0221/2023
Mitteilung der Verwaltung zur Stellungnahme des LVR zum Ehrenfelder Kugelgasbehälter
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Koeln_Maarweg_Kugelgasbehaelter_Ehrenfeld_2022-03-10_ADR_Auszug_Vorlaeufige_Stellungnahme
52779 Zeichen
LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland
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Stadt Köln - Die Oberbürgermeisterin
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Willy-Brandt-Platz 2
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14.03.2022
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Dipl.-Ing. Rasmus Radach
Tel 02234 9854-330
Fax 0221 8284-3304
rasmus.radach@lvr.de
Köln, Maarweg, Kugelgasbehälter
Vorläufige Gutachterliche Stellungnahme gemäß gem. § 22 (3) Denkmalschutz-
gesetz Nordrhein-Westfalen zum Denkmalwert gemäß § 2 (1) DSchG NRW
Objekt-Nr.: 92392
Ortstermin am 15.12.2021
Der Kugelgasbehälter in Köln-Ehrenfeld ist einschließlich Fundament und
umgebender Freifläche im beschriebenen Umfang ein Baudenkmal gemäß
§2 DSchG NRW. Er ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, für
Städte und Siedlungen und für die Entwicklung der Arbeitsverhältnisse.
Seine Erhaltung und Nutzung liegen aus wissenschaftlichen Gründen – hier:
technikhistorischen und ortsgeschichtlichen Gründen – im öffentlichen
Interesse.
I. Entstehungs- und Baugeschichte
Die Kugelgasbehälter in Köln-Ehrenfeld und in Köln-Mülheim entstanden in den
Jahren 1954-57 zur Erweiterung der Speicherkapazitäten für die kommunale
Gasversorgung, die seit 1930 nicht mehr durch die Eigenproduktion von Stadtgas
aus der 1874 errichteten städtischen Gasanstalt in Ehrenfeld getragen, sondern
durch Ferngaslieferungen aus den Großkokereien der Thyssenschen Gas- und
Wasserwerke (TGW) im Aachener Wurmrevier und der Ruhrgas AG im Steinkohlen-
bezirk des Ruhrgebiets sichergestellt wurde. Das städtische Gaswerk wurde dazu ab
1929 zu einer zentralen Ferngasübernahme- und Verteilerstation umgebaut.
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Die drei vorhandenen Niederdruck-Teleskopgasbehälter dienten fortan zur
Zwischenspeicherung des aus Alsdorf und Essen gelieferten Kokereigases, die dazu
erforderlichen Mess- und Druckregleranlagen wurden im ehemalige Uhrenhaus des
Gaswerks untergebracht. Die nicht mehr benötigten Anlagen zur Gasproduktion
wurden ab 1934 mehrheitlich abgebrochen. Während des zweiten Weltkriegs
brachten Beschädigungen beider Ferngasleitungen die städtische Gasversorgung
Kölns bereits im Oktober 1944 zum Erliegen. Auch die drei Niederdruck-Teleskop-
gasbehälter auf dem Gelände des ehemaligen städtischen Gaswerks in Ehrenfeld
wurden bei den Luftangriffen weitgehend zerstört. Die ersten Jahre nach dem Krieg
standen daher vollständig im Zeichen des Wiederaufbaus. Im Jahr 1947 mit der
Reparatur des stark beschädigten Gasleitungsnetzes begonnen und ein erster
Teleskopgasbehälter neu aufgebaut, so dass die Gasversorgung schrittweise wieder-
aufgenommen werden konnte. 1950 ging nach umfangreichen Instandsetzungs-
arbeiten ein zweiter Behälter in Betrieb, und im folgenden Jahr begannen eine
grundlegende Modernisierung der Hauptübernahme- und Reglerstation im alten
Uhrenhaus.
Nachdem der Gasverbrauch im Jahr 1949 mit gut 60.000.000 Kubikmetern erstmals
wieder knapp das Vorkriegsniveau erreicht hatte, setzte ein gewaltiger Wachstums-
schub ein. Hochrechnungen zur Entwicklung des Gasverbrauchs prognostizierten mit
Blick auf die Entwicklungen im Ausland, den einsetzenden wirtschaftlichen
Aufschwung und dem wachsenden Wohlstand der Bevölkerung eine rasante
Steigerung der Gasabgabe. Da das gut 70 Jahre alte für diese Gasmengen
unzureichend dimensioniert war, entschied sich die Stadt zum konsequente Aufbau
eines neuen Mitteldrucknetzes, um die Versorgungssicherheit der Stadt langfristig zu
sichern. Die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Ferngasversorgern
forderten eine Vorhaltung von Speichervolumen für 60% der höchsten Tagesabgabe.
In Anbetracht der prognostizierten Bedarfssteigerung war absehbar, dass die beiden
wiederhergestellten Niederdruck-Teleskopgasbehälter von jeweils 64.000 Kubik-
metern Fassungsvermögen diese Forderung mittelfristig nicht mehr würden erfüllen
können. Außerdem fehlte der Stadt eine dringend benötigte Speicherreserve, um
auch das neue Mitteldrucknetz bei Unterbrechungen der Hochdruckeinspeisung mit
Gas versorgen zu können.
Ein prototypisches Bauvorhaben in Ehrenfeld
Die Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke der Stadt Köln (GEW) beschlossen daher
im Jahr 1953, den vorhandenen Speicherraum um 100.000 Kubikmeter zu
erweitern. Der Bau eines konventionellen Teleskop- oder Scheibengasbehälters
wurde unter Abwägung technischer, wirtschaftlicher, logistischer und städtebaulicher
Belange überprüft und zugunsten eines zeitgemäßen Hochdruckspeichers in
Kugelform verworfen, der ein weit günstigeres Verhältnis von Raumbedarf und
Speicherkapazität versprach und auch sehr viel besser geeignet erschien, das neu
entstehende Mitteldrucknetz abzusichern. Um das benötigte Fassungsvermögen von
100.000 Kubikmetern Gas zu erreichen, war bei einem vorzusehenden Betriebsdruck
von 5,0 atü ein geometrisches Volumen von 20.000 Kubikmetern erforderlich – eine
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Größenordnung, die bis dahin von keinem Kugelgasbehälter erreicht worden war.
Die größten bereits realisierten Bauwerke dieser Art boten gerade einmal
Speicherraum für knapp 50.000 Kubikmeter komprimiertes Gas.
Eine Arbeitsgemeinschaft der im Behälterbau erfahrenen Stahlbaufirmen August
Könne aus Dortmund und dem Kölner Werk der Pintsch-BAMAG AG nahm am
16. September 1953 den herausfordernden Auftrag an, eine statisch-konstruktive
Lösung für den erstmaligen Bau eines Druckbehälters dieser Dimension zu
entwickeln. Klönne verfügte über langjährige Erfahrungen bei der Herstellung
kugelförmiger Behälter in Nietkonstruktion, die man beim weltweiten Bau von
kugelförmigen Wasserhochbehältern nach eigenem Patent gewonnen und ab den
1930er Jahren zur Errichtung erster genieteter Kugelgasbehälter in Deutschland
weiterentwickelt hatte; die Pintsch-BAMAG hatte ihre unternehmerischen Wurzeln
im Gasanlagenbau und brachte überdies herausragende Kenntnisse auf dem Gebiet
der noch jungen elektrischen Schweißtechnik ein, für die ihr von behördlicher Seite
als erstem Unternehmen Deutschlands die Genehmigung zur elektrischen
Schweißung von Druckbehältern mit dem Schweißnahtgütefaktor 0,9 zuerkannt
worden war.
Die Planung der Arbeitsgemeinschaft sah vor, aus 174 in der Werkstatt
millimetergenau zugeschnittenen und gekümpelten Stahlblechen von 28,5 mm
Dicke eine Kugel von 33,75 Metern Außendurchmesser zu erstellen, deren
Verbindungsnähte elektrisch miteinander verschweißt werden sollten. Die Kugelform
wurde dazu in Meridian- und Breitenkreisschnitte aufgeteilt. Zur Lastableitung der
ca. 950 Tonnen schweren Stahlkonstruktion war ein Tragwerk aus 15 Spreizstützen
vorgesehen, welches unter der Kugel eine Durchgangshöhe von 2 Metern frei ließ.
Die auf einem Ring freistehender Punktfundamente ruhenden, V-förmigen
Stützenpaare sollten unterhalb des Äquators tangential an der Behälterwandung
ansetzen; ihr oberes Ende war hin leicht nach außen geneigt, um die
Dehnungsbewegungen des Behälters zwängungsfrei aufnehmen zu können.
