V/0846/2010
Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs auf der Strecke Münster - Neubeckum der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) ( Gemeinsamer Antrag der SPD-Fraktion, der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL, der Fraktion DIE LINKE., der Ratsgruppe UWG/Ö
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Beschlussvorlage
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V/0846/2010 DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung Betrifft Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs auf der Strecke Münster - Neubeckum der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) Gemeinsamer Antrag der SPD-Fraktion, der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL, der Fraktion DIE LINKE., der Ratsgruppe UWG/ÖDP und von Herrn Ratsherr Langenfeld an den Rat vom 09.03.2010 - Nr. A-R/0037/2010 "Vorrang für den öffentlichen Verkehr - Perspektiven für den Personenverkehr auf der Westfälischen Landeseisenbahn" und Antrag der CDU-Fraktion an den Rat vom 19.03.2010 - Nr. A-R/0039/2010 "Reaktivierung der WLE: Bestand sichern, Realisierungsperspektive eröffnen" Beratungsfolge 02.12.2010 Ausschuss für Stadtplanung, Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaft Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Der Ausschuss für Stadtplanung, Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaft nimmt das Gut- achten des Zweckverbandes SPNV Münsterland (ZVM) zur Reaktivierung der Schienenstre- cke Münster – Neubeckum der Westfälischen Landeseisenbahn zur Kenntnis. 2. Die Verwaltung wird beauftragt, auf Basis der Ergebnisse des Gutachtens die weiteren Ar- beitsschritte zur Reaktivierung des SPNV auf der Strecke Münster – Neubeckum unter Feder- führung des ZVM gemeinsam mit dem Kreis Warendorf zu begleiten. 3. Den Punkten 3 bis 5 (WLE-Reaktivierung) des gemeinsamen Antrages der SPD-Fraktion, der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL, der Fraktion DIE LINKE., der Ratsgruppe UWG/ÖDP und von Herrn Ratsherr Langenfeld an den Rat vom 09.03.2010 - Nr. A-R/0037/2010 "Vorrang für den öffentlichen Verkehr - Perspektiven für den Personenverkehr auf der Westfälischen Landeseisenbahn" wird gefolgt. 4. Dem Antrag der CDU-Fraktion an den Rat vom 19.03.2010 - Nr. A-R/0039/2010 "Reaktivie- rung der WLE: Bestand sichern, Realisierungsperspektive eröffnen“ wird gefolgt. 5. Dem Punkt 1 (Erhöhung der ÖV-Anteile) des gemeinsamen Antrages der SPD-Fraktion, der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL, der Fraktion DIE LINKE., der Ratsgruppe UWG/ÖDP und von Herrn Ratsherr Langenfeld an den Rat vom 09.03.2010 - Nr. A-R/0037/2010 "Vorrang Vorlagen-Nr.: V/0846/2010 Auskunft erteilt: Herr König Ruf: 492 61 51 E-Mail: KoenigD@stadt-muenster.de Datum: 18.11.2010 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0846/2010 für den öffentlichen Verkehr - Perspektiven für den Personenverkehr auf der Westfälischen Landeseisenbahn" wird nicht gefolgt. 6. Dem Punkt 2 (Kooperation im regionalen ÖV) des gemeinsamen Antrages der SPD-Fraktion, der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL, der Fraktion DIE LINKE., der Ratsgruppe UWG/ÖDP und von Herrn Ratsherr Langenfeld an den Rat vom 09.03.2010 - Nr. A- R/0037/2010 "Vorrang für den öffentlichen Verkehr - Perspektiven für den Personenverkehr auf der Westfälischen Landeseisenbahn" wird gefolgt. 