AN/0592/2024
Aufstellung einer Luftmessstation im Ortsteil Merkenich
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Antrag nach § 3 (SPD BV6)
9387 Zeichen
SPD Fraktion BV 6 Bezirksrathaus Chorw eiler Pariser Platz 1 50765 Köln (Chorw eiler)
SPD Fraktion BV 6 Bezirksrathaus Chorw eiler Pariser Platz 1 50765 Köln (Chorw eiler)
Gleichlautend
Frau Oberbürgermeisterin
Henriette Reker
Herrn Bezirksbürgermeister
Reinhard Zöllner
Eingang beim Bezirksbürgermeister:
AN/0592/2024
Antrag gem. § 3 der Geschäftsordnung des Rates
Gremium Datum der Sitzung
Bezirksvertretung 6 (Chorweiler) 02.05.2024
Aufstellung einer Luftmessstation im Ortsteil Merkenich
Sehr geehrter Herr Bezirksbürgermeister ,
sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
wir bitten Sie, den folgenden Antrag auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung Chorweiler
zu setzen:
Die Bezirksvertretung Chorweiler möge beschließen:
Die Verwaltung wird damit beauftragt, im Ortsteil Merkenich eine Luftmessstation aufzustellen und z u betreiben.
Sollte eine stadteigene Messstation nicht infrage kommen, wird die Verwaltung damit beauftragt, bei den
zuständigen Landesbehörden (beispielsweise LANUV) darauf hinzuwirken, dass kurzfristig eine solche Messstation
realisiert wird.
Diese Messstation in Köln -Merkenich soll insbesondere folgende Luftschadstoffe erfassen:
Feinstaub (PM2.5)
Stickstoffdioxid (NO2)
Flüchtige organische Verbindungen (VOC)
Quecksilber (HG)
Benzo(a)pyren im PM2.5
PCB (polychlorierte Biphenyle)
Als geeigneter Aufstellungsort dafür wird das freie Gelände an der Causemannstraße nördlich der
Straßenbahnhaltestelle Merkenich -Mitte vorgeschlagen.
Begründung:
SPD Fraktion Stadtbezirk Köln-Chorweiler
22. April 2024
0221/221 96303 0221/221 96304 spd-bv6@stadt-koeln.de
SPD Fraktion BV 6 Bezirksrathaus Chorweiler Pariser Platz 1 50765 Köln (Chorw eiler
2
Neben Worringen ist insbesondere das im südöstlichen Teil unseres Stadtbezirks gelegene Me rkenich durch
Industriebetriebe stark belastet. Denn dieser südöstliche Teil unseres Stadtbezirkes und gleichzeitig der nördliche
Teil des Stadtbezirks Nippes sind Schwerpunkt der Industrieansiedlung in Köln und bedeutender Teil des
sogenannten Chemiegürte ls. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren dort viele neue Logistikbetriebe angesiedelt
wurden und werden. Das ist mit erheblichen (Luft -) Belastungen verbunden.
Der industrielle Schadstoffausstoß in Köln bewegt sich seit Jahren auf konstant hohem Niveau .1 Dies betrifft
besonders den Kölner Norden, denn hier befindet sich ein großer Teil der Industrieanlagen im Kölner Stadtgebiet.
Laut Luftreinhalteplan (Köln/Leverkusen) befinden sich im Umkreis des Ortsteils Köln -Merkenich fünf der vierzehn
größten Stic kstoffoxid -Emittenten der nach dem BImSchG genehmigungspflichtigen Anlagen der Industrie im
Stadtgebiet Köln und die acht größten Stickstoffoxid -Emittenten der nach dem BImSchG genehmigungspflichtige n
Anlagen der Industrie im Stadtgebiet Leverkusen. Das ma cht in der Summe 13 Anlagen.
Hinzu kommt die Belastung durch die Autobahn A1, die Industriestraße, den LKW -Verkehr der zahlreiche n
Logistikunternehmen, die Rheinschifffahrt und die Lage in der Einflugschneise des Flughafens Köln -Bonn.
