V/0525/2022
Informationstafel am Schwester-Laudeberta-Weg
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Anlage_2_Stellungnahme_zur_Stadtbildpflege
5101 Zeichen
... 61.42.0105 Frau Toparkus 15.06.2022 61 65 62 Herrn Zimmermann Stellungnahme Errichtung Informationstafel am Schwester-Laudeberta-Weg zum öffentlichen Gedenken an Schwester Laudeberta Hintergrund: Die Bezirksvertretung hat am 22.03.2022 beschlossen, dass der Fußweg an der Aa von der Straße Spiegelturm bis zur Petrikirche den Straßennamen Schwester-Ladeberta-Weg erhält. Darüber hinaus beschloss die Bezirksvertretung Münster-Mitte einstimmig: „Zum öffentlichen Gedenken an Schwester Laudeberta wird am neu benannten Schwester- Laudeberta-Weg eine Informationstafel mit den wesentlichen Informationen zu ihrer Person und ihrem Widerstand gegen die „Euthanasie-Verbrechen“ des Nationalsozialismus, inkl. ei- nes QR-Codes für weiterführende Informationen, errichtet. Die voraussichtlichen Kosten für die Planung, Herstellung und Errichtung für die Informati- onstafel werden ermittelt und der Bezirksvertretung zur Entscheidung vorgelegt. Das Stadtarchiv und das Vermessungs- und Katasteramt werden beauftragt, die histori- schen Hintergründe von Schwester Laudeberta und ihrem Widerstand gegen die „Euthana- sie-Verbrechen“ des Nationalsozialismus zu erarbeiten und für die zu errichtende Informati- onstafel in geeigneter Form darzustellen und der Bezirksvertretung zur Sitzung am 20.09.2022 vorzulegen.“ Die städtische Denkmal- und Stadtbildpflege nimmt hierzu wie folgt Stellung: Neben der Ehrung Schwester Laudebertas durch die Umbenennung des Aa-Uferweges zwi- schen Spiegelturm und Petrikirche in „Schwester-Laudeberta-Weg“, ist es nachvollziehbar, Schwester Laudebertas mutige Taten im Widerstand gegen das Euthanisie-Verbrechen des NS-Regimes durch textliche Informationen im Stadtbild und damit den Menschen, sichtbar zu machen. Informationstafeln zum Stadtökologischen Lehrpfad sind bereits am Aa-Uferweg vorhanden. Es handelt sich hierbei um freistehende Stelen als Metallkonstruktion mit einem Informati- onszettel hinter Plexiglas. Diese sind im Böschungsbereich, von Grünpflanzen umgeben, in- stalliert worden. Bei einer Ortsbegehung wurde festgestellt, dass die Stelen durch die nahe- stehende Vegetation sehr verschmutzt oder durch Vandalismus beschädigt, vorgefunden wurden. Auch die entlang der Promenade installierten freistehenden Informationsstelen wei- sen Beschädigungen auf: - 2 - ... Beispielfotos der Informationsstelen am Schwester-Laudeberta-Weg Beispielfotos der Informationsstelen entlang der Promenade Das Stadtbild ist geprägt und gesättigt von allerlei Stadtmobiliar. Dies reicht von Verkehrs- schildern, Wartehallen, Tischen und Stühlen, über Abfallbehälter usw. Auch Informationsta- feln sind in allerlei Ausführungen zu allerlei Themen bereits im Stadtbild vorhanden. Hochrangiges Ziel der Stadtbildpflege ist es, die Überfrachtung des öffentlichen Raumes zu verhindern bzw. durch Steuerung die Elemente möglichst geordnet im Stadtraum zu veror- ten. Der Schwester-Laudeberta gewidmete Abschnitt der Aa-Uferpromenade ist ein einzigartiger, ruhiger und naturbelassener innerstädtischer Ort. Die Besonderheit des Ortes liegt in seiner reizarmen Umgebung. Jedes dazukommende Element / Mobiliar stört die einmalige Atmo- sphäre dieser innerstädtischen Grün-Oase. Schwester Laudeberta rettete durch ihren Einsatz psychisch kranke und behinderte Men- schen vor dem Mordprogramm des NS-Regimes. Sie hat neben den Angehörigen der