AN/0252/2026
Koloniales Erbe des Botanischen Gartens der Stadt Köln
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Linke Anfrage nach § 4
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Die Linke.-Fraktion · Postfach 103564 · 50475 Köln An die Vorsitzende des Ausschusses für Klima, Umwelt und Grün Frau Denise Abé An Oberbürgermeister Herren Torsten Burmester Rathaus Rathaus, Spanischer Bau 50667 Köln Postanschrift: Postfach 103564 · 50475 Köln Tel: 0221/221 -27840 · Fax: 0221/221-27841 E-Mail: DieLinke@stadt -koeln.de Fraktionsvorstand Eingang beim Amt des Oberbürgermeisters: 10.02.2026 AN/0252/2026 Anfrage gem. § 4 der Geschäftsordnung des Rates Gremium Datum der Sitzung Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 05.03.2026 Koloniales Erbe des Botanischen Gartens der Stadt Köln Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Frau Ausschussvorsitzende, Die Linke Fraktion im Rat der Stadt Köln bittet Sie darum, die folgende Anfrage auf die Tagesordnung der 3. Sitzung des Ausschusses Klima, Umwelt und Grün in der Wahlperiode 2025/2030 am Donnerstag, dem 05.03.2026 zu setzen. Die Flora – der Botanische Garten der Stadt Köln ist Mitglied im Verband botanischer Gärten. Dieser Verband gab 2023 ein Positionspapier (Anlage 1) zum Thema „Botanische Gärten, Pflanzensammlungen und Kolonialismus“ heraus. An diesem Papier arbeitete der Botanische Garten Köln offensichtlich nicht mit, obwohl auch er eine bekannte koloniale Vergangenheit (und Gegenwart?) hat. Wir verweisen an dieser Stelle auf den angehängten Beitrag von Frau Marianne Bechhaus-Gerst. (Anlage 2) In diesem Beitrag wird aus aktuellen Gründen auch die Frage aufgeworfen, was aus der kolonialen Botanik wurde. Es wird grob auf die „Flora-Seite“ verwiesen, die wir als unter Flora und Botanischer Garten - Stadt Köln aufrufbar identifizieren. Dort ist von einem etwa 500 Meter langen „Entdeckerweg“, einer „exotischen Weltreise“, „Plantagen“ und "Tropischen Nutzpflanzen" die Rede. Das sind laut ‚Frau Bechhaus-Gerst „Begrifflichkeiten, die wir genauso schon vor über 100 Jahren lesen konnten und hinter denen sich die Zerstörung gewachsener Wirtschaften in Übersee und die gnadenlose Ausbeutung der angeeigneten Gebiete verbargen.“ Auch in den städtischen Handlungsempfehlungen des Expert*innengremiums (Post)koloniales Erbe Köln werden Flora und Botanischer Garten erwähnt. „Die kolonialen Bezüge sind nur manchmal noch sichtbar, zum Beispiel bei Denkmälern oder Straßennamen. Häufiger sind sie unsichtbar, teils, weil der Krieg ihre materiellen Manifestationen zerstört hat, teils, weil ihr kolonialer Ursprung oder Zusammenhang vergessen, ignoriert oder von anderen, nachkolonialen Erzählungen und Zuordnungen überlagert wurde. Hier sind zum Beispiel Museen, die Universität, der Zoo und der Botanische Garten als Orte kolonialer Wissensproduktion und Vermittlung zu erwähnen. Gerade die kritische Auseinandersetzung mit den Spuren, die sich nicht unmittelbar erschließen, steckt noch in den Anfängen. Ebenfalls muss man immer noch sehr großes Unwissen über die deutsche Kolonialvergangenheit, die Verwicklung Deutschlands – und Kölns – in den Versklavungshandel und über afrodeutsche Geschichte konstatieren.“ Wir sehen in den Museen, dem Zoo und unserem Botanischen Garten städtische Bildungseinrichtungen. Diesen stünde es sehr gut zu Gesicht, gegen die oben genannte Unwissenheit vorzugehen und sich auch ihrem kolonialen Erbe zu stellen. Daher haben wir die folgenden Fragen. 