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V/0809/2021

Prüfung der Aufstellung eines Friedensdenkmals auf der Aegidiischanze

Vorlagen 02.11.2021

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Nächste Beratung: Kulturausschuss, Sitzung am 03.02.2022, TOP 7.2

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V/0809/2021
V/0809/2021
Öffentliche Berichtsvorlage
Betrifft
Prüfung der Aufstellung eines Friedensdenkmals auf der Aegidiischanze
Beratungsfolge
16.11.2021 Kulturausschuss Bericht
07.12.2021 Bezirksvertretung Münster-Mitte Bericht
Bericht:
Münsters Promenade bietet seit ihrer Entstehung einen Ort künstlerischer Auseinandersetzung.
Bedingt durch die Rolle Münsters als preußischer Militärstandort prägen heute noch sieben
Kriegerdenkmale ihr Bild. Durch Ratsbeschluss vom 24. Juni 2020 wurde die Aufstellung kritisch-
historisch einordnender Informationstafeln zunächst am Train-, Dreizehner-, Kürassier-, Stalingrad-
und Mauritztor-Kriegerdenkmal beschlossen. Es sollten Bildungsangebote zur Information und
Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Erinnerungsabsichten von Kriegerdenkmalen
entwickelt werden und das sog. Traindenkmal zeitweise als Ort des Diskurses über den Umgang mit
Kriegerdenkmalen inszeniert werden. Darüber hinaus sollte der Antrag der SPD-Ratsfraktion geprüft
werden, wie im Hinblick auf das Jubiläum des Westfälischen Friedens 2023 ein Denkmal für den
Frieden realisiert werden könnte.
Der historische Hintergrund des alten
Friedensdenkmals:
Auf dem Hügel am Kanonengraben wurde
am 1. Juli 1905 ein Friedensdenkmal
eingeweiht. Der Münsteraner Bildhauer
Wilhelm Bolte hatte einen Gestaltungs-
wettbewerb gewonnen, den der Verband
deutscher Geschichts- und
Altertumsvereine 1898 bei seiner
Jahresversammlung in Münster ausgelobt
hatte.
Zeitgleich wurde das 250jährige Jubiläum
des Westfälischen Friedens gefeiert. Es
sollte jedoch sieben Jahre dauern, bis
genügend Spenden eingeworben werden
konnten und das Denkmal eingeweiht
wurde. Der Entwurf von Bolte zeigte die
Stadtarchiv
16.11.2021
Ihr/e Ansprechpartner/in:
Herr Dr. Worm
T elefon:492-4700
Worm@stadt-muenster.de

