JHA/040/2025
Verwendung von Mitteln zum Thema „Extremismus erkennen – Demokratiekompetenz stärken (JHA/076/2024)"
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Beschlussvorlage
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JHA/040/2025 X öffentlich nicht öffentlich Beschlussvorlage Betrifft: Verwendung von Mitteln zum Thema „Extremismus erkennen – Demokratiekompetenz stärken (JHA/076/2024)" Fachbereich: 51 - Amt für Soziales und Jugend / Jugend Dezernentin / Dezernent: Stadtdirektor Burkhard Hintzsche Beratungsfolge: Gremium Sitzungsdatum Beratungsqualität Jugendhilfeausschuss 18.06.2025 Entscheidung Beschlussdarstellung: Der Jugendhilfeausschuss beschließt die Förderung der Projekte „Demokratie leben! In Düsseldorf“, „Erinnerungsort Alter Schlachthof“, „Mobiler Lernort Demokratie des Düsseldorfer Jugendrings“ sowie die Öffentlichkeitsarbeit und Evaluation zu den Projekten mit jährlichen Mittel in Höhe von 110.000 EUR (2025), 190.000 EUR (2026) und 200.000 EUR (2027). Sachdarstellung: Der Jugendhilfeausschuss hat in seiner Sitzung am 13.11.2024 (JHA/076/2024) die Verwaltung beauftragt: die vorhandenen Maßnahmen und Unterstützungsangebote in den Bereichen der politischen Bildung, Demokratiebildung, Extremismus- und Antisemitismus Prävention und Medienkompetenz im politischen Kontext zu erfassen und hinsichtlich ihrer Wirksamkeit insbesondere für Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 21 Jahren zu bewerten; bestehende Projekte in den oben genannten Bereichen sollen erweitert werden und neue Projekte gefördert werden; Für die Förderung bestehender und neuer Projekte sollen Haushaltsmittel in Höhe von 150.000 Euro in das Produkt 3636201, Konto 53180000 für 2025 eingestellt werden und in den Folgejahren 150.000 (2026) und 200.000 Euro (2027); dem Jugendhilfeausschuss im ersten Halbjahr 2025 einen Vorschlag zu unterbreiten, welche Projekte gefördert werden sollen. Seite 2 Vorhandene Maßnahmen und Unterstützungsangebote Die Angebote und Maßnahmen in der politischen Bildung, Demokratiebildung, Extremismus- und Antisemitismusprävention sowie im Bereich der Medienkompetenz im politischen Kontext sind breit gefächert und von großer Vielfalt - sowohl inhaltlich als auch auf Trägerseite - geprägt. Dieses vielfältige und mit einer hohen Reichweite versehene Angebot gilt es aufrechtzuerhalten, zu stärken und fortzuschreiben. Um möglichst viele, unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen, ist es sinnvoll, an bestehende erfolgreiche Projekte anzuknüpfen und vorhandene Strukturen weiter auszubauen. Seit 2016 dient der Erinnerungsort Alter Schlachthof auf dem Campus der Hochschule Düsseldorf (HSD) als Ort des Gedenkens, der Forschung und Bildung. Hier werden historische und biografische Zugänge genutzt, um die Geschichte und Bedeutung des Ortes zu erarbeiten und Kontinuitäten von Antisemitismus, Rassismus und rechter Gewalt zu thematisieren. Seit Sommer 2023 gibt es ein vom Jugendhilfeausschuss finanziertes politisches Bildungsformat für junge Menschen am „Alten Schlachthof“. Studierende der Sozialen Arbeit, Kindheitspädagogik und Sozialpädagogik wurden in das Projekt einbezogen und haben angefangen, Module und Fragestellungen für Bildungsformate zum Thema Demokratie und Menschenrechte für die Zielgruppe „junge Erwachsene und Jugendliche“ zu entwickeln. Zudem wurden Angebote für Sozialarbeiter:innen, Pädagog:innen, Erzieher:innen entwickelt, die diese in der Arbeit mit jungen Erwachsenen und Jugendlichen umsetzen. Das Bildungsformat qualifiziert die Studierenden in den Bereichen Demokratiebildung und Erinnerungsarbeit für die berufliche Praxis. Die Bildungsarbeit richtet sich an Studierende, Schülerinnen, Jugendliche, junge Erwachsene sowie Bildnerinnen und Multiplikator*innen aus Düsseldorf. Sie umfasst Rundgänge, Workshops, Seminare, offene Veranstaltungen und