundenen Grundwasserabsenkung beeinflusst. Zudem verläuft der einzige das S tadtgebiet
querende Bachlauf (Duffesbach) auf gesamter Strecke verrohrt. Rechtsrheinisch entspringen alle
Bäche den Bergischen Hochflächen und verfügen über ein natürliches Wasserangebot. Je weiter
die Bäche in den innerstädtischen Bereich vordringen, desto mehr Verrohrungen der ursprüngli-
chen Bachverläufe treten auf und befördern das Bachwasser in Kanälen unter dem Stadtgebiet
hindurch in den Rhein. Auch fangen Randkanäle an den Stadtgrenzen das von den oberhalb lie -
genden Städten abfließende geklärte und nicht klärpflichtige Abwasser sowie die natürliche Ge-
wässermengen auf und schützen die bebauten Kölner Stadtteile von Hochwasser.
Ein längerfristiges Niedrigwasser kann in den natürlichen Gewässerläufen zu erheblichen Prob-
lemen für die Fauna und Flora führen. Daher enthält das Gewässerentwicklungskonzept (Ratsbe-
schluss vom 14.05.2020, Vorlagen Nr. 3406/2019) ein eigenes Kapitel zum Umgang mit längeren
Trockenwetterperioden.
Makroklima
Köln gehört großklimatisch zur warmgemäßigten, feuch ten Westwindzone Mitteleuropas. D as
Klima ist geprägt von milden, feuchten, wolkenreichen Luftmassen mit Südwest- bis Westwinden
und damit einhergehenden kühlen Sommern und mi lden Wintern. In den letzten Jahren (2018 -
2020) war es jedoch in den Sommern sehr heiß und trocken. Die Niederrheinische Bucht, zeichnet
sich durch eine mittlere Jahrestemperatur von 9 °C und mittlere Niederschlagshöhen von 550 mm
bis 900 mm aus. An der DWD-Messstation am Köln-Bonner Flughafen wurden im Zeitraum 1981
bis 2010 durchschnittlich 10,3 °C und 839 mm Niederschlag gemessen. Der meiste Niederschlag
fällt im Juni mit durchschnittlich 90,7 mm, mit 18,8 °C ist der Juli der wärmste Monat, bezogen auf
den Zeitraum 1981 - 2010. Im Zeitraum 1958 bis 2010 stieg die Temperatur pro Dekade um 0,2
K, dabei nimmt die Anzahl der Sommertage und der heißen Tage zu. Im Hin blick auf Starkregen
gab es im Zeitraum von 1958 bis 2010 keinen signifikanten statistischen Trend. Die meisten
Starkregenereignisse ereignen sich im Sommerhalbjahr (Mai bis Oktober).
Urbane Wärmeinsel
Bereits heute heizt sich die Innenstadt und dicht bebaute Stadtquartiere gegenüber den Kölner
Umland deutlich auf (urbane Wärmeinsel). Dadurch, dass Gebäude und Straßen
Sonneneinstrahlung als Wärme speichern, ist eine nächtliche Abkühlung nur verzögert möglich.
In Bereichen mit Grünzügen ist dieser urbane Wärmeinsel- Effekt geringer, da die Vegetation
durch Transpiration zu einer Kühlung umgebender Flächen beiträgt . Für stark verdichtete
Bereiche mit geringem Grünflächenanteil bedeutet das jedoch, dass der urbane Wäremeinsel-
Effekt besonders ausgeprägt ist. Die urbane Wärmeinsel führt zu einem erhöhten Hitzestress, der
für sensibele Bevölkerungsgruppen, wie z.B. Ältere, eine gesundheitliche Belastung darstellt und
damit die Lebensqualität einschränken kann.
47
Kanalsystem
Köln wird überwiegend durch Mischsysteme entwässert und verfügt über 5 Klärwerke zur Ab-
wasserreinigung. Das ist das Großklärwerk Stammheim, wo der überwiegende Anteil (~80%) des
Abwassers geklärt wird, sowie die vier Außenklärwerke (Weiden, Langel, Rodenkirchen und
Wahn). Zusätzlich gibt es in Köln auch Trennsysteme bei denen Schmutzwasser und Regenwasser
getrennt abgeleitet werden. In Mischsystemen wird Schmutzwasser und Niederschlagswasser in
einem Abwassersystem vermischt und zu den Kläranlagen geleitet. Bei stärkeren Regen wird das
Mischwasser auch in den großen, unterirdischen Becken und Staur aumkanälen gespeichert und
sukzessive zur Kläranlage geleitet. Bei Starkregen und wenn das Beckenvolumen erschöpft ist,
wird stark verdünntes Mischwasser, der sogenannte nichtklärpflichtige Mischwasseranteil, in den
Vorfluter eingeleitet. Die Einleitung von Niederschlagswasser und von nichtklä rpflichtigem
Mischwasser in den Vorfluter führen neben stofflichen Einträgen zu einer hydraulischen Belas -
tung der wasserseitigen Fauna und Flora . Durch die Niederschlagswasserversickerung und
–nutzung vor der Ableitung des Niederschlagswassers in Kanälen wird die stoffliche und hydrau-
lische Belastung der Vorfluter reduziert. Zusätzlich werden die Misch - und Trennsysteme durch
die Versickerung und Nutzung des Niederschlagswassers hydraulisch entlastet.
11.1.2 Stadtteilanalyse
Aufgrund der Größe des Kölner Stadtgebietes wurden die verfügbaren Daten zu den einzelnen
Stadtteilen bewertet. Dazu wurden auf Stadtteilebene die nachfolgenden Kriterien ausgewertet:
- Hitzebelastung
- Überflutungsflächen
- Versiegelungsgrad
- Verkehrsbelastung
Hitzebelastung
Die Untersuchung „Klimawandelgerechte Metropole Köln“ (2013) beschäftige sich mit der Wär-
mebelastung und den Hitzeauswirkungen auf die Bürger*innen in Köln. Dazu wurde MUKLIMO_3,
das Stadtklimamodell des Deutschen Wetterdienstes DWD, herangezogen. Das Stadtklimamodell
MUKLIMO_3 dient der Untersuchung stadtklimatologischer Fragestellungen und basiert auf den
Prinzipien der Massenerhaltung, Energieerhaltung und Impulserhaltung. Das Modell nutz regio-
nale Klimaprojektionen wie zum Beispiel Tagesgang des Windes, Temperatur und Luftfeuchtig-
keit, um Wettertrends zu berechnen. Wolken und Niederschlagsentstehung können nicht model-
liert werden. Die Ergebnisse zeigen die prognostizierte Entwicklung der mittleren jährlichen An-
zahl an heißen Tagen in Köln bis zum Jahr 2050 unter Berücksichtigung der Flächennutzungsän-
derungen (Muklimo_3, Szenario A1B, Modell CLM; Daten vom Umwelt amt und Verbr aucher-
schutzamt).
Die Hitzebelastung in Köln wird anhand der Planungshinweiskarte Hitze in 5 Klassen eingeteilt,
wobei Klasse 1 „sehr hoch belastete Siedlungsflächen“ darstellt und Klasse 5 „stark klimaaktive
Flächen“. Für die Stadtteilanalyse werden die Hitzeklassen 1 und 2 berücksichtigt. Für die Lokali-
sierung kleinräumiger Hot -Spots (Fokusgebiete) wird ausschließlich die Hitzeklasse 1 berück-
sichtigt, um die am höchsten belasteten Bereiche zu identifizieren.
Überflutungsflächen
48
Grundlage für die Berücksichtigung der Überflutungsflächen waren die Berechnungen der Stark-
regengefahrenkarte. Die Überflutungsflächen wurden mithilfe einer hydraulischen Modellierung
und einer mehrmonatigen Rechenzeit moderner Computer erstellt. Ein solches Modell speist sich
aus Niederschlagsdaten und topografischen Höhendaten. Die Methodik orientiert sich unter an -
derem am Merkblatt DWA-M 119.
Als Niederschlagsdaten wurden Stundenwerte für ein mittleres, ein seltenes und ein extremes
Starkregenereignis ausgewählt. Die angesetzten Werte sind: 38,5 Liter pro Quadratmeter (30 -
jährlich/mittleres Ereignis), 43 Liter pro Quadratmeter (50-jährlich/seltene Ereignis) und 48 Li-
ter pro Quadratmeter (100-jährlich/außergewöhnliches Ereignis). Für die topografischen Daten
wurde ein digitales Geländemodell mit 1x1-Meter-Raster (Stand 2016) verwendet.
Anschließend wurden die Niederschlagsdaten in dem Rechenmodell mit den topografischen Da -
ten verschnitten. Mi ttels eines speziellen Computerprogramms (nach der Multiflow -Methode)
wurde für jede der gewählten Geländezellen berechnet, in welche Richtung das Niederschlags -
wasser an der Geländeoberfläche fließt (Fließwegsimulation). Hierbei wurde rechentechnisch an-
genommen, dass der Niederschlag komplett abflusswirksam wird, Verdunstung und Versickerung
werden somit bei einem Starkregenereignis für die Simulation ausgeschlossen. Dies ist für ein sel-
tenes oder extremes Starkregenereignis eine realistische Annahme, da der Boden sehr große Was-
sermengen innerhalb der kurzen Ereignisdauer nicht aufnehmen kann. Bei der Berechnung der
Fließwege wurden Gebäude berücksichtigt und anhand des Amtlichen Liegenschaftskataster in-
formationssystems (ALKIS) in das Rechenmodell integriert.
Bei der Berechnung der Gefahrenkarten wurde das Kanalnetz nicht berücksichtigt, also wurde
rechentechnisch davon ausgegangen, dass kein Oberflächenwasser über Gullys und Straßenab -
läufe in die Kanalisation gelangt. Eine gekoppelte Berechnung, d.h. die Berücksichtigung von Ab -
flüssen im Kanalnetz gekoppelt mit denen an der Oberfläche, ist sehr aufwändig und aufgrund der
Rechenkapazitäten für das gesamte Kölner Stadtgebiet derzeit nicht möglich. Eine gekoppelte Be-
rechnung von Oberfläche und Kanalnetz findet nur bei besonderem Bedarf, wie z.B. bei Hinweisen
auf hydraulische Kapazitätsprobleme im Kanalnetz, statt. Da die Schachtabdeckungen und Stra -
ßenabläufe lediglich auf ein deutlich g eringeres Bemessungsereignis ausgelegt werden und oft -
mals bei starken Regenereignissen sich durch Laub u.a. zusetzen, muss ohnehin davon ausgegan-
gen werden, dass es bei außergewöhnlichen Starkregenereignissen zu Überflutungen an der
Oberfläche kommt, bevor die Kanalisation ihre Kapazitätsgrenze erreicht hat.
Weitere unterirdische Objekte, wie z.B. Unterführungen, Tunnel, U-Bahn, Tiefgaragen, Hauskeller,
die bei einem Starkregen volllaufen und somit maßgebende Teile des Oberflächenwassers auf-
nehmen könnten, wurden in den Rechenmodellen ebenfalls nicht berücksichtigt, da auch diese
mittelfristig geschützt werden sollen. Diese sich rechentechnisch nach Abschluss der ausgewähl-
ten Regenereignisse ergebenden Wasserstände wurden in verschiedenen Blautönen visualisiert.
Die Stellen, die in den Karten dunkelblau dargestellt sind, weisen eine besonders hohe Über flu-
tungsgefahr auf und bedürfen daher einer besonderen Betrachtung (NBK, StEB Köln).
In Köln gibt es za hlreiche Überflutungsflächen unterschiedlichen Ausmaßes. Es wurde deshalb
nach Größe und Tiefe der Flächen selektiert. Für die weitere Analyse wurden nur besonders ge-
fährdende Überflutungsflächen berücksichtigt, Flächengröße von mind. 2.000 m² und einer Über-
flutungstiefe von mind. 30 cm.
Versiegelungsgrad
49
Das Bundesamt für Naturschutz schreibt in seinem Abschlussbericht zum F+E Vorhaben „Grüne
Infrastruktur im urbanen Raum: Grundlagen, Planung und Umsetzung in der integrierten Stadt -
entwicklung“ (2018), dass urbanes Grün eine wicht ige Rolle innerhalb der wassersensiblen und
hitzeangepassten Stadtentwicklung darstellt. Wenig Grün bedeutet, dass die Fläche einen erhöh-
ten Versiegelungsgrad aufweist. Stark versiegelte Flächen erlauben nur wenig bis keine Versicke-
rung. Die Wasserbilanz ist in diesen Bereichen deutlich negativ. Zusätzlich kann Nieder schlags-
wasser sich auf der versiegelten Oberfläche akkumulieren und Überflutungsgefährdungen auslö-
sen. Orte mit erhöhter Versiegelung heizen sich zudem stark auf . Somit stellen stark ver siegelte
Flächen die Grundlage für multiple negative Klimafolgen dar.
Verkehrsbelastung
Die Daten der Kraftfahrzeuge (Kfz) pro Straße pro Tag geben Hinweise darauf, welche Straßen -
züge eine besonders hohe Verkehrsbelastung und demnach durch den Reifenabrieb eine Nieder-
schlagswasserbelastung aufweisen. Weiterhin gibt die Anzahl der Kraftfahrzeuge Aufschluss über
die Luftqualität. Stark befahrene Straßenzüge weisen höhere Emissionswerte auf. Aus der Ver -
kehrsbelastung der Straßen ergeben sich Anforderungen an den Umgang von Oberflächenwasser
(vergl. Abbildung 10).
Für die Stadtteilanalyse werden die Flächen berücksichtigt, die mehr als 2.000 Kfz pro Straße pro
Tag aufweisen.
Auswertung
Die Datensätze wurden für die Stadtteile prozentual zu ihrer Gesamtfläche dargestellt, um eine
vergleichende Aussagen zu ermöglichen. Diese Übersicht erlaubt Einschätzungen darüber, welche
Stadtteile vergleichsweise starken oder schwächeren Belastungen ausgesetzt sind.