7. Der gemeinsame Antrag der SPD-Fraktion, der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL, der Fraktion DIE LINKE., der Ratsgruppe UWG/ÖDP und von Herrn Ratsherr Langenfeld an den Rat vom 09.03.2010 - Nr. A-R/0037/2010 "Vorrang für den öffentlichen Verkehr - Perspektiven für den Personenverkehr auf der Westfälis chen Landeseisenbahn" und der Antrag der CDU- Fraktion an den Rat vom 19.03.2010 - Nr. A-R/0039/2010 "Reaktivierung der WLE: Bestand sichern, Realisierungsperspektive eröffnen“ sind damit erledigt. II. Kosten/Folgekosten Es wird zur Kenntnis genommen, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt des Projektes „Reaktivierung der WLE“ keine Kosten entstehen. Begründung: zu 1. bis 4.: Zu den einzelnen Fragestellungen des gemeinsamen Antrages der SPD-Fraktion, der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL, der Fraktion DIE LI NKE., der Ratsgruppe UWG/ÖDP und von Herrn Ratsherr Langenfeld an den Rat vom 09.03.2010 - Nr. A-R/0037/2010 "Vorrang für den öffentli- chen Verkehr - Perspektiven für den Personenverkehr auf der Westfälischen Landeseisenbahn" und dem Antrag der CDU-Fraktion an den Rat vom 19.03.2010 - Nr. A-R/0039/2010 "Reaktivie- rung der WLE: Bestand sichern, Realisierungsperspektive eröffnen“ können aktuell folgende Sach- stände dargelegt werden. Dabei werden die in beiden Anträgen inhaltlich ähnlichen Fragen zur Westfälischen Landeseisenbahn zusammengefasst beantwortet. Die Westfälische Landeseisenbahn ist ein bedeutendes regionales Bindeglied im Korridor Albers- loher Weg - südöstliches Münsterland. Dies betrifft insbesondere den Abschnitt Münster – Sen- denhorst. Ihre Reaktivierung für den Schienenpersonennahverkehr wäre ein wesentlicher Beitrag, um die sozio-ökonomischen Verflechtungen stadt- und umweltverträglich in diesem Korridor zu stärken. Für die Stadt Münster gilt dies vor allem für die Erreichbarkeit der Innenstadt, der Stadttei- le Gremmendorf, Angelmodde und Wolbeck sowie für die Dienstleistungs- und Gewerbeparks Loddenheide, die Halle Münsterland und das gesamte Hafenareal. Dies bestätigen die Ergebnisse des im Auftrag des Zweckverbandes SPNV Münsterland (ZVM) erstellten aktualisierten Gutachtens (Herbst 2010) zur WLE-Reaktivierung. Unter der Federführung des ZVM wurde ein Arbeitskreis eingerichtet, der die Erarbeitung des Gutachtens fachlich intensiv begleitet hat. Mitglieder des Arbeitskreises waren Vertreter der Fachverwaltung der Stadt Münster und des Kreises Warendorf sowie der Stadtwerke Münster GmbH, der Regionalverkehr Münster- land GmbH (RVM) und Vertretern der WLE. Im Ergebnis kommen die Gutachter zu der pos itiven Aussage, dass die Wiedereinführung des Schienenpersonennahverkehrs zwischen Münster und Sendenhorst ein baulich machbares, zu- kunftweisendes und volkswirtschaftlich sinnvo lles Projekt ist. Neben dem verkehrlichen Nutzen erfolgt durch die Reaktivierung auch eine erhebliche Verbesserung der Standortqualität der Anrai- nerkommunen. - 3 - V/0846/2010 Die Abschätzung der zu erwartenden Nachfrage ergibt für den Planfall Münster – Sendenhorst 6.260 Fahrgäste pro Tag (Mo- Fr), davon 920 Neuverkehre, also Personen, die heute noch den PKW benutzen. Im Ergebnis ermitteln die Gutachter einen Nutzen-Kosten-Indikator von 1,15. Da- mit ist der Nachweis der volkswirtschaftlichen Rentabilität gegenüber dem Schwellenwert (1,0) deutlich erbracht und somit eine wesentliche Voraussetzung für die Inanspruchnahme einer Inves- titionsförderung erreicht. Für die Erneuerung der Infrastruktur der Strecke und der Stationen wer- den ca. 32,3 Mio. € abgeschätzt. Ergänzend zur Investitionskostenförderung nach den §§ 12 und 13 des Regionalisierungsgesetzes ÖPNVG NRW ist eine gesicherte Finanzierung des Fahrbetrie- bes und dessen Berücksichtigung bei der Zute ilung der ÖPNV-Pauschale nach §11 ÖPNVG NRW Voraussetzung für die Umsetzung des Projektes. Für den Planfall Münster – Neubeckum wurde demgegenüber nur ein Nutzen-Kosten-Indikator von 0,5 ermittelt, weshalb für die Gesamtstrecke im ersten Ausbauschritt zunächst kein Förderzugang besteht. Daher hat der ZVM