V/0746/2006
Trägerschaft für die aufsuchende Arbeit mit dem Schwerpunkt Jungen und junge Männer, Bezirk Hiltrup
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Anlage 1: Bewerbungsschreiben und Konzept für die aufsuchende mobile Kinder- und Jugendarbeit in Hiltrup
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dd u Al # Verbund sdzialtherangütischer Einrichtungen e.V. Anerkannter ägef der freien Jugendhilfe t .' 2 VSE EV. - Audolfätraße 9 - 48145 Münster Geschäftsstellen in Nordrhein-Westfalen: Audalistraße 9 Teleton: 025 Fax 025 Fax 023 10 „Mail! g5muenster@vse-nrw.de «Mail; gsdortmund@vse-nrw.de 145 Munster Kömer Hellweg 19 Telefon: 02: Stadt Münster Amt für Kinder, Jugendliche und Familien Beratungsstellen in Nordrhein-Westialen: Frau Anna Pohl Wrudolotraß 9 40145 Münster“ [3 Körner Hallig 0 44149 Dorimund 48127 Münster en Fü 281: ep Stadt Mimestear eMail; bumuenster@vse-nrw.de j Internet: httpy//www.vse-nrw.de | 17. AUS. 2006 j Ann 1a eg 11.08.2006 Trägerschaft für die Aufsuchende Arbeit mit dem Schwerpunkt Jungen und junge Männer im Stadtbezirk Hiltrup Sehr geehrte Frau Pohl, der Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen ist daran interessiert, die Trägerschaft für die Aufsuchende Arbeit für den Stadtbezirk Hiltrup — auf der Basis der in ihrem Anschreiben vom 26.0.2006 dargestellten konzeptionellen und finanziellen Eckpunkte — zu übernehmen. Wir könnten mit der Tätigkeit der Aufsuchenden Arbeit bereits zum September 2006 beginnen. Die Aufsuchende Arbeit würde von Seiten des VSE durch Herrn Tom Hense durchgeführt. Herr Hense bringt alle für diese Tätigkeit notwendigen Qualifikationen ein, er verfügt über Erfahrungen im Bereich der Jugendgerichtshilfe, der aufsuchenden Arbeit, der Erziehungshilfe und der Gruppenarbeit, insbesondere mit Jungen und jungen Männern. Zudem ist Herr Hense bereits Bestandteil des Netzwerkes der Jugendhilfe und der Jugendarbeit im Stadtteil Hiltrup. Da der VSE in Person von Frau Susanne Löde bereits die Aufsuchende Arbeit mit dem Schwerpunkt Mädchen und junge Frauen in Hiltrup leistet, wäre hier das Gesamtkonzept der geschlechtsspezifischen aufsuchenden Arbeit für Jugendliche und junge Heranwachsende in Hiltrup bestens angesiedelt, eine enge Abstimmung möglich und in bestimmten Teilbereichen auch eine geschlechterübergreifende gemeinsame aufsuchende Arbeit möglich. Zudem wären beide MitarbeiterInnen für die aufsuchende Mädchenarbeit und die aufsuchende Jungenarbeit eingebunden in die Team- und Trägerstrukturen der VSE-Jugendhilfeeinheit in Hiltrup, deren Räumlichkeiten für die aufsuchende Arbeit ebenfalls genutzt werden können. Für die Aufsuchende mobile Kinder- und Jugendarbeit in Hiltrup schicke ich Ihnen mit diesem Schreiben das Konzept des VSE in der überarbeiteten Fassung Februar 2006. Dieses Konzept werden wir in einem Punkt „5) Aufsuchende Arbeit mit Jungen und jungen Männern" ergänzen, sodass ein schlüssiges Gesamtkonzept für die Sitz des Vereins: 29221 Celle Geschäftskonto: Dresdner Bank Münster BLZ: 400 800 40 MEET] Kto.: 632 016 800 / (en Spendenkonto; Sparkasse M Hand Ost MAR N 05141-99298-0 BLZ: 400.591 50 DR 05141-99298-29 Kta.:. 34 060 129 Kr geschlechtsspezifische aufsuchende Arbeit im Stadtbezirk Hiltrup vorliegt. Diese Ergänzung werden wir Ihnen in den nächsten Tagen zuschicken, der grundlegende konzeptionelle Zugang wird aber im vorliegenden Konzept bereits deutlich. Als weitere Anlage ist ein Finanzierungsplan auf der Grundlage der von Ihnen genannten Beträge beigefügt, sowohl für das Jahr 2006 anteilig wie für 2007. Konkret bezogen auf Herrn Hense ergäben sich — aufgrund der individuellen Voraussetzungen und der Eingruppierung sowie einem 10 %tigen Trägeranteil an den Personalkosten — sogar noch Einsparungen gegenüber dem städtischen Zuschuss von 21.300 Euro. In den Folgejahren — oder ggf. einem Personalwechsel — sähe das möglicherweise wieder anders aus. Mit freundlichen Grüßen 4% ilfrieti/Stein Anlagen - Konzept - Kostenkalkulation [6°] Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen Münster e.V. Konzept Aufsuchende Mobile Kinder und Jugendarbeit in Hiltrup 1) Gesellschaftliche Situation der Jugendlichen Heute 2) Streetwork / Mobile Jugendarbeit Entstehungsgeschichte Gibt es Unterschiede von Streetwork und Mobiler Jugendarbeit Unverzichtbare Merkmale 3) Aufsuchende Mobile Kinder und Jugendarbeit in Hiltrup Schwerpunkt Mädchen und Frauenarbeit Einbindung Bedarf der Aufsuchenden Arbeit Beschreibung des Angebotes Zielgruppe Grundsätze, die das Hilfsangebot bestimmen Aufgabenfelder die sich daraus ergeben Ziele 4) Aufsuchende Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen Gesetzliche Grundlage Die Rolle der Mädchen Die Lebenslage der Mädchen Ziele der Arbeit mit Mädchen und Frauen Voraussetzungen für die Arbeit mit Mädchen und Frauen Methoden der Arbeit mit Mädchen und Frauen Konzept 2000/überarbeitete Fassung Februar 2006 1. Gesellschaftliche Situation der Jugendlichen heute Heutzutage können wir von einer Entstrukturierung der Jugendphase sprechen. Diese Jugendphase ist für die Jugendlichen heute durch tiefergreifende Verunsicherungen gekennzeichnet und dadurch strukturell verändert worden. Durch den Wandel der Familienstrukturen haben sich innerfamiliäre Bindungen gelockert. Zeitliche Instabilität führt zur Störanfälligkeit des Familiensystems. Die innerfamiliäre Problembearbeitungs- kapazitäten nehmen immer mehr ab. Gleichzeitig bleiben im Zuge der Expansion