V/0483/2020
Entwicklung Lyrikertreffen Münster
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Berichtsvorlage
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V/0483/2020 V/0483/2020 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Entwicklung Lyrikertreffen Münster hier: Besetzung künstlerische Leitung Beratungsfolge 03.06.2020 Kulturausschuss Bericht Bericht: Das Internationale Lyrikertreffen Münster Das Internationale Lyrikertreffen Münster ist als renommiertes Forum für Gegenwartspoesie weltweit hochgeschätzt. Seit seiner Gründung im Jahr 1979 gilt es als Seismograph seines Genres und des Gegenwartsdiskurses. Das Kulturamt der Stadt Münster und der Literaturverein Münster e.V. richten das dreitägige Literatur-Ereignis im Biennale-Rhythmus jeweils in den ungeraden Jahren aus , bisher unter der langjährigen Leitung von Hermann Wallmann (1995 bis 2019). Die eingeladenen Dichter zählen zum Who is Who der Gegenwartslyrik, sie sind vielfach mit Literatur -, Lyrik- und Nobelpreisen ausgezeichnet. Lyriker wie Inger Christensen, Oskar Pastior, Durs Grünbein, Monika Rinck und Jan Wagner waren ebenso zu Gast wie Herta Müller und Tomas Tranströmer. Nicht selten erweist sich das Festival zudem für junge Dichterinnen und Dichter als Sprungbrett in die nati o- nale und internationale Literatur- und Lyrikszene. Durch zusätzliche Schullesungen sind die eingeladenen Dichter für junge Leute direkt erleb - und an- sprechbar. Aktuell sind rund 20 Schulen involviert, die Schullesungen werden extrem gut angeno m- men, eine Ausdehnung des Angebotes ist jederzeit denkbar. Über die eigentliche Lesung beim Lyr i- kertreffen hinaus wird dadurch immer auch eine Beteiligung an kultureller Bildung „eingekauft“. Zum Abschluss und Höhepunkt des Lyrikertreffens wird am dritten Tag der Preis für Internationale Poesie der Stadt Münster für einen Gedichtband und dessen eigenständige Übersetzung verliehen. Im Preis-Gründungsjahr 1993 war dies der erste Preis in Deutschland, der Dichter und Übersetzer zu gleichen Teilen auszeichnete. Trotz der mittlerweile großen Vielzahl an – durchaus auch deutlich hö- her dotierten – Literaturpreisen hat Münster in der praktizierten gleichwertigen Würdigung der Übe r- setzungsleistung nach wie vor eine Vorreiterfunktion. Mit dem Preis wird die Bedeutung von Sprache Kulturamt 14.05.2020 Ihr/e Ansprechpartner/in: Frau Schnell Telefon: 492-4100 Schnell@stadt-muenster.de Frau Müller Telefon: 492-4109 MuellerSabine@stadt- muenster.de - 2 - V/0483/2020 als Mittel zu Dialog und Toleranz zum Ausdruck gebracht, die Bedeutung der Übersetzung und s omit das Verstehen anderer Kulturen in den Mittelpunkt gerückt. Zentrale Ausrichtung, Entwicklungen und Impulse Übersetzung als zentrales Thema Das zentrale Alleinstellungsmerkmal des Internationalen Lyrikertreffens Münster und des Preises für Internationale Poesie ist das Thema Lyrik und seine Übersetzung. Hier wird mit starken Stimmen in einer langen Tradition der Blick gleichberechtigt auf Original und Übersetzung gerichtet. Das Lyrike r- treffen gibt dieser besonderen Literatur Raum, sonst sprachlich verschlossen bleibende Welten we r- den geöffnet. Dies ist gerade in der heutigen Zeit einer diversen Gesellschaft unerlässlich für ein Kl i- ma