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2010/0269

Schließung des Verwaltungsgerichts Darmstadt

Magistratsvorlage 18.06.2010

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Bürgermeister
Wolfgang GlenzPostfach 11 10 61
64225 Darmstadt

Hessisches Ministerium der Justiz
Herrn Staatsminister
Jörg–Uwe Hahn
Georg-August-Zinn-Straße 165183 Wiesbaden


Bürgermeister
Wolfgang GlenzNeues Rathaus am Luisenplatz
Luisenplatz 5 A
64283 Darmstadt
Telefon:	06151 13-2301 – 04
Telefax:	06151 13-2214
Internet:	 HYPERLINK http://www.darmstadt.de http://www.darmstadt.de
E-Mail:	 HYPERLINK mailto:buergermeister@darmstadt.de buergermeister@darmstadt.de

Datum:26.04.2010

Schließung des Verwaltungsgerichts Darmstadt und die Verlagerung seiner Zuständigkeiten auf andere Verwaltungsgerichte


Sehr geehrter Herr Staatsminister,

dem Vernehmen nach gibt es aufgrund von Sparmaßnahmen der Hessischen Landesregierung im Justizministerium Überlegungen, den Standort des Verwaltungsgerichts Darmstadt aufzugeben, das Verwaltungsgericht zu schließen und eventuell mit dem Verwaltungsgericht Frankfurt am Main zusammenzulegen. 

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt wendet sich mit allem Nachdruck gegen eine Schließung des Verwaltungsgerichts Darmstadt und die Verlagerung seiner Zuständigkeiten auf andere Verwaltungsgerichte. Das hat die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung am 22.04.2010 ausdrücklich bekräftigt.

Die Aufgabe des Verwaltungsgerichts Darmstadt ist nicht hinnehmbar.

Darmstadt ist Geburtsort der hessischen Verwaltungsgerichtsbarkeit überhaupt. Hier hat Ludwig III, Großherzog von Hessen und bei Rhein, bereits im Jahr 1875 einen Verwaltungsgerichtshof im Kollegiengebäude am Luisenplatz eingerichtet und damit den Grundstein der hessischen Verwaltungsgerichtsbarkeit gelegt. Historische Tradition vermag zwar allein die Aufrechterhaltung des Standorts nicht zu rechtfertigen. Es gibt aber keine zwingenden sachlichen Gründe, die eine Schließung des hiesigen Verwaltungsgerichts erfordern.

Das Verwaltungsgericht Darmstadt hat heute ca. 50 Beschäftigte, davon 24 Richterinnen und Richter. Alle Arbeitsplätze wären von der Schließung betroffen. Für Beschäftigte mit Teilzeitstellen, die ihren Wohnsitz in Südhessen haben, wäre der Fahrtaufwand nach Frankfurt oder Wiesbaden aus Zeit– und finanziellen Gründen nicht zumutbar.

Eine zur Personalkostenreduzierung notwendige Änderung der Personalstruktur ist, wie mir berichtet wurde, auch ohne Aufgabe des Standortes durch Abgänge in der Richterschaft infolge Ruhestandsversetzung bzw. durch Abordnungen von Richtern, die sich damit ausdrücklich einverstanden erklärt haben, gewährleistet.

Eine erhebliche Reduzierung der Sachkosten lässt sich durch die Standortaufgabe ebenfalls nicht realisieren. Sachkosten entstehen auch bei Zuordnung des hiesigen Gerichts zu einem anderen Verwaltungsgericht.

Die Schließung würde eine unzumutbare Schmälerung der Oberzentrumsfunktion der Wissenschaftsstadt Darmstadt darstellen und der überregionalen Bedeutung der Stadt für den gesamten südhessischen Bereich nicht gerecht. Darmstadt ist Sitz vieler Behörden, auch des Regierungspräsidiums und der Technischen Universität. Das Verwaltungsgericht Darmstadt ist zuständig für die kreisfreien Städte Darmstadt und Offenbach, den Landkreis Bergstraße, den Odenwaldkreis, die Landkreise Darmstadt–Dieburg, GroߖGerau und den Landkreis Offenbach. Damit ist das Verwaltungsgericht Darmstadt für eine vergleichbare Anzahl von Menschen zuständig wie das Verwaltungsgericht  Frankfurt am Main. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes vom 30.09.2009 leben im Zuständigkeitsbereich

des VG Darmstadt			1.503.000
des VG Frankfurt am Main		1.530.000
des VG Wiesbaden			   633.000

Menschen.

Eine Aufgabe des Standorts Darmstadt ist bereits mit Blick darauf nicht gerechtfertigt.

Darüber hinaus ist mit der Standortaufgabe eine im wahrsten Sinne des Wortes bürgernahe Verwaltungsrechtsprechung nicht mehr gegeben.

Schließlich ist aufgrund des mit der Zusammenlegung einhergehenden und beabsichtigten Stellenabbaus die Rechtsschutzgarantie gemäß Art. 19 Abs. 4 GG nicht mehr gewährleistet. Aufgrund übermäßiger Anstrengungen der hiesigen Verwaltungsrichterschaft konnte die Bearbeitungszeit eingehender Klagen bis zum Urteilsspruch auf durchschnittlich 11 Monate, gerechnet ab dem Tag des Eingangs bei Gericht, abgesenkt werden. Früher dauerten Verfahren in erster Instanz 2 – 3 Jahre. Eine Zusammenlegung des Verwaltungsgerichts Darmstadt mit einem anderen Verwaltungsgericht mit dem Ziel, Personal abzubauen, muss zwangsläufig wieder zu erheblich längeren Verfahrenszeiten führen. Das ist den Menschen in der Stadt und der Region nicht zuzumuten. Sie haben einen grundgesetzlich verbrieften Anspruch auf eine zügige Bearbeitung ihrer Rechtsschutzbegehren.

