1124/2022
Information über umfangreiche Schnittmaßnahmen zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit eines Naturdenkmals
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Gutachten_ND_103.15c
34112 Zeichen
Gutachten:
Überprüfung der Verkehrssicherheit der
Naturdenkmal-geschützten Blutbuche ND103.15C
(
Fagus sylvatica ‘Purpurea‘
)
im Garten der Erzbischöflichen Residenz,
Kardinal-Frings-Straße 10, 50668 Köln
Auftraggeber:
Umwelt- und Verbraucherschutzamt Stadt Köln
Abteilung Baumschutz
Stadthaus Deutz - Westgebäude
Willy-Brandt-Platz 2
50679 Köln
Auftragnehmer:
Forstbetrieb für Baumpflege Oliver Menke
Takustraße 68, 50825 Köln
Gutachter:
Knud-W. Dunkhorst und Cecilia Sabatini
- Sachverständigenbüro -
Datenauswertung und Berichtserstellung:
Knud-W. Dunkhorst
Köln, d. 07. März 2022
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Sachverständigenbüro, Forstbetrieb für Baumpflege Oliver Menke, Takustraße 68, 50825 Köln, Gutachter: Kn ud-W. Dunkhorst
INHALTSVERZEICHNIS:
Seite:
1. Ziel der Untersuchung en 2
2. Methodik der Untersuchung en 2
3. Zustandsbeschreibung und Bewertung 3
4. Ergebnisse der Eingehenden Untersuchung und Schlussfolgerung 7
5. Beurteilung der Verkehrssicherheit 14
6. Prognose der Reststandzeit 14
7. Maßnahmen zum Erhalt oder zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit 15
8. Zusammenfassung der Ergebnisse 15
9. Schlussbemerkung 16
10. Literaturverzeichnis 16
Anhang I: Beschreibung des Diagnoseverfahrens 18
Anhang II: Standort der Blutbuche 20
1. ZIEL DER UNTERSUCHUNG
An der untersuchungsgegenständlichen geschützten Blutbuche war kürzlich ein g rößerer
Nebenstämmling während eines Sturmereignisses ausgebrochen. Da die Verkehrssicher heit des
Baumes danach infrage gestellt war, wurde das hier vorliegende Gutachten beauftragt, um eine
mögliche Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit des Baumes mittels eingehender Untersuchung
zu überprüfen. Anhand der Untersuchungsergebnisse sollen Empfehlung von Maßnahmen zum
Erhalt und/oder zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit ausgesprochen werden. Die Resultate
dieser Untersuchung sind in Form eines schriftlichen Kurzberichts zu dokumentiert und vorzulegen.
2. METHODIK DER UNTERSUCHUNG
Die durchgeführten Untersuchungen entsprechen den Anforderungen und Leistungsmerkmalen der
ZTV-Baumpflege (20 17), der Baumkontrollrichtlinien der FLL (20 20), der FLL-
Baumuntersuchungsrichtlinien (2013) sowie der RAL Gütebestimmungen für Baumgutachten.
Zuerst wurden für den zu untersuchenden Baum die Grunddaten erfasst wie der Umfang in 1m Höhe
und am Stammfuß, Baumhöhe, Kronendurchmesser sowie die Kronenvitalität. Danach wurden
Stammfuß-, Stamm- und Kronenbereiche des Baumes eingehend auf biologische, sta tische und
mykologische Merkmale untersucht, um ein entsprechendes Bild im Hinblick au f die Stand- und
Bruchsicherheit und das zu erwartende Lebensalter zu erhalten. Grundlage der Untersuchungen ist
die Methode V.T.A. = Visual Tree Assessment = Baum-Sicht-Kontrolle (Mattheck 2003). Die
Kronenvitalität wurde nach dem Vitalitätsmodell von Roloff bestimmt.
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Zur eingehenden Untersuchung geschädigter Baumbereiche wurden, neben Schonhammer,
Sondierstab und Stechbeitel, der Impulstomograf (Arbotom ® von Rinntech ) eingesetzt
(Beschreibung des Diagnoseverfahrens siehe Anhang I) . Zusätzlich wurde zur Verifikation der
schalltomografischen Ergebnisse das elektronisch regelnde und messende
Bohrwiderstandsmessgerät (Resitograph® R650-EA der Serie 6 von Rinntech) eingesetzt. Das
elektronische Bohrwiderstandsmessgerät zeichnet linear korrelierte Bohrwiderstandsprofile auf, die
eine verlässliche Zuordnung zwischen Bohrwiderstandskurve und Holzdichte bzw. dem Zustand des
durchbohrten Holzes zulassen.
Die in dieses Gutachten eingefügten Bilder wurden von uns am Tag der eigehenden Untersuchung
vor Ort aufgenommenen.