Bei der Gefahrenanalyse werden zunächst die Stadtteile untersucht und anhand folgender Eigen-
schaften gegenübergestellt:
- Flächenanteil Hitzeklasse 1 und 2 im Vergleich zur gesamten Stadtteilfläche
- Flächenanteil Überflutungsflächen zur gesamten Stadtteilfläche
- Flächenanteil der > 50% versiegelten Fläche im Vergleich zur gesamten Stadtteilfläche
- Verkehrsbelastung
Es ist zu erkennen, dass die innerstädtischen Stadtteile ein erhöhtes Verkehrsaufkommen und
einen hohen Anteil stark versiegelter Flächen aufweisen, sowie einer höheren Hitzebelastung aus-
gesetzt sind. Beispielhaft zu nennen sind hier Ehrenfeld, Neu-Ehrenfeld, Bickendorf, Kalk, Brauns-
feld, Neustadt-Süd, sowie Altstadt Nord und Altstadt Süd. Die Anzahl der Überflutungsflächen ist
besonders in den weiter außerhalb liegenden Stadtteilen erhöht. Grund dafür ist vor allem, dass
dort viele Grün-, Frei- und Ackerflächen große Überflutungsflächen aufweisen. Diese Flächen stel-
len jedoch nur in seltenen Fällen eine erhöhte Gefahr dar. Eine ausführliche Tabelle der Stadtteile
mit den Ergebnissen der Analyse kann dem Anhang 2 entnommen werden. Abbildung 13 veran-
schaulicht die Ergebnisse der Analyse auf Stadtteilebene.
50
11.2 Gefährdungsanalyse - Fokusgebiete
Eine Identifizierung defizitärer Stadträume mit hohem Handlungsbedarf ermöglicht einen zielge-
richteten Einsatz vorhandener Mittel unter Berücksichtigung des Umweltgerechtigkeitsgedan -
kens.
Die Identifizierung der Fokusgebiete erfolgte in zwei Schritten. Zunächst wurden anhand festge-
legter harter Kriterien Fokusgebiete mit dem größten Handlungsbedarf identifiziert. Nach der
ersten Abfrage waren 61 Gebiete im näheren Fokus (siehe Anhang 3).
In einem Radius von 250 m um diese 61 Fokusgebiete wurde anschließend der durchschnittliche
Versiegelungsgrad in die Bewertung einbezogen. Zusätzlich wurde manuell überprüft, welche Ge-
biete aus der automatisierten Abfrage für die weitere Untersuchung nicht in Frage kommen. Ent-
fallen sind somit zum Beispiel Fokusgebiete, die lediglich an einer Unterführung oder auf einer
Leitfragen Gefährdungsanalyse:
- Wo akkumulieren sich Defizite mit Handlungsbedarf auf städtischem Raum?
- Welche Stadtbereiche sind Klimafolgen besonders stark ausgesetzt?
Abbildung 13: Analyse und Gegenüberstellung der Stadtteile.
51
Autobahn Überflutungsflächen aufweisen. Werden nur Fokusgebiete mit einem Versiegelungs -
grad > 50 % (im Verhältnis zur gesamten Fläche des Fokusgebietes) berücksichtigt, ergeben sich
insgesamt 19 Fokusgebiete mit besonders hohem Handlungsbedarf (siehe Anhang 4).
Abbildung 14 verortet die 19 priorisierten Fokusgebiete mit höchstem Handlungsbedarf auf Köl-
ner Stadtgebiet und werden im Anhang 4 aufgeführt.
Abbildung 14: Verortung der 19 priorisierten Fokusgebiete als Ergebnis der Raumanalyse.
52
Für die Prüfung der Abfrage über das Geographische Informationssystem ArcGIS und die weitere
qualitative Untersuchung der Fokusgebiete sind die Kriterien in unterschiedlichen Layern darge-
stellt. In Abbildung 15 wird als Beispiel die örtliche Überflutungsfläche (> 2.000, tiefer 30 cm) und
die räumliche Einordnung der Hitzeklasse 1 dargestellt. Ergänzend wurden die Straßen mit einer
Verkehrsbelastung < 2.000 DTV in das Bild eingeblendet, um diejenigen Straßenabschnitte mit
einer potentiellen Versickerung zur Reduzierung der Überflutungsgefahr auszuweisen. Durch die
vorliegende umfangreiche Datengrundlage können nicht alle Layer abgebildet werden. Weitere
Kriterien wie Fließwege, Senken, etc. liegen der Untersuchung separat vor.
11.3 Ausblick – Potentialanalyse und Maßnahmenkonzept
Für die Realisierung einzelner Bausteine der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung sollte
das Flächenpotential untersucht werden. Die Potentialanalyse für die Nutzung von Regenwasser
Abbildung 15: Beispielhafte Darstellung Fokusgebiet mit Informationen der untersuchten Kriterien (hier Viet-
orstraße in Köln-Kalk).
53
zur Verdunstungskühlung in deutschen Städten wurde vom Umwelt Bundesamt (UBA) auf den
Ebenen Gebäude, Quartier und Gesamtstadt durchgeführt. Dieser Grundbaustein lässt sich auf das
Kölner Vorhaben der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung übertragen. Das UBA unter-
scheidet zwischen vier Potentialstufen:
- technisches Potential
- theoretisches Potential
- wirtschaftliches Potential
- tatsächlich erschließbares Potential
Wie in Abbildung 16 dargestellt, verringert sich das Potential im Ablauf des Prozesses, da jeweils
weitere Restriktionen zu berücksichtigen sind. So führt das UBA mit Blick auf das urbane Regen-
wassermanagement z.B. bauliche, natürliche sowie ökonomische Restriktionen (z.B. Kosten-Nut-
zen-Verhältnis von Maßnahmen zum dezentralen Regenwassermanagement) auf. Zudem sind
weitere Handlungsrestriktionen zu beachten.
Technisch betrachtet, wäre jede Maßnahme überall umsetzbar, jedoch bestimmen räumliche Ge-
gebenheiten die tatsächliche Realisierbarkeit. In der ersten Stufe der Potentialanalyse wird unter-
sucht, welche baulichen und natürlichen Restriktionen die Umsetzung beeinflussen. Daraus folgt
das theoretische Potential. In der zweiten Stufe wird das Kosten-Nutzen Verhältnis untersucht. In
der letzten Stufe werden die Handlungsrest riktionen überprüft und beschreiben s omit das er -
schließbare Potential: Welche Orte erlauben die Umsetzung der Maßnahme und welche Orte biete
das größte Potential für eine erfolgreiche Umsetzung?
Die einzelnen Stufen können folgende Kriterien umfassen:
Abbildung 16: Projektspezifische Potentialpyramide (nach UBA 2019).
54
Bauliche und natürliche Restriktionen: Wasserschutzgebiet, private Flächen, Denkmalschutz,
Restriktionen durch den Flächennutzungsplan, Versickerungsfähigkeit, Bodenbeschaffenheit,
festgesetztes Überschwemmungsgebiet, Grundhoc hwasser, Fließwege, Bauvorgaben (z.B. Ab -
standsregelungen)
Kosten-Nutzen Restriktionen: Wie teuer wäre der Umbau der Maßnahme? Wie teuer sind die
Instandhaltungskosten? Wie steht dies in Relation zueinander?
Handlungsrestriktionen: Welche weiteren Restriktionen gilt es zu beachten? Die örtlichen Ge-
gebenheiten müssen detailliert überprüft und mit den vor Ort Betroffenen abgestimmt werden.
Handlungsrestriktionen werden zum Beispiel durch politische Entscheidungen gesetzt. Welch e
Belange gilt es miteinander in Einklang zu bringen?
Es ist vorgesehene, eine derartige Potentialanalyse bei zwei Pilotvorhaben bzw. zwei Fok usge-
biete gemeinsam mit allen betroffenen städtischen Dienststellen durchzuführen und mittels eines
speziellen Berechnungsprogramms die Wirksamkeit der tech nischen Maßnahmen zur Klima fol-
genanpassung zu prüfen. Daraus könnte sich eine Blaupause für eine flächige Anwendung der
Möglichkeiten ergeben.
11.4 Ausblick - Bearbeitung der Fokusgebiete
Durch die Analysen konnten kleinräumige Fokusgebiete mit hohem Handlungsbedarf identifiziert
werden. Insgesamt wurden anhand der Kriterien 19 Fokusgebiete für die weitere Untersuchung
identifiziert. Zukünftig sollen diese Straßenzüge vor Ort besichtigt und hinsichtlich ihrer Eignung
für etwaige Maßnahmen der wasserwirtschaftlichen Klimaanpassung bewertet werden. Mit Hilfe
eines Vorher-/Nachher-Vergleichs des gegenwärtigen Zustandes mit einer klimaangepassten Pla-
nung durch Implementierung grün-blauer Infrastruktur sollen maßnahmenübergreifende Hand-
lungsanreize geschaffen werden. Für die Überprüfung der Umsetzbarkeit und zur Visualisierung
unterschiedlicher Planzustände ist eine Anwendung der Software „Green Scenario“ von Ramboll
Studio Dreiseitl vorgesehen.
Leitfragen Potentialanalyse
- Welche Stadtentwicklungsmaßnahmen sind bereits geplant bzw. stehen Umgestaltungen
an?
- Wie sind Kapazität und Stand des Kanalsystems? Sind hier Sanierungsmaßnahmen not-
wendig?
- Ergeben sich Synergieeffekte aus Planungen unterschiedlicher Disziplinen?
- Urbane Qualitäten und Wassermanagement verbessern: Welche Problematiken und Rest-
riktionen hinsichtlich der Sicherheit und Funktionalität der Wasserinfrastruktur sowie
der Qualität des öffentlichen Raums herrschen vor (Wasserschutzgebiet, Bodenbeschaf-
fenheit)?
Datensatz Potentialanalyse (weiche Kriterien)
- Sanierungsbedarf Kanalnetz
- Straßen mit weniger als 2.000 Kfz/Tag (geringer Verschmutzungsgrad)
- Versiegelungsgrad (Auskunft über befestigte Fläche und Grünflächenanteil)
- Flächen mit Potential zur Multifunktionalen Nutzung
- Fließwege
55
Green Scenario ist eine softwarebasierte Simulations- und Kollaborationsplattform zur klimaan-
gepassten Stadtplanung. Für Neubauprojekte und im Bestand kann mit Hilfe der Software für un-
terschiedliche Planungsvarianten eine ganzheitliche Bewertung auf Grundlage standort spezifi-
scher Daten vorgenommen werden. Gemäß einer herkömmlichen Machbarkeitsstudie erfolgt eine
Beurteilung der Ergebnisse nach ökologischem Nutzen, nach sozialem Mehrwert, sowie nach wirt-
schaftlichen Parametern. Das Investitionsvolumen für unterschiedliche Planungs varianten kann
somit für einen definierten Planungsraum (z.B. Straßenzug oder Quartier) angegeben werden und
als Referenz zur Kostenabschätzung für weitere Projekte der grün-blauen Infrastruktur herange-
zogen werden. Eine grün-blaue Maßnahmenplanung mittels Green Scenario könnte für zwei Pla-
nungsräume in 2021 erfolgen. Die Auswahl der Planungsräume erfolgt basierend auf der im vor-
liegenden Konzept durchführten A nalyse und in enger Abstimmung mit den zuständigen städti-
schen Ämtern.
Alle Fachdienststellen sollen durch ihre Beteiligung an diesen besonders anspruchsvollen Gebiet-
splanungen eigene Erfahrungen sammeln und diese bei ihren eigenen Vorhaben anwenden ler-
nen. So soll eine Übertragung zur Anwendung von Maßnahmen zur Klimaanpassung auf alle Be-
reiche und Beteiligte ausgerollt werden.
12 Kommunikationskonzept
12.1 Städtische, stadtnahe und private Bauträger im öffentlichen Raum
Eine bedeutsame Aufgabe zur Erreichung der strategischen Ziele und der Gewährleistung einer
effizienten und bedarfsangepassten Implementierung ist die zeitliche und fac hliche ämterüber-
greifende Koordination potentieller Maßnahmen. Dies setzt einen Ausbau vorhandener Personal-
kapazitäten voraus. Ziel ist u.a. die Identifizierung von Bebauungsgebieten und Sanierungs-/Mo-
dernisierungsvorhaben zur zeitnahen Berücksichtigung von Maßnahmen bei aktuellen oder ge -
planten Bauvorhaben. Hierzu zählt z.B . der Bau von Fahrradwegen, Erneuerung von Rohren für
die Gas- oder Trinkwasserversorgung und Abwasserableitung, bei Straßensanierungen, Grünflä-
chenumgestaltungen oder sonstigen städtebaulichen Planungen. Hierdurch soll die kontinuierli-
che Einbeziehung von Schwammstadtmaßnahmen in die künftige Stadtentwicklung und rechtzei-
tige Berücksichtigung in der Gebäude - und Raumplanung gewährleistet werden. Eine Verbesse-
rung administrativer Prozesse ist wünschenswert: Verantwortlichkeiten und Ansprech partner
müssen klar benannt, Schnittstellen identifiziert und Prozessabläufe transparent gestaltet wer-
den.
12.2 Meinungsbildner
Durch die Einbindung von Stakeholdern und die Integration von Bürgern und Vereinen in die Um-
setzung und Betreuung wird ein partizipativer Planungsprozess angestrebt.
Mittels Durchführung von Informationsveranstaltungen sollen private Eigentümer, Wohnungs -
baugesellschaften und Wohnungseigentümergemeinschaften über die Notwendigkeit zur Umset-
zung von Maßnahmen der Klimafolgenanpassung informiert und Kofinanzierungs-möglichkeiten
aufgezeigt werden. Zusätzlich denkbar wäre die Ausschreibung von Wettbewerben, Bereit stel-
lung von Simulationssoftware und Best -Practice Beispielen, um Gestaltungsmöglichkeiten und
Nutzungsvorteile zu kommunizieren. Eine Liste mit potentiellen Softwares und Tools, die hierfür
genutzt werden könnten, ist dem Anhang 5 zu entnehmen.
56
12.3 Betroffene
Zur Umsetzung des Konzeptes zur wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung ist ein umfang-
reiches und auf die jeweilige Zielgruppe ausgerichtetes Kommunikationskonzept mit definierten
und auf Erfolg überprüfbaren Maßnahmen unumgänglich. Nachfolgend werden einige Eckpunkte
eines noch zu konkretisierenden Kommunikationskonzeptes skizziert.
Zentrale Funktion des Kommunikationskonzeptes ist die Bekanntmachung der Klimafolgen in der
Bürgerschaft und der Unternehmerschaft der Stadt Köln. Im Idealfall sorgt die Umsetzung des
Kommunikationskonzeptes dafür, dass in der Öffentlichkeit ein Diskurs über das Thema wasser-
wirtschaftliche Klimafolgenanpassung entsteht. Vorbehalte gegen über geplanten Maßnahmen
können im Rahmen der Kommunikation zur Bürgerschaft und den Unternehmen frühzeitig ange-
sprochen und abgebaut werden.
