2008/0304
Konzeption Gruppenarbeit mit Kindern aus Trennungs- und Scheidungsfamilien im Familienzentrum der Wissenschaftsstadt Darmstadt
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2008/0304
3673 Zeichen
Magistratsvorlage Eingang Magistrats- geschäftsstelle: 31.07.2008 Beteiligt vor Magistratsbeschlussfassung: Dezernat II Dezernat V an den Magistrat zur Kenntnis zur Beschlussfassung an die Stadtverordnetenversammlung OBW zur Befassung zur Kenntnis zur Beschlussfassung zur abschließenden Beschluss- fassung Fachausschuss Amt: Amt für Familie, Kinderbetreuung und Sport Beschluss in öffentl. Sitzung Ja Nein OBW bei abschl. Beschlussfassung Magistrat Ja Nein Internetfähig Verteiler: II V 52 51 Stvv. 20 Vorlage-Nr. 2008/0304 Magistratsbeschluss-Nr. Betreff: Konzeption Gruppenarbeit mit Kinde rn aus Trennungs- und Scheidungsfamilien im Familienzentrum der Wissenschaftsstadt Darmstadt Vorlage vom: 19.06.2008 Beschlussvorschlag: Der Magistrat verabschiedet das vorliegende Konzept „Gruppenarbeit mit Kindern aus Trennungs- und Scheidungsfamilien“. Anlagen: KonzeptionTrennungs- und Scheidungskinder Datenschutzrelevante Anlage: Beschluss des Magistrats vom 2 ... Begründungsseite zur Magistratsvorlage vom 19.06.2008: Im Familienzentrum – Erziehungsberatung ist Beratung im Kontext von Trennung und Scheidung ein umfassendes Aufgabengebiet. Ca. die Hälfte der Kinder, wegen denen die Erziehungsberatung aufgesucht wird, erleben aktuell eine Trennungs- und Scheidungssituation der Eltern, bzw. haben diese erlebt. Vor diesem Hintergrund wurde ein Hilfsangebot für die Kinder entwickelt in Form einer Trennungs- und Scheidungskindergruppe. Das Angebot ist ausgerichtet an den Bedürfnissen und Interessen der Kinder aus Trennungs- und Scheidungsfamilien. Aufgrund der gemeinsamen Lebenslage erfahren die Kinder in der Gruppe, dass sie mit ihren Gefühlen, Nöten und Wünschen nicht alleine sind. Sie erleben Gefühle der Solidarität und Entlastung entgegen Isolation und Scham. Die soziale Lernsituation ermöglicht eigene Einstellungen und Bewältigungsstrategien zu hinterfragen sowie neue Strategien und Verhaltensmuster zu entwickeln, welche zu einem kreativeren und konstruktiveren Umgang mit der veränderten Familiensituation verhelfen können. Die Gruppe stellt für die Kinder einen Schutzraum zur Verfügung, in dem alle Gefühle wahrgenommen und ihren Ausdruck finden dürfen. Die Konzentration auf die Stärken der Kinder sowie ressourcenorientiertes Arbeiten sollen die Kinder zu einer positiven Selbst- und Fremdwahrnehmung befähigen. Flankiert ist das Gruppenangebot mit der Möglichkeit der Elternarbeit, entweder indem die Eltern sich in konkreter Beratung in der Beratungsstelle befinden bzw. parallel zum Gruppenangebot haben die Eltern die Möglichkeit, sich in einem Gesprächskreis zu treffen. Der Zugang in die Gruppe kann zum einen direkt über die Beratung im Bereich Erziehungsberatung erfolgen. Familien können sich aber über das Programm des Familienzentrums Bereich Familienbildung auch direkt zu diesem Angebot anmelden, so dass ein breiter Zugangsweg ermöglicht wird. Im Programm ist das Angebot ausgeschrieben unter dem Titel „Trennung und Scheidung – und wo bleibe ich? Eine Gruppe für Kinder im Alter von 6 bis 9 Jahren“. Für diese Altersgruppe gibt es in Darmstadt kein adäquates Angebot, so dass damit auch eine Bedarfslücke geschlossen wird. Das Angebot erstreckt sich über 10 Termine á 2 Stunden. Von den Eltern wird ein Teilnahmebetrag von 47,10 € aktuell erhoben. Das Konzept ist eine verbindliche Arbeitsgrundlage im Familienzentrum. Darmstadt, 19.06.2008 52 ba-vdm Dezernat II Dezernat V i. V. Dieter Wenzel Jochen Partsch Stadtrat Stadtrat
