Mandari Insight

1756/2018

Jahresbericht Beratungsbus B.O.J.E. 2017

Mitteilung Ausschuss 22.06.2018

KI-Zusammenfassung

Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.

KI-Analyse läuft...

vergangen

Was passiert gerade?

  • 📄 Dokumente werden analysiert...
  • 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
  • ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
  • ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...

Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.

Nächste Beratung: Gesundheitsausschuss, Sitzung am 13.09.2018, TOP 6.2

Mitteilung Ausschuss

· application/pdf

Ansehen

2017 Jahresbericht B.O.J.E.

· application/pdf

Ansehen

Mitteilung Ausschuss

1835 Zeichen

Die Oberbürgermeisterin 
Dezernat, Dienststelle 
V/53/530/1 
 
Vorlagen-Nummer 22.06.2018 
 1756/2018 
Mitteilung 
öffentlicher Teil 
Gremium Datum 
Gesundheitsausschuss 13.09.2018 
 
Jahresbericht Beratungsbus B.O.J.E. 2017 
Der Beratungsbus B.O.J.E (Beratung und Orientierung für Jugendliche und junge Erwachsene) ist ein 
niedrigschwelliges Kontakt- und Beratungsangebot für junge Menschen bis zur Vollendung des 27. 
Lebensjahres, die sich im Kölner Bahnhofsumfeld aufhalten. Es wird von AUF Achse KJSH e.V. in 
Kooperation mit dem Gesundheitsamt der Stadt Köln betrieben und vom Amt für Soziales und Senio-
ren der Stadt Köln sowie u.a. vom Verein >>wir helfen<< des Kölner Stadt-Anzeigers unterstützt. Die 
B.O.J.E. ist ein umgebauter ehemaliger Linienbus, der als Anlaufstelle seit 1993 im direkten Lebens-
umfeld der Zielgruppe auf der Rückseite des Hauptbahnhofs, am Breslauer Platz, steht. Der 2014 von 
den Kölner Verkehrsbetrieben zur Verfügung gestellte B.O.J.E.-Bus hat vor der Rückseite des Musi-
cal Domes am Busbahnhof seinen festen Standplatz.  
 
In der Sitzung des Gesundheitsausschusses am 13.09.2018 stellt das Gesundheitsamt die Arbeit im 
Beratungsbus B.O.J.E. (Beratung und Orientierung für Jugendliche und junge Erwachsene) am 
Kölner Hauptbahnhof sowie das BOOT (Individuelles Beratungs- und Begleitungsangebot) vor. Das 
Angebot besteht aus der offenen Beratungssprechstunde im Bus (Dienstag & Donnerstag 11:00 – 
12:30 Uhr) und/oder einer flexibel anpassbaren und optional sehr intensiven Begleitung der jungen 
Klient*innen. Es wurde 2017 sehr gut angenommen. Der Zugang erfolgte meist über B.O.J.E., in 
Einzelfällen auch über Vermittlung durch Dritte, überwiegend jedoch über die Besucherschaft selbst. 
 
Der Jahresbericht 2017 des Beratungsbusses B.O.J.E. ist als Anlage beigefügt. 
 
 
 
Gez. Dr. Rau

2017 Jahresbericht B.O.J.E.

25270 Zeichen

2017
JAHRESBERICHT

B.O.J.E.   JAHRESBERICHT   2017
2 Inhalt
03 Vorwort
04 Das Raumklima regulieren  
06 B.O.J.E. in Zahlen
08 Besuche
10 Politischer Polemischer Wind weht durch die B.O.J.E. 
12 »Kommst Du mit Einen rauchen?«  
14 BOOT – individuelles Beratungs- und Begleitungsangebot
17 Bus an Bus – B.O.J.E. und MMD
18 Neue und bewährte Kooperationen
19 Ausblick
20 Impressum
12
» KOMMST DU 
MIT EINEN 
RAUCHEN? «
19
A
111919 17
BUS AN BUS –
 B.O.J.E. UND MMD
BOO T – INDI VIDUELLE S 
BER ATU NGS - UND 
BE GLEITU NGSANG EB OT