Die zentralen Zielsetzungen des Kommunikationskonzeptes sind in folgenden Punkten zu sam-
mengefasst:
Die Umsetzung des Kommunikationskonzeptes sorgt durch einen intensiven Austausch mit der
Bevölkerung dafür, dass die Aufklärung, Bewusstseinsbi ldung und Sensibilisierung zum Thema
Klimawandel, öffentlicher Raum und Wasser in der Stadt gefördert werden. Die Bedeutung von
Grünflächen im Allgemeinen und grünen Fassaden im speziellen für urbane Räume wird deutlich.
Dabei werden kommunikative Schwerpu nkte auf der Anpassung an den Klimawandel (Stadt -
klima), lokaler Starkregen und urbane Biodiversität gelegt. Der negative Aspekt von vermehrt auf-
tretenden Trockenperioden soll ebenfalls beleuchtet werden.
Im Rahmen des Kommunikationskonzeptes sollen verschiedene Zielgruppen über wasserwirt -
schaftliche Klimafolgenanpassung umfänglich informiert werden. Ziel ist es, durch die Bereitstel-
lung zielgruppenspezifischer Informationsmaterialien zusätzliche Maßnahmen im privaten Raum
angestoßen. Vorurteile gegenüber Fassadenbegrünung oder Wasserflächen ( zB. Vermehrtes In-
sektenaufkommen) werden nachhaltig abgebaut. Fachwissen aus wissenschaftlichen und nach-
vollziehbaren Studien wird kommuniziert. Ein wichtiger Aspekt des Kommunikations konzeptes
liegt auf der Bürgerinformation über geplante Maßnahmen auf Kölner Stadtgebiet. Sachliche Ein-
wände und Anregungen der Bürgerschaft sollen aufgenommen werden.
Im Rahmen der SWOT-Analyse sollen anschaulich Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken des
Kommunikationskonzeptes dargestellt werden. Die SWOT -Analyse sollte für die zu entwickeln-
den Maßnahmen durchgeführt werden, um diese nachvollziehbar zu planen und den Erfolg zu
messen.
Tabelle 13: Übersicht der SWOT-Analyse (eigene Darstellung).
Stärken Schwächen
Die StEB Köln hat als zentraler Träger des Kom-
munikationskonzeptes eine hervorragende Ex-
pertise und Glaubwürdigkeit im Bereich der Was-
serwirtschaft. Auch sind die wesentlichen Ak-
teure der Stadtgesellschaft in diesem Bereich be-
kannt und können zielgenau angesprochen und
eingebunden werden.
Grundsätzlich scheint es wenige Schwächen zu
geben. Allerdings ist auch durch die Corona-Krise
davon auszugehen, dass die Stadtfinanzen über
Jahre angespannt bleiben. Investitionen in Maß-
nahmen der Klimafolgenanpassung müssen einen
klar erkennbaren Nutzen haben, um eine gesamt-
gesellschaftliche Akzeptanz zu erhalten.
Das Thema Klimafolgenanpassung dürfte in wei-
ten Teilen der Stadtgesellschaft sehr positiv be-
setzt sein. Eine bejahende Resonanz aus der Be-
völkerung ist zu erwarten.
Kleineren Befürchtungen, wie z.B. das Auftreten
von Mücken oder anderen Insekten durch die Ein-
richtung von Wasserflächen sollte prophylaktisch
begegnet werden.
57
Durch eine zu erwartende positive Resonanz der
Bevölkerung auf das Thema „Schwammstadt“ und
„Wasser in der Stadt“ können über eine zielge-
naue Kommunikation frühzeitig Widerstände ge-
genüber Projekten abgebaut werden.
Chancen Risiken
Durch das Kommunikationskonzept kann die Be-
reitschaft in der Bevölkerung gesteigert werden,
gegen Starkregen im privaten Bereich aktiv zu
werden. Insgesamt könnte mehr Stadtgrün im
privaten Raum (auch z.B. durch VertiKKA) entste-
hen.
In bestimmten Fällen könnte das Thema auf Des-
interesse, Gleichgültigkeit oder Ablehnung der
Bevölkerung stoßen. Die Bevölkerung sollte mit
den hier skizzierten Themen nicht aufdringlich in-
formiert werden. Unterschiedliche Bevölkerungs-
gruppen haben insbesondere in urbanen Sozial-
räumen dringlichere Probleme (z.B. Wohnungs-
not oder Arbeitslosigkeit).
Durch eine geschickte Verknüpfung des Themas
„Schwammstadt“ mit anderen Projekten und Ini-
tiativen der StEB Köln und Stadt Köln (z.B. För-
derprogramm GRÜN hoch 3 Dächer | Fassaden |
Höfe können Synergien erzeugt werden.
Das Strategiekonzept zur wasserwirtschaftlichen
Klimafolgenanpassung sollte mit breiter Mehrheit
beschlossen werden, um die gesamtgesellschaftli-
che Akzeptanz zu erhöhen.
Die Bevölkerung kann durch das Kommunikati-
onskonzept für die Themen Klimaanpassung,
Starkregen und urbanes Grün sensibilisiert wer-
den.
Die städtischen Fachämter müssen umfangreich
und intensiv eingebunden werden, um die Umset-
zung des Konzeptes in die Praxis zu realisieren.
Nur so kann sichergestellt werden, dass das Kon-
zept auch in alltägliche Abstimmungsprozesse in-
tegriert wird.
Im Zuge der Entwicklung des Konzeptes könnte
eine Modernisierung der Gesetzgebung angesto-
ßen werden, um neuen Zielsetzungen gerecht zu
werden.
Sollte das Konzept beschlossen, aber keine Maß-
nahmen konkret umgesetzt werden, könnte dies
zu Enttäuschungen in der Bevölkerung führen.
Die teilnehmenden Institutionen können einen
Imagegewinn erwarten.
Das Kommunikationskonzept möchte unterschiedliche Zielgruppen adressieren. Je nach Ziel-
gruppe können sich die Kommunikationsinhalte ändern.
Bürgerschaft der Stadt Köln
Die Bürgerschaft der Stadt Köln ist die Hauptzielgruppe des Kommunikationskonzeptes. Die Bür-
gerschaft sollte über das Konzept und geplante Maßnahmen informiert werden. Hierzu soll die
Bürgerschaft zunächst über bestimmte, mit dem Thema „Schwammstadt“ in Verbindung stehende
Themen, sachlich aufgeklärt werden. Die Unternehmer und Gewerbebetreibenden im Kölner
Stadtgebiet können vergleichbar angesprochen und motiviert werden.
Der Klimawandel und die Notwendigkeit der stadtplanerischen Anpassung an die veränderten
Wetterbedingungen:
- Ein Schwerpunkt liegt auf den Folgen des Starkregens und der Gefahr der Bildung einer
innerstädtischen Hitzeinsel. Den Menschen sollte bew usst werden, dass diese Probleme
direkte Auswirkungen auf das eigene Leben haben.
58
Die Bedeutung von Wasser und urbanem Grün:
- In diesem Zusammenhang sollen auch Aspekte von Trockenperioden und ihre Auswirkun-
gen auf die Stadt thematisiert werden.
Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Selbstvorsorge:
- Des Weiteren möchte die StEB Köln ein Feedback der Bürgerschaft zum Thema
„Schwammstadt“ erhalten. Letztlich kann die Konzeption nur erfolgreich umgesetzt wer-
den, wenn die Bürgerschaft ebenfalls Maßnahmen eigenverantwortlich umsetzt und ge-
gen geplante Maßnahmen keine Einwände hat.
Stadt Köln und StEB Köln
Die Planungsbehörden der lokalen Verwaltungen in Köln sollen über das Thema „Schwammstadt“
informiert und zur Umsetzung sensibilisiert werden. Verschiedene Maßnahmen zur wasserwirt-
schaftlichen Klimafolgenanpassung sollten zum Standard bei neuen Bauvorhanden werden, ohne
dass diese eingefordert werden müssen. Durch entsprechende Ratsbeschlüsse können bestimmte
Maßnahmen obligatorisch in der lokalen Stadtplanung etablier t werden, beispielsweise im Zuge
der Abwägung unterschiedlicher Belange bei Bebauungsplanungen.
Um die Maßnahmen der Klimaanpassung bei allen städtischen Planungen zu unterstützen und
deren Umsetzung zu initiieren wollen die StEB Köln aktiv und dauerhaft unterstützen. Hierzu wer-
den Möglichkeiten bereits in den frühzeitigen Planungen aufgezeigt sowie die Auswirkungen der
Planungen auf den Wasserkreislauf und auf die Klimafolgen berechnet.
Wohnungsbau- und Wohnungsverwaltungsgesellschaften
Große Wohnungsbau- und Wohnungsverwaltungsgesellschaften sind mögliche Zielgruppen die -
ses Kommunikationskonzeptes. Auch bei der Sanierung und Neuplanung von neuem Wohnraum
sollten Maßnahmen zur wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung zum Standard werden.
Zivilgesellschaftliche Organisationen (ZOs) und engagierte Bürger*innen
Sachlich arbeitende ZOs und engagierte Bürger*innen können wichtige Partner und Multiplikato-
ren bei der Bekanntmachung und Umsetzung des Konzeptes sein. Insbesondere Grünflächen be-
nötigen eine regelmäßige Pflege, um diese vor Verwahrlosung und Zerstörung zu bewahren. Ne-
ben der Funktion der allgemeinen Bekanntmachung de s Konzeptes, können Verbände als wich-
tige Lobbypartner fungieren. Gerade bau- und wasserrechtliche Fragestellungen könnten zu Dis-
kussionsbedarf bei der Umsetzung von Maßnahmen der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenan-
passung führen. Verbände, wie der Deutsche Städtetag, könnten dazu beitragen, dass die teils ver-
altete Gesetzeslage neuen Gegebenheiten angepasst wird. Auch wenn dies ein sehr lang wieriger
Prozess ist, scheint dieser Prozess zur Modernisierung der Stadtinfrastruktur unum gänglich zu
sein. Hierzu sollte schon frühzeitig ein Feedback aus der Bürgerschaft und Unter nehmerschaft
eingeholt werden, um eventuelle Probleme zu erkennen und zu beheben.
12.4 Ausblick und weiteres Vorgehen
Die Träger der Kommunikationsmaßnahmen sind die StEB Köln und Stadt Köln sowie punktuell
zivilgesellschaftliche Organisationen. Im Rahmen der Weiterentwicklung eines zielgruppenge-
rechtes Kommunikationskonzeptes müssen Maßnahmen definiert werden. Um sinnvolle und
nachvollziehbare Maßnahmen zu entwickeln , sollten diese anhand folgender Kriterien ausge ar-
beitet werden:
59
Spezifisch: Jede Maßnahme muss klar definiert sein und sich von anderen Maßnahmen abgren-
zen. Somit soll möglichst vermieden werden, dass sich Maßnahmen überschneiden oder un vor-
hergesehen sekundär Wirkungen auslösen.
Messbar: Zur Erfolgskontrolle sollte im Idealfall eine Maßnahme statistisch messbare Ergebnisse
produzieren. Diese könnten wie folgt sein: Interviews (Zahl), Internetaufrufe (Likes), Anzahl an
Publikationen, die Anzahl von Veranstaltungen und Teilnehmer*innen. Zu jeder Maßnahme sollte
ein Abschlussbericht erfolgen, in dem die statistischen Ergebnisse kurz beschrieben werden.
Erreichbar/Realistisch: Jede Maßnahme sollte mit überschaubaren Personal- und Finanzmitteln
umsetzbar sein.
Mit einem Zeitplan verbunden : Als Ergänzung zum Kriterium „Erreichbar/realistisch“ sollte
jede Maßnahme einen Zeitplan aufweisen, welcher von den Trägern einer Maßnahme eingehalten
werden kann.
Kommunikationsmaßnahmen müssen im Kontext des Gesamtkonzeptes stehen, um eine zielori-
entierte und stringente Öffentlichkeitsarbeit umzusetzen. Die nachfolgende Tabelle 14 basiert aus
diesem Grund auf den Maßnahmengruppen eines möglichen Handlungskataloges und möchte mit
allgemeinen Teilmaßnahmen zur Kommunikation einen ersten Eindruck zur praktischen Heran-
gehensweise an die Öffentlichkeitsarbeit aufzeigen. In der Zukunft müssen diese eher allgemein
formulierten Teilmaßnahmen weiter ausgearbeitet und ergänzt werden.
Tabelle 14: Erläuterung Teilmaßnahmen Kommunikation im Rahmen des Strategiekonzeptes „Wasserwirt-
schaftliche Klimafolgenanpassung“
Maßnahmengruppe Teilmaßnahmen Kommunikation Zielgruppe
Informationsbeschaffung,
-Erstellung und Bereit-
stellung auf kommunaler
Ebene
Verbreitung aktualisierter und neuer In-
formationsmaterialien zur Aufklärung
der Öffentlichkeit auf Basis aktueller und
nachprüfbarer Daten und Erkenntnisse.
Investoren, Bürgerschaft
Information der kommunalen Verwal-
tung und städtischen Betriebe über die
wasserwirtschaftliche Anpassung an den
Klimawandel.
StEB Köln, Stadt Köln,
THW, Feuerwehr, Kom-
munale Betriebe (z.B.
RE), Bezirksregierung
Köln, etc.
Kommunale Leuchtturm- oder Best-
Practice-projekte als Vorbild für die
Stadtgesellschaft vermarkten. (z.B. über
Zeitungsartikel oder bei Veranstaltun-
gen)
Bürgerschaft
Veränderung von Prozes-
sen auf kommunaler
Ebene
Aufklärung, Fortbildung und Sensitivie-
rung der MitarbeiterInnen der lokalen
Ebene für Fragen der wasserwirtschaftli-
chen Anpassung an den Klimawandel.
StEB Köln, Stadt Köln,
Stadtnahe Betriebe, Be-
zirksregierung Köln und
Deutscher Städtetag,
Städte und Gemeinde-
bund, KommunalAgentur
ua Lobbytätigkeiten zur Anpassung, Verein-
fachung und Modernisierung der gelten-
den Gesetzeslage über den Deutschen
Städtetag und andere relevante Instituti-
onen.
Nutzung des „Green Scenario“ zur In-
tegration der Öffentlichkeit bei Projekt-
planungen.
