1311/2017
Brexit - Chancen für Köln
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle OB/80/801 Vorlagen-Nummer 26.04.2017 1311/2017 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Wirtschaftsausschuss 27.04.2017 Brexit - Chancen für Köln Beantwortung der schriftlichen Anfrage der FDP-Fraktion. Zu den Fragen nimmt die Verwaltung wie folgt Stellung 1. Inwieweit wurden abwanderungswillige Unternehmen, denen zukünftig das Agieren auf dem EU-Markt von Großbritannien aus deutlich erschwert wird und die Alternativstandorte suchen, identifiziert? Von Anfang an wurden die mit dem Brexit-Votum einhergehenden wirtschaftlichen Entwicklungen intensiv durch die Wirtschaftsförderung beobachtet und mit Blick auf eine eventuell eintretende Standortverlagerung bewertet. Vor diesem Hintergrund wurde bereits eine Vielzahl von Firmen bei- spielsweise aus dem Finanz- und Projektentwicklungsbereich kontaktiert und auf diesem Wege für den Wirtschaftsstandort Köln geworben. Da der offizielle Brexit-Antrag durch Großbritannien erst vor Kurzem gestellt wurde und Verhandlun- gen über das zukünftige Verhältnis zwischen der Europäischen Union (EU) und dem Vereinigten Kö- nigreich noch nicht begonnen haben, ist die Wirtschaftsförderung in Übereinstimmung mit Kooperati- onspartnern wie der IHK bislang sehr sensibel bei der Akquisition von abwanderungswilligen Unter- nehmen vorgegangen. Es sollte auf jeden Fall der Eindruck vermieden werden, Köln freue sich über den Austritt Großbritanniens aus der EU. Schließlich ist das Brexit-Votum der Briten der vorläufige Höhepunkt einer für die europäische Zusammenarbeit sehr nachteiligen Entwicklung, zu der niedrige Beteiligungen an der Europawahl, gescheiterte EU-Referenden, sinkende Zustimmungswerte zur Integration und der Aufschwung euroskeptischer Bewegungen gehören. Abwanderungswillige Unternehmen zu identifizieren und gezielt anzusprechen ist grundsätzlich eine der Kernaufgaben der Wirtschaftsförderung. Gleichzeitig besteht hier auch die größte Herausforde- rung, weil solche Unternehmenspläne in aller Regel mit höchster Diskretion behandelt werden, um u.a. Auswirkungen wie die Beunruhigung der Belegschaft oder Negativeffekte auf Börsenkurse zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund bietet sich - insbesondere bei der Akquisition von Unternehmen, die aufgrund des Brexit-Votums einen neuen Standort in Kontinentaleuropa suchen - ein branchenbe- zogenes Vorgehen an, z.B. in Richtung Versicherungswirtschaft, da sich die englischen Versiche- rungsunternehmen nach dem EU-Austritt in einem EU-Land lizensieren und registrieren lassen müs- sen, wenn sie hier weiter ihre Geschäfte wahrnehmen wollen. Unabhängig davon hatte die damalige Wirtschaftsdezernentin nach dem Brexit-Referendum noch im Juni 2016 den Wirtschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen gebeten, bei seinen Gesprächen aktiv für den Wirtschaftsstandort Köln zu werben. Darüber hinaus steht die Wirtschaftsförderung im permanenten Austausch mit Wirtschaftsakteuren, die über entsprechende Expertise und Verbindun- gen zu Großbritannien verfügen (s. 4.). 2 2. Inwieweit wurde eine zielgerichtete Kommunikations- und Internetplattform, für z.B. direkte Firmenansprachen, Anzeigenkampagnen, Auftritte auf Messen und Veranstaltungen in Großbritannien etabliert? Um insbesondere vor dem Hintergrund des Brexit in Großbritannien für den Wirtschaftsstandort Köln zu werben, hat die Wirtschaftsförderung ein neues Standortportrait initiiert. So hat das zur Financial Times gehörende fDiMagazine (foreign Direct investment) nach 2014 erneut ein Magazin exklusiv für den Standort Köln erstellt, das in Zusammenarbeit mit der Kölner Wirtschaftsförderung aber in redak- tioneller Eigenverantwortung des Verlages Ende 2016 erschien. Es handelt sich beim fDiMagazine um eine der europaweit renommiertesten Fachpublikationen im Bereich von (ausländischen) Direktin- vestitionen. Die Fachleserschaft des Magazins pro Ausgabe beträgt 50.000-60.000 Leserinnen und Leser. Darüber hinaus wird die 12-seitige Publikation auch bei Fachkongressen und -events verteilt. Das Magazin ist auch in den Internet-Auftritt des Verlages integriert, den insbesondere Unternehmen bei beabsichtigten Auslandsinvestments für eine erste Recherche nutzen. Die Ansprache britischer Firmen durch die Wirtschaftsförderung erfolgte darüber hinaus mit individuell konzipierten Anschreiben. 