2895/2023
Projekt „Überprüfung der Kölner Straßennamen auf Zusammenhänge mit Kolonialismus oder Nationalsozialismus“
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Mitteilung BV
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Dezernat, Dienststelle VIII/23/235/1 Vorlagen-Nummer 2895/2023 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Bezirksvertretung 7 (Porz) 19.10.2023 Projekt „Überprüfung der Kölner Straßennamen auf Zusammenhänge mit Kolonialismus oder Nationalsozialismus„ Hier: Handlungsempfehlung für die Ferdinand-Porsche-Straße in Köln-Porz-Eil Wie in der Mitteilung mit der Vorlagennummer 0862/2023 berichtet wurde, hat der Verwaltungsvorstand 2021 das Projekt „Umgang mit dem (post)kolonialen Erbe Kölns“ im Amt für Integration und Vielfalt initiiert. In einem Teilprojekt „Straßennamen“ wurde eine Untersuchung aller Kölner Straßennamen mit kolonialem und nationalsozialistischem Hintergrund veranlasst. Diese Prüfung wird von einem Historiker*innenteam mit nachgewiesener Fach- und Sachkompetenz, dem sogenannten „Historischen Beirat“, durchgeführt. In seinem Gutachten zu Ferdinand Porsche vom 28.07.2023 empfiehlt Herr Dr. Soénius, Mit- glied im Historischen Beirat, die Ferdinand-Porsche-Straße in Köln-Porz-Eil umzubenennen. Grund hierfür ist die persönliche Verstrickung Porsches in die Taten des NS-Regimes, seine Nähe zu den NS-Größen Hitler und Himmler und das fehlende Unrechtsbewusstsein nach dem Krieg. Der Empfehlung stimmen auch alle anderen Gremiumteilnehmer*innen zu. Das Gutachten von Dr. Soénius ist als Anlage beigefügt. Der Historische Beirat schlägt der Bezirksvertretung Porz vor, die Verwaltung mit dem Umbe- nennungsverfahren zu beauftragen. Gemäß den Richtlinien des Rates für die Neu- und Um- benennung von Straßen und Plätzen muss nach Punkt 4.4 bei einem Umbenennungsanliegen in jedem Fall eine Anwohner*innenbefragung erfolgen. Expert*innen-Gutachten und -Empfehlung sowie das Ergebnis der Anwohner*innenbefragung und der Öffentlichkeitsbeteili- gung werden der Bezirksvertretung anschließend zur Entscheidung vorgelegt. Die politische Entscheidung über die Umbenennung oder Beibehaltung der Straßenbezeichnung trifft an- schließend die Bezirksvertretung. Anlage: Gutachten Ferdinand Porsche vom Historischen Beirat
Gutachten zu Ferdinand Porsche von Herrn Dr. Soénius
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Ferdinand-Porsche-Straße Die Benennung der Ferdinand-Porsche-Straße in Köln-Porz-Eil erfolgte am 7. Oktober 1980. Biographie: Ferdinand Porsche, Konstrukteur, geb. 3.9.1875 Maffersdorf bei Reichenberg (Böhmen), gest. 30.1.1951 Stuttgart. Seit 1893 beruflich in der Industrie tätig, u. a. 1899 Entwicklung Elektromobil „System Lohner- Porsche“ und 1900 Hybridfahrzeug mit gemischt benzin-elektrischem Antrieb, das den Nachteil der mangelnden Reichweite des batteriebetriebenen Elektromobils behob und als Personen- und Nutzfahrzeug produziert wurde. 1917 wurde Porsche Generaldirektor der „Österr. Daimler Motoren AG“, zahlreiche eigene Entwicklungen. 1923 Technischer Direktor und Vorstandsmitglied „Daimler- Motoren AG“, Stuttgart-Untertürkheim, 1928 bis 1930 Technischer Vorstand „Steyr-Werke AG“, 1931 Gründung Konstruktionsbüro in Stuttgart (Porsche KG). Entwicklung Rennwagen und 1934 Auftrag vom Reichsverband der Automobilindustrie zur Entwicklung Volkswagen. 1935 Prototyp, 1937 Auftraggeber Deutsche Arbeitsfront (DAF) und Gründung „Gesellschaft zur Vorbereitung des Volkswagens“ (Gezuvor) mit Sitz in Stuttgart-Zuffenhausen. 1938-1945 Geschäftsführer Volkswagenwerk GmbH. Mit Kriegsbeginn Rüstungsaufträge, v. a. auf der Basis des Volkswagens konstruierte Kübel- bzw. Schwimmwagen. Hauptauftraggeber Luftwaffe: Flugzeugteile und die Flugbombe Fi 103, zudem Kanonenteile, Panzerlaufräder und in Massenfabrikation Bunkeröfen und Tellerminen. 