1861/2022
Verbraucherberatung im Quartier: Jahresbericht 2021
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Mitteilung Ausschuss
1125 Zeichen
Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/503/1 Vorlagen-Nummer 08.08.2022 1861/2022 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren 18.08.2022 Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 25.08.2022 Bezirksvertretung 8 (Kalk) 25.08.2022 Bezirksvertretung 6 (Chorweiler) 27.09.2022 Verbraucherberatung im Quartier: Jahresbericht 2021 Die Verwaltung gibt in der Anlage den Jahresbericht 2021 über das Beratungsangebot „Verbraucher- beratung im Quartier“ zur Kenntnis. Weitere Informationen über die Quartiersberatung sind auf der Homepage zu finden: https://www.verbraucherzentrale.nrw/verbraucherberatung-im-quartier-ueber-unseren-ansatz- 46694#:~:text=Kontaktieren%20Sie%20uns%20gerne%3A,V.&text=Wir%20sind%20f%C3%BCr%20 Sie%20da,Gremberg%20direkt%20an%20uns%20wenden Im Jahr 2021 hat die Verbraucherberatung im Quartier vom Amt für Soziales, Arbeit und Senioren 155.910,00 Euro aus dem städtischen Haushalt für die laufende Arbeit erhalten. Die Gremien werden über die weitere Entwicklung der Verbraucherberatung im Quartier informiert. Gez. Dr. Rau
Jahresbericht
71542 Zeichen
Jahresbericht 2021
Im Quartier.
Für Sie.
Da.
Verbraucherberatung
im Quartier Köln
Inhaltsverzeichnis
1 Übergeordnete Ziele der "Verbraucherberatung im Quartier".............................................1
2 Überblick Input/Ressourcen................................................... ...............................................2
3 Überblick: Outputs/Leistungen nach Ziel................................................... ..........................5
Übergeordnetes Ziel 1: Niederschwelliger und frühzeitiger Zugang zu rechtlicher
Beratung und Vertretung für Bürger:innen, die den W eg nicht oder nur schwer in eine
Beratungsstelle der Verbraucherzentrale finden........................................................ .........5
Übergeordnetes Ziel 2: Kooperative Vernetzung und Synergienutzung vorhandener
Strukturen, um die bestehenden Hilfen und Angebote bestmöglich miteinander zu
vernetzen und die Maßnahmen bedarfsgerechter, passgenauer und wirkungsvoller
auszurichten....................................... ................................................... ...........................13
Übergeordnetes Ziel 3: Präventiv tätig werden und durch Bildung und Infor mation dazu
beitragen, dass bestimmte Probleme im Verbraucheralltag gar nicht erst auftreten und das
Selbsthilfepotential gestärkt wird.................................................................... ..................21
Übergeordnetes Ziel 4: Sensor- und Frühwarnfunktion mit Blick auf
verbraucherrechtliche Fallstricke, um diese bereits in der Entstehung zu unterbinden.....24
Übergeordnetes Ziel 5: Entwicklung von Strategie und Ansatzpunkten zur Er höhung der
Reichweite mit dem Ziel, eine präventive Wirkung de s aufsuchenden Arbeitsansatzes in
allen 15 Kölner Sozialräumen zu entfalten............................................................. ...........27
Übergeordnetes Ziel 6: Identifizierung von strukturellen Problemlagen, Lücken im
Hilfesystem, Handlungsempfehlungen an die Stadt Köln.................................................. 29
"Verbraucherberatung im Quartier": Rückblick 2021 und Ausblick 2022...........................32
1 I Seite
1 Übergeordnete Ziele der
"Verbraucherberatung im Quartier"
2 I Seite
2 Überblick Input/Ressourcen
Ansatz der "Verbraucherberatung im Quartier"
Mit Mitteln des Landesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und
Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (seit 2015) und der Stadt Köln (seit 2017) hat
die Verbraucherzentrale die Möglichkeit in struktur schwachen Stadtquartieren Verbraucher:innen
direkt in ihrem Lebensumfeld zu unterstützen.
Zentrale Zielgruppen sind Verbraucher:innen, die den Weg in die Beratungsstelle der
Verbraucherzentrale in der Kölner Innenstadt nur schwer oder gar nicht finden und vielfach multiple
Problemlagen haben. Hierzu zählen insbesondere Armu tsbetroffene, Erwerbslose, Menschen mit
geringen Deutschkenntnissen, Ältere, Jugendliche od er junge Erwachsene und Menschen mit
Beeinträchtigungen.
Seit September 2015 bietet die Verbraucherzentrale NRW in Köln neben der Beratungsstelle in der
Innenstadt ein Angebot in den Sozialräumen Chorweiler, Blumenberg und Seeberg-Nord,
Höhenberg und Vingst, Kalk sowie Humboldt-Gremberg an. Im direkten Wohnumfeld ist die
"Verbraucherberatung im Quartier" niederschwellig a nsprechbar. Beraterinnen mit
Rechtsberatungsbefugnis stellen verbraucherrechtliche Beratung in wöchentlichen Sprechstunden
sowie rechtliche Vertretung zur Verfügung. Präventi ons- und Bildungsarbeit vor Ort wird geleistet
und an Aktionen und Festen teilgenommen. Die "Verbraucherberatung im Quartier" ist in den
jeweiligen Sozialräumen gut vernetzt und ein fester Bestandteil der Unterstützungslandschaft.
Seit 2020 werden geeignete Strategien und Ansatzpun kte zur Erhöhung der Reichweite mit dem
Ziel entwickelt, eine präventive Wirkung in allen 15 Sozialräumen zu entfalten.
Ressourcen und Team der "Verbraucherberatung im Quartier":
• eine Teamleitungsstelle (seit 2020)
• zwei Beratungskraftstellen
• eine halbe Assistenzstelle
• zweistündige Rechtsanwaltstätigkeit pro Woche
• eine ehrenamtliche Verbraucherbegleitung (seit 2021)
• nach Bedarf Aushilfen
3 I Seite
Die Teamleitung ist für die strategische Weiterentw icklung, systematische Auswertung
identifizierter Problemlagen und deren Aufbereitung für Handlungsempfehlungen an Verwaltung
und Politik zuständig.
Die zwei Beratungskraftstellen werden durch zwei Teilzeitmitarbeiterinnen und eine Mitarbeiterin in
Vollzeit besetzt. Diese beiden Planstellen werden i n Chorweiler, Blumenberg und Seeberg-Nord,
Höhenberg und Vingst, Kalk und Humboldt-Gremberg so eingesetzt, dass jeweils eine
Verbraucherberaterin "das Gesicht der Verbraucherze ntrale" in einem Sozialraum darstellt. Eine
präsente Vertrauensperson ist für die Arbeit im Quar tier wichtig, da sie die Hemmschwelle der
Bewohner:innen zur Angebotsnutzung senkt. Chorweiler, Blumenberg und Seeberg-Nord sowie
Höhenberg und Vingst werden von je einer Kollegin m it einem halben Stellenanteil betreut. Die
Kollegin mit Vollzeitstelle kümmert sich vorrangig um die Sozialräume Kalk und Humboldt-
Gremberg. Zwischen Höhenberg-Vingst, Humboldt-Gremberg und Kalk gibt es im Stadtbezirk
Köln-Kalk übergreifende Strukturen innerhalb des Akteursnetzwerkes und hinsichtlich diverser
Arbeitskreise und -konferenzen. Dahingehende Aktivitäten werden ebenso mit dem vollen
Stellenanteil abgedeckt.
Die Verbraucherberaterinnen vertreten sich gegensei tig bei Urlaub, Krankheit oder Fortbildungen
und unterstützen sich bei besonderer Arbeitsbelastung, um eine kontinuierliche Erreichbarkeit
vorzuhalten, Nachfragen zu bedienen oder Aktionen durchzuführen. Um eine ausreichende
Infostandbesetzung von mindestens zwei Personen bei Festen sicherzustellen, kommt in der
Regel zusätzlich eine teamexterne Aushilfe hinzu.
Seit 2021 unterstützt eine Ehrenamtlerin die hauptamtliche Beratungskraft am Standort Chorweiler.
Sie gibt Verbraucher:innen in Rücksprache mit der Verbraucherberaterin praktische Hilfestellungen
bei den vielfältigen Anforderungen des Konsumalltags. Dies kann das Sortieren von
Vertragsunterlagen oder das Abschreiben von Musterbriefen sein, um etwa Verträge zu widerrufen.
Ein Honoraranwalt der Verbraucherzentrale NRW unterstützt die Beraterinnen im Rahmen von bis
zu zwei Wochenstunden. Er bearbeitet vorrangig beso nders komplexe Rechtsfälle oder Themen
außerhalb der aktuellen Rechtsberatungsbefugnis der Mitarbeiterinnen. Dabei übernimmt er die
Kommunikation mit der Anbieterseite. Die Verbrauche rberaterinnen führen die niederschwellige
Kommunikation mit den Ratsuchenden, die für den zielführenden Beratungsverlauf notwendig ist.
4 I Seite
Statistische Erfassung
Im Vertrag zwischen der Stadt Köln und der Verbrauc herzentrale NRW zur
"Verbraucherberatung
im Quartier" vom 17.07.2019 wurde in § 5 festgehalt en, dass „ein übersichtliches Erhebungsraster
zu noch zu vereinbarenden Kennziffern der "Verbraucherberatung im Quartier" zu entwickeln ist ,
welches Aussagen zur Erfolgsbilanz der Arbeit und zu deren Wirkungen in den jeweiligen
Sozialräumen ermöglicht“. Und dass dieses in den Jahresbericht integriert wird.
Die Orientierung an den übergeordneten Zielen 1 bis 6 soll eine Aussage ermöglichen, wie sich die
Erfolge der Verbraucherarbeit in den Sozialräumen abbildet und welche strukturellen Problemlagen
in den Blick genommen werden sollten. Grundlage für die Ableitung aus der Praxissicht sind
sowohl qualitative als auch quantitative Indikatoren.
Die Arbeit der "Verbraucherberatung im Quartier" wird wie folgt statistisch erfasst:
Verbraucherrechtliche Anliegen werden in einem elek tronischen Statistiksystem der
Verbraucherzentrale NRW erfasst. Die Daten wurden b is Frühjahr 2021 unter
"Verbraucherberatung im Quartier Gesamt" eingegeben, danach erfolgte absprachegemäß mit der
Stadt Köln und analog dem verabredeten Erhebungsras ters eine Aufteilung nach Sozialraum. Die
Daten werden durch das Controlling der Verbraucherzentrale NRW aufbereitet und auf Plausibilität
geprüft. Mit Abschluss eines Verbraucherfalles wird manuell in einer Übersichtstabelle nach
"erfolgreich" oder "nicht erfolgreich/ohne Ergebnis" kategorisiert.