Klinik- patienten auch Bischof Clemens August Graf von Galen über die be - 3 - vorstehenden Deportationen in Vernichtungsanstalten informiert. Für den Bischof war dies ein entscheidender Anstoß für seine wichtige Predigt vom 3. August 1941, in der er das Eu- thanasieprogramm öffentlich als Massenmord benannte. Der ehemalige Wohnsitz des Bischofs Clemens August Graf von Galen befindet sich angren- zend an den Schwester-Laudeberta-Weg, der einseitig begrenzt wird durch den Aa-Flusslauf und auf der anderen Seite durch die Einfriedungsmauer des Bischöflichen Hofes. Durch die Gespräche von Schwester Laudeberta mit dem Bischof Clemens August Graf von Galen, die den entscheidenden Anstoß für seine berühmte Rede am 3. August 1941 gegeben haben, besteht ein inhaltlicher Zusammenhang zwischen Schwester Laudeberta und dem Bischof Clemens August Graf von Galen. Aus Sicht der städtischen Denkmal- und Stadtbildpflege wäre es gut, wenn dieser Zusammenhang auch baulich zum Ausdruck gebracht würde. Aus den vorgenannten Gründen schlägt die städtische Denkmal- und Stadtbildpflege vor, die Gedenktafel baulich integriert an der Einfriedungsmauer in Form einer Bronzetafel, wie Sie bereits im Stadtbild an historisch bedeutsamen Gebäuden zahlreich – und in tadellosem Zu- stand – vorhanden sind, zu installieren. Beispiel Gedenktafel an Gräfin Maria Droste zu Vischering; angebracht an der Einfriedungsmauer am Erbdrostenhof Die Größe und Standortwahl muss im weiteren Vorgehen mit der städtischen Denkmal- und Stadtbildpflege abgestimmt werden. Im Auftrag Toparkus
Berichtsvorlage
4235 Zeichen
V/0525/2022 V/0525/2022 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Informationstafel am Schwester-Laudeberta-Weg Beratungsfolge 08.11.2022 Bezirksvertretung Münster-Mitte Bericht Bericht: Nach dem Beschluss des Straßennamens am 2 2. März 2022 wurde am 25. April 2022 der Antrag A-M/0010/2022 (Anlage 1) vorgelegt und mit folgendem Inhalt von der Bezirksvertretung am 3. Mai 2022 einstimmig beschlossen: „Zum öffentlichen Gedenken an Schwester Laudeberta wird am neu benannten Schwester - Laudeberta-Weg eine Informationstafel mit den wesentlichen Informationen zu ihrer Person und ihrem Widerstand gegen die „Euthanasie -Verbrechen“ des Nationalsozialismus, inkl . ei- nes QR-Codes für weiterführende Informationen, errichtet. Die voraussichtlichen Kosten für die Planung, Herstellung u nd Errichtung für die Informati- onstafel werden ermittelt und der Bezirksvertretung zur Entscheidung vorgelegt. Das Stadtarchiv und da s Vermessungs- und Katasteramt werden beauftragt, die historischen Hintergründe von Schwester Laudeberta und ihrem Widerstand gegen die „Euthanasie -Ver- brechen“ des Nationalsozialismus zu erarbeiten und für die zu errichtende Informationstafel in geeigneter Form darzustellen und der Bezirksvertretung zur Sitzung am 20.09.2022 vorzu- legen.“ zu Punkt 1 Zu der Absicht, eine Informationstafel an dem Fußweg an der Aa aufzustellen, hat das Stadt- planungsamt - Abteilung Denkmal- und Stadtbildpflege – Stellung genommen. (Anlage 2). Das Stadtplanungsamt empfiehlt an der örtlich vorhandenen Bruchsteinmauer eine Bronzetafel an- zubringen. Dazu gibt das Stadtarchiv zu Bedenken, dass Bronzetafeln wegen des Materialwertes bereits gestohlen wurden. Deshalb wurde die gestohlene Bronzetafel am Zwinger durch eine Granit- platte ersetzt. Am Schwester -Laudeberta-Weg kommt eine Granitplatte leider nicht in Frage, weil hier QR -Code gewünscht wird, der aber nicht handwerklich hergestellt werden