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2530/2021

Annahme von 17 Kunstwerken als Schenkung von Dr. Annelie Pohlen

Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss 31.08.2021

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Nächste Beratung: Rat, Sitzung am 16.09.2021, TOP 2.1

Beschlussvorlage Rat

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Beschlussvorlage Rat

11345 Zeichen

Die Oberbürgermeisterin 
Dezernat, Dienststelle  
VII/4511 
 
Vorlagen-Nummer 
 2530/2021 
Freigabedatum 
31.08.2021  
Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung 
Betreff 
Annahme von 17 Kunstwerken als Schenkung von Dr. Annelie Pohlen 
Beschlussorgan 
Rat 
Gremium Datum 
 
Beschluss: 
Der Rat nimmt die Schenkung von 17 Kunstwerken von Frau Dr. Annelie Pohlen für das Museum 
Ludwig an. 
 
Ausschuss Kunst und Kultur 07.09.2021 
Rat 16.09.2021

2 
Haushaltsmäßige Auswirkungen 
 Nein 
Auswirkungen auf den Klimaschutz 
 
  Nein    
  Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung)  
  Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung)  
 
 
Begründung 
Das Konvolut von siebzehn Werken stammt vor allem aus den 1990er Jahren. Es umfasst damals 
schon etablierte malerische Positionen (Ida Applebroog, Erik Bulatov, Miriam Cahn, Ilya Kabakov, 
Christa Näher, Sigmar Polke, Gerhard Richter) sowie konzeptionelle (fotografische) Positionen zweier 
Generationen (Alighiero Boetti, Matti Braun, Jochen Lempert, Annette Messager, Jürgen Stollhans, 
Wolfgang Tillmans, Lois Weinberger).  
Dr. Annelie Pohlen, Kunsthistorikerin und langjährige Direktorin des Bonner Kunstvereins, hatte be-
reits Mitte der 1980er Jahre Miriam Cahn entdeckt und ihr eine Einzelausstellung ausgerichtet. 1996 
räumte sie ihr erneut eine Einzelausstellung ein. Cahn, die sich in ihrem Werk immer wieder mit Krieg 
und Flucht befasst, hatte sich zu diesem Zeitpunkt intensiv mit den Jugoslawienkriegen auseinander-
gesetzt und mit ihrer großen Werkgruppe „Sarajevo“ der vier Jahre belagerten Hauptstadt ein Denk-
mal gesetzt. Die kleinformatigen Gemälde von Menschen- und Tierköpfen erscheinen als eindringli-
che Darstellungen vielfältiger Individuen, ohne Porträts zu sein. Aus dieser Reihe stammt auch das 
unbetitelte Gemälde von 1995, das durch die zweiteilige Radierung „Sarajewo“ ergänzt wird. Dem 
formatfüllenden gelben Kopf fehlen die Augen, an ihrer Stelle ist nur die grundierte Leinwand zu se-
hen. Damit erinnert er an eine Maske. Das Gemälde schließt thematisch an das vom Museum Ludwig 
erst im vergangenen Jahr erworbene Gemälde „an der grenze, 01.05.2015“ an.  
Pohlens besondere Wertschätzung malerischer Positionen von Künstler*innen drückte sich auch in 
Überblicksschauen von Ida Applebroog 1991/92 und Christa Näher 1983 aus. Erstere war bislang 
noch nicht mit einem Werk in der Sammlung des Museum Ludwig vertreten. Die unbetitelte Radie-
rung und Aquatinta kann in dieser Hinsicht einen Auftakt darstellen. Christa Näher wiederum war nur 
mit einem 2006 erworbenen arkadischen Landschaftsbild im Museum Ludwig vertreten, das nun 
durch das unbetitelte Gemälde von 1992 ergänzt wird. Es deutet schemenhaft ein menschenleeres 
Interieur an. In abstrahierender Malweise ist in der Bildmitte ein verhängtes Fenster mit einem Tisch 
davor zu erkennen. Der gelbe Farbton im Zentrum fällt aus dem erdigen Farbspektrum des Gemäldes 
heraus und zieht daher den Blick auf sich. Die Zentrierung des Blicks auf etwas, das ihm zugleich 
entzogen ist, verleiht dem Gemälde eine besondere Wirkung. 
Auch wenn Gerhard Richter nie mit einer eigenen Ausstellung im Bonner Kunstverein vertreten war, 
drückte der Künstler dennoch seine Wertschätzung gegenüber der Institution aus, indem er 1988 eine 
besondere Jahresgabe beitrug. Er malte dreißig Mal das gleiche Gemälde mit dem Titel „Blech“ – 
eine von den Längsseiten reichende Schattierung vom Dunkel- ins Hellgrau. Richter wandte also ein 
serielles Verfahren auf ein Medium an, das diesem gerade widerspricht, da jedes verschieden und 
damit einmalig ist. Das Museum Ludwig besitzt bereits ein großes Konvolut von Werken des Malers. 
Darunter sind auch Editionen, die die festgefügten Vorstellungen von Unikat und Edition ebenfalls 
hintertreiben, wenn zum Beispiel der Künstler Gemälde als Editionen auflegt. Die Jahresgabe für den 
Bonner Kunstverein „Blech“ stellt die Unterscheidung auf umgekehrte Weise auf den Prüfstand und 
knüpft zugleich auf seine bedeutende Werkgruppe grauer Bilder an. 
Bislang war Alighiero Boetti noch nicht in der Sammlung des Museum Ludwig vertreten. Einen we-
sentlichen Impuls erhielt sein Werk in den 1970er Jahren durch seine Reisen nach Afghanistan und 
Pakistan. Die Länder Süd- und Zentralasiens übten großen Einfluss auf ihn aus. Das gilt auch für 
Sigmar Polke, der mit Film und Fotografie seine Reisen festhielt – eines der Fotografien, das auf 
dem Weg durch die Türkei dorthin entstand, ist Teil der Schenkung. Dass diese Inspirationsquelle im 
Werk vieler europäischer Künstler festzustellen ist, wird in der Literatur mit dem Orientalismus des 19.

