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A-R/0039/2007

Ein Stadtbildkonzept für Münster

Antrag an den Rat 17.10.2007

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Nächste Beratung: Rat, Sitzung am 24.10.2007, TOP 29.5

Originalantrag

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Anlage zum Originalantrag

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Originalantrag

6337 Zeichen

Antrag an den Rat Nr. A-R/0039/2007 
 1 
 
 
 
 
 
Der Rat möge beschließen: 
1. Für die Stadt Münster wird ein Stadtbildkonzept entwickelt. 
 
2. Bei der Entwicklung dieses Stadtbildkonzeptes is t sicherzustellen, 
dass externer Sachverstand durch die Einbeziehung anerkannter 
Fachleute des Städtebaus genutzt wird. 
 
3. Die Entwicklung des Stadtbildkonzeptes ist so zu  organisieren, dass 
Politik und Bürgerschaft in die Erarbeitung intensiv eingebunden 
werden. Die Ergebnisse des Prozesses müssen Ausdruck einer 
breiten politischen und bürgerschaftlichen Diskussion und 
Meinungsbildung in der Stadtgesellschaft sein. 
 
Begründung 
 
Zu 1: 
Das harmonische Stadtbild gehört zu den Highlights Münsters. Dieses ist 
vor allem geschuldet dem Wiederaufbau auf historischem Stadtgrundriss 
sowie der bislang geübten Rücksichtnahme auf überkommene 
Höhenlinien bei der Planung. Das Stadtbild ist ein anerkannter 
Imagefaktor für die „lebenswerte Stadt“ und ein Eckpfeiler der 
städtebaulichen Entwicklung. 
 
Planungen einzelner Objekte (Hochhäuser, Kanalbrücken), die in das 
Stadtbild gravierend eingreifen, werden von der Bürgerschaft äußerst 
kritisch begleitet. Dies zeigt, dass die Bürgerschaft dem Stadtbild einen 
hohen Wert beimisst. Bei den Verfahren zur Genehmigung von solchen 
Vorhaben findet diese hohe Wertschätzung jedoch nicht die ihr 
zukommende Beachtung. Die Versuche von Investoren um eine 
Baugenehmigung für ein Hochhaus gehen oft einher mit wirtschaftlicher 
und politischer Pression (Hinweis auf Arbeitsplätze und mögliche 
Standortverlagerung). In der Folge werden Politik und Stadt so stark unter 
Druck gesetzt. Die Frage „Hochhaus ja oder nein“ kann nicht mehr 
ergebnisoffen und in Ruhe abgewogen werden. Die Vorgänge um die 
Bebauung des ehemaligen TüV-Grundstücks am Ring zeigen dies 
deutlich. 
 
Um den Wert unseres Stadtbildes zu bewahren und weiterzuentwickeln, 
muss deshalb von dem bisherigen Verfahren bei der Planung und 
Genehmigung Abstand genommen werden. Die bislang übliche 
Einzelfallprüfung und –entscheidung ist unzweckmäßig und zu wenig 
Bündnis 90/Die Grünen/GAL 
Ratsfraktion Münster 
 
Bremer Str. 54 
48155 Münster 
 
Fon: 0251 / 8 99 58 10 
Fax: 0251 / 8 99 58 15 
gruene.ratsfraktion@muenster.de 
www.gruene -muenster.de 
Antrag 
 
„Ein Stadtbildkonzept für Münster!“
 
14.10.2007

2 
objektiv. Die mit Hochhausprojekten verbundenen städtebaulichen, 
stadtgestalterischen und strukturellen Fragen können unseres Erachtens 
nur durch ein die ganze Stadt umfassendes planerisches Konzept 
beantwortet werden. Wir fordern deshalb eine Abkehr von der 
Entscheidung im Einzelfall und eine Beurteilung durch ein 
Stadtbildkonzept für ganz Münster. Mit dieser Forderung stützen wir uns 
fachlich u.a. auf die Stellungnahme des MAIV -Münsteraner Architekten- 
und Ingenieurverein (Anlage). 
 