1. Wie steht der Kölner Botanische Garten zum oben erwähnten Positionspapier des Verbands botanischer Gärten? 2. Welche der im oben genannten Positionspapier aufgeführten Handlungsmöglichkeiten setzt, der Botanische Garten der Stadt Köln bereits um oder wird diese zukünftig umsetzen, um Transparenz herzustellen, die T eilhabe der Öffentlichkeit zu ermöglichen und um die Rolle Botanischer Gärten im Kolonialismus und seinen bis heute andauernde Strukturen zu betrachten und in die Forschung sowie die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit einzubinden? gez. Dr. Günter Bell Fraktionsgeschäftsführer
Anlage1-Kolonialismus_und_BG_-_Positionspapier_VBG
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1 Botanische Gärten und Kolonialismus Positionspapier: Botanische Gärten, Pflanzensammlungen und Kolonialismus Weltweit gibt es ca. 2500 Botanische Gärten, von denen die weitaus meisten im Globalen Norden liegen. In den dortigen Botanischen Gärten stammt ein großer Teil der lebenden Pflanzen und Herbarbelege aus dem Globalen Süden, was umgekehrt keineswegs der Fall ist. Diese ungleiche Verteilung der Sammlungen lässt sich direkt auf die Geschichte der Botanischen Gärten zurückführen, die – wie die der westlichen Wissenschaft insgesamt – eng mit dem Kolonialismus verbunden ist. An der Aufarbeitung dieses kolonialen Erbes der Botanischen Gärten möchte sich der Verband Botanischer Gärten e.V. aktiv und in transparenter, konstruktiver und verantwortungsvoller Weise beteiligen. Gefunden, g esammelt, geraubt – wie kamen die Pflanzen in die Botanische n Gärten? Die Geschichte der Botanischen Gärten in Deutschland und Europa ist untrennbar mit dem Kolonialismus und der europäischen Expansion verbunden. Die Kolonien mussten pflanzliche Nahrungs- und Genussmittel sowie Rohstoffe für die fortschreitende Industrialisierung Europas liefern. Die entsprechenden Nutzpflanzen wurden systematisch zwischen den einzelnen Kolonien ausgetauscht, oft unter Beteiligung Botanischer Gärten. Diese machten mit dem Ausstellen tropischer Nutzpflanzen in ihren Gewächshäusern zugleich Werbung für die vermeintlich unverzichtbaren „Schutzgebiete“. Zierpflanzen aus den Kolonien wurden in großem Maßstab von europäischen Handelsgärtnereien vermarktet und in Botanischen Gärten der Öffentlichkeit präsentiert. Um die Nutzung und Ausbeutung der kolonisierten Gebiete zu bewerben und das Narrativ der unbekannten, „unzivilisierten“ Welt außerhalb Europas zu unterstreichen, stellten Botanische Gärten zuweilen „exotische“ Pflanzen für Kolonialausstellungen bereit, in deren Kontext auch Menschen aus den Kolonien zur Schau gestellt wurden. Dies trug nicht zuletzt zu dem tief verankerten strukturellen Rassismus bei, der sich bis heute durch alle Gesellschaftsschichten zieht und die Lebensrealität Betroffener beeinflusst. In den Kolonien selbst legten die Europäer ebenfalls Botanische Gärten an, wo Anbauversuche mit Nutzpflanzen wie Kaffee, Kautschuk und Sisal durchgeführt wurden. Die Ergebnisse legten den Grundstein für Plantagenkulturen weltweit. Die Arbeit in den Gärten und auf den Plantagen wurde von einheimischen Menschen unter oft grausamen Bedingungen geleistet, bis hin zur Sklaverei. Diese systematische Ausbeutung von Menschen, Rohstoffen und Natur hat den Industrienationen letztlich zu enormem Reichtum verholfen, von dem der Globale Norden bis heute profitiert. Die Herrschaftsform des Kolonialismus ist gekennzeichnet durch die Inanspruchnahme fremder Territorien, motiviert