V/0683/2008
1988 - 2008: 20 Jahre AIDS-Prävention am Gesundheitsamt in Münster
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Berichtsvorlage
19880 Zeichen
V/0683/2008
DER OBERBÜRGERMEISTER
Gesundheitsamt
Betrifft
1988 - 2008: 20 Jahre AIDS-Prävention am Gesundheitsamt in Münster
Beratungsfolge
09.09.2008 Ausschuss für Gleichstellung Bericht
10.09.2008 Ausländerbeirat Bericht
16.09.2008 Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeitsförderung Bericht
Bericht:
1982 wurden auch in Deutschland die ersten Erkrankungen aufgrund einer HIV-Infektion gemel-
det, in Münster erstmals 1984. Der Verlauf der Krankheitsausbreitung, die Übertragungswege
und die soziale Problematik für die Betroffenen, die bereits mit der Infektion begann, sowie die
Stigmatisierung der Risikogruppen erforderten einen besonderen Aufklärungs-, Beratungs- und
Betreuungsbedarf. So wurde in Münster die AIDS-Hilfe als eine der ersten im Land gefördert. Da
der häufigste der sexuelle Übertragungsweg ist, wurde am Gesundheitsamt die sozialmedizini-
sche Beratungsaufgabe durch die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle für sexuell übertragbare
Krankheiten (STD) wahrgenommen.
Eine Sachverständigenanhörung im Herbst 1987 zum Thema AIDS-Problematik in Münster
machte weiteren Handlungsbedarf deutlich. Mit Unterstützung des Bundes wurde 1988 am Ge-
sundheitsamt eine eigenständige AIDS-Beratungsstelle mit einer Ärztin (1/2 Stelle) und einer
Sozialpädagogin (1/2 Stelle) eingerichtet. Nach 20-jähriger Arbeit und Erfahrung in diesem Hand-
lungsfeld AIDS-Prävention vor dem Hintergrund der epidemiologischen Entwicklung wird hiermit
die Situation in Münster dargestellt.
Epidemiologische Situation
Die HIV/AIDS-Pandemie hat sich seit Beginn der 80er Jahre weltweit ausgebreitet. Nach neues-
ten Zahlen leben zurzeit 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus - 67 Prozent davon in Län-
dern südlich der Sahara. Im Jahr 2007 betrug die Zahl der Neuinfektionen 2,7 Millionen. Ein
massiver Anstieg der Neuinfektionen wird besonders in China, Russland und der Ukraine beo-
bachtet.
Auch wenn die Situation in Deutschland aufgrund früh begonnener effektiver Präventions-
maßnahmen sehr viel günstiger ist, steigt die Zahl der HIV-Neudiagnosen seit 2001 zwar auf
niedrigem Niveau, aber kontinuierlich an: 2007 wurden dem Robert Koch-Institut 2.752 neu diag-
Vorlagen-Nr.:
V/0683/2008
Auskunft erteilt:
Frau Brosda
Ruf:
492-5361
E-Mail:
BrosdaM@stadt-muenster.de
Datum:
21.08.2008
Öffentliche Berichtsvorlage
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107
19
58
unbekannt
heterosexuell
Mann-Mann-Kontakt
Hochprävalenzländer
i.v.Drogen
nostizierte HIV-Infektionen gemeldet. Das ist gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme von 4%.
Überwiegend betroffen sind Männer, die Sex mit Männern haben (MSM).
Gleichzeitig wird eine Zunahme anderer sexuell übertragbarer Erkrankungen wie Gonorrhöe und
Syphilis beobachtet, durch die eine Infektion mit dem HI-Virus begünstigt wird.
Dieser Trend ist auch im Münsterland zu beobachten. Hier stieg die Zahl der HIV-Neudiagnosen
von 34 auf 41, für die Stadt Münster wurde ein Rückgang von 19 auf 15 Fälle gegenüber dem
Vorjahr verzeichnet.
Anders bei der Syphilis: 2007 wurden für Müns ter 19 Neuerkrankungen gemeldet, davon 15 bei
Männern mit Mann- Mann-Kontakten, im Vorjahr waren es (nur) 9 gemeldete Fälle.