kann. Vermessungs- und Katasteramt 23.08.2022 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Zimmermann Telefon: 492-6242 ZimmermannBernhard@stadt- muenster.de - 2 - V/0525/2022 zu Punkt 2 Wenn kein Schi ld mit Plexiglas noch eine Bronzetafel in Frage kommen, bleibt noch das Ange- bot der Galerie Mandos -Feldmann in Westerstede. Mandos -Feldmann bietet an, eine Tafel aus gegossenem Aluminium mit erhabener Schrift und integriertem QR -Code herzustellen (Anla- ge 3). Beispielfotos sind unter http://www.gedenktafel -schrifttafel.de/Ged enktafel/Gedenktafel-in-Aluminium zu sehen. Die Tafel kann bronzefarbig oder grau beschichtet werden, der QR -Code bleibt schwarz-weiß. Ein Kostenvoranschlag kann wegen der ständigen Preisentwicklung nicht abgegeben werden. Mandos-Feldmann schätzt die Kos ten für eine Bronzetafel auf ca 3.000 € + MWST + Versand und für eine Aluminiumtafel auf 2.600 € + MWST + Versand (Stand Juli 2022) (Anlage 4) zu Punkt 3 Zur Aufarbeitung der historischen Hintergründe von Schwester Laudeberta und ihrem Widerstand gegen die „Euthanasie-Verbrechen“ des Nationalsozialismus ist das Stadtarchiv eine inhaltliche Kooperation mit Prof. Markus Köster eingegangen. Diese zielte darauf ab, eine Autorisierung von Markus Köster (einem Initiator der Gedenktafel bzw. Straßenbenennung) z u erhalten, die Ergeb- nisse seiner Forschungen im Rahmen des Projektes zu verwenden. Außerdem konnte das Stadt- archiv Markus Köster für die Erstellung des Gedenktafel-Textes gewinnen. Darüber hinaus wird das Stadtarchiv die neue Gedenktafel in die Webseite „Erinnern im öffentlichen Raum“ aufnehmen, so dass weitere Online-Informationen verfügbar sind. Im Archiv verfügbar ist eine Schülerinnen -Arbeit von Hannah Speck: Die vergessene Ordensfrau hinter dem verehrten Kardinal. Schwester Laudeberta und Clemens Augu st Kardinal von Galen. Erinnerung an Zivilcourage in dunkler Zeit-, Münster 2009. Das Bistum Münster hat der Anbringung der Aluminium-Tafel – Ausführung und Text wie Anlage 3 - zugestimmt. In Vertretung gez. Robin Denstorff Stadtbaurat Anlagen Anlage 1 Antrag A-M/0010/2022 Anlage 2 Stellungnahme zur Stadtbildpflege Anlage 3 Gedenktafel Laudeberta Anlage 4 Kostenauskunft Anlage 5 Auf Roter Erde 8-2021
Anlage_1_Antrag_M_0010_2022_
2658 Zeichen
CDU-Fraktion in der BV-Mitte CDU-Kreisverband Münster e.V. Mauritzstraße 4-6 • 48143 Münster Telefon (02 51) 4 18 42-0 Telefax (02 51) 4 18 42-44 post@cdu-muenster.de • www.cdu-muenster.de An den Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Münster – Mitte Herrn Dr. Stephan Nonhoff Amt für Bürger- und Ratsservice Klemensstr. 10 48143 Münster Errichtung Informationstafel am Schwester-Laudeberta-Weg zum öffentlichen Gedenken an Schwester Laudeberta Die Bezirksvertretung Münster-Mitte möge beschließen: • Zum öffentlichen Gedenken an Schwester Laudeberta wird am neu benannten Schwester-Laudeberta-Weg eine Informationstafel mit den wesentlichen Informatio- nen zu ihrer Person und ihrem Widerstand gegen die „Euthanasie-Verbrechen“ des Nationalsozialismus, inkl. eines QR-Codes für weiterführende Informationen, errich- tet. • Die voraussichtlichen Kosten für die Planung, Herstellung und Errichtung für die In- formationstafel werden ermittelt und der Bezirksvertretung zur Entscheidung vorge- legt. • Das Stadtarchiv und das Vermessungs- und Katasteramt werden beauftragt, die his- torischen Hintergründe von Schwester Laudeberta und ihrem Widerstand gegen die „Euthanasie-Verbrechen“ des Nationalsozialismus zu erarbeiten und für die zu errich- tende