3. Inwiefern wurden in der Kölner Region ansässige britische Niederlassungen angespro- chen? Laut Aussage der Industrie- und Handelskammer zu Köln (Stand Juli 2016) sind in der Köln Region insgesamt 231 Unternehmen ansässig, die im Mehrheitsbesitz von Investoren aus dem Vereinigten Königreich sind. Dazu gehören neben Dyson auch weitere namhafte Firmen wie beispielsweise Carg- lass, Habitat, Ineos, Mulberry, Objectflor oder O2. Stadtverwaltung und IHK haben sich frühzeitig auf ein enges, gemeinsames Vorgehen verständigt. Die Kammer kündigte an, mit den Unternehmen, die von der Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung besonders betroffen sind, Gespräche zu führen. Darüber hinaus wollte sie auch die Organisation von entsprechenden Plattformen prüfen. Außerdem war beabsichtigt, mit den Mitgliedern des Außenwirtschaftsausschusses der IHK Köln in einen inten- siven Austausch zu treten. Grundsätzlich sagte die IHK ihre Unterstützung für gemeinsame Marke- tingmaßnahmen in Richtung Großbritannien zu. Auf Basis der Ergebnisse der Kammer-Gespräche werden im Bedarfsfall hiesige Unternehmen angesprochen und auf dieser Basis dann gemeinsam mit der IHK Köln entsprechende Möglichkeiten eruiert. Die Gespräche der Wirtschaftsförderung be- schränkten sich deshalb auf Einzelfälle. 4. Inwiefern findet Kooperation bei Akquise-Aktivitäten mit Wirtschaftsakteuren wie der IHK, Koelnmesse und KölnTourismus statt? Bei Planung und Durchführung ihrer Akquisitionsaktivitäten im Rahmen des Brexit ist die Verwaltung in Kontakt mit allen relevanten Akteuren getreten. So wurden Gespräche beispielsweise mit der Bri- tish Chamber of Commerce in Germany (BCCG), der Koelnmesse und Ihrem England- Repräsentanten, mit verschiedenen Unternehmen sowie mehreren Unternehmensberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften geführt. Von Anfang an wurde mit der IHK Köln ein gemeinsames Vorgehen abgestimmt und verfolgt. Im Ergebnis sind verschiedene Maßnahmen in Vorbereitung: Im Juni soll eine Tages-Veranstaltung in London stattfinden, mit der gezielt für den Versiche- rungsstandort Köln geworben wird. Diese gemeinsame Veranstaltung von Stadt und IHK wird von zahlreichen Beratungsgesellschaften wie Boston Consulting Group, CMS, dwf, Ernst & Young, INCE und KPMG unterstützt. Einzelne Vertreter Kölner Versicherungsunternehmen haben sich bereit erklärt, als Testimonials teilzunehmen und ein positives Statement für den Standort Köln abzugeben. Ergänzend wird als zweites Format die Ausrichtung eines exklusiven Roundtable für CEO’s geprüft, das von der fDi-Gruppe organisiert wird. 3 Am 6./7. Juli ist die Teilnahme der Kölner Wirtschaftsförderung an einem Investorendinner ge- plant, das von NRW.Invest in London veranstaltet wird. Im November wollen Stadt und IHK an einer Investorenroadshow von NRW.Invest in UK teil- nehmen. In 2017 sollen zusätzlich Fachbeiträge über den Versicherungsstandort Köln in diversen Fach- foren der Versicherungswirtschaft in UK erfolgen. Im Rahmen der Profilierung Kölns als InsurTech Standort konnten darüber hinaus Gespräche mit zentralen Ansprechpartnern der Startup Szene in London und prominenten Wirtschaftsverbänden geführt werden. Mit dem Startup Boot Camp London und dem Hauptgesellschafter, der Rainmaking Ltd., wurde eine Studie zur Entwicklung des InsurTech Standortes Köln – auch aus internationaler Sicht - realisiert. Auf der Grundlage dieser Studie konnten mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Londons, London Partners, erste Kontakte geknüpft werden. Die Bewerbung um den #InsurLab Ger- many im Rahmen der Ausschreibung des Bundeswirtschaftsministeriums wird ausdrücklich von der British Chamber of Commerce in Germany unterstützt, um britische Versicherungsunternehmen und InsurTech Startups eng mit der Realisierung des #InsurLab Germany zu verzahnen. gez. Reker
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1311/2017
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
- Datum
- 26.04.2017
- Erstellt
- 03.08.2017 00:27