Zu den Zielen der "Verbraucherberatung im Quartie r" gehören u. a. der Aufbau und die Pflege
einer bedarfsgerechten Verweisstruktur sowie die Bi ldungs- und Präventionsarbeit für Menschen
mit besonderem Unterstützungsbedarf. Die Führung und Auswertung einer Aktionstabelle soll dazu
beitragen, Aussagen über das Erreichen der Zielsetzung zu treffen. In dieser Aktionstabelle werden
Veranstaltungen und Aktionen in den Quartieren und die Beteiligung von Seiten der
Verbraucher:innen und Kooperationspartner:innen manuell festgehalten.
5 I Seite
3 Überblick: Outputs/Leistungen nach Ziel
Übergeordnetes Ziel 1: Niederschwelliger und frühzeitiger Zugang zu
rechtlicher Beratung und Vertretung für Bürger:inne n, die den Weg nicht
oder nur schwer in eine Beratungsstelle der Verbraucherzentrale finden
Tabelle 1: Anzahl (n) der jeweiligen Anliegen für die "Verbraucherberatung im Quartier"
Anliegen gesamt (n) Chorweiler
(n)
Kalk,
Hum.-Grem.
(n)
Höhenberg-
Vingst (n)
nicht
zugeordnet
(n)*
Gesamt 1138
Verweis 232 88 107 22 15
intern 66 k.A. k.A. k.A. k.A.
extern 166 k.A. k.A. k.A. k.A.
Auskunft 190 49 101 30 10
Rechtsbesorgung 716
Rechtsberatung 268 79 97 81 11
Folgeberatung 172 k.A. k.A. k.A. k.A.
Rechtsvertretung 207 59 75 56 17
Folgerechtsvertretung 69 k.A. k.A. k.A. k.A.
* Anliegen von Januar bis Mitte Februar 2021 konnten noch nicht nach Quartiersstandort statistisch erfasst
werden.
Diagramm 1: Rechtsbesorgungen1 (n) nach Thema für "Verbraucherberatung im Quartier"
1 "Rechtsbesorgungen" umfassen alle Rechts- und Folg eberatung sowie Rechts- und Folgerechtsvertretung
Rechtsbesorgungen
6 I Seite
Diagramm 2: Rechtsbesorgung (%) nach Thema für einzelne Quartiersstandorte
"Verbraucherberatung im Quartier" ist eine vielgefragte Anlaufstelle in den Sozialräumen
Mit insgesamt 1138 Verbraucheranliegen wurde die "Verbraucherberatung im Quartier" auch im
Jahr 2021 von Ratsuchenden stark nachgefragt (2020: 1235 Verbraucheranliegen). Es wurden 440
Rechtsberatungen durchgeführt, davon waren 40 Prozent Folgeberatungen2. Dies sind 51 Rechts-
und Folgeberatungen mehr als im Vorjahr. In 276 Fäl len wurde die ratsuchende Person rechtlich
vertreten, wovon 30 Prozent Folgerechtsvertretungen3 waren. Diagramm 2 zeigt für die
Sozialraumstandorte eine ähnliche prozentuale Verte ilung der Rechtsbesorgungsthemen. In allen
Sprechstunden führend ist das Thema Postdienstleistungs- und Telekommunikationsverträge
(Rechnung und Kündigung von Telefonie und Internet, Drittanbieter, Anbieterwechsel, ungewollte
Vertragsabschlüsse...). An allen Standorten am zwei thäufigsten angefragt waren
Verbraucheranliegen rund um Kaufverträge (Rechnunge n und Kündigungen, unlautere Werbung,
ungewollte Vertragsabschlüsse...). Außerdem traten in allen vier Sozialräumen zahlreiche
energierechtliche Anliegen (zum Stromanbieterwechsel oder wegen Zahlungsproblemen von
Energierechnungen bzw. angedrohten oder vollzogenen Stromsperren...) auf, gefolgt von
allgemeinen Dienstleistungen (Handwerkerleistungen, Service-Agenturen und Auskunfteien). In 33
Prozent der gesamten Rechtsvertretungsfälle wurde d er Honoraranwalt effizient in die Falllösung
miteinbezogen.
2 Folgeberatung: erneute Beratung der ratsuchenden Pe rson zum weiteren Vorgehen im aktuellen Fall. Keine
Abbildung des organisatorischen Aufwandes, wie z. B. Terminvereinbarung, Unterlagenversand, etc.
3 Folgerechtsvertretung: erneute inhaltliche Verhand lung mit dem Anbieter, was meistens auch eine Folgeberatung mit
dem/der Verbraucher:in beinhaltet (aber nicht zwingend). Nicht dazu gehören rein organisatorische Maßnahmen wie
Vollmachtszusendungen, Frist-Erinnerungen, etc.
7 I Seite
Diagramm 3: Verweis und Auskunft (n) nach Thema für "Verbraucherberatung im Quartier"
Es erfolgten 190 Auskünfte4 im Jahr 2021. Vorwiegend drehten sich diese thematisch um
Allgemeine Dienstleistungs- und Finanzdienstleistun gsverträge sowie Anliegen zu Energie und
Wasser. Ferner erfolgte insgesamt 232 Mal direkt ein qualifizierter Verweis5. Neben internen
Verweisen zur allgemeinen Verbraucherberatung oder einer Spezialberatung der
Verbraucherzentrale NRW wurde in 70 Prozent der Fälle an eine/n Kooperationspartner:in
innerhalb der Sozialräume oder zu stadtweiten Anlaufstellen verwiesen. In 100 Fällen (Diagramm 2
unter der Kategorie "Sonstiges") erfolgte dies u. a. bei sozial-, arbeits-, oder strafrechtlichen
Fragestellungen.
Das Vorjahr 2020 war aufgrund der langanhaltenden Pandemie von vielen dynamischen
Veränderungen in der Hilfs- und Unterstützungslands chaft (etwa eingeschränkte Öffnungszeiten,
neue Kontaktwegen wie Not-Hotlines...) innerhalb der Sozialräume und über deren Grenzen
hinaus geprägt. Daher erforderte das erste Pandemiejahr eine intensivere Lotsenarbeit (53
Auskünfte und 83 Verweise mehr) als das Folgejahr 2 021. Jetzt hatte sich das
Unterstützungssystem in den Sozialräumen größtenteils wieder eingespielt, auch durch den
Aufbau neuer Strukturen (z. B. AK Beratung in Chorw eiler). In Chorweiler, Kalk und Humboldt-
Gremberg sind die Verweiszahlen im Vergleich zu Höhenberg-Vingst höher, was die
4 Auskunft: Information, bei der keine fachliche und rechtliche Prüfung eines individuellen Sachverhaltes erfolgt.
Gemeint sind allgemeine Auskünfte und weiterführende Informationen, Abgabe von informations- und/oder
lösungsorientierten Materialien (Musterbriefe, Infobroschüren...). Es gilt zu beachten, dass eine Auskunft einen
anschließenden qualifizierten Verweis beinhalten kann. Dieser Verweis wird nicht separat in der Statistik erfasst.
5 Verweis: Lotsen eines/einer Ratsuchenden an passendes Beratungsangebot der externen Unterstützungsstruktur im
Sozialraum oder innerhalb des Angebotes der Verbraucherzentrale. Es erfolgt keine Auskunft oder Beratung.
8 I Seite
Lotsenfunktion für Erstkontakte an diesen beiden St andorten hervorhebt. In Höhenberg-Vingst
fungiert dahingehend der Vingster Treff erfolgreich als vorgeschalteter Dreh- und Angelpunkt für
ankommende Ratsuchende und verweist in der Regel sehr zielgerichtet Bürger:innen an die
Sprechstunde der "Verbraucherberatung im Quartier" in seinen Räumlichkeiten.
Trotz Pandemie verlässlich für Ratsuchende da
Den Sozialraumbewohner:innen wurde durchgängig Zugang zu Rat und Recht während des
landesweiten Lockdowns durch Telefon-, Email-, oder Video-Beratung ermöglicht. Diese
Beratungsformate bedeuteten allerdings einen erheblichen Mehraufwand an Organisation,
Kommunikation und Unterstützung, um der Zielgruppe (technische und sprachliche Hürden)
niederschwellige Hilfe anzubieten. Sobald sich eine Öffnung unter Abstimmung individueller
Schutz- und Hygienekonzepte zwischen der Verbraucherzentrale und der Außenstelle des
Interkultureller Dienstes, dem Bürgerzentrum Vingst und der Kulturbrücke Chorweiler ergab,
wurden die persönlichen Sprechstunden der "Verbraucherberatung im Quartier" wieder
aufgenommen. Persönliche Sprechstundentermine wurden insbesondere an Ratsuchende
vergeben, die mit der weiterhin bestehenden Telefon - oder Onlineberatung nicht zurecht kamen
und/oder deren Anliegen besonders komplex waren. Niemand wurde abgewiesen. Es wurde
darüber hinaus ein niederschwelliger Zugang gewahrt , indem Ratsuchende vor Ort ohne Termin
direkt den nächstmöglichen Zeit-Slot erhielten.
Die abgestimmten Zugangswege wurden laufend über unsere
Homepage, Pressemitteilungen und über die multimedi alen Kanäle
der Kooperationspartner:innen/Multiplikator:innen b ekannt
gemacht. Auch Aushänge (an den Sprechstundenorten, in
Mietshauseingängen, in lokalen Schaukästen...) und
Flyerausgaben an verbliebenen Orten mit Publikumsverkehr (durch
ortsansässige Apotheken, Nachbarschaftshilfen,
Lebensmittelausgaben...) wiesen auf das beständige
Unterstützungsangebot hin. Sozialraumpartner:innen nahmen die
ununterbrochene Erreichbarkeit und die flexible Zusammenarbeit in
der Krise sehr positiv wahr.
9 I Seite
Erfolgskennzahlen der rechtlichen Vertretung
Durchsetzung von Verbraucheransprüchen gegenüber dem Anbieter
In 80 Prozent der in 2021 aufgenommenen Fälle konnt en die Verbraucheransprüche im Rahmen
der Rechtsbesorgung erfolgreich durchgesetzt werden. Die Verbraucher:innen zogen direkten
wirtschaftlichen Nutzen aus Erstattungen, Einsparungen, abgewehrten Forderungen oder
stornierten Verträgen. Insgesamt 32.200 Euro verbli eben Verbraucher:innen dank erfolgreicher
Rechtsvertretungen. Sie bekamen von den Unternehmen entweder Geld zurück oder mussten
deren Forderung nicht begleichen bei Beträgen zwisc hen zwanzig und mehreren tausend Euro.
Der Spitzenreiter: über 4000 Euro, die einem Verbraucher nach Rückabwicklung von drei
untergeschobenen Mobilfunkverträgen zu zahlen erspart blieben.