anlage 1
67355 Zeichen
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Konzeption
Gruppenarbeit mit Kindern
aus Trennungs- und Scheidungsfamilien
im Familienzentrum
Juni 2008
Inhaltsverzeichnis
TOC \o "1-5" 1 Einleitung PAGEREF _Toc196532543 \h 1
2 Ausgangssituation PAGEREF _Toc196532544 \h 2
2.1 Gesellschaftlicher Wandel PAGEREF _Toc196532545 \h 2
2.2 Arbeitsauftrag nach SGB VIII PAGEREF _Toc196532546 \h 3
2.3 Situation der Kinder aus Trennungs-/Scheidungsfamilie PAGEREF _Toc196532547 \h 4
3 Das Kursangebot PAGEREF _Toc196532548 \h 6
3.1 Zielsetzung des Gruppenangebotes PAGEREF _Toc196532549 \h 6
3.2 Gruppenzusammensetzung PAGEREF _Toc196532550 \h 7
3.3 Zugangangsweg zum Kursangebot PAGEREF _Toc196532551 \h 7
3.4 Kursdauer und Kursleitung PAGEREF _Toc196532552 \h 7
3.5 Einbeziehung der Eltern PAGEREF _Toc196532553 \h 8
3.6 Struktur des Gruppenangebots PAGEREF _Toc196532554 \h 8
3.6.1 Struktur des Kursangebots PAGEREF _Toc196532555 \h 8
3.6.2 Struktur der Gruppenstunden PAGEREF _Toc196532556 \h 9
3.6.3 Kursinhalte PAGEREF _Toc196532557 \h 10
3.7 Haltung der Gruppenleiter/innen PAGEREF _Toc196532558 \h 11
Literaturverzeichnis PAGEREF _Toc196532559 \h 13
Einleitung
Das Familienzentrum mit den beiden Bereichen Erziehungsberatung und Familienbildung bietet mit dem Gruppenangebot für Kinder aus Trennungs- und Scheidungsfamilien ein gemeinsames unterstützendes und begleitendes Angebot an, indem die jeweiligen fachlichen Kompetenzen ihre Ergänzung finden. Diesem Angebot ist die bereits existierende Beratungskonzeption Familien im Trennungs- und Scheidungsprozess des Familienzentrums Bereich Erziehungsberatung der Wissenschafts-stadt Darmstadt zugrunde gelegt.
Der siebte Familienbericht geht von etwa einem Fünftel aller Kinder in den alten und einem Drittel in den neuen Bundesländern aus, die von Trennung und Scheidung betroffen sind (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugendliche, 2006). Diese Trennungs- und Scheidungsfamilien stehen vor der Aufgabe andere Formen familialer Organisation manche auch in mehrmals wechselnden familialen Settings bewältigen zu müssen. Verluste müssen verarbeitet werden. Die Normalität der Situation als Nachscheidungsfamilie muss entwickelt werden: Nicht die Maßstäbe nicht-geschiedener, zusammenlebender, intakter oder konfliktfreier Familien ("Idealfamilie") dürfen als Maßstab zur Bewertung des eigenen Familienlebens herangezogen werden, sondern die Realität von Familien nach der Scheidung. Das Kind muss eine Identität als kompetentes Scheidungskind entwickeln und dies als Ressource z.B. in Bezug auf schulisches Leistungsverhalten und Selbstschutz gegen Diskriminierung nutzen können.
Die im Folgenden darzustellende Gruppenarbeit mit Kindern aus Trennungs- und Scheidungsfamilien soll Kinder in diesem Prozess anleiten, unterstützen und begleiten. Hierbei werden zentrale Themen und Momente des Erlebens der Kinder getrennt lebender Eltern aufgegriffen und Alternativerfahrungen ermöglicht.