3. ZUSTANDSBESCHREIBUNG UND BEWERTUNG:
BAUM NR.: ND 103.15 c ZEITPUNKT DER UNTERSUCHUNG 04.03.2022
ALLGEMEINE ANGABEN ÜBER DEN BAUM
Grunddaten des Baumes
Baumstandort Garten der Erzbischöflichen Residenz,
Kardinal-Frings-Straße 10, 50668 Köln
Baumart Blutbuche (Fagus sylvatica ‘Purpurea‘)
Geschätztes Alter in Jahren ca. 140 bis 160 (Alterungsphase)
Stammumfang in 1 m Höhe/ Stammfuß (in cm) 530 / 675
Baumhöhe (m) / Kronendurchmesser (m) ca. 25 / 28
Solitär, Baumreihe, Baumgruppe,
Bestandsbaum
Solitär
Vitalität nach Roloff * VS 1 bis 2
ANGABEN ZUM STANDORT
Die alte Blutbuche stockt zusammen mit anderen Bäumen unterschiedlicher Art un d zum Teil
ähnlichen Alters in dem nach Errichtung der heutigen Köllner Bischof-Residenz Ende der 1950er-
Jahre erhaltenen gebliebenen, durch hohe Mauern umgebenden Teil einer alten, noch aus der
Vorkriegszeit stammenden Parkanlage*. (siehe Abb. 2 und Anhang II).
* Quelle: Wikipedia.org: Residenzen Kölner Bischöfe https://de.wikipedia.org/wiki/Residenzen_K%C3%B6lner_Bisch%C3%B6fe
GESUNDHEITSZUSTAND DES BAUMES
Stammfuß
Art- und altersgerecht kräftig ausgebildeter Stammfuß, Wurzelanläu fe in relativ
steilem Winkel in den Boden eingewachsen. Zwischen Wurzelanläufen teilweise tiefe
Einwallungsrinnen bzw. -buchten.
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Stamm
Der nur ca. 1,8 m lange Stamm der Buche weist äußerlich auffällige
Kompensationsstrukturen auf. Am Ende eines kürzlichen, mehrtägigen
Starkwindereignisses erfolgte ein großflächiger Stämmlingsausbruch an südöstlicher
Stammkopfseite des Hauptstämmlings . Nach Beurteilung der über 1,8 m langen
Abrissfläche ist die Ursache für das Versagen der Stämmlingsanbindung ein an den
äußerlichen Wundholzrippen der Anpressnaht eingerissener tiefreichender
Druckzwiesel (V-Zwiesel) mit großflächig eingewachsener Rinde und eine im inneren
verborgene, bereits langzeitig bestehende Vermorschung hinter der Kontaktfläche
mit eingewachsenen Adventivwurzeln und sichtbaren alten Betonplomben.
Äußerliche Rippenbildung deutet sich auch im Rindenbild des noch vorhandenen
südwestlichen Nebenstämmlings bis kurz über Bodenhöhe an. Eine
Inaugenscheinnahme der Anbindung von oben zeigte zwischen den Stämmlingen
eine tiefer reichende Hohlkehle. Dies ist ein Hinweis darauf, dass auch zwischen dem
Hauptstämmling und dem südwestlichen Nebenstämmling eine tiefreichende, labil e
V-Zwieselanbindung besteht. Am Nebenstämmling sind noch die Überreste einer
alten, gerissenen Stahlsicherung sichtbar.
In alten Parkanlagen, die im 19.Jahrhundert angelegt wurden, hat man Bäum e
teilweise eng zusammengepflanzt damit sie später sehr dicht am Boden quasi
zusammenwachsen und eine imposante, tief ansetzende Krone bilden. Bei einer
genaueren Betrachtung des kurzen mächtigen Stammschaftes der Blutbuche und
den äußerlich daran sichtbaren Zuwachsstrukturen, ist es nicht auszuschließen, dass
es sich bei diesem Baum nicht auch um mindestens zwei scheinbar an der
Stammbasis zusammengewachsene Bäume handeln könnte (siehe Bilder des
Stammschafts in Abb. 7 bis 10 und 15 bis 20).
Krone
Geschwächte Alterskrone. Auffälliger Unterschied im Triebwachstum: gekrümmt es
Wachstum der Triebe (Krallenbildung) im Kronenbereich des südwestlichen
Nebenstämmlings im Vergleich zu gerade ausgerichteten Kurztriebketten im
Kronenmantel des Hauptstämmlings. Vitalität nach Roloff VS 1 (Hauptstämmling), VS
2 (Nebenstämmling).
ALLGEMEINE ANGABEN ÜBER DIE ERKRANKUNG(EN)
Akuter oder
chronischer Verlauf
Umfangreiche Fäule mit Morschungen, keine Pilzfruchtkörper sichtbar.
Krankheitsbereich
bzw. Bereich der
äußerlich sichtbaren
Symptome
Stammkopfbereich bis in das Stammzentrum des mittleren Stammteils.
Rindenstruktur im Außenbereich gibt Hinweis auf weiteren Druckzwiesel.
Bereiche weißfaul zersetzten Holz es in den Abbruchflächen am
Stammkopf und am versagten Stämmling zeig en typische
Demarkationslinien (Zone mit dicht gepacktem , schwarz gefärbtem
Mycel). Dies lässt eine Infektion durch den Zunderschwamm (Fommes
fomentarius) oder Brandkrustenpilz ( Kretschmaria deusta) vermuten. In
Da keine Pilzfruchtkörper sichtbar waren, konnte allein durch die
Erkenntnisse aus der während der Untersuchung vor Ort durchgeführten
Inaugenscheinnahme kein belastbarer Nachweis erbracht werden. Dazu
wären mikroskopische Untersuchungen von Pilz-Mycel enthaltenden
Holzproben im Labor notwendig.