Hinzu kamen Erstattungen aus Reklamationen bzw. dem Austausch von Haushalts- und
Elektrogeräten während der Gewährleistungszeit oder das Nachbessern von
Handwerkerleistungen. Diese Ersparnisse können nicht genau beziffert werden. In weiteren Fällen
profitierten Ratsuchende von der Klärung der Rechtslage, auch wenn die Forderung der
Gegenseite berechtigt war. Kostenintensive Mahn- un d Inkassoverfahren konnten gestoppt und
potentielle Schuldenfallen abgewehrt werden, indem Verbraucher:innen zu einem weiteren
nachhaltigen Umgang mit ihrer individuellen, wirtsc haftlichen Situation beraten wurden (Prüfung
leistbarer Ratenzahlungsvereinbarungen, keine Zahlu ngen aus dem Unpfändbaren...).
Existenzbedrohende Notlagen wie Stromsperren, Konto pfändungen sowie
Vollstreckungsmaßnahmen wurden verhindert. Dadurch konnte vielfach der Teufelskreis aus
immer weiteren Gebührenforderungen und noch mehr Ve rtragsfallen unterbrochen und betroffene
Haushalte stabilisiert werden. Mit Blick auf das so ziale Sicherungssystem führt dies mittelfristig zu
einer Entlastung der öffentlichen Kassen.
In fünf Prozent der Fälle stand das Ergebnis zum Zeitpunkt der Berichtserstellung noch aus, da die
Verhandlungen mit Anbietern noch im Gange waren. Di e übrigen Fälle (15 Prozent) wurden ohne
Ergebnis abgeschlossen, da entweder der/die Verbrau cher:in im Fallverlauf nicht mehr erreichbar
war oder eine Reaktion der Anbieterseite trotz mehrfacher Kontaktversuche in Namen der
Verbraucherzentrale ausblieb. Hier musste im Einzelfall auch für weitere Erfolgsaussichten auf den
gerichtlichen Klageweg verwiesen werden. Nicht zuletzt wurden in den Beratungssituationen
Präventionsarbeit und Hilfe zur Selbsthilfe geleist et, um bestärkte Verbraucher:innen in die Lage
zu versetzen, verbraucherrechtlichen Fallen auszuweichen oder frühzeitig rechtlichen Rat
einzuholen.
10 I Seite
Dankesnachrichten von Verbraucher:innen und Multiplikator:innen nach erfolgter Verbraucherberatung
Intensität und Komplexität rechtlicher Beratung/Ver tretung einer Zielgruppe mit geringem
Selbsthilfepotential und multiplen Problemlagen (sprachliche, finanzielle, soziale Gründe)
Die "Verbraucherberatung im Quartier" nimmt die Problemsituation der Ratsuchenden ganzheitlich
in den Blick. Oftmals treten multiple Problemlagen auf, die mit dem vordergründigen Anliegen des
Ratsuchenden einhergehen. Daraus folgen weitere Ver weise, Auskünfte und/oder
Rechtsbesorgungen. Beispielsweise ist das Angebot b ei Geld- und Kreditproblemen in der Regel
ein Querschnittsthema. So wurde in Rechtsberatungen 6 in rund 35 Prozent der Fälle neben der
vordergründigen Anfrage, etwa zu einer Telekommunik ationsforderung, zusätzlich zu Geld- und
Kreditproblemen (rund um Pfändung, P-Konto, Zahlungsschwierigkeiten...) beraten. Nur die
vordergründige Anfrage, am Beispiel hier "Telekommu nikationsforderung", fließt in die
Gesamtstatistik der Rechtsbesorgungen ein (vgl. Tabelle 1 sowie Diagramm 1 und 2).
Verbraucherfälle werden teilweise über Wochen und M onate bearbeitet. Viele einzelne Schritte
(mehrere Kommunikationswege, Recherchearbeit...) sind hier erforderlich. Eine Zielgruppe mit
geringem Selbsthilfepotential und multiplen Problemlagen erfordert zudem in der Regel eine
zeitintensive Unterstützung während des Beratungs- und Vertretungsvorgangs, u. a. weil die
Klient:innen die Korrespondenz mit der Anbieterseit e nicht verstehen und der Inhalt des Briefes
sowie Handlungsaufforderungen nachvollziehbar erklä rt werden müssen. Häufig müssen sogar
6 Nicht in die Auswertung eingeflossen sind Beratungen zu Querschnittsthemen innerhalb von Folgerechtsberatungen,
Rechtsvertretungen und Folgerechtsvertretungen.
"Ich komme zu
Ihnen nun zum
dritten Mal für
Ihre
Ausgezeichnete
Hilfe...“
"Ich bedanke mich Ihnen sehr,
da meine Geld für letzte 2
Monaten von Schufa zurück zu
meine Konto. Vielen vielen
Dank für Ihre Hilfe."
„Sie haben meinen Tag
gerettet, nochmals vielen
Dank dafür!“
"...the case has been settled, i forwarded the
emails to you. I truly appreciate your
assistance from my heart."
„...das sind wirklich gute
Nachrichten. Ich war heute bei
Frau … und habe auch das
Schreiben des Rechtsanwaltes
gelesen. Ich bedanke mich
nochmals für Ihre Bemühungen.
Als Einzelperson hätte ich dieses
Ergebnis bestimmt nicht erreicht.
Ehrenamtlicher, der Verbraucherin
unterstützt
"...vielen herzlichen Dank für Ihre
Rückmeldung und für die
umfangreichen Erläuterungen über
meine Beratungsanfrage.“
Sozialberaterin nach umfassender
rechtlicher Beratung während
Lockdowns
11 I Seite
Schlüsselpersonen wie Multiplikator:innen, Ehrenamt liche oder etwa ein Familienmitglied des/der
Ratsuchenden in den Fallverlauf miteinbezogen werde n, was eine aufwändigere Kommunikation
mit allen Beteiligten bedeutet.
Der Zeitaufwand für einzelne Bearbeitungsschritte und Betreuungsleistungen wird quantitativ nicht
erfasst. Nachfolgende Verbraucherfälle aus der Prax is sollen daher die Intensität und Komplexität
der rechtlichen Beratung und Vertretung der "Verbraucherberatung im Quartier" veranschaulichen:
Komplexe Verbraucherberatung zu Telekommunikationsverträgen mit Inkassobezug
• (September 2021) Senior mit geringen Deutschkenntnissen und wenigen finanziellen
Mitteln schließt am Black Friday drei Mobilfunkvert räge in einem Kalker Handyshop ab.
Nach einem mündlichen Verkaufsgespräch geht er davon aus, dass sich die Gesamtkosten
auf 25 Euro pro Monat inklusive eines Gratisgeschen kes belaufen. Schon nach der ersten
Rechnung stellt der Kunde fest, dass die Forderung höher ist. Auch das Gratisgeschenk
entpuppt sich als zusätzlicher Kostenfaktor. Eigene Reklamationsversuche scheitern. Er
erhält weiterhin Mahnungen, die er teilweise bezahl t. Kunde sucht schließlich aufgrund
einer offenen Rechnung von über 180 Euro die "Verbraucherberatung im Quartier (ViQ)"
auf, seine Tochter dolmetscht während des komplette n Beratungsverlaufs.
Vertragsunterlagen fehlen, Verbraucher ging davon a us, dass das gesprochene Wort bei
Vertragsschluss gilt.
• ViQ: In einer Rechtsvertretung wird gegenüber dem Anbieter bestritten, dass Vertr äge
über einen Festpreis von 25 Euro zustande gekommen sind. Es werden alle Unterlagen zu
Vertragsabschlüssen, ausstehenden Kündigungsbestäti gungen, sämtlichen offenen
Forderungen des Gläubigers sowie eine kostenlose Rechnungsstellung per Post an
Kunden angefordert. Ein Mahnstopp bis zur Klärung der Sache wird angeregt.
• Der Fall zieht sich übers Jahresende hinaus, es wer den drei Folgerechtsvertretungen
und zusätzliche Schriftwechsel mit der Anbieterseit e nötig: Gläubiger hat Forderung
von rund 360 Euro an Inkassounternehmen gegeben, die sich nach rechtlicher Prüfung der
schriftlichen Unterlagen als berechtigt herausstellt. Mobilfunkanbieter muss mittels
Rechtsanwaltsschreiben wiederholt aufgefordert werden, Kündigungen der drei Verträge zu
November 2021 zu bestätigen.
Im Verlauf sind fünf Folgeberatungen mit Mandant und übersetzender Tochter notwendig,
um weitere Lösungsschritte abzustimmen. Vor dem Hintergrund des hohen Prozesskosten-
Risikos und geringer Erfolgsaussichten wird dem Verbraucher nicht zum Klageweg geraten.
Aufgrund seiner geringen finanziellen Mittel wird dem Verbraucher eine P-Konto-
12 I Seite
Einrichtung empfohlen und erklärt. Kunde besteht dennoch darauf, Forderungen zu
bezahlen ("Schulden sind eine Schande.").
Ausgang: Ein kostenintensives Inkassoverfahren wurde nach m ehreren
Folgeverhandlungen mit dem Gläubiger gestoppt. Die Forderung konnte um rund 45
Prozent deutlich reduziert und eine leistbare Raten zahlung nach Prüfung des
Haushaltsbudgets vereinbart werden. Nicht zu vernac hlässigen ist, dass Tochter und Vater
das notwendige "Rüstzeug" an die Hand gegeben wurde, um Vertragsfallen bei
angeblichen Schnäppchen in Zukunft zu umgehen.
Abwendung hoher finanzieller Einbußen zugunsten der Ratsuchenden und Abwehr einer
manifesten Überschuldung
• (März 2021) Gerade volljährig gewordener Azubi wird von einem Strukturvertrieb für
Gesundheits- und Sportriegel über Social-Media kont aktiert. Er willigt einer Lieferung von
kostenpflichtigen Testprodukten ein. Es folgen weit ere Warenpakete und Rechnungen. Als
er die "Verbraucherberatung im Quartier" aufsucht, liegen ihm Rechnungen von über
1000 Euro vor. Weitere Vertragsunterlagen sind nicht vorhanden.
• ViQ: Im Rahmen einer Rechtsvertretung werden Vertragsverhältnisse und offene
Forderungen mit der Anbieterseite geklärt. Eine vorzeitige Vertragsauflösung wird
verhandelt. Eine deutlich reduzierte Restforderung wird aufgrund von
Warenrücksendungen erreicht.
Es erfolgt die Prüfung der wirtschaftlichen Situation des Verbrauchers mit Aufstellung
der Einnahmen und Ausgaben. Verbraucher wird zur Ratenzahlung, zu Konsequenzen von
Zahlungsverzug und zum "Auskommen mit dem Einkommen" beraten, mit dem Ziel Ängste
zu nehmen.
