Mandari Insight

AN/1096/2022

Sozialraum Bilderstöckchen stärken – geplante Einsparungen zurücknehmen

Antrag nach § 3 BV5 (SPD) 24.05.2022

KI-Zusammenfassung

Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.

KI-Analyse läuft...

vergangen

Was passiert gerade?

  • 📄 Dokumente werden analysiert...
  • 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
  • ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
  • ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...

Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.

Nächste Beratung: Bezirksvertretung 5 (Nippes), Sitzung am 09.06.2022, TOP 8.2.3

Antrag nach § 3 (SPD BV5)

· application/pdf

Ansehen

Anlage 1

· application/pdf

Ansehen

Anlage 2

· application/pdf

Ansehen

Antrag nach § 3 (SPD BV5)

1252 Zeichen

Frau Bezirksbürgermeisterin 
Dr. Diana Siebert 
Frau Oberbürgermeisterin 
Henriette Reker 
Eingang bei der Bezirksbürgermeisterin: 23.05.2022 
AN/1096/2022 
Antrag gem. §§ 3 und 38 der Geschäftsordnung des Rates und der Bezirksvertretungen 
Gremium Datum der Sitzung 
Bezirksvertretung 5 (Nippes)  
Sozialraum Bilderstöckchen stärken – geplante Einsparungen zurücknehmen 
- Antrag der SPD - 
Sehr geehrte Frau Bezirksbürgermeisterin, 
sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, 
 
Die Bezirksvertretung Nippes möge beschließen: 
 
Die Verwaltung wird aufgefordert, die für 2023 geplante auslaufende Finanzierung des „Sozialen 
Dienstes“ und der „Kinder- und Familienberatung“ im Sozialraum Bilderstöckchen nicht umzuset-
zen, sondern beide Angebote ohne Einschnitte fortzuführen. 
 
Die BV Nippes solidarisiert sich mit dem Protest der „Bilderstöckchen Konferenz“ und der dort zu-
sammengeschlossenen Akteuren gegen diese Streichungspläne und unterstützt deren Appell zum 
Erhalt beider Angebote. 
 
Begründung: 
 
Zur Begründung wird auf das Schreiben der Sozialraumkoordinatorin Bilderstöckchen vom 16. Mai 
2022 an den Beigeordneten Herrn Voigtsberger und auf den dringenden Appell der „Bilderstöck-
chen Konferenz“ verwiesen (Anlagen). 
 
 
gez. Müller

Anlage 1

4804 Zeichen

„ NETZWERK ex.

® Soziale Dienste und Ökologische Bildung

Sozialraumkoordination Bilderstöckchen - Longericher Straße 138a - 50739 Köln

Dezernat IV - Bildung Jugend und Sport
Beigeordneter

Herrn Robert Voigtsberger
Willy-Brandt-Platz 2

50679 Köln

Köln, 16. Mai 2022

Sozialraum ins Herz getroffen - Appell zum Erhalt der „Kinder- und
Familienberatung” sowie des „Sozialen Diensts” in Bilderstöckchen!

Sehr geehrter Herr Beigeordneter Voigtsberger,

mit großem Entsetzen und Unverständnis hat die „Bilderstöckchen Konferenz”,
als eines der ältesten und etabliertesten Stadtteilgremien Kölns, auf das
ersatzlose Streichen des „Sozialen Diensts” und der „Kinder- und Familien-
beratung” im Sozialraum Bilderstöckchen zum Jahresende 2022 durch das
Amt für Kinder, Jugend und Familie reagiert.

Die Bilderstöckchenkonferenz ist ein Gremium, dass seit über 35 Jahren
außerordentlich kompetent und engagiert für die Verbesserung der Lebens-
bedingungen insbesondere von benachteiligten Menschen vor Ort eintritt. Alle
wichtigen Akteure (Institutionen, Einrichtungen, Freien Träger, Vereine, Initi-
ativen) bilden gemeinsam ein Hilfenetz, das von zentraler Bedeutung für die
Menschen im Stadtteil ist.

Die „Bilderstöckchen Konferenz” hat in ihrer März-Sitzung beschlossen,
gemeinsam und entschieden für den Erhalt der Angebote einzutreten. Das
Gremium appelliert daher dringend an die Entscheidungsträger der Stadt Köln,
den Schritt des ersatzlosen Streichens der beiden anerkannten, fest im Sozial-
raum verankerten, niedrigschwelligen und bedarfsorientierten Angebote zu
überdenken!

Als wesentliche Kernelemente und Türöffner zielgruppengerechter Beratungs-,
Hilfe- und Therapieangebote für insbesondere benachteiligte Personengrup-
pen sind die beiden niedrigschwelligen Angebote unverzichtbar (siehe Anlage).

Auch als Sozialraumkoordinatorin blicke ich mit großer Sorge auf die zu erwar-
tenden sozialen Folgen, die das Wegbrechen der jahrzehntelang gewachse-
nen und etablierten therapeutischen sowie präventiven sozialpädagogischen
Angebote für die Familien, Kinder und Jugendlichen des Sozialraums haben

Sozialraumkoordination
Bilderstöckchen

Longericher Straße 1384
50739 Köln-Bilderstöckchen

Tel.: (0221) 888 996-30

Fax: (0221) 888 996-99

E-Mail: brigitte.jantz@netzwerk.koeln
www.netzwerk.koeln

Amtsgericht Köln VR 12350
Steuer-Nr.: 217/5960/0068

„ NETZWERK ex.

® Soziale Dienste und Ökologische Bildung

Seite 2

werden. Nicht nur der Wegfall der unmittelbaren Beratungs- und Therapieangebote ist sehr
problematisch. Auch der Wegfall der akteursübergreifenden, interdisziplinären Abstimmungen,
des fachlichen Austauschs hin zur Vermittlung der möglichst optimalen zielgruppengenauen
Hilfe für Ratsuchende bzw. Menschen in besonderen Problemlagen (siehe Anlage) ist nicht
aufzufangen.

Bilderstöckchen ist eines von nunmehr fünfzehn, im Rahmen des städtischen Programms
„Lebenswerte Veedel — Bürger- und Sozialraumorientierung in Köln” ausgewiesenen Sozial-
raumgebieten Kölns mit besonderem Förderbedarf und hat somit bereits grundsätzlich eine
entsprechend hohe Bedarfslage bzgl. niedrigschwelliger und bedarfsorientierter Beratungs-
und Unterstützungsangebote. Deutlich erschwerend kommen aktuell natürlich noch die
psycho-sozialen und finanziellen Auswirkungen sowohl der Corona-Pandemie als auch des
Kriegs in der Ukraine hinzu, deren kurz- und langfristigen Auswirkungen besonders für die
heranwachsende Generation sich zunehmend deutlicher abzeichnen. Die Kinder- und Fami-
lienberatung hat täglich neue Anfragen von Familien aus dem Stadtteil, die in diesen Zusam-
menhängen schnelle und professionelle Hilfe benötigen.

Es ist bereits jetzt absehbar, dass es im Bereich der Beratungen und ‚Hilfen für Erziehung’ zu
einer enormen Versorgungslücke zielgruppengerechter Angebote vor Ort kommen wird (vgl.
SGB, Achtes Buch, Kinder- und Jugendhilfe, 88 27 und 28). Und es stellt sich die Frage, wie
diesen Anforderungen auch aus sozialräumlicher Sicht zukünftig begegnet werden kann, ins-
besondere wenn zwei der wichtigsten Hilfsangebote im Sozialraum ersatzlos wegbrechen.

Die Bilderstöckchen Konferenz hat daher zusammen mit der Sozialraumkoordination einen
Appell zum Erhalt der „Kinder- und Familienberatung” sowie des „Sozialen Diensts” verfasst,
der neben den bemerkenswerten Stellungnahmen ausgewählter Akteur*innen des Gremiums
weitere wichtige Informationen und Argumente enthält. Das Dokument ist diesem Schreiben
als Anlage beigefügt.