Informationstafel in geeigneter Form darzustellen. Begründung In der Sitzung der Bezirksvertretung am 22.03.2022 wurde einstimmig beschlossen, dass der Fußweg an der Aa von der Straße Spiegelturm bis zur Petrikirche den Straßennamen Schwes- ter-Laudeberta-Weg erhält. Für das geeignete Andenken an Schwester Laudeberta und ihrem Widerstand gegen die „Eu- thanasie-Verbrechen“ des Nationalsozialismus ist eine Informationstafel mit den wesentli- chen Informationen erforderlich. A-M/0010/2022 CDU-Fraktion in der BV-Mitte Die Informationstafel ermöglicht die Vermittlung von Informationen zu Schwester Lau- deberta und ihrem Einsatz sowie die Rettung psychisch kranker und behinderter Menschen vor dem Mordprogramm des NS-Regimes. Sie hat neben den Angehörigen der Klinikpatien- ten auch Bischof Clemens August Graf von Galen über die bevorstehenden Deportationen in Vernichtungsanstalten informiert. Für den Bischof war dies ein entscheidender Anstoß für seine wichtige Predigt vom 3. August 1941, in der er das Euthanasieprogramm öffentlich als Massenmord benannte. Mit dem auf der Informationstafel angebrachten QR-Code ist der Abruf weiterführender In- formationen auf der Internetseite der Stadt Münster möglich. Münster, den 25. April 2022 Carsten Fuest Keyvan Dalili Lea Knezevic Svenja Kuzniarek Hans-Christoph Vogelberg
Anlage_4_Kostenauskunft
1938 Zeichen
[Seite] Bernhard Zimmermann Betreff: AW: Gedenkplatte aus Aluminium, bronzefarbig Von: Christel Mandos-Feldmann <mandos-feldmann@t-online.de > Gesendet: Freitag, 22. Juli 2022 13:58 An: Bernhard Zimmermann <ZimmermannBernhard@stadt-muenster.de> Betreff: AW: Gedenkplatte aus Aluminium, bronzefarbig [Vorsicht Internetmail]: Diese Mail haben Sie über das Internet erhalten. Bitte Anlagen und Links nur öffnen, wenn keine Anhaltspunkte für Viren vorliegen. Weitere Informationen finden Sie auch in der FAQ Outlook Hallo Herr Zimmermann, unter dem link http://www.gedenktafel-schrifttafel.de/Gedenktafel/Gedenktafel-in- Aluminium finden Sie Alutafeln. „Herrenhausen“- Tafeln wurden grau professionell lackiert. Sehen übrigens sehr chic aus. Bronzefarben geht natürlich auch. Die Preise von 2020 können Sie als Maßstab nicht mehr nehmen, unterdessen fand eine Steigerung für Gießereiprodukte bis zu 90 % statt und hält weiter an. Geschätzte Nettopreise jetzt für Bronze mit QR und dieser Textfülle und Größe 55- 60 cm: 2500 -3000 € + MwSt + Versand Geschätzte Nettopreise jetzt für Alu mit QR und dieser Textfülle Größe 55-60 cm: 2100 -2600 €+ MwSt + Versand Was die Kosten verursacht ist nicht nur das Material, sondern die Arbeitszeiten Modellbau, Überarbeitung, Fräsprogramme etc. und die Energiekosten (Fräszeiten und Metallschmelze) und professionelle Lackierung Noch ein Gedanke: Will einer die Tafel klauen, bekommt man für Bronze ca. 4-5 Euro/kg für Schrottbronze, bei ca. 30 kg wären das 120-150 Euro. Alu ist leichter, Diebstahlsgewinn vielleicht 50 Euro Und wenn dann die Tafel nur mit der Mauer zu haben ist, weil sie zu fest montiert wurde, lohnt der Aufwand nicht wirklich. Freundliche Grüße, Christel M andos-Feldmann ______________________________ Galerie Mandos-Feldmann Gaststraße 23 a 26655 Westerstede Fon: 04488 79293 www.gedenktafel-schrifttafel.de
Anlage_5_Auf_Roter_Erde_8-2021
13894 Zeichen
August 2021
eine zweite große Verle-
gungswelle, in der allein aus
Münster-Marienthal 465 Pa-
tienten in mehrere süddeut-
sche Anstalten verlegt wur-
den, mehr als fünfmal so vie-
le wie 1941. Nur 23 von ih-
nen waren bei Kriegsende
noch am Leben.