» Vielen Dank liebes B.O.J.E. -Team für die moralische 
Unterstützung und ein warmes und geborgenes Plätzchen 
zu schweren Zeiten – auch ein Dank für die Ärztliche 
Versorgung. Ich kann nur jedem raten, der den Weg in 
eine bessere Zukunft gehen will und nicht weiß, an 
wen er sich wenden soll: Beim 
B.O.J.E .-Team ist immer 
jemand da, der ein offenes Ohr für Euch hat und Ihr 
erhalten immer Hilfe und Rückendeckung.«
[ Zitat auf Facebook vom 27.07.2017: Nachricht einer ehemaligen Besucherin ]
Jahresbericht |2017
> Der Beratungsbus B.O.J.E. ( Beratung und Orientierung für Jugendliche und 
junge Erwachsene) ist ein niedrigschwelliges Kontakt- und Beratungsangebot für 
junge Menschen bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres, die sich im Kölner 
Bahnhofsumfeld aufhalten. Es wird von Auf Achse 
KJSH e. V. in Kooperation 
mit dem Gesundheitsamt der Stadt Köln betrieben und vom Amt für Soziales 
und Senioren der Stadt Köln sowie vom Verein »wir helfen« des Kölner Stadt-
Anzeigers unterstützt.  
–– Die B.O.J.E. ist ein umgebauter ehemaliger Linien-
bus, der als Anlaufstelle seit 1993 im direkten Lebensumfeld der Zielgruppe, 
auf der Rückseite des Hauptbahnhofs, am Breslauer Platz, steht. Der 2014 von 
den Kölner Verkehrsbetrieben zur Verfügung gestellte 
B.O.J.E.-Bus hat vor der 
Rückseite des Musical Domes am Busbahnhof seinen festen Standplatz. X
3

EINZELANGEBOT VS. GRUPPENANGEBOT
> Der Bus schien trotz seiner bescheidenen Maße ( 12,00 × 2,50 Meter ) an 
manchen Tagen zu groß, um überall genügend Aufmerksamkeit schenken zu 
können. Da galt es auf besondere Problem- und Bedürfnislagen individuell ein-
zugehen, hier problematische Verhaltens- und Ausdrucksweisen im Gruppen-
kontext zu regulieren und an anderer Stelle das Aufeinandertreffen all dieser 
Komponenten ausgleichend zu begleiten.
BERATUNGS - UND SPIELEECKE IM VORDEREN BEREICH 
Im vorderen Bereich in der Nähe der Theke hielten sich bevorzugt diejenigen 
auf, die beim Spiel oder im Gespräch den intensiven Kontakt zu Mitarbeter*innen 
suchten. Geistige und psychische Behinderungen charakterisierten ihre Ver-
haltensweisen oder Bewältigungsstrategien. Dabei wurde geduldig auf ihren 
individuellen Beratungsbedarf eingegangen  –  oft Begleitungsprozesse einge-
leitet oder an bereits laufende Prozesse im Rahmen von 
BOOT ( individuelles 
Beratungs- und Begleitungsangebot ) angeknüpft. Häufi g waren damit Telefonate 
im abgegrenzten Fahrerbereich verbunden. 
B.O.J.E.  JAHRESBERICHT   2017
Das Raumklima regulieren  
4
SCHULBUSEFFEKT –  DIE COOLEN UND LAUTEN AUF DER HINTEREN BANK
Im hinteren erhöhten Sitzbereich entsprach die Situation häu fi g dem klassi-
schen Bild eines Schulbusses. In unvorhersehbaren ( zeitlichen) Intervallen nah-
men kleinere überwiegend männliche Gruppierungen den Raum für sich in 
Anspruch. Es gelang ihnen sukzessive in dem von Ihnen besetzten Teil des 
Busses mit einer oft sexualisierten Sprache den Ton anzugeben und zeitweise 
die Stimmung im ganzen Bus zu beein fl ussen. Dabei konfrontierten sie die 
übrigen Anwesenden mit einer Kombination aus eigenwillig defi niertem Humor 
und abwertenden Verhaltens- und Ausdrucksweisen. Oft beinhalteten diese ge-
schlechterstereotype Klischees. Die Dosis des Erträglichen wurde schleichend 
erhöht bzw. im Kontakt mit Einzelnen, ob Mitarbeiter*in oder Besucher*in, 
zielsicher eingesetzt oder überschritten.
JUGENDSPRACHE –  ZWISCHEN AKZEPTANZ UND BEGRENZUNG  
An der Frage, ob die gewählte Sprache Teil der Jugendkultur und damit unauf-
geregt zu akzeptieren sei, schieden sich gelegentlich die Geister. Denn auch 
über Sprache werden Grenzen verletzt. Unter diesem Blickwinkel sahen sich die

