V/0300/2019
Untersuchungen von multiresistenten Keimen in Gewässern im Stadtgebiet Münster-Hiltrup
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Berichtsvorlage
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V/0300/2019 V/0300/2019 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Untersuchungen von multiresistenten Keimen in Gewässern im Stadtgebiet Münster-Hiltrup Beratungsfolge 09.05.2019 Bezirksvertretung Münster-Hiltrup Bericht 14.05.2019 Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbrauche r- schutz und Arbeitsförderung Bericht 14.05.2019 Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen Bericht Bericht: Am 15.2.2018 hat die Fraktion „Bündnis 90/ Die Grünen/ GAL“ in der Bezirksvertretung Münster - Hiltrup eine Anfrage (AFH/0001/2018) gestellt „Multiresistente Keime im Grundwasser“. Die se Anfra- ge wurde durch eine Anfrage der Fraktion „Die Linke.“ vom 18. 2.2018 ergänzt. Mit Schrei ben vom 11.3.2018 hat das Gesundheits - und Veterinäramt unter Beteiligung der Ämter 66 (Tiefbauamt) und 67 (Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit) geantwortet (s. Anlage). Am 30. 8.2018 hat die Bezirksvertretung Münster -Hiltrup angeregt, Gewässer -Untersuchungen im Stadtbezirk Hiltrup zum Vorkommen von multiresistenten Keimen vorzunehmen. In der Anregung der Bezirksvertretung Münster-Hiltrup werden neun Probenahmeste llen (Oberflächengewässer und A b- wasser) aufgeführt. In der Ratssitzung vom 19 .9.2018 wurde die Anregung der Bezirksvertretung Münster -Hiltrup „Unter- suchung über das Vorkommen von multiresistenten Keimen im Stadtbezirk Hiltrup“ (ABV/0010/2018) vom 30.8.2018 zur Bearbeitung an die Verwaltung und Berichterstattung im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Bauwesen verwiesen. Beteiligt wurden die Dezernate/Ämter III, V, VI, 66, 67 unter Federführung des Gesundheits- und Veterinäramtes. Einleitung: Infektionen durch Bakterien lassen sich meist ausreichend gut mit Antibiotika behandeln. Einige Ba k- terien sind jedoch inzwischen unempfindlich gegenüber der Wirkung zahlreicher Antibiotika und Anti- biotikagruppen. Man spricht in diesem Fall von multire sistenten Erregern. Am bekanntesten sind der methicillinresistente Staphylococcus aureus (MRSA) und die multiresistenten gramnegativen Bakt e- rien (MRGN). Bei diesen Erregern wirken sehr viele Antibiotika nicht mehr. Für gesunde Menschen ist der Kontakt zu diesen multiresistenten Keimen in der Regel ungefährlich. Sie erkranken nicht. Tragen sie die Erreger aber in sich bzw. ist ein Teil der Hautoberfläche mit ihnen besiedelt, können sie diese an andere Menschen weitergeben. Sie selbst sind dann gefährdet, wenn Gesundheits- und Veterinäramt 23.04.2019 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Dr. Schulze Kalthoff Telefon: 492-5300 SchulzeKalthoff@stadt- muenster.de - 2 - V/0300/2019 vorübergehend das menschliche Abwehrsystem, z.B. im Rahmen eines operativen Eingriffs, beei n- trächtigt ist. Ansonsten zählen v.a. Menschen mit langfristiger Abwehrschwäche zu Risikopersonen. Diese Me n- schen befinden sich gehäuft in Krankenhäusern und Pflegehei men. Aufgrund eines geschwächten Immunsystems dieser Personen ist das Risiko einer Infektion allgemein mit Keimen und insbesondere mit multiresistenten Keimen erhöht, zum Beispiel in der Lunge oder an der Haut. Wenn sie eine Infek- tion entwickeln, ist die B ehandlung deutlich erschwert, weil nur noch wenige Antibiotika wirken. Im schlimmsten Fall kann die Infektion daher lebensgefährlich verlaufen. Im Rahmen einiger aktueller Studien wurden multiresistente Keime in Gewässern, die sich über A b- wässer oder Mast betriebe in der Umwelt ausbreiten, nachgewiesen. Die Erreger