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Kölner Stadtentwicklung nach Corona
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Corona-Studie_Endfassung
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Kölner Stadtentwicklung nach Corona Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Umsetzung der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ 3 Inhalt Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 1 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 1 Dezentrale Stadtstruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 2 Stärkere und kooperierende Daseins grundfunktionen . . . 8 3 Resiliente Wirtschaftsstrukturen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 4 Integriertes Mobilitätssystem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 5 Multifunktionaler Stadtraum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 2 Anlass und Hintergrund der Studie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 3 Methodisches Vorgehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 4 Auswirkungen in den Themenfeldern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 4 .1 Wirtschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 4 .2 Arbeitswelt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 4 .3 Mobilität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 4 .4 Wohnen und Leben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 4 .5 Bildung und Chancen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 4 .6 Soziale und medizinische Versorgung . . . . . . . . . . . . . . . . 31 5 Schlussfolgerungen für die Stadtentwicklung in Köln . . . . . 34 5 .1 Dezentrale Stadtstruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 5 .2 Stärkere und kooperierende Daseinsgrundfunktionen . 36 5 .3 Resiliente Wirtschaftsstrukturen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 5 .4 Integriertes Mobilitätssystem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 5 .5 Multifunktionaler Stadtraum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 6 Auswirkungen auf die Umsetzung der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 Quellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 Mitwirkende . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 Kontakt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 4 Sehr geehrte Leser*innen, die Corona-Pandemie war die zentrale Herausforderung der letzten Jahre . Obwohl wir den Eindruck haben, die Pandemie sei überwunden und neue Krisen unseren Alltag prägen, wirkt Corona bis heute in unser Leben . Die Auswirkungen waren und sind vielschichtig: Wirtschaft, Arbeit, Gesundheit, Mobilität und Gesellschaft; in allen Bereichen hat die Pandemie ihre Spuren hinterlassen . Um diese Auswirkungen auf die Umsetzung unserer Stadt- strategie „Kölner Perspektiven 2030+“ und die Stadtent- wicklung im Allgemeinen untersuchen zu lassen, haben wir diese Studie beauftragt . Das nun vorliegende Ergebnis zeigt, dass unsere Zielausrichtungen in der Stadtentwicklung und insbesondere in der Stadtstrategie richtig gesetzt sind . Dies freut mich umso mehr, da der Erarbeitungsprozess der „Kölner Perspek- tiven 2030+“ zu Beginn der Corona-Pandemie größtenteils abge- schlossen war . Wir sind also auf dem richtigen Weg! Die Studie zeigt aber auch, dass wir unsere thematische Schwer- punktsetzung überprüfen müssen . So haben unsere Veedel als Orte von Nachbarschaft und gemeinschaftlichem Leben an Bedeutung gewonnen . Damit verbunden sind gestiegene Anforderungen an öffentliche Räume wie Straßen und Plätze und vor allem an Parks und Grünflächen . Entgegen aller Prognosen sind wir in Köln insgesamt wirtschaftlich gut durch die Pandemie gekommen . Das liegt vor allem an der Viel- fältigkeit der in Köln angesiedelten Branchen, dem Wirtschaftsmix, Vorwort 5 der uns gut durch die Pandemie getragen hat . Schauen wir jedoch konkret auf die einzelnen Wirtschaftszweige, zeigt sich in Teilen ein anderes Bild . Die Pandemie hat auch weitreichende Veränderungen in den Bereichen Wohnen und Arbeiten ausgelöst . So arbeiten wir mehr im Homeoffice und sind digital gut ausgestattet . Die gute Infrastruktur unsere Veedel hat eine höhere Wertschätzung für unser direktes Umfeld hervorgebracht . Dadurch hat aber auch der innerstädtische Einzelhandel Einbußen erfahren, sodass wir bereits heute die Neu- ausrichtung der Innenstadt in den Blick nehmen . Die Studie zeigt im Ergebnis, dass die Corona-Pandemie Entwick- lungen und Veränderungen ausgelöst hat, die ein umsichtiges und nachhaltiges Handeln aller Akteur*innen der Stadt bedarf . Sie kann damit auch als Chance für eine nachhaltige, inklusive und resiliente Stadtentwicklung gesehen werden und ermutigt mich, mein Han- deln in diesem Sinne ausrichten . Ihr Andree Haack Beigeordneter für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Digitalisierung und Regionales Köln, August 2023 6 Mit der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ hat sich die Stadt Köln der Aufgabe gestellt, eine strategische Ausrichtung zu finden, um ihre Qualitäten als wettbewerbsfähige, klimaresiliente, vielfältige und lebenswerte Stadt zu sichern und zu steigern . Die Stadtstrategie ist als ein lebendiges Produkt zu verstehen, das einer stetigen Konkretisierung und Weiterentwicklung bedarf . Insbeson- dere bei disruptiven Veränderungen wie der Corona-Pandemie ist es deshalb notwendig, die Gültigkeit der Inhalte der Stadtstrategie zu überprüfen und gegebenenfalls die Priorisierung des Zielsystems neu zu bewerten . Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Umsetzung der „Kölner Perspektiven 2030+“ bestätigen in allen wesentlichen Punkten die vorhandenen Ziele der Stadtstrategie. Dennoch hat die Corona-Pandemie den Fokus auf bestimmte Handlungsbereiche verstärkt . So hat sie deutlich gemacht, dass die Bedeutung der Veedel als Zentren des gemeinschaftlichen Lebens zugenommen hat, dass eine attraktive Wohnumgebung mit Parks und Grünflächen wichtiger geworden und dass ein breiter Wirtschaftsmix besonders in Krisen ein sicheres Standbein ist . Viele Herausforderungen werden aufgrund der langfristigen Auswir- kungen der Pandemie nun noch deutlicher, wie die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, die Gestaltung einer kinder- und jugend- freundlichen Stadt, die Förderung von Sport und Bewegung und die Realisierung der Mobilitätswende . Die Corona-Pandemie kann vor dem Hintergrund der Studien- ergebnisse als Chance für eine nachhaltigere und resilientere Stadtentwicklung begriffen werden. 1 Zusammenfassung 7 Die Pandemie hat weitreichende Veränderungen in Wohn- und Arbeitsmodellen sowie Mobilitätspraktiken hervorgebracht und zu einer verstärkten Nahraumorientierung von Versorgungs- und Frei- zeitaktivitäten geführt . Die Pandemie dient deshalb in vielen Teilen als Motivation und Legitimation für die Anliegen einer nachhaltigen Entwicklung und einem Paradigmenwechsel zugunsten einer inklu- siveren, nachhaltigeren, digitalen und smarten Stadtentwicklung . Folgende fünf zentralen Schlussfolgerungen für die zukünftige Stadtentwicklung lassen sich aus den Ergebnissen der Studie ableiten: 1 Dezentrale Stadtstruktur Durch die Corona-Pandemie ist die Innenstadt besonders in den Fokus geraten und hat eine Bedeutungsverschiebung erfahren. Eine verstärkte Nutzungsdurchmischung birgt hohe Chancen für die Kölner Innenstadt. Erfordernisse für die Stadtentwicklung › Die Nutzungsdurchmischung für eine höhere Innovationsattrakti- vität und -aktivität in der Innenstadt gezielt fördern › Vielfältige Möglichkeiten für soziales und kulturelles Erleben im innerstädtischen Raum schaffen, um die Aufenthaltsattraktivität zu erhöhen › Geschäfts- und Büroflächen innovativ, co-kreativ, temporär sowie sektorenübergreifend denken und entwickeln › Die Veedel als Zentren des nachbarschaftlichen Zusammenhalts mit einer guten Sozial- und Gesundheitsinfrastruktur und Nah- versorgung weiterentwickeln 2 Stärkere und kooperierende Daseins grundfunktionen Die Pandemie hat Belastungsgrenzen aufgezeigt . Um auch zukünf- tige Krisen gemeinsam erfolgreich zu bewältigen, ist es sinnvoll jetzt in den Aufbau resilienter und vorausschauender Strukturen zu investieren, die ein flexibles Krisenmanagement ermöglichen . 8 Erfordernisse für die Stadtentwicklung › Starke und kooperierende Netzwerke der Daseinsgrundvorsorge für eine ganzheitliche Begleitung bedürftiger Menschen schaf- fen, um einer wachsenden Ungleichheit entgegenzuwirken › Bildungsungleichheit mit gezielten Programmen reduzieren › Die Interessen von Kindern und Jugendlichen bei der Stadtent- wicklung noch stärker berücksichtigen › Weitere einfach zugängliche Frei- und Bewegungsräume für Kinder und Jugendliche zur Selbstorganisation und -gestaltung schaffen › Bürgerschaftliches Engagement und Möglichkeiten der Selbst- wirksamkeit und Beteiligung weiter institutionalisieren und verstetigen (insbesondere von sozioökonomisch schwächeren Sozialgruppen) › Dem Fachkräftemangel im Bereich Gesundheitsversorgung durch eine umfassende Attraktivierung des Pflegeberufs entgegensteuern 3 Resiliente Wirtschaftsstrukturen Kölns Wirtschaft hat durch eine diversifizierte Branchenstruktur sowie flexibles Agieren der Unternehmen die Corona-Krise gut gemeistert und Resilienz bewiesen . Erfordernisse für die Stadtentwicklung › Die Diversität in der Branchenstruktur für mehr Resilienz gegen- über Krisenereignissen und tiefgreifenden Transformationspro- zessen erhalten, festigen und weiterentwickeln › Strukturelle Veränderungen in Wirtschaftsbranchen aktiv mit den Unternehmen und Akteur*innen wie Industrie- und Handelskam- mer, Handwerkskammer, KölnBusiness Wirtschaftsförderungs- GmbH, Stadtverwaltung und Beteiligungsverwaltung begleiten und unterstützen › Den Auf- und Ausbau digitaler Infrastrukturen und Kompetenzen vor allem für kleine und mittlere Unternehmen mit geringen zeit- lichen, finanziellen sowie fachlichen Ressourcen fördern › Innovationskompetenzen, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität im Sinne der Krisenresilienz der Kölner Wirtschaft weiter stärken Zusammenfassung 9 4 Integriertes Mobilitätssystem Die Corona-Pandemie hat ambivalente Auswirkungen auf die Ziele der Mobilitätswende . Erfordernisse für die Stadtentwicklung › Köln als Destinationsraum stärken und den städtischen, regionalen und überregionalen ÖPNV weiterentwickeln › Rush Hours durch abgestimmte Start- und Endzeiten in Schulen, Unternehmen und der öffentlichen Hand aktiv steuern und vorbeugen › Mit digitalen Anwendungen, zum Beispiel Echtzeitauslastungsanzei- gen in Apps, individuelle Mobilitätsentscheidungen erleichtern und Stoßzeiten entzerren › Im Sinne einer ökologisch-nachhaltigen Mobilitätswende den Umweltverbund, bestehend aus Rad- und Fußverkehr, ÖPNV sowie Car-Sharing Angeboten, weiter auszubauen › Verkehrsräume multifunktional im Sinne einer sozialen und klima- ökologischen Nutzung umgestalten und mehr Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raumes für die Bewohner*innen schaffen 5 Multifunktionaler Stadtraum Die Bedeutung der näheren Wohnumgebung ist gestiegen . Um den veränderten Wohnbedarfen gerecht zu werden, sollte der Stadtraum multifunktional gedacht und entwickelt werden . Erfordernisse für die Stadtentwicklung › Freiräume und Grünflächen bedarfsorientiert ausbauen und pflegen › Nachbarschaft, sozialer Zusammenhalt und Gesundheit durch mehr Sozial- und Bewegungsräume in den Veedeln unterstützen und ausbauen › Eine heterogene Bevölkerungszusammensetzung aktiv für einen sozial gesunden Wohnungsmarkt steuern › Stadtraum in seiner vielfältigen Funktion erkennen und vor allem als Ort von und für soziale, demokratische und wirtschaftliche Innovatio- nen entwickeln 10 Die Stadt Köln hat mit der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ einen Kompass entwickelt, der Orientierung im Umgang mit großen Herausforderungen bietet . Mit der Fertigstellung der Stadtstrategie Ende 2020 konnten die tiefgreifenden Auswirkungen und Veränderungen, die die Corona-Pandemie als einschneidendes Ereignis hervorgerufen hat, nicht angemessen berücksichtigt werden . Auch wenn die Pandemie mittlerweile durch neuaufgekommene Krisen überlagert wird, hat sie direkte Folgen für das Leben der Kölner Bürger*innen, die auch heute noch spürbar sind . Das pandemische Ereignis hat Spielregeln, Werte, Strukturen und Systeme verändert und vielen Trends einen Schub gegeben – von der Digitalisierung bis zu einem zunehmenden gesellschaftlichen Ungleichgewicht . Die Veränderungen waren und sind in allen Teilen des alltäglichen Lebens spürbar: In Politik und Verwaltung, Wirt- schaft und Industrie, Bildung und Forschung, in der Gesellschaft und im Privatleben sowie bei ökologischen und technologischen Entwicklungen . Um als Stadt angemessen auf die disruptiven Veränderungen, die die Pandemie hervorgerufen hat, reagieren zu können, bedarf es einer neuen Begutachtung der bisherigen Strategien zur Entwick- lung und Gestaltung von Städten . Die Stadt Köln hat deshalb die Prognos AG beauftragt, die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Stadtentwicklung und die Umsetzung der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ zu analysieren . Die Studie ist dabei als Ergänzung und Unterstützung zur Umsetzung der Stadtstrategie zu verstehen . 