Sitzmöglichkeiten AufbewahrungsmöglichkeitenAbstellmöglichkeiten
5
Mitarbeiter*innen gegen Ende des Jahres zunehmend mit der Frage konfron-
tiert wie ein akzeptierendes Angebot auf angemessene und nachhaltige Weise 
Haltung zeigen und Grenzen setzen kann. 
ORIENTIERUNG IN RAUM UND SPRACHE
Mit Blick auf dieses Thema wird deutlich, dass dem Raum eine pädagogische 
Bedeutung zukommt. Neben den Möglichkeiten, dort Beratung zu fi nden, bietet 
er unterschiedliche Möglichkeiten und Grenzen sich zu bewegen, zu verhalten 
oder in Szene zu setzen. 
Innerhalb der Zielgruppe sind Wertschätzung, ein respektvoller Umgang mit-
einander und gegenseitige Akzeptanz nicht selbstverständlich. An dieser Stelle 
sind die Mitarbeiter*innen gefragt. In Abgrenzung von Alltags- und Jugend-
sprache bieten sie auch hier Orientierung im Umgang miteinander. Sich als 
Gegenüber anzubieten, ist für die Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwach-
senen von hoher Wichtigkeit. Dies gilt insbesondere für Menschen, mit denen 
sich außerhalb ihrer Lebenswelt/Subkultur kaum noch jemand auseinander-
setzt, sei es aus Ablehnung oder aus Desinteresse, Resignation oder fehlender 
Zuständigkeit. 
X
AKTIVER AUFENTHALTSBEREICH THEKENBEREICH RUHIGER AUFENTHALTSBEREICH

6B.O.J.E.  JAHRESBERICHT   2017
> Die Öffnungszeiten der B.O.J.E. wurden im vergangenen Jahr konstant bei-
behalten. Täglich nutzten durchschnittlich 20 Besucher*innen das Angebot 
an den 244 Öffnungstagen. An 7 Tagen musste der Bus wegen grober Regel-
verstöße vorzeitig geschlossen werden. Die maximale tägliche Besuchszahl lag 
bei 40 Personen. 
X 
DURCHSCHNITTLICHE
ANZAHL DER
 BESUCHER*INNEN
MAXIMALE ANZAHL  
DER BESUCHER*INNEN  7 TAGE GESCHLOSSEN
BESUCHER*INNEN
 MIT ERSTKONTAKT
28 MINDERJÄHRIGE
BESUCHER*INNEN  
ANHALTEND WENIGE MINDERJÄHRIGE –  HOHE FLUKTUATION
Ein Blick auf die Besuchszahlen im Jahr 2017 zeigt, dass es kaum Veränderun-
gen zu denen im Vorjahr 2016 gab. Der Anteil der minderjährigen Besucher*
innen war mit 42 von insgesamt 343 unterschiedlichen jungen Menschen, ähn-
lich wie im Vorjahr auffallend niedrig. In dieser Gruppe war die Fluktuation am 
höchsten. 28 von ihnen betraten den Bus zum ersten Mal. In der Gesamtbe-
sucher*innengruppe gab es 145 Erstkontakte. 
B.O.J.E. in Zahlen
ÖFFNUNGSTAGE20
40 145
244244
STOP
–PRO–TAG–
ERSTMALIG IM BUS:

7
TROTZ LEICHTEM ANSTIEG –  FRAUENPOWER IN DER UNTERZAHL
Allerdings gab es auf Seiten der weiblichen Besucherinnen sowohl bei den 
Erwachsenen als auch bei den Minderjährigen einen minimalen Anstieg. Insge-
samt kamen 90 weibliche Erwachsene und 211 männliche sowie 30 minder-
jährige Mädchen und 12 minderjährige Jungen. Die gegensätzliche Verteilung 
im Geschlechterverhältnis der beiden Altersgruppen bestätigt sich jedes Jahr 
erneut.
MÄNNLICHE
BESUCHER
WEIBLICHE
BESUCHERINNEN
211 90
MÄDCHEN  
< /one.alt/eight.alt JAHRE
30
JUNGEN  
< /one.alt/eight.alt JAHRE
12
343
BESUCHER*INNEN  
< /one.alt/eight.alt JAHRE
42
BESUCHER*INNEN
INSGESAMT