Resultierend aus d iesen Belastungen ist die Einrichtung einer Luftmessstation in dem Ortsteil Köln -Merkenich
zwingend erforderlich . Derzeit werden die Messdaten für den Ortsteil bzw. den Stadtbezirk Chorweiler insgesamt
für die Hintergrundbelastung aufgenommen (hier: am öst lichen Ortsrand von Volkhoven/Weiler bzw. im Westen
(und somit im Anstrom der Luft aus der vorherrschenden Windrichtung West) der oben genannten Ballung von
Industrieanlagen.
Diese Karte 2 verdeutlicht die im EIEP
(European Industrial Emissions Portal)
registrierten Schadstoffemittenten in
Köln und im Umland. Deutlich wird eine
Ballung von Emittenten im Bereich
Köln-Merkenich, Köln - Worringen,
Leverkusen-Wiesdorf, Köln -Godorf und
Hürth-Knapsack. Ausgewiesen ist
zudem die Windverteilung, gemessen
an der Messstationen Chorweiler für
den Zeitraum 2010 –2019. 3 Die
tatsächliche Situation der
Schadstoffbelastung für die Wohn - und
Lebensbereiche in Köln -Merkenich wird
nur unzulänglich erfasst.
Anzumerken ist auch, dass die
Hintergrundmessdaten zum Sch utzgut
Luft für Köln -Merkenich bereits für
einen längeren Zeitraum nicht
aussagekräftig sind. Denn in den Jahren
2013 -2024 wurde die Autobahn A1 im
Bereich der Leverkusener Brücke durch
LKW nicht befahren und
Industrieemissionen waren in den
Jahren 2020 -2023 pandemiebedingt
reduziert. Folglich müssen für die tatsächliche Feststellung der Luftqualität im benannten Bereich, neben einer
räumlichen Anpassung, zwangsläufig Daten in aussagekräftigen Messzeiträumen erfasst werden, sprich ab 2024 mit
Öffnung der Au tobahnbrücke.
Gesundheitsrisiken durch Schadstoffemissionen
Stickstoffmonoxid; insbesondere Stickstoffdioxid
1 Quelle: Europäische Umweltagentur (EUA)/Correctiv.Europe
2 https://industry.eea.europa.eu/explore/explore-data-map/map
3 https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf57/windsysteme_rheintalwind_esv_2022.pdf
SPD Fraktion BV 6 Bezirksrathaus Chorweiler Pariser Platz 1 50765 Köln (Chorw eiler
3
Stickstoffdioxid wirkt schädlicher als Stickstoffmonoxid. Es ist ein ätzendes Reizgas, es schädigt unmittelbar das
Schleimhautgewebe im Atemtrakt. NO2 führt zu Entzündungsreaktionen in den Atemwegen. Folgen: bei hohen NO2 -
Konzentrationen erfolgen mehr Krankenhauseinweisungen durch Erkrankungen der Atemwege/Lunge sowie
Asthma, Herzinfarkte und Schlaganfälle. 4
Feinstaub, insbesondere PM 2,5
Die kleinere Korngröße PM 2,5 ist gefährlicher als PM 10, weil die kleinen Teilchen tiefer in die Atemwege eindringe n
können. Außerdem kann Ultra Feinstaub die sogenannte Blut -Hirn -Schranke im Gehirn überwinden und so direkt in
das Gehirn eindringen. Folge sind Entzündungsreaktionen; diese stehen im Verdacht Depressionen und auch
degenerative Hirnerkrankungen auszulösen.
