AN/1420/2022
Polizeigewalt
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Anfrage (Die Linke BV8)
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Kalker Hauptstraße 247 – 273 51103 Köln Linke-BV8@stadt-koeln.de Eingang bei der Bezirksbürgermeisterin: 17.08.2022 AN/1420/2022 Anfrage gem. § 4 der Geschäftsordnung des Rates Gremium Datum der Sitzung Bezirksvertretung 8 (Kalk) 25.08.2022 TOP 9.2.7 Polizeigewalt Sehr geehrter Frau Bezirksbürgermeisterin, sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, Die LINKE. Fraktion in der Bezirksvertretung Kalk bittet Sie um Aufnahme der folgenden Anfrage auf die Tagesordnung der 13. Sitzung der Bezirksvertretung Kalk am 25.08.2022. Die nordrheinwestfälische und die Kölner Polizei haben in den letzten Wochen vermehrt Schlagzeilen produziert. Entweder dadurch, dass sie gar nicht oder zögerlich tätig wurde oder Polizeigewalt. Daneben gibt es noch unzählige Fälle, die es zwar nicht in die Medien schaffen, aber durchaus in unsere Fraktion. Uns werden dabei Situationen geschildert, die weitere Fragen wecken. Am Morgen des 3. August 2022 kam es im Rahmen einer Zwangsräumung zum Tod des 48-jährigen Louzef B. der junger Mann 1995 nicht an die Fron t des ersten Tschetschenien-Kriegs wollte und aus Russland nach Köln floh. Ob die Situation die Schüsse rechtfertigte, ist ungeklärt, mindestens genauso ungeklärt ist bisher auch die Frage, ob das Opfer nach der Verletzung hilfsmäßig korrekt versorgt wurde . Dass Louzef B. suchtkrank und psychisch krank war, war vielen – unter anderem der LEG als Betreiberin der Zwangsräumung – bekannt. Dieser Fall verschwand unter anderem deshalb schnell aus den Schlagzeilen, da nur 5 Tage später in Dortmund der 17 -jährige, unbegleitete Flüchtlingsjunge Mouhamed D. Frau Bezirksbürgermeisterin Claudia Greven-Thürmer Frau Oberbürgermeisterin Henriette Reker - 2 - durch Schüsse aus einer polizeilichen Maschinenpistole getötet wurde. Dieser Fall schafft es sogar in den nordrheinwestfälischen Landtag. In die Lokalpresse schaffte es dagegen das Verhalten der Polizei bei dem Spiel 1.FC Köln II gegen Rot Weiß Oberhausen, dort hat ein – anders als zunächst in der Presse geschildert – als Spieler verkleideter Fan die Fahne der Fangruppierung „Semper Fidelis“ entwendet. Bereits durch die Vorabankündigung diverser Fangruppen, bei diesem Spiel anwesend zu sein, hätte bei der Kölner Polizei Wachsamkeit wecken müssen. Tatsächlich blieb sie bis zum Platzsturm untätig und setzte dann Pfefferspray ein. Das Spiel musste dennoch abgebrochen werden. Nicht unerwähnt bleiben soll das kritisch e Verhalten der Polizei beim Spiel SG Wattenscheid gegen Fortuna Köln. Die Polizei führte die Fans statt nach Wattenscheid zum HB Bochum, obwohl der szenekundigen Polizei hätte klar sein müssen, dass Fans des RW Essen zeitgleich über Bochum aus Dortmund zu rückkehrten und es bei einem Aufeinandertreffen der beiden Fanlager zu körperlichen Auseinandersetzungen kommen könnte. Diese beiden Beispiele zeigen, dass die Polizei entweder nicht szenekundig ist oder bewusst versucht, Konfrontationen herbeizuführen, um im Nachhinein ihre Plakatkampagne mit dem Ordnungsamt der Stadt Köln (und ohne die Vereine und Fanszene) zu rechtfertigen. Gleichzeitig ist die Kölner Polizei bemüht sich innerhalb normaler Fangruppierungen von Kölner Fußballvereinen durch zweifelhafte Maßnahmen Respekt zu verschaffen. So werden beispielsweise Fans des im Stadtbezirk ansässigen Profivereins FC