des Bildungssystems immer mehr Jugendliche/junge Erwachsene länger in schulischen Ausbildungs- zusammenhängen und somit auch in finanzieller Abhängigkeit von ihren Eltern oder staatlichen Leistungen, Heute können wir nicht mehr von der Jugendphase, beziehungsweise von der Übergangs- Jjugendphase sprechen, denn zeitliche Verlängerung von Schule und Ausbildung stehen dem entgegen. Auflösung tradierter Familienstrukturen lassen Ablöseprozesse, Autonomisierung und Abgrenzung von der Erwachsenenwelt stattfinden, in der an ökonomische Selbständigkeit noch nicht zu denken ist. Frühe soziokulturelle Selbständigkeit ist nicht gleichzeitig verbunden mit wirtschaftlicher Unabhängigkeit, somit bleiben die Jugendlichen/jungen Erwachsenen viel länger in einer finanziellen Abhängigkeit verankert. Erhöhte Jugendarbeitslosigkeit läßt die Aussichten auf den Berufswunsch als unrealistisch erscheinen, Angst oder auch Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit tragen zu einer erhöhten Verunsicherung bei. Bisher gültige und verläßliche Lebensmuster verlieren immer mehr an Gültigkeit. Lebenslagen pluralisieren sich zunehmend, während gleichzeitig eine individuelle Lebensführung zunimmt. Dies beinhaltet die Chance, eine Vielzahl von individuellen Lebensentwürfen vorzufinden, eine Entscheidung über den eigenen Lebensentwurf muß der junge Mensch zunehmend allein und eigenverantwortlich treffen und tragen. Gesellschafts- und milieubezogene Vorbilder und Vorgaben werden immer weniger übertragen. Es besteht die Gefahr der Überforderung eigene Erfahrungen zu machen und Findung von Identität wird immer schwieriger. Jugendliche / junge Erwachsene benötigen Freiräume und einen Platz, in denen sie sich selbst in Szene setzen können. um eine Identität jenseits von beruflicher Identität herstellen zu können. Dieser wichtige Prozeß kann stattfinden in Cliquen, Jugendgruppen und Subkulturen, die die wichtigsten Bezugspunkte dieser Gruppen darstellt. Zukunfisperspektiven junger Menschen werden fraglicher und unkalkulierbarer, dadurch orientiert sich ihr Leben mehr an der Gegenwart. Gegenwartsorientierung heißt gleichzeitig Orientierung am erlebten Augenblick in der Gruppe, dies beinhaltet eine Orientierung an den Peers, somit nimmt die Orientierung an der Familie ab. Die Gesellschaft verliert in diesem Zuge für die Jugendlichen/jungen Erwachsenen immer mehr an Glaubwürdigkeit. Werte der älteren Generationen werden von diesen propagiert aber kaum vorgelebt. So verlieren sozialstaatliche Institutionen immer mehr an Glaubwürdigkeit. Das „nicht Annehmen“ der Angebote von sozialen Einrichtungen, Diensten und Hilfen von Jugendlichen/jungen Erwachsenen ist ein Resultat von schlechten Erfahrungen, die gemacht wurden. Ein anderer Grund kann das mangelnde Vertrauen zu diesen Institutionen sein. Letztendlich steht die Sozialarbeit/Sozialpädagogik immer mehr Jugendlichen/jungen Erwachsenen gegenüber. die Verunsicherung erleben und mit vielfältigen Problemlagen konfrontiert werden, sich immer weniger an die für sie zuständigen Stellen wenden. [59 2. Streetwork / Mobile Jugendarbeit +Enntstehungsgeschichte Als professionelle Arbeitsweise von Sozialarbeit etablierte sich Streetwork in den USA ab Ende der 20er Jahre. Dort wurden im Rahmen der gemeinwesenorientierten Arbeit mit delinquenten Jugendlichen Programme eingerichtet, deren Hilfsansätze sich räumlich von sozialen Einrichtungen lösten und in das Lebensfeld der Jugendlichen verlagerten, um bei ihnen positive Verhaltensänderungen zu erzielen. ( vgl. Specht 1990;:301 ). In den 60er Jahren wurden in Europa die ersten Streetwork - Konzepte umgesetzt, die unter den Begriffen Streetwork, Mobile ‚Jugendarbeit, Straßensozialarbeit und Gassenarbeit in Theorie und Praxis Einzug fanden. Ausgangspunkte für die ersten Projekte waren zunächst die Erfahrungen innerhalb der Jugend - und Beratungsarbeit, Streetwork als Methode einzusetzen, damit die Zielgruppen, die Unterstützung und Hilfe am dringendsten brauchen, tatsächlich erreicht werden .Durch die bestehenden Einrichtungen mit ihren Komm-Strukturen ( die Jugendlichen müssen kommen, um Hilfe zu erfragen ) wurden bestimmte Gruppen nicht erreicht ( Specht ). Demgegenüber wurde eine Geh - Struktur entwickelt : Streetworker arbeiten nicht ( nur ) in den Räumen einer Institution, sondern begeben sich (auch) in das unmittelbare Lebensumfeld ihrer Zielgruppe, indem sie deren informelle Treffpunkte aufsuchen : Straßenecken, Parks, öffentliche Plätze, Ladenpassagen, Fußgänger- zonen, Spiel - und Bolzplätze, Schulhöfe, Kneipen, Discos, Spieleenter sowie teilweise Privat- räume und Wohnungen. ( Gref 1992:134 ) Initiieren von Streetworkprojekten waren häufig spektakuläre Ereignisse wie 2.B.störendes Verhalten von Jugendlichen in der Öffentlichkeit. Der hohe Erwartungsdruck im Bezug auf’ eine Beendigung der Störung lastete auf den finanzierten Projekten. +Gibt es Unterschiede von Streetwork und Mobiler Jugendarbeit ? Drei Ansätze von Streetwork / Mobiler Jugendarbeit müssen unterschieden werden : »der eliquen- / szeneorientierte Ansatz »der gemeinwesenorientierte Ansatz »der problemspezifische Ansatz _ (vgl.: Krafeld 1995:40 ) Mit der einsetzenden Drogenwelle Ende der 60er Jahre übernahm die Drogenarbeit als eine der ersten Praxisfelder, die Methode Streetwork ( vgl. Krauß/Stefan ). In der Folgezeit wurden noch für andere spezifische Zielgruppen Streetworkprojekte konzipiert und