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V/0368/2012

Verzicht auf Umbenennung des Stühmerwegs

Vorlagen 07.05.2012

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung Münster-Mitte, Sitzung am 22.05.2012, TOP 4.4.5

Anlage-1-Bürgerumfrage-Ergebnisse

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Beschlussvorlage

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Anlage-2-Übersichtsplan

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Anlage-1-Bürgerumfrage-Ergebnisse

4166 Zeichen

Anlage 1    
Anlage 1, Seite 1 
 
Bürgerumfrage 2012 „Ehrung von Personen durch 
Straßenbenennungen“ - Zusammenfassung der Ergebnisse  
 
 
1. Auftragslage und Zielstellung 
- Beschluss des erweiterten Ältestenrates der Stadt  Münster vom 07.07.2011 
- Grundlage: Ergebnisse der Kommission „Straßenname n“ 
- Gewinnung zusätzlicher Informationen mittels eine r repräsentativen Bürgerumfrage 
parallel zur Informations- und Kommunikationsphase (v. a. Ausstellung „Ehre, wem 
Ehre gebührt?!“ vom 26.01. – 16.03.2012) 
- Leitfrage: „Wie soll sich Münster zu Persönlichke iten stellen, die sie durch 
Straßennamen für ihr Lebenswerk in besonderer Weise geehrt hat, wenn sich diese 
Ehrung aufgrund neuer Forschungsergebnisse als fragwürdig erweist?“ 
 
 
2. Methodik 
- Befragungszeitraum: 25.01. – 15.02.2012 
- Zufallsstichprobe: 5.126 Bürgerinnen und Bürger ( über 18 Jahre, Hauptwohnsitz) 
- Rücklauf: 1.937 Fragebögen (37,8 % Rücklaufquote)  
- Ergebnisse lassen sich grundsätzlich auf Münstera ner Bevölkerung übertragen 
 
 
3. „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher 
Bedeutung durch Benennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu 
ehren?“ (Frage 1) 
- Ja, auf jeden Fall: 69,7 % 
- Ja, aber nur für Personen mit Bezug zu Münster: 1 7,5 % 
- Nein: 6,5 % 
- Ist mir egal: 4,4 % 
- Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 0,8 % 
- Ohne Angabe: 1,1 % 
 
 
4. „Nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen ist der damalige 
Reichspräsident Paul von Hindenburg als Stütze des NS-Regimes anzusehen. 
Besteht heute noch ein Anlass, Hindenburg durch die Namensgebung für den 
größten Platz Münsters zu ehren?“ (Frage 2) 
- Ja: 35,0 % 
- Nein: 48,3 % 
- Ist mir egal: 7,3 % 
- Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 6,6 % 
- Ohne Angabe: 2,8 %

Anlage 1, Seite  2 
2 
5. „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bürgerschaft 
und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie 
vorschlagen, wenn sich deren Namensgeber/innen nach neueren 
quellengestützten Forschungsergebnissen als Stützen des NS-Regimes erwiesen 
haben?“ (Frage 3) 
- Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind: 27,6 % 
- Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind; es soll aber jeweils ein 
Zusatzschild mit Erläuterungen zu den Namensgebern angebracht werden: 30,2 % 
- Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden ; auf den künftigen 
Straßenschildern soll aber auf die ehemaligen Namen hingewiesen werden: 16,2 % 
- Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden : 22,6 % 
- Ist mir egal: 0,6 % 
- Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 1,3 % 
- Ohne Angabe: 1,5 % 
 
 
6. „Fühlen Sie sich zum Thema 'Ehrung von Personen durch 
Straßenbenennungen' ausreichend informiert?“ (Frage 4) 
- Ja: 56,4 % 
- Ja, zum Teil: 30,3 % 
- Nein: 11,4 % 
- Ohne Angabe: 1,9 % 
 