Als Gegenpol zu Chaos, Unsicherheit, Ohnmacht, Angst und (Ab-)Spaltung sollen Struktur, Transparenz, Sicherheit, Orientierung, Ganzheit und Gemeinsamkeit für die Kinder erfahrbar werden (vgl. auch Irsing/Steinkamp, 2000, 6).
Ausgangssituation
Gesellschaftlicher Wandel
Die Entwicklung in der Gesellschaft hat auch in den Familien zu einer Veränderung von Normen und Werten geführt. In der historischen Sichtweise wurde Ehescheidung als Familienscheidung, Trennung und Scheidung als das Ende der familiären Beziehungen verstanden. Elterliche Verantwortung und Ehebeziehung gehörten aus dieser tradierten Sicht untrennbar zusammen.
In den letzten Jahren entstanden auf der Basis empirischer Forschung und daraus resultierender Erkenntnisse neue Sichtweisen über Scheidungsfamilien. Dabei wurden im Wesentlichen das systemische Denken sowie die gewonnenen Erfahrungen aus der Familienpsychologie und therapie in die Betrachtung von Scheidungsfamilien mit aufgenommen.
In der ganzheitlichen Sicht von Familien als ein sich in der Zeit veränderndes Lebenssystem, wird Trennung und Scheidung als ein Ereignis und eine Krise verstanden, mit der sich eine Familie im Laufe ihrer Biographie unter den gegebenen Umständen auseinander zu setzen hat. Dabei wird unterschieden zwischen normativen Lebensereignissen, zu denen z.B. die Geburt eines Kindes zählt, und nicht normativen, worunter u. a. Trennungs- und Scheidungsprozesse zu sehen sind. Diese beschriebenen Lebensereignisse können als Stressoren eingestuft werden, die unterschiedliche Krisen im Familiensystem auslösen und damit relative Instabilität in der Familie bewirken können.
Der Verlauf einer Krise hängt wesentlich mit den lebensgeschichtlich zur Verfügung stehenden Bewältigungsstrategien und den aktuellen Ressourcen eines Familiensystems zusammen.
Ehescheidung wird so gesehen zu einer Krise, häufig auch einer Lebenskrise. Entsprechend den veränderten inneren und äußeren Umständen ist die Familie gezwungen, neue Strukturen des Umgangs miteinander zu finden.
Arbeitsauftrag nach SGB VIII
Durch die §§ 16, 17, 18, 28 SGB VIII ist die fachliche Notwendigkeit, Familien im Trennungs- und Scheidungsprozess zu beraten, auf eine gesetzliche Grundlage gestellt:
Im § 16 SGB VIII sind präventive Angebote im Bereich Familienbildung mit Fragen der Lebenslagenorientierung also auch mit Fragen zur Trennung und Scheidung verankert. Die Definition der Zielgruppe schließt neben den Müttern, Vätern und anderen Erziehungsberechtigten auch die Kinder mit ein.
In § 17 SGB VIII soll Müttern und Vätern im Rahmen der Jugendhilfe Beratung in Fragen der Partnerschaft, Trennung und Scheidung angeboten werden.
Die Beratung zielt darauf ab
ein partnerschaftliches Zusammenleben in der Familie aufzubauen,
Konflikte und Krisen in der Familie zu bewältigen,
im Falle von Trennung und Scheidung Eltern bei der Entwicklung eines einvernehmlichen Konzeptes für die Wahrnehmung der elterlichen Sorge zu unterstützen.
§ 18 SGB VIII sieht eine Beratung und Unterstützung bei der Ausübung der Personensorge und des Umgangsrechts vor.
In § 28 SGB VIII werden Erziehungsberatungsstellen (und andere Beratungsdienste und Einrichtungen) damit beauftragt, Kinder und Eltern bei Trennung und Scheidung zu beraten.
Dabei sollen Fachkräfte verschiedener Fachrichtungen und unterschiedlicher methodischer Ansätze zusammenwirken.
Durch Beratung sollen Eltern befähigt werden, familiäre Spannungen und Krisen zu bewältigen. Die Fortführung der Elternschaft ist in diesem Zusammenhang sowohl das Recht als auch die Pflicht beider Elternteile.
Ein gedeihliches partnerschaftliches Zusammenwirken der Eltern wird als eine wichtige Voraussetzung für das Wohl des Kindes und seines Rechtes auf Erziehung gesehen.
