Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn
Mitteilung Ausschuss 4217/2021 vom 29.12.2021
Stand: Am 20.01.2022 im Ausschuss Klima, Umwelt und Grün beraten. Ergebnis: Kenntnis genommen.
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VIII/67 Vorlagen-Nummer 29.12.2021 4217/2021 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 20.01.2022 Unterausschuss Regionale Zusammenarbeit 20.01.2022 Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn Der Zweckverband Naturpark Rheinland der Region Köln/Bonn e.V. und die REGIONALE 2025 Agen- tur GmbH haben die Deutsche Sporthochschule Köln mit der Erstellung einer Studie „Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn (insbesondere im Hinblick auf das durch die Corona-Pandemie ausgelöste veränderte Freizeitverhalten)“ beauftragt. Die mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie Anfang 2020 verbundenen Auswirkungen, wie Kontakt- beschränkungen, Reiseregelungen und auch die Schließung von (nah-)touristischen Angeboten, ha- ben auch Auswirkungen auf das Freizeitverhalten in der Region Köln/Bonn gezeigt. Da insbesondere die ferntouristischen Aktivitäten einen Einbruch erlebten, hat die nahe gelegene Umgebung für den Tourismus und die Naherholung an Bedeutung gewonnen. Natur und Landschaft bieten hierfür mannigfaltige Optionen. Auch in der Wachstumsregion Köln/Bonn existieren vielfältige Erholungs-Möglichkeiten: Wandern und Mountainbiken in den Waldgebieten oder Radtouren auf den Panorama-Wegen sowie saisonabhängig Wassersport, Baden oder Sonnen an den Seen und Tal- sperren sowie auch Rodeln und weiterer Wintersport. Im Rahmen der Studie sollte daher primär untersucht werden, wie die Natur- und Landschaftsräume der Region Köln/Bonn diesen Nutzungsansprüchen in der Pandemie alltäglich gerecht wurden. Die Studie ist als Anlage beigefügt. Gez. i.V. Wolfgramm -
Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region KölnBonn
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Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn (insbesondere im Hinblick auf das durch die Corona-Pandemie ausgelöste veränderte Freizeitverhalten) – Interaktions- und Bewegungsmuster sowie daraus abgeleitete Befunde und Maßnahmen/Projektvorhaben für eine zukunftsfähige Besucherlenkung Vorgelegt im September 2021 Auftraggeber/Herausgeber Zweckverband Naturpark Rheinland im Namen der drei Naturparke der Region (Naturpark Rheinland, Naturpark Bergisches Land, Naturpark Siebengebirge), des Region Köln/Bonn e.V. und der REGIONALE 2025 Agentur GmbH Auftragnehmer/Fachliche Erarbeitung Dr. Stefan Türk und Richard Krull Institut für Outdoor Sport und Umweltforschung _____________________________________________________________________________ Anmerkung: Aus Gründen des Leseflusses wird auf die gleichzeitige Nennung der männlichen, weiblichen und diversen Sprachform verzichtet. Selbstverständlich gelten sämtliche Personenbezeichnungen für alle Geschlechter. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn Inhalt Einleitung ........................................................................................... 1 Methodik ........................................................................................... 3 Prozessablauf ..................................................................................... 5 Ergebnisse der Expertengespräche ................................................... 6 Corona ..................................................................................... 6 Problem ................................................................................... 7 Konflikte .................................................................................. 8 Hotspot .................................................................................... 9 Infrastruktur .......................................................................... 10 Erholung ................................................................................ 11 Naturschutz ........................................................................... 12 Besucherlenkung ................................................................... 13 Vertreter Tourismus .............................................................. 14 Vertreter Naturschutz- und Forstbehörden .......................... 15 Auf Basis der Expertenbefragung ausgewiesene Hotspotzonen ........................................................................ 16 Orte für die Besucherbefragung .......................................... 17 Ergebnisse der Besucherbefragung ................................................. 18 Motive der Naherholung ....................................................... 18 Aufenthaltsdauer .................................................................. 19 Aktivitäten ............................................................................. 20 Aufenthaltshäufigkeit ............................................................ 21 Bedeutung der Witterung ..................................................... 22 Besuchsalternativen .............................................................. 23 Nutzungshäufigkeit unter Corona ......................................... 24 Besucheraufkommen ............................................................ 25 Konflikte ................................................................................ 26 Entwicklung des Besucheraufkommens ................................ 27 Orientierung .......................................................................... 28 Anreise ................................................................................... 29 Diskussion........................................................................................ 34 Fazit ................................................................................................. 45 Literatur ........................................................................................... 47 Anhang ............................................................................................ 51 Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 1 Einleitung „Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.“ Aldous Huxley „Rhein-Erft – Seen überfüllt“ titelte der Lokalsender Radio Erft im ersten Corona -Sommer am 31.07.2020. „Tourismus bricht ein: 50 Prozent weniger Gäste“ beklagte daneben das Lokalblatt Blickpunkt am Sonntag ein wenig später am 21.09.2020. Und auch im darauffolgenden Winter sorgten Meldungen wie „Tagestouristen im Bergischen Land: Polizei plant Sperrungen“ aus der WAZ am 10.01.2021 für ein kurioses Bild der Situation der Naherholung und des Tourismus. So zeigen sich auch in der Region Köln/Bonn die mit dem Ausbruch der Corona -Pandemie Anfang 2020 verbundenen Auswirkungen, wie Kontaktbeschränkungen, Reiseregelungen und auch die Schließung von (nah -)touristischen Angeboten. So wie letztendlich überall in der Welt hat man mit solchen Regelungen und Eingriffen in die Persönlichkeitsrechte bis hin zum totalen Lockdown versucht, die globale Ausbreitung des Coronavirus, so gut es geht, einzudämmen (Gössling et al., 2020). Insbesondere die Betriebe, die in der Freizeit - und Erholungsbranche tätig sind, sind von diesen Maßnahmen hart getroffen worden (dwif 2021). Ereignisse, die das Reisen verkomplizieren, haben einen signifikanten Einfluss auf die Tourismusaktivitäten (Yeh, 2020). Hierzu zählen Naturkatastrophen wie Tsunamis, Erdbeben oder extreme Klimaereignisse. Aber auch politische Risikolagen mit ihren Gesundheits- und Sicherheitsbedenken beeinflussen Reiseentscheidungen und verdeutlichen letztendlich die Fragilität dieser Branche (ebd.). Doch der Einfluss der Corona -Pandemie erscheint mit seinem weltweiten Auftreten tatsächlich in dieser Form einzigartig. Typisch für Pandemien zeig t sich zunächst ein wellenförmiger Verlauf. So wechseln sich Phasen, in denen sich mehr Menschen mit dem SARS- Cov-2 Virus anstecken und die Fallzahlen steigen mit solchen ab, in denen die Fallzahlen aufgrund niedriger Ansteckungsquoten wieder stark absinken (Bundesregierung, 2021). Mittlerweile existieren zwar Impfstoffe, die insbesondere vor schwerer Erkrankung schützen, dennoch wird man auch weiterhin zum Schutz vor einer Überlastung der Gesundheitssysteme die Infektionszahlen möglichst niedrig halten müssen (ECDC, 2020; Pozo -Martin et al. , 2020; Robert Koch Institut, 2021). Weil insbesondere die ferntouristischen Aktivitäten einen Einbruch erlebt haben, liegt es nahe , dass die nahe gelegene Umgebung für den Tourismus und die Naherholung an Bedeutung gewonnen hat. Natur und Landschaft bieten hierfür mannigfaltige Optionen. Auch in der Wachstumsregion Köln/Bonn existieren vielfältige Erholungs- Möglichkeiten: Wandern und Mountainbiken i n den Waldgebieten oder Radtouren auf den Panorama -Wegen sowie saisonabhängig Wassersport, Baden oder Sonnen an den Seen und Talsperren sowie auch Rodeln und weiterer Wintersport. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 2 Im Rahmen der Studie sollte daher primär untersucht werden, wie die Natur - und Landschaftsräume der Region Köln/Bonn diesen Nutzungsansprüchen in der Pandemie alltäglich gerecht werden. • Welche Beobachtungen werden hinsichtlich der Nutzung und des Besucheraufkommens gemacht? • Wie sind diese zu beurteilen? • Welche Räume werden dabei wie und wie lange genutzt? • Gibt es vielleicht alternativlose Präferenzräume für bestimmte (Sport)‐Aktivitäten bzw. Naherholung? • Wie gelangen die Menschen in diese Räume? • Sind spezielle Besuchssituationen feststellbar? • Welche Ursachen lassen sich dafür ableiten? Die Ergebnisse sollen eine erste Grundlage liefern, um adäquate Lenkungskonzepte für ein zukunftsfähiges Besuchermanagement in der Region Köln/Bonn etablieren zu können. Eine so bedeutsame Region der Naherholung braucht Antworten und Konzepte, um die Region als Destination für die sie aufsuchenden Gäste weiter zu entwickeln und voranzubringen. Und auch nach der Pandemie wird die Naherholung in der Region vor wichtigen Herausforderungen stehen. Einflüsse durch den Klimawandel sowie veränderte Konsum- und Freizeitbedürfnisse werden das Besuchermanagement vor bekannte, aber möglicherweise auch vor noch bevorstehende Herausforderungen stellen. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 3 Methodik Als methodischer Ansatz wurden zunächst Expertengespräche nach Meuser & Nagel (1991) als qualitative Untersuchungsmethode gewählt, um „an Insider Erfahrungen spezifischer Statusgruppen“ zu gelangen (ebd. ). Durch diese sollte also eine Verstärkung des Verständnisses über de n Forschungsgegenstand erfolgen. Ziel der Expertengespräche war die Identifikation touristischer Hotspots in dem Untersuchungsgebiet. Es g alt die verschiedenen Nutzungskonflikte, die mit einem hohen Besucheraufkommen einhergehen, herauszukristallisieren un d eventuell weitere Probleme aufzuzeigen. Dafür w urden in den Interviews folgende Schwerpunkte gesetzt: • Tatsächliche Nutzung der touristischen Infrastruktur [Schwerpunkte: vorhandenes Wegenetz (Spazieren, Wandern, Radfahren, Mountainbiken), Schnee - und Wassersportinfrastruktur, Bademöglichkeiten] • Bedürfnisse der BesucherInnen hinsichtlich der Erholungsangebote und ihrer Qualität/Quantität • bisherige Nutzungskonflikte sowie Corona-bedingte neue Nutzungskonflikte • bisherige / geplante Maßnahmen zur Besucherlenkung • weitere Auswirkungen der COVID 19-Pandemie Die Durchführung der Gespräche wurde den aktuellen Corona- Schutzverordnungen angepasst. Als Experten wurden Vertreter aus Tourismus, Politik, Landschafts - und Naturschutz sowie Forstverwaltung der Region Köln/Bonn gewonnen. Somit konnten siebzehn Expertengespräche mit Vertretern folgender Institutionen in dem Zeitraum April bis Mai 2021 durchgeführt werden: • Bergisches Land Tourismus Marketing e.V. • Biologische Station im Rhein-Sieg-Kreis e.V. • Bonn Information • KölnTourismus GmbH • Naturarena Bergisches Land GmbH • Radregion Rheinland e.V. • Region Köln/Bonn e.V. • Regionalforstamt Rhein- Sieg-Erft • Rhein-Erft-Kreis • Rhein-Erft-Tourismus e.V • Rhein-Kreis Neuss • Rhein-Sieg-Kreis • Schloss-Stadt Hückeswagen • Stadtmarketing Leverkusen • Tourismus & Congress GmbH Region Bonn / Rhein-Sieg / Ahrweiler • Tourismus Siebengebirge GmbH • Untere Landschaftsbehörde Bonn • Wahnbachtalsperren- verband • Untere Landschaftsbehörde Köln • Zweckverband Naturpark Rheinland • Zweckverband Naturpark Bergisches Land Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 4 Je nach Zusammengehörigkeit und Verantwortungsbereich wurden dabei auch teilweise Gruppeninterviews mit mehreren Vertretern aus verschiedenen Institutionen durchgeführt. Die Dauer der jeweiligen Interviews betrug je nach Teilnehmerzahl zwischen mindestens einer bis maximal zwei Stunden. Für die anschließende Auswertung w urden die Expertengespräche transkribiert und mit einer Verschlagwortung auf unterschiedliche Begriffe hin untersucht. Diese Begriffe w urden in mehrere Cluster unterteilt und quantitativ ausgewertet. Daraus ergaben sich in einer ersten Analyse zum einen Muster für positive sowie negative Umstände und zum anderen sind in einer gesonderten Analyse Themenschwerpunkte verschiedener Expertengruppen herausgearbeitet worden, die in Form von Wortwolk en dargestellt werden und aus denen sich verschiedene Handlungsoptionen ableiten lassen können. Diese Handlungsoptionen wurden konzeptionell an den Problematiken ausgerichtet, sodass sich am Ende Empfehlungen ergeben werden, an denen sich alle beteiligten Akteure orientieren können. Als weitere Erhebungsmethode wurden im Anschluss an die Expertengespräche Feldbefragungen an den ausgewiesenen Hotspots durchgeführt . Der dafür entwickelte zweiseitige Fragebogen (siehe Anhang) sollte neben persönlichen Angaben (wie Alter, Geschlecht, Postleitzahl und Begleitung) insbesondere Antworten zu den Besuchsmotiven, der tatsächlichen Frequentierung und Nutzung sowie der Aufenthaltsdauer , den weiteren Verhaltensweisen und der Anreise in die aufgesuchten Erholungsräume li efern. Die geschlossenen Fragen wurden durch das Ankreuzen von Antwortvorgaben beantwortet. Ein Ausfüllen des Frage -/Antwortbogens war in max. 5 min möglich. Die Befragungen wurden an 35 Standorten in der zu untersuchenden Region Köln/Bonn durchgeführt. Dafür wurden von den Interviewern vor Ort Anwesende zufällig ausgewählt und be fragt. Die Antwort bögen wurden summarisch, aber immer auch standortsspezifisch ausgewertet, um g egebenenfalls vorhandene Unterschiede erkennen zu können . Als Befragungszeiträume wurden die beiden letzten Wochenenden der Pfingstwoche im Mai 2020 festgelegt, da d as Pfingstwochenende in der Region erfahrungsgemäß zu den besucherstarken Tagen der Naherholung zählt. An der Befragung beteiligten sich insgesamt 1113 Personen. Mit Ausnahme der Gruppe der unter 20jährigen (34 TN) beteiligten sich jeweils um 200 Teilnehmer der in 10 Jahres-Schritten eingeteilten Altersklassen. Und b ei den über 70jährigen nahmen noch 103 Teilnehmer an der Umfrage teil. 46% der Befragten waren männlich, 54% weiblich und 1 Person gab als Geschlecht divers an. Neben dieser Klassifizierung der Erholungssuchenden wurden deren Bedürfnisse bzw. ihre Bedürfnisänderungen in Zeiten von Corona ermittelt. Die daraus zu ziehenden Schlüsse w erden den Einschätzungen der Experten gegenübergestellt, sodass Unterschiede und Korrelationen in der Diskussion sichtbar gemacht werden können. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 5 Prozessablauf Monat 03 04 05 06 07 08 09 Arbeitsschritte: Vorbereitung der Studie Konzeption und Abstimmung mit Auftraggeber Abstimmung des Leitfadens für die Expertengespräche mit der Projektleitung Expertengespräche zur naturbezogenen Naherholung (17 Gespräche) Abstimmung des Leitfadens für die Besucherbefragung mit der Projektleitung Erhebung von Besucherzufriedenheit und Erholungsqualitäten (1113 Befragungen) Auswertung der erhobenen Datensätze Rückkopplung der Ergebnisse mit den Fachgruppen Tourismus und Naturschutz im Köln/Bonn e.V. Raumbezogene Darstellung Berichtsentwurf Rückkopplung des Berichtsentwurfes durch Auftraggeber und beteiligte Fachgruppen Berichtslegung (Umfang ca. 40 Seiten) Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 6 Ergebnisse der Expertengespräche Corona Die Analyse nach dem Begriff Corona (inklusive der Begriffe Pandemie oder COVID-19) e rgibt 130 Treffer. Die Schlagwörter „Anstieg“ (13 Nennungen) und „Veränderung“ (12) in Kombination mit „Verstärkt“ (10) und „Übernutzung“ (6) verdeutlichen das Bild, dass der Einfluss der Corona Pande mie auf die Naherholung nach Ansicht der Experten besonders stark gewesen sein muss. Der Druck (4) auf die entsprechenden Gebiete und die Nutzungsintensität bringt diese zeitweise an ihre Belastungsgrenze (2). Die Erholung verlagert sich gerade im Sommer z unehmend nach Draußen (6), wodurch die Frage nach den entsprechenden Maßnahmen z.B. in der Besucherlenkung (2) immer wichtiger wird. Auch über Alternativen (6) der vorhandenen Angebote (4) wird sehr oft nachgedacht, um die Bildung von Besucher -Hotspots (5) zu vermeiden. Hier die richtigen Konzepte (3) zu entwickeln, auch in Bezug auf Hygiene (1), darin sehen die Experten ihre Aufgabe. Den Besuchern wollen sie trotz aller Umstände eine gewisse Sicherheit (2), z.B. in Form von einfachen Stornobedingungen (1), bieten, um weiter als Destination attraktiv zu bleiben. Vereinzelt wird diesbezüglich von einer Akzeptanzsteigerung ihrer Arbeit berichtet. Überdies ist die Wahrnehmung junger Leute (3) als neue Zielgruppe eine verbreitete Beobachtung der Experten. Demnac h wird im Rahmen der digitalen Möglichkeiten, u.a. in Gestalt sozialer Medien (2), deren Interesse besonders geweckt, sich mit ihrer unmittelbaren Umgebung auseinanderzusetzen. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 7 Problem Der Begriff Problem fällt in den Interviews 66 mal. Offenkundig sind für viele Experten die Mountainbiker (8) eine große Problemgruppe. Deren Anlage und Nutzung illegaler Wege (5) in den Wäldern verärgert insbesondere die Naturschützer, die Tiere und andere Lebewesen in ihrer natürlichen Lebensweise massi v gestört sehen. Der Besucherandrang (6) während der Pandemie wird in diesem Fall mehrfach als Problem beschrieben, auf das die Verantwortlichen nicht vorbereitet waren und deshalb an vielen Stellen keine rechtzeitigen Maßnahmen einleiten konnten. Oft wird von einem Vollzugsdefizit (5) aufgrund mangelnder personeller und finanzieller Ressourcen berichtet, durch das die Übernutzung (4) der Landschaft nicht kontrolliert (4) werden kann. Die damit verbundenen Schäden für den Naturschutz (6) werden ebenfalls wi ederholt als Problem dargestellt, genauso wie der Müll (3), der mit den vielen Besuchern anfällt. Drei Experten schätzen ein, dass diese ganzen Probleme sich noch zusätzlich durch die Sozialen Medien verschärfen. Auf der Infrastruktur (2) lastet ein ungeheurer Druck: einerseits durch den mit Automassen überfüllten Individualverkehr, für den z.B. die vorhandenen Parkmöglichkeiten nicht ausreichen; andererseits, weil an manchen Stellen Besucherlenkungskonzepte noch nicht so ausgereift sind, dass die Besuchers tröme effektiv verteilt werden können. Mancherorts beklagen sich die Experten auch über die vorhandenen Organisationsstrukturen und sonstigen Konstellationen (2). Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 8 Konflikte Das Thema wird insgesamt 33 mal angesprochen und diskutiert. Es geht hier vorde rgründig um die verschiedenen Besuchergruppen und die Konflikte untereinander. Die Gruppe, die dabei am häufigsten genannt wird, ist die der Mountainbiker (6). Knapp dahinter platzieren sich die Spaziergänger und Radfahrer (je 5) . Wanderer (3) werden als i nvolvierte Gruppe ebenso genannt wie Familien, Rennradfahrer und Hundeführer (je 2). Die Reiter (3) haben zwar oftmals ihre eigenen Wege, auf die sich bisweilen andere Besucher verirren, weshalb auch hier ein Konfliktpotenzial besteht. Richtet man den Blic k weg von den Besuchergruppen, hin zu anderen Akteuren, dann werden in diesem Kontext die Interessensgruppen um den Naturschutz (4) und der Anwohner (2) erwähnt. Als Hotspot konfliktreicher Begegnungen werden dabei oft die Parkplätze (4) und besonders enge Stellen (2) gekennzeichnet. Ein wiederholt als konfliktbehaftet betitelter Umstand ist zudem der mit den Menschenmengen anfallende Müll (2). Außerdem wird in diesem Kontext die mangelnde Kenntnis (1) bezüglich des Verhaltens in der Natur seitens der Besucher beklagt. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 9 Hotspot Begriffe zum Thema Hotspot werden 62 mal genannt. Dabei wird der Einfluss der Sozialen Medien (8) betont, durch die es leichter denn je zur einer Hotspotbildung kommen kann, weil sich Personen auch mithilfe diverser Online Communities und Apps (4) viel schneller vernetzen und Informationen weitergeben können. Der dadurch entstehende Besucherandrang (5) übt gerade in Pandemiezeiten einen enormen Druck (4) auf die vorhandene Infrastruktur (2) und die Naturschutzgebiete (3) aus . Mit diesem Druck sind die Verantwortlichen nach eigenen Angaben überfordert , da er teilweise von einer unkontrollierbaren Eigendynamik (1) geprägt ist. Umso wichtiger erscheint ihnen die richtigen Maßnahmen in der Besucherlenkung einzuleiten (4). Des Weiteren wird diskutiert, ob solche Gebiete mit Hotspots überhaupt noch beworben (4) werden sollen und wie die richtigen Informationen (3) an die Besucher gelangen. Denn gerade an derartigen Stellen mit guter Erreichbarkeit (3) sind Konflikte (2) wahrscheinlich. Vor allem im Sommer (2), bei schönen Wetterperioden (3) und am Wochenende (2) suchen viele Menschen die Naherholungsgebiete auf, strömen zu den Sehenswürdigkeiten (2) und verschmutzen (1) schlimmstenfalls noch die Landschaft. Ergänzend wird vereinzelt beobachtet, dass sich die Besuchsspannen extrem gedehnt haben. Zum Teil halten sich Besucher zu jeder Tages - und Nachtzeit in den Naherholungsgebieten auf, sodass regelrecht von einem 24 - Stunden-Betrieb (1) die Rede sein kann. Dies zieht nicht zu kalkulierende Folgen für die örtliche Fauna mit sich. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 10 Infrastruktur Die Thematik der Infrastruktur wird 39 mal aufgegriffen. Es ist deutlich erkennbar, dass es in der Region noch Defizite in der Infrastruktur gibt, um den Besuchermassen gerecht zu werden. Sie ist oftmals n icht ausgeprägt (7) oder muss ausgebaut (4), erneuert (2) bzw. größer werden (1). Laut de r Meinung der Experten spielt außerdem die Beschilderung (4) und die Qualität (3) der Infrastruktur eine enorm wichtige Rolle. Über die könne neben der Lenkung auch die Zufriedenheit der Besucher erreicht werden. Dabei beziehen sie sich gleichermaßen auf das vorhandene und das benötigte Netz der Rad- und Wanderwege (je 3). Als gutes Beispiel dient hier das teils in der Region schon vorhandene Radknotenpunktnetz (1) samt Verbindungswegen (1) für dazugehörende Besuchergruppen. Eine große Problematik sind weiterhin die Parkplätze. Oft sind sie gerade an den Ein - und Ausstiegsstellen (1) für die Besucherfrequenz nicht ausreichend. Um das sogar in der Presse dargestellte Problem der wild parkenden Autos und wütenden Anwohnern in den Griff zu bekommen, wurden an den hochfrequentierten Orten st ellenweise Felder und Wiesen von Landwirten als Parkraum für die anrollenden Automassen angemietet. Nicht nur in diesem Zusammenhang wird über die Finanzierung diskutiert, die oftmals eine Herausforderung darstellt. Genauso ist wie die Pflege und Instandha ltung (1) der Infrastruktur zu beachten, auch um Schäden durch Vandalismus zu beseitigen. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 11 Erholung Das Thema Erholung wird 78 mal aufgeführt. Das Bedürfnis (3) der Menschen nach Erholung ist groß. Gerade die „Corona“ (4) Pandemie stellt besondere Anforderungen an Erholung und Erholungsmöglichkeiten. Die Experten stellen einen hohen Nutzungsdruck (2) durch die Naherholungssuchenden ( 6) oder Touristen (2) fest. So entstehen überall in der Region Hotspots (7), die die Nutzung (6) ebenso widerspiegeln wie den daraus abzuleitenden Anspruch (1) auf Erholungsgebiete (6) in Natur und Landschaft. Als dafür dienlich wurden klar die Naturparke (2) ausgewiesen. Die Eignung (2) weiterer Gebiete wird diskutiert und es stellt sich die Frage, in welchem Maße solche Räume die Erholungsfunktion (2) erfüllen können. Wichtige Überlegungen sind hier zum Beispiel, inwiefern die vorhandene Infrastruktur (1) und die Naherholungsangebote (6) ausreichen oder ob sie noch weiter ausgebaut werden müssen. Allerdings muss die anfallende Übernutzung besonders im Hinblick auf den Naturschutz (2) beachtet werden. Der immer öfter liegen gelassene Müll (1) reduziert den bedeutsamen Erholungsfaktor (1). Grundsätzlich muss sich die Region auch weiterhin anstrengen, um angemessen auf die Veränderung (2) des Freizeitverhalten reagieren zu können. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 12 Naturschutz Auf das Thema Naturschutz wird in den Interviews 69 mal Bezug genommen. Am häufigsten richtet sich dabei der Fokus auf die vorhandenen Naturschutzgebiete (12) und den Druck (6), dem sie ausgesetzt sind. Dabei kommt den Naturschutzbehörden (8) eine besondere Bedeutung zuteil. Die gesteigerte Nutzung (3) und die damit verbundenen Konflikte (6) und Probleme (4) sind immer wieder Thema in den Diskussionen mit den Experten. Dabei werden die Naturschutzverordnung (3) und die naturschutzrechtlichen Beweggründe (4), die ja auch in einem eigenen Gesetz (2) verankert sind, als wesentliche Punkte genannt. Es wird insbesondere beklagt, dass diese von den Erholungssuchenden immer noch oft ignoriert werden. So sind Fehlnutzungen (1) und Beeinträchtigungen (1), beispielsweise durch illegale Pfade, an der Tagesordnung. Die Verantwortlichen schalten aufgrund von eigenen Kontroll - und Vollzugsdefiziten (1) nicht selten das Ordnungsamt ein (2). Gleichzeitig betonen sie aber auch, dass die Natur den Menschen weiterhin zur Verfügung stehen muss (3). Durch eine selektive Öffnung (2) gerade i n den städtischen Flächen versuchen sich die Naturschutzvertreter so weiterhin kompromissbereit (1) zu zeigen. Aber auch dann bleiben besucherlenkende Maßnahmen, wie zusätzliche Beschilderungen (2) oder Zonierungen (räumliche Funktionstrennung von Bereichen, 3) z.B. rund um Naturschutzseen (2), dringend notwendig. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 13 Besucherlenkung Insgesamt fällt der Begriff Besucherlenkung 49 mal. Das dringlichste Thema ist hier die Digitalisierung (6). Die Experten haben erkannt, dass eine digitale (Vorab -) Lenkung in der Zukunft eine enorme Bedeutung haben wird. Hier werden die sozialen Medien (4) wichtig sein. Mithilfe von Datentrackern kann über einen Open -Data-Pool (2) ein Ausflugsticker (2) eingerichtet werden, der dem Kunden in Echtzeit anzeigt, welcher Ort gerade überlaufen ist. Inwieweit solche zukunftsweisenden Ideen mit den aktuellen Ansätzen im deutschen Datenschutz (2) konformgehen, wird in Zukunft genauso zu prüfen sein, wie Fragen zur dauerhaft anfallenden Finanzierung. Durch eine verstärkte digitale Präsenz kann in jedem Fall die Reichweite erhöht werden, und sie ermöglicht einen intensiveren Dialog mit den Besuchern. Bezogen auf die analoge Welt sind bei dieser Thematik wiederholt attraktive Angebote (4) genannt worden, die als Anziehungspunkte fungieren können. Mit einem guten Konzept (3) sollte nach Expertenmeinung der Besucherandrang (3) bewältigt und die Hotspotbildung (3) vermieden werden. Auch zum Schutz der Natur (2) sind alternative legale Angebote wichtig, um die Menschen von den illegalen Trails und Trampelpfaden zu bekommen. Darüber hinaus wird die Wichtigkeit einer angemessenen Beschilderung (2) und von ausreichenden Parkplätzen (2) für die Region thematisiert. Eine etwas untergeordnete Rolle spielt in den Expertengesprächen der Umstand, dass künftig der Individualverkehr (1) noch mehr zurückgedrängt werden und das Angebot des ÖPNV (1) attraktiviert werden muss. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 14 Vertreter Tourismus Die in der Methodik beschriebene gesonderte Analyse zur Schwerpunktsetzung verschiedener Expertengruppen wird anhand der beiden folgenden Wortwolken dargestellt. Der Fokus der Touristiker bezieht sich stark auf die Unterteilung der vielen Besucher, was durch den Begriff Zielgruppe (8) deutlich wird. Eine Bewerbung sollte speziell auf die Zielgruppen zugeschnitten werden, da jeweils spezielle Motive und Vorlieben existieren. Die hierfür vorhandenen Möglichkeiten, gerade in Anbetracht der Digitalisierung (6), sind Kern weiterer Diskussionen. Dabei erscheint die Rolle der sozialen Medien (6) als sehr wichtig, nicht nur für die Präsentation nach außen, sondern auch für die Kommunikation mit den Besuchern. Auf den unterschiedlichen digitalen Kanälen kann sehr gut auf das Besucherfeedback eingegangen werden. Darau s können leicht Bedürfnisse (3) ermittelt werden, auf die schnelle Reaktionen möglich sind. Die entsprechende Angebotslage (5) und die ständige Weiterentwicklung (3) bestehender Konzepte mit dahingehender Infrastruktur sind zusätzliche Interviewinhalte. Ei n weiterer Aspekt sind die Themen Mobilität (3) und Kooperation (4). Ersteres wurde oft im Rahmen der Besucherlenkung (3) angesprochen, da sich durch zukunftsweisende Mobilitätskonzepte in Verbindung mit der entsprechenden Infrastruktur (5) und mithilfe des ÖPNV neue Perspektiven in der Besucherlenkung ergeben. Zweites geht eher in die Richtung einer übergreifenden Zusammenarbeit mit anderen Akteuren, da sich doch einige Experten durch den entstandenen Druck (2) überfordert fühlen. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 15 Vertreter Naturschutz- und Forstbehörden In den Gesprächen mit den entsprechenden Vertretern wird in der Region der Fokus auf den Besucherandrang (6) gelegt, eine r Problematik, die durch die Corona -Pandemie stark an Bedeutung gewonnen hat. Nach Ansicht der Fachvertreter kommt es mit den Massen, die in die Natur strömen, vermehrt zu Fehlverhalten (4), worunter Beeinträchtigungen (2), wie b spw. die zunehmende Vermüllung (4), zählen. Solche immer öfter vorkommenden Konflikte (4) stellen die zuständigen Institutionen vor ungeheur e Herausforderungen. Sie sehen aufgrund von fehlenden personellen und finanziellen Ressourcen ein Vollzugsdefizit (4), welches eine angemessene Kontrolle unmöglich macht. Teilweise wird sogar von einem verstärkten Aggressionspotenzial seitens der Besucher (2) berichtet. Zudem basiert die illegale Nutzung (3) bestimmter Areale auf einer offensichtlichen Flut von Fehlinformationen (4), die bei den Besuchern auf unterschiedlichen Wegen ankommen. Hier ist laut den Experten eine noch intensivere Öffentlichkeitsa rbeit (2) nötig, um die richtigen Informationen zu verbreiten. Obendrein bedarf es einer geeigneten Besucherlenkung sowie attraktiver Alternativangebote (3), um Besucher noch effektiver von schützenswerten Gebieten wegzulocken. Deren Belastungsgrenze (2) ist bereits heute erreicht. Die Experten sind sich dennoch sicher, dass Natur und Landschaft den Besuchern zur Verfügung stehen (2) müssen, wenngleich sich in den Gesprächen wiederholt die Frage nach passender Zonierung (2) rund um solche Flächen stellt. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 16 Auf Basis der Expertenbefragung ausgewiesene Hotspotzonen 2 1 30 3 4 5 29 16 15 14 13 12 11 10 9 8 7 6 22 21 20 19 18 17 28 27 26 25 24 23 31 Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 17 Orte für die Besucherbefragung Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 18 Ergebnisse der Besucherbefragung Motive der Naherholung Nach der Arbeit oder am Wochenende ist der Wunsch zum Ausgleich zur Arbeit groß. Man möchte „aktiv und in Bewegung sein“ bzw. „die Natur und Landschaft genießen“. Diese beiden Argumente werden mit deutlichem Abstand als die beiden Hauptmotive von den Besuchern der Naherholungsgebiete genannt. Oft erholt man sich gemeinsam mit Freunden oder man sucht beim Aufenthalt in Natur und Landschaft auch einfach nur den Abstand zum Alltag. Dabei stellen Naherholungsgebiete natürlich die Räume dar, in denen man die zur Erholung wichtige Ruhe finden kann. Und dass dies wichtige Räume sind, um etwas für die eigene Gesundheit zu tun ist, wird ebenfalls sehr deutlich. Die wenigsten Nennungen haben „etwas Neues entdecken“ bzw. „die Region kennenlernen“ erhalten. Darin wird deutlich, dass an den aufgesuchten Hotspots in der Region tatsächlich Naherholung stattfindet, und dies vorrangig an Orten, die dem Nutzer bekannt und vertraut sind. 470 491 532 258 703 695 429 161 0 100 200 300 400 500 600 700 800Anzahl Besucher (N=1113) Besuchsmotive Wieso sind Sie heute in diesem Naherholungsgebiet? (Mehrfachnennungen möglich) Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 19 Aufenthaltsdauer Das Gros der Naherholungssuchenden (69%) sucht die entsprechend geeigneten Natur - und Landschaftsräume für einen Zeitraum von ein bis zu drei Stunden auf. Für weniger als eine Stunde sind etwa 9%, und für drei bis sechs Stunden knapp 20% unterwegs. Die Menschen, die im Untersuchungsraum angetroffen und befragt werden konnten, nutzen ein paar Stunden am Vor-oder Nachmittag, um sich zu erholen. Unter einer Stunde sind nur wenige unterwegs, diese dann meist, um mal kurz ihren Hund Gassi zu führen. Damit wird die Bedeutung der Region für die Naherholung erneut sehr deutlich. Nur 2% der Befragten bleibe n länger als sechs Stunden im aufgesuchten Gebiet. Lange Aufenthalte spielen also offensichtlich keine primäre Rolle. Wenn sie stattfinden, dann werden in der Regel touristisch interessante Tagesziele, wie z.B. waldreiche Wandergebiete oder attraktive Wasserflächen, aufgesucht, die auch für einen Tagesaufenthalt ein ausreichendes und attraktives Erholungsangebot bieten. 