1945 Verhaftung und Internierung durch US-Militär, Freispruch von Kriegsverbrechen. Erneute Verhaftung durch franz. Militär, Freilassung 1947 gegen Kaution, 1948 Freispruch. Beziehung zum NS-Regime und Rolle im NS-Unrechtstaat: Ämter und Ehrungen: 1937 Mitglied NSDAP, 1942 SS-Oberführer, 1944 „Totenkopfring des Reichsführers SS“, Wehrwirtschaftsführer. Porsche bemühte sich seit der Machtübertragung an Hitler dessen Nähe und Protektion. Aufgrund der Motorisierungs- und Rüstungsziele erlangte er schnell das Vertrauen des Reichskanzlers und wurde als sein „Lieblingsingenieur“ bezeichnet. Den Auftrag für die Entwicklung des Volkswagens nutzte er für das eigene Konstruktionsbüro. Als Vorsitzender der Panzerkommission war Porsche von Hitler persönlich beauftragt worden, die deutsche Armee im Zweiten Weltkrieg mit schlagkräftigen Waffen auszustatten. Porsche war somit eine zentrale Figur der deutschen Rüstungswirtschaft und -technologie. Als Chef des Volkswagen-Werkes beutete er ohne Skrupel die Arbeitskraft von Zwangsarbeitern aus: „Unter seiner Leitung wurden ab 1940 tausende Zwangsarbeiter eingesetzt, darunter Kriegsgefangene und KZ-Insassen, die zwischenzeitlich mehr als 70% der Stammbelegschaft ausmachten. Diese waren in eigens für VW eingerichteten Lagern (KZ „Arbeitsdorf“, KZ-Außenlager Laagberg) untergebracht und teilweise von Ferdinand Porsche persönlich angefordert worden. Bis 1945 kamen neben zahlreichen Zwangsarbeitern auch mehr als 300 Kleinkinder der firmeneigenen „Ausländerkinder-Pflegestätte“ in Rühen aufgrund mangelnder Ernährung und daraus folgender Erkrankung ums Leben.“ 1 1 Zitat aus Abschlussbericht des Beirats zur Überprüfung Düsseldorfer Straßen- und Platzbenennungen. https://www.duesseldorf.de/fileadmin/Amt41-203/stadtarchiv/aktuell/200123Abschlussbericht_Strassennamen.pdf, S. 185. VW setzte als erstes deutsches Unternehmen Kriegsgefangene ein und das im großen Umfang. 1941 schlug Reichsführer SS Heinrich Himmler die Einrichtung eines Konzentrationslagers im VW-Werk vor, um Juden aus Polen zur Arbeit zu zwingen. Dies geschah mit ausdrücklicher Zustimmung Porsches. Das Lager wurde zwar nicht eingerichtet, aber der Vorgang begründete die folgende Zusammenarbeit der VW-Geschäftsführung mit der SS beim Einsatz von KZ-Insassen. Diese wurden in Lagern untergebracht, erlitten zahlreiche Repressionen und arbeiteten nur mit wenigen freien Zeiten unter teilweise menschenunwürdigen Zuständen. Porsche setzte Zwangsarbeiter nicht nur für den Anlagenbau, sondern auch in der Produktion ein. Im März 1944 beantragten Ferdinand und sein Sohn Ferry Porsche von Himmler die Überstellung von KZ-Häftlingen für die Sicherung ihrer Untertagefabrik in Lothringen, in der Rüstungsgüter produziert wurden. Der Reichsführer SS bot ihnen 3.500 Häftlinge an. Zwar sind keine zustimmenden Äußerungen zur nationalsozialistischen Rassepolitik oder antisemitischer Art bekannt, aber als Technokrat hat Porsche die rassistische, judenfeindliche und menschenverachtende Politik des NS-Regimes unterstützt. Er hatte weitgehende Kenntnis vom Lagersystem sowie von der dortigen Vernichtung und keine Einwände erhoben, sondern darauf gedrängt, dass arbeitsfähige Lagerinsassen zur Ausbeutung an seine Unternehmen abgeordnet werden. Fazit: Ferdinand Porsche hat das NS-Regime, dessen Aufrüstung und den von Deutschland eingeleiteten Angriffskrieg durch die Entwicklung und Herstellung von Rüstungsgütern vehement unterstützt und gefördert. Er verantwortete persönlich den Einsatz von Zwangsarbeitern in den von ihm geleiteten Unternehmen und nahm aufgrund der miserablen Lebensumstände billigend den Tod von Hunderten von Menschen in Kauf. Nach dem Krieg hat er keinerlei Verantwortung für seine Taten übernommen oder Schuldbewusstsein entwickelt. Aufgrund der persönlichen Verstrickung in die Taten des NS-Regimes, seiner Nähe zu den NS- Größen Hitler und Himmler und des fehlenden Unrechtsbewusstseins nach dem Krieg wird die Umbenennung der Straße empfohlen. Literatur: Hans Mommsen/Manfred Grieger: Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich, Düsseldorf 1996 Klaus Parr: „Porsche, Ferdinand“, in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 638-640 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/.html. Wolfram Pyta, Nils Havemann, Jutta Braun: Porsche. Vom Konstruktionsbüro zur Weltmarke. München 2017 Abschlussbericht Beirat Überprüfung Düsseldorfer Straßenbenennung, S. 184- 186 https://www.duesseldorf.de/stadtarchiv/aktuell/ausstellung1.html 28. Juli 2023 Dr. Ulrich S. Soénius
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2895/2023
- Typ
- Mitteilung BV
- Datum
- 12.10.2023
- Erstellt
- 06.09.2023 10:51