in der Sitzung der Verbandsversammlung am 27.09.2010 zur Vorlage 23/2010 beschlossen, den Abschnitt Münster - Sendenhorst in den Nahverkehrsplan des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) einzubringen, um ihn bei den weiteren Schienenausbau- und Investitionsplanungen des Landes NRW berücksichtigen zu können (1. Ausbaustufe). Der Ab- schnitt Sendenhorst – Neubeckum (2. Ausbaustufe) wird als Zielvorstellung im NWL- Nahverkehrsplan dargestellt. Damit ist der erste Schritt zu einer möglichen Reaktivierung der Westfälischen Landeseisenbahn für den Schienenpersonennahverkehr vollbracht. Die Aufnahme in den Nahverkehrsplan des NWL verdeutlicht die Bedeutung dieser Strecke auch gegenüber dem Land Nordrhein-Westfalen und dem Bund. Eine Kurzfassung des Gutachtens ist als Anlage beigefügt. Ein Exemplar der Langfassung wurde parallel mit dieser Vorlage an die Fraktionen verschickt. Zwischenzeitlich hat das Land NRW angekündigt, die Förderung der Nichtbundeseigenen Eisen- bahnen (NE) ab 2010 wieder aufzunehmen, jedoch ist der im Haushalt vorgesehene Betrag von 1,5 Mio. Euro/Jahr völlig unzureichend. Zwischen dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und dem Bund finden derzeit Gespräche über eine Bundesfinanzierung mit dem Ziel einer Förderung in Höhe eines Volumens von 150 Mio. EUR/Jahr für alle Nichtbundeseigenen Eisen- bahnen statt. Falls diese Erfolg hätten, würden auf Nordrhein-Westfalen entsprechend der Größe des Streckennetzes etwa 20 Mio. EUR entfallen. Die WLE betreibt etwa 13 % der NE-Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen. Dies entspräche rd. 2,6 Mio. EUR Förderung durch Land und Bund. Das Kerngeschäft der Westfälischen Landeseisenbahn ist heute der Güterverkehr (vgl. Vorlage V/0800/2010 Umstrukturierung WLE). Vom Güterverkehrsaufkommen der WLE sind derzeit rd. 1 Mio. Tonnen/Jahr branchenunüblich durch langfristige Verträge abgesichert. Die bereits genehmig- ten Abbauflächen für Kalkstein sind dabei Grundlage der Verträge für die Versorgung derzeitiger WLE Kunden per Schiene und reichen voraussichtlich noch für einen Zeitraum von 25 Jahren + X aus. Das vom Aufsichtsrat zur Umsetzung beschlossene Marktgutachten von Prof. Wittenbrink prognostiziert der WLE positive Entwicklungschancen u.a. im Fernverkehrsmarkt nach Abklingen der derzeitigen konjunkturellen Rezession. Die Gutachterempfehlung, die Aktivitäten im Bereich Werkstattleistungen für Dritte auszuweiten, wird aktuell sukzessive realisiert. Zusätzlich kommt die Ertüchtigung der Schienenstrecke bei einer Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs zwi- schen Münster und Neubeckum auch dem Güterverkehr zu Gute. - 4 - V/0846/2010 zu 5.: Stadt und Stadtwerke fördern den öffentlichen Verkehr (ÖV) stärker als bisher. Ziel st es, den ÖV-Anteil am Verkehr in der Stadt bis zum Jahr 2020 auf 15 Prozent und den Anteil am Verkehr zwischen Stadt und Region auf 25 Prozent anzuheben. Zielsetzung der Stadt Münster ist es, den Umweltverbund (Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV/SPNV) in seiner Gesamtheit sowohl im Stadtgebiet als auch im Stadt-Umland-Verkehr zu stärken, was in den vergangenen Jahren gleichsam gelungen ist. In 2007 wurde im Rahmen einer Haushaltsbe- fragung ein Modal-Split-Anteil am Umweltverbund von inzwischen 63,7% bei den Münsteranern ermittelt. Mit 36,3% ist demgegenüber der Anteil des motorisierten Individualverkehrs auch im bundesweiten Vergleich niedrig. Im direkten Städtevergleich ist der seit Jahren leicht steigende Anteil des ÖPNV mit heute 10,4% relativ gering. Dieser Umstand ist allerdings der herausragen- den Bedeutung des Radverkehrs in Münster geschuldet. Daher ist das im Antrag ausgegebene Ziel von 15% ÖPNV-Anteil insofern zu