V/0368/2012
Verzicht auf Umbenennung des Stühmerwegs
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Anlage-1-Bürgerumfrage-Ergebnisse
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Anlage 1 Anlage 1, Seite 1 Bürgerumfrage 2012 „Ehrung von Personen durch Straßenbenennungen“ - Zusammenfassung der Ergebnisse 1. Auftragslage und Zielstellung - Beschluss des erweiterten Ältestenrates der Stadt Münster vom 07.07.2011 - Grundlage: Ergebnisse der Kommission „Straßenname n“ - Gewinnung zusätzlicher Informationen mittels eine r repräsentativen Bürgerumfrage parallel zur Informations- und Kommunikationsphase (v. a. Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ vom 26.01. – 16.03.2012) - Leitfrage: „Wie soll sich Münster zu Persönlichke iten stellen, die sie durch Straßennamen für ihr Lebenswerk in besonderer Weise geehrt hat, wenn sich diese Ehrung aufgrund neuer Forschungsergebnisse als fragwürdig erweist?“ 2. Methodik - Befragungszeitraum: 25.01. – 15.02.2012 - Zufallsstichprobe: 5.126 Bürgerinnen und Bürger ( über 18 Jahre, Hauptwohnsitz) - Rücklauf: 1.937 Fragebögen (37,8 % Rücklaufquote) - Ergebnisse lassen sich grundsätzlich auf Münstera ner Bevölkerung übertragen 3. „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher Bedeutung durch Benennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu ehren?“ (Frage 1) - Ja, auf jeden Fall: 69,7 % - Ja, aber nur für Personen mit Bezug zu Münster: 1 7,5 % - Nein: 6,5 % - Ist mir egal: 4,4 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 0,8 % - Ohne Angabe: 1,1 % 4. „Nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen ist der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg als Stütze des NS-Regimes anzusehen. Besteht heute noch ein Anlass, Hindenburg durch die Namensgebung für den größten Platz Münsters zu ehren?“ (Frage 2) - Ja: 35,0 % - Nein: 48,3 % - Ist mir egal: 7,3 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 6,6 % - Ohne Angabe: 2,8 % Anlage 1, Seite 2 2 5. „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bürgerschaft und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie vorschlagen, wenn sich deren Namensgeber/innen nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen als Stützen des NS-Regimes erwiesen haben?“ (Frage 3) - Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind: 27,6 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind; es soll aber jeweils ein Zusatzschild mit Erläuterungen zu den Namensgebern angebracht werden: 30,2 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden ; auf den künftigen Straßenschildern soll aber auf die ehemaligen Namen hingewiesen werden: 16,2 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden : 22,6 % - Ist mir egal: 0,6 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 1,3 % - Ohne Angabe: 1,5 % 6. „Fühlen Sie sich zum Thema 'Ehrung von Personen durch Straßenbenennungen' ausreichend informiert?“ (Frage 4) - Ja: 56,4 % - Ja, zum Teil: 30,3 % - Nein: 11,4 % - Ohne Angabe: 1,9 % 7. Fehlt Ihnen etwas an Informationen zu diesem Thema? (Frage 5) - Offene Frage: 512 Nennungen von 422 Befragten, d. h. 21,8 % der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer haben sich mittels Freitext geäußert - Nur ein geringer Teil der Nennungen bezieht sich auf „weitergehenden Informationen“: 4,3 % „weitere Informationen fehlen“; 3,1 % „mehr Informationen in Medien“ - Häufiger wird die Frage der „Kosten“ kritisch angesprochen: 7,6 % „Kosten insgesamt“, 7,0 % „Kosten der Umbenennung“ - Auch machen die Anmerkungen deutlich, dass nicht alle Befragten die neueren Forschungen teilen, dass Hindenburg und weitere Namensgeberinnen/-geber