AN/1826/2017
Zentrales Migrationsmuseum in Köln
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Dringlichkeitsantrag - Zentrales Migrationsmuseum
9098 Zeichen
Herr Keltek (Vorsitzender IR) 27.11.2017
Herr Edis (stellvertretender Vorsitzender)
Frau Giurano (stellvertretende Vorsitzende)
Frau Maleki (stellvertretende Vorsitzende)
Herr Erkelenz (migrationspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion)
Herr Joisten (migrationspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion)
Herr Yurtsever (migrationspolitischer Sprecher Fraktion Die Grünen)
Frau Tokyürek (migrationspolitische Sprecherin Fraktion Die Linke)
Frau Hoyer (migrationspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion)
Koordinierungsrunde Integrationsrat
An den
Vorsitzenden des Integrationsrates
An die
Geschäftsstelle des Integrationsrates
Herrn Andreas Vetter
Antrag nach § 12 GeschO Rat (Dringlichkeitsantrag)
Gremium Datum der Sitzung
Integrationsrat 04.12.2017
Zentrales Migrationsmuseum in Köln
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
es wird gebeten folgenden Beschluss zur Abstimmung zu stellen:
Beschluss:
Der Integrationsrat beschließt, den Rat zu bitten,
die Ansiedlung eines ‚Zentralen Migrationsmuseums‘ (Arbeitstitel) am Standort Köln
grundsätzlich zu befürworten,
die Verwaltung zu beauftragen, in Kooperation mit DOMiD mögliche Standorte im Kölner
Stadtgebiet in Hinsicht auf ihre grundsätzliche Eignung (Verfügbarkeit, Planungsrecht,
verkehrliche Anbindung) für ein Zentrales Migrationsmuseum. Dabei soll auch der Stadt-
bereich Kalk-Süd einschließlich der denkmalgeschützten KHD-Hallen betrachtet werden.
die Verwaltung zu beauftragen, Investitionsfinanzierung durch Landes-, Bundes-, Stif-
tungs- und private Mittel sowie Trägerschaft und zukünftigen Betrieb des Museums näher
zu ermitteln und darzustellen. Dabei wird davon ausgegangen, das DOMiD Träger des
Migrationsmuseums ist.
Die Ergebnisse sind dem Integrationsrat und den zuständigen Fachausschüssen zur wei-
teren Beratung vorzulegen.
Begründung:
Zur Ratssitzung am 12.11.2015 erging folgende Bitte an den Rat der Stadt Köln:
„Der Integrationsrat bittet den Rat der Stadt Köln die Verwaltung zu beauftragen, eine
Unterstützung für die Ansiedlung des geplanten ‚Zentralen Migrationsmuseums in
Deutschland‘ des DOMID (Dokumentationszentrum und Museum über die Migration
in Deutschland e.V.) im Stadtgebiet Köln zu prüfen. Zu diesem Zweck soll die Verwal-
tung gebeten werden, entsprechende Gespräche mit Bund und Land aufzunehmen,
um eine Finanzierung sicherzustellen. Ferner soll die Verwaltung Überlegungen zu
einem möglichen Standort anstellen und die anstehenden städtischen Neubauprojek-
te dahingehend prüfen, ob in diesen ein Migrationsmuseum integriert werden kann,
wobei eine möglichst zentrale Lage angestrebt
wird.“
Der Rat hatte diese Initiative des Integrationsrates ausdrücklich begrüßt und folgendes be-
schlossen:
„Der Integrationsrat wird gebeten, das Ergebnis der von DomiD beauftragten Mach-
barkeitsstudie unmittelbar nach Veröffentlichung zu beraten und dem Rat eine Emp-
fehlung auszusprechen. Mit dieser Empfehlung wird sich der Rat dann unmittelbar
befassen.“
Lt. DOMiD besteht auf Bundesebene auf verschiedenen Seiten bereits Unterstützung für die
Gründung eines ‚Zentralen Migrationsmuseums‘1 in Deutschland. Dies wurde in zahlreichen
Besuchen bei DOMiD von prominenten Politikerinnen und Politikern (u.a. Aydan Özoguz,
Peter Tauber, Katarina Barley, Christian Wulff) sehr deutlich.
Durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Integration und Flüchtlinge erhält
DOMiD ab November 2017 eine Projektförderung mit drei zusätzlichen Personalstellen.
Das Land NRW hat sich durch die Finanzierung der Machbarkeitsstudie und die Aufnahme
des Projekts in den Koalitionsvertrag ebenfalls bereits klar positioniert und würde sich ent-
sprechend beteiligen.
Im Dezember 2016 hatten sich alle im Landtag NRW vertretenen Fraktionen in einem
Schreiben an die Bundesregierung für den Standort NRW ausgesprochen.
Die IHK Köln / Herr Reichardt hat in einem ausführlichen Schreiben an Frau Bundeskanzlerin
Merkel deutlich gemacht, wie wichtig ein solches Museum für Köln beim ‚Kampf um die bes-
ten Köpfe‘ und für das Image der Stadt wäre und bittet Frau Merkel um Unterstützung bei der
Realisierung.
Die HWK Köln / Herr Wollseifer signalisiert Unterstützung und befürwortet eine Umsetzung in
Köln.
Familie DuMont ist ebenfalls interessiert und im Unterstützerkreis des Museums engagiert.
Letztendlich stellt sich aktuell ‚nur‘ noch die Frage nach dem konkreten Standort.
