V/0662/2016
Entwicklung des Fachkräftebedarfs an Erzieherinnen und Erziehern
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Berichtsvorlage
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V/0662/2016 DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Kinder, Jugendliche und Familien Betrifft Entwicklung des Fachkräftebedarfs an Erzieherinnen und Erziehern Beratungsfolge 02.11.2016 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Bericht 29.11.2016 Ausschuss für Schule und Weiterbildung Bericht Bericht: 1. Ausgangssituation Der aktuelle Kindertagesbetreuungsbericht sowie die Vorlage V/0009/2016 „ Fortsetzung der Ausbauoffensive durch Schaffung neuer Plätze zur Kindertagesbetreuung - Bedarfsentwicklung, weitere Ausbaustrategien sowie immobilienwirtschaftliche und bauliche Handlungsansätze“ legen die Ausbaubedarfe der Kindertagesbetreuung für alle Kinder in Münster im Alter von 0 bis 6 Ja h- ren und zur Sicherstellung des Rechtsanspruchs bis 2020 dar. Da die Flüchtlingszuzüge nach Münster deutlich abgenommen haben, wird im Vorgriff a uf die neue Bevölkerungsprogn ose eine erste neue Einschätzung getroffen und somit die Zahl der notwendigen Kitap lätze auf 3.000 Plät- ze festgelegt. Genauere Zahlen werden in Kürze mit der neuen Kleinräumigen Bevölkerungsprognose verö f- fentlicht. In dieser Prognose ist dann auch der voraussichtliche Zuzug von Flüchtlingen enthalten. Eine wesentliche Voraussetzung für den weiteren Ausbau einer qualitativ hochwertigen Kinderta- gesbetreuung ist das Vorhandensein gut ausgebildeter Fachkräfte in einer ausreichenden An- zahl. Bereits der Ausbau der Kitaplätze in den letzten Jahren hat zu einem erhöhten Bedarf an Erzie- herinnen und Erziehern geführt. Vor diesem Hintergrund wurde bereits im Jahr 2013 eine Erwei- terung der Ausbildungskapazität am Anne-Frank-Berufskolleg um eine Klasse vereinbart und von der Schule umgesetzt. Auch die Einführung der Praxisintegrierten Ausbildung an der ESPA trug diesem Bedarf Rechnung. Darüber hinaus konnte der erhöhte Fachkraftbedarf auch dadurch aufgefangen werden, dass viele beruflich nicht mehr aktive Fachkräfte für die Arbeit in den Kitas wieder gewonnen werden konnten. Vor dem Hintergrund der aktuellen Ausbaupläne bedarf es einer Neubewertung der Entwicklung des Fachkräftebedarfs in Kindertageseinrichtungen. Vorlagen-Nr.: V/0662/2016 Auskunft erteilt: Frau Kratz-Trutti Herr Wildemann Ruf: 492-5133 E-Mail: WildemannA@stadt-muenster.de Datum: 05.10.2016 Öffentliche Berichtsvorlage 2 V/0662/2016 2. Prognose zur Entwicklung des Fachkräftebedarfs Bereits für die letzten Jahre belegt eine aktuelle Auswertung einen erheblichen Personalzu- wachs. So hat die Summe der Fachkraft- und Ergänzungskraftstunden in allen Kindertagesein- richtungen in Münster zwischen 2010 und 2014 um ca. 19% zugenommen. Aufgrund von Erfahrungswerten und groben Überschlagsrechnungen ist unter Fortschreibung der derzeitigen Verteilung der Kinder auf die verschiedenen Gruppentypen planerisch davon auszu- gehen, dass für die Betreuung von 100 Kindern in Kindertageseinrichtungen grundsätzlich ca. 20 Fachkräfte benötigt werden. Eine Ausbauoffensive in einem Umfang von beispielsweise 3.000 Kita-Plätzen bis zum Jahr 2020 würde demnach zu einem zusätzlichen Bedarf von bis zu 600 Fachkräften führen. Nach dem aktuellen Kindertagesbetreuungsbericht sind derzeit konkret 2.375 zusätzliche Plätze in Kitas in Planung. Hieraus ergibt sich dementsprechend ein zusätzlicher Bedarf in Höhe von ca. 475 Fachkräften. Hinsichtlich des Ausbaus im Offenen Ganztag ist davon auszugehen, dass auch hier der Bedarf an Fachkräften steigen wird. Geht man von einer groben Überschlagsrechnung aus, dass für 25 Kinder mindestens eine Fachkraft benötigt wird, ergibt sich ein weiterer Personalbedarf von 80 Fachkräften bis 2020. Gut ausgebildete Fachkräfte in einer ausreichenden Anzahl sichern eine hohe Qualität in der Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern in Kindertageseinrichtungen und im Offenen Ganztag der Grundschulen. Der hier dargestellte erhöhte Personalbedarf berücksichtigt nicht eine Verbesserung dieser Qualität sondern dient lediglich der Beibehaltung derzeitiger Stan- dards. Die fachlichen Anforderungen an die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen: Inklusion, Migration, Sprachbildung, Dokumentation, Qualitätsmanagement, Bildungsgrundsätze, Elternarbeit – all das sind Stichworte, hinter denen sich erhebliche fachliche Weiterentwicklungen in den letzten Jahren verbergen. Es ist deshalb zwingend darauf zu achten, bei einer Erweiterung der Ausbildungskapazitäten qualitative Ausbildungsstandards nicht abzusenken. 