Zudem lagern sich an der Oberfläche des Feinstaub gefährliche Stoffe wie Schwermetalle oder polyzyklische
aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) an. Letztere sind krebserzeugend. Insgesamt führt Feinstaub zu einer
erhöhten Sterblichkeit. Die Spitzenwerte der Feinstaubbelastung in der Außenluft treten an Orten auf, die entweder
durch ein hohes Verkehrsaufkommen - insbesondere bei hoher Bebauung i n so genannten Straßenschluchten - oder
industriell geprägt sind. Dies ist vor allem in städtischen Ballungsräumen und am Rande von Industriegebieten der
Fall. 5
Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe
Benzo(a)pyren ist ein Polyzyklischer Aromatischer Kohlenwasserstoff (PAK). Über die Atemluft aufgenommen wirkt
es krebserregend. In der Luft wird Benzo(a)pyren partikelgebunden bestimmt und gilt als Leitsubstanz für andere
PAKs. Viele der PAK, so auch deren bekanntes ter Vertreter das Benzo(a)pyren, sind krebserregend, wobei die
eigentlich schädlichen Substanzen die im Körper gebildeten Stoffwechselprodukte ( Metabolite ) sind. Bei Aufnahme
durch die Atmung wird vor allem die Lunge geschädigt. 6
Quecksilber
Quecksilber wird überwiegend durch Verbrennung fester Brennstoffe (Steinkohle, Braunkohle, Holz)freigesetzt. Es
gelangt über die Nahrung (insbesondere Fisch) in den menschlichen Körper und reichert sich dort an. Das ist
gefährlich, weil sich organische Quecksilberver bindungen mit dem Blutstrom im Organismus verteilen und in Gehirn
und Rückenmark anreichern können. Quecksilber ist neben den Schwermetallen Blei, Arsen und Cadmium einer der
10 chemischen Stoffe die eine gesundheitliche Bedrohung darstellen. In Europa ste llt die Verbrennung fester
Brennstoffe einer der größten Quellen für die Quecksilberverschmutzung dar. 7
PCB (polychlorierte Biphenyle)
Polychlorierte Biphenyle sind eine Gruppe von 209 verschiedenen Chemikalien, die eine gemeinsame Struktur
haben, sich ab er in der Anzahl der anhaftenden Chloratome unterscheiden. Die Internationale Agentur für
Krebsforschung und die Umweltschutzbehörde klassifizieren PCB als krebserzeugendes humanes Karzinogen. Das
Nationale Toxikologieprogramm kam zu dem Schluss, dass PCBs bei Menschen mit einigermaßen hoher
Wahrscheinlichkeit Krebs verursachen. Das National Institute for Occupational Safety and Health hat festgestellt,
dass PCB ein potenzielles Berufskarzinogen sind. Studien von PCBs beim Menschen haben erhöhte rates of
Melanome, Leberkrebs, Gallenblasenkrebs, Gallenwege Krebs, Magen -Darm-Trakt Krebs und Hirntumor gefunden,
und kann mit Brustkrebs verbunden sein. 8
Mit freundlichen Grüßen
Für die SPD-Fraktion
Inan Gökpinar Gerhard Wolff
Fraktionsvorsitzender Bezirksvertreter
4 https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/wie-wirken-sich-stickstoffoxide-auf-die-menschliche
5 https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/warum-ist-feinstaub-schaedlich-fuer-den-menschen
6 https://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftschadstoffe-im-ueberblick/benzoapyren-im-feinstaub
7 https://www.europeanscientist.com/de/gesundheit/wie-quecksilber-unsere-gesundheit-gefaehrdet/
8 https://www.umweltbundesamt.at/umweltthemen/luft/luftschadstoffe/pops/pcb
Sachstandsbericht BV
4134 Zeichen
Dezernat, Dienststelle
VIII/57
Vorlagen-Nummer
AN/0592/2024
Stand: 29.05.2024
Sachstandsbericht
Aufstellung einer Luftmessstation im Ortsteil Merkenich
Beschluss:
Die Bezirksvertretung Chorweiler beschließt, dass die
Verwaltung damit beauftragt wird, im Ortsteil Merkenich eine Luftmessstation aufzustellen und
zu betreiben. Sollte eine stadteigene Messstation nicht infrage kommen, wird die Verwaltung
damit beauftragt, bei den zuständigen Landesbehörden (beispielsweise LANUV) darauf hinzu-
wirken, dass kurzfristig eine solche Messstation realisiert wird.
Diese Messstation in Köln-Merkenich soll insbesondere folgende Luftschadstoffe erfassen:
Feinstaub (PM2.5)
Stickstoffdioxid (NO2)
Flüchtige organische Verbindungen (VOC)
Quecksilber (HG)
Benzo(a)pyren im PM2.5
PCB (polychlorierte Biphenyle)
Als geeigneter Aufstellungsort dafür wird das freie Gelände an der Causemannstraße nördlich
der Straßenbahnhaltestelle Merkenich-Mitte vorgeschlagen.