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V/0809/2021
Friedensgöttin Eirene hoch auf einem Sockel stehend mit erhobenem Ölzweig. Am Fuß des Sockels
steht ein "Pappenheimer", wie die Reitersoldaten aus der Zeit des 30jährigen Kriegs genannt wurden.
Er hat seine Waffen abgelegt und blickt hoch zur Friedensgöttin. Eine Inschrift hatte das Denkmal
nicht, aber es zeigte die Wappen des Deutschen Reichs und der Städte Münster und Osnabrück, in
denen der Westfälische Friede geschlossen wurde.
Als Standort schlug die Stadt
im Februar 1905 den Platz am
Kanonengraben nahe dem
Aegidiitor vor, "durch welches
die Friedensgesandten seiner
Zeit in unsere Stadt einzogen".
Dafür wurde das Annette-von-
Droste-Hülshoff-Denkmal
versetzt: Es steht bis heute in
der Parkanlage an der
Kreuzschanze.
Das Denkmal war eine
Besonderheit seiner Zeit, denn
nirgendwo anders wurde im
Kaiserreich ein
Friedensdenkmal errichtet.
Bereits 1942 wurde das
Bronzedenkmal im Zuge der
"Metallspenden" für die Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg wieder eingeschmolzen. Anders als
einige Kriegerdenkmäler, die ebenfalls der Kriegsführung zum Opfer fielen, wurde das
Friedensdenkmal nach 1945 allerdings nie wiederaufgebaut. 1954 wurden die letzten Überreste der
ursprünglich insgesamt acht Meter hohen Anlage eingeebnet. Heute befindet sich dort ein wenig
gepflegter Pétanque-Platz mit Sitzbänken.
Denkmale im ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhundert
Die Hochphase für die Errichtung von Denkmalen beginnt mit der Errichtung des 2. Deutschen
Kaiserreichs 1871 und endet in der Nachkriegszeit des 2. Weltkriegs. Sie sind bis zur
Demokratisierung Deutschlands als Verbindungsglied zwischen herrschender Klasse und
Bürgerschicht zu verstehen: Der breiten Bevölkerung sollten Ideale vermittelt und die Führungsschicht
sollte durch die Denkmäler an ihre „Fürsorgepflichten“ und herrscherlichen Tugenden erinnert werden.
Erst die Demokratisierung nach 1945 und die damit verbundene Übergabe der Macht an das Volk
führten zu einem Umdenken bei der Denkmalsgestaltung. Die neue Bildsprache vermied oft
heroisierende Darstellungen und tendierte zu abstrakten Formen, denen durch Inschriften der
Erinnerungskontext zugewiesen wurde. In Münster ist das sog. Stalingrad-Denkmal ein typisches
Beispiel für diese neu gefundenen Formen. Ob diese Denkmale als gelungen bezeichnet werden
können, mag man – selbst wenn man die politischen Implikationen ausblendet – aus heutiger Sicht
bezweifeln.
Mit der Wiedervereinigung gewann die Diskussion um Erinnerungsorte neuen Aufwind: Das
bekannteste Beispiel ist das Denkmal für die ermordeten Juden Europas (1999 / Bau und Einweihung
2005). Kontrovers diskutiert wurde das Bundeswehr-Ehrenmal von 2009, das gewissermaßen zu
einer „Betriebsgedenkstätte“ auf dem Hof des Verteidigungsministeriums am Berliner Bendlerblock
geriet. Ebenso umstritten ist das Projekt des Freiheits- und Einheitsdenkmals, das zunächst als
offener zweistufiger Wettbewerb für Künstler/-innen, Architekt/-innen und sonstige Kreative
ausgeschrieben wurde. Im späteren Verlauf brachten die Initiatoren und Jury-Mitglieder Günter Nooke
und Florian Mausbach (und mit ihnen die „Deutsche Gesellschaft“) bereits einen eigenen
Denkmalvorschlag ein und machten das Wettbewerbsverfahren zur pseudodemokratischen Farce.
Auch am Siegerentwurf „Bürger in Bewegung“ des Milla-Partners Sebastian Letz hagelte es Kritik, mit
am schärfsten vom Architekturkritiker Niklas Maak. Er hielt die deutsche Gesellschaft sogar für
unfähig, wichtiger Ereignisse angemessen zu gedenken – die Einheitswippe sei als
nichtgegenständliche Metapher „das schiefste Bild aller Zeiten“. Im Ergebnis zweifelte