 
7. Fehlt Ihnen etwas an Informationen zu diesem Thema? (Frage 5) 
- Offene Frage: 512 Nennungen von 422 Befragten, d.  h. 21,8 % der 
Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer haben sich mittels Freitext geäußert 
- Nur ein geringer Teil der Nennungen bezieht sich auf „weitergehenden 
Informationen“: 4,3 % „weitere Informationen fehlen“; 3,1 % „mehr Informationen in 
Medien“ 
- Häufiger wird die Frage der „Kosten“ kritisch angesprochen: 7,6 % „Kosten 
insgesamt“, 7,0 % „Kosten der Umbenennung“  
- Auch machen die Anmerkungen deutlich, dass nicht alle Befragten die neueren 
Forschungen teilen, dass Hindenburg und weitere Namensgeberinnen/-geber als 
Stützen des NS-Regimes anzusehen sind: 8,2 % „Suggestive Fragestellung“,  
5,5 % „Begründung zweifelhaft“ (Hindenburg) bzw. 5,1 % (weitere Namensgeber) 
- Bezogen auf alle Umfrageteilnehmer/innen liegen d iese Antwortanteile bei 2,2 % 
(„Suggestive Fragestellung“), 1,4 % („Begründung Hindenburg zweifelhaft“) und 1,3 
% („Begründung weitere Namensgeber zweifelhaft“) 
- Ebenso werden auch „neue Namensvorschläge“ für de n Hindenburgplatz genannt 
(5,5 % aller Nennungen bzw. 1,4 % bezogen auf alle Umfrageteilnehmerinnen und -
teilnehmer), wobei hier der „Schlossplatz“ (3,7 %) überwiegt; vereinzelt werden 
weitere Namen genannt (z. B. Neuplatz, Friedensplatz)

Beschlussvorlage

13725 Zeichen

V/0368/2012 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Vermessungs- und Katasteramt 
 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Verzicht auf Umbenennung des Stühmerwegs 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
22.05.2012 Bezirksvertretung Münster-Mitte Entscheidung 
 
 
Beschlussvorschlag: 
I. Sachentscheidung: 
 
Entsprechend der Empfehlung der Kommission Straßennamen wird der Stühmer weg nicht 
umbenannt. 
 
II. Finanzielle Auswirkungen: 
 
Es entstehen keine Kosten und keine Folgekosten. 
 
 
Begründung: 
 
Diese Beschlussvorlage zum Stühmerweg steht im Zusammenhang mit de n stadtweiten Dis-
kussionen über NS-belastete Straßennamen.  
Ein Ausgangspunkt der Disku ssionen war im Mai 2007 der Antrag der SPD-Fraktion der BV-
West auf Umbenennung des Carl -Diem-Weges. Ebenfalls im Mai 2007 hat die SPD -Fraktion 
in der BV-Mitte um Prüfung der Vorwürfe gegen den Namensgeber des Jöttenweges gebeten 
sowie einen Bericht über die Straßennamen angefordert, deren Namensgeber in die Unrechts-
taten bzw. Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus verstrickt waren. Diese  Prüfung führte 
zu einem Auftrag an den Historiker Dr. Schmidt, der die Namensgeber der Straßen im Stad t-
bezirk Mitte auf deren Verstrickung in die Unrechtstaten des NS-Regimes überprüfen sollte. In 
seinem Gutachten benannte Dr. Schmidt 29 Personen, die er in 4 Kategorien eingeteilt hatte: 
Kategorie 1: keine Nähe zum NS-Regime 
Kategorie 2: Haltung zum NS-Regime nicht eindeutig 
Kategorie 3: Aktive Stützen des NS-Regimes 
 
Vorlagen-Nr.: 
  
V/0368/2012 
Auskunft erteilt: 
Herr Zimmermann 
Ruf: 
492 62 42 
E-Mail: 
ZimmermannBernhard@stadt-muenster.de  
Datum: 
11.05.2012 
Öffentliche Beschlussvorlage