Bei allem Verständnis für Sparzwänge, denen auch das Land Hessen unterliegt, bitte ich Sie daher eindringlich, von der Erwägung, das Verwaltungsgericht Darmstadt zu schließen, Abstand zu nehmen.

Über eine baldige positive Nachricht in diesem Sinne würde ich mich freuen.

Freundliche Grüße

gez. Glenz

Wolfgang Glenz
Bürgermeister

Durchschrift dem Rechtsamt

gez. Glenz

Wolfgang Glenz
Bürgermeister

















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2010/0269

2024 Zeichen

Magistratsvorlage 
 
Eingang Magistrats- 
geschäftsstelle: 
23.06.2010 
an den Magistrat 
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung 
 
Beteiligt vor 
Magistratsbeschlussfassung: 
Dezernat II  an die Stadtverordnetenversammlung 
   OBW zur Befassung 
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung 
   zur abschließenden Beschluss-        
fassung Fachausschuss 
 
Amt: Rechtsamt 
Behandlung in  
öffentl. Sitzung 
Ja 
 
Nein 
 
 OBW bei abschl. Beschluss-
fassung Magistrat 
 
 
 
Ja 
 
Nein  
Internetfähig     
Verteiler: 
 
 
Vorlage-Nr. 2010/0269 
 
Magistratsbeschluss-Nr. 
  
 
 
Betreff: Schließung des Verwaltungsgerichts Darmstadt 
 
Vorlage vom: 18. 6.2010 
 
Beschlussvorschlag: 
 
Von dem beiliegenden Bericht wird Kenntnis genommen. 
 
 
 
Anlagen: Schreiben an Hess. Minister der Justiz vom 26.04.2010 
Schreiben Hess. Justizminister 13.05.2010 
 
Datenschutzrelevante Anlage:  
 
Beschluss des Magistrats vom

2 
... 
 
Begründung zur Magistratsvorlage vom 18.06.2010  
 
 
Mit Beschluss vom 22.04.2010 (2010/0033) hat sich die Stadtverordnetenversammlung ge-
gen die vom Justizministerium aus Spargründen erwogene Schließung des Verwaltungsge-
richts Darmstadt gewandt. Der Magistrat wurde aufgefordert, sich für den Erhalt des Verwal-
tungsgerichts einzusetzen und der Stadtverordnetenversammlung über das Ergebnis zu be-
richten.  
 
Mit beiliegendem Schreiben vom 26.04.2010 hat der Unterzeichner den Hess. Minister der 
Justiz aufgefordert, das Verwaltungsgericht Darmstadt nicht aufzugeben. Mit ebenfalls bei-
liegender Antwort des Ministers vom 13.05.2010 wurde zugesichert, alle vorgetragenen As-
pekte bei der Prüfung zu berücksichtigen.  
 
Nunmehr hat, wie den Medien zu entnehmen war, der Hess. Justizminister entschieden, 
dass das Verwaltungsgericht nicht aus Spargründen aufgegeben, sondern in Darmstadt blei-
ben wird. Damit ist dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung voll umfänglich Rech-
nung getragen worden.  
 
Darmstadt, den 18.06.2010 
 
 
 
 
 
Wolfgang Glenz 
Bürgermeister 
 
Anlagen

anlage 2

1562 Zeichen

Jörg-Uwe Hahn HESSEN

Staatsminister }
Hessischer Minister der Justiz, für Integration und Europa A & c hts a mt |

Eing; 20. Mai 2010
Hessisches Ministeriuen der Justiz, für Integration und Europa

|
Postfach 3] 69 + 6502) Wiesbaden L; ' | b N
| ee | ‘
ichen: 1281 - UB1 - 2009/8289 - UA | |

Herrn Bürgermeister Bearbeiter. Nimmerfroh

Wolfgang Glenz Durchwahl: 0611-322842

Postfach 111061 E-Mail: olaf.nimmerfroh@hmdj.hessen.de
64225 Darmstadt

Datum: a, . Mai 2010

Ihr Schreiben vom 26. April 2010 Te 7 C

Sehr geehrter Herr Glenz,

für Ihr Schreiben vom 26. April 2010, mit welchem Sie mir Ihre Bedenken gegen eine
etwaige Schließung des Verwaltungsgerichts Darmstadt mitteilen, danke ich Ihnen. Ich
kann sehr gut nachvollziehen, dass Sie sich mit Nachdruck für Ihre Region und das dortige
Verwaltungsgericht einsetzen.

Im Hinblick auf die allgemeine Haushaltssituation kann ich eine allgemeingültige Zusiche-
rung, das Verwaltungsgericht Darmstadt in seiner jetzigen Gestalt zu bewahren, nicht
geben. Dies gilt für alle hessischen Gerichte und Justizbehörden. Ich versichere Ihnen
jedoch, dass alle Aspekte bei unserer Prüfung beleuchtet werden. Insbesondere werde ich
das von Ihnen vorgetragene Argument der Bürgerfreundlichkeit berücksichtigen.

Noch vor der Sommerpause 2010 werde ich ein Konzept zur Haushaltskonsolidierung

vorlegen.
. * 3
Mit freundlichen Grüßen ;
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65185 Wiesbaden Telefon (0611) 32-2710 E-Mail: ministervz@hmdj.hessen.de
Luisenstraße 13 Telefax (0611) 32-2691 Internet: www.hmdj.hessen.de

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Details

Vorlagen-Nr.
2010/0269
Typ
Magistratsvorlage
Datum
18.06.2010
Erstellt
29.09.2026 00:00