0795/2019
Annahme einer Schenkung von Kunstwerken des Künstlers Johannes Wohnseifer an das Museum Ludwig
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Beschlussvorlage Rat
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/4511 Vorlagen-Nummer 0795/2019 Freigabedatum 14.03.2019 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Annahme einer Schenkung von Kunstwerken des Künstlers Johannes Wohnseifer an das Museum Ludwig Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschluss: Der Rat der Stadt Köln nimmt die Schenkung von zwei Kunstwerken des Künstlers Johannes Wohns- eifer mit einem Gesamtwert von 36.000 Euro an das Museum Ludwig mit großem Dank an. Ausschuss Kunst und Kultur 26.03.2019 Rat 04.04.2019 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Begründung: Johannes Wohnseifer (*1967 in Köln, lebt in Köln und Erftstadt) Dead in 2002, 2003 Acryl auf Aluminium 140 x 100 cm Versicherungswert: 18.000 Euro Spam-Painting No. 42, 2007 Acryl auf Aluminium 140 x 100 cm Versicherungswert: 18.000 Euro Johannes Wohnseifer wurde 1999 durch seine Beteiligung an der Ausstellung „German Open“ in Wolfsburg einem größeren Publikum bekannt. Statt eines Kunststudiums hatte er zuvor zwischen 1992 und 1997 als Assistent von Martin Kippenberger gearbeitet und damit einen umfassenden Ein- blick in eine bedeutende künstlerische Praxis gewonnen. Johannes Wohnseifer arbeitet mit viel- schichtigen, häufig historisch ausgerichteten Referenzen auf Gesellschaft, Wirtschaft, Design und Pop. Sein Schaffen schließt alle Medien ein, wobei die Malerei einen Schwerpunkt bildet. „Dead in 2002“ von 2003 zeigt ein Gesicht mit großen dunklen Augen. Es könnte das Gesicht einer Frau sein. Die untere Hälfte ist durch einen weißen Lichtreflex verdeckt. Statt Haare ist nur die weiße Leinwand zusehen, als trüge die Person eine Kopfbedeckung. Auf der weißen Fläche ist der Titel „Dead in 2002“ in silberner Farbe und in kursiver Schrift sorgfältig aufgetragen. Es ist unklar, ob der Titel eine Prophezeiung oder ein Memorialbild in Erinnerung an eine frühverstorbene Person darstellt. Mit seiner flächigen Malweise und der typisierenden Darstellung könnte das Motiv auch einem Poster aus einem Jugendzimmer entnommen worden sein. Das Gemälde war erstmals im Kontext von Wohnseifers Einzelausstellung „Into the Light“ im Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen 2003 ausgestellt. Wohnseifer hatte dort Gemälde, Objekte, Skulpturen und Collagen installiert, die sich auf verschiedenen Ebenen mit dem Rausch der Geschwindigkeit sowie der anorektischen Auflö- sung auseinandersetzen. Auf der gegenüberliegenden Wand hatte er zum Beispiel in roter Schrift „Slim Fast“ gesprüht und darauf Collagen platziert, in denen fetischisierte Autos und Models kombi- niert waren. Am Ende der Ausstellung präsentierte er als Loop die Schlussszene des Spielfilms „Into the light“ von 1971: Der nach Autorennen süchtige jugendliche Protagonist wird beim Autofahren von der Rückbank aus gefilmt, während sich das Filmmaterial langsam auflöst, bis in der Projektion nur noch helles Licht zu sehen ist. „Spam-Painting No. 42“ von 2007 gehört zu einer Serie von Gemälden, für die Wohnseifer Spam- Werbung für Potenzmittel, Pornographie, Penisvergrößerung, gefälschte Uhren oder Lebensverlänge- rung sammelte. In den Anfängen des Internets in den 1990er Jahren hatte sich die Spam-Werbung stark ausgeweitet. Häufig handelte es sich um kryptische Botschaften durchsetzt mit Rechtschreibfeh- lern. In ihnen entdeckte Wohnseifer eine „surrealistische und lyrische“ Qualität. Auf seinem dunklen monochromen Gemälde „Spam-Painting No. 42“, das an Werke des Abstrakten Expressionismus erinnert, sind die vulgären Botschaften mit dunklen Lettern aufgetragen, so dass sie beinahe im Bild- hintergrund verschwinden. In beiden Gemälden – „Dead in 2002“ und „Spam-Painting No. 42“ – schließt Wohnseifer die Malerei mit einer massenmedial bestimmten Alltagskultur kurz, sodass seine 3 Gemälde als zeitgenössische Antwort auf die Pop Art der 1960er Jahre verstanden werden können. Das Museum Ludwig besitzt von dem Kölner Künstler bislang das Objekt „The Endless Bridge“ sowie die Edition mit Künstlerbuch „Johannes Wohnseifer Plakate 1994-2014“. Mit der Schenkung der bei- den Gemälde erhält das Museum Ludwig zwei wichtige Arbeiten, die für Wohnseifers Werk repräsen- tativ sind. Die Gemälde stammen aus der Sammlung Michael Westerwick, der Gründungsmitglied der Initiative Junger Ankauf der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig war. In Gedenken an ihn und sein Engagement schenkt Herr Frank Fischer, Ehemann des verstorbenen Michael Wes- terwick, die Gemälde „Dead in 2002“ und „Spam-Painting No. 42“ von Johannes Wohnseifer an das Museum Ludwig. Mit dieser großzügigen Gabe ist es zugleich möglich, eine bedeutende künstleri- sche Position des Rheinlandes der Öffentlichkeit nun zugänglich zu machen. Die Gemälde haben einen Gesamtwert von 36.000 Euro. Mit der Annahme des Werkes ist eine Spendenbescheinigung verbunden.
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: ungeändert empfohlen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0795/2019
- Typ
- Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss
- Datum
- 14.03.2019
- Erstellt
- 05.03.2019 10:41