A-R/0039/2007
Ein Stadtbildkonzept für Münster
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Originalantrag
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Antrag an den Rat Nr. A-R/0039/2007 1 Der Rat möge beschließen: 1. Für die Stadt Münster wird ein Stadtbildkonzept entwickelt. 2. Bei der Entwicklung dieses Stadtbildkonzeptes is t sicherzustellen, dass externer Sachverstand durch die Einbeziehung anerkannter Fachleute des Städtebaus genutzt wird. 3. Die Entwicklung des Stadtbildkonzeptes ist so zu organisieren, dass Politik und Bürgerschaft in die Erarbeitung intensiv eingebunden werden. Die Ergebnisse des Prozesses müssen Ausdruck einer breiten politischen und bürgerschaftlichen Diskussion und Meinungsbildung in der Stadtgesellschaft sein. Begründung Zu 1: Das harmonische Stadtbild gehört zu den Highlights Münsters. Dieses ist vor allem geschuldet dem Wiederaufbau auf historischem Stadtgrundriss sowie der bislang geübten Rücksichtnahme auf überkommene Höhenlinien bei der Planung. Das Stadtbild ist ein anerkannter Imagefaktor für die „lebenswerte Stadt“ und ein Eckpfeiler der städtebaulichen Entwicklung. Planungen einzelner Objekte (Hochhäuser, Kanalbrücken), die in das Stadtbild gravierend eingreifen, werden von der Bürgerschaft äußerst kritisch begleitet. Dies zeigt, dass die Bürgerschaft dem Stadtbild einen hohen Wert beimisst. Bei den Verfahren zur Genehmigung von solchen Vorhaben findet diese hohe Wertschätzung jedoch nicht die ihr zukommende Beachtung. Die Versuche von Investoren um eine Baugenehmigung für ein Hochhaus gehen oft einher mit wirtschaftlicher und politischer Pression (Hinweis auf Arbeitsplätze und mögliche Standortverlagerung). In der Folge werden Politik und Stadt so stark unter Druck gesetzt. Die Frage „Hochhaus ja oder nein“ kann nicht mehr ergebnisoffen und in Ruhe abgewogen werden. Die Vorgänge um die Bebauung des ehemaligen TüV-Grundstücks am Ring zeigen dies deutlich. Um den Wert unseres Stadtbildes zu bewahren und weiterzuentwickeln, muss deshalb von dem bisherigen Verfahren bei der Planung und Genehmigung Abstand genommen werden. Die bislang übliche Einzelfallprüfung und –entscheidung ist unzweckmäßig und zu wenig Bündnis 90/Die Grünen/GAL Ratsfraktion Münster Bremer Str. 54 48155 Münster Fon: 0251 / 8 99 58 10 Fax: 0251 / 8 99 58 15 gruene.ratsfraktion@muenster.de www.gruene -muenster.de Antrag „Ein Stadtbildkonzept für Münster!“ 14.10.2007 2 objektiv. Die mit Hochhausprojekten verbundenen städtebaulichen, stadtgestalterischen und strukturellen Fragen können unseres Erachtens nur durch ein die ganze Stadt umfassendes planerisches Konzept beantwortet werden. Wir fordern deshalb eine Abkehr von der Entscheidung im Einzelfall und eine Beurteilung durch ein Stadtbildkonzept für ganz Münster. Mit dieser Forderung stützen wir uns fachlich u.a. auf die Stellungnahme des MAIV -Münsteraner Architekten- und Ingenieurverein (Anlage). Wir Grünen wollen in diesem Stadtbildkonzept folgende Überlegungen berücksichtigt sehen: • Neue Hochhäuser in der Innenstadt verschlechtern d ie Qualität unseres Stadtbildes empfindlich. Wir lehnen sie deshalb ab. Diese generelle Ablehnung gilt für die unmittelbare Altstadt (1. Tangentenring) wie für die gründerzeitlichen Stadterweiterungen Nordviertel, Ostviertel und Südviertel und für die innenstadtnah gelegenen Bereiche rund um den Aasee (bis Torminbrücke). • Ob und wo außerhalb dieser „Tabuzone“, also in den umliegenden Stadtteilen (Gremmendorf, Gievenbeck usw.) und in den ländlich geprägten Vororten (Albachten, Handorf usw.) Hochhäuser zugelassen werden sollen, ist eine Frage, die nach den Qualitäten des Stadtbildes und des Landschaftsbildes zu entscheiden ist. • Inwieweit Veränderungen, ggfls. auch Störungen des Stadt- und Landschaftsbildes durch neue Hochhäuser akzeptiert werden können, ist natürlich auch eine Frage des stadtstrukturellen „Mehrwertes“, den diese Bauten versprechen und der gebäudespezifischen Anforderungen an die Höhe. Ein neuer Getreidespeicher für die AGRAVIS am Albersloher Weg wird deshalb anders (positiv) zu beurteilen sein als ein geplantes Bürohochhaus an der Steinfurter Straße (negativ). Anders ausgedrückt: Um sich über die Dachlandschaft der Stadt erheben zu dürfen, muss das Gebäude schon etwas bieten, nicht nur architektonisch („Hülle“), sondern auch strukturell („Inhalt“). • Gegen Hochhäuser sprechen auch ökologische und wir