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Kulturstaatsministerin Grütters daran, ob die Deutschen „auch mit Blick auf im positiven Sinne
identitätsstiftende Erinnerungen denkmalfähig“ seien.
Kann es Gegendenkmale geben und „funktionieren“ diese?
Die Idee, durch einen künstlerischen Eingriff an der Promenade einen Kontrapunkt zu den zahlreichen
Kriegerdenkmalen zu setzen, liegt nahe und reizte auch Künstler/-innen im Rahmen der Skulptur
Projekte immer wieder zur Auseinandersetzung. Dabei war oftmals entscheidend, dass es sich um
temporäre Werke handelte, die durch ihr Auftauchen und Verschwinden immer wieder eine
Auseinandersetzung mit diesem Thema notwendig gemacht haben, eine Positionierung der
Betrachter/-innen herausfordern und zwar immer wieder. Dabei nutzen sie eine Sprache, die jeweils
ihrer Zeit entstammt und auf diese Bezug nimmt. Auch heute fällt hin und wieder der Begriff des
„Gegendenkmals“, das z.B. besonders kritisch diskutierte Denkmale wie das Train-Denkmal durch
eine kontrastierende Aussage einordnet. Dass dies im Rahmen der Skulptur Projekte immer wieder
auf hohem künstlerischen Niveau gelingt, mag auch damit zusammenhängen, dass es sich bei den
Skulpturen nicht um Auftragswerke in einem klassischen Sinne handelt. Corinna T ombergerhat 2007
in ihrer Dissertation „Das Gegendenkmal. Avantgardekunst, Geschichtspolitik und Geschlecht in der
bundesdeutschen Erinnerungskultur“ das Spannungsverhältnis betont, dass aus dem Anspruch auf
künstlerischer Autonomie und der T atsacheherrührt, dass auch Gegendenkmäler fast ausnahmslos
Auftragswerke und damit von politischen Entscheidungsträgern abhängig sind. Die Entscheidung für
die Denkmäler ist oftmals nicht in erster Linie von inhaltlichen oder formalen Kriterien geleitet, sondern
vor allem Ausdruck des politischen Willens der Verantwortlichen, Kunst für die überregionale
Imagepflege einzusetzen.
Silke Wagners Skulptur von Paul Wulf mit ihrem Standort an der Promenade kann dagegen als eine
Art alternatives Denkmal gelesen werden und bildet damit einen wichtigen Kontrapunkt zu den
Kriegerdenkmälern auf der Promenade, da es die Idee des klassischen Denkmals unterläuft. Nicht
zuletzt der Titel münsters GESCHICHTE VON UNTEN kann hier symbolisch und als Gegenkonzept
zur traditionellen Idee des Denkmals gelesen werden, da er auf eine Geschichtsschreibung anspielt,
die sich nicht „von oben“ aus einer Machtposition, sondern „von unten“ seitens der Bürger/-innen und
nicht zuletzt auch der Opfer vollzieht. Die überlebensgroße Figur des Paul Wulf beleuchtet die
Erinnerungspolitik kritisch und wirft die Frage auf, aus wessen Perspektive Geschichte geschrieben
wird.
Ähnliches gilt für das Kunstwerk von Nicole Eisenman. Die Wiederaufstellung des Brunnens Sketch
for a Fountain, kann ebenfalls als ein Symbol für den Frieden oder vielmehr für eine offene
Gesellschaft gesehen werden. Nicole Eisenman schuf ein idyllisches, friedliches Miteinander von
queeren Figuren, die scheinbar von unserer ästhetischen oder gesellschaftlichen Norm abweichen.
Zugleich bezieht sich Nicole Eisenman mit den fünf Figuren auf die Vergangenheit ihrer eigenen
jüdischen Familie. Diese musste im Jahr 1937 aus Berlin und aus Wien fliehen. Die Flucht und
Vertreibung der einzelnen Familienmitglieder war für die Künstlerin ein Beweggrund für die Schaffung
der Skulptur ebenso wie ihre Vorstellung, dass sich die fünf Personen an einem friedlichen Ort
wiederbegegnen.
Auch „Das gegenläufige Konzert“, das die Künstlerin Rebecca Horn für die Skulpturenausstellung
1987 geschaffen hat und das im restaurierten Zwinger an der Promenade dauerhaft installiert wurde,
bietet als zentrale Gedenkstätte und Mahnmal für die Opfer der NS-Gewalt einen Kontrapunkt zu den
kriegs- und gewaltverherrlichenden Denkmalen entlang der Promenade1.
Frieden als künstlerisches Thema
Das zunächst unstrittig positiv besetzte Wort „Frieden“ suggeriert, dass sich eine große Mehrheit der
Stadtbevölkerung damit identifizieren kann. Im wissenschaftlichen Diskurs unterscheidet die
Friedensforschung zwischen einem engen Friedensbegriff („negativer Frieden“), der die Abwesenheit
von Konflikten (Gewalt / Krieg) beinhaltet, und einem weiter gefassten Friedensbegriff („positiver
Frieden“). Letzterer umfasst neben dem Fehlen kriegerischer Gewalt, auch das Fehlen kultureller und
1 Vgl. dazu Stadt Münster (Hg.), Der Zwinger in Münster und „Das gegenläufige Konzert“ von Rebecca Horn. Köln 2003.