Situation der Kinder aus Trennungs-/Scheidungsfamilie
Der Prozess von Trennung und Scheidung gestaltet sich als ein erwachsenenzentrierter. Er orientiert sich an den Bedürfnissen der Erwachsenen wie Klarheit und Endgültigkeit, Abschied und Neubeginn. Fühlen sich viele Eltern durch eine Scheidung eher entlastet, so erleben Kinder oft nur die negativen Folgen der Trennung ihrer Eltern. Den Kindern fehlt häufig der bei den Eltern schon einige Zeit im Voraus statt- gefundene Prozess der inneren Trennung, welcher der äußeren Trennung vorausgeht. Die Trennung der Eltern trifft Kinder somit vielfach unvermittelt, was eine Einsicht in die Notwendigkeit der Trennung erschwert. Für Kinder stellt die Trennung der Eltern daher in erster Linie meist einen Verlust dar (vgl. Spangenberg, 2002, 12; Jaede, 2006, 36).
Diesen Verlust und die Veränderung gilt es zu verarbeiten. Hierbei spielt jedoch nicht nur die Trennung/Scheidung an sich eine Rolle, sondern vielmehr die sich möglicherweise aus ihr ergebenden Folgen, welche Kinder in ihren (Grund-)Bedürfnissen beeinträchtigen können. Die dem Kind zur Verfügung stehenden Bewältigungsmöglichkeiten sowie das Verhältnis von Schutz- und Risikofaktoren haben hierbei großen Einfluss.
Durch ihre eigene Betroffenheit können Eltern in dieser Phase der Veränderung und Neuorientierung oft den erhöhten Bedarf ihrer Kinder an Unterstützung und Bewältigungshilfe nicht leisten, was für das Kind einen Risikofaktor darstellen kann (vgl. Largo/Czernin, 2003, 13; Largo, 1999).
Wie Kinder Trennung und Scheidung erleben und auf sie reagieren, ist vielfach in der Literatur (vgl. Bauers, 1993; Jaede, 2006) beschrieben worden. So weisen die altersspezifischen und entwicklungsabhängigen Reaktionen der Kinder auf das Trennungs-/Scheidungserleben eine große Variationsbreite auf.
Im Folgenden soll ausschließlich auf das Erleben und auf die Reaktionen der für das Gruppenangebot relevanten Altersstufe (6 9 Jahren) einge-gangen werden. Weiterführende Beschreibungen anderer Altersstufen sind der Beratungskonzeption zu entnehmen (vgl. Familienzentrum, Bereich Erziehungsberatung der Wissenschaftsstadt Darmstadt, 2006, 9 15).
Grundschulkinder bis ca. 10 Jahre erleben die Trennung der Eltern nicht mehr als Folge eigenen Handelns. Im Vordergrund steht in dieser Altersgruppe der Loyalitätskonflikt. Loyalität wird hier verstanden als generationsübergreifende Zugehörigkeit zu Vater und Mutter und ihren Familien mit der Zusicherung, füreinander Sorge zu tragen. Im Elternstreit wird das Kind zerrissen in seinem Bestreben, sich beiden Eltern gegenüber zugehörig zu fühlen.
Da die Kinder in ihrem Denken, Fühlen und Handeln beiden Eltern gerecht werden wollen, geraten sie z.B. durch die Frage nach ihrem Willen in unlösbare Konflikte. Sie wollen beide und sie wollen es beiden recht machen.
Der Wunsch nach Wiedervereinigung der Eltern wird verbalisiert, ebenso der Wunsch nach häufigem Kontakt.
Symptome:
Hilflosigkeit und Ohnmacht im Loyalitätskonflikt zwischen den Eltern
Tiefe Trauer bis zur kindlichen Depression
Aggressionen gegen sich selbst, gegen andere und gegen Objekte
Rückzug und Überanpassung
Angst- und Zwangssymptome
Leistungsverweigerung, Konzentrationsstörungen
Das Kursangebot
Struktur und Inhalte des Kursangebots wurden in Anlehnung an das bereits existierende Gruppeninterventionsprogramm für Kinder und Jugendliche aus Trennungs- und Scheidungsfamilien des Landes-wohlfahrtsverbandes Baden, Landesjugendamt entwickelt (vgl. ebd., 1999).