umgesetzt, z.B. Rocker, Wohnungslose, Prostituierte, rechtsorientierte Jugendliche und einige Gruppen mehr. ( Kiebel 1995:28 ) Bei diesen Zielgruppen handelte es sich nicht zwangsläufig um Jugendliche. sondern schwerpunktmäßig um Bereiche wie Prostitution, Wohnungslosigkeit. Drogen ete. Parallel dazu entwickelten sich jugendspezifische stadtteilorientierte aufsuchende Arbeitsansätze die unter dem Begriff Mobile Jugendarbeit Einzug in die Fachöffentlichkeit fanden. Seit 1967 wird der Begrilf Mobile Jugendarbeit verwandt. Von Specht ins Leben gerufen definiert sich der Bereich der offenen Jugendarbeit mit einem Lebenswelt und einmischungsorientierten Handlungskonzept. Streetwork ist neben Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit (klassische Methoden der Sozialarbeit) ein unverzichtbarer Bestandteil Mobiler Jugendarbeit, aber kein eigenständiger Ansatz. ( LAG Baden - Württemberg 1995 ). Es wird deutlich, daß es unterschiedliche Definitionen und Begriffsbestimmungen von Streetwork [99 und Mobiler Jugendarbeit gibt. Konkrete Unterscheidungsmerkmale lassen sich jedoch beim Vergleich unterschiedlicher Konzepte und Praxismodelle nur schwer finden, es überwiegen eindeutig die Gemeinsamkeiten der beiden Ansätze, Zielgruppen: ( spezifisch) sozial benachteiligte ( Zielgruppen ) Jugendliche, die von anderen Angeboten nicht erreicht werden. Räumliche Orientierung: Treflpunkte bzw. Lebenswelt, Treffpunkte im Stadtteil / Sozialraum. Methoden: Aufsuchend, Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit, Gemeinwesenarbeit. Gesetzliche Grundlagen: Kinder und Jugendliche: KJHG $$ 11, 13, Erwachsene: BSHG $ 72 +Unverzichtbare Merkmale. Aufsuchende Arbeit in der Lebenswelt Zielgruppenorientierung Sozialräumliche Orientierung/Gemeinwesenorientierung Akzeptierender Ansatz Ganzheitlicher Ansatz Zielsetzung: Hilfe bei der Lebensbewältigung Vernetzung und Kooperation 2. Kurzkonzept Aufsuchende Mobile Kinder und Jugendarbeit in Hiltrup Schwerpunkt Mädchen und Frauenarbeit Einbindung Seit 20 Jahren verfügt der Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen über Erfahrungen mit benachteiligten Jugendlichen. Das pädagogische Konzept „Sich am Jugendlichen orientieren „ ( Arendt, o.a. ) beinhaltet den außerordentlichen Aspekt der Lebensweltorientierung in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Schon lange betreut der VSE Münster im Stadtteil Hiltrup. Auch auf Wunsch der Jugendlichen, die in Hiltrup betreut wurden, nach einer räumlich nahgelegen Kontakt - und Anlaufstelle, entstand im Februar 1997 die Jugendhilfeeinheit 4 Hiltrup. Von dieser Anlauf- und Kontaktstelle aus werden Leistungen der Jugendhilfe im Rahmen, des KJHG $$ 19, 27 fFerbracht. Es handelt sich um: >Mobile Betreuung der Jugendlichen als stationäre Form der Heimerziehung >Ambulante Betreuungen der Jugendlichen im Rahmen von Fachleistungsstunden >Betreuungen von jungen Frauen und ihren Kindern >Betreuungen in Familien >Soziale Gruppenarbeit Bedarf’ der Aufsuchenden Arbeit Das Ergebnis der Klausurtagung des Stadtteilarbeitskreises Hiltrup mit den Politikern der BV Hiltrup am 11.06.1996 ist Grundlage des damaligen ABM Antrages gewesen. Hier wurde eine Bedarfsanalyse vorgenommen und die notwendigen Handlungsschritte erarbeitet. Ausgangssituation ist die stark angewachsene Bevölkerungszahl im Stadtteil Hiltrup, besonders in den Neubaugebieten Ost und West. die zu einem erheblichen Teil mit Mitteln des sozialen Wohnungsbaus erstellt wurden/werden. Bis heute sollen ca. 3000 neue BürgerInnen in Hiltrup leben; so ist die Bevölkerungszahl allein in Hiltrup West auf 9000 Personen zu schätzen. Durch die Bebauung leben vorwiegend junge Familien in Hiltrup. Nach Angaben der Grundschulen vor Ort zeigen 1/3 bis 1/4 der SchülerInnen Verhaltensauffälligkeiten. Die Probleme und Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen, die sich in Cliquen im Stadtteil organisieren und an Orten wie z.B. auf Schulhöfen für Unruhe und Schäden sorgen, werden immer deutlicher. Die Cliquenstrukturen ordnen sich zum Teil nach Nationalitäten, wie etwa Rußlanddeutsche / Polen, Kroaten, Moslems usw. Die Kinder - und Jugendkriminalität hat erheblich zugenommen. Die herkömmlichen sozialpädagogischen Angebote werden von diesen Jugendlichen nicht bzw. nicht mehr angenommen. Es ist notwendig mit diesen Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu treten, sie an Orten aufzusuchen und mit ihrer Beteiligung ihre eigene Situation zu verändern um etwas in Bewegung zu setzen. Beschreibung des Angebotes Aufsuchende Mobile Kinder- und Jugendarbeit der Jugendhilfeeinheit Hiltrup geht zu jungen Menschen, insbesondere Mädchen und jungen Frauen, auf die Straße und versucht, eine vertrauensvolle Beziehung zu ihnen aufzubauen. Durch Kontaktaufnahme und Bezichungsaufbau können Schwierigkeiten der Jugendlichen erkannt werden. Aufsuchende Arbeit der JHE Hiltrup begleitet junge Menschen insbesondere Mädchen/Frauen im übertragenden und realen Sinn bei ihrer Suche nach Hilfe, Dabei bestimmen die Jugendlichen selbst, ob, wohin und wie weit diese Hilfe und Begleitung gehen soll. Aufsuchende Mobile Kinder und Jugendarbeit vermittelt zwischen Lebensraum junger Menschen und institutioneller Hilfe. Zielgruppe Aufsuchende Kinder und Jugendarbeit der JHE Hiltrup richtet sich an junge Menschen, insbesondere an Mädchen und junge Frauen, die von institutionellen Hilfen nicht erreicht werden. Dies sind Jugendliche im Stadtteil, die sich an den