V/0192/2006
Antrag der SPD-Fraktion an den Rat Nr. A-R/0005/2006
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
Anlage
11674 Zeichen
SPD-Fraktion
im Rat der Stadt Münster
Antrag
06.02.2006
Antrag Nr. A-R/0005/2006
SPD-Fraktion
im Rat der Stadt Münster
Münzstr. 15
48143 Münster
Telefon: 0251/ 45 314
Fax: 0251/ 511 750
mail: spdfrak@muenster.de
Internet: www.spd-muenster.de
Theaterqualität bewahren - Kosten sparen
Der Rat möge beschließen:
Die Stadt Münster verfügt über ein Mehrsparten-Theater von großer Tradition in einer
Architektur von überregionalem Rang. Sie übernimmt damit zugleich oberzentrale
Funktionen in der Kulturpflege. Damit das auch in Zukunft so bleibt, bedarf es
ständiger Anstrengungen für die Optimierung des Theaterbetriebes und bei der
Erschließung neuer Finanzierungsquellen.
Die Verwaltung wird beauftragt, rechtzeitig vor der Beschlussfassung der 4.
Theaterformel ab der Spielzeit 2007/2008 folgende Optionen zu prüfen und erste
Maßnahmen einzuleiten:
1. Es ist zu prüfen, ob Veränderungen in der Organisationsform der Städtischen
Bühnen (bisher als Regiebetrieb geführt) zu flexibleren Strukturen und höherer
Kosteneffizienz bei gleich bleibender Qualität beitragen können. Hingewiesen sei
auf die bisherigen Erfahrungen der GmbHs der Oper Frankfurt oder der
Städtischen Bühnen Osnabrück.
. Die Stadt Münster nimmt durch die Finanzierung der Städtischen Bühnen
oberzentrale Funktionen für die Region wahr. Es ist zu prüfen, inwieweit das
Umland - in Analogie zu den Entwicklungen in Hessen (Umlandverbandgesetz)
und in Sachsen (Kulturraumgesetz) - zu einem angemessenen Anteil an der
Finanzierung beteiligt werden kann. Einzuleiten sind entsprechende Initiativen der
Stadt gegenüber dem Land.
In den letzten zehn Jahren haben die Städtischen Bühnen 50.000 Besucherinnen
und Besucher verloren. Um die Ursachen für diese Entwicklung zu finden, erfolgt
eine Analyse der Besucherstruktur. Die Studie soll dabei vor allem die soziale
Struktur des Theaterpublikums aufzeigen; aber auch Fragen der Preisgestaltung
berücksichtigen.
. Es ist zu prüfen, inwieweit das weltweit bekannte Tanztheater Goldin auch als
Botschafter der Stadt und des Landes NRW auf internationalen Festspielen
auftreten und dadurch zugleich Landesmittel und weitere neue
Finanzierungsquellen akquirieren kann.
5. Es ist zu überprüfen, inwieweit durch besonders attraktive Veranstaltungen
(Galakonzerte, Bühnenball, ...) Einnahmen erhöht werden können.
6. Bei der Vertragsgestaltung der Position des künftigen GMD ist darauf zu achten,
dass die großen Opernproduktionen und der weitaus überwiegende Anteil der
Sinfoniekonzerte von ihm/ihr selbst geleitet werden und dadurch der Gästeetat
entlastet wird. Außerdem wird bei der Vertragsverhandlung angestrebt, eine
Kostenreduzierung zu erzielen.
7. Es ist zu prüfen, ob bei der gegenwärtigen Leitungsstruktur der Städtischen
Bühnen auf eine Wiederbesetzung der Stelle des „Oberspielleiters Musiktheater“
ab der Spielzeit 2007/08 verzichtet werden kann.
8. Es ist zu prüfen, in welcher Weise durch verstärkte Kooperationen mit anderen
Bühnen, die Kosten für einzelne Produktionen gesenkt werden können.
9. Frei- und Dienstkarten sollen zukünftig deutlich restriktiver zur Verfügung gestellt
werden.
Begründung:
Zu 1.