Zielsetzung des Gruppenangebotes
Das Angebot ist ausgerichtet an den Bedürfnissen und Interessen der Kinder aus Trennungs- und Scheidungsfamilien.
Aufgrund der gemeinsamen Lebenslage erfahren die Kinder in der Gruppe, dass sie mit ihren Gefühlen, Nöten und Wünschen nicht allein sind. Sie erleben Gefühle der Solidarität und Entlastung entgegen Isolation und Scham.
Die soziale Lernsituation ermöglicht eigene Einstellungen und Bewältigungsstrategien zu hinterfragen sowie neue Strategien und Verhaltensmuster zu entwickeln, welche zu einem kreativeren und konstruktiveren Umgang mit der veränderten Familiensituation verhelfen können.
Das Setting stellt den Kindern einen Schutzraum zur Verfügung, in dem alle Gefühle wahrgenommen und ihren Ausdruck finden dürfen (Trauer, Wut, Aggressionen, Angst, Freude, Liebe etc.). Dadurch werden Blockaden abgebaut und Raum für Weiterentwicklung geschaffen.
Das Angebot bietet den Kindern eine Rückzugsmöglichkeit außerhalb der Trennungssituation.
Die Konzentration auf die Stärken der Kinder sowie ressourcenorientiertes Arbeiten sollen die Kinder zu einer positiveren Selbst- und Fremdwahrnehmung befähigen.
Gruppenzusammensetzung
Die Gruppe setzt sich aus 5 - 6 Kindern im Alter von 6 - 9 Jahren zusammen. Diese Gruppengröße ermöglicht ein intensives Kennenlernen untereinander sowie das Zuwortkommen jedes einzelnen Kindes in Gesprächsrunden, ohne die Gruppe als Ganzes zu überfordern. Dennoch ist sie groß genug, um Spiele (Paar-, Rollen- und Bewegungsspiele) mit Spaß durchzuführen. In der Gruppenzusammensetzung sollte auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen geachtet werden (mindestens zwei Gleichgeschlechtliche). Die unterschiedlichen Bewältigungsstrategien von Mädchen und Jungen, welche sich auch im Spiel widerspiegeln, ermöglichen eine Erweiterung des jeweiligen Verhaltensrepertoires. Eine heterogene Zusammensetzung der Kinder hinsichtlich ihrer Trennungs- und Scheidungsphase bietet die Möglichkeit der Ergänzung des Erlebten und Erfahrenen.
Zugangangsweg zum Kursangebot
Auf das Gruppenangebot wird vom Familienzentrum durch den Bereich Erziehungsberatung und den Bereich Familienbildung auf verschiedene Weise aufmerksam gemacht.
Erziehungsberatung
Eltern, die sich an die Erziehungsberatung aufgrund einer Trennungs-/Scheidungsproblematik wenden, werden auf das Gruppenangebot für evtl. betroffene Kinder hingewiesen und entsprechend beraten.
Familienbildung
Das Angebot wird im Programmheft der Familienbildung im Fachbereich 3 (Pädagogik und Psychologie) ausgewiesen. Darüber hinaus wird auf das Angebot zielgruppenorientiert über Flyer hingewiesen.
Kursdauer und Kursleitung
Der Kurs umfasst 10 Gruppenstunden á 2 Stunden im wöchentlichen Abstand. Vom zeitlichen Rahmen wird das Angebot so gelegt, dass es bei Bedarf auch um 2 3 Zusatztermine verlängert werden kann. Die 10 Gruppensitzungen haben einen strukturierten und überschaubaren Zeitrahmen.
Des Weiteren finden vor Beginn des Gruppenangebots ein Informationsabend für die Eltern(teile) statt sowie im weiteren Verlauf begleitende Beratungsgespräche (s.u.). Die Gruppe sollte von zwei optimalerweise gegengeschlechtlichen Gruppenleitern geleitet werden.
Einbeziehung der Eltern
Bestandteile des Kursangebots sind neben den Stunden für die Kinder ein Informationsabend für die Eltern(teile) vor Beginn des Gruppenangebots. Dieser Informationsabend gibt ihnen die Möglichkeit, sich über die Kursinhalte zu informieren und die Kursleiterinnen/ Kursleiter kennenzulernen.