D
ie Clemensschwestern
scheinen der zweiten
Deportationsaktion hilflos
gegenübergestanden zu ha-
ben. Sie litten unter ihrem
Wissen über den Zweck der
Verlegungen, sahen aber of-
fenbar keine Möglichkeit zu
intervenieren. Nach Erinne-
rungen ihrer Mitschwestern
hielt Schwester Laudeberta
Bischof Clemens August
weiterhin über die Gescheh-
nisse in Marienthal und be-
sonders die Verlegung von
Patienten in Vernichtungs-
anstalten auf dem Laufen-
den. Doch auch der erhob in
der zweiten Phase nicht
mehr öffentlich seine Stim-
me.
S
chwester Laudeberta
selbst hat nach dem Ende
des Zweiten Weltkriegs we-
der über die Geschehnisse
gesprochen noch schriftliche
Aufzeichnungen hinterlas-
sen. Sie blieb Schwester in
Marienthal, war von 1945 bis
1952 Oberin der rund 100
Clemensschwestern in der
Anstalt und danach stellver-
tretende Oberin und Leiterin
der Wäscherei. Mit 84 Jahren
starb sie am 6. September
1971 und fand ihre letzte Ru-
he wie alle münsterischen
Clemensschwestern auf dem
Zentralfriedhof zu Münster.
Während über dem Grab
ihrer Mitschwester Euthy-
mia 2006 eine eigene Kapelle
errichtet wurde, schmückt
das von Laudeberta nur eine
schlichte kleine Platte.
U
mso mehr läge es nahe,
der couragierten Or-
densfrau eine Straße in
Münster zu widmen. Doch
trotz eines Ratsbeschlusses,
wonach neue Straßen bevor-
zugt nach Frauen zu benen-
nen sind, hat sich bis heute
keine der zuständigen Stel-
len für den eingebrachten
Vorschlag erwärmen kön-
nen. Vielleicht ändert sich
das ja 50 Jahre nach ihrem
Tod und 80 Jahre nach ihrer
mutigsten Tat. Sie hätte es
verdient.
für den er in vielem als Vor-
bild diente.“ (Franz-Werner
Kersting)
D
ie administrative Koor-
dinierung der Mordak-
tionen lag für die westfäli-
schen Anstalten beim Pro-
vinzialverband Westfalen.
Wie in ganz Deutschland las-
sen sich Westfalen verschie-
dene Phasen und Formen
der Euthanasie-Verbrechen
unterscheiden: Den Anfang
bildete die Verschleppung
von 59 jüdischen Patienten
aus den westfälischen Pro-
vinzialheilanstalten im Sep-
tember 1940, unter ihnen
vier aus Münster-Marien-
thal. Alle vier wurden weni-
ge Tage später in der Tö-
tungsanstalt Brandenburg
vergast.
W
enige Monate später,
im Winter 1940/41 be-
gann die „Kindereuthanasie“,
die Ermordung behinderter
Säuglinge und Kinder. Im
Rahmen dieser ebenfalls von
Hitler persönlich initiierten
Aktion wurden reichsweit
mehr als dreißig als „Kinder-
fachabteilungen“ getarnte
Tötungsanstalten errichtet.
In ihnen wurden behinderte
Kinder durch Tabletten, In-
jektionen oder Verhungern-
lassen ermordet. Der Provin-
zialverband Westfalen rich-
tete zunächst im sauerländi-
schen Marsberg, dann in
Dortmund-Aplerbeck eine
solche „Kinderfachabtei-
lung“ ein; mindestens 200
Kinder, die meisten unter
sieben Jahren, wurden dort
umgebracht.
P
arallel zu den Kinder-
morden lief die Erwach-
senen-„Euthanasie-Aktion
T4“ an – benannt nach der
Adresse, in der sie geplant
wurde: einer Villa in der
Tiergartenstraße 4 in Berlin.