tschaftliche Erwägungen. Weder können sie eine größere Nutzungsdichte oder Ausnutzung des Grundstücks als normal hohe Gebäude vorweisen, noch sind sie wegen der notwendigen Hochhaustechnik sparsam. Große Nachteile haben sie in der Energiebilanz. Sie verbrauchen wegen der umfangreichen Technik und der kaum zu umgehenden maschinellen Klimatisierung und Lüftung viel Strom und Heizenergie. Hochhäuser sind deshalb Stolpersteine für Klimaschutz und CO2-Einsparung. Auch diese angedeutete Ausrichtung eines Konzeptes auf eine deutliche Contra-Hochhaus-Position spricht für eine gesamtstädtische Planung. Nur so können klare Linien aufgezeigt und verbindlich gemacht werden. Zu 2: Die Erfahrungen anderer Städte (die bereits in solches Konzept haben) zeigen, dass die Qualität der Planung durch externen Sachverstand verbessert werden kann. Deshalb sollte auch Münster sich von anerkannten Fachleuten beraten lassen. Für unverzichtbar halten wir auch die angemessene Beteiligung der lokalen Fachleute aus den Architekten- und Ingenieurverbänden. Zu 3: 3 Städtebauliche Grundsatzfragen wie die eines Stadtbildkonzeptes gehen alle Bürgerinnen und Bürger an und interessieren sie auch, wie die engagierte öffentliche Diskussion um einzelne Objekte bereits deutlich gemacht hat. Dieses Bewusstsein in der Bürgerschaft über den Wert des Münsteraner Stadtbildes muss als Chance begriffen und genutzt werden, um in diese übergeordneten Fragen einen politischen und bürgerschaftlichen Konsens herbei zu führen. Das Stadtbildkonzept muss deshalb in einem offenen und breit angelegten Informations- und Beteiligungsverfahren erarbeitet werden. gez. Helga Bennink gez. Wilhelm Breitenbach gez. Manfred Kehr gez. Brigitte Hasenjürgen gez. Christof Hoffmann gez. Hery Klas gez. Maria Klein-Schmeink gez. Jutta Möllers gez. Jörn Möltgen gez. Carsten Peters gez. Tim Rohleder gez. Ilse Schleef gez. Dr. Rita Stein-Redent gez. Brigitte von Schoenebeck
Anlage zum Originalantrag
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Hochhauskonzept für Münster? In jüngerer Geschichte sind in Münster einiger Hochhäuser an unterschiedlichen Lagen gebaut worden mit zum Teil positiven aber auch negativen Auswirkungen auf das Stadtgefüge. Zur Zeit sind weitere Hochhäuser in Planung die z.T. sehr kritisch begleitet werden, in Bürgerschaft und Rat ist das Thema seit einigen Jahren äußerst präsent. Nachdem bisher nur über jeweils einzelne Hochhausprojekte diskutiert wurde, wird nun die Forderung nach einem Hochhauskonzept für die gesamte Stadt gestellt, das diese wichtige städtebauliche Fragestellung mit einer langfristigen und überparteilichen Strategie für Münster beantwortet und dabei insbesondere unsere historisch gewachsene Stadtsilhouette mit den bekannten vier Blickachsen schützen soll. Hierzu gibt es unterschiedliche Positionen: Stadtverwaltung und Politik vertreten bisher die Meinung, dass eine Diskussion über Hochhäuser erst geführt werden soll, wenn ein konkretes Projekt, eine konkrete Anfrage eines Investors auf dem Tisch liegt, also nicht das Thema Hochhäuser generell untersucht wird, sondern jeder Antrag eines Hochhauses für sich. Dies ist sicherlich ein Vorgehen, das verwaltungstechnisch einfacher zu handhaben ist. Der MAIV stellt folgende Thesen, insbesondere den Architektenverbänden, zur Diskussion: Ein Hochhauskonzept bzw. Höhenkonzept für die Gesamtstadt soll beschlossen werden um hiermit eine Grundlage für weitere Entscheidungen im Einzelfall zu bilden. Warum halten wir eine grundlegende Konzeption zum Thema Hochhäuser in Münster für so wichtig: 1. Zunächst mal gibt es einen ganz pragmatischen Grund: die konkreten Anfrage eines Investors nach einer Genehmigung für ein Hochhaus geht oft einher mit wirtschaftlicher und politischer Pression (mögliche neue oder wegfallende Arbeitsplätze als wirksames Druckmittel) oft noch flankiert mit ansprechenden Plänen und guten Kontakten zur gerade regierenden Fraktion und öffentlichen Hinweisen auf die Vielzahl der zu schaffenden Arbeitsplätze. Folge: die Stadt ist so stark unter Druck, dass die Frage Hochhaus ja oder nein nicht mehr ehrlich und in Ruhe abgewogen werden kann. 2. Zum anderen können die stadtstrukturell wichtigen Fragen in einer für den Investor akzeptablen Zeit fachlich nicht erarbeitet werden. Wenn es um Fragen der gesamtstädtischen Verträglichkeit geht, um stadtökologische Belange wie z.B. für die Stadt wichtige Kaltluftschneisen, Auswirkungen auf Verkehr und Infrastruktur und die städtebaulichen Veränderungsdruck in der näheren Umgebung sind dies Überlegungen, die viel Zeit und fachlichen, am besten auch externen Sachverstand brauchen. Fragen von diesem Umfang und dieser Wichtigkeit sollte man nicht unter Zeitdruck entscheiden. 