als Stützen des NS-Regimes anzusehen sind: 8,2 % „Suggestive Fragestellung“, 5,5 % „Begründung zweifelhaft“ (Hindenburg) bzw. 5,1 % (weitere Namensgeber) - Bezogen auf alle Umfrageteilnehmer/innen liegen d iese Antwortanteile bei 2,2 % („Suggestive Fragestellung“), 1,4 % („Begründung Hindenburg zweifelhaft“) und 1,3 % („Begründung weitere Namensgeber zweifelhaft“) - Ebenso werden auch „neue Namensvorschläge“ für de n Hindenburgplatz genannt (5,5 % aller Nennungen bzw. 1,4 % bezogen auf alle Umfrageteilnehmerinnen und - teilnehmer), wobei hier der „Schlossplatz“ (3,7 %) überwiegt; vereinzelt werden weitere Namen genannt (z. B. Neuplatz, Friedensplatz)
Beschlussvorlage
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V/0368/2012 DER OBERBÜRGERMEISTER Vermessungs- und Katasteramt Betrifft Verzicht auf Umbenennung des Stühmerwegs Beratungsfolge 22.05.2012 Bezirksvertretung Münster-Mitte Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: Entsprechend der Empfehlung der Kommission Straßennamen wird der Stühmer weg nicht umbenannt. II. Finanzielle Auswirkungen: Es entstehen keine Kosten und keine Folgekosten. Begründung: Diese Beschlussvorlage zum Stühmerweg steht im Zusammenhang mit de n stadtweiten Dis- kussionen über NS-belastete Straßennamen. Ein Ausgangspunkt der Disku ssionen war im Mai 2007 der Antrag der SPD-Fraktion der BV- West auf Umbenennung des Carl -Diem-Weges. Ebenfalls im Mai 2007 hat die SPD -Fraktion in der BV-Mitte um Prüfung der Vorwürfe gegen den Namensgeber des Jöttenweges gebeten sowie einen Bericht über die Straßennamen angefordert, deren Namensgeber in die Unrechts- taten bzw. Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus verstrickt waren. Diese Prüfung führte zu einem Auftrag an den Historiker Dr. Schmidt, der die Namensgeber der Straßen im Stad t- bezirk Mitte auf deren Verstrickung in die Unrechtstaten des NS-Regimes überprüfen sollte. In seinem Gutachten benannte Dr. Schmidt 29 Personen, die er in 4 Kategorien eingeteilt hatte: Kategorie 1: keine Nähe zum NS-Regime Kategorie 2: Haltung zum NS-Regime nicht eindeutig Kategorie 3: Aktive Stützen des NS-Regimes Vorlagen-Nr.: V/0368/2012 Auskunft erteilt: Herr Zimmermann Ruf: 492 62 42 E-Mail: ZimmermannBernhard@stadt-muenster.de Datum: 11.05.2012 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0368/2012 Kategorie 4: Beteiligung an Kriegsverbrechen oder Unrechtstaten Während in der Kategorie 4 keine Namensgeber auf Münsters Straßenschildern vorha nden sind, sind es in der Kategorie 3 nach dem Gutachten Schmidt 7 Personen (Franz Ludwig, Ludwig Humborg, Karl Wilh. Jötten, Hans Pfitzner, Alfred Stühmer, Karl Wagenfeld und Agnes Miegel), davon liegt jedoch die Agnes -Miegel-Straße im Stadtbezirk Ost. Ein weiterer Prüfau f- trag des Oberbürgermeisters an das Stadtarchiv zu den Straßennamen im übrigen Stadtgebiet ergab drei weitere Namensgeber in der Kategorie 3 aus dem Stadtbezirk Münster -Ost. Dar- über hinaus hatte der Ratsantrag der SPD -Fraktion vom Januar 2008 zur Umbenennung des Hindenburgplatzes die Debatte um Straßennamen sehr stark in die Öffentlichkeit getragen. Nach der Kommunalwahl 2009 hat der erweiterte Ältestenrat des Rates beschlossen, eine Kommission unter der Leitung des Oberbürgermeisters einzusetzen, der alle im Rat vertret e- nen Parteien und die Historiker Prof. Dr. Thamer und Prof. Dr. Kenkmann angehören sollten. Diese Kommission sollte über die zehn Personen der Kategorie 3 (dazu Diem und Hinde n- burg) also über zwölf Namensgeber beraten. Im Vordergrund des Prüfa uftrags stand nicht die Bewertung der gesamten Lebensleistung dieser Personen, sondern ob und inwieweit die N