von wirtschaftlichen, machtpolitischen und strategischen Zielen. Um diese zu erreichen, werden die kolonisierten Gesellschaften politisch unterdrückt und wirtschaftlich ausgebeutet. Aus der ideologischen Überzeugung einer weißen „Überlegenheit“ wird ihre kulturelle, intellektuelle und religiöse Selbstbestimmung stark eingeschränkt oder sogar unmöglich gemacht – bis hin zur gezielten Ausrottung ganzer Ethnien. Auch wenn die meisten vormaligen Kolonien heute selbständige Staaten sind, prägen die in Jahrhunderten des Kolonialismus entstandenen Strukturen die heutige Weltordnung; die durch den Kolonialismus hervorgerufene Ungleichheit durchdringt nach wie vor verschiedenste Bereiche von Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft. Anlage 1 2 Botanische Gärten und Kolonialismus Eurozentrische Wissenschaft und Wissensaneignung Neben Saatgut und Setzlingen zur Kultivierung lebender Pflanzen gelangten auch Millionen von gepressten und getrockneten Pflanzenproben aus dem Globalen Süden in die Herbarien und die Botanischen Gärten Europas. Diese auf zahlreichen Expeditionen gesammelten Herbarbelege dienten vor allem dem wissenschaftlichen Interesse der europäischen Pflanzensystematiker, die sich den immensen, erst durch die kolonialen Machtverhältnisse ermöglichten Zustrom von Untersuchungsmaterial zunutze machten. Sie ordneten die Pflanzenfunde taxonomisch ein und beschrieben ihnen bislang unbekannte Arten als neu für die Wissenschaft. Informationen zur Nutzung stammten dabei in der Regel von der lokalen Bevölkerung, die Urheber*innen der angeeigneten Informationen wurden jedoch nur in den seltensten Fällen in den Publikationen genannt. Die wissenschaftliche Benennung erfolgte mit Latein in einer europäischen Gelehrtensprache und ehrte häufig die europäischen Sammler*innen, wissenschaftliche Kolleg*innen, Geldgeber*innen oder Personen in Machtpositionen – die oft bekannten indigenen Namen hatten dabei meist keine Relevanz. Diese Art der wissenschaftlichen Arbeitsweise und der Aneignung außereuropäischen Wissens dauert vielfach bis heute fort. Die kritische Auseinandersetzung damit hat erst in jüngster Zeit begonnen und hinterfragt verstärkt auch die Rolle der westlichen Wissenschaft als alleingültige Weltanschauung. Deren enge historische Verbindung mit dem Kolonialismus hat unter anderem dazu geführt, dass alternative, außereuropäische Sichtweisen auf die Natur ignoriert, unterdrückt oder gar vollständig eliminiert wurden. Position und Handlungsmöglichkeiten Der Verband Botanischer Gärten e.V. sieht sich in der Verantwortung, den kolonialen Kontext Botanischer Gärten in Geschichte und Gegenwart kritisch aufzuarbeiten. Dazu muss die Rolle Botanischer Gärten im Kolonialismus und seinen bis heute andauernden Strukturen betrachtet und in die Forschung sowie die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit eingebunden werden. Der verantwortungsbewusste Umgang mit den Folgen des Kolonialismus erfordert dabei Transparenz, die Teilhabe der Öffentlichkeit und einen selbstkritisch reflektierenden Blick auf die eigene Arbeits- und Denkweise. Um den notwendigen Perspektivwechsel zu vollziehen, müssen vor allem der intensive Austausch und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit Menschen und Institutionen aus dem Globalen Süden zum Standard werden. Schon heute pflegen viele Botanische Gärten des Globalen Nordens enge Kooperationen mit Botanischen Gärten, Universitäten und Naturschutzorganisationen im Globalen Süden. Sowohl