Für den Bau eines solchen Behälters waren grundsätzliche Änderungen der
Berechnung und der Statik erforderlich, da sich die bestehenden Erfahrungen im
Kugelbehälterbau nicht proportional auf die angestrebten Dimensionen übertragen
ließen. Die Überprüfung ihrer Planung übertrugen die Unternehmen daher dem
renommierten Prüfingenieur für Baustatik und Professor für Stahlbau an der TH
Darmstadt, Dr.-Ing. Kurt Klöppel, dessen Lehrstuhl nach dem Zweiten Weltkrieg zu
den führenden deutschen Instituten für Stahlbau zählte und besondere Expertise auf
dem Feld geschweißter Stahlbauten erlangt hatte. Der Bauantrag wurde im März
1954 mangels etablierter Richtlinien auf Basis einer vorläufigen Vereinbarung über
den Bau und Prüfung von ortsfesten Hochdruckgasbehältern erstellt.
Die Standortwahl für den neuen Kugelgasbehälter fiel auf das Gelände der
ehemaligen städtischen Gasanstalt in Ehrenfeld. Das Areal war 1930 zur
Übergabestation der aus dem Aachener Revier kommenden Ferngasleitung
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umgebaut worden, um die vorhandene technische Infrastruktur des Gaswerks –
insbesondere die vorhandenen Niederdruck-Teleskopgasbehälter – fortan als
Zwischenspeicher für das eingehende Ferngas nutzen zu können. Diese
Konfiguration sollte nun grundlegend modernisiert und durch den neuen
Hochdruckspeicher für das Mitteldrucknetz erweitert werden. Das kreisrunde
Wasserbecken des ehemals dritten Teleskopgasbehälters, den man nach seiner
Kriegszerstörung nicht wiederaufgebaut hatte, bot sich nach der Verfüllung als
Baufeld für den neuen Kugelgasbehälter an.
Die Bauausführung in Ehrenfeld
Bis zum Mai 1954 erfolgten die werkseitige Vorfertigung der Bauteile sowie die
Einrichtung der Baustelle, anschließend begann die Montage vor Ort. Die präzise
Ausrichtung der Bleche zur Herstellung einer exakten Kugelform erfolgte mit Hilfe
einer strahlenförmigen Verspannung aus Stahlseilen, die über Zugringe in der
Behältermitte zusammengeschlossen und an einem axial angeordneten Mast
befestigt wurden. Die Ausführung der Schweißarbeiten erfolgte mit einem Außen-
und einem Innengerüst durch 24 speziell geschulte Schweißer, denen ihre
Tagesaufgaben jeweils morgens an einem Modell vorgestellt und erläutert wurden.
Für die bis zu 7.300 Kilogramm schweren Mantelbleche kam ein eigens für den Bau
entwickelter und patentierter Sonderstahl HSB 50 (Hochfester, Schweiß-
unempfindlicher Baustahl) zum Einsatz, und zur Herstellung der insgesamt 1.800
Meter Schweißnähte wurden Spezialelektroden verwendet, die erst in wochenlangen
Versuchen ermittelt werden mussten. Die Schweißnähte selbst wurden in einer
besonderen V-Form angelegt, die das Einsinken der äußeren Naht vermeiden und
dadurch eine dem Ideal angenäherte Kugelform sicherstellen sollte. Sämtliche Nähte
wurden nach der Fertigstellung einer neuartigen, maßgeblich in den USA
entwickelten autogenen Wärmebehandlung unterzogen, um die beim Schweiß-
vorgang entstehenden Eigenspannungen abzubauen und die Schweißnahtgüte zu
verbessern. Eine anschließende Röntgenuntersuchung zur zerstörungsfreien
Schweißnahtprüfung erforderte mehr als 4000 Bilder und wies so gute Mess-
ergebnisse auf, dass den Schweißnähten ein höherer Gütefaktor von 0,9 zuerkannt
werden und der ursprünglich vorgesehene Betriebshöchstdruck nachträglich von 5,0
auf 5,6 atü angehoben werden konnte. In der Konsequenz vergrößerte sich das
projektierte Fassungsvermögen des Gasbehälters von 100.000 Kubikmeter auf
112.000 Kubikmeter – ein unerwarteter, der Erprobung neuer Bautechnik zu
verdankender Zugewinn. Am 4. Januar 1955 wurde das Bauwerk mit einer Luft-
druckprüfung bei 6,2 atü ohne Beanstandungen vom TÜV abgenommen. Nur wenige
Tage später begann die Zuleitung von flüssiger Kohlensäure zur Luftverdrängung
aus dem Behälter, bevor am 24. Januar 1955 die Inbetriebnahme erfolgen konnte.
Damit war die bislang fehlende, dringend benötigte Speicherreserve für das neue
Mitteldrucknetz sichergestellt; in Verbindung mit den beiden Teleskopgasbehältern
stand nun eine Speicherkapazität von mehr als 230.000 Kubikmetern zur Verfügung.
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Zum Abschluss des Bauvorhabens erhielt die Stahlkonstruktion noch einen
Korrosionsschutzanstrich und das Betriebsgelände eine neue Freiraumgestaltung,
die das neue Bauwerk mit einfachen Mitteln in Szene setzte. Der zu Baubeginn bis
auf die Geländeoberkante abgetragene Teil der früheren Nassbehälter-Wassertasse
wurde in Form einer niedrigen Mauer wiederaufgebaut, welche die kreisförmige
Standfläche des Kugelgasbehälters ungefähr halbkreisförmig umschließt und
lediglich von einem schmalen Personenzugang durchbrochen wird. Der als
Stützmauer zum benachbarten Teleskopgasbehälter verbliebene Abschnitt der alten
Tasse wurde unter Anpassung an die neuen Böschungswinkel bis auf die Höhe der
neuen Mauer herabgeführt. Zwischen der neuen Mauer und der Stützwand verblieb
jeweils eine breite Lücke, von denen die südliche als asphaltierte Zufahrt zum
Behälter ausgebildet wurde. Die ringförmige Einfassung erhielt innenseitig eine
Bekleidung aus cremefarbenen keramischen Platten in vertikal angeordneten
Rechteckformaten sowie eine Abdeckung aus Betonelementen, die Außenseite
lediglich einen Verputz. Das umgebende Gelände wurde sanft modelliert und an den
Grundstücksgrenzen durch Alleebäume gefasst. Weite Rasenflächen mit vereinzelten
Bäumen gaben den Blick von den leicht eingetieften Verkehrsflächen auf den neuen
Kugelgasbehälter frei. Unmittelbar neben der Durchfahrt zum Behälter wurde zu
späterem Zeitpunkt1 eine elegante, S-förmig geschwungene Treppe aus Beton
errichtet, die vom Zufahrtsweg auf das erhöhte Plateau der alten Teleskopbehälter
hinauf führt und vermutlich dazu gedacht war, Gästen die spektakuläre neue Anlage
zu präsentieren. Ihre Stufen werden von einem Mittelholm getragen, kragen zu
beiden Seiten frei aus und werden durch leichte Geländer aus Stabstahl begrenzt,
deren zeittypisch V-förmige Füllstäbe auf die Stützenform des Behälters Bezug
nehmen. Die repräsentative Gestaltung der Treppe erinnert an den 1957 für die
Bundesgartenschau errichteten Rheinpark und setzt sich damit deutlich von der rein
funktionalen Ausprägung üblicher Revisionstreppen ab. Über die Urheberschaft
dieser Planung ist bislang nichts bekannt.
Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte: Die Kugelgasbehälter in Köln-Mülheim
Nach der erfolgreichen Realisierung des experimentellen Bauvorhabens in Ehrenfeld
entschloss sich die GEW noch im gleichen Jahr, die Arbeitsgemeinschaft
Klönne/Pintsch-Bamag mit dem Bau von zwei weiteren Behältern gleicher Bauart zu
beauftragen, um auch am Übergabepunkt der Westleitung im rechtsrheinischen
Stadtteil Köln-Mülheim eine Speicherreserve für die dort eingehenden Ferngas-
lieferungen aus dem Ruhrgebiet herzustellen und diese an die zwischenzeitlich
fertiggestellte Mitteldruck-Ringleitung anzuschließen.
Anders als in Ehrenfeld wurde dabei keine bestehende Anlage umgenutzt, sondern
eine ganz neue Übergabestation geschaffen. Auf einem dreieckigen Grundstück an
der Ecke Mülheimer Ring/ Piccoloministraße, östlich der Bahnlinie von Köln nach
1Die genaue Bauzeit der Treppe ist bislang nicht bekannt. Fotos aus dem September 1955 zeigen die
Böschung noch unbebaut, auf einem Luftbild aus dem Mai 1956 ist die Treppe bereits zu sehen.