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V/0368/2012 
Kategorie 4: Beteiligung an Kriegsverbrechen oder Unrechtstaten 
Während in der Kategorie 4 keine Namensgeber auf Münsters Straßenschildern vorha nden 
sind, sind es  in der Kategorie 3 nach dem Gutachten Schmidt 7 Personen (Franz Ludwig, 
Ludwig Humborg, Karl Wilh. Jötten, Hans Pfitzner, Alfred Stühmer, Karl Wagenfeld und Agnes 
Miegel), davon liegt jedoch die Agnes -Miegel-Straße im Stadtbezirk Ost. Ein weiterer Prüfau f-
trag des Oberbürgermeisters an das Stadtarchiv zu den Straßennamen im übrigen Stadtgebiet 
ergab drei weitere  Namensgeber in der Kategorie 3 aus dem Stadtbezirk Münster -Ost. Dar-
über hinaus hatte der Ratsantrag der SPD -Fraktion vom Januar 2008 zur Umbenennung des 
Hindenburgplatzes die Debatte um Straßennamen sehr stark in die Öffentlichkeit getragen.  
Nach der Kommunalwahl 2009 hat der erweiterte Ältestenrat des Rates beschlossen, eine 
Kommission unter der Leitung des Oberbürgermeisters einzusetzen, der alle im Rat vertret e-
nen Parteien und die Historiker Prof. Dr. Thamer und Prof. Dr. Kenkmann angehören sollten.  
Diese Kommission sollte über die zehn Personen der Kategorie 3 (dazu Diem und Hinde n-
burg) also über zwölf Namensgeber beraten. Im Vordergrund des Prüfa uftrags stand nicht die 
Bewertung der gesamten Lebensleistung dieser Personen, sondern ob und inwieweit die N a-
mensgeber das NS-Regime gestützt haben. Außer der Beratung über historische Fakten sollte 
die Kommission den entscheidungsbefugten G remien (Rat und Bezirksvertretungen) ihre 
Empfehlung mitteilen, ob die Ehrung durch den Straßennamen nach wie vor angemessen sei 
und eine Umbenennung stattfinden solle oder nicht. 
Nach Abschluss der Kommissionsarbeit hat der  erweiterte Ältestenrat die Ergebnisse und 
Empfehlungen der Kommission am 07.07.2011 entgegengenommen und die Verwaltung be-
auftragt, diese Ergebnisse in einer breit angelegten Informations- und Kommunikationsphase 
zu veröffentlichen. Zusätzlich sollte die Verwaltung eine repräsentative Bürgerumfrage zur 
Frage der „Ehrung“, die mit der Benennung einer Straß e nach einem Namensgeber verbu n-
den ist, durchführen. Die se Bürgerumfrage sollte eine zusätzliche Informationsquelle für die 
Diskussion in den Gremien bilden, diese aber nicht binden. 
Die Informations- und Kommunikationsphase hatte zum Ziel, über die Ergebn isse der Ko m-
mission zu informieren. Insbesondere sollte die auf neuen Erkenntnissen der historischen Fo r-
schung basierende Einschätzung der Kommission zu den Namensgebern vermittelt werden, 
da diese Erkenntnisse vermutlich in weiten Teilen der Bürgerschaft nicht bekannt sind.  
Im Vordergrund der Information sollte daher nicht die gesamte Lebensleistung der Namen s-
geber stehen, sondern sollten insbesondere die neuen historischen Fakten stehen, nach d e-
nen die N amensgeber nach heutiger Bewertung nicht mehr als V orbilder dienen können und 
eine Ehrung nicht verdient haben. 
Die Information der Öffentlichkeit erfolgte unter dem Motto „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ 
- mit einer neuen Internetseite auf der Homepage der Stadt unter 
www.muenster.de/stadt/strassennamen, freigeschaltet seit 21.12.2011 
- mit der Ausstellung „Widerstände im Münsterland“ in der Bürgerhalle des Rathauses 
vom 19.11. - 21.12.2011 
- mit der Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt ?!“ in der Bürgerhalle des Rathauses 
vom 26.01. - 16.03.2012