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Abb. 1 und 2: Baumstandort der
untersuchungsgegenständlichen
Blutbuche nach Ausbruch des
Stämmlings. Glücklicherweise streifte
nur der Feinastbereich der
Stämmlingskrone die
Gebäudefassade ohne größere
Schäden zu hinterlassen.
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Abb. 3: Abrissfläche des Stämmlings am
Hauptstämmling mit Hohlraum und sichtbarem
Adventivwurzel-Geflecht.
Abb. 3 u. 4: Ein Blick in die tiefreichende
zentrale Höhlung (Blickrichtung siehe
unterbrochene Pfeillinie) zeigt vorhandene
Betonplomben (siehe gelbe Pfeile) im
abgebaut morschen Holz mit Wurzelgeflecht.
Abb. 5: Wundholzränder (siehe Pfeile) an der
oberen Anpressnaht des Druckzwiesels.
Abb. 6: Abgerissene Duckzwieselanbindung an
der Basis des versagten Stämmlings.
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4. ERGEBNISSE DER EINGEHENDEN UNTERSUCHUNG UND SCHLUSSFOLGERUNG
Zur Überprüfung der vorhandenen Restwandstärken und der aktuell vorhandenen relativen
Biegebelastung des Stammbereichs unterhalb des Stämmlingsausbruchs wurden zwei
schalltomografische Messung durchgeführt. Die Messebenen mit 16 Sensoren w urden auf einer
Höhe von 100 cm und 150 cm über GOK bei einem Stammumfang von 530 und 538 cm positioniert
(siehe Abb. 7 u. 8). Die Messergebnisse (siehe untenstehende Tomogramme in Abb. 11 a u. b sowie
Abb. 12 a u. b und Bilder der Messebenen in Abb. 7 und 8) weisen eine stark verringerte Holzdichte
im zentralen Stammbereich nach. Auf der unteren Messebene (1 m Höhe ) unterhalb der unteren
Zwieselspitze des südwestlichen Nebenstämmlings erscheint der Stammquerschnitt im äu ßeren
Bereich mechanisch gekoppelt mit ausreichender Restwandstärke, wogegen auf der oberen
Messebene in 1,5 m Höhe der Querschnitt des Stammes, im weiter oben liegenden Bereich der
Zwieselanbindung des südwestlichen Nebenstämmlings am Hauptstämmling, keine Verbind ung
zwischen den beiden Stämmlingen besteht. Bei der länglichen Struktur im Tom ogramm der
Messebene in 1 m Höhe (Abb. 11a) kann es sich möglicherweise um einen alten eingewachsenen
Stahlbolzen handeln, den die Schallimpulse ebenso schnell durchlaufen wie intaktes Holz.
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9
7
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Abb. 7 u. 10: Die
Messebene auf 1 m
unterhalb der
Zwieselanbindung
des südwestlichen
Nebenstämmlings
Abb. 8 u. 9:
Die Messebenen auf
1,5 m Höhe im
Bereich des
Zwiesels.
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Abb. 11 a: 2D Flächentomogramm, Untersuchungsebene in 100 cm Höhe, bis 875 m/s (siehe
Farbskala) ist die Holzdichte statisch unbedenklich. Die schwarze Kreismarkierung in der Grafik
zeigt zu Vergleichszwecken eine Restwandstärke von 30% (t/r 0,30).
Abb. 11 b: Liniengrafik, 1m Messhöhe
Bei der länglichen
Struktur kann es sich
möglicherweise um
einen Stahlbolzen
handeln.
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Abb. 12 a: 2D Flächentomogramm, Untersuchungsebene in 150 cm Höhe, bis 875 m/s (siehe
Farbskala) ist die Holzdichte statisch unbedenklich. Die schwarze Kreismarkierung in der Grafik
zeigt zu Vergleichszwecken eine Restwandstärke von 30% (t/r 0,30).
Abb. 12 b: Liniengrafik, 1,5 m Messhöhe
Stämmlingsausbruch
(Bruchlinie)
südwestl.
Stämmling
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Eine Analyse der Auswirkungen von Schadensbereich und Stammprofil auf das relativ e
Biegewiderstandsmoment mit dem Mechanik-Modul der Arbotom® Software zeigt eine Reduktion
des Widerstandsmoments auf der Messebene (1 m Höhe) von -12%. Danach ist die Bruchsicherheit
auf der Messebene noch nicht beeinträchtigt (Abb. 13). Auf 1,5 m Messhöhe ist die t heoretische
Reduktion des Widerstandsmoments auf der Messebene aufgrund des größeren Ausmaßes der
mechanisch nicht gekoppelten Fläche mit -20% etwas höher, was aber ebenfalls noch nicht auf eine
Gefährdung der Bruchsicherheit auf Messebene hindeutet.
Der in den beiden Tomogrammen (Abb. 11a/b u.12a/b) rot bis purpurn gefärbte zentrale Bereich der
Querschnittsflächen kann zum Teil eine durch Fäule stark herabgesetzte Holzdi chte oder ein
Hohlraum innerhalb der Hohlkehle des Zwiesels z.T. aber auch eingewachsene Ri nde bedeuten.