Eine Trennungs- Scheidungssituation wirft aber auch für die Eltern viele Fragen und Unsicherheiten auf. Zur Unterstützung und Klärung offener Fragen zur Trennungs- und Scheidungssituation werden ihnen parallel zur 3. und 7. Kindergruppensitzung zwei Elterngruppengespräche durch eine Mitarbeiterin des Bereichs Erziehungsberatung angeboten. Sollte darüber hinaus weiterer Beratungsbedarf bestehen, haben die Eltern die Möglichkeit individuelle bzw. familienbezogene Beratungsangebote im Bereich Erziehungsberatung wahrzunehmen.
Am Ende des Gruppenangebots werden von den Gruppenleiterinnen/ Gruppenleitern abschließende Elterngespräche durchgeführt.
Struktur des Gruppenangebots
Struktur des Kursangebots
Das Kursangebot läßt sich folgendermaßen einteilen:
Vor GruppenbeginnGruppenarbeit mit den KindernGruppenarbeit mit den ElternNach GruppenendeInformationsabend für Eltern
Kennenlern-/ Gruppenbildungsphase1. Gesprächskreis für Eltern parallel zum 3. Gruppentermin
Bearbeitungsphase
2. Gesprächskreis für Eltern parallel zum 7. Gruppentermin
Abschiedsphase
Abschließende Elterngespräche
Struktur der Gruppenstunden
Für die Planung der Gruppenstunden erscheint ein fester altersgerechter Rahmen und damit eine jedes Mal wiederkehrende Struktur von Vorteil. Diese bieten den Kindern äußeren Halt und Sicherheit.
Somit setzt sich jede Gruppenstunde aus den folgenden fünf Bausteinen zusammen:
Begrüßung/Erwärmung/
Einführungsspiel
Themenzentriertes Arbeiten
Pause
(Frei-)Spielphase
Verabschiedung
Bei der Auswahl der Stundeninhalte wird ein Wechsel von Spannung und Entspannung sowie von Spiel und Bearbeitungsphasen berücksichtigt.
Begrüßung, Erwärmung, Einführungsspiel
Als Zeichen des Willkommenseins, der Kontaktaufnahme und des Spannungsabbaus findet zu Beginn jeder Stunde ein Spiel statt. Nach einem Anfangsritual, welches aus immer demselben Spiel besteht und als Startsignal sowie der Wahrnehmung und Begrüßung der ganzen Gruppe dient, besteht die Möglichkeit des Austausches über die für die Kinder wichtigen Ereignisse der letzen Woche. Im Anschluss wird der thematische Teil von den Gruppenleiterinnen/Gruppenleitern eingeleitet und die Kinder werden darüber informiert, was Inhalt der aktuellen Gruppenstunde sein wird.
Themenzentriertes Arbeiten
Mögliche Themen und Inhalte des themenzentrierten Arbeitens können sein:
Wir sitzen alle in einem Boot: Angebote zur Gruppenfindung/
-stärkung
Wer gehört zu meiner Familie?
Gefühle wahrnehmen, Gefühle zeigen, Gefühle ausdrücken
Welche Gefühle kenne ich, was fühlte ich bei der Trennung, wie fühle ich mich heute in meiner Trennungs- und Scheidungsfamilie?
Beide sind wichtig und haben ihr Gutes: Wertschätzung beider Elternteile
Erleben eigener Stärken und Fähigkeiten
Was wünsche ich mir von meinen Eltern in dieser neuen Situation?
Wir verabschieden uns von nicht erfüllbaren Wünschen
Wir verabschieden uns
Pause
Nach dem für die Kinder oft anstrengenden themenzentrierten Arbeiten bietet die Pause einen Kontrast zu der zuvor erforderlichen Konzentration. Für die Gruppe wird ein nebenstehender Tisch gedeckt und die Kinder können sich mit einem vorbereiteten Imbiss aus Tee und Keksen/Obst stärken. Bedürfnisse wie Essen, Trinken und das Führen von informellen Gesprächen können hier befriedigt werden.
