V/0182/2014
Zweiter Erfahrungsbericht zum städtischen Belegungsmanagement
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
Berichtsvorlage
10125 Zeichen
V/0182/2014
DER OBERBÜRGERMEISTER
Amt für Wohnungswesen
Betrifft
Zweiter Erfahrungsbericht zum städtischen Belegungsmanagement
Beratungsfolge
11.03.2014 Kommission zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen Bericht
12.03.2014 Integrationsrat Bericht
18.03.2014 Ausschuss für Gleichstellung Bericht
26.03.2014 Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeitsförderung Bericht
31.03.2014 Kommunale Seniorenvertretung Bericht
Bericht:
Vorbemerkungen
Mit der öffentlichen Berichtsvorlage V/0363/2010 wurde das Konzept zur Anpassung des
städtischen Belegungsmanagements vorgestellt, mit dem besonders benachteilig te
Haushalte bei ihrer Wohnungssuche unterstützt werden. Zur Umsetzung dieses Konzep-
tes richtete die Verwaltung zum Stellenplan 2012 eine Vollzeitstelle ein . Sie wurde im
August 2012 zunächst befristet für zwei Jahre mit einem Sozialarbeiter besetzt. F ür die-
sen Zeitraum sollte die Effiktivität und Effizienz der Stelle beurteilt werden.
Die Verwaltung berichtete im Herbst vergangenen Jahres über die Erfahrungen mit dem
neuen Konzept und den Wirkungen des Belegungsmanagements (Vorlage V/0649/2013).
Anknüpfend an diesen ersten Erfahrungsbericht so ll mit dieser Berichtsvorlage die wei-
tere Entwicklung des Konzeptes Belegungsmanagement dargestellt werden.
Konzeptionelles Aufgabenspektrum des Belegungsmanagements
Ziel des Belegungsmanagements ist es, Haus halte mit besonderen persönlichen Pro b-
lemlagen, denen der Zugang zu angemessenem Wohnraum erschwert bzw. völlig ve r-
wehrt ist, individuell bei der Wohnungssuche zu unterstützen und dauerhaft mit ang e-
messenem Wohnraum zu versorgen. Zu der Zielgruppe gehören insbesondere kinderrei-
che Familien, Schwangere, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen, ältere Me n-
schen und Menschen ohne festen Wohnsitz.
Vorlagen-Nr.:
V/0182/2014
Auskunft erteilt:
Frau Klitz
Ruf:
492-6483
E-Mail:
Datum:
20.02.2014
Öffentliche Berichtsvorlage
2
V/0182/2014
Diese Personengruppen werden entweder vom Amt für Wohnungswesen direkt oder
über andere Ämter, Institutionen un d Kooperationspartner über das Unterstützungsange-
bot Belegungsmanagement informiert oder kontaktiert.
In enger und zielorientierter Zusammenarbeit mit den Wohnungsgesellschaften und pr i-
vaten Vermietern wird in jedem Einzelfall nach einer geeigneten und a ngemessenen
Wohnraumversorgung für die betroffenen Haushalte gesucht, eine passgenaue Vermie-
tung angestrebt und organisiert. Aspekte wie gesicherte Mietzahlung und positives Mi e-
terverhalten, z. B. das Integrieren in die bereits vorhandene Mieterschaft sin d dabei von
fundamentaler Bedeutung.
Bilanz des Belegungsmanagements
Seit der Einführung des Unterstützungsangebotes im August 2012 haben bis zum
15.02.2014 insgesamt 281 Haushalte Kontakt zu dem verantwortlichen Sozialarbeiter
gehabt.
17 Haushalte werden nicht mehr betreut, da sie entweder verzogen sind, teilweise in e i-
nen gemeinsamen Haushalt zurückgekehrt sind oder anderweitige Unterbringungsmög-
lichkeiten gefunden haben . Bei 6 Haushalten wurde festgestellt, dass sie nicht dringend
mit Wohnraum zu vers orgen sind, sondern lediglich die Verbesse rung der persönlichen
Wohnsituation und nicht die objektiv notwendige Wohnraumversorgung im Vordergrund
stand.