Abb. 13:
Grafische Darstellung des
Einflusses vom Fäulnisbereich
im Stammfußquerschnittsprofil
auf das Biegemoment auf der
Messebene in 1 m Höhe.
Abb. 14:
Grafische Darstellung des
Einflusses vom Fäulnisbereich
im Stammquerschnittsprofil auf
das Biegemoment auf der
Messebene in 1,5 m Höhe.
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Sachverständigenbüro, Forstbetrieb für Baumpflege Oliver Menke, Takustraße 68, 50825 Köln, Gutachter: Kn ud-W. Dunkhorst
Dadurch kann, bedingt durch eine vermutlich extrem inhomogene Beschaffenheit de r zentralen
Messebene, die Dimension der durch lange Schalllaufzeiten in den Tomogrammen ausgewiesenen
schlecht bis gar nicht mechanisch gekoppelten Flächen zu groß bzw. überinterpretiert abg ebildet
sein. Zur Verifikation der schalltomografischen Ergebnisse wurde daher zusätzlich das
Bohrwiderstandsmessgerät eingesetzt. Es wurden sechs punktuelle Bohrwiderstandsm essungen
(BWM) an strategisch gewählten Stellen beider schalltomografischer Messebene n und eine am
unteren Stammfuß durchgeführt (siehe Kurvenprofile in Abb. 15 bis 20 mit Auswertungen).
Forstbetrieb für Baumpflege Oliver Menke -Sachverständigenbüro-
Takustraße 68, 50825 Köln
Positionierung: 150 cm Höhe (bei Sensor 6)
Ausrichtung: horizontal-lateral (Richtung Zwiesel)
Im Kurvenprofil zeigt sich auf der gesamten Messtiefe
intaktes Holz, der Zwieselbereich wurde auf der 50 cm
langen Messstrecke nicht erreicht.
Abb. 15: BWM Nr. 1 in 1,5 m Höhe am Neben-
stämmling auf Position Sensor 6 Richtung Zwiesel
Positionierung: 150 cm Höhe, Umfang 210 cm (bei
Sensor 8)
Ausrichtung: horizontal-radial
Im Kurvenprofil zeigt sich bis zu ca. 23 cm Messtiefe
intaktes Holz, danach fällt die Messkurve ab, der
Zwieselbereich mit Fäule oder Höhlung wurde erreicht .
Nach ca. 265 cm zeigt die ansteigende Messkurve
erneut intaktes Holz.
Abb. 16: BWM Nr. 2 in 1,5 m Höhe am Neben-
stämmling auf Position Sensor 8
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Positionierung: 100 cm Höhe (bei Sensor 8),
Ausrichtung: horizontal-lateral
Im Kurvenprofil zeigt sich bis ca. 23 cm Messtiefe
intaktes Holz, danach bis zum Ende der 50 cm
Messtrecke fällt die Kurve ab, was auf stark verringerte
Holzdichte im Bereich von Fäule od. sogar Höhlung
hinweist.
Abb. 17: BWM Nr. 3 in 1 m Höhe am Nebenstämmling auf Position Sensor 8
Positionierung: 15 cm Höhe (unterhalb Position S 8),
Ausrichtung: horizontal-lateral
Im Kurvenprofil zeigt sich auf der gesamten Messtiefe
intaktes Holz.
Abb. 18: BWM Nr. 4 in 15 cm Höhe am Stammfuß des Nebenstämmlings unterhalb Sensor 8
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Zusammengefasst weisen die auf der Seite des südwestlichen Nebenstämmlings durchgeführten ,
radial ausgerichteten Bohrwiderstandsmessungen, BWM Nr. 2 bis 4, intakte Restwandstärken (ohne
Positionierung: 150 cm Höhe,
Umfang 420 cm (zwischen Sensor 13 u. 14)
Ausrichtung: horizontal-lateral
Im Kurvenprofil zeigt sich bis ca. 28,5 cm
Messtiefe intaktes Holz, danach bis zum
Ende der 50 cm Messtrecke fällt die Kurve
ab, was auf stark verringerte Holzdichte im
Bereich von Fäule od. sogar Höhlung
hinweist.
Abb. 19: BWM Nr. 5 in 1,5 m Höhe am Hauptstämmling zwischen den Sensoren 13 u. 14
Positionierung: 100 cm Höhe (bei Sensor
6), (zwischen Sensor 13 u. 14)
Ausrichtung: horizontal-lateral
Im Kurvenprofil zeigt sich bis ca. 31 cm
Messtiefe intaktes Holz, danach fällt die
Kurve plötzlich steil ab bis zum Ende der
50 cm Messtrecke, was ein Hinweis auf
stark verringerte Holzdichte im Bereich von
Fäule od. sogar Höhlung ist.
Abb. 20: BWM Nr. 6 in 1 m Höhe am Hauptstämmling zwischen den Sensoren 13 u. 14
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Rinde) in 1 m und 1,5 m Höhe von 20, 5 cm und in 15 cm Höhe am unteren Stammfuß >47,5 cm
nach.
Die auf der Seite des nördlichen Hauptstämmlings radial ausgerichteten BWM 5 und 6 ergeben
Restwandstärken (ohne Rinde) von 28,5 cm auf 1,5 m und 26 cm auf 1 m Höhe.
