V/0548/2021
Strategien für den Übergang Schule-Beruf in Münster
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Berichtsvorlage
18754 Zeichen
V/0548/2021 V/0548/2021 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Strategien für den Übergang Schule-Beruf in Münster Beratungsfolge 31.08.2021 Ausschuss für Schule und Weiterbildung Bericht 07.09.2021 Ausschuss für Gleichstellung Bericht 08.09.2021 Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Verbraucherschutz und Ar- beitsförderung Bericht 15.09.2021 Integrationsrat Bericht 16.09.2021 Kommission zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Be- hinderungen Bericht 23.09.2021 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Bericht Einführung Bildung ist ein harter Standortfaktor. Die Zukunftsfähigkeit einer Kommune steht und fällt mit eine r attraktiven Bildungslandschaft, die eine gut ausgebaute, konzeptionell aufeinander bezogene und verlässlich ineinandergreifende Bildungsstruktur umfasst. Sie wird gesteuert durch planvoll agierende Netzwerke und ein professionelles Bildungsmonitoring. Ziel der Bildungslandschaften ist es, allen Menschen unabhängig von Alter, sozialem Status oder Herkunft Bildungsmöglichkeiten in formalen und informellen Kontexten zu eröffnen und damit zu mehr Chancengleichheit und Bildungsgerechtig- keit beizutragen. In der Praxis zeigt sich, dass viele Erwachsene ihren Lebensmittelpunkt dort wählen, wo sie interes- sante Bildungs - und Beschäftigungsmöglichkeiten, Freizeitangebote sowie ein geeignetes Wohn - umfeld finden. Für sie sind ein gutes Bildungs- und Betreuungsangebot, ein vielfältiges Schul- und Hochschulwesen und ein attraktiver Ausbil dungsmarkt mitentscheidend, zu bleiben oder zu gehen. Auch junge Erwachsene orientieren sich räumlich nach Chancen auf Qualifizierung, Arbeit sowie Kul- tur- und Sportevents. Und selbstverständlich wählen Firmen Standorte, an denen sie gut ausgebilde- tes Fach personal finden. Menschen, die soziale- und herkunftsbedingte Ungleichheiten erleben, er- öffnen Bildungslandschaften Möglichkeiten zur Entwicklung ihrer Potenziale. Und sie schaffen die Voraussetzungen, dass die vorhandenen Chancen auch wirklich wahrgenommen werden können. Amt für Schule und Weiterbildung 17.08.2021 Ihr/e Ansprechpartner/in: Frau Böcker Telefon: 492-4030 BoeckerGabriele@stadt- muenster.de - 2 - V/0548/2021 Die Stadt Münster verfügt bereits über ein breites Netz an formalen Bildungsorten wie Kitas, Schulen Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen. Informelles Lernen in der Familie, in Peergroups, Me- dien und Freizeit ist nicht direkt kom munal steuerbar. Gleichwohl ist die Gestaltung von anregenden Lernwelten und die Sensibilisierung für die Bedeutung informellen Lernens kommunales Handlungs- feld. Ein enges interkommunales wie rechtskreisübergreifendes Zusammenwirken verschiedenster Akteu- re/-innen ist vielerorts (z.B. Übergang Kita -Grundschule, Schulsozialarbeit, Bildung für nachhaltige Entwicklung) bereits Alltag. Gleichwohl bedarf es weiterer Aktivitäten zur Optimierung und Ausbau der münsterschen Bildungslandschaft, um die Teilhabe aller Menschen in Münster zu sichern. Kommunale Netzwerkmoderation und datenbasierte Steuerung sind auch im Übergang Schule-Beruf, für den die Stabsstelle Bildungsmanagement im Amt für Schule und Weiterbildung zuständig ist, mitt- lerweile grundlegend. Doch auch hier braucht es Verstetigung und Erweiterung der Arbeitsweisen. Mit dieser Berichtsvorlage legt die Verwaltung einen Leitfaden für die künftige Ausrichtung im Über- gang Schule-Beruf vor. Erörtert wird, welche Maßnahmen ergriffen werden oder angegangen werden sollten, um Jugendlichen in d ieser Stadt berufliche Orientierung und Unterstützung zu ermöglichen, damit sie sicher in Ausbildung, Studium oder unterstützende Übergangsangebote einmünden. Der Bericht startet mit einer kurzen Einführung zum Steuerungsinstrument Übergangsbericht (Anla- ge 1), geht über zu dem zentralen Instrument der beruflichen Orientierung für alle Schüler/-innen ab Klasse 8 , benennt ergänzende Unterstützungsmaßnahmen (Projektförderung und Stadtteilwerkstatt Nord) und wirft einen Blick auf die aktuellen Planungen zur Um setzung rechtskreisübergreifender Zusammenarbeit im Sinne einer Jugendberufsagentur. Der Bericht schließt mit Empfehlungen für den Übergangsbereich und seiner Einbettung in eine kommunale Gesamtstrategie im Bereich Bildung. Zu berücksichtigen ist, dass Kinder und Jugendliche pandemiebedingt über viele Monate in ihren Lernmöglichkeiten eingeschränkt waren. Durch geschlossene Schulen und zum Teil fehlende digitale Angebote oder digitale Ausstattung haben quasi alle jungen Menschen Bildungsbenachteiligung er- fahren. Besonders stark hat es aber diejenigen getroffen, die zuvor bereits wenig Chancen auf Teil- habe hatten. Möglichkeiten des informellen und non -formalen Lernens waren durch Kontaktbeschränkungen und Schließung von Sport - und Kulturangeboten ebenfalls kaum gegeben. Berufliche Orientierung an Schulen, in Betrieben sowie Angebote der Jugendberufshilfe konnten in der Regel nicht wie üblich umgesetzt werden. Bereits feststellbare Folgen der Pandemie auf den Übergang werden in diesem Bericht benannt. Eine vollumfängliche Folgeneinschätzung kann indes noch nicht geleistet werden. Über Aktivitäten, die an das Bundesprogramm „Aufholen nach Corona“ geknüpft sind, wird an dieser Stelle nicht berichtet. Ausgangslage – Ergebnisse des Übergangsberichts Der Übergangsbericht ist das zentrale Steuerungsinstrument im Übergang Schule-Beruf. Zum Schul- jahr 2019/2020 (Anlage 1) beschreibt er auf der Basis aktueller Daten und wissenschaftlicher Exper- tisen zentrale Herausforderungen und gibt systematische wie nachhaltige H andlungsempfehlungen für Münster. Künftig wird der Bericht alle zwei Jahre erscheinen. Zwei Aussagen sind wesentlich: Erstens besteht weiterhin hoher Unterstützungsbedarf für Jugendliche, die an betrieblichen Zugangs- barrieren scheitern und ihre beruflich en Wünsche nicht verwirklichen können. Besonders betroffen - 3 - V/0548/2021 sind Schüler/ -innen von Förder - und Hauptschulen, Jugendliche mit Migrationsvorgeschichte und mehr Jungen als Mädchen. Hier bedarf es auch weiterhin ein es abgestimmten Handelns von Schu- len, Kommune und Partnern/-innen. Rechtskreisübergreifende Beratungsformate wie die Perspektiv- klärung für Schüler/-innen der Abgangskassen sollten regelmäßig angeboten werden. Zweitens machen sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Ausbildungsjahr 2019/2020 deut- lich bemerkbar. Im Vergleich zum Vorjahr verringerte sich die Anzahl der gemeldeten Lehrstellen im Ausbildungsjahr 2019/2020 in Münster erheblich. Gleichzeitig sank die Zahl der gemeldeten Bewer- benden. Am Ende des Berichtsjahres sind erheblich mehr Bewerber/-innen unversorgt und auch mehr Ausbildungsstellen unbesetzt als im letzten Jahr. Eine verstärkte zielgruppenspezifische Unterstützung bei der Berufswahl, das Kennenlernen von ge- schlechtsuntypischen Berufsfeldern und die Ausrichtung von Angeboten auf betriebsähnliche Struktu- ren könnte dazu beitragen, dass mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. Kommunale Koordinierung – „Kein Abschluss ohne Anschluss (KAoA)“ Mit der Umsetzung des Landesvorhabens „Kein Abschluss ohne Anschluss (KAoA)“ gibt die Stadt Münster dem Prozess der Berufs- und Studienorientierung einen verbindlichen Rahmen. Die KAoA-Standardelemente werden an allen allgemeinbildenden Schulen ab der Jahrgangsstufe 8 umgesetzt und legen das Fundament für eine nachhaltige, geschlechter- und migrationssensible, sys- tematische Berufs- und Studienorientierung. Rund sechs Jahre nach ihrer landesweiten Einführung sind Potenzialanalysen, Berufs felderkundungen und (Langzeit -)Praktika feste Bestandteile jeder Schullaufbahn in der Sekundarstufe I und II. Die Kommunale Koordinierungsstelle im Amt für Schule und Weiterbildung ist verantwortlich für die Vernetzung der Akteure vor Ort. Sie sichert somit eine abgestimmte Zusammenarbeit ab und trägt aktiv zu einer Reduzierung von Doppelstrukturen im Übergang Schule-Beruf bei. Strategischer Ausbau der Netzwerkstrukturen Die bereits bestehenden Kooperationen zur Umsetzung der Standardelemente wurden von der Kommunalen Koordinierungsstelle um ein operatives Netzwerk erweitert. Hier arbeiten die Agentur für Arbeit, die Handwerkskammer Münster, die Industrie - und Handelskammer Nord Westfalen, die Kreishandwerkerschaft Münster, das Jobcenter der Stadt Münster und das Amt für Kinder, Jugendli- che und Familien sowie das Bildungsmanagement Bildung integriert zusammen auf Arbeitsebene an aktuellen Themen wie etwa dem Übergangsberich t, den rechtskreisübergreifenden Angeboten für Jugendliche, der Einführung einer Jugendberufsagentur. Das Netzwerk wird bei Bedarf um weitere Akteure und ihre Expertise erweitert ( z.B. Leitungen der Berufskollegs beim Thema „Übergänge nach der Sek I“). Auf Landesebene identifizieren die zuständigen KAoA-Ministerien Ministerium für Schule und Bildung (MSB) und Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) derzeit Ansätze und Maßnah- men, die zu einer Stärkung der Kommunalen Koordinierungsstellen beitragen sollen. Herausforderungen und Aktivitäten infolge der Pandemie Bedingt durch Corona fand die Berufsorientierung an Schulen unter erschwerten Bedingungen statt. Ein Großteil der Maßnahmen konnte nicht in der gewohnten Form durchgeführt bzw. wahrgenommen werden. Nicht immer gelang es im ersten Lockdown konkrete Ersatzangebote zu schaffen. - 4 - V/0548/2021 Im Jahresverlauf 2020 war die Koordinierung und Begleitung digitaler Alternativformate möglich, so dass zum Ende des aktuellen Schuljahrs zumindest alle Potenzialan alysen durchgeführt oder nach- geholt werden konnten. Nicht zu ersetzen waren im zurückliegenden Schuljahr die grundsätzlich vorgesehenen vielfältigen praktischen Erfahrungsmöglichkeiten in Betrieben. Weder Berufsfelderkundungen noch Praktika konnten in einem für die berufliche Orientierung ausreichendem Maß umgesetzt werden. Digitale Er- fahrungsmöglichkeiten wurden zwar von einigen Firmen vorgehalten, allerdings hatten insbesondere die „suchenden“ Branchen Einzelhandel, Gastronomie und Handwerk hierzu wenig Möglichkeiten. Umgekehrt konnten gerade schulisch schwächere Jugendlichen, die sich über Praktika Chancen auf einen Ausbildungsplatz erhofften, nicht zum Zuge kommen. Für die Schülerinnen und Schüler der