B.O.J.E.   JAHRESBERICHT   2017
8
SAISON - UND LANGZEITBESUCHE
> Wie jedes Jahr nutzten überwiegend wohnungslose junge Erwachsene das 
Angebot als Anlaufstelle und Treffpunkt. Darunter waren männliche Besu-
cher im Alter von 18 bis 26 Jahren die präsente und dominierende Gruppe. Ab-
gesehen von wenigen Ausnahmen kamen die minderjährigen Besucher*innen 
jeweils nur über einen kurzen Zeitraum. Zu Beginn des Jahres gab es jedoch eine 
Hand voll Mädchen, die das Angebot auch regelmäßig aufsuchten. Sie kannten 
sich meist untereinander und standen in loser oder fester Verbindung mit ein 
paar jungen Erwachsenen. Viele Mädchen zeigten sich eher zurückhaltend in 
der Kontaktaufnahme zu den Mitarbeiter*innen. Insgesamt wurden die Besuche 
von Mädchen im weiteren Verlauf des Jahres immer seltener. Dagegen zeigten 
junge Frauen ab Sommer wieder etwas mehr Präsenz im 
B.O.J.E.-Alltag. 
KLASSISCHE BESUCHER*INNENGRUPPE 
Die Besucher*innen brachten unterschiedliche Hintergründe und Lebensge-
schichten mit. Viele von ihnen, die den Bahnhof immer wieder als zentralen 
Aufenthaltsort wählten, waren von Wohnungs- oder Obdachlosigkeit betroffen. 
Sie verfügten über in der Zielgruppe typisch brüchige Lebensverläufe und 
fehlende Kontakte zum sonstigen Hilfesystem. Zu ihnen gehörten gleich 
mehrere Besucher*innen, bei denen eine Lern- oder geistige Behinderung vor-
lag. Wie die übrige Besucher*innengruppe zeigten sie teilweise psychische 
Auffälligkeiten und bis auf wenige Ausnahmen einen zeitweise mehr oder 
weniger problematischen Alkohol- oder Drogenkonsum.
Den Spritzentausch nutzten unverändert hauptsächlich Menschen über 26 Jahre. 
Das Präventionsangebot Spritzentausch steht Konsument*innen jeden Alters 
offen. Diese Personen nutzen das Angebot im abgetrennten Fahrerbereich. 
Es gab 2017 unter den Tauscher*innen auch wieder ein paar jüngere Heroin-
konsument*innen. Sie nahmen auch den Aufenthaltsraum und die Beratung in 
Anspruch.
Besuche
>26
SPRITZENTAUSCH:  
MEISTENS VON BESUCHER*INNEN  
ÜBER 26 JAHRE

9
IMMER WIEDER NEUER B.O.J.E. -POTPOURRI  
Daneben gab es wiederkehrende kurze Besuche von Punks oder Angehörigen 
alternativer Szenen, wie z.  B. aus dem Hambacher Forst, aber auch aus Frank-
reich, Argentinien, Spanien, Ungarn und anderen Ländern. Für sie stand eine 
kurzfristige, oft medizinische, Versorgung im Vordergrund. Unter den täglichen 
Nutzer*innen gab es auch eine kleine Gruppe junger Männer rumänischer 
Herkunft. Die Kommunikation mit ihnen fand auf deutsch oder englisch statt. 
X
18–26
 A
 B
 C
 D
E
KURZ-BESUCHER*INNEN:  
PUNKS/ALTERNATIVE SZENEN
GRÖSSTE BESUCHER*INNEN GRUPPE:  
MÄNNER VON 18–26 JAHREN
 A  SPANIEN
 B  FRANKREICH
 C  DEUTSCHLAND
 D  UNGARN
 E  RUMÄNIEN
B.O.J.E.-
BESUCHER*INNEN  
AUS DEN LÄNDERN:

10B.O.J.E.   JAHRESBERICHT   2017
Politischer  Polemischer Wind 
weht durch die B.O.J.E. 
>  Die Bundestagswahlen gingen 2017 nicht unbeachtet an den Besucher*
innen vorüber. Besonders empfänglich waren manche für die Inhalte plakativer 
Wahlwerbung. Bereits vor den Wahlen waren die Themen Zuwanderung und 
Migration von den Besucher*innen aufgegriffen und thematisiert worden. 
Viele Ängste des »Zukurzkommens« wurden geäußert. Hierbei wurde Kritik laut 
wegen fehlender Perspektiven auf unkomplizierte Versorgung mit angemes-
senem Wohnraum. Frustrierende Erfahrungen mit bürokratischen Hürden bei 
der Beantragung von Leistungen oder Sanktionen im 
SGB II-Bereich dienten als 
Begründung für die emotionale Steigerung in Hass und Neid. In der B.O.J.E. gab 
es keinerlei tatsächliche Berührungspunkte mit Ge fl üchteten.
Andere Besucher*innen hingegen 
ordneten sich eher dem linken 
politischen Flügel zu und wollten 
dies auch im Bus kenntlich machen .
Alles in allem löste die ausgrenzende 
Wahlwerbung Diskussionen zu ver-
schiedenen Themen aus, blieb in der 
Essenz jedoch oberflächlich und 
ebbte schnell wieder ab.