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V/0368/2012 
- mit einer Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ am 
25.01.2012 im Rathaus-Festsaal 
- mit zwei Informationsveranstaltungen in den Stadtbezirken Ost und Mitte am 
26.01.2012 und 09.02.2012 
- mit einer Podiumsdiskussion „Ehre, wem Ehre gebührt?! - Geschichte und Verantwor-
tung in einer demokratischen Gesellschaft“ mit prominenten Podiumsteilnehmern am 
29.02.2012 im Rathaus-Festsaal 
Ergebnisse der Bürgerumfrage 
Die repräsentative Bürgerumfr age wurde vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Ve r-
kehrsplanung in der Zeit vom 25.01. - 15.02.2012 durchgeführt. Es wurde unter anderem die 
Frage gestellt: „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher Bede u-
tung durch B enennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu ehren?“  Knapp 70 
Prozent der Antworten lauteten „Ja“.  
Auf die weitere Frage „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bü r-
gerschaft und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was  würden Sie vorschl a-
gen, wenn sich deren Namensgeber/innen nach neueren quellengestützten Forschungse r-
gebnissen als Stü tzen des NS -Regimes erwiesen haben?“  sprachen sich knapp 40 Prozent 
der Befragten für eine Umbenennung aus.  
Die einzelnen Umfrageergebnisse sind in Anlage 1 beigefügt.  
Empfehlung der Kommission Straßennamen zum Stühmerweg 
Die Kommission hat in ihrer abschließenden 4. Sitzung am 15. Juni 2011 zusammengefasst 
folgende Empfehlungen abgegeben: 
„Die Kommission empfiehlt einstimmig (bei 1 Enthaltung) keine Umbenennung des Stühmer-
weges. Die Persönlichkeit des Arztes und Hochschullehrers Prof. Dr. Alfred Stühmer zeigt ein 
ambivalentes Bild. Ausschlaggebend für das Votum der Kommission ist, dass Stühmer als De-
kan der Medizinischen Fakultät Freiburg auf die Anfrage der zahnärztlichen Poliklinik zur Be-
handlung jüdischer Patienten vom 01.06.1938 einen Tag später schriftlich geantwortet hat:  
'Der kranke jüdische Mensch bedarf ärztlicher Behandlung. Es besteht somit, wenn er unsere Hilfe in 
Anspruch nehmen will, nicht nur Behandlungsrecht, sondern Behandlungspflicht. Es ist mir keinen Au-
genblick zweifelhaft, dass die Verweigerung der ärztlichen Behandlung vom Standpunkt der ärztlichen 
Berufsethik unzulässig wäre …' (Hellmich, Die Medizinische Fakultät der Universität Freiburg i. Br. 
1933-1945, Seite 187)." 
 
Die im Folgenden angeführte Begründung für die Umbenennung ist dem vom Stadtarchiv au f-
bereiteten Internetangebot „Ehre wem Ehre gebührt!?“ entnommen. 
Stühmerweg 
Der Stühmerweg wurde 1962 benannt nach P rof. Dr. Alfred Stühmer, * 28.02.1885 in Magde-
burg † 02.06.1957 in Freiburg, Arzt und Hochschullehrer