Abgangsklassen Sek. I ohne Anschlussperspektive organisierte das Amt für Schule und Weiterbildung eine rechtskreisübergreifende Perspektivklärung kurz vor den Sommerferien. Eine weitere Veranstaltung für unversorgte berufsschulpflichtige Schülerinnen und Schüler fand nach den Sommerferien 2020 statt. Gemeinsam mit der Bezirksregierung Münster setz- te die Koordinierungsstelle eine rechtskreisübergreifende Beratung mit anschließender Vermittlung in einen Bildungsgang am BK, Ausbildung oder andere Perspektiven nach Schule (z.B. FSJ) um. Betei- ligt waren die Beru fsberatung der Agentur für Arbeit, die Ausbildungsberatung der Kammern sowie die Berufskollegs. Die in der Kommunalen Koordinierungsstelle zusätzlich eingerichteten Personalstellen werden durch das Land NRW (teilweise aus ESF-Mitteln) aktuell bis zum 31.12.2021 finanziert. Eine Fortsetzung für die Jahre 2022 und 2023 ist landesseitig geplant. Kommunale Projektförderung Übergang Schule - Beruf Mit der kommunalen Projektförderung Schule-Beruf unterstützt das Amt für Schule und Weiterbildung Projekte und Initiativen an Schulen oder bei freien Trägern der Jugendhilfe. Zielgruppe sind vorrangig benachteiligte junge Menschen, für die die Angebote des Landesvorhabens KAoA nicht ausreichend sind, um einen guten Anschluss nach der Schule zu finden. Die Förderkriterien und -bedingungen sehen vor, dass beantragte Projekte maximal drei Jahre bewil- ligt werden. Einige Angebote werden aber länger gefördert, insbesondere, weil keine anderen För- dermöglichkeiten zur Verfügung stehen (Subsidiarität), ein alternatives Projektangebot nicht vorhan- den ist und/oder Drittmittel damit akquiriert werden können. Eine detaillierte Übersicht über die Inhalte, Zielgruppen der geförderten Projekte bietet die Anlage 2. Die Fördersummen beziehen sich in der Regel auf zwei Haushaltsjahre, da die Projekte an Schuljah- re gebunden sind. Veränderungen am Arbeitsmarkt – Veränderung der Angebote Perspektivisch werden künftig in allen berufsorientierenden Angeboten geschlechtsuntypische Berufs- felder erprobt. Aktuell bieten zu viele (Werk-)Angebote keinen Anreiz des Hinterfragens und Auspro- bierens von interessanten Berufsbildern jenseits von traditionellen Rollenzuschreibungen. Mehr Beachtung muss auch eine erhöhte Anschlussfähigkeit der Angebote finden. Den Jugendlichen bieten sich nach niedrigschwelligen Angeboten en tweder weitere, ähnlich konzipierte Angebote und damit die Maßnahmeschleife oder Angebote, die im direkten Anschluss zu hochschwellig sind. Im Jahr 2020 standen insgesamt 354.000 € zur Verfügung. Als Entscheidungsgrundlage für die Mit- telvergabe sind mit Vorlage V/0765/2016 Kriterien festgelegt worden. Es besteht kein Rechtsan- - 5 - V/0548/2021 spruch auf einen Projektkostenzuschuss, sondern die Verwaltung entscheidet über die Mittelverwen- dung nach pflichtgemäßem Ermessen im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel. Die Auswertung der vergangenen Haushaltsjahre hat gezeigt, dass die Kosten für die beantragten Projekte stetig steigen. Dies liegt ganz überwiegend an den tariflichen Entwicklungen der Personal- kosten. Die zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel verbleiben dagegen seit Jahren unverändert. Bereits im laufenden Schuljahr mussten vielversprechende Angebote wie z. B. ergänzende Elternar- beit in der Berufsorientierung an den Schulen des Gemeinsamen Lernens oder individuelle Unterstüt- zungen in der Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarfen eingestellt werden. Stadtteilwerkstatt Nord Ursprünglich als Angebot für junge Menschen ohne Anschlussperspektive in Ausbildung und Arbeit aus Coerde angelegt, ist die Stadtteilwerkstatt Nord in den vergangenen Jahren zu einem Anker für eine heterogene Gruppe aus unversorgten Jugendlichen ohne Anschluss in Ausbildung und Schüle- rinnen und Schüler mit schulischen Problemen aus allen Stadtteilen Münsters geworden. Aufgrund der Pandemie und der z eitweisen Schließung der Stadtteilwerkstatt bzw. Reduzierung der Gruppengrößen zur Einhaltung von Hygiene- und Abstandsmaßnahmen konnten im Jahr 2020 nur 29 Jugendliche (23 m, 6 w) betreut werden. Im Vergleich zu den Vorjahren fällt die Anzahl der Teilneh- menden damit deutlich geringer aus (2018: 42; 2019: 41). Auch die Verweildauer der Jugendlichen spiegelt die Herausforderungen des vergangenen Jahres wider. Gerade bei dieser Zielgruppe ist eine Unterbrechung der Betreuung durch einen Lockdown besonders kritisch. So nehmen vier der aktuell 17 Teilnehmenden bereits seit 2019 das Angebot der Stadtteilwerkstatt Nord wahr. Aufgrund der Entwicklung der Pandemie ist zu erwarten, dass auch in diesem Jahr einige der Teilnehmenden einen weiteren Verbleib in der Maßna hme anstreben. Nicht zuletzt fehlen den Jugendlichen mittlerweile vier Monate der praktischen Erfahrung. In vielen Fällen konnte aufgrund der langen Abwesenheit bislang keine berufliche Perspektive erarbeitet werden. Aktuell liegen bereits viele Platzanfragen aus unterschiedlichen Schulen für das kommende Schuljahr vor. Die Rückmeldungen zeigen, dass vor allem in den Jahrgangstufen neun und zehn ein erhöhter Bedarf an alternativen Angebotsformen besteht. Bereits vor der Pandemie wurde aufgrund der ge- stiegenen Nachfrage die Platzzahl auf 23 erweitert. Für die ergänzende sozialpädagogische Betreu- ung wurde eine befristete 0,5 Stelle zuletzt bis zum 31.12.2021 eingerichtet. Die Verwaltung geht davon aus, dass sich die Nachfrage durch die Auswirkungen der Pandemie auf mittlere und längere Sicht abermals erhöhen wird. Jugendberufsagentur Ein zentrales Instrument, um den Beratungsdschungel für Jugendliche aufzulösen und Hilfe aus einer Hand anzubieten, ist die Einführung einer kontinuierlichen rechtskreisübergr eifenden Zusammenar- beit im Sinne einer Jugendberufsagentur. Aufgrund der Pandemie und ihrer Folgen ist der Beratungs- bedarf um ein Vielfaches gestiegen. Der Rat hat mit der Vorlage V/0981/2019 eine Jugendberufsagentur für Münster beschlossen. Eine Umsetzung ist aktuell nicht möglich, da Mittel zur Anmietung einer geeigneten Immobilie nicht zur Verfügung stehen. Die Verwaltung wird hierzu noch in diesem Jahr Vorschläge zum weiteren Vorge- hen machen. - 6 - V/0548/2021 Ausblick Bildung ist ein harter Standortfaktor. Zukunftsorientierte Kommunen ermöglichen allen Bürger/-innen attraktive Bildungslandschaften, ergo auch Jugendlichen im Übergang von der Schule in den Beruf. Der von der Kommune eingeschlagenen Weg der Vernetzung und datenbasierten Steuerung im Übergang Schule-Beruf ist richtungsweisend. Datenbasiertes Übergangsmanagement befördert die Entwicklung von erforderlichen und innovativen Bildungs - und Beratungsangeboten; ermöglicht die Überprüfung ihrer Wirksamkeit und vermeidet kostspielige Spätinterventionen. Da mit fügt sich der Übergang Schule-Beruf in die bereits bestehenden kommunalen Steuerungsstrukturen zukunftswei- sender Bildungslandschaften ein. Eine Absicherung des Bildungsmonitorings im Übergang Schule -Beruf ist grundlegend, um auch in den kommenden Jahren kommunale Steuerung im Übergang Schule-Beruf zu ermöglichen. Die Umsetzung einer rechtskreisübergreifenden Beratung und Begleitung für alle Jugendlichen in Münster ist ebenso schlüssig. Eine Jugendberufsagentur eröffnet Beratung aus einer Hand und er- möglicht dem Netzwerk der Partner/ -innen weitere Erkenntnisse zur Zielgruppe und wie diese im Übergang bestmöglich unterstützt werden kann. Ein weiterer logischer Folgeschritt und Absicht der Verwaltung ist die Überführung der Stabsstelle Bildungsmanagement in ein Bildungsbüro. Als Organisationseinheit soll das Bildungsbüro den Pro- zess des kommunalen Bildungsmanagements dauerhaft koordinieren und steuern. Mit Einrichtung eines Bildungsbüros könnte langfristig auch die Gründung eines regionalen Bildungsnetzwerkes und die Umsetzung von Regionalkonferenzen zum Themenfeld Bildung gewährleistet werden. Über diese festen Strukturen zur Bildungssteuerung verfügt Münster im Gegensatz zu vielen Kom- munen in Deutschland noch nicht. I. V. gez. Thomas Paal Stadtdirektor Unterschrift Anlagen: Anlage 1: Übergang Schule-Beruf: Daten aus Schule und Ausbildungsmarkt 2020 Anlage 2: Kommunale Projektförderung Schule-Beruf
Anlage 1
95236 Zeichen
Amt für Schule und Weiterbildung
Übergang Schule-Beruf: Daten aus
Schule und Ausbildungsmarkt 2020
Inhaltsverzeichnis – SEITE 03
EINLEITUNG ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 04
1. KAPITEL – DATENREPORT „SCHÜLER ONLINE“
Ergebnisse zum Übergang am Ende des Schuljahres 2019 / 2020 –––––––––––––––– 08
Übergänge des 10. Jahrgangs der Förderschulen ––––––––––––––––––––––––––––––– 12
Übergänge des 10. Jahrgangs der Hauptschulen ––––––––––––––––––––––––––––––– 14
Übergänge des 10. Jahrgangs der Realschulen ––––––––––––––––––––––––––––––––– 18
Übergänge des 9. Jahrgangs der Gymnasien ––––––––––––––––––––––––––––––––––– 20
Übergänge des 10. Jahrgangs der Sekundarschule ––––––––––––––––––––––––––––– 22
Übergänge des 10. Jahrgangs der Gesamtschulen ––––––––––––––––––––––––––––– 24
Vorzeitige Schulabgängerinnen und -abgänger –––––––––––––––––––––––––––––––– 26
Übergänge der Schülerinnen und Schüler mit
Migrationsvorgeschichte ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 28
Ergebnisse in Kurzform Teil 1 („Schüler Online“) –––––––––––––––––––––––––––––– 32
2. KAPITEL – DER DUALE AUSBILDUNGSSTELLENMARKT
IN DER STADT MÜNSTER
Daten aus den amtlichen Statistiken der Bundesagentur für Arbeit und IT.NRW –– 35
Die gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber aus Münster –––––––––––––––––––– 48
Geschlechtsspezifische Wahl der Ausbildungsberufe ––––––––––––––––––––––––––– 54
Ergebnisse in Kurzform Teil 2 (Ausbildungsmarkt) –––––––––––––––––––––––––––– 58
3. HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN –––––––––––––––––––––––––––––––––––– 60
INHALTSVERZEICHNIS
SEITE 04 – Einleitung Einleitung – SEITE 05
Gute Bildung und ein erfolgreicher Übergang in das Berufsleben sind entscheidende Faktoren für ge-
sellschaftliche Teilhabe und die persönliche Zukunft junger Menschen. Gleichzeitig sind gut orien-
tierte und ausgebildete Jugendliche das Fundament für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der
Unternehmen in der Region. Das Gelingen eines Übergangs hängt dabei von vielen Faktoren ab. Ein
wichtiges Erfolgskriterium ist eine frühzeitige, auf eigenen Erfahrungswerten beruhende, fundierte
Berufs- und Studienorientierung.
