AN/0717/2020
Antrag der Fraktion Die Linke, betr.: Wohnraum verfügbar machen! – Zweckentfremdungen beenden!
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Antrag nach § 3 (Die Linke BV4)
4595 Zeichen
Fraktion in der Bezirksvertretung 4 – Ehrenfeld
Bezirksrathaus Ehrenfeld
Venloer Str. 419-421, 50825 Köln
Tel: 0221 / 221-94317
Fax: 0221 / 22194320
Eingang beim Bezirksbürgermeister:
AN/0717/2020
Antrag gem. § 3 der Geschäftsordnung des Rates
Gremium Datum der Sitzung
Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) 15.06.2020
Antrag der Fraktion Die Linke, betr.: Wohnraum verfügbar machen! –
Zweckentfremdungen beenden!
Sehr geehrter Herr Bezirksbürgermeister, sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
wir, die Fraktion DIE LINKE. BV Ehrenfeld, bitten Sie, folgenden Antrag in die Tagesordnung der
Sitzung der Bezirksvertretung Ehrenfeld am 15. Juni 2020 aufzunehmen:
Beschluss:
(1) Die Bezirksvertretung Ehrenfeld bekräftigt den Beschluss AN/1147/2017 vom
11.09.2017, Geflüchtete in Ferienwohnungen unterzubringen1
(2) Die Bezirksvertretung Ehrenfeld bekräftigt den Beschluss AN/0632/2018 vom
07.05.2018, Leerstände, die bereits vor Inkrafttreten der Wohnraumschutzsatzung
bestanden, zu enteignen2
(3) Die Verwaltung wird aufgefordert, in der bestehenden Ausnahmesituation leerstehende
Objekte unmittelbar für akut von Wohnungsnot Betroffene zu akquirieren (Studierende,
Obdachlose, Geflüchtete, WBS-Besitzer*innen...)
(4) Die Verwaltung wird aufgefordert, eine Strategie zu entwickeln, um „legale“
Ferienwohnungen wieder dem regulären Wohnungsmarkt zuzuführen
Begründung:
Während der Pandemie sollen Alle „Abstand halten“. Dieser Prozess wird noch mehrere Monate
dauern. Diese Aufgabe ist für Menschen ohne Wohnung kaum zu lösen. Die
Obdachlosenunterkünfte sind baulich nicht für die während der Pandemie geltenden
Abstandsregelungen konzipiert. Trotzdem probieren die Träger und die Sozialarbeiter*innen
dieser Einrichtung den Infektionsschutz so gut es geht umzusetzen. Auch wenn die
Abstandregelungen nicht zu hundert Prozent eingehalten werden, bieten diese Einrichtungen
Schutz.
1 https://ratsinformation.stadt -koeln.de/getfile.asp?id=625451&type=do&, Zugr iff: 30.05.2020.
2 https://ratsinformation.stadt -koeln.de/getfile.asp?id=659315&type=do&, Zugriff: 30.05.2020.
Herrn Bezirksbürgermeister
Josef Wirges
Frau Oberbürgermeisterin
Henriette Reker
- 2 -
Viele Geflüchtete leben in beengten Unterkünften. Durch die Aufforderung des Staates, während
der Pandemie zu Hause zu bleiben, wird die Enge in den Unterkünften für Geflüchtete noch
prekärer. Das Zusammenleben auf engem Raum erhöht das Ansteckungsrisiko und somit die
Verschlimmerung der Pandemie. Auch wenn die Verwaltung im Falle der Herkulesstraße schnell
reagiert hat, so zeigt dies doch, dass zum Wohle der Menschen andere Unterbringungsformen
dringend geboten sind. Denn zeitgleich stehen in Köln sehr viele Ferienwohnungen leer. Der
Marktführer in Sachen Vermittlung von Ferienwohnungen („airbnb“) ist in
Zahlungsschwierigkeiten. Es kann vermutet werden, dass Wohnungsbesitzer, die ihren
Lebensunterhalt mit der Vermietung von Ferienwohnungen aufbessern oder ganz bestreiten,
ebenso in finanzielle Schieflage geraten. Die Stadt hätte nun die Gelegenheit, mit diesen
Vermieter*innen u.a. langfristige Belegungsverträge abzuschließen. Somit können zuvor
zweckentfremdete Wohnungen ihrer ursprünglichen Bestimmung dauerhaft zugeführt werden.
Zusätzliche stehen im Stadtbezirk Ehrenfeld zahlreiche Objekte teilweise schon seit über zehn
Jahren leer (1259/2020).3 Auch diese Zweckentfremdungen müssen schnellstmöglich beendet
werden, um dauerhaft mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Immer mehr Menschen ohne ausreichenden Wohnraum können oder wollen nicht in einer
staatlichen oder karitativen Einrichtung leben. Diesem Phänomen ist Rechnung zu tragen, zumal
der Staat selbstverantwortlich ist, dass es nicht genug Wohnungen, insbesondere für arme
Menschen, gibt.
Die Stadtverwaltung erachtet Zwangsmittel im öffentlich-rechtlichen Vollstreckungsrecht
grundsätzlich wegen der nachgelagerten Komplexität in der Rechtsanwendung und Umsetzung
nicht als erste Mittel der Wahl (1638/2020).4 Dennoch erfordert die gegenwärtige Situation auch
diese Wege zu beschreiten, damit alle Menschen Wohnraum erhalten, der den
Distanzanforderungen der Pandemie genügt.
Mit freundlichen Grüßen
gez.
Berndt Petri Christoph Besser
(Fraktionsvorsitzender) (Bezirksvertreter)
3 https://ratsinformation.stadt -koeln.de/getfile.asp?id=769802&type=do&, Zugriff: 30.05.2020.
4 https://ratsinformation.stadt -koeln.de/getfile.asp?id=774851&type=do&, Zugriff: 30.05.2020.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungOrte (3)
- Venloer Straße 419
- Herkulesstraße
- Straße 4
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- AN/0717/2020
- Typ
- Antrag nach § 3 BV4 (Linke)
- Datum
- 02.06.2020
- Erstellt
- 02.06.2020 07:21