AN/1312/2023
Änderungsantrag zur Schwerpunktsetzung der Arbeit im Integrationsrat in der 2. Hälfte der aktuellen Wahlperiode
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Gedankenpapier zur weiteren Schwerpunktsetzung der Arbeit im IR
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Gedankenpapier zur weiteren Schwerpunktsetzung der Arbeit im IR
Im Folgenden werden drei unterschiedliche Bereiche der Migrationsarbeit definiert:
1. Bereich:
Anerkennung und
Nutzung der Res-
sourcen und Potentiale
von Menschen mit
internationaler
Familiengeschichte und
Überwindung der
defizitorientierten
Perspektive auf
Migration
… zur weiteren gemeinsamen
Gestaltung der Zuwanderungsstadt
Köln. Ziel ist, dass Menschen mit
internationaler Familien-geschichte
mit ihrem Wissen, ihren Potentialen
und Ressourcen als gleichwertiger
Teil der Gesellschaft gesehen und
gehört werden. Sie müssen mit ihrer
Herkunftsidentität grundsätzliche
anerkannt und ihre Potentiale als
gesellschaftlichen Mehrgewinn in
einer global vernetzten Welt und
durch Zuwanderung geprägten Stadt
wertgeschätzt werden.
Durch die Identifizierung,
Sichtbarmachung, Stärkung ihrer
Potentiale kann ein
wichtiger Beitrag zur Überwindung
diskriminierenden und rassistischen
Denkens geleistet werden.
Dies kann z.B. erreicht werden durch
1. die Identifizierung individueller Ressourcen und Stärkung
persönlicher Potentiale von Menschen mit internationaler
Geschichte. Kinder und junge Menschen mit internationaler
Familiengeschichte sind bereits in Kita und Schule in
unterschiedlicher Intensität aufgrund ihrer Herkunft,
Hautfarbe, Religion etc. oftmals von Ausgrenzung und
Rassismus betroffen. Diese Negativerlebnisse und der
gesellschaftlich defizitäre Blick auf sie, kann ihre
Entwicklung zu einer gesunden und vollständigen
Persönlichkeit behindern und die Entfaltung ihrer
individuellen Potentiale massiv beeinträchtigen. Dies gilt
insbesondere für Menschen mit Behinderungen, wie bspw.
Gehörlose. Erforderlich sind hier z.B. Maßnahmen einer
wertschätzenden Ermittlung der persönlichen Ressourcen
und Potentiale, Herstellung von Barrierefreiheit aus
intersektionaler Perspektive (Mehrsprachigkeit, Zugänge für
Menschen, die be_hindert werden etc., das Angebot von
Seminaren zur Stärkung von Empowerment
1 und
Awareness 2
2. die Nutzung der vorhandenen migrationsgesellscha ftlichen
Kompetenz aufgrund des Aufwachsens in zwei oder
mehreren Lebenswirklichkeiten (hinsichtlich Traditionen,
Sprachen, Religion, Erinnerungskulturen, Habitus etc.) für
die Gestaltung und Weiterentwicklung der
1 Empowerment zielt darauf ab, dass Menschen die Fähigkeit entwickeln und verbessern, ihre soziale Lebenswelt und ihr Leben selbst zu gestalten und sich nicht von außen
gestalten zu lassen.
2 Awareness bezeichnet das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit für Situationen und Strukturen, in denen Grenzen anderer wie z.B. durch Diskriminierung und Ausgrenzung
überschritten werden und wie man sich im Voraus für solche Situationen sensibilisieren kann.
2
Einwanderungsstadt Köln. Kölner*innen mit internationaler
Familiengeschichte wissen besser was neu zugewanderte
Menschen mit internationaler Familiengeschichte brauchen,
was sie blockiert, was ihnen nützt etc.: „Vielfältige Menschen
ermuntern zu Vielfalt.“
3. die Nutzung der mitgebrachten und der zugelernte n
Sprachkompetenzen (siehe Ratsbeschluss ‚Identität stärken
- natürliche Mehrsprachigkeit fördern!‘) vom 20.6.22) für die
Einwanderungsstadt Köln z.B. durch gezielte Einstellung von
Menschen mit mehrsprachigen Kompetenzen bei der
öffentlichen Verwaltung, Beratungsträgern, Polizei etc. und
Aufforderung das mitgebrachte Sprachpotential einzusetzen
etc. Hierdurch können z.B. Verfahren bei der
Stadtverwaltung für neu zugewanderte Menschen
wertschätzender und auch effektiver gestaltet werden. Die
deutsche Sprache ist selbstverständlich die Verkehrs- und
Amtssprache.