Um diese Orientierung und die individuellen Übergänge zu fördern, verantworten Land und Kommu-
nen gemeinsam die Gestaltung von Schule und Übergangssystem. Lokale Bildungslandschaften liefern
zentrale Beiträge für erfolgreiche Übergänge, indem auf kommunaler Ebene vielfältige Leistungen
zusammengeführt und Strategien gemeinsam abgestimmt werden. Handlungsleitend ist dabei das
Ziel, dass für alle Jugendlichen eine gute Basis für berufliche Partizipation und ein selbständiges Leben
geschaffen wird. Der vorliegende Bericht will daher Transparenz über das Übergangsgeschehen vor
Ort herstellen und zur Diskussion über notwendige Aktivitäten anregen.
Der erste Teil des vorliegenden Jahresberichtes nimmt die Übergänge der Schülerinnen und Schüler
(SuS) der Abgangsklassen der Sekundarstufe 1 aus Münster in den Blick. Indem die Übergänge sicht-
bar gemacht werden, können Verantwortliche und Kooperationspartner geeignete Handlungsschritte
besser miteinander abstimmen.
Der zweite Teil widmet sich dem dualen Ausbildungsmarkt in der Stadt Münster. Systematisch wer-
den Kennzahlen wie die Ausbildungsbetriebsquote, die Top 10 der gemeldeten Ausbildungsstellen
sowie die Chancen der Bewerberinnen und Bewerber erörtert. Im dritten Teil werden Handlungsemp-
fehlungen formuliert.
EINLEITUNG
SEITE 06 – Datenreport „Schüler Online“
Die Datengrundlagen für den ersten Teil des Jahresberichtes
stammen ausschließlich aus der internetbasierten Anwendung
„Schüler Online“. Schulen in Münster nutzen diese Plattform
seit dem Schuljahr 2009/2010 für Anmeldungen in die verschie-
denen Bildungsgänge an den weiterführenden Schulen oder
auch, um Übergänge in andere Anschlussmöglichkeiten, wie
etwa dem Freiwilligen Jahr, zu dokumentieren.
Berücksichtigt werden in dem nachstehenden Bericht primär die
Übergänge von Schülerinnen und Schülern der Abgangsklassen;
also in der Regel die Jahrgangsstufen 10. An den Gymnasien ist
die Abgangsklasse in der Sekundarstufe I die Jahrgangsstufe 9.
2654 Schülerinnen und Schüler zählt die amtliche Schulsta-
tistik im Schuljahr 2019/2020 in den Abgangsklassen in der
Stadt Münster. Im Vergleich erfasst „Schüler Online“ in diesem
Zeitraum insgesamt 2210 Schülerinnen und Schüler. Erklären
lässt sich diese Differenz dadurch, dass einige Schulen nicht an
„Schüler Online“ teilnehmen. Die Abbildung von über 2000
Übergängen ist jedoch hinreichend für den Erkenntnisgewinn
und das Ableiten von Handlungsempfehlungen.
SEITE 06 – 33
DATENREPORT
„SCHÜLER ONLINE“
1. KAPITEL
Datenreport „Schüler Online“ – SEITE 07
SEITE 08 – Datenreport „Schüler Online“ Übergänge des 10. Jahrgangs der Förderschulen – SEITE 09
VERBLEIB
DER SUS ALLER
SCHULFORMEN
SCHULFORM
DER SUS OHNE
ÜBERGANG
SCHUL-
ABSCHLÜSSE
DER SUS ALLER
SCHULORMEN
18
FÖRDERSCHULE
15
REALSCHULE
11
HAUPTSCHULE
12
SEKUNDARSCHULE
11
GESAMTSCHULE
Erwerb allg. Hochschulreife 1373
Ohne Übergang 67
Sonstiger Übergang 143
Wiederholer 4
Erwerb Fachhochschulreife 182
Berufsvorbereitung 143
Berufsausbildung 298
ERGEBNISSE ZUM ÜBERGANG
AM ENDE DES SCHULJAHRES
2019 / 2020
SEITE 08 – Datenreport „Schüler Online“ Ergebnisse zum Übergang am Ende des Schuljahres 2019 / 2020 – SEITE 09
GRAFIK 2 Nach Abschluss der Sekundarstufe I
strebt eine Mehrheit von 1373 Schülerinnen und
Schüler (62,13 %) die Allgemeine Hochschulreife
an. Weitere 182 Personen (8,24 %) möchten zu-
nächst die Fachhochschulreife erwerben.
Der Start in eine Berufsausbildung ist für 298
Personen (13,48 %) der nächste Schritt nach Besuch
der Schule. 143 Jugendliche (6,47 %) münden in
eine Berufsvorbereitung ein. Weitere 143 Jugend-
13 Ohne Abschluss
50 Förderschulabschluss LE / GB
29 Hauptschulabschluss Klasse 9
149 Hauptschulabschluss Klasse 10
316 Fachoberschulreife
530 Fachoberschulreife mit Qualifikation
1081 Versetzung Klasse 9
42 Sonstige / Fehlende Angaben
Gymnasium
liche (6,47 %) entscheiden sich für einen „Sonstigen
Übergang“ und damit für verschiedene Alternati-
ven wie Freiwilligendienste oder Auslandsaufent-
halte. Auch junge Frauen, die in den Mutterschutz
gehen, werden in dieser Kategorie erfasst.
Keine adäquate Anschlussperspektive (Kategorie
„Ohne Übergang“) haben 67 junge Menschen
nach der Abgangsklasse. Dies entspricht einem
Wert von 3,03 %.
GRAFIK 2 – Quelle: Schüler Online
GRAFIK 3 – Quelle: Schüler Online
verfügen über die Berechtigung zum
Besuch der gymnasialen Oberstufe.
72,90 %
GRAFIK 1 bildet die Schulabschlüsse von insgesamt 2210 Schüle-
rinnen und Schülern der Abgangsklassen ab. Da das Gymnasium
in Münster die am häufigsten gewählte Schulform ist, ist auch das
„Versetzungszeugnis der Klasse 9 Gymnasium“ mit 1081 Personen
(48,91 %) der am häufigsten dokumentierte Abschluss nach der
Sekundarstufe I.
530 Schülerinnen und Schüler (23,98 %) erreichen die Fachober-
schulreife mit Qualifikation. Somit verfügen über 1611 Personen
(72,90 %) über die Berechtigung zum Besuch der gymnasialen
Oberstufe. Lediglich 13 Jugendliche (0,59 %) erlangen im Schuljahr
2019/2020 keinen Schulabschluss. Unter dem Punkt „Sonstige /
Fehlende Angaben“ sind Personen zusammengefasst, deren Schul-
abschlüsse innerhalb „Schüler Online“ nicht dokumentiert sind.
GRAFIK 1 – Quelle: Schüler Online
Bei genauer Betrachtung dieser
Gruppe der Jugendlichen „ohne
Übergang“ (Grafik 3) zeigt sich, dass
hier zwar Schülerinnen und Schüler
verschiedener Schulformen vertreten
sind, insbesondere aber Schülerinnen
und Schüler der Förderschulen (18
Personen) ohne definierten Übergang
bleiben. Zu berücksichtigen ist jedoch,
dass die beteiligten SuS der Förder-
schulen nur 3,62 % der Gesamtsumme
aller dokumentierten Schülerinnen
und Schüler in Münster darstellen.