Viktoria Köln bei Spielen massiv unter Druck gesetzt. Dies erfolgt in direkter Konfrontation, aber auch durch die Hintertür indem versucht wird S tadionverbote durchzusetzen. Zur Unterfütterung solcher Forderungen werden teilweise sogar Anzeigen konstruiert. Stadionverbote ohne vorheriges Urteil jedoch sind Strafen ohne Prozess und ohne Möglichkeit der Gegenwehr. Allein ein kostenpflichtiges privatr echtliches Vorgehen, könnte hiergegen helfen. Das Highlight der direkten Konfrontation war das Verhalten der Polizei nach dem sehr ruhigen Spiel des FC Viktoria Köln gegen Dynamo Dresden am 13.08. , welches ohne Zwischenfälle ablief, als ein normaler, nich talkoholisierter, nichtorganisierter Fan von - 3 - acht Polizisten in voller Montur abgeführt und anschließend von dreien fixiert wurde, nur um dessen Personalien aufzunehmen. Der Fan leistete zu keinem Zeitpunkt Gegenwehr oder Fluchttendenzen, obwohl er sichtlich unter Stress gesetzt wurde. In einer Reportage des RBB vom 26.05.14, 19:10 Uhr heißt es: […]was die Öffentlichkeit nicht weiß, nur ein kleiner Teil, der von Polizisten getöte ten sind Schwerverbrecher, Mörder, Geiselnehmer oder Bankräuber. Der w eitaus größere Teil – zwei Drittel – sind Verwirrte, Lebensmüde und psychisch Kranke, Menschen, die eigentlich Hilfe brauchen[…] Ein Polizist (Ausbilder), der mehrfach zu Wort kommt, sagt unter anderem: „ Stress frisst Intelligenz.“ (Quelle: https://youtu.be/2GGrpUBncTA) Wissenschaftler der Berliner Charité haben 2018 sogar nachgewiesen, dass Stress die Intelligenz dauerhaft mindert. Es ließen sich wahrscheinlich weitere polizeiliche Aktionen auflisten, die uns aber noch nicht bekannt sind, da viele Betroffenen bereits aufgegeben haben sich wegen Polizeigewalt oder Racial Profiling irgendwo zu beschweren. Dazu hat unsere Fraktion folgende Fragen: 1. Warum war bei der Wohnungsräumung in Köln Osthe im kein Psychologe anwesend, um den bekanntlich kranken und labilen Mieter in dieser emot ional belastenden Situat ionen zu unterstützen, wodurch die Eskalat ion, damit die Schüsse und schließlich der Tod hätten möglicherweise vermieden werden können? 2. Auf Basis welcher juristischen Grundlage, führte der Szenekundige Beamte der Kölner Polizei in Mannheim, also sogar einem anderem Bundesland und damit unserer Auffassung nach, außerhalb seiner Zuständigkeit, bei einem Fan des FC Viktoria Köln die Durchsuchung eines Rucksacks und eine Personalienaufnahme durch? 3. Wie anders als eine Machtdemonstration der Beamten , kann die oben - 4 - geschilderte Durchsuchung , Abführung und Fixierung zur Personalienaufnahme eines normalen Fans und damit Nicht -Mitglied der organisierten Fanszene, durch 8 bzw. 3 Mitgliedern einer Hundertschaft, erklärt werden? 4. Welche Pläne hat die Kölner Polizei eine interne und öffentliche Kampagne gegen Polizeigewalt (unter anderem beim Fußball) ins Leben rufen? 5. In welcher Form berücksichtigt die Kölner Polizei bei ihren Einsätzen, dass Stress auf beiden Seiten Intelligenz frisst und was unternimmt sie, um den Stress für ihre Beamt*innen nicht zu groß werden zu lassen? Mit freundlichen Grüßen HP Fischer gez. Denis Badorf Fraktionsv orsitzender Stellv ertretender Fraktionsv orsitzende r
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (1)
- Kalker Hauptstraße 247
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Details
- Aktenzeichen
- AN/1420/2022
- Typ
- Anfrage nach § 4 BV8 (Linke)
- Datum
- 18.08.2022
- Erstellt
- 17.08.2022 19:14