Fortbildungen. Von Oktober 2023 bis November 2024 nahmen etwa 395 Personen an den verschiedenen Bildungsangeboten teil. Seit 2022 existiert die Fachstelle für Demokratiebildung und Erinnerungsarbeit beim Jugendring und unterstützt Jugendverbände und deren Mitglieder. Sie motiviert junge Menschen, sich aktiv an der Erinnerungskultur zu beteiligen und für Demokratie und Toleranz einzusetzen. Jugendliche sammeln durch ihr Engagement Demokratieerfahrungen. Der Jugendring Düsseldorf legt einen Schwerpunkt auf historisch-politische Bildungsarbeit, um Jugendliche zu einem kritischen Blick auf die Gegenwart zu ermutigen. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Kooperationen mit zivilgesellschaftlichen Akteuren erneuert oder neu geknüpft. Wichtige Veranstaltungen und Projekte waren: „Mitmachen oder Widerstehen?!“: Workshops und ein Besuch der NS- Ordensburg Vogelsang zur Auseinandersetzung mit NS-Täter*innenschaft. Erinnern mit Zweitzeug*innen: Ein Online-Workshop zur Geschichte von Erna de Vries, vermittelt durch Zweitzeugen e. V. Kino gegen Verschwörungserzählungen: Vorführung des Films „Die Känguru-Verschwörung“ und Diskussion über Verschwörungstheorien. Antikriegstag: Diskussionen über Krieg und Frieden. Demokratie Festival: Workshops und Diskussionen zu Demokratie und Engagement. Gedenkstättenbesuche: Besuche in Buchenwald und Teilnahme an Gedenkveranstaltungen. Seite 3 Film- und Ausstellungsbesuche: Vorführungen und Ausstellungen zur NS- Zeit und aktuellen Themen. Besuch des Erinnerungsortes „Alter Schlachthof“ Fahrt in die Gedenkstätte nach Buchenwald mit den Düsseldorfer Falken Im Jahr 2024 hat die Fachstelle neben ihrer historisch-politischen Bildungsarbeit intensiv an der Kampagne des Jugendrings zur Europawahl mitgewirkt. Angesichts zunehmender antidemokratischer und rechtspopulistischer Tendenzen lag der Fokus auf der Förderung demokratischer Haltungen und Positionierungen. Der Jugendring organisierte verschiedene Formate wie Vernetzungstreffen, Fachtage und Workshoptage, um unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen und den Austausch sowie die Weiterbildung zu fördern. Bestehende und neue Kooperationen mit zivilgesellschaftlichen Akteuren wurden aufgefrischt oder neu geknüpft. Das neue Format „Europa-Café“ diente der Netzwerkarbeit mit verschiedenen zivilgesellschaftlichen Akteuren.Diese Aktivitäten fördern das politische Bewusstsein und die aktive Beteiligung junger Menschen an der Gesellschaft. Anfang 2024 des Jahres hat die Fachstelle Demokratische Jugendbildung zusammen mit SJD – Die Falken Düsseldorf ein besonderes Angebot ins Haus der Jugend geholt. Zwei Wochen lang lud das von SABRA entwickelte Escape Game „Fixing The Boat – Finding Identity“ dazu ein, als Gruppe zusammenzuarbeiten, knifflige Rätsel zu lösen und gemeinsam eine wichtige Aufgabe zu meistern. Auf spielerische Art kamen dabei insgesamt über 150 Personen aus unterschiedlichen Gruppen – Jugendverbandler*innen, Fachkräfte, junge Menschen aus der Jugendberufshilfe, Schüler*innen und Freund*innengruppen – mit jüdischer Identität jenseits von Klischees und einer Reduzierung auf die Shoah, Israel oder Antisemitismus in Kontakt. Jedes Spiel beinhaltete eine abschließende Reflexion, bei der vertiefend auf das Gruppenerlebnis und die im Escape Room angeschnittenen Themen eingegangen werden konnte. Einige Gruppen verbanden das Spiel mit einem Besuch des nahegelegenen Erinnerungsorts Alter Schlachthof, was eine vertiefende Betrachtung von Themen wie Kindertransporte oder jüdische Diaspora ermöglichte. Die Düsseldorfer Jugendverbände haben in den letzten Jahren unterschiedliche Angebote und Projekte sich in der demokratischen Jugendbildung durchgeführt. Sie haben Jugendkultur und politische Bildung wie z.B. FCK AfD-Festival miteinander verbunden, haben in Kino-Abenden sich mit weiteren Phänomen wie zum Beispiel