aus der Umwelt können unter bestimmten Umständen zurück zu den Menschen gelangen und ihn besiedeln bzw. infizieren (Prof. Kuczius, UKM, 6.2.19). Resistente Bakterien treten gehäuft dort auf, wo intensiv Anti- biotika verwendet werden. Zunehmend werden multiresistente Bakterien auch bei der ambulant behandelten Bevölkerung iso- liert. Dies lässt verm uten, dass humanpathogene Erreger, die in die Umwelt gelangt sind , wieder auf den Menschen übertragen werden. Für die Durchführung der geplanten Wasseruntersuchungen konnte das Institut für Hygiene des Un i- versitätsklinikums Münster gewonnen werden. Gegenstand des Vertrags mit dem UKM sind 33 B e- probungen im Stadtbezirk Hiltrup mit mindestens 150 differenziert en mikrobiologischen Analysen bis zum 31.Juli 2019. Für die ersten Untersuchungen auf das Vorhandensein von MRGN und MRSA bieten sich Kranke n- hausabwässer und Oberflächenwasser an. Aufgrund der niedrigen Temperaturen in den Herbst - und Wintermonaten kann d iese erste Untersuchungsreihe jedoch nur einen ersten vergleichenden Ei n- druck liefern. Erfahrungsgemäß können in den kalten Monaten deutlich geringere Bakterienkeimza h- len als in den wärmeren Monaten nachgewiesen werden. In einem ersten Schritt wurden daher orientierend an zwei Entnahmestellen (Nr. 1 und 7 in der nac h- folgenden Tabelle) am 6.12.2018 und 19.2.2019 Proben entnommen. Diese zwei Probenahmestellen sollen exemplarisch die gewählten Wasserarten Oberflächengewässer (z. B. Emmerbach) und A b- wasser (z. B. Herz-Jesu-Krankenhaus) abbilden. Probenahmestellen (auf Anregung der BV Münster-Hiltrup): Lfd.-Nr. Probenahmeort Wasserart 1 Emmerbach Im Bereich des Zuflusses auf das Stadtgebiet (Bereich Davertstraße/ zum Klosterholz) Oberflächengewässer 2 Emmerbach Im Bereich Hiltrup-Ost nach Durchfluss der Kanalinsel südlich Paul- Klee-Weg Oberflächengewässer 3 Emmerbach In Höhe des Lailly-en-Val-Platzes in Amelsbüren Oberflächengewässer 4 Hiltruper See Im Bereich der Sandstrände im Südwesten und Osten Oberflächengewässer 5 Dortmund-Ems-Kanal (DEK) Im Bereich Freibad Hiltrup/ südlich der Kanalinsel Oberflächengewässer 6 Kannenbach Im Bereich Feuerstiege/ Wilbrenning Oberflächengewässer 7 Probenahme aus dem Abwasser des Herz-Jesu-Krankenhauses Abwasser - 3 - V/0300/2019 8 Probenahme aus dem Zufluss der Kläranlage auf der Kanalinsel in Hiltrup Abwasser 9 Probenahme aus dem gereinigten Abfluss der Kläranlage auf der Kanalinsel in Hiltrup Abwasser Erste Ergebnisse: Es wurden in beiden Proben erwartungsgemäß u.a. sog. coliforme Keime gefunden. Als coliforme Bakterien bezeichnet man gramnegative Bakterien, die u.a. über definierte säure - und gasebildende Eigenschaften verfügen. Dazu zählen unter anderem die Gattungen Citro- bacter, Enterobacter, Escherichia coli und Klebsiella. Sie stellen typische Darm - und Umwelt- keime dar. Sie gelten als Indikatororganismen für die sanitäre Qualität von Wasser. MRSA wurden nicht nachgewiesen. Die Probe „Oberflächengewässer Emmerbach“ ist sehr gering mit bakteriellen Keimen belas- tet. Vereinzelt konnten multiresistente Eigenschaften nachgewiesen werden. Das Krankenhausabwasser trägt eine deutlich höhere Bakterienlast. Die nachgewiesenen Bakterien weisen gehäuft multiresistente Eigenschaften (z.B. MRGN) auf. Es wurden insgesamt 50 Bakterienisolate bezüglich ihrer Antibiotika -Resistenzeigenschaften analysiert. Weitere Arbeitsschritte: In einem zweiten Schritt werden von Mai bis Juli 2019 in monatli chen Abständen an allen neun (s. Tab.) benannten Entnahmestellen Proben entnommen und untersucht. Nach den Untersuchungen im Sommer 2019 sollen die Ergebnisse bewertet und mit den Ergebnissen einer bundesweiten Studie (HyReKa) verglichen