Die Akteure der Bilderstöckchen Konferenz und ich hoffen sehr, dass das ersatzlose Streichen
der Stellen noch einmal überdacht wird. Und wir hoffen dabei sehr auf Ihre Unterstützung!

Bei Nachfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit herzlichen Grüßen,

ya

Dr. Brigitte Jantz
Sozialraumkoordinatorin Bilderstöckchen

Anlagen

Anlage 2

45037 Zeichen

1 
Stellenstreichung der „Kinder und Familienberatung” und des „Sozialen Diensts” (Träger: Netzwerk e.V.) im Sozial-raum Bilderstöckchen durch das Jugendamt der Stadt Köln zum Jahresende 2022  Dringender Appell der „Bilderstöckchen Konferenz” und der So-zialraumkoordination Bilderstöckchen zum Erhalt der für den Sozialraum essentiellen, niedrigschwelligen und bedarfsorien-tierten Angebote für insbesondere benachteiligte Familien!  Inhaltsübersicht  A. Steckbriefe Angebote und Träger S. 1 B. Die Fakten  S. 2 C. Bedeutung der Angebote und ihrer Streichung für den  S. 4 Sozialraum Bilderstöckchen D. Rechtsanspruch der Familien (SGB VIII) S. 6 E. Anlagen mit Stellungnahmen zum Stellenabbau,   S. 7 detaillierten Stellenbeschreibungen u.a.  A. Steckbriefe Angebote und Träger „Kinder- und Familienberatung”  seit 1977, Henrike König (39 Std./Wo). „Sozialer Dienst” seit 1975, Gunnar Molitor (30 Std./Wo.) Schwerpunktbereiche: 1. Kinder- und Familienberatung: Nie-drigschwellige Anlaufstelle, klassi-sche Erziehungsberatung, Einzel- und Paarberatung Eltern, Kinder, Ju-gendliche, Systemische Therapie mit Kindern (auch Trauma). 2. Zentraler Verbundpartner im Famili-enzentrum Bilderstöckchen (FZB) mit zahlreichen bedarfsorientierten nied-rigschwelligen Angeboten für Fami-lien im Stadtteil. 3. Fachberatung Kinderschutz, Mitge-staltung Kinderschutzkonzept. 4. Netzwerk-/Gremienarbeit im Sozial-raum Detaillierte Aufgabenbeschreibung und Angebote unter E.1 
Schwerpunktbereiche:  1. Anbindung an das Bezirksjugendamt Nippes: Mitglied im Sozialraumteam Bilderstöckchen, Hilfe bei HzE-Anträ-gen, GSD-Meldungen, Trennungs- / Scheidungsberatung, Mediation, be-gleiteter Umgang. 2. Zuständigkeit für allgemeine Sozial-beratung für die Sozialhäuser der Stadt Köln, Longericher Str. 151/153, niedrigschwellige Sozialberatung für Einwohner*innen Bilderstöckchens. 3. Fachberatung Kinderschutz, Entwick-lung Kinderschutzkonzept. 4. Netzwerk-/Gremienarbeit im Sozial-raum. Detaillierte Aufgabenbeschreibung und Angebote unter E.2

2 
  B. Die Fakten  Ø Von der Streichung betroffene Angebote: „Kinder- und Familienberatung” und „Sozialer Dienst”. Ø Träger: Netzwerk e.V. – Soziale Dienste und Ökologische Bildung. Ø Finanzierung: Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Köln Ø Vertragliche Zusammenarbeit seit 1975: Die Kooperation zwischen Träger und Stadt Köln existiert seit fast fünf Jahrzehnten, eingebunden in ein größeres Ge-samtkonzept, mit mehreren im Zeitverlauf erfolgten vertraglichen Anpassungen/ Erweiterungen, insbesondere bzgl. des Aufgabenspektrums, des Zielgruppen- und räumlichen Fokusses sowie der konkreten, bedarfsorientierten Stellenausrichtun-gen. Die Angebote des Trägers wurden in Abstimmung mit dem Jugendamt somit stets nah an den Menschen und den ermittelten Bedarfslagen sowie den aktuellen Gegebenheiten vor Ort angepasst. Sie sind aktiv eingebunden in die jahrzehnte-lang gewachsenen und eng verknüpften Akteursnetze. Ihre Niedrigschwelligkeit (herabgesetzte Einstiegshürde, Erreichbarkeit) profitiert u.a. von der erworbenen Vertrauensbasis zu den Akteuren sowie Menschen des Stadtteils und der daraus erwachsenen Bekanntheit der Beratungsangebote im Standort Longericher Straße 138. 
Träger: Netzwerk e.V. – Soziale Dienste und Ökologische Bildung • Anerkannter Träger der freien Jugendhilfe gemäß § 75 SGB VIII mit vielfältigen Angeboten zur Pädagogik und Bildung im Kindes- und Jugendalter an mehr als dreißig Standorten in Köln, Rösrath und Mönchengladbach, mit über 800 Mitarbei-ter*innen: 23 OGS, 4 KiTas, Angebote der Jugendhilfe, der Jugendberufshilfe, Schulsozialarbeit und Inklusionsbegleitung, Natur & Kultur – Institut für Ökologi-sche Forschung und Bildung, „Kinder- und Familienberatung”, „Sozialer Dienst”, „Sozialraumkoordination Bilderstöckchen”. • Seit über 45 Jahren verankert im Stadtteil Bilderstöckchen! Anfang der 70er wurde die „Ökumenische Förderergemeinschaft – Kinder in Not e.V.” (später „Öku-menische Förderergemeinschaft soziale Dienste e.V.”, 2003 mit Natur & Kultur e.V. zum Verein Netzwerk e.V. fusioniert) als Reaktion auf die unzureichenden Lebensumstände von Familien in der Obdachlosensiedlung Longericher Str. 151/153 gegründet. Sozialarbeiter*innen, Sozial- und Heilpädagog*innen entwi-ckelten zahlreiche Maßnahmen zur Förderung benachteiligter Familien, von Ein-zelbetreuung bis hin zum Betrieb eines Bürgertreffs mit vielfältigen, überwiegend niedrigschwelligen Angeboten. Finanziert seit 1975 durch das Jugendamt der Stadt Köln wurden seither die jeweiligen Stelleninhalte und -zuschnitte stets be-darfsorientiert und in Kooperation mit dem Träger weiterentwickelt. Aus den um-fangreichen Vernetzungen mit zentralen Akteuren des Stadtteils gründete sich ei-nes der ältesten Stadtteilgremien Kölns, die „Bilderstöckchen Konferenz”, die seit nunmehr über 35 Jahren intensiv und erfolgreich an der Verbesserung der Le-bensbedingungen, der Chancen und Perspektiven, sowie der Teilhabe der Ein-wohner/innen im Stadtteil arbeitet.