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Alfred Stühmer und der Nationalsozialismus 
Politische Mitgliedschaften 
Seit 1933: Mitglied im Nationalsozialistischen deutschen Frontkämpferbund als Nachf olgerein-
richtung des Stahlhelm".  
1937: Eintritt in die NSDAP 
Weitere Mitgliedschaften: NSD -Ärztebund, NS -Altherrenbund, NS -Volkswohlfahrt, NSD -
Dozentenbund und Reichsbund Deutsche Familie 
Kein aktiver politischer Kämpfer 
Stühmer "setzt sich in seiner Art für den Nationalsozialismus ein, er steht politisch wohl der 
Deutschnationalen Volkspartei nahe. Er ist sicher kein aktiver politischer Kämpfer, doch wird 
man sich gegebenenfalls auf ihn verlassen können."  So die Beurteilung des Dozentenschaft s-
führers der Universität Freiburg 1935. Stühmer wurde 1934 Nachfolger des Linksliberalen 
Prof. Dr. Georg Rost als Leiter der Freiburger Univers itätshautklinik, der wegen "politischer 
Unzuverlässigkeit" entlassen worden war. Auch wenn Stühmer gelegentlich forsch auftrat , galt 
er offiziell als loyaler und verlässlicher Anhänger der NS -Regierung, wie seine mehrmalige 
Bestätigung als Dekan und Prodekan zwischen 1937 und 1945 zeigt. 
Bekenntnis zum Nationalsozialismus 
"Nachdem nun aber Lehrkörper und Studentenschaft von volksfremden Elementen gesäubert 
sind, darf sich heute die Hochschule wie jede andere öffentliche Institution unseres Volkes auf-
richtig zum Nationalsozialismus bekennen." 
Dies bekundete Alfred Stühmer in einer Rede am 3. Dezember 1937. Als Dekan der Medizin i-
schen Fakultät sprach er vor über 1.000 Erstsemestern in der Aula der Albert -Ludwigs-
Universität in Freiburg. Die Rede wurde 1938 in der Reihe 'Freiburger Universitätsreden' publi-
ziert. Sie ließ seine antirepublikanische und völkisch -nationalistische Grundhaltung an mehre-
ren Stellen erkennen und enthält durchaus Bekenntnisse zum Nationalsozialismus. 
Entzug Ehrendoktorwürde 
"Die Medizinische Fakultät hat die Liste der Ehrendoktoren durchgesehen und hält es für not-
wendig, dem früheren Staatsrat Ludwig Marum, welcher am 6. November 1926 zum Ehrendok-
tor ernannt wurde, diesen Titel zu entziehen. Herr Marum hat sicher alles getan, um gegen den 
Nationalsozialismus und nationalsozialistischen Geist an der Hochschule zu kämpfen. [...] Wir 
bitten zunächst um Feststellung, wo sich Herr Marum befindet." (Hellmich, 1989, S. 188) 
Als Dekan verantwortete Stühmer den Entzug von Doktor - und Ehrendoktorwürden der Med i-
zinischen Fakultät. 1938 forderte er, dem ehemaligen SPD -Landtagsabgeordneten Ludwig 
Marum die Ehrendoktorwürde zu entziehen. Dieser aber war bereits am 29. März 1934 im KZ 
Kislau ermordet worden. 
Stühmer zur Frage der Behandlung jüdischer Patienten 
"Der kranke jüdische Mensch bedarf ärztlicher Behandlung. Es besteht somit, wenn er unsere 
Hilfe in Anspruch nehmen will, nicht nur Behandlungsrecht, sondern Behandlungspflicht. Es ist 
mir keinen Augenblick zweifelhaft, daß die Verweigerung der ärztlichen Behandlung vom 
Standpunkt der ärztlichen Berufsethik unzulässig wäre."