und diskutiert werden. Es handelt sich dabei um das vom Bundesministerium für B ildung und Forschung geförderte Verbundprojekt „Biologische bzw. h y- gienisch-medizinische Relevanz und Kontrolle Antibiotika -resistenter Krankheitserreger in klinischen, landwirtschaftlichen und kommunalen Abwässern und deren Bedeutung in Rohwässern“ , an dem neben Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Forschungsinstitutionen auch Wasserversorger, Wa s- serentsorger, Industriepartner und Behörden beteiligt sind. Um eine Vergleichbarkeit mit den H yReKa-Studienergebnissen sicherzu stellen, wurde in Münster dieselbe Probenahme und Untersuchungsmethodik angewandt. Die Untersuchungen in Münster kön- nen allerdings nur eine Momentaufnahme zu den genannten Zeitpunkten an den definierten Stellen darstellen. Weitergehende Aussagen z.B. über di e Verbreitungswege und über die konkreten Gefa h- ren für Anwohner, Lebewesen im Wasser u.a. können nicht getroffen werden. In Vertretung gez. Cornelia Wilkens Stadträtin Anlagen: Anlage 1 Antwort des Gesundheits- und Veterinäramtes zum Antrag „Multiresistente Keime im Grundwasser“ vom „Bündnis 90/Die Grünen/GAL“ vom 15.2.2018 und der Anfrage der Ratsfraktion „Die Linke.“ vom 18.2.2018 - 4 - V/0300/2019
Anlage 1 zur Vorlage V-0300-2019
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... Mein Zeichen (bitte angeben) Münster,11.03.2018 53.00.0001 Antrag „Multiresistente Keime im Grundwasser“ von Bündnis90/Die Grünen/GAL vom 15.02.2018 sowie Anfrage der Ratsfraktion „Die Li n- ke.“ vom 18.02.18 Sehr geehrte Damen und Herren, da die beiden o.g. Anfragen zum selben Themenkomplex nahezu zeitgleich eingegangen sind, werden sie von den Ämtern 66 (Tiefbauamt), 67 (Um- weltamt) und 53 (Gesundheits- und Veterinäramt) gemeinsam beantwortet: Wie hoch ist die Belastung der Münsteraner Oberflächengewässer mit multiresistenten Keimen? Wann hat diesbezüglich die letzte Messung stattgefunden und in we l- chen Zyklen werden diese Messungen wiederholt? Gibt es Erkenntnisse über das Vorkommen multiresistenter Keime im Stadtbezirk Münster-Hiltrup? Gibt es hierzu im Besonderen Erkenntnisse hinsichtlich des Vorko m- mens in der Landwirtschaft, Krankenhausabwässern oder Gew ässern des Bezirks? Bei der Stadtverwaltung liegen keine Ergebnisse über Messungen in Obe r- flächen- oder Grundwasser in Münster vor. Das münsteraner Trinkwasser wird regelmäßig beprobt und auf diverse Inhaltsstoffe einschließlich Verkeimung untersucht. In den letzten zwei Jah- ren gab es keine wesentlichen bakteriellen Auffälligkeiten. Bei nachgewi e- sener Verkeimung würde neben den dann sofort notw endigen Maßnahmen ( z.B. Spülung, Desinfektion ) auch eine Differenzierung auf multiresistente Erreger durchgeführt werden. Anlage zur Vorlage V/0300/2019 Stühmerweg 8 48147 Münster Ihr/e Ansprechpartner/-in: Herr Dr. Schulze Kalthoff Zimmer: 105 Telefon: 02 51 / 4 92-53 00 Gesundheitsamt@ stadt-muenster.de Stadt Münster · 48127 Münster Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL Münster Fraktionsvorsitzender Die Linke.Ratsfraktion Münster Fraktionsvorsitzender Stadt Münster Telefon: 02 51 / 4 92-0 Fax: 02 51 / 4 92-77 00 stadtverwaltung@ stadt-muenster.de www.stadt-muenster.de Service für Menschen mit Behinderung: www.stadt-muenster.de/ barrierefrei 2 Nach aktueller Auskunft des LANUV NRW (Dr. Dericks) gibt es bisher in NRW keine systematischen Un tersuchungsergebnisse zum Vorkommen von multiresistenten Keimen in Gewässern. Es gibt allerdings ein Forschungsprojekt (HyReKA) zu dem Thema: Biologische bzw. hygienisch-medizinische Relevanz und Kontrolle Antibioti- ka-resistenter Krankheitserreger in klin ischen, landwirtschaftlichen und