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struktureller Gewalt. Danach bedeutet Frieden also zusätzlich das Fehlen einer „auf Gewalt
basierenden Kultur“ sowie das Fehlen repressiver oder ausbeuterischer Strukturen. Die
künstlerischen Ausprägungen dieses abstrakten Begriffs hat im Jahr 2018 die Münsterische
Ausstellung „Wege zum Frieden“ untersucht. Häufig nutzen Kunstwerke Allegorien (antike
Friedensgöttinnen, die T aube, den Ölzweig etc.), um das Thema fassbarer zu machen. In Münster
könnte auch der direkte Bezug zum namensgebenden Frieden von 1648 als Anregung dienen. Diese
kunsthistorische Perspektive wurde in Ausstellungen (1998/99: „1648 - Krieg und Frieden in Europa“,
„vivat pax - Es lebe der Friede!“ und zum kulturellen Leben zur Zeit des Friedenskongresses; 2008/09:
„Sehnsucht nach Frieden“) intensiv beleuchtet. Auch zahlreiche Kunstwerke der Skulptur Projekte
konnten unter diesem Oberthema subsumiert werden. Auf diese Varianz geht der politische Auftrag
nicht näher ein – die Interpretation bietet trotz des friedvollen Themas also Interpretationsspielraum
und damit auch Konfliktpotential.
Mit seiner Skulptur „Diálogo - T olerancia(T oleranzdurch Dialog)“ hat Eduardo Chillida 1992/93 eine
aus Corten-Stahl geschmiedete künstlerische Auseinandersetzung zum Thema geschaffen. Sie
wurde 1993 an zentraler Stelle auf dem Platz des Westfälischen Friedens, im Innenhof des
Rathauses, anlässlich des 1200-jährigen Stadtjubiläums aufgestellt - 350 Jahre nach Beginn der
Friedensverhandlungen. Die Skulptur ist eine Dauerleihgabe des Landes NRW.
Chillida war 1987 zu den Skulptur-Projekten Münster eingeladen worden. Bei einem Empfang der
Künstler im Friedenssaal des Rathauses war er von der authentischen ehemaligen Ratskammer und
seiner historischen Bedeutung tief beeindruckt. Er sah im Geiste die Vertreter der verfeindeten
Parteien des Friedenskongresses, der von 1643 bis 1648 gedauert hatte und den Dreißigjährigen
Krieg beenden sollte, auf den Bänken entlang den Längsseiten des Saales sich gegenübersitzen und
in lebhaftem Dialog miteinander verhandeln. Wenn diese Verhandlungen auch sechs Jahre gedauert
hatten, hatten sich schließlich die Bevollmächtigten der vielen miteinander streitenden Kriegsparteien
doch auf einen Friedensvertrag verständigt, der im Oktober 1648 unterzeichnet wurde. Chillidas Idee
war, diese sich gegenüberliegenden Ratsbänke aus dem Raum des Friedenssaales hinter dem
Rathaus ins Freie zu verlegen. Man mag in den beiden Bänken aus massivem Stahl das Gewicht der
je eigenen Positionen der Verhandlungspartner repräsentiert sehen. Entscheidend jedoch ist die
Bereitschaft, sich auf einer Ebene mit dem Verhandlungspartner einzulassen. Der Hof wurde übrigens
auf Wunsch von Chillida vor der Aufstellung um etwa einen halben Meter abgesenkt. Die beiden
Bänke schauen sich an, so wie die Verhandlungspartner sich gegenseitig ernst nehmen müssen, um
einen gemeinsamen Erfolg möglich zu machen. Das leichte Schweben der beiden Bänke sowie die
leicht geneigten Rücklehnen der Bänke verstärken den Eindruck, dass beide Bänke - stellvertretend
für die beiden Verhandlungspartner - in ein und denselben geistigen Raum eingebettet sind.
Eduardo Chillida gehört zu den bedeutendsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts und eine weitere
künstlerische Auseinandersetzung zum Thema Frieden müsste sich mit diesem künstlerischem
„Schwergewicht“ messen und würde gleichzeitig Gefahr laufen, dessen Bedeutung zu mindern oder
zu relativieren.
Geplanter Ort und zeitlicher Rahmen
Unterhalb des alten Standorts des Friedensdenkmals steht heute der mit Blumenbeeten geformte
Schriftzug „Münster bekennt Farbe“. Der Platz wird heute als Naherholungsfläche genutzt und dient in
den Sommermonaten mit dem angrenzenden Spielplatz jungen Familien und Studierenden als
Treffpunkt. Eine größere Skulptur benötigt Fundamente und agiert mit und reagiert auf ihren
Aufstellungsort. Die Promenade am Kanonengraben ist von der projizierten Radwegeplanung
„Überführung Aasee“ in besonderer Weise betroffen. Zudem soll für die Promenade ein
Gesamtkonzept zur Sanierung erarbeitet werden, das vom Amt für Grünflächen, Umwelt und
Nachhaltigkeit verantwortet und, da die Promenade insgesamt unter Denkmalschutz steht, durch die
städtische Denkmalbehörde begleitet wird. Die notwendige räumliche Orientierung und Stabilität, die
es für die künstlerische Auseinandersetzung benötigt, ist deshalb zurzeit (noch) nicht gegeben.
Gleichzeitig sind es bis zum Jubiläumsjahr nur noch ca. 14 Monate, so dass die Durchführung eines
Gestaltungswettbewerbs und die Bauausführung kaum noch rechtzeitig gelingen können. Noch