3 
Ø Finanzbedarf der beiden Stellen (2022): rd. 165.000 €/Jahr bei 39 Std./Wo (KFB) bzw. 30 Std./Wo. (SD). Ø „Sozialraum Bilderstöckchen”: Der Stadtteil Bilderstöckchen ist seit 2006 einer von aktuell 15, im Rahmen des städt. Programms „Lebenswerte Veedel – Bürger und Sozialraumorientierung in Köln” ausgewiesenen Sozialraumgebieten, mit ei-nem deutlich erhöhten Anteil benachteiligter Einwohner*innen in Transferleistun-gen bzw. erhöhtem Förderbedarf (siehe Handbuch 2022). Ø Die „Kinder- und Familienberatung”: Die Aufgaben des Angebots umfassen zum einen die niedrigschwelligen Einzelfallberatungen und -begleitungen von Kin-dern, Jugendlichen und Erwachsenen im Falle von (familiären) Krisen bis hin zu traumatischen Erfahrungen; zum anderen die intensive und präventive Einbindung in das Familienzentrum Bilderstöckchen mit einem äußerst vielfältigen Ange-botstableau. Hinzu kommen Fachberatungen zum Kinderschutz (siehe detaillierte Darstellung in der Anlage, E.1). Ø Der „Sozialer Dienst”: Die Aufgaben des Angebots umfassen ebenso zwei Schwerpunktbereiche, zum einen die enge Anbindung an das Bezirksjugendamt mit vielfältigen Aufgabenbereichen (siehe Steckbrief) und zum anderen allgemeine Sozialberatungen für die Familien in Bilderstöckchen, mit besonderem Fokus auf die Sozialhäuser der Stadt Köln in der Longericher Str. 151/153. Hinzu kommen Fachberatungen und Konzeptentwicklung zum Kinderschutz (siehe detaillierte Darstellung in der Anlage, E.2). Ø Bedarfslage und drohende Unterversorgung mit Kinder-, Familien- und So-zialberatungen in Bilderstöckchen: Die Vertragsbeendigung durch das Jugend-amt entspricht – anders als bei allen vorangegangenen Anpassungen (s.o.) – kei-nesfalls einem Bedarfsrückgang im Sozialraum, sondern läuft im Gegenteil der enorm gestiegenen, in zahlreichen Gremien des Stadtteils (der Kommune, des Landes bis hin zum Bund) bestätigten Bedarfslage diametral entgegen! Sie erfolgt ausgerechnet zu einer Zeit, in der die Bedarfe insbesondere benachteiligter Fami-lien an niedrigschwelligen, zielgruppengerechten, wohnortnahen Angeboten auf-grund der aktuellen psycho-sozialen und finanziellen Mehrbelastungen (Pande-mie, Ukraine-Krieg) für die Familien ein so enormes Ausmaß erreichen, dass Fa-milien in Köln bereits jetzt ihren Rechtsanspruch auf Beratung und ,Hilfe zur Erzie-hung’ (SGB VIII, §§ 27 und 28, s.u.) kaum zeitnah einlösen können.  Ø Appell der „Bilderstöckchen Konferenz” zum Stellenerhalt: Der Stellenabbau führte im zentralen, seit mehr als 35 Jahren für die Menschen vor Ort überaus engagiert arbeitenden Statteilgremium zu völligem Unverständnis und zu sehr gro-ßer Sorge bzgl. der zukünftigen Versorgung der Kinder, Jugendlichen und Fami-lien des Sozialraums mit den so notwendigen Unterstützungsangeboten. Das Gre-mium hat daher beschlossen, sich aktiv für den Erhalt der seit Jahrzehnten etab-lierten und auf einer wertvollen Vertrauensbasis sowohl unter den Menschen als auch den Akteuren vor Ort aufbauenden Angebote des Trägers Netzwerk e.V. in der Longericher Str. 138a einzusetzen. Es wurde gemeinsam der vorliegende Ap-pell verfasst und mit konkreten Stellungnahmen ausgewählter Akteure der „Bilder-stöckchen Konferenz” untermauert (bisher vorliegende Stellungnahmen siehe An-lage E.3).

4 
C.  Bedeutung der Angebote und ihrer Streichung für den Sozialraum Bilderstöckchen  Der Stadtteil Bilderstöckchen ist seit 2016 einer von nunmehr fünfzehn, im Rahmen des städtischen Programms „Lebenswerte Veedel – Bürger- und Sozialraumorientie-rung in Köln” ausgewiesenen Sozialraumgebieten mit erhöhtem Förderbedarf (Sozial-daten 2020): • Überdurchschnittlich hoher Jugendquotient: 33,1 5 (Köln 29,0 %). • Überdurchschnittlich hoher Anteil Personen mit Migrationshintergrund: 55,9% (Köln 40,4 %). • Überdurchschnittlich hoher Anteil Kinder und Jugendliche <18 Jahre mit Migra-tionshintergrund: 74,2 % (Köln 58,8 %) • Überdurchschnittlich hohe Transferleistungsdichte: u.a. 19,6 % aller EW mit SGB II-Bezug (Köln 13,2 %) • Überdurchschnittlich hoher Anteil Abgänger ohne Schulabschluss: 13,5 % (Köln: 2,0 %) Die Sozialraumgebiete Kölns unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht (Sozialdaten, Ak-teurslandschaft, Infrastruktur u.v.m.), wodurch ein an die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort angepasstes bzw. zugeschnittenes Agieren sinnvoll und erforderlich ist.  Bilderstöckchen zeichnet sich durch ein sehr engagiertes und eng verwobenes Ak-teursnetz und eines der ältesten Stadtteilgremien Kölns aus, der „Bilderstöckchen Konferenz”. Seit über 35 Jahren setzen sich Vertreter*innen der Einrichtungen, Insti-tutionen, freie Träger, Vereine, Initiativen u.v.m. vor Ort für die Verbesserung der Le-bensbedingungen der insbesondere benachteiligten Einwohner*innen des Stadtteils ein. In zahlreichen AGs zur vertiefenden Arbeit reagiert das Gremium auch immer wie-der neu auf veränderte Bedarfslagen!  Anspruchsvoll ist, dass Bilderstöckchen weder ein eigenes Bürgerzentrum mit entspre-chender Vielzahl von auch niedrigschwelligen Angeboten noch ausgewiesene GWA-Arbeit in städtischer Anbindung hat. Während das Engagement der beteiligten Akteure im zentralen Stadtteilgremium außerordentlich hoch ist, ist somit aber auch die abso-lute Anzahl der Akteure Bilderstöckchens überschaubar und nicht beliebig belastbar. Möglichkeiten der Bewältigung zusätzlicher Anforderungen (z.B. infolge der Corona-Pandemie oder des Ukraine-Kriegs) sind limitiert. Eine Überforderung ist daher unbe-dingt zu vermeiden, insbesondere vor dem Hintergrund, dass nun zwei wichtige Stüt-zen des Akteursnetzes wegzufallen drohen!   Als ,niederschwellige Türöffner’ erreichen die Angebote der „Kinder- und Familienbe-ratung” und des „Sozialen Diensts” die besonders benachteiligten Menschen des Stadtteils, die – so zeigt die Erfahrung der bisherigen Arbeit – niemals von sich aus ein Jugendamt zur Unterstützung in schwierigen Lebenslagen oder therapeutische An-gebote (Psychotherapien u.ä.) in Anspruch nehmen würden, da die Einstiegshürden, Sorgen sowie ggf. Vorbehalte („Jugendamt”, „Therapie”, s.u.) zu groß sind.   Die vielfältigen Bedarfe an niedrigschwelligen Angeboten im Sozialraum wurden in zahlreichen, zurückliegenden Sitzungen sowohl des zentralen Stadtteilgremiums als