unterschiedlichsten Plätzen ( Spielplätzen, Schulhöfe ete. ) treffen, nicht mehr zur Schule gehen, keine berufliche Perspektive mehr haben und keine Anbindung an bestehende Einrichtungen im Stadtteil. Aufsuchende Mobile Kinder- und Jugendarbeit bietet allgemeine soziale Hilfen, insbesondere für Mädchen und junge Frauen an. Zumeist unterliegen die betreffenden jungen Menschen hohen Mehrfachbelastungen, die sich aus den Problemfeldern der Orientierungslosigkeit. soziale Beziehungen, Familienproblemen, Arbeitslosigkeit, Verschuldung, Kriminalisierung, Drogenkonsum, zeitweilige Wohnungslosigkeit und Gewaltbereitschaft ergeben. +Grundsätze, die das Hilfsangebot bestimmen: vNiedrigschwelligkeit vAkzeptanz / Parteilichkeit „Freiwilligkeit des Kontaktes vVerschwiegenheit vVertrauen vPerspektivenwechsel: weg von Defiziten hin zu den Stärken der Jugendlichen „Ganzheitliche, unbürokratische Hilfe „Gast im Lebensraum der Jugendlichen vKeine Maßnahmen ohne Zustimmung der Jugendlichen vAnwaltschaft und Szeneinteressenvertretung vVernetzung und Öffentlichkeit +Aufgabenielder, die sich daraus ergeben: vAufsuchende Arbeit „Kontakt und Beziehungsarbeit „Arbeit mit Cliquen vGeschlechtsspezifische Arbeit „Kontinuierliche Gruppenarbeit vGanzheitliche Einzelfallhilfe vStadtteilbezogene Gemeinwesenarbeit vKooperation mit den verschiedenen institutionellen Hilfsangeboten und Einrichtungen „Beratung und Information Ziele Aufsuchende Kinder - und Jugendarbeit in Hiltrup schafft Möglichkeiten, daß Kinder und Jugendliche, die von anderen Einrichtungen nicht erreicht werden, eine Chance bekommen ihre Bedürfnisse und Probleme artikulieren zu können. Sie befinden sich in benachteiligten Lebenslagen und brauchen Unterstützung, um ihren gesetzlichen Anspruch, der im KIHG $$ 1.11.13 festgelegt ist, einlösen können. 1.Kontaktaufnahme und Beziehungsarbeit: vIn bestehenden Jugendeinrichtungen und Schulen in Hiltrup vAn wechselnden Orten auf den Straßen des Stadtteils Hiltrup vIn bestehenden geschlechtsspezifischen Gruppenangeboten, damit neue Lerm- und Identifikationsmöglichkeiten erschlossen werden können vAufbau einer vertrauensvollen Beziehung 2.Abbau von Schwellenängsten 3.Gruppenarbeit als zentrales Element „Teilnahme an bestehenden Gruppen „Mitwirkung mit qualifizierter Fachberatung in den bereits bestehenden Gruppenangeboten, die schon von Einrichtungen in Hiltrup durch PraktikantInnen, Honorarkräften und Ehrenamtlichen MitarbeiterInnen durchgeführt werden. Professionalisierung .der sozialen Gruppenarbeit ( Identität und Rolle. Einarbeitung von PraktikantInnen. Ehrenamtlichen und Honorarkräften, Reflexion). Qualitätssichernde Aspekte (Konzeptionsentwicklung, geschlechtsspezifische Arbeit, Kontrollverfahren entwickeln ). vErschließen / Aufbau von geschlechtsspezifischen Gruppenangeboten für Jugendliche, junge Erwachsene, die noch nicht von bestehenden Gruppenangeboten erreicht wurden. 4.Kontaktaulnahme und Angebote für Jugendliche vdie von gesellschaftlicher Ausgrenzung bedroht sind. AusländerInnen, KonsumentInnen von Alkohol / Drogen. straffällig gewordene Jugendliche und Jugendliche die sich von Schule. Ausbildung und Beschäftigung bereits verabschiedet haben. 5.Auf Ansprache der vernetzten Einrichtungen Jugendliche / Cliquen aufsuchen, um Perspektiven / Alternativen entwickeln zu können, die sich am Jugendlichen orientieren. 6.Angebote von festen Beratungsstunden im Stadtteil für Jugendliche, Junge Erwachsene, insbesondere für Mädchen und junge Frauen mit besonderen Problemen: vBeratung in Fragen der Ausbildung sowie der allgemeinen Lebensführung vPerspektiven aufzeigen ( in allen schwierigen Lebenssituationen ) Praktische und Psychosoziale Beratung bzw. Vermittlung und Begleitung vEinzelfallhilfe 7.Förderung von Vernetzung und Kooperation mit den Fachkräften aller Träger im Stadtteil 8.Parteiliche und Emanzipatorische Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen im Stadtteil 9.Koordination / Planung / Vernetzung der Mädchen- und Frauenarbeit im Stadtteil 4. Aufsuchende Mobile Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen «Gesetzliche Grundlage Neben den im $ 1 KJHG formulierten generellen Auftrag, nach $ 9 Abs. 3 KJHG: „ Bei der Ausgestaltung der Leistungen und der Erfüllung der Aufgaben sind (...) 3. die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen „Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen zu fördern .* $ 3 Abs. 2 AG KJHG definiert noch einmal genauer: „ Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Problemlagen von Mädchen und Jungen sind Leistungen so zu gestalten, dass sie der Verwirklichung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern dienen und helfen, Benachteiligungen abzubauen. Dazu sind (...) geschlechtsspezifische Leistungen zu entwickeln und anzubieten.