mit der „Neonazi-Rockszene“ sich auseinandergesetzt oder bieten antifaschistische Radtouren zu Orten der nationalsozialistischen Vergangenheit in Düsseldorf an. Das Projekt „Demokratie Leben! in Düsseldorf“ (als Teil des Bundesprogramms des Bundesministeriums für Familie, Senioren und Jugend) seit 2015 eine Vielzahl von Kindern, Jugendlichen und jungen Menschen, deren Eltern, Familien, Bezugspersonen und Sorgeberechtigten. - sprich einen großen Teil der Stadtgesellschaft. Berücksichtigt und unterstützt werden Projekte von freien Trägern, Vereinen, Migrant*innenselbstorganisationen, Einrichtungen und Institutionen in der gesamten Kommune. Die Bedürfnisse und Perspektiven der unterschiedlichen Zielgruppen werden angemessen berücksichtigt, sodass die Evaluation der Angebote erfolgreiche Wirkung zeigt. Themenschwerpunkte orientieren sich flexibel und bedarfsgerecht an aktuellen Entwicklungen und greifen unterjährig entstehende Bedarfe auf. Im Vordergrund der Seite 4 Angebote stehen dabei immer die Kernziele von „Demokratie leben!“: Demokratieförderung, Vielfaltsgestaltung und Extremismusprävention. In 2024 wurden in diesem Zusammenhang diverse Maßnahmen, Angebote und Projekte, insbesondere auch für Kinder und Jugendliche im Rahmen von Demokratie leben! in Düsseldorf erfolgreich umgesetzt. Beispielsweise haben Workshops zu den Themen Hass im digitalen Raum, Umgang mit sozialer Ausgrenzung und Mobbing sowie Workshoptage für Kinder zum Thema Demokratie stattgefunden. Zudem wurden Demokratieprojekte sowie Projekte zur Erinnerung an die DDR und den Nationalsozialismus in Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen durchgeführt und ein „Judeica-Koffer“ (Kunstwerke, religiöse Objekte oder Alltagsgegenstände, die eine bedeutende Rolle im jüdischen Leben und in der jüdischen Kultur spielen) für Grundschulen konzipiert. Durch diese Projekte konnten eine Vielzahl von Kindern und Jugendlichen in Düsseldorf für die Themen Demokratie, Vielfalt, Antisemitismus und Rassismus sensibilisiert, in ihren eigenen Erfahrungen aufgefangen und für ihr Leben in der (medialen-) Gesellschaft gestärkt werden. Im Rahmen eines weiteren Projektes zur politischen Bildung wurde „Utopia“ entwickelt, ein Ferienprojekt, in dem Kinder und Jugendliche die Möglichkeit hatten, ihre eigene Demokratie aufzubauen und zu gestalten. Dadurch konnten Grundpfeiler und Grundsätze der Demokratie vermittelt und die Teilnehmenden empowert werden. In einem Schulprojekt wurde zudem mit Kindern und Jugendlichen in Zusammenarbeit mit einem Düsseldorfer Künstler eine Soundbox gebaut und gestaltet. Diese nimmt Statements, Kommentare, Wünsche und Stimmen zu individuellen Fragestellungen auf. Die Soundbox wird im Rahmen von diversen Veranstaltungen von und mit „Demokratie leben! in Düsseldorf“ präsentiert und genutzt und hat eine nachhaltige Wirkung. Im Rahmen von Demokratie leben! wurden zudem unterschiedliche Fortbildungsangebote für pädagogische Fachkräfte, beispielsweise im Rahmen der Streitkulturwochen, realisiert. Insgesamt konnten durch geförderte Projekte von „Demokratie leben! in Düsseldorf“ im Jahr 2024 mindestens 500 Fachkräfte, Multiplikator*innen und Menschen der Zivilgesellschaft sowie mindestens 475 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene angesprochen und erreicht werden. Zudem wurden Projekte, von jungen Menschen für junge Menschen, im Wert von ca. 8.000 EUR durch den Jugendfond umgesetzt. Mit der Beteiligung an Festen und Veranstaltungen wie z.B. dem Weltkindertag und dem Sound of Europe Festival wurde das Programm sichtbarer gemacht und erreichte zusätzlich ca. 1.000 Personen. Zudem findet eine Vernetzung und Kooperation der Programme „Demokratie Lernen“ und „Demokratie leben!