Bürgerschaft
60
Sensibilisierung der Bür-
ger
Bürgerschaftsveranstaltungen zur Auf-
klärung und Sensibilisierung zum Thema
wasserwirtschaftliche Anpassung an den
Klimawandel.
Bürgerschaft und Multi-
plikatoren innerhalb der
Stadtgesellschaft (z.B.
Haus und Grund, NGOs,
etc.) Hauseigentümerberatung zur individuel-
len Anpassung an Starkregenereignisse.
Bereitstellung umfangreicher Informati-
onsmaterialien (auch online) für die Bür-
gerschaft und spezifische Akteure (Haus-
eigentümer, Investoren, Bauherren).
Artikel, Podcasts und Kurzfilme in loka-
len Medien platzieren, um über die was-
serwirtschaftliche Anpassung an den Kli-
mawandel zu informieren.
Informationsveranstaltungen und Auf-
klärung der Kommunalverwaltung, um
über das Thema wasserwirtschaftliche
Anpassung an den Klimawandel aufzu-
klären. Die Frühzeitige Integration des
Themas in den Planungsprozess wird ge-
stärkt.
Kommunalverwaltung
Warnung Information der Bürgerschaft über akute
Gefahrensituationen durch neue Kanäle
(z.B. Apps).
Bürgerschaft
Retentionsräume schaffen
und anlegen (Grün-blau-
graue Infrastruktur)
Informationsmaterialien zu den ver-
schiedenen Maßnahmen zur Grün-blau-
grauen Infrastruktur erstellen und der
Bürgerschaft, insbesondere aber auch
den zentralen Stakeholdern (z.B. Haus
und Grund), bereitstellen.
Bürgerschaft, Stakehol-
der (Multiplikatoren)
Bürgersprechstunden bei größeren Bau-
vorhaben (z.B. Installation größerer
Mufus) einrichten, um Vororteile (z.B.
Mücken, Gefahr für Kinder durch Was-
serfläche) abzubauen und Fragen zu be-
antworten.
Die Bürgerschaft durch geeignete Infor-
mationsveranstaltungen zum privaten
Bau von Versickerungsflächen anregen.
Optimierung des oberirdi-
schen / unterirdischen
Abflussvermöge0
Neben der Einbindung der Bürgerschaft
bei lokalen Bauprojekten, sollten auch
permanente Kommunikationskanäle
(z.B. „Sag´s mir“) von der Bürgerschaft
zur StEB Köln gestärkt werden. Somit
kann die Bürgerschaft zeitnah beispiels-
weise verstopfte Gullys melden.
Bürgerschaft
Objektschutz von öffentli-
chem / privatem Gut
Informationsmaterialien für den priva-
ten Objektschutz weiterentwickeln und
für die Bürgerschaft zugänglich machen.
(Siehe auch vorherige Maßnahmen zu
Veranstaltungen mit der Bürgerschaft
und Informationsmaterialien,)
Bürgerschaft
Bauträger
Infrastrukturträger
61
Private Beratung für Immobilienbesitzer
nach Terminabsprache anbieten.
Die Unternehmen und Gewerbebetriebe werden sinngemäß ebenfalls unter Bürgerschaft verstan-
den.
13 Handlungsprogramme
13.1 Aktueller Stand der Maßnahmenentwicklung
In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Köln sind die StEB Köln bestrebt, ihre Anstrengungen im
wasserwirtschaftlichen Bereich der Klimafolgenanpassung in den nächsten Jahren zu intensivie-
ren. Maßnahmen der wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung die seitens der StEB Köln be-
reits umgesetzt wurden bzw. werden können vornehmlich den nachfolgenden Themenbereichen
zugeordnet werden.
Maßnahmen zur Entwicklung und zum Erhalt von Grünflächen
Im Städtebau ist die Sicherung und Weiterentwicklung öffentlicher Freiflächen (öffentliche Parks,
Grüngürtel, Kleingartenanlagen) eine zentrale Aufgabe. Vor dem Hintergrund des Bevölkerungs-
wachstums, das mit Verdichtung und Versiegelung einhergeht, rückt zusätzlich das private Grün
auf Dächern und Fassaden, in Höfen und Vorgärten in den Fokus. Aus wasserwirtschaftlicher Sicht
bringen Maßnahmen der Entsiegelung und Begrünung gleich mehrere Vorteile mit sich: Sie fö r-
dern durch Versickerung die Grundwasserneubildung, sie speichern Regenwasser und entlasten
so die Kanalisation, sie verringern die Überflutungsgefahr und schaffen Kühle durch Verdunstung.
Die Stadt Köln hat 2018 das Förderprogramm „Grün hoch 3“ ins Leben gerufen. Die StEB Köln
unterstützen dieses Programm, in dem sie ihre Strategie der Entsiegelung und Regenwasserbe -
wirtschaftung umgestellt haben.
Maßnahmen zur Entsiegelung und Regenwasserbewirtschaftung
Insbesondere der nachhaltige Umgang mit Regenwasser soll in den nächsten Jahren stärker in den
Vordergrund rücken. Mit dem "Perspektivkonzept 2025“ verfolgen die StEB Köln in Anlehnung an
§ 55 Abs. 2 WHG das Ziel, zukünftig nach Möglichkeit kein sauberes Regenwasser der öffentlichen
Kanalisation zuzuleiten. Demnach soll möglichst viel Regenwasser versickern oder in umliegende
Gewässer eingeleitet werden. Die positiven Auswirkungen der Versickerung auf den Wasserhaus-
halt und das Mikroklima werden hoch gewichtet, sodass die StEB Köln hier auf die Niederschlags-
wassergebühren verzichtet. Auch für Grundstücke, die bereits vor dem in der Fristenregelung von
§ 44 LWG NRW vorgegebenen Stichtag am 01.01.1996 versiegelt und somit an die Kanalisation
angeschlossen waren, soll bei städtebaulichen Vorhaben und Einzelbauvorhaben eine Versicke -
rung geprüft und – wenn die örtlichen Bedingungen dies zulassen – umgesetzt werden. Die StEB
Köln fördern die Strategie der nachhaltigen Regenwasserbewirtschaftung im Bestand und weisen
im Rahmen von Informationsveranstaltungen die Bevölkerung aktiv auf die Möglichkeit der Ein -
sparung von Niede rschlagswassergebühren hin . Die StEB Köln befürworten ausdrücklich alle
technisch realisierbaren Maßnahmen, die darauf abzielen, das auf einem Grundstück anfallende
Regenwasser vor Ort zu belassen.
62
Ausbau Multifunktionaler Retentionsflächen
Die multifunktionale Nutzung von Flächen wird in Anbetracht des Klimawandels immer wichti -
ger, gerade weil diese mit den Themen Hitze und Grün kombinierbar sind.
Im Rahmen der Starkregenvorsorge wurde im Jahr 2020 im Raum Köln eine GIS-Flächenanalyse
in durchgeführt, um besonders überflutungsgefährdete Bereiche sowie Flächen mit dem Potential
zur Multifunktionalen Nutzung zu identifizieren. Über eine GIS-Abfrage wurden alle Überflutungs-
flächen ermittelt, die folgende Eigenschaften erfüllten:
• Überflutungsfläche >2000 m² und mind. 30 cm Überflutungstiefe
• Abstand zu Gebäuden und sensiblen Objekten 1 m
• Städtische Fläche (außer Straßenfläche) < 50 m Abstand
• Abstand < 100 m zu Flächen gemäß dem Forschungsvorhaben MURIEL nutzbar
Das Ergebnis sind 253 Flächen. Alle 253 Überflutungsflächen stellen eine besondere Über flu-
tungsgefahr für bestehende Bebauungen dar und befinden sich im unmittelbaren Umfeld zu Flä-
chen, die das Potential zur multifunktionellen Nutzung haben. Das Potential wurde durch die Er-
gebnisse des Forschungsprojektes MURIEL bestimmt. Weiterhin wurden die 253 Flächen über GIS
manuell überprüft, sodass anschließend eine Bewertung zur Qualität der möglichen Multifunkti-
onalen Flächen im Umkreis vorgenommen werde konnte. Weiterhin wurde überlegt , wie man
diese Flächen in Zukunft entlasten könnte, um Schäden vorzubeugen. Zudem konnte durch die
Abfrage festgestellt werden, welche Flächen in Köln bereits überflutet werden und gleichzeitig
durch deren Funktion bereits als Retentionsfläche dienen. Ziel sollte es sein, diese Flächen auch
zukünftig im Sinne der Starkregenvorsorge zu erhalten („Schützenswerte Flächen“).
Die Ergebnisse der Flächenanalyse ( Flächen mit Potential zur Multifunktionalen Nutzung) wur-
den ins stadtinterne GIS eingepflegt und die städtischen Ämter wurden über das Vorgehen und
die Darstellung der Ergebnisse informiert. Den Ämtern wurde vermittelt, dass mit Hilfe dieser
Informationen eingeschätzt werden kann, inwieweit die Integration einer Multifunktionalen Flä-
che für ein bestimmtes Planungsgebiet in Frage kommt oder ob eine „schützenwerte“ Retentions-
fläche innerhalb des Planungsgebietes liegt, die erhalten werden sollte.
Die Ergebnisse zeigen Flächen, die das Potential haben als multifu nktionale Flächen zu
dienen, so die Umgebung zu entlasten und die Überflutungsgefahr zu mindern
Die Ergebnisse sollen, wenn möglich, im Rahmen von B -Plan Verfahren die Planer früh -
zeitig dazu motivieren die Oberflächengestaltung so vorzunehmen, dass eine Retentions-
fläche oder multifunktionale Fläche entsteht (Planungshilfe)
63
Abbildung 17: Beispielhafte Darstellung eines Überflutungsbereichs auf Kölner Stadtgebiet mit angrenzender
städtischer Fläche zur potentiellen multifunktionalen Nutzung.
Nach der Erarbeitung theoretischer Grundlagen im Projekt „Multifunktionale Retentionsflächen –
von der Idee zur Realisierung (MURIEL)“ werden im Stadtteil Porz -Eil die ersten Flächen umge-
staltet. Aufgrund der top ografischen Lage innerhalb eines ehemaligen Rheinarms besteht hier
eine besondere Überflutungsgefährdung. Bei der Umgestaltung stehen dabei zwei Flächen im Fo-
kus: der „Eiler Schützenplatz“ und der „Platz an der Leidenhausener Straße“. Durch die Schaffung
von ca. 470 bzw. ca. 30 m³ Rückhaltevolumen kann die Überflutungsgefahr partiell entspannt wer-
den. Der Ausbau multifunktionaler Flächennutzungen ist vor dem Hintergrund limitierter Flä -
chenverfügbarkeiten im urbanen Raum ein wichtiger Baustein zur Steigerung der Resilienz ge-
genüber dem fortschreitenden Klimawandel und wird seitens der StEB Köln befürwortet. Dieses
Thema soll in den nächsten Jahren vertieft werden.
Anlage von Wasserflächen
Die meisten der in Summe über 70 km langen Kölner Bäche sind anthropogen geprägt und damit
in ihrer natürlichen Struktur stark verändert. Die europäische Wasserrahmenrichtlinie gibt den
guten ökologischen Zustand bzw. das gute ökologische Potenzial als Ziel bis 2027 vor. Die StEB
Köln haben in ihrem Gewässerentwicklungskonzept zahlreiche Maßnahmen zur Zielerreichung
definiert. Neben den gewässerökologischen Aspekten werden zunehmend auch die Synergie ef-
fekte mit anderen Bereich wie Städtebau, Landschaftsbild und Erlebbarmachung betrachtet. Die
Offenlegung von Gewässerabschnitten wird – auch wenn si e wasserökologisch wenig Sinn ma -
chen – aus Gründen der Erlebbarmachung unterstützt.
64
Auch die Schaffung künstlicher Wasserflächen in Köln – sei es auf öffentlichen oder privaten Flä-
chen – wird von den StEB Köln aufgrund der positiven Auswirkungen auf das Klima, das Wohlbe-
finden und weitere Bereiche grundsätzlich begrüßt. Die Stadt Köln plant nach der Verlagerung
des Großmarkts an den Stadtrand im Kölner Süden, einen neuen Stadtteil: die Parkstadt Süd. Im
Zuge dessen soll auch der Innere Grüngürtel bis zu m Rhein verlängert werden und ein neuer
Parksee angelegt werden. Auch bei der Umgestaltung des Deutzer Hafens zu einem gemischt ge -
nutzten Quartier wird das Thema Wasser – von der Einbindung des Hafenbeckens bis zum Regen-
wassermanagement – eine besondere Rolle spielen.
13.2 Ausblick - Erweiterung Handlungskatalog
Auch wenn bereits der Weg für eine klimafolgenangepasste Wasserwirtschaft in Köln beschritten
wurde, ist weiterer Handlungsbedarf dringend angezeigt.
In Ergänzung zum bestehenden Handlungskatalog „Starkregen“ sollen vor diesem Hintergrund
zusätzliche Handlungsprogramme und Maßnahmenpakte definiert werden. Es ist vorgesehen, ne-
ben einer textlichen Erläuterung die beteiligten Akteure einschließlich Federführung und den zur
Umsetzung nötigen Aufwand ein schließlich eines Bearbeitungszeitraums angegeben. Die Hand-
lungsprogramme sollen mit den zuständigen Ämtern abgestimmt oder idealerweise gemeinsam
erarbeitet werden.
Seitens den StEB Köln bilden die nachfolgenden Festlegungen die Grundlage der Handlungen zur
wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung:
Der Regenwasserversickerung bzw. -rückhaltung und -nutzung wird im gesamten Stadtgebiet
unter Berücksichtigung der umweltrechtlichen Möglichkeiten Vorrang vor der Ableitung ein-
geräumt.
Bei allen neuen Baugebieten stellen die StEB Köln den städtischen Dienststellen eine Analyse
und Bewertung der wasserwirtschaftlichen Auswirkungen einschließlich einer Handlungs -
empfehlung zur Abstimmung und Abwägung zur Verfügung. Der Leitgedanke ist die „Idee der
Schwammstadt“.
Bei allen städtischen Planungen im öffentlichen Raum und bei neuen Baugebieten Erstellen
die StEB Köln weiterhin Überflutungsberechnungen für extreme Regenereignisse, um in den
frühen Planungsphasen die Möglichkeiten aufzuzeigen.