“ Dieses gilt insbesondere auch für die Arbeit auf der Straße. Auf dem Hintergrund dieser gesetzlichen Arbeitsaufträge, aber auch aus den in der täglichen Arbeit gemachten Erfahrungen, ist es notwendig, auch im Rahmen von Straßensozialarbeit geschlechts- 7 spezifische Arbeit zu leisten, die jedoch nicht nur auf Mädchenarbeit reduziert werden darf. Die Straßensozialarbeit beinhaltet größtenteils die Arbeit mit gemischtgeschlechtlichen Gruppen. Dazu sind paritätisch besetzte Teams absolut notwendig, ohne die eine geschlechtsspezifische Arbeit auf der Straße nicht möglich wäre. Dies wird in Hiltrup durch die sehr enge Zusammenarbeit mit dem Straßensozialarbeiter vom KSD gewährleistet. +Die Rolle der Mädchen in Gruppen Die Mädchen in einer Clique finden meist Zugang über Jungen zu dieser bestimmten Gruppe. Sie werden mitgebracht als potentielle Freundinnen oder sind schon mit einem Jungen befreundet. Häufig wechseln die Mädchen die Gruppe, wenn die Beziehung zu dem Freund beendet ist. Erfahrungen sind, das die Fluktuation der Mädchen in den Gruppen aus unterschiedlichen Gründen höher ist, als die der Jungen. Das hängt unter anderem mit dem fehlenden Zusammenhalt der Mädchen innerhalb der Gruppe zusammen. In einigen Gruppen, die über Jahre hinweg gewachsen sind, gibt es auch Mädchen, die feste Gruppenmitglieder sind und häufig auch eine andere Stellung innerhalb der Gruppe belegen, als neu hinzugekommene Mädchen. Diese Mädchen bewegen sich relativ selbstbewußt in der Gruppe und haben ein, wenn auch eingeschränktes Mitspracherecht, wenn es um Aktivitäten der gesamten Gruppe geht, Wichtige Kriterien bezüglich der Stellung der Mädchen innerhalb der Gruppen sind ihre Beziehungen zu den Jungen in der Gruppe. Je mehr Ansehen ein Junge in der Gruppe hat, um so mehr Ansehen genießt seine Freundin. Diese Sichtweise unterstützt die weitverbreitete Praxis. Mädchen und Frauen über ihre Partner zu definieren. als Freundin oder Frau von und sie nicht um ihrer selbst willen wahr zu nehmen. Die Mädchen in einer Gruppe übernehmen bewußt oder unbewußt bestimmte Funktionen innerhalb der Gruppe. Nehmen die Jungen beispielsweise an einem Fußballturnier teil, ist es selbstverständlich, daß Mädchen der Clique mitkommen und ihre Jungs anfeuern. Verlieren die Jungen das Spiel oder Turnier, sind es die Mädchen, die ihre schlechte Laune aushalten und letztendlich die Trösterinnen sind. Mädchen können aber auch als Anstifterinnen zu bestimmten Aktionen der Gruppe dienen. Häufig geschilderte Situationen sind z.B.: die Mädchen fühlen sich von anderen Jungen „angemacht“ und schildern dieses in der Clique, die daraufhin sofort loszicht, um es den anderen „zu zeigen“ (zu wem die Mädchen gehören ). +Die Lebenslagen der Mädchen In den meisten Gruppen bestimmen die Jungen. was gemacht wird. Häufig setzen diese ihre Meinung durch, weil sie allein zahlenmäßig den Mädchen überlegen sind. Selten ist zu beobachten, daß Mädchen Ansprüche anmelden, bzw. durchsetzen. Versuchen sie dann doch einmal eigene Ideen und Vorschläge anzubringen. werden sie ignoriert oder belächelt. Nicht selten sind in den Gruppen frauenfeindliche Sprüche an der Tagesordnung. Teilweise haben die Mädchen die frauenfeindlichen Sprüche so verinnerlicht, daß sie diese auch gegenüber anderen Mädchen anwenden. Typisch ist auch die Reduzierung auf sogenannte frauentypische Rollen. Reaktionen der Mädchen hierauf sind oft Resignation oder Frustration. Da die Gruppe von Gleichaltrigen und die sich innerhalb der Gruppe entwickelnden und gelebten sozialen Beziehungen im Rahmen der Loslösung von der Familie auch für die Mädchen wichtig und bedeutsam sind, haben die Mädchen oft keine Möglichkeiten, sich für etwas anderes zu entscheiden. Oftmals sind Mädchen stärker betroffen von elterlichen Reglements. Sie müssen abends eher wieder zu Hause sein als Jungen, öfter im Haushalt helfen oder auf die Geschwister aufpassen. Dies führt dazu, daß sie in ihren Erlebnismöglichkeiten, im Gegensatz zu den Jungen, eingeschränkter sind. Wenn die Jungen auf Tour gehen und ihre Abenteuer erleben, sitzen die Mädchen zu Hause. Beim nächsten Treffen wird über die Erlebnisse der Jungen gesprochen und die Mädchen haben zu diesen Gesprächen oftmals nichts beizutragen, da sie in den Augen der Jungs keine besonders bedeutsamen Frlebnisse haben. Haben Mädchen eigene Hobby's, z.B. den Reitsport, wird dies als typische Mädchensache abgetan und es hat eine andere Wertigkeit, ob Mädchen zum Reiten gehen oder Jungen ihre favorisierte Sportart trainieren. Freiräume müssen sich Mädchen erst einmal erkämpfen, sei es innerhalb der Gruppe, der Familie, in der Schule oder in ihrem Zuhause, Innerhalb der Gruppen kommt die Konkurrenzsituation hinzu, die es den Mädchen untereinander häufig schwer macht, sich zu solidarisieren, Diese Konkurrenz und die Entsolidarisierung zwischen Mädchen sind Prozesse. die von den Jungen bewußt mit geschaffen werden. Da die Stellung der Jungen Frauen ganz wesentlich von der Sympathie bei Jungen abhängt, nutzen Jungs ihre Macht, um junge Frauen gegeneinander auszuspielen. Durch diesen Druck, der durch Werbung, Videoclips etc. verstärkt wird, sind in dieser Phase Äußerlichkeiten für Mädchen besonders wichtig. Nicht wenige gehen große körperliche Risiken ein. um den Jungen zu gefallen. Sei es das Hungern zur Idealfigur oder ein bestimmtes Kamikazeverhalten z.B. in Bezug auf Drogenkonsum, Mutproben ete.. Sie haben oftmals nur wenig Möglichkeiten, sich in den Mittelpunkt der Gruppenaufmerksamkeit zu stellen. Dies sind dann oft übermäßige Gefühlsausbrüche, dramatisieren der Lebenslage, spontane Hingabe auf Leben und Tod, Ausreizen von eigener Intimität, körperliche Verfügbarkeit und Gewalt gegen sich und andere. Ganz besonders betroffen von der Festlegung auf ein traditionelles Rollenmodell sind Mädchen aus nichtdeutschen Familien. Sie sehen sich häufig von den Eltern zur Aufrechterhaltung des kulturellen Hintergrundes gedrängt und haben kaum Chancen, sich gegen ihre Familien durchzusetzen. Sie werden von ihren Familien oftmals streng behütet und haben sehr wenig Freiräume. Aus diesem Grund ist