“ statt, wodurch Synergien gebündelt und gemeinsame Projekte realisiert werden können. Das Programm „Demokratie Lernen“ setzt im Rahmen der politischen Bildung Workshops, Aktionen und Planspiele an Düsseldorfer Schulen und Weiterbildungseinrichtungen um und unterstützt diese somit bei der inhaltlichen Umsetzung politischer Bildung. Bestehende und neue Projekte Aufgrund der erfolgreichen Arbeit schlägt die Verwaltung daher vor, den „Aktions- und Initiativfond“ (Weiterleitungsfond) des bestehenden Programms „Demokratie leben! Düsseldorf“ finanziell auszubauen, um weitere Projekte im Stadtgebiet zu unterstützen - zumal die für 2025 eingegangenen Projektanträge für Demokratie Leben! einen deutlichen Mehrbedarf an Mitteln zur Stärkung der Demokratie zeigen, so dass die zusätzlichen Haushaltsmittel sinnvoll eingesetzt werden könnten. Aus diesem Topf sollen insbesondere Projekte für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit den Schwerpunkten Demokratieförderung, Rassismusprävention, Vielfaltsgestaltung, Extremismusprävention und Antisemitismus gefördert werden. Seite 5 Um eine möglichst gute Vergabetransparenz zu erzielen, sollte das Geld analog zu den derzeitigen Projekten per Antrag – in Absprache mit dem Begleitausschuss von Demokratie leben! in Düsseldorf (ein multiprofessionelles und institutionsübergreifendes Team, welches inhaltlich und organisatorisch begleitet) vergeben werden. Damit könnte die gesamte Kommune von der Umsetzung gezielter Projekte zu den oben genannten Themenschwerpunkten profitieren. Die Antrags- und Vergabepraxis wird so niedrigschwellig wie möglich erfolgen und auch Privatpersonen und vor allem (nichtorganisierten) Jugendlichen die Möglichkeit bieten, Projekte möglichst unbürokratisch umsetzen zu können. Als Förderhöhe sind 4.000 EUR pro Antrag vorgesehen. Zudem ist neben der Beantragung in einem vorgeschriebenen Antragszeitraum auch die Möglichkeit der Antragsstellung im Laufe des jeweiligen Kalenderjahres vorgesehen. Dadurch wird die Trägerlandschaft in Düsseldorf gestärkt; kleine Einrichtungen und Vereine können gezielt und mit einer hohen fachlichen Expertise unterstützt und begleitet werden. Ein neues Projekt stellt zudem der mobile Lernort Demokratie des Düsseldorfer Jugendrings dar, mit einem Schwerpunkt auf mobile Angebote in Jugendfreizeiteinrichtungen und Verbänden und ggf. auch an Schulen. Der Jugendring Düsseldorf als Ort der Demokratiebildung Jugendverbände sind „Werkstätten der Demokratie“: Hier erleben Kinder und Jugendliche demokratische Prozesse auf unterschiedlichen Ebenen und lernen, wie Partizipation und gemeinschaftliche Selbstorganisation funktionieren. Als Arbeitsgemeinschaft der Düsseldorfer Jugendverbände ist Demokratiebildung daher ein zentrales Anliegen des Jugendrings Düsseldorf. Junge Menschen sollen in ihrem gesellschaftlichen und politischen Engagement gestärkt und durch Gremienarbeit in politische Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Neben Ehrenamtlichen aus Jugendverbänden richtet sich der Jugendring mit seiner Arbeit auch allgemein an junge Menschen in Düsseldorf. Als Interessensvertretung setzt er sich für die Belange junger Menschen in der Kommune ein und fördert den Austausch zwischen jungen Düsseldorfer*innen und der Kommunalpolitik. Junge Menschen spüren, dass Rechtsextremismus, strukturelle Diskriminierung und demokratiefeindliche Einstellungen den gesellschaftlichen Zusammenhalt bedrohen. So gehören Diskriminierung und Ausgrenzung zur Erfahrungswelt vieler Jugendlicher. Gleichzeitig gewinnen rechtsextreme und rassistische Ansichten auch unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen zunehmend an Bedeutung. Für junge Menschen ist der digitale Raum fester Bestandteil ihrer Lebenswelt. Social Media wird dabei auch als Informationsquelle genutzt und aufgrund der Desinformationen auch kritisch betrachtet. „Lernort Demokratie“ – Mobil und im Haus der Jugend Zur Bereicherung und Ergänzung des außerschulischen Bildungsangebots in Düsseldorf