a- mensgeber das NS-Regime gestützt haben. Außer der Beratung über historische Fakten sollte die Kommission den entscheidungsbefugten G remien (Rat und Bezirksvertretungen) ihre Empfehlung mitteilen, ob die Ehrung durch den Straßennamen nach wie vor angemessen sei und eine Umbenennung stattfinden solle oder nicht. Nach Abschluss der Kommissionsarbeit hat der erweiterte Ältestenrat die Ergebnisse und Empfehlungen der Kommission am 07.07.2011 entgegengenommen und die Verwaltung be- auftragt, diese Ergebnisse in einer breit angelegten Informations- und Kommunikationsphase zu veröffentlichen. Zusätzlich sollte die Verwaltung eine repräsentative Bürgerumfrage zur Frage der „Ehrung“, die mit der Benennung einer Straß e nach einem Namensgeber verbu n- den ist, durchführen. Die se Bürgerumfrage sollte eine zusätzliche Informationsquelle für die Diskussion in den Gremien bilden, diese aber nicht binden. Die Informations- und Kommunikationsphase hatte zum Ziel, über die Ergebn isse der Ko m- mission zu informieren. Insbesondere sollte die auf neuen Erkenntnissen der historischen Fo r- schung basierende Einschätzung der Kommission zu den Namensgebern vermittelt werden, da diese Erkenntnisse vermutlich in weiten Teilen der Bürgerschaft nicht bekannt sind. Im Vordergrund der Information sollte daher nicht die gesamte Lebensleistung der Namen s- geber stehen, sondern sollten insbesondere die neuen historischen Fakten stehen, nach d e- nen die N amensgeber nach heutiger Bewertung nicht mehr als V orbilder dienen können und eine Ehrung nicht verdient haben. Die Information der Öffentlichkeit erfolgte unter dem Motto „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ - mit einer neuen Internetseite auf der Homepage der Stadt unter www.muenster.de/stadt/strassennamen, freigeschaltet seit 21.12.2011 - mit der Ausstellung „Widerstände im Münsterland“ in der Bürgerhalle des Rathauses vom 19.11. - 21.12.2011 - mit der Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt ?!“ in der Bürgerhalle des Rathauses vom 26.01. - 16.03.2012 - 3 - V/0368/2012 - mit einer Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ am 25.01.2012 im Rathaus-Festsaal - mit zwei Informationsveranstaltungen in den Stadtbezirken Ost und Mitte am 26.01.2012 und 09.02.2012 - mit einer Podiumsdiskussion „Ehre, wem Ehre gebührt?! - Geschichte und Verantwor- tung in einer demokratischen Gesellschaft“ mit prominenten Podiumsteilnehmern am 29.02.2012 im Rathaus-Festsaal Ergebnisse der Bürgerumfrage Die repräsentative Bürgerumfr age wurde vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Ve r- kehrsplanung in der Zeit vom 25.01. - 15.02.2012 durchgeführt. Es wurde unter anderem die Frage gestellt: „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher Bede u- tung durch B enennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu ehren?“ Knapp 70 Prozent der Antworten lauteten „Ja“. Auf die weitere Frage „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bü r- gerschaft und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie vorschl a- gen, wenn sich deren Namensgeber/innen nach neueren quellengestützten Forschungse r- gebnissen als Stü tzen des NS -Regimes erwiesen haben?