SCHLUSSFOLGERUNG AUS DEN ERGEBNISSEN DER EINGEHENDEN UNTERSUCHUNG
Aufgrund der Erkenntnisse aus der eingehenden Untersuchung und der Ergebnissen der da bei an
der Blutbuche durchgeführten Messungen sehe ich die Verkehrssicherheit in erster Linie wegen der
labilen Anbindung des südwestlichen Nebenstämmlings als gefährdet an. Zur Abwendung einer
Bruchgefahr besteht hier Handlungsbedarf. Andererseits erscheinen die nachgewiese nen intakten
Restwandstärken noch ausreichend, trotz des anhand der schalltomografischen Ergebnisse schwer
einschätzbaren Schadens im Zentrum des Hauptstämmlings, sodass hier nach meiner Einschätzung
zurzeit noch keine akute Bruchsicherheitsgefährdung besteht.
Nach meiner Meinung sollen die Maßnahmen zur Wiederherstellung und zum Erhalt der
Verkehrssicherheit des alten Baumes zwei Ziele verfolgen. Zum einen muss der südw estliche
Nebenstämmling zur Abwendung der Bruchgefahr verletzungsfrei, d,h. nicht durch den Einbau von
Stahlgewindestangen, sondern in diesem Fall vorzugsweise durch ein textiles
Kronensicherungssystem, gesichert werden. Zum anderen sehe ich die Notwendigkeit einer
behutsamen Kronenreduktion zur vorausschauenden Vorbereitung des Baumes auf eine, wegen der
absehbaren Ausdehnung des Stammschadens später notwendig werdenden, noch stärkeren
Einkürzung der Krone. Aufgrund der bereits bestehenden Schwächung verträgt die alte Buche keine
stärkeren Eingriffe in die Krone, da zu befürchten ist, dass sie dadurch nur noch weiter geschwächt
wird. Daher empfehle ich eine stärke re Kronenauslichtung. Unter Beibehalt des natürlichen
Kronenhabitus sollen Nebenäste entnommen werden. Zusätzlich soll die Krone an den Hauptästen
nur leicht und behutsam eingekürzt werden. Um Sonnennekrosen zu vermeiden, dürfen dabei
Kronenäste nicht freigestellt werden. Durch eine Kroneneinkürzung soll en Neuaustrieben bzw.
Sekundärtriebbildung im inneren Kronenbereich angeregt und dadurch eine
Sekundärkronenausbildung beschleunigt werden. Daneben soll durch die Verringerung des
Kronensegels eine Reduktion des Kronengewichts und d er eingetragene Windlast in den
geschädigten Stamm erzielt werden.
5. BEURTEILUNG DER VERKEHRSSICHERHEIT
Berechtigte Sicherheitserwartung des
Verkehrs*: geringer
Regel-Kontrollintervall*: einmal jährlich
Aktueller Verkehrssicherheitsstatus: nicht verkehrssicher
* nach FLL-Baumkontrollrichtlinien 2020
6. PROGNOSE DER RESTSTANDZEIT
kurzfristig bis zu 5 Jahre mittelfristig 6 bis 15 Jahre X langfristig > 15 Jahre
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7. MASSNAHMEN ZUM ERHALT ODER DER WIEDERHERSTELLUNG DER
VERKEHRSSICHERHEIT
MASSNAHMEN: DRINGLICHKEIT:
Einbau einer statischen Kronensicherung als Basis-Sicherung und
einer statischen Bruchsicherung in 2/3 Stämmlingshöhe:
- Die Basis-Sicherung soll eher tief, horizontal und ohne
Durchhang im Bereich der Vergabelung des südwestlichen
Nebenstämmlings eingebaut werden. Sie soll das
Ausbrechen des Stämmlings verhindern und dient als
Ergänzung zu einer statischen Kronensicherung im oberen
Kronenbereich (zur Basissicherung siehe: Sinn, G., 2009
und Pietruschinski, M., 2014).
- Durch den zusätzlichen Einbau einer statischen
Kronensicherung in 2/3 der Stämmlingshöhe sollen
Schwingungen des südwestlichen Nebenstämmlings
weitgehend einschränkt und dadurch eine Bruchgefahr
verhindern werden. Bemessung und Einbau der statischen
Kronensicherung nach ZTV Baumpflege 2017, Pkt. 3.4
(3.4.1 bis 3.4.4) S. 44 bis 46 und Anhang B 4, S.79.
Nach Einbau sollen die Basis- und Kronensicherung im jährlichen
Abstand überprüft werden. Die empfohlenen Maßnahmen sollen
von erfahrenen und qualifizierten Baumfachkräften durchgeführt
werden.
Zeitnah bis Ende April 2022
Stärkere Kronenauslichtung durch die Entnahme von Nebenästen
sowie nur leichte und behutsame Einkürzung der Hauptäste der
Krone auf Zugast, um 1 bis maximal 1,5 m Länge, bis
Grobaststärke. Diese Maßnahmen sind nach ZTV Baumpflege
2017, Pkt. 3.3 (3.3.1 bis 3.3.2, Seite 43) von erfahrenen und
qualifizierten Baumfachkräften durchzuführen.
Juni 2022
Erneute Überprüfung des Stamm- und Stammkopfbereichs per
eingehender Untersuchung.