Ausgang: Im Zuge von zwei Folgerechtsvertretungen wurde, neben der vorzeitigen
Vertragsauflösung, ein um 80 Prozent von der Ausgan gsforderung geringerer
Zahlungsbetrag erzielt. Es wurde eine leistbare Rat enzahlungsvereinbarung von zehn Mal
20 Euro vereinbart. Ein kostenintensives Mahnverfah ren wurde verhindert und der Azubi
vor einer manifesten Überschuldung bewahrt.
13 I Seite
Übergeordnetes Ziel 2: Kooperative Vernetzung und Synergienutzung
vorhandener Strukturen, um die bestehenden Hilfen und Angebote
bestmöglich miteinander zu vernetzen und die Maßnahmen
bedarfsgerechter, passgenauer und wirkungsvoller auszurichten
Tabelle 2: Kooperationen und Maßnahmen
Kooperationen Angebote und Maßnahmen
Alle Sozialraumbewohner:innen
Kalk und Humboldt-Gremberg
Außenstelle des
Interkulturellen Dienstes
(IKD)
wöchentliche persönliche Sprechstunden bzw. durchgehende
telefonische und elektronische Erreichbarkeit während Lockdown-
Phasen
Lotsenfunktion, thematischer Austausch und funktionierende
Verweisstruktur zu Beratungs- und Bildungsangeboten vor Ort, u. a. zu
IKD und "Digitalprojekt"; Bekanntmachung von Veranstaltungen,
Sprechstunden und aktuellen Themen durch Plakataushang und
Flyerauslage
Vernetzung und thematischer Austausch im Zuge des
Leitungswechsels und der Neustrukturierung der Außenstelle des IKDs
im der Remscheider Straße, Köln-Kalk
Sozialraumkoordination
Kalk
thematischer Austausch und Bedarfsermittlung zu einer
niederschwelligen Mieter- und Schimmelberatung; Vernetzung mit dem
Energieberater der Verbraucherzentrale Köln zur Qualifizierung von
Multiplikator:innen
Bekanntmachung von Informationen und Frühwarnmaterialien durch
Plakataushang und Flyerauslage; mediale Streuung durch Homepage-
Einträge, E-Mail-Verteiler und Newsletter der Sozialraumkoordination;
regelmäßige Verbrauchertipps auf der Homepage der
Sozialraumkoordination
Sozialraumkoordination
Humboldt-Gremberg
Organisation und Planung einer Sprechstunde im Raum
3 in Kooperation
mit der Sozialraumkoordination für Humboldt-Gremberg
geplante Infoaktion zur Eröffnung des Raum3 (abgesagt wegen Corona)
Bekanntmachung von Informationen und Frühwarnmaterialien durch
Plakataushang und Flyerauslage; mediale Streuung durch Homepage-
Einträge, E-Mail-Verteiler und Newsletter der Sozialraumkoordination;
regelmäßige Verbrauchertipps auf der Homepage der
Sozialraumkoordination
geplante Infoaktion am Grünzug Westerwaldstraße
(abgesagt)
14 I Seite
Stadtteilkonferenz Kalk
Integration in den Runden Tisch
Lotsenfunktion, funktionierende Verweisstruktur und thematischer
Austausch zwischen teilnehmenden Akteur:innen; Bekanntmachung
von Veranstaltungen, Sprechstunden und aktuellen Themen
geplante Info-Aktion auf dem Adventsmarkt Kalk
(abgesagt wegen
Corona)
Runder Tisch Humboldt-
Gremberg
Integration in Runden Tisch
Lotsenfunktion, funktionierende Verweisstruktur und thematischer
Austausch zwischen teilnehmenden Akteur:innen; Bekanntmachung
von Veranstaltungen, Sprechstunden und aktuellen Themen
1x Infovortrag für Multiplikator:innen zur Preiserh öhung der
Energieanbieter, Vergabe von Infomaterial und Tipps zum Umgang mit
Ratsuchenden
Gemeinwesenarbeit
Veedel e. V.
funktionierende Verweisstruktur und thematischer Au stausch;
Bekanntmachung von Veranstaltungen, Sprechstunden u nd aktuellen
Themen
1x Infoaktion für Bewohner:innen im Veedel zur Erdgasumstellung und
Abzocke an der Haustür; Flyerausgabe und Aushänge in Hausfluren
und an Schwarzen Brettern
Evangelische Kirche
Kalk-Humboldt
Lotsenfunktion, funktionierende Verweisstruktur und thematischer
Austausch mit Pfarrer:innen; Bekanntmachung von Veranstaltungen,
Sprechstunden und aktuellen Themen
1 x Infoaktion auf dem Gemeindefest
Höhenberg und Vingst
Bürgerzentrum Vingst/
Vingster Treff
wöchentliche persönliche Sprechstunde bzw. durchgehende
telefonische und elektronische Erreichbarkeit während Lockdown-
Phasen
Lotsenfunktion, thematischer Austausch und funktionierende
Verweisstruktur zu Beratungs- und Bildungsangeboten vor Ort
Bekanntmachung des Angebots auf der Homepage, durch
Plakataushang und Flyerauslage
Veranstaltungs- und Aktionsdurchführungen in den Räumlichkeiten oder
im Online-Format für verschiedene Zielgruppen
Stadtteiltreffen
Höhenberg und Vingst
Integration in den Runden Tisch
Vernetzung, funktionierende Verweisstruktur, thematischer Austausch
zwischen teilnehmenden Akteur:innen; Bekanntmachung von
Veranstaltungen, Sprechstunden und aktuellen Themen
15 I Seite
Sozialraumkoordination
Höhenberg-Vingst
2 x Aktion "Infobox" auf dem Vingster Markt rund um die
Erdgasumstellung und Abzocke an der Haustür
Bekanntmachung von Informationen und Frühwarnmaterialien durch
Plakataushang und Flyerauslage; mediale Streuung du rch Homepage-
Einträge, E-Mail-Verteiler; Wöchentliche Veröffentl ichungen von
Verbrauchertipps auf der Homepage der Sozialraumkoordination
Sozialraumübergreifend Kalk, Humboldt-Gremberg, Höhenberg, Vingst (Bezirk 8)
GAG Immobilien AG
Planungsgespräche zu einer Infoaktion rund um "steigende
Energiepreise - (zu) hohe Kosten" in Kooperation mit dem GAG
Sozialmanagement
Chorweiler, Blumenberg und Seeberg-Nord
Kulturbrücke
wöchentliche persönliche Sprechstunden bzw. durchgehende
telefonische und elektronische Erreichbarkeit während Lockdown-
Phasen
Lotsenfunktion und funktionierende Verweisstruktur zu
Beratungsangeboten vor Ort; Bekanntmachung von Veranstaltungen,
Sprechstunden und aktuellen Themen durch Plakataushang und
Flyerauslage
Sozialraumkoordinaton
Chorweiler
Bekanntmachung von Informationen und Frühwarnmaterialien durch
Plakataushang und Flyerauslage; mediale Streuung du rch Homepage-
Einträge, E-Mail-Verteiler
Stadtteilkonferenz
Chorweiler, Blumenberg
und Seeberg-Nord
Integration in den Runden Tisch
Vernetzung, funktionierende Verweisstruktur und thematischer
Austausch zwischen teilnehmenden Akteur:innen; Bekanntmachung
von Veranstaltungen, Sprechstunden und aktuellen Themen
AK Beratung/Fiz e. V.
Integration in den Runden Tisch
Vernetzung und Aufrechterhaltung eines funktionierenden
Verweissystems in der sich dynamisch ändernden Beratungslandschaft
in Pandemiezeiten
GAG Immobilien AG
Planungsgespräche zu einer Infoaktion rund um "steigende
Energiepreise - (zu) hohe Kosten" in Kooperation mit dem GAG
Sozialmanagement
dieKümmerei
Teilnahme an Planungstreffen; Vernetzung und Aufbau eines
funktionierendes Verweissystems und Angebotsetablierung in den
neuen Räumen derKümmerei
Videointerview zur Angebotsvorstellung der "Verbraucherberatung im
Quartier"
Vernetzung zum Energiearmutsprojekt der Verbraucherzentrale NRW
und Stromsparcheck der Caritas zum thematischen Austausch "Lücke
im Hilfesystem bei Energiearmutproblematiken"
16 I Seite
sozialraumübergreifend
IN VIA
Lotsenfunktion, funktionierende Verweisstruktur und thematischer
Austausch; Bekanntmachung von Veranstaltungen, Sprechstunden und
aktuellen Themen
TH Köln 1 x Angebotsvorstellung der Verbraucherzentr ale NRW
Kriminalprävention und
Opferschutz der Polizei
Köln
Vernetzung und thematischer Austausch u. a. zu dubiosen
Vorgehensweisen von Anbietern und kriminellen Machenschaften;
Ausloten gemeinsamer Präventivaktionen zwischen Polizei und
Verbraucherzentrale
Menschen mit geringem Einkommen
Höhenberg und Vingst
Lebensmittelausgabe
Kirchengemeinden
St. Theodor und
St. Elisabeth
Verteilaktion von Brotdosen (mit Kontaktdaten der
Verbraucherberatung) und Infoflyern zum Thema "Vorsicht vor Gewinn-
Versprechen" und Erreichbarkeit in Pandemiezeiten während
Lebensmittelausgabe
Chorweiler, Blumenberg und Seeberg-Nord
Lebensmittelausgabe
Kath. Kirche HL Papst
Johannes XXIII
Verteilaktion von Brotdosen (mit Kontaktdaten der
Verbraucherberatung) und Infoflyern zum Thema "Vorsicht vor Gewinn-
Versprechen" und Erreichbarkeit in Pandemiezeiten während
Lebensmittelausgabe
Sozialraumübergreifend
AK Schuldenprävention
Integration in den Runden Tisch
Vernetzung und thematischer Austausch zwischen teilnehmenden
Akteur:innen
Bekanntmachung von Informationen und Frühwarnmaterialien über
Akteursnetzwerk durch analoge oder digitale Streuung
Rheinenergie
Vernetzung und thematischer Austausch zur Wiederbelebung des
Rundes Tisches Energiearmut und zur stadtweiten "Lücke im
Hilfesystem bei Energiearmutsproblematiken"
Clearingstelle Claro
Lotsenfunktion, funktionierende Verweisstruktur und thematischer
Austausch; Bekanntmachung von Veranstaltungen, Sprechstunden und
aktuellen Themen
Stromsparcheck Caritas
Lotsenfunktion, funktionierende Verweisstruktur und thematischer
Austausch; Bekanntmachung von Veranstaltungen, Sprechstunden und
aktuellen Themen
Bereitstellung von Infomaterial rund um "Energiespartipps in einfacher
Sprache"
17 I Seite
Menschen mit Migrationshintergrund
Kalk und Humboldt-Gremberg
Interkultureller Dienst
(IKD)
Lotsenfunktion und gegenseitige Verweisstruktur auch während des
Lockdowns
Vernetzung und Pflege eines funktionierenden Verweissystems im Zuge
des Leitungswechsels in der Außenstelle des IKDs.