SEITE 10 – Datenreport „Schüler Online“ Ergebnisse zum Übergang am Ende des Schuljahres 2019 / 2020 – SEITE 11
GRAFIK 4 Die Übergangsquote (Grafik 4) gibt Auskunft darüber, wieviel Prozent der Schülerinnen und
Schüler eine Anschlussperspektive gefunden haben. Bei den unterschiedlichen Schulformen variiert
dieser Wert erheblich. Im Berichtsjahr haben von 1083 Jugendlichen 100 % den Übergang nach der Klasse
9 des Gymnasiums erfolgreich gestaltet. Im Vergleich dazu liegt der entsprechende Wert der Förderschu-
len bei 77,50 % (62 von 80 Personen). Insgesamt gelingt der Übergang in ein Anschlussangebot deutlich
häufiger bei Schülerinnen und Schülern der höheren Schulformen.
GRAFIK 5 Interessant ist auch die
Geschlechterverteilung innerhalb der
Gruppe der Personen ohne Übergang.
Grafik 5 veranschaulicht, dass männliche
Jugendliche häufiger ohne dokumentierten
Übergang die Schule verlassen als
weibliche Jugendliche.
ÜBERGANGS-
QUOTEN NACH
SCHULFORM
EINMÜNDUNG
IN DIE BERUFS-
AUSBILDUNG
NACH
SCHULFORM
EINMÜNDUNG
IN DIE BERUFS-
VORBEREITUNG
NACH SCHUL-
FORM
GESCHLECHTER-
VERTEILUNG
DER SUS OHNE
ÜBERGANG
GRAFIK 7 Der direkte Übergang in eine Berufs-
ausbildung ist insbesondere für Absolventinnen
und Absolventen der Sekundarschule sowie den
Haupt- und Förderschulen schwer zu bewältigen.
Stattdessen wechseln viele dieser Schülerinnen
und Schüler in die Berufsvorbereitung. Unter die-
sem Punkt werden in „Schüler Online“ berufsvor-
bereitende Bildungsgänge der Berufsfachschulen
und die Ausbildungsvorbereitung zusammenge-
fasst. Insgesamt entscheiden sich 143 Jugendliche
für diese Übergangsoption. Davon stammen 119
Personen (83,22 %) aus der Sekundarschule sowie
den Haupt- und Förderschulen. Für die Berufsvor-
bereitung entscheiden sich ferner 13 Schülerin-
nen und Schüler (9,09 %) der Realschulen, zehn
Jugendliche (6,99 %) aus Gesamtschulen und ein
Jugendlicher (0,70 %) der Gymnasien.
GRAFIK 6 Eine Berufsausbildung beginnen nach
Abschluss des dokumentierten Schuljahres 298
Jugendliche. Davon sind die Schülerinnen und
Schüler der Realschulen mit 170 Personen (57,05
%) die größte Gruppe. 51 Jugendliche (17,11 %)
stammen von der Hauptschule. Lediglich zwei
Personen (0,67 %) nehmen nach Ende der 9. Klasse
des Gymnasiums eine duale Ausbildung auf. Von
den Förderschulen gelingt es fünf Jugendlichen
(1,68 %) in eine Berufsausbildung einzumünden.
Weitere 52 Schülerinnen und Schüler (17,45
%) stammen aus den Gesamtschulen. Mit einer
Berufsausbildung starten auch 18 Personen der
Sekundarschule, die 6,04 % der Gesamtgruppe
darstellen.
Ein detailliertes Bild zu den Übergangsquoten der einzelnen Schulformen in Münster liefert die folgende
Abbildung:
74,23 %
77,50 % FÖRDERSCHULE
90,22 %
92,67 % HAUPTSCHULE
95,83 %
97,04 % REALSCHULE
99,70 %
100,00 % GYMNASIUM
88,06 %
84,62 % SEKUNDARSCHULE
97,57 %
96,44 % GESAMTSCHULE
2019
2020
GRAFIK 4 – Quelle: Schüler Online
GRAFIK 6 – Quelle: Schüler Online
GRAFIK 7 – Quelle: Schüler Online
GRAFIK 5 – Quelle: Schüler Online
4225
Realschule
170
Hauptschule
51
Gesamtschule
52
Sekundarschule
18
Förderschule
5
Gymnasium
2
Hauptschule
61
Förderschule
38
Sekundarschule
20
Realschule
13
Gesamtschule
10
Gymnasium
1
SEITE 12 – Datenreport „Schüler Online“ Übergänge des 10. Jahrgangs der Förderschulen – SEITE 13
SCHUL-
ABSCHLÜSSE
DES 10. JAHR-
GANGS DER
FÖRDER-
SCHULEN
VERBLEIB
DER SUS DER
KLASSE 10
DER FÖRDER-
SCHULEN
ÜBERGÄNGE DES
10. JAHRGANGS DER
FÖRDERSCHULEN
Der Übergang von der Schule in den Beruf ist insbesondere für viele Schülerinnen und Schüler der
Förderschulen eine große Herausforderung. Die Anforderungsprofile vieler moderner Ausbildungs-
berufe kann ein großer Teil der Jugendlichen von Förderschulen kaum erfüllen.
Drei Förderschulen haben im Schuljahr 2019/2020 Daten in „Schüler Online“ eingepflegt. Mit einer
Anzahl von insgesamt 80 Schülerinnen und Schülern handelt es sich im Vergleich mit den anderen
Schulformen um eine kleine Gruppe.
Die Förderschwerpunkte dieser Schulen gliedern sich wie folgt:
– Lernen (1 Schule)
– Sprache (1 Schule)
– Körperliche und motorische Entwicklung (1 Schule)
GRAFIK 9 41 Schulabgängerinnen und -abgänger (51,25 %) schließen die Förderschule mit dem Förder-
schulabschluss LE/GB ab. Weitere 12 Jugendliche (15,00 %) erwerben den Hauptschulabschluss Klasse
9. Insgesamt 13 Schülerinnen und Schüler erreichen den Hauptschulabschluss Klasse 10 (16,25 %). Vier
Jugendliche (5,00 %) verlassen die Förderschule mit der Fachoberschulreife, einer weiteren Person gelingt
der Abschluss „Fachoberschulreife mit Qualifikation“ (1,25 %). Fünf Jugendliche (6,25 %) bleiben ohne
Abschluss.
OHNE ABSCHLUSS 5
FÖRDERSCHULABSCHLUSS LE / GB 41
HAUPTSCHULABSCHLUSS KLASSE 9 12
HAUPTSCHULABSCHLUSS KLASSE 10 13
FACHOBERSCHULREIFE 4
FACHOBERSCHULREIFE MIT QUALIFIKATION 1
SONSTIGE 4
GRAFIK 9 – Quelle: Schüler Online
GRAFIK 8 – Quelle: Schüler Online
GRAFIK 8 Nur fünf Schülerinnen und Schüler (6,25 %) aus Förderschulen gelingt der direkte Übergang in
eine Berufsausbildung. Von diesen fünf Personen verfügen alle über einen schulischen Abschluss.
In die Berufsvorbereitung wechseln 38 Schülerinnen und Schüler (47,50 %). 18 Jugendliche (22,50 %) ver-
lassen die Förderschule ohne adäquaten Übergang.
Ohne Abschluss 0 1 0 0 0 4 0
Förderschulabschluss LE / GB 0 22 0 0 16 3 0
Hauptschulabschluss Klasse 9 1 10 0 0 0 1 0
Hauptschulabschluss Klasse 10 2 5 0 0 0 6 0
Fachoberschulreife 1 0 3 0 0 0 0
Fachoberschulreife mit Qualifikation 1 0 0 0 0 0 0
Sonstige / fehlende Angaben 0 0 0 0 0 4 0 Wiederholer
Berufsausbildung
Berufsvorbereitung
Erwerb Fachhochschulreife
Erwerb Allg. Hochschulreife
Sonstiger Übergang
Ohne Übergang
Herausfordernder Übergang:
22,50 % verlassen die Förderschule
ohne Anschlussangebot.
SEITE 14 – Datenreport „Schüler Online“ Übergänge des 10. Jahrgangs der Hauptschulen – SEITE 15
GRAFIK 10 – Quelle: Schüler Online
Ohne Abschluss 0 4 0 0 1 2 0
Förderschulabschluss LE / GB 0 1 0 0 0 0 0
Hauptschulabschluss Klasse 9 0 4 0 0 0 0 1
Hauptschulabschluss Klasse 10 38 48 0 0 1 4 0
Fachoberschulreife 9 2 10 0 0 3 0
Fachoberschulreife mit Qualifikation 4 0 5 3 0 1 0
Sonstige / fehlende Angaben 0 2 0 0 7 1 1 Wiederholer
Berufsausbildung
Berufsvorbereitung
Erwerb Fachhochschulreife
Erwerb Allg. Hochschulreife
Sonstiger Übergang
Ohne Übergang
OHNE ABSCHLUSS 7
FÖRDERSCHULABSCHLUSS LE / GB 1
HAUPTSCHULABSCHLUSS KLASSE 9 5
HAUPTSCHULABSCHLUSS KLASSE 10 91
FACHOBERSCHULREIFE 24
FACHOBERSCHULREIFE MIT QUALIFIKATION 13
SONSTIGE 11
ÜBERGÄNGE DES
10. JAHRGANGS DER
HAUPTSCHULEN
Auch die Hauptschulen in Münster verfolgen konsequent das Ziel, den Schülerinnen und Schülern
eine den jeweiligen Fähigkeiten entsprechende berufliche Perspektive zu eröffnen. Dabei vollzieht
sich die Lebens- und Berufswegplanung über die gesamte Schulzeit hinweg.
Im Schuljahr 2019/2020 wurden insgesamt 152 Schülerinnen und Schüler aus insgesamt fünf Haupt-
schulen erfasst. Die Verteilung der Schulabschlüsse gestaltete sich nach Beendigung des 10. Jahr-
gangs wie folgt:
SCHUL-
ABSCHLÜSSE
DES 10. JAHR-
GANGS DER
HAUPT-
SCHULEN
VERBLEIB
DER SUS DER
KLASSE 10
DER HAUPT-
SCHULEN
GRAFIK 11 Die Schülerinnen und Schüler verlassen die Hauptschulen mit ganz unterschiedlichen Ab-
schlüssen: Die meisten Jugendlichen (insgesamt 91) erwerben den Hauptschulabschluss Klasse 10 (59,87
%), 24 Personen die Fachoberschulreife (15,79 %). Weitere fünf Personen (3,29 %) verlassen die Schule mit
dem Hauptschulabschluss Klasse 9. 13 Schülerinnen und Schüler (8,55 %) erlangen die Fachoberschulreife
mit Qualifikation. Ein Jugendlicher (0,66 %) verlässt die Hauptschule mit dem Förderschulabschluss LE/GB.