der Toleranz und des gegenseitigen Verstehens. Das Lyrikertreffen hat damit in einer Stadt, die durch ihre Geschichte als Westfälische Friedensstadt für Toleranz durch Dialog steht und dieses Mot- to pflegt, einen idealen Platz gefunden. Das Festival hat in den vergangenen Jahren eine kontinuierliche Weiterentwicklung erfahren. W e- sentliche Zielsetzung dabei ist es, neben Wahrung der herausragenden fachlichen Qualität des Festi- vals, sowohl die lokale Verortung und Verzahnung zu stärken als auch den immer bedeutsameren weltweiten Verflechtungen Rechnung zu tragen: Seit 2009: Realisierung des Rahmenprogramms POETRY Seit d em Jahr 2009 bildet das Programm POETRY regelmäßig ein facettenreiches Rahmen - und Vorprogramm für das Lyrikertreffen. Zentrale lokale Kulturakteure wie die Filmwerkstatt, die TatWort Lesebühne des Cuba Kultur, der Verlag Kleinheinrich, Theaterlabel wie Fr eiFrau oder spartenübe r- greifend agierende Label und Klangkünstler wie „sozialpalast“, „this honourable fish“ oder Anna Stern sind eingeladen, Lyrik in andere künstlerische Ausdrucksformen zu übersetzen. Über einen Zeitraum von ca. vier Wochen ist die Lyr ik damit auch im Stadtraum Münsters präsent, z.B. als visuelle Installation in der Unterführung am H1, filmisch verarbeitet im Schlosstheater, als Ausstellung hochwertiger Druckkunst im Verlag Kleinheinrich oder in der Stadthausgalerie, als akusti- sche Performance im Bunker an der Lazarettstraße oder „zugeflüstert“ durch Schauspieler des 24h Stadtensembles in der Fußgängerzone Münsters. Ausgehend von dem Motiv der Übersetzung verbinden sich auf diesen facettenreichen Reisen durch die verschiedenen Genres re gelmäßig die unterschiedlichen Kompetenzen Freier Kulturakteure aus Münster. Fernab einer „Lyrik im Elfenbeinturm“ beweist die Lyrik ihre Relevanz als Grundlage unte r- schiedlichster Genres und rückt ganz nah an die Alltagswelt verschiedenster Zielgruppen he ran. Be- leg für die gewünschte intensive Vernetzung z.B. in die jüngere studentische Szene war u.a. auch der im Jahr 2015 realisierte NRW Poetry Slam im ausverkauften Großen Haus im Theater Münster. Fazit: Das Programm POETRY dient somit sowohl der Einbind ung und Stärkung lokaler Kulturakteu- re in einem identitätsstiftenden Projekt als auch einer lebendigen Vermittlungsarbeit eines häufig fehl- eingeschätzten Genres. Seit 2010: Erweiterung zum internationalen Preis Eine noch stärkere internationale Öffnung und Strahlkraft des Lyrikertreffens wird seit dem Jahr 2010 verfolgt. Mit politisch beschlossener Umbenennung des „Preises der Stadt Münster für Europäische Poesie“ in „Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie“ sollte der Fokus nicht mehr nur auf Eu- ropa liegen, sondern sich öffnen und die gesamte internationale Poesie berücksichtigen. - 3 - V/0483/2020 Die Öffnung in Europa unter Wahrung und Anerkennung der nationalen und regionalen Vielfalt und die gleichzeitige Hervorhebung des gemeinsamen kulturellen Erbes bleib t auch im Zuge der for t- schreitenden Globalisierung äußerst bedeutsam und erfährt aktuell erneut steigende Relevanz. Zugleich erhalten die Chancen und Risiken der weltweiten Verflechtung – über die Grenzen Europas hinweg – in allen Bereichen einen immer höheren Stellenwert. Fazit: Dank der internationalen Ausrichtung kann Münster mit dem „Preis der Stadt Münster für Inter- nationale Poesie“ auf die Herausforderungen der Globalisierung eine weltliterarische Antwort geben. Seit 2015: Verbindung und Vernetzung mit dem Film Als erfreuliche Nebenwirkung des POETRY -Festivals konnte ab dem Jahr 2015 ein für Münster ne u- artiges Festival – das ZEBRA Filmfestival – von Berlin nach Münster geholt werden. Das ursprünglich von der Literaturwerkstatt Berlin initiierte un d in Berlin ausgerichtete Festival fördert und präsentiert das Genre Poesiefilm als medienübergreifendes Format: Sprache und Rhythmus der Lyrik werden in das bewegte Bild „übersetzt“ und setzen dabei eine eigene künstlerische Dynamik frei. Eingeladen und verantwortet von der Filmwerkstatt Münster e.V. war eine Auswahl des „ZEBRA Poe- siefilms“ bereits mehrfach Gast in der Programmreihe POETRY. Mit diesen ersten positiven Erfa h- rungswerten, den bereits bestehenden Organisationsstrukturen und vorhandenen Kompe tenzen so- wie vor allem auch einem sehr lyrikaffinen Publikum in Münster waren für die Filmwerkstatt Münster gute Voraussetzungen gegeben, das ZEBRA Filmfestival in Kooperation mit der Literaturwerkstatt Berlin und dem Literaturverein Münster alle zwei Jahr e (im Wechsel mit dem Filmfestival) in Münster auszurichten. Im Rahmen der konzeptionellen Neuausrichtung wurde der Fokus insbesondere auf Nachwuchs und junge Talente gelegt. Die Kunstform Poesiefilm wurde in der Fläche verankert, eine Stärkung von Münster als Produktionsort im Bereich Film verfolgt. Der intendierte Umzug des Festivals von Berlin nach Münster wurde neben den involvierten Haup t- förderern Kunststiftung NRW, Land NRW sowie dem LWL auch von der Stadt Münster begrüßt und mit einem politisch besc hlossenen jährlichen Zuschuss zunächst bis 2019 unterstützt. Nach erneut positiv bewilligter Antragstellung wurde die Filmwerkstatt Münster in die Lage versetzt, das neue Fe s- tivalformat weiter in Münster zu etablieren und im Profil zu schärfen. Perspektivisch ist dabei die noch stärkere Ausrichtung auf die nordrhein -westfälischen Gegebenhei- ten und die Zusammenarbeit mit den regionalen und lokalen Institutionen (Center for Literature, Ku l- turgut Nottbeck, Schulen, Stadtbücherei, Literaturverein und Lyrikertr effen) vorgesehen. Inhaltlich wird der thematische Zugriff neben der Lyrik auf andere literarische Gattungen ausgeweitet. Unter der neuen Bezeichnung „litfilms“ werden Grenzen und Symbiosen von Lyrik, Literatur und Film ausgel o- tet. Das Programm selbst soll ein Hybrid zwischen Werkstatt und Festival sein. In Berlin wird es d a- neben wieder ein Poesiefilmfestival unter dem Namen ZEBRA geben. Fazit: Auch mit diesen Entwicklungen wird der Literatur - und Lyrikstandort Münster / Münsterland weiter gestärkt und dem damit verbundenen Alleinstellungsmerkmal der Übersetzung eine weitere, sichtbare Komponente verliehen. Das spartenübergreifende Genre unterstützt sowohl die Lyrik -, Lite- ratur- und Filmpräsentation als auch -produktion. Es kann damit breite und insbesondere auch jünge- re Publikumskreise erschließen. Für die Filmwerkstatt Münster und die Literaturveranstalter und -institute in der Stadt bietet sich die Chance, eine für