5 
auch seiner Unterarbeitsgruppen (z.B. „AG Jugend”, „AG zur Förderung ,Corona-ab-gehängter’ Schüler*innen Bilderstöckchens”) wiederholt beschrieben und waren Thema zahlreicher Sitzungen, besonders als Reflexion der Auswirkungen der Coro-na-Pandemie. Auch im Netzwerk Frühe Hilfen Nippes wurde die Bedeutung entspre-chender Angebote zum Erreichen der insbesondere benachteiligten Menschen immer wieder als besonders bedeutend für die Förderung der Lebensqualität und Teilhabe, sowohl der ins Leben startenden Kinder als auch ihrer Eltern unterstrichen!  Mit der ersatzlosen Streichung der „Kinder- und Familienberatung” sowie des „Sozia-len Diensts” gehen daher zwei sehr bedeutsame, niedrigschwellige, bedarfsorientierte und seit Jahrzehnten aufgebaute, nachhaltig im Akteursnetz und Stadtteil verankerte, wohnortnahe und auf Bekanntheit und Vertrauen basierende Unterstützungsangebote für insbesondere benachteiligte Menschen des Sozialraums verloren! Es wird ein gro-ßes Loch in die Angebotslandschaft und Akteursnetze gerissen, das keinesfalls durch die übrigen Akteure und Angebote ersetzt bzw. ausgeglichen werden kann.   Tiefe, historisch gewachsene Verankerung im Sozialraum  Die seit mehreren Jahrzehnten in Bilderstöckchen erfolgreich und nachhaltig etablier-ten niedrigschwelligen Angebote der „Kinder und Familienberatung” und des „Sozialen Diensts” gehen auf erste Vertragsverhältnisse aus dem Jahr 1975 zwischen dem städ-tischen Jugendamt und Netzwerk e.V. (bzw. seinen Vorgängerorganisationen „Förder-ergemeinschaft ,Kinder in Not’ e.V.” und „Ökumenische Förderergemeinschaft für so-ziale Dienste e.V.”) zurück.   Was zunächst mit dem Fokus der Förderung von Kindern und Jugendlichen (Orga einer KiTa, offene Kinderarbeit, Bildungs- und Beratungsangebote für Kinder und Ju-gendliche, Erziehungshilfen, Heilpädagogischer Dienst) für die Familien der städti-schen Obdachlosenwohngebäude in der Longericher Str. 151/153 begann wurde im Laufe der nächsten 47 Jahre ausgeweitet auf den gesamten Stadtteil Bilderstöckchen (z.T. auch Nippes) und mehrfach inhaltlich und bedarfsorientiert angepasst, sowohl bzgl. der grundsätzlichen Angebote als auch der Stellenausrichtungen. Eine letzte Ak-tualisierung erfolgte im Jahr 2016.   Umso drastischer trifft nun das ersatzlose Streichen der Angebote zum Ende 2022 den Sozialraum, da dieser Schritt in keinster Weise bedarfsorientiert erfolgt, im Gegenteil den aktuell deutlich gestiegenen Bedarfen zuwiderläuft, und somit einen Bruch im bis-herigen Vorgehen des Jugendamts bedeutet, der stets auf Nachhaltigkeit ausgerich-teten Weiterentwicklung der Angebote für die insbesondere benachteiligten Familien in Bilderstöckchen.  Beschluss der „Bilderstöckchen Konferenz” und Stellungnahmen ausgewählter Akteure des Sozialraums zum Erhalt der beiden Angebote  Die Ankündigung der Stellenstreichungen zum Jahresende 2022 löste großes Entset-zen und Unverständnis unter den Akteuren der „Bilderstöckchen Konferenz” aus!  Herausgehoben wird dabei, dass diese etablierten, bedarfsgerecht zugeschnittenen, niedrigschwelligen Angebote im Sozialraum Bilderstöckchen insbesondere in der

6 
aktuellen Lage (psychosoziale Folgen nach zwei Pandemiejahren und noch nicht gänzlich absehbare Folgen des aktuellen Angriffskriegs auf die Ukraine) von essenti-eller Bedeutung für den Sozialraum sind und keinesfalls gestrichen werden dürfen! Die Bedarfe an niedrigschwelliger psycho-sozialer Beratung und weiteren Unterstützungs-angeboten von Kindern und Jugendlichen aber eben auch Eltern sind enorm gestie-gen. Städtische Angebote, z.B. der Erziehungsberatung können diese nicht decken, sie sind völlig überlaufen und haben lange Wartezeiten. Dies betrifft bekanntermaßen auch klassische Therapieangebote. Ebenso stoßen die Kapazitäten des Jugendamts selbst an ihre Grenzen, was durch Personalengpässe in Bezirksjugendämtern zusätz-lich verschärft wird.  Präventive Angebote, die helfen, die Jugendämter zu entlasten, und auch im Vorfeld die Erfordernisse von Therapien abfangen können, sind daher entscheidender denn je, da sie nicht nur als wichtige Kooperationspartner die Akteure im Sozialraum entlas-ten (z.B. Familienzentren, Schulsozialarbeit u.a.), sondern zudem auch die im Eskala-tionsfall weiteren zuständigen Akteure der Kommune, des LVR u.s.f.  Beschluss „Bilderstöckchen Konferenz”, Sitzung vom 21.03.2022:   Die „Bilderstöckchen Konferenz” beschließt, aktiv für den Erhalt der beiden Stel-len „Kinder- und Familienberatung” und „Sozialer Dienst” zu ,kämpfen’! Ausge-wählte Mitglieder werden zur Unterstützung entsprechende Stellungnahmen verfassen und ggf. weitere Aktionen starten.  Die bisher vorliegenden, sehr bemerkenswerten Stellungnahmen sind in den An-lagen beigefügt (siehe E.3)!   D. Rechtsanspruch der Familien (nach SGB VIII)  Die große Sorge sowohl der Akteure der „Bilderstöckchen Konferenz” als auch der Sozialraumkoordination ist, dass die zweifelsohne bestehenden, durch die aktuellen Folgen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs akut verschärften Bedarfe an niedrigschwelligen Unterstützungsangeboten insbesondere benachteiligter Familien mit Wegfall der „Kinder- und Familienberatung” und des „Sozialen Diensts” im Akteurs-netz nicht annähernd gedeckt bzw. aufgefangen werden können.  Die Begründung der Stellenstreichung durch das Jugendamt im Rahmen der Einspa-rerfordernisse für den sehr strapazierten kommunalen Haushalt 2023/2024 lässt die Frage unbeantwortet, wie das Jugendamt auf die Bedarfslage reagieren bzw. die Be-darfe zukünftig decken wird.   Aufgrund des im Sozialgesetzbuch verankerten rechtlichen Anspruchs aller Erzie-hungsberechtigten auf Beratung bzw. ,Hilfen zur Erziehung’ im Bedarfsfall (SGB VIII, §§ 27+28) stellt sich auch ganz grundsätzlich die Frage, inwieweit entsprechende, durch die Kommunen bereitzustellende Angebote als „Freiwillige Leistungen” einge-stuft und als solche gestrichen werden können.

7 
Das hinzutretende „Subsidiaritätsprinzip” (vgl. SGB VIII, §§ 3, 4 und 74) verpflichtet Kommunen zudem, entsprechenden Angeboten freier Träger den Vorrang vor städti-schen Angeboten zu geben, auch in der Förderung.   E. Anlagen mit Stellungnahmen zum Stellenabbau  Übersicht der Anlagen  Anlage E.1  Aufgabenbereiche „Kinder- und Familienberatung” (Heilpädagogischer Dienst), Henrike König (Kinder- und Familienberatung, Netzwerk e.V.) Anlage E.2 Relevanz der Stelle „Sozialer Dienst” bei Netzwerk e.V. für Bilderstöck-chen, Gunnar Molitor (Sozialer Dienst, Netzwerk e.V.) Anlage E.3 Stellungnahmen ausgewählter Akteure der „Bilderstöckchen Konferenz” zum Streichen der beiden Angebote: Anlage E.3.1 Stellungnahme von Anke Werner (Leitung Integrative Tageseinrich-tung für Kinder Am Bilderstöckchen 60c, und Familienzentrum Bil-derstöckchen FZB) Anlage E.3.2 Stellungnahmen von Rebecca Sachs (Schulleitung GGS Alzeyer Sr.), Joana Honervogt (Schulsozialarbeit GGS Alzeyer Str.) und Franziska Müller (Schulsozialarbeit KGS Lukas-Schule) Anlage E.3.3 Stellungnahme von Vanessa van Pee und Katja Werner (Klassen-lehrer*innen der GGS Alzeyer Straße) Anlage E.3.4 Stellungnahme von Dr. Brigitte Jantz (Sozialraumkoordination Bil-derstöckchen, Netzwerk e.V.) Anlage E.3.5 Stellungnahme von Dr. Elisabeth Lenz (Kinder- und Jugendärztin, Köln-Bilderstöckchen) -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