Ohne Abschluss bleibt ein Anteil von 7 Schülerinnen und Schülern (4,61 %).
GRAFIK 11 – Quelle: Schüler Online
GRAFIK 10 Wie die Grafik zeigt, schaffen 51 Schülerinnen und Schüler (33,55 %) den direkten Sprung
in eine Berufsausbildung. Mehr Jugendliche (61 Personen / 40,13 %) wechseln jedoch nach der Haupt-
schule zunächst in die Berufsvorbereitung. Diese Möglichkeit des Übergangs wird von Schülerinnen und
Schülern mit Fachoberschulreife bzw. Fachoberschulreife mit Qualifikation hingegen wenig in Anspruch
genommen. Wer diese höherwertigen Abschlüsse erworben hat, strebt im Anschluss häufiger die Fach-
hochschulreife (insgesamt 15 Personen / 9,87 %) oder die Allgemeine Hochschulreife (drei Personen /
1,97 %) an. „Sonstige Übergänge“ werden von 5,92 % (9 Personen) der Gesamtgruppe wahrgenommen.
Problematisch zu betrachten sind die 7,24 % der Hauptschulabsolventen (11 Personen), welche ohne
Übergangsperspektive sind.
wechseln nach der Haupt-
schule zunächst in die Berufs-
vorbereitung.
40,13 %
Eine Berufsausbildung beginnen nach
Abschluss des dokumentierten Schul-
jahres 298 Jugendliche. Davon sind
die Schülerinnen und Schüler der Real-
schulen mit 170 Personen die größte
Gruppe.
Für Absolventen der Sekundarschule
sowie den Haupt- und Förderschulen
ist der direkte Übergang in eine Berufs-
ausbildung hingegen schwer zu be-
wältigen. Stattdessen wechseln viele
dieser Schülerinnen und Schüler zu-
nächst in die Berufsvorbereitung.
SEITE 18 – Datenreport „Schüler Online“ Übergänge des 10. Jahrgangs der Realschulen – SEITE 19
GRAFIK 12 – Quelle: Schüler Online
Ohne Abschluss 0 1 0 0 0 0 0
Förderschulabschluss LE / GB 0 2 0 0 0 0 0
Hauptschulabschluss Klasse 9 0 3 0 0 1 1 1
Hauptschulabschluss Klasse 10 5 2 0 0 0 0 0
Fachoberschulreife 96 5 62 0 38 2 0
Fachoberschulreife mit Qualifikation 68 0 46 108 46 6 0
Sonstige / fehlende Angaben 1 0 0 0 8 6 0 Wiederholer
Berufsausbildung
Berufsvorbereitung
Erwerb Fachhochschulreife
Erwerb Allg. Hochschulreife
Sonstiger Übergang
Ohne Übergang
ÜBERGÄNGE DES
10. JAHRGANGS DER
REALSCHULEN
Die Schülerinnen und Schüler der Realschulen in Münster erwerben neben der (erweiterten)
allgemeinen Bildung auch berufsorientierende Kompetenzen. Nach dem Abschluss der zehnten
Klasse können die Absolventen in eine berufliche Ausbildung oder in die Bildungsgänge der
Sekundarstufe II wechseln. Im Berichtsjahr wurden sechs Realschulen mit insgesamt 508
Schülerinnen und Schülern ausgewertet.
SCHUL-
ABSCHLÜSSE
DES 10. JAHR-
GANGS DER
REALSCHULEN
GRAFIK 13 Mehr als die Hälfte aller Abgängerinnen und Abgänger der Realschulen (274 Schülerinnen
und Schüler) erwirbt die Fachoberschulreife mit Qualifikationsvermerk. Somit erhalten 53,94 % die Be-
rechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe. Weitere 203 Jugendliche (39,96 %) schließen zum
Ende des zehnten Jahrgangs mit der Fachoberschulreife ohne Qualifikationsvermerk ab. Sieben Jugend-
liche (1,38 %) erlangen den Hauptschulabschluss Klasse 10, weitere sechs Personen (1,18 %) erhalten den
Hauptschulabschluss Klasse 9. Ohne Abschluss bleibt eine Person dieser Schulform.
VERBLEIB DER
SUS DER
KLASSE 10
DER REAL-
SCHULEN
OHNE ABSCHLUSS 1
FÖRDERSCHULABSCHLUSS LE / GB 2
HAUPTSCHULABSCHLUSS KLASSE 9 6
HAUPTSCHULABSCHLUSS KLASSE 10 7
FACHOBERSCHULREIFE 203
FACHOBERSCHULREIFE MIT QUALIFIKATION 274
SONSTIGE 15
GRAFIK 13 – Quelle: Schüler Online
GRAFIK 12 Für 170 Schülerinnen und Schüler (33,46 %) führt der direkte Weg in die Berufsausbildung.
Noch häufiger wechseln die Realschulabgängerinnen und -abgänger in Bildungsgänge der Sekundarstufe
II, um die Fachhochschulreife (108 Personen / 21,26 %) bzw. die Allgemeine Hochschulreife (ebenfalls
108 Personen / 21,26 %) zu erwerben. Weitere 93 Jugendliche (18,31 %) sind in die Kategorie „Sonstiger
Übergang“ einzuordnen. Der Sektor „Berufsvorbereitung“ spielt als Übergangsoption nur eine unterge-
ordnete Rolle; lediglich 13 Schülerinnen und Schüler (2,56 %) münden hier ein. 15 Jugendliche (2,95 %)
wissen am Ende des letzten Schuljahres an der Realschule nicht, wie es im Anschluss für sie weitergeht.
starten im Anschluss an die Realschule
mit einer Ausbildung.
33,46 %
SEITE 20 – Datenreport „Schüler Online“ Übergänge des 9. Jahrgangs der Gymnasien – SEITE 21
GRAFIK 14 – Quelle: Schüler Online
OHNE ABSCHLUSS 0
FÖRDERSCHULABSCHLUSS LE / GB 0
HAUPTSCHULABSCHLUSS KLASSE 9 0
HAUPTSCHULABSCHLUSS KLASSE 10 0
FACHOBERSCHULREIFE 0
FACHOBERSCHULREIFE MIT QUALIFIKATION 0
VERSETZUNGSZEUGNIS KLASSE 9 1081
SONSTIGE 2
GRAFIK 15 – Quelle: Schüler Online
ÜBERGÄNGE DES
9. JAHRGANGS DER
GYMNASIEN
Die Gymnasien ermöglichen Schülerinnen und Schülern den schnellsten Weg zum Abitur. In einem
durchgehenden Bildungsgang wird dieser Abschluss nach acht Jahren (G8) bzw. nach neun Jahren
(G9) erreicht. An dieser Schulform soll eine vertiefte allgemeine Bildung erworben werden, die zur
Aufnahme eines Hochschulstudiums befähigt und für eine berufliche Ausbildung qualifiziert. 11
Gymnasien beteiligen sich im Berichtsjahr an „Schüler Online“ und dokumentieren den Übergang
von insgesamt 1083 Schülerinnen und Schülern der Abgangsklasse 9.
SCHUL-
ABSCHLÜSSE
DES 9. JAHR-
GANGS DER
GYMNASIEN
GRAFIK 15 Nahezu alle Schülerinnen und Schüler (1081 Personen / 99,82 %) können am Ende des
9. Jahrgangs das entsprechende Versetzungszeugnis (Klasse 9) in den Händen halten.
GRAFIK 14 Mit dem Versetzungszeugnis am Ende der Jahrgangsstufe 9 treten 1077 Schülerinnen und
Schüler (99,45 %) in die gymnasiale Oberstufe ein. Alternativen, wie der Beginn einer Berufsausbildung
(zwei Personen / 0,18 %) sowie der Erwerb der Fachhochschulreife (weitere 2 Personen / 0,18 %), werden
nur von wenigen Jugendlichen wahrgenommen. Im Berichtsjahr wurden keine Schülerinnen und Schüler
„ohne Übergang“ dokumentiert.
VERBLEIB
DER SUS DER
KLASSE 9
DER GYMNASIEN
Berufsausbildung
2
Berufsvorbereitung
1
Erwerb Fachhochschulreife
2
Erwerb Allg. Hochschulreife
1077
Sonstiger Übergang
0
Ohne Übergang
Wiederholer
0
1
Zielstrebiger Übergang:
99,45 % treten in die
gymnasiale Oberstufe ein.
SEITE 22 – Datenreport „Schüler Online“ Übergänge des 10. Jahrgangs der Sekundarschule – SEITE 23
GRAFIK 16 – Quelle: Schüler Online
Ohne Abschluss 0 0 0 0 0 0 0
Förderschulabschluss LE / GB 0 3 0 0 0 0 0
Hauptschulabschluss Klasse 9 1 3 0 0 0 1 0
Hauptschulabschluss Klasse 10 8 14 0 0 0 2 0
Fachoberschulreife 7 0 16 0 0 3 0
Fachoberschulreife mit Qualifikation 2 0 3 9 0 2 0
Sonstige / fehlende Angaben 0 0 0 0 0 4 0 Wiederholer
Berufsausbildung
Berufsvorbereitung
Erwerb Fachhochschulreife
Erwerb Allg. Hochschulreife
Sonstiger Übergang
Ohne Übergang
OHNE ABSCHLUSS 0
FÖRDERSCHULABSCHLUSS LE / GB 3
HAUPTSCHULABSCHLUSS KLASSE 9 5
HAUPTSCHULABSCHLUSS KLASSE 10 24
FACHOBERSCHULREIFE 26
FACHOBERSCHULREIFE MIT QUALIFIKATION 16
SONSTIGE 4
GRAFIK 17 – Quelle: Schüler Online
ÜBERGÄNGE DES
10. JAHRGANGS DER
SEKUNDARSCHULE
Die Schulform Sekundarschule ergänzt seit dem 20. Oktober 2011 das Angebot der Sekundarstufe I
in Nordrhein-Westfalen. Die Sekundarschule hat die unterschiedlichen Lebens- und Berufsperspekti-
ven junger Menschen im Blick. Die Schülerinnen und Schüler werden sowohl auf eine berufliche Aus-
bildung als auch auf die Hochschulreife vorbereitet. Die Sekundarschule verfügt über keine eigene
Oberstufe. Sie bietet aber über die verbindliche Kooperation mit der Oberstufe von Gymnasium,
Gesamtschule oder Berufskolleg die Sicherheit einer planbaren Schullaufbahn bis zum Abitur.