Gemeldete HIV-Neudiagnosen für Münster im Zeitraum 2001 – 2007:
0
5
10
15
20
25
2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
HIV-Neudiagnosen
Männer
Frauen
Aufteilung der HIV-Neudiagnosen für Münster im Zeitraum von 2001 – 2007 nach Infektionsrisiko:
Quelle:»Robert Koch-Institut: SurvStat, http://www3.rki.de/SurvStat, Datenstand: 01.08.2008
Für Münster wurden seit 2001 keine Neuinfektionen durch Mutter/Kindübertragung und durch
Blutprodukte gemeldet. Hintergrund sind verbesserte Therapiemöglichkeiten und höhere Sicher-
heitsstandards.
AIDS-Beratung und HIV-Antikörper-Test
AIDS-Bekämpfung in Deutschland hat seit Beginn der Epidemie auf Aufklärung, Prävention und
Solidarität mit Betroffenen gesetzt. Diese Aufgabe wird für die Gesamtbevölkerung vom öffentli-
chen Gesundheitsdienst, ergänzend für besondere Zielgruppen von den lokalen AIDS-Hilfen als
Einrichtungen der Selbsthilfe unter dem Dach der Deutschen AIDS-Hilfe wahrgenommen.
Im Gesundheitsamt Münster gibt es seit 1988 eine eigene AIDS-Beratungsstelle.
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Seit Inkrafttreten des Gesetzes über den öffentlichen Gesundheitsdienst des Landes Nordrhein-
Westfalen (ÖGDG) im Dezember 1997 sind die AIDS-Beratung als besonderes Beratungsange-
bot, anonyme HIV-Untersuchungen und die Koordination von Prävention, Beratung und Ver-
sorgung zu AIDS und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen Pflichtaufgaben der unteren
Gesundheitsbehörde (ÖGDG §§ 9, 15(2), 23). Das 2001 in Kraft getretene Infektionschutzgesetz
verpflichtet die Gesundheitsämter, Beratung und Untersuchung und ggf. Therapie zu sexuell ü-
bertragbaren Krankheiten anzubieten und über spezielle Maßnahmen zur Prophylaxe übertrag-
barer Erkrankungen zu informieren (IfSG §§ 19, 20(1) sowie §§ 3, 16, 17(4).
Im Jahr 2006 wurden im Rahmen von notwendigen Neustrukturierungen die Arbeitsbereiche
„Geschlechtskrankenfürsorge“ und AIDS-Beratung zur „Beratungsstelle für AIDS und andere se-
xuell übertragbare Erkrankungen“ (AIDS/STD) zusammengeführt, personell ausgestattet mit je ½
Stelle für eine Ärztin und für eine Diplom-Sozialpädagogin. Die Beratungsstelle für AIDS/STD ist
der Fachstelle für Sozialmedizinische Beratung und Hilfen zugeordnet.
Tätigkeiten
1999
AIDS
….. …..
2005
AIDS
2006
AIDS/STD
2007
AIDS/STD
Beratungen 1604 1798 2187 1969
positiv positiv positiv positiv
HIV-AK-Tests 610 2 603 2 590 3 595 2
Männer 325 330 315 310
Frauen 285 273 275 285
TPPA-Tests
(Syphilis)
57 2 59 2 81 3
Männer 41 54
Frauen 18 27
Quelle: statistischer Jahresbericht des Gesundheitsamtes Münster
Die Inanspruchnahme von Beratungs- und Testangebot der AIDS/STD-Beratung des Gesund-
heitsamtes bewegt sich seit Jahren auf glei chbleibend hohem Niveau. AIDS-Beratung im Ge-
sundheitsamt ist anonym und kostenlos. Sie beinhaltet immer Beratung und bei Indikation auch
Untersuchung zu anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen.
