0891/2022
Schenkung von zwei unbetitelten Aquarellen von Sigmar Polke durch Dr. Alfred M. Fischer an das Museum Ludwig
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Beschlussvorlage Rat
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/4511 Vorlagen-Nummer 0891/2022 Freigabedatum 16.05.2022 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Schenkung von zwei unbetitelten Aquarellen von Sigmar Polke durch Dr. Alfred M. Fischer an das Museum Ludwig Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschluss: Der Rat nimmt die Schenkung der Aquarelle von Sigmar Polke an das Museum Ludwig an. Ausschuss Kunst und Kultur 31.05.2022 Rat 20.06.2022 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Ja, investiv Investitionsauszahlungen 5.600 € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € c) bilanzielle Abschreibungen € Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Erträge € b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten € Einsparungen: ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € Beginn, Dauer Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung Sigmar Polke 1941 in Oels, Polen 2010 in Köln [Querformat] Ohne Titel, 1982 Mischtechnik auf weißem Papier 70 x 99 cm bez. u.r.: 82 S. Polke; für den Fischer Versicherungssumme: 80.000 Euro Schenkungsdatum: ca. 1996/97 [Hochformat] Ohne Titel, um 1982 Mischtechnik (u.a. Goldfarbe) auf weißem Papier 100 x 70 cm bez. u.m.l.: S. Polke; für die liebe Frau Fischer Versicherungssumme: 50.000 Euro 3 Schenkungsdatum: ca. 1996/97 Die Zeit um 1980 wird in Sigmar Polkes Leben und Werk häufig als Zäsur beschrieben. Von den tur- bulenten Zeiten in Willich und in Zürich, in denen Polke immer von Freund*innen, Künstler*innen um- geben war, mit denen er lebte und arbeitete, zog er sich 1978 zurück und zog nach Köln. Im Frühjahr 1980 ging er mit seiner damaligen Partnerin Britta Zöllner für ein Jahr auf eine Reise u.a. durch Indo- nesien, Papua Neuguinea, Australien und Indien. Er kam mit einem großen Interesse am Malmaterial und mit einer Vorliebe für Experimente mit unterschiedlichsten Pigmenten, Malgründen und chemi- schen Prozessen zurück. Seine sogenannten „Farbproben“, die er vor allem ab 1982 bis 1986 ver- folgte, zeugen von seiner Lust am Zufall und Experiment. Es sind kleinformatige abstrakte Gemälde in den Formaten 40 x 30 cm und 100 x 70 Zentimeter auf verschiedenen Stoffen, mit denen er unter- schiedliche Verfahren ausprobierte. Sie wurden zur Grundlage seiner großformatigen abstrakten und halbabstrakten Gemälde, wie zum Beispiel seine Werke im deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig 1986. Die beiden großformatigen Aquarelle stammen aus der gleichen Zeit wie die Farbproben und fallen durch ihre malerische Qualität auf. Im hochformatigen Aquarell verwendete er unter anderem violettes Pigment, Goldbronze und Lack, das er auch in den drei Werken aus der Reihe Kleines Violett, Nega- tivwert von 1982 (Koloss), (Gespenst) und (Komet) einsetzte. Er ließ etwa die Hälfte des weißen Pa- piers stehen und trug die Farben in abstrakten Flächen und Linien so auf, dass ihre Schichten er- kennbar bleiben und auf diese Weise den Malprozess sichtbar machen. Auch das querformatige Aquarell ist durch dieses Verfahren gekennzeichnet. Zugleich ist aus der Mitte nach rechts verrückt ein (Bundes-)Adler in schwarzer Farbe und davor ein weißer Vogel (Taube?) zu erkennen. Das Motiv deutet darauf hin, dass sich Polke mit seinen Farbexperimenten und großen, häufig abstrakten Ge- mälden nicht aus den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen seiner Zeit zurückzog. Vielmehr griff er zeitgeschichtliche Themen auch motivisch weiterhin auf, was zum Beispiel auch Werke wie