3 
Jahrhunderts verglichen. Boetti war insbesondere von der afghanischen Stickkunst beeindruckt. Er 
begann bis zu seinem Tod 1994 mit afghanischen Stickerinnen zusammenzuarbeiten, die im Werk 
jedoch anonym bleiben. Eine große Werkgruppe stellen bei Boetti quadratische Bilder mit Buchstaben 
auf Rechtecken dar, die sich über den Titel als Worte erkennen lassen. Das Werk aus der Schenkung 
ist zum Beispiel IL TESORANASCOSTO betitelt – der verborgene Schatz. Die gestickten Farbflächen 
erscheinen als ornamentale Muster, die erst auf den zweiten Blick die Wörter dechiffrieren lassen. Die 
Arbeit steht für Boettis grundlegendes Interesse an Sprache, dem System der Logik, des Zufall und 
der Ordnung. In seiner Edition „111“, die aus 111 Schwarz-Weiß-Kopien von zufällig ausgewählten 
Seiten und Objekten besteht, sind diese Aspekte zusammengeführt. 
Annette Messager, die der gleichen Generation wie Boetti angehört, beschäftigt sich in ihrem Werk 
mit der gesellschaftlichen Rolle der Frau. Das Museum Ludwig erwarb mit Hilfe der Freunde des 
Wallraf-Richartz-Museum/ Museum Ludwig bereits 1993 „Les Picques“ von 1992. Die vielteilige, fragi-
le Installation wird nun durch die frühe Arbeit „Le monde a été deteriore par les femmes et par les 
loups“ von 1974 sowie durch das dreiteilige Multiple aus ihrer großen Werkgruppe „Mes voeux“ von 
1990 der Künstlerin hervorragend ergänzt, da alle drei sich auf unterschiedliche Weise dem Konstrukt 
der Weiblichkeit annähern.  
Fotografie taucht in der Schenkung auf sehr unterschiedliche Weise auf. Nutzt Messager die Fotogra-
fie als Fetisch, so betont Jochen Lempert die Materialität der Abzüge. Er arbeitet seit den 1990er 
Jahren mit der Kennerschaft eines ausgebildeten Biologen, dem Blick eines Fotografen und den Ver-
fahren eines Wissenschaftlers. Von ihm sind zwei Schwäne im Flug so festgehalten, dass sie sich in 
ihrer Bewegung spiegeln. Die Fotografie ergänzt sehr gut seine anthropomorphen Studien, die sich 
bereits in unserer Sammlung befinden. Von Lois Weinberger, der bislang nicht in der Sammlung 
vertreten ist, kommt die Fotografie eines dunklen Hundes, der mit leuchtendem Auge aus der Un-
schärfe auftaucht. Der konzeptuell arbeitende Künstler Matti Braun wiederum vereinnahmte eine 
Fotografie von Albrecht Fuchs, die dieser beim 25. Weltwirtschaftsgipfel G8 1999 in Köln vom Muse-
um Ludwig aufnahm: Der Eingang zum Kunstmuseum wurde zum Parkplatz der Politikerlimousinen. 
Wolfgang Tillmans ist mit einer überraschenden nicht-fotografischen Arbeit von 1996 in der Schen-
kung vertreten. Mit großen Buchstaben ist auf eine Pappe der Sinnspruch gedruckt: „Wer Liebe wagt 
lebt morgen“.  
Der in Köln lebende Künstler Jürgen Stollhans führt in seinen Arbeiten die Ergebnisse seiner Re-
cherchen aus Politik, Zeitgeschichte und Naturwissenschaften in Zeichnungen, Collagen oder Anima-
tionen zusammen. Nach dem Prinzip der Kollisionsmontage eröffnen seine überraschenden Kombi-
nationen von Motiven aus den unterschiedlichsten Feldern scharfsinnige Kommentare gesellschaftli-
cher Entwicklungen. Dabei haben seine Arbeiten einen ausdrücklich ephemeren Charakter. Er fertigt 
die plakatähnlichen Bilder aus flüchtigen Kreidezeichnungen. 2003 richtete Pohlen ihm die Ausstel-
lung „Jürgen Stollhans – Wie ging nochmal Futurismus?“aus. Im gleichen Jahr steuerte er zehn Krei-
dezeichnungen auf farbig gefasstem Holz als Jahresgabe bei. Sie alle zeigen unterschiedliche Aus-
schnitte von der Rückseite eines alten mechanischen Weckers, der in den Ausschnitten anthropo-
morphe Qualitäten erhält. Als „Memme“ – so der Titel seiner Jahresgabe – mögen all diejenigen be-
zeichnet werden, die über das Vergehen der Zeit jammern. 
 