Caritas
Perspektivberatung
Lotsenfunktion, funktionierende Verweisstruktur und thematischer
Austausch; Bekanntmachung von Veranstaltungen, Sprechstunden und
aktuellen Themen
AK Geflüchtete
Integration in den Runden Tisch
Vernetzung, funktionierende Verweisstruktur und thematischer
Austausch zwischen teilnehmenden Akteur:innen; Bekanntmachung
von Veranstaltungen und der Sprechstunde
1x Infoveranstaltungen für Multiplikator:innen zur Preiserhöhung der
Energieanbieter, Vergabe von Infomaterial und Tipps zum Umgang mit
Ratsuchenden
Dialog der Kulturen
Integration in den Runden Tisch
Vernetzung, funktionierende Verweisstruktur und thematischer
Austausch zwischen teilnehmenden Akteur:innen; Bekanntmachung
von Veranstaltungen und der Sprechstunde
1 x Infovortrag für Multiplikator:innen zur Preiserhöhung der
Energieanbieter, Vergabe von Infomaterial und Tipps zum Umgang mit
Ratsuchenden
Sozialraumübergreifend Kalk, Humboldt-Gremberg, Höhenberg, Vingst (Bezirk 8)
Fachdienst für
Integration und Migration
Lotsenfunktion, funktionierende Verweisstruktur und thematischer
Austausch; Bekanntmachung von Veranstaltungen, Sprechstunden und
aktuellen Themen
Case Management des
Kommunalen
Integrations-
managements
Lotsenfunktion, funktionierende Verweisstruktur und thematischer
Austausch; Bekanntmachung von Veranstaltungen, Sprechstunden und
aktuellen Themen
Höhenberg und Vingst
Katholische
Pfarrgemeide
St. Theodor und
St. Elisabeth
geplante Angebotsvorstellung der "Verbraucherberatung im Quartier"
für einen Frauen-Gesprächskreis
(abgesagt wegen Corona)
18 I Seite
Familien und Kinder
Kalk und Humboldt-Gremberg
Außenstelle des
Interkulturellen Dienstes
(IKD)
1x Infoveranstaltung in der Mutter-Kind-Gruppe zum Angebot der
Verbraucherzentrale und allgemeinen Verbraucherrecht
Fröbel Familienzentrum
Taunuspänz
Lotsenfunktion und funktionierende Verweisstruktur; Bekanntmachung
von Veranstaltungen, Sprechstunden und aktuellen Themen
Bekanntmachung des Angebots auf der Homepage, durch
Plakataushang und Flyerauslage
Gemeinschaftsgrund-
schule Lohmarer Straße
1x Online-Bildungseinheit im Eltern-Café rund um aktuelle
Verbraucherthemen (Corona und Reisen, Kaufrecht, Energie)
1x Online-Multiplikatorenschulung rund um Digitales und Medien
Vernetzung, funktionierende Verweisstruktur und thematischer
Austausch mit Schulsozialarbeiterin
Streuung digitaler Verbraucherinformationen durch
Schulsozialarbeiterin für das Eltern-Café
Kinderschutzbund Vernetzung, funktionierende Verweisstruktur und thematischer
Austausch
Höhenberg und Vingst
Vingster Treff im
Rahmen "Erziehende im
Aufbruch"
1 x Online-Bildungseinheit "Augen auf beim Internetkauf"
Infomaterial zu "Auskommen mit dem Einkommen",
Haushaltsbudgetplaner zur Hilfe zur Selbsthilfe
Familienwerkstatt
1 x Online-Bildungseinheit zum Thema "Erste eigene Bude"
geplante Bildungseinheit durch externen Referenten zu "Digitaler
Nachlass"
(abgesagt wegen Corona)
Jugendliche und junge Erwachsene
Kalk und Humboldt-Gremberg
Pavillon e.V. Vernetzung und Angebotsvorstellung, Lo tsenfunktion
Streetwork Vernetzung, Lotsenfunktion und thematischer Austausch u. a. zur
Zielgruppenerreichung während Corona
Sommercamp
Humboldt-Gremberg
2 x Teilnahme an Planungsgesprächen
geplante Infoaktion zum Thema Energiesparen
(abgesagt wegen
Corona)
19 I Seite
Höhenberg und Vingst
Jugendwohnen St.
Gereon
Lotsenfunktion und funktionierende Verweisstruktur; Bekanntmachung
von Veranstaltungen, Sprechstunden und aktuellen Themen u. a. zum
Energiesparen
Senior:innen
Kalk und Humboldt-Gremberg
Gremberger Treff
Vernetzung und Angebotsvorstellung, Lotsenfunktion
Bekanntmachung von Informationen und Frühwarnmaterialien durch
Plakataushang und Flyerauslage, mediale Streuung über Social-Media-
Plattform
Seniorennetzwerk
Humboldt-Gremberg
Vernetzung und Angebotsvorstellung, Lotsenfunktion
Bekanntmachung von Informationen und Frühwarnmaterialien durch
Plakataushang und Flyerauslage, Aktionsplanung 2022
Höhenberg und Vingst
Seniorennetzwerk
Höhenberg
Angebotsvorstellung und Informationen in der monatlichen
Seniorenzeitung "Wat läuf?"
Sozialraumübergreifend Kalk, Humboldt-Gremberg, Höhenberg, Vingst (Bezirk 8)
Runder Tisch
Seniorenarbeit Kalk
Vernetzung, funktionierende Verweisstruktur und thematischer
Austausch zwischen teilnehmenden Akteur:innen
Bekanntmachung von Informationen, Veranstaltungen und der
Sprechstunden
1 x Infovortrag für Multiplikator:innen zur Preiserhöhung der
Energieanbieter, Vergabe von Infomaterial und Tipps zum Umgang mit
Ratsuchenden
Seniorenkoordination
Kalk
Lotsenfunktion; Bekanntmachung von Informationen (u. a. Überblick
digitaler Angebote der Verbraucherzentrale NRW für Senior:innen) und
Frühwarnmaterialien, Veranstaltungen und der Sprech stunde;
Infostreuung über Email-Verteiler
Chorweiler, Blumenberg und Seeberg-Nord
Raum für Nachbarschaft geplanter Workshop "Ordnung i m Ordner" (abgesagt wegen Corona)
Seniorenkoordination
Chorweiler
Lotsenfunktion; Bekanntmachung von Informationen (u. a. Überblick
digitaler Angebote der Verbraucherzentrale NRW für Senior:innen) und
Frühwarnmaterialien, Veranstaltungen und der Sprechstunde,
Infostreuung über Email-Verteiler
20 I Seite
dieKümmerei
1 x Vortrag zum Thema "Umweltverträglicher und effektiver Putzen" mit
externer Referentin der Verbraucherzentrale NRW
1 x Vortrag zum Thema "Genussvoll älter werden" mit externer
Referentin der Verbraucherzentrale NRW
1 x Vortrag zum Thema "Einkaufsfallen im Supermarkt" mit externer
Referentin der Verbraucherzentrale NRW
1 x Angebotsvorstellung der Verbraucherzentrale und "Ordnung im
Ordner"
geplanter Vortrag "eine Extra-Portion Vitamine - Sinn und Unsinn von
Nahrungsergänzungsmitteln"
(abgesagt wegen Corona)
"Verbraucherberatung im Quartier" ist fester Bestandteil in der Unterstützungslandschaft
Die "Verbraucherberatung im Quartier" wird in den Arbeitsgruppen und Konferenzen für ihre
Expertise und Impulse geschätzt. Durch ihre Aktione n, Festteilnahmen und Veranstaltungen wird
sie als wichtige und verlässliche Partnerin in der Präventionsarbeit angesehen. Die rund 50
kooperativen Organisationen, Institutionen, örtlichen Akteur:innen und Vereine in Tabelle 2 zeigen,
dass die Zielgruppen der "Verbraucherberatung im Quartier" mehrfach erreicht werden. Darüber
hinaus können Ratsuchende dank etablierter und gut gepflegter Vernetzungsstrukturen
bedarfsgerecht und zielgerichtet innerhalb der Sozialräume und der kommunalen Hilfs- und
Unterstützungsstrukturen vermittelt werden.
Ein stabiles Netzwerk mit verlässlichen Partner:innen zahlt sich in Krisenzeiten aus
Im Jahr 2021 fanden 84 Planungs- und Vernetzungsges präche (mit einem/einer Akteur:in) sowie
37 Arbeitskreis- bzw. Konferenztreffen (mit mehrere n Akteur:innen) statt, größtenteils über Audio-
oder Videokonferenzen. Somit konnte auch im zweiten Corona-Jahr der Kontakt zu den
Sozialraumakteur:innen und ein funktionierendes Lotsen- und Verweissystem aufrechterhalten
werden. Durch neue Kooperationspartner:innen wird d as Netzwerk laufend erweitert.
Zielgruppenspezifische Angebotsformate wurden gemeinsam weiterentwickelt, auch für die
"Verbraucherarbeit mit Abstand".
21 I Seite
Übergeordnetes Ziel 3: Präventiv tätig werden und durch Bildung und
Information dazu beitragen, dass bestimmte Probleme im Verbraucheralltag
gar nicht erst auftreten und das Selbsthilfepotential gestärkt wird
Tabelle 3: Präventions- und Bildungsarbeit vor Ort für Quartier Gesamt und je Sozialraum
Art des Angebots Sozialraum Aktionen (n) Teilnehmende (n)
Vorträge,
Bildungseinheiten
Gesamt 8 47
Chorweiler 4 19
Höhenberg-Vingst 2 15
Kalk, Hum.-Grem. 2 13
Ehrenamtliche
Unterstützung für
Verbraucher:innen
Gesamt 5 5
Chorweiler 5 5
Info- und Aktionsstand Gesamt 5 201
Chorweiler 1 62
Höhenberg-Vingst 2 99
Kalk, Hum.-Grem. 2 40
Infovortrag,Schulung
für Multiplikator:innen
Gesamt 7 65
Kalk, Hum.-Grem, 3 23
sozialraumübergreifend 4 42
Sonstige
Aktionsformate
7
Gesamt 11 625
Chorweiler 5 381
Höhenberg-Vingst 3 194
Kalk, Hum.-Grem. 3 50
Gesamt 36 943
Im Jahr 2021 konnten trotz der Pandemie insgesamt 3 6 Angebote realisiert werden, von denen
insgesamt 943 Personen direkt profitierten. Die Durchführung erfolgte vor Ort oder online in festen
Gruppen. Wie im Vorjahr mussten aber leider zum Teil geplante Gastveranstaltungen der
"Verbraucherberatung im Quartier" (u. a. in Schulen, in Begegnungscafés) pandemiebedingt
ausgesetzt werden. Auch mussten Anmeldungen zu Präs enzterminen, die unter Einhaltung von
Hygieneauflagen hätten stattfinden können, aufgrund der sich stets wandelnden Corona-Lage von
Teilnahmeinteressierten dann doch kurzfristig zurückgezogen werden. Der Großteil der
Stadtteilfeste wurde von den Organisator:innen abgesagt.