beide Sparten gewinnbringende Zusammenarbeit zu intensivieren. - 4 - V/0483/2020 Seit 2018: programmatische Weiterentwicklung des Lyrikertreffens / Relaunch / Zeitgemäße Übera r- beitung Unter Berücksichtigung dieser Entwicklungen und Impulse konnte das Lyrikertreffen 2019 mit zusät z- licher finanzieller Unterstützung der Kunststiftung NRW gezielt um strukturelle und programmatische Eingriffe sowie kooperative Ansätze erweitert werden. Vorausgegangen war dem eine intensive Recherche sowie der Abgleich und Besuch bzw. Austausch mit den Machern wichtiger Festivals wie dem Poesiefestival Berlin, welches sich ebenfalls der G e- genwartspoesie widmet, dem Internationalen Literaturfestival Berlin, welches jährlich zeitgenössische Lyrik, Prosa, Nonfiction, Graphic Novels sowie Kinder - und Jugendliteratur aus aller Welt präsentiert, der noch ganz jungen Poetica K öln, welche einen öffentlichen Diskurs über Themen der Weltliteratur anregen und deutsche und internationale Lyrik in Beziehung setzen möchte, sowie dem neuen Festi- valkongress „Fokus Lyrik“ in Frankfurt am Main, welcher ein kuratiertes Lyrikprogramm mit Di chterle- sungen, Live-Performances und interdisziplinären Aufführungen mit einem Fachkongress zu Produk- tion, Vertrieb, der Präsentation und der Rezeption von Dichtung verknüpft. Im Ergebnis bestätigte sich für Münster einmal mehr die hohe Relevanz der Schwe rpunktthematik „Übersetzung“. Als bedeutsame Zielsetzungen der weiteren Profilierung kristallisierte sich zudem her- aus: - Das Festival soll verstärkt an jüngere Rezipienten herangebracht werden, indem insbesondere die Zusammenarbeit mit der WWU Münster intensiviert und der Link in die Studierendenschaft gefördert wird. - Neben der bewährten künstlerischen Handschrift von Hermann Wallmann sollen neue, junge programmatische Handschriften (Gastkuratoren) zusätzliche, auch genreübergreifende Impu l- se liefern. - Mit der Schaffung neuer Präsentationsformen und neuer Formate von Lyrik – z.B. Poesiefilme – soll die sinnliche Erlebnisorientierung gestärkt werden. - Durch neue Veranstaltungsorte soll das Festival stärker in die Stadt strahlen. - Aktuelle gesellschaftsrelevante Fragestellungen sollen verstärkt ihren Niederschlag im Lyriker- treffen finden. Gefördert von der Kunststiftung NRW ergänzten im Ergebnis drei Bausteine das Lyrikertreffen 2019: ein Übersetzungsworkshop mit Studierenden der WWU, eine Gastkuration sowie die Verbindung von Lyriklesungen und Poesiefilmen durch eine Zusammenarbeit mit dem ZEBRA Poetry Film Festival. Im Vergleich zu 2017 steigerten sich die Besucherzahlen deutlich. Die Auslastung lag 2019 bei 88,61 Prozent (2017: 69,48 Prozent). Insgesamt be suchten das Lyrikertreffen 1.222 Zuschauer. Die Bes u- cherzahlen bei der Verleihung des Preises der Stadt Münster für Internationale Poesie sind dabei nicht inkludiert, hier waren ca. 120 Besucher anwesend. Bemerkenswert war die hohe Auslastung der neuen Pro grammelemente an der neu hinzugenommenen Spielstätte, der Studiobühne der WWU. Hier kam man aus dem Stand auf Auslastungen – selbst im Late-Night-Programm - von über 80 Pro- zent. Neue künstlerische Leitung des Lyrikertreffens Hermann Wallmann (*1948) hatte seit 1995 zunächst gemeinsam mit Susanne Schulte, Geschäft