relativieren, als das die zusätzlichen Gewinne für den ÖPNV nicht zu Lasten des Rad- und Fußgängerverkehrs gehen dürfen. Mit der gerade beschlossenen Einführung des Sc hülertickets, der gemeinsamen FirmenAbo- Offensive der Stadt Münster und der Stadtwerke im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes, laufen- den Anpassungen und Optimierungen des Stadtbusnetzes sowie den mittelfristig vor der Realisie- rung stehenden Schienenhaltepunkten Roxel und Mecklenbeck werden wesentliche Schritte in Richtung einer weiteren Stärkung des ÖPNV im Umweltverbund gemacht. Im Regionalbusverkehr und im Schienenpersonennahverkehr konnten in den vergangenen Jahren deutliche Erfolge erzielt werden. Richtig ist, dass der prozentuale Anteil des ÖPNV/SPNV am Stadt-Umland-Verkehr rückläufig ist. Festgestellt wurde eine Verdoppelung des Kraftfahrzeugver- kehrsaufkommens in den vergangenen 25 Jahren (1982 – 2007) im Regionalverkehr von/nach Münster von ca. 151.000 auf ca. 300.000 Personenfahrten/Tag. Obwohl auch der ÖPNV/SPNV im gleichen Zeitraum um 54% gestiegen ist (ca. 46.000 auf 71.000 Personenfahrten/Tag), ging der Anteil des ÖPNV/SPNV am Modal-Spit im Stadt-Umland-Verkehr im Verhältnis zum überproportio- nal gestiegenen Kraftfahrzeugverkehr auf heute 19,3 % zurück. Aktuell geben die vielfältigen Maßnahmen im Bereich des SPNV Anlass zu der Annahme, dass hier weitere Fahrgäste hinzugewonnen werden können. Als Beispiele sind hier die Modernisie- rungsoffensive an den Bahnhöfen und Haltepunkten in Münster und im Münsterland, die Maßnah- men zur Qualitätssteigerung auf der Baumbergebahn Münster – Coesfeld, der Ausbau der Strecke Münster – Warendorf, die Erweiterung des Regi onalExpress-Angebotes mit einem zusätzlichen Halt in Albachten sowie der Direktverbindung nach Düsseldorf und nicht zuletzt der Ausbau des Hauptbahnhofs Münster zu nennen. Weitergehende Aussagen zur Stärkung des Umweltverbundes sind Bestandteil des in der Bearbei- tung befindlichen Verkehrsentwicklungsplans Münster 2025, 2. und 3. Stufe. zu 6.: Maßnahmen zur Förderung des regionalen ÖV werden von Stadt und Stadtwerken mit den Nachbargemeinden und den Landkreisen des Münsterlandes gemeinsam konzipiert und durchgeführt. Kooperationen in der Leistungserbringung sind anzustreben. Schon heute werden in einigen Korridoren die Leistungen im ÖPNV in Kooperation von Stadtwer- ken und Regionalverkehrsunternehmen erbracht. Beispiele hierfür sind der Korridor Kappenberger Damm, hier ergänzen sich die Stadtbuslinie 7 und die Regionalbuslinie R41 zum 20’-Takt im Stadtgebiet. Im Korridor Coerde übernimmt die regionale Schnellbuslinie S50 das innerstädtische Schnellbusangebot und die Regionalbuslinien R22 und R32 bilden gemeinsam im Korridor Wolbe- - 5 - V/0846/2010 cker Straße den 20’-Takt der Stadtbuslinie 22, die über den Hauptbahnhof/die Altstadt bis nach Gievenbeck durchgebunden sind. Zu dieser Thematik führt der 2. Nahverkehrsplan aus, dass weitere Korridore geprüft werden sol- len. Als ständiges Geschäft der ÖPNV-Planung wird dieses Thema auch bei der Aufstellung des 3. Nahverkehrsplans der Stadt Münster aufgegriffen. i.V. gez. Schultheiß Stadtdirektor Anlagen: 1. Kurzfassung des Gutachtens „Reaktivierung der WLE-Strecke“ 2. Gemeinsamer Antrag der SPD-Fraktion, der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL, der Frak- tion DIE LINKE., der Ratsgruppe UWG/ÖDP und von Herrn Ratsherr Langenfeld an den Rat vom 09.03.2010 - Nr. A-R/0037/2010 "Vorrang für den öffentlichen Verkehr - Perspektiven für den Personenverkehr auf der Westfälischen Landeseisenbahn" 3. Antrag der CDU-Fraktion an den Rat vom 19.03.2010 - Nr. A-R/0039/2010 vom 19.03.2010 "Reaktivierung der WLE: Bestand sichern, Realisierungsperspektive eröffnen“.