2 Anlass und Hintergrund der Studie 11 Die Analyse erfolgte anhand von folgenden Leitfragen: › Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf städtische Funk- tionen wie zum Beispiel Mobilität, Bildung oder Nahversorgung und -erholung genommen? › Wie wirkt sich die Pandemie auf städtische Raumeinheiten, wie zum Beispiel Innenstadt, Wohnquartiere, Gewerbegebiete, Grün- flächen oder Erholungsflächen aus? › Inwiefern hat die Corona-Pandemie Trends und Treiber des Wan- dels im Allgemeinen beeinflusst? › Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf die Umset- zung der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ insgesamt? Auch wenn die kurzfristigen Effekte der Corona-Pandemie im Alltag besonders sichtbar und spürbar waren, sind für die strategische Stadtentwicklung und ihren mittel- bis langfristigen Planungshori- zonten besonders die bleibenden Folgen der Pandemie interessant und werden deshalb in der Analyse hervorgehoben . Um die Leitfragen angemessen zu beantworten, liegt der Fokus der Studie auf den Folgen der Corona-Pandemie, wohlwissend, dass nachfolgende Krisen ebenfalls tiefgreifende Auswirkungen auf die Stadtentwicklung und -gesellschaft haben . Diese bedürfen aller- dings einer gesonderten Betrachtung und werden in dieser Studie deshalb nur tangiert . 12 3 Methodisches Vorgehen Um eine umfassende Sicht auf die vielfältigen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Stadtentwicklung der Stadt Köln zu bekommen, wurden sowohl kölnspezifische Daten als auch Unter- suchungen aus anderen Großstädten ausgewertet . In der ersten Phase des Projekts wurden wissenschaftliche Studien analysiert, die einen exogenen Blick auf die Auswirkungen der Corona-Pan- demie in Großstädten im Allgemeinen erlauben . In der zweiten Phase wurde den Ergebnissen aus der Literatur- analyse eine endogene Perspektive entgegengesetzt, um Schluss- folgerungen für die Kölner Stadtentwicklung abzuleiten . Für die kölnspezifische Einordnung sind sowohl Fachgespräche mit Expert*innen aus Kölner Institutionen und Organisationen als auch aus der Kölner Stadtverwaltung geführt worden . Darüber hinaus Phase 3: Gemeinsamer Blick auf die notwendigen Handlungsbedarfe für Köln Phase 4: Formulierung einer Broschüre als Ergänzung zu den „Kölner Perspektiven 2030+“ Phase 1: Exogener Blick auf Corona bedingte Veränderungen für die Stadtentwicklung Phase 2: Endogener Blick auf Corona bedingte Veränderungen für die Stadtentwicklung in Köln Städtische Umfrage Fachgespräche ExpertInnen Abbildung 1: Grundstruktur des Projekts Quelle: Eigene Darstellung, Prognos, 2023 13 wurde die kölnspezifische Perspektive durch eine Sonderauswer- tung der städtischen Bürger*innenbefragung ergänzt, die während der Pandemie durchgeführt wurde . Die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Metaanalyse dienten als fundiertes Rahmenwerk, das später um die kölnspezifische Perspektive ergänzt wurde . Dafür wurden insgesamt 64 Studien identifiziert, die die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Stadtentwicklung untersuchen . Davon haben 50 Studien einen nationalen Fokus auf Entwicklungen in Deutschland und 14 Studien einen europäischen bzw . internationalen Schwerpunkt . Aus der Long-List mit 64 Studien wurden für die Short-List 16 nationale und fünf europäische Studien für die tiefgreifende Analyse ausgewählt . Die Kriterien zur Auswahl sowohl der Long- als auch der Short-List waren: › Erhebungsqualität: Wissenschaftliche Studien › Themenbezug: Corona-Pandemie und Stadtentwicklung › Vergleichbarkeit des räumlichen Bezugs: Großstädte, Metro- polen, Deutschland, Europa › Aktualität: Studien aus den Jahren 2023, 2022 und 2021 für valide Einschätzungen (nach mehrmonatigem Pandemieverlauf) › Megatrenduntersuchungen: Entweder als Bestandteil einer Corona- bzw . Stadtentwicklungsstudie oder einer spezifischen Megatrendstudie Im zweiten Schritt dienten die Fachgespräche mit Expert*innen dazu, die Gültigkeit der Ergebnisse der Literaturanalyse für die Stadt Köln zu überprüfen und um eine kölnspezifische Perspektive zu ergänzen . Die Auswahl der Gesprächspartner*innen für die Fach- gespräche erfolgte durch die Stadt Köln . Ziel war es, ein möglichst umfassendes Bild über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Stadt Köln in Bezug auf die verschiedenen Themenbereiche zu bekommen, die aus der Literaturanalyse hervorgegangen sind . 14 Insgesamt wurden 15 Fachgespräche geführt, fünf mit Vertre- ter*innen aus der Kölner Stadtverwaltung und zehn mit leitenden Verantwortlichen anderer relevanter Organisationen aus Wirtschaft, Bildung, Soziales, Wohnen, Gesundheit oder Mobilität in Köln . Die Gespräche dauerten je etwa eine Stunde und wurden durch einen Leitfaden strukturiert . Die Fachgespräche wurden anschließend in Hinblick auf die Themenbereiche, die sich aus der Literaturanalyse ergeben haben, ausgewertet . Außerdem wurden auf Grundlage der Interviews weitere relevante Themenbereiche identifiziert, die zum bestehenden Analyseraster hinzugefügt wurden . Zusätzlich wurde die Analyse um die Daten aus der Bevölkerungs- umfrage zur Corona-Krise in Köln, die im Sommer 2021 durch- geführt wurde, ergänzt . Die Ergebnisse der Fragenkomplexe, die für die identifizierten Themenfelder relevant waren, wurden aus- gewertet . In Kombination mit den Ergebnissen der Fachgespräche ergab sich so ein umfassender Überblick über die kölnspezifischen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Umsetzung der Stadt- strategie „Kölner Perspektiven 2030+“ . Methodisches Vorgehen 15 4 Auswirkungen in den Themenfeldern Aus den Vorüberlegungen zur Metanalyse sowie aus der Analyse der Studien heraus haben sich sechs zentrale Themenfelder ergeben, die bei der Betrachtung der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Stadtentwicklung besonders relevant erscheinen: 1. Wirtschaft 2. Arbeitswelt 3. Mobilität 4. Wohnen und Leben 5. Bildung und Chancen 6. Soziale und medizinische Versorgung Im Folgenden werden die Ergebnisse der Literaturanalyse, die die Auswirkungen auf die Stadtentwicklung in Allgemeinen untersucht, sowie der kölnspezifischen Perspektive hinsichtlich der einzelnen Themenbereiche dargestellt . In Kapitel 6 „Schlussfolgerungen für die Stadtentwick- lung“ werden anschließend fünf Schlussfol- gerungen für die Stadtentwicklung in Köln abgeleitet . 4 .1 Wirtschaft Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Themenbereich Wirtschaft zeigten sich auf vielfältige Art und Weise . So haben zum Beispiel Geschäftsschließungen während der Lock down-Phasen, Unter- brechungen von Arbeitsabläufen und Lieferkettenprobleme das wirtschaftliche Handeln stark eingeschränkt . Der Wirt- schaft insgesamt wurden hohe Ein- brüche und eine Vielzahl an Insolvenzen prognostiziert . Gleichzeitig haben Bund, Länder und Städte mit verschiedenen Unterstützungsprogrammen auf die Aus- wirkungen der Corona-Pandemie reagiert . Das Kurzarbeiter*innengeld, ein zeitlich befristeter reduzierter Mehrwertsteuersatz sowie direkte Unterstützungsprogramme für bestimmte Branchen sind nur einige Beispiele von finanziellen und wirtschaft- lichen Hilfen für Unternehmen, Gastro- nomie- und Einzelhandelsbetriebe . Um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auf Großstädte zu untersuchen, konzentriert sich die Analyse dieser Studie auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, aber auch auf die Betrachtung einzelner, besonders betroffener Branchen und auf räumliche Konsumverlagerungen . Konjunkturelle Entwicklung Die Ergebnisse der Post-Corona-Studien zeigen, dass die wirtschaftlichen Einbrü- che insgesamt weniger dramatisch aus- fielen als zunächst prognostiziert . Das gilt sowohl für Deutschland allgemein als auch speziell für viele deutsche und europäische Großstädte . Insbesondere das Bruttoin- landsprodukt stieg nach einem kurzen und starken Einbruch schnell wieder (Destatis, 2023a) . Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Arbeitslosenquote . Nach einem kurzen Anstieg im Frühjahr und Sommer 2020 16 in den einzelnen Wirtschaftsbranchen sehr unterschiedlich . Deutschlandweit am stärksten betroffen waren Verkehr und Lagerei, große Teile der Kultur- und Kreativ- wirtschaft sowie das Gastgewerbe (IAB, 2021) . Dazu zählen Gastronomie, Reise- büros und -veranstalter, Dienstleistungen für Unterhaltung und Erholung, Luftfahrt sowie Beherbergung . Insbesondere der T ourismus ist durch die Kontakt- und Reise- beschränkungen während der Pandemie stark eingebrochen und hat einen starken Umsatzrückgang erfahren . Eine Rückkehr zum vorpandemischen Niveau im Städte- tourismus wird nicht vor 2024 erwartet (Sommer und Greinke, 2021) . In den stark betroffenen Branchen sind kleine Betriebe wie inhabergeführte Restaurants oder Hotels aber auch Einzel- handelsgeschäfte zahlenmäßig überreprä- sentiert (IAB, 2021) . Sie machen gleichzeitig einen großen Anteil der Betriebe in Großstädten aus . Geringe beziehungs- weise keine wirtschaftlichen Einbußen hatten beispielsweise Unternehmen der Nahrungsmittelherstellung, der Herstellung von pharmazeutischen Produkten oder der Wasserversorgung . Einige dieser Branchen konnten während der Pandemie sogar große Gewinne verzeichnen . Auch IT- und Telekommunikationsunternehmen haben teilweise starke Umsatzgewinne erzielen können . Insbesondere bei der Betrachtung der acht Kölner Leitmärkte, anhand derer sich die Kölner Wirtschaftsstruktur kategorisieren lässt, fällt auf, dass in Köln das Verhältnis zwischen wirtschaftlichen Pandemiegewin- nern und -verlierern nahezu ausgeglichen ist: So profitierten die Leitmärkte Business City und Gesundheit/Life Science während nahm sie schnell wieder ab und bewegte sich während der gesamten Pandemie auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau (vgl . Kapitel 5 .2 „Arbeitswelt“) . Auch die Anzahl an Insolvenzen insgesamt war deut- lich niedriger als während der Pandemie erwartet wurde (Espon Amsterdam, 2022) . Teilweise bewegten sie sich auf einem historisch niedrigen Niveau . Gleichwohl ist die Anzahl an Insolvenzen in den einzelnen Wirtschaftsbranchen sehr unterschiedlich (siehe nächster Abschnitt „Branchen“) . Die übergreifenden wirtschaftlichen Ana- lysen der Auswirkungen der Corona-Pan- demie lassen sich für Köln weitestgehend bestätigen . Die wahrgenommenen Aus- wirkungen während der Pandemie waren für Kölner Unternehmen sehr drastisch und herausfordernd . Im Zuge der Corona-Pan- demie durften Unternehmen erstmalig aufgrund staatlicher Vorgaben ihren wirt- schaftlichen Tätigkeiten teilweise gar nicht oder nur mit hohen Auflagen nachgehen . Kölner Unternehmen haben sich jedoch als sehr resilient und flexibel erwiesen, in dem sie Produktions- und Arbeitsprozesse kurzfristig angepasst haben . Rückblickend betrachtet, wurden die Herausforderungen während der Pandemie gut gemeistert . Entscheidend dazu beigetragen hat auch die vielschichtige Branchenstruktur in Köln, die die divergierenden Auswirkungen in den einzelnen Branchen ausgleichen konnte, so dass Kölns Wirtschaft insgesamt gut durch die Corona-Pandemie gekommen ist . Branchen Während sich gesamtwirtschaftlich ein relativ klares Bild der Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigt, sind die Folgen Auswirkungen in den Themenfeldern 17 der Pandemie erheblich, während ins- besondere die Leitmärkte Kultur- und Kreativwirtschaft und Destination deutliche Umsatzeinbuße hinnehmen mussten . Die besonders diversifizierte Branchenstruktur in Köln hat dafür gesorgt, dass auf makro- ökonomischer Ebene die Auswirkungen der Pandemie gut überwunden wurden . Die befragten Kölner Expert*innen heben darüber hinaus hervor, dass die Corona- Pandemie zu großen strukturellen Verände- rungen in einzelnen Wirtschaftsbranchen zum Beispiel im Tourismus oder im Einzel- handel geführt bzw . den bereits begonne- nen Strukturwandel beschleunigt haben . So wurden zum Beispiel während der Pandemie Geschäftsreisen stark zurück- gefahren . Nach ersten Einschätzungen der Expert*innen werden sie vorerst auch nicht wieder steigen . Stattdessen werden in Köln heute im Vergleich zum vorpandemischen Niveau von 2019 mehr Freizeitreisen getätigt . Sowohl bei privat als auch bei geschäftlich Reisenden ist eine qualitative Entwicklung hin zu mehr Konsumausgaben pro Kopf festzustellen . Auch in anderen Branchen, wie zum Bei- spiel dem Einzelhandel sind strukturelle Veränderungen festzustellen . Auf die Geschäftsschließungen während der Lock- down Phasen haben viele Kölner Unterneh- men pragmatisch reagiert: Sie haben ihr Onlineangebot ausgebaut und Lieferser- vices und „click-und-collect“-Optionen, bei denen die Ware online bestellt, aber im Laden vor Ort abgeholt wird, angeboten . 