8 
Anlage E.1  Aufgabenbereiche „Kinder- und Familienberatung” (Heilpädagogi-scher Dienst)  Klassische Erziehungsberatung Ø Niederschwelliges Beratungsangebot für Familien aus dem Stadtteil zu allen Themen rund um Familie und Erziehung Ø Durch die Niedrigschwelligkeit finden die Familien schnelle, kostenfreie und unbüro-kratische Hilfe Ø Der zeitliche Tonus der Beratung kann an die Bedürfnisse der Familien angepasst wer-den. Ø Viele Familien finden ihren Weg in die Beratung über die Schule oder die Kita Ø Mädchenberatung Systemische Therapie mit Kindern Ø Als längerer Prozess zum Beispiel im wöchentlichen Tonus Ø Hier werden auch die Eltern und das Umfeld (Schule, Kita) in den Prozess mit einbe-zogen. Oft entsteht durch die Schule oder die Kita der Kontakt Ø Daher: enger Kontakt zu den Schulen und Kitas im Viertel Schwerpunkte Ø Trauma Ø Trennung der Eltern Ø Pubertät  Ø ADHS Paarberatung und auf Wunsch auch Paartherapie als längerer Prozess Ø Daraus resultierend, dass oftmals das Kind als Symptomträger vorstellig wird und im Laufe des Erstgespräches Probleme auf der Paarebene / Elternebene sichtbar werden Einzelberatung und auf Wunsch auch Systemische Einzeltherapie im längeren Setting Schwerpunkte Ø Trauma Ø Trennung Ø Ängste Ø Zwänge Ø Begleitung und Unterstützung in schwierigen Lebensphasen Ø Stabilisierung  Ø Stärkung Ø Ressourcenorientiert  Verbundpartner Familienzentrum Bilderstöckchen Ø Niederschwellige Beratungsangebote vor Ort in den Kitas Ø Planung, Koordination, Durchführung und Begleitung von verschiedenen Elternange-boten (regelmäßiges Elternfrühstück, Entspannungsangebote, Erziehungskurse u.v.m.) Fachberatung im Kinderschutz Ø Beratung für die Mitarbeiter*innen des Familienzentrums zu 8 a  Vernetzungsarbeit als wichtiger Bestandteil des niederschwelligen Angebotes im Stadt-teil Ø Regelmäßiger Austausch mit den Schulsozialarbeiterinnen der Grundschulen im Stadt-teil

9 
Ø Regelmäßiger Austausch mit den Lehrer*innen und Schulleitungen der Grundschulen im Stadtteil Ø Bilderstöckchen Konferenz Ø Frühe Hilfen  Ø AG Jugend Ø AG Kita Ø AG Kita / Schule Die Kinder- und Familienberatung – eine wichtige, niederschwellige Anlaufstelle in Zei-ten von Corona Kinder zeigen vermehrt Auffälligkeiten in der Schule. Dabei melden sich die Schulen gleichermaßen wie die Eltern bei mir. Hauptthemen sind: Ø Unangepasstes, herausforderndes Verhalten Ø Ängste, Unsicherheiten Ø Verweigerungen Ø Entwicklungsverzögerungen im Sozialverhalten Ø Soziale Phobien Eltern wenden sich deutlich häufiger mit Themen wie Ø Überlastung Ø Depression Ø Überforderung Ø Beziehungskonflikte Ø Gewalt in der Familie Ø Burn out Ø Trennung Die Angebote des Familienzentrums sind mehr denn je gefragt! Vieles kann (corona-bedingt noch) nicht stattfinden aber einiges in veränderter Form schon: Ø Nordic Walking und Progressive Muskelentspannung Ø Nähkurse und Erziehungskurse für Eltern finden in sehr begrenzter Anzahl und Corona-konform statt Ø Das Entspannungsangebot findet einen nie dagewesenen Zulauf. Teilweise müssen Kurs doppelt angelegt werden.  Die Menschen im Stadtteil sind froh über ein bisschen Austausch, Abwechslung und Normalität. Köln, im Januar 2022, Henrike König, „Kinder- und Familienberatung”, Netzwerk e.V. -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------  Anlage E.2 Relevanz der Stelle „Sozialer Dienst” bei Netzwerk e.V. für Bilder-stöckchen  Das Angebot des „Sozialen Diensts” richtet sich generell an alle Anwohner des Stadtteils. Be-ratung vor Ort erhalten hier Jugendliche, junge Volljährige wie insbesondere Familien, aber auch Alleinstehende und Senioren.  Beratungsthemen sind: Erziehung und Versorgung der Kinder, Lösung von Familien-konflikten, Lebens- und Krisenbewältigung, Partnerschaftsprobleme, (Hoch-)Strittig-keit, Trennungs-/ Scheidungsberatung, Abgrenzungsthematiken sowie außergerichtli-che Umgangsvereinbarungen.   Auch soziale Anbindung und Arbeits-, Freizeit- oder Behördenthemen, sowie Dokumen-tenfragen werden aufgegriffen. Häufig dienen sie als Türöffner mit dahinter liegenden Themen.

10 
Die Beratungsintervalle werden individuell an Bedarf, Inhalt und Dringlichkeit ausgerich-tet. Ebenso kann der Kontakt mit einmaligem Termin und konkreter Unterstützung beigelegt werden. Häufiger sind eine vereinbarte Terminanzahl und begleitende Prozesse.  Das Angebot stabilisiert viele der teilweise mehrfach belasteten Menschen des sozial schwachen, zunehmend durchmischten Stadtteils.  Bei anders gearteten Problemlagen oder spezifischen Fragen wird an diesbezüglich ausge-richtete Beratungsstellen, Dienste und Einrichtungen verwiesen. Hierbei erfolgt Vermittlung von und Zusammenarbeit mit anderen, weiterführenden Hilfen (Sozialamt, Wohnungs-amt, Jobcenter, therapeutische Angebote, etc.).  Der „Soziale Dienst” arbeitet vernetzt, ist festes Mitglied der „Bilderstöckchen-Konfe-renz“ (Konferenz der im Stadtteil tätigen Einrichtungen, Dienste, Vereine, Initiativen, Gruppen) und arbeitet in deren Arbeitsgruppe „AG Jugend“ gestaltend mit. Die Inhalte werden – entlas-tend für den ASD - im SRT eingebracht. Die frühere Teilnahme einer Kolleg:in des ASDs in diesen Gremien entfällt damit. Die Teilnahme an Planung und Durchführung des „Ferienspa-ßes“ gehört ebenfalls in diese Angebote.  Fälle mit höherem Beratungsbedarf bearbeitet der „Soziale Dienst” in seiner Beratungsstelle. Insbesondere Trennungs-/ Scheidungsberatung und Erziehungsberatung sowie die Klä-rung des Beziehungsstatus werden hier angeboten. Der Fokus liegt auf der Wahrung der Kinderinteressen und des Kindeswohls. Bei ebenso häufig vorhandener Hochstrittigkeit der Eltern bietet er prozessbegleitende, überparteiliche Moderation an.  Der Tagesdienst des GSDs verweist bei Erstanfragen von Eltern ebenfalls auf die Beratung des „Sozialen Diensts”. So muss für viele Familien - gerade in Corona-Zeiten – keine Fallver-teilung vorgenommen und Akte angelegt werden. Seit 2 Jahren ist eine deutliche Steigerung des Aufkommens solcher Anfragen im „Sozialen Dienst” zu verzeichnen. Die Intensität der Problematiken hat sich zudem gesteigert.   Zusammenfassend bedeutet die Arbeit des „Sozialen Diensts” eine Entlastung für den ge-samten ASD Bilderstöckchen wie für die einzelnen Teammitglieder. Das Budget des BJA Nippes belastende HzE können so verhindert oder deutlich reduziert werden. Familien, die den Weg nicht zum BJA finden, erhalten so niederschwellige Hilfe. Ist dennoch eine HzE erforderlich, garantiert der Einsatz des „Sozialen Diensts” eine Verfügbarkeit relevanter Infor-mationen zur Bedarfs- oder Gefährdungseinschätzung. Eine glatte Übergabe erspart viel sonst erforderliche Anamnese des ASDs.  Köln, im Januar 2022, Gunnar Molitor, „Sozialer Dienst”, Netzwerk e.V. -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------  Anlage E.3 Stellungnahmen ausgewählter Akteure der „Bilderstöckchen Kon-ferenz” zum Streichen der beiden Angebote  Anlage E.3.1 Stellungnahme Anke Werner (Leitung Integrative Tageseinrich-tung für Kinder Am Bilderstöckchen 60c, und Familienzentrum Bilder-stöckchen FZB)  „Sehr geehrte Damen und Herren, im Anhang (s.u.) sehen Sie eine Übersicht über die Tätigkeiten, die Frau König allein für unser Familienzentrum übernimmt. Weil in erster Linie Frau König und ich die Arbeit im Familien-zentrum übernehmen, weiß ich nicht, ob es „Überlebenschancen“ für das Familienzentrum gibt, wenn Frau König nicht mehr dabei ist. Mit den Angeboten erreichen wir viele Familien im Stadtteil.