7 Zu sonstigen Aktionsformaten zählen Aktionen, die s ich sonst keiner der übrigen Kategorien zuordnen lassen, z. B.
gezielte Plakataktionen in Hausfluren, Infomaterialstreuung über Lebensmittelausgaben oder Verteilung von
Infotaschen.
22 I Seite
Trotz Abstandsgeboten und pandemiebedingten Einschr änkungen blieb die
"Verbraucherberatung im Quartier" nah an den Bedürfnissen der Bürger:innen
Gerade in Pandemiezeiten bietet die Verbraucherarbeit im Quartier ein gewisses Maß an
Flexibilität, um Sozialraumbewohner:innen weiterhin bedarfsgerecht analog zu erreichen. Präsenz
zeigen und kreative Informationsangebote fördern da s Vertrauen und die Erreichbarkeit schwer
zugänglicher Zielgruppen vor Ort. Zudem wurden Synergieeffekte zu Multiplikator:innen genutzt,
um neben Präsenzveranstaltungen neue, digitale Wege gemeinsam zu gehen.
• Infoaktionen wurden an Marktständen, mit dem Lasten fahrrad oder zu Fuß im Veedel, mit
viel Kreativität, Flexibilität und unter Einhaltung erforderlicher Schutz- und
Hygienemaßnahmen umgesetzt. Zudem wurden Informatio nen über Standorte wie z. B.
lokale Lebensmittelausgaben, Nachbarschaftshilfen und Apotheken gestreut, die auch
während der Lockdown-Zeiten direkten Kontakt zu den Sozialraumbewohner:innen hatten.
Hausflure und Schaukästen/-fenster wurden regelmäßi g mit Plakaten und
Präventionsmaterialien bestückt. Verbraucherrechtliche Hinweise und Angebote der
Verbraucherzentrale wurden zur Streuung über Social -Media-Kanäle und Gruppen-Chats
verbreitet.8
• Online-Bildungseinheiten konnten mit digital affinen Gruppen durchgeführt werden.
Beispielsweise erfuhren "Erziehende im Aufbruch" in Kooperation mit dem Vingster Treff
während eines digitalen Workshops ihre Rechte beim Online-Einkauf, im virtuellen
Elterncafé einer Gemeinschaftsgrundschule in Humboldt-Gremberg wurden Fragen zu
aktuellen Verbraucherthemen beantwortet. Bildungsmethoden und Herangehensweisen,
die vormals ausschließlich für aktionsorientierte P räsenzformate vorlagen, wurden dazu
grafisch und didaktisch für bedarfsgerechte digitale Veranstaltungen angepasst. Ein
zweiköpfiges Team aus Moderatorin und Technik-Support/Co-Moderation führte die Online-
Veranstaltungen durch, wobei entweder eine Kollegin der "Verbraucherberatung im
Quartier" oder eine Person des Kooperationspartners unterstützte.
Eine zu große Hürde ist die Kontaktherstellung mitt els digitaler Tools, wenn die Zielgruppe
weniger mit der digitalen Welt vertraut ist. Analog e Veranstaltungen und Workshops sind
und bleiben daher ein wichtiges Format zur passgena uen Zielgruppenerreichung in der
aufsuchenden Verbraucherarbeit. So fanden mit Schutz- und Hygienevorrichtungen
beispielsweise Vorträge zu den Themen "Genussvollem älter werden" und "Einkaufsfallen
im Supermarkt" für Senior:innen in Kooperation mit "derKümmerei" in Chorweiler statt.
8 Da die tatsächliche Reichweite digitaler Informationsstreuung nicht valide nachgehalten werden kann, sind diese
nicht statistisch in Tabelle 3 erfasst.
23 I Seite
Informationsangebote der "Verbraucherberatung im Quartier" vor Ort oder digital, eigene Fotos
Weiterentwicklung des Ehrenamtsprojektes für die „Verbraucherberatung im Quartier"
Seit 2021 unterstützt eine ehrenamtliche Verbraucherbegleiterin die "Verbraucherberatung im
Quartier" am Standort Chorweiler. Zuvor erfolgten Hospitationen im Sozialraum und fachliche
Schulungen zur Verbraucherbegleitung durch die Gruppe "Bildung und Ehrenamt" der
Verbraucherzentrale NRW. Sodann packte die Ehrenamtlerin nicht nur bei Aktionsständen
praktisch mit an, sondern half bereits fünf Ratsuch enden im Vorfeld der Beratung beim Sortieren
von Briefen und Unterlagen. Best-Practice-Erfahrungen werden im Verlauf auf andere
Quartiersstandorte übertragen. Denn das ehrenamtliche Angebot bietet echten Mehrwert für alle.
Ehrenamtliche Verbraucherbegleitung, eigene Fotos
24 I Seite
Übergeordnetes Ziel 4: Sensor- und Frühwarnfunktion mit Blick auf
verbraucherrechtliche Fallstricke, um diese bereits in der Entstehung zu
unterbinden
Eine Aufgabe der "Verbraucherberatung im Quartier" ist es, verbrauch errechtliche Fallstricke und
dubiose Geschäftspraktiken frühzeitig zu erkennen u nd die Sozialraumbewohner:innen zeitnah zu
informieren. Die Problematiken fallen entweder gehäuft in den Sprechstunden auf oder werden von
Multiplikator:innen gemeldet. Die "Verbraucherberatung im Quartier" erstellt daraufhi n
zielgruppenspezifische Präventionsmaterialien. Komp lexe Themen werden in einfacher Sprache
aufbereitet. Der leserfreundliche deutsche Text sol l die enthaltenen Informationen einer möglichst
breiten Bevölkerungsgruppe zugänglich machen.9 Eingängige Hinweise wie "Geben Sie keine
persönlichen Daten weiter." oder "Bezahlen Sie niemals Geld im Voraus." sollen Verbraucher:innen
warnen. Kontaktdaten der "Verbraucherberatung im Quartier" sowie der Kölner Beratungsstelle der
Verbraucherzentrale NRW für tiefergehende Unterstützung sind ebenfalls vermerkt.
Die Präventionsmaterialien werden an Infoständen un d anderen Aktionsformaten vor Ort verteilt
(siehe Tabelle 2 und 3) und über die Kanäle der Kooperationspartner:innen und Multiplikator:innen
verbreitet. Verschiedene Dreh- und Angelpunkte in den Sozialräumen übernehmen in der
netzwerkabdeckenden Verbreitung eine wichtige Funkt ion, etwa die Sozialraumkoordination, das
Seniorennetzwerk, die Außenstelle des Interkulturellen Dienstes oder der Vingster Treff. Über viele
verschiedene, nicht einzeln nachzuhaltende Kanäle verbreiten die Sozialraumakteur:innen die
Informationen analog (über Aushänge in örtlichen Sc haukästen und an Schwarzen Brettern in
Hauseingängen, über Briefkasteneinwürfe, Flyerabgab en, Abdrucke in Newslettern...).
Multiplikator:innen drucken sich Infoblätter selbst aus oder werden bei Bedarf mit
Druckexemplaren von der
"Verbraucherberatung im Quartier"
beliefert.
Insgesamt wurden 1950
Exemplare in 2021 zu diesem Zweck in
Druckauftrag gegeben. Online-Kanäle
werden zur Informationsstreuung von den
Sozialraumakteur:innen ebenso genutzt
(Homepage-Einträge, elektronische
Newsletter, Postings über Social-Media-
Accounts wie Whatsapp oder Facebook...).
9 Aufgrund der breiten Varianz der Zuwanderungshinter gründe der in den Kölner Sozialräumen lebenden Menschen
wird die Möglichkeit mehrsprachiger Übersetzungen der Frühwarnmaterialien hinsichtlich Mehrwert und
Realisierbarkeit je nach Thema und Zielgruppe geprüft.
25 I Seite
Beispiele zur Streuung der Frühwarnmaterialien über Kooperationspartner:innen und Multiplikator:innen, von
links nach rechts im Monatsblatt "Wat läuf?" des Se niorennetzwerkes Höhenberg, auf Chorweiler Panorama ,
auf der Facebook Seite des Gremberger Treffs, auf der Homepage der Sozialraumkoordination
Über das Jahr 2021 hinweg wurden vier Präventionsma terialien zu aktuellen
verbraucherrechtlichen Themen erstellt:
• Januar 2021: Immer wieder beschweren sich Verbraucher:innen über Gewinnversprechen
am Telefon und durch Briefwerbung. Hierbei werden s ie dazu überredet teure Verträge
(z. B. Abos oder Mitgliedschaften) abzuschließen. D ie "Verbraucherberatung im Quartier"
reagierte mit dem Hinweis in einfacher Sprache "Teu rer Vertrag statt Gewinn - Vorsicht bei
Gewinn-Versprechen." Verbraucher:innen wurden dazu aufgerufen Werbung zu ignorieren,
bei Anruf fremder Personen aufzulegen und mit persö nlichen Daten sparsam umzugehen.
Zusätzlich wurden Multiplikator:innen weitere Informationen zur Abzockmasche und
Handhabemöglichkeiten zur Verfügung gestellt.
• März 2021: Neue Virusvarianten, knapper Impfstoff, ungewisse Quarantäneregeln und ein
dauerndes Wechselspiel aus Reisewarnungen: Urlaubsplanung geriet auch für den zweiten
Sommer der Pandemie zu einer Lotterie für Quartiers bewohner:innen, die beispielsweise
ihre Familien in den Heimatländern besuchen wollten . Zum Weltverbrauchertag am 15.
März bereitete die "Verbraucherberatung im Quartier" dazu einen Flyer "Corona und
Urlaubsreisen - Wichtiges zur Urlaubsplanung" in einfacher Sprache auf (u. a. mit
Hinweisen auf Stornierungsmöglichkeiten). Multiplik ator:innen wurden mit einem
26 I Seite
Informationspaket zum aktuellen Thema und Hilfestellungen für den Umgang mit
Ratsuchenden versorgt.