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schwieriger würde das, wenn ein bürgerschaftlicher Diskurs und bestenfalls ein Konsens über das
Denkmal erreicht werden soll, für den Parteien, gesellschaftliche Initiativen, Anwohner/-innen gehört
und eingebunden werden müssen. Sollten sich organsiertere Formen der Bürgerbeteiligung bis hin zu
einem Bürgerentscheid formieren oder sich gegen einen Entwurf oder seine Umsetzung aussprechen,
würden sich daraus weitere unkalkulierbare Verzögerungen ergeben.
Was erscheint in der verbleibenden Zeit umsetzbar? Über welche Alternativvorschläge könnte man
nachdenken, die möglichst eine Reihe der Ziele aus dem SPD-Antrag umsetzen?
Rahmenbedingungen
 Der Vorschlag sollte bis zum Jubiläumsjahr 2023 umsetzbar sein.
 Er sollte nach Möglichkeit die hohe Aufenthaltsqualität in Aasee- und Promenadennähe erhalten.
 Gleichzeitig soll ein Ankerpunkt zur Erinnerung an die friedlichen und friedensschaffenden
Perioden der eigenen Geschichte entstehen, wofür der vorgeschlagene Ort an der Promenade
sicher gut geeignet ist.
 Es soll für pädagogische und historische Rundgänge (wie z.B. die regelmäßig stattfindenden
Fahrradführungen zu den Kriegerdenkmalen) ein Erinnerungsort entstehen, der einen wichtigen
Kontrapunkt setzt. Ähnliches ist bereits auf der Ostseite der Promenade mit der Paul-Wulf-
Skulptur, an der nordöstlichen Promenade mit dem Zwinger und im Norden der Promenade dem
Eisenmann-Brunnen erreicht worden.
 Er soll eine möglichst große Akzeptanz und eine gewisse ästhetische Qualität erreichen.