es auch schwierig, die Mädchen auf der Straße anzutreffen. und es bedarf besonderer Bemühungen, um mit diesen Mädchen in Kontakt zu kommen. +Ziele in der Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen Mädchen und junge Frauen sollen im Rahmen von Straßensozialarbeit unterstützt werden, um: vsich selbst als eigenständige Persönlichkeit wahrnehmen zu können veigene Interessen entwickeln und durchsetzen zu können „selbstbestimmt für sie lebbare Perspektiven aufzubauen „Konkurenzverhalten abbauen zu können und die Vielfalt weiblicher Lebensverläufe als Chance und nicht als Bedrohung anzuschen ( Entwicklung von Toleranz ) „Rassistische Positionen und Einstellungen abzubauen vHandlungsmöglichkeiten und Durchsetzungsvermögen zu erlernen „Selbstwertgefühl und Selbstbewußtsein zu entwickeln Um diese Ziele erreichen zu können, ist es notwendig, daß: vdie Mädchen so anzunehmen wie sie sind und für sie da zu sein vsie als Subjekte pädagogischen Handelns wahrzunehmen vihnen zuhören und ihre Interessen aufnehmen und mit ihnen weiterentwickeln vbei den Stärken der Mädchen anzusetzen und diese zu fördern vsie zu unterstützen Streßsituationen in der Gruppe und anderswo auszuhalten und diesen, wenn möglich entgegenzuwirken vihnen Freiräume schaffen, wo sie sich ausprobieren können +Voraussetzungen für die Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen Erfahrungsgemäß ist es nicht immer leicht mit den Mädchen in Kontakt zu kommen. Sie schen Straßensozialarbeiterinnen zu Beginn der Arbeit mit einer bestimmten Gruppe cher als Konkurrentinnen an. Um jedoch mit den Mädchen sinnvoll arbeiten zu können, ist es notwendig, gute Kontakte aufzubauen und eine Vertrauensbeziehung zu entwickeln. Dieses kann unter Umständen lange dauern. Häufig ist es so. daß die Mädchen die Angebote nur sehr zögerlich annehmen und anfangs nur zwei bis drei Mädchen überhaupt kommen. Es darf nicht außer Acht gelassen werden, daß Mädchen aus zuvor genannten Gründen oft keine Möglichkeit haben, zu kommen. Deshalb ist es notwendig. genügend Geduld zu haben und immer wieder genau hinzuhören, wo die Interessen der Mädchen liegen, und wenn sie Bedürfnisse äußern, Nexibel und spontan reagieren zu können. Das Abwarten und Aushalten ist nicht immer leicht, weil oft die Einstellung zu Tage tritt. daß gute Arbeit erst dann geleistet wird, wenn viele Mädchen das Angebot akzeptieren. An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, daß es im Rahmen von Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen einen besonderen Hintergrund und Ausgangsvoraussetzungen gibt. Von Mädchenarbeiterinnen wird immer wieder festgestellt, daß die Mädchen in den Gruppen in unseren Augen relativ konservative Rollenmuster vertreten. Ziel der Arbeit kann und soll es nicht sein, die Mädchen radikal zu verändern und ihnen einen in unseren Augen vertreibaren Lebensentwurf überzustülpen. Die Frage, die gestellt werden muß, ist: welche Möglichkeiten haben wir, gemeinsam mit den Mädchen, für sie akzeptable und lebbare Perspektiven aufzubauen? Das setzt grundsätzliche Akzeptanz voraus, d.h. Lebenshilfen unabhängig von der Erfüllung bestimmter Vorbedingungen zu leisten — auch unabhängig davon, ob Mädchen Lebensentwürfe vertreten. die unserem Verständnis von Frausein diametral entgegenstehen. Straßensozialarbeit heißt größtenteils Arbeit mit Gruppen. Mädchen sind Teile dieser Gruppen. mit denen gearbeitet wird. Separate Angebote finden nur vereinzelt statt z.B. Mädchengruppen, Mädchenaktionstage usw.. Der größte Teil der geschlechtsspezifischen Arbeit findet auf der Straße innerhalb der Gesamtgruppe statt. Deshalb ist die Arbeit mit Mädchen und Jungen kaum voneinander zu trennen. Notwendig ist ein geschlossenes Konzept geschlechtsspezifischer Arbeit, dessen Teile aus der Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen besteht sowie aus der Arbeit mit Jungen. Eine weitere Voraussetzung für eine solche Arbeit sind gemischtgeschlechtliche Teams. Die Mitarbeiter/ innen der Teams sollten sich bewußt mit den eigenen Rollenverhalten und Erwartungen auseinandersetzen, da dieses sich immer wieder im Gruppengeschehen spiegelt. Hier bietet sich die Möglichkeit, durch eigenes Verhalten ( und auch durch die bewußte Umkehr gesellschaftlich vorgegebenen Verhaltens ) den Jugendlichen Reibungsflächen und Auseinandersetzungsmöglichkeiten zu geben. Das setzt die Bereitschaft der Pädagogen / innen voraus, eigene Rollenverständnisse zu thematisieren und bewußt in Frage zu stellen. «Methoden der Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen Entscheidend bei dem Einsatz von Methoden ist das Eingehen auf die Interessen, Vorlieben, Wünsche und Notwendigkeiten der Mädchen. Beziehungsarbeit Voraussetzung für die Beziehungsarbeit mit Mädchen und jungen Frauen ist Akzeptanz, Interesse und Vertrauen, sowie eine gewisse Verbindlichkeit und Kontinuität. Gruppenarbeit Gruppenarbeit kann entweder thematisch gebunden innerhalb der Gesamtgruppe stattfinden ( auf der Grundlage eines geschlechtsspezifischen Gesamtkonzeptes ) oder in separater Mädchengruppe. Die Gruppen sollten Themen-, Aktionen- oder Freizeitorientiert arbeiten. Themen könnten sein: Berufsorientierung, Sexualität, Persönlichkeitsentwicklung ete.. Einzelbegleitung / Beratung Die Einzelbegleitung umfasst Beratung und Betreuung in bestimmten Lebenslagen, Vermittlung und Begleitung zu anderen Einrichtungen und Institutionen, Krisenintervention und Hilfe zur Selbsthilfe.