Im Rahmen dieser systema-
tisch und zentral organisier-
ten Melde-, Transport- und
Gasmord-Aktion wurden al-
lein aus den westfälischen
Anstalten zwischen Juni und
August 1941 insgesamt 2800
Patientinnen und Patienten
in Vernichtungsanstalten,
vor allem ins hessische Ha-
damar, verlegt. Reichsweit
wurden bis Ende August
1941 ungefähr 70 000 Men-
schen ermordet, ein Viertel
aller in psychiatrischen An-
stalten untergebrachten Pa-
tienten.
recht die Durchführung des
Vorbereiteten [ist] Teilnah-
me am organisierten Mord ...
und ein Verbrechen, das zum
Himmel schreit und das zum
Unheil und Verderben für
das deutsche Volk führen
wird.“
Z
wei Tage später erstattete
von Galen auch Anzeige
beim Polizeipräsidenten in
Münster. Doch weder Lan-
deshauptmann Kolbow noch
der Polizeipräsident sahen
sich zu einer Reaktion genö-
tigt. Im Gegenteil hielt Kol-
bow am 31. Juli in einem
Vermerk fest, er habe nicht
die Absicht, sich durch den
Brief des Bischofs „irgendwie
beirren zu lassen; die Aktion
sei in Westfalen in flottem
Fortschreiten und in etwa 2-
3 Wochen beendet.“ Noch
am gleichen Tag wurden 79
Männer aus Münster-Ma-
rienthal abtransportiert. Für
von Galen waren dieser
Transport, über den ihn
Schwester Laudeberta bei
einem zweiten Besuch
unterrichtet hatte, sowie die
Wirkungslosigkeit seiner
schriftlichen Proteste wohl
das auslösende Moment für
seine aufsehenerregende
Predigt am folgenden Sonn-
tag, dem 3. August 1941, in
der Lambertikirche.
W
oher der Bischof sein
Wissen hatte, dürften
die Verantwortlichen des Eu-
thanasieprogramms in West-
falen zumindest geahnt ha-
ben, zumal der Bischof offen
aussprach, dass er über zu-
verlässige Insiderinformatio-
nen aus der Anstalt Marien-
thal verfügte. Seine Predigt
fand bekanntlich in und
außerhalb Deutschlands
enorme öffentliche Reso-
nanz und war vermutlich
der entscheidende Anstoß
dafür, dass die braunen
Machthaber die „Aktion T 4“
wenige Wochen später for-
mal stoppten. Insofern rette-
te nicht zuletzt Laudebertas
Einsatz Tausenden von Pa-
tienten in Deutschland das
Leben. Allerdings brachte
von Galens öffentlicher Pro-
test keineswegs das dauer-
hafte Ende des Mordens an
Psychiatriepatienten. Dieses
lief vielmehr, in dezentraler
Form, bis zum Kriegsende
weiter. So folgte den T4-
Transporten des Sommers
1941 auch in Westfalen 1943
schrieb sie die Liste ab und
übergab sie Schwester Lau-
deberta. Diese handelte so-
fort. Sie sprach gezielt Ange-
hörige von Patienten an und
legte ihnen nahe, diese mit
nach Hause zu nehmen, weil
sich die ohnedies prekären
Zustände in der Anstalt wei-
ter verschlechtern würden.
P
arallel dazu beschloss
Schwester Laudeberta,
den münsterschen Bischof
Clemens August Graf von
Galen persönlich über die
drohenden Transporte zu in-
formieren. Dies war nicht so
einfach, denn die Schwes-
tern standen unter Beobach-
tung eines NSDAP-Ortsgrup-
penleiters aus Kinderhaus,
der als Pförtner in Marien-
thal arbeitete. So begab sich
die couragierte Ordensfrau
im Schutz der Dunkelheit
zum Bischofspalais.
E
s ist nicht bekannt, wie
das Gespräch verlief,
aber Bischof von Galen, der
schon vorher beunruhigen-
de Nachrichten über die Ver-
legung und Ermordung von
Patienten aus westfälischen
Heil- und Pflegeanstalten ge-
hört hatte, reagierte schnell.
