V/0696/2005
Benzoapyrenbelastung von Schulhöfen
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Berichtsvorlage
4736 Zeichen
DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Gebäudemanagement Betrifft Benzoapyrernbelastung von Schulhöfen Anfrage von SPD-Fraktion im Ausschuss für Umwelt und Bauwesen vom 20.07.2005 Beratungsfolge 06.09.2005 Ausschuss für Umweltschutz und Bauwesen Bericht Bericht: PAK ist ein Sammelbegriff für mehrere 100 Einzelverbindungen von kondensierten, aromatischen Kohlenwasserstoffen. Der bekannteste, gesundheitlich relevante Vertreter der PAK ist Ben- zo(a)pyren. Diese Verbindung wird als Bezugsstoff bei der analytischen Erfassung und der toxo- logischen Beurteilung von PAK-Belastungen herangezogen. In hohen Dosierungen kann Ben- zo(a)pyren gesundheitsschädliche Wirkungen für den menschlichen Organismus haben. Die Auf- nahme in den menschlichen Organismus erfolgt über die Atemwege, über Hautkontakt und über den Mund. Benzo(a)pyren wird hauptsächlich über belastete Nahrungsmittel (u.a. Grillfleisch), über Zigaret- ten und über Auto- und Industrieabgase aufgenommen. Vor allem beim Rauchen wird das Risiko zu erkranken auf Benzo(a)pyren zurückgeführt. In Baustoffen sind PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) überwiegend in Stein- kohleteer-Produkten zu finden, im geringen Maße auch in Bitumenerzeugnissen (Erdölprodukte). Von Bedeutung sind dabei heute Flachdachabdichtungen, Parkettkleber sowie Straßen- und Schulhofbefestigungen aus der Zeit von 1950 bis 1975. Das Amt für Gebäudemanagement hat das Thema “PAK in Baustoffen“ bereits in der Vergan- genheit aufgegriffen und 3 Problemkreise differenziert: Flachdächer: Gesundheitliche Belastungen für die Gebäudenutzer sind bei PAK-haltigen Flachdachprodukten nicht zu erwarten, da es hier nicht zu einem direkten Kontakt mit den Abdichtungsbahnen kommt. Eine relevante Schadstoffbelastung der Außenluft durch PAK-haltige Flachdächer kann ausge- schlossen werden. Vorlagen-Nr.: V/0696/2005 Auskunft erteilt: Herr van den Berg Ruf: 492 65 63 E-Mail: VdbergA@stadt-muenster.de Datum: 23.08.2005 Öffentliche Berichtsvorlage 2 Bei der Sanierung von Dächern aus den 50-iger bis 70-iger Jahren wird das Material vor Beginn der Arbeiten auf eine mögliche PAK-Belastung hin untersucht, um ggf. eine besondere Entsor- gung dieser Bahnen sicherzustellen und um die Einhaltung der entsprechenden Arbeitsschutz- vorschriften zu gewährleisten. Parkettböden: Bei intakten Parkettoberflächen, ohne offene Fugen, ist davon auszugehen, dass eine erhöhte PAK-Konzentration im Staub oder in der Raumluft nicht vorliegt. Bei sanierungsbedürftigen Par- kettoberflächen aus den 50-iger bis 70-iger Jahren wird vor Beginn der Sanierungsarbeiten un- tersucht, ob der Kleber möglicherweise PAK-haltig ist. Liegt eine PAK-Belastung des Klebers vor, wird nach folgenden Sanierungsvarianten vorgegeangen: - Ausbau und Entsorgung der Parkettstäbe und des Teerklebstoffes oder - Verschließen von offenen Fugen und Neuversiegelung des vorh. Parkettbodens Der Ausbau und die Entsorgung erfolgt durch zugelassene Fachfirmen, unter Einhaltung der ent- sprechenden Arbeitsschutzvorschriften. Schulhöfe/Kindergartenhöfe: Viele Oberflächenbeläge von Schulhöfen und Kindergartenhöfen stammen noch aus der Zeit von 1950 bis 1975 und sind daher häufig PAK-belastet. Eine überschlägige Ermittlung hat ergeben, dass bei der Stadt Münster ca. 30 - 50 Schulhöfe betroffen sind. Kindergartenhöfe sind seltener betroffen, da die Außenflächen in der Regel nicht mit Asphalt, sondern mit Betonsteinpflaster befestigt sind. Die Gefahr, dass Schulkinder teerhaltige Asphaltsteinchen in den Mund nehmen und verschlu- cken, und dass dadurch Benzo(a)pyren in den Körper der Kinder gelangen könnte, wird als sehr gering eingestuft. Eine Belastung der Außenluft durch teerhaltige Asphaltbeläge auf Schulhöfen kann nahezu aus- geschlossen werden, da Benz(a)pyren erst aus dem Asphalt entweicht, wenn eine Oberflächen- temperatur von 100° C überschritten wird. Auch an sehr heißen Sommertagen wird diese Grenze nicht erreicht. Auch nach einer ersten Einschätzung des Umweltministeriums NRW kann eine Gesundheitsge- fährdung für die Nutzer weitgehend ausgeschlossen werden. Das Ministerium hat nach einer aktuellen Pressemitteilung bei mehreren Schulen der Stadt Bochum im Juli 2005 Schadstoffmes- sungen durchführen lassen. Die Ergebnisse dort zeigen, dass der Aufenthalt oder das Spielen auf teerhaltigen Belägen dieser Bochumer Schulhöfe auch über einen Zeitraum von mehreren Jahren keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder hatte. Der ab dem Jahr 2012 geltende Zielwert der EU für Benzo(a)pyren wird um mehr als Faktor 10 deutlich unter- schritten. I.V. gez. Joksch
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Vorlagen-Nr.
- V/0696/2005
- Typ
- Vorlage
- Datum
- 23.08.2005
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37