18 Räumliche Konsumverlagerungen Einhergehend mit den strukturellen Verän- derungen in einzelnen Wirtschaftsbranchen lassen sich Konsumverlagerungen in vielen Städten Deutschlands auch stadträumlich feststellen (IW, 2021) . In zentralen Lagen und in der Nähe von Bürostandorten konnte während der Pandemie ein signifikanter Konsumrückgang beobachtet werden, der zumindest mittelfristig anzuhalten scheint . Gleichzeitig erlebten (de-)zentrale Ver- sorgungsstandorte wie die Stadtteilzentren, insbesondere in Stadtvierteln mit hoher Wohndichte, einen Konsumanstieg . Der sogenannte „Afterwork Konsum“ , also der Einkauf auf dem Heimweg von der Arbeit oder in der Mittagspause, verlagerte sich durch die Kontaktbeschränkungen und durch das vermehrte Homeoffice während der Pandemie von der Innenstadt in die Wohngebiete . Die Konsumverlagerungen in den deut- schen Innenstädten wurden durch zwei weitere Beobachtungen verstärkt: Zum einen war während der Pandemie ein hoher Rückgang der Passant*innenfrequenz in Fußgängerzonen zu messen (IW, 2021), der auch in den Sommermonaten 2021 noch anhielt, als die meisten Kontaktbeschrän- kungen bereits zeitweise aufgehoben waren . Die Passant*innenfrequenz lag im Juni und Juli 2021 erst bei 80 % bezie- hungsweise 90 % des Vorkrisenniveaus . Die strukturellen Veränderungen im Einzel- handel haben auch in Köln dazu geführt, dass der Fokus während der Pandemie von der Innenstadt hin zu den Stadtteilzentren gewandert ist . Auswirkungen in den Themenfeldern 19 während der Pandemie weniger stark angestiegen als erwartet und verblieb durchgängig auf einem niedrigen Niveau (IAB, 2021) . Insbesondere festangestellte, sozialversicherungspflichtig Beschäftigte konnten auch durch das Kurzarbeitergeld in ihren Anstellungen gehalten werden . Dass Köln aus wirtschaftlicher Sicht die Krise insgesamt gut beherrscht hat, zeigt sich auch daran, dass es noch nie so viele sozial- versicherungspflichtig Beschäftigte wie im Frühjahr 2023 gab (Agentur für Arbeit Köln, 2023) . Entlassungen während der Pandemie waren vor allem bei atypisch Beschäftigten, also befristet Beschäftigten oder Beschäf- tigten in einem geringen zeitlichen Umfang, und in besonders betroffenen Branchen, wie zum Beispiel in der Gastronomie, fest- zustellen (IAB, 2021) . Ca . 20 % aller Arbeit- nehmenden sind in denjenigen Branchen beschäftigt, die während der Pandemie die stärksten negativen wirtschaftlichen Aus- wirkungen gespürt haben . Dazu gehören zum Beispiel der Einzelhandel oder das Beherbergungswesen . Großstädte wie Köln weisen in diesen Branchen überdurch- schnittliche Beschäftigungszahlen auf . In Köln gibt der Großteil der Befragten in der städtischen Umfrage der Corona-Pan- demie im Sommer 2021 an, ohne größere finanzielle Einbuße durch die Pandemie gekommen zu sein (Kölner Statistische Nachrichten, 2022a) . Knapp 20 % der Befragten gaben hingegen an, durch die Pandemie Einkommensverluste erlitten zu haben . Dies betrifft laut Umfrage insbe- sondere Selbstständige und jüngere Men- schen . Die Kölner Expert*innen bestätigen, dass auch Studierende von Kündigungen Zum anderen war deutschlandweit eine deutliche Verschiebung zum Online-Shop- ping festzustellen, die den Konsumrück- gang in Innenstädten nochmals verstärkte . Von einem Umsatzanteil von rund 17 % in den Sommermonaten vor der Pandemie stieg der Online-Shopping-Anteil auf ca . 24 % in den Sommermonaten der Pande- mie ohne Kontaktbeschränkungen an (ifo, 10/2022) . Die Verschiebung zu Gunsten des Onlinehandels wird als dauerhafter Trend eingeschätzt . In der städtischen Bevölkerungsbefragung in Köln aus dem Sommer 2021 geben 75,8 % der Befragten an, dass sie seit Beginn der Pandemie min- destens einmal pro Monat online einkauf- ten . 46,7 % kaufen häufiger online ein als vor der Pandemie und 18,7 % der Befragten gehen davon aus, dass sie auch in Zukunft mehr online einkaufen werden als vor der Pandemie . 4 .2 Arbeitswelt In der Arbeitswelt haben die Corona- Pandemie und die in diesem Kontext ergriffenen Maßnahmen zu substanziellen Veränderungen geführt . Neben den kon- junkturellen Auswirkungen auf die Arbeits- losenquote und Einkommenseinbußen hat vor allem die Umstellung auf das Arbeiten im Homeoffice zu langanhaltenden Umstel- lungen geführt . Beschäftigung und Einkommen Ein ähnliches Bild wie bei den gesamtwirt- schaftlichen Effekten lässt sich auch bei der Arbeitslosenquote feststellen . Sie ist entgegen den Prognosen in Deutschland 20 beschrieben auf den innerstädtischen Konsum aus (siehe Kapitel 5 .1 Wirtschaft), sondern auch auf das Mobilitätsverhalten und die Wohnortwahl (siehe Kapitel 5 .3 Mobilität und 5 .4 Wohnen und Leben) . Laut der städtischen Befragung haben pandemiebedingt rund zwei Drittel aller Befragten in Köln zumindest teilweise im Homeoffice gearbeitet (Kölner Statistische Nachrichten, 2022b) . Etwa 90 % der Befrag- ten wünschen sich, dass die Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten auch nach der Corona-Krise verstärkt angeboten wird und etwa jede zweite befragte Person in Köln möchte auch zukünftig gerne (mehr) von zu Hause ausarbeiten . Nur etwa 10 % der befragten Kölner*innen lehnt Homeoffice grundsätzlich ab . Neben den wissenschaftlichen Studien und den Ergebnissen der städtischen Befra- gung schätzen auch die Kölner Expert*in- nen das Arbeiten im Homeoffice als stärksten Wandel im Zuge der Corona-Pan- demie ein . Sie erwarten, dass der Anteil der Menschen, die zukünftig zumindest teil- weise im Homeoffice arbeiten werden, im Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie weiter steigt . Daraus folgt, laut den Kölner Expert*innen, auch eine Veränderung des Büroflächenbedarfs im Unternehmen . Sie erwarten, dass in Zukunft die Unternehmen mit weniger Büroarbeitsfläche pro Mitarbei- tenden planen und Kommunikationsflächen für den sozialen und fachlichen Austausch unter Kolleg*innen zunehmen werden . Obwohl Homeoffice nicht für alle Beschäf- tigten aufgrund ihrer konkreten Tätigkeit und den privaten Gegebenheiten eine Option ist und viele Menschen weiterhin einer ortsgebundenen Arbeit nachgehen, wird der gestiegene Anteil an Homeoffice- Tätigkeiten Auswirkungen auf die Stadtent- wicklung in Köln insgesamt haben . „Die Digitalisierung und das mobile Arbeiten wird unsere Wohn umgebung und unsere Städte verändern. “ Kathrin Möller, Vorstand Arbeitsgemeinschaft Kölner Wohnungsunternehmen e .V . Köln AG und Einkommenseinbußen in besonderem Maße betroffen waren . Insgesamt lässt sich daher feststellen, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie in Bezug auf Beschäfti- gung und Einkommen tendenziell zu einer Vergrößerung sozialer Unterschiede bei- getragen haben . Darüber hinaus haben laut der befragten Kölner Expert*innen vor allem die Bran- chen, die während der Pandemie wirt- schaftlich stark negativ betroffen waren, noch heute einen erhöhten Arbeits- und Fachkräftemangel . Ein Großteil der Mit- arbeitenden, die während der Pandemie entlassen wurden, haben berufliche Alter- nativen gefunden und kehren nicht in ihre alten Tätigkeiten zurück . Homeoffice Zu langfristigen Veränderungen hat die Corona-Pandemie deutschlandweit beim Thema Homeoffice und mobilem Arbeiten geführt . Die Notwendigkeit im Homeoffice zu arbeiten, hat in vielen Bereichen struktu- relle Veränderungen ausgelöst . Die von vie- len Unternehmen zu Beginn der Pandemie neu geschaffenen infrastrukturellen Vor- aussetzungen bieten vielen Arbeitnehmen- den nun langfristig die Möglichkeit mobil zu arbeiten . Es ist zu erwarten, dass durch die Erfahrungen während der Pandemie der Anteil an Beschäftigten, die im Homeoffice arbeiten, dauerhaft hoch sein wird (ifo, 10/2022) . In den untersuchten Studien wird deutschlandweit langfristig ein Homeoffice- Anteil von rund 24 % erwartet . Die neuen Möglichkeiten des mobilen Arbeitens wirken sich in Städten nicht nur wie bereits Auswirkungen in den Themenfeldern 21 4 .3 Mobilität Durch die Ausgangs- und Kontaktbe- schränkungen und den deutlichen Anstieg der Arbeit im Homeoffice hat sich das Mobilitätsverhalten während der Pandemie besonders in Großstädten stark verändert . Alle städtischen Mobilitätsformen, also Rad- und Fußverkehr, öffentlicher Perso- nennahverkehr (ÖPNV) und der motorisierte Individualverkehr (MIV), wurden durch das veränderte Alltagsverhalten beeinflusst . Im Allgemeinen ist festzuhalten, dass eine Abnahme des Verkehrs insgesamt und eine Zunahme des Individualverkehrs im Vergleich zum ÖPNV zu beobachten war (ADAC, 2023) . Allgemeine Veränderungen Während der Pandemie haben insbeson- dere die Arbeits- und Pendelwege sowie Dienstreisen und touristische Reisen deutschlandweit stark abgenommen . Dies hatte Auswirkungen auf alle Mobilitäts- formen (Agora, 2022) und führte zu einer Veränderung der Wegzwecke und T ages- linien . Das Mobilitätsverhalten hat sich von Arbeitszwecken hin zu Freizeitaktivitäten und Konsumbedürfnissen verschoben (ADAC, 2023) . Durch Homeoffice und Kontaktbeschränkungen waren die Stoß- zeiten im Berufsverkehr deutschlandweit, insbesondere morgens, weniger stark aus- geprägt als noch vor der Pandemie . Durch die langfristige Tendenz zum vermehrten mobilen Arbeiten werden diese Verän- derungen voraussichtlich auch weiterhin bestehen bleiben . Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie weiter steigt . Daraus folgt, laut den Kölner Expert*innen, auch eine Veränderung des Büroflächenbedarfs im Unternehmen . Sie erwarten, dass in Zukunft die Unternehmen mit weniger Büroarbeitsfläche pro Mitarbei- tenden planen und Kommunikationsflächen für den sozialen und fachlichen Austausch unter Kolleg*innen zunehmen werden . Obwohl Homeoffice nicht für alle Beschäf- tigten aufgrund ihrer konkreten Tätigkeit und den privaten Gegebenheiten eine Option ist und viele Menschen weiterhin einer ortsgebundenen Arbeit nachgehen, wird der gestiegene Anteil an Homeoffice- Tätigkeiten Auswirkungen auf die Stadtent- wicklung in Köln insgesamt haben . „Die Digitalisierung und das mobile Arbeiten wird unsere Wohn umgebung und unsere Städte verändern. “ Kathrin Möller, Vorstand Arbeitsgemeinschaft Kölner Wohnungsunternehmen e .V . Köln AG 22 zeitweise vorwiegend aus Menschen, die aus finanziellen Gründen keine Alternative für ein anderes Verkehrsmittel hatten (Agora, 2022) . Der Vertrauensverlust in den ÖPNV als sicheres Verkehrsmittel und die Verringerung der Fahrgastzahlen haben langfristige Folgen . In Deutschland wurde mindestens bis zum Sommer 2022 das Vor- krisenniveau in der Auslastung nicht wieder erreicht (ADAC, 2023) . In Köln ist die Auslastung im ÖPNV auch im Frühjahr 2023 erst wieder bei 80 % des Niveaus des Jahres 2019 . Zum einen wirkt sich laut den Kölner Expert*innen der langfristig höhere Anteil an Menschen im Homeoffice negativ auf die Fahrgastzahlen aus . Zum anderen kehren insbesondere „Die Fahrgastzahlen in den Bussen und Bahnen der KVB sind leider noch immer erst wieder bei rund 80 % des Vorkrisenniveaus aus dem Jahr 2019. Insbesondere die beschleunigte Zunahme an Homeofficemöglichkei- ten und Onlineshopping scheinen sich nachhaltig auf die Nachfrage im ÖPNV auszuwirken. “ Gunther Höhn, Bereichsleiter Nahverkehrsmanagement der Kölner Verkehrsbetriebe In Köln sind die Stoßzeiten im Verkehr laut den Expert*innen allerdings wieder spürbar angestiegen . Jedoch hat die Pandemie gezeigt, welche Einflussmöglichkeiten es in der Stadt gibt, um die Stoßzeiten zu steuern: Beispielsweise haben während der Pandemie die Kölner Schulen den Unter- richtsbeginn am Morgen gestaffelt, so dass weniger Schüler*innen gleichzeitig auf dem Weg zur Schule waren . Was während der Pandemie als Maßnahme zur Kontaktre- duktion gedacht war, hat insgesamt auch zu einer deutlichen Entspannung im innerstäd- tischen Verkehr geführt . Die Folgen waren laut den Kölner Expert*innen weniger Staus und Stress bei den Verkehrsteilnehmenden . Durch den prognostizierten langfristig hohen Anteil an Arbeitnehmer*innen, die im Homeoffice arbeiten werden, und die dauerhafte Abnahme von Geschäfts- und Dienstreisen wird auch in Köln erwartet, dass der Berufsverkehr längerfristig abnimmt . Gleichzeitig können private Mobilitätsanlässe, die Reduzierung des Berufsverkehrs aufwiegen, so dass ins- gesamt keine signifikante Veränderung im Verkehrsaufkommen spürbar sein würde . Grundsätzlich wird weniger Ver- kehr als Verbesserung der Lebensqualität wahrgenommen . Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) Die stärksten Auswirkungen des veränder- ten Mobilitätsverhaltens zeigen sich im öffentlichen Personennahverkehr . Da sie als Ansteckungsorte galten, wurden Busse und Bahnen gemieden und ein andere Mobilitätsformen, wie den Rad- und Fuß- verkehr oder das Auto (Agora, 2022) vorzo- gen . Die Fahrgäste des ÖPNV bestanden Auswirkungen in den Themenfeldern 23 zu werden (Agora, 2020) . Das Fahrrad wurde während der Pandemie nicht nur häufiger als Verkehrsmittel für Alltagswege genutzt, sondern es hat auch (gemeinsam mit dem Spazierengehen) für Freizeitaktivi- täten an Bedeutung gewonnen (ADAC, 2023; Agora, 2022) . Laut den Expert*innen ist auch in Köln ein deutlicher Anstieg des Rad- und Fußver- kehrs messbar, der als langfristig anhaltend hoch eingeschätzt wird . Im Rahmen der städtischen Befragung während der Corona-Pandemie 2021 gaben fast 90 % der befragten Kölner*innen an, dass sie einen Ausbau von Fahrrad- und Fußwegen und eine Verbesserung der Qualität vor- handener Wege als wichtig erachten . Mehr als 95 % der Befragten wünschen sich, dass Geschäfte für Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs fußläufig erreichbar sind . die Fahrgäste, die in der Zeit kurz vor der Pandemie für den ÖPNV gewonnen wur- den, nicht in die Busse und Bahnen zurück . Mit der bundespolitischen Einflussnahme durch das 49€-Ticket erwarten die Mobili- tätsexpert*innen jedoch einen nachhaltigen Wiederanstieg der Fahrgastzahlen . Rad- und Fußverkehr Von der Corona-Pandemie hat deutsch- landweit vor allem der Rad- und Fußver- kehr profitiert (Agora, 2022) . Viele Städte haben die Chance der gestiegenen Nach- frage nach Rad- und Fußverkehrsflächen genutzt, um eine Umverteilung der Mobili- tätsflächen in der Stadt zu organisieren . Beispielsweise wurden so genannte „Pop- up-Radwege“ angelegt, um dem gestiege- nen Aufkommen an Radfahrenden gerecht 24 gewonnen (Espon Amsterdam, 2022) . Grünflächen und Parks, eine wohnortnahe Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs sowie nachbarschaftliche Kontakte und Unterstützungen sind in den Fokus gerückt und haben eine stärkere Wert- schätzung erfahren . Das Leben hat sich vom Arbeitsort und der Innenstadt ver- mehrt in Richtung der Wohnquartiere und Stadtteilzentren verlagert (ifo, 10/2022) . Auch in Köln hat die Pandemie die Sicht- weise auf den städtischen Raum verändert und den Wunsch nach einer attraktiven Gestaltung des nahen Wohnumfelds verstärkt . Die Nutzung von Grün- und Freiflächen hat während der Pandemie stetig zugenom- men und war kurzzeitig so groß, dass laut den Kölner Expert*innen die städtischen Naherholungsflächen erhebliche Nutzungs- schäden aufwiesen . Da die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung insgesamt während der Pandemie stark eingeschränkt waren, wurde auch der Blick für die vielfältigen Funktionen, die der öffentliche Raum in der Stadt bietet, geweitet . Ein Effekt, der bis Motorisierter Individualverkehr (MIV) Neben dem Rad- und Fußverkehr hat auch der motorisierte Individualverkehr (MIV) während der Pandemie als bevorzugte Mobilitätsvariante deutschlandweit zuge- nommen . Insbesondere für tägliche Wege sind die Menschen auf die Nutzung des Autos umgestiegen . Da viele Freizeitaktivi- täten und längere touristische Reisen wäh- rend der Pandemie nicht möglich waren, hat die Nutzung des MIV für diese Zwecke abgenommen (ADAC, 2023) . Als ein Gewin- ner der Pandemie gilt das Car-Sharing: Die Nachfrage nach Car-Sharing Angeboten ist im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 26 % insgesamt deutlich gestiegen (ADAC, 2023) . Beim Freefloating-Modell, dem nicht-stationsbasierten Car-Sharing, war der Anstieg mit 36 % besonders deutlich . Auch in Köln hat der motorisierte Indivi- dualverkehr während der Pandemie an Bedeutung gewonnen . Der Trend anstei- gender KFZ-Zulassungen setzte sich in den Pandemiejahren weiter fort . 4 .4 Wohnen und Leben Die Corona-Pandemie hat auch zu deut- lichen Veränderungen in den Bereichen Quartiersentwicklung und Wohnbedarfe geführt . Quartiersentwicklung Während der Lock down-Phasen mussten die Menschen mehr Zeit an ihren Wohnor- ten verbringen . Dadurch hat die nähere Wohnumgebung insgesamt an Bedeutung Auswirkungen in den Themenfeldern 25 Wohnbedarfe Die Pandemie hat den Wunsch nach Wohnen im Grünen und die Bedeutung der individuellen Wohnverhältnisse generell verstärkt (ifo, 2023) . Zunehmend beein- flussen die Möglichkeiten im Homeoffice zu arbeiten die Wohnortwahl (Difu, 2021) . Zum einen setzt sich der schon vor der Pandemie einsetzende Trend der Abwan- derung von Familien ins Umland fort, wo kostengünstigeres Wohnen mit mehr Frei- raum möglich ist (Difu, 2021) . Zum anderen bevorzugen die Menschen in den Städten größere Wohnungen mit einem zusätz- lichen Zimmer für die Arbeit im Homeoffice (ifo, 2023) . Beide Trends spiegeln sich auch in Köln deutlich wider . Im Kölner Umland sowie in ländlicheren Gebieten sind diese Entwicklungen bereits zu spüren . Mehr Wohnraum pro Kopf stellt allerdings eine Herausforderung für die Erreichung der Klimaziele dar, da damit auch eine heute anhält und deshalb als langfristige Folge der Pandemie kategorisiert werden kann, ist die verstärkte Nutzung des öffent- lichen Raums für sportliche Aktivitäten . Der bestehende Trend, orts- und zeitunge- bunden Sport zu treiben, hat sich durch die Pandemie deutlich ausgeweitet . Die Pandemie hat außerdem verdeutlicht, dass es sinnvoll ist, die Nutzungsmischung und -vielfalt in den Quartieren auszubauen . Auch ist die Wertschätzung einer guten Gesundheits-, Sozial-, Nahversorgungs- und Grünflächeninfrastruktur in den Vee- deln in den Vordergrund gerückt . Laut den Ergebnissen der städtischen Befragung im Jahr 2021 wünscht sich die große Mehrheit der Kölner*innen, dass Nachbarschaftskon- takte und der Zusammenhalt in den Quar- tieren stärker gefördert werden . Die kölnspezifische Veedelsstruktur bietet hier- für eine gute Voraussetzung . 26 starke Erhöhung der Energiepreise im Zuge des Ukrainekriegs jedoch insgesamt gravie- render als die Belastungen, die im Kontext der Corona-Pandemie aufgetreten sind . 4 .5 Bildung und Chancen Die Corona-Pandemie hat deutschland- weit im Bereich Bildung und Chancen zu einer deutlichen Verstärkung bestehender Ungleichheiten beigetragen . Damit gehen einige Herausforderungen einher, die auch das Zusammenleben in der Stadt Köln betreffen . Schule, Studium und Ausbildung Die sichtbarste Veränderung im Bildungs- bereich, die auf die Pandemie zurückzufüh- ren ist, ist der weitreichende „Die Qualität der Wohnung und des Wohnumfelds als Kleinod in der urbanen Hektik ist im Zuge der Pandemie sicherlich noch wichtiger geworden. Allerdings haben wir in Köln keine Wahl. Hier muss man nehmen was gerade verfügbar ist und was man sich leisten kann, denn das Angebot ist sehr begrenzt. “ Jens Bruckner, Vorsitzender der Wohnungsbau Initiative Köln Erhöhung des Energieverbrauchs pro Kopf und eine erhöhte Flächenversiegelung ein- hergeht . Außerdem sind die veränderten Wohnbedarfe angesichts des ohnehin sehr angespannten Wohnungsmarktes in Köln nur schwer zu realisieren . Miet- und Kaufpreise Die Miet- und Kaufpreise in Städten sind deutschlandweit durch die Pandemie nur sehr kurzfristig zurückgegangen . Der gene- relle Trend steigender Preise setzte sich weitestgehend auch während der Pande- mie fort (Difu, 2021) . Laut den Kölner Expert*innen ist insbesondere im unteren und mittleren Preissegment die Nachfrage und der Bedarf ungebrochen hoch . Für Mie- ter*innen sind laut den Kölner Expert*innen die Belastungen unter anderem durch die Auswirkungen in den Themenfeldern 27 Digitalisierungsschub in Deutschland: Zeit- weise wurde der Unterricht in Schulen, Uni- versitäten und Ausbildungsstätten vollständig digital angeboten . Gerade im universitären Bereich werden Teile der in der Pandemie etablierten digitalen Lehran- gebote weiterhin beibehalten . In den Schu- len hat die Pandemie die Digitalisierung vorangetrieben und somit langfristige Ver- änderungen der Lehr- und Lernorganisation hervorgerufen . Jedoch muss festgehalten werden, dass durch die vorübergehenden Schulschlie- ßungen die Bildungsungleichheit in viele Großstädten in Europa verstärkt wurde (Espon Amsterdam, 2022) . Obwohl das Homeschooling auch für Kinder aus bil- dungsnahen Familien eine hohe Belastung bedeutete, haben deren Lernfortschritte weniger darunter gelitten als bei Kindern aus bildungsferneren Familien . Der Auf- holprozess der entstandenen Lerndefizite starke Erhöhung der Energiepreise im Zuge des Ukrainekriegs jedoch insgesamt gravie- render als die Belastungen, die im Kontext der Corona-Pandemie aufgetreten sind . 4 .5 Bildung und Chancen Die Corona-Pandemie hat deutschland- weit im Bereich Bildung und Chancen zu einer deutlichen Verstärkung bestehender Ungleichheiten beigetragen . Damit gehen einige Herausforderungen einher, die auch das Zusammenleben in der Stadt Köln betreffen . Schule, Studium und Ausbildung Die sichtbarste Veränderung im Bildungs- bereich, die auf die Pandemie zurückzufüh- ren ist, ist der weitreichende „Die Qualität der Wohnung und des Wohnumfelds als Kleinod in der urbanen Hektik ist im Zuge der Pandemie sicherlich noch wichtiger geworden. Allerdings haben wir in Köln keine Wahl. Hier muss man nehmen was gerade verfügbar ist und was man sich leisten kann, denn das Angebot ist sehr begrenzt. “ Jens Bruckner, Vorsitzender der Wohnungsbau Initiative Köln 28 war . Der Großteil dieser Beschwerden und Erkrankungen ist längerfristiger Natur und wird als Herausforderung bestehen bleiben . Laut der Kölner Expert*innen verlagerte sich durch den Wegfall der gewohnten Frei- zeitaktivitäten das Leben zu einem Großteil in die digitale Welt . Vor allem Kinder und Jugendliche verbrachten während der Pan- demie deutlich mehr Zeit vor dem Bild- schirm . Prognosen sind davon ausgegangen, dass nach der Aufhebung der Schutzmaßnahmen die Sport- und Freizeit- aktivitäten wie gewohnt aufgenommen werden . Diese Annahme hat sich nicht bestätigt . Die Pandemie hat das Bewegungsverhalten nachhaltig beeinträchtigt . In Köln wurden viele Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche digital angeboten, wie zum Beispiel das digitale Jugendzentrum . Im Sportbereich konnten digitale Angebote aber keinen umfassenden Ersatz bieten . Dadurch, dass über einen längeren Zeit- raum jegliche Art physischer Zusammen- künfte im Kontext von Kinder- und Jugendarbeit, Sportvereinen, Jugendgrup- pen etc . nicht möglich waren, konnten nicht alle Strukturen und Angebote über die Pan- demie hinweg aufrechterhalten werden . Das Förderprogramm des Bundes „Aufho- len nach Corona“ war laut den Kölner Expert*innen ein Anfang, um erste Hilfe zu leisten . Für den Wiederaufbau von Angebo- ten sind längerfristige Unterstützungen notwendig . Köln ist als kinderfreundliche Kommune zertifiziert und möchte besonders deren Bedürfnisse in der Stadt abbilden . Dafür werden bereits umfassende Partizipations- angebote geschaffen und umgesetzt . „Jugendliche werden zwar bereits auf verschiedene Weise in Entscheidungen miteinbezogen, häufig dauern solche Entscheidungsprozesse aber viel zu lange. Und am Ende werden dann doch oft Entscheidungen getroffen, die nicht im Interesse von Kindern und Jugend- lichen sind, weil andere Interessen – zum Beispiel wirtschaftliche – überwiegen. Da fühlt man sich dann nicht richtig ernst genommen. “ Konrad Schmitz, Vorstand des Kölner Jugendrings insbesondere bei benachteiligten Kindern, stellt eine langfristige Herausforderung dar (Espon Amsterdam, 2022) . Auch für Köln wurden diese Feststellungen von den Expert*innen deutlich bestätigt . Die Pandemie hat städteübergreifend auch Auszubildende betroffen . Zum einen ist das Angebot an Ausbildungsstellen insgesamt zurückgegangen (IAB, 2021) . Zum anderen war die Zahl der Bewerber*innen rückläufig, wodurch der schon vor der Pandemie einsetzende Trend weiter verstärkt wurde . Bereits laufende Ausbildungen wurden allerdings ebenso wie die Schulbildung ins- gesamt durch die Kontaktbeschränkungen während der Pandemie gestört . Dies könnte in Zukunft zu einer weiteren Verschärfung des Fachkräftemangels in bestimmten Branchen führen . Kinder und Jugendliche Auch wenn die Belastung durch Lock downs und Schulschließungen stark von der jeweiligen familiären Situation abhängig war, haben Kinder und Jugendliche insge- samt besonders stark unter den Einschrän- kungen während der Pandemie gelitten – eine Beobachtung, die von mehreren der interviewten Kölner Expert*innen in den Gesprächen betont wurde . Der pandemie- bedingte Verlust von Freiheit, die Trennung von Freund*innen, die Bewegungsarmut sowie Einsamkeit und Langeweile gelten als besondere Risiken für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen . Daraus resultiert, dass während der Pande- mie ein deutlicher Anstieg von psychischen Auffälligkeiten, psychischen Erkrankungen und psychosomatischen Beschwerden bei Kindern und Jugendlichen zu beobachten Auswirkungen in den Themenfeldern 29 war . Der Großteil dieser Beschwerden und Erkrankungen ist längerfristiger Natur und wird als Herausforderung bestehen bleiben . Laut der Kölner Expert*innen verlagerte sich durch den Wegfall der gewohnten Frei- zeitaktivitäten das Leben zu einem Großteil in die digitale Welt . Vor allem Kinder und Jugendliche verbrachten während der Pan- demie deutlich mehr Zeit vor dem Bild- schirm . Prognosen sind davon ausgegangen, dass nach der Aufhebung der Schutzmaßnahmen die Sport- und Freizeit- aktivitäten wie gewohnt aufgenommen werden . Diese Annahme hat sich nicht bestätigt . Die Pandemie hat das Bewegungsverhalten nachhaltig beeinträchtigt . In Köln wurden viele Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche digital angeboten, wie zum Beispiel das digitale Jugendzentrum . Im Sportbereich konnten digitale Angebote aber keinen umfassenden Ersatz bieten . Dadurch, dass über einen längeren Zeit- raum jegliche Art physischer Zusammen- künfte im Kontext von Kinder- und Jugendarbeit, Sportvereinen, Jugendgrup- pen etc . nicht möglich waren, konnten nicht alle Strukturen und Angebote über die Pan- demie hinweg aufrechterhalten werden . Das Förderprogramm des Bundes „Aufho- len nach Corona“ war laut den Kölner Expert*innen ein Anfang, um erste Hilfe zu leisten . Für den Wiederaufbau von Angebo- ten sind längerfristige Unterstützungen notwendig . Köln