Seit 2006 bietet das Gesundheitsamt aufgrund der steigenden Syphiliszahlen und gestützt auf
den Aktionsplan zur Umsetzung der HIV/AIDS-Bekämpfungsstrategien der Bundesregierung
Männern mit Mann-Mann-Kontakten aktiv eine Untersuchung auf Syphilis an.
Seit der Entwicklung lebensverlängernder Medikamente (1996) ist AIDS in Deutschland von einer
tödlichen zu einer chronischen Erkrankung geworden. Dadurch hat auch der sogenannte „AIDS
-
Test“ einen anderen Stellenwert bekommen: es gilt, Infektionen möglichst früh zu erkennen und
optimal zu behandeln.
Während AIDS-Beratung vor 20 Jahren unabhängig vom Testergebnis „nur“ zu dauerhaft prä-
ventivem Verhalten (safer sex, safer use) motivieren und positiv getesteten Menschen psychoso-
ziale Begleitung bei der Bewältigung dieser Situation anbieten konnte, ist die Testberatung im
Gesundheitsamt seit 1996 sehr viel komplexer geworden:
• Sie bietet Beratung und Diagnostik zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Erkran-
kungen (STD’s) an,
• berät zu Wirkung und Nebenwirkung von Therapie und
• vermittelt präventiv umfassende individuell auf die persönliche Situation zugeschnittene
Informationen, mit dem Ziel, den Klienten ein kompetentes und differenziertes Risikoma-
nagement zu ermöglichen
.
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AIDS-Prävention
Mitte der 80er Jahre plädierte Rita Süssmuth als Bundesgesundheitsministerin für Aufklärung
und Beratung statt Repression, und der damalige NRW - Gesundheitsminister Heinemann initiier-
te ergänzend zu dem Bundesmodell „AIDS-Fachk räfte der Gesundheitsämter“ das „Youthwork-
Programm“. Durch personale Kommunikation sollten Jugendliche zielgruppenspezifisch aufge-
klärt werden Finanziert wurden die Youthworker-Stellen aus Mitteln des Landes NRW, der
Kommunen und aus Eigenmitteln der jeweiligen Trägereinrichtungen. 1988 gab es in Münster 7
Youthworker-Stellen, nach sukzessiver Reduzierung der Landesmittel ist die überwiegende Zahl
der freien Träger aus dem Landesprogramm ausgestiegen.
Übrig geblieben ist für Münster noch 1 Fachstelle bei der AIDS-Hilfe Münster e.V.. Eine weitere,
beim Landesverband Jugendrotkreuz mit Sitz in Münster angesiedelte Fachkraft ist verbandsin-
tern überregional tätig. Erfreulich ist, dass es in Münster eine Vernetzung mit den ehemaligen
Youthworkern gibt, die innerhalb ihrer Verbandsstrukturen i.d.R. sexualpädagogisch tätig sind
und so weiterhin Präventions- und Multiplikatorenarbeit leisten.
Diese Kooperationsstrukturen ermöglichen auch große Präventionsveranstaltungen: 2005 haben
Gesundheitsamt und AIDS-Hilfe mit Unterstützung zahlreicher Kooperationspartner Jugendfilm-
tage organisiert. Mittels Filmen zum Thema AIDS und Sexualität und verschiedenen Mit-mach-
Aktionen konnten an 2 Tagen über 1.600 Jugendliche erreicht werden.
Nach wie vor ist AIDS-Prävention in Schulen
eine wichtige und notwendige Aufgabe, die in Müns-
ter vom Gesundheitsamt und der AIDS-Hilfe geleistet wird.
Das Gesundheitsamt arbeitet eng mit Lehrerinnen und Lehrern und Kolleginnen und Kollegen der
Schulsozialarbeit zusammen. „AIDS-Prävention im Kontext allgemeiner Gesundheitserziehung“
ist ein sexualpädagogisches Angebot, entwickelt von der AIDS-Beratung des Gesundheitsamtes,
das als Ergänzung zum Unterricht konzipiert ist, Wissenslücken füllt und dazu anregt, über Ge-
sundheit, Verantwortung und Schutzverhalten nachzudenken.