Wir Grünen wollen in diesem Stadtbildkonzept  folgende Überlegungen 
berücksichtigt sehen:  
• Neue Hochhäuser in der Innenstadt verschlechtern d ie Qualität 
unseres Stadtbildes empfindlich. Wir lehnen sie deshalb ab. Diese 
generelle Ablehnung gilt für die unmittelbare Altstadt (1. 
Tangentenring) wie für die gründerzeitlichen Stadterweiterungen 
Nordviertel, Ostviertel und Südviertel und für die innenstadtnah 
gelegenen Bereiche rund um den Aasee (bis Torminbrücke). 
• Ob und wo außerhalb dieser „Tabuzone“, also in den  umliegenden 
Stadtteilen (Gremmendorf, Gievenbeck usw.) und in den ländlich 
geprägten Vororten (Albachten, Handorf usw.) Hochhäuser 
zugelassen werden sollen, ist eine Frage, die nach den Qualitäten 
des Stadtbildes und des Landschaftsbildes zu entscheiden ist. 
• Inwieweit Veränderungen, ggfls. auch Störungen des  Stadt- und 
Landschaftsbildes durch neue Hochhäuser akzeptiert werden 
können, ist natürlich auch eine Frage  des stadtstrukturellen 
„Mehrwertes“, den diese Bauten versprechen und der 
gebäudespezifischen Anforderungen an die Höhe. Ein neuer 
Getreidespeicher für die AGRAVIS am Albersloher Weg wird 
deshalb anders (positiv) zu beurteilen sein als ein geplantes 
Bürohochhaus an der Steinfurter Straße (negativ). Anders 
ausgedrückt: Um sich über die Dachlandschaft der Stadt erheben 
zu dürfen, muss das Gebäude schon etwas bieten, nicht nur 
architektonisch („Hülle“), sondern auch strukturell („Inhalt“).  
• Gegen Hochhäuser sprechen auch ökologische und wir tschaftliche 
Erwägungen. Weder können sie eine größere Nutzungsdichte oder 
Ausnutzung des Grundstücks als normal hohe Gebäude 
vorweisen, noch sind sie wegen der notwendigen 
Hochhaustechnik sparsam. Große Nachteile haben sie in der 
Energiebilanz. Sie verbrauchen wegen der umfangreichen Technik 
und der kaum zu umgehenden maschinellen Klimatisierung und 
Lüftung viel Strom und Heizenergie. Hochhäuser sind deshalb 
Stolpersteine für Klimaschutz und CO2-Einsparung. 
 
Auch diese angedeutete Ausrichtung eines Konzeptes auf eine deutliche 
Contra-Hochhaus-Position spricht für eine gesamtstädtische Planung. Nur 
so können klare Linien aufgezeigt und verbindlich gemacht werden. 
 
Zu 2: 
Die Erfahrungen anderer Städte (die bereits in solches Konzept haben) 
zeigen, dass die Qualität der Planung durch externen Sachverstand 
verbessert werden kann. Deshalb sollte auch Münster sich von 
anerkannten Fachleuten beraten lassen. Für unverzichtbar halten wir auch 
die angemessene Beteiligung der lokalen Fachleute aus den Architekten- 
und Ingenieurverbänden. 
 
Zu 3:

3 
Städtebauliche Grundsatzfragen wie die eines Stadtbildkonzeptes gehen 
alle Bürgerinnen und Bürger an und interessieren sie auch, wie die 
engagierte öffentliche Diskussion um einzelne Objekte bereits deutlich 
gemacht hat. Dieses Bewusstsein in der Bürgerschaft über den Wert des 
Münsteraner Stadtbildes muss als Chance begriffen und genutzt werden, 
um in diese übergeordneten Fragen einen politischen und 
bürgerschaftlichen Konsens herbei zu führen. Das Stadtbildkonzept muss 
deshalb in einem offenen und breit angelegten Informations- und 
Beteiligungsverfahren erarbeitet werden. 
 
gez. Helga Bennink 
gez. Wilhelm Breitenbach 
gez. Manfred Kehr 
gez. Brigitte Hasenjürgen 
gez. Christof Hoffmann 
gez. Hery Klas 
gez. Maria Klein-Schmeink 
gez. Jutta Möllers 
gez. Jörn Möltgen 
gez. Carsten Peters 
gez. Tim Rohleder 
gez. Ilse Schleef 
gez. Dr. Rita Stein-Redent 
gez. Brigitte von Schoenebeck

Anlage zum Originalantrag

6607 Zeichen

Hochhauskonzept für Münster?
 