s- führerin der GWK (Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit), und dem Publizisten Norbert Wehr die künstlerische Leitung des Lyrikertreffens inne. Im Jahr 2007 war Hermann Wal l- mann gemeinsam mit Norbert Wehr künstlerischer Leiter, von 2009 bis 2019 war Hermann Wallmann alleiniger künstlerischer Leiter. Beim Lyrikertreffen 2019 gab Hermann Wallmann seinen Rücktritt bekannt. Als Anspruch für eine Neubesetzung wurden seitens der Kulturverwaltung und Beate Vilhjalmsson als Vorsitzende der Jury für den Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie Kriterien entwickelt, die sich aus der Tradition, der Ausnahmestellung des Festivals und seiner herausragenden Position in - 5 - V/0483/2020 der Festivallandschaft sowie aus den vorab beschriebenen kontinuierlichen Weiterentwicklungen des Festivals ergeben: - herausragende fachliche Kompetenzen und Referenzen im Bereich der Gegenwartslyrik - fundierte Kenntnisse auf dem Gebiet der Übersetzung - breites Netzwerk in der Literaturszene, sowohl national wie international - spartenübergreifende Kompetenzen - Bereitschaft zu genreübergreifendem Arbeiten - Bereitschaft, mit der freien Szene zusammenzuarbeiten und lokale Kooperationen einzugehen - verlagsunabhängiges Arbeiten, das nicht durch Bindungen an einen bestimmten Verlag bei Entscheidungen eingeengt ist - Erfahrungen in der Durchführung von Literaturveranstaltungen. Im Zuge der Recherchen wurden umfangreiche Gespräche zu einer Neubesetzung geführt. Im Idea l- fall sollte ein e kompetente Größe aus der lokalen Literaturszene gefunden und zur künstlerischen Leitung entwickelt werden. Lokal ansässige Literaturexperten, darunter auch Hermann Wallmann als 1. Vorsitzender des Literaturvereins Münster e. V. , wurden bei der Suche und zur Expertise einbezo- gen. Im Ergebnis wurden mit sieben potenziellen Kandidaten intensive Gespräche geführt. Letztlich überzeugten Ulf Stolterfoht und Aurélie Maurin in allen vorgenannten Kriterien in herausragender Weise. Mit Ulf Stolterfoht und Aurélie Maurin tritt ab 2021 wieder eine Doppelspitze die künstlerische Leitung des Internationalen Lyrikertreffens an. Im Ergebnis geht die Besetzung damit an zwei Auswärtige, allerdings mit dem konzeptionellen Ansatz, künstlerische Projektbeteiligte in Münster aufzubauen und zu konstanten Ansprechpartnern vor Ort zu entwickeln. Ulf Stolterfoht wurde 1963 in Stuttgart geboren , lebt in Berlin und ist seit dem Jahr 2000 als freier Schriftsteller tätig. Er übernahm Lehrtätigkeiten an den Instituten in Leipzig, Biel, Kopenhagen und Wien sowie Poetikdozenturen an den Universitäten Hildesheim, Utrecht und Heidelberg. Kuratorisch war er unter anderem bei den Kulturtagen in Lana tätig, er ist Mitglied im Deutschen PEN -Zentrum und betrieb von 2014 bis 2020 den Lyrikverlag Brueterich Press. Stolterfoht war mehrfach beim Lyr i- kertreffen zu Gast, zudem entschied sich die Jury des Preises der Stadt Münster zweimal für ihn als Laudator. Aurélie Maurin wurde 1975 in Paris geboren, lebt seit dem Jahr 2000 in Berlin und ist als Kur atorin und Moderatorin von diversen Übersetzungsreihen, als Lyrikübersetzerin sowie als Herausgeberin zahlreicher Anthologien tätig. Sie verantwortete von 2001 bis 2018 die Lyrikreihe „VERSschmuggel“ und ist seit 2017 Leiterin des TOLEDO -Programms, der internationalen Sparte des Deutschen Übe r- setzerfonds. Als stellvertretende Vorsitzende des Netzwerks freie Literaturszene Berlin und Sprech e- rin für Literatur der „Koalition der freien Szene“ setzte sie sich für den Ausbau der Übersetzungsförde- rung ein. Die Mittel für die Honorare sind im Etat des Internationalen Lyrikertreffens bereits enthalten, zusätzl i- che Belastungen für den Haushalt entstehen nicht. Ziele für das Lyrikertreffen 2021 Ulf Stolterfoht als Lyriker und Kurator sowie Aurélie Maurin als Expertin für Übersetzungen, Veranstal- tungsformate und Nachwuchsförderung ergänzen sich als künstlerisches Leitungsteam und haben bereits gemeinsame Arbeitserfahrungen. Sie sehen sich der über 40 -jährigen Tradition des Internat i- onalen Lyrikertreffens verpflichtet, erkennen vor allem aber die vorgenommenen, hier ausgeführten Weiterentwicklungen der vergangenen Jahre an und möchten den eingeschlagenen Weg auf weite r- hin hohem künstlerischen, internationalem Niveau fortsetzen. Darüber hinaus möchten sie eigene, neue Ideen einbringen und experimentellere Formate etablieren sowie den Blick verstärkt auf Mö g- lichkeiten und Herausforderungen der Lyrikübersetzung richten. Durch die Doppelspitze ist ein breite- - 6 - V/0483/2020 res fachliches Know -how gewährleistet, gerade im Bereich des zentra len Festivalthemas Überse t- zung wird das Festival durch das spezialisierte Wissen vor allem von Auré lie Maurin entscheidend gestärkt. Ein wichtiger Aspekt ist die Verankerung des Festivals vor Ort – zum Beispiel durch künstlerisch tät i- ge Projektmitarbeiter bzw. Nachwuchskräfte. Hier sind durch Kooperationen im Zuge der Weiteren t- wicklung des Festivals seit 2018 durch das Kulturamt bereits Ansprechpartner gefunden worden, mit denen eine künstlerische Zusammenarbeit erwogen wird, darunter die Übersetzerin Anna Eble vom Institut für Niederländische Philologie. Ebenfalls ist eine erneute Antragsstellung bei der Kunststiftung NRW geplant, aufbauend auf der er s- ten Projektskizze des neuen Leitungsteams. i.V. gez. Cornelia Wilkens Stadträtin Anlagen: Anlage A Anlage 1: Lebenslauf Ulf Stolterfoht Anlage 2: Lebenslauf Aurélie Maurin
Anlage_1_Lebenslauf_Ulf_Stolterfoht
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Anlage 1 zur Vorlage V/0483/2020
Foto: Dirk Skiba
Ulf Stolterfoht
Biografie
Ulf Stolterfoht wurde 1963 in Stuttgart geboren. Nach dem Abitur Zivildienst (Forstarbeit
mit Obdachlosen). Studium der Germanistik und Allgemeinen Sprachwissenschaft in
Bochum und Tübingen (nicht abgeschlossen). Seit 1994 lebt er in Berlin, seit 2000 als
freier Schriftsteller. Gelegentliche Lehrtätigkeit an den Instituten in Leipzig, Biel,
Kopenhagen und Wien. Poetikdozenturen an den Universitäten Hildesheim (2009), Utrecht
(2013) und Heidelberg (2019). Kuratorische Tätigkeit, unter anderem für die Kulturtage
Lana (2007, mit Christine Vescoli)) und das Theorieprojekt TIMBER! im Literaturhaus
Berlin (2011). Ulf Stolterfoht ist Mitglied des Impro-Kollektivs DAS WEIBCHEN, des
Deutschen PEN-Zentrums, der Berliner und der Darmstädter Akademie, sowie Knappe der
Lyrikknappschaft Schöneberg. Von 2014-2020 betrieb er den Lyrikverlag BRUETERICH
PRESS.