Lager von 1982 und Entartete Kunst von 1983 deutlich machen. Die beiden Aquarelle bilden eine substantielle Erweiterung der Sammlung. Bislang besitzt das Muse- um Ludwig vier Gemälde und Polkes Editionen. Alle Werke stammen aus Schenkungen (Freunde des WRM/ML, Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig, Irene Ludwig sowie Anna Friebe- Reininghaus und Ulrich Reininghaus). Das Besondere der Aquarelle ist, dass sie die malerische Seite Polkes betonen, während die Werke aus der Sammlung bislang eher Polkes Reflexion der techni- schen Reproduktion im Verhältnis zur Malerei vermitteln. Sigmar Polke wurde in den 1960er Jahren durch seine Rasterbilder bekannt. Er übertrug Fotorepro- duktionen aus Zeitungen auf Gemälde, indem er die Rasterpunkte unter Zuhilfenahme eines Epi- skops von Hand auf die Leinwand malte. Dabei experimentierte er mit Fehlern, die sich aus dem Pro- zess ergeben konnten, wenn er zum Beispiel den Moiré-Effekt, der bei falsch übereinandergelegten farbigen Rastern im Druckbild entsteht, bewusst einsetzte. Das Gemälde Kopf von 1966 aus der Sammlung ist von diesem optischen Effekt bestimmt. Ein Beispiel für seine sogenannten Schüttbilder ist Ohne Titel von 1986, das auf der Ebene des Bildgrunds ironisch auf die Malerei selbst verweist, da er statt der üblichen Leinwand schwarzes Tweed- und synthetisches Persianergewebe verwendete, die das Werk objekthaft erscheinen lassen. Das alltägliche synthetische Textil und der wollene Natur- stoff teilen das Bild horizontal annähernd in der Mitte. Polke schüttete darüber weiße Farbe in einer Wellenform aus und ergänzte sie durch zwei Punkte und ein Dreieck, was der abstrakten Form die Anmutung eines Gesichts verleiht. In seiner Arbeit Ruine von 1994 kombinierte er das Rasterverfah- ren mit dem ausgeschütteten Malmaterial auf einem transparenten Polyestergewebe. Das mit Harz getränkte Kunststoffgewebe, das in Ruine zum Einsatz kam, verwendete Polke auch für seine soge- nannten Transparentbilder, zu denen Fensterfront von 1994 gehört. Es zeigt in stilisierter Form zwei- mal den identischen Ausblick durch ein Sprossenfenster in eine Landschaft mit Palme – ein Selbstbe- zug auf die Gattung Malerei, die in ihrer Geschichte als Fenster zur Welt vorgestellt wurde. Die vier Arbeiten bilden zwar ein breites Spektrum von Polkes Werk ab. Es fehlten jedoch bislang jene, die den Schwerpunkt auf das Malerische setzen. Dieser Aspekt wird nun durch die beiden Aquarelle ein- geholt. Dr. Alfred M. Fischer war langjähriger Leiter der Graphischen Sammlung im Museum Ludwig. Dem Haus fühlt er sich vor allem über seine Nachfolgerin Dr. Julia Friedrich verbunden. Ihr Weggang gab den Impuls, seinen langgehegten Plan, die Aquarelle in die Sammlung zu geben, endlich umzuset- zen. 4 Es fallen noch Folgekosten für den Transport (rd. 1.600,-- EUR) und neue Rahmen (rd. 2000,-- EUR pro Kunstwerk) in Höhe von rd. 5.600,-- EUR an. Die entsprechenden Auszahlungsermächtigungen stehen im Teilfinanzplan 0402 – Museum Ludwig in der Teilplanzeile 9 – Auszahlungen für den Er- werb von beweglichem Anlagevermögen auf der Finanzstelle 4511-0402-0-2000 – Ankaufsetat Mu- seum Ludwig im Haushaltsjahr 2022 zur Verfügung. Die Bildrechte vertritt VG-Bild für den Polke Estate. Leider verfährt der Estate sehr restriktiv mit der Erlaubnis zur Veröffentlichung. Daher wird auf eine Abbildung verzichtet. Die Annahme der Schenkung ist weder an die Ausstellung einer Spendenbescheinigung gebunden noch gibt es Auflagen. Des Weiteren ist die Schenkung frei von Rechten Dritter.
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0891/2022
- Typ
- Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss
- Datum
- 16.05.2022
- Erstellt
- 11.03.2022 11:28