11

B.O.J.E.  JAHRESBERICHT   2017
12
»Kommst Du mit Einen rauchen?«
> Cannabis war im Alltag der Besucher*innen allgegenwärtig, wurde nicht als 
problematisch eingestuft und bot im besten Fall gleich drei Dinge auf einmal: 
Gemeinschaft, Rausch und Befreiung von Symptomen. Denn der Konsum wurde 
nebenbei nicht selten mit dem Zweck der Regulation von störenden Gefühlen 
und Verhaltensweisen begründet: » … ohne Kiffen geht es nicht länger als vier 
Stunden, sonst bin ich unerträglich, dann kann man mich nicht aushalten.« (A., 17 J.) 
Es verwunderte daher auch nicht, dass einzelne immer wieder den Wunsch oder 
die Hoffnung äußerten »Gras bald auf Rezept« zu erhalten. Insgesamt gab es 
im vergangenen Jahr eine Reihe Besucher*innen, die vor diesem Hintergrund 
kaum motiviert waren ihren Konsum zu reduzieren. Die möglichen Kehrseiten 
eines exzessiven Konsums, wie psychotische Episoden oder paranoide Zustände 
wurden gerne verkannt: »Aber ich habe nix genommen, sogar Weed geraucht, habe 
Angst zu schlafen …«  (L., 19 J.) 
TANZEN ZWISCHEN WUNSCH UND WIRKLICHKEIT
Laut eigener Beschreibung verbrachten manche Besucher*innen die Nächte das 
Jahres 2017 gefühlt überwiegend in der Kölner Clubszene. Diese Verhaftung in 
der Partyszene war fest gekoppelt an den Konsum synthetischer Drogen. Einige 
beschrieben, wie sie beim Feiern und Tanzen stark in eigene Welten abtauchten 
und positive Gefühle nur noch in Kombination mit dem Konsum von Drogen 
erlebten. 
MITTWOCHENENDE
Während der Schulferien veranstalten einige Clubs schon mittwochs Partys 
und verlegten dadurch den Start für Partywochenenden nach vorne. Der 
Begriff des »Mittwochenendes« wurde geprägt. Einigen Besucher*innen, die in 
der Regel keine Schulferien haben, blieb zur Regeneration nun nur noch der 
kurze Wochenanfang. In den Regenerationsphasen wurde auf Drogen wie z. B. 
Cannabis zurückgegriffen, um nach dem Konsum aufputschender Substanzen 
wieder entspannen zu können.

13
hk i
»» IIcchh kkoonnssuummiieerree
jetzt nicht mehr  
am Wochenende.«
F., 19 J.
ZWISCHEN WUNSCH …
Sich als Teil der Partyszene zu emp fi nden und hier positive Begegnungen mit 
anderen Menschen zu erleben, wurde als sinn- und identitätsstiftend erlebt und 
beschrieben. In diesem Kontext wurde es möglich, unabhängig von beru fl ichem 
oder persönlichem Erfolg wahrgenommen zu werden und sich allein über das 
gemeinsame Interesse an Musik und Spaß zu defi nieren oder zu profi lieren. Dies 
schien zu einem starken Sogcharakter der Partyszene zu führen. 
… UND WIRKLICHKEIT
Die Tage hingegen waren bei dieser Gruppe der Besucher*innen geprägt von 
Müdigkeit, Leistungsabfall und teils depressiven Episoden. Sie konnten kaum 
die Kraft aufbringen, sich um wichtige Dinge wie die Beantragung von Leis-
tungen nach SGB II und die damit verbundenen Anforderungen zu kümmern. 
Termine konnten nicht eingehalten werden. Kontakt zum Hilfesystem zu halten 
wurde schon durch die Verschiebung des Tag-Nacht-Rhythmus erschwert. Zwar 
konnten wir oft nur sporadisch unterstützen, doch durch das konstante und 
zuverlässige Angebot 
B.O.J.E. immer wieder Kontakt halten. 
»ICH NEHME JETZT SCHON SEIT DREI WOCHEN NIX MEHR. NUR NOCH GRAS. « 
Aber auch junge Menschen, die sich ein Leben ohne jeglichen Konsum kaum 
vorstellen konnten, formulierten, wenn auch sehr kleinschrittige Ziele zur 
Konsumreduktion. Solche Veränderungen mochten für Außenstehende kaum 
wahrnehmbar sein, bedeuteten aber eine erste Bereitschaft zur Auseinander-
setzung mit dem eigenen Konsumverhalten. Die 
B.O.J.E. diente eben solchen 
Menschen immer wieder als Andockstelle für Gespräche über realistische oder 
phantasievolle Zukunftspläne, in deren Richtung Schritte angeregt oder unter-
stützt werden konnten. Das Ergebnis blieb offen oder erhielt manchmal andere 
Wendungen als zunächst erwartet. Es brachte aber Bewegung ins Leben und 
führte im besten Fall zu (signifi kanten) Veränderungen. 
X
» Früher hatte ich mal ein Alkohol-
problem, aber das hatte mit meiner 
Situation zu tun – jetzt konsumiere 
iicchh nniicchhttss mmeehhrr ... jjaa kkllaarr, kkiiffffeenn ttuuee 
ich manchmal, aber sonst nehme 
ich keine Drogen.«
,
C., 22 J.
Konsumreduktion. ummrem