99 757 213 25 0 100 200 300 400 500 600 700 800 <1h 1-3h 3-6h >6h Anzahl Besucher (N=1094) Dauer in Stunden Wie lange dauert Ihr Aufenthalt heute? Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 20 Aktivitäten Wenn man die Erholungsräume aufsucht, nutzt man diese in der Regel für bewegungsorientiert e Aktivitäten. Versucht man diese Menschen für eine Datenerhebung in Form eines face -to-face Interviews zu gewinnen, muss man sich bewusst sein, dass man primär solche Personen befragen wird, die zu Fuß unterwegs sind. Spazieren und Wandern sind folglich d ie am meisten genannten Aktivitätsformen, und werden noch ergänzt von Joggen und Gassi gehen. Aber auch Radfahren und Mountainbiken werden noch relativ häufig genannt. Damit werden die beiden wichtigsten Bewegungsaktivitäten der Deutschen in ihrer Freizeit gestaltung im Grundsatz bestätigt. Man kann man davon ausgehen, dass ein Großteil der Bevölkerung über das erforderliche Basisequipment für Spaziergänge, kurze Wanderungen oder entsprechende Radtouren verfügt. Und wenn man über ein etwas ausgefalleneres Spezialequipment verfügt, kann man das ja ohne Probleme auch für die Naherholung nutzen. Dass nur relativ wenige Reiter oder Wassersportler angetroffen und befragt werden konnten, resultiert aus der Befragungsform und der Standortwahl. Dennoch nutzen Freizeitreiter de n Untersuchungsraum und haben entsprechende Ansprüche an den Raum. Auch Baden und Wassersport werden wiederholt genannt. Hier zeigt sich, dass die untersuchte Region mit den Restlöchern des Braunkohletagebaus in der Ville ( und Zülpich) sowie den Talsperren im Bergischen über attraktive und vorteilhafte Standorte verfügt. Solche Standorte sind den Erholungssuchenden bekannt und werden definitiv gerne aufgesucht. 733 334 138 132 314 49 45 39 7 54 0 100 200 300 400 500 600 700 800Anzahl Besucher (N=1113) Aktivitäten Für welche Aktivitäten nutzen Sie dieses Gebiet regelmäßig? (Mehrfachnennungen möglich) Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 21 Aufenthaltshäufigkeit Von täglich über mehrmals die Woche oder im Monat bis zu maximal zwölfmal im Jahr reicht die Skala, der die Naherholungssuchenden ihre Aufenthalte in dem angetroffenen Gebiet zuordnen sollten. Täglich sind tatsächlich gerade 5% der Interviewten vor Ort anzutreffen. Und in der Regel ist der Gassi gehende Hund dann die antreibende Kraft für die alltägliche Runde. Knapp 20% sind mehrmals die Woche, knapp 30% dann mehrmals im Monat und schließlich etwa 50% zumindest mehrmals im Jahr an dem Ort anzutreffen, an d em sie für diese Studie interviewt wurden. Dies macht insbesondere zwei Dinge deutlich: zum einen werden für die Naherholung gerne solche Räume aufgesucht, an denen man sich einigermaßen gut auskennt und die einem dabei offensichtlich so gut gefallen, dass man auch öfter wiederkommen mag. Zum anderen verfügt die Region offensichtlich auch über ausreichende Alternativen, so dass eben auch immer mal wieder die Räume für die Naherholung gewechselt werden können. Es muss eben nicht jedes Wochenende die gleiche Runde sein, letztendlich sind ausreichend viele spannende Alternativen in einer akzeptablen Entfernung vorhanden. 55 193 283 506 0 100 200 300 400 500 600 täglich mehrmals die Woche mehrmals im Monat mehrmals im Jahr Anzahl Besucher (N=1037) Besuchshäufigkeit Wie oft sind sie hier? Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 22 Bedeutung der Witterung Grundsätzlich geht man hinsichtlich der Erholung in der nahegelegenen Natur und Landschaft von einem hohen Maß a n Witterungsabhängigkeit aus. So fällt tatsächlich vielen Menschen bei schlechtem Wetter der Verzicht auf die Runde durch den Wald oder entlang des Seeufers relativ leicht. Anderseits sorgen wiederum andere Wetterlagen dafür, dass man sich bewusst für einen Aufenthalt draußen entscheidet. So attestieren auch 499 der 1101 Befragten der Witterung eine entscheidende Rolle für das Aufsuchen des Naherholungsraumes. Dies heißt aber auch, dass die aktuelle Wetterlage für den Rest eine unbedeutende (42%) bzw. gar keine Rolle (13%) spielt. Tatsächlich war die Witterungslage an den beiden Befragungswochenenden Ende Mai 2021 nicht von widrigem Wetter geprägt. Die Wetterlage war weder auffallend schön, noch kann sie als besonders schlecht bezeichnet werden. Sie reihte sich in die durchschnittlich recht kühle und feuchte Maiwitterung ein. Entsprechend leicht fällt einem Besucher dann auch der Hinweis, dass das Wetter eine nachgeordnete Rolle spielt. Dies wäre bei strömenden Regen oder schneidend kaltem Wind wahrscheinlich anders ausgefallen. Den Hinweis auf die fehlende Rolle bei der Entscheidung kann man zumindest bei einem Teil der Befragten mit einer speziellen Motivation korrelieren, so fordert z.B. der Hund tatsächlich seine tägliche Runde ein. 499 452 150 0 100 200 300 400 500 600 eine entscheidende Rolle eine unbedeutende Rolle keine Rolle Anzahl Besucher (N=1101) Einfluss Witterung Welche Rolle spielt die aktuelle Wetterlage? Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 23 Besuchsalternativen Der regelmäßige, also mindestens monatliche Besuch auch anderer Naherholungsgebiete wird von 53% der Befragten angegeben. Und öfter als dreimal im Jahr besuchen weitere 33% auch alternative Gebiete. Sie bestätigen damit, dass die unters uchte Region tatsächlich über interessante, ausreichend viele und gut erreichbare Alternativen zum unmittelbar vor der Haustür liegenden Naherholungsgebiet verfügt. Das Untersuchungsgebiet ist vielseitig aufgestellt und diese attraktiven Alternativen liegen offensichtlich in für einen Besuch akzeptablen Entfernungen. Naherholung wird so zum „kleinen“ Urlaub, der gerne auch für neue, und dabei gleichzeitig aber auch durchaus vertraute, Erlebnisse genutzt werden kann. 160 354 572 0 100 200 300 400 500 600 700 selten (1-3x im Jahr) oft (mehr als 3x im Jahr) regelmäßig (monatlich) Anzahl Besucher (N=1085) Besuchshäufigkeit Wie oft besuchen Sie auch alternative Naherholungsgebiete in der Region? Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 24 Nutzungshäufigkeit unter Corona Knapp die Hälfte der Befragten nutzt die Naherholungsgebiete aktuell öfter als in den Zeiten vor Corona. Und gut 43% sind zumindest ähnlich häufig vor Ort. Nur knapp 10% kommt seltener in die Naherholungsgebiete. Für die letzte Gruppe mag tatsächlich die Sorge vor ungewollten Kontakten, verbunden mit Infektionsrisiken, ein möglicher Grund dafür sein, ein vertrautes Naherholungsgebiet nicht mehr aufzusuchen. Allerdings zeigen die beiden anderen Gruppen mehr als deutlich auf, dass in der Pandemiezeit gerade die Naherholungsgebiete eine besondere Funktion übernommen haben. So mussten die Erholungssuchenden auf viele Formen der vertrauten Reisen verzichten. Insbesondere Fernreisen, aber auch die vielen, für die Region typischen Kurzurlaube z.B. an der holländischen oder belgischen Nordseeküste konnten oder durften unter anderem aus Quarantänegründen nicht durchgeführt werden. Das Erholungsbedürfnis ist aber gleichgeblieben. Um dieses zu befriedigen, bleibt dann tatsächlich nur der Besuch nahegelegener Naturräume. D eren Abwechslungsreichtum und Vielfalt ist dabei dann neben einer gewissen Vertrautheit aber auch ein Garant dafür, dass man sie gerne und dann auch öfter als üblich aufsucht. 102 480 531 0 100 200 300 400 500 600 geringer gleichgeblieben höher Anzahl Besucher (N=1113) Nutzungshäufigkeit Hat sich Ihre Nutzungshäufigkeit der Naherholungsgebiete durch Corona verändert? Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 25 Besucheraufkommen Wer aber glaubt, dass eine erhöhte Nutzungsfrequenz dann auch dazu führt, dass die Naherholungsgebiete als überfüllt wahrgenommen werden, der irrt. Nur ein verschwindend niedriger Anteil (3%) der Befragten ist der Meinung, dass das von ihm besuchte Naherholungsgebiet am Besuchstag tatsächlich überlaufen ist. Al lerdings spielt gerade bei dieser tagesbezogenen Fragestellung die entsprechende Witterung eine wohl mitentscheidende Rolle. Da diese nun im Befragungszeitraum nicht als besonders einladend bezeichnet werden kann, ist das doch sehr undifferenzierte Bild in der Beantwortung dieser Frage zu verstehen. Was dem einen Besucher als niedrig erscheint, da er das Gebiet auch aus Zeiten anderer Nutzungsnachfrage kennt, ist für den anderen Besucher offensichtlich dann schon eine Herausforderung, die er nicht zwingend öfter wahrnehmen möchte. 291 495 282 41 0 100 200 300 400 500 600 gering mittel hoch überlaufen Anzahl Besucher (N=1109) Besucheraufkommen Wie beurteilen Sie das heutige Besucheraufkommen in diesem Naherholungsgebiet? Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 26 Konflikte Die verstärkte Nutzung von Naherholungsräumen aufgrund der Corona-Situation sowie das zumindest für einen Teil der Befragten als (zu) hoch empfundene Besuchsaufkommen können zu vermehrten Konflikten führen. Solche Probleme zwischen unterschiedlichen Besuch s- bzw. Nutzergruppen werden in der Literatur von Fachleuten und Experten tatsächlich auch oft benannt. Für die befragten Nutzer scheinen solche Konfliktsituationen zwischen Besuchergruppen zwar grundsätzlich möglich, es werden aber nicht zwangsläufig mehr festgestellt. Nur knapp 20% bejahen die Frage nach vermehrten Nutzungskonflikten in der Pandemiezeit. An den Befragungstagen Ende Mai haben Konfliktsituationen dann auch offensichtlich keine Rolle gespielt. Nur vier Prozent berichten von Problemen, davon behandeln die meisten kleinere Streitereien zwischen den Führern freilaufender Hunde und anderen bewegungsaktiven Nutzern der Erholungsräume, manchmal auch Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern oder Reitern als Personen, die eine höhere Fortbewegung sgeschwindigkeit aufweisen. 40 1045 0 200 400 600 800 1000 1200 ja nein Anzahl Besucher (N=1085) Konfliktsituationen Sind Sie während Ihres heutigen Besuchs in Konflikt mit anderen Besuchern geraten? 155 682 0 100 200 300 400 500 600 700 800 ja nein Anzahl Besucher (N=837) Häufigkeit Nutzungskonflikte Treten Nutzungskonflikte mit anderen Besuchern seit Corona häufiger auf? Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 27 Entwicklung des Besucheraufkommens Die Corona -Pandemie hat dazu geführt, dass sich offensichtlich mehr Menschen in den untersuchten Naherholungsgebieten aufhalten. Zumindest wird die Entwicklung des Besucheraufkommens von etwas weniger als 70% so beschrieben. Für 22% ist es gleichgeblieben und knapp 9% sehen einen Rückgang im Besuchsaufkommen. Tatsächlich bestätigt sich auch bei der standortspezifischen Betrachtung, dass an fast allen Standorten das Gros der Befragten von e inem Anstieg im Besuchsaufkommen spricht, oder aber keine Veränderung s ieht. Nur an wenigen Standorten ist dieses klare Verhältnis nicht in dieser Deutlichkeit zu sehen. Dies kann daran liegen, dass hier bestimmte Attraktionen oder Besuchszentren aufgrund der Pandemie nicht mehr besucht werden können, und deshalb hier ein Rückgang im Besucheraufkommen besonders wahrgenommen werden kann. 86 225 683 0 100 200 300 400 500 600 700 800 abgenommen gleichgeblieben zugenommen Anzahl Besucher (N=994) Besuchsaufkommen Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Besucheraufkommens seit Ausbruch der Corona-Pandemie in diesem Naherholungsgebiet? Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 28 Orientierung Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass sich die Nutzer von Naherholungsgebieten in selbigen ausk ennen und sich ortskundig fortbewegen können. So überrascht es nicht, dass die persönliche Ortskenntnis von den meisten als wichtige Orientierungshilfe genannt wird. Fehlt die Ortskenntnis oder will man bezüglich der Wegewahl sichergehen, dann nutzt man ge rne auch den Blick auf Routenplaner im Smartphone bzw. das Schild an der Wegkreuzung. Spezielle GPS-Geräte oder auch Karten werden dagegen im Rahmen der Naherholung kaum genutzt. 413 626 77 458 88 0 100 200 300 400 500 600 700Anzahl Besucher (N=1113) Orientierung Wie orientieren Sie sich vor Ort? (Mehrfachantworten möglich) Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 29 Anreise Auch bei der Naherholung verzichtet ein Großteil nicht auf die Anreise mit dem PKW. Für 62% der Befragten ist das Auto das Anreisemittel der Wahl. Die Erreichbarkeit der Einstiegsstellen sowie die Bequemlichkeit bei der Anreise dürften bei dieser Wahl die ausschlaggebende Rolle gespielt haben. Offensichtlich ist diese bei der Anreise mit dem öffentlichen Personennahverkehr nicht gegeben, wenn nur 3% diese Option wählen. Ob dazu auch Corona - bedingte Regeln wie die Maskenpflicht im ÖPNV beitragen, lässt sich nicht beurteilen. Weitere 19% kommen zu Fuß und 16% mit dem Fahrrad. Hier zeigt sich schon, dass die Erholungsräume tatsächlich oft in einer gut erreichbaren Entfernung zum Wohnort liegen und auch die Anreise schon in den bewegungsorientierten Prozess der Naherholung integriert werden kann. Dies bestätigt letztendlich auch der Blick auf die durchschnittliche Anreisedauer. Diese muss offensichtlich in einer passenden Relation zum Aufenthalt vor Ort stehen. So sind 31% weniger als 15 min unterwegs, weitere 37% benötigen zwischen 15 und 30 min, um zu ihrem Naherholungsgebiet zu kommen. Der Rest ist länger als 30 min unterwegs. 7% geben sogar an, dass sie über eine Stunde anreisen. Bei einer näheren Betrachtung zeigt sich, dass eine solch lange Anreise mit zwei Dingen verknüpft ist: Zum einen weisen die so angereisten Ziele besondere Attraktionen auf, zum anderen liegen sie tatsächlich entsprechend weit entfernt von den Ballungsräumen und fordern selbst mit dem PKW eine entsprechende Reisezeit. 206 173 687 32 0 100 200 300 400 500 600 700 800 zu Fuß mit dem Fahrrad mit dem Auto mit dem ÖPNV Anzahl Besucher (N=1098) Anreiseoption Wie haben Sie dieses Naherholungsgebiet erreicht? 339 401 173 92 82 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 >15 min 15-30 min 30-45 min 45-60 min >60 min Anzahl Besucher N=1087) Anreisedauer Wie lange dauert Ihre Anreise? Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 30 Anreiseradius für primär zu Fuß/Fahrrad (idealisiert bis max. 8km ≙ 30min) Siegmündung Dünnwald Waldville Pollerwiesen Königsforst Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 31 Anreiseradius primär mit dem PKW (idealisiert bis max. 35km ≙ 30min) Hitdorf Zollfeste Zons Gymnicher Mühle Bevertalsperre Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 32 Anreiseradius PKW (idealisiert bis 70km ≙ mind. 60min) Kloster Knechtsteden Affen- und Vogelpark Eckenhagen Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 33 Weiterempfehlung Fast 98% der Befragten empfehlen das von Ihnen aufgesuchte Naherholungsgebiet gerne weiter. Offensichtlich werden die an es gesetzten Erwartungen also erfüllt. Und diejenigen, die ein Gebiet nicht weiter empfehlen wollen, sind nicht zwingend enttäuscht vom Besuch. Oftmals wollen sie es nicht weiterempfehlen, um nicht zu viele Dritte in „ihrem“ Naherholungsgebiet zu haben. 1040 27 0 200 400 600 800 1000 1200 ja nein Anzahl Besucher (N=1067) Weiterempfehlung Würden Sie dieses Naherholungsgebiet weiterempfehlen? Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 34 Diskussion In der Wachstumsregion Köln/Bonn lastet insbesondere auf den Räumen, die eine naturbezogene Erholung ermöglichen, ein besonderer Druck. Die Region Köln/Bonn umfasst den Arbeits - und Lebensraum von über drei Millionen Einwohnern. Konsequenterweise muss ein solcher Raum auch das infrastrukturelle Angebot für Naherholung und Tourismus bedienen. Trotz der kurzen Dauer hat di e Naherholung einen hohen gesundheitlichen, sozialen, und ökonomischen Wert (Russell et al. 2013; Abraham et al. 20 09; Thompson Coon et al. 2011). Naherholungsgebiete können dabei sowohl inner - als auch außerörtlich liegen. Als natur- und landschaftsnahe Gebiete sind sie durch die Nähe zu Siedlungen und Städten geprägt von einer guten Erreichbarkeit. Zudem weisen Naherholungsgebiete meist eine Vielfalt an Landschaftstypen mit hohem Erlebniswert auf (Spektrum 2000). Und so existieren vielfältige Erholungsmög lichkeiten im Untersuchungsgebiet: Wandern und Mountainbiken in den Waldgebieten oder Radtouren auf den Panorama -Wegen, Wassersport, Baden und/oder Sonnen an den Seen und Talsperren sowie saisonabhängig sogar auch Rodeln und weiterer Wintersport. Spätestens in den Monaten der Pandemie hat sich sehr deutlich gezeigt, welchen Nutzungsansprüchen diese Naturräume alltäglich gerecht werden müssen. So kam es offensichtlich vielerorts zu Übernutzungen und regelrechten Besucheranstürmen (KSTA 2021a, WAZ 2021), and erorts aber blieb es dagegen eher ruhig. Was hat genau zu diesen Besuchssituationen geführt? Welche Bedeutung spielt die Anreise und damit beispielsweise die Nähe zu Haltestellen des ÖPNV oder zu Parkplätzen? Gibt es alternativlose Präferenzräume für besti mmte (Sport) -Aktivitäten der Naherholung? Und wie beeinflusst am Ende auch das lokale Klima ein spontanes Besuchserlebnis? Die Beantwortung dieser Fragen steht also im Vordergrund des Forschungsinteresses, um basierend auf der raumbezogenen Darstellung ers te adäquate Vorschläge für ein Besuchermanagement aus tourismuswissenschaftlicher Sicht ableiten und die Destination für ihre Gäste weiter entwickeln zu können. Denn viele Zeichen sprechen dafür, dass die regionalen Freizeit- und Erholungsräume auch nach d er Pandemie, z.B. aufgrund des Klimawandels sowie veränderter Konsum - und Freizeitbedürfnisse, eine weiter steigende Nachfrage erfahren werden. Eine zukunftsweisende Nutzung der nahegelegenen Erholungsräume braucht eine intensive Auseinandersetzung mit bereits erkannten, aber auch mit möglicherweise noch kommenden Problemen der Besucherlenkung. Um sich zunächst ein fundiertes Bild über die Situationen vor Ort machen zu können, ist eine Hinzunahme der Einschätzungen der verantwortlichen Personen nötig. Dafür haben sich die durchgeführten Expertengespräche als ein geeignetes Mittel erwiesen. Aus ihnen wird schnell ersichtlich, dass Corona einen signifikanten Einfluss auf die Naherholung und des Tagestourismus hat. Die enorme Dynamik stellt dabei die Experten g erade Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 35 hinsichtlich der planerischen Ungewissheit vor große Herausforderungen. Im Kontext der Problemidentifikation werden „Besucherandrang“ und „Übernutzung“ relativ häufig genannt, was den Eindruck einer gewissen Überforderung verstärkt, zu der die Plötzlichkeit der Ereignisse sicherlich ihren Beitrag geleistet hat. Zudem wird an einigen Standorten von dem punktuellen Überschreiten der Belastungsgrenze der Naherholungsgebiete berichtet. Dabei kann das Überschreiten vielerlei Formen annehmen. Watson & Kopachevsky (1996 ) beziehen folgende fünf Dimensionen in die touristische Tragfähigkeit ein: • Physische Tragfähigkeit: Fehlendes oder maximal ausgereiztes Angebot touristischer Einrichtungen und Infrastrukturen • Psychische Tragfähigkeit: Die maximale Anzahl der Erholungssuchenden, ohne dass sich dabei die wahrgenommene Erholung des jeweiligen einzelnen Besuchers reduziert • Ökonomische Tragfähigkeit: Die maximale Belastung von Einrichtungen ohne zusätzliche Investition oder die Schwelle, bei de r andere Nutzungsarten des Gebiets aufgrund erhöhter eigener Nutzungsintensität wirtschaftlich unrentabel werden (=ökonomische Vereinbarkeit) • Ökologische Tragfähigkeit: Die maximale Anzahl der Erholungssuchenden in einem Gebiet, welches durch diese keine irreversiblen Schäden erfährt • Soziale Tragfähigkeit: Die maximale Tourismusakzeptanz der Einwohner Mit dem durch Corona anfallenden Besucherandrang w ird in den Expertengesprächen die gesteigerte Wahrscheinlichkeit solcher Überschreitungen der touristische n Tragfähigkeit deutlich. So w ird sehr häufig auf die ökologische Tragfähigkeit (Verschmutzung, Zerstörung) verwiesen und auch die soziale Tragfähigkeit (z.B. verärgerte Anwohner) w ird des Öfteren angesprochen. Teilweise können Aussagen noch zu den physisc hen (vorhandene Infrastruktur, z.B. in Form der Parkplatzangebote) und psychischen Kapazitäten (Erholungswahrnehmung) aufgenommen werden. Der ökonomischen Tragfähigkeit (Nutzungsintensität der Einrichtungen) kommt dagegen aufgrund der Pandemie in den Inter views eine geringe Bedeutung zu. Somit ist die Annahme einer vermehrten Hotspotbildung in der Region Köln/Bonn eine logische Schlussfolgerung. Dies entspricht auch der verbreiteten Einschätzung der Experten, die in diesem Kontext noch vielfach auf die Rol le der Sozialen Medien verwiesen, durch die unübersichtliche Eigendynamiken immer öfter auftreten. In den Interviews ist eine entsprechend umfangreiche Diskussion über Maßnahmen zur Vermeidung solcher touristischen Hotspots geführt worden. Zum Schutz beson ders sensibler Bereiche ist es dringend erforderlich, innerhalb der Erholungsräume alternative Areale stärker zu bewerben. In diesem Kontext wird das Potenzial digitaler Infrastruktur betont, mit dem der Besucher bestenfalls schon vor der Anreise über das Besucheraufkommen informiert wird (UBA 2019). Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 36 Aufgrund der stetig wachsenden Wichtigkeit einer derartigen Infrastruktur ist deren Einbeziehung in den Arbeitsalltag auf lange Sicht unausweichlich. Zum Beispiel wäre für den Informationsaustausch mit den Bes uchern auch nach ihrem Aufenthalt in den Erholungsgebieten neben einem telefonischen Ansprechpartner die Einstellung eines Social Media Beauftragten eine zeitgemäße Vorgehensweise. Diese Person kann als Serviceleistender in direkten Kontakt mit den Erholun gssuchenden treten, ihr Feedback aufnehmen und als eine weitere Anlaufstelle für Informationen dienen. Die nötige Präsenz im Internet könnte den Besuchern ein Gefühl von Sicherheit geben und das Image der Destination wird durch einen gepflegten Content mit ansprechenden Bildern mit Sicherheit aufgewertet, da man sich als Institution nahbar präsentiert. Und die Korrelation vom Image einer Destination mit der Intention der Gäste für einen erneuten Besuch ist belegt (Hallmann et al. 2015). Dem entsprechend wird auch bereits in den Expertengesprächen von ersten positiven Erfahrungen mit einer derartigen Arbeitsweise berichtet. Im Rahmen einer Vor-Ort-Befragung als Momentaufnahme konnten außerdem noch über 1000 Menschen befragt werden. Auf diesem Weg wurden an de n beiden Wochenenden der Pfingstwoche weitere Daten bei den Besuchern der Naherholungsgebiete der Region Köln/Bonn erhoben. Die Beobachtung, dass am Wochenende sowie an Feiertagen ein Großteil der Tagesausflüge stattfindet (Harrer & Scherr 2014) , kann auch in Zeiten der Pandemie für die Region bestätigt werden. Bei der Auswertung ist allerdings zu beachten, dass zwar eine sehr aussagekräftige Personenzahl befragt werden konnte, vergleichende Referenzdaten aus Zeiten vor der Pandemie oder an anderen Tagen wä hrend der Pandemie nicht zur Verfügung stehen. Somit sind direkte Aussagen zur Veränderung des Besuchsaufkommens auf Basis von tatsächlichen Zählungen nicht möglich, sondern beruhen allein auf dem geschilderten Eindruck der Besucher sowie d er interviewten Fachleute. Allerdings wird e ine tatsächliche Zunahme durch die Auswertung der Zählstationen der RadRegionRheinland deutlich. Und auch die auf punktuellen Zählungen beruhende, statistisch abgesicherte Hochrechnung zum Besucheraufkommen im nahegelegenen Nati onalpark Eifel (2020) bestätigen eine Zunahme der Nutzung der tagestouristischen Naherholungsräume in der Pandemie . Somit darf davon ausgegangen werden, dass es sich auch in der Region Köln/Bonn nicht nur um einen gefühlten, sondern tatsächlichen Anstieg der Besucherzahlen handelt. Um die Verbreitung des Corona-Virus zu unterbinden, wurden bis in den Sommer 2021 durch die politischen Entscheidungsträger immer wieder Kontaktbeschränkungen, Reiseregelungen und Schließungen öffentlicher Angebote veranlasst. So mussten beispielsweise Kinos, Museen, Fitnessstudios, aber auch die meisten gastronomischen Betriebe aufgrund der hohen Infektionszahlen zeitweise geschlossen werden (Derks et al. 2020) . Neben der Freizeitwirtschaft wurden auch viele weitere Branchen durch die Maßnahmen des Lockdowns hart getroffen (dwif 2021). Aber auch im Privaten wurden kontaktbeschränkende Regelungen festgelegt. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 37 So durften sich zeitweise nur zwei Personen aus unterschiedlichen Haushalten miteinander treffen (Derks et al. 2020) . Und auch Vereinssport konnte nicht mehr a usgeübt werden. Ebenso wurde die Urlaubsplanung deutlich erschwert, da insbesondere das Reisen in andere Länder von sich ständig ändernden Regelungen und Maßnahmen betroffen war . Andererseits wurden stattdessen Destinationen innerhalb von Deutsch land von vielen, die normalerweise Urlaub im Ausland machen, neu entdeckt (Eisenstein et al. 2021). Doch auch innerhalb von Deutschland gab es während der Pandemie immer wieder Reisebeschränkungen oder Nächtigungsverbote, sodass die Naherholung und der Tagesausflug eine neue Bedeutung erfahren haben (ebd.). Die Erhebungen in der Region bestätigen, dass die Freizeit- und Erholungssuchenden daher tatsächlich die wohnortsnahe Natur und Landschaft nutzen (Reinhardt 2020; Fannrich-Lautenschläger 2020; dwif 2021). Die k ontaktbeschränkenden Regelungen und die Einschränkungen im öffentlichen Bereich stärken andererseits den Wunsch nach spontanen Unternehmungen, gerne verbunden mit einem Aufenthalt in der Natur. Naturbezogene Aktivitäten und Tagesausflüge bekommen eine neue , gesteigerte Bedeutung in der Bevölkerung, insbesondere bei Familien und jungen Erwachsenen (Freizeitmonitor 2020; dwif 2021). Solche Wünsche mit sozialem, regenerativem und aktivem Charakter treten zunehmend in den Interessenfokus (Reinhardt 2020), auch wenn dieses Phänomen schon seit mindestens einem Jahrzehnt zu beobachten und in der urbanen Umgebung besonders ausgeprägt ist ( Wilkes-Allemann et al. 2020). Man ist also gerne draußen aktiv, nicht jeder täglich, aber die meisten mindestens einmal im Monat ( vgl. Freizeitmonitor 2020). Und Bewegung und Ausflüge in die Natur zählen zu den signifikanten Faktoren für psychologisches Wohlbefinden (Javelle et al. 2021). Attraktive Waldflächen, Parkanlagen und Tierparks in Wohnungsnähe bieten als frei zugängliche Orte des sozialen Miteinanders die Möglichkeit, sich mit anderen Menschen an der frischen L uft zu treffen, ohne sich in eine allzu hohe Ansteckungsgefahr durch das SARS -CoV-2-Virus zu bringen (dwif 2021; Weinbrenner et al. 2021). Zweifelsfrei sind Wälder und Parks damit sehr wesentliche Erholungs - und Ausgleichsorte für die sie aufsuchenden Menschen (vgl. Derks et al. 2020; Region Köln/Bonn e.V. 2012). Es verwundert also nicht, dass gerade die Wälder während der Pandemie vermehrt in Anspruch genommen werden (vgl. Eggers et al. 2019). Dies bestätigt sich dann auch bei einem Blick auf die Verkaufszahlen der Outdoor Sport Industrie. Neben der Nachfrage nach Artikeln der Fitness-Sportarten stieg während der Pandemie insbesondere die Nachfrage nach Artikeln für das Wandern, Trekking und Radfahren (vgl. Decathlon 2021). Ob dabei nun eher günstiges Wanderzubehör (ebd.) oder dann doch deutlich teure E -Bikes (ZIV 2021) verkauft werden: Outdoor Aktivitäten liegen definitiv in der Gunst der von den mit der Pandemie einhergehenden Einschränkungen betroffenen Menschen. Dies ist auch deshalb von hoher Bedeutung, da Bewegungslosigkeit zu einem entscheidenden Problem der heutigen Gesellschaft geworden ist (Blair 2009; WHO 2010). Den Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 38 Wünschen entsprechende Angebote stellen also eine gesellschaftlich bedeutsame Maßnahme dar, die auch und gerade in der Region Köln/Bonn aufgegriffen wird und auch weiterhin werden sollte. Hierfür bietet die Natur und Landschaft der Region Köln/Bonn durchaus interessante Möglichkeiten, um die sogenannten freien Bewegungsangebote für Wandernde, Radfahrer, Reiter oder auch Wassersportler weiter auszubauen (vgl. Region Köln/Bonn e.V. o.J.). Dabei führen gerade die mit der gewohnten sportlichen Betätigung verbundenen Einschränkungen im öffentlichen Leben unweigerlich auch zu Veränderungen im Alltagsverhalten der dadurch betroffenen Mensch en. Homeoffice, Homeschooling und Kontaktbeschränkungen müssen definitiv Auswirkungen haben. Zum einen lässt sich feststellen, dass sich sportbezogene Freizeitaktivitäten mit Hilfe von Computer- oder Fernseh-Bildschirm ins eigene Wohn-, Schlaf- oder Arbeitszimmer verlagert haben und den Besuch im Fitnessstudio zumindest bedingt ersetzen konnten. Sport und Bewegung finden also bedingt zu Hause statt (Gerrish 2020). Zum anderen führt insbesondere das Verbot bzw. die drastische Reduktion der sportlichen Angebote im Verein dazu, dass sich die Menschen vermehrt individuell in der Natur und Landschaft aufhalten und Sport tr eiben ( ebd.; Sc hweizer et al. 2021). Die eigenen Untersuchungen bestätigen dies. Zum einen unterstreichen die Experten die Bedeutung der Naherh olungsgebiete hinsichtlich ihrer Erholungsfunktion. Sogar Vertreter naturschutzfachlicher Einrichtungen appellierten, dass die Natur den Menschen zur Verfügung stehen muss. Zum anderen korreliert dies mit der Einschätzung seitens der Befragten, denn ein Gr oßteil derer sieht eine Zunahme an Besuchern in den Naherholungsgebieten. Und diese Naherholungssuchenden wollen dabei vorrangig aktiv und in Bewegung sein sowie Natur und Landschaft genießen. Dazu nutzen die Menschen die Parks und Grünanlagen ( vgl. Gerris h 2020; vgl. Freeman & Eykelbosh 2020). Ein Großteil der in der Region Befragten ist dabei zu Fuß unterwegs und spaziert oder wandert. Der Aufenthalt unter freiem Himmel bietet daneben die Möglichkeit, sich mit Freunden zu treffen, etwas Abstand vom Alltag zu bekommen oder einfach nur Ruhe zu genießen. Er ermöglicht gerade aber auch in der Pandemiezeit etwas für die Gesundheit zu tun (vgl. Dicks & Neumeyer 2010; vgl. Projekt M 2014; vgl. Sänger 2020). Dabei ist es egal, welche der Motive am Ende nun vorrangig zum Tragen komm en. Wichtig ist, dass die Menschen bewegungsaktiv sind, ob nun zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch auf dem Rücken eines Pferdes. Denn Bewegung hat eine hohe Bedeutung. Sport und Bewegung reduzieren das Stressempfinden, steigern die F unktionen des Stoffwechsels und heben die eigene Stimmung (Strüder & Weicker 2001; Lafenetre et al. 2011). Interessanterweise sind bei den Bewegungsaktiven dieser Momentaufnahme Motive mit Erlebnis- und Entdeckungscharakter, wie z.B. „die Region kennenlern en“, deutlich nachgeordnet. Offensichtlich kennt das befragte Klientel seine Naherholungsräume und nutzt die Natur und Landschaft durchaus öfters und wiederholt. Dabei muss man in der Region Köln/Bonn nicht immer auf ein und derselben Runde unterwegs sein . Vielmehr bietet die Region Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 39 ausreichend Alternativen. Und von der Fülle an Angeboten und Möglichkeiten, seine Naherholung zu gestalten, machen die im Rahmen der Momentaufnahme befragten Bürger offensichtlich auch Gebrauch. Alltäglich auf derselben Runde geht man vielleicht noch seinen Hund Gassi führen. Ansonsten versucht man, seine regelmäßigen Bewegungsaktivitäten immer mal wieder auch an anderen Standorten durchzuführen , w as auch durch mehr als die Hälfte der Befragten bestätigt wird. Allerdings ist es wichtig, dass solche Alternativen gut und rasch erreichbar sind. Wenn man, wie der Großteil der Befragten, für 1 bis 3 Stunden in Natur und Landschaft unterwegs ist, dann möchte man verständlicherweise nicht länger als bis zu 30 Minuten für die Anreise in den Erholungsraum benötigen . Diese Zeitspanne erscheint tatsächlich bedeutsam, denn sie wird unabhängig davon angegeben, ob die Naherholungssuchenden nun zu Fuß, mit dem Rad, dem Auto oder dem ÖPNV in den Erholungsraum gelangt sind. Da insbesondere ältere Menschen ihre Outdoor -Aktivitäten besonders gerne in unmittelbarer Nähe zum Wohnort ausüben (Portegijs et al., 2021) , wird es in Zukunft stärker denn je darauf ankommen, eine ausreichend e Anzahl an attraktiven Naherholungsangeboten in nahegelegener Entfernung bereitzustellen. Gerade der Ballungsraum entlang des Rhein muss diesbezüglich sehr sorgsam mit den heute zur Verfügung stehenden Räumen umgehen. Auch wenn während der Pandemie aus I nfektionsschutzgründen insbesondere Angebote für geführte Wanderungen und Radtouren kaum zum Tragen kommen, bieten derartige Angebote in Zukunft wieder die Möglichkeit , Besucher gezielt in die schützenswerte Natur und Landschaft zu bringen und das Interess e an der Region weiter zu steigern. Dabei können solche Aktionen ganz nebenbei essentielle Ver haltensregeln in der Natur vermitteln. Eine solche Umweltbildung kann dabei helfen, dass die Verhaltensweisen dann auch im Alltag verstärkt Einzug halten und eben auch bei Touren der Naherholung Anwendung finden (Radeff, 1996). Vermeintlich uneinig sind sich die Befragten, welche Bedeutung der Witterung beim Aufenthalt in Natur und Landschaft zukommt. Die eine Hälfte spricht ihr eine entscheidende Rolle zu, die and ere eine eher unbedeutende bzw. gar keine Rolle. Wahrscheinlich hängt dieses Ergebnis damit zusammen, dass das Wetter bei der Momentaufnahme weder auffallend schön noch extrem schlecht war. Bei einer detaillierteren Betrachtung kann man aber zumindest erkennen, dass die ausgeübte Aktivität schon einen gewissen Witterungsbezug erkennen lässt. Badegäste und Wassersportler benötigen auch im Untersuchungsgebiet eher warmes und sonniges Wetter. Passt das Wetter, nimmt die Bedeutung der Wasserflächen, also der Wa ssersport- und Badeseen, aber auch der Talsperren für den Tagesausflug signifikant zu (vgl. Fannrich-Lautenschläger 2020). Und in Anbetracht der durch den Klimawandel bedingt vermehrt auftretenden extremen Wetterlagen ist zu erwarten, dass diesen im Allgemeinen immer öfter eine noch viel größere Bedeutung zukommen wird. Dem Gassigänger dagegen ist die Witterung relativ egal. Der Hund muss auch bei regnerischem Wetter vor die Tür. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 40 Die nahezu 100 prozentige Weiterempfehlung der bestehenden Naherholungsangebote heißt natürlich, dass die Besucher eine hohe Zufriedenheit mit ihren Natur - und Landschaftsräumen in der Region Köln/Bonn haben. Allerdings heißt d ies nicht, dass hier kein Potential für eine weitere Gestaltung bzw. Aufwertung bestehen kann. Die festzus tellende Bewegungsorientierung bei der Naherholung bietet vielmehr noch eine Fülle an Entwicklungsmöglichkeiten. Wenn zum Beispiel das Fahrradfahren in Grünflächen, welches in den Phasen des Lockdowns signifikant an Bedeutung gewonnen hat ( Schweizer et al. 2021), auch nur ansatzweise diesen Anstieg beibehalten sollte, dann muss man sich möglichst rasch Gedanken zur zukünftigen Ausgestaltung der Angebote, aber auch der Infrastruktur machen. So kann man aus einer illegalen, bzw. zumindest juristisch problemat ischen Anlage und Nutzung von MTB-Trails in Natur und Landschaft auch ableiten, dass Sportler ein dringendes Bedürfnis nach entsprechenden Räumen haben (Kretschmer & Türk 2020). Der auch von Reinhardt (2020) beschriebene Bedeutungsgewinn des Fahrradverkehrs gerade in Ballungsräumen benötigt in jedem Fall zeitnah auch für die Region Köln/Bonn entsprechend gestaltete Wege und Straßen. Hier zeigen die bereits umgesetzten Maßnahmen ebenso wie die weiteren Vorhaben in der Region definitiv in die richtige Richtung (www.radregionrheinland.de). Ein solches Vorgehen, welches die Entwicklung zu einer Gesellschaft mit „Walk-“ bzw. „Bikeability“ aufgreift, wäre ein entscheidender Unterstützungsfaktor, um die Nutzung des eigenen Autos zurück zu drängen (Fannrich -Lautenschläger 2020). Aktuell ist auch im Ballungsraum der Region Köln/Bonn das Auto noch das wichtigste Anreisemedium. Bequemlichkeit un d Komfortorientierung werden insbesondere von bewegungsaktiven Menschen als entscheidendes Argument angeführt ( Kretschmer 2007 ). Neben fehlendem bzw. unzureichendem Komfort oder auch einer schlechten Anbindung ist die Ablehnung des ÖPNV aber in der Pandemie-Phase auch mit einer in Bussen und Bahnen als zumindest subjektiv höher wahrgenommenen Ansteckungswahrscheinlichkeit zu begründen, auch wenn das Ansteckungsrisiko im öffentlichen Nahverkehr nicht höher als in einem Auto sein mag (VDV 2021). Für die Zukunft sollten dennoch Alternativen zur alltäglichen PKW - Nutzung entwickelt werden. Gerade während schöne r Wetterperioden und am Wochenende stellt der Individualverkehr die verantwortlichen Personen in der Region vor extreme Probleme. Viele Seiten berichteten unabhängig voneinander von einer Überbeanspruchung der vorhandenen Parkmöglichkeiten, sogar die Presse griff dies auf (KSTA 2021b). Leidtragende sind vor allem die Anwohner, die sich verärgert darüber zeigen, dass ihre Grundstücke und Straßen zugeparkt werden. Hier empfiehlt sich eine übergreifende Koordination vorhandener Parkmöglichkeiten, gerade weil an ihnen als Ein - und Ausstiegsstellen ein erhöhtes Konfliktpotenzial besteht. Außerdem wird ansprechenden und passenden ÖPNV-Angeboten für eine gute Besucherlenkung im Ballungsraum eine hohe Bedeutung zuteilwerden. Sie sind durch eine aktive Bewerbung, einheitliche Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 41 Tarife in der Region und allen voran durch eine gute räumliche und zeitliche Infrastruktur attraktiv zu machen . Konkret könnte zumindest für einen ersten Schritt mit gezielten Werbeaktionen auf die Vorteile einer ÖPNV -Nutzung, zu denen entgegen vieler Meinungen auch Bequemlichkeit gehören kann , aufmerksam gemacht werden. Plakate oder Werbebanner könnten beispielhaft an Bushaltestellen sowie an Pa rkplätzen platziert werden. Spezielle Wochenendangebote, die attraktive Ticketpreise beinhalten, können weitere Anreize zur verstärkten Nutzung von ÖPNV darstellen, da sie den persönlichen Individualverkehr mit den oben genannten Problemen unattraktiver we rden lassen . Solche und weitere Maßnahmen der Besucherlenkung sollten frühzeitig durch entsprechende Infrastrukturbeauftragte unterstützt werden. Neben den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt bei der Anbindung der Naherholungsräume an die Wohn - und Arbeitsorte insbesondere dem Fahrrad eine wichtige Bedeutung zuteil. Und auch hier wird die Zukunft nicht allein in der Einrichtung einer ansprechenden zu- bzw. abführenden Wegeanbindung liegen. Eine zukunftsweisende Planung muss auch beispielsweise gesich erte Abstellmöglichkeiten, Ladestationen für Pedelecs und E -Bikes, Umkleidebereiche sowie ansprechende Attraktionen in den Erholungsräumen andenken, wenn siedlungsnahe Erholungsräume eine Anbindung erzielen wollen, die irgendwann auf das Auto verzichten ka nn (vgl. Kretschmer et al. 2007 ; Kretschmer & Türk 2020). Die erhöhte Nutzung der Natur und Landschaft in Naherholungsgebieten lässt auf einen Anstieg an Konflikten zwischen verschiedenen Nutzungsgruppen schließen (vgl. Wilkes - Allemann et al. 2020). Auch im Rahmen der Expertengespräche wird die Zunahme an Konflikten zwischen den unterschiedlichen Aktivitätsgruppen, die am Ende häufig dieselben Wegeachsen nutzen (müssen), immer wieder bestätigt. Solche Konflikte zwischen beispielsweise Wanderern und Radfahre rn oder Joggern und Hundeführern sind schon seit längerem von vielen ähnlich stark frequentierten Orten bekannt (vgl. Arnberger & Haider 2005; Derks et al. 2020). Besonders aufgefallen ist innerhalb der Expertengespräche die Besuchergruppe der Mountainbike r. Einerseits im Hinblick auf eine fehelende Rücksichtnahme anderen Besuchergruppen gegenüber, wenn sie z.B. mit hohen Geschwindigkeiten an diesen vorbei fahren, andererseits durch das offensichtlich verstärkt festzustellende Querfeld(wald)einfahren . Die Belastung und Störung von Flora und Fauna wird vor allem von Vertretern naturschutzfachlicher Einrichtungen immer wieder angeprangert. Hier erweisen sich private Initiativen, wie z.B. Vereinsgründungen mit ausgewiesenen Trainingsgeländen, für die Streitbeilegung als hilfreich. So hat bereits ein entsprechender zielführender Dialog zwischen behördlichen Vertretern und interessierten Mountainbikern zum Bau einer legalen Mountainbike-Strecke in Köln Kalk geführt. Dadurch können Beeinträchtigungen der städtischen Grünflächen zu einem bedeutenden Maß reduziert werden. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 42 Nutzungskonflikte können also auch zwischen bewegungsaktiven Nutzern der Natur und dem Naturschutz auftreten. Sie fallen dabei häufig bei entsprechend hohem Besucherdruck auf Natur und Landschaft auf, da gerade dann unachtsam entsorgte Abfälle, wildes Zelten, offene Feuerstellen im Wald, falsch parkende Autos, Nutzung gesperrter Wege und anderes mehr besonders häufig festgestellt werden (Region Köln/Bonn e.V. 2012; Nationalpark Eifel 2020). Mangelnde K enntnis über Regeln und Verhaltensweisen spielt dabei oftmals eine entscheidende Rolle und das Fehlverhalten führt in der Region nach Aussage der Experten immer wieder zu Konflikten. Interessanterweise erkennen die Besucher selbst diese Problematik aber nicht in dieser Deutlichkeit (vgl. Nationalpark Eifel 2020). Auch in der Momentaufnahme bestätigen nur knapp 20% eine Zunahme an Konflikten in der Pandemiezeit, 80% der Befragten verneinen ein häufigeres Auftreten seit Beginn der Pandemie. Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich darüber erklären, dass bei den Fachleuten der Forst - und Wasserwirtschaftsbehörden ebenso wie bei den Touristikern in der Region Köln/Bonn vorrangig die Beschwerden eintreffen. Auch ordnungspolitisch wird eben das notiert, was den A nweisungen zuwiderläuft, nicht aber das, was in Ordnung ist. Es ist also durchaus vorstellbar, dass gerade in Zeiten, in denen der Besucherdruck deutlich zugenommen hat, ein deutlicher Anstieg an Ordnungsvergehen in Natur und Landschaft behördlich festgestellt werden muss, ohne dass dies dem Gros der Besucher tatsächlich auffällt. Insbesondere dann, wenn die Besucher selber nicht in eine Konfliktsituation mit Dritten geraten sind, dürfte sich eine solche Situation auch nicht in deren Gedanken manifestieren. Der Unterschied in der Wahrnehmung von Konfliktsituationen könnte ferner auch dadurch zu begründen sein, dass der Erholungssuchende in der Regel die Naherholungsgebiete für Freizeitaktivitäten aufsucht. In dieser Phase erscheint er aus psychologischer Sicht deutlich entspannter gegenüber anderen und seiner Umwelt zu sein als beispielsweise im beruflichen Alltag, auch weil die aufgesuchte naturnahe Umgebung sowie die Bewegung selber in vielen Fällen den beruflichen und/oder privat en Stress nachweisbar reduzieren (Frumkin et al. 2017; Karjalainen et al. 2010; Sandifer et al. 2015; Stier-Jarmer et al. 2021). Eine solche Umgebung kann sich daher relativ rasch und konsequent positiv auf die persönliche Einstellung auswirken. Und in einer solchen Umgebung werden dann konsequenterweise auch die Begegnungen mit anderen Besuchern positiv erfahren (Rossi et al. 2012). Allerdings dürfte den Besuchern, die dennoch von Konfliktsituationen direkt betroffen sind, diese umso deutlicher in Erinnerung bleiben. Im Zuge dessen w erden auch in den Expertengesprächen Lösungsansätze zur Konfliktvermeidung diskutiert. Dabei werden hinsichtlich des Fehlverhaltens Maßnahmen genannt, die sich auf eine gute Öffentlichkeitsarbeit durch die Informationsvermittlun g auf mehreren Wegen beziehen. Neben analogen Kanälen (Infotafeln, Flyer usw.) ist vor allem das Potenzial digitaler Kanäle (Webseiten, Apps, Soziale Medien) diesbezüglich beachtlich. So kann die nötige Akzeptanz auch für restringierende Maßnahmen geschaffen und die erforderliche Weitsicht gefördert werden. Denn Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 43 vielen Besuchern ist bislang leider nicht klar, dass es beim Aufenthalt in Natur und Landschaft eben nicht „nur“ um Erholung geht, sondern um vieles mehr. Auch das Arbeiten am Runden Tisch bietet eine gute Möglichkeit, um zwischen verschiedenen