In jüngerer Geschichte sind in Münster einiger Hochhäuser an unterschiedlichen Lagen 
gebaut worden mit zum Teil positiven aber auch negativen Auswirkungen auf das 
Stadtgefüge. Zur Zeit sind weitere Hochhäuser in Planung die z.T. sehr kritisch begleitet 
werden, in Bürgerschaft und Rat ist das Thema seit einigen Jahren äußerst präsent.
Nachdem bisher nur über jeweils einzelne Hochhausprojekte diskutiert wurde, wird nun die 
Forderung nach einem Hochhauskonzept für die gesamte Stadt gestellt, das diese wichtige 
städtebauliche Fragestellung mit einer langfristigen und überparteilichen Strategie für 
Münster beantwortet und dabei insbesondere unsere historisch gewachsene Stadtsilhouette 
mit den bekannten vier Blickachsen schützen soll.
Hierzu gibt es unterschiedliche Positionen: Stadtverwaltung und Politik vertreten bisher die 
Meinung, dass eine Diskussion über Hochhäuser erst geführt werden soll, wenn ein 
konkretes Projekt, eine konkrete Anfrage eines Investors auf dem Tisch liegt, also nicht das 
Thema Hochhäuser generell untersucht wird, sondern jeder Antrag eines Hochhauses für 
sich. Dies ist sicherlich ein Vorgehen, das verwaltungstechnisch einfacher zu handhaben ist.
Der MAIV stellt folgende Thesen, insbesondere den Architektenverbänden,  zur 
Diskussion:
Ein Hochhauskonzept bzw. Höhenkonzept für die Gesamtstadt soll beschlossen werden um 
hiermit eine Grundlage für weitere Entscheidungen im Einzelfall zu bilden.
Warum halten wir eine grundlegende Konzeption zum Thema Hochhäuser in Münster für so 
wichtig:
1. Zunächst mal gibt es einen ganz pragmatischen Grund: die konkreten Anfrage eines 
Investors nach einer Genehmigung für ein Hochhaus geht oft einher mit wirtschaftlicher 
und politischer Pression (mögliche neue oder wegfallende Arbeitsplätze als wirksames 
Druckmittel) oft noch flankiert mit ansprechenden Plänen und guten Kontakten zur gerade 
regierenden Fraktion und öffentlichen Hinweisen auf die Vielzahl der zu schaffenden 
Arbeitsplätze. Folge: die Stadt ist so stark unter Druck, dass die Frage Hochhaus ja oder 
nein nicht mehr ehrlich und in Ruhe abgewogen werden kann. 
2. Zum anderen können die stadtstrukturell wichtigen Fragen in einer für den 
Investor akzeptablen Zeit fachlich nicht erarbeitet werden. Wenn es um Fragen der 
gesamtstädtischen Verträglichkeit geht, um stadtökologische Belange wie z.B. für die Stadt 
wichtige Kaltluftschneisen, Auswirkungen auf Verkehr und Infrastruktur und die 
städtebaulichen Veränderungsdruck in der näheren Umgebung sind dies Überlegungen, die 
viel Zeit und fachlichen, am besten auch externen Sachverstand brauchen. Fragen von 
diesem Umfang und dieser Wichtigkeit sollte man nicht unter Zeitdruck entscheiden.
3. Das wichtigste Argument für ein Hochhauskonzept für die Stadt Münster ist aber, 
dass es bei diesem Thema um das Image der Stadt als ganzes geht. Das mittelalterlich 
geprägte Stadtbild, die historische Stadtsilhouette ist ganz entscheidend für das 
Image der Stadt nach innen und außen. Wir unterscheiden uns von den Städten, die nach 
dem Kriege eine „modernen“ Wiederaufbau angegangen sind wie Dortmund, Essen und 
Hannover. Unser Wiederaufbau im historischen Stil ist zu einem Image für die Stadt und ihre 
Bürger geworden, und viele Bürger identifizieren sich damit. Und übrigens viele, die sich 
diese Stadt als neuen Lebensmittelpunkt wählen auch. Dieser Wert ist viel höher 
einzuschätzen als der wirtschaftliche Vorteil des einen oder anderen Hochhauses. Das 
Image des historischen Stadtbildes in einer besonders lebenswerten Stadt (und so werden 
wir auch von außerhalb, also in der gesamten Republik gesehen) müssen wir bewahren und 
weiter entwickeln.