B.O.J.E.   JAHRESBERICHT   2017
14
BOOT
individuelles Beratungs- und Begleitungsangebot 
V ERMITTLU NGS -
KON TAKT E
> Dank der Fördermittel des Vereins »wir helfen« des Kölner Stadtanzeigers 
konnten wir unserer Zielgruppe über das offene Angebot B.O.J.E. hinaus indi-
viduelle Beratungen und Begleitungen anbieten. Dieser Bedarf an zusätzlicher 
fl exibler Unterstützung ist im Laufe der Jahre verstärkt aufgefallen. Der Ange-
botsname 
BOOT gibt sinnbildhaft und in übertragenem Sinne die passende Ant-
wort auf die beobachteten Bedürfnisse. 
STRANDEN –  ANDOCKEN –  LEINEN LOS  
Motivationsfl auten, unkoordinierte Rudermanöver und Schiffbrüche zeichnen 
den selbstgewählten Kurs der Zielgruppe aus. Eine nachhaltige Stabilisierung 
gelingt eher in Schleifen, wenn die Möglichkeit besteht, immer wieder neu anzu-
docken. Denn in der intensiven Zusammenarbeit erleben die Mitarbeiter*innen 
die Klient*innen häu fi g als ambivalent im Arbeitskontakt. Der Bedarf ist hoch, 
die Motivation dagegen eher impulsiv. Um die Arbeitskontinuität zu halten, ist 
neben einem langen Atem vor allem immer wieder Kontakt nötig. Diesen Kon-
takt ermöglicht das stabile offene Angebot 
B.O.J.E., mit seiner Attraktivität für 
die Klient*innen. Die Kombination beider Angebote erhöht die Erreichbarkeit, 
bewirkt damit die erforderliche Kontinuität in der Arbeit und ermöglicht, dass 
Ziele entwickelt und erreicht werden können. Nach einem Schiffbruch stranden 
die meisten wieder am Bahnhof, fi nden Orientierung und Halt an der 
B.O.J.E. 
und den (Wieder-)Einstieg ins BOOT.  
MIT INS BOOT NEHMEN
Das Angebot besteht aus der offenen Beratungssprechstunde im Bus (Dienstag & 
Donnerstag 11:00 –12:30 Uhr) und / oder einer fl exibel anpassbaren und optional 
s e h r  i n t e n s i v e n  B e g l e i t u n g  d e r  j u n g e n  K l i e n t * i n n e n .  E s  w u r d e  2 0 1 7  s e h r  g u t  
angenommen. Der Zugang erfolgte meist über 
B.O.J.E., in Einzelfällen auch über 
Vermittlung durch Dritte, überwiegend jedoch über die Besucherschaft selbst.

15
LOGBUCH –  BOOT IN ZAHLEN
Insgesamt nutzten im vergangenen Jahr 48 unterschiedliche Personen das indi-
viduelle Beratungs- bzw. Begleitungsangebot.  Davon waren 29 Personen Erst-
nutzer*innen, 19 hatten demnach bereits 2016 das Angebot wahrgenommen. 
Den Großteil machte die Gruppe der 18- bis 25-Jährigen mit 96 Prozent aus. 
Eine Minderjährige fand mit Unterstützung kurzfristig wieder den Weg ins 
Jugendhilfesystem. Etwa ein Fünftel der Fälle suchte in begrenztem Umfang 
Beratung in einzelnen Fragestellungen. Ein Teil dieser konnte kurzfristig in 
spezifi sche Hilfen weitervermittelt werden. Die meisten Besucher*innen benö-
tigten jedoch längerfristige Begleitung und Unterstützung. 
Besonders arbeitsintensiv gestalteten sich die 132 geleisteten Begleitungen 
und 597 Vermittlungskontakte zwischen Klient*innen und anderen Stellen des 
Hilfesystems. 69 Beratungen fanden innerhalb der offenen Sprechstunde statt, 
weitere 318 Beratungsgespräche im Rahmen einzelner Begleitungsprozesse. 
Wichtige (Einstiegs-)Themen in die Beratung waren die Beantragung von Leis-
tungen, Anbindung an psychiatrische Versorgung, Unterstützung bei der Kom-
munikation u. a. mit Ämtern und Gerichten, Schuldenregulierung etc.
Unzählige Kontakte über Handy und Facebook sowie 
B.O.J.E.-Besuche waren 
wichtige Hilfsmittel für die Beziehungsp fl ege und wesentliche Grundlage für 
eine erfolgreiche Unterstützung. >
T EILNEHMEN DE
PERSONE N
» Hallo ich heiße D. (19 J.) ich habe 
ihre Nummer von J. – kannst 
du mir bei einer Sache helfen?«
BERATUNGSGESPRÄCHE BEI 
BEGLEITUNGSPROZESSEN
TETETETEGELEGELEEISTEIST
BEGLEITUNGENT U N