Andere Kommunen in NRW haben bereits Interesse geäußert das von DOMiD geplante Mig-
rationsmuseum zu realisieren. Allerdings drängt sich ein Verbleib von DOMiD bzw. dem Bau
des Museums am Standort Köln auf, da DOMiD seit 2010 vom Land NRW mit mittlerweile 6
Personalstellen institutionell gefördert und von der Stadt Köln durch die Übernahme der Mie-
te und Nebenkosten für die Räumlichkeiten im Bezirksrathaus Ehrenfeld bezuschusst wird.
Köln ist die größte Stadt in NRW und zentral und verkehrsgünstig gelegen. Es gibt keine an-
dere deutsche Millionenstadt mit einer über 2000jährigen Geschichte, die seit der Gründung
so von Migration geprägt ist. Im Land NRW und hier wiederrum in der Stadt Köln lebt in ab-
soluten Zahlen der größte Anteil von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Die Stadt
Köln war historisch gesehen mit Ford und Klöckner Humboldt Deutz der zentrale Ort der
Gastarbeiterzuwanderung in Deutschland – der 1. Millionste Gastarbeiter stieg in Köln-Deutz
aus dem Zug.
Die Stadt Köln steht für kulturelle Vielfalt und Toleranz.
1
dies ist ein Arbeitstitel – möglich wäre z.B. auch ‚Zentrum für die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Migrationsgesell-
schaft‘
Ein ‚Zentrales Migrationsmuseum Deutschland‘ in Köln würde diesen Ruf der Weltoffenheit
und Toleranz sehr deutlich nach außen transportieren und Köln als Wirtschaftsstandort für
ausländische Unternehmen attraktiv machen.
Es sollte in der Diskussion außerdem nicht unterschätzt werden, dass im Ausland bzw. von
ausländischen Firmen sehr genau ausländerfeindliche Ausschreitungen in Deutschland, der
NSU-Prozess etc. beobachtet wird. Der Umgang von Politik und Behörden wird registriert
und ist für Standortentscheidungen relevant. Es wäre schwer eine Stadt Köln mit einem sol-
chen ‚Museum‘ mit Ausländerfeindlichkeit in Verbindung zu bringen.
In der deutschen Museumslandschaft ist ein ‚Zentrales Migrationsmuseum‘ in der vorliegen-
den Konzeption einmalig!
Es ist nicht ein weiteres Museum für mittelalterliche, moderne, kunstgewerbliche o.ä. Kunst
oder ein weiteres historisches Museum, sondern ein thematisch in Deutschland einzigartiges
Museum. Ähnliche Häuser gibt es bislang lediglich in New York, Paris oder Melbourne.
Bezogen auf die deutsche und Kölner migrantische Community wäre eine Ansiedlung in Köln
eine klare Positionierung und deutliches bundesweites Signal für unsere gemeinsame Ge-
schichte und Zukunft.
Grundsätzlich hat die Sammlung von DOMID und eine zeitgemäße museale Aufbereitung in
einem Zentralen Migrationsmuseum - über die historisch gesellschaftliche Bedeutung hinaus
- eine sehr große Bedeutung als konkreter Akt der Wertschätzung der Zuwanderinnen und
Zuwanderer für Köln und Deutschland. Sie ermöglicht diesen die Teilhabe an der Geschichte
in Deutschland. Diese Form einer Wertschätzung von Zuwanderung ist längst fälliger und
sehr wichtiger Beitrag der Anerkennung und damit Stärkung der Identität der zugewanderten
Community.
Ein solches Museum bietet die Möglichkeit, das Faktum Migration zu entdramatisieren und
die Potentiale und den gesellschaftlichen Zugewinn von Zuwanderung sichtbar zu machen.
Es besteht die Möglichkeit, das Denken in ‚Wir‘ und ‚Ihr‘ zu überwinden und ein gemeinsa-
mes ‚Wir‘ zu finden. Gleichzeitig wird das sich wandelnde Selbstverständnis von Gesellschaft
und ihrem Zusammenleben verdeutlicht.
Die Machbarkeitsstudie zeigt, dass ein Haus, in dem das Thema Migration verhandelt und
als Normalfall dargestellt wird, ein neues Geschichtsverständnis fördert, allen Menschen
Teilhabe an der Geschichte bietet und damit eine hohe gesellschaftliche Relevanz besitzt.
Mit freundlichen Grüßen
Herr Keltek (Vorsitzender IR)
Herr Edis (stellvertretender Vorsitzender)
Frau Giurano (stellvertretende Vorsitzende)
Frau Maleki (stellvertretende Vorsitzende)
Herr Erkelenz (migrationspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion)
Herr Joisten (migrationspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion)
Herr Yurtsever (migrationspolitischer Sprecher Fraktion Die Grünen)
Frau Tokyürek (migrationspolitische Sprecherin Fraktion Die Linke)
Frau Hoyer (migrationspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion)
Begründung der Dringlichkeit:
Die Diskussion um den Standort eines Zentralen Migrationsmuseums in Deutschland bzw.
NRW wird aktuell auch in mehreren anderen Städten geführt. Um die Chancen für eine An-
siedlung in Köln durch Abgabe eines Votums gegenüber DOMiD zu wahren, ist eine kurzfris-
tige Behandlung im Integrationsrat erforderlich, damit dem Rat noch in 2017 die gewünschte
Empfehlung gegeben werden kann.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AN/1826/2017
- Typ
- Antrag nach § 12 (Dringlichkeitsantrag)
- Datum
- 04.12.2017
- Erstellt
- 01.12.2017 10:03