4. die Sichtbarmachung der Potentiale (und Verlasse n der
Defizitperspektive) von Menschen mit internationaler
Geschichte in Kindergärten, Schulen, Verwaltungen und auf
dem Arbeitsmarkt, z.B. durch
- Werbung zur Ausweitung von bilingualen Angeboten in
Kitas und Schulen,
- Infoveranstaltungen für nichtmigrantisch geprägte
Organisationen. Denkbar sind z. B. in inhaltlicher Anlehnung
an Integrationskurse für Migrant*innen entsprechende
Kampagnen oder Infoveranstaltungen mit dem Thema: „Wie
funktioniert eine Migrationsgesellschaft?“ etc.,
für
aufnehmende Communities
- Kampagnen zum Erkennen und Nutzen der Potentiale von
Migration für ankommende und aufnehmende Communities
- Beratung von Verwaltungen und Firmen zur Nutzung dieser
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Potentiale
- Sichtbarmachung der bereits vorhandenen Potentiale in
den Strukturen der Stadtteile, z.B. durch Hinweis auf das
bürgerschaftliche Engagement in den Interkulturellen
Zentren, bürgerschaftliches Engagement im Stadtteil und in
Vereinen etc. - wissenschaftlich fundierte Ausarbeitung von
gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Potentialen der
Migration etc.
Zur Einleitung eines Perspektivwechsels im Sinne einer
Anerkennung und Nutzung der Ressourcen und Potentiale von
Menschen mit internationaler Familiengeschichte besteht ein
großer Bedarf an einer grundsätzlichen strukturellen Förderung
entsprechender Maßnahmen. Hierbei sollten u.a. die
Interkulturellen Zentren und die Migrant*innenorganisationen
eine wichtige Rolle spielen.
Wichtig bleibt es dennoch bei einer Potenzial- und
Ressourcenorientierung, keinen „Nützlichkeitsdiskurs“ in Bezug
auf Menschen mit internationaler Geschichte zu führen.
Migration und Diversität sind die Norm der globalen und
vernetzen Welt, und jeder Mensch ist wertvoll für die ganze
Gesellschaft.
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2. Bereich: Schaffung
von
Chancengerechtigkeit
und gleichberechtigter
Teilhabe für alle
Menschen mit
internationaler
Familiengeschichte
… durch Vermittlung und
Sicherstellung eines
gleichberechtigten und
diskriminierungsfreien Zugangs zu
allen Bereichen des Regelsystems
der Stadt und seiner
gesellschaftlichen Angebote.
durch
- Abbau von diskriminierenden Zugangsbarrieren (
bspw.:
mangelnde räumliche und kommunikative Barrierefreiheit,
Barrieren auf der Kommunikations- und Interaktionsebene
wie Rassismus und Diskriminierung in Wort und Handlung,
mangelndes Fachwissen und unzureichende
Sensibilisierung für die spezifischen Bedürfnisse,
Institutionelle Diskriminierung durch strukturell bedingte
standardisierte Abläufe und Routinen und dem damit
verbundenen Zeit- und Effizienzdruck, mangelnde
diversitätsorientierte Ausrichtung der Angebote etc.)
- Sicherstellung, dass alle städtischen Angebote au ch für
Menschen mit internationaler Geschichte zur Verfügung
stehen und bei persönlichem Bedarf und Interesse von
diesen auch genutzt werden können,
- Sicherstellung der Barrierefreiheit durch einen i ntersektionalen
Blick auf Migration, Geschlecht und Behinderung,
beispielsweise durch das Mitdenken von Gebärdensprachen .
- Sensibilisierung der Gesellschaft und ihrer Insti tutionen für
ausgrenzendes, diskriminierendes und rassistisches
Verhalten und evtl. bestehender Zugangsbarrieren für
Menschen mit internationaler Geschichte,
- Förderung von Antirassismusprojekten und Beratung sstellen
bei Diskriminierung und Rassismus
- Förderung der politischen Partizipation u.a. durc h Stärkung
des Integrationsrates
Hierbei spielen u.a. die Interkulturellen Zentren eine wichtige
Rolle und sollten künftig Aufgaben des Regelsystems wie das
Angebot von Seniorenberatungen, Seniorennetzwerken, der
Kinder- und Jugendarbeit, der Offenen Ganztagsschule etc.