Beschlussvorlage
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V/0746/2006 DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Kinder, Jugendliche und Familien Betrifft Trägerschaft für die aufsuchende Arbeit mit dem Schwerpunkt Jungen und junge Männer, Bezirk Hiltrup Beratungsfolge 19.10.2006 Bezirksvertretung Münster-Hiltrup Anhörung 26.10.2006 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Entscheidung Beschlussvorschlag: Sachentscheidung: 1. Dem Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen e.V. wird rückwirkend zum 01.10.2006 die Trägerschaft über die „Aufsuchende Arbeit mit dem Schwerpunkt Jungen und junge Männer im Bezirk Hiltrup“ übertragen. 2. Der Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien nimmt das vom Träger vorgelegte Konzept zur Kenntnis. 3. Die Verwaltung wird beauftragt, mit dem Träger eine Leistungsvereinbarung über das vor- genannte Angebot abzuschließen. Kosten/Folgekosten Es wird zur Kenntnis genommen, dass im Haushaltsjahr 2006 Kosten in Höhe von 4.700 Euro und in den Haushaltsjahren 2007 ff. Kosten in Höhe von 21.300 Euro entstehen. Finanzierung/Mittelbereitstellung Die o. g. Sachentscheidung ist – vorbehaltlich der Zustimmung des Rates zum Entwurf des Haus- haltsplanes 2007, Finanzplan und Investitionsprogramm 2006 bis 2010 – wie folgt zu finanzieren: Ausgaben Haush.- stelle Bezeichnung Haush.- jahr Betrag € Bemerkung 4511.718.1300.1 VSE; aufsuchende Arbeit in Hiltrup 2006 40.000 Erhöhung um 4.700 Euro 4511.718.1300.1 VSE; aufsuchende Arbeit in Hiltrup 2007 ff. 56.600 Erhöhung um 21.300 Euro jährlich Vorlagen-Nr.: V/0746/2006 Auskunft erteilt: Herr Fuchs Ruf: 492 58 94 E-Mail: FuchsT@stadt-muenster.de Datum: 15.09.2006 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0746/2006 Die Deckung erfolgt durch eine Reduzierung des städtischen Personaletats um eine halbe Perso- nalstelle, ehemals aufsuchende Arbeit im Kommunalen Sozialdienst, Bezirk Hiltrup. Begründung: Im Juli 2006 sind die freien Träger der offenen und mobilen Kinder- und Jugendarbeit in Hiltrup darüber informiert worden, dass die bisher städtisch durchgeführte aufsuchende Arbeit mit dem Schwerpunkt Jungen und junge Männer an einen im Bezirk Hiltrup tätigen freien Träger übergeben werden soll. Damit einhergehend wurden die Träger aufgefordert, sich für die Übernahme des An- gebotes zu bewerben. Am 8. September 2006 ist die Bewerbungsfrist der Ausschreibung abgelau- fen. Über das Vorhaben, die Aufgabe auf einen freien Träger zu übertragen, wurde parallel der Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien informiert. Als einziger Träger hat sich der Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen e.V. (VSE) auf die Trägerschaft beworben. Der VSE leistet in Hiltrup bereits die aufsuchende Arbeit mit dem Schwer- punkt Mädchen und junge Frauen, eine Konzeptergänzung für die Arbeit mit dem Schwerpunkt Jungen und junge Männer liegt vor. Das bestehende Konzept und die Konzeptergänzung sind in der Anlage beigefügt. Um das Angebot zeitnah installieren zu können, wird die Verwaltung mit dem Träger VSE analog zum Angebotsschwerpunkt Mädchen und junge Frauen eine Leistungsverein- barung abschließen. In seiner Sitzung am 13. September 2006 hat der Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien dem Verfahren zugestimmt, die Übernahme der Aufgabe durch den Träger kurzfristig umzusetzen. I.V. gez. Dr. Klein Anlagen: Anlage 1: Bewerbungsschreiben und Konzept für die aufsuchende mobile Kinder- und Jugendar- beit in Hiltrup Anlage 2: Konzeptergänzung „Aufsuchende Arbeit mit Jungen und jungen Männern“
Anlage 2: Konzeptergänzung "Aufsuchende Arbeit mit Jungen und jungen Männern"
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VerbundsozialtherapeutischerEinrichtungen
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Anerkannter Träger der freien Jugendhilfe
VSE e.V. . Rudolfstraße 9. 48145 Münster Geschäftsstellen in Nordrhein-Westfalen:
0 Rudolfstraße 9 . 48145 Münster
Telefon: 0251-91990-40
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04.09.2006
Trägerschaft für die Aufsuchende Arbeit mit dem Schwerpunkt Jungen und
junge Männer im Stadtbezirk Hiltrup
Sehr geehrte Frau Pohl,
in Ergänzung meines Schreibens vom 11.08.06, im dem der VSE sein Interesse an
der Trägerschaft für die aufsuchende Arbeit mit dem Schwerpunkt Jungen und junge
Männer bekundet hat, schicke ich Ihnen heute die Konzeptergänzung für die Arbeit
mit dem o.g, Schwerpunkt.
Letztlich entsteht so ein Gesamtkonzept aufsuchender Arbeit im Bezirk Hiltrup in
Trägerschaft des VSE, durchgeführt von in Hiltrup bekannten und erfahrenen
Fachkräften und eingebunden in das Netzwerk der Jugendhilfe im Bezirk.
Mit der Arbeit können wir sofort beginnen.
Anlagen: Konzeptergänzung
Sitz des Vereins: 29221 Celle
Amtsgericht Lüneburg. VR 100270
Geschäftskonto: Dresdner Bank Münster
BLZ: 400 800 40 MTGLED/~ /
Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen Münster e.V.
Ergänzung zum Konzept der Aufsuchenden Arbeit in Münster Hiltrup, Schwerpunkt
Mädchen und junge Frauen
Aufsuchende Arbeit mit dem Schwerpunkt Jungen und junge Männer im
Stadtbezirk Hiltrup
Mädchenarbeit ist Jungenarbeit und Jungenarbeit ist Mädchenarbeit
Die Probleme der männlichen Jugendlichen und der jungen Männer im Stadtteil rücken
immer wieder in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, zum Teil angeregt durch die
langjährige Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen, zum Teil durch die den Jungen und
jungen Männern eigene offensive Präsenz im öffentlichen Raum. Dabei fällt nicht nur auf,
dass das männliche Geschlecht Probleme verursacht, sondern vor allem, welche
Schwierigkeiten Jungen und junge Männer haben. Tradierte Rollenmuster werden untauglich,
sind dem gesellschaftlichen Wandel unterworfen und müssen immer wieder neu erarbeitet
werden. Für Jungen und junge Männer findet der Prozess der Sozialisation vor dem
Hintergrund einer Situation statt, in der Männer häufig nicht als reale Vorbilder im Alltag
erfahrbar sind. Andere Jungen werden marginalisiert oder wachsen mit einem wenig
partnerschaftlichen oder gar gewalttätigen bzw. destruktiven Bild von Männlichkeit auf.