“ sprachen sich knapp 40 Prozent der Befragten für eine Umbenennung aus. Die einzelnen Umfrageergebnisse sind in Anlage 1 beigefügt. Empfehlung der Kommission Straßennamen zum Stühmerweg Die Kommission hat in ihrer abschließenden 4. Sitzung am 15. Juni 2011 zusammengefasst folgende Empfehlungen abgegeben: „Die Kommission empfiehlt einstimmig (bei 1 Enthaltung) keine Umbenennung des Stühmer- weges. Die Persönlichkeit des Arztes und Hochschullehrers Prof. Dr. Alfred Stühmer zeigt ein ambivalentes Bild. Ausschlaggebend für das Votum der Kommission ist, dass Stühmer als De- kan der Medizinischen Fakultät Freiburg auf die Anfrage der zahnärztlichen Poliklinik zur Be- handlung jüdischer Patienten vom 01.06.1938 einen Tag später schriftlich geantwortet hat: 'Der kranke jüdische Mensch bedarf ärztlicher Behandlung. Es besteht somit, wenn er unsere Hilfe in Anspruch nehmen will, nicht nur Behandlungsrecht, sondern Behandlungspflicht. Es ist mir keinen Au- genblick zweifelhaft, dass die Verweigerung der ärztlichen Behandlung vom Standpunkt der ärztlichen Berufsethik unzulässig wäre …' (Hellmich, Die Medizinische Fakultät der Universität Freiburg i. Br. 1933-1945, Seite 187)." Die im Folgenden angeführte Begründung für die Umbenennung ist dem vom Stadtarchiv au f- bereiteten Internetangebot „Ehre wem Ehre gebührt!?“ entnommen. Stühmerweg Der Stühmerweg wurde 1962 benannt nach P rof. Dr. Alfred Stühmer, * 28.02.1885 in Magde- burg † 02.06.1957 in Freiburg, Arzt und Hochschullehrer - 4 - V/0368/2012 Alfred Stühmer und der Nationalsozialismus Politische Mitgliedschaften Seit 1933: Mitglied im Nationalsozialistischen deutschen Frontkämpferbund als Nachf olgerein- richtung des Stahlhelm". 1937: Eintritt in die NSDAP Weitere Mitgliedschaften: NSD -Ärztebund, NS -Altherrenbund, NS -Volkswohlfahrt, NSD - Dozentenbund und Reichsbund Deutsche Familie Kein aktiver politischer Kämpfer Stühmer "setzt sich in seiner Art für den Nationalsozialismus ein, er steht politisch wohl der Deutschnationalen Volkspartei nahe. Er ist sicher kein aktiver politischer Kämpfer, doch wird man sich gegebenenfalls auf ihn verlassen können." So die Beurteilung des Dozentenschaft s- führers der Universität Freiburg 1935. Stühmer wurde 1934 Nachfolger des Linksliberalen Prof. Dr. Georg Rost als Leiter der Freiburger Univers itätshautklinik, der wegen "politischer Unzuverlässigkeit" entlassen worden war. Auch wenn Stühmer gelegentlich forsch auftrat , galt er offiziell als loyaler und verlässlicher Anhänger der NS -Regierung, wie seine mehrmalige Bestätigung als Dekan und Prodekan zwischen 1937 und 1945 zeigt. Bekenntnis zum Nationalsozialismus "Nachdem nun aber Lehrkörper und Studentenschaft von volksfremden Elementen gesäubert sind, darf sich heute die Hochschule wie jede andere öffentliche Institution unseres Volkes auf- richtig zum Nationalsozialismus bekennen." Dies bekundete Alfred Stühmer in einer Rede am 3. Dezember 1937. Als Dekan der Medizin i- schen Fakultät sprach er vor über 1.000 Erstsemestern in der Aula der Albert -Ludwigs- Universität in Freiburg. Die Rede wurde 1938 in der Reihe 'Freiburger Universitätsreden' publi- ziert. Sie ließ seine antirepublikanische und völkisch -nationalistische Grundhaltung an mehre- ren Stellen erkennen und enthält durchaus Bekenntnisse zum Nationalsozialismus. Entzug Ehrendoktorwürde "Die Medizinische Fakultät hat die Liste der Ehrendoktoren durchgesehen und hält es für not- wendig, dem früheren Staatsrat Ludwig Marum, welcher am 6. November 1926 zum Ehrendok- tor ernannt wurde, diesen Titel zu entziehen. Herr Marum hat sicher alles getan, um gegen den Nationalsozialismus und nationalsozialistischen Geist an der Hochschule zu kämpfen. [...] Wir bitten zunächst um Feststellung, wo sich Herr Marum befindet." (Hellmich, 1989, S. 188) Als Dekan verantwortete Stühmer den Entzug von Doktor - und Ehrendoktorwürden der Med i- zinischen Fakultät. 