ist als kinderfreundliche Kommune zertifiziert und möchte besonders deren Bedürfnisse in der Stadt abbilden . Dafür werden bereits umfassende Partizipations- angebote geschaffen und umgesetzt . „Jugendliche werden zwar bereits auf verschiedene Weise in Entscheidungen miteinbezogen, häufig dauern solche Entscheidungsprozesse aber viel zu lange. Und am Ende werden dann doch oft Entscheidungen getroffen, die nicht im Interesse von Kindern und Jugend- lichen sind, weil andere Interessen – zum Beispiel wirtschaftliche – überwiegen. Da fühlt man sich dann nicht richtig ernst genommen. “ Konrad Schmitz, Vorstand des Kölner Jugendrings 30 Die vielfältigen Belastungen und Heraus- forderungen, die mit der Pandemie ein- hergingen, waren für Personen, die mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen haben, besonders gravierend . Hier spie- len auch indirekte Zusammenhänge im Bildungsbereich eine große Rolle. Bei- spielsweise hatten Menschen mit einem niedrigeren formellen Grad an Bildung in Deutschland ein doppelt so hohes Infektionsrisiko wie Menschen mit hohem Bildungsgrad (RKI, 2022) . In den sozio- ökonomisch benachteiligten Regionen Deutschlands war ein überdurchschnitt- liches Infektions- und Sterbegeschehen festzustellen, was vermutlich auch mit einem Zusammenhang zwischen hoher Einwohnerdichte und hoher Inzidenz ein- hergeht . Finanziell ärmere Menschen leben Wichtig ist, den Interessen von Kindern und Jugendlichen im städtischen Raum weiter- hin Platz einzuräumen und ihnen Selbst- wirksamkeitserfahrungen zu ermöglichen . Gesellschaftliche T eilhabe Neben bildungsbenachteiligten Kindern konnten auch Menschen mit einer geringen Affinität zur Digitalisierung, wie zum Bei- spiel ältere Menschen, nicht von dem star- ken Digitalisierungsschub in Deutschland und Europa während der Pandemie profitie- ren (Espon Malmö, 2022) . Insbesondere Senior*innen stoßen in ihrem Alltag häufig auf digitale Hürden, die ihnen eine umfas- sende gesellschaftliche Teilhabe erschweren . Auswirkungen in den Themenfeldern 31 Soziale und medizinische Infrastruktu- ren haben durch die Pandemie in ganz Deutschland an Bedeutung gewonnen . Die Relevanz von gesundheitsbezogenen Ver- sorgungsleistungen ist sichtbarer gewor- den . Gleichzeitig wurden auch strukturelle Probleme deutlich . Darüber hinaus zeigte sich, dass Gesundheit nicht nur im Kontext der „klassischen“ medizinischen Infrastruk- tur gedacht werden kann, sondern auch auf betrieblicher Ebene eine starke Rolle spielen muss . Soziale Infrastruktur Insgesamt wurde aufgrund der sozialen Auswirkungen und der sich verstärkenden Benachteiligungen die Relevanz gemein- wohlorientierter Organisationen, aber auch von Nachbarschaftshilfe während der Pan- demie besonders sichtbar (Espon Malmö, 2022) . Zum einen leisteten Organisationen und Gruppen direkte Hilfe bei alltäglichen Herausforderungen . Zum anderen war die Erfahrung gemeinwohlorientierter Organi- sationen aus der Arbeit mit benachteiligten, alten und kranken Menschen in den Krisen- stäben der öffentlichen Hand gefragt, um soziale Gesichtspunkte bei gesetzlichen Vorgaben bestmöglich zu berücksichtigen (Espon Malmö, 2022) . Auch in Köln setzte laut den Expert*innen mit Beginn der Pandemie ein sehr hohes Maß an bürger- schaftlichem Engagement ein, das insbe- sondere von jüngeren Menschen getragen wurde, die in der Gruppe der ehrenamtlich Engagierten bis lang einen geringen Anteil ausmachen . Das spontane, nachbarschaft- liche Engagement stellte eine wichtige Säule im Umgang mit der Krisensituation dar . tendenziell auf engerem Raum zusammen als wohlhabendere Menschen . Insgesamt hat die Pandemie zu einer Verstärkung bestehender Benachteiligungen beige- tragen . Dies machte sich unter anderem durch höhere Ansteckungszahlen, stärkere psychische Belastungen und schwerwie- gendere ökonomische Folgen bemerkbar . Auch in Köln waren Familien in prekären Verhältnissen in besonderem Maße durch die Pandemie belastet . Außerdem zeigt die städtische Befragung, dass neben Menschen mit geringem Einkommen auch Selbstständige und Personen mit Migra- tionsgeschichte in größerem Ausmaß von coronabedingten Einkommenseinbußen betroffen waren als Personen, auf die diese Merkmale nicht zutreffen . 4 .6 Soziale und medizinische Versorgung Die Corona-Pandemie hatte deutsch- landweit schwerwiegende Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit sozialer und medizinischer Infrastrukturen . Besonders sichtbar wurde dieser Einschnitt beispiels- weise in der zeitweisen Überlastung von Krankenhäusern oder in der Versorgung von Bewohner*innen in Alten- und Pflegehei- men, die über einen längeren Zeitraum iso- liert waren . Die Herausforderung bestand im Wesentlichen darin, die notwendigen Strukturen und Angebote der sozialen und medizinischen Versorgung im Rahmen der sich ändernden Vorgaben zu sichern und aufrecht zu erhalten . 32 Genauso wie in den kommunalen Ver- waltungen und anderen Organisationen der kritischen Infrastruktur waren auch von sozialen Organisationen während der Pan- demie alternative Arbeitsweisen gefordert . So wurden digitale Angebote ausgebaut und Arbeitsstrukturen angepasst . Laut den Kölner Expert*innen haben gerade die sozialen Einrichtungen eine große Anpas- sungsfähigkeit und Innovation bewiesen . Viele digitale Angebote wurden in Köln beibehalten, zum Beispiel die Kommuni- kation zwischen Patient*innen in Pflege- einrichtungen und ihren Angehörigen über Videotelefonie . Darüber hinaus wurde das Personal aufgestockt, um dem drastisch gestiegen Arbeitsaufwand in einzelnen Bereichen gerecht zu werden . Im Kölner Gesundheitsamt wurde beispielsweise das Personal in kurzer Zeit temporär ver- dreifacht . Diese im Kontext der Pandemie eingeübte kooperative Zusammenarbeit und Flexibilität im Umgang mit Ausnahme- situationen wird auch für die Bewältigung zukünftiger Krisen von Nutzen sein . Auswirkungen in den Themenfeldern Die Kontaktbeschränkungen haben das Sozialleben der meisten Menschen kurzzei- tig vollständig verändert . Für viele Men- schen sind soziale Kontakte auch langfristig weggebrochen . Umso wichtiger ist es laut den Kölner Expert*innen, verstärkt Begeg- nungsräume zu schaffen, in denen soziale Kontakte ermöglicht werden . Ein innovati- ves Beispiel sind hier die Familiengrund- schulzentren in Köln, die während der Pandemie eingeführt wurden . Das Angebot erreicht Familien im Kontext der Grund- schule und baut auf diese Weise Barrieren ab . Medizinische Infrastruktur In ganz Deutschland mussten Kranken- häuser sich zeitweise zu großen Teilen auf die Behandlung von Covid-19-Patient*in- nen konzentrieren (Krankenhaus-Report, 2022) . Insgesamt wurde im Verlauf der Pandemie ein Rückgang der Fallzahlen, der Verweildauer der Patient*innen sowie der „Ganz grundsätzlich hat die Pandemie viele neue Erfahrungen ermöglicht, die langfristig hilfreich sind: Wie wir kommunizieren, wie wir zusammenarbeiten – da wurde im Zuge der Pandemie viel gelernt und es wurde mehr Verständnis füreinander aufgebaut. “ Dr . Harald Rau, Beigeordneter für Soziales, Gesundheit und Wohnen 33 finanziellen Einnahmen der Krankenhäuser festgestellt (RWI, 2021) . Der Rückgang an Behandlungen insgesamt ergibt sich aus verschobenen Operationen und Untersu- chungen, die langfristig für einen erhöhten Behandlungsbedarf sorgen können (Espon Malmö, 2022) . Eine zentrale Rolle bei der Pandemiebe- kämpfung kam den Gesundheitsämtern zu . Das Kölner Gesundheitsamt als größtes deutsches Gesundheitsamt war dahinge- hend sehr gut aufgestellt . Auch in anderen Fällen hat die Stadt Köln eine Vorreiter- rolle eingenommen, da es zu Beginn der Pandemie zeitweise noch keine konkreten Vorgaben von Landes- bzw . Bundesseite gab . Beispiele sind hier die sogenannten Lolli-Testungen in Kitas, das Angebot von Corona-Testungen für Lehrkräfte oder die digitale Infektionsnachverfolgung . Eine besondere Herausforderung besteht in der Belastungssituation der Mitarbeiten- den im Gesundheits- und Pflegebereich, die während der Pandemie ein extremes Ausmaß erreicht hatte und weiterhin sehr hoch ist . In der Konsequenz verlassen viele Pfleger*innen den Beruf, sodass sich der Fachkräftemangel zusätzlich verschärft . Auswirkungen auf individueller und familiärer Ebene Insgesamt schien der Diskurs während der Pandemie aufgrund der pandemischen Notsituation vorwiegend auf die physische bzw . biologische Gesundheit der Bevölke- rung ausgerichtet zu sein . Häufig wurde über den aktuellen Stand der Infektionszah- len, den Zustand der Krankenhäuser oder die Wirksamkeit verschiedener Hygiene- schutzmaßnahmen informiert und disku- tiert . Rückblickend entsteht der Eindruck, dass während der Pandemie die Bedeutung von psychischer Gesundheit und sozialer Sicherheit zumindest zeitweise in den Hin- tergrund gerückt ist . Die Vernachlässigung der physischen Gesundheit hat ihre Spuren hinterlassen: Während der Pandemie war ein deutlicher Anstieg der psychischen Belastung und der häuslichen Gewalt messbar (Espon Amsterdam, 2022) . Die Zunahme von Stress oder Einsamkeit sind in allen Altersklassen und sozioökonomi- schen Milieus festzustellen . Besonders aus- geprägt ist sie jedoch bei finanziell ärmeren Menschen in kleinen Wohnungen (Espon Malmö, 2022) . Diese Tendenzen haben sich auch in Köln bestätigt . Umfragen unter Köl- ner Studierenden zeigen, dass die psychi- sche Belastung dieser Bevölkerungsgruppe ebenfalls zugenommen hat . Besonders betroffen sind jedoch Kinder und Jugendliche . 34 5 Schlussfolgerungen für die Stadtentwicklung in Köln Aus den Ergebnissen der Literaturanalyse, der Sonderauswertung der städtischen Bevölkerungsbefragung und den Erkenntnissen aus den Fachgesprächen mit Kölner Expert*innen lassen sich folgende fünf zentralen Schlussfolgerungen für die zukünftige Stadtentwick- lung ableiten: 1 . Dezentrale Stadtstruktur 2 . Stärkere und kooperierende Grunddaseinsvorsorge 3 . Resiliente Wirtschaftsstrukturen 4 . Integriertes Mobilitätssystem 5 . Multifunktionaler Stadtraum 5 .1 Dezentrale Stadtstruktur Durch die Corona-Pandemie ist die Innenstadt besonders in den Fokus geraten und hat eine Bedeutungsverschiebung erfahren . Insbesondere die strukturellen Veränderungen in einzelnen Bran- chen, wie zum Beispiel dem Tourismus und dem Einzelhandel führen zu neuen Anforderungen an Innenstädte im Allgemeinen und an die Kölner Innenstadt als bedeutendes touristisches Ziel im Besonderen . Die in Kapitel 5 . 1 beschriebenen Auswirkungen der Pandemie auf Einzelhandel und Tourismus müssen zu einer Neu- bewertung der Innenstadt führen . Die monostrukturierten Handels- lagen sind aufzubrechen und neue Nutzungen zu etablieren, um auf diese Weise eine Attraktivierung und Belebung der klassischen Innenstadtlagen zu erreichen . 35 Eine verstärkte Nutzungsdurchmischung birgt hohe Chancen für die Kölner Innenstadt . Der stationäre Einzelhandel kann durch Freizeitangebote, soziale Infrastrukturen, Sport- und Bildungsangebote in Kombination mit einem attraktiven öffentlichen Raum gestärkt werden . Zur Belebung der Innenstadt kann auch die Umwandlung von Einzelhandelsflä- chen zu Wohnraum oder für kulturelle Zwecke beitragen . Freiwer- dende Geschäfts- und Büroflächen in der Innenstadt bieten weitere Optionen für diese Nutzungen . Mit dem Leitbildprozess „Handelsla- gen Hohe Straße/Schildergasse“ ist die Stadt Köln bereits auf dem Weg, entsprechende Konzepte zu entwickeln . Darüber hinaus zieht die Bedeutungsverschiebung der Innen- stadt einen verstärkten Fokus auf die Stadtteilzentren als Sozial-, Bildungs- und Wirtschaftsraum nach sich . Das städtische Leben organisiert sich zunehmend neu – ein Prozess, der durch die Pan- demie mit angestoßen wurde: Die Aufteilung des Stad in zentrale Einkaufs-, Arbeits- und Wohnorte löst sich noch weiter auf und die Stadtteile gewinnen an Bedeutung für das tägliche Leben: Arbei- ten, Erholen, Einkaufen und Wohnen müssen diesen veränderten Ansprüchen gerecht werden (siehe auch Abschnitt zu 6 .5 Multi- funktionaler Stadtraum) . Erfordernisse für die Stadtentwicklung › Die Nutzungsdurchmischung für eine höhere Innovationsattrakti- vität und -aktivität in der Innenstadt gezielt fördern › Vielfältige Möglichkeiten für soziales und kulturelles Erleben im innerstädtischen Raum schaffen, um die Aufenthaltsattraktivität zu erhöhen › Geschäfts- und Büroflächen innovativ, co-kreativ, temporär sowie sektorenübergreifend denken und entwickeln › Die Veedel als Zentren des nachbarschaftlichen Zusammenhalts mit einer guten Sozial- und Gesundheitsinfrastruktur und Nah- versorgung weiterentwickeln 36 5 .2 Stärkere und kooperierende Daseinsgrundfunktionen Die Pandemie hat Belastungsgrenzen aufgezeigt . Die medizinische Infrastruktur ist während der Pandemie an ihre Grenzen gestoßen, wodurch tieferliegende Probleme in der Aus- gestaltung der Gesundheitsversorgung offengelegt wurden . Der Fachkräftemangel und die starke Belastung von Pflegekräften haben während der Pandemie weiter zugenommen und sorgen dafür, dass die gesundheitsbezogene Infrastruktur ein verletzliches System bleibt . Um auch zukünftige Krisen gemeinsam erfolgreich zu bewältigen, ist es sinnvoll jetzt in den Aufbau resilienter und vorausschauen- der Strukturen zu