in der Grundlagenforschung als auch im Artenschutz und bei der nachhaltigen Nutzung der Pflanzenvielfalt sind solche Kooperationen mittlerweile zur Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Arbeiten geworden. Auf Sammelexkursionen wird die Pflanzenvielfalt gemeinsam erfasst, die Ergebnisse werden im Anschluss gemeinsam publiziert; bei gegenseitigen Gastaufenthalten lernen die Partner*innen über- und voneinander. Kooperationen dieser Art sollten jedoch weitaus häufiger und selbstverständlicher werden und alle Arbeitsbereiche Botanischer Gärten umfassen. Sie müssen verstärkt den Ausbau der Infrastrukturen an Botanischen Gärten im Globalen Süden unterstützen. Nach Jahrhunderten des Sammelns und dem häufigen Verlust von Aufzeichnungen zur Herkunft der Pflanzenzugänge gestaltet sich die Provenienzforschung zu schon lange in Botanischen Gärten kultivierten Pflanzen meist äußerst schwierig. Viele Herbarbelege und handschriftliche Aufzeichnungen liegen jedoch noch unaufgearbeitet in Magazinen und Archiven und können als Grundlage für zukünftige Forschungsprojekte zur Provenienz der Sammlungsbestände dienen. Heute sind Botanische Gärten internationalen Abkommen wie der Konvention über die Biologische Vielfalt und dem Nagoya-Protokoll verpflichtet. Sie dokumentieren dementsprechend alle verfügbaren Sammeldaten zu ihren Beständen in Datenbanken und stellen durch Weitergabe dieser Informationen sicher, dass die Herkunftsländer im Falle einer Nutzung der genetischen Ressourcen am Gewinn beteiligt 3 Botanische Gärten und Kolonialismus werden können. Durch Online-Datenbanken machen zudem immer mehr Botanische Gärten ihre Bestände transparent, und in Einzelfällen wurden bereits Provenienzen größerer Sammlungsbestände rekonstruiert. Um ein größtmögliches Maß an Transparenz zu erreichen, müssen die Bemühungen in dieser Richtung jedoch signifikant ausgebaut werden. Genaue Kenntnisse zu den Provenienzen der Sammlungen Botanischer Gärten sind auch Voraussetzung für Diskussionen über potenzielle Restitutionen. Unabhängig von einer physischen Restitution können Herbarbelege durch Digitalisierung weltweit frei zugänglich gemacht werden, so dass sie auch und gerade Kolleg*innen in den Herkunftsländern virtuell zur Verfügung stehen. Während dies für sogenannte Typusbelege schon weitgehend geschehen ist, muss ein Großteil der verbleibenden Belege jedoch noch durch gezielte, großangelegte Digitalisierungsprojekte verfügbar gemacht werden. Im Gegensatz zu den meisten Museumsobjekten sind lebende Pflanzen in fast allen Fällen reproduzierbar, können also durch Saatgut, Stecklinge o.ä. vermehrt werden. Dies bietet ein enormes Potenzial für den internationalen Artenschutz: Pflanzen in den Botanischen Gärten des Globalen Nordens, die an ihren Naturstandorten im Globalen Süden gefährdet oder gar ausgestorben sind, können dort durch gezielte Wiederansiedlung vor dem endgültigen Aussterben bewahrt werden. Der Zugang zu Lebendmaterial in den Sammlungen des Globalen Nordens muss für Institutionen des Globalen Südens jedoch erheblich verbessert werden, und Kooperationen in diesem Bereich müssen deutlich zahlreicher werden. Wissenschaftliche Pflanzennamen garantieren Eindeutigkeit in der Fachkommunikation und reflektieren die Verwandtschaftsverhältnisse der Arten. Während sie damit im wissenschaftlichen Bereich unverzichtbar sind, dürfen die botanischen Namen nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Pflanzen schon lange vor der vermeintlichen „Entdeckung“ durch die Europäer von der indigenen Bevölkerung gekannt, benannt und genutzt wurden. Da dies den Besucher*innen Botanischer Gärten bisher nur in den seltensten Fällen ersichtlich ist, sollte ein zeitgemäß angepasstes Informations- und Bildungsangebot die jahrhundertelange Praxis der Pflanzenbenennung erläutern und zugleich hinterfragen. Zudem sollten, wo immer möglich, bei wissenschaftlichen Neubeschreibungen von Arten ganz explizit indigene Namen aufgegriffen werden. Sammlungen lebender Pflanzen waren und sind die Grundlage der Arbeit Botanischer Gärten. Was oft mit der Zurschaustellung „exotischer“ Pflanzenvielfalt als koloniale Machtgeste begonnen hat, dient heute der Forschung und Lehre, Bildung und Erholung, dem Gartenbau und Artenschutz. Es geht um Erhaltung statt Aneignung, um Kooperation statt Herrschaft und um Wege, auf diesem Planeten gemeinsam und nachhaltig zu leben. Für dieses Miteinander ist noch viel zu tun, und ganz am Anfang muss die verantwortungsbewusste und transparente Aufarbeitung der Kolonialgeschichte stehen. Der Verband Botanischer Gärten stellt sich dieser Verantwortung und freut sich über konstruktive, kreative und kritische Mitarbeit. Diese Erklärung (Stand 1/2023) ist das Diskussionsergebnis einer Arbeitsgruppe von Kustodinnen und Kustoden im Verband Botanischer Gärten e.V. (VBG). Wir haben uns mit den postkolonialen Bezügen unserer Sammlungen, unserer Geschichte und unserem Selbstverständnis kritisch auseinandergesetzt. Unterstützt wurden wir von Runa Hoffmann, Masterstudentin im Botanischen Garten Berlin, Alexandra Straka, Masterstudentin im Botanischen Garten Potsdam und Demba Sanoh, Historiker, Berlin. Es arbeiteten mit: Botanischer Garten Berlin: Dr. Nils Köster, Botanische Gärten Bonn: Dr. Conny Löhne, Palmengarten der Stadt Frankfurt: Dr. Marco Schmidt; Botanischer Garten Potsdam: Dr. Michael Burkart; Botanischer Garten Tübingen: Dr. Alexandra Kehl; Tropengewächshaus Witzenhausen/Kassel: Marina Hethke; Sukkulenten-Sammlung Zürich: Dr. Felix Merklinger.
Anlage2-Desintegration Flora
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Für die meisten Menschen in Köln heute sind Flora und Botanischer Garten identisch. Das ist aber historisch nicht der Fall. 1862 wurde von einflussreichen Kölner Bürgern das „Comitee zum Bau eines Botanischen Zier- und Lustgartens“ gegründet und das neben dem Zoo liegende Grundstück mit einer Fläche von 5,6 Hektar für die geplante Anlage gekauft. 1864 wurde die Flora eröffnet. Im Mittelpunkt der Anlage stand der sogenannte Glaspalast, der sich u.a. am Londoner Crystal Palace orientierte. Das Gebäude diente als Palmenhaus, wurde aber auch für festliche Bälle und andere Unterhaltungsveranstaltungen genutzt. Im Zentrum der Flora stand von Anfang an die „Tropenbotanik“, die wenig später – als „koloniale Botanik“ – eine bedeutende Rolle spielte. Wenngleich die Flora primär als ein Ort der Unterhaltung und Entspannung für die Kölner Bürger*innen präsentiert wurde, waren (koloniale) Wissensproduktion und koloniale Propaganda wichtige Bestandteile. Die Pflanzen wurden zu Instrumenten kolonialer und kolonialrevisionistischer Aneignungsphantasien. Die erste große, publikumswirksame Veranstaltung in der Flora, bei der die koloniale Botanik prominent präsentiert wurde, war die „Internationale Jubiläums-Gartenbau- Ausstellung“, die vom 4. August bis zum 1. Oktober 1888 stattfand. Die Deutsche Kolonialzeitung (DKZ), das Presseorgan der Deutschen Kolonialgesellschaft, warb