Bei den bereits bebauten Stadtgebieten werden Machbarkeitsstudien für wasserwirtschaftli-
che Pilotvorhaben und Maßnahmenentwicklungen der Klimafolgenanpassung im öffentlichen
Rauminitiiert und erprobt. Dafür wird im Wirtschaftsplan der StEB Köln ein jährliches Budget
in Höhe von 100.000 EUR bereitgestellt.
Bei bestehenden Bebauungen soll mit einer verstärkten Information zu Handlungsmöglich-
keiten die Motivatio n zur Selbstvorsorge gestärkt werden, um flächige Verbesserungen d er
Klimafolgenanpassungen zu erreichen.
Bei Planungsvorhaben städtische r Dienststellen und s tadtnaher U nternehmen werden die
StEB Köln zu konkreten wasserwirtschaftlichen Möglichkeiten der Klimafolgenanpassung be-
raten und auf Anforderung bei der Umsetzung betreuen.
Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zu Zukunftsthemen der wasserwirtschaftlichen
Klimaanpassung werden weiterhin initiiert, begleitet oder durchgeführt, sowie auf ihre Über-
tagbarkeit auf Köln bewertet.
65
14 Zusammenfassung
Starke Regenereignisse können besonders in einer dicht bebauten und stark versiegelten Groß -
stadt wie Köln zu erheblichen Beeinträchtigungen durch Überflutungen führen. Zu den Extremer-
eignissen zählen allerdings nicht nur die Starkregen, sondern auch das vermehrte Auftreten vo n
sogenannten urbanen Hitzeinseln und langanhaltenden Trockenzeiten. So heizen sich insbe son-
dere die stark versiegelten Bereiche einer Stadt besonders auf.
Die StEB Köln sehen sich als nachhaltiges wasserwirtschaftliches Umweltunternehmen in der Ver-
antwortung mit ganzheitlichen und smarten Ansätzen zum Umgang mit Niederschlagswasser die
Resilienz in Köln gegenüber Starkregen zu stärken und die Folgen von Hitze- und Trockenwetter-
perioden abzumildern. Hierzu haben die StEB Köln in den letzten Jahren teils direkt und teils in
enger Zusammenarbeit mit städtischen Dienststellen bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt.
Mit dem hier vorgelegten Strategiekonzept „Wasserwirtschaftliche Klimafolgenanpassung“ sollen
alle bisher vorhandenen Aktivitäten zur wasserwirt schaftlichen Klimafolgenanpassung zu sam-
mengefasst und weiterentwickelt werden.
Das Strategiekonzept soll langfristig in Köln einen wesentlichen Beitrag leisten für:
die Stärkung des natürlichen Wasserhaushalts,
den Gewässerschutz
den Überflutungs- und Hochwasserschutz
die Sicherung und Optimierung der Freiraumqualität
die Anpassung an den Klimawandel im Kontext der Schwammstadt
Hierzu bedarf es der Etablierung der Leitidee des Schwammstadtkonzepts. Durch Minimierung
von Eingriffen in den natürlichen Wasserkreislauf bei Neubaugebieten und bei baulichen Verän-
derungen im Stadtgebiet sowie idealerweise durch eine Verbesserung der vorhandenen Situation
im Bestand soll die Resilienz gegenüber Klimaveränderungen deutlich gesteigert werden. Dies er-
fordert nicht nur einen angepassten Umgang mit Niederschlagswasser, sondern auch ein intensi-
ves Zusammenwirken von Stadtplanung, Freiraumplanung und Wasserwirtschaft.
Um dies zu erreichen, sollen folgende Aktivitäten fortgeführt, intensiviert oder neu eingeführt
werden:
• Fortführung der laufenden Maßnahmen zur Überflutungsvorsorge unter Fortschreibung
der Gefahrenkarten, der Weiterentwicklung von Regenwasserrückhaltung und –nutzung
im Straßenraum sowie der Sensibilisierung und Beratung der Bevölkerung, der Unter-
nehmen und Institutionen in Köln.
• Fortführung und Intensivierung der Zusammenarbeit mit städtischen Dienststellen bei
der Entwicklung neuer Baugebiete unter Einbringung eines wasserwirtschaftlichen
Fachbeitrags, der Maßnahmen zur Überflutungsvorsorge und zum klimafolgenangepass-
ten Umgang mit Niederschlagswasser aufzeigt.
• Systematisierung der Klimafolgenanpassung für Neubau und Bestand durch die Aufstel-
lung eines spezifischen Maßnahmenkatalogs von grün-blauen Infrastrukturmaßnahmen
auf Basis des Schwammstadtkonzepts.
66
• Weiterentwicklung der Überflutungsvorsorge mittels multifunktionaler Flächennutzung
im öffentlichen Raum unter besonderer Nutzung der Rückhaltung und Speicherung von
Niederschlagswasser.
• Identifizierung besonders stark betroffener Fokusgebiete für die Durchführung von Pi-
lotprojekten, um in Workshops und Wirksamkeitsanalysen die technischen Maßnahmen
der Klimafolgenanpassung untersuchen und bewerten zu können.
• Schaffung von organisatorischen Strukturen, mit deren Hilfe eine interdisziplinäre Bear-
beitung von Klimafolgenanpassungen bei Veränderungen im öffentlichen Raum sowie
bei neuen Baugebieten ermöglicht wird.
• Auswertung der Erfahrungen und Anwendung des Schwammstadtkonzepts bei allen ge-
eigneten Planungen, sowohl im öffentlichen Raum als auch bei größeren Grundstücksbe-
bauungen.
• Akzeptanzschaffung in der Politik, bei den Stakeholdern und in der Bevölkerung sowie
den Unternehmen durch fachliche Kommunikation und einen partizipativen Planungs-
prozess. Gerade für Änderungen in bestehenden Bebauungen bedürfen Klimafolgenan-
passungen einer erhöhten Information und Motivation zur Selbstvorsorge.
Die Erfahrungen in Köln und anderen Städten zeigen auf, dass im breiten Kreis aller Beteiligten
viele Maßnahmen erst entwickelt und in die Vorplanung gebracht werden müssen, um basierend
auf diesen Erfahrungen die Anwendung von Klimafolgenanpassungen dauerhaft einzuführen. Da-
her ist es vorgesehen, für die Initiierung geeigneter Maßnahmen im Umgang mit Regenwasser
(insbesondere Rückhaltung im Straßenraum und Bewässerung öffentlichen Grüns) sowie für die
Betreuung von Pilotvorhaben (z.B. für die Bearbeitung der ersten Fokusgebiete und für die Mach-
barkeitsstudien zu Retentionsräumen in öffentlichen Flächen) ein Budget aus der Sparte Abwas-
serbeseitigung bereitzustellen. Weiterhin sind Forschungs - und Entwicklungsvorhaben zur Er-
probung wasserwirtschaftlicher Klimafolgenanpassungen vorgesehen. Zur Steuerung und Umset-
zung der vielen erforderlichen Aktivitäten einer wasserwirtschaftlichen Klimafolgenanpassung in
Köln wird entsprechend geeignetes Personal benötigt, welches die bereits begonnenen Aktivitä-
ten der Überflutungsvorsorge ergänzen können.
Anhänge:
Anhang 1: Forschungsprojekte
Anhang 2: Ergebnisse Raumanalyse Stadtteilsebene
Anhang 3: Ergebnisse Raumanalyse alle Fokusgebiete
Anhang 4: Ergebnisse Auswahl 19 Fokusgebiete
Anhang 5: Planungstools zur Umsetzung von Maßnahmen der Klimafolgenanpassung
67
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lichkeiten von grünen, grauen und blauen Infrastrukturen mittels raumbezogener Bausteine. Er-
gebnisse aus dem Arbeitspaket 2, netWORKS 4.
Anhang 1 Forschungsprojekte
Titel Beschreibung Laufzeit Land Bundesland
Anpassung an die Folgen des
Klimawandels in der
Stadtplanung und
Stadtentwicklung - Der GERICS
Stadtbaukasten
Um Entscheidungsträger von Städten und Gemeinden
individuell bei der Auswahl von lokalen und regionalen
Anpassungsmaßnahmen zu unterstützen, wurde
aufbauend auf den Erfahrungen mit Praxispartnern der
GERICS-Stadtbaukasten entwickelt.
Januar 2017 bis Dezember 2017 Deutschland alle Bundesländer
ASCCUE - Adaptation
Strategies for Climate Change
in the Urban Environment
Das Projekt untersucht die Vulnerabilität von Städten
gegenüber dem Klimawandel und entwickelt Strategien
zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Dafür
werden Werkzeuge und Methoden für eine
Vulnerabilitätsabschätzung der Klimafolgen entwickelt
und getestet, Anpassungsmöglichkeiten durch strategische
Stadtplanung und urbanes Design geprüft und die
Konsequenzen des Klimawandels für Gebäude, urbane
Grünflächen, menschliches Wohlbefinden und die
Interaktion zwischen ihnen analysiert.
Januar 2003 bis Dezember 2006 Grossbritannien -
BaumAdapt – Optimierung
stadtweiter
Ökosystemleistungen urbaner
Baumbestände im Einklang
mit der Resilienz kritischer
Infrastruktur im Fokus
sommerlicher
Starkwindereignisse und
Klimaanpassung
Projektziel ist es, zur Steigerung der Resilienz urbaner
Baumbestände und unter Berücksichtigung der
Vulnerabilität kritischer Infrastruktur
Handlungsschwerpunkte zu entwickeln. Im Kontext des
Klimawandels soll ein möglichst hohes risikofreies Niveau
hinsichtlich der Ökosystemleistungen erarbeitet und
anhand von Versuchspiloten in Umsetzung gebracht
werden.
seit Januar 2018 Deutschland Nordrhein-Westfalen
BREsilient – Klimaresiliente
Zukunftsstadt Bremen
BREsilient verfolgt im Einzelnen folgende drei
Ziele:Unterstützung der Priorisierung von
Anpassungsmaßnahmen, Vorbereitung der Umsetzung
konkreter Anpassungsmaßnahmen in Bremer
Pilotprojekten innerhalb der beteiligungsorientierten
Reallabore, Umsetzung theoretisch-methodisch fundierter
Koordinations- und Beteiligungsprozesse mit
Entscheidungsverantwortlichen, Stakeholdern und
Bürgern.
seit November 2017 Deutschland Bremen
Clever kombiniert:
Klimaschutz und
Klimaanpassung –
Flächensynergien am Gebäude
und im Quartier
Ziel des Projekts ist die Erarbeitung von intelligenten
Lösungen, um die Flächenkonkurrenz zu bewältigen und
Klimaschutz und -anpassung in der Beanspruchung von
Dach- und Fassadenflächen integriert zu betrachten, sowie
Ansätze zu untersuchen, die Klimaschutz und -anpassung
in der Fläche integrieren.
seit November 2017 Deutschland Hamburg
Das Regensburger
Modellprojekt
Erarbeitung und Diskussion der Leitlinien und Bausteine
für eine Strategie zur Anpassung an den Klimawandel in
der Stadt Regensburg;
Dezember 2009 bis März 2012 Deutschland Bayern
Förderung einer
kosteneffizienten
Reduzierung des
Hochwasserrisikos durch
grüne Infrastrukturlösungen
In diesem Bericht der Europäischen Umweltagentur (EUA)
wird eine Reihe von Fallstudien untersucht, die die
Wirksamkeit sogenannter "GI-Lösungen" belegen. In
diesem EWR-Bericht werden verschiedene Optionen zur
Verringerung der Gefahr von Überschwemmungen mit GI-
Lösungen in europäischen Überschwemmungsgebieten
und verbesserte Beweise für die finanzielle Begründung
grüner Investitionen dargestellt.
Januar 2015 bis Dezember 2016 Länderübergreifend
Future Cities - urban networks
to face climate change
Das internationale Netzwerk Future Cities kooperiert, um
Bewertungskriterien für klimataugliche Städte zu
entwickeln, anzuwenden und zu verbessern. Für die
beteiligten nordwesteuropäischen Stadtregionen werden
Maßnahmenpläne aufgestellt und Pilotprojekte baulich
umgesetzt. Das Projekt konzentriert sich dabei auf die
Anpassung bestehender Stadtstrukturen.
Mai 2007 bis Dezember 2012 Länderübergreifend
GRaBS – Green and Blue Space
Adaptation for Urban Areas
and Eco Towns
Das Projekt GRaBS (Green and Blue Space Adaption for
Urban Areas and Eco Towns) steht für die Anpassung der
sog. "Grünen und Blauen Infrastruktur" in Ballungszentren.
Grüne Infrastrukturen wie Hausgärten, Parks,
landwirtschaftliche Flächen, Grünverbindungen sowie
grüne Dach- und Wandlandschaften sowie die blaue
Infrastruktur mit Gewässern, Flüssen, Kanälen,
Überflutungsbereichen und nachhaltigen
Drainagierungssystemen spielen eine wichtige Rolle, um
eine klimaresiliente Entwicklung zu ermöglichen.
September 2008 bis August 2011 Länderübergreifend
Grün, natürlich, gesund: Die
Potenziale multifunktionaler
städtischer Räume
Ziel des Vorhabens ist es, Synergien und Zielkonflikte
zwischen Naturschutz (insb. Erhaltung der Biologischen
Vielfalt) und Gesundheitsvorsorge hinsichtlich Quantität
und Qualität städtischer Freiräume, insbesondere der
Grünflächen und Grünstrukturen, zu ermitteln und die sich
daraus für den Stadtnaturschutz ergebenden
Konsequenzen zu diskutieren.
September 2011 bis Februar 2013 Deutschland Baden-Würtemberg
Grüne Klimaoasen: Integrierte
Stadtgrünentwicklung in
Berlin Marzahn-Hellersdorf
Mit dem Projektvorhaben wird ein ganzheitliches Beispiel
angestrebt, das als bundesweites Modell für eine
integrierte Stadtgrünentwicklung – basierend auf
Kooperation und Partizipation und flankiert durch
entsprechende Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit –
dienen kann. Im Zuge eines partizipativen Prozesses wird
im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf eine Reihe von
Maßnahmen zur nachhaltigen Entwicklung von "Grünen
Klimaoasen" umgesetzt.
seit Dezember 2017 Deutschland Berlin
InKlaH – Integriertes
Anpassungskonzept für die
Stadt Hagen
Die Ziele des Projekts bestehen darin, vor dem
Hintergrund von Klimawandel und demografischem
Wandel aktuelle Entwicklungen in Hagen in einem
räumlichen Gesamtkontext zu bewerten. Auf dieser Basis
soll ein integriertes Anpassungskonzept mit konkreten
Handlungsempfehlungen für die Stadtentwicklungs- und
Bauleitplanung, die Freiflächenentwicklung und den
Hochwasserschutz entwickelt werden.