kommunalen Abwässern und deren Bedeutung in Rohwässern. Der Ansprechpartner ist: Prof. Dr. Thomas Kistemann, Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit (IHPH), Universitätsklinikum Bonn, Sigmund - Freud Str. 25, 53105 Bonn Der Forschungsverbund HyReKA wurde ins Leben gerufen, um einen akt i- ven Beitrag zum umweltbezogenen Gesundheitsschutz der Bevölkerung zu leisten. Er setzt sich aus Forscherinnen und Forschern verschiedener Fach- richtungen (Medizin, Biolog ie, Geograf ie, In genieurwesen, Agrarwisse n- schaft, Lebensmitteltechnolog ie und Ernährungswissenschaft), kommun a- len Wasserwirtschaftsbetrieben und Industriepartnern zusammen. Folgende Ziele hat der Verbund sich gesetzt: Einträge von antibiotikaresistenten Bakterien, Antibiot ikaresistenzgenen und Antibiotikarückständen in die Umwelt, zum Beispiel durch Abwässer aus Krankenhäusern, kommunalen Abwässern oder auch Abwässern aus Tiermastbetrieben qualitativ und quantitativ zu untersuchen. Damit sollen Belastungssituationen und Ver breitungswege identifiziert und Risikopote n- tiale abgeschätzt werden können. Das Übertragungsrisiko aus dem Umweltbereich, aus der Landwirtschaft oder Tiermast zurück zum Menschen, im Kontakt mit kontaminiertem Wa s- ser oder Lebensmitteln zu charakterisieren. Die Rückverfolgbarkeit von antibiotikaresistenten Erregern und Resisten z- genen aus Abwässern auf deren Ursprungsorte im Sinne des „Microbial Source Tracking“ soll geprüft werden. Innovative technische Verfahren der Abwasseraufbereitung an Kläranlagen sollen die Verbreitungspfade dieser Erreger unterbrechen. Auf der Basis der Ergebnisse des HyReKA -Verbundprojekts werden letz t- lich Handlungsempfehlungen formuliert, die dazu dienen sollen, angepasste behördliche Regularien für die identifizierten Risikobereiche zu erstellen. Auf Basis der Ergebnisse soll die Bevölkerung vor der Ausbreitung aus der Umwelt stammender antibiotikaresistenter Erreger geschützt werden. Man erhofft sich weiterhin Einsparungen im Gesundheitswesen und einen Schutz der längerfristigen Wirksamkeit neuer Antibiotika. Weiterhin teilt das LANUV mit, dass das Umweltministerium NRW eine Landtagsvorlage zu der Thematik „Vorkommen von multiresistenten Krank- heitserregern“ vorbereitet habe, die im März in den Landtag eingebracht werde. Inhaltlich g ehe man davon aus, dass zunächst die Ergebnisse der HyReKa-Studie abgewartet werden sollten. Dieses Forschungsprogramm läuft bis zum Jahr 2019. Vorher werden keine eigenen Untersuchungen durch das LANUV durchgeführt bzw. veranlasst. Standardisierte Verfahr en für derartige Untersuchungen (in Gewässern) müssten zunächst entwickelt werden. Valide Ergebnisse aus dem Forschungsprogramm sind abzuwa r- 3 ten. Die Ergebnisse der von Journalisten in Niedersachsen veranlassten Probenahmen, seien nicht verlässlich genug. In einem Telefonat mit Herrn Prof. Exner vom IHPH der Universität Bonn wird zum Zwischenstand des Forschungsprojektes mitgeteilt: Es wurden in Untersuchungen Antibiotika -resistente Erreger in Gewässern und Abwä s- sern nachgewiesen. Besonders Kranke nhausabwässer zeigten dabei hohe Frachten an Carbapenem- und Colistin-resistenten Krankheitserregern. Die bisher durchgeführten Abwasserreinigungen in den Kläranlagen erre i- chen dabei lediglich Reduktionen um 2 log -Stufen. Die Ergebnisse der Un- tersuchungen werden auf der Essener Wasserwirtschafts-Tagung (14. – 16. März) und auf dem Kongress der DGKH (18. – 21.03.18) in Berlin vorg e- stellt. Es werde zurzeit eine neue Empfehlung der Kommission für Krankenhau s- hygiene und Infektionsprävention ausgearbeitet, die die Rein haltung von Krankenhausabwässern betreffen soll. Darüber hinaus sind nach Einschätzung