Im vorliegenden Berichtsjahr wurden die Übergänge von 78 Schülerinnen und Schüler einer
Sekundarschule dokumentiert.
SCHUL-
ABSCHLÜSSE
DES 10. JAHR-
GANGS DER
SEKUNDAR-
SCHULE
VERBLEIB
DER SUS DER
KLASSE 10 DER
SEKUNDAR-
SCHULE
GRAFIK 16 18 Schülerinnen und Schülern (23,08 %) der Sekundarschule gelingt der Übergang in eine
Berufsausbildung. Noch mehr Jugendliche (20 Personen / 25,64 %) wechseln zunächst in die Berufsvor-
bereitung. Der Erwerb der Fachhochschulreife ist das Ziel von 19 Schülerinnen und Schülern (24,36 %).
Dagegen wird die Allgemeine Hochschulreife weniger angestrebt (9 Personen / 11,54 %). Ohne Über-
gangsoption bleiben weitere 12 Schülerinnen und Schüler (15,38 %).
GRAFIK 17 16 Schülerinnen und Schüler (20,51 %) verlassen die Sekundarschule mit der Fachober-
schulreife mit Qualifikationsvermerk. Am häufigsten wird hingegen die Fachoberschulreife ohne Quali-
fikationsvermerk erlangt. Insgesamt 26 Personen (33,33 %) erhalten diesen Schulabschluss. Weitere 24
Jugendliche (30,77 %) erwerben den Hauptschulabschluss nach Klasse 10. Fünf Jugendliche erreichen den
Hauptschulabschluss nach Klasse 9 (6,41 %). Am Ende des zehnten Jahrgangs der Sekundarschule können
drei Jugendliche (3,85 %) den Förderschulabschluss LE/GB vorweisen. Keine Person bleibt ohne Abschluss.
gelingt der Übergang in eine
Berufsausbildung
23,08 %
SEITE 24 – Datenreport „Schüler Online“ Übergänge des 10. Jahrgangs der Gesamtschulen – SEITE 25
GRAFIK 18 – Quelle: Schüler Online
Ohne Abschluss 0 0 0 0 0 0 0
Förderschulabschluss LE / GB 0 2 0 0 1 0 0
Hauptschulabschluss Klasse 9 0 1 0 0 0 0 0
Hauptschulabschluss Klasse 10 4 7 1 0 2 0 0
Fachoberschulreife 22 0 22 0 9 5 0
Fachoberschulreife mit Qualifikation 26 0 12 176 9 4 0
Sonstige / fehlende Angaben 0 0 0 0 4 2 0 Wiederholer
Berufsausbildung
Berufsvorbereitung
Erwerb Fachhochschulreife
Erwerb Allg. Hochschulreife
Sonstiger Übergang
Ohne Übergang
OHNE ABSCHLUSS 0
FÖRDERSCHULABSCHLUSS LE / GB 3
HAUPTSCHULABSCHLUSS KLASSE 9 1
HAUPTSCHULABSCHLUSS KLASSE 10 14
FACHOBERSCHULREIFE 59
FACHOBERSCHULREIFE MIT QUALIFIKATION 226
SONSTIGE 6
GRAFIK 19 – Quelle: Schüler Online
ÜBERGÄNGE DES
10. JAHRGANGS DER
GESAMTSCHULEN
Die Gesamtschulen sind Schulen des längeren gemeinsamen Lernens. Hier werden Kinder und
Jugendliche aller Leistungsstärken unterrichtet, die Laufbahnentscheidungen werden möglichst
lange offen gehalten. An dieser Schulform können alle Abschlüsse der Sekundarstufe I erreicht
werden, die auch an der Hauptschule, der Realschule und dem Gymnasium erworben werden. Im
vorliegenden Berichtsjahr werden die Übergänge von 309 Schülerinnen und Schüler aus drei
Gesamtschulen ausgewertet.
SCHUL-
ABSCHLÜSSE
DES 10. JAHR-
GANGS DER
GESAMT-
SCHULEN
VERBLEIB
DER SUS DER
KLASSE 10
DER GESAMT-
SCHULEN
GRAFIK 19 Die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler der Gesamtschulen erwirbt am Ende des
10. Jahrgangs die Fachoberschulreife mit Qualifikationsvermerk. So erhalten 226 Jugendliche (73,14 %)
die Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe. 59 Schülerinnen und Schüler (19,09 %)
erlangen die Fachoberschulreife, weitere 14 Personen (4,53 %) erreichen den Hauptschulabschluss
Klasse 10. Ein Jugendlicher (0,32 %) beendet die Klasse 10 mit dem Hauptschulabschluss Klasse 9.
Drei Personen (0,97 %) erzielen einen Förderschulabschluss.
GRAFIK 18 Nach der Klasse 10 beginnen 52 Schülerinnen und Schüler (16,83 %) der Gesamtschulen mit
einer Berufsausbildung. In die Berufsvorbereitung wechseln lediglich zehn Personen (3,24 %). Deutlich
häufiger entscheiden sich die Jugendlichen für den Erwerb der höheren Schulabschlüsse. Während die
Fachhochschulreife von 35 Schülerinnen und Schüler (11,33 %) angestrebt wird, ist die Allgemeine Hoch-
schulreife das Bildungsziel von 176 Personen (56,96 %). Einen „sonstigen Übergang“ (z.B. Freiwilliges Jahr,
Kinderbetreuung, Auslandsaufenthalte) wählen 25 (8,09 %) der Jugendlichen. Insgesamt 11 Schülerinnen
und Schüler (3,56 %) haben nach Beendigung des 10. Jahrgangs an der Gesamtschule noch keine An-
schlussoption gefunden.
SEITE 26 – Datenreport „Schüler Online“ Vorzeitige Schulabgängerinnen und -abgänger – SEITE 27
VERBLEIB DER
SUS, WELCHE
DIE SCHULE
VORZEITIG
VERLASSEN
HABEN
Hauptschule 6 39 12 14
Realschule 0 7 0 1
Gesamtschule 0 1 0 0
Förderschule 0 6 0 2
Sekundarschule 3 2 0 6
Berufsausbildung
Berufsvorbereitung
Sonstiger Übergang
Ohne Übergang
VORZEITIGE SCHUL-
ABGÄNGERINNEN UND
-ABGÄNGER
Im Schuljahr 2019/2020 verlassen insgesamt 99 Jugendliche der Sekundarstufe I (Jahrgang 5-9,
Gymnasium Jahrgang 5-8) die Schule vorzeitig. Für diese Jugendlichen werden nachstehende
Übergänge dokumentiert:
GRAFIK 20 Eine Berufsausbildung nehmen nur 9,09 % der Jugendlichen nach dem vorzeitigen Ver-
lassen der Schule auf. In absoluten Zahlen sind das 9 Personen. Die meisten Jugendlichen dieser
Gruppe münden in das Berufsvorbereitungssystem ein (55 Personen / 55,56 %). Unter der Kategorie
„Sonstige Übergänge“ können 12,12 % der betreffenden Schülerinnen und Schüler (12 Personen) zu-
sammengefasst werden. Kritisch zu betrachten ist die Zahl der Jugendlichen, die die Schule vorzeitig
und ohne Übergangsperspektive verlassen. Bei den vorzeitigen Abgängerinnen und Abgängern sind
dies 23 junge Menschen (23,23 %).
GRAFIK 20 – Quelle: Schüler Online
Vorzeitige Abgänge ohne Anschlussoption:
Häufiger bei Jugendlichen der Hauptschulen
und der Sekundarschule.
SEITE 28 – Datenreport „Schüler Online“ Übergänge der Schülerinnen und Schüler mit Migrationsvorgeschichte – SEITE 29
ÜBERGÄNGE DER SCHÜLERINNEN
UND SCHÜLER MIT MIGRATIONS-
VORGESCHICHTE
Junge Menschen mit Migrationsvorgeschichte sind häufiger als andere von Brüchen und Risiken im
Übergang von der Schule in den Beruf betroffen. Das gilt trotz positiver Entwicklung auf dem Arbeits-
markt und den Anstrengungen vieler Beteiligter. Dabei sind diese Schülerinnen und Schüler eine sehr
heterogene Gruppe hinsichtlich ihrer familiären Migrationsvorgeschichte, ihrer sozialen Herkunft
und ihren Bildungsvoraussetzungen.
Daher ist es sinnvoll und zielführend, den Blick auf diese jungen Menschen zu richten und ihre
Teilhabe an schulischer Bildung auf lokaler Ebene transparent darzustellen. Im Rahmen von
„Schüler Online“ hat ein junger Mensch eine Migrationsvorgeschichte, wenn mindestens eines
der folgenden drei Merkmale zutrifft:
– Der junge Mensch ist nicht in Deutschland geboren.
– Mindestens ein Elternteil ist nicht in Deutschland geboren.
– Die Verkehrssprache in der Familie ist nicht Deutsch.
In Münster trifft im Schuljahr 2019/2020 wenigstens eines der o.g. Merkmale auf 719 von 2210
Schülerinnen und Schülern zu. Das entspricht einem Anteil von 32,53 %. Folgende Schulabschlüsse
wurden innerhalb dieser Gruppe erzielt:
SCHUL-
ABSCHLÜSSE
DER SUS MIT
MIGRATIONS-
VORGESCHICHTE
GRAFIK 22 Am häufigsten erwerben Schülerinnen und Schüler mit Migrationsvorgeschichte das Ver-
setzungszeugnis der 9. Klasse des Gymnasiums (273 Personen / 37,97 %). 139 Jugendliche erlangen die
Fachoberschulreife mit Qualifikationsvermerk (19,33 %). Insgesamt verfügen somit über 57,30 % der
Jugendlichen mit Migrationsvorgeschichte über die Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Ober-
stufe. Weitere 147 Personen (20,45 %) erreichen die Fachoberschulreife. Ergänzend erzielen 94 Personen
(13,07 %) den Hauptschulabschluss Klasse 10, sowie 11 Personen (1,53 %) den Hauptschulabschluss Klas-
se 9. Während der Förderschulabschluss LE/GB mit 21 Personen (2,92 %) vertreten ist, verlassen lediglich
9 Personen (1,25 %) die Schule ohne Abschluss.
OHNE ABSCHLUSS 9
FÖRDERSCHULABSCHLUSS LE / GB 21
HAUPTSCHULABSCHLUSS KLASSE 9 11
HAUPTSCHULABSCHLUSS KLASSE 10 94
FACHOBERSCHULREIFE 147
FACHOBERSCHULREIFE MIT QUALIFIKATION 139
VERSETZUNGSZEUGNIS KLASSE 9 GYMNASIUM 273
SONSTIGE 25
GRAFIK 22 – Quelle: Schüler Online
VERBLEIB
DER SUS MIT
MIGRATION-
VORGESCHICHTE
GRAFIK 21 Ein Großteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationsvorgeschichte (344 Personen /
47,84 %) strebt die Allgemeine Hochschulreife an. Weitere 86 Personen (11,96 %) wechseln in einen
Bildungsgang, um die Fachhochschulreife zu erwerben. Während 88 Personen (12,24 %) in die Berufsvor-
bereitung einmünden, starten 131 Personen (18,22 %) mit einer Berufsausbildung. Von insgesamt 719
Schülerinnen und Schülern mit Migrationsvorgeschichte haben 29 Personen (4,03 %) nach Beendigung
der Abgangsklasse keine Anschlussperspektive.