11 
Besonders wichtig finde ich das Angebot einer niedrigschwelligen Beratung für die Familien vor Ort: In drei Kitas bieten wir ein offenes Familiencafé an (offen heißt, dass alle Familien aus dem Veedel daran teilnehmen können). Die Familien frühstücken, Frau König ist dabei, wir kom-men ins Gespräch. Daraus können sich Themen ergeben, die einer Beratung bedürfen. Frau König hat direkt vor Ort die Möglichkeit, mit Beratungsbedürftigen in einen geschützten Raum zu gehen und dort erste Gespräche zu führen. Daraus entwickelt sich eine längere Zusam-menarbeit zwischen Familien und Fr. König. Als eine Kitamutter gestorben ist, konnte Frau König das Kind und den Vater unterstützen und beraten. Vor Ort lernen wir die Menschen mit ihren Problemen kennen. Die Familien kennen Frau König und nehmen ihr Beratungsangebot an. Wir geben Eltern auch den Tipp, wenn Sie Beratung brauchen, dass wir den Kontakt zu Fr. König herstellen können. Die Familien vertrauen uns, weil sie uns schon lange kennen und nehmen unsere Beratung an. Auch die Mitarbeiterinnen der Einrichtung profitieren von Fr. Königs Beratungstätigkeit. Gibt es größere Probleme mit Familien, können wir gemeinsam nach Lösungen mit Frau König suchen. Das ist dann der Anfang für eine Beratung im Stadtteil. Den Familien ist es sehr wich-tig, dass sie die Menschen kennen. Erst dann nehmen sie Beratung an. Die Familien fahren nicht auf die andere Rheinseite, um sich von fremden Menschen beraten zu lassen. Sie begegnen fremden Menschen zunächst zurückhaltend. Herr Molitor hilft uns, eine Einschätzung beim Thema Kindeswohlgefährdung zu gewinnen und ein Verfahren einzuleiten. Ich hoffe, dass deutlich geworden ist, wie wichtig Frau König und Herr Molitor (auch wenn ich weniger mit ihm zu tun habe) für den Stadtteil sind. Es geht so viel verloren, wenn die beiden nicht mehr als Beratende im Stadtteil vor Ort sind. Die Familien erzählen. Daraus leiten wir die Bedürfnisse der Familien ab. Wichtig ist immer, dass die Personen bekannt sind. Wichtig ist den Familien auch, dass sie Fr. König vertrauen können und sie „keine Behörde“ ist.” Anke Werner, 08.04.2022  Aufgaben, die Fr. König in einem Halbjahr im FZB übernimmt  Betreuung  • aller 6 Nähkurse bei Netzwerk  • 2 Workshops (a 5 Stunden) für Nähbegeisterte bei Netzwerk • Stadtteilfrühstück „Zeit für mich“ 1 x wöchentlich bei Netzwerk • Elternkurs Fun – bei Netzwerk Begleitung  • Elterncafes in allen drei Häusern • Familienausflug Durchführung  • Entspannt ins neue Jahr  • Nordic Walking  • Mädchensprechstunde • Offene Beratung für Familien Kontaktperson • Fr. Scheidt / Little Bird Beratung (ganzjährig) • „Marion´s Schwimmschule“ Organisatorisches/Finanzielles • Erstellung des Programmheftes • Pflege der Homepage

12 
• Treffen Steuerungsgruppe und Lenkungsgruppe (Protokolle erstellen / Moderation…)  • Kontaktpflege zu Kooperationspartnern / Kontaktaufnahme zu neuen Kooperationspart-nern • Gremienarbeit – z.B. Frühe Hilfen, „Bilderstöckchen Konferenz” • Anschaffungen für das FZ • Kalkulation und Abrechnung / FZ Rezertifizierung des FZ   • ist sehr zeitintensiv!! 1 Jahr lang treffen wir uns fast wöchentlich Teilnahme an FOBI, Schulungen • für die Arbeit im FZ- dafür bekommen wir Punkte • Kindeswohlgefährdung  Köln, 08.04.2022, Anke Werner, Leitung Integrative Tageseinrichtung für Kinder Am Bil-derstöckchen 60c,  Familienzentrum Bilder-stöckchen FZB -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------   Anlage E.3.2  Stellungnahme Rebecca Sachs (Schulleitung GGS Alzeyer Sr.), Joana Honervogt (Schulsozialarbeit GGS Alzeyer Str.), Franziska Müller (Schulsozialarbeit KGS Lukas-Schule)  „Stellungnahme Familienberatung und Sozialer Dienst  Die Familienberatungsstelle und der Soziale Dienst sind im Sozialraum Bilderstöckchen es-senzielle Institutionen für Einzelpersonen, familiäre Teilsysteme oder Familien. Besonders für die KGS Lukasschule und die GGS Alzeyer Straße ist die pädagogisch-therapeutische Zu-sammenarbeit mit Frau König und Herrn Molitor unabdingbar.  Insgesamt besuchen knapp 400 Kinder die beiden Grundschulen im Stadtteil. Die Kinder kom-men u. a. aus prekären- und herausfordernden Familiensystemen. Der Stadtteil ist weitestge-hend durch eine hohe Arbeitslosigkeit und unzureichende Bildungsperspektiven geprägt. Der Migrationsanteil in Bilderstöckchen liegt bei 55,9% von insgesamt 15.696 Einwohner*innen, wovon 74,2% unter 18 Jahren sind (vgl. Kölner Stadtteilinformationen Einwohnerzahlen 2020). Durch diese Problembelastungen sind auch oft die schulischen Leistungs- und Erziehungs-ziele beeinflusst und stellt die pädagogische Arbeit oft in den Vordergrund.  Schon vor der Corona-Pandemie hatten Familien in unserem Stadtteil mit unterschiedlichen Belastungsfaktoren zu kämpfen. Jedoch zeigt sich nun nach den vergangenen 2 Jahren ein besonders alarmierender Unterstützungsbedarf. Eine große Herausforderung ist der Schulab-sentismus, da viele Kinder dem Unterricht unentschuldigt fernbleiben und einige Familien auch telefonisch nicht erreichbar sind. Darüber hinaus hat die körperliche und verbale Gewalt unter den Schüler*innen massiv zugenommen. Zusätzlich haben sich die Lebensumstände der Fa-milien verschlechtert, z. B. durch Todesfälle, Krankheit, Kurzarbeit und Kündigung des Arbeits-verhältnisses. In diesem Zusammenhang ist die häusliche Gewalt stark angestiegen. Die Schulen waren somit gezwungen vermehrt Einschätzungen bzgl. Kindeswohlgefährdungen vorzunehmen.  In der herausfordernden Zeit hat sich die Zusammenarbeit mit Frau König und Herrn Molitor intensiviert. An beiden Schulen besuchten sie die Lehrerkonferenzen, um sich und ihre Arbeit im Kollegium vorzustellen. Dadurch nahmen auch die Lehrkräfte das Angebot zunehmend in Anspruch und vermittelten Eltern und Kinder an die Beratungsstellen weiter. Auch an gemein-samen Elterngesprächen und Elterncafés in den Schulen nahmen Frau König und Herr Molitor teil, sodass für die Familien dort schon eine gute Vertrauensbasis für die weitere Zusammen-arbeit geschaffen werden konnte.