• ab Juni 2021: Die "Verbraucherberatung im Quartier" warnte vor Trittb rettfahrenden, die
die Erdgasumstellung in Kölner Stadtteilen nutzen k önnten, teure Verträge an der Haustür
unterzuschieben. Dazu wurde in Zusammenarbeit mit d er Rheinischen Netzgesellschaft
und dem Fachbereich Energie der Verbraucherzentrale NRW eine passgenaue Präventiv-
und Presseinformation "Umstellung von Gas-Geräten - Schauen Sie genau hin" erstellt. In
einfacher Sprache wurde u. a. erklärt, woran die Ha ndwerkskraft der Erdgasumstellung zu
erkennen ist und wie man bei einem untergeschobenen Vertrag reagieren sollte. Ein
weiteres gewinnbringendes Ergebnis aus dem konstruk tiven Austausch: Die Rheinische
Netzgesellschaft passte ihre Erstinformationsschreiben und die Technikerkarten, mit denen
sich die Handwerkskräfte bei den fremdsprachigen Mi tbürger:innen vor Ort ausweisen,
noch einmal an. Sie wurden in einfacher Sprache aufbereitet und vorliegende
Übersetzungen um weitere Sprachen ergänzt.
• Oktober 2021: In einem ersten Newsletter der "Verbraucherberatung im Quartier" ging es
um Fake-Shops. Online-Shopping boomt in der Pandemi e, digitale Verbraucherabzocke in
den Sozialräumen leider auch. Multiplikator:innen wurde u. a. ein mehrsprachiger
Warnhinweis zu Fake-Shops zum Download bereitgestel lt inklusive Informationen, an wen
sich Betroffene wenden können.
27 I Seite
Übergeordnetes Ziel 5: Entwicklung von Strategie und Ansatzpunkten zur
Erhöhung der Reichweite mit dem Ziel, eine präventive Wirkung des
aufsuchenden Arbeitsansatzes in allen 15 Kölner Sozialräumen zu entfalten
Maßnahmen zur Reichweitenerhöhung
• Die bereits 2020 begonnene Vernetzung mit den Sozialraumkoordinator:innen wurde
erfolgreich fortgeführt, es fanden 14 Erstvernetzungstreffen und weitere bilaterale
Planungsgespräche statt. Es ergaben sich Teilnahmen in zehn Sozialraumkonferenzen, in
denen insgesamt 240 teilnehmenden Akteur:innen der Präventivansatz vorgestellt wurde
und ein Austausch für ein stimmiges Präventivangebot stattfand.
• Die auf den Seiten 25 und 26 vorgestellten Frühwarn materialien der "Verbraucherberatung
im Quartier" wurden zum Einsatz in allen 15 Sozialräumen zur Nutzung durch
Sozialraumakteur:innen aufbereitet und stadtweit zur Verfügung gestellt. Neben den
Präventivinformationen wurde darin auch auf die Beratungsmöglichkeiten der Kölner
Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW sowie das generelle Unterstützungsangebot
der Verbraucherzentrale NRW aufmerksam gemacht. Soz ialraumkoordinator:innen sowie
Seniorenkoordinationen und -netzwerke der Stadt Köl n wurden mit Frühwarnmaterialien
versorgt, die somit ihrerseits die Verbreitung an A kteur:innen vor Ort vornehmen konnten
(z. B. über E-Mail-Verteiler, Einstellen auf die Ho mepage www.sozialraum-
koordination.koeln oder einen digitalen Flyer-"Tisch"). Die Maßnahmeneffekte der
Reichweitenerhöhung sind quantitativ nicht zu evalu ieren. Allerdings lassen
Rückmeldungen von Multiplikator:innen über die Sozi alraumgrenzen hinaus eine positive
Resonanz auf die bereitgestellten Materialien vermuten.
Sozialraumübergreifende Resonanz im Zuge der Reichweitenerhöhung
„...danke für das zeitgemäße
Angebot, welches ich an die
Akteur:innen im Innenstadtbezirk
weitergeleitet habe.“
„...ich teile die Info zu den
Ernährungsveranstaltungen
liebend gern in all unseren
Kursen, da ist ja einiges an
Auswahl dabei."
„Unsere Eltern haben sehr verschiedene
Anliegen und bei dem einen oder andren
Problem könnte ich sie gut an Sie bzw.
Ihre Kollegen weierleiten. Daher würde
ich mich über Ihre Prospekte und
Angebote sehr freuen.“
„...vielen Dank für Ihr
Infoschreiben. Ich
habe Ihren Flyer direkt
in den Elternchat
hochgeladen.“
„...ich kann diese Schulungen persönlich
sehr empfehlen – selbst wenn man in
Deutschland aufgewachsen ist, lernt man
eine Menge dazu.“
28 I Seite
• Im Oktober 2021 ging der erste Newsletter der
"Verbraucherberatung im Quartier" für
Multiplikator:innen an den Start. Sogleich
meldeten sich über 60 Leser:innen für den
Erstversand an und erhielten neben hilfreichen
Informationen rund um das Thema „Fake-
Shops", passgenaue Materialien und Flyer
zum Download sowie Veranstaltungshinweise
für Multiplikator:innen und Verbraucher:innen.
Zukünftig wird der Newsletter circa fünf Mal im
Jahr sowie anlassbezogen verschickt, z. B. zur
schnellen Warnung vor aufkeimender
Verbraucherabzocke in den Quartieren oder
wenn es um brisante Themen geht, die die
Menschen in den Sozialräumen besonders
betreffen, wie etwa steigende Energiepreise.
• Verbraucher:innen finden auf der Internetseite www. verbraucherzentrale.nrw/koelnquartier
einfache, konzentrierte Informationen zum Unterstüt zungsangebot. Alle erstellten
Präventionsmaterialien der "Verbraucherberatung im Quartier" stehen hier zum Do wnload
zur Verfügung. Im Jahr 2021 gab es 1228 gezielte Zugriffe. Multiplikator:innen und
Stakeholder:innen erhalten auf der gesonderten Home page www.verbraucherzentrale.nrw/
quartiersarbeit Informationen über Förderung, den Quartiersansatz sowie über die
Angebote für die Sozialräume. Hier sind 137 Zugriffe für 2021 zu verzeichnen.
• Im Zuge der Reichweitenerhöhung versteht sich die "Verbraucherberatung im Quartier" als
Ansprechpartnerin und Vernetzungsstelle in alle Köl ner Sozialräume, um
Stadtteilakteur:innen mit passenden Bildungs- und I nformationsangeboten der
Verbraucherzentrale NRW zusammenzubringen. Ein Infoabend des wirtschaftlichen
Verbraucherschutzes in einem Online-Elterncafé in F inkenberg, eine Veranstaltung durch
den Energieberater in einem Bickendorfer Nachbarsch aftsverein oder Bildungsreihen des
Projektes „Get In" für junge Geflüchtete in Bocklemünd sind nur einige beispielhafte
Anfragen, die erfolgreich durch die "Verbraucherberatung im Quartier" vermittelt werden
Ausschnitt aus dem 1. Newsletter der
Verbraucherberatung im Quartie
r
29 I Seite
konnten. Zudem wurden Infomaterialien und Veranstal tungshinweise der Fachgruppen
(u. a. Ernährung und Lebensmittel, Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung,
Vernetzungsstelle Seniorenernährung, Energie, Gesun dheit und Pflege) und der Projekte
der Verbraucherzentrale NRW (u. a. MehrWert21 10, Get In 11) gezielt zur Verfügung gestellt.
Beispielsweise erhielten die Seniorenkoordinationen und -netzwerke eine
Zusammenstellung aller digitalen Angebote der Verbraucherzentrale NRW für ihre
Zielgruppe Senior:innen. Als weiteres Beispiel sei hier der Versand der mehrsprachigen
Broschüre "Energiespartipps in einfacher Sprache" a n mehrere Kooperationspartner:innen,
z. B. an den Stromsparcheck der Caritas genannt. Du rch die Informationsvermittlung und
Angebotsvernetzung profitieren die Sozialräume und ihre Bewohner:innen von deutlich
mehr Hilfs- und Unterstützungsleistungen der Verbraucherzentrale NRW als über den
städtischen Haushalt oder anderweitige kommunale Mittel finanziert werden.
Übergeordnetes Ziel 6: Identifizierung von strukturellen Problemlagen,
Lücken im Hilfesystem, Handlungsempfehlungen an die Stadt Köln
Nachfolgende Problemlagen wurden von der "Verbraucherberatung im Quartier" anhand von
Beschwerden von Verbraucher:innen und Multiplikator:innen identifiziert. Sie sind primär nicht
verbraucherrechtlicher Natur, sodass aus unserer Si cht zur Verbesserung der Lebenssituation im
Quartier übergeordnete Lösungsansätze gefragt sind.
Weiterhin bestehende Lücke im Hilfesystem "Energiearmut"
Die "Verbraucherberatung im Quartier" und die Kölner Ber atungsstelle der Verbraucherzentrale
NRW haben mit dem Beirat der Verbraucherzentrale in Köln den dringenden Bedarf eines
niederschwelligen Unterstützungsangebots diskutiert . In der Verbraucherzentrale in Köln gibt es
seit Frühjahr 2020 keine spezielle Beratung zur Bek ämpfung von Energiearmut mehr. Im Rahmen
des Projektes "NRW bekämpft Energiearmut" beriet ei ne Mitarbeiterin auf einer halben Planstelle
Verbraucher:innen mit einer drohenden oder schon au sgesprochenen Energiesperre. Diese Stelle
wurde von der RheinEnergie finanziert. Die weiterhin eingehenden Anfragen im Rahmen der
dringenden Existenzsicherung können seitdem nur bed ingt aufgefangen werden: Zur Abwendung
existenzbedrohender Notlagen durch Energiearmut leisten die Beraterinnen neben der
Sachverhaltsprüfung und einer rechtlichen Einschätzung auch eine kurzfristige Existenzsicherung.
10 Mit dem Projekt MehrWert21 unterstützt die Verbraucherzentrale NRW einen verantwortungsvollen, zukunftsfähigen
und klimaschonenden Konsum. Mehr unter http://www.mehrwert.nrw.
11 Das Projekt Get In der Verbraucherzentrale NRW bietet ein niederschwelliges Informationsangebot für neu
zugewanderte Menschen und Multiplikator:innen in der Flüchtlingshilfe.
30 I Seite
Diese akute Krisenintervention beinhaltet die Prüfu ng formaler Sperrvoraussetzungen und die
Beratung zu Ratenzahlungsmöglichkeiten und der Bean tragung eines Darlehens beim
Sozialleistungsträger. Darüber hinaus erfolgen, fal ls notwendig, qualifizierte Verweise in enger
Zusammenarbeit mit beispielsweise Stromsparangebote n der Wohlfahrtsverbände,
Sozialberatungsstellen oder Schuldnerberatungen.