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Opladen, entstanden ab 1956 nach dem Vorbild des Ehrenfelder Prototyps zwei
identische Hochdruckspeicher von jeweils 112.500 Kubikmetern Fassungsvermögen
sowie drei neue Betriebsgebäude. Das 44 x 13 Meter messende Regler- und
Kompressorenhaus mit Kommandozentrale enthielt Räume zur Unterbringung der
Verdichterstation und der Druckregleranlage sowie eine gläserne Kanzel, die
sämtliche Messeinrichtungen zur Überwachung der Anlage aufnahm. Ein
benachbartes, teilunterkellertes Bauwerk von 40 x 10 Metern Größe diente zur
Unterbringung von Arbeits-, Aufenthalts- und Sozialräumen; hier waren auch eine
Garage für den Bereitschaftswagen und eine Heizungsanlage untergebracht. Hinzu
kam noch eine 10 x 10 Meter messende Stromübernahmestation mit Pförtnerloge
an der Zufahrt zum Gelände. Eine freistehende Filteranlage komplettierte die
Anlage. Das Grundstück wurde durch eine niedrige Umwehrung aus Beton mit
aufstehender Zaunanlage aus vertikalen Stahlgittern eingefasst. Die exakten
Baudaten sind bislang nicht bekannt, doch wurde das Bauvorhaben offenbar im
Herbst 1955 beantragt und bauaufsichtlich geprüft, um im Jahr 1956 fertig gestellt
und in Betrieb genommen zu werden.
Mit der Fertigstellung der neuen Übergabestation Mülheim und dem Anschluss der
beiden Behälter an eine zwischenzeitlich fertiggestellte Mitteldruck-Ringleitung,
welche den Rhein unterhalb der Hohenzollernbrücke querte und die links- und
rechtsrheinischen Versorgungsgebiete miteinander verband, war die Reorganisation
und Modernisierung des städtischen Gasverteilnetzes nach dem zweiten Weltkrieg
abgeschlossen. Im gesamten Stadtgebiet waren nun 6 Übernahmestationen, 10
Mitteldruckstationen und 24 Konsumentenstationen in Betrieb – eine Zahl, die vor
dem Krieg nicht vorstellbar gewesen wäre. Über den Mitteldruckring konnte nun aus
allen drei Hochdruckspeichern Gas in das Versorgungsnetz eingespeist werden;
einschließlich der beiden Niederdruck-Teleskopgasbehälter betrug das
Gesamtspeichervolumen der GEW zum Ende des Jahres 1956 über 420.000
Kubikmeter und gab der Stadt damit eine langfristige Versorgungssicherheit.
Rationalisierungsmaßnahmen
Mit der Umstellung von Kokerei- auf Erdgas Anfang der 1970er Jahre wurden beide
Standorte erstmals grundlegend modernisiert, Mitte der 1990er Jahre erfolgte eine
weitere technische Umrüstung, um den Betrieb fortan per Fernüberwachung von der
zentralen Leitstelle für Strom, Gas und Wasser am Parkgürtel aus steuern zu
können. Dabei wurden – mit Ausnahme der Kugelgasbehälter – alle technischen
Betriebseinrichtungen grundlegend erneuert. Die vorhandene technische
Infrastruktur aus Filteranlagen, Druckregelung und Messtechnik dokumentiert daher
den Stand der Technik einer jüngeren Zeitschicht, tragen aber durchaus zum
Verständnis der Funktionsweise bei. Am Standort Mülheim ist überdies eine Druck-
Reglereinheit von 1970 als frei bewittertes Exponat im Außenraum aufgestellt
worden, die im Größenvergleich mit der modernen Regeltechnik den technischen
Fortschritt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts anschaulich sichtbar macht.
Die drei Kugelgasbehälter selbst sind einschließlich ihrer tragenden
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Stützkonstruktion, ihrer Fundamente, der Armaturen, der Manometer zur Anzeige
des Behälterinnendrucks sowie ihren zweigeteilten, fahrbaren Revisionsleitern
authentisch erhalten.
Am Standort Ehrenfeld wurde das ehemalige Uhrenhaus als Standort der Mess- und
Reglerstation aufgegeben und nahe der Werkszufahrt ein neues, eingeschossiges
Bauwerk errichtet, dass die neuen Regleranlagen aufnahm. Es besitzt keinen
Denkmalwert. Die nicht mehr benötigten technischen Anlagen im Uhrenhaus wurden
zwischenzeitlich entfernt, das Gebäude selbst ist noch vorhanden. Es weist sowohl
historische Bausubstanz (Fenster) als auch nachträgliche Veränderungen
(Fassadenputz) auf und wurde im Rahmen dieser Prüfung nicht auf seinen
potentiellen Denkmalwert hin untersucht.
Der Standort Mülheim erfuhr bei der Umrüstung auch umfängliche bauliche
Veränderungen. Mit dem Übergang zur Fernwartung wurden die Kontroll-
einrichtungen, Arbeits- und Sozialräume der Betriebsgebäude mehrheitlich nicht
mehr benötigt. Heute sind nur noch zwei der ehemals drei Gebäude vorhanden, die
Schalstation mit Pförtnerloge wurde bereits abgebrochen, die Zufahrt unmittelbar
vor das Kompressoren- und Reglergebäude verlegt. Die bauzeitliche Umwehrung
wurde umfänglich erneuert. Der Zeitpunkt dieser Maßnahmen ist bislang nicht
bekannt. Auch die beiden erhaltenen Betriebsgebäude wurden im Zuge der
Modernisierung ihrer technischen Anlagen erheblich umgebaut. Bedauerlicherweise
wurde die zeittypische Architektur der beiden Bauten dabei stark verändert. Die
ehemals filigran profilierten Stahlfenster und -türen wurden gegen moderne, breit
profilierte Verglasungen ausgetauscht, die Drahtverglasungen der Technikräume
durch Isoliergläser ersetzt und die Türen nach neuen Sicherheitsstandards erneuert.
Im Inneren des Kompressoren- und Reglergebäudes wurde der ehemalige
Verdichterraum nachträglich unterteilt und zum Standort einer neuen Heizungs-
anlage mit Technikräumen umgebaut. Im ehemaligen Kontrollraum lässt die
repräsentativ ausgestaltete Treppe noch den ursprünglichen Gestaltungsanspruch
des Bauwerks erahnen, doch ist von der bauzeitlichen Raumausstattung nichts mehr
erhalten. Die hallenartigen Betriebsräume können mit ihren erneuerten Boden-
belägen, der neuen Haustechnik und der modernisierten technischen Ausstattung
keinen bauzeitlichen Raumeindruck mehr vermitteln. Gleiches gilt für das
bescheidener gestaltete Sozialgebäude, in dem nur noch das Foyer mit seinem
offenen Treppenabgang in den Keller von der bauzeitlichen Gestaltung Zeugnis
ablegen kann. Aus Sicht des LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland lässt sich den
beiden erhaltenen Betriebsgebäuden aufgrund dieser Veränderungen heute leider
kein architekturgeschichtlicher Zeugniswert mehr beimessen.
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II. Bewertung
Historische Bedeutung
Die Errichtung des seinerzeit größten geschweißten Kugelgasbehälters der Welt in
Ehrenfeld war ein ebenso aufsehenerregendes wie prototypisches Bauvorhaben, das
in den Medien wie auch in der Fachwelt große Beachtung fand und sich in mehrerlei
Hinsicht als richtungsweisend erwies.
Bedeutung für die Geschichte des Menschen
Die industrielle Erzeugung und Nutzung von Steinkohlengas als Energieträger zählt
zu den bedeutenden technischen Leistungen der Menschheit, ohne die unsere
heutige Zivilisation nicht vorstellbar wäre. Beginnend mit der Verwendung als
Leuchtgas, welches im 19. Jahrhundert die Einführung einer preiswerten und
leistungsfähigen nächtlichen Beleuchtung möglich machte und damit die
Voraussetzungen für das tageslichtunabhängige Leben und Arbeiten schuf, wie wir
es heute kennen, setzte sich Gas Mitte des 20. Jahrhunderts auch als bedeutendster
Energieträger der Wärmeerzeugung durch. Der Verteilung und Speicherung des
Gases fiel dabei von Beginn an eine zentrale Rolle zu. Die Möglichkeiten zum
Transport des Gases bestimmten die Lage der Produktionsstätte und den Kreis der
möglichen Verbraucher; die Speicherung erlaubte es, das Gas durchgehend zu
produzieren und unter Rücksicht auf die tageszeitlichen Verbrauchsschwankungen
bedarfsgerecht an die Nutzer abzugeben. Während das Gas in der ersten Phase der
industriellen Gasversorgung nur in den Städten selbst hergestellt und lediglich über
kurze Distanzen im Stadtgebiet verteilt werden konnte, so führte die Entwicklung
nahtlos hergestellter Rohre kurz vor dem Ersten Weltkrieg zur Entstehung der
Ferngasversorgung, mit der eine neue Ära der kommunalen Gasversorgung anbrach.