Das Stadtbild kann und soll gerne mit qualitätsvoller zeitgemäßer Architektur ergänzt 
werden, diese darf aber nicht die historische Stadtstruktur überlagern oder womöglich die 
zentralen Sichtachsen und Blicke auf unsere Baudenkmäler stören. Wenn wir dies einmal 
zulassen ist die heutige Silhouette unwiederbringlich, denn ein Hochhaus wird niemand 
später rückbauen. Allein deshalb schon nicht, weil dieses Merkzeichen Hochhaus im Umfeld 
der historischen Kirchtürme ein enormer finanzieller Pluspunkt für den Investor ist. Ein 
Hochhaus wird ja nicht gebaut um eine wirtschaftlich gute Ausnutzung des Grundstücks zu 
erreichen sondern aus bauherrenstrategischen Gesichtspunkten. Der Arbeitsplatz in einem 
Hochhaus ist immer unwirtschaftlicher als in jeder anderen Bauweise, allein aus Gründen 
der aufwändigen Erschließung über Aufzüge, Nottreppenhäuser, Brandschutz, abgesehen 
davon sind Unterhalt und Energiekosten horrende. Was zählt ist der Imagegewinn für den 
Bauherrn, denn Hochhäuser sind immer Zeichen der Macht und der wirtschaftlichen Potenz. 
So war das früher schon (siehe mittelalterliche Geschlechtertürme) und so ist das heute 
immer noch.
Da muss natürlich auch die Frage erlaubt sein, wer sich denn eigentlich in diesen 
Merkzeichen verewigen darf, was ist der Inhalt dieser großen Gesten. Sind das bedeutende 
Institutionen der Stadt (Verwaltung, Universität, Medien) oder sind das wichtige Firmen, die 
schon lange mit der Stadt verbunden sind oder kann das jeder beliebige Bauherr sein?
Letztlich muss über diese übergeordneten Fragen ein politischer und bürgerschaftlicher 
Konsens herbeigeführt werden, diese Fragen dürfen nicht vom politischen Tagesgeschäft 
und den aktuellen Mehrheiten abhängen. Städtebauliche Grundsatzfragen gehen jeden 
Bürger an und interessieren auch jeden Bürger, das sah man nicht zuletzt an der Flut von 
Leserbriefen
Deshalb appellieren wir an die Politik und die im Rat vertretenen Parteien, zusammen zu 
arbeiten und die Frage mit dem notwendigen Weitblick anzugehen. Sehr viele, auch mittlere 
Städte haben bereits für sich eine Hochhauskonzeption aufgestellt: Karlsruhe, Düsseldorf, 
Nürnberg, Innsbruck, Bern natürlich auch die Großen wie Köln, München, Wien, Paris 
London. Von all denen können wir in Bezug auf Inhalt, Umfang und den politischen Prozess 
lernen. Eine sorgfältige Analyse der Bebauungsstruktur, Nutzungsverteilung, Lage der 
Denkmäler und Sichtachsen und Blickbezügen innerhalb der Stadt ist dafür notwendig. Ob 
ein Hochhauskonzept für die Stadt nun negativ (Tabuzonen), positiv (Suchräume) oder 
lagedifferenziert (Quartiershöhen, Modulation einer Stadttopographie, „Höhenkonzept“) 
formuliert wird und welche Forderungen im Einzelnen grundsätzlich an jede 
Hochhausplanung in der Stadt zu stellen sind (verbindliche Checkliste) sollte erst nach 
eingehender externer städtebauliche Beratung entschieden werden.

Beratungsverlauf (1)

24.10.2007 Rat
TOP 29.5 Antrag Entscheidung

Beschluss: verwiesen

Zur Sitzung

Orte (3)

  • Bremer Straße 54
  • Steinfurter Straße
  • Albersloher Weg

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Details

Vorlagen-Nr.
A-R/0039/2007
Typ
Antrag an den Rat
Datum
17.10.2007
Erstellt
06.10.2020 14:37