3
V/0182/2014
Von den verbleibenden 264 Haushalten, die durch das Belegungsmanagement betreut
werden bzw. wurden, sind seit August 2012 i nsgesamt 98 Haushalte in eine ihren jewe i-
ligen Bedürfnissen entsprechende Wohnung gezogen:
Anzahl der vermittelten Haushalte nach Größe*
1 Pers. HH 2.Pers.HH 3. Pers. HH 4. Pers.HH 5. Pers.HH 6.Pers.HH
und mehr
Gesamt
42 28 10 10 8 0 98
(*Stand 15.02.2014)
Insgesamt konnten 216 Menschen (davon 70 Frauen, 63 Männer und 83 Kinder) in pa s-
sende Wohnungen vermittelt werden.
Darunter haben 39 Menschen mit Behinderungen (18 Männer, 12 Frauen und 9 Kinder)
eine jeweils ihren Bedürfnissen entsprechenden Wohnung bezogen.
Die Zielgruppen der versorgten Haushalte stellen sich wie folgt dar:
Alleinerziehende Frauen aus dem Frauenhaus: 17
Alleinerziehende: 13
Einzelpersonen ohne festen Wohnsitz (OfW) mit Beschäftigung: 11
Andere Einzelpersonen: 19
Rollstuhlfahrer: 10
Familien: 17
Ältere Personen: 11
Durch besondere Ansprache und Verhandlungen mit Wohnungsunternehmen sowie pr i-
vaten Vermietern hat der verantwortliche Sozialarbeiter 28 geeignete Wohnungen (30 %
aller vermittelten Wohnungen) trotz der angespannten Wohnungssituation und dem d a-
mit verbundenen großen Konkurrenzkampf auf dem Münsteraner Wohnungsmarkt ohne
Belegungsrecht der Stadt Münster akquiriert.
Beispiele aus der Praxis
Anhand der folgenden Fallbeispiele soll einerseits die Komplexität der Aufgabenstellung,
andererseits aber auch die Möglichkeiten des Belegungsmanagements verdeutlicht we r-
den. Den Vermittlungen gingen jeweils Gespräch e zur Bedarfsklärung und Wohnungsbe-
sichtigungen der Wohnungssuchenden in Begleitung des Belegungsmanagements v o-
raus. Ebenso fanden Abstimmungsgespräche mit den Vermietern und den Kostenträgern
statt.
4
V/0182/2014
Fall 1 : „Ringtausch“
Die mittlerweile alleinstehend e 60-jährige Frau A. lebte in einer 94 m² großen, rollstuh l-
geeigneten 4 -Zimmer-Wohnung mit Garten und erhielt bereits die 2. Aufforderung des
Jobcenters, eine kleinere Wohnung zu angemessenen Kosten anzumi eten. Dieses ist ihr
in den letzten beiden Jahren a us eigenen Bemühungen nicht gelungen. Der Sozialarbe i-
ter verhandelte mit der Wohnungsgesellschaft mit dem Ergebnis, dass Frau A. kurzfristig
eine kleine frei finanzierte Wohnung, die den A ngemessenheitskriterien im Rahmen der
Übernahme der Unterkunftskost en des nunmehr zuständigen Sozialamts entsprach, b e-
ziehen konnte.
Die frei gewordene, große, barrierefreie 4 -Zimmer-Wohnung mit Garten konnte erfol g-
reich an die Familie B. mit 3 Kindern, davon ein behindertes, zeitweise auf einen Rol l-
stuhl a ngewiesenes 8 -jähriges Kind, vermittelt werden, die dringend und schon lange
eine Wohnung mit Unterstützung der Lebenshilfe sucht e. Neben der Barrierefreiheit in-
nerhalb der Wohnung ist es für das Kind wichtig, sich in einem abgeschlossenen Garten
aufhalten zu können, denn das Kind ist aufgrund seiner Behinderung orientierungslos .
Deshalb kommt es auf öffentlichen Spielplätzen ohne intensive Betreuung nicht zurecht .
In der Verga ngenheit hat es sich schon mehrfach unbemerkt vom Spielplatz entfernt,
einmal musste es bereits mit polizeilichem Aufgebot gesucht werden.