Die Möglichkeit, das preiswerte Kokereigas nun mit hohem Druck über weite
Strecken hinweg in die Städte zu transportieren, brachte rasch neue Bauten zur
Zwischenspeicherung hervor, welche das Gas in verdichtetem Zustand aufnehmen
und nach Möglichkeit ohne erneute Druckerhöhung in die städtischen Verteilnetze
abgeben konnten. Als ideale Bauform der oberirdischen Hochdruckspeicherung
erwies sich der Kugelgasbehälter, der Anfang der 1930er Jahren nach
amerikanischem Vorbild in Deutschland Einzug hielt und sich rasch als ebenso
praktikable wie leistungsfähige Speichertechnologie der Ferngasversorgung empfahl.
Nachdem die Hochdruckbehälter bis Anfang der 1950er Jahre noch in tradierter
Nietkonstruktion errichtet wurden, führte der Fortschritt der Schweißtechnik diese
Bauform zur endgültigen Reife. Als technische Pionierleistung im Behälterbau vollzog
der geschweißte Kugelgasbehälters in Köln-Ehrenfeld einen Maßstabssprung in
Bezug auf das Verhältnis von Größe und Fassungsvermögen oberirdischer Anlagen
zur Gasspeicherung, der ihn zum Prototyp einer Serie gleicher Bauten machte und
bundesweite Auswirkungen auf die kommunale Gasspeicherung hatte. Die zu
seinem Bau neu entwickelte statische Berechnungsmethode wurde als Bestandteil
der 1957 veröffentlichten neuen DIN 3396 zur Grundlage für den statischen
Nachweis geschweißter Hochdruckbehälter in Deutschland, deren typologische
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Entwicklung die erfolgreiche Ausbreitung der modernen, flächendeckenden
Ferngasversorgung maßgeblich beförderte und damit den Boden für die Heraus-
bildung der heutigen, grenzüberschreitenden Erdgas-Verteilnetze bereitete. Vor
diesem Hintergrund stellt der Kugelgasbehälter in Köln-Ehrenfeld ein bedeutendes
Zeugnis für die Geschichte des Menschen dar.
Bedeutung für Städte und Siedlungen
Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und der erfolgreichen Bewältigung des
Wiederaufbaus führten der wirtschaftliche Aufschwung der deutschen Industrie wie
auch der zunehmende Wohlstand der Bevölkerung im einsetzenden deutschen
Wirtschaftswunder zu einem rasant steigenden Gasbedarf vieler deutscher Städte,
der auch in Köln alle Erwartungen übertraf: War 1949 mit einem Verbrauch von
60.000 Kubikmetern das Vorkriegsniveau erstmals wieder erreicht worden, hatte
sich die Jahresabgabe 1952 mit 129.000.000 Kubikmeter bereits mehr als
verdoppelt, 1956 mit 184.000.000 Kubikmetern sogar verdreifacht. Aufgrund der
Kohleverknappung wurde Gas nunmehr nicht nur zu Beleuchtungszwecken, sondern
vermehrt auch zum Heizen nachgefragt – insbesondere von den modernen
Neubauten großer Banken und Versicherungen, aber auch von privaten Haushalten,
in denen Gas überdies verstärkt zum Kochen Verwendung fand. Darüber hinaus
nutzten Handwerks- und Industriebetriebe nun bevorzugt Gas als Energiequelle für
ihre Produktion und Wärmeversorgung.
Wie schon beim Bau des Gaswerks in Köln-Ehrenfeld 1874 nach Planungen des
innovativen ersten städtischen Gaswerkdirektors August Hegener, welches über viele
Jahre hinweg als vorbildlicher Musterbetrieb für neue Gasanstaltsbauten in ganz
Deutschland galt, zeigten die Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke der Stadt Köln
auch bei der Neukonzeption der städtischen Gasversorgung nach dem zweiten
Weltkrieg Pioniergeist. Ihre Entscheidung, das unzureichend dimensionierte alte
Niederdrucknetz durch den Aufbau eines neuen, wachstumsorientierten Mitteldruck-
netzes für den steigenden Bedarf aufzurüsten und mit der Errichtung eines
geschweißten Kugelgasbehälters in weltweit neuer Größenordnung die dringend
benötigte Speicherreserve herzustellen, um Störungen im Ferngasbezug ohne
signifikanten Leistungsabfall ausgleichen zu können, war ebenso modern wie
beispielhaft. Gemeinsam mit den beiden wiederaufgebauten Teleskopgasbehältern
des ehemaligen Gaswerks Ehrenfeld erfüllte der neue Hochdruckspeicher die
vertraglichen Verpflichtungen der Stadt Köln gegenüber den Ferngasunternehmen,
ein Speichervolumen von 60% der maximalen Tagesabgabe vorzuhalten, und
eröffnete eine Perspektive für das weitere Wachstum der Stadt. Seine erfolgreiche
Realisierung ermutigte die Verantwortlichen, der Versorgungssicherheit Köln durch
den Bau zweier weiterer Hochdruckspeicher gleicher Bauart im rechtsrheinischen
Stadtteil Mülheim und die Verlegung einer den Rhein querenden Mitteldruck-
Ringleitung abzusichern – eine richtungsweisende Entscheidung, die maßgeblich zur
Steigerung von Lebensstandard und wirtschaftlicher Prosperität der Domstadt in den
1950er und 1960er Jahren beitrug, bevor die weiter steigende Verbrauchsmengen
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und eine bessere Sicherung der Versorgungsleistung durch die Ferngasunternehmen
die Bedeutung der Hochdruckspeicherung allmählich auf die Abdeckung von
Lastspitzen beschränkte und schließlich überflüssig werden ließ. Als bauliches
Zeugnis für die fortschrittliche Neuordnung der städtischen Gasversorgung nach
dem zweiten Weltkrieg ist der Kugelgasbehälter in Ehrenfeld von Bedeutung für die
Stadt Köln.
Bedeutung für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse
Der Aufbau eines Mitteldrucknetzes in Köln beförderte in besonderem Maße die
wirtschaftliche Gasnutzung großer Abnehmer aus Verwaltung, Handwerk und
Industrie, die nun über Direktanschlüsse aus dem neuen Netz versorgt werden
konnten. Zu den ersten Großabnehmern mit eigenem Mitteldruckanschluss zählten
der städtische Schlachthof, das Postscheckamt und die Kölner Niederlassung der
Pintsch Bamag AG in Bayenthal. Das nun in großen Mengen preiswert zu beziehende
Kokereigas verzeichnete in der Nachkriegszeit einen großen Bedeutungszuwachs als
Energiequelle für die Industrie, sowohl für die Beheizung der Arbeitsstätten als auch
für die industrielle Fertigung. Zu bedeutenden Anwendungsbereichen entwickelten
sich vor allem die Erzeugung von Prozesswärme – speziell für thermische Verfahren
mit hohen Anforderungen an präzise einzuhaltende Temperaturvorgaben, wie sie
z.B. für Schmiede- und Glühöfen verlangt wurden – aber auch die chemische
Industrie, die sich neben der städtischen Gasversorgung zu einem großen
internationalen Absatzmarkt für die Herstellung geschweißter Hochdruckbehälter
herausbildete.