Parteien zu vermitteln und Lösungen durch Kompromisse zu finden. Eine konsequente Überlegung zielt mittel - bis langfristig auf das bewusste Bewerben bestimmter Themenschwerpunkte bzw. Nutzergruppen ab, um ein e angepasste räumliche Verteilung der verschiedenen Interessen- und Besuchergruppen in einem Areal zu erzeugen. Durch derartige Zonierungen w erden räumliche Konfliktpotenziale, wie sie z.B. eintreten, wenn Hundeführer auf Reitwegen unterwegs sind, verminde rt. Dafür braucht es allerdings attraktive Angebote ( z.B. explizit ausgewiesene Hundeflächen, Mountainbikeparks, Spielplätze für Kinder und Familien usw.), um die Besucher im Raum angemessen und optimiert zu verteilen. Auf der anderen Seite kann aus der gegensätzlichen Empfindung der Befragten bzgl. des Besucheraufkommens auch abgeleitet werden, dass die bestehenden Lenkungsmaßnahmen in der Region aufgrund der Nähe zu den Ballungsräumen zwischen Leverkusen, Köln und Bonn bereits auf hohe Besuchermengen ausgerichtet sind und daher auch in der Pandemiezeit gut funktionieren. Auch wenn viele der Experten beton en, die Infrastruktur sei „nicht ausgeprägt“ genug und müsse „erneuert“ oder „größer werden“ , können sich die Besucher auch bei einem hohen Andrang offensichtlich noch gut auf das in der Region vorhandene Wegenetz bzw. auf die dort vorzufindenden unterschiedlichen Angebote verteilen. Dass gelingt in Zukunft nur dann, wenn die Infrastrukturangebote von einer entsprechend zusagenden Qualität sind und in ausreichender Quantität vorhanden sind. Ist das der Fall, können auch Strategien der Besucherlenkung gut funktionieren. Zu solchen Lenkungsmaßnahmen zählen attraktive und der Nutzung angepasste und entsprechend aufbereitete Wege sowie weitere Bewegungsangebote. Sie helfen, stark frequentierte Wege und Orte zu entlasten. Allerdings ist es dabei notwendig, sich nicht nur auf wenige Premiumprodukte zu konzentrieren oder nur diese zu bewerben. Ein solches Vorgehen führt eher zu einer noch stärkeren Konzentration der Besucher auf diesen wenigen Standorten. Neben bestehenden hochwertigen Angeboten müssen also insbesondere über die Informationskanäle der sozialen Medien immer wieder interessante und attraktive Angebote der Naherholung offeriert werden, um die vorherrschende Konzentrationen auf die (nah -) touristischen Leuchttürme immer wieder zu entzerren. Dabei bleibt aber zu beachten, dass von vielen Nutzern nicht die Einsamkeit auf der Fläche gesucht wird. Gerade in Park - und Grünanlagen werden andere Besucher häufig sogar eher positiv als negativ wahrgenommen (Rossi et al. 2012). Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass wesentliche Maßnahmen oft nur durch übergreifende Kooperationen eine überzeugende und wirksame Entfaltung erfahren. Lokale Parallelaktionen oder gar ein Scheuklappendenken sind definitiv nicht förderlich und hemmen in der Regel Entwicklungsprozesse. Aus den Expertengesprächen kann diesbezüglich auf eine hohe Bereitschaft zur Zusammenarbeit Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 44 geschlossen werden. Ferner sind sich die t ouristischen Akteure bewusst, dass ihre Vorhaben im größtmöglichen Einklang mit dem Naturschutz stehen müssen, da die Natur unmittelbar zur Erholungsleistung beiträgt. Und die Akteure aus forstamt - und naturschutzfachlichen Einrichtungen anerkennen ihrerseits, dass die Erholung in den Natur- und Landschaftsräumen als Ausgleich zum Alltag für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil ihres Wohlbefindens ist. Dies kann als Basis für einen offenen Dialog dienen, der auch angesichts der wachsenden Stadtbevölkerung (Bundesinstitut für Bevölkerung, 2021) unumgänglich sein wird, wenn man die Balance zwischen Erholung und Naturschutz aufrechterhalten will. Diese Balance im Interesse aller Parteien auch nach der Corona -Pandemie weiter bestehen zu lassen , wird zur herausfordernden Aufgabe der nahen Zukunft . Dabei sind auch private Interessenvertreter in d iesen Dialog zu involvieren, um sowohl Maßnahmen transparent zu vermitteln als auch deren Anliegen mitberücksichtigen zu können. Als enorm wichtige Stütze für anstehende Vorhaben kann es so gelingen, den notwendigen Rückhalt in der Gesellschaft weiter auszubauen. Weiterführende Studien werden zeigen, o b das Besucher - Aufkommen weiterhin so hoch bleibt oder nach der Pandemie sogar noch weiter ansteigt. In jedem Fall sprechen alle Zeichen dafür, dass die regionalen Freizeit - und Erholungsräume auch nach der Pandemie, z.B. aufgrund des Klimawandels sowie veränderter Konsum- und Freizeitbedürfnisse, eine weiter steigende Nachfrage erfahren werden. Daher wird es sinnvoll sein, für eine zukunftsweisende Nutzung der für die Naherholung und den Tagestourismus geeigneten Räume in der Region Köln/Bonn ständig die bestehenden Lenkungsmaßnahmen zu überprüfen, sie weiter zu entwickeln und immer wieder auch neu zu konzeptionieren. Nur s o wird eine gezielte und bewusst e Lenkung auch in Zukunft möglich bleiben. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 45 Fazit Die naturbezogene Naherholung und der Tagestourismus in der Region Köln/Bonn durchleben aufgrund der Corona-Pandemie eine extrem dynamische, und gleichzeitig auch besondere Zeit. Der Druck auf die Naherholungsgebiete ist links - sowie rechtsrheinisch aufgrund unterschiedlicher Faktoren enorm gestiegen. Anhand der Expertengespräche wird deutlich, dass es in den Naherholungsgebieten einen Corona bedingten Anstieg der Besucherzahlen gibt und sich vermehrt Hotspot -Zonen ausbilden. Damit gehen aus Expertensicht Probleme einher, wie beispielsweise diverse Beeinträchtigungen der örtlichen Schutzgüter oder auch Konflikte zwischen den unterschiedlichen Nutzergruppen. Ein Großteil der Besucher der Naherholungsgebiete selbst nimmt solche Probleme aber offensichtlich anders war . Für sie ist die Daseinsgrundfunktion des „Sich erholen“ definitiv erfüllt. Die Attraktivität der Naherholungsregion entlang der Rheinschiene Köln/Bonn ist davon abhängig, ob die Verantwortlichen auch in Zukunft Wege und Mittel finden werden , um Missstände zu beheben und ein Nebeneinander von Erholung und Naturschutz zu gewährleisten. Dafür können aus dieser Studie Maßnahmen abgeleitet werden , die auf unmittelbarer und auf mittel - bis langfristiger Ebene ergriffen werden sollten. Eine umgehend zu verfolgende Vorgehensweise ist z unächst die übergreifende Koordination der Parkplatzangebote, um das hier besonders hohe Konfli ktpotenzial zu reduzieren . Zudem ist in diesem Rahmen gerade in den Naturparken auch eine Ausweisung und Bewerbung alternativer Naherholungsräume empfehl enswert. Derartige Methoden sind relativ schnell umzusetzen und bieten ein geeignetes Mittel, um Besucherströme zu entzerren. Mittel- bis langfristig müssen aber auch Strategien entwickelt werden, die sich auf die Entwicklung attraktiver Angebote beziehen. Eine gleichzeitige Fokussierung auf bestimmte Themen bzw. Nutzergruppen verringert das Konfliktpotenzial, indem zum Beispiel eine räumliche Trennung verschiedener Besuchergruppen herbeigeführt wird. Ausgewiesene Vorrangflächen für Hunde oder weitere Mountainbikeparks helfen, die flächige Beeinträchtigung der Natur zu mindern bzw. an bestimmten Orten zu bündeln. Eine Reglung der Nutzungsauslastung verschafft diesbezüglich allen Beteiligten Klarheit auch hinsichtlich naturschutzfachlicher Fragen und kann sich positiv auf Natur und Landschaft auswirken. Weiterhin haben Maßnahmen, die unter dem Schlagwort de r Digitalisierung auflaufen, eine hohe Priorität. Um auf aktuelle, insbesondere aber auch zukünftige Bedürfnisse und Entwicklungen schneller reagieren zu können, sind neue Kommunikationswege aufzubauen, durch die der Kontakt und Austausch mit den Naherholungssuchenden intensiviert werden kann. Ein anderer Umstand, dem in Zukunft eine immer höher werdende Bedeutung zukommt, ist die Mobilität. Gerade in Bezug auf die Besucherlenkung ist dies neben der Digitalisierung der zweite große Themenbereich mit enormem Potenzial. Der Individualverkehr, der in Pandemiezeiten die Infrastruktur an ihre Belastungsgrenze führte, Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 46 muss sukzessiv durch eine attraktive Infrastruktur für Fahrrad, Pedelec und/oder den ÖPNV verdrängt werden. Und dafür sprechen nicht allein die ökologischen Beweggründe. A uch soziale Argumente, wie die Reduktion der direkten Belastung der in den Erholungsgebieten ansässigen Bevölkerung, dürfen nicht außer Acht gelassen werden. So fühlt sich gerade diese Gruppe den Automassen oftmals hilflos ausgesetzt und bringt ihre Unzufriedenheit mitunter lautstark und pressewirksam zum Ausdruck. Geeignete Maßnahmen kurz-, mittel- oder langfristig umzusetzen, wird tatsächlich für eine einzelne Institution alleine schwierig sein. Angesichts de s festgestellten hohen Drucks auf die Naherholungsgebiete wird daher bewusst auf den Region Köln/Bonn e.V. verwiesen. Er bietet bereits heute eine bestehende Plattform, um im Rahmen von Kooperationen eben jener Akteure aus kommunalen, touristischen, naturschutzfachlichen s owie forstamtlichen Einrichtungen in den zielgerichteten Dialog über notwendige und umsetzbare Entwicklungsmaßnahmen einzusteigen. Der Druck ist bereits bei den verantwortlichen Institutionen spürbar und wird in einem solchen Kollektiv besser bewältigt wer den. Darüber hinaus sind natürlich auch unterstützende private Initiativen wünschenswert, um den Besucherandrang in der Region zu managen. Zusammenfassend wird es eine Hauptaufgabe für die Akteure in der Region sein, die Verteilung der Besucher bestmöglich zu beeinflussen. D ie Bedeutung der Naherholungsgebiete innerhalb der Region Köln/Bonn für die alltägliche Erholung der hier lebenden Menschen ist einfach zu hoch, als das s aus den anlässlich der Pandemie gemachten Erfahrungen keine Konsequenzen gezogen werden. Diese Arbeit möchte dazu erste mögliche Schritte aufzeigen. Mit Ende der Corona -Pandemie erscheinen allerdings weitere Studien notwendig, um die wechselhafte Dynamik dieses Forschungsfeldes konsequent wissenschaftlich zu begleiten. Naturbezogene Naherholung und Tagestourismus in der Region Köln/Bonn 47 Literatur Abraham, A., Sommerhalder, K. & Abel, T. (2009). Landscape and well - being: A scoping study on the health -promoting impact of outdoor environments. International journal of public health. 55. 59-69. Arnberger, A. & Haider, W. (2005). Social effects on crowding preferences of urban forest visitors. Urban Forestry & Urban Greening, 3, 125–136. Blair, S.N. (2009). Physical inactivity: The biggest public health problem of the 21st century. British Journal of Sports Medicine, 43, 1-2. Bundesinstitut für Bevölkerungsentwicklung. Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland (Kreisebene), 2019 gegenüber 1990. 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Beratungsverlauf
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20.01.2022 zuletzt
Ausschuss Klima, Umwelt und Grün
TOP 7.5, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen -
Termin unbekannt
Sitzung
Kenntnisnahme (Mitteilung).
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