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Schließung des Verwaltungsgerichts Darmstadt
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Bürgermeister
Wolfgang GlenzPostfach 11 10 61
64225 Darmstadt
Hessisches Ministerium der Justiz
Herrn Staatsminister
JörgUwe Hahn
Georg-August-Zinn-Straße 165183 Wiesbaden
Bürgermeister
Wolfgang GlenzNeues Rathaus am Luisenplatz
Luisenplatz 5 A
64283 Darmstadt
Telefon: 06151 13-2301 04
Telefax: 06151 13-2214
Internet: HYPERLINK http://www.darmstadt.de http://www.darmstadt.de
E-Mail: HYPERLINK mailto:buergermeister@darmstadt.de buergermeister@darmstadt.de
Datum:26.04.2010
Schließung des Verwaltungsgerichts Darmstadt und die Verlagerung seiner Zuständigkeiten auf andere Verwaltungsgerichte
Sehr geehrter Herr Staatsminister,
dem Vernehmen nach gibt es aufgrund von Sparmaßnahmen der Hessischen Landesregierung im Justizministerium Überlegungen, den Standort des Verwaltungsgerichts Darmstadt aufzugeben, das Verwaltungsgericht zu schließen und eventuell mit dem Verwaltungsgericht Frankfurt am Main zusammenzulegen.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt wendet sich mit allem Nachdruck gegen eine Schließung des Verwaltungsgerichts Darmstadt und die Verlagerung seiner Zuständigkeiten auf andere Verwaltungsgerichte. Das hat die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung am 22.04.2010 ausdrücklich bekräftigt.
Die Aufgabe des Verwaltungsgerichts Darmstadt ist nicht hinnehmbar.
Darmstadt ist Geburtsort der hessischen Verwaltungsgerichtsbarkeit überhaupt. Hier hat Ludwig III, Großherzog von Hessen und bei Rhein, bereits im Jahr 1875 einen Verwaltungsgerichtshof im Kollegiengebäude am Luisenplatz eingerichtet und damit den Grundstein der hessischen Verwaltungsgerichtsbarkeit gelegt. Historische Tradition vermag zwar allein die Aufrechterhaltung des Standorts nicht zu rechtfertigen. Es gibt aber keine zwingenden sachlichen Gründe, die eine Schließung des hiesigen Verwaltungsgerichts erfordern.
Das Verwaltungsgericht Darmstadt hat heute ca. 50 Beschäftigte, davon 24 Richterinnen und Richter. Alle Arbeitsplätze wären von der Schließung betroffen. Für Beschäftigte mit Teilzeitstellen, die ihren Wohnsitz in Südhessen haben, wäre der Fahrtaufwand nach Frankfurt oder Wiesbaden aus Zeit und finanziellen Gründen nicht zumutbar.
Eine zur Personalkostenreduzierung notwendige Änderung der Personalstruktur ist, wie mir berichtet wurde, auch ohne Aufgabe des Standortes durch Abgänge in der Richterschaft infolge Ruhestandsversetzung bzw. durch Abordnungen von Richtern, die sich damit ausdrücklich einverstanden erklärt haben, gewährleistet.
Eine erhebliche Reduzierung der Sachkosten lässt sich durch die Standortaufgabe ebenfalls nicht realisieren. Sachkosten entstehen auch bei Zuordnung des hiesigen Gerichts zu einem anderen Verwaltungsgericht.
Die Schließung würde eine unzumutbare Schmälerung der Oberzentrumsfunktion der Wissenschaftsstadt Darmstadt darstellen und der überregionalen Bedeutung der Stadt für den gesamten südhessischen Bereich nicht gerecht. Darmstadt ist Sitz vieler Behörden, auch des Regierungspräsidiums und der Technischen Universität. Das Verwaltungsgericht Darmstadt ist zuständig für die kreisfreien Städte Darmstadt und Offenbach, den Landkreis Bergstraße, den Odenwaldkreis, die Landkreise DarmstadtDieburg, GroßGerau und den Landkreis Offenbach. Damit ist das Verwaltungsgericht Darmstadt für eine vergleichbare Anzahl von Menschen zuständig wie das Verwaltungsgericht Frankfurt am Main. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes vom 30.09.2009 leben im Zuständigkeitsbereich
des VG Darmstadt 1.503.000
des VG Frankfurt am Main 1.530.000
des VG Wiesbaden 633.000
Menschen.
Eine Aufgabe des Standorts Darmstadt ist bereits mit Blick darauf nicht gerechtfertigt.
Darüber hinaus ist mit der Standortaufgabe eine im wahrsten Sinne des Wortes bürgernahe Verwaltungsrechtsprechung nicht mehr gegeben.
Schließlich ist aufgrund des mit der Zusammenlegung einhergehenden und beabsichtigten Stellenabbaus die Rechtsschutzgarantie gemäß Art. 19 Abs. 4 GG nicht mehr gewährleistet. Aufgrund übermäßiger Anstrengungen der hiesigen Verwaltungsrichterschaft konnte die Bearbeitungszeit eingehender Klagen bis zum Urteilsspruch auf durchschnittlich 11 Monate, gerechnet ab dem Tag des Eingangs bei Gericht, abgesenkt werden. Früher dauerten Verfahren in erster Instanz 2 3 Jahre. Eine Zusammenlegung des Verwaltungsgerichts Darmstadt mit einem anderen Verwaltungsgericht mit dem Ziel, Personal abzubauen, muss zwangsläufig wieder zu erheblich längeren Verfahrenszeiten führen. Das ist den Menschen in der Stadt und der Region nicht zuzumuten. Sie haben einen grundgesetzlich verbrieften Anspruch auf eine zügige Bearbeitung ihrer Rechtsschutzbegehren.