Mai 2025
8. ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE
Durch die Ergebnisse einer eingehenden Untersuchung der Blutbuche nach Sturm-bedingte n
Versagens eines Stämmlings, wurde festgestellt, dass ein weiterer Nebenstämmling durch seine
labile Anbindung bruchgefährdet ist. Eine Überprüfung der Restwandstärken i m Stammbereich
ergab keine Hinweise auf eine unmittelbare Gefährdung der Bruchsicherheit. Um den geschädigten
Baum nicht weiter zu schwächen, rate ich, zur Minderung einer Bruchgefahr des südwestlichen
Nebenstämmlings, zum verletzungsfreien Einbau einer Basis- sowie einer statischen
Kronensicherung. Des Weiteren empfehle ich zur Anregung einer Sekundärkronenbildung und zur
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Entlastung des geschädigten Stammes eine stärkere Kronenauslichtung sowie eine leichte
Kroneneinkürzung an den Hauptästen. Diese Maßnahmen sollen von erfahrenen und qualifizierten
Baumfachkräften nach ZTV Baumpflege durchgeführt werden.
Ich erachte die alte Blutbuche aufgrund ihres Ortsbild-prägenden Charakters als unbedingt
erhaltungswürdig wegen der Schädigung aber nur mittelfristig erhaltungsfähig. Nach Durchführung
der empfohlenen Maßnahmen ist die Verkehrssicherheit des Baumes wiederhergestellt. In 3 Jahren
soll der geschädigte Stammbereich erneut per eingehender Untersuchung überprüft werden.
9. SCHLUSSBEMERKUNG
Das Gutachten wurde nach bestem Wissen und Gewissen objektiv und unparteiisch erstellt.
Grundlage für die Untersuchung ist der heutige Stand der wissenschaftlichen E rkenntnisse der
Baumpflege und Baumsanierung sowie der speziellen Baumanalyse.
Köln, den 07.03.2022
Knud-W. Dunkhorst
- Sachverständigenbüro -
Nutzungsbeschränkung und Urheberrecht
Dieses Gutachten ist ausschließlich zum Gebrauch des Auftraggebers bestimmt. Eine We itergabe
an dritte Stellen ist zulässig, jedoch nur in vollständiger Form ohne Herausnahme von T extteilen
oder Abbildungen. Für dieses Gutachten gelten die gesetzlichen Bestimmungen des Urheberrechts.
Eine Vervielfältigung dieser Arbeit, von Textteilen oder Abbildungen beda rf des schriftlichen
Einverständnisses des Verfassers.
10. LITERATURVERZEICHNIS
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2020, Hrsg. FLL, Bonn
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Braunschweig, S.266 bis 273
Wessolly, L. & Erb, M., 1998, Handbuch der Baumstatik und Baumkontrolle; Patzer Verlag, Berlin
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Sachverständigenbüro, Forstbetrieb für Baumpflege Oliver Menke, Takustraße 68, 50825 Köln, Gutachter: Kn ud-W. Dunkhorst
ANHANG I: BESCHREIBUNG DES DIAGNOSEVERFAHRENS
DER IMPULS- ODER SCHALLTOMOGRAF
Der Impulstomograf erfasst auf einer Messebene den Querschnitt des gesamten Hol zkörpers. Die
Funktion des Impulstomografen basiert auf dem Prinzip von Schallimpuls-Laufzeitmessungen. In der
praktischen Anwendung werden rings um den Stamm auf gleicher Höhe Stahlstifte bis in den ersten
oder zweiten Jahresring getrieben. An den Stahlstiften werden im Uhrzeigersin n nummerierte
Messsensoren befestigt, deren Anzahl abhängt vom jeweiligen Stammumfang des zu
untersuchenden Baumes. Durch leichte Hammerschläge werden auf die Schlagmuttern der
Sensoren messbare Impulse abgegeben die durch das Holz laufen und von den anderen Sensoren
empfangen werden. Gemessen werden die Laufzeiten der Impulse vom Impulsgeber zu de n
einzelnen Sensoren. Durch eine spezielle Software werden die Laufzeiten dann, unter Einbeziehung
der Sensorabstände, in Geschwindigkeiten umgerechnet. Der Computer berechnet darau s ein
farbiges Tomogramm welches den Stammquerschnitt darstellt.
Für eine gute Übertragung des Schallimpulses zwischen den außen angebrachten Sen soren ist
allein die mechanische Verbindung des Holzes im Querschnitt mit der äußeren Restwand w ichtig.