B.O.J.E.   JAHRESBERICHT   2017
16
RAUS AUS DEM BOOT, REIN INS BOOT
Die Dauer der Hilfeprozesse umfasste sehr unterschiedliche Zeiträume von 
bis zu einem Jahr oder mehr. Die Intensität richtete sich nach  der Motivations-
lage bzw. der psychischen Verfassung der Nutzer*innen. 
Eines der wichtigsten Anliegen war die Suche nach Möglichkeiten des eigenstän-
digen Wohnens. Hierbei gab es etliche Vermittlungen ins ( ambulante) betreute 
Wohnen ( BeWo) .  A l l e r d i n g s  g i b t  e s  k a u m  A n b i e t e r ,  d i e  a u c h  W o h n r a u m  z u r  
Verfügung stellen können. Dauerhaft erfolgreiche Vermittlungen sind erheblich 
davon abhängig, wie gut es im Folgeangebot gelingt, eine tragfähige Beziehung 
zu den Betroffenen aufzubauen. Einzelne Nutzer*innen verloren daher den 
neugewonnen Wohnraum innerhalb kurzer Zeit wieder. Der Wechsel aus einer 
seit Jahren aus der Not heraus gep fl egten, unsteten, aber sehr autonomen 
Lebensweise in die eigenen vier Wände gestaltete sich nicht immer leicht. Als 
hochschwellig erlebte Anforderungen im Rahmen der Betreuung waren in einigen 
Fällen der Grund, den langersehnten Wohnraum wieder zu verlassen. Manche 
brauchten einen zweiten oder mehrere Anläufe um dauerhafte Stabilisierung 
zu fi nden.
IM FLUSS BLEIBEN 
Auch in diesen Fällen konnte BOOT im Rahmen der fl exiblen Möglichkeiten die 
Zusammenarbeit wieder aufnehmen. Aus dieser Erfahrung heraus erwies es sich 
als sinnvoll, Übergänge fl ießend zu gestalten. Dort wo die Zielgruppe ihrem Ziel 
näher kam, entfernte sie sich gleichzeitig von Altbekanntem und Vertrautem. 
Dieser Schritt setzte voraus, sich auf etwas Neues einzulassen. Hierbei versuch-
ten wir, die Klient*innen ein Stück weit in die für sie unbekannte Gewässer zu 
begleiten. Der Erfolg hing auch maßgeblich davon ab wie gut sich Kontakt und 
Austausch mit kooperierenden Personen und Einrichtungen des Hilfesystems 
gestalteten. Jede Vermittlungserfahrung erweiterte auch unseren Horizont und 
Erfahrungsschatz für die weitere Arbeit.
 X
BER ATUN G EN
WÄHREND DER 
OFFENEN 
SPRECHSTUNDE
A LTER SG RUPPE:  
18- BI S 25-JA HRE
»  E. hier, ich sollte mich
bei dir melden … «
E. (18 J.)

17
Bus an Bus – B.O.J.E. und MMD
> Auch 2017 wurde die B.O.J.E. durch den Mobilen Medizinischen Dienst ( MMD) 
der Stadt Köln unterstützt. An zwei Tagen in der Woche, Montag und Don-
nerstag von 14:30 –16:30 Uhr kamen ein Arzt und ein Krankenp fl eger zu den 
Öffnungszeiten dazu. In einem zum Behandlungszimmer umgebauten Kleinbus 
konnten so 237 einzelne Behandlungen an insgesamt 98 Patient*innen ( davon 
70 männlich und 28 weiblich ) durchgeführt werden.
HAND IN HAND
Die Kombination aus niedrigschwellig sozialarbeiterischem und medizini-
schem Angebot erwies sich erneut als sehr hilfreich. Der Zugang zu medizi-
nischer Versorgung wurde für unsere Besucher*innen erleichtert. Durch die 
Besonderheit, dass das Team des 
MMDs bereits 2016 durch einen Facharzt für 
Psychiatrie erweitert wurde, konnte gerade Besucher*innen mit psychischen 
Problemlagen schnell und unkompliziert geholfen werden. 
X
Mobiler 
Medizinischer 
Dienst
Montag  + 
Donnerstag  
14:30 Uhr
–––
16:30 Uhr

