mandari
Datenstand: 12.09.2026 — die Daten dieser Kommune konnten seit 37 Tagen nicht aktualisiert werden, weil das Ratsinformationssystem derzeit nicht erreichbar ist. Inhalte können veraltet sein.

Annahme einer Schenkung eines Kunstwerkes des Künstlers Mike Kelley an das Museum Ludwig

Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss 3857/2018 vom 05.12.2018

Stand: Am 18.12.2018 im Rat ungeändert beschlossen.

Dokumente

  • Beschlussvorlage Rat

    PDF

    Herunterladen: Beschlussvorlage Rat

    Automatisch aus dem PDF ausgelesen, Lesefehler sind möglich.

    Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/4511 Vorlagen-Nummer 3857/2018 Freigabedatum 30.11.2018 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Annahme einer Schenkung eines Kunstwerkes des Künstlers Mike Kelley an das Museum Ludwig Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschluss: Der Rat der Stadt Köln nimmt die Schenkung eines Kunstwerkes des Künstlers Mike Kelley mit einem Gesamtwert von 450.000 € an das Museum Ludwig mit großem Dank an. Ausschuss Kunst und Kultur 11.12.2018 Rat 18.12.2018 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Begründung Mike Kelley (*1954 Detroit, MI, USA) Gauntlet, 1995 Acryl, Holz L 975 cm, B 122 cm, H 7,6 cm Gauntlet besteht aus sechs Holzpanelen, die mit kreisförmigen Signes verziert sind. In den Farbkrei- sen sind mit Acrylfarbe ein Pferdekopf, das Raumschiff Apollo, das zwischen 1966 und 1975 zum Einsatz kam, ein Totenkopf, ein Polyeder, Maria als Regina caeli sowie ein in einem Wappen gemal- ten Widder dargestellt. Alle Motive könnten selbstgewählte Logos von Studentenverbindungen sein, mit denen sich Kelley bereits in seiner Arbeit Alma Pater (Wolverine Den) von 1990 befasst hatte. In dieser Installation malte er auf Filzbanner Markenzeichen seiner Alma Mater, der University of Michi- gan in Ann Arbor. Damals beschäftigte ihn die unterschwellige Botschaft, die in der selbstgewählten Inszenierung lag: „Als ich in den frühen 1970er Jahren studierte, war ich schockiert, wie sehr diese Hochschule das rowdyhafte Machotum ihrer Footballspieler und Verbindungsmitglieder förderte.“ Gauntlet überlässt es den Betrachter*innen die Motive zu deuten. Gleichwohl verweist der Titel auf ein konkurrierendes und wetteiferndes Verhältnis der Gruppen, die sich hinter den Logos verbergen, und deren Aggression sich gegen einzelne Mitglieder richten kann. Im „Gauntlet“ müssen sie durch eine Gasse von bewaffneten Schlägern laufen, „to run the gauntlet“ bedeutet Spießrutenlaufen. Kelley befasste sich in seinem Werk immer wieder mit gesellschaftlichen Abgründen und wie sie in amerikanischer Alltagskultur und Folklore ungewollt sichtbar werden. Dass auch die Architektur von Ausbildungsinstanzen wie die Universität Sinnbild von lebenslanger Prägung sein kann, thematisiert Kelley in seiner großen Arbeit Educational Complex. Die Arbeit entstand wie Gauntlet für seine große Ausstellung Towards a Utopian Arts Complex in der Galerie Metro Pictures in New York 1995. Kelley knüpfte damals an seine langjährige Beschäftigung mit Architekturmodellen von Ausbildungs- und Wohnorten an, die für prägende soziale und kulturelle Formationen stehen. Letztlich kann auch die Skulptur Primal Architecture von 1995 dazu gezählt werden, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen war und die anlässlich des 2006 an Kelley verliehenen Wolfgang-Hahn-Preises von der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig für das Haus erworben wurde. Die mit synthetischen Farben getränkten Papiermachéhaufen auf einem schwarzen Metallgitter bilden gleichsam Ur-Architekturen. Sie erscheinen als Gegenpol zum futuristischen Entwurf der fiktiven Stadt Kandor – der Heimat von Superman. Der Comic-Held führt sie im verkleinerten Maßstab in einer Glasglocke mit sich als Erin- nerung an seine Herkunft und als Metapher seiner „Festung der Einsamkeit“. Mit Hilfe der Fange- meinde von Superman-Comics hatte Kelley die vielen variierenden Abbildungen dieser Stadt gesam- melt und für die Ausstellung Zeitenwenden 1999 in Bonn in eine Architekturlandschaft verwandelt. Der utopische Charakter des Motivs interessierte Kelley ebenso wie das utopische Unterfangen aus den fragmentierten Ansichten der Stadt ein Modell der gesamten Anlage zu schaffen. 2007 entwickel- te er Videoskulpturen die diesem großen Thema gewidmet sind. Zu ihnen gehört auch Kandor 6 – eine Arbeit, die mit Mitteln des Kulturdezernates der Stadt Köln 2007 erworben werden konnte. Sie besteht aus zwei L-Formen in Gelb und Magenta , die so aneinander gestellt sind, dass sie zugleich wie Möbelstücke fungieren, zumal auf dem einen ein gelbes Hemd, wie von Superman persönlich vor seinem Einsatz abgeworfen, liegt. Davor steht ein metallisch glänzender Gasbehälter. Ein gelber Schlauch verbindet ihn mit einer getönten Glasglocke auf einem Sockel, in der schemenhaft die Stadt Kandor zu erkennen ist. Ergänzt wird die Installation durch eine Videoprojektion von der Glasglocke in Großaufnahme, die eine einströmende gasförmige Substanz zeigt. Auf diese Weise wird die skulptu- rale Installation auch zu einem theatralischen Modell der „Festung der Einsamkeit“ des Helden und zu einer – wie es Kelley für „Kandor-Con 2000“ selbst formulierte – „Metapher für seine entfremdete Be- 3 ziehung zu dem Planeten, den er gegenwärtig bewohnt.“ Fragt also Primal Architecture nach den Bedingungen der Sozialisation durch die Institution Familie, die alle Menschen betrifft, so kann Kandor 6 als Hinweis auf die Rolle des Künstlers verstanden wer- den, der zwischen selbst gewählter Einsamkeit und entfremdeter Beziehung zur Gesellschaft künstle- risch zu arbeiten sucht. Gauntlet erscheint in dieser Konstellation als missing link, denn sie verweist auf die Universität als prägende Ausbildungsinstanz, die Kelley durchlief, bevor er 1976 seinen Ba- chelor of Arts in Ann Abor abschloss. Dass Gauntlet nun als Schenkung in die Sammlung eingeht, nachdem das Werk sich seit 1996 als Leihgabe im Haus befindet, ist ein großes Glück; hat diese Ar- beit doch nicht zuletzt die Erwerbungen der anderen beiden Werke Mike Kelleys mitinitiiert. Das Museum Ludwig begrüßt diese großartige Schenkung von dem Sammlerehepaar Arend und Bri- gitte Oetker, das seit Jahren mit dem Museum Ludwig eng verbunden ist. Das Kunstwerk hat laut vorliegendem Gutachten einen Wert von 400.000 € bis 500.000 €. Mit der Annahme der Schenkung ist die Fertigung einer Spendenbescheinigung in Höhe des Mittel- wertes verbunden.

Beratungsverlauf

  1. 11.12.2018

    Ausschuss Kunst und Kultur

    TOP 6.2, Vorberatung (Fachausschuss). Ergebnis: ungeändert empfohlen
  2. 18.12.2018 zuletzt

    Rat

    TOP 2.2, Entscheidung. Ergebnis: ungeändert beschlossen

War diese Seite hilfreich?

Zur Rückmeldung speichern wir nur Ihre Antwort, die Seite und den Tag. Eine IP-Adresse speichern wir dazu nicht, und wir setzen kein Cookie. Mehr zum Datenschutz