möchte der Jugendring einen „Lernort Demokratie“ im Haus der Jugend aufbauen. Das Lernen am außerschulischen Ort bietet insbesondere Vorteile für die Beschäftigung mit Themen der demokratischen Bildung: Sowohl räumlich als auch personell losgelöst von schulischen Rahmenbedingungen ist es für junge Menschen einfacher eigene Haltungen zu reflektieren, sich auch zu kontroversen Themen auszutauschen und Demokratie praktisch zu erleben. Lernende sollen eine aktive Rolle in der Umgebung „Lernort“ einnehmen und zur aktiven Mitgestaltung des „Lernorts“ im engeren und der Demokratie im weiteren Sinne angeregt werden. Durch partizipative Methoden sollen junge Menschen sich ihrer demokratischen Handlungsmacht bewusst werden und zur aktiven Mitgestaltung der Demokratie angeregt werden. Zentral ist für den „Lernort“ auch das Zusammendenken von demokratischer Bildung und Medienbildung – beide sind untrennbar miteinander verbunden. Denn demokratische Aushandlungsprozesse finden auch online statt und unsere Lebenswelt (insb. die von jungen Menschen) lässt sich nicht mehr in „analog“ und „digital“ trennen. Seite 6 Zielgruppe und Ziele des Lernorts Grundlegende Zielsetzung ist die Herausbildung von Werten, sozialen Fähigkeiten und einem fundierten Bewusstsein für die eigene Rolle in der Demokratie. Denn außerschulische Lernorte erschaffen Dialogräume, eröffnen unterschiedliche Perspektiven, regen zur Reflexion über eigene Handlungsmöglichkeiten an und bieten Raum für kritische Diskussionen, Fehler und Korrekturen – jeweils essenzielle Aspekte der Demokratiebildung. Die Angebote des Lernorts richten sich an Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren. Als Zielgruppe spricht er Jugendfreizeiteinrichtungen, Jugendgruppen aus Jugendverbänden, Jugendorganisationen sowie Schulklassen unterschiedlicher Schulformen an. Der Lernort soll mobil in den Jugendeinrichtungen vor Ort Workshops und Seminare etc. anbieten und Schulen sollen in den „Lernort für Demokratie“ im Haus der Jugend kommen, um außerschulische Lernerfahrungen zu ermöglichen. Der Lernort verfolgt folgende Zielsetzungen: Förderung des Verständnisses für demokratische Prozesse sowie ihrer Bedeutung für die Gesellschaft Stärkung der politischen Bildung und des kritischen Denkens Entwicklung von Fähigkeiten zur aktiven Teilhabe an der Gesellschaft Förderung von Toleranz und Respekt im Umgang mit unterschiedlichen Meinungen Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und der sozialen Verantwortung Sensibilisierung für die Gefahren von Extremismus und die Vermittlung von Strategien, um extremistische Ideologien zu erkennen und ihnen entgegenzutreten Entwicklung von Handlungsstrategien zur Deeskalation von Konflikten Sensibilisierung für den Einfluss und die Wirkung von Medien auf das demokratische Zusammenleben und Vermittlung Medienkompetenz sowie einen kritischen Umgang mit der Nutzung von (sozialen) Medien Formate und Methodik 1. Edu-LARP Zentrales Element soll ein partizipativ entwickeltes sogenanntes Edu-LARP sein. Das Edu-LARP wird gemeinsam mit Jugendlichen, jungen Erwachsenen und „epic education“ entwickelt. Das Angebot kann nach Absprache vor Ort in Einrichtungen, Gruppenräumen bei den Verbänden angeboten werden. Ein Edu-LARP (Educational Live Action Role-Playing) ist eine pädagogische Methode, bei der Teilnehmende in eine fiktive Welt eintauchen und durch Rollenspiele lernen. Diese Methode nutzt Elemente der klassischen Bildungsarbeit mit interaktiven und immersiven Rollenspielen, um Wissen und soziale Fähigkeiten zu vermitteln. 