investieren, die ein flexibles Krisenmanagement ermöglichen . Hilfreich ist dabei eine dauerhaft tragfähige Kooperationsstruktur, die im Krisenfall ein schnelles und zielgerichtetes Handeln ermög- licht . Dazu können die kontinuierliche Anpassung der Krisen- strukturen und der Kommunikationskanäle dienen, die während der Pandemie aufgebaut wurden, und bei Bedarf schnell reaktiviert werden müssen . Eine positive Entwicklung, die in Teilen auf die Erfahrungen der Pandemie zurückzuführen ist, dass die mentale Gesundheit eine stärke Aufmerksamkeit erfährt . Die Situation erfordert dennoch dringend eine langfristige und zielgruppenspezifische Strategie für den Umgang mit psychischer Belastung und häuslicher Gewalt sowie den umfassenden Ausbau von Beratungsangeboten, um den gestiegenen Bedarf insbesondere bei jungen Menschen zu decken . Bestehende Strukturen und Angebote können dabei noch besser vernetzt und zugänglich gemacht werden . Schlussfolgerungen für die Stadtentwicklung in Köln 37 In einer Gesellschaft, in der die soziale Ungleichheit zunimmt, besteht die Gefahr, dass Menschen ausgegrenzt werden oder das Vertrauen in politische Institutionen verlieren . Um gegenzusteuern, ist es wichtig, die verschiedenen Bedürfnisse der Stadtgesellschaft zu kennen und Hürden abzubauen, die die Teilhabe am gesellschaft- lichen Leben verhindern . Die Pandemie hat gezeigt, dass viele Herausforderungen strukturell gelöst und nur durch zielgerichtete Kooperationen zwischen allen Akteur*innen entwickelt werden müssen . An dieser Stelle kann auf die in der Pandemie aufgebauten Strukturen aufgebaut werden, die eine pragmatische, effiziente und lösungsorientierte Zusammenarbeit ermöglicht haben . Erfordernisse für die Stadtentwicklung › Starke und kooperierende Netzwerke der Daseinsgrundvorsorge für eine ganzheitliche Begleitung bedürftiger Menschen schaf- fen, um einer wachsenden Ungleichheit entgegenzuwirken › Bildungsungleichheit mit gezielten Programmen reduzieren › Die Interessen von Kindern und Jugendlichen bei der Stadtent- wicklung noch stärker berücksichtigen › Weitere einfach zugängliche Frei- und Bewegungsräume für Kinder und Jugendliche zur Selbstorganisation und -gestaltung schaffen › Bürgerschaftliches Engagement und Möglichkeiten der Selbst- wirksamkeit und Beteiligung weiter institutionalisieren und verstetigen (insbesondere von sozioökonomisch schwächeren Sozialgruppen) › Dem Fachkräftemangel im Bereich Gesundheitsversorgung durch eine umfassende Attraktivierung des Pflegeberufs entgegensteuern 38 5 .3 Resiliente Wirtschaftsstrukturen Die Ambivalenz zwischen der Reduktion physischer Kontakte und dem Erhalt wichtiger Infrastrukturen und der Versorgung der Bevölkerung hat auch die Kölner Wirtschaft während der Corona- Pandemie stark geprägt . Auf der einen Seite wurden ganze Teile des geschäftlichen Handelns verboten . Auf der anderen Seite haben Wirtschaftsbranchen, die sich insbesondere mit den Grundbedürf- nissen befassen bzw . die die neuen Anforderungen reagieren, in der Pandemie gewonnen . Kölns Wirtschaft hat durch eine diversifizierte Branchenstruktur sowie flexibles Agieren der Unternehmen die Corona-Krise gut beherrscht und Resilienz bewiesen . Der aus makroökonomischer Perspektive milde Verlauf der Corona- Pandemie beruht im Wesentlichen auf dem flexiblen und guten Kri- senmanagement der Kölner Unternehmen . Im Nachhinein betrachtet, wurden die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pande- mie insgesamt drastischer wahrgenommen als sie tatsächlich waren . „Bei Ford haben wir zu Beginn der Pandemie schnell reagiert und pragmatische Maßnahmen ergriffen. Bei- spielsweise wurden eigene T estzentren eingerichtet und Masken produziert. Später wurde auch ein Impfzentrum auf dem Betriebsgelände eingerichtet, das von anderen Unternehmen mitgenutzt wurde. Insgesamt hat Ford die Chance genutzt, systematisch Prozesse umzustruk- turieren und beispielsweise dauerhaft Geschäftsreisen einzusparen. “ Gunnar Hermann, ehemaliger Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford Werke GmbH, heute Mitglied des Aufsichtsrat der Ford Werke GmbH) Schlussfolgerungen für die Stadtentwicklung in Köln 39 Die konjunkturellen Auswirkungen der Corona-Pandemie werden mittlerweile durch neue Krisen überlagert . Um Kölns Wirtschaft auch in der Zukunft resilient zu gestalten, sollten die einsetzenden strukturelle Veränderungen in den von der Pandemie stark betroffenen Branchen aktiv begleitet und unter- stützt werden . Sowohl bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Geschäftsmodelle und -strategien als auch bei der Gewinnung von notwendigen Fach- und Arbeitskräften können Kölner Unter- nehmen von einer Unterstützung seitens der Stadtverwaltung profitieren . Darüber hinaus hat der Digitalisierungsschub während der Pan- demie die Anforderungen an digitale Infrastrukturen und Kompe- tenzen nochmals erhöht . Die Arbeit im Homeoffice sowie digitale Anwendungen und Geschäftsmodelle verlangen schnelle und leistungsfähige Internetverbindungen, die fortwährend ausgebaut werden müssen . Der in Köln mit dem Projekt „100 % Glasfaser für Köln“ eingeschlagene Weg ist deshalb auch vor dem Hintergrund der Auswirkungen der Pandemie sinnvoll . Ebenso entscheidend ist die Aus- und Weiterbildung in Digitalkompetenzen, die möglichst frühzeitig aufgebaut und kontinuierlich weiterentwickelt werden muss . Die Corona-Pandemie hat darüber hinaus die Bedeutung von Inno- vationskompetenz, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität verstärkt . Nicht alle Herausforderungen lassen sich automatisch durch digi- tale Anwendungen lösen . Entscheidend ist das Handeln der Betei- ligten in den Unternehmen und der Verwaltung . Damit Köln auch die nächsten (wirtschaftlichen) Krisen mit gleichem Erfolg besteht, sind innovativ denkende und flexibel reagierende Mitarbeiter*innen und Führungskräfte von besonderer Bedeutung . Die notwendigen Fähigkeiten sollten aktiv gefördert werden . Erfordernisse für die Stadtentwicklung › Die Diversität in der Branchenstruktur für mehr Resilienz gegen- über Krisenereignissen und tiefgreifenden Transformationspro- zessen erhalten, festigen und weiterentwickeln › Strukturelle Veränderungen in Wirtschaftsbranchen aktiv mit den Unternehmen und weiteren Akteur*innen wie der Indust- rie- und Handelskammer, der Handwerkskammer, KölnBusiness 40 Wirtschaftsförderungs-GmbH, Stadtverwaltung und Beteili- gungsverwaltung begleiten und unterstützen › Den Auf- und Ausbau digitaler Infrastrukturen und Kompetenzen vor allem für kleine und mittlere Unternehmen mit geringen zeit- lichen, finanziellen sowie fachlichen Ressourcen fördern › Innovationskompetenzen, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität im Sinne der Krisenresilienz der Kölner Wirtschaft weiter stärken 5 .4 Integriertes Mobilitätssystem Die Corona-Pandemie hat ambivalente Auswirkungen auf die Ziele der Mobilitätswende . Bereits vor der Corona-Pandemie stand der Kölner Verkehrssektor aufgrund von Klimaschutzmaßnahmen, der infrastrukturellen Über- lastung, der Luftbelastung und der Verteilungsfragen im Stadtraum vor Herausforderungen . Die Pandemie hat zusätzlich in T eilberei- chen der Mobilitätswende sowohl zu unterstützenden Effekten als auch zu entgegengesetzten Entwicklungen geführt. So hat sich das Mobilitätsaufkommen insgesamt reduziert und die Nutzung des Fahrrads deutlich verstärkt . Viele Kölner*innen sind aber auch vermehrt auf den motorisierten Individualverkehr umgestiegen, was den Zielen der Mobilitätswende entgegenläuft (siehe Kapitel 5 .3 Mobilität) . Die Veränderungen im Mobilitätsverhalten und den Stoßzeiten haben die Einflussmöglichkeiten auf den innerstädtischen Ver- kehr in Köln zutage geführt . Neben den direkten und indirekten Auswirkungen der Corona-Pan- demie auf die Mobilitätswende hat die Pandemie auch die Einfluss- möglichkeiten auf Wegzwecke und Tageslinien offenbart. So haben Entscheidungsträger*innen in Köln bewusst die Stoßzeiten des innerstädtischen Verkehrs entzerrt. Auch die Möglichkeit zum Homeoffice führen zu weniger ausgeprägten Stoßzeiten im städti- schen Verkehr. „Durch die Pandemie haben sich neue Bedarfe an den Straßenbau ergeben, die hervorragend zur strategischen Ausrichtung der Verkehrspoli- tik der Stadt Köln passen: Wir verfolgen bereits eine Mobilitätswende, die möglichst kurze Wege ermöglicht und den Rad- und Fußverkehr stärkt. “ Ascan Egerer, Beigeordneter für Mobilität Schlussfolgerungen für die Stadtentwicklung in Köln 41 Für den Verkehrssektor ergeben sich aus den Erfahrungen und den Veränderungen der Corona-Pandemie drei Aufgaben in Bezug auf die Stadtentwicklung: 1 . Der Bedarf an gut ausgebauter Fahrradinfrastruktur ist weiter gestiegen . Der Ausbau sicherer Fahrrad- und Fußwege ist not- wendig, um den höheren Nutzungszahlen gerecht zu werden und den Umstieg auf das Fahrrad für potenzielle Nutzer*innen noch attraktiver zu gestalten . 2 . Um die angestrebte Mobilitätswende zu erreichen, muss eine Rückverlagerung vom motorisierten und der Vertrauensrück- gewinn vom Individualverkehr zum ÖPNV erfolgen . Auf diese Weise sinken nicht nur die Überlastungen der Straßen und die Luftverschmutzung in Köln, sondern der Park- und Verkehrsraum kann neu aufgeteilt und für alternative Nutzung zur Verfügung gestaltet werden . Das führt zu einer Steigerung der Lebensquali- tät für alle Kölner*innen . 3 . In der Pandemie hat sich gezeigt, dass das Verkehrsaufkommen und die Stoßzeiten aktiv beeinflusst werden können . Die Ver- kehrsflächen für Autos ist derzeit so dimensioniert, dass sie dem aktuellen Verkehrsaufkommen, insbesondere zu Hauptver- kehrszeiten, gerecht werden . Außerhalb dieser Stoßzeiten wird ein Großteil dieser Fläche aber nicht benötigt . Mit einer aktiven Beeinflussung der Verkehrsflüsse mit hohen Frequenzen könnte dementsprechend die Möglichkeit geschaffen werden, den Raum, der aktuell den Autofahrenden zur Verfügung steht, für den Rad- und Fußverkehr oder als Grünflächen um zu gestalten . Diese Möglichkeit sollte in Köln stärker genutzt werden . Wirtschaftsförderungs-GmbH, Stadtverwaltung und Beteili- gungsverwaltung begleiten und unterstützen › Den Auf- und Ausbau digitaler Infrastrukturen und Kompetenzen vor allem für kleine und mittlere Unternehmen mit geringen zeit- lichen, finanziellen sowie fachlichen Ressourcen fördern › Innovationskompetenzen, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität im Sinne der Krisenresilienz der Kölner Wirtschaft weiter stärken 5 .4 Integriertes Mobilitätssystem Die Corona-Pandemie hat ambivalente Auswirkungen auf die Ziele der Mobilitätswende . Bereits vor der Corona-Pandemie stand der Kölner Verkehrssektor aufgrund von Klimaschutzmaßnahmen, der infrastrukturellen Über- lastung, der Luftbelastung und der Verteilungsfragen im Stadtraum vor Herausforderungen . Die Pandemie hat zusätzlich in T eilberei- chen der Mobilitätswende sowohl zu unterstützenden Effekten als auch zu entgegengesetzten Entwicklungen geführt. So hat sich das Mobilitätsaufkommen insgesamt reduziert und die Nutzung des Fahrrads deutlich verstärkt . Viele Kölner*innen sind aber auch vermehrt auf den motorisierten Individualverkehr umgestiegen, was den Zielen der Mobilitätswende entgegenläuft (siehe Kapitel 5 .3 Mobilität) . Die Veränderungen im Mobilitätsverhalten und den Stoßzeiten haben die Einflussmöglichkeiten auf den innerstädtischen Ver- kehr in Köln zutage geführt . Neben den direkten und indirekten Auswirkungen der Corona-Pan- demie auf die Mobilitätswende hat die Pandemie auch die Einfluss- möglichkeiten auf Wegzwecke und Tageslinien offenbart. So haben Entscheidungsträger*innen in Köln bewusst die Stoßzeiten des innerstädtischen Verkehrs entzerrt. Auch die Möglichkeit zum Homeoffice führen zu weniger ausgeprägten Stoßzeiten im städti- schen Verkehr. „Durch die Pandemie haben sich neue Bedarfe an den Straßenbau ergeben, die hervorragend zur strategischen Ausrichtung der Verkehrspoli- tik der Stadt Köln passen: Wir verfolgen bereits eine Mobilitätswende, die möglichst kurze Wege ermöglicht und den Rad- und Fußverkehr stärkt. “ Ascan Egerer, Beigeordneter für Mobilität 42 Erfordernisse für die Stadtentwicklung › Köln als Destinationsraum stärken und den städtischen, regiona- len und überregionalen ÖPNV weiterentwickeln › Rush Hours durch abgestimmte Start- und Endzeiten in Schulen, Unternehmen und der öffentlichen Hand aktiv steuern und vorbeugen › Mit digitalen Anwendungen, zum Beispiel Echtzeitauslastungsan- zeigen in Apps, individuelle Mobilitätsentscheidungen erleichtern und Stoßzeiten entzerren › Im Sinne einer ökologisch-nachhaltigen Mobilitätswende den Umweltverbund, bestehend aus Rad- und Fußverkehr, ÖPNV sowie Car-Sharing Angeboten, weiter auszubauen › Verkehrsräume multifunktional im Sinne einer sozialen und klima-ökologischen Nutzung umgestalten und mehr Aufent- haltsqualität des öffentlichen Raumes für die Bewohner*innen schaffen 5 .5 Multifunktionaler Stadtraum Die Bedeutung der näheren Wohnumgebung ist gestiegen . Während der Pandemie hat die Bedeutung des Wohnumfeldes erheblich zugenommen . Insbesondere die wohnortnahe Versor- gung, der Zugang zu Grünflächen und zu vielfältigen Infrastrukturen