13 
Von besonderer Bedeutung ist die Niedrigschwelligkeit der beiden Beratungsstellen. Ein gro-ßer Vorteil liegt darin, dass die Institutionen fußläufig von den beiden Grundschulen erreichbar und mitten im Sozialraum angesiedelt sind. Der kurze Weg und die schnelle und unkompli-zierte Kontaktaufnahme erleichtern den Familien den Zugang. Durch die stetige Präsenz im Sozialraum (Familienzentrum, Veranstaltungen, Feste …) ist bei einigen Familien oft schon eine Vertrauensbasis gegeben. Da Besuche bei Kinder- und Jugendpsychologen oder dem Jugendamt oft angstbehaftet sind, ist eine wichtige Funktion von Herrn Molitor und Frau König als erste Anlaufstellen Vertrauen zu den Familien aufzubauen und sie in der Inanspruchnahme von Hilfen zu bestärken. Wenn diese beiden Stellen nicht mehr existieren sollten, fallen zwei wichtige Stützen für die Kinder und Familien sowie auch für die Schulen weg. Mit großer Sorge fragen wir uns, welche Stellen den hohen Bedarf unserer Eltern (im Stadtteil) abfangen sollen? Aus Erfahrung können wir mit Gewissheit sagen, dass weder das Jugendamt noch andere psychologische/therapeu-tische oder auch beratende Stellen die Kapazität haben, die zeitnahe und unkomplizierte Über-nahme der Anliegen zur Unterstützung zu übernehmen. Daher appellieren wir dringend an die zuständigen Ansprechpartner*innen, sich für den Erhalt dieser beiden Stellen einzusetzen.”  Köln, 13. April 2022, Rebecca Sachs, Joana Honervogt (GGS Alzeyer Straße), Franziska Müller (KGS Lukas-Schule) -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------   Anlage E.3.3 Stellungnahme Vanessa van Pee & Katja Werner (Klassenlehrer-innen, GGS Alzeyer Str.)  „Sehr geehrte Damen und Herren,  die angedachte Stellenstreichung von Frau König und Herrn Molitor möchten wir als Anlass nehmen, unsere Sicht als Klassenlehrerinnen zu diesem Vorhaben einzubringen.   Es ist uns sehr wichtig zu betonen, wie elementar der Erhalt der genannten Stellen für den Stadtteil Bilderstöckchen und somit auch für unsere Schule sowie der Nachbarschule ist. Die persönliche Vorstellung von Frau König und Herrn Molitor in Konferenzen an unserer Dienst-stelle hat uns wichtige Beratungsangebote aufgezeigt, die einen relevanten Personenkreis umfassend und effektiv abdecken.   In Bilderstöckchen als Sozialraum ist es unabdingbar, dass Beratungsangebote für Kinder und Familien niederschwellig wahrzunehmen sind. Es ist wichtig, dass die Angebotsannahme für die Betroffenen leicht umsetzbar und verständlich ist. Auch die Erreichbarkeit im Stadtteil selbst ist ein entscheidender Faktor. Die Tätigkeitsbereiche und deren Umsetzung von Frau König und Herrn Molitor vereinen alle notwendigen Faktoren so, dass Kindern und Familien mit hoher Wahrscheinlichkeit geholfen werden kann. Hemmschwellen und Hindernisse sind für die Betroffenen so gering wie möglich. Aus unserer pädagogischen Erfahrung heraus kön-nen wir nur unterstreichen, wie wegweisend dieser Sachverhalt für unsere Schüler*innen und deren Familien ist.  Wir können aus unserem Berufsalltag heraus nur betonen, wie hoch der Bedarf und die Nut-zung der Angebote von Frau König und Herrn Molitor ist. Sicherlich ist dieser Bedarf durch die Corona-Pandemie nochmals deutlich verstärkt worden, jedoch sehen wir ihn auch ohne Zwei-fel außerhalb von Pandemiezeiten.   Wir möchten Sie herzlich darum bitten, diese Einblicke in Ihren Entscheidungen zu berück-sichtigen.

14 
 Mit freundlichen Grüßen Vanessa van Pee & Katja Werner”  Köln, 13.04.2022, Vanessa van Pee & Katja Werner (GGs Alzeyer Straße) -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------   Anlage E.3.4 Stellungnahme Dr. Brigitte Jantz (Sozialraumkoordination Bilderstöck-chen, Netzwerke e.V.)  Bedeutung der „Kinder- und Familienberatung” und des „Sozialen Diensts” für den So-zialraum Bilderstöckchen  Niedrigschwellige, bedarfsorientierte Angebote der Kinder- und Familienberatung sowie des Sozialen Dienstes sind von enormer Bedeutung für die Menschen in benachteiligten Stadt-teilen! Dies wurde immer wieder unterstrichen, z.B. in den Netzwerken der Frühen Hilfen, und wird auch und ganz aktuell insbesondere zum Abfedern der Folgen der Corona-Pandemie in der 2021 gegründeten „AG zur Förderung, Corona-abgehängter‘ Schüler*innen Bilderstöck-chens” zur Stärkung der Familien gefordert. Wichtig für den Sozialraum Bilderstöckchen sind von Projektgeldern bzw. von Projektphasen unabhängige Akteure, die eine sowohl geschichtliche als auch aktuelle Verankerung im sehr engagierten Netzwerk des Sozialraums haben und eine entsprechende Vertrauensbasis sowie Bekanntheitsgrad für die Menschen vor Ort besitzen.  Wenn es die beiden durch das Jugendamt finanzierten Stellen nicht schon gäbe, müssten sie, plakativ formuliert, erfunden werden. Diese waren und sind äußerst innovativ und passen in das bereits früh sehr innovative Geschehen im Stadtteil/ Sozialraum, mit einem der ältesten und damit ersten Stadteilgremien Kölns: Die „Bilderstöckchen Konferenz” arbeitet seit über 35 Jahren intensiv und erfolgreich an der Verbesserung der Lebensbedingungen, der Chancen und Perspektiven und der Teilhabe der Einwohner*innen im Stadtteil. Als ,niederschwellige Türöffner’ erreichen die Angebote des „Sozialen Diensts” und der „Kin-der- und Familienberatung” die besonders benachteiligten Menschen des Stadtteils, die si-cherlich niemals von sich aus ein Jugendamt zur Unterstützung in schwierigen Lebenslagen oder therapeutische Angebote (Psychotherapien u.ä.) in Anspruch nehmen würden, da die Einstiegshürden, Sorgen sowie ggf. Vorbehalte („Jugendamt”, „Therapie”, s.u.) zu groß sind.  Somit sind die beiden niedrigschwelligen Angebote auch (!) als ,präventiv’ zu bewerten. Sie greifen und unterstützen auf einer Stufe, in der die Situation der Familie/ der Einzelperson noch nicht eskaliert ist oder so problematisch, dass Kindeswohlgefährdung und manifeste psy-chische Folgen auftreten, die einen ganz anderen Eingriff auf kommunaler bzw. medizinischer Ebene erfordern würden. Sie entlasten damit auch das Jugendamt und den Schwerpunktträger SkF e.V.!  Sozialer Dienst Gegenüber dem „Jugendamt” gibt vielfach immer noch eine hohe „Schwellenangst“ (Sorge vor Herausnahme der Kinder aus der Familie, Angst vor staatlicher Kontrolle), so dass insbeson-dere der präventive Weg zum Amt (GSD) gescheut wird und der Kontakt meist erst entsteht -und dann oft auch nur durch äußere Intervention, wenn bereits eine Eskalationsstufe erreicht ist. Daher ist das niedrigschwellige Angebot des „Sozialen Diensts” enorm wichtig, sowohl entlastend als auch präventiv. Denn es werden ja nicht nur ,Fälle’ in Abstimmung mit dem Jugendamt vom Sozialen Dienst ,betreut’, sondern es ist ja auch eine offene Anlaufstelle (als Angebot vor Ort im Stadtteil, unabhängig von Ämtern und Behörden) für die Menschen des Sozialraums, also im Vorfeld von Kontakten zum Jugendamt!