von Prof. Exner langfristig spezif i- sche Maßnahmen im Trinkwasserbereich (z.B. bei Uferfiltration), bei natürli- chen Badegewässern und bei der Verrieselung von Wasser über Gem ü- se/Obst erforderlich. Im Stadtgebiet Münster befindet sich zurzeit kein natürliches Badegewässer gem. Badegewässerverordnung NRW. Die gesetzliche Grundlage zur S i- cherung und Überwachung der Qualität des Schwimm - und Badebecken- wasser ist das „Geset z zur Verhütung und Bekämpfung von Infektion s- krankheiten beim Menschen ”. Es legt fest: „Schwimm - und Badebecke n- wasser (…) muss so beschaffen sein, dass durch seinen Gebrauch eine Schädigung der menschlichen Gesundheit, insbesondere durch Kran k- heitserreger, nicht zu besorgen ist”. Das Gesundheitsamt ist gesetzlich ver- pflichtet, die Schwimm - und Badebecken einschließlich ihrer Aufbere i- tungsanlagen zu überwachen. Liegen Erkenntnisse über die Verwendung von Reserveantibiotika in der Human- und Tiermedizin vor? Reserveantibiotika sind spezielle Antibiotika, die nur bei Infektionen mit resistenten Erregern angewandt werden dürfen. Sie unterliegen einer strengen Indikationsstellung, da sie schwere Nebenwirkungen haben kö n- nen. Auch in der Tiermedizin werden Reserveantibiotika eingesetzt. Dieser Einsatz beschränkt sich auf die beiden Antibiotikagruppen der Cephalospo- rine und der Fluorchinolone. Während aus der Gruppe der Fluorchinolone mehrere Wirkstoffe in der Tiermedizin Verwendung finden, gibt es nur einen zugelassenen Wirkstoff aus der Gruppe der Cephalosporine. Genaue Angaben übe r die Entwicklung des mengenmäßigen Einsatzes in Münster von Antibiotika und speziell auch von Reserveantibiotika liegen der Abteilung Veterinär - und Lebensmittelangelegenheiten nicht vor. Es gibt allerdings Daten zu den Abgabemengen der Hersteller von Ant ibiotika an Tierärzte. Diese Daten können auf der Homepage des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eingesehen werden; www.bvl.bund.de/DE/05_Tierarzneimittel/01_Aufgaben/05_AntibiotikaResis tenz/Antibiotika_Resistenz_node.html. Bei der statistischen Erfassung we r- den die ersten beiden Ziffern der Postleitzahlen der Anschrift der Tierärzte verschlüsselt. Dadurch ist eine Zuordnung der abgegebenen Mengen zu Postleitzonen möglich. Beinahe die Hälfte der Gesamtwirkstoffmenge in 4 Deutschland wurde an Tierärzte in den Postleitbereichen 48 (80 Tonnen) und 49 (505 Tonnen) geliefert; Quelle: www.bvl.bund.de Bei der Auswertung der abgegebenen Mengen für die Jahre 2011-2014 fällt auf, dass die abgegebene Menge der Reserveantibiotikaklasse Fluorchino- lone von 8,2 Tonnen auf 12,3 Tonnen angestiegen ist. Besonderer Beachtung bedarf das Ant ibiotikum Colistin. Dieses Antibioti- kum wird vor allem in der Tiermedizin und hier überwiegend zur Behan d- lung von Darmerkr ankungen, aber auch von anderen Infektionen eing e- setzt. Im November 2015 wurde in der Resistenzforschung ein neuer M e- chanismus entdeckt, mit dem Bakterien die Eigenschaft der Colistin - Resistenz an ander e Bakterien weitergeben können. Diese wissenschaftli- che Erkenntnis hat dazu geführt, dass in der Öffentlichkeit sowohl über den Einsatz des Antibiotikums in der Nutztierhaltung als auch über die Ausbre i- tung von Resistenzen gegen Colistin diskutiert wird . Dies dürfte mit dazu beigetragen haben, dass die Abgabe mengen an Tierärzte und tierärztliche Hausapotheken von 127 Tonnen in 2011 auf 69 Tonnen in 2016 gesunken ist (Quelle: Bundesamt für Risikoforschung). Beim Menschen wird Colistin als ein besonders wichtiges Reserveantibiot i- kum eingesetzt. Es kommt nur bei lebensbedrohlichen Infektionen wie z.B. Pneumonie, Sepsis, Meningitis, Harnwegsinfektionen verursacht durch gramnegative