übernehmen.
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Dieser Themenbereich wird bearbeitet, es bestehen
verschiedene Forderungen (z.B. im Senior*innenbereich,
Gesundheitsbereich etc. pp)
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3. Bereich: Integration
von neu zugewanderten
Menschen mit
internationaler
Familiengeschichte und
der postmigrantischen
Gesellschaft
3-
Integration verstanden
als das Engagement der
aufnehmenden und der
ankommenden
Communities
… zur gesellschaftlichen und
kulturellen Orientierung sowie der
sprachlichen Qualifikation durch
Maßnahmen.
wie z.B.:
• Angebot von Sprachkursen
• Angebot von Integrationskursen
• Beratungsangebote für Geflüchtete
• Hilfen bei der Wohnungssuche (z.B. Auszugsmanageme nt),
Hilfen bei Kitasuche, Hilfen bei der Vermittlung in Schulen
etc.
• Hilfen bei der Antragstellung bei Behörden etc. pp .
• Übersetzungshilfen
Erforderlich sind des Weiteren
• Schutzräume in städtischen Unterkünften für queere
geflüchtete Menschen
• Regelmäßige Schulungen für Mitarbeitende in städti schen
Unterkünften
• Regelmäßige Schulungen für Mitarbeitende der
Sicherheitsdienste in den städtischen Unterkünften
• Barrierefreiheit für Menschen, die be_hindert werd en und
eine internationale Familiengeschichte haben, fördern
• Audioversion auf der Seite der Ausländer*innenbehö rde
Köln überarbeiten (das Vorlesen lassen in der jeweils
übersetzten Sprache funktioniert nicht gut, die Aussprache
ist so, dass sie nicht verständlich ist)
Dieser Themenbereich wird von Trägern, Interkulturellen
Zentren, Beratungsstellen etc. abgedeckt. Der Bedarf nach
einer strukturellen Förderung und dem kontinuierlichen
Finanzierungsbedarf der Angebote ist in einer
Einwanderungsgesellschaft / Einwanderungsstadt weiterhin
3 Unter einer postmigrantischen Gesellschaft (von lateinisch post ‚hinter', ‚nach') wird hier die aktuelle deutsche Gesellschaft verstanden, welche durch eine gemeinsam gemachte
Erfahrung der Migration geprägt ist.
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hoch, da sich sowohl das Aufgabenspektrum als auch die
Anzahl der Ratsuchenden und Projektteilnehmenden stetig
erhöht. Es ist notwendig eine Strategie zur Sicherstellung der
Ressourcen für dieses Engagement zu erarbeiten.
Hinweis: Grundsätzlich sind in allen drei genannten Bereichen immer auch Intersektionale Perspektiven zu berücksichtigen, denn
Menschen sind immer unterschiedlich und sind immer unterschiedlichen "Gruppen" zugehörig. Die Vielfalt drückt sich aus in Bezug
auf Geschlecht, Geschlechtsidentitäten, Wohnort, Herkunft, sozialer Status, gesundheitliches Befinden, Alter etc. (siehe hierzu auch
die Kampagne des Integrationsrates MEHRALLES). Diese Unterschiede sind eine Realität. Zur dieser Realität gehört aber auch, dass
je nachdem, zu welcher „Gruppe“ wir gehören, wie alt wir sind, wie viel Geld wir haben, welche Hautfarbe wir haben, welchen Pass wir
haben, und, und, und... wir unterschiedlich behandelt werden, wir unterschiedliche Chancen oder Probleme haben, und unser Leben
entsprechend anders verlaufen kann. Mit dem Begriff Intersektionalität können wir kritisch auf die "Kreuzungen" in unserer
Gesellschaft schauen. Und wir können nach der Betrachtung überlegen, wie wir unsere Gesellschaft gerechter, mit weniger
Rassismus und weniger Diskriminierung gestalten können.