Er schickte am 26. Juli einen
scharfen Protestbrief an Lan-
deshauptmann Kolbow, in
dem er unter anderem
schrieb: „Wie ich zuverlässig
erfahre, werden jetzt auch in
den Heil- und Pflegeanstal-
ten der Provinz Westfalen
Listen aufgestellt von sol-
chen, die als sog. ‚Unproduk-
tive‘ abtransportiert und in
kurzer Zeit ermordet werden
sollen. ... Die jetzt von der
Provinzialverwaltung zuge-
lassene Vorbereitung der Tö-
tung Unschuldiger und erst
I
m öffentlichen Bewusst-
sein des Münsterlandes
verankert ist die T4-Aktion
vor allem, weil sie den An-
lass für den berühmten Pro-
test des Bischofs von Müns-
ter, Clemens August Graf
von Galen, bildete. Und hier
kommt Schwester Laudeber-
ta van Hal ins Spiel, die 1941
ja schon über drei Jahrzehn-
te in der Krankenpflege der
Provinzialheilanstalt Müns-
ter wirkte. Als das Euthana-
sieprogramm des NS-Re-
gimes Fahrt aufnahm, war
sie gerade Stationsleiterin in
der Anstalt geworden. Das
war vermutlich ein Grund,
warum die dort tätige weltli-
che Krankenschwester Else
Stumpe ihr im Juli 1941
über eine ungeheuerliche
Entdeckung berichtete. Der
zweite dürfte in Johanna van
Hals Persönlichkeit gelegen
haben. Sie war nicht nur äu-
ßerlich eine große, stattliche
Frau, sondern galt unter
ihren Mitschwestern als
außerordentlich couragiert
und respektgebietend und
als jemand, der den „Mund
nicht halten konnte“. Mögli-
cherweise hatte das auch mit
ihrer Herkunft zu tun: Als
gebürtiger Niederländerin
dürfte ihr der deutsche
„Untertanengeist“ ebenso
fremd gewesen sein wie jeg-
liche Sympathien für das
Hitler-Regime.
I
hre Mitschwester Else hat-
te eines Abends, als sie
nach Dienstschluss das Büro
eines leitenden Arztes putz-
te, eine Liste mit den Namen
von Patienten entdeckt, die
in der kommenden Woche
aus Marienthal deportiert
werden sollten. Kurzerhand
Mutter Maria“, kurz Cle-
mensschwestern, bei. Ken-
nengelernt hatte sie die Or-
densgemeinschaft, deren
Mutterhaus sich bis heute in
Münster befindet, im Agnes-
Hospital in Bocholt, wo sie
als Krankenschwester arbei-
tete. Noch im gleichen Jahr
nahm Schwester Laudeberta,
wie sie nun hieß, ihren
Dienst in der Krankenpflege
der damaligen Provinzial-
heilanstalt Marienthal auf,
der heutigen LWL-Klinik
Münster. Dort blieb sie mit
kurzen Unterbrechungen ihr
ganzes Leben lang tätig.
M
arienthal war keine
kirchliche Einrich-
tung, sondern befand sich in
Trägerschaft des Provinzial-
verbandes Westfalen, Vor-
läufer des heutigen Land-
schaftsverbandes Westfalen-
Lippe. Allerdings waren seit
ihrer Gründung im Jahr
1878 Clemensschwestern in
der Krankenpflege und den
Wirtschaftsbetrieben der
psychiatrischen Anstalt be-
schäftigt.
N
ach dem Ersten Welt-
krieg stieg die Zahl der
Patienten in Marienthal ste-
tig an; in den 1930er Jahren
waren dort rund 1000 Men-
schen mit psychischen
Krankheiten und Behinde-
rungen stationär unterge-
bracht. Gleichzeitig gerieten
alle psychiatrischen Anstal-
ten schon in der Weltwirt-
schaftskrise unter erhebli-
chen Spardruck. Öffentlich
mehrte sich die Kritik an den
angeblich unnötig hohen
Kosten der Unterbringung
von „Geisteskranken“, wie sie
damals genannt wurden. Zu-
sätzlich brach 1933 die men-
schenverachtende Ideologie
des Nationalsozialismus
über die Anstalten und de-
ren Patienten herein. Hitler
selbst kanzelte christlich
oder humanitär motivierte
Fürsorgemaßnahmen als
„Wohlfahrtsduseleien“ ab.