Von diesem Markt profitierten gerade jene deutschen Stahlbauunternehmen, die
sich bereits vor dem Krieg auf dem Gebiet des Behälterbaus über die Landesgrenzen
hinaus profiliert hatten und nach ihren Verstrickungen in die Rüstungswirtschaft des
dritten Reiches nun um neue, unbelastete Tätigkeitsfelder des zivilen Stahl- und
Ingenieurbaus bemüht waren, insbesondere die Firma August Klönne aus Dortmund,
das M.A.N. Werk in Mainz-Gustavsburg, die Firma F. A. Neuman aus Eschweiler und
die 1953 zur Aktiengesellschaft umfirmierte Pintsch-Bamag AG mit Niederlassungen
u.a. in Butzbach und Köln. Das prototypische Bauvorhaben des „größten Kugelgas-
behälters der Welt“ war beispielhaft für die Anstrengungen deutscher Industrie-
unternehmen, durch spektakuläre und medienwirksam vermarktete Bauvorhaben
für die Leistungsfähigkeit deutscher Firmen im konstruktiven Ingenieurbau zu
werben und auf dem internationalen Markt mit positiven Schlagzeilen auf sich
aufmerksam zu machen. So zeichneten sich die vier genannten Firmen nicht nur für
nahezu alle Hochdruckbehälter der Nachkriegszeit in Deutschland verantwortlich,
sondern operierten bereits Mitte der 1950er Jahre auch wieder erfolgreich im
weltweiten Ausland. Der Kugelgasbehälter in Ehrenfeld ist daher als Beitrag zur
erfolgreichen Entwicklung der industriellen Gasnutzung wie auch in seiner
Wirkungsmacht für die unternehmerische Selbstvermarktung deutscher Stahlbau-
unternehmen nach dem Krieg ein bedeutendes Zeugnis für die Arbeits- und
Produktionsbedingungen im Rheinland.
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Erhaltungsgründe
Wissenschaftliche Gründe für die Erhaltung und Nutzung
a. Technikgeschichtliche Gründe liegen vor, weil der Kugelgasbehälter in Ehrenfeld
einen Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte des Gasbehälterbaus
dokumentiert, der maßgeblich zur erfolgreichen Verbreitung der im Ruhrgebiet
entstandenen deutschen Ferngasversorgung im gesamten Bundesgebiet beitrug.
Der Bau von Hochdruckspeichern entwickelte sich in engem Zusammenhang mit
der Entstehung der Ferngasversorgung. Aus der Urform des Gasbehälters – einer
geschlossenen zylindrischen Glocke, deren offenes unteres Ende in ein Wasser-
becken eintaucht, entwickelten sich im 19. Jahrhundert zunächst mehrteilige
Teleskop- und Spiralgasbehälter, deren ausziehbare Elemente zur Aufnahme
größere Gasvolumen fernrohr- oder schraubenartig auseinandergeschoben
werden konnten. Eine deutliche konstruktive Vereinfachung brachte 1913 die
Erfindung des Scheibengasbehälters durch die Firma M.A.N., der ohne Wasser-
becken auskam und das Gasvolumen innerhalb einer festen zylindrischen Hülle
mit einer auf- und abgleitenden Scheibe regulierte, die mit einer ölgespeisten
Dichtlippe an die Behälterwand anschloss. Alle diesen Behältertypen speicherten
Gas in seiner natürlichen Ausdehnung bei Umgebungstemperatur, erforderten
dafür viel Platz und kamen angesichts des kontinuierlich steigenden Gasbedarfs
bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts an ihre Leistungsgrenzen.
Als die Entwicklung nahtloser Rohre erlaubte,
Gas unter Druck zu verdichten und in großen
Mengen durch ein geschlossenes Fernleitungs-
netz zu transportieren, stellten sich auch an die
Gasspeicherung ganz neue Anforderungen. Um
das unter hohem Druck eintreffende Ferngas
nicht zur Einspeisung in den Zwischenspeicher
entspannen und bei der Abgabe an ein Mittel-
drucknetz wieder mit einer Druckerhöhungs-
anlage verdichten zu müssen, empfahl sich
eine Speicherung im komprimierten Zustand.
Die Entwicklung des Kugelgasbehälters bot der
Ferngasversorgung den idealen Speichertyp für
diese Anforderungen. Zum einen nutzten er die
physikalische Eigenschaft des Gases, sich unter
Druck verdichten zu lassen, zur signifikanten
Verringerung des Behältervolumens (s. Abb.).
Abb. Aus Zenk, Friedrich: Unsere Gasspeicherung.
In: Unser GEW. Blätter für die Mitarbeiter der G.E.W.
Werke der Stadt Köln. Heft Nr. 4, April 1955, S. 3
Seite 12
Zum anderen kam er ohne bewegliche Teile aus, die durch Witterungseinflüsse,
Störungen oder Verschleiß in ihrer Funktion hätten behindert werden können.
Mit ihrem optimalen Verhältnis von maximalem Volumen zu minimaler Hüllfläche
war die Kugel nicht nur die Idealform eines Druckbehälters, deren Hülle überall
gleichen Belastungen unterliegt, sondern erlaubte auch erhebliche Material- und
Gewichtseinsparungen. Die wasserlose Funktionsweise erlaubte es zudem, auf
eine winterliche Beheizung zu verzichten.
Kugelförmige Behälter entstanden gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahezu
zeitgleich in den Vereinigten Staaten von Amerika wie auch in Europa zur
Speicherung von Trink- und Brauchwasser, bevor sie – in Amerika deutlich früher
als in Europa - als Tanks für flüssige Stoffe der aufkommenden chemischen
Industrie neue Einsatzbereiche eroberten und schließlich als ideale Behälterform
für die Gasspeicherung Anwendung fanden. Maßgeblich für diese Entwicklung
war das amerikanische Unternehmen Chicago Bridge & Iron Company (CB&I),
deren Geschäftsführer George T. Horton die technische Entwicklung des nach
ihm benannten Behältertyps („Hortonsphere“) mit zahlreichen patentierten
Neuerungen vorantrieb, 1923 in Port Arthur/ Texas einen ersten Kugelgas-
behälter aus vernieteten Blechen und 1932 in Shrewsbury/ Missouri für die St.
Louis Gas Company das erste geschweißte Bauwerk dieser Art errichtete.
In Deutschland wurde der Bau kugelförmiger Behälter maßgeblich von der
Stahlbaufirma August Klönne aus Dortmund vorangetrieben. Klönne begann um
1890 mit dem Bau von Wasserbehältern mit halbkugelförmigem Hängeboden,
der aus einer Kooperation mit dem befreundeten deutschen Ingenieur Georg
Barkhausen hervorgegangen war. Eine eigene Weiterentwicklung zum kugel-
förmigen Behälter auf kegelförmigem Stumpf ließ Klönne 1898 patentieren und
über einen Zeitraum von rund dreißig Jahren als Wasserhochbehälter der „Bauart
Klönne“ vertreiben, von dem mehrere hundert Exemplare in Dortmund
vorgefertigt und weltweit aufgestellt wurden. Das Unternehmen war sicherlich in
Kenntnis der von deutschen Ingenieurszeitschriften publizierten amerikanischen
Vorbilder, als sie das große Potential der Kugelform als Hochdruckspeicher für die
aufstrebende Ferngasversorgung erkannte und die eigenen Erfahrungen aus dem
Wasserbehälterbau auf den Gasbehälterbau übertrug. Während in Amerika der
erste geschweißte Kugelgasbehälter entstand, baute die Firma August Klönne
1932 für die Ferngasversorgung der Bodelschwingh’schen Anstalten Bethel in
Bielefeld einen genieteten Hochdruckspeicher mit 4.000 Kubikmetern
geometrischen Volumen, der unter einem Betriebsdruck von 5,0 atü rund 20.000
Kubikmetern Fassungsvermögen aufwies. Das neuartige Bauwerk fand in den
Versorgungsgebieten der Westfälischen Ferngas AG und der Ruhrgas AG eine
ganze Reihe von Nachahmern, von denen sich nur wenige Exemplare als
bedeutende Zeugnisse der frühen technischen Entwicklung im Druckbehälterbau
erhalten haben. Die genieteten Kugelgasbehälter in Bielefeld-Gadderbaum
(1932, Fa. Klönne) und Siegen (1935, Fa. Kölsch) sind die beiden ältesten
erhaltenen Bauwerke ihrer Art in Deutschland, von der im Rheinland keine
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Zeugnisse überliefert sind. Gemeinsam mit der jüngsten noch erhaltenen
Nietkonstruktion dieser Gattung in Schwerte (1947/48, Fa. Klönne), dokumen-
tieren die Bauwerke die erste Entwicklungsphase der kugelförmigen Hochdruck-
behälter in Nordrhein-Westfalen, dem Ursprungsland der deutschen Ferngas-
versorgung. Sie sind allesamt in die Denkmallisten ihrer Städte eingetragen.