15 
Der „Soziale Dienst” fungiert auch als Schnittstelle zwischen den Zielgruppen auf der einen und dem Jugendamt auf der anderen Seite. Er kann beispielsweise dabei unterstützen, nie-derschwellige Angebote zu „Hilfen zur Erziehung“ zu ermöglichen.   Sehr wertvolle und enge Kooperation der drei Angebote „Kinder- und Familienbera-tung”, „Sozialer Dienst” und „Sozialraumkoordination Bilderstöckchen” Der enge Austausch der drei Angebote des Trägers Netzwerk e.V. für den Sozialraum Bilder-stöckchen im offen zugänglichen und einladenden Altbau der Longericher Str. 138a ist von großer, synergistischer und erkenntnisreicher Bedeutung für die Arbeit aller drei Stellen.  Auf kurzem, spontanen Weg und in regelmäßigen Teamtreffen werden sowohl jeweils rele-vante Themen oder Problemfelder des Sozialraums als auch die aus den Beratungstätigkei-ten hervorgehenden grundsätzlichen Bedarfe und Schwerpunkte der Zielgruppen (natürlich mit Datenschutz/Schweigepflicht) besprochen und ggf. gemeinsame Maßnahmenvorschläge angedacht, die dann in größerer Runde („Bilderstöckchen Konferenz” oder „AG Jugend”) auf-gegriffen und bei Zustimmung bzw. Bestätigung der Bedarfslage im größeren Kontext ge-meinsam weiterentwickelt werden können. Somit ist die enge, seit vielen Jahren gewachsene und als innovativ zu bewertende ,Dreier-Konstellation’ auch für die Sozialraumkoordination ein wichtiger und unmittelbarer Sensor (neben weiteren) in den Sozialraum hinein.  Zudem können hier Themen und Maßnahmenvorschläge aus der Sozialraumkoordination (z.B. Top-Down-Ziele der Stadt Köln) auf Basis der täglichen Erfahrungen aus der Beratungs-praxis, insbesondere mit benachteiligten Menschen des Sozialraums reflektiert und ggf. be-darfsgerechter nachjustiert werden. Von großer Bedeutung ist dabei auch die Verbundpartner-schaft der „Kinder- und Familienberatung” im Familienzentrum Bilderstöckchen FZB, da auch aus den Tätigkeiten und Erfahrungen des FZB wichtige Erkenntnisse in die Reflexionen und aktuellen Bedarfserfassungen einfließen. Ebenso bedeutend ist der enge Kontakt des „Sozia-len Diensts” zum Bezirksjugendamt Nippes, da natürlich auch diese kommunale Ebene der Beratung, Betreuung stets mitgedacht und eingebracht wird. Die sehr intensive Abstimmung der Sozialraumkoordination wiederum mit der Bürgeramtsleitung Nippes im Rahmen der Wei-terentwicklung der Konzepte und Maßnahmen für den Sozialraum Bilderstöckchens komplet-tiert den wertvollen Austausch!  Diese unmittelbare Nähe der Sozialraumkoordination zu den beiden wichtigen, sehr unter-schiedlichen und sich gegenseitig ergänzenden Akteuren der niedrigschwelligen Beratungs-angebote der „Kinder- und Familienberatung” und des „Sozialen Diensts” kann gar nicht be-deutend genug eingestuft werden für die ,geerdete’, bedarfsgerechte Verbesserung der Le-bens- und Arbeitsbedingungen, sowie Teilhabe der Menschen des Sozialraums Bilderstöck-chen.  Köln, im Januar 2022, Dr. Brigitte Jantz, Sozialraumkoordinatorin Bilderstöckchen (Netzwerk e.V.) -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------  Anlage E.3.5 Stellungnahme von Dr. Elisabeth Lenz (Kinder- und Jugendärztin, Köln-Bilderstöckchen)  Sehr geehrte Damen und Herren, seit 9 Jahren arbeite ich im Stadtviertel Bilderstöckchen als Kinderärztin, seit 2018 als selbstständig niedergelassene Kinderärztin in Einzelpraxis. Ich habe einen guten Überblick über die Nöte und Belange der Familien und vor allem deren Kinder aller Altersstufen in unserem Viertel und sehe den hohen Förderbedarf meiner Familien.

16 
Alleine in den letzten 2 Jahren habe ich bei den Vorsorgeuntersuchungen der 6-10 Jahre alten Kinder 76 Kinder mit der Diagnose Adipositas (Übergewicht) gesehen und dokumentiert. Bei den 11-16 Jahre alten Kindern waren es 123 Patienten mit dieser Diagnose. Dies ist nur ein kleines Indiz, welch hoher Beratungs- und Aufklä-rungs- und Unterstützungsbedarf in den Familien unseres Stadtteils zu Themen wie gesunde Ernährung, bewegtes Freizeitverhalten, Begrenzung von übermäßigem Me-dienkonsum besteht.  Stellvertretend steht dies für viele weitere Themen wie mangelnde Möglichkeiten der elterlichen Unterstützung im schulischen Kontext, Ängste und Verhaltensauffälligkei-ten ausgelöst durch interfamiliäre soziale Stressoren (finanzielle Nöte, Partner-schaftskonflikte, erhöhtes Krankheitsaufkommen bei den Eltern durch wenig gesund-heitsbewusstes Alltagsverhalten und die entsprechenden Folgen). Ich sehe Jugendli-che aus unserem Viertel, die vermehrt Erfahrungen mit Suchtmitteln, Schulhof-Ge-walt und Mobbing machen. Ein gutes professionelles soziales Unterstützungssystem im Viertel ist aus meiner kinderärztlichen Sicht das A und O in der Versorgung der Familien in Bilderstöckchen. Auch damit die Kinder als spätere Erwachsene die Mög-lichkeiten sozialer Teilhabe in angemessenen Umfang erreichen können. In etlichen Fällen habe ich daher bisher die Möglichkeit in Anspruch genommen Fa-milien an Frau König als Familienberatungsstelle weiter zu verweisen. Gerade das Angebot vor Ort mit kurzen Wegen und niedrigschwelligem Zugang ist dabei so hilf-reich. Viele Familien haben Migrationshintergrund und sind wenig geschult oder es mangelt an der Beharrlichkeit die entsprechenden Wege zu anderen Beratungsstel-len zu gehen und zu finden. Ich unterstütze daher nachdrücklich den Appell von der Stellenstreichung der „Kinder-und Familienberatung“ und des „Sozialen Dienstes“ Abstand zu nehmen und diese Stellen auch nach Ende des Jahres weiter zu finan-zieren. Mit freundlichen Grüßen, Dr. Elisabeth Lenz Köln, 18.05.,2022, Dr. Elisabeth Lenz (Kinder- u. Jugendärztin Bilderstöckchen) -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------     Köln-Bilderstöckchen, 19.05.2022

Beratungsverlauf (1)

09.06.2022 Bezirksvertretung 5 (Nippes)
TOP 8.2.3 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: geändert beschlossen

Zur Sitzung

Orte (6)

  • Longericher Straße 138a
  • Alzeyer Straße
  • Am Bilderstöckchen 60c
  • Willy-Brandt-Platz 2
  • Straße 13
  • Straße 15

Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.

Details

Aktenzeichen
AN/1096/2022
Typ
Antrag nach § 3 BV5 (SPD)
Datum
24.05.2022
Erstellt
24.05.2022 13:48