Psychisch Kranke und Be-
hinderte galten in diesem
Werteraster als „unprodukti-
ve“, „minderwertige“ und
letztlich „lebensunwerte Bal-
lastexistenzen“.
S
chon das „Gesetz zur Ver-
hütung erbkranken
Nachwuchses“ vom Juli 1933
unterwarf die Insassen von
psychiatrischen Anstalten
einer Zwangssterilisierung
bei vermuteter Erbkrank-
heit. Mit Kriegsbeginn be-
gann dann auf persönliche
Anweisung Hitlers und unter
strengster Geheimhaltung
das, was beschönigend „Eu-
thanasie“ (griechisch „der
gute Tod“) genannt wird,
aber „in Wirklichkeit der ers-
te industriell betriebene
Massenmord per Giftgas war
– noch vor dem Holocaust
am europäischen Judentum,
Von Markus Köster
S
eit einigen Monaten
hören wir Berichte,
dass aus Heil- und Pfle-
geanstalten für Geisteskran-
ke auf Anordnung von Ber-
lin Pfleglinge, die schon län-
ger krank sind und vielleicht
unheilbar erscheinen,
zwangsweise abgeführt wer-
den. Regelmäßig erhalten
dann die Angehörigen nach
kurzer Zeit die Mitteilung,
der Kranke sei verstorben,
die Leiche sei verbrannt, die
Asche könne abgeliefert
werden. Allgemein herrscht
der an Sicherheit grenzende
Verdacht, dass diese zahlrei-
chen unerwarteten Todesfäl-
le von Geisteskranken nicht
von selbst eintreten, sondern
absichtlich herbeigeführt
werden, dass man dabei je-
ner Lehre folgt, die behaup-
tet, man dürfe sogenanntes
lebensunwertes Leben ver-
nichten, also unschuldige
Menschen töten, wenn man
meint, ihr Leben sei für Volk
und Staat nichts mehr
wert …“
V
iele kennen diese Sätze.
Sie stammen aus der
Predigt, die Münsters Bischof
Clemens August Graf von
Galen am 3. August 1941 in
der Lambertikirche hielt. Da-
rin prangerte er die soge-
nannte „Euthanasie“-Aktion
des NS-Regimes gegen Be-
hinderte und psychisch
Kranke als das an, was sie
war: Massenmord!
W
ährend Galen und sei-
ne Predigt völlig zu
Recht bis heute große Be-
kanntheit haben, ist der Na-
me Schwester Laudeberta,
geborene Johanna van Hal,
völlig vergessen. Dabei war
es die Ordensfrau der Cle-
mensschwestern, der der Bi-
schof im Sommer 1941 ent-
scheidend sein Wissen über
das Mordprogramm der Na-
tionalsozialisten verdankte.
Wer war diese Frau, deren
Anonymität in merkwürdi-
gem Kontrast zur Bedeutung
ihrer mutigen Tat steht?
J
ohanna van Hal stammte,
wie ihr Nachname verrät,
aus den Niederlanden. 1887
wurde sie im Städtchen
Groen lo im Achterhoek ge-
boren, wenige Kilometer
westlich der deutschen
Grenze. Johanna war das
jüngste von insgesamt fünf
Kindern des Zimmermanns
Hermanus Grades van Hal,
der 1842 ebenfalls in Groen-
lo geboren war und seiner
sieben Jahre jüngeren Frau
Berendina, geborene ter
Maat. Über Johannas Leben
ist erstaunlich wenig be-
kannt. 1910 trat sie 22-jährig
der „Genossenschaft der
Barmherzigen Schwestern
von der allerseligsten Jung-
frau und schmerzhaften
Die Ordensschwester Laudeberta informierte Bischof von Galen im Sommer 1941 über die Patientendeportationen aus der Klinik Marienthal
Eine couragierte Frau und ihre mutigste Tat
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Anlage_3_Gedenktafel
8 Zeichen
Anlage 3
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (7)
- Mauritzstraße 4
- Klemensstraße 10
- Schwester-Laudeberta-Weg
- Spiegelturm
- Promenade
- Kinderhaus
- Asche
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0525/2022
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 23.08.2022
- Erstellt
- 23.08.2022 11:20