Kurzfassung WLE-Gutachten
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Reaktivierung WLE-STRECKE Kurzfassung C O N S U L T I N G E N G I N E E R S SPIEKERMANN 1 REAKTIVIERUNG DER WLE-STRECKE - Kurzfassung - 1975 wurde der Personenverkehr auf der Schienenstre cke Münster – Beckum (WLE-Strecke) durch Buslinien ersetzt. Lediglich Gü terverkehr wird noch über diese Strecke abgewickelt. Die WLE weist von Münste r Hbf bis zum kurz vor der Stadtgrenze liegenden Haltepunkt Wolbeck rd. 9 km, im weiteren Verlauf bis Sendenhorst rd. 13 km und darüber hinaus bis Neubeckum weitere 14 km auf. Die Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs ( SPNV) auf der WLE- Strecke Münster – Neubeckum ist als Erweiterung des SPNV-Netzes im zweiten Nahverkehrsplan SPNV Münsterland dargestellt. Der Z VM als Mitgliedsverband des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) beabsichtigt, die Reak- tivierung der WLE-Strecke auch in den ersten Nahver kehrsplan Westfalen-Lippe einzubringen. Für ein Vorhaben dieser finanziellen Größenordnung ist eine positive Standardi- sierte Bewertung normative Voraussetzung für die Ge währung einer Förderung durch die Zuwendungsgeber. Der zu erwartende volksw irtschaftliche Nutzen muss die mit dem Vorhaben entstehenden Kosten übers teigen. In der vorliegen- den Untersuchung werden die wesentlichen Teilindikatoren ermittelt, um mit einer ausreichenden Genauigkeit den voraussichtlichen Nut zen-Kosten-Indikator (NKI) abschätzen zu können. Begleitet wird die Untersuchung von der Stadt Münst er und dem Kreis Waren- dorf, den Stadtwerken Münster und der Regionalverke hr Münsterland GmbH (RVM) sowie der Westfälischen Landes-Eisenbahn GmbH (WLE) und dem Auf- traggeber ZVM. Die Untersuchung einer Reaktivierung von Münster bi s Neubeckum ergab, dass im Abschnitt Sendenhorst – Neubeckum gegenüber dem Abschnitt Münster Hbf – Sendenhorst nur eine vergleichsweise geringe Nachfr age zu erwarten ist, die ei- ne Investition in den Streckenausbau dieses Abschni ttes unter den heutigen Rahmenbedingungen nicht rechtfertigt. Im Ergebnis wird daher in einer ersten Stufe die Re aktivierung des Abschnitts Münster Hbf – Sendenhorst verfolgt. Veranlassung / Aufgaben- stellung Untersuchungs- strecke 2 Für die Reaktivierung der WLE wird eine Bedienung a b 6 Uhr von Montag bis Freitag und ab 8 Uhr an Samstagen sowie an Sonn- un d Feiertagen bis jeweils 22 Uhr vorgesehen. Montags bis freitags sind tagsüb er bis Wolbeck ein 20-min- Takt und darüber hinaus bis Sendenhorst zwei stündl iche Verbindungen in einem 20/40-min-Takt geplant. Die Strecke wird überwiegend eingleisig geführt und nicht elektrifiziert, so dass moderne leichte Dieseltriebwagen zum Einsatz kommen . Zu den Spitzenstunden wird jeweils ein Umlauf in Doppeltraktion erforderlich, sonst verkehren die Züge in Einfachtraktion. An den Haltepunkten Wolbeck und Lo ddenheide kommt es zu stehenden, im zweigleisigen Abschnitt vor Sendenhor st zur fliegenden Kreuzung von Zügen. Die Züge benötigen 14 Minuten von Münster nach Wolb eck, gegenüber 23 Minu- ten im Busverkehr heute. Sendenhorst wird mit dem Z ug von Münster Hbf in 28 Minuten erreicht. Heute werden im Busverkehr 34 Minuten mit der S 30 und 41 Minuten mit der R 32 benötigt. Die Fahrzeit von Beckum nach Münster mit dem erforderlichen