Bei allem Verständnis für Sparzwänge, denen auch das Land Hessen unterliegt, bitte ich Sie daher eindringlich, von der Erwägung, das Verwaltungsgericht Darmstadt zu schließen, Abstand zu nehmen.
Über eine baldige positive Nachricht in diesem Sinne würde ich mich freuen.
Freundliche Grüße
gez. Glenz
Wolfgang Glenz
Bürgermeister
Durchschrift dem Rechtsamt
gez. Glenz
Wolfgang Glenz
Bürgermeister
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2010/0269
2024 Zeichen
Magistratsvorlage Eingang Magistrats- geschäftsstelle: 23.06.2010 an den Magistrat zur Kenntnis zur Beschlussfassung Beteiligt vor Magistratsbeschlussfassung: Dezernat II an die Stadtverordnetenversammlung OBW zur Befassung zur Kenntnis zur Beschlussfassung zur abschließenden Beschluss- fassung Fachausschuss Amt: Rechtsamt Behandlung in öffentl. Sitzung Ja Nein OBW bei abschl. Beschluss- fassung Magistrat Ja Nein Internetfähig Verteiler: Vorlage-Nr. 2010/0269 Magistratsbeschluss-Nr. Betreff: Schließung des Verwaltungsgerichts Darmstadt Vorlage vom: 18. 6.2010 Beschlussvorschlag: Von dem beiliegenden Bericht wird Kenntnis genommen. Anlagen: Schreiben an Hess. Minister der Justiz vom 26.04.2010 Schreiben Hess. Justizminister 13.05.2010 Datenschutzrelevante Anlage: Beschluss des Magistrats vom 2 ... Begründung zur Magistratsvorlage vom 18.06.2010 Mit Beschluss vom 22.04.2010 (2010/0033) hat sich die Stadtverordnetenversammlung ge- gen die vom Justizministerium aus Spargründen erwogene Schließung des Verwaltungsge- richts Darmstadt gewandt. Der Magistrat wurde aufgefordert, sich für den Erhalt des Verwal- tungsgerichts einzusetzen und der Stadtverordnetenversammlung über das Ergebnis zu be- richten. Mit beiliegendem Schreiben vom 26.04.2010 hat der Unterzeichner den Hess. Minister der Justiz aufgefordert, das Verwaltungsgericht Darmstadt nicht aufzugeben. Mit ebenfalls bei- liegender Antwort des Ministers vom 13.05.2010 wurde zugesichert, alle vorgetragenen As- pekte bei der Prüfung zu berücksichtigen. Nunmehr hat, wie den Medien zu entnehmen war, der Hess. Justizminister entschieden, dass das Verwaltungsgericht nicht aus Spargründen aufgegeben, sondern in Darmstadt blei- ben wird. Damit ist dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung voll umfänglich Rech- nung getragen worden. Darmstadt, den 18.06.2010 Wolfgang Glenz Bürgermeister Anlagen
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Jörg-Uwe Hahn HESSEN Staatsminister } Hessischer Minister der Justiz, für Integration und Europa A & c hts a mt | Eing; 20. Mai 2010 Hessisches Ministeriuen der Justiz, für Integration und Europa | Postfach 3] 69 + 6502) Wiesbaden L; ' | b N | ee | ‘ ichen: 1281 - UB1 - 2009/8289 - UA | | Herrn Bürgermeister Bearbeiter. Nimmerfroh Wolfgang Glenz Durchwahl: 0611-322842 Postfach 111061 E-Mail: olaf.nimmerfroh@hmdj.hessen.de 64225 Darmstadt Datum: a, . Mai 2010 Ihr Schreiben vom 26. April 2010 Te 7 C Sehr geehrter Herr Glenz, für Ihr Schreiben vom 26. April 2010, mit welchem Sie mir Ihre Bedenken gegen eine etwaige Schließung des Verwaltungsgerichts Darmstadt mitteilen, danke ich Ihnen. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Sie sich mit Nachdruck für Ihre Region und das dortige Verwaltungsgericht einsetzen. Im Hinblick auf die allgemeine Haushaltssituation kann ich eine allgemeingültige Zusiche- rung, das Verwaltungsgericht Darmstadt in seiner jetzigen Gestalt zu bewahren, nicht geben. Dies gilt für alle hessischen Gerichte und Justizbehörden. Ich versichere Ihnen jedoch, dass alle Aspekte bei unserer Prüfung beleuchtet werden. Insbesondere werde ich das von Ihnen vorgetragene Argument der Bürgerfreundlichkeit berücksichtigen. Noch vor der Sommerpause 2010 werde ich ein Konzept zur Haushaltskonsolidierung vorlegen. . * 3 Mit freundlichen Grüßen ; ' ’ i di} N ne EL ny:; SE Y K; z Jö ed 65185 Wiesbaden Telefon (0611) 32-2710 E-Mail: ministervz@hmdj.hessen.de Luisenstraße 13 Telefax (0611) 32-2691 Internet: www.hmdj.hessen.de
Beratungsverlauf (3)
Orte (1)
- Luisenstraße 13
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Details
- Vorlagen-Nr.
- 2010/0269
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 18.06.2010
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00