Der Durchbruch der elektrischen Schweißtechnik im konstruktiven Ingenieurbau
erfolgte in Deutschland – deutlich später als in Russland und den USA – erst in
den Jahren des Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieg und begründete
eine zweite Phase im Hochdruckbehälterbau, welche die Leistungsfähigkeit der
Baugattung erst vollständig ausreizte. Der zum Zeitpunkt seiner Erbauung
weltweit größte geschweißte Kugelgasbehälter in Köln-Ehrenfeld (1954-55) ist
das älteste erhaltene Zeugnis dieser Bauweise im Rheinland und nach gegen-
wärtigem Kenntnisstand auch in der Bundesrepublik Deutschland.
Das authentisch erhaltene Bauwerk der Arbeitsgemeinschaft August Klönne/
Pintsch-Bamag AG dokumentiert als Prototyp einer neuen Behältergeneration
den Fortschritt des elektrischen Schweißens auf dem europäischen Kontinent und
lässt den Maßstabssprung in Bezug auf das Speichervermögen gegenüber den
erhaltenen Beispielen der frühen Entwicklungsphase anschaulich sichtbar
werden. Er bot dem Ferngasversorgungsnetz einen optimierten Speichertypus,
dessen Leistungsfähigkeit die effiziente Gasversorgung der nach dem Wiedera-
ufbau dynamisch wachsenden deutschen Großstädte für Dekaden sicherte, und
zählte mit seiner aufsehe erregenden Form und Größe zu den öffentlichkeits-
wirksamen Symbolen des technischen Fortschritts in der Zeit des deutschen
Wirtschaftswunders. In beiderlei Hinsicht entwickelte er Vorbildwirkung für
zahlreiche Städte im Rheinland und darüber hinaus, die dem Beispiel Kölns
folgend in den nächsten 15 Jahren ihre kommunalen Gasversorgungsnetze
modernisierten und geschweißte Kugelgasbehälter als zeitgemäße Pufferspeicher
für Ferngas einführten, unter ihnen Solingen (1957), Wuppertal (1958), Neuss
(1960), Aachen (1967) und Bonn (1968).
Obgleich der Ehrenfelder Behälter und seine beiden baugleichen, nur wenig
jüngeren Geschwister im rechtrheinischen Mülheim den Titel der weltgrößten
Kugelgasbehälter bereits 1958 an den neuen Kugelgasbehälter der Wuppertaler
Stadtwerke in Vohwinkel abgeben mussten, fand ihre Bauform im Gegensatz
zum Wuppertaler Großbehälter zahlreiche Wiederholungen im ganzen Bundes-
gebiet, die von den Firmen Klönne und Pintsch-Bamag selbst oder in enger
Anlehnung an das Kölner Vorbild von anderen Unternehmen errichtet wurden, so
z.B. in Kaiserslautern (1959) Freiburg (1964), Konstanz (1964) oder Mannheim
(1965), die allesamt die charakteristischen Tangential-Spreizstützen der Kölner
Behälter zeigen. Unter den noch 21 erhaltenen Hochdruckbehältern der
städtischen Ferngasversorgung in Nordrhein-Westfalen ist der geschweißte
Kugelgasbehälter in Ehrenfeld als prototypisches Schlüsselbauwerk der Nach-
kriegszeit für die Dokumentation, das Verständnis und die weitere Erforschung
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der typologischen Entwicklung im Druckbehälterbau von besonderer
Aussagekraft.
b. Ortsgeschichtliche Gründe liegen vor, weil der Ehrenfelder Kugelgasbehälter mit
seiner Standfläche auf dem Fundament eines ehemaligen, im Krieg zerstörten
Teleskopgasbehälters der ersten städtischen Gasanstalt Ehrenfeld die beinahe
150 Jahre währende Nutzungskontinuität und Bedeutung des Areals für die
Geschichte der Kölner Gasversorgung bezeugt.
Die Standortwahl der GEW für den Bau ihres ersten Kugelgasbehälters war kein
Zufall. Nachdem die Stadt schon im Jahr 1840 – als zweite rheinische Stadt nach
Aachen (1837) dem Vorbild der Großstädte Wien und Berlin folgend – zunächst
einen Gasversorgungsvertrag mit der englischen Imperial Continental Gas-
Association Ltd. abgeschlossen hatte, um eine nächtliche Straßenbeleuchtung
mit Leuchtgas einführen zu können, entschied man sich nach dem Ablauf der
Vertragslaufzeit zum Neubau eines ersten stadteigenen Gaswerkes an der
Widdersdorfer Straße in Ehrenfeld. Als Standort wurde ein Gelände mit direktem
Anschluss an die Bahnstrecke von Köln nach Aachen gewählt, um eine direkte
und wirtschaftliche Versorgung mit Steinkohle gewährleisten zu können. Die
neue Gasanstalt wurde nach einem Konzept des städtischen Gaswerkdirektors
August Hegener unter Berücksichtigung neuester Erkenntnisse geplant und 1876
fertig gestellt. Sie galt über viele Jahre hinweg als Vorbild für moderne
Gasanstaltsbauten in ganz Deutschland und zählte zu den wichtigsten
industriellen Ansiedlungen im Kölner Nordwesten, die mehrfach ausgebaut
wurde und über Jahrzehnte profitabel arbeitete.
Erst die fortschreitende Ausbreitung des Ferngas-Versorgungsnetzes der großen
Steinkohlenzechen im Ruhrgebiet stellte die städtische Stadtgasproduktion in
den 1920er Jahren grundlegend in Frage. Mit dem 1929 getroffenen Beschluss
der Stadt, die Gasversorgung zukünftig über Ferngaslieferungen der
Thyssen’schen Gas und Wasserwerke aus dem Aachener Revier und der Ruhrgas
AG aus dem Ruhrgebiet sicherzustellen, entwickelte sich für die alte Gasanstalt
der Stadt eine neue Perspektive: Um die vorhandene technische Infrastruktur
des Werkes möglichst umfänglich weiter nutzen zu können, wurde die neue
Ferngasleitung aus Alsdorf bis nach Ehrenfeld geführt und die alte Gasanstalt zur
zentralen Übergabe- und Verteilerstation umgebaut. Die drei Teleskop-
Gasbehälter speicherten nun das eingehende Ferngas, und im ehemaligen
Uhrenhaus der Gasanstalt wurden Mess- und Druckregleranlagen eingebaut, mit
denen das Ferngas entspannt und wahlweise in die Speicher oder in das
Niederdruck-Verteilungsnetz eingespeist werden konnte. Zur Bedarfsdeckung
wurde ein Drittel der Gasproduktion zunächst noch durch den Weiterbetrieb der
Ehrenfelder Öfen gedeckt, doch rechnete sich die Eigenproduktion immer
weniger und wurde daher im Oktober 1933 gänzlich eingestellt. Die Bezugs-
mengen aus Alsdorf und dem Ruhrgebiet wurden aufgestockt, und die
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Gasversorgung der Stadt Köln nun ausschließlich mit Ferngas abgedeckt. Beim
1934 begonnen Abbruch der nicht mehr benötigten Produktionsanlagen des
Gaswerks blieben neben den drei Gasbehältern und dem Uhrenhaus auch das
Verwaltungsgebäude am Werkseingang, die Gasreinigung und die Kondensation
erhalten.
Auch nach den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges hielt man aus
wirtschaftlichen, technischen und logistischen Gründen am Ehrenfelder Standort
fest: Der Wiederaufbau der Teleskop-Gasbehälter und der zugehörigen
Infrastruktur waren der schnellste und unaufwändigste Weg, die niederliegende
Gasversorgung der Stadt schnellstmöglich wiederherzustellen. Aus diesem Grund
wurden zwei der ehemals drei Gasbehälter in den Jahren 1949 bis 1952
wiederaufgebaut und die Übergabestation im Uhrenhaus instandgesetzt, bevor
der gewaltige Anstieg des Kölner Gasbedarfs mit Anbruch der 1950er Jahre die
Notwendigkeit zum Aufbau eines Mitteldrucknetzes und zur Erweiterung der
Speicherkapazitäten sichtbar werden ließen. Wie bereits 1930 bei der Einführung
der Ferngasversorgung, so bot sich auch bei der Entscheidung für einen ersten
Hochdruckbehälter 1953 das alte Gaswerksgelände als Standort an: Das Gelände
gehörte der Stadt, hier endete die Ferngasleitung aus Alsdorf, und die
vorhandene Infrastruktur musste zwar modernisiert, aber nicht vollkommen neu
hergestellt werden. Mit dem ehemaligen Wasserbassin des nach Kriegsende nicht
wieder aufgebauten dritten Teleskop-Gasbehälters war ein ausreichend großer
Bauplatz in unmittelbarer Nähe zum bestehenden Leitungsnetz und den beiden
alten Behältern vorhanden. Mit dem Bau des Kugelgasbehälters wurde die
bestehende räumliche, logistische und technische Infrastruktur der GEW so weit
wie möglich genutzt.