Aufsuchende Arbeit mit Jungen und jungen Männern
Für parteiliche Jungenarbeit und geschlechtsspezifisch differenzierte Arbeit mit Jungen und
jungen Männern im Rahmen Aufsuchender Arbeit ergeben sich viele Aufgaben.
Geschlechtsspezifisch differenzierte Arbeit muss auf die speziellen individuellen Lebenslagen
von Jungen entsprechend konzeptionell reagieren, ohne Benachteiligungen von Jungen und
Mädchen gegeneinander aufzurechnen. Diese Arbeit findet vornehmlich in einem
koedukativen Zusammenhang statt. Aus diesem Grund ist eine paritätische Ausübung der
Aufsuchenden Arbeit wichtig.
Jungenarbeit ist die bewusste, geschlechtsbezogene pädagogische Arbeit eines oder mehrer
Männer mit Jungen. Jungenarbeit ist keine Methode, sondern eine spezifische Sichtweise auf
Jungen und junge Männer und berücksichtigt die geschlechtsrelevanten
Sozialisationsbedingungen, die Identitätsentwicklung und den Einfluss der Gesellschaft auf
das Geschlechterverhältnis. Darum muss Jungenarbeit parteilich, emanzipatorisch und
ganzheitlich sein.
Jungenarbeit muss Angebote schaffen, in denen die Qualität rein männlichen Kontakts, der
Selbstreflexion und eine Atmosphäre von Vertrauen und Gemeinschaft unter Jungen erlebbar
wird. So kann ihnen die Möglichkeit gegeben werden, sich auf prozesshafte Beziehungsarbeit
einzulassen, mit der Chance, das Fehlen männlicher Bezugspersonen und eindimensionaler
Vorstellungen von Männlichkeit in ihrer bisherigen Sozialisation zu überdenken.
In der Jungenarbeit sollen Perspektiven erarbeitet werden, wie Jungen und junge Männer
selbstbewusst und partnerschaftlieh ihr Mannsein (er)leben können.
Jungenarbeit steht in enger Beziehung zur Mädchenarbeit. Beide ergänzen sich in Ihren
Bemühungen um bewusste geschlechtsspezifisch differenzierte Kinder- und Jugendhilfe. Es
ist ein wichtiger Aspekt in der Mädchenarbeit und der Jungenarbeit, beide aufeinander zu
beziehen und Erfahrungen auszutauschen.
Wesentliche Aspekte der Jungenarbeit
Zum professionellen pädagogischen Arbeiten mit Jungen und jungen Männern gehört die
ständige, kritische Reflexion der eigenen persönlichen Haltung und des eigenen persönlichen
Handeins. Denn wer mit Jungen arbeitet, ist gleichzeitig ein Modell, an dem Mannsein in
verschiedenen Facetten erfahren werden kann. Es ist wichtig, in Arbeitskreisen und
Fortbildungen diese Kompetenz und Professionalität zu erhalten und auszubauen.
Jungenarbeit muss den Jungen Schutz,- Entwicklungs- und Erlebnisräume zur Verfügung
stellen, in denen sie sich selbst und andere erleben, Grenzen ausloten und mit
Verhaltensweisen experimentieren. Dies bedeutet für die Jungenarbeit vor Ort: Grenzen
setzen und Barrieren überwinden.
Parteiliche Jungenarbeit setzt bei Stärken und Kompetenzen von Jungen und jungen Männern
an. Es werden verschiedene Themen wie Beziehung, Sexualität, Körperlichkeit, Gefühle,
Männlichkeit und deren unterschiedliche kulturelle Ausprägungen, Konflikte, Gewalt und
sexuelle Gewalt, Macht und Privilegien, Opfer sein, Täter sein, Behinderung, Gesundheit,
Berufs- und Lebensplanung u. a. aufgegriffen und mit dem individuellen Mannsein in Bezug
gestellt und bearbeitet. In diesem Lernprozess kann Verantwortung für sich und andere
erfahren werden.
Ziele der Jungenarbeit
In allen Aktionen, speziellen Hilfen, thematischen und alltäglichen Auseinandersetzungen hat
Jungenarbeit das Ziel, Jungen in ihrer persönlichen Entwicklung zu stärken, die Entfaltung
einer beziehungsfähigen und selbstverantwortlich handelnden Persönlichkeit als Mann zu
fOrdernund zu einem gleichberechtigten Zusammenleben von Jungen/Männern und
Mädchen/Frauen zu befähigen.
Jungen erlernen, dass Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein gewaltfrei erlangt werden kann,
ohne andere abzuwerten. Im Erleben und Reflektieren eigener Gefühle und Verletzungen,
sollen Jungen ihre eigenen Grenzen und die Grenzen anderer kennen und respektieren lernen.
Die Solidarität und Empathie unter Jungen soll gestärkt werden, in dem Alternativen zu
Dominanz und Konkurrenz erarbeitet werden. Es ist ein Menschenbild zu vermitteln, das von
Achtung und Respekt geprägt ist. In der Auseinandersetzung mit Formen der Sexualität ist es
wichtig, der Entpersönlichung der Sexualität entgegenzuwirken und die Entkopplung der
Sexualität von der Gewalt anzustreben.
Parteiliche Jungenarbeit setzt Grenzen bei gewalttätigem, rassistischem, sexistischem und
verletzendem Verhalten gegenüber Mädchen und Jungen. Dies geschieht, indem das
Verhalten der Jungen, nicht aber ihre Person abgelehnt und kritisiert wird. Jungenarbeit
richtet sich aber nicht nur an Jungen, die durch ihr problematisches Verhalten die
Aufmerksamkeit auf sich lenken, sondern an alle Jungen im Stadtteil.
Münster, September 2006
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: mehrheitlich beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (1)
- Rudolfstraße 9
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0746/2006
- Typ
- Vorlage
- Datum
- 21.09.2006
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37