AIDS-Prävention für Migrantinnen und Migranten
In Deutschland werden 11% der HIV-Neudiagnosen bei Menschen mit Migrationsvorgeschichte
festgestellt; oft erst dann, wenn die Infektion schon weit fortgeschritten ist. Kulturelle und sprach-
liche Barrieren, Unsicherheit gegenüber dem Gesundheitssystem, Angst vor Abschiebung und
AIDS als großes Tabuthema sind nur einige Gründe, die den Zugang zu Prävention und Behand-
lung erschweren oder unmöglich machen. Die Mitarbeiterinnen der AIDS/STD-Beratung des Ge-
sundheitsamtes nutzen vorhandene Strukturen wie Sprachkurse, Stadtteilgruppen und etablierte
Angebote im Migrationsbereich, um vor Ort mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.
Bevorzugte Ansprechpartnerinnen sind Frauen, die in den Familien „die Gewährsträgerinnen für
Gesundheit“ sind. Wenn Frauen gut informiert sind, können sie dieses Wissen an ihre Kinder
weitergeben und dazu beitragen, dass Familienplanung sowie der Schutz vor AIDS und anderen
Erkrankungen nach und nach in den Alltag der Jugendlichen integriert werden.
AIDS-Prävention ist fester Bestandteil im „MIMI-Projekt“, bei „Gesund aufwachsen in …Berg Fi-
del“, im Projekt „Brücken bauen“ und beim Frauenfrühstück des AKI.
Durch Schulung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gelingt es, dieses sensible Thema
kulturkreisangemessen den Menschen mit Migrationsvorgeschichte zugänglich zu machen. Die
AIDS/STD-Beratung ist eingebunden in das „Stadtweites Netzwerk – Integration für Menschen
mit Migrationsvorgeschichte“.
AIDS-Prävention für Männer mit Mann-Mann-Kontakten
Aufklärungs- und Präventionsarbeit für schwule und bisexuelle Männer wird in Münster von der
„Herzenslust“-Gruppe der AIDS-Hilfe geleistet. Unter dem Label „Herzenslust“ gründeten sich ab
1995 in ganz NRW Gruppen, die neue Ideen zur HIV-Prävention entwickelten. Sie werden in ih-
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ren Maßnahmen und Aktionen durch zentrale Veranstaltungen und die Koordination durch den
Landesverband AIDS-Hilfe NRW e.V. unterstützt.
Mit unterschiedlichen Aktionen auf schwulen bzw. schwul-lesbischen Partys und an anderen
Szeneorten bringen die Akteure das Thema Sex und Gesundheit in die schwule Szene der Stadt.
Sie klären auf über Wechselwirkungen zwischen den traditionellen Geschlechtskrankheiten und
HIV und geben Informationen zum Beratungs- und Untersuchungsangebot des Gesundheitsam-
tes weiter. Mittlerweile sind 30% des Klientels der AIDS/STD-Beratungsstelle Männer mit Mann-
Mann-Kontakten. Das Angebot von Beratung und Untersuchung durch eine Ärztin ist für dieses
Klientel besonders wichtig.
Medizinische Versorgung und psychosoziale Betreuung
Die medizinische Betreuung von HIV- und AIDS-PatientInnen findet in Münster vornehmlich in
zwei Schwerpunktpraxen und in der HIV-Ambulanz der Universitätsklinik statt. Betreut werden
600-700 PatientInnen, davon sind ca. 40% aus Münster.
Die Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten hat dazu geführt, dass der direkte Betreuungs-
bedarf bei AIDS-Erkrankten rückläufig ist, der Bedarf an Lebens- und Sozialberatung aber deut-
lich zugenommen hat. Die AIDS-Hilfe Münster berichtet in ihrem Jahresrückblick 2007 von Kon-
takten zu 190 Menschen mit HIV und AIDS.
Wenn häusliche Betreuung notwendig ist, wird sie von Pflegediensten und/oder ehrenamtlichen
Mitarbeitern der AIDS-Hilfe Münster e.V. geleistet.