September 2015 bis August 2018 Deutschland Nordrhein-Westfalen
KFM:
KlimaFolgenManagement –
Regionales Management von
Klimafolgen in der
Ziel der Hauptstudie ist es,die Auswirkungen
von Klimaänderung auf die für die Metropolregion
relevanten Bereiche zu simulieren, Anpassungs- und
Optimierungsstrategien zu erarbeiten und in enger
September 2006 bis April 2011 Deutschland Niedersachsen
Metropolregion Hannover-
Braunschweig-Göttingen
Abstimmung mit den Fachbehörden Planungsintrumente
zu entwickeln
KIBEX – Kritische
Infrastruktur, Bevölkerung
und Bevölkerungsschutz im
Kontext
klimawandelbeeinflusster
Extremwetterereignisse
Ziel des KIBEX-Projektes ist die
Verwundbarkeitsabschätzung von Bevölkerung und
Kritischer Infrastruktur (KRITIS) gegenüber
klimawandelbedingten Extremwetterereignissen
(Starkregen, Hitzewelle, Dürre). Neben der Entwicklung
von Kriterien und Methoden zur
Verwundbarkeitsabschätzung sollen auch mögliche Folgen
durch Wirkungsketten und Abhängigkeiten abgeschätzt
werden, die unter anderem als Grundlage für die
Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen dienen
November 2009 bis Juni 2014 Deutschland Baden-Würtemberg,
Brandenburg, Nordrhein-
Westfalen
KlimaExWoSt – Urbane
Strategien zum Klimawandel
Neun Modellvorhaben betrachten kommunale Strategien
und Potenziale zum Umgang mit dem Klimawandel. In
diesem Kontext wird zur Unterstützung von Kommunen
auch ein planungsorientierter und intenetbasierter
Leitfaden (der sog. "Stadtklimalotse") entwickelt.
Januar 2009 bis Dezember 2013 Deutschland Baden-Württemberg, Bayern,
Berlin, Sachsen, Thüringen
klimAix – Klimagerechte
Gewerbeflächenentwicklung
in der Städteregion Aachen
Kernziel des Vorhabens war es, einen Leitfaden für eine
klimawandelgerechte Gewerbeflächenentwicklung in der
Neu- und Bestandsplanung zu entwickeln (sowohl
für Mitigation als auch für Adaptation).
April 2010 bis März 2012 DeutschlandNor Nordrhein-Westfalen
KlimaNet - Wassersensible
Stadtentwicklung: Netzwerk
für eine nachhaltige
Anpassung der regionalen
Siedlungswasserwirtschaft an
Klimatrends und
Extremwetter
Ziel des interdisziplinären Vorhabens ist es, mögliche
Potenziale in der Siedlungsstrukturentwicklung zu
erschließen, um die zu erwartenden Folgen des
Klimawandels mit den notwendigen
Strukturveränderungen, die aus dem demographischen
Wandel resultieren, zu kompensieren
Oktober 2006 bis März 2010 Deutschland Bayern Nordrhein-Westfalen
KLIMAPAKT – Anpassung an
den Klimawandel durch
räumliche Planung -
Grundlagen, Strategien,
Instrumente
m Leibniz-Vorhaben "Anpassung an den
Klimawandel durch räumliche Planung – Grundlagen,
Strategien, Instrumente" (KLIMAPAKT) werden
wissenschaftliche Beiträge für die Formulierung und
Implementierung von Strategien der räumlichen Planung
zur Anpassung an die nicht mehr abwendbaren Folgen des
Klimawandels sowie für die Entwicklung geeigneter
Instrumente geleistet.
Januar 2008 bis Dezember 2010 Deutschland Baden-Württemberg
Klimaresilienter Stadtumbau
(2017)
Im 2016 abgeschlossenen Projekt „Klimaresilienter
Stadtumbau“ wurden die Ergebnisse aus dem Programm
StadtklimaExWoSt in Bezug auf das
Städtebauförderprogramm Stadtumbau untersucht.In
diesem Projekt wurde die Frage geklärt, welche Barrieren
bei der Planung und Umsetzung von
Klimaanpassungsmaßnahmen auftreten. Räumlich liegt
der Fokus auf Stadtumbaugebiete mit historischen
und/oder stark verdichteten Quartieren.
Oktober 2017 bis Februar 2019 Deutschland Baden_Württemberg, Hessen,
Mecklenburg-Vorpommern,
Nordrhein-Westfalen,
Sachsen, Thüringen
KLIMES – Planerische
Strategien und städtebauliche
Konzepte zur Reduzierung der
Auswirkungen von
klimatischen Extremen auf
Wohlbefinden und Gesundheit
von Menschen in Städten
Vor dem Hintergrund der klimawandelbedingt
erforderlichen Anpassung in der Stadtplanung an
Klimatrends und Extremwetter hat das Projekt die
Entwicklung und Erprobung eines Leitfadens zum Ziel.
Dadurch soll eine planungsrelevante Einbeziehung von
Klimaschutzzielen für das Schutzgut "Mensch" erreicht
werden.
Januar 2006 bis Januar 2009 Deutschland Berlin, Hessen, Baden-
Württemberg
KliWiPraKo – Steigerung
urbaner
Klimaanpassungskapazitäten
durch Wissenschafts- und
Praxiskooperation
Im Hinblick darauf verfolgt das Projekt das übergeordnete
Ziel, die Anpassungskapazität der Stadt Kassel zu stärken.
Um dieses Ziel zu erreichen, verfolgt das Projekt als
zentrale Strategie, ein Wissenschaft-Praxis-Tandem als
Katalysator für die Kooperation zwischen Kommune und
Wissenschaft zu etablieren. Mit diesem Ansatz soll der
transdisziplinäre Diskurs und konkrete Kooperationen
befördert und eine strukturelle Optimierung der
Anpassungskapazität der Stadtregion Kassel erreicht
werden.
Januar 2016 bis November 2018 Deutschland Hessen
KommAKlima - Kommunale
Strukturen, Prozesse und
Instrumente zur Anpassung
an den Klimawandel
Bestehende Verwaltungsstrukturen, Prozesse und
Instrumente wurden im Hinblick auf ihre Relevanz und
ihre Einsatzmöglichkeiten für die Klimaanpassung
analysiert und systematisiert.
Januar 2011 bis Dezember 2014 Deutschland bundesweit
Möckernkiez Berlin-
Kreuzberg – Integrierte,
nachhaltige Entwicklung eines
neuen Stadtquartiers durch
private Akteure
In Zusammenarbeit mit verschiedenen
Kooperationspartnern soll ein einzigartiges Modellprojekt
verwirklicht werden: Eine gemeinschaftliche und
Generationen verbindende Wohnanlage, die ökologisch
nachhaltig, barrierefrei, interkulturell und sozial integrativ
ist
Oktober 2010 bis Dezember 2012 Deutschland Berlin
Nachbarschaftsverband
Karlsruhe – Innenentwicklung
versus Klimakomfort
Der Nachbarschaftsverband Karlsruhe betrachtete in
seinem Modellprojekt den Zielkonflikt zwischen
Nachverdichtung im Innenbereich gegenüber heutigem
und zukünftigem Hitzestress einzelner Quartiere. Zentrales
Ziel war es, den auch aus klimaökologischer Sicht
sinnvollen stadtplanerischen Ansatz der Innenentwicklung
auch unter dem Aspekt Klimawandel "zukunftssicher" zu
machen.
Dezember 2009 bis März 2012 Deutschland Baden-Württemberg
Naturbasierte Lösungen zur
Anpassung an den
Klimawandel in urbanen
Gebieten
Das Projekt gibt Einblicke in den Umgang von Städten mit
Herausforderungen der Nachhaltigkeit, indem neue und
innovative Methoden und Instrumente dargelegt werden.
Basierend auf konkreten Erfahrungen, modernster
Forschung und laufenden Praktiken bietet die Serie
umfassende Einblicke, konkrete und inspirierende
Fallbeispiele sowie praktische Methoden, Werkzeuge,
Theorien und Empfehlungen.
Januar 2015 bis Dezember 2015 Deutschland bundesweit
Noch wärmer, noch
trockener? Stadtnatur und
Freiraumentwicklung im
Klimawandel
Ziel des Projektes ist die Erarbeitung von
Anpassungsstrategien an den Klimawandel auf der Basis
eines bundesweit übertragbaren Ansatzes für Planung und
Management von Grün- und Freiraumsystemen in urbanen
Räumen.
Oktober 2008 bis März 2010 Deutschland bundesweit
nordwest2050 – Perspektiven
für klimaangepasste
Innovationsprozesse in der
Metropolregion Bremen-
Oldenburg im Nordwesten
Im Forschungsvorhaben wird gemeinsam mit den
regionalen Stakeholdern eine "Roadmap of Change" für
klimaangepasste Innovationen in zentralen
Wirtschaftssektoren der Nordwestregion Deutschlands
entwickelt, erprobt und als Modell für andere Regionen
dokumentiert
Februar 2009 bis Januar 2014 Deutschland Bremen, Niedersachsen
RainAhead – Integriertes
Planungs- und Warnwerkzeug
für Starkregen in urbanen
Räumen
Das Projekt hatte die Aufgabe, die Verwaltung der
Hansestadt Lübeck darin zu unterstützen, den Folgen
von Starkregen entgegen zu treten. Dazu wurde eine
Vielzahl von unterschiedlichen Arbeiten durchgeführt, die
in ihrer Gesamtheit einen Werkzeugkasten für die
handelnden Akteure darstellen.
Januar 2013 bis August 2016 Deutschland Schleswig-Holstein
RESIN – Klimaresiliente Städte
und Infrastrukturen
RESIN ist ein interdisziplinäres, praxisorientiertes
Forschungsprojekt, das die Klimaresilienz in europäischen
Städten untersucht.Das Projekt zielt darauf ab, die
Methoden zu vergleichen und zu bewerten, die zur Planung
einer Klimaanpassung verwendet werden können, um eine
formale Standardisierung von Anpassungsstrategien zu
erreichen.
Mai 2015 bis November 2018 Europaweit -
RISA –
RegenInfraStrukturAnpassung
Das Projekt setzt sich für einen neuen Umgang mit
Regenwasser in Hamburg ein: vom Leben am Wasser zum
Leben mit Wasser. Ziel des Projektes ist die Etablierung
einer zukunftsfähigen Regenwasserbewirtschaftung in
Hamburg, die in einem "Strukturplan Regenwasser"
festgeschrieben wird.
Januar 2009 Deutschland Hamburg
Saarbrücken –
Freiraumplanung als
Handlungsfeld für
Adaptionsmaßnahmen
die exemplarische und auf andere Kommunen
übertragbare Ermittlung von Anpassungspotenzialen im
Rahmen einer zukunftsfähigen städtischen
Freiraumplanung sowie deren Umsetzung in konkrete
Strategien und Maßnahmenprogramme auf Stadtteilebene,
2009 bis März 2012 Deutschland Saarland
SAMUWA – Stadt als
hydrologisches System im
Wandel - Schritte zu einem
anpassungsfähigen
Management des urbanen
Wasserhaushalts
Globale Trends wie der Klimawandel und demografische
Veränderungen werden von stadtspezifischen
Entwicklungen überlagert. Beispiele dafür sind wachsende
beziehungsweise schrumpfende Städte oder der Umgang
mit überflutungsgefährdeten Wohngebieten. Für die
Siedlungsentwässerung sind diese Veränderungen von
besonderer Bedeutung, da sie derzeit auf statische und
unflexible Systeme treffen. Im Vorhaben SAMUWA werden
die bestehenden Systeme überdacht und es sollen Wege
aufgezeigt werden, die Planung und den Betrieb von
Entwässerungssystemen zu einem anpassungsfähigen
dynamischen Management zu führen
Juni 2013 bis Juni 2016 Deutschland Nordrhein-Westfalen
Baden-Württemberg
SCORCHIO – Sustainable
Cities: Options for Responding
to Climate cHange Impacts
and Outcomes
Das SCORCHIO-Projekt ist von der Grundüberlegung
geleitet, dass erfolgreiche Anpassung in Städten gute
Werkzeuge zur Folgenabschätzung benötigt, um
Anpassungsbedarfe in städtischen Gebieten auf der Basis
verschiedener Klimaszenarien zu analysieren. Im Projekt
werden Werkzeuge zur Analyse von Anpassungsoptionen
in urbanen Regionen Großbritanniens entwickelt, mit
Fokus auf Hitze und menschliches Wohlbefinden in der
bebauten Umwelt.
März 2007 bis September 2010 Großbritannien -
SiK - Stadtbäume im
Klimawandel: Klimafolgen-
Monitoring und Anpassung
Mit dem Projekt SiK wurde ein integrierendes Konzept zur
Anpassung des Hamburger Baumbestandes an den
Klimawandel entwickelt. Zunächst wurde
die Verwundbarkeit der Bäume durch
Klimaveränderungen langfristig beobachtet und
dokumentiert. Anschließend wurden Maßnahmen und
Instrumente entwickelt, um den Baumbestand in Zeiten
des Klimawandels zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Januar 2015 bis Dezember 2017 Deutschland Hamburg
SolarGardenCity Hoyerswerda
Altstadt – Klimagerechte
Inwertsetzung von
Stadtbrachen
In diesem Kontext wurde die Vision der "SolarGardenCity"
auf zwei zusammen etwa 6 ha großen Stadtbrachen im
nördlichen Zentrumsbereich entwickelt. Dabei steht
"Solar" für Klimaschutz, Energieeffizienz und erneuerbare
Energien, "Garden" für Klimaanpassung,
Vegetationsaufbau und Temperaturausgleich und "City"
steht für Innenstadtentwicklung, Urbanität und kurze
Wege.
April 2010 bis Dezember 2012 Deutschland Baden-Württemberg,
Sachsen
Stadt begegnet Klimawandel –
integrierte Strategien für
Essen
Unter dem Motto "Stadt begegnet Klimawandel" ist es das
Ziel, ein integriertes Maßnahmenkonzept zur
klimagerechten Stadtentwicklung im Ballungsraum zu
entwickeln. Dabei sollen innovative Strategien zur
Stärkung der kommunalen Handlungsfähigkeit und
Nutzung des Planungsinstrumentariums entwickelt sowie
ein breiter Beteiligungsprozess durchgeführt werden.