Aber für eine langfristige Sicherstellung der Energieversorgung sind nach dieser bereits
umfangreichen "Feuerlöschaktion" weitere tiefgehend e Hilfsmaßnahmen notwendig. Oftmals wird
eine ausführliche Budgetberatung zur Sicherstellung der zukünftigen Abschlagszahlungen sowie
weiterführende Hilfe bei den oft komplexen und zeitintensiven Verhandlungen mit den
Sozialleistungsträgern und Energieanbietern benötig t. Zum einen erschöpft der Arbeitsumfang für
notwendige Unterstützungsleistungen und die Einarbeitung in diffizile Fragestellungen die
personellen Ressourcen der Verbraucherzentrale. Zum anderen erfordert eine intensive
Einzelfallbetrachtung rechtliches, fachübergreifendes Wissen (u. a. Budgetberatung sowie Sozial-
und Energierecht), welches die Rechtsberatungsbefug nis der Verbraucherberaterinnen
überschreitet. Der Austausch mit anderen Trägern und Institutionen ergab, dass es dazu stadtweit
keine zentrale Anlaufstelle gibt. Aus Sicht der Verbraucherzentrale müsste ein solches
Hilfsangebot so gestaltet sein, dass der/die Ratsuc hende eine längerfristige Begleitung durch eine
feste Ansprechperson erhält. Erfahrungsgemäß reiche n ein oder zwei Termine nicht aus, um die
Problematik dauerhaft zu lösen. Außerdem erhofft sich die Verbraucherzentrale eine zeitnahe
Wiedereinführung eines "Runden Tisches" zum Thema E nergiearmut, um eine
Austauschmöglichkeit mit anderen Institutionen zu schaffen.
Auf Grund der steigenden Energiepreise ist davon au szugehen, dass insbesondere
einkommensschwächere Haushalte noch mehr als bisher mit Energieschulden zu kämpfen haben
werden. Bei Hartz-IV-Empfänger:innen ist absehbar, dass sie mit dem im Regelsatz vorgesehenen
Anteil für Strom und Gas bei weitem nicht auskommen. Hier sehen wir dringend politischen
Handlungsbedarf.
Existenzielle Notlagen nehmen zu, Schuldner- und Insolvenzberatungen überlaufen
Die existenziellen Notlagen vieler Sozialraumbewohn er:innen haben sich weiter verschärft, die
Gründe dafür sind vielfältig: anhaltende Einkommens einbußen durch Kurzarbeit oder Jobverlust,
steigende Mieten, Erhöhung der Lebensmittelpreise, explodierende Energiekosten. Ersparnisse
sind häufig schneller aufgebraucht. Die "Verbraucherberatung im Quartier" bemerkt einen
wachsenden Unterstützungsbedarf in den Sozialräumen . 2022 ist von einer weiteren Steigerung
der Beratungsnachfrage rund um Mietrückstände und drohenden Stromsperren auszugehen.
Armut und Wohnungslosigkeit in den Sozialräumen wer den in Gesprächen mit Bewohner:innen,
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sozialen Akteur:innen und im öffentlichen Raum stärker wahrnehmbar. Die Sorge vor einer
Gentrifizierung der Stadtteile wächst, da sich die finanziell schlechter gestellten Bewohner:innen
die steigenden Mieten nicht mehr leisten können.
Ein Lotsen an die Schuldner- und Insolvenzberatung gestaltet sich für die "Verbraucherberatung im
Quartier" zunehmend schwierig: Aufgrund der Vielzahl der Ratsuchenden mit finanziellen
Schwierigkeiten kommt es zu (mehrmonatigen) Wartezeiten für Beratungstermine, nicht nur bei der
Schuldner- und Insolvenzberatung der Verbraucherzentrale NRW, sondern auch bei anderen
anerkannten Beratungsstellen in Köln.
Niederschwellige Erreichbarkeit muss für vulnerable Zielgruppen erhalten bleiben
Durch die pandemiebedingten Einschränkungen und die raschen Digitalisierungsmaßnahmen
ergeben sich strukturelle Hürden in der Hilfs- und Unterstützungslandschaft. Behördliche
Anlaufstellen (vor allem Jobcenter und Ausländeramt) waren nicht mehr oder nur noch
eingeschränkt zugänglich. Gruppen mit beeinträchtigter gesellschaftlicher Teilhabe sind aber
besonders auf niederschwellige Erreichbarkeit angewiesen. Schleppende Terminvergaben und
langwierige Bearbeitungen bei anfallenden Zahlungsfristen, auslaufenden Leistungen oder
Aufenthaltserlaubnissen belasten Betroffene sehr. Gerade Menschen mit mangelnden
Sprachkenntnissen, fehlenden technischen Voraussetzungen oder geringen digitalen Kenntnissen
wurden die vielfältigen behördlichen Notwendigkeite n wie die Auszahlung von Sozialleistungen
oder die Verlängerung des Aufenthaltes, deutlich erschwert. Verbraucher:innen liefen sodann
unverschuldet Gefahr in vertragliche Schwierigkeiten zu geraten oder ihren finanziellen
Verpflichtungen nicht nachkommen zu können. Zudem s ind viele Ratsuchende mit einer primär
fernmündlichen oder schriftlichen Unterstützung überfordert, wenn es beispielsweise in einem Brief
des Jobcenters heißt, Zitat: "Aus denen mir vorliege nden Schriftstücken geht nicht zweifelsfrei
hervor, was genau Sie diesbezüglich von mir erwarten." Ratsuchende liefen in den
niederschwelligen Unterstützungsangebote vor Ort au f. Hier mussten dann die Zugangs- und
Kommunikationshürden anderorts überbrückt werden, d
amit die Wirkung der originären
Beratungsarbeit nicht ins Leere läuft. Die "Verbrau cherberatung im Quartier" brachte sich aktiv in
Überlegungen zur Situationsverbesserung ein, u. a. in dem vor diesem Hintergrund gebildeten
"Arbeitskreis Beratung" in Chorweiler.
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"Verbraucherberatung im Quartier": Rückblick 2021 und Ausblick 2022
Im Jahr 2021 hat sich die "Verbraucherberatung im Quartier" einmal mehr als verlässliche
Partnerin vor Ort erwiesen und sich quartiersnah mi t besonderer Flexibilität und Kreativität den
weiterhin bestehenden Herausforderungen des Verbraucheralltags in Pandemiezeiten gestellt:
Während der Lockdown-Phasen bedeutete das Aufrechte rhalten einer möglichst hürdenarmen
Verbraucherberatung einen erheblichen Mehraufwand an Kommunikation, Organisation und
Unterstützungsleistung. Für digital affine Gruppen wurden neue Zugangskanäle und Onlineformate
ausgeweitet. Dennoch ist und bleibt die vertrauensv olle, niederschwellige Präsenz im Sozialraum
für die Erreichung von Verbraucher:innen ohne digit ale Zugänge oder mit geringen
Deutschkenntnissen wertvoll und unabdingbar. Die ehrenamtliche Verbraucherunterstützung wurde
als weiteres niederschwelliges Angebot am Standort Chorweiler pilotiert und etabliert, ein
zusätzlicher Sprechstundenort mit Start in 2022 in Humboldt-Gremberg erschlossen.
Zahlreiche Verbraucher:innen mit multiplen Problemlagen und finanziellen Schwierigkeiten
erhielten umfassende und aufwendige Verbraucherberatungen und -vertretungen. In zwei internen
Strategie-Workshops zur Ausrichtung der "Verbrauche rberatung im Quartier" wurde der leistbare
Beratungsauftrag und dessen Grenzen definiert. Angesichts der intensiven und komplexen
Rechtsbesorgungen sind die derzeitigen personellen und zeitlichen Ressourcen voll ausgeschöpft.
Doch Zielgruppen mit geringem Selbsthilfepotential sind auf ergänzende Hilfsleistungen für eine
nachhaltige Problemlösung angewiesen, dort wo recht liche Verbraucherarbeit aufhört. Aufgrund
fehlender Kapazitäten innerhalb der Akteurslandscha ft (u. a. Schuldner- und Insolvenzberatung,
Sozialberatung) können die Probleme der hilfsbedürftigen Haushalte kaum mehr aufgefangen
werden. Mit Blick auf 2022 ist zu vermuten, dass da s Fortschreiten der Pandemie, die turbulente
Situation auf den Energiemärkten, steigende Inflation und die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs zu
weiteren existenziellen Notlagen führen werden. Die Lücke im Hilfesystem bei
Energiearmutsproblematiken muss unserer Ansicht nach dringend geschlossen werden.
Die Reichweitenerhöhung des Präventivansatzes der "Verbraucherberatung im Quartier" schritt im
Jahr 2021 weiter voran. In der Wahrnehmung einer sozialraumübergreifenden Sensorfunktion
wurde ein gut funktionierendes Frühwarnnetzwerk zwi schen den Sozialraum- und
Seniorenkoordinationen sowie weiteren in den Quartieren und stadtweit tätigen Akteur:innen
aufgebaut. Neben der Bereitstellung von Präventions materialien wurde erstmalig ein Newsletter
mit quartiersrelevanten Themen versandt. Multiplika tor:innen wurden zu Schulungen eingeladen,
um Ratsuchenden Ersthilfe bei Verbraucherthemen bieten zu können (u. a. "Steigende
Energiepreise, (zu) hohe Kosten" im Frühjahr 2022). Eine Vernetzung weiterer passender
Angebote der Verbraucherzentrale NRW und Sozialraumakteur:innen fand erfolgreich statt.
Verbraucherzentrale NRW e. V.
Verbraucherberatung im Quartier Köln
Frankenwerft 35 (Eingang Mauthgasse)
50667 Köln
Ansprechpartnerinnen:
Beate Fackeldey, Tel.: 0211-380 94 74
Isabelle Hirschmann, Tel.: 0221-846 18 845
E-Mail: koeln.quartier@verbraucherzentrale.nrw
www.verbraucherzentrale.nrw/koelnquartier
Impressum:
Herausgeber:
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e. V.
Mintropstraße 27 - 40215 Düsseldorf
Fax: 0211-380 92 16 - www.verbraucherzentrale.nrw
Text und Layout: Isabelle Hirschmann
© Fotos:
Verbraucherzentrale NRW e. V.
© Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, 2022.
Die auszugsweise Wiedergabe für wissenschaftliche und
schulische Zwecke ist gestattet.
Grafiken und Fotos unterliegen dem Urheberrecht.
Eine Reproduktion – gleich welcher Art – ist nur nach
ausdrücklicher Genehmigung durch die Copyright-Inhaber
(s. o.) gestattet.
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1861/2022
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 08.08.2022
- Erstellt
- 31.05.2022 16:58