haben für die Lebensqualität der Bewohner*innen an Bedeutung gewonnen . Nicht nur die Zunahme der Homeoffice-Arbeit, sondern auch neue Krisen haben einen Einfluss auf den Themenkomplex Wohnen: So stellen hohe Energiepreise und Baukosten eine erhebliche finan- zielle Belastung dar und verschärfen die ohnehin angespannte Situ- ation in Bezug auf bezahlbaren Wohnraum . Diese Faktoren müssen bei der Planung und Entwicklung von Wohngebieten berücksichtigt werden . Schlussfolgerungen für die Stadtentwicklung in Köln 43 Den Stadtraum multifunktional denken und entwickeln Im Hinblick auf die Stadtentwicklung ergibt sich aus den beschrie- benen Aspekten der Bedarf, den Stadtraum möglichst multifunktio- nal zu denken und zu entwickeln . Die dabei formulierten vielfältigen Bedarfe und Anforderungen sind bei der Planung und Entwicklung zu berücksichtigen . Die Nutzungsdurchmischung in den Veedeln ist auszubauen und zu stärken, um somit die soziale und infrastrukturelle Vielfalt, eine kre- ative und innovative Umgebung und eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen zu ermöglichen . Gleichzeitig können auf diese Weise Wege verkürzt werden, wodurch sich die Lebensqualität und die wirtschaftliche Vitalität in den Stadtteilen erhöht . Kurze Wege und die vielseitig nutzbaren Sharing-Angebote von Freizeit- oder Arbeitsräumen, wie zum Beispiel Co-Working-Spaces, bringen außerdem Vorteile in den Bereichen Mobilität und Wohnen mit sich . Wenn im Quartier möglichst viele Flächen zur Verfügung stehen, die gemeinsam genutzt werden können (beispielsweise in Form von Grünflächen, Treffpunkten, Spielorten, Co-Working-Räumen und so weiter), kann dem steigenden Wohnflächenbedarf pro Kopf entge- gengewirkt werden . „Insgesamt sollte bei der Planung von sozialer Infrastruktur unabhängiger von T opographie und Gebäuden gedacht werden, sondern eher in Funktionen: Wir sollten die Bedarfe identifizieren und davon ausgehend multifunktionale Gebäude schaffen, die einfach umzubauen sind und auf diese Weise auf vielfältige Art nutzbar sind. “ Dr . Harald Rau, Beigeordneter für Soziales, Gesundheit und Wohnen 44 Für eine bedarfsorientierte Stadtentwicklung, die auf den Bedürf- nissen der Bewohner*innen basiert, ist es entscheidend, dass die Kölner*innen weiterhin aktiv in Planungsprozesse miteinbezogen werden und ihre Perspektiven, Ideen und Interessen einbringen können . Im Sinne einer „kinderfreundlichen Kommune“ sollte dabei ein besonderer Fokus auf die Bedürfnisse junger Menschen gelegt werden . Ziel sollte sein, mit Rücksicht auf die langfristigen Heraus- forderungen, die durch die Corona-Pandemie hinzugekommen sind, den Stadtraum für alle zugänglich, attraktiv und nutzbar zu gestalten . Erfordernisse für die Stadtentwicklung › Freiräume und Grünflächen bedarfsorientiert ausbauen und pflegen › Nachbarschaften, sozialer Zusammenhalt und Gesundheit durch mehr Sozial- und Bewegungsräume in den Veedeln unterstützen und ausbauen › Den Wohnungsmarkt auf die Bedürfnisse einer heterogenen Bevölkerung ausrichten und aktiv steuern › Stadträume in ihrer vielfältigen Funktion erkennen und vor allem als Orte von und für soziale, demokratische (z . B . Bürger*innen- räte) und wirtschaftliche Innovationen entwickeln Schlussfolgerungen für die Stadtentwicklung in Köln 45 6 Auswirkungen auf die Umsetzung der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie 2.0 „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ dient als Kompass für eine zukunftsgerichtete, strategische und nachhaltige Stadt- entwicklung dazu, Zielvorstellungen und Handlungsprinzipien für Köln zu formulieren und sie als ein Grundkonsens zu bündeln . Dabei werden alle für die Stadtentwicklung relevanten Bereiche in den Blick genommen und mögliche Wechselwirkungen berück- sichtigt . Mit den „Kölner Perspektiven 2030+“ zeigt die Stadt Köln auf, dass nur über Zusammenarbeit und Vernetzung die verein- barten Ziele erreicht werden können . Dieser Ansatz wurde durch die Corona-Pandemie bestätigt und fordert effiziente Synergien und gemeinsames Handeln stärker ein als zuvor . Denn nur eine integrierte Stadtentwicklung, die alle Akteur*innen berücksichtigt und deren Wissen und Planungen bündelt, kann den vielfältigen Herausforderungen der Zukunft zielorientiert und aktiv begegnen und sie gestalten . Mit der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ hat sich die Stadt Köln der Aufgabe gestellt, eine strategische Ausrichtung zu finden, um ihre Qualitäten als wettbewerbsfähige, klima- resiliente, vielfältige und lebenswerte Stadt zu sichern und zu steigern . Die Stadtstrategie ist als ein lebendiges Produkt zu verstehen, das einer stetigen Konkretisierung und Weiterentwicklung bedarf . Insbesondere bei disruptiven Verände- rungen wie der Corona-Pandemie ist es deshalb notwendig, die Gültigkeit der Inhalte der Stadt- strategie zu überprüfen und gegebenenfalls die Priorisierung des Zielsystems neu zu bewerten . 46 Zum Abschluss der Studie zu den Auswirkungen der Corona-Pan- demie auf die Umsetzung der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ stellen sich deshalb folgende Fragen: › Welche Aspekte sind bei der Umsetzung der Stadtstrategie vor dem Hintergrund der langfristigen Auswirkungen der Corona- Pandemie zu ergänzen oder besonders zu beachten? › Erfordern die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Stadt- entwicklung eine veränderte Priorisierung der Aufgaben und Herausforderungen für Kölns Zukunft? Megatrends vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie Bei der Erarbeitung der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ wurde auf einer breiten Grundlage vorhandener Konzepte auf- gebaut . Außerdem wurden verschiedene Megatrends in den Blick genommen und daraus zentrale Aufgaben und Herausforderungen für die Stadtentwicklung abgeleitet . Da die Megatrends Entwick- lungen in der weiteren Zukunft abbilden, hat sich deren Relevanz durch die Corona-Pandemie kaum verändert . Jedoch haben einige Trends im Zuge der Pandemie einen Schub erfahren und die Ent- wicklungen sind schneller vorangeschritten als vor der Pandemie erwartet . Beispielsweise können hier die Trends „Entgrenzung von Arbeit und Freizeit“ , „Ausdifferenzierung der Arbeitsverhältnisse und steigendes Armutsrisiko“ und „virtuelle Durchdringung der Realität und Digitalleben“ angeführt werden (siehe „Kölner Perspektiven 2030+“ Kapitel: Trends von übermorgen) . Besonders hinsichtlich der Entwicklungen im Bereich Digitalisierung ist die Corona-Pan- demie jedoch keineswegs als Game-Changer zu verstehen, sondern lediglich als ein zentraler Beschleunigungsfaktor . Die Pandemie hat in fast allen Lebensbereichen zu einer deutlichen Verstärkung des Digitalisierungstrends geführt . Die damit verbundene Normalisie- rung und Ausbreitung digitaler Anwendungen und Technologien wird weitere Digitalisierungsvorhaben in Zukunft vereinfachen . Auswirkungen auf die Umsetzung der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ 47 Das Zielgerüst der „Kölner Perspektiven 2030+“ vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie In der Gesamtschau zeigt sich, dass auch die zentralen Heraus- forderungen, auf die die „Kölner Perspektiven 2030+“ ausgerichtet sind, durch die Pandemie keineswegs an Relevanz verloren haben . Vielmehr hat die Krisenerfahrung bestätigt, dass mit der Stadt- strategie bereits die drängendsten Herausforderungen identifiziert worden sind . Die Ergebnisse dieser Studie spiegeln sich insgesamt sichtbar im Zielgerüst der Stadtstrategie (siehe „Kölner Perspekti- ven 2030+“ , Kapitel Zielgerüst: Leitsätze und Ziele für die künftige Kölner Stadtentwicklung) wider . Deshalb besteht kein Zweifel daran, dass sich die handelnden Akteur*innen mit den Kölner Perspektiven auch nach der Pandemie weiterhin auf dem richtigen Pfad befinden . Jedoch hat sich der Handlungsbedarf und die Notwendigkeit für mehr Tempo auf diesen Pfaden aufgrund der Pandemie verstärkt: Bei der Verfolgung der Ziele, die unter den Leitsatz 1 „Köln sorgt für kompakte und lebenswerte Quartiere“ gefasst sind, sollte ein besonderes Augenmerk auf den langfristig gestiegenen Anteil an Menschen, die im Homeoffice arbeiten, gelegt werden . Die Flexi- bilisierung der Arbeitswelt und die zunehmende räumliche Über- schneidung von Arbeit und Wohnen kann veränderte Wohnbedarfe schaffen und, wie in Kapitel 5 .4 „Wohnen und Leben“ erläutert, die Reduktion des Flächenverbrauchs pro Kopf erschweren (siehe Ziel 1 .2 „Köln geht mit der knappen Ressource Fläche sorgfältig um“) . Kompakte und durchmischte Quartiere mit einem leistungsfähigen Mobilitätsangebot, in denen die Wege zwischen Arbeit und Woh- nen auf ein Minimum reduziert sind, können hier Abhilfe schaffen . Ergänzt durch ein gutes Angebot an Co-Working-Spaces können in Wohnungsnähe die veränderten Flächenbedarfe abfangen werden . Die Pandemie hat gezeigt, dass eine integrierte Stadtentwicklung, die die Veedel als lebenswerte Zentren des gemeinschaftlichen Lebens weiterentwickelt, der richtige Ansatz ist (siehe Ziel 1 .3 „Köln sichert und entwickelt seine Veedel zu Zentren des gemeinschaft- lichen Lebens“) . Die Pandemie hat hier einen besonderen Fokus auf den öffentlichen Raum, insbesondere auf Grünflächen und Parks, gesetzt (siehe Ziel 1 .4 „Köln sorgt für attraktive Parks, Plätze, Stra- ßen und sichere öffentliche Räume“) . Sie werden vielfältiger genutzt und werden seit der Corona-Pandemie deutlich stärker nachgefragt und wertgeschätzt . Dies gilt besonders für wohnungsnahe Grün- flächen im eigenen Quartier . Auch im Hinblick auf die physische 48 und psychische Gesundheit und auf das Thema Klimaresilienz ist der Erhalt, die Pflege und die Ausweitung dieser Flächen von großer Bedeutung (siehe auch die Ziele unter Leitsatz 4 und 5) . Hinsichtlich der Ziele, die unter den Leitsatz 2 „Köln schafft Raum für eine dynamische und nachhaltige Wirtschaft und für vielfältige Arbeitswelten“ gefasst sind, ist besonders eine breit aufgestellte und diversifizierte Wirtschaft von Vorteil . Die damit verbundene Resilienz und die pragmatische Anpassungsfähigkeit, die ein Groß- teil der Unternehmen in der Krise bewiesen haben, gehören zu den klaren Stärken Kölns . Mit dem Erhalt und Ausbau dieser Stärken ist Köln auch für zukünftige Krisen gewappnet (siehe Ziel 2 .1 „Köln stärkt seinen breiten Wirtschaftsmix“) . Da die Kultur- und Kreativ- wirtschaft als besonders stark betroffene Branche noch immer mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen hat, ist weiterhin ein besonderes Augenmerk auf die Erreichung des Ziels 2 .4 „Köln ent- wickelt Räume und Strukturen für die Kultur- und Kreativwirtschaft“ zu legen . Die Relevanz der Ziele, die mit dem Leitsatz 3 „Köln sorgt für Bil- dung, Chancengerechtigkeit und T eilhabe“ überschrieben sind, ist mit den Auswirkungen der Pandemie noch einmal deutlich gestie- gen . Die Verstärkung der Bildungsungleichheit erfordert ein noch zielgerichteteres und entschlosseneres Handeln . Ein guter Ansatz, der in Köln bereits intensiv verfolgt wird, ist, Schulen nicht nur als Orte des Lernens, sondern auch als Zentren der Integration und der gesellschaftlichen Initiative zu verstehen . Das Leitbild Kölns als kinder- und jugendfreundliche Kommune muss sich verstärkt auch stadträumlich niederschlagen, indem Kindern und Jugendlichen mehr Räume zur Verfügung gestellt werden und sie aktiver an Entscheidungen beteiligt werden (siehe Ziel 3 .4 „Köln fördert die kinder-, jugend- und familienfreundliche Stadt“) . Die Pandemie hat von Kindern und Jugendlichen besonders viel gefordert . Eine bedarfsgerechte Daseinsvorsorge sollte sich deshalb auf neue Anforderungen wie z .B . mehr psychologische Beratungsangebote für Kinder und Jugendliche ausrichten . Auswirkungen auf die Umsetzung der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ 49 In der Pandemie hat sich der Wohnraummangel im unteren und mittleren Preissegment weiter verschärft, sodass es immer mehr Menschen gibt, die sich das Wohnen in der Stadt nicht mehr leisten können . Der im Zuge der Pandemie weiter gestiegenen Anspan- nung im Wohnungsmarkt muss deshalb dringend entgegengewirkt werden (siehe Ziel 3 .2 „Köln sorgt für bezahlbaren Wohnraum und vielfältige Wohnformen“) . Bürgerschaftliches Engagement stellt eine wichtige Säule des städ- tischen Zusammenlebens dar . Auf die hohe Bereitschaft zur nach- barschaftlichen Unterstützung und die vielfältigen Hilfsangebote, die im Zuge der Pandemie entstanden sind, kann aufgebaut werden, indem Strukturen gefestigt und vernetzt werden . Die neuen kreati- ven und digitalen Beteiligungsformate, die während der Pandemie eingesetzt wurde, bieten viele Vorteile, Bürger*innen auch weiterhin auf niederschwellige Art und Weise in Entscheidungsprozesse miteinzubeziehen (siehe Ziel 3 .6 „Köln unterstützt das bürgerschaft- liche Engagement und setzt auf breite Einbeziehung der Bürger* innen in der Stadtentwicklung“) . Für eine gute gesellschaftliche Teilhabe sollten Personengruppen, die durch die fortschreitende Digitalisierung möglicherweise benachteiligt sind, sensibel unterstützt und weiterhin eine inklusive Ansprache aller Bevölkerungsgruppen sichergestellt werden . Um eine Vergrößerung der sozialen Ungleichheit zu verhindern, sollte der Fokus verstärkt in die Sozialräume gelegt werden, um vor Ort bedarfsgerechte Angebote zu schaffen und auszubauen . Auch auf den Bereich Mobilität hat die Pandemie nachhaltig ein- gewirkt . Die Ziele, die in der Stadtstrategie unter den Leitsatz 4 „Köln stärkt seine Rolle als vielfältig vernetzte Metropole“ gefasst werden, weisen bereits in die richtige Richtung, bekommen durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie aber eine neue Relevanz . Um die Pandemie zum Beschleuniger der Verkehrswende werden zu lassen, müssen verstärkt Anreize für den Umstieg vom motori- sierten Individualverkehr auf den Umweltverbund (ÖPNV, Rad- und Fußverkehr und stationsgebundene Sharing-Angebote) geschaffen werden (siehe Ziel 4 .1 „Köln entwickelt seine Mobilitätsangebote gemeinsam mit der Region innovativ und umweltverträglich weiter und stärkt den öffentlichen Nahverkehr“) . Hier sind insbesondere der weitere Ausbau der Fahrradinfrastruktur und die Reduktion von Flächen für den MIV notwendig (siehe Ziel 4 .2 „Köln schafft mehr Raum für Rad- und Fußverkehr“) . 