Umstieg in Sendenhorst verkürzt sich um 3 Minuten. Auch un- ter Berücksichtigung der längeren Zugangswege zu de n WLE-Stationen gegen- über den Bushaltestellen ergeben sich Zeiteinsparun gen, die mit 115 Tsd. Stunden pro Jahr in die Nutzen-Kosten-Betr achtung eingehen. Neben dem höheren Reisekomfort hat der stauunabhängige Sc hienenverkehr zudem gerade in den Hauptverkehrszeiten weitere Qualitäts vorteile gegenüber den stra- ßengebundenen Verkehren. Mit Reaktivierung der WLE wird in der Stadt Münster die Stadtbuslinie 8 im Ab- schnitt von Münster Hbf bis Wolbeck gekürzt. In Gre mmendorf wird das TaxiBus- Angebot der Linie T8 mit Anbindung an den SPNV am H altepunkt Gremmendorf ausgeweitet. Auch das TaxiBus-Angebot in Wolbeck wi rd ausgeweitet. Die Stadt- buslinien 6, 17 und 22 verkehren entsprechend dem h eutigen Angebot, wobei für die Linie 17 eine auf die Entwicklung des Gewerbege bietes Loddenheide abge- stimmte Linienwegänderung vorgesehen ist. Die Nacht buslinie 82 bleibt beste- hen. (Bild 1) Betriebskonzept Fahrzeiten Anpassung Busnetz 3 Bild 1: Angebotsstruktur Bereich Stadt Münster Im Kreis Warendorf ersetzt die WLE im Abschnitt Wol beck – Sendenhorst die Regionalbuslinie R 32. Die Schnellbuslinie S 30 ent fällt im Abschnitt Münster Hbf – Sendenhorst. In Sendenhorst wird die gekürzte S 3 0 von/nach Beckum ebenso wie die Linie R 33 von/nach Ennigerloh an die WLE-S trecke angebunden. Zudem erfolgt eine Verknüpfung mit den Linien R 55 und T 56 sowie der unabhängig von der WLE-Reaktivierung geplanten S 35. (Bild 2) Bild 2: Angebotsstruktur Bereich Kreis Warendorf 4 Mit Stand 2010 werden für Infrastrukturmaßnahmen an der Strecke und in den Stationen Investitionen in Höhe von 32,3 Mio Euro e rforderlich. Der Abschnitt Münster Hbf – Wolbeck wird für eine Geschwindigkeit von 80 km/h und der Ab- schnitt Wolbeck – Sendenhorst für eine Geschwindigk eit von 100 km/h ausge- baut. Dazu müssen einige kleinere Brücken erneuert und zahlreiche Bahnübergänge angepasst, technisch gesichert oder a ufgehoben und über Er- satzwege an andere Bahnhübergänge angebunden werden. (Tab. 1) Investitionen 2010 Grunderwerb 110 Tsd. Euro Gleis- und Oberbau 17.483 Tsd. Euro Ingenieurbauwerke 768 Tsd. Euro Bahnübergänge 4.810 Tsd. Euro Haltepunkte 2.958 Tsd. Euro Sicherungstechnik 5.796 Tsd. Euro Straßenbau 357 Tsd. Euro Summe 32.282 Tsd. Euro Tab. 1: Investitionskosten – Stand 2010 Bei Reaktivierung der WLE im Abschnitt Münster Hbf – Sendenhorst werden 6.260 Fahrgäste pro Tag im SPNV erwartet. Davon sin d 920 Fahrten dem Neu- verkehr zuzurechnen. Hier handelt es sich also um R eisende, die heute noch den Pkw nutzen und mit Reaktivierung der WLE auf den öf fentlichen Verkehr (ÖV) verlagert werden, so dass die Pkw-Leistungen um 17. 200 km pro Tag reduziert werden können. Die bereits heute den ÖV nutzenden R eisenden gewinnen durch die WLE Reisezeitvorteile von 115 Tsd. Stunden pro Jahr. (Bild 3) Bild 3: Querschnittsbelastung WLE Infrastruktur Verkehrliche Wirkungen 5 In der überschlägig durchgeführten Nutzen-Kosten-Un tersuchung (NKU) werden die Kosten den zu erwartenden Nutzen gegenübergestellt. (Tab. 2) Reisezeitdifferenzen ÖV + 750 Tsd. Euro pro Jahr Saldo Pkw-Betriebskosten + 1.420 Tsd. Euro pro Jahr Saldo ÖV-Gesamtkosten ohne Kapitaldienst für ortsfeste Infrastruktur - 1.160 