Dezember 2009 bis März 2012 Deutschland Nordrhein-Westfalen
Stadtgrün wertschätzen -
Bewertung, Management und
Kommunikation als Schlüssel
für eine klimaresiliente und
naturnahe
Grünflächenentwicklung
Das Forschungsvorhaben unterstützt die vier Städte
Augsburg, Karlsruhe, Leipzig und Nürnberg dabei,
Maßnahmen der Grünflächengestaltung zu identifizieren,
auszuwählen und umzusetzen, die gleichzeitig sowohl die
Klimaresilienz urbaner Räume erhöhen als auch zum
Erhalt der biologischen Vielfalt beitragen. Hierzu werden
zentrale Ökosystemleistungen urbaner Grünflächen erfasst
und ökonomisch bewertet. Durch die Monetarisierung soll
der Wert von Stadtgrün sichtbar werden.
seit November 2016 Deutschland Bayern, Sachsen, Baden-
Württemberg
StadtKlimaLotse Ziel ist die Entscheidungsunterstützung für die
Stadtentwicklung. Aufbauend auf den wissenschaftlichen
Grundlagen wird ein in den Kommunen einsetzbares,
akteursspezifisches
Entscheidungsunterstützungswerkzeug entwickelt. Der
Stadtklimalotse soll die Auswahl und Umsetzung von
Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung für
die kommunale Stadtentwicklung unterstützen
anuar 2009 bis Dezember 2013 Deutschland bundesweit
StadtKlimaWandel Gemeinsam mit Kommunen, Stadtplanern und
Hausbesitzern sollen Anpassungsmaßnahmen in Städten
umgesetzt werden. Die Begrünung der eigenen
Hausfassade oder eine ökologische Umgestaltung einzelner
Stadtviertel sind Beispiele für eine wirkungsvolle
Anpassung an Klimaveränderungen in Städten. Ziel des
Projekts ist es, originelle und ökologisch einfach
umzusetzende Bausteine für Deutschlands Kommunen zu
entwerfen, mit denen sie auf den Klimawandel reagieren
können.
Januar 2009 bis Dezember 2010 Deutschland bundesweit
StaKliBo – Aktivierung der
Bodenkühlleistung für
stadtklimatische Konzepte zur
Klimaanpassung am Beispiel
der Stadt Neuss
Die natürliche Kühlleistung der Böden ist durch
Versiegelung, Grundwasserabsenkungen und
Bodenveränderungen in vielen Städten in großem Umfang
stark reduziert. Die empirische Erfassung (Messungen,
Modellierungen, GIS-Analysen) der Zusammenhänge
Februar 2015 bis April 2017 Deutschland Nordrhein-Westfalen
zwischen Bodenzustand, Wasserverfügbarkeit und
Vegetationsbestand und dem Kaltluftbildungspotenzial
(Kühlleistung) soll die Grundlage bilden für ein
klimatisches Bodenkonzept und ein
Bodenmanagementsystem. Diese sollen im Projekt unter
dem Thema der Anpassung an den Klimawandel in eine
nachhaltige Stadtplanung integriert werden.
Stresstest Stadt – wie resilient
sind unsere Städte?
Das Forschungsvorhaben zielt darauf ab einen
praxisorientieren Impuls zu geben. Schwerpunkt liegt
darauf, die Kommunikation in den Städten und Gemeinden
über Risiken und Resilienz zu initiieren. Es geht dabei nicht
um einen empirisch abgesicherten Bericht über die
Resilienz deutscher Städte. Das Test-Konzept ist vielmehr
als Hilfestellung für Kommunen gedacht, die sich
strategisch mit Fragen der Resilienz auseinandersetzen
möchten.
Dezember 2014 bis Oktober 2016 Deutschland bundesweit
Urban Water - Sustainable
Water Management in Urban
Space
Im Projekt haben sich acht Partner aus den Ländern
Deutschland, Niederlande, Großbritannien und Frankreich
zu einer Projektgemeinschaft zusammengeschlossen, um
Konzepte für eine moderne Wasserwirtschaft in
städtischen Gebieten zu erarbeiten. Im Fokus liegt die
nachhaltige Entwicklung und Sanierung urbaner
Wassersysteme. Dabei werden ganzheitliche Konzepte für
Oberflächenwasser- und Abwassersysteme erarbeitet, die
exemplarisch an einzelnen Standorten verwirklicht
werden.
Juli 2003 bis Juni 2008 Europaweit Bayern, Nordrhein-Westfalen
URBAS - Urbane Sturzfluten:
Vorhersage und Management
von Sturzfluten in urbanen
Gebieten
Forschungsgegenstand des Vorhabens sind die durch
Starkregenereignisse und Sturzfluten verursachten
Schäden in Deutschland. Es sollen Erkenntnisse zu Art,
Ausprägung und regionaler Häufigkeit
von Starkregen gewonnen werden. Zugleich sollen
Informationen zu Schadensbildern und zur regionalen
Risikoverteilung von Sturzfluten geliefert werden
Mai 2005 bis April 2008 Deutschland bundesweit
Zentrum Stadtnatur und
Klimaanpassung, Teilprojekt
5 – Vorstudie:
Klimaanpassung in den
Städten Bayerns:
Vergleichende
Untersuchungen zum Einsatz
gebietsfremder und
heimischer Stadtklimabäume
Im Mittelpunkt dieses Projekts steht ein Vergleich der
Arthropodenvielfalt dreier heimischer bzw.
nahverwandter gebietsfremder Baumarten eines urbanen
Standorts.Die Ergebnisse sollen Informationen für
Umwelt-, Naturschutzbehörden sowie
Naturschutzverbände liefern und Empfehlungen für
Kommunen in Bayern bei der Gestaltung klimatoleranten
Stadtgrüns bereitstellen.
September 2016 bis Januar 2019 Deutschland Bayern
ZURES - Zukunftsorientierte
Vulnerabilitäts- und
Risikoanalyse als Instrument
zur Förderung der Resilienz
von Städten und urbanen
Infrastrukturen
Am Beispiel des Themas „Hitze in der Stadt“ werden für die
Städte Bonn und Ludwigsburg Triebkräfte kleinräumiger
Transformationsprozesse erfasst. Analysen zum Ist-
Zustand sowie zu den Veränderungen des Stadtklimas
werden mittels Szenarien für die gesamtstädtische Ebene
(Makroebene) und für ausgewählte Fokusgebiete
(Quartiere und Projekt-gebiete/ Mikroebene) entwickelt
und mit sozio-ökonomischen und demographischen
Szenarien zur Vulnerabilität verknüpft.
Januar 2019 Deutschland Nordrhein-Westfalen
Baden-Württemberg
Klimaanpassung Nürnberg:
Sommer in der Stadt – dem
Klimawandel sinnvoll
begegnen
Gegenstand des Nürnberger Modellvorhabens war die
Erarbeitung einer kommunal ausgerichteten Anpassungs-
und Handlungsstrategie für den Klimawandel. Diese sollte
vorrangig zur nachhaltigen Verbesserung der
lokalklimatischen Situation beitragen.
Dezember 2009 bis März 2012 Deutschland Bayern
Anhang 2: Ergebnisse Raumanalyse Stadtteilsebene
Neustadt-Nord Innenstadt 74,87 51,19 51,26 1,22 16 4.036.033
Altstadt-Süd Innenstadt 85,9 61,48 76,64 1,16 6 3.539.391
Lindenthal Lindenthal 53,45 30,84 38,68 1,32 30 3.298.154
Mülheim Mülheim 78,43 48,24 23,19 1,03 25 2.829.327
Ehrenfeld Ehrenfeld 96,03 61,57 89,24 0,59 10 2.734.498
Neustadt-Süd Innenstadt 80,03 54,89 71,03 1,02 12 2.705.227
Altstadt-Nord Innenstadt 87,45 68,32 74,31 0,71 5 2.605.491
Sülz Lindenthal 55,07 34,17 45,01 1,53 20 2.251.891
Deutz Innenstadt 66,92 43,85 30,7 0,88 11 1.828.425
Nippes Nippes 78,55 47,1 68,56 1,27 13 1.486.095
Zollstock Rodenkirchen 55,84 32,02 34,2 1,92 31 1.325.063
Kalk Kalk 91,41 55,05 58,15 1,21 14 1.222.298
Dellbrück Mülheim 42,59 20,83 12,65 1,98 50 1.169.672
Braunsfeld Lindenthal 95,82 55,64 89,49 1,58 9 1.159.055
Niehl Nippes 69,15 43,5 21,66 0,6 28 1.139.682
Höhenberg Kalk 55,82 33,44 29,91 1,98 12 1.110.531
Marienburg Rodenkirchen 65,96 36,55 28,63 1,69 17 1.098.838
Junkersdorf Lindenthal 59,6 35,65 16,99 1,5 41 1.095.368
Holweide Mülheim 73,98 38,94 32,92 1,01 18 1.083.152
Müngersdorf Lindenthal 56,14 31,29 13,89 1,6 24 1.052.293
Neuehrenfeld Ehrenfeld 87,38 51,66 78,95 1,03 12 931.150
Porz Porz 83,53 44,94 28,33 0,54 8 870.085
Rath/Heumar Kalk 27,76 14,4 5,45 3,21 72 830.403
Riehl Nippes 66,52 40,41 40,22 0,48 5 824.023
Poll Porz 55,39 31,74 12,07 1,41 27 820.233
Höhenhaus Mülheim 60,43 29,28 35,02 2,05 37 776.930
Eil Porz 22,04 13,94 9,23 3,59 78 766.147
Buchheim Mülheim 65,43 37,50 26,80 1,4 19 758.886
Bilderstöckchen Nippes 72,91 40,25 26,65 1,5 26 733.148
Humboldt/Gremberg Kalk 66,36 40,59 38,35 1,93 21 723.504
Weiden Lindenthal 68,89 36,03 39,07 1,98 22 700.733
Rodenkirchen Rodenkirchen 43,98 23,26 19,67 2,12 48 671.649
Bayenthal Rodenkirchen 83,75 47,93 69,93 0,66 6 661.359
Klettenberg Lindenthal 57,46 34,02 39,67 1,64 10 657.937
Longerich Nippes 54,95 28,41 30,49 1,96 39 615.215
Anzahl
KFZ/TagStadtteil Stadtbezirk Anteil Befestigte Fläche (%) Anteil Abflussbeiwert (%) Flächenanteil Hitzebelastug (%)
Überflutungsfläche
Flächenanteil % Anzahl
Zündorf Porz 24,97 12,77 0 2,67 44 572.361
Brück Kalk 32,92 16,96 1,85 2,68 44 565.960
Vingst Kalk 81,59 44,38 69,53 2,88 10 529.161
Ostheim Kalk 55,27 29,56 22,36 1,61 21 519.505
Bickendorf Ehrenfeld 92,37 52,71 67,91 1,28 12 517.126
Raderthal Rodenkirchen 44,25 24,79 30,75 2,94 28 497.757
Weidenpesch Nippes 44,29 24,18 19,09 2,09 25 482.424
Meschenich Rodenkirchen 23,74 12,69 0 2,71 36 477.257
Gremberghoven Porz 64,81 37,04 4,44 0,85 18 469.761
Merheim Kalk 64,3 36,42 15,18 1,77 20 466.748
Urbach Porz 70,69 36,37 26,78 1,45 11 446.184
Bocklemünd/Mengenich Ehrenfeld 44,52 25,62 13,48 1,17 20 418.136
Rondorf Rodenkirchen 39,22 21,83 3,77 2,45 53 404.833
Dünnwald Mülheim 23,20 12,38 6,16 3,4 50 404.450
Lövenich Lindenthal 56,65 29,66 16,85 2,31 22 379.237
Ossendorf Ehrenfeld 58,19 36,09 18,57 1,35 37 375.879
Ensen Porz 63,89 32,66 15,36 0,5 4 373.368
Worringen Chorweiler 42,1 24,79 21,24 1,04 42 362.973
Wahn Porz 69,9 37,57 8,1 1,45 11 353.135
Widdersdorf Lindenthal 42,53 23,25 0,52 1,25 30 341.729
Seeberg Chorweiler 66 35,98 28,31 2,14 14 326.787
Sürth Rodenkirchen 56,25 28,21 0,97 0,92 14 320.695
Buchforst Mülheim 90,15 48,39 26,52 1,5 7 297.633
Chorweiler Chorweiler 59,36 38,94 7,61 2,86 19 280.470
Roggendorf/Thenhoven Chorweiler 14,02 8,73 1,32 3,18 123 279.672
Pesch Chorweiler 59,15 34,97 15,03 1,51 20 264.430
Vogelsang Ehrenfeld 57,02 29,45 31,86 2,64 24 261.409
Westhoven Porz 42,36 23,02 9,36 1,41 18 260.855
Flittard Mülheim 40,98 23,22 18,74 2,25 44 256.442
Wahnheide Porz 81,23 34,05 7,55 3,54 24 251.791
Mauenheim Nippes 86,35 46,38 44,27 0 0 249.391
Merkenich Chorweiler 36,63 22,78 14,38 1,14 48 247.981
Fühlingen Chorweiler 24,38 15,2 1,93 1,17 25 246.590
Heimersdorf Chorweiler 83,12 40,62 43,47 1,21 8 238.442
Stammheim Mülheim 39,76 20,62 12,35 1,76 19 227.159
Neubrück Kalk 72,4 42,73 21,37 0,62 3 226.447
Grengel Porz 83,51 36,02 2,41 3,18 51 209.951
Esch/Auweiler Chorweiler 23,07 12,69 0,02 2,24 48 199.688
Godorf Rodenkirchen 73,51 41,2 20,13 0,64 13 193.289
Lind Porz 61,45 35,24 2,78 2,16 15 187.514
Raderberg Rodenkirchen 96,74 56,51 99,92 0,28 1 171.559
Hahnwald Rodenkirchen 74,4 37,94 5,34 1,62 23 137.970
Volkhoven/Weiler Chorweiler 31,48 17,87 5,02 3,1 42 133.976