Preise
"open mike" der literaturWERKstatt Berlin 1994
Hans-Erich-Nossack-Förderpreis 2000
Christine-Lavant-Lyrikpreis 2001
Ernst-Meister-Förderpreis 2003
Heimrad-Bäcker-Förderpreis 2004
Anna-Seghers-Preis 2005
Alfred-Gruber-Preis beim Lyrikpreis Meran 2006
Peter-Huchel-Preis 2008
Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung 2009 (gem. mit Barbara Köhler)
Heimrad-Bäcker-Preis 2011
Preis der Literaturhäuser 2016
Stipendien
der Sozialen Künstlerförderung Berlin 1995 und 1996
des Berliner Senats 1996, 2006, 2012 und 2019
der Stiftung Niedersachsen "Das zweite Buch" 2000
der Stiftung Kulturfonds 2002
der Stiftung Preußische Seehandlung 2003
der Berliner Übersetzerwerkstatt 2003
Anlage 1 zur Vorlage V/0483/2020
des Deutschen Literaturfonds Darmstadt 2004, 2011 und 2020
des Landes Baden-Württemberg 2005
des Bundes Deutsche Akademie Villa Massimo 2007
der Berliner Akademie der Künste Villa Serpentara 2014
des Deutschen Literaturfonds Darmstadt London 2016
Eigenständige Veröffentlichungen
- fachsprachen I-IX; Basel: Urs Engeler 1998
- fachsprachen X-XVIII; Basel: Urs Engeler 2002
- fachsprachen XIX-XXVII; Basel: Urs Engeler 2004
- traktat vom widergang; Ostheim / Rhön: Peter Engstler 2005
- holzrauch über heslach; Basel: Urs Engeler 2007
- das nomentano-manifest; Ostheim / Rhön: Peter Engstler 2009
- fachsprachen XXVIII-XXXVI; Basel: Urs Engeler 2009
- Ammengespräche; Holderbank: roughbooks 2010
- handapparat heslach; Solothurn: roughbooks 2011
- Das deutsche Dichterabzeichen; Leipzig: Reinecke & Voß 2012
- wider die wiesel, Peter Engstler, Ostheim / Rhön 2013
- Die 1000 Tage des BRUETERICH; Solothurn: roughbooks 2013
- was branko sagt; Ostheim / Rhön: Peter Engstler 2014
- neu-jerusalem; Berlin: kookbooks 2015
- Wurlitzer Jukebox Lyric FL; München: Stiftung Lyrik Kabinett 2015
- fachsprachen XXXVII-XLV; Berlin: kookbooks 2018
- Methodenmann vs. Grubenzwang und mündelsichre Rübsal; Heidelberg: Winter 2019
- fachsprachen XLVI-LIV; Berlin: kookbooks 2020
Übersetzungen
- Gertrude Stein: Winning His Way / wie man seine art gewinnt; Basel: Urs Engeler 2005
- J.H. Prynne: Poems / Gedichte (mit H. Thill); Heidelberg: Wunderhorn 2007
- Tim Turnbull: Es lebt! (mit N. Hummelt, B. Kempker, N. Lange, H. Thill und J. Wagner);
Basel:
Urs Engeler 2009
- Tom Raworth: Logbuch; Heidelberg: Wunderhorn 2011
Arbeiten für den Rundfunk
- kritische wälder; ORF: Literatur als Radiokunst 2006
- stimmen aus dem bücherschrank. eine poetologie in bruchstücken; SWR 2008
- das deutsche dichterabzeichen; SWR 2009
- ein strumpf wächst durch den tisch; SWR 2019
Ausstellungen
- handapparat heslach, Literaturhaus Stuttgart, 18.11.2011 – 29.02.2012
- Falsches Rot (mit Dieter M. Gräf und Frank Witzel), Literaturhaus Stuttgart, 24.10.2018 –
31.01.2019
Tonträger
- ein strumpf wächst durch den tisch (mit Iris Drögekamp, Thomas Weber &
Kammerflimmer
Kollektief), LP, Berlin: Karlrecords 2019 (KR074)
Anlage_2_Lebenslauf_ Aurélie Maurin
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Anlage 2 zur Vorlage V/0483/2020 Aurélie Maurin Biografie Aurélie Maurin, geboren 1975 in Paris, lebt seit 2000 in Berlin. Das Fundament ihrer Arbeit bestand immer in der Liebe zur Übersetzung, die in unterschiedlichsten Formen all ihre Arbeitsfelder prägt: als Kuratorin und Moderatorin von Übersetzungsreihen (u.a. für das Haus der Kulturen der Welt, das Haus für Poesie, das Literarische Colloquium Berlin), als Lyrikübersetzerin (u.a. von Thomas Brasch, Christian Prigent, Dagmara Kraus) sowie als Herausgeberin zahlreicher Anthologien. So verantwortete sie von 2001 bis 2018 die im Verlag Das Wunderhorn erscheinende Lyrikreihe „VERSschmuggel“, deren Mitbegründerin sie war. Seit 2017 ist sie Leiterin des TOLEDO-Programms, internationale Sparte des Deutschen Übersetzerfonds. Als solche initiierte sie u.a. das erste internationale Lyrikübersetzertreffen JUNIVERS, die Reihe „Übersetzungsjournale“, die Projekte „Cities of translators“ und „Republik der Übersetzer“ sowie das interdisziplinäre Lab „Why wait? Translate!