in einer Ankündigung der Ausstellung für die „hervorragenden Kolonialsammlungen“, die in einer „Halle für Colonialprodukte“ gezeigt wurden. Eine umfassende Präsentation der Vielfalt an pflanzlichen Produkten aus Übersee war ein wichtiges kolonial-propagandistisches Mittel, den Kölner Bürger*innen den Sinn und Nutzen des kolonialen Projekts des Deutschen Reichs „zu verkaufen“. Dass die meisten der ausgestellten pflanzlichen Rohstoffe 1888 aus eigenen Kolonien kamen, zeugte nicht zuletzt von der machtvollen Position, in der man sich als Kolonialmacht sah. Und diese machtvolle Position machte es möglich, die pflanzlichen Rohstoffe und Produkte einzubetten in Präsentationen von Ethnographika, wie Waffen und Schmuck. Wenn die Besucher*innen sich ausruhen wollten, konnten sie sich in exotisierenden oder orientalisierenden Etablissements wie dem „Türkischen“ Pavillon oder dem „chinesischen“ Café bewirten lassen. Ab 1912 wurde auf dem Gelände neben der Flora ein neuer Botanischer Garten angelegt, der 1914 eröffnet wurde. Von Beginn an wurde die Kolonialpflanzensammlung im Garten systematisch erweitert und verschiedene „Warmhäuser“ für tropische Pflanzen, darunter insbesondere für „koloniale Nutzpflanzen“ wie Kaffee, Kakao, Baumwolle, Kapok, Sisal, Reis, Maniok und Bataten wurden errichtet. Auch in der Freilandabteilung wurden „subtropische Kolonialpflanzen“ angebaut. Nach dem Ende des realen Kolonialbesitzes war die Botanik in Köln Teil des kolonialrevisionistischen Engagements für die Rückgewinnung. Eines der letzten Großereignisse, bei dem die koloniale Pflanzenwelt und ihre Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand des Landes einer breiten Öffentlichkeit präsentiert wurde, war Deutsche Kolonialausstellung 1934 in der Kölner Messe. Um den Besucher*innen den Zusammenhang von preiswerten pflanzlichen Rohstoffen aus eigenen Kolonien und dem persönlichen Haushalt zu verdeutlichen und ihnen gleichzeitig das Gefühl einer Reise in die Überseegebiete $QODJH zumindest andeutungsweise zu vermitteln, hatte man „lebende Vegetationsbilder“ mit Leihgaben aus dem Botanischen Garten geschaffen und sogar auf den Freiflächen vor dem Staatenhaus eine echte Baumwollkultur angelegt. Hier wurde öffentlichkeitswirksam, unterhaltsam und Sehnsüchte weckend mit pflanzlichen Produkten koloniale Propaganda betrieben. Was ist aus der kolonialen Botanik geworden? Es lohnt sich ein Blick auf die Homepage der Kölner Flora. Dort sind vor einiger Zeit die Warmhäuser oder Gewächshäuser, die in der kolonialen Botanik eine so große Rolle spielten, wegen des schlechten Zustands geschlossen worden. Sie werden gerade erneuert. Auf der Flora-Seite finden sich die Planungen für den Neubau mit Begriffen wie „Exotische Weltreise“, „Entdeckerweg“, „Plantagen“ und nicht zuletzt „Tropische Nutzpflanzen“: beschrieben. Lebt hier der koloniale Diskurs unreflektiert und romantisierend weiter? Das sind Begrifflichkeiten, die wir genauso schon vor über 100 Jahren lesen konnten und hinter denen sich die Zerstörung gewachsener Wirtschaften in Übersee und die gnadenlose Ausbeutung der angeeigneten Gebiete verbargen. Ist also aus der kolonialen Botanik eine neo-koloniale geworden? Quelle: Botanischer Garten/Flora - Desintegration!
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (1)
- Im Garten
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Details
- Aktenzeichen
- AN/0252/2026
- Typ
- Die Linke. Anfrage nach § 4
- Datum
- 10.02.2026
- Erstellt
- 09.02.2026 16:38