Die Einbindung der Städtischen Bühnen in die allgemeine Verwaltung führt zu
Problemen, sowohl in Bezug auf die Finanzwirtschaft, die Organisation als auch die
Personalwirtschaft, da alle diese Teile noch dem Prinzip der kameralistischen
Haushaltsführung unterliegen. Die dort geltenden Maßstäbe führen bei einem
künstlerischen Betrieb zu starren Verfahrensabläufen, die eine wirtschaftliche
Führung des Betriebes „Theater“ oft behindern. Hinzu kommt der damit verbundene
sog. „Anschluss- und Benutzungszwang', der das Theater daran hindert, sich
bestimmte Leistungen in der freien Wirtschaft einzukaufen. Die Kommunale
Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung hat bereits 1989 die Kriterien
hierfür benannt:
Versachlichung von Entscheidungen
Höhere Wirtschaftlichkeit durch mehr Eigenverantwortung
Flexibilität in der Personalwirtschaft
Flexiblere Wirtschaftsführung
Bessere Erfolgskontrolle
Verbesserung des Rechnungswesens
Beschränkung der kommunalen Haftung
Entlastung des kommunalen Haushaltes
Beteiligung Dritter (vgl. Pkt. 2)
Solche Ziele lassen sich nicht kurzfristig ansteuern. Auch sind die Belange und die
Rechte tariflich Beschäftigter zu berücksichtigen und abzuwägen. Die Oper Frankfurt
ist ein Beispiel aus der jüngeren und jüngsten Zeit für ein derartiges Vorgehen, ohne
dass qualitative Einbußen erkennbar wären. Im Gegenteil, sie gilt inzwischen als eine
der besten in Deutschland. Deren Erfahrungen sollten auch für Münster ausgewertet
werden.
Zu 2.
Die Stadt Münster trägt als Oberzentrum zahlreiche kulturelle Institutionen - vor allen
Dingen das Theater - die von der gesamten Region genutzt, jedoch von der Stadt
allein subventioniert werden. Es stellt sich — nicht nur hier - in einer Zeit knapper
werdender öffentlicher Mittel die Frage von Verteilungs- und Lastengerechtigkeit.
Das Land Hessen hat dies erkannt und ein Ballungsraumgesetz für Frankfurt auf den
Weg gebracht, um die Bildung eines Zweckverbandes Kultur zu ermöglichen, in dem
sich alle Kommunen im Großraum Frankfurt an den zentralen kulturellen, von allen
genutzten Einrichtungen der Stadt Frankfurt finanziell beteiligen (vgl. Politik und
Kultur Jan.-Febr. 2006, S. 16).
Der Sicherung kultureller Einrichtungen in der Region dient ferner das
Kulturraumgesetz des Landes Sachsen, das von dem früheren Kämmerer der Stadt
Münster, Prof. Dr. Georg Milbradt, geführt wird.
Die Verwaltung sollte die dort gewonnenen Erfahrungen ausloten, aktiv auf die
Landesregierung NRW zugehen und gleiche gesetzliche Initiativen bei ihr einfordern.
Unabhängig davon sollte die Verwaltung über freiwillige Vereinbarungen mit den
Kommunen des Münsterlandes verhandeln. Änderungen der Rechtsform (vgl. Punkt
1) bei den Städt. Bühnen könnten eine direkte Partizipation (z.B. Gesellschafter einer
GmbH) ermöglichen und eine solche Vereinbarung erleichtern.
Zu 3.
Die Produktionen der Städtischen Bühnen haben - neben den schönen Preisen für
das Jugendtheater - in den vergangenen Jahren insbesondere im Bereich
Musiktheater große Beachtung in den überregionalen Feuilletons gefunden (Opern
von Wagner, Ligeti, Penderecki, Prokofjew, Meyerbeer, Moniusko, Rihm). Leider
deckt sich diese für die Stadt Münster erfreuliche Beachtung nicht immer mit den
Erwartungen des hiesigen Publikums. In den letzten 10 Jahren sind den Städtischen
Bühnen schleichend nahezu 50.000 Besucher im Jahr verloren gegangen. In der
letzten Sitzung des Kulturausschusses 2005 bestand Konsens zwischen allen
Parteien, dass es notwendig sei, durch eine intensive Studie zu untersuchen, welche
Erwartungen die aktuellen Nutzer und auch die in den letzten Jahren fern
gebliebenen an ein heutiges Theater haben. Dabei sind auch potentielle
Besucherschichten (Schüler, Studenten) einzubeziehen. Die Studie sollte sich nicht
nur auf den Spielplan beziehen, sondern auch Fragen der Preisgestaltung, der
Aufenthaltsqualität, der Erreichbarkeit, und des Service innerhalb und außerhalb des
Hauses ansprechen.