Bakterien, besonders Pseudomonas und Acinetobacter zum Einsatz, wenn andere Antibiotika kontraindiziert oder nicht (mehr) wirksam sind. Resistente Erreger können aus Ställen beispielsweise über Gülle auf Felder und so in die Umwelt gelangen. Ein aktuell rückläufiger Antibiotikaverbrauch in der Tiermast spiegelt sich auch nach Einschätzung der zuständigen Veterinärabteilung in Münster in sinkenden betriebsbezogenen Kennzahlen über den Einsatz von Antibiotika in der 2014 eingeführten Tierarzneimitteldatenbank zur Erfassung des Anti- biotikaeinsatzes wieder. Im Rahmen der Überwachung von landwirtschaftl i- chen Betrieben werden Dokumentationsprüfungen über den Einsatz solcher Arzneimittel durchgeführt, um die ordnungsgemäße Anwendung sicherz u- stellen. Beim Einsatz insbesondere von Reserveantibiotika sind neben den arzne i- mittelrechtlichen Vorschriften auch die „Leitlinien für den sorgfältigen U m- gang mit antibakteriell wirksamen Tierarzneimitteln“ der Bundestierärzt e- kammer einzuhalten. Darin wird explizit auf die hohe Verantwortung beim Einsatz von Reserveantibiotika hingewiesen. Aus tierärztlicher Sicht kann nicht gänzlich auf den Einsatz dieser M ittel verzichtet werden, da es der Tierschutz gebietet, den Tieren bei nachgewiesener Indikation eine wir k- same Behandlung zukommen zu lassen. In der fachübergreifenden Disku s- sion befindet sich derzeit die Frage, ob zukünftig bestimmte Reserveant i- biotika nur der Behandlung von Menschen vorbehalten bleiben sollen. Wurden gegebenenfalls aufgrund der Messergebnisse Maßnahmen eingeleitet bzw. sind Maßnahmen geplant? Der Beitrag von Kläranlagen zur Verbreitung multiresistenter Keime in der aquatischen Umwelt ist bisher noch nicht abschließend untersucht und d a- her Gegenstand verschiedener Forschungsprojekte. Bisher werden daher bundesweit auf den Kläranlagen hierzu flächendeckend keine Maßnahmen getroffen. Die aktuell für die münsteraner Kläranlagen vorgesehenen M aß- nahmen sind derart gestaltet, dass bei Vorliegen belastbarer Erkenntnisse 5 und der gegebenen Erfordernis entsprechende Verfahrensstufen in den Behandlungsprozess integriert werden können. Das Thema multiresi stente Keime wurde vom Tiefbauamt bereits in der Vorlage V/0923/2017 aufgegrif- fen. In diesem Zusammenhang sind Messungen zur Existenz multiresiste n- ter Keime in den Abläufen der münsterschen Kläranlagen in Vorbereitung. Sind die vorhandenen Kläranlagen ausreichend ausgerüstet oder muss vor dem H intergrund des Gesundheitsschutzes nachgerüstet werden? Die münsterschen Kläranlagen sind bisher nicht zur Elimination multiresi s- tenter Keime ausgerüstet. In wie weit eine Nachrüstung erforderlich sein wird, kann aktuell noch nicht abschließend eingeschätz t werden, da der Beitrag von Kläranlagen zur Verbreitung multiresistenter Keime aktuell noch ungeklärt ist und Gegenstand verschiedener Forschungsprojekte ist. Welche Maßnahmen schlägt die Verwaltung für den Gesundheit s- schutz und zur Prävention gegenübe r multiresistenten Keimen vor bzw. praktiziert sie? Das Thema multiresi stente Keime wurde vom Tiefbauamt berei ts in der Vorlage V/0923/2017 aufgegriffen. In diesem Zusammenhang sind Me s- sungen zur Existenz multiresistenter Keime in den Abläufen der münster- schen Kläranlagen in Vorbereitung. In Abhängigkeit von den Ergebnissen in Verbindung mit den Ergebnissen der o. g. Forschungsprojekte wird das Tiefbauamt die Notwendigkeit von Maßnahmen prüfen und ggf. erforderl i- che Maßnahmen einleiten. Nach einer Neufassung des § 23 Abs. 4 Infektionsschutzgesetz besteht für Krankenhäuser und Einrichtungen des ambulanten Operierens die Ve r- pflichtung, eine kontinuierliche Überwachung des Antibiotika-Verbrauchs