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Mit dieser Aussage vom 2. Juni 1938 antwortete Al fred Stühmer schriftlich auf die Anfrage der 
zahnärztlichen Poliklinik zur Behandlung jüdischer Patienten vom Tag zuvor.(Helmich, 1989, 
S. 187) 
Alfred Stühmer nach 1945 
Seine Parteizugehörigkeit begründete Stühmer mit familiären, ärztlich -dienstlichen sowie uni-
versitären Rücksichten. Seine Mitgliedschaften in NS -Verbänden seien zwangsläufig bedingt 
gewesen und hätten sich auf die festgesetzten Mitgliedszahlungen beschränkt.  
Laut Gutachten der Entnazifizierungskommission habe Stühmer niemals seine Assistent en 
politisch beeinflusst und sei abgesehen von der Rede im Jahr 1937 öffentlich nicht hervorg e-
treten. Darüber hinaus soll er in nationalsozialistischen Kreisen unliebsam durch sein öffentl i-
ches Lob um die Verdienste zweier jüdischer Ärzte aufgefallen sein. 
Stühmer durfte zwar weiter lehren, sein Gehalt wurde jedoch um 20% gekürzt. Auch sollte er 
für zwei Jahre kein Amt wie Rektor, Senator oder Dekan bekleiden und sich aller politischen 
Reden in Wort und Schrift in der Öffentlichkeit enthalten. 
Georg Rost, S tühmers von den Nationalsozialisten entlassener Vorgänger im Amt, äußerte 
sich in seinem Nachruf in der „Münchener Medizinische Wochenschrift" durchweg positiv über 
seinen "lieben Schüler und Freund". 
Zur Person Alfred Stühmer 
Lebenslauf 
 
1903–1908:   Medizinstudium in Jena, München und Breslau 
1910:   Approbation als Arzt und Promotion zum Dr. med. in Breslau 
1908-1918:   Militärdienst als Feld- und Truppenarzt 
Ab 1910:   Assistenzarzt in Magdeburg, Frankfurt a. M. und Breslau; während des 
Ersten Weltkriegs Truppen- und Stationsarzt 
1919:   Ernennung zum Oberarzt an der Universitätshautklinik Freiburg 
1920:   Habilitation 
1924:   außerordentliche Professur 
1925:   Berufung an die Universität Münster 
1926–1934:  Direktor der Universitätshautklinik Münster 
1934:   Berufung an die Universität Freiburg (Ordinariat und Leitung der Uni-
versitätshautklinik) 
1937–1940:   Dekan der Medizinischen Fakultät in Freiburg 
1940–1945:   Prodekan der Medizinischen Fakultät in Freiburg

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Nach 1945:   Hochschullehrer in Freiburg (u. a. 1952/53 erneut als Dekan der Medi-
zinischen Fakultät); bis zu seinem Tode als Hochschullehrer und Klinik-
leiter aktiv 
Ehrungen 
 
1955:   Erster Träger der Schaudinn-Hoffmann-Plakette, verliehen durch 
die Deutsche Dermatologische Gesellschaft  
24.09.1962:  Straßenbenennung 
 
Weitergehende Informationen 
Weitere Dokumente, Quellen- und Publikationsangaben finden sich auf der Internetseite  
www.muenster.de/stadt/strassennamen/ 
Fazit 
Aufgrund der einstimmigen Empfehlung (bei 1 Enthaltung) der K ommission Straßennamen 
schlägt die Verwaltung keine Umbenennung des Stühmerwegs vor. 
Anträge oder Anregungen nach § 24 Gemeindeordnung zur Umbene nnung des Stühmerwegs 
vor liegen nicht vor. 
 
 
 
 
In Vertretung 
 
 
Schultheiß 
Stadtdirektor 
 
 
Anlagen: 
1  Ergebnis der Bürgerumfrage 
2  Übersichtsplan

Anlage-2-Übersichtsplan

20 Zeichen

Anlage 2
V/0368/2012

Beratungsverlauf (1)

22.05.2012 Bezirksvertretung Münster-Mitte
TOP 4.4.5 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: einstimmig beschlossen

Zur Sitzung

Orte (3)

  • Schlossplatz
  • Stühmerweg
  • Agnes-Miegel-Straße

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Details

Vorlagen-Nr.
V/0368/2012
Typ
Vorlagen
Datum
07.05.2012
Erstellt
06.10.2020 14:37