3. Das wichtigste Argument für ein Hochhauskonzept für die Stadt Münster ist aber, dass es bei diesem Thema um das Image der Stadt als ganzes geht. Das mittelalterlich geprägte Stadtbild, die historische Stadtsilhouette ist ganz entscheidend für das Image der Stadt nach innen und außen. Wir unterscheiden uns von den Städten, die nach dem Kriege eine „modernen“ Wiederaufbau angegangen sind wie Dortmund, Essen und Hannover. Unser Wiederaufbau im historischen Stil ist zu einem Image für die Stadt und ihre Bürger geworden, und viele Bürger identifizieren sich damit. Und übrigens viele, die sich diese Stadt als neuen Lebensmittelpunkt wählen auch. Dieser Wert ist viel höher einzuschätzen als der wirtschaftliche Vorteil des einen oder anderen Hochhauses. Das Image des historischen Stadtbildes in einer besonders lebenswerten Stadt (und so werden wir auch von außerhalb, also in der gesamten Republik gesehen) müssen wir bewahren und weiter entwickeln. Das Stadtbild kann und soll gerne mit qualitätsvoller zeitgemäßer Architektur ergänzt werden, diese darf aber nicht die historische Stadtstruktur überlagern oder womöglich die zentralen Sichtachsen und Blicke auf unsere Baudenkmäler stören. Wenn wir dies einmal zulassen ist die heutige Silhouette unwiederbringlich, denn ein Hochhaus wird niemand später rückbauen. Allein deshalb schon nicht, weil dieses Merkzeichen Hochhaus im Umfeld der historischen Kirchtürme ein enormer finanzieller Pluspunkt für den Investor ist. Ein Hochhaus wird ja nicht gebaut um eine wirtschaftlich gute Ausnutzung des Grundstücks zu erreichen sondern aus bauherrenstrategischen Gesichtspunkten. Der Arbeitsplatz in einem Hochhaus ist immer unwirtschaftlicher als in jeder anderen Bauweise, allein aus Gründen der aufwändigen Erschließung über Aufzüge, Nottreppenhäuser, Brandschutz, abgesehen davon sind Unterhalt und Energiekosten horrende. Was zählt ist der Imagegewinn für den Bauherrn, denn Hochhäuser sind immer Zeichen der Macht und der wirtschaftlichen Potenz. So war das früher schon (siehe mittelalterliche Geschlechtertürme) und so ist das heute immer noch. Da muss natürlich auch die Frage erlaubt sein, wer sich denn eigentlich in diesen Merkzeichen verewigen darf, was ist der Inhalt dieser großen Gesten. Sind das bedeutende Institutionen der Stadt (Verwaltung, Universität, Medien) oder sind das wichtige Firmen, die schon lange mit der Stadt verbunden sind oder kann das jeder beliebige Bauherr sein? Letztlich muss über diese übergeordneten Fragen ein politischer und bürgerschaftlicher Konsens herbeigeführt werden, diese Fragen dürfen nicht vom politischen Tagesgeschäft und den aktuellen Mehrheiten abhängen. Städtebauliche Grundsatzfragen gehen jeden Bürger an und interessieren auch jeden Bürger, das sah man nicht zuletzt an der Flut von Leserbriefen Deshalb appellieren wir an die Politik und die im Rat vertretenen Parteien, zusammen zu arbeiten und die Frage mit dem notwendigen Weitblick anzugehen. Sehr viele, auch mittlere Städte haben bereits für sich eine Hochhauskonzeption aufgestellt: Karlsruhe, Düsseldorf, Nürnberg, Innsbruck, Bern natürlich auch die Großen wie Köln, München, Wien, Paris London. Von all denen können wir in Bezug auf Inhalt, Umfang und den politischen Prozess lernen. Eine sorgfältige Analyse der Bebauungsstruktur, Nutzungsverteilung, Lage der Denkmäler und Sichtachsen und Blickbezügen innerhalb der Stadt ist dafür notwendig. Ob ein Hochhauskonzept für die Stadt nun negativ (Tabuzonen), positiv (Suchräume) oder lagedifferenziert (Quartiershöhen, Modulation einer Stadttopographie, „Höhenkonzept“) formuliert wird und welche Forderungen im Einzelnen grundsätzlich an jede Hochhausplanung in der Stadt zu stellen sind (verbindliche Checkliste) sollte erst nach eingehender externer städtebauliche Beratung entschieden werden.
Beratungsverlauf (1)
Orte (3)
- Bremer Straße 54
- Steinfurter Straße
- Albersloher Weg
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- A-R/0039/2007
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 17.10.2007
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37