50 Leitsatz 5 der Stadtstrategie, „Köln wächst klimagerecht und umweltfreundlich und sorgt für gesunde Lebensverhältnisse“ fokussiert eine gesunde und umweltverträgliche Stadtentwicklung . Die Relevanz dieses Leitzsatzes nimmt, ganz unabhängig von der Corona-Pandemie, durch die fortschreitende Klimaerwärmung weiter zu . Die Anpassung an Klimawandelfolgen, insbesondere in Bezug auf die gesundheitlichen Risiken, stellt eine der wichtigsten Aufgaben für die Stadtverwaltung in den nächsten Jahren dar (siehe Ziel 5 .3 „Köln betreibt eine konsequente Klimawandelanpassung“) . Betroffene Risikogruppen wie beispielsweise ältere Menschen soll- ten dabei besonders in den Blick genommen werden (siehe Ziel 5 .2 „Köln sorgt für Zugang zur gesundheitlichen Versorgung, Gesund- heitsförderung und Prävention für alle Lebenslagen“) . Die Pandemie hat einen besonderen Fokus auf die Bereiche Ver- kehr und Grünsystem gelegt, die ein großes Klimaschutzpotenzial aufweisen und gleichzeitig wichtige Stellschrauben für die Anpas- sung an Klimawandelfolgen und Luftqualität der Stadt bilden . Die deutlich gestiegene Nutzung von Grünflächen zeigt außerdem, dass der Ausbau und Erhalt der Kölner Grünflächen für die Lebensquali- tät und Gesundheit der Kölner*innen besonders relevant sind . Da der Stadtraum, insbesondere die öffentlichen Grünflächen, zuneh- mend als Bewegungsraum genutzt werden, sollten diese zukünftig bei stadtentwicklungsbezogenen Entscheidungen noch stärker berücksichtigt werden, um die Gestaltung des Stadtraums mit dem Ziel der Gesundheitsförderung zu verbinden . Hinsichtlich des Ziels 5 .2 „Köln sorgt für Zugang zur gesundheit- lichen Versorgung, Gesundheitsförderung und Prävention für alle Lebenslagen“ ist durch die Erfahrungen mit der Pandemie deutlich geworden, dass Prävention wichtig für die Bewältigung zukünftiger Krisen ist, um in Ausnahmesituationen noch besser agieren zu können . Auswirkungen auf die Umsetzung der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ 51 Die Ergebnisse der vorliegenden Studie bestätigen in allen wesentlichen Punkten die vorhandenen Ziele der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ . Dennoch hat die Corona-Pandemie den Fokus auf bestimmte Handlungsbe- reiche verstärkt . Die Pandemie hat deutlich gemacht, dass die Bedeutung der Veedel als Zentren des gemeinschaftlichen Lebens zugenommen hat, dass eine attraktive Wohnumgebung mit Parks und Grünflächen wichtiger geworden und dass ein breiter Wirtschaftsmix besonders in Krisen sichere Voraussetzungen für eine Krisenbewältigung ist . Viele Herausforderungen werden durch die Pandemie noch zentraler, wie die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, die Gestaltung einer kinder- und jugendfreundlichen Stadt, die Förderung von Sport und Bewegung und die Realisierung der Mobilitätswende . Die Corona-Pandemie kann vor dem Hintergrund der Studienergebnisse als Chance für eine nachhaltige und resiliente Stadtentwicklung begriffen werden . Die Pandemie hat weitreichende Veränderungen in Wohn- und Arbeitsmodellen sowie Mobilitätspraktiken hervorgebracht und zu einer verstärkten Nahraum- orientierung von Versorgungs- und Freizeitaktivitäten geführt . Die Pandemie dient deshalb in vielen Teilen als Motivation und Legitimation für die Anliegen einer nachhaltigen Entwicklung und einem Paradigmenwechsel zugunsten einer inklusiveren, nachhaltigeren, digitalen und smarten Stadtentwicklung . Allerdings erschwert die Komplexität der Wirkungszusammenhänge zwischen den vielfältigen Megatrends auf der einen und wirkmächtigen Krisenereignissen auf der anderen Seite die Vorhersage von Entwicklungen wie beispielsweise das weitere Wachstum von Städten oder die Zukunft des Online-Handels . Hier bedarf es einer weiterhin kontinuierlichen Beobachtung der Entwicklungen und Antizipation von möglichen disruptiven Ereignissen, um kurzfristig präventiv reagieren zu können . 52 Flexibilität, Agilität und Kooperation sind von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, den komplexen Herausforderun- gen gerecht zu werden und Städte zukunftsfähig zu gestalten . Die Corona-Pandemie hat insgesamt gezeigt, dass Krisenereig- nisse schnelle Reaktionen erfordern . Daher sollte die Stadtver- waltung flexibel und agil auf aktuelle Entwicklungen reagieren können . Krisenmanagement und Resilienz sind deshalb von zentraler Bedeutung . Ein Schlüsselaspekt ist dabei die kooperative Zusammenarbeit innerhalb der Stadtverwaltung und mit weiteren relevanten Akteur*innen . Die in der Pandemie aufgebauten Kom- munikationsstrukturen sollten gehalten werden, um eine effektive Zusammenarbeit zu gewährleisten, Synergien zu nutzen und um Köln als lebenswerte, zukunftsorientierte und resiliente Stadt weiterzuentwickeln . Auswirkungen auf die Umsetzung der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ 53 54 Quellenverzeichnis › ADAC, 2023 . Der ADAC Mobilitätsindex . Entwicklung nachhaltiger Mobilität in Deutsch- land . 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Zuletzt abgerufen am 30 .05 . 2023 unter https:/ /link .springer .com/con- tent/pdf/10 . 1007/978-3-662-64685-4 . pdf?pdf=button › RKI, 2022 . COVID-19: soziale Ungleichheit und sozialräumliche Betrachtung des Infek- tionsgeschehens . Zuletzt abgerufen am 30 .05 . 2023 unter https:/ /www . rki .de/DE/Con- tent/Infekt/EpidBull/Archiv/2022/Ausgaben/05_22 .pdf?__blob=publicationFile › RWI, 2021 . Analysen zum Leistungsgeschehen der Krankenhäuser und zur Ausgleichs- pauschale in der Corona-Krise . Zuletzt abgerufen am 30 .05 . 2023 unter https:/ /www . econstor .eu/bitstream/10419/234020/1/1757667962 . pdf › Sommer und Greinke, 2021 . Planbarkeit des städtischen Beherbergungswesens . Ein Diskussionsanstoß (nicht nur) aus Anlass der COVID-19-Pandemie . Zuletzt abgerufen am 30 .05 . 2023 unter https:/ /www . repo . uni-hannover .de/bitstream/han dle/123456789/12858/2022-09-09_Zweitvero%cc%88ffentlichung_Planbarkeit_ sta%cc%88dt_Beherbergungswesen .pdf?sequence=1undisAllowed=y 56 Projektverantwortung Brigitte Scholz, Leiterin Amt für Stadtentwicklung und Statistik Inhalt Prognos AG Goethestraße 85 10623 Berlin Telefon: 030 520059210 E-Mail: info@prognos .com www . prognos .com twitter .com/Prognos_AG Autor*innen Christian Schoon Bernhard Wankmüller Max Willinghöfer Edina Knabe Mitwirkende 57 Kontakt Amt für Stadtentwicklung und Statistik Stadthaus Deutz – Westgebäude Willy-Brandt-Platz 2 50679 Köln Stephanie Dormann Stabsstelle Strategische Stadtentwicklung Telefon 0221 221-24673 koelnerperspektiven2030@stadt-koeln .de www.stadt-koeln.de/koelnerperspektiven2030 Die Oberbürgermeisterin Amt für Stadtentwicklung und Statistik Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Satz rheinsatz, Köln Bildnachweis istock: Tom Merton (S . 20); Imgorthand (S . 27); agrobacter (S . 30); morsa images (S . 33) 13-US/15/08 .2023
Mitteilung Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle IX/15/15/1 Vorlagen-Nummer 18.09.2023 2631/2023 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Stadtentwicklungsausschuss 28.09.2023 Kölner Stadtentwicklung nach Corona Kölner Stadtentwicklung nach Corona Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Umsetzung der Stadtstrategie „Köl- ner Perspektiven 2030+“ Hintergrund Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ wurde am 14. Dezember 2021 als Kompass für eine nachhaltige, strategische und zukunftsorientierte Stadtentwicklung vom Rat der Stadt Köln mit Änderungen beschlossen (Informationen zum Ratsbe- schluss siehe TOP 10.32, https://buergerinfo.stadt- koeln.de/si0057.asp?__ksinr=23246) Da die Erarbeitung der Stadtstrategie nahezu vollständig vor Pandemiebeginn statt- fand, konnte deren Ausmaß und Auswirkungen weder abgesehen, noch strategisch aufgegriffen werden. Nachdem die akuten Maßnahmen in einen langfristigen Umgang mit der Pandemie übergehen, war zu klären, wie sich Corona auf die Umsetzung der Stadtstrategie auswirkt. Auch wenn die Corona-Pandemie mittlerweile durch neue Kri- sen überlagert wird, hat sie nach wie vor Auswirkungen auf das Leben der Kölner*in- nen. Um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Stadtentwicklung und die Stadt- strategie zu klären, hat die Politik das Amt für Stadtentwicklung und Statistik über ei- nen politischen Veränderungsnachweis beauftragt, eine Studie zu erarbeiten. Die Stabsstelle Strategische Stadtentwicklung im Amt für Stadtentwicklung und Statis- tik hat für die Erarbeitung der Corona-Studie am 13.09.2022 die Prognos AG beauf- tragt. Prozess und Methodik Die Corona-Studie teilt sich methodisch in zwei Phasen: 1. Metastudie: In der ersten Phase wurden 16 nationale und europäische wissen- schaftliche Studien analysiert und ergeben somit einen exogenen Blick auf die 2 Auswirklungen der Corona-Pandemie in Großstädten und Metropolen im Allge- meinen. Alle angewendeten Studien erfüllen die Kriterien Erhebungsqualität (wissenschaftlicher Hintergrund); Themenbezug (Corona und Stadtentwick- lung), Vergleichbarkeit des Raumbezugs (Großstädte, Metropolen, Europa und Deutschland), Aktualität (2021-2023 nach mehrmonatigem Pandemiever- lauf) und Megatrenduntersuchung (entweder als Bestandteil einer Corona- bzw. Stadtentwicklungsstudie oder einer spezifischen Megatrendstudie). Die verwendeten Quellen werden im Quellenverzeichnis der Studie aufgeführt. 2. Fachinterviews: In einer zweiten Phase wurden die Ergebnisse der Literatur- auswertung mit einer kölnspezifischen Einschätzung untersetzt. Dazu wurden die Ergebnisse aus der städtischen Umfrage verwendet und 15 Fachgespräche mit Kölner Expert*innen geführt. Ziel war es ein umfassendes Bild der Corona- Pandemie auf Köln in Bezug auf verschiedene Themenbereiche zu bekommen. Eingebunden wurden dazu Gesprächspartner*innen aus den Bereichen Wirt- schaft und Arbeit (Gesprächskreis Wirtschaft, HGK, KölnBusiness und Dezer- nat für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Digitalisierung und Regionales), Touris- mus (Köln Tourismus GmbH), Mobilität (KVB und Dezernat Mobilität), Wohnen (Köln AG, Wohnungsbauinitiative Köln und Dezernat für Soziales, Gesundheit und Wohnen), Wissenschaft und Lehre (Universität zu Köln), Kinder und Ju- gendliche (Kölner Jugendring und Dezernat für Bildung, Jugend und Sport) und Grünversorgung (Dezernat für Klima, Umwelt, Grün und Liegenschaften). Die Zusammenführung der Ergebnisse aus beiden Phasen ergab einen umfassenden Überblick über die kölnspezifischen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Um- setzung der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“. Ergebnis Die vorliegende Studie zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Umset- zung der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ bestätigt in allen wesentlichen Punkten die vereinbarten Ziele der Stadtstrategie. Die Corona-Pandemie kann vor dem Hintergrund der Studienergebnisse als Chance für eine nachhaltige, inklusive und resiliente Stadtentwicklung begriffen werden. Zusammenfassend lassen sich folgende Schlussfolgerungen für die Stadtentwicklung und die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ ableiten: Eine verstärkte Nutzungsmischung, d.h. eine Vielfalt aus Einzelhandel, Woh- nen, Gastronomie, Kultur, Beratungs- und Freizeitangeboten birgt eine hohe Chance für die Kölner Innenstadt. Im Vorgriff auf zukünftige Krisen müssen resiliente und vorausschauende Strukturen erhalten oder aufgebaut werden. Zusammenarbeit ist hier das Schlüsselwort. Der breite Branchenmix und die Flexibilität der Unternehmen hat Köln relativ gut durch die Corona-Pandemie getragen. Die Mobilitätswende ist nur durch einen starken Umweltverbund (ÖPNV, Ra- und Fußverkehr, Carsharing-Angebote) zu erreichen. 3 Der Stadtraum (Grünflächen, Plätze und öffentliche Räume) sollte multifunktio- nal gedacht und entwickelt werden. Auch um den veränderten Wohnbedarfen (Stichwort Homeoffice und mehr Aufenthalt im Freien) gerecht zu werden. Gez. Haack
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2631/2023
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 18.09.2023
- Erstellt
- 16.08.2023 11:47