Mit seinem Standort belegt der Ehrenfelder Kugelgasbehälter daher überaus
anschaulich die Nutzungskontinuität am historischen Standort des einst
bedeutenden Ehrenfelder Gaswerkes. Die beiden nach dem Krieg
wiederaufgebauten Teleskopgasbehälter wurden bereits vor vielen Jahren
abgebrochen; das alte Behälterfundament aus der Entstehungszeit des Werkes
hält dennoch – akzentuiert durch eine sorgfältig geplante Außenraumgestaltung,
die den neuen Behälter uns seine historische „Grundlage“ wirkungsvoll in Szene
setzt – die Erinnerung an die Entstehungsgeschichte des bedeutenden
Standortes wach, an dem die Geschichte der Kölner Gasversorgung maßgeblich
vorangetrieben wurde.
Darüber hinaus ist es der Kugelgasbehälter, der die fast 150 Jahre währende
Zweckbestimmung des Areals für die Gasversorgung der Stadt Köln trotz aller
Veränderungen auf dem Areal bis heute sichtbar hält und damit den nötigen
Kontext für das Verständnis der noch erhaltenen baulichen Zeugnisse der
ehemaligen Gasanstalt bietet. Hierzu zählen neben dem Verwaltungsgebäude am
Werkseingang, der Gasreinigung und der Kondensation auch die Beamtenwohn-
häuser an der Widdersdorfer Straße und die Arbeiterwohnhäuser an der
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Vitalisstraße, die allesamt bereits unter Denkmalschutz stehen. Nach heutiger
Kenntnis verfügt keine andere Stadt im Rheinland über einen vergleichbaren
Standort, an dem noch bauliche Zeugnisse der stadteigenen Gaserzeugung und
ihrer Ablösung durch die Ferngasversorgung in unmittelbarem räumlichen
Kontext überliefert und geeignet sind, die Geschichte der städtischen
Gasversorgung in ihren wichtigsten Entwicklungsphasen darzustellen.
Der Kugelgasbehälter in Köln-Ehrenfeld ist aus den dargelegten Gründen geeignet,
gleichermaßen als Gegenstand wissenschaftlicher Forschungen wie auch als Beleg
einer wissenschaftlich bedeutenden Entwicklung zu dienen. An seine Erhaltung und
Nutzung kann daher aus technikhistorischen und ortsgeschichtlichen Gründen ein
berechtigtes öffentliches Interesse geltend gemacht werden.
III. Vergleichende Bewertung der beiden Kölner Standorte
Anders als der erste Blick vermuten lässt, sind die Kugelgasbehälter in Köln-
Ehrenfeld und Köln-Mülheim zwar baugleiche Konstruktionen, aber keineswegs
austauschbare Träger einer identischen geschichtlichen Bedeutung, sondern infolge
des unterschiedlichen zeitlichen und räumlichen Kontextes ihrer Entstehung von
dezidiert unterschiedlicher historischer Bedeutung und Aussagekraft. Der Behälter in
Ehrenfeld auf dem Gelände der ersten städtischen Gasanstalt Ehrenfeld war der
Prototyp einer neuen Generation von Gasbehältern, der als erster Hochdruck-
behälter Kölns die dringend benötigte Speicherreserve für das Mitteldrucknetz
bildete und mit seinem Standort die beinahe 150 Jahre währende Nutzungs-
kontinuität und Bedeutung des Areals für die Geschichte der Kölner Gasversorgung
ablesbar hält. Die beiden nachfolgend errichteten Behälter in Mülheim
vervollständigten die bedeutende Neukonzeption des Gasverteilnetzes nach dem
zweiten Weltkrieg und gaben der Stadt langfristige Versorgungssicherheit. Aufgrund
der umfänglichen substanziellen Veränderungen an den Betriebsgebäuden ist Ihnen
kein architekturgeschichtlicher Zeugniswert mehr beizumessen, doch vermag ihre
Anlage das zeittypischen Bauprogramm und Flächenlayout einer modernen Ferngas-
Übernahmestation der Nachkriegszeit aufzuzeigen. Diese Qualität kann die
besondere Zeugniskraft des Behälters in Ehrenfeld allerdings in keiner Weise
relativieren. Die technische Infrastruktur der Behälter (Mess- und Regleranlagen)
entstammt in beiden Anlagen den 1990er Jahren und trägt daher nicht mehr zu
ihrem Denkmalwert bei.
Bauakten und historische Fotos zeigen, dass die drei Kugelgasbehälter nicht aus
einer in zwei Bauabschnitten ausgeführten Planung stammen, sondern in kurz
aufeinander folgenden Bauvorhaben geplant und ausgeführt wurden. Während die
Planung des Ehrenfelder Behälters aus dem März 1954 noch von einem maximalen
Fassungsvermögen von 100.000 Kubikmetern Gas unter einem Betriebsdruck von
5,0 atü ausgeht, enthalten die Bauakten der beiden Mülheimer Behälter aus dem
August 1955 bereits die im Zuge der prototypischen Baumaßnahme in Ehrenfeld
gewonnene Erkenntnis, den Betriebsdruck durch die Entspannung der Schweißnähte
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nachträglich auf 5,6 bar anheben zu dürfen – ein Erfolg, der auch auf dem Bauschild
der Mülheimer Behälter ausgewiesen wurde. Auch die Vorschriften zur statischen
Berechnung, die in Ehrenfeld noch als „Vorläufige Vereinbarung über Bau und
Prüfung von ortsfesten Hochdruckbehältern“ deklariert wurden, waren ein Jahr
später bereits als Entwurfsfassung der neuen DIN 3396 „Oberirdische Hochdruck-
behälter, Richtlinien für Bau, Ausrüstung, Prüfung und Betrieb“ aus dem Januar
1955 Grundlage der Genehmigung, bevor die Norm im September 1957 schließlich
in ihrer endgültigen Fassung veröffentlicht wurde. Vor diesem Hintergrund ist der
Ehrenfelder Kugelgasbehälter als Prototyp zu identifizieren, nach dessen Vorbild ein
Jahr später die Mülheimer Behälter als erste serielle Folgebauten errichtet wurden.
Die Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke der Stadt Köln waren sich der Bedeutung
ihres bemerkenswerten Neubaus in Ehrenfeld zu jeder Zeit vollkommen bewusst:
„Eine Pionierleistung“ nannte Dr.-Ing. Richard Fischer, der damalige Direktor der
GEW, den gerade in Angriff genommenen Bau des „größten Kugelgasbehälters der
Welt“, wie die Tagespresse berichtete. Unmittelbar nach Fertigstellung zierte die
Kugel den Titel der Mitarbeiterzeitschrift „Unser WEG“, der selbstbewusst
verkündete „Dies ist unser neuer Kugelgasbehälter, über den Rundfunk und
Fernsehen, in- und ausländische Illustrierte, Zeitungen und Zeitschriften ausführlich
berichteten. Auf dieses neuartige und vollgelungene Bauwerk können wir alle stolz
sein.“ Ganz folgerichtig würdigte ihn die 1998 zum 125-jährigen Bestehen der Gas-,
Elektrizitäts- und Wasserwerke Köln AG erschienene Festschrift „Mit Energie für
Köln“, in der ein ganzseitiges Foto der Kugel das Kapitel „Der Beitrag zum
Wiederaufbau der Stadt und die Neuorganisation des Unternehmens (1945-1960)
einführt, als „Symbol für den erfolgreichen Wiederaufbau in Köln“. All diesen
Würdigungen ist auch aus der heutigen Perspektive uneingeschränkt zuzustimmen.
Die Stadt Köln hat nach wie vor allen Grund, mit Stolz auf diese bedeutende
Technikleistung der frühen Nachkriegszeit zu blicken und den Kugelgasbehälter im
Zuge der anstehenden städtebaulichen Neuordnung auf dem ehemaligen Areal der
Gasanstalt Ehrenfeld gemeinsam mit den noch erhaltenen Bauten des ehemaligen
städtischen Gaswerks für nachfolgende Generationen zu bewahren.