Indem die Gruppenleiterinnen/Gruppenleiter die Kinder während der Pause bedienen, wird der Aspekt des Versorgens durch die Erwachsenen und des Vorsorgtwerdens der Kinder hervorgehoben. Dies dient als Gegenpol zu der häufig nicht altersadäquaten Verantwortungsübernahme (Parentifizierung).
(Frei-)Spielphase
In der Freispielphase können sich Kinder frei entfalten. Hier kann jedes Kind seine ihm individuell bedeutsame Rolle einnehmen. Krisen können durch Nachspielen bearbeitet und durch neue Erfahrungen für das Kind gelöst werden. Die Vielfalt, eine Situation zu verändern, kann im Spiel ohne Schaden ausprobiert werden. Somit wird das Spiel genutzt, um das Kind neue Selbsterfahrungen und Sozialbeziehungen machen zu lassen (vgl. Gil, 1996, 60; Eckert, 2004, 13).
Verabschiedung
Hier soll ein Abschiedsritual das Stundenende den Kindern erkennbar machen und dieses erleichtern.
Kursinhalte
Trotz hoher Strukturiertheit der Gruppenstunden müssen diese so flexibel geplant und durchgeführt werden, dass sie den Themen der einzelnen Kindern sowie der Gruppe entsprechen. Die Gestaltung der Kursinhalte ist neben der Bedürfnislage und Neigung der Kinder auch von den Arbeitsschwerpunkten und Fähigkeiten der Gruppen-leiterinnen/Gruppenleiter abhängig. Die Kursinhalte bestehen aus Angeboten, welche sich an den verschiedenen Phasen (Kennenlern-/ Gruppenbildungsphase, Bearbeitungsphase, Abschiedsphase) mit ihren entsprechenden Zielsetzungen orientieren. Der Wahrnehmung und dem Ausdruck eigener Gefühle wird besondere Bedeutung beigemessen.
Bei der Ausgestaltung der Inhalte gilt es den jeweiligen sozial-kognitiven Entwicklungsstand der Kinder sowohl thematisch als auch methodisch zu berücksichtigen. Kinder der definierten Altersgruppe benötigen für die Aufarbeitung ihres Themas viel Veranschaulichungen und Handlungsbezug. Auch erfahren sie sich stark über ihren Körper und drücken ihre Gefühle körperlich aus. Somit erscheinen Angebote aus folgenden Bereichen als besonders geeignet:
freies Spiel: freier Ausdruck, Kind kann Tätigkeit frei wählen, Schaffen von Freiräumen (Spielangebote mit hohem Aufforderungscharakter)
Regelspiele: soziale Kompetenz
Psychomotorik: soziale Kompetenz, Aggressionsabbau, Erleben von Spannung und Entspannung, körperlicher Ausdruck von Gefühlen
Bauspiele bspw. Höhlenbau (Ausdruck von Geborgenheit, Rückzug)
Zerstörung
Ausdrucksmöglichkeit von Gefühlen durch Malen und Gestalten
Märchen und Kinderbücher zum Thema Scheidung
Um Ängste und Überforderungssituationen zu vermeiden, werden den Kindern neben Gestaltungsfreiräumen auch Entscheidungsfreiräume über Teilnahme oder Nicht-Teilnahme an einzelnen Stundenelementen ermöglicht. Auch sollten regressive Wünsche der Kinder Unterstützung finden.
Haltung der Gruppenleiterinnen/Gruppenleiter
Die Kinder werden nicht als mitleidsbedürftige Opfer begriffen, sondern es wird ihnen mit Achtung begegnet, wie sie ihren eigenen Weg in dieser schwierigen Lebenslage gehen. Ihr oft für sie selbst schädigendes Verhalten wird als ein Bemühen verstanden, eine Konzeption für ihr Leben zu entwickeln und dabei gleichzeitig ihrer Familie zu helfen. Der Fokus Trennung wird angesprochen und möglichst enttabuisierend angegangen, jedoch nicht fortlaufend benannt, um sensibel genug für die Themen der Kinder zu sein.
Bei der thematischen Bearbeitung werden beide Elternteile wertgeschätzt und als für die kindliche Entwicklung wichtig angesehen. Allerdings geht es einher mit einem offenen Verständnis für die pluralen Formen familialen Zusammenlebens. Die Bemühungen von getrennt und in neuen Formen lebender Eltern und Kinder werden nicht als pathologische Form eines idealisierten Familienbildes begriffen.