Dies gilt ebenso für die Stabilität des Stammes. Der Schall wird im H olzmaterial nur über
mechanische Verbindungen übertragen d.h., dass der von einem außen am Stamm ang ebrachten
Sensor ausgehende Schallimpuls nur über mechanisch verbundene Bereiche des
Stammquerschnitts bis zu einem empfangenden Sensor gelangen kann. Im m echanisch intakten
Holzverbund sind die Laufzeiten der Schallimpulse relativ kurz. Um mechanisch abgekop pelte
Bereiche, wie Höhlungen, muss der Schallimpuls einen Umweg machen bis er vom Empfänger-
Sensor registriert werden kann, daher sind die Schalllaufzeiten hier relativ lang. Die von außen durch
die Schallimpulsen nicht zu erreichenden Bereiche des Stammquerschnitts erscheinen rot od er
purpur. Dabei spielt keine Rolle, ob sie intakt oder total ausgehöhlt sind . Im Flächendiagramm
erscheinen nur die Bereiche grün bis gelbgrün, bei denen mit dem äußeren Stammrand eine in zwei
Richtungen (jeweils zu Sende- und Empfangs-Sensor) durchgängig feste Verbindung besteht. Im
Flächendiagramm wird, über den Umweg der Schallaufzeiten, daher primär nicht der reine
Holzzustand abgebildet, sondern die im Zusammenhang gemeinsam stabilisierenden, mechanisch
verbundenen und damit die statisch relevanten Bereiche des Stammquerschnitts. In der
Liniengraphik zeigen die Farben der Linien in Abhängigkeit von den in beide Richtungen laufenden
Schallgeschwindigkeiten zwischen Sende- und Empfangs-Sensor, die Qualität des Holzkörpers im
Messbereich.
Berücksichtigung finden muss bei der Interpretation von Tomogrammen auch, dass in baumfremden
Materialien wie z.B. eingewachsene Stahlbolzen oder Betonplomben die Schallimpulse sich anders
fortbewegen als im Holz. Je nach Abweichungen der Schalllaufzeiten kann dies überinterpretiert im
Tomogramm abgebildet werden.
In diesem Bericht wurde für die grafische Darstellung des Messergebnisses im Impulstom ogramm
die Farbkombination „ Purpur-rot-gelb-grün“ gewählt. Für die Interpretation des Tomogramms
bedeutet daher Gelb, Dunkelrot bis Purpur, dass die Schallimpulse die farbli ch so markierten
Segmente entweder nur langsam oder gar nicht direkt durchdringen konnten . Im Gegensatz dazu
zeigen hell- bis dunkelgrüne Bereiche in der Grafik, dass hier mechanisch gekoppelte, durchgehend
stabile Verbindungen im Querschnitt vorhanden sind. Gelbgrün zeigen die Übergang sbereiche
zwischen mechanisch gekoppelt (hohe Dichte) und verminderter oder nicht vorhandener
mechanischer Kopplung ( Rot bis Purpur) an. Für die Interpretation des Tomogramms ist es,
abgesehen von der farblichen Darstellung, auch wichtig, die immer rechts neben der G rafik
angezeigte Farbskala mit den jeweils zugeordneten Laufzeiten zu beachten.
Stammform sowie die genaue Lage und Form eines Schadens müssen bei der Beurt eilung der
Bruchsicherheit eines Baumes mitberücksichtigt werden. D as Mechanik Grafik Modul der
ARBOTOM® Software folgt diesem Konzept. Es ermöglicht die Ermittlung und visuelle Darstellung
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des relativen Widerstandsmoments für beliebige Querschnittsgeometrien. S owohl schadhafte
Bereiche als auch die unterschiedliche Zug- und Druckfestigkeit des Holzes (die Druckfestigkeit des
Holzes ist meist nur etwa halb so groß ist wie die Zugfestigkeit) werden berücksichtig t. Das
Mechanik-Modul zeigt eine grafische Darstellung des Biegewiderstandsmoment s. Der Kurvenwert
bei 0° (oben, meist = Nordrichtung) entspricht einer Biegung in diese Richtung, gehör t also zum
Wind aus der gegenüberliegenden Richtung (Süd). Wenn sich eine Kurve in eine bestimm te
Richtung am stärksten nach außen ‚ausbeult’, so ist das relative Widerstandsmoment in diese
Biegerichtung am schwächsten. Der blaue Pfeil markiert die Richtung, in die der Querschnitt unter
Berücksichtigung des inneren Zustands am leichtesten zu biegen ist. Die Mechanik Gr afik bezieht
sich nur auf die jeweilige Messebene und geht von reiner Biegebelastung, d.h. dem Auftreten von
Zug- und Druckspannungen aus. Schubspannungen wie sie z.B. bei Schlauchknicken und
Torsionsbelastung (Drehung) auftreten, werden hier nicht berücksichtigt. Bei der In terpretation der
Mechanik-Grafik muss dies berücksichtigt werden.
Quellenangabe:
Rinn, Frank: Statische Hinweise im Schall-Tomogramm von Bäumen. Stadt+Grün 7/2004, S. 41- 45
Rust, S.: Schalltomographie in der Praxis. Baumzeitung, 3/2005, S. 35-36.