Status in Bearbeitung
erledigt
Aktueller Bearbeitungsstand:
Grundsätzlich ist die Überwachung der Luftqualität die Aufgabe der Länder. In Nordrhein-
Westfalen betreibt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW
ein landesweites Messnetz. Auf Kölner Stadtgebiet wird die Luftqualität aktuell mit insgesamt
dreizehn Passivsammlern und vier kontinuierlich betriebenen Messstationen überwacht. Damit
gehört die Stadt Köln zu den nordrhein-westfälischen Städten mit der höchsten Dichte an amt-
lichen Messungen. Die Messdaten sind auf der Internetseite des LANUV öffentlich einsehbar
und werden regelmäßig aktualisiert. (https://www.lanuv.nrw.de/umwelt/luft/immissionen)
Die Luftmessstation Köln-Chorweiler befindet sich in nur 3,5 km Luftlinie von Merkenich ent-
fernt und erfasst bereits seit über 40 Jahren Daten zu den Luftschadstoffen Stickstoffdioxid,
Ozon, Feinstaub PM10 und PM2,5, Benzo[a]pyren sowie Schwermetalle. Darüber hinaus wer-
den meteorologische Daten erfasst.
2
Des Weiteren befinden sich zwei weitere Luftmessstationen für Feinstaub, Stickoxide, Ozon,
Schwefeldioxid und Benzol auf Leverkusener Stadtgebiet nahe der Kölner Stadtgrenze. Für
Köln liegen somit in einer großen räumlichen Abdeckung Informationen zur Luftqualität vor.
Die Grenzwerte der 39. Bundesimmissionsschutzverordnung werden an allen Stationen deut-
lich eingehalten.
Die Stadtverwaltung beabsichtigt daher nicht, neben den Messungen des LANUV eigene
Messungen durchzuführen. Die Anschaffungskosten eines Messcontainers (60.000 Euro), der
Geräte zur kontinuierlichen Erfassung von PM10 und NO2 (70.000 Euro) plus Erfassung der
Meteorologie und Installation von Strom und Telefon (15.000 Euro) betragen 145.000 Euro.
Hinzu kommen jährliche Kosten für Betriebs-, Wartungs- und Personalkosten von weiteren
150.000 Euro. Das Geld steht in der Haushaltsplanung nicht zur Verfügung.
Es liegen zudem keine einzuhaltenden Immissionsgrenzwerte für flüchtige organische Verbin-
dungen (VOC), Quecksilber (HG), Benzo(a)pyren im PM2.5, PCB (polychlorierte Biphenyle) in
der Außenluft vor, die eine rechtliche Grundlage für die Einrichtung einer solchen Messstation
rechtfertigen. Daher entspricht die Einrichtung einer Luftmessstation mit der im Antrag gefor-
derten umfänglichen Ausstattung nicht den Anforderungen der 39. Bundesimmissionsschutz-
verordnung zur Durchführung des Bundesimmissionsschutzgesetzes.
Auf Nachfrage des Umwelt- und Verbraucherschutzamtes hat das LANUV mit Schreiben vom
12.12.2023 der Stadt Köln bereits mitgeteilt, dass einem Messwunsch in Köln-Merkenich nicht
entsprochen werden kann, da die umliegenden Stationen in Köln und Leverkusen Werte deut-
lich unterhalb der aktuell gültigen Grenzwerte messen und seit mehreren Jahren eine kontinu-
ierliche Abnahme der Luftschadstoffbelastung festzustellen ist.
Auch aus Sicht des Landesumweltamtes ist die Einrichtung einer weiteren Messstation daher
nicht zwingend erforderlich.
Nächste Schritte:
Keine
Der nächste Sachstandsbericht ist geplant für den:
Es ist kein weiterer Sachstandsbericht geplant.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AN/0592/2024
- Typ
- Antrag nach § 3 BV6 (SPD)
- Datum
- 22.04.2024
- Erstellt
- 16.04.2024 18:13