zu etablieren. Dies soll dazu beitragen, den Einsatz von Antibiotika zu optimie- ren und somit die Entwicklung und Ausbreitung von resistenten Erregern entgegenzuwirken (Quelle: Robert Koch-Institut). Das Gesundheits- und Veterinäramt setzt sich an verschiedenen Stellen mit Unterstützung des Landeszentrums Gesundheit und des LANUV NRW für eine rationale Antibiotikatherapie ein, die im Ergebnis zu einer Reduktion des Antibiotikaeinsatzes bei Mensch und Tier führen soll . Beispielsweise wird bei den gesetzlich vorgeschriebenen regelmäßigen Begehungen der münsteraner Kliniken seitens des Gesundheits- und Veterinäramtes darauf geachtet, dass sog. Antibiotic Stewardship-Teams gebil det werden, damit ein programmatisches, nachhaltiges Bemühen der Klinik um Verbesserung und Sicherstellung einer rationalen antiinfektiven Verord nungspraxis s i- chergestellt ist. Es werden darunter Maßnahmen verstanden, die die Quali- tät der antiinfektiven Behandlungen bezüglich Auswahl, Dosierung und Dauer sichern, um das beste klinische Behandlungsergebnis unter Beac h- tung einer minimalen Toxizität f ür den Patienten zu erreichen. Derartige Initiativen üben nachgewiesener Maßen einen günstigen Einfluss auf die Resistenz-, Kosten - und Verbrauchsent wicklung von Antibiotika in Kra n- kenhäusern aus. Damit kann die Entstehung von multiresistenten Keimen im Krankenhaus reduziert werden. Mit freundlichen Grüßen Im Auftrag Dr. Schulze Kalthoff
Anlage A
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Anlage A zur V/0300/2019 Kurzüberblick In einem Zwischenbericht werden die Ergebnisse einer Stichprobe der Belastung mit multiresis- tenten Keimen aus einem Oberflächengewässer und einem Krankenhausabwasser in Münster- Hiltrup in der kalten Jahreszeit vorgestellt und die weitere Arbeitsschritte angekündigt. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Mit der Untersuchung von multiresistenten Keimen in Gewässern im Stadtgebiet Münster-Hiltrup wird das ISM-Ziel „Wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens- und Erlebnisqualität weiterentwickeln“ mit dem Fokus der „hohen Umwelt- und Naturqualität“ verfolgt. Das Teilziel lautet: Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier durch unbedenkliche Oberflä- chengewässer. Zielerreichung: Von den geplanten Wasseruntersuchungen wurden zwei durchgeführt. Von Mai bis Juli 2019 werden in monatlichen Abständen an allen neun in der Vorlage benannten Entnah- mestellen Proben entnommen. Finanzierung Produktgruppe: 0701 Gesundheitsdienste Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja X Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja X Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan 2019 enthalten? X Ja Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan 2020 enthalten? Ja X Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja X Nein Bereits veranschlagt? X Ja Nein Das Institut für Hygiene der Universitätsklinik Münster erhält für die Beprobungen, Bewertungen und den Bericht eine maximale Vergütung von 9.996,00 Euro. Die Finanzierung erfolgt durch vorhande- ne Haushaltsmittel des Amtes 53. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig X überwiegend freiwillig vollständig frei- willig Infektionsschutzgesetz Ratsbeschluss vom 19.9.2018 Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration)
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (6)
- Stühmerweg 8
- Davertstraße
- Zum Klosterholz
- Paul-Klee-Weg
- Feuerstiege
- Wilbrenning
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Details
- Aktenzeichen
- V/0300/2019
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 22.03.2019
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37