Dieser Umzug ermöglichte wiederum den Einzug einer weiteren Familie C. mit 3 Kindern,
eines davon mit dem Pflegebedarf der Pflegestufe III, in die frei gewordene Wohnung der
Familie B. Die Familie C. wohnte bislang in einer 3-Zimmerwohnung in der 2. Etage ohne
Aufzug. Das pflegebedürftige Kind ist auf einen Rollstuhl angewiesen und muss 24 Stu n-
den beobachtet werden. Die Krankenkasse hatte bereits die Übernahme der Kosten für
die Betreuung des Kindes durch e ine Nachtschwester genehmigt. Sie konnte jedoch
aufgrund der bisher beengten Wohnverhältnisse nicht eingesetzt werden. Die Eltern w a-
ren rund um die Uhr mit der Betreuung des Kindes beschäftigt und dementspr echend an
der Grenze ihrer Belastbarkeit. Die bar rierefreie Wohnung, in der die Familie B. zuvor
gelebt hat, verfügt über 4 Zimmer. Damit ist es nun möglich, ein großes Zimmer für den
pflegebedürftigen Sohn einzurichten, in dem die benötigten medizinischen Geräte aufg e-
stellt werden können und auch der vo rgeschriebene Ruheplatz für die Nachtschwester
eingerichtet werden kann.
Fall 2: Kostenersparnis
Anfang Dezember 2013 wandte sich der Kommunale Sozialdienst (KSD) an das Bel e-
gungsmanagement mit der Bitte, eine junge Mutter, die mit ihrem Sohn in einer Mutter -
Kind-Einrichtung unte rgebracht war, mit angemessenem Wohnraum zu versorgen. Die
junge Mutter suchte gemeinsam mit dem Vater des Kindes schon seit längerer Zeit ohne
Erfolg eine Wohnung. Die von der Stadt Münster übernommenen Kosten für di e Unter-
bringung von Mutter und Kind beliefen sich auf 9.075,60 € im Monat. Mit Unterstützung
des Belegungsmanagements konnte die Familie zum 01.02.2014 mit angemessenem
Wohnraum bei einer monatlichen Warmmiete von 590 € versorgt werden.
5
V/0182/2014
Fazit und Ausblick
Es hat sich bestätigt, dass das Belegungsmanagement eine zentrale Rolle als Koordini e-
rungsstelle bei der Wohnraumversorgung von Haushalten mit Marktzugangsschwieri g-
keiten einnimmt. Eine gezielte nachhaltige und auf den Einzelfall abgestimmte Unterstü t-
zung ist nur möglich, wenn es eine verantwortliche Stelle gibt, die
- die persönlichen Ausgangssituationen der Wohnungssuchenden im Einzelfall anal y-
siert,
- benötigte Hilfen vermittelt und erforderliche Maßnahmen eng begleitet,
- den Wohnungsmarkt sorgfältig beobachtet und
- sich als Ansprechpartnerin für die Wohnungswirtschaft, die städtischen Ämtern sowie
für die sozialen Einrichtungen und Trägern etabliert hat.
Die vertrauensvollen Kooperationen mit der Wohnberatung/ Hilfen zum Umzug sowie mit
der Wohnungswirtschaft und den privaten Vermietern wirken sich positiv auf die Akquise
von Wohnraum aus.
Die Zusammenarbeit mit dem Sozialamt und dem Jobcenter wird dahingehend intens i-
viert, dass bereits erprobte präventive Maßnahmen zur Vermeidung von Wohnungsno t-
fällen weiter optimiert werden und durch regelmäßigen gemeinsamen Austausch ein
möglichst breites Spektrum an Hilfsmaßnahmen genutzt wird.
Die Fortführung und Weiterentwicklung des Belegungsmanagements ist mit Blick auf die
Wohnungsmarktlage ( Anzahl der ausgestellten Woh nberechtigungsscheine steigt bei
gleichzeitiger Verringerung der öffentlich geförderten Wohnungen mit Bel egungsrecht)
sowie verstärkt um Hilfe suchenden Haushalten mit akutem Handlungsbedarf unabdin g-
bar.
I. V.
gez.
Thomas Paal
Stadtrat
Beratungsverlauf (5)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Vorlagen-Nr.
- V/0182/2014
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 21.02.2014
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37