“ in Kooperation mit dem Center for Literature/Burg Hülshoff. Regelmäßig leitet sie Übersetzungswerkstätten (zuletzt 2019 die sprachübergreifende Poesiewerkstatt im Schloss Lavigny), schreibt Essays zur Übersetzungstheorie (u.a. für Place de la Sorbonne, grumeaux, Schreibheft) und ist Chefredakteurin der Literaturzeitschrift „la mer gelée“, die im Pariser Verlag Le Nouvel Attila erscheint. Als stellvertretende Vorsitzende des „Netzwerks freie Literaturszene Berlin“ und Sprecherin für Literatur der „Koalition der freien Szene“ setzte sie sich über lange Zeit für den Ausbau der Übersetzungsförderung ein. Aurélie Maurin ist in vielen Gremien tätig und war u.a. Jurorin des Berliner Senats für die City-Tax-Kulturmittel sowie für die Arbeitsstipendien Literatur. Jüngste Publikationen - Übersetzung von Thomas Rosenlöcher, L’homme qui croyait encore aux cigognes, Nouvel Attila, Paris, 2018 - Übersetzung von Marcel Beyer, la reine du Bunker, Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, 2019 - Herausgeberschaft (zusammen mit Myriam Louviot) von Apollo 18, neue Übersetzungen, Essays und Expeditionen zu Guillaume Apollinaire, erscheint 2020 im Verlag Das Wunderhorn
Anlage A
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Anlage A zur V/0483/2020 Kurzüberblick Das Internationale Lyrikertreffen Münster hat in den vergangenen zehn Jahren eine kontinu- ierliche strukturelle und programmatische Weiterentwicklung erfahren. Nach dem Rücktritt des künstlerischen Leiters Hermann Wallmann 2019 werden Ulf Stolterfoht und Au rélie Maurin die künstlerische Leitung übernehmen und die Profilschärfung des Festivals for t- führen. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Mit der Vorlage wird das Ziel „Wir werden als ein kulturelles Zentrum unseres Landes Projekte mit internationaler Ausstrahlung entwickeln“ verfolgt. Das Teilziel lautet: Weiterentwicklung und Profilierung des Literatur- und Lyrikstandorts Münster Zielerreichung: Es handelt sich um ein fortlaufendes Projekt Finanzierung Produktgruppe: 0401 Kulturmanagement/Kulturförderung Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja x Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja x Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja x Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja x Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja x Nein Bereits veranschlagt? x Ja Nein Die Höhe der Aufwendungen oder Auszahlungen sind unabhängig von der vorhandenen Mittelbe- reitstellung im Beschlussvorschlag zu nennen. Eine Angabe an dieser Stelle oder bei den Zielen reicht nicht aus. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig x vollständig freiwillig Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Im Sinne der Gleichstellung ist die künstlerische Leitung des Internationalen Lyrikertreffens mit einer Doppelspitze Mann/Frau besetzt.
Beratungsverlauf (1)
Orte (1)
- Lazarettstraße
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Details
- Aktenzeichen
- V/0483/2020
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 15.05.2020
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37