Durch die Wahrung der Gruppenregeln insbesondere des Bestehens auf achtungsvolle und rücksichtsnehmende Umgangsformen wird den Kindern Sicherheit und Schutz geboten. Die Gruppenregeln werden in Zusammenarbeit mit den Kindern aufgestellt. Dabei handelt es sich zunächst um die von den Gruppenleiterinnen/Gruppenleitern vorge-gebenen Regeln:
(a) Schweigepflicht;
(b) die Pflicht, dem jeweils Sprechenden zuzuhören;
(c) niemanden in der Gruppe zu verletzen weder mit Worten noch mit
Taten.
Diese können von den Kindern noch ergänzt werden. Auch die Gruppenleiterinnen/Gruppenleiter verpflichten sich dieser Regeln insbesondere die der Schweigepflicht.
Die Kinder sollen zur Mitbestimmung und Mitverantwortung des Gruppenablaufs ermutigt werden.
Im Spielgeschehen ist das Kind richtungweisend und es gilt auf seine Bedürfnisse einzugehen. Dabei ist Akzeptanz, Empathie, (körperliche) Präsenz und die Offenheit für Fremdes die nötige Grundhaltung, um sich in das kindliche Spiel verwickeln zu lassen.
Alle Gefühle und Bewältigungsformen, die im Gruppengeschehen ihren Ausdruck finden, werden wertfrei angenommen.
Ein wichtiges Augenmerk der Arbeit richtet sich auf die Reflexion, auf das Deuten und Verstehen kindlicher Inszenierungen und Abwehr-mechanismen sowie der dahinterliegenden Impulse und Affekte. Literaturverzeichnis
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2006): Familie zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit. Perspektiven für eine lebenslaufbezogene Familienpolitik Siebter Familienberich
Eckert, A. R. (2004): Leiblich-szenisches Verstehen in der Psychomotorik. In: Unverstandene Kinder Schwierige Kinder. Darmstadt
Familienzentrum Bereich Erziehungsberatung der Wissenschaftsstadt Darmstadt (2006): Beratungskonzeption Familien im Trennungs- und Scheidungsprozess. Darmstadt
Gil, E. (1996): Die heilende Kraft des Spiels. Spieltherapie mit mißbrauchten Kindern. Mainz
Ising, K./ Steinkamp, M. (2000): Der Rote Faden Hilfe für Kinder in stürmischen Zeiten. Ein Theorie-Praxis-Bericht über ein Gruppenprojekt für Trennungskinder. In: Sanders, R. Dr. (2000): Beratung Aktuell. Zeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung. Heft 1, S. 5-16
Jaede, W. (2006): Was Scheidungskindern Schutz gibt. Wie sie unbeschädigt durch die Krise kommen. Freiburg im Breisgau
Bauers, B. (1993): Psychische Folgen von Trennung und Scheidung für Kinder. In: Menne et al (Hrsg.): Kinder im Scheidungskonflikt, S. 39-62. Weinheim, München
Landeswohlfahrtsverband; Landesjugendamt (1999): Gruppeninterventionsprogramm für Kinder und Jugendliche aus Trennungs- und Scheidungsfamilien. Projektabschlussbericht der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Stadt Freiburg. Karlsruhe
Largo, R. H. (1999): Kinderjahre. München
Largo, R. H./ Czernin, M. (2003): Glückliche Scheidungskinder. Trennung und wie Kinder damit fertig werden. 2. Aufl. München
Spangenberg, B. (2002): Märchen helfen Scheidungskindern. Freiburg im Breisgau
Die Ausführungen sind der Beratungskonzeption Familien im Trennungs-Scheidungsprozess des Familienzentrums Bereich Erziehungsberatung der Wissenschaftsstadt Darmstadt entnommen (vgl. Familienzentrum, Bereich Erziehungsberatung der Wissenschaftsstadt Darmstadt, 2006, 3).
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Amt für Familie, Kinderbetreuung und Sport
Familienzentrum
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Beratungsverlauf (3)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2008/0304
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 19.06.2008
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00