Mit der Annahme der Schenkung erfährt die Sammlung des Museum Ludwig einen substantiellen 
Zuwachs. Darüber hinaus ist es auch eine große Ehre, dieses Konvolut von einer Schenkerin zu er-
halten, die sich als Kuratorin und Direktorin des Bonner Kunstvereins in die Geschichte des Rhein-
landes eingeschrieben hat. Annelie Pohlen war langjährige Leiterin des renommierten Bonner 
Kunstvereins. Die promovierte Kunsthistorikerin arbeitete zunächst als Kunstkritikerin für Tageszei-
tungen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und begann als Kuratorin im Bonner Kunstverein bis 
sie 1986 dessen Direktorin wurde. Bis zu ihrem Ausscheiden 2004 kuratierte sie über 200 Ausstellun-
gen, die größtenteils von Publikationen begleitet wurden. In monografischen Ausstellungen stellte 
Pohlen unter anderem Arbeiten der genannten Künstler*innen Christa Näher (1983), Erik Bulatov und 
Ilya Kabakov (1988), Annette Messager (1990), Ida Applebroog (1991/92) Alighiero e Boetti (1992), 
Miriam Cahn (1996) und Lois Weinberger (2002) vor. Mit unbestechlichem und kritischem Blick wähl-
te sie also jene Positionen aus, die sich als eigenständig und eigenwillig bewährt hatten oder zu die-
sem Zeitpunkt noch keine breitere Beachtung fanden. Darüber hinaus machte sie den Bonner Kunst-
verein mit spektakulären Jahresgaben bekannt. Sie gewann so berühmte Künstler*innen wie Gerhard 
Richter und Sigmar Polke für eine Zusammenarbeit. Sie bezog auch damals noch nicht etablierte 
Positionen ein (Matti Braun, Jochen Lempert, Jürgen Stollhans, Wolfgang Tillmans). Die Werke aus 
ihrer Schenkung bilden dieses langjährige Engagement für die zeitgenössische Kunst ab, das weit

4 
über die Region ausstrahlte und bis heute prägend ist. Sie werden die Sammlung des Museum Lud-
wig bereichern und auf eine bedeutende Kuratorin und Kunstkritikerin verweisen, die sich dem Muse-
um Ludwig besonders verbunden fühlt. 
 
Die Kunstwerke befinden sich bereits im Museum Ludwig, so dass keine weiteren Kosten anfallen. 
 
Von den Werken, die aus der Privatsammlung von Frau Dr. Annelie Pohlen stammen, gibt es keine 
Fotodokumentation. Daher wird auf eine Abbildung verzichtet. 
 
Die Werke haben lt. vorliegendem Wertgutachten einen Gesamtwert 122.400 Euro. Mit der Annahme 
der Schenkung ist die Ausstellung einer Spendenbescheinigung verbunden. Mit der Schenkung sind 
keine Auflagen verbunden. 
 
Haushaltsbewirtschaftung in der Corona-Krise 
Die Hauptaufgabe der wissenschaftlichen Museen ist der Auf- und Ausbau von Kunst- und Kulturgut 
durch Sammeln, Erhalten und Forschen. Durch die zweckgebundene Schenkung kann das Museum 
Ludwig 17 Kunstwerke von verschiedenen Künstlern erwerben, welche den bestehenden Samm-
lungsbestand hervorragend ergänzen und zur Sicherung der bestehenden Strukturen beiträgt. 
 
Begründung der Dringlichkeit  
Der Schenkungsvorgang erforderte eine intensive verwaltungsinterne Abstimmung der beteiligten 
Dezernate. Um die Schenkung entsprechend zu würdigen, ist jede weitere Verzögerung zu vermei-
den.

Beratungsverlauf (2)

07.09.2021 Ausschuss Kunst und Kultur
TOP 6.1 Vorberatung (Fachausschuss) Entscheidung

Beschluss: ungeändert beschlossen

Zur Sitzung
16.09.2021 Rat
TOP 2.1 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: ungeändert beschlossen

Zur Sitzung

Details

Aktenzeichen
2530/2021
Typ
Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss
Datum
31.08.2021
Erstellt
09.07.2021 10:16