18B.O.J.E.   JAHRESBERICHT   2017 VERBESSERUNG 
BEI DER LÖSUNG 
INDIVIDUELLER 
PROBLEMLAGEN
> Besonders zu erwähnen war 2017 der Kontakt zum Respekt-Projekt Work4You 
(Don Bosco Club). Eine enge Kooperation ermöglichte es einzelne Personen mit 
besonderen Schwierigkeiten zu stabilisieren und akute Notsituationen zu über-
brücken. Work4You fi el uns durch ein besonderes Verständnis für die Bedürf-
nisse der Zielgruppe auf und reagierte oft sehr fl exibel. Durch das zunächst 
drohende Projektende und damit verbundene personelle Wechsel bzw. Eng-
pässe wurde die Kontinuität in Kontakt und Arbeit beeinträchtigt.
In einigen Fällen kam es zur Zusammenarbeit mit gesetzlichen Betreuer*innen 
und Kontakten zu verschiedenen Betreuungsgerichten. Hierbei unterstützten 
wir bei notwendigen Betreuungswechseln bzw. motivierten einige Klient*innen, 
sich auf die Installationen einer Betreuung einzulassen.
Weiterhin machten wir gute Erfahrungen mit einzelnen BeWo-Anbieter*innen. 
In der Ausweitung unserer Arbeit durch das individuelle Beratungs- und Be-
gleitungsangebot 
BOOT, konnten bestehende Kooperationen intensiviert und 
ausgebaut werden. Dies galt auch für viele andere bereits bewährte Kontakte,  
wie beispielsweise die Brücke e. V., Proberaum ( SPZ Rodenkirchen ), den Reso-
diensten der Stadt Köln sowie mit der Fachstelle Wohnen und anderen Einrich-
tungen der klassischen Wohnungslosenhilfe. 
Die beständige Weiterentwicklung der Vernetzung mit den genannten und an-
deren Einrichtungen führt zu einer Verbesserung bei der Lösung individueller 
Problemlagen unserer Klient*innen. Eine Unterstützung kann zielgerichteter 
und somit individueller erfolgen. 
X
Neue und bewährte Kooperationen

19
> Das letzte Jahr hat gezeigt, B.O.J.E. ist mehr als eine niedrigschwelliges 
Beratungs- und Vermittlungsangebot. Der Raum ist das erste und wichtigste 
Medium in dieser Arbeit. Er schafft einen Ort, an dem sich junge Menschen in 
der Begegnung mit dem ihnen entgegengebrachten Interesse, den vermittelten 
Werten, Regeln und Grenzen orientieren und vergewissern können. Es wird 
eine Herausforderung bleiben allen Anforderungen gerecht zu werden, die 
e ine o ff ene Einri ch tung in di esem Rahm en mi t si ch bringt. Umso m ehr bra u -
chen wir Zeit und Raum um abseits der 
B.O.J.E.-Öffnungszeiten auf individuelle 
Problemlagen einzugehen.
Die Erweiterung des Angebots B.O.J.E. durch die individuelle Beratung und 
Begleitung BOOT hat es ermöglicht wesentliche Verbesserungen für einzelne 
Personen innerhalb einer Zielgruppe zu erreichen, die sich durch besondere 
Haltlosigkeit charakterisiert. Wir schauen zufrieden auf die erreichten Ziele 
zurück und hoffen nun auf eine langfristig gesicherte Finanzierung. Da nur so 
die erforderliche Zuverlässigkeit einer Zielgruppe geboten werden kann, die sich 
aus der Not heraus die Kunst des Treiben-Lassens zu eigengemacht hat. 
X
Köln, April 2018
Ausblick

B.O.J.E.   JAHRESBERICHT   2017
AUF ACHSE Kinder-, Jugend- und soziale Hilfen
Gereonshof 36 • 50670 Köln • Fon: 0221. 914 09 28-0• Fax: 0221. 914 09 28-10
E-Mail: info@auf-achse.de • www.auf-achse.de • Träger: KJSH e.V. 
Stand: April 2018 • Änderungen und Irrtümer vorbehalten • Fotos: ©AU F ACHSE 2018
gastdesign.de

Beratungsverlauf (1)

13.09.2018 Gesundheitsausschuss
TOP 6.2 Kenntnisnahme (Mitteilung)
Zur Sitzung

Details

Aktenzeichen
1756/2018
Typ
Mitteilung Ausschuss
Datum
22.06.2018
Erstellt
25.05.2018 09:34