Zukünftige Herausforderungen
Auf der 17. Welt-AIDS-Konferenz vom 03.-08. August 2008 in Mexico-City haben Wissenschaftler
deutlich gemacht, dass - trotz aller Fortschritte im Therapiebereich - ein Impfstoff gegen das HI-
Virus in den nächsten Jahren nicht zu erwarten ist, die Lebenserwartung aber durch eine frühe
Diagnose und rechtzeitige Therapie erheblich verlängert und die Wahrscheinlichkeit für eine
AIDS-Demenz deutlich gesenkt werden kann.
Auf diesem Hintergrund ist es notwendig, die bisherigen Präventionsansätze zu überprüfen und
den geänderten Rahmenbedingungen anzupassen. Ziel v on Aufklärung und Prävention ist nach
wie vor, die Zahl der HIV-Neuinfektionen zu minimieren, die Hilfen für Betroffene weiter zu
verbessern und ein soziales Klima zu schaffen, das geprägt ist von Solidarität mit den Betroffe-
nen und von Akzeptanz unterschiedlichster Lebensweisen.
Handlungsfeld Beratung und Test für die Allgemeinbevölkerung
Seit es bessere Behandlungsmöglichkeiten für HIV gibt, hat der HIV-Test eine neue Bedeutung
bekommen. Die frühe Diagnostik einer HIV-Infektion ermöglicht einen rechtzeitigen Therapiebe-
ginn. Rechtzeitige Diagnostik und Therapie von anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen
kann Neuinfektionen mit HIV verhindern.
Die AIDS/STD-Beratungsstelle des Gesundheitsamtes hat eine hohe Akzeptanz in der Bevölke-
rung. Die personelle Besetzung der Beratungsstelle mit einer Ärztin und einer Diplom-
Sozialpädagogin hat sich bewährt. Durch die enge Kooperation mit der Fachstellenleitung (Fach-
ärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe) konnte das Angebot bedarfsorientiert ergänzt und wei-
terentwickelt werden. Die Ansiedlung der Beratungsstelle im Gesundheitsamt bietet die Möglich-
keit, zeitnah auf die Fachkompetenz anderer Abteilungen zurückzugreifen (Tuberkulose, Labor,
Sozialpsychiatrischer Dienst).
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Zu den Qualitätsmerkmalen der AIDS/STD-Beratung zählen
• Anonymität, Vertraulichkeit und Kostenfreiheit
• individuelle Beratung vor dem Test und bei der Ergebnismitteilung
• fachlich aktuelle medizinische Beratung und Diagnostik
• Untersuchung auf HIV, Syphilis und andere sexuell übertragbare Erkrankungen
• fachliche Beratung bei AIDS-Phobikern (psychotherapeutisch weitergebildete Ärztin)
• kompetente Sozialberatung
• Vermittlung in weitere Hilfestrukturen (Betreuung, ärztl. Versorgung)
Frühes Wissen um die eigene Infektion bedeutet Zugang zu Therapie für die Betroffenen, verhin-
dert die Weitergabe der Infektion an andere SexualpartnerInnen. Aufgabe von AIDS/STD-
Beratung ist es,
• diese Zusammenhänge noch stärker als bisher zu kommunizieren,
• Zugangsmöglichkeiten zum Test für Menschen mit hohem Risiko zu verbessern,
• neue Untersuchungsmethoden (Schnelltest) zu prüfen und bei Bedarf in das vorhandene
Angebot einzubinden.
Handlungsfeld Schulische Prävention
Wie jährliche repräsentative Umfragen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
zeigen, haben Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren einerseits ein hohes Basiswissen zu HIV
und AIDS, auf der anderen Seite ist ihr Wissensstand in wichtigen Bereichen lückenhaft: 1/5 der
befragten Jugendlichen wusste nicht, dass Menschen mit HIV andere bereits vor Ausbruch der
Erkrankung anstecken können, 15% waren sich nicht sicher, wie man sich richtig vor AIDS
schützen kann. Bei der Befragung der 12-14 Jährigen fiel auf, dass ein hoher Prozentsatz der
Meinung war, AIDS gäbe es nur in Afrika.