Tayfun Keltek, Elizaveta Khan - Gemeinsamer Änderungsantrag zur Schwerpunktsetzung IR
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Tayfun Keltek, Elizaveta Khan 03.08.2023
An den
Vorsitzenden des Integrationsrates
An die
Geschäftsstelle des Integrationsrates
Herrn Andreas Vetter
Änderungsantrag gem. § 13 der Geschäftsordnung des Rates
Gremium Datum der Sitzung
Integrationsrat 15.08.2023
Antrag zur Schwerpunktsetzung der Arbeit im Integrationsrat in der 2. Hälfte der aktu-
ellen Wahlperiode
Die Mitglieder des Integrationsrates trafen sich am 15.4.23 zu einer Klausurtagung. Ein
Schwerpunktthema der Klausurtagung war ein Austausch über die Ausrichtung der künftigen
Arbeit im Integrationsrat in der 2. Hälfte der aktuellen Wahlperiode.
Das in der Anlage beigefügte Papier ist das Ergebnis der Diskussion der Teilnehmenden:
Tayfun Keltek, Malik Karaman, Christophe Twagiramungu Mugabowindekwe, Gönül Topuz,
Turan Özkücük, Vivian Berhane, Anna Maria Klimaszewska-Golan, Ali Esen, Fardad Hoo-
ghoughi, Luziano Gonzalez Tejon, Claudia Brock-Storms, Martin Erkelenz, Dr. John Akude
sowie weiteren Ergänzungen von GOL/Elizaveta Khan und Engagierten aus den Interkultu-
rellen Zentren.
Der Integrationsrat wird gebeten folgenden Beschluss zu fassen:
Beschluss:
Der Integrationsrat
1. nimmt das in der Anlage beigefügte Gedankenpapier zur weiteren Schwerpunktsetzung
der Arbeit des Integrationsrates mit seiner Differenzierung der Themenbereiche
a) Anerkennung und Nutzung der Ressourcen und Potentiale von Menschen mit interna-
tionaler Familiengeschichte und Überwindung der defizitorientierten Perspektive auf
Migration
b) Schaffung von Chancengerechtigkeit und gleichberechtigter Teilhabe für alle Men-
schen mit internationaler Familiengeschichte
c) Integration von neu zugewanderten Menschen mit internationaler Familiengeschichte
und der postmigrantischen Gesellschaft 1- Integration verstanden als das Engage-
ment der aufnehmenden und der ankommenden Communities
zur Kenntnis und verabschiedet es als Positionspapier ‚Schwerpunktsetzung der Arbeit
des Integrationsrates / 2. Hälfte der Wahlperiode 2020-2025‘,
2. wird künftig den Bereich ‚Anerkennung und Nutzung von Potentialen‘ in besonderer
Weise mit politischen Initiativen und den Bereich ‚Schaffung von Chancengerechtigkeit‘
weiterhin eng über die Facharbeitskreise begleiten,
1 Unter einer postmigrantischen Gesellschaft (von lateinisch post ‚hinter', ‚nach') wird hier die aktuelle deutsche
Gesellschaft verstanden, welche durch eine gemeinsam gemachte Erfahrung der Migration geprägt ist.
3. bittet die Fachverwaltung ‚Amt für Integration und Vielfalt‘ künftig den Bereich ‚Anerken-
nung und Nutzung der Ressourcen und Potentiale‘ in besonderer Weise zu beachten und
entsprechende Initiativen und Maßnahmen (auch finanziell) zu unterstützen, sowie die
Umsetzung in den Bereichen ‚Schaffung von Chancengerechtigkeit‘ und ‚Integration‘ wei-
ter in allen Bereichen der Stadtverwaltung zu begleiten und zu unterstützen,
4. bittet diesen Beschluss des Integrationsrates den Ausschüssen Allgemeine Verwaltung
und Rechtsfragen, Ausschuss für Kunst und Kultur, Ausschuss Schule und Weiterbil-
dung, Ausschuss Soziales und Senioren, Gesundheitsausschuss sowie dem Jugendhil-
feausschuss als Mitteilung zur Kenntnis zu geben.
Anlage: ‚Gedankenpapier zur weiteren Schwerpunktsetzung der Arbeit im IR‘
Mit freundlichen Grüßen
Tayfun Keltek, Elizaveta Khan
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AN/1312/2023
- Typ
- Änderungsantrag nach § 13 der GeschO Rat
- Datum
- 29.08.2023
- Erstellt
- 03.08.2023 11:42