A-R/0019/2005
Keine Schultüte ohne Deutschstunde - Vorschulische Sprachförderung für jedes Kind
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Originalantrag
6074 Zeichen
Antrag 03.05.2005 SPD-Fraktion im Rat der Stadt Münster Münzstr. 15 48143 Münster Telefon: 0251/ 45 314 Fax: 0251/ 511 750 mail: spdfrak@muenster.de Internet: www.spd-muenster.de Keine Schultüte ohne Deutschstunde – Vorschulische Sprachförderung für jedes Kind Der Rat der Stadt Münster möge beschließen: 1) Für alle Kinder, die bis zum Alter von vier Jahren - unter Umständen auch früher - noch nicht über die nötige Sprachkompetenz verfügen, wird eine gezielte Sprachförderung angeboten. 2) Kinder aus Migrantenfamilien, die Deutsch als Zw eitsprache erlernen, sollen dabei besonders berücksichtigt werden. 3) Zusätzlich zur Förderung dieser Kinder werden di e Eltern in die Sprachförderung mit einbezogen. Sie erhalten bei Sp rachproblemen in möglichst enger Zusammenarbeit mit den Kindertagess tätten das Angebot eines Sprachförderkurses. 4) In jeder Betreuungsgruppe einer Kindertagesstätt e wird mindestens eine pädagogische Fachkraft speziell fortgebildet. 5) Die Verwaltung erarbeitet unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Landesmittel ein Finanzierungskonzept, mi t dem die Bedarfe abgedeckt werden können. Begründung: Viele Kinder in Münster – Migrantenkinder, aber auc h deutsche Kinder – besitzen nicht den Schlüssel um in Schule und Gesellschaft e rfolgreich bestehen zu können. Kinder ohne hinreichende Kenntnisse in der Schulspr ache Deutsch sind vom Kindergarten über die Schule bis hin zum Beruf erhe blich in ihrer individuellen Entwicklung benachteiligt. Der schulische Misserfol g verbunden mit demotivierenden Effekten ist damit oftmals vorprogrammiert. Gerade für Migrantenkinder, die häufig bereits Schw ierigkeiten mit gesprochenem Deutsch haben, stellt der Erwerb der darauf aufbaue nden Schriftsprache eine besondere Hürde dar. Damit Kindern, die nicht über die notwendigen Sprachkompetenzen verfügen, dennoch ähnliche Bildun gschancen eröffnet werden können wie nicht benachteiligten Kindern, muss früh zeitig eine gezielte sprachliche Förderung der gesprochenen und geschriebenen (Zweit -)Sprache einsetzen. Nur so erhalten die Kinder Zugang zum Wissen über die Welt und zur Kultur. Heute ist bekannt, dass das günstigste Zeitfenster für das Erlernen der Sprache weit vor der Einschulung liegt. Je frühzeitiger eine Spr achförderung bei Kindern einsetzt, desto effektiver sind die Maßnahmen und desto kürze r ist in der Regel der notwendige Förderzeitraum. Der Eintritt in eine Ein richtung markiert dabei den Beginn der individuellen Bildungslaufbahn eines Kin des und ist auch der Zeitpunkt, ab dem Kinder – unabhängig vom Engagement ihrer Elt ern – an einer öffentlichen Maßnahme teilnehmen können. Die Schwerpunkte der Sp rachförderung müssen daher auf die Vorschulzeit – und damit in die Kindertagesstätte – gelegt werden. Im Jahr 2003 (Zahlen von 2004 liegen noch nicht vor ) konnten in Münster für 28 Gruppen spezielle Sprachförderprogramme erfolgreich , d.h. für die Kinder gewinnbringend, durchgeführt werden. Leider konnten jedoch nicht alle förderungsbedürftigen Kinder berücksichtigt werden, da die finanziellen Mittel nicht ausreichten. Deshalb sollte ab 2005 durch die Mitfi nanzierung der Stadt Münster allen Kindern ab vier Jahren, ggf. bei Bedarf auch früher (z.B. Migrationshintergrund), ein spezielles Sprachförderprogramm angeboten werde n. Das Land NRW stellt jährlich 7,5 Millionen Euro für vorschulische Sprac hkurse zur Verfügung. Diese Anstrengungen des Landes müssen durch kommunale Mit tel sinnvoll unterstützt und ergänzt werden. Mit der finanziellen Beteiligung du rch die Stadt sollte es möglich sein, in Münster alle Bedarfe auch abzudecken. Sinnvoll und notwendig ist ebenfalls die intensive Einbeziehung der Eltern in die Sprachfördermaßnahmen. Durch die Einbeziehung der E ltern wird die Sprachentwicklung der Kinder unterstützt und innerh alb der Familie aufgewertet. Zudem gehören gesellschaftliche Integration und spr achliche Förderung untrennbar zusammen. Integration benötigt den Erwerb sprachlic her Fähigkeiten zur kommunikativen Teilnahme am gesellschaftlichen Lebe n. Ziel kann nicht nur die Integration der Kinder, sondern muss die Teilhabe d er ganzen Familie an der Gesellschaft sein. Durch die Gewährleistung von speziellen Fortbildung en in den Bereichen Sprachförderung und Methodik für mindestens eine Er zieherin/ einen Erzieher in jeder Betreuungsgruppe in den Kindertagesstätten so ll das Sprachverhalten aller Kinder in den Betreuungsgruppen differenziert und s ystematisch beobachtet, erfasst und ausgewertet werden. Darüber hinaus stellen die speziell fortgebildeten Fachkräfte pädagogische Angebote zur Erhöhung der S prachlernmotivation und zur Erweiterung der Sprachkompetenz zur Verfügung. Wenn bei den obligatorischen Sprachstandserhebungen im Herbst des Jahres vor der Einschulung erhebliche Defizite festgestellt we rden, erhalten alle Kinder, die bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht über die notwendige Sprachkompetenz in der Bildungssprache Deutsch verfügen, eine Sprach-Inten siv-Förderung. Dazu werden die bereits vorhandenen Angebote des Amtes für Schu le und Weiterbildung bedarfsdeckend fortgeführt. Dabei wird gleichzeitig mit Vorbereitungsmaßnahmen für den Schriftspracherwerb begonnen, um den Übergang i n die Schule zu erleichtern. Diese Intensiv-Förderung zwischen Schulanmeldung un d Einschulung wird bei Bedarf auch während der anschließenden Grundschulzeit weiter fortgeführt. Allen verantwortlichen Akteuren sollte bewusst sein: die präventiven Maßnahmen, für die jetzt finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen, zahlen sich für alle längerfristig aus. Anne Schulze Wintzler Marianne Hopmann Karsten Ra hn Anne Hakenes Ralf Hubert Udo Reiter Wolfgang Heuer Michael Jung Moritz von Schmeling Alexander Bercht Marianne Koch Joachim Tonn Anika Bergner Gaby Kubig-Steltig Beate Vilhjalms son Philipp Gabriel Kurt Pölling Holger Wigger Beanka Ganser
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: einstimmig geändert beschlossen
Zur SitzungOrte (1)
- Münzstraße 15
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Details
- Vorlagen-Nr.
- A-R/0019/2005
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 03.05.2005
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37