Tsd. Euro pro Jahr Saldo Unfallschäden + 500 Tsd. Euro pro Jahr Saldo Abgasemissionen + 50 Tsd. Euro pro Jahr Summe Nutzen + 1.560 Tsd. Euro pro Jahr Kapitaldienst Ortsfeste Infrastruktur + 1.360 Tsd. Euro pro Jahr Nutzen-Kosten-Verhältnis + 1,15 Tab. 2: Kosten-Nutzen-Indikator Der Nutzen-Kosten-Indikator (NKI) wird für die Reak tivierung der WLE im Ab- schnitt Münster Hbf – Sendenhorst mit 1,15 ermittel t und liegt damit über dem zum Nachweis des volkswirtschaftlichen Nutzens gefo rderten Schwellenwert. Der Nachweis der volkswirtschaftlichen Rentabilität ist damit gegeben. Zur Sicherstellung eines ausgeglichenen Betriebserg ebnisses für den Infrastruk- turbetreiber WLE ist ein Entgelt für die Trassenben utzung berechnet worden. Für den Betrieb des SPNV wurden Investítionen für Fahrz euge und die Kosten für Unterhaltung, Fahrpersonal, Energie, Marketing und Vertrieb sowie Overhead abgeschätzt. Nach Gegenrechnung der zu erwartenden Einnahmen ergibt sich, je nach Höhe der Investitionsförderung (85% oder 100 % ) ein jährlicher Zuwen- dungsbedarf von 3.490 bis 3.860 Tsd. Euro/Jahr, der vom SPNV-Aufgabenträger aus den zur Verfügung stehenden Regionalisierungsmitteln auszugleichen wäre. Voraussetzung für eine Reaktivierung ist daher eine Berücksichtigung der SPNV- Leistungen auf der WLE bei der Verteilung und Zuwei sung der Regionalisie- rungsmittel über die ÖPNV-Pauschale nach § 11 ÖPNVG NRW. Die Reaktivierung der WLE zwischen Münster und Send enhorst ist ein baulich machbares und – unter den genannten Voraussetzungen – auch finanzierbares Projekt, welches neben dem verkehrlichen Nutzen einer Verlagerung von Verkeh- ren vom motorisierten Individualverkehr zum öffentlichen Verkehr auch für die an- liegenden Gemeinden eine Attraktivierung der verkehrlichen Infrastruktur bietet. Nutzen-Kosten- Untersuchung Folgekosten- rechnung Bewertung 6 Sollte das Angebot der WLE die Erwartungen hinsicht lich der Annahme durch die Verkehrsteilnehmer übertreffen, ist perspektivisch die Verlängerung des SPNV bis Neubeckum möglich, ohne dass Fehlinvestitionen entstanden wären. Darüber hinaus bietet eine Durchbindung des SPNV au f der WLE über Münster Hbf hinaus, insbesondere Richtung Zentrum Nord, ein e weitere Perspektive, die zusätzliche Fahrgastpotentiale erschließt sowie ein e Steigerung der Umlaufeffi- zienz bewirkt, wobei sich allerdings die dann erfor derliche Querung der Haupt- strecken Münster – Osnabrück und Münster – Rheine a ls nicht unproblematisch darstellt. Die Reaktivierung der Strecke Münster Hbf – Neubeck um soll zweistufig in den Nahverkehrsplan des NWL eingebracht werden, um auf dieser Grundlage die erste Ausbaustufe Münster Hbf – Sendenhorst in die weiteren Ausbauplanungen und Investitionsplanungen des Landes Nordrhein-West falen einzubringen. Die Ausweitung des SPNV auf den Abschnitt Sendenhorst – Neubeckum bleibt Ziel- vorstellung des ZVM und soll als solche ebenfalls i m NWL-Nahverkehrsplan dar- gestellt werden. Perspektive
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: mehrheitlich geändert beschlossen
Zur SitzungOrte (2)
- Kappenberger Damm
- Loddenheide
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0846/2010
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 10.11.2010
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37