Lindweiler Chorweiler 63,83 37,06 26,45 2,72 9 111.403
Elsdorf Porz 25,26 14,07 0,18 2,38 13 89.718
Weiß Rodenkirchen 26,55 12,69 9,88 1,07 13 80.136
Immendorf Rodenkirchen 42,92 25,79 0 1,82 26 78.873
Blumenberg Chorweiler 20,76 12,51 0 3,05 21 74.033
Langel Porz 16,73 8,55 0,48 2,91 28 48.375
Libur Porz 9,83 6,04 0 2,11 39 34.064
Anhang 3 Ergebnisse Raumanalyse alle Fokusgebiete
Stadtteil Stadtbezirk Fokusgebiets-
Nr. (FG)* Straßenzug* Id_UF Überflutungsfläche in
m² Größe Bufferfläche Anzahl Straßen
< 2.000 Kfz/Tag
Anzahl
Straßen >
2.000
Kfz/Tag
Befestigungsgrad
Bufferfläche in %
Altstadt-Nord Innenstadt FG1 Albertusstr. 332 4910 329304 39 29 78
Altstadt-Süd Innenstadt FG2 Am Rinkenpfuhl 307 7677 368091 43 33 76
Ossendorf Ehrenfeld FG3 Hugo-Eckener-Str. 1243 2255 284447 0 4 66
Deutz Innenstadt FG4 Adolphstr. 1047 5538 367553 56 29 66
Ehrenfeld Ehrenfeld FG5 Ehrenfeldgürtel 378 4483 314931 31 23 65
Ehrenfeld Ehrenfeld FG6 Christianstr. 386 2397 289396 2 9 65
Altstadt-Nord Innenstadt FG7 Altengrabengäßchen 354 6517 316877 35 25 63
Nippes Nippes FG8 Baudristr. 1181 4582 320372 64 24 63
Sülz Lindenthal FG9 Ägidiusstr. 258 6441 319856 47 17 63
Kalk Kalk FG10 Bertramstr. 1061 7492 484765 19 32 63
Raderberg Rodenkirchen FG11 Schillerstr. 208 2376 262795 7 21 62
Altstadt-Süd Innenstadt FG12 Am Pantaleonsberg 272 2148 533463 57 28 61
Ehrenfeld Ehrenfeld FG13 Eisenstr. 353 2585 270249 6 10 60
Neuehrenfeld Ehrenfeld FG14 Eichendorffstr. 391 2405 277660 22 27 59
Neustadt-Süd Innenstadt FG15 Bachemer Str. 286 2467 402151 15 20 59
Klettenberg Lindenthal FG16 Breibergstr. 219 2311 281041 29 11 58
Nippes Nippes FG17 Geldorpstr. 1182 3240 295231 48 16 58
Bickendorf Ehrenfeld FG18 Ahornweg 1151 6610 336785 18 26 56
Neuehrenfeld Ehrenfeld FG19 Fritz-Figge-Str. 390 2329 261989 16 9 55
Kalk Kalk FG20 Bennoplatz 1048 3260 300967 5 17 54
Bickendorf Ehrenfeld FG21 Biesterfeldstr. 1167 2222 268412 5 5 54
Holweide Mülheim FG22 Am Bramhoff 1822 3909 296659 18 23 54
Sülz Lindenthal FG23 Auerbachplatz 240 2539 259317 25 16 54
Neuehrenfeld Ehrenfeld FG24 Nußbaumerstr. 2026 2502 281090 21 12 54
Porz Porz FG25 Brüsseler Str. (Porz) 773 2900 273727 0 12 53
Chorweiler Chorweiler FG26 Cosmasweg 1488 5942 342743 2 12 52
Mülheim Mülheim FG27 Berliner Str. 1828 7874 334763 7 11 51
Urbach Porz FG28 Am Schwanebitzer Hof 684 3598 302409 9 17 51
Deutz Innenstadt FG29 Betzdorfer Str. 1035 3258 263131 1 10 50
Braunsfeld Lindenthal FG30 Echternacher Str. 329 3101 291768 12 13 50
Deutz Innenstadt FG31 Alter Mühlenweg 998 2558 249103 17 7 49
Bayenthal Rodenkirchen FG32 Brohler Str. 183 3924 309463 32 14 48
Braunsfeld Lindenthal FG33 Friedrich-Schmidt-Str. 309 2962 287980 10 20 47
Raderthal Rodenkirchen FG34 Albert-Schweitzer-Str. 178 2379 253786 8 11 47
Dellbrück Mülheim FG35 An der Kemperwiese 1825 2618 309483 14 8 47
Nippes Nippes FG36 Bülowstr. 1207 2016 349390 8 12 46
Bilderstöckchen Nippes FG37 Altleiningenweg 1189 4876 310871 12 4 46
Weiden Lindenthal FG38 Arndtstr. (Weiden) 344 5556 306733 14 13 45
Lindenthal Lindenthal FG39 Albertus-Magnus-Platz 280 2400 255213 1 15 44
Bilderstöckchen Nippes FG40 Alzeyer Str. 1227 2709 284239 13 7 43
Bocklemünd/Mengenich Ehrenfeld FG41 Börnestr. 1253 4601 291236 7 9 42
Klettenberg Lindenthal FG42 Dollendorfer Str. 190 4503 290589 32 2 42
Eil Porz FG43 Am Tambourskreuz 743 2013 254423 5 9 40
Flittard Mülheim FG44 Alfred-Werner-Str. 1938 2495 327773 17 5 39
Flittard Mülheim FG45 Eduard-Heis-Str. 1934 2279 431464 21 2 38
Bocklemünd/Mengenich Ehrenfeld FG46 Bertolt-Brecht-Str. 1233 3671 271629 12 3 37
Müngersdorf Lindenthal FG47 Brauweilerweg 358 2719 282664 11 8 36
Longerich Nippes FG48 Bernhard-Falk-Str. 1352 2319 259936 13 3 34
Höhenhaus Mülheim FG49 Am Pfropfbusch 1881 2837 282198 37 0 34
Braunsfeld Lindenthal FG50 Auf dem Hügel 320 5569 280306 3 15 34
Niehl Nippes FG51 Franz-Greiß-Str. 1378 3261 262399 0 1 32
Seeberg Chorweiler FG52 Chrysanthemenweg 1443 3502 266145 2 7 30
Weidenpesch Nippes FG53 Berghauser Str. 1310 4965 571974 8 7 30
Braunsfeld Lindenthal FG54 Am Morsdorfer Hof 316 6629 328133 6 6 30
Raderthal Rodenkirchen FG55 Buschdorfer Str. 165 2977 265252 21 0 29
Dünnwald Mülheim FG56 Albusweg 1915 4038 317155 14 15 27
Seeberg Chorweiler FG57 Am Hetzepetsch 1434 2777 256423 1 1 27
Müngersdorf Lindenthal FG58 Zeisigweg 394 8986 369014 2 1 26
Marienburg Rodenkirchen FG59 Leyboldstr. 784 2110 249831 1 4 24
Dellbrück Mülheim FG60 Mielenforster Str. 1796 4097 274326 2 6 15
Marienburg Rodenkirchen FG61 Zum Forstbotanischen Garten 771 3624 261671 0 1 14
*FG-Nr. sortiert nach Befestigungsgrad in % absteigend
**nur Beispielstraße, da teilweise mehrere Straßenzüge in einem Fokusgebiet liegen
Anhang 4 Ergebnisse Auswahl 19 Fokusgebiete
Stadtteil Stadtbezirk Fokusgebiets-
Nr. (FG)* Straßenzug* Id_UF Überflutungsfläche in
m²
Größe
Bufferfläche
Anzahl
Straßen <
2.000
Kfz/Tag
Anzahl
Straßen >
2.000
Kfz/Tag
Befestigungsgrad
Bufferfläche in %
Altstadt-Nord Innenstadt FG1 Albertusstr. 332 4910 329304 39 29 78
Altstadt-Süd Innenstadt FG2 Am Rinkenpfuhl 307 7677 368091 43 33 76
Ossendorf Ehrenfeld FG3 Hugo-Eckener-Str. 1243 2255 284447 0 4 66
Ehrenfeld Ehrenfeld FG5 Ehrenfeldgürtel 378 4483 314931 31 23 65
Ehrenfeld Ehrenfeld FG6 Christianstr. 386 2397 289396 2 9 65
Altstadt-Nord Innenstadt FG7 Altengrabengäßchen 354 6517 316877 35 25 63
Nippes Nippes FG8 Baudristr. 1181 4582 320372 64 24 63
Sülz Lindenthal FG9 Ägidiusstr. 258 6441 319856 47 17 63
Kalk Kalk FG10 Bertramstr. 1061 7492 484765 19 32 63
Altstadt-Süd Innenstadt FG12 Am Pantaleonsberg 272 2148 533463 57 28 61
Ehrenfeld Ehrenfeld FG13 Eisenstr. 353 2585 270249 6 10 60
Neuehrenfeld Ehrenfeld FG14 Eichendorffstr. 391 2405 277660 22 27 59
Neustadt-Süd Innenstadt FG15 Bachemer Str. 286 2467 402151 15 20 59
Klettenberg Lindenthal FG16 Breibergstr. 219 2311 281041 29 11 58
Nippes Nippes FG17 Geldorpstr. 1182 3240 295231 48 16 58
Bickendorf Ehrenfeld FG18 Ahornweg 1151 6610 336785 18 26 56
Holweide Mülheim FG22 Am Bramhoff 1822 3909 296659 18 23 54
Urbach Porz FG28 Am Schwanebitzer Hof 684 3598 302409 9 17 51
Deutz Innenstadt FG29 Betzdorfer Str. 1035 3258 263131 1 10 50
*FG-Nr. sortiert nach Befestigungsgrad in % absteigend
**nur Beispielstraße, da teilweise mehrere Straßenzüge in einem Fokusgebiet liegen
Anhang 5: Planungstools zur Umsetzung von Maßnahmen der Klimafolgenanpassung
Software/Tool Wasser Grün Hitze freiverfügbar
(ja/nein) Hinweis Link
greenscenario ja ja ja nein https://de.ramboll.com/greenscenario
WABILA ja ja nein nein https://webshop.dwa.de/de/catalogsearch/result/?q=Wasserbilanz-Expert
FLOO
Flächenmanagement-Tool für die Erfassung
und Bewertung von Flächenpotenzialen für
Städte und Gemeinden in Baden-
Württemberg
https://aktion-flaeche.de/node/35/
Geoventis Kommunaler Flächenmanager nein nein nein nein
Erfassung von Wohnbau-, Gewerbe- und
Freiflächen, Baulücken und
Gebäudeleerstände
https://www.geoventis.de/software-stadtplanung
Geoventis StadtCAD nein nein nein nein zur allgemeinen Stadt-, Landschafts-, und
Freiraumplanung http://www.stadtcad.de/
INKAS-NRW ja ja ja
https://www.dwd.de/DE/leistungen/inkas/inkas_nrw_wirkungsanalyse.html?bebauungsstruktur=lu4
&bebauungsumgebung=lu11
FIS Klimaanpassung ja ja https://www.klimaanpassung-karte.nrw.de/?feld=inkas-nrw
ENVI MET indirekt ja ja nein https://www.envi-met.com/
GREENPASS ja ja ja nein https://greenpass.io/
aREAL nein nein nein nein
Softwareanwendung für Erfassung,
Digitalisierung, Verwaltung und Aktivierung
innerörtlicher Potenzialflächen in einem
nachhaltigen Flächenmanagement
https://www.immovativ.de/produkte/areal/
K.PLAN Planungstool ja ja ja vermutlich nein (keine Angaben zu Kosten gefunden)
Es können Szenarien berechnet werden.
Bausteine sind: Flächennutzungsdaten,
Lufttemperaturmessungen,
Thermalaufnahmen, MapTable
http://k.plan.ruhr/planungstool.html
GEOPLEX Gründach nein ja nein nein Erstellung eines Gründachkatasters.
Potenziale für Gründächer erkennen. https://www.geoplex.de/apps/gruendachkataster/
visual city systems (im weiteren Sinne) nein Digitale Stadtplanung und 3D-Stadtmodelle https://vc.systems/
Infokarten für die Planung blau-grün-
grauer Infrastrukturen netWORKS 4 ja ja ja ja
Kein Softwaretool, aber ein Tool im Sinne
einer Hilfestellung bzw. eines Werkzeugs.
Evtl. folgen im Rahmen von netWORKS
weitere Tools
https://networks-group.de/sites/default/files/infokarten_networks4_vorschau.pdf
Stadtklimalotse vom BBSR (im weiteren
Sinne) ja ja ja ja
Es handelt sich um einen
Maßnahmenkatalog für einen
klimagerechten bzw. wassersensiblen
Stadtumbau oder auch Quartierneubau
(Extremereignisse, Wirkfolgen des
Klimawandels, Stadtumbau)
http://www.plan-risk-consult.de/stadtklimalotse/
Andere Hilfestellungen, Leitfäden, Handlungskataloge o.ä
Handbuch Stadtklima - Maßnahmen
und Handlungskonzepte für Städte und
Ballungsräume zur Anpassung an den
Klimawandel
ja ja ja ja Handlungskatalog vom Regionalverband
Ruhr
https://www.rvr.ruhr/fileadmin/user_upload/01_RVR_Home/02_Themen/Umwelt_Oekologie/Klima/
Dokumente/2010_Handbuch_Stadtklima_RVR.pdf
Toolbox Klimaanpassung im
Stadtumbau - Anregungen für Planende
in der kommunalen Verwaltung
ja ja ja ja
Toolbox im Sinne von allgemeiner
Hilfestellung (Maßnahmen, Instrumenten,
Prozessen, Öffentlichkeitsrabeit, Beteiligung)
https://www.planergemeinschaft.de/toolbox/klimaanpassung-im-stadtumbau
klimREG ja indirekt ja ja
Handlungshilfe "Klimawandelgerechter
Regionalplan". Das Webtool dient als
Ideenpool zur Ausgestaltung
regionalplanerischer Festlegungen. Kein
Planungstool im engeren Sinne
https://klimreg.de/wp-content/uploads/2016/09/KlimREG_Handlungshilfe_barrierefrei.pdf
Plan4Change ja ja ja ja Leitfaden/Broschüre zu Maßnahmen der
klimaangepassten Stadtplanung
https://www.bochum.de/C125830C0042AB74/vwContentByKey/W2BLCC86324BOCMDE/$File/P4C_Br
oschuere_final_DruckCMYKRZ_klein_FINAL.pdf
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zur weiteren Bearbeitung in die Verwaltung überwiesen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0485/2022
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 30.03.2022
- Erstellt
- 09.02.2022 17:42