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Alternativvorschlag 1: Sichtbarmachung des alten Friedensdenkmals
Ein echter Wiederaufbau des alten Friedensdenkmals kommt aus ästhetischen Gründen nicht in
Frage, da die Bildsprache des frühen 20. Jh. nicht mehr in unsere Zeit passt. Doch vielleicht könnte
man an der Promenade durch die Aufstellung eines verkleinerten Modells an das Aussehen des
Friedensdenkmals erinnern. Je nach Positionierung des Modells könnte aus einem passenden
Blickwinkel sogar der optische Eindruck der ursprünglichen Platzierung am Kanonengraben
nachgestellt werden. Ein ähnlicher Effekt könnte auch durch einen (halb-)transparenten Aufsteller, auf
denen das Foto des Friedensdenkmals aufgedruckt ist, erreicht werden. Die Gestaltung des
Aufstellers könnte sich an den Info-Angeboten bei den Kriegerdenkmalen orientieren, so dass sich ein
leicht nachvollziehbares Leitsystem ergäbe. Ein darauf angebrachter Link (QR-Code) könnte wie bei
den geplanten Infostelen der Kriegerdenkmale auf die ausführlichen Informationen im Internetangebot
„Erinnern im öffentlichen Raum“ (Navigationspunkt „Verschwundene Denkmäler“2) verweisen. Eine
geeignete und zum Gesamtkonzept passende Umsetzung könnte mit dem mit den Info-Stelen
beauftragtem
Gestaltungsbüro
erarbeitet werden. In
jedem Fall stellt diese
Alternative keinen
massiven Eingriff
baulicher Art in die
Promenade dar und
schränkt die heutige
Nutzung nicht ein.
Bildliche Rekonstruktion aus
Sabeth Goldemann, Lukas
Grawe und Sabine Kittel,
Durch Münsteraner
Geschichte(n).
Kriegerdenkmale in der
Friedensstadt. Münster 2015,
S. 19
Alternativvorschlag 2: Aufwertung des Begegnungsraums am alten Friedensdenkmal
Mit dem heute schon praktizierten friedlichen Beisammensein am historischen Ort wird das Thema
„Frieden“ bereits gelebt. Interessanterweise in dem positiven Verständnis des Begriffs. Gemeinsam
mit dem Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit und der unteren Denkmalschutzbehörde
wäre zu überlegen, durch welche vorsichtigen Eingriffe in der Bepflanzung und Verbesserungen in der
Ausstattung der Fläche diese Nutzung noch verstärkt werden kann. Auf diese Weise könnte ein
„friedlicher Ort“ entstehen, der zur Entspannung, zum Pausieren – gerade während des
Jubiläumsjahres – und vielleicht auch zur Reflexion über den wechselhaften Umgang mit Denkmalen
im Allgemeinen und mit dem historischen Friedensdenkmal Münsters im Speziellen einlädt.
Fazit
Denkmale regen zur Auseinandersetzung an – in thematischer, künstlerischer und ästhetischer
Hinsicht. Der künstlerischen Freiheit werden Grenzen gesetzt
- durch die Dauerhaftigkeit, die einem Denkmal innewohnt: Die Aussage muss nicht nur heute
verständlich sein, sondern auch noch in 50 oder 100 Jahren.
- durch die direkten Auftraggeber/-innen: Der Rat der Stadt muss mit dem Entwurf zufrieden sein.
- indirekt durch die Akzeptanz in der Stadtbevölkerung und ihren Interessengruppen, die gerade in
Münster von einer kunstgeschulten Intelligenzija über friedensbewegte Gruppen bis hin zu
2 https://www.stadt-muenster.de/kriegerdenkmale/verschwundene-denkmaeler/friedensdenkmal-1648.