1938 forderte er, dem ehemaligen SPD -Landtagsabgeordneten Ludwig Marum die Ehrendoktorwürde zu entziehen. Dieser aber war bereits am 29. März 1934 im KZ Kislau ermordet worden. Stühmer zur Frage der Behandlung jüdischer Patienten "Der kranke jüdische Mensch bedarf ärztlicher Behandlung. Es besteht somit, wenn er unsere Hilfe in Anspruch nehmen will, nicht nur Behandlungsrecht, sondern Behandlungspflicht. Es ist mir keinen Augenblick zweifelhaft, daß die Verweigerung der ärztlichen Behandlung vom Standpunkt der ärztlichen Berufsethik unzulässig wäre." - 5 - V/0368/2012 Mit dieser Aussage vom 2. Juni 1938 antwortete Al fred Stühmer schriftlich auf die Anfrage der zahnärztlichen Poliklinik zur Behandlung jüdischer Patienten vom Tag zuvor.(Helmich, 1989, S. 187) Alfred Stühmer nach 1945 Seine Parteizugehörigkeit begründete Stühmer mit familiären, ärztlich -dienstlichen sowie uni- versitären Rücksichten. Seine Mitgliedschaften in NS -Verbänden seien zwangsläufig bedingt gewesen und hätten sich auf die festgesetzten Mitgliedszahlungen beschränkt. Laut Gutachten der Entnazifizierungskommission habe Stühmer niemals seine Assistent en politisch beeinflusst und sei abgesehen von der Rede im Jahr 1937 öffentlich nicht hervorg e- treten. Darüber hinaus soll er in nationalsozialistischen Kreisen unliebsam durch sein öffentl i- ches Lob um die Verdienste zweier jüdischer Ärzte aufgefallen sein. Stühmer durfte zwar weiter lehren, sein Gehalt wurde jedoch um 20% gekürzt. Auch sollte er für zwei Jahre kein Amt wie Rektor, Senator oder Dekan bekleiden und sich aller politischen Reden in Wort und Schrift in der Öffentlichkeit enthalten. Georg Rost, S tühmers von den Nationalsozialisten entlassener Vorgänger im Amt, äußerte sich in seinem Nachruf in der „Münchener Medizinische Wochenschrift" durchweg positiv über seinen "lieben Schüler und Freund". Zur Person Alfred Stühmer Lebenslauf 1903–1908: Medizinstudium in Jena, München und Breslau 1910: Approbation als Arzt und Promotion zum Dr. med. in Breslau 1908-1918: Militärdienst als Feld- und Truppenarzt Ab 1910: Assistenzarzt in Magdeburg, Frankfurt a. M. und Breslau; während des Ersten Weltkriegs Truppen- und Stationsarzt 1919: Ernennung zum Oberarzt an der Universitätshautklinik Freiburg 1920: Habilitation 1924: außerordentliche Professur 1925: Berufung an die Universität Münster 1926–1934: Direktor der Universitätshautklinik Münster 1934: Berufung an die Universität Freiburg (Ordinariat und Leitung der Uni- versitätshautklinik) 1937–1940: Dekan der Medizinischen Fakultät in Freiburg 1940–1945: Prodekan der Medizinischen Fakultät in Freiburg - 6 - V/0368/2012 Nach 1945: Hochschullehrer in Freiburg (u. a. 1952/53 erneut als Dekan der Medi- zinischen Fakultät); bis zu seinem Tode als Hochschullehrer und Klinik- leiter aktiv Ehrungen 1955: Erster Träger der Schaudinn-Hoffmann-Plakette, verliehen durch die Deutsche Dermatologische Gesellschaft 24.09.1962: Straßenbenennung Weitergehende Informationen Weitere Dokumente, Quellen- und Publikationsangaben finden sich auf der Internetseite www.muenster.de/stadt/strassennamen/ Fazit Aufgrund der einstimmigen Empfehlung (bei 1 Enthaltung) der K ommission Straßennamen schlägt die Verwaltung keine Umbenennung des Stühmerwegs vor. Anträge oder Anregungen nach § 24 Gemeindeordnung zur Umbene nnung des Stühmerwegs vor liegen nicht vor. In Vertretung Schultheiß Stadtdirektor Anlagen: 1 Ergebnis der Bürgerumfrage 2 Übersichtsplan
Anlage-2-Übersichtsplan
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Anlage 2 V/0368/2012
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (3)
- Schlossplatz
- Stühmerweg
- Agnes-Miegel-Straße
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0368/2012
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 07.05.2012
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37