Frank Rinn, Rinntech, 2011: „Arbotom®-Software Benutzerhandbuch, Heidelberg
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Anhang II: Standort der untersuchungsgegenständlichen Blutbuche im Garten der
Erzbischöflichen Residenz, Kardinal-Frings-Straße 10, 50668 Köln
Quelle: www.tim-online.nrw.de (Zugriff am 04.03.2022, Geringe Veränderungen: Eintragung vom Baumstandort)
Mitteilung BV
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VIII/57/570 Vorlagen-Nummer 1124/2022 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Naturschutzbeirat bei der Unteren Naturschutzbehörde 25.04.2022 Information über umfangreiche Schnittmaßnahmen zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit eines Naturdenkmals Information über umfangreiche Schnittmaßnahmen zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit ei- nes Naturdenkmals: ND 103.15c, Blutbuche (Fagus sylvatica `purpurea´), im Garten der erzbischöfli- chen Residenz, Kardinal-Frings-Str.10, 50668 Köln Bei dem ND 103.15c handelt es sich um eine Blutbuche mit einem Stammumfang von 530 cm, einer Baumhöhe von ca. 25m und einem Kronendurchmesser von ca. 28m. Diese stockt im Garten der erzbischöflichen Residenz in der Kölner Innenstadt. Vom 17.02.2022- 21.02.2022 herrschten über Deutschland mehrere Tiefdruckwetterlagen (Ylenia, Xandra, Zeynep, Antonia), welche sich über ca. 5 Tage erstreckten und mit Windgeschwindigkeiten zwischen 80km/h bis zu Geschwindigkeiten von 130 km/h in der Kölner Bucht für stürmische und or- kanartige Böen sorgten. Im Zuge dieser Sturmtiefs hat die Blutbuche im erzbischöflichen Garten ei- nen schweren Stämmlingsausbruch erlitten. Dabei löste sich einer von drei Stämmlingen und fiel in den Garten. Personenschäden entstanden keine, jedoch führte der Bruch zu einigen materiellen Schäden. Die Meldung des Schadens ging bei der Verwaltung am Donnerstag, den 24.02.2022 ein. Daraufhin wurde am Donnerstag, den 03.03.2022, ein vor Ort Termin durchgeführt um die Situation beurteilen und Maßnahmen ergreifen zu können. Nach Beurteilung der über 1,8 m langen Abrissfläche ist die Ursache für das Versagen der Stämmlingsanbindung ein eingerissener, tiefreichender Druckzwiesel (V-Zwiesel) mit großflächig eingewachsener Rinde und eine im inneren verborgene, bereits langzeitig bestehende Vermorschung hinter der Kontaktfläche. In der Morschung ist eine alte Betonplombe zu sehen, welche anfänglich dazu diente, die vorhandene Faulstelle auszufüllen. Am Freitag, den 04.03.2022 wurden im Auftrag der Verwaltung mehrere eingehende Untersuchungen am Baum durchgeführt, um den vorhandenen Schadenskomplex besser beurteilen und maßge- schneiderte Maßnahmen definieren zu können. Aus dem Gutachten geht hervor, dass im Inneren des Stammes eine ausgedehnte Fäule vorliegt. Ein zweiter, verbliebener Stämmling, weist dieselbe bruchgefährdete Astanbindung auf, welche zum Aus- bruch des gegenständlichen Stämmlings geführt hat. Die schalltechnische Untersuchung in 2 Ebenen sowie einige Bohrwiderstandmessungen bestätigten ausreichende Restwandstärken des verbleiben- den Holzkörpers. Jedoch ist hier die schlechte Anbindung des verbleibenden Stämmlings der Schwachpunkt des Bau- mes. Hinsichtlich des eingetroffenen Schadens, der Untersuchungsergebnisse sowie der schlechten Anbindung des verbleibenden Stämmlings werden hier folgende Erhaltungsmaßnahmen erforderlich: 1. Einbau einer statischen Kronensicherung als Basissicherung und einer statischen Bruchsiche- rung in 2/3 Stämmlingshöhe: Damit soll die Belastung der bruchgefährdeten Anbindung stark minimiert und damit ein weite- rer Ausbruch verhindert werden. Diese Maßnahme soll bis Ende April 2022 ausgeführt wer- den. 2. Eine stärkere Kronenauslichtung durch die Entnahme von Nebenästen, sowie eine leichte Einkürzung der Hauptäste um 1- bis max. 1,5m: 2 Hierdurch wird eine weitere Lastreduzierung am Schadbereichen erzielt, sowie die Buche animiert, mit der Bildung einer Sekundärkrone zu beginnen. Diese Maßnahme soll im Juni 2022, nach dem Johannistrieb erfolgen. Durch die entstandene Lücke ist der komplette Stamm- und Kronenbereich einseitig geöffnet worden und soll durch einen Weißanstrich vor Sonnenbrand geschützt werden. Eine engmaschige Kontrolle des Baumes ist unabdingbar. Zudem können ggf. weitere, leichte Eingrif- fe in der Krone, verteilt auf mehrere Jahre, in Zukunft notwendig werden um den Erhalt des Baumes so lang wie möglich zu garantieren. Die Verwaltung verfolgt hiermit das Ziel, die natürliche physiologische Entwicklung von Naturdenkmä- lern - wo möglich - bis hin zum Verfall zu begleiten. Die Maßnahmen an der mächtigen Blutbuche werden zu den beschriebenen Zeitpunkten durchge- führt. Diese Maßnahme bleibt wegen § 4 Abs. 5 Naturdenkmalverordnung (NDI-VO) unberührt von den Verboten des § 2 Abs. 3 NDI-VO. Ein Befreiungsverfahren war insofern trotz des Umfangs der Schnittmaßnahmen nicht durchzuführen.
Beratungsverlauf (1)
Orte (5)
- Kardinal-Frings-Straße 10
- Takustraße 68
- Willy-Brandt-Platz 2
- Straße 10
- Im Garten
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- 1124/2022
- Typ
- Mitteilung BV
- Datum
- 04.04.2022
- Erstellt
- 01.04.2022 10:25