0310/2023
Beantwortung der mündlichen Anfrage von Frau Seiger aus der Sitzung des Gesundheitsausschusses
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Beantwortung einer mündl. Anfrage Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle V/53 Vorlagen-Nummer 23.01.2023 0310/2023 Beantwortung einer mündlichen Anfrage aus einer früheren Sitzung öffentlicher Teil Gremium Datum Gesundheitsausschuss 24.01.2023 Beantwortung der mündlichen Anfrage von Frau Seiger aus der Sitzung des Gesundheitsausschusses vom 22.11.2022 - Thema: Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen aus der Coronapandemie (Bericht von Frau Mauerer-Bonnen) In der Sitzung des Gesundheitsausschusses vom 22.11.2022 stellte Frau Seiger die folgen- den Fragen: Welche Erkenntnisse hat der jugendpsychiatrische Dienst zu den psychischen Folgebelastun- gen, die Kinder und Jugendliche bis heute womöglich weiterhin belasten? Wie haben sich Anzahl und Qualität psychischer Problemlagen bei Kindern und Jugendlichen seit Anfang 2020 verändert – also im Vergleich zur Problematik vor der Coronapandemie? Die Verwaltung verweist auf die Ergebnisse der Copsy-Studie zur “Seelischen Gesundheit der Kölner Kinder und Jugendlichen nach Corona“ und den in diesem Zusammenhang entstande- nen Kurzbericht (siehe Anlage anbei). Insbesondere wurde festgestellt, dass sich 82% der untersuchten Kinder und Jugendlichen im Alter von 7 bis 17 Jahren durch die Pandemie be- lastet erlebten und dass wichtige Parameter seelischer Gesundheit auf eine zunehmende Be- lastung hinwiesen. Insbesondere waren Migrationshintergrund, enger Wohnraum, geringe Bildung im familiären Kontext mit größerer Belastung assoziiert waren. Ferner wurde darge- stellt, dass während der Pandemie für Kinder und Jugendliche die unter geistiger Behinde- rung, autistischen und Suchtmittelstörungen sowie familiärer Gewalt litten, mit großen Versor- gungslücken konfrontiert waren. Gez. Dr. Rau
Seelische Gesundheit der Kölner Kinder und Jugendlichen nach Corona
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Seelische Gesundheit der Kölner Kinder und Jugendlichen nach CoronaEinsichten aus der Arbeit des Kinder- und Jugendpsychiatrischen DienstesKinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes - Beate Mauerer-Bonnen Wer ist und was/wie arbeitet der KJPD im Gesundheitsamt? Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes - Beate Mauerer-Bonnen Der KJPD arbeitet• Im Gesundheitsamt, den Bezirksrathäusern Kalk und Mülheim sowie aufsuchend• Er berät Kinder und Jugendliche mit potentiell kinder- und jugendpsychiatrischen Störungen sowie deren Bezugspersonen•Er detektiert und identifiziert Störungen, klärt über seelische Erkrankungen und deren mögliche Behandlungen auf, tätigt erste Interventionen, vermittelt passende Hilfen, begleitet ggfs. dorthin rsp. organisiert Begleitung• Er regt Vernetzungen von Hilfen an – zwischen Pädagog*innen, Sozialarbeiter*innen, Jugendhilfe, Ärzt*innen, Therapeut*innen, Eltern oder Erzieher*innen Ergebnisse Copsy-Studie – inzwischen 5 BefragungsWellen Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes - Beate Mauerer-Bonnen Befragt wurden 1618 Kinder und Jugendliche 7-17 Jahre • Herbst 2021: 82% fühlten sich durch Pandemie belastet• Steigerung und leichter Rückgang im Verlauf bei• Psychischen Gesundheitsproblemen• Angst und Depressionen• Mediennutzung• Stetige Zunahme, kein Rückgang bei psychosomatischen Beschwerden• Besonders belastet: Migrationshintergrund, enger Wohnraum, Eltern mit niedriger Bildung, psychische Erkrankung • Diese Risikogruppe (n=292) signifikant erhöhtes Risiko für geringe Lebensqualität, psychische Probleme, Depressionen, Angst Was und wer erschien im Blickfeld des KJPD? Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes - Beate Mauerer-Bonnen Zu Beginnder Pandemie: niemand rsp. nur vereinzelte Klient*innenWarum? Es gab keine Melder*innen:• Schulen waren geschlossen, z.T. wenig bis gar keine (Präsenz)-Kontakte zwischen Schüler*innen und • Lehrpersonal • Schulsozialarbeiter*innen• Jugendhilfen• Die Kontaktmöglichkeiten hingen neben dem unterschiedlichen Engagement der Lehrer*innen wesentlich von den digitalen Möglichkeiten der Familien ab (sozioökonomischer Status et alt.)• Die digitalen Kontakte spiegelten nur einen Bruchteil der familiären Realitäten wider Nicht zuletzt waren auch die Mitarbeiter*innen des KJPD im wesentlichen im Corona-Dienst des Gesundheitsamtes eingesetzt! Welche Probleme sehen wir heute –bedingt oder verändert durch die Pandemie? Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes - Beate Mauerer-Bonnen Zunahme von:•Internalen Belastungsreaktionen (Ängste, psychosomatische Beschwerden, Zwänge etc.) - wurden zu Störungen•Suchtverhalten(v.a. Mediensucht) •Schulabsentismus(extrem hohe Dunkelziffer) •Aggressiven Verhaltensweisen (Strg. des Sozialverhaltens)•Cybermobbing– auch mit sexualisierten Inhalten•Lernproblemen, Aufmerksamkeitsstörungen, Teilleistungsstörungen (Normen greifen nicht mehr)•Vermeidungenaller Art (z.B. bei sozialen Phobien, Ängsten) – sowohl der Kinder und Jugendlichen als auch deren Familien Welche Probleme existieren zudem- haben sich durch die Pandemie verstärkt - und werden nicht oder zu wenig gesehen? Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes - Beate Mauerer-Bonnen Massive Versorgungslücken bei Kindern und Jugendlichen mit folgenden Problemen / Störungen:• Geistiger Behinderung /Entwicklungsstörung • Autistischen Störungen• Suchtmittelabusus bei Traumahintergrund, u.a. mit Fluchtgeschichte• Kdr. und Jgdl. mit psychotherapeutischem Interventionsbedarf, für die Psychotherapie nicht erreichbar ist • Gewalt in Familien (, die in Zeiten der Pandemie noch weniger sichtbar wurde) Was sagen Kölner Kinder und Jugendliche selbst? Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes - Beate Mauerer-Bonnen „Break the silence“ - was bewegt mich?Angst vor LiebeSexuelle Orientierung -OutingMissbrauch von Macht der LehrerDruck von jedemDurchgängiger LeistungsdruckUmweltkrise, Gesellschaft, KriegAngst vor der ZukunftStress durch viel Arbeit – wenig FreizeitKann nicht aufhören, mich zu ritzen- will nicht mehr hier sein Habe ich zu oft schlechte Tage?KlimawandelGeldsorgenDass ich nichts im Leben auf die Reihe kriegeMenschen in Kategorien packenMein Freund baut mich aufJa!!! Welche Hilfen gab/gibt es – und … Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes - Beate Mauerer-Bonnen • Reguläres (kassenärztlich organisiertes) Versorgungssystem (Kinder- und Jugendpsychiater*innen, Kinder- und Jugendlichentherapeut*innen, Ambulanzen, Ausbildungsinstitute• Schulpsychologischer Dienst, Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst• Beratungsstellen, Schulsozialarbeiter*innen, Beratungslehrer*innen• Andere Institutionen, Vereine, Verbände • „Aufholen nach Corona“ …woran scheiter(te)n manche? Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes - Beate Mauerer-Bonnen • Viel zu wenige Therapieplätze, insbesondere für bereits erwähnte Gruppen (es wurden weitgehend keine Wartelisten mehr bei PT*innen geführt)• Schwellen der Inanspruchnahmen waren/sind für viele Familien erheblich zu hoch• Ressourcen der Familien reichen häufig nicht aus, um die mit einer Psychotherapie verbundenen Regularien einzuhalten (besonders in der Pandemie-Zeit)• Psychotherapien sind mit ihren Vorgehensweisen häufiger nicht mit den Wirklichkeiten der Familien und ihren sozialen Kontexten kompatibel, sprechen nicht ihre Sprache (nicht nur linguistisch) Was brauchen Kölner Kinder und Jugendliche aus Sicht des KJPD? Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes - Beate Mauerer-Bonnen •Niederschwellige Versorgung • Sozialarbeiter*innen in allen Schulen (keine „Wohlstands“diskriminierung)• Aufsuchende niederschwellige psychiatrisch/-psychotherapeutische Versorgung zusätzlich zur Regelversorgung• Als primäre Krisenintervention• Für Psychoedukation, erste Aufklärung über Störungsbilder• Als „Brücken“-Interventionen, um Schwellenangst zu nehmen, Psychotherapie be“greifbarer“ zu machen• Stärkere Vernetzung von Sozialarbeit, Jugendhilfe und Psychiatrie/Psychotherapie• Offene Sprechstunden an Schulen, in Jugendzentren, an zentralen, leicht zugänglichen OrtenUND: Weitere Bedarfe: Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes - Beate Mauerer-Bonnen • Weitere Enttabuisierung von psychischen/psychiatrischen Problemen/ Auffälligkeiten/Störungen - Aufklärungsangebote über selbige, auch medial• Verstärkung der aufsuchenden Angebote bei Schulabsentismus, Vereinheitlichung und v.a. Beschleunigung des Vorgehens hierbei• Definitiv spezialisierte psychiatrisch/psychotherapeutische Versorgung ambulant und stationär für Kinder und Jugendliche mit geistiger Entwicklungsstörung sowie mit autistischen Störungen• Verbesserung der Möglichkeiten, im kassenärztlichen System Sprach- und ggfs. auch Kulturmittler*innen einzusetzen• Einen gut ausgestatteten Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes !!!! Deutscher Ethikrat – 22.11.2022 Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes - Beate Mauerer-Bonnen Fordert u.a.: „niedrigschwellige und flächendeckende schulpsychologische Angebote sowie psychosoziale Unterstützungsangebote. Einrichtungen, die Diagnostik, Beratungsangebote, Heilbehandlungen und Hilfen zur Teilhabe für Kinder und Jugendliche, aber auch Hilfen für Eltern und Familien bereitstellen, müssen auf eine verlässliche Finanzierung bauen können. Es sollten zeitnah konkrete Pläne vorgelegt werden, wie bestehende Versorgungsdefizite in der ärztlichen und nichtärztlichen Diagnostik und Behandlung für Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen behoben werden können. Informationskampagnen zur psychischen Gesundheit sollen über Beratungs- und sonstige Hilfsangebote aufklären und Zugangsmöglichkeiten zu solchen Angeboten, auch im Freizeitbereich aufzeigen. Die im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich tätigen Personen sind im Hinblick auf die Prävention psychischer Belastungen und Erkrankungen spezifisch zu schulen.“ © Paulo dos Santos Kinder- und jugendpsychiatrischer Dienst im Gesundheitsamt – Beate Mauerer-BonnenBrücken bauen –wir sind für Sie da!Telefon Sekretariat: 0221/ 221- 24705Mail: kjp-dienst@stadt-koeln.de
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0310/2023
- Typ
- Beantwortung e. mündl. Anfrage (Auss.)
- Datum
- 23.01.2023
- Erstellt
- 20.01.2023 13:01