Nachhaltige AIDS-Prävention in der Schule braucht
• ein kontinuierliches und altersangemessenes Angebot, das ergänzend
zum Biologie- und
Sexualkundeunterricht Wissenslücken schließt und den Jugendlichen Handlungskompe-
tenz für die individuelle Lebenssituation vermittelt.
• ein Umfeld, in dem Gesundheit und Eigenverantwortung ein hoher gesellschaftlicher
Wert sind.
• Toleranz und Offenheit sowie dauerhaft Ansprechpartner „vor Ort“.
In Münster wird das Angebot von AIDS-Hilfe und Gesundheitsamt zu AIDS-Prävention bereits
von vielen Schulen angefragt. Kontinuierliche AIDS-Prävention in Schulen ist personal- und zeit-
intensiv. Um den Anforderungen gerecht werden zu können bedarf es vermehrt
• Kooperation mit Einrichtungen, die sexualpädagogisch arbeiten.
• Multiplikatorenausbildung und Peergroup education.
Handlungsfeld AIDS-Prävention für Männer mit Mann-Mann-Kontakten
Auch in Münster werden die meisten HIV-Neudiagnosen bei Männern mit Mann-Mann-Kontakten
festgestellt. Die Altersverteilung zeigt, dass überwiegend Männer ab 35 betroffen sind. Es ist da-
von auszugehen, dass diese Infektionen schon längere Zeit bestehen.
Die steigende Zahl von Syphilisinfektionen kann als Indiz gewertet werden, dass konsequentes
Schutzverhalten rückläufig ist und safer sex neu definiert werden muss.
Um diesem Trend entgegenzuwirken, muss AIDS-Prävention für Männer mit Mann-Mann-
Kontakten
• einer Verharmlosung der HIV-Infektion deutlich widersprechen,
• verstärkt auf die Zusammenhänge von HIV, STD’s und Hepatitis hinweisen,
• niedrig schwellige Untersuchungsangebote vorhalten,
• über Therapie informieren,
• Prävention in der Szene intensivieren und im Internet ausbauen.
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Als neues Präventionsprojekt für Männer mit Mann-Mann-Kontakten wird ab September 2008 in
Münster das „Saunaprojekt“ gestartet:
In Kooperation mit der AIDS-Hilfe und einem schwulen Saunabetrieb bietet das Gesundheitsamt
jeden 1. Mittwoch im Monat Beratung und Untersuchung in der Sauna an. Die Ärztin der
AIDS/STD-Beratung wird vor Ort Untersuchungen auf HIV-und Syphilis durchführen, zu Hepatitis
und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen beraten und bei Bedarf einen ergänzenden
Untersuchungstermin im Gesundheitsamt anbieten. Unterstützt wird sie dabei von einem erfah-
renen Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Münster e.V.
Ressourceneinsatz
AIDS-Prävention ist im wesentlichen Aufgabe der Kommunen und Kreise.
Am Gesundheitsamt gibt es ½ Diplomsozialarbeiterstelle und ½ Arztstelle für die AIDS/STD-
Beratung.
Die Stadt Münster fördert die AIDS-Hilfe Münster e.V. mit einem jährlichen Pauschalzuschuss
von aktuell 147.820 €; bis 2007 waren es 127.820 €.
Das Land NRW hat 2007 über den Weg der Kommunalisierung von Landesmitteln beschlossen,
die Landesförderung für die AIDS-Hilfen und für die Youthworker den Kommunen als pauschale
Zuwendung zur Verfügung zu stellen. Die Höhe der Pauschale ist noch nicht abschließend ge-
klärt. Für die Jahre 2007 und 2008 ist keine Kürzung der Mittel gegenüber den Vorjahren erfolgt.
Um die Arbeit auf kommunaler Ebene weiter zu optimieren ist der Abschluss von Leistungsver-
einbarungen in absehbarer Zeit vorgesehen.
In Vertretung
gez.
Thomas Paal
Stadtrat
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Vorlagen-Nr.
- V/0683/2008
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 18.08.2008
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37