2. Modulbaukasten Für den Lernort werden eigene Workshopmodule entwickelt, dabei sind zu Beginn drei bis vier verschiedene Module geplant. Im 2. Halbjahr 2025 soll mithilfe von Trainer*innen für die Jugendeinrichtungen und Verbände verschiedene kostenlose vor Ort Workshops zu den Themen Antisemitismus, Rassismus, Diversität, Antiziganismus, (Post)-Kolonialismus und anderen politischen Themen angeboten werden. Die Einrichtungen und Verbände sowie Schulklassen können hierfür über den „Lernort Demokratie“ in Haus der Jugend Trainer*innen buchen. Der Modulbaukasten wird ab dem Sommer entwickelt und dann ab Schuljahrbeginn im September abrufbar sein. Die Inhalte der genannten Workshops werden zielgruppengerecht aufbereitet, betitelt und beworben. 3. Demokratie-Hub Ein dritter Baustein innerhalb des Lernortes Demokratie soll dann im 4. Quartal pulsierenden Demokratie-Hub und ein Pop-Up-Jugendzentrum mitten in Düsseldorf sein! Hier wird Politik für junge Menschen greifbar und Jugendpartizipation gelebt – Seite 7 genau zur richtigen Zeit nach der Kommunalwahl. Von Diskussionsrunden über kreative Schreibwerkstätten, Poetry-Slam Workshops oder Rap-Workshops bis hin zu Ausstellungen sollen in dem Hub möglich sein– hier soll Demokratie zum Erlebnis werden. 4. Ausbildung von Demokratie-Trainer*innen Ein wesentlicher Bestandteil des „Lernorts Demokratie“ ist eine Schulungsreihe ab 2027, in der junge Düsseldorfer*innen im Alter von 16 bis 27 Jahren zu „Demokratietrainer*innen“ ausgebildet werden. Diese Ausbildung kann sowohl im Haus der Jugend als auch in Jugendfreizeiteinrichtungen angeboten werden. So werden nicht nur junge Menschen im Alter von 14-21 Jahren als Workshop- Teilnehmer*innen, sondern auch 16-27-Jährige als „Demokratietrainer*innen“ aktiv an der Gestaltung und Umsetzung des „Lernorts“ und seiner Angebote beteiligt. Die Schulung von „Demokratietrainer*innen“ wirkt demnach in zwei Richtungen: 1. Durch die Ausbildung als Multiplikator*innen, können sich die jungen Menschen persönlich weiterbilden und zur Stärkung der Demokratiebildung in ihrem Umfeld (Schule, Beruf, Ehrenamt, etc.) beitragen. Nicht zuletzt erfahren die Trainer*innen dadurch Selbstwirksamkeit im demokratischen Kontext und können diese auch authentisch vermitteln. 2. Die Verknüpfung von „Demokratietrainer*innen“-Ausbildung und Lernort ermöglicht auf der anderen Seite, ein starkes Team aus Projektmitarbeitenden, die noch nahe an der Zielgruppe sind, aufzubauen. Durch den Peer-to-Peer-Ansatz in den Workshops wird der Zugang zur Workshopleitung und damit auch zu den Fragestellungen und Diskussionsanlässen der Demokratiebildung niedrigschwelliger. Überdies soll eine evidenzbasierte Situations- und Ressourcenanalyse erfolgen, die zum einen Bestandteil des Bundesprogramms ist, aber auch als wertvolle Grundlage für die Planung weiterer demokratiefördernder Projekte genutzt werden kann. Umgesetzt wird diese Analyse in Zusammenarbeit mit dem SO.CON - Institut (Social Concepts/ Fachbereich Sozialwesen) der Hochschule Niederrhein. Eine solch evidenzbasierte Evaluation bietet aufgrund der Analyse durch externe Akteure einen unabhängigen Blick auf die kommunalen Herausforderungen und Handlungsbedarfe und greift damit den Wunsch nach einer Wirksamkeitskontrolle auf und könnte auch in den kommenden Jahren um eine Wirksamkeitsanalyse der bestehenden Projekte erweitert werden. Den finanziellen Ausbau bestehender und neuer Strukturen – wie zuvor erläutert – schlägt das Amt für Soziales und Jugend wie folgt vor: 2025 2026 2027 Demokratie leben! In Düsseldorf 25.000 € 50.000 € 50.000 € Erinnerungsort Alter Schlachthof Düsseldorf - 50.000 € 50.000 € Jugendring – mobiler Lernort Demokratie 70.000 € (Übertrag von 2025 in 2026: 40.000 €) 75.000 € 85.000 € Öffentlichkeitsarbeit/Evaluation 15.000 € 15.000 € 15.000 € Gesamt 110.000 € 190.000 € 200.000 € Seite 8 Zur bedarfsgerechten Finanzierung der Projekte ist eine Neuveranschlagung von 40.000 € aus 2025 nach 2026 erforderlich, welche zum VVZ 2026 ff vorgenommen wird.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- JHA/040/2025
- Typ
- Beschlussvorlage
- Datum
- 22.05.2025
- Erstellt
- 22.05.2025 10:32