Zu 4.
Die Produktionen des Tanztheaters finden stets große überregionale Beachtung,
sein Leiter, Daniel Goldin, wurde in einem Fachbuch zum Tanz zu den 101 besten
Choreographen des 20. Jahrhunderts gezählt. Das ist ein Pfund mit dem die Stadt
Münster wuchern sollte. Nicht nur Wuppertal besitzt unter der Leitung von Pina
Bauschein ein bedeutendes Tanztheater, das im Übrigen als GmbH organisiert ist.
3
Die Städtischen Bühnen können dem Tanztheater nur etwa 35 meist ausverkaufte
Auftritte im Jahr ermöglichen. In einem Interview mit dem WDR (Aktuelle Stunde v.
26.01.06) hat Daniel Goldin selbst den Wunsch geäußert, mit seiner Truppe auch
reisen zu können.
Es ist zu prüfen, inwieweit sie als Botschafterin der Stadt und des Landes bei den
großen Festivals auftreten kann, und inwieweit dadurch zusätzliche Mittel, auch
Landesförderung, akquiriert werden können.
Zu 5.
Es hat sich erwiesen, zuletzt noch an der binnen zwei Stunden ausverkauften
Theater-Gala am 6. Februar 2006, dass besondere Veranstaltungen das Bedürfnis
eines Teils des Publikums nach gesellschaftlichen Höhepunkten befriedigen. Diese
können bei geschicktem Marketing, einer angemessenen Preisgestaltung und
Organisation (z.B. als PPP-Event) auch zu einem wirtschaftlichen Erfolg führen,
dessen Erlös wiederum anspruchsvolle „Risikoproduktionen“ ermöglichen könnte.
Zu 6.
Frühere Generalmusikdirektoren (Reinhard Peters, Alfred Walter) haben ganz
selbstverständlich wenigstens 8 der 10 Sinfoniekonzerte und alle großen Opern
selbst dirigiert, ohne dass ihnen die für Künstler notwendigen Spielräume für
ehrenvolle Auftritte in anderen Häusern (z.B. Berliner Philharmoniker bei Peters,
Wiener Staatsoper bei Walter) versagt worden wären. Sie haben sich als die ersten
Musiker der Stadt gefühlt, waren hier zu Hause und haben den Gästeetat geschont.
Dass solches Verhalten nicht ‚von gestern’ ist, beweist der jüngst in Münster in die
engere Wahl gekommene, heutige GMD der Mittelsächsischen Philharmonie Jan
Michael Horstmann: Er dirigiert sieben der acht Konzerte selbst. Darauf ist bei der
Wahl des künftigen GMD wieder zu achten.
Darüber hinaus sollen bei der Neubesetzung des GMD Kosten eingespart werden.
Die Vertragsverhandlungen sollten entsprechend geführt werden.
Zu 7.
Der Oberspielleiter des Musiktheaters, Peter Beat Wyrsch scheidet mit Ende der
Spielzeit 2007/08 aus, um eine Intendanz in schweizerischen Biel-Solothurn
anzutreten. Zu dieser Wahl ist ihm auch mit Rückblick auf seine erfolg- und
verdienstreiche Tätigkeit in Münster herzlich zu gratulieren. Dennoch ist ernsthaft zu
prüfen, ob die Wiederbesetzung der Stelle angesichts der angespannten Finanzlage
der Stadt solange notwendig ist, wie die Städtischen Bühnen mit Herrn Quetes von
einem ausgewiesenen „Opernintendanten“ geleitet wird, der diese Funktion voll
abdecken kann (anders als sein Vorgänger Thomas Bockelmann, der seinen
Schwerpunkt im Schauspiel hatte).