Im Auftrag
Dipl.-Ing. Architekt Rasmus Radach
Wissenschaftlicher Referent
Seite 18
Quellen- und Literaturhinweise (Auswahl):
Bauert-Keetmann, Ingrid: Dokumentation der Firma Pintsch-Bamag, Festschrift
(Typoskript), um 1956 (Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv Köln, Sign. XIVe
12964)
Blumrath, Fritz: Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke der Stadt Köln. Hrsg. zur 1900
Jahrfeier der Stadt Köln. Darmstadt 1950
Lindemann, Doris: Mit Energie für Köln. 125 Jahre Gas-, Elektrizitäts- und
Wasserwerke Köln AG. Köln, 1998
Ress, Franz Michael: Geschichte der Kokereitechnik, Essen 1957
Rosellen, F.: Die Versorgung der Rheinlande mit Gas, Wasser und elektrischer
Energie unter besonderer Berücksichtigung der Fernversorgung. In: Matschoss,
Conrad (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte der Technik und Industrie. Jahrbuch des
Vereines Deutscher Ingenieure, Band 15, Berlin 1925
Weitzer, Heinz Helmut: Autogenes Entspannen von Schweißnähten. In: Stahlbau
Rundschau, Zeitschrift des österreichischen Stahlbauvereins, 3. Jahrgang, Heft 3,
Wien 1957
Zenk, Friedrich: Unsere Gasspeicherung. In: Unser GEW. Blätter für die Mitarbeiter
der G.E.W. Werke der Stadt Köln. Heft Nr. 4, April 1955, S. 3 sowie Titelblatt mit
Bildunterschrift auf S. 1
Zenk, Friedrich: 58.000 kg Schlamm im Glocken-Gasbehälter. In: Zeitung für
kommunale Wirtschaft, Heft Nr. 62, München 1959
Bauakten der RheinEnergie AG (Auszüge)
Luftbilder des Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland (Verzeichnungseinheit
Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland RW 0230 / Hansa Luftbild AG, Luftbildpläne
1951-1970)
Verwaltungsberichte der Stadt Köln, 1928-1934 und 1948-1959
Presseartikel der Neue Ruhr Zeitung (NRZ) und der Kölnischen Rundschau, 1954-55
Mitteilung Ausschuss
5427 Zeichen
Dezernat, Dienststelle VI/48 Vorlagen-Nummer 19.01.2023 0221/2023 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) 30.01.2023 Ausschuss Kunst und Kultur 31.01.2023 Stadtentwicklungsausschuss 02.02.2023 Bezirksvertretung 3 (Lindenthal) 13.03.2023 Mitteilung der Verwaltung zur Stellungnahme des LVR zum Ehrenfelder Kugelgasbehälter In seiner Sitzung am 05.12.2022 fasst die Bezirksvertretung Ehrenfeld anhand eines Antrags der SPD-Fraktion betreffend „Stellungnahme des LVR zum Ehrenfelder Kugelgasbehälter“ (AN/2171/2022) folgenden Beschluss: Die Bezirksvertretung Köln Ehrenfeld beauftragt die Verwaltung, die Stellungnahme des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) zum Denkmalwert des Ehrenfelder Kugelgasbehälter vom 14. März 2022 unverzüglich der Bezirksvertretung Köln Ehrenfeld sowie nachrichtlich der Bezirksvertretung Lindenthal, den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschuss des Rates der Stadt Köln, ebenso den Mitgliedern des Ausschusses für Kunst und Kultur mit der Bitte, um Kenntnisnahme zuzuleiten. Die Vorlage der vorgenannten Stellungnahme muss vor der weite- ren Entscheidung über die weitere Entwicklung des sogenannten Max-Becker-Areals erfolgen. Da der Stadtkonservator - zumindest dem Vernehmen nach - die Stellungnahme des LVR bisher nicht zum Anlass genommen hat, dem Ehrenfelder Kugelgasbehälter den Satus eines Industriedenkmals zuschreiben, wäre dessen Begründung ebenfalls an die o. a. Gremien wei- ter zu leiten. Hierzu nimmt die Verwaltung wie folgt Stellung: Das Amt für Denkmalschutz und Denkmalpflege leitet wie gewünscht die Stellungnahme des LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland (LVR-ADR) zum Ehrenfelder Kugelgasbehälter vom 14.03.2022 zur Kenntnis an die Bezirksvertretung Ehrenfeld weiter. Die Stellungnahme wurde im fachlichen Abstimmungsverfahren im Rahmen der Denkmalwertprüfung durch das LVR- ADR als Urheber selbst als vorläufig eingestuft und daher in dieser Form als Auszug bereits im März 2022 aufgrund eines berechtigten öffentlichen Interesses dem Eigentümer des Ob- jekts sowie der Bürgervereinigung Ehrenfeld zur Kenntnis zur Verfügung gestellt. Es gilt daher nicht ausschließlich als Dokument der im Anschluss erfolgten internen Verwaltungsabstim- mung. Zwischenzeitlich ist das denkmalrechtliche Verfahren zur Prüfung des Denkmalwertes abge- 2 schlossen. Im Ergebnis steht fest: Ein Denkmalwert und damit die Voraussetzungen für eine Einstufung als Baudenkmal und eine Unterschutzstellung nach dem Nordrhein-westfälischen Denkmalschutzgesetz (DSchG NRW) wird nicht festgestellt. Im Folgenden wird zur Verdeutlichung der gesetzlich vorgeschriebene Verfahrensweg der Entscheidungsfindung nach DSchG NRW §§ 21, 22 und 24 erläutert, der auch in diesem Fall maßgeblich war: Demnach sind die Unteren Denkmalbehörden auf Gemeindeebene für den Vollzug des Ge- setzes zuständig, während die Denkmalfachämter der Landschaftsverbände (lediglich) fach- lich beratend durch Erstellung von Gutachten mitwirken. Die Gutachten haben jedoch keine rechtlich bindende Wirkung. Im Rahmen der Prüfung des Denkmalwertes des oben genannten Objekts fand der gesetzlich vorgeschriebene fachliche Austausch zwischen LVR-ADR und Amt für Denkmalschutz und Denkmalpflege der Stadt Köln (UDB Köln) in umfangreicher Form statt. Dem LVR-ADR kam dabei – wie vorstehend ausgeführt – grundsätzlich die vorgesehene fachlich beratende Funk- tion über das erstellte Gutachten zu und keine abschließende Entscheidungsfunktion. Da in diesem Fall keine fachliche Einigung mit der UDB Köln erzielt werden konnte, bestand für das LVR-ADR die gesetzliche Möglichkeit der Einschaltung der Obersten Denkmalbehörde (für Denkmalschutz zuständiges Ministerium des Landes NRW), um eine Entscheidung auf dieser Ebene herbeizuführen. Von diesem Recht der sogenannten Ministeranrufung hatte das LVR- ADR jedoch keinen fristgemäßen Gebrauch gemacht. Somit lag die Entscheidung bei der UDB Köln. Fazit des Verfahrens: Die Entscheidung der UDB Köln, das oben genannte Objekt nicht unter Denkmalschutz zu stellen, wurde zwar im fachlichen Dissens zum LVR-ADR ge- troffen, ist jedoch rechtlich bindend. Die UDB vertritt die fachliche Auffassung, dass dem Kugelgasbehälter in Köln-Ehrenfeld kein Denkmalwert zugesprochen werden kann, da er seinem technischen Kontext weitestgehend beraubt ist. Es handelt sich um ein alleinstehendes Relikt, dessen Funktion und Nutzung vor Ort nicht nachzuvollziehen ist. Außerdem befinden sich auf Kölner Stadtgebiet zwei weitere absolut baugleiche und zeitgleich errichtete Kugelgasbehälter, die ihre konkrete Nutzung an- hand ihrer Einbettung in das historische Betriebsgelände einschließlich begleitender Betriebs- gebäude seit ihrer Errichtung veranschaulichen. Dieser Anlage in Köln-Mülheim wird Denk- malwert zugesprochen. Aufgrund ihrer Bedeutung für die Kölner Gasversorgung in der Nach- kriegszeit der 1950er Jahre sowie aus technik- und architekturgeschichtlichen Gründen wird die Mülheimer Anlage daher seitens der UDB Köln als Baudenkmal eingestuft, im Gegensatz zum Ehrenfelder Kugelgasbehälter. Eine gleichlautende Mitteilung einschließlich der Stellungnahme des LVR-ADR vom 14.03.2022 geht nachrichtlich auch an die Bezirksvertretung Lindenthal, den Stadtentwick- lungsausschuss des Rates der Stadt Köln sowie an den Ausschuss für Kunst und Kultur. Gez. Greitemann
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0221/2023
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 19.01.2023
- Erstellt
- 16.01.2023 16:30