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V/0809/2021
Reservistenvereinigungen und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und
Religionsvertretern reicht.
Obwohl der Ort des alten Friedensdenkmals sich anbietet, dort wieder ein Friedensgedenken zu
ermöglichen, stünde bei einer künstlerischen Auseinandersetzung zu befürchten, dass sie Reaktionen
hervorrufen wird, die von „Das ist total verkopft!“ bis hin zu Klagen über Münsters Provinzialität und
das typische Münsteraner Mittelmaß, reichen. Um einen tragfähigen Konsens zwischen Münsters
Bürgerinnen und Bürgern und der Politik zu erzielen, erscheinen 14 Monate, die bis 2023 zur
Verfügung stünden, erfahrungsgemäß bei einer breit angelegten Beteiligung als deutlich zu kurz.
Gleichzeitig ist zu bedenken, dass es ein bereits existierendes und in der Bevölkerung breit
akzeptiertes Friedensdenkmal gibt: Chillidas Friedensbänke sind an einem der zentralsten Plätze
Münsters installiert.
Von Verwaltungsseite wird die Idee der SPD, einen Gedenkort am historischen Platz des
Friedensdenkmals zu schaffen, begrüßt. Daher wird vorgeschlagen, dass statt einer neuen
künstlerischen Auseinandersetzung alternative Formen des Gedenkens aufgegriffen werden, wie sie
die beiden Alternativvorschläge (auch in Kombination miteinander) ermöglichen. Sie erscheinen in der
Kürze der verbleibenden Zeit erreichbar und würden vermutlich eine hohe Akzeptanz in der
Stadtgesellschaft finden. Die vorgeschlagenen Maßnahmen belassen am historischen Ort des
Friedensdenkmals Gestaltungsspielräume für temporäre künstlerische Auseinandersetzungen – auch
zum Thema „Frieden“ – zum Beispiel im Rahmen der nächsten Skulptur Projekte.
Bei einer Umsetzung der Vorschläge sind die Planungen des Jubiläumsjahres 2023 betroffen, so dass
das Friedensbüro bei Münster Marketing und die entsprechende städtische Arbeitsgruppe in die
Überlegungen einzubinden wäre. Zudem sind stadtplanerische und denkmalpflegerische Aspekte zu
berücksichtigen, so dass auch das Dezernat III und das Stadtplanungsamt zu beteiligen sind. Der
zweite Vorschlag bedarf der Unterstützung und Durchführung des Amtes für Grünflächen, Umwelt und
Nachhaltigkeit, dem durch die Pflege auch dauerhafte Aufwände entstehen. Bisher stehen für die
Umsetzung keine personellen Kapazitäten zur Verfügung und es sind keine Haushaltsmittel im
städtischen Haushalt für das Jahr 2022 vorgesehen. Daher sollte versucht werden, die Vorschläge
über ein privates Sponsoring zu realisieren. Es würden für die Umsetzung der Pläne circa 20.000,- €
benötigt.
i. V.
gez.
Cornelia Wilkens
Stadträtin
Anlage
Anlage A

Anlage A

1648 Zeichen

Anlage A zur V/0809/2021
Kurzüberblick
Der Bericht beantwortet die von der SPD-Fraktion aufgeworfene Frage, ob ein neues
Friedensdenkmal am historischen Standort des ersten Münsterischen Friedensdenkmals
aufgestellt werden kann, um vor dem Hintergrund des 375. Jubiläumsjahrs des Westfälischen
Friedens 2023 den Charakter Münsters als Friedensstadt zu stärken.
Ziele/Teilziele/Zielerreichung
Im Bericht wird dargelegt, dass an der Promenade bereits mehrere „Kontrapunkte“ zu den
Kriegerdenkmalen existieren. Mit den Chillida-Bänken im Rathaus-Innenhof gibt es eine
künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema „Frieden“ an zentraler Stelle. Gleichwohl
könnte der alte Standort des Friedensdenkmals auch ohne neue künstlerische
Auseinandersetzung zu einem Ort der Erinnerungskultur aufgewertet werden, indem die
Grünanlagen neugestaltet und eine Informationsstele aufgestellt wird, die das alte
Friedensdenkmal thematisiert.
Finanzierung
Produktgruppe: 0406
1301
Stadtarchiv
Grün- und Freiflächen
Im Entwurf des Haushaltsplan 2022 enthalten? Ja X Nein teilw.
Pflichtigkeitsgrad
Die Maßnahme/Leistung ist vollständig
pflichtig
überwiegend
pflichtig
überwiegend
freiwillig
X vollständig
freiwillig
Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen
(Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration)
Die Stadt Münster ist um einen angemessenen Umgang mit ihrer Erinnerungs- und Denkmalkultur
bemüht (vgl. den Ratsbeschluss V/0275/2020 zum Umgang mit den Kriegerdenkmalen). Vor dem
Hintergrund des Jubiläumsjahrs 2023 trüge eine Sichtbarmachung des Ortes des alten
Friedensdenkmals zum Image der Stadt als „Friedensstadt“ bei.

Beratungsverlauf (2)

07.12.2021 Bezirksvertretung Münster-Mitte
TOP 4.3 Bericht Entscheidung

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Zur Sitzung
03.02.2022 Kulturausschuss
TOP 7.2 Bericht Entscheidung

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Zur Sitzung

Orte (4)

  • Am Kanonengraben
  • Platz des Westfälischen Friedens
  • Promenade
  • Mauritztor

Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.

Details

Aktenzeichen
V/0809/2021
Typ
Vorlagen
Datum
02.11.2021
Erstellt
25.10.2021 13:50