Zu 8.
Die Städtischen Bühnen kooperieren in dieser Spielzeit mit dem Nationaltheater in
Prag ("Rusalka”) und dem Musiktheater im Revier Gelsenkirchen (Oper von Detlev
Glanert). Das sind verdienstvolle Bemühungen, die weiter intensiviert werden
müssen, um die Produktionskosten zu senken.
Zu 9:
Nahezu 10% der Theaterbesucher erhalten über Dienst- und Pressekarten,
Freikarten und Steuerkarten für Hausmitglieder freien Eintritt zu den Veranstaltungen
der Städtischen Bühnen. In Summe entspricht die Gesamtzahl dieser Karten dem
Kontingent, das die Besucherorganisationen (Volksbühne, CTG u.a.) über einen
regulären Kauf abnehmen. Das ist in heutiger Zeit ein nicht mehr zu vertretendes
Missverhältnis, abgesehen davon, dass ‚Freikarten’ auch die Besucherzahlen zu
‚schönen’ helfen und zum Missbrauch einladen.
Die „Ordnung für die Gewährung von Dienstkarten, Freikarten und
Ermäßigungskarten für Theater- und Konzertveranstaltungen der Städt. Bühnen
Münster vom 14.12.1981“ ist Sinne einer Beschränkung auf das dienstlich
notwendige und das Marketing erforderliche zu überarbeiten. Dabei sollte man sich
an Ordnungen andere Bühnen (z.B. Schauspielhaus Bochum) orientieren, wo u.a.
auch Schutzgebühren erhoben werden. Im Interesse der Begünstigten sind hierbei
auch die möglichen steuerlichen Aspekte (geldwerter Vorteil) zu benennen.
Beate Vilhjalmsson Marianne Hopmann Karsten Rahn
Wolfgang Heuer Ralf Hubert Udo Reiter
Alexander Bercht Michael Jung Moritz von Schmeling
Anika Bergner Marianne Koch Anne Schulze Wintzler
Philipp Gabriel Gaby Kubig-Steltig Joachim Tonn
Beanka Ganser Kurt Pölling Holger Wigger
Anne Hakenes
Beschlussvorlage
1452 Zeichen
V/0192/2006 DER OBERBÜRGERMEISTER Städtische Bühnen Betrifft Antrag der SPD-Fraktion an den Rat Nr. A-R/0005/2006 "Theaterqualität bewahren - Kosten sparen" Beratungsfolge 05.04.2006 Hauptausschuss Entscheidung Beschlussvorschlag: Sachentscheidung: Der Antrag wird zur weiteren Beratung an den Kulturausschuss verwiesen. Begründung: Das Antragsanliegen der SPD-Fraktion, dass das Mehrspartentheater durch Optimierung des Betriebes und der Erschließung neuer Finanzierungsquellen möglichst zu erhalten sei, war auch in der Vergangenheit Gegenstand unterschiedlicher Beratungsprozesse und beständiges Anliegen der Verwaltung. Um Planungs- und Entscheidungssicherheit ab der Spielzeit 2007/2008, nach Auslaufen der jetzigen Finanzformel, zu haben, ist eine Festlegung durch Ratsbeschluss spätestens im Mai 2006 nötig. Die von der SPD-Fraktion beantragten M aßnahmen bedürfen in Teilen einer intensiven Aufarbeitung bzw. sind zeitlich nicht bis Mai d.J. umsetzbar. Die Verwaltung wird die von der SPD-Fraktion aufgeführten Optionen bei dem inhaltlichen und finanziellen Umsetzungskonzept für die Spielzeiten ab 2007/2008, also im Rahmen der 4. Finanzformel, einbeziehen. I.V. gez. Dr. Andrea Hanke Stadträtin Vorlagen-Nr.: V/0192/2006 Auskunft erteilt: Frau Feldmann Ruf: 59 09 110 E-Mail: Feldmann@stadt-muenster.de Datum: 21.03.2006 Öffentliche Beschlussvorlage
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (1)
- Münzstraße 15
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0192/2006
- Typ
- Vorlage
- Datum
- 21.03.2006
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37