3. Ausbildungssituation Zur Deckung des Personalbedarfs stehen insbesondere die Absolventinnen und Absolventen der Ausbildungsgänge an den münsterschen Fachschulen zur Verfügung. Mit dem Anne-Frank Berufskolleg, der Evangelischen Sozialpädagogischen Ausbildungsstätte ESPA und der Hildegardisschule verfügt Münster über drei Fachschulen, die Ausbildungsgänge für Erzieherinnen und Erzieher anbieten. Die Fachschulen sichern mit ihrem Angebot einen hohen Ausbildungsstandard und bieten den Anstellungsträgern damit die Möglichkeit, auf gut qualifizierte Fachkräfte zurückgreifen zu kön- nen. Nach dem Stand im jetzt begonnenen Schuljahr 2016/17 erlangen jährlich ca. 150 Absolventin- nen und Absolventen ihren Abschluss im Rahmen einer Fachschulausbildung an den drei müns- terschen Schulen. Zusätzlich bieten das Anne-Frank-Berufskolleg und die ESPA für ca. 40 Aus- zubildende den gleichzeitigen Erwerb der Erzieherausbildung mit der Allgemeinen Hochschulreife an. Darüber hinaus absolvieren derzeit ca. 50 Auszubildende die dreijährige praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin an der ESPA. 3 V/0662/2016 Die Fachschulen erhalten jährlich ein Vielfaches mehr an Bewerbungen, als sie Ausbildungsplät- ze zur Verfügung stellen können. Nach Abzug von möglichen Doppelbewerbungen und nicht ge- eigneten Bewerberinnen und Bewerbern ist davon auszugehen, dass dennoch die Zahl der Be- werbungen die Ausbildungsmöglichkeiten der drei Fachschulen übersteigt. Die drei münsterschen Fachschulen nehmen auch Studierende aus dem münsterländischen Um- land auf, sodass die ausgebildeten Erzieherinnen und Erzieher ebenfalls in umliegenden Kom- munen zur Deckung des Personalbedarfs dienen. Es kann nicht beziffert werden, in welchem Umfang die ausgebildeten Erzieherinnen und Erzieher tatsächlich dem münsterschen Arbeits- markt in Kitas oder Offenem Ganztag zur Verfügung stehen. 4. Ausblick: Weiterentwicklung der Ausbildungskapazitäten Ergänzend zu den o.g. Ausbildungsgängen bietet eine gute Verzahnung verschiedener Ausbil- dungsgänge in den Fachschulen vielen Absolventinnen und Absolventen anderer Ausbildungs- gänge die Möglichkeit, sich für die Ausbildung zur Erzieherin / zum Erzieher zu qualifizieren. Auch Möglichkeiten der Praxisintegrierten Ausbildung (PIA) sowie (nur in geringer Anzahl genutz- te) Möglichkeiten für Seiteneinsteiger durch eine externe Prüfung bei der Bezirksregierung sind wertvolle ergänzende Bausteine für erweiterte Optionen in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern. Sie werden aber bei weitem nicht den Bedarf decken können, der durch die Ausbauoffensive in den Kindertageseinrichtungen und im Offenen Ganztag entstehen wird. Da bereits heute Träger von einer insgesamt schwierigen Bewerberlage sprechen und davon auszugehen ist, dass das Verhältnis von Fachkräftebedarf und –angebot derzeit keine Spielräu- me mehr bietet, ist bei der o.g. Platzausbauperspektive und einer gleichzeitig stagnierenden Ausbildungssituation offensichtlich, dass es perspektivisch zu einem nicht gedeckten Fachkräf- tebedarf kommen wird. Mit den Fachschulen und ihren Trägern wurde deshalb bereits ein Gespräch zur Fachkräfteent- wicklung geführt. Nach einer ersten Einschätzung ermöglichen es räumliche und personelle (feh- lende Lehrer) Aspekte den münsterschen Fachschulen jedoch kaum, ihre Ausbildungskapazitä- ten zu erweitern. Die räumlichen Möglichkeiten einer Erweiterung der Ausbildungskapazitäten am städtischen An- ne-Frank Berufskolleg sind ausgereizt; bereits jetzt müssen zur Durchführung des Schulbetriebes Klassenräume in der benachbarten Fürstenbergschule genutzt werden, was allerdings durch das Aufwachsen der Gesamtschule dort endlich ist. Die künftige Nutzung der Fürstenbergschule durch die umliegenden Berufskollegs nach Auszug der Gesamtschule wird u.a. Gegenstand der Schulentwicklungsplanung der Berufskollegs sein. Eine Nutzung dort wird aber frühestens ab 2021 möglich sein. Die deshalb ohnehin erforderlichen Übergangslösungen werden durch die Schulverwaltung daraufhin geprüft, ob frühzeitiger der geschilderte Ausbaubedarf in der Ausbil- dung von Erzieherinnen und Erziehern zumindest teilweise gedeckt werden könnte. Es wird unabhängig davon auch weiterhin erforderlich sein, Optionen für einen deutlichen Aus- bau der Ausbildungskapazitäten für Erzieherinnen und Erzieher in Münster in den nächsten Jah- ren zu entwickeln. I.V. gez. Thomas Paal Stadtrat
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- V/0662/2016
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 03.08.2016
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37