131BERUFSAUSBILDUNG
88BERUFSVORBEREITUNG
86ERWERB FACHHOCHSCHULREIFE
344ERWERB ALLG. HOCHSCHULREIFE
39SONSTIGER ÜBERGANG
29OHNE ÜBERGANG
2WIEDERHOLER
GRAFIK 21 – Quelle: Schüler Online
SEITE 30 – Datenreport „Schüler Online“ Übergänge der Schülerinnen und Schüler mit Migrationsvorgeschichte – SEITE 31
GRAFIK 24 Festzuhalten ist, dass innerhalb der Gruppe der Jugendlichen mit Migrationsvorgeschichte
häufiger eine Berufsausbildung begonnen wird als in der Vergleichsgruppe. Ein deutlicher Unterschied
zeigt sich indes bei der Betrachtung des Übergangssystems: Mit 12,24 % münden anteilsmäßig deut-
lich mehr Schülerinnen und Schüler mit Migrationsvorgeschichte in die Berufsvorbereitung ein als die
Jugendlichen der Vergleichsgruppe (3,69 %). Während Schülerinnen und Schüler ohne Migrationsvorge-
schichte häufiger die Allgemeine Hochschulreife anstreben (69,01 % im Vergleich zu 47,84 %), entschei-
den sich die jungen Menschen mit Migrationsvorgeschichte öfter für den Erwerb der Fachhochschulreife
(11,96 % zu 6,44 %). Des Weiteren haben die Schülerinnen und Schüler mit Migrationsvorgeschichte
häufiger keine geeignete Übergangsperspektive. Der prozentuale Anteil in der Kategorie „Ohne Über-
gang“ beträgt hier 4,03 %. In der Vergleichsgruppe liegt der entsprechende Wert bei 2,55 %.
VERBLEIB
DER SUS MIT
MIGRATIONS-
VORGESCHICHTE
(PROZENTUAL)
SCHUL-
ABSCHLÜSSE
DER SUS MIT
MIGRATIONS-
VORGESCHICHTE
(PROZENTUAL)
GRAFIK 23 Die prozentuale Verteilung bei den Abschlüssen der Schülerinnen und Schüler mit Migra-
tionsvorgeschichte ist der nachfolgenden Grafik 23 zu entnehmen. Als Vergleichsmaßstab dient die
Gruppe der Jugendlichen ohne Migrationsvorgeschichte.
Beim Vergleich der beiden Schülergruppen fällt auf, dass die jungen Menschen mit Migrationsvorge-
schichte deutlich seltener in der Kategorie „Versetzung Klasse 9 Gymnasium“ vertreten sind. Während
37,97 % der Schülerinnen und Schüler mit Migrationsvorgeschichte diesen Abschluss erzielen, sind es in
der Vergleichsgruppe bereits 54,19 %.
Die Fachoberschulreife mit Qualifikation absolvieren 19,33 % der Jugendlichen mit Migrationsvorge-
schichte gegenüber 26,22 % aus der Vergleichsgruppe. Bei der Fachoberschulreife ohne Qualifikation
liegen die Werte bei 20,45 % (Schülerinnen und Schüler mit Migrationsvorgeschichte) und 11,33 %
(Vergleichsgruppe). Größere Differenzen bestehen auch hinsichtlich des Hauptschulabschlusses. So
erwerben 13,07 % aller jungen Menschen mit Migrationsvorgeschichte den „Hauptschulabschluss Klasse
10“. Bei den Schülerinnen und Schülern ohne Migrationsvorgeschichte sind es hingegen 3,69 %. Auch der
„Förderschulabschluss LE/GB“ wird von Jugendlichen mit Migrationsvorgeschichte öfter erworben (2,92 %
zu 1,95 % in der Vergleichsgruppe). Des Weiteren ist der Anteil der Schülerinnen und Schüler ohne Ab-
schluss innerhalb der Gruppe mit Migrationsvorgeschichte deutlich höher. Konkret betragen die Anteile
1,25 % im Vergleich zu 0,27 % bei jungen Menschen ohne Migrationsvorgeschichte. Marginale Unter-
schiede zeigen sich beim „Hauptschulabschluss Klasse 9“. Konkret sind es hier 1,53 % in der Gruppe der
Jugendlichen mit Migrationsvorgeschichte zu 1,21 % innerhalb der Vergleichsgruppe.
11,20 %
18,22 % BERUFSAUSBILDUNG
3,69 %
12,24 % BERUFSVORBEREITUNG
6,44 %
11,96 % ERWERB FACHHOCHSCHULREIFE
69,01 %
47,84 % ERWERB ALLG. HOCHSCHULREIFE
6,98 %
5,42 % SONSTIGER ÜBERGANG
2,55 %
0,13 %
4,03 %
0,28 %
OHNE ÜBERGANG
WIEDERHOLER
GRAFIK 23 – Quelle: Schüler Online
GRAFIK 24 – Quelle: Schüler Online
OHNE MIGRATIONSVORGESCHICHTE
MIT MIGRATIONSVORGESCHICHTE
0,27 %
1,25 % OHNE ABSCHLUSS
1,95 %
2,92 % FÖRDERSCHULABSCHLUSS LE / GB
1,21 %
1,53 % HAUPTSCHULABSCHLUSS KLASSE 9
3,69 %
13,07 % HAUPTSCHULABSCHLUSS KLASSE 10
11,33 %
20,45 % FACHOBERSCHULREIFE
26,22 %
19,33 %
37,97 %
3,48 %
FACHOBERSCHULREIFE MIT QUALIFIKATION
54,19 %
1,14 %
VERSETZUNGSZEUGNIS KLASSE 9 GYMNASIUM
SONSTIGE / FEHLENDE ANGABEN
Ergebnisse in Kurzform Teil 1 „Schüler Online“ – SEITE 33 SEITE 32 – Ergebnisse in Kurzform Teil 1 „Schüler Online“
ERGEBNISSE IN KURZFORM TEIL 1 „SCHÜLER ONLINE“
NAHEZU 97 % DER SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER MIT
ERFOLGREICHEM ÜBERGANG
2143 von 2210 Schülerinnen und Schülern haben zum Zeitpunkt der Datenerhebung eine
Anschlussperspektive. Das sind 96,97 % aller Schülerinnen und Schüler in Münster. Der Vor-
jahreswert liegt bei 96,07 %.
MEHR ALS JEDER ACHTE JUGENDLICHE STARTET DIREKT MIT
EINER BERUFSAUSBILDUNG
298 von 2210 Schülerinnen und Schülern (13,48 %) der Abgangsklassen entscheiden sich
für eine Berufsausbildung. Die meisten haben die Hauptschule oder Realschule abgeschlos-
sen. Der Vorjahreswert liegt bei 13,63 %.
VORZEITIGE ABGÄNGE OHNE ANSCHLUSSOPTION HÄUFIGER
BEI JUGENDLICHEN AUS HAUPTSCHULEN BZW. DER SEKUN-
DARSCHULE
Von insgesamt 23 vorzeitigen Abgängen ohne Übergang entfallen 20 (86,96%) auf
Jugendliche aus Hauptschulen bzw. der Sekundarschule.
JUGENDLICHE AUS SEKUNDAR-, HAUPT- UND FÖRDERSCHULEN
WECHSELN HÄUFIG DIREKT NACH DER SCHULE IN DIE BERUFS-
VORBEREITUNG
Es wechseln 21 Schülerinnen und Schüler (31,34%) der Sekundarschule, 34 Schülerinnen und
Schüler (35,05%) der Förderschulen sowie 93 Schülerinnen und Schüler der Hauptschulen
(41,33%) in die Berufsvorbereitung.
ÜBER 97 % DER SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER ABSOLVIEREN
MINDESTENS DEN HAUPTSCHULABSCHLUSS NACH KLASSE 9
ODER EINE HÖHERWERTIGE QUALIFIKATION
Weitere 2,26 % konnten zumindest den Förderschulabschluss LE/GB erwerben.
Lediglich 0,59 % der Gesamtgruppe blieb ohne Abschluss.
JUGENDLICHE MIT MIGRATIONSVORGESCHICHTE
BEGINNEN NACH DER SEKUNDARSTUFE I
HÄUFIGER EINE BERUFSAUSBILDUNG
18,22 % aller Schülerinnen und Schüler mit Migrationsvorgeschichte münden in eine
Berufsausbildung ein. In der Vergleichsgruppe liegt dieser Wert bei 11,20 %.
JUGENDLICHE MIT MIGRATIONSVORGESCHICHTE MÜNDEN
ÜBERPROPORTIONAL IN DIE BERUFSVORBEREITUNG EIN
12,24 % aller Schülerinnen und Schüler mit Migrationsvorgeschichte münden in die
Berufsvorbereitung ein. In der Vergleichsgruppe ist der entsprechende Wert deutlich
geringer. Dieser liegt bei 3,69 %.
ÜBER 62 % STREBEN DIE ALLGEMEINE
HOCHSCHULREIFE AN
Die Mehrheit aller Schülerinnen und Schüler (1373 Personen /
62,13 %) strebt nach Beendigung der Sekundarstufe I die Allgemeine
Hochschulreife an. Der Vorjahreswert liegt bei 56,51 %.
SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER AUS SEKUNDAR-,
HAUPT- UND FÖRDERSCHULEN HABEN BESONDERS HÄUFIG
KEINE ÜBERGANGSOPTION
12 Jugendliche (15,38 %) aus der Sekundarschule sowie 11 Jugendliche aus den
Hauptschulen (7,24 %) haben nach Verlassen der Schule noch keine Übergangsoption.
Bei den Förderschulen betrifft dies 18 Schülerinnen und Schüler (22,50 %).
JUGENDLICHE MIT MIGRATIONSVORGESCHICHTE
HABEN HÄUFIGER KEINE ANSCHLUSSPERSPEKTIVE
4,03 % aller Schülerinnen und Schüler mit Migrationsvorgeschichte haben keine
Anschlussperspektive. In der Vergleichsgruppe liegt dieser Wert bei 2,55 %.
MÄNNLICHE JUGENDLICHE SIND
HÄUFIGER OHNE ÜBERGANG
Konkret sind 25 Schülerinnen und 42 Schüler ohne Anschlussperspektive.
??
SEITE 34 – Der duale Ausbildungsstellenmarkt in der Stadt Münster Der duale Ausbildungsstellenmarkt in der Stadt Münster – SEITE 35
Zwei amtliche Statistiken dokumentieren die Entwicklung auf
dem Ausbildungsstellenmarkt in regelmäßigen Abständen:
die Bewerberstatistiken der Bundesagentur für Arbeit und die
Erhebungen der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im
Rahmen der Berufsbildungsstatistik (für das Land Nordrhein-
Westfalen durch IT.NRW).
Die Datengrundlagen zur Darstellung der Situation auf dem
Ausbildungsstellenmarkt haben sich in den vergangenen Jahren
mehrfach und unter verschiedenen Aspekten verändert. Die Er-
stellung von längeren Zeitreihen ist dadurch deutlich erschwert.
Zugleich hat sich die Aussagekraft der Statistiken, besonders im
regionalen Vergleich, erheblich verbessert.
Der vorliegende Bericht bezieht sich im Wesentlichen auf das
Ausbildungsjahr 2019/2020. Zur Analyse des Ausbildungsstel-
lenmarkts in der Stadt Münster werden insbesondere Gegen-
überstellungen zu anderen Regionen und Städten vorgenom-
men.
Die Unternehmen in Münster stehen vor dem Hintergrund des
demografischen Wandels zunehmend vor der Herausforderung,
hinreichend qualifiziertes Personal zu finden und an sich zu bin-
den. Fachkräftesicherung funktioniert nur durch ausreichende
Ausbildung von geeignetem Nachwuchs.
SEITE 34 – 59
DER DUALE
AUSBILDUNGS-
STELLENMARKT
IN DER
STADT MÜNSTER
2. KAPITEL
Daten aus den amtlichen Statistiken der Bundesagentur für Arbeit und IT.NRW – SEITE 37 SEITE 36 – Der duale Ausbildungsstellenmarkt in der Stadt Münster
DATEN AUS DEN AMTLICHEN
STATISTIKEN DER BUNDES-
AGENTUR FÜR ARBEIT UND
IT.NRW
Um die Ausbildungschancen der Jugendlichen auf dem Münsteraner Aus-
bildungsmarkt einschätzen zu können, ist zunächst ein überregionaler Blick
vorzunehmen.
RELATION
GEMELDETER
BERUFS-
AUSBILDUNGS-
STELLEN
JE BEWERBER / IN
DEUTLICH
MEHR AUS-
BILDUNGS-
STELLEN ALS
BEWERBER /
-INNEN
2019 / 2020
RELATION
GEMELDETE
BERUFS-
AUSBILDUNGS-
STELLEN JE
BEWERBER / -IN
AUSBILDUNGS-
JAHR 2019 / 2020
UNTERTEILUNG
NRW
1,48
BAYERN
1,12
BREMEN
0,99
SACHSEN
1,01
BRANDEN-
BURG
0,73
BERLIN
1,23
SACHSEN-ANHALT
1,10
SCHLESWIG-HOLSTEIN
1,38
THÜRINGEN
1,54
MECKLENBURG-
VORPOMMERN
1,22
HAMBURG
GRAFIK 26 Im Vergleich dazu
sieht die Situation im Münster-
land besser aus. Rechnerisch
übertrifft die Anzahl der freien
Ausbildungsstellen die Summe
der Ausbildungssuchenden
(Relation von 1,22).
GRAFIK 27 Dabei gibt es auch im
Münsterland das Phänomen des
„Mismatchings“ zwischen Angebot
und Nachfrage. Dies trägt dazu bei,
dass auch in Regionen mit hinrei-
chender Anzahl an Ausbildungs-
stellen sowohl unversorgte Bewer-
berinnen und Bewerber als auch
unbesetzte Ausbildungsstellen zu
verzeichnen sind.
Im Ausbildungsjahr 2019/2020
melden die Betriebe aus Münster
2012 Ausbildungsplätze der Bundes-
agentur für Arbeit. Diese treffen auf
1268 gemeldete Bewerberinnen
und Bewerber aus Münster. Mit
einer Relation von 1,59 gemelde-
ten Berufsausbildungsstellen pro
Bewerberin bzw. Bewerber kann die
Stadt Münster somit einen heraus-
ragenden Wert vorweisen.
GRAFIK 25 Nordrhein-Westfalen verzeichnet mit einer Relation von 0,96 einen deutlichen Bewerber-
überhang auf Ausbildungsstellen. Rechnerisch stehen im Berichtsjahr 100 gemeldeten Bewerberinnen
und Bewerbern 96 Ausbildungsplätze gegenüber.
Dabei zeigen sich große regionale Unterschiede in Nordrhein-Westfalen. Im Ruhrgebiet haben junge
Menschen deutlich schlechtere Chancen auf einen Ausbildungsplatz (Relation von 0,82). Im Vergleich
dazu sieht die Situation im Münsterland besser aus. Rechnerisch übertrifft die Anzahl der freien Ausbil-
dungsstellen die Summe der Ausbildungssuchenden (Relation von 1,22).
1,08
NIEDERSACHSEN
0,96
NORDRHEIN-
WESTFALEN
0,89
HESSEN
1,07
RHEINLAND-
PFALZ
1,34
SAARLAND
1,30
BADEN-
WÜRTTEMBERG
2.012
1.268
GRAFIK 25 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit
GRAFIK 27 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit GRAFIK 26 – Quelle: Statistik-Service der
Bundesagentur für Arbeit
1,34
1,22
0,98
0,91
0,83
0,82
SÜDWESTFALEN
MÜNSTERLAND
RHEINLAND
OSTWESTFALEN-LIPPE
BERGISCHES LAND
RUHRGEBIET
GEMELDETE BEWERBER / -INNEN
IN MÜNSTER
GEMELDETE AUSBILDUNGS-
STELLEN IN MÜNSTER
Daten aus den amtlichen Statistiken der Bundesagentur für Arbeit und IT.NRW – SEITE 39 SEITE 38 – Der duale Ausbildungsstellenmarkt in der Stadt Münster
GRAFIK 28 unterstreicht die guten Perspektiven für Bewerber und
Bewerberinnen auf dem Ausbildungsmarkt in Münster. Unter den
zehn größten Städten Nordrhein-Westfalens nimmt die Stadt Müns-
ter die Spitzenposition ein. Tatsächlich können die Unternehmen in
Münster ihre angebotenen Ausbildungsstellen nicht allein durch die
Nachfrage der lokalen Bewerberinnen und Bewerber besetzen.
GRAFIK 29 – 30 Der stabile Ausbildungsmarkt weckt das Interesse von jungen Menschen aus
dem Umland. Zum Stichtag 31.12.2019 werden insgesamt 2772 Auszubildende mit neu abge-
schlossenem Ausbildungsvertrag in Münster gezählt. Davon wird annähernd jeder zweite Vertrag
(44,4 %) von Bewerberinnen und Bewerbern mit auswärtigem Wohnsitz unterzeichnet. Lediglich
16,5 % der in Münster wohnenden Auszubildenden pendelt in die umliegenden Nachbarkreise.
1,59STADT MÜNSTER
1,32 STADT BONN
1,21 STADT KÖLN
1,15 STADT DÜSSELDORF
1,01 STADT DORTMUND
0,96 NRW GESAMT
0,94
0,91
0,89
0,78
0,73
STADT DUISBURG
STADT BOCHUM
STADT ESSEN
STADT BIELEFELD
STADT WUPPERTAL
RELATION
GEMELDETER
BERUFSAUS-
BILDUNGS-
STELLEN JE
BEWERBER / IN
2019 / 2020
STÄDTE NRW
MÜNSTER
IST EIN
EINPENDLER-
MAGNET
FÜR AUSZU-
BILDENDE
WENIGE AUS-
ZUBILDENDE
AUS MÜNSTER
PENDELN INS
UMLAND
GRAFIK 28 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit
GRAFIK 29 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit GRAFIK 30 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit
Ausbildungsstellen pro Bewerbenden.
Die hohe Attraktivität weckt das Interesse
junger Menschen aus dem Umland.
1,59
44,4 %
EINPENDLER
16,5 %
MÜNSTERANER MIT
AUSBILDUNGSSTELLE
IM UMLAND
55,6 %
MÜNSTERANER
83,5 %
AUSBILDUNGS-
STELLE
IN MÜNSTER
SEITE 40 – Datenreport „Schüler Online“ Übergänge des 10. Jahrgangs der Förderschulen – SEITE 41
GRAFIK 31 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit
GRAFIK 31 Die Wanderungsbewegungen sind auf die Ausbildungs-
marktsituation in den Nachbarkreisen zurückzuführen. Hier zeich-
nen sich deutliche Unterschiede ab:
RELATION
GEMELDETER
BERUFS-
AUSBILDUNGS-
STELLEN JE
BEWERBER / IN
1,09
KREIS STEINFURT
1,59
STADT
MÜNSTER
0,95
KREIS
WARENDORF
1,08
KREIS
COESFELD
GRAFIK 32 Im Ausbildungsjahr
2019/2020 gibt es zum Beispiel
im Kreis Warendorf mehr ge-
meldete Bewerberinnen und
Bewerber als gemeldete Aus-
bildungsstellen. Diese Situation
motiviert junge Menschen zu
einer überregionalen Recher-
che nach Ausbildungsplätzen.
Um im Einzelfall den Wunsch-
beruf erlernen zu können,
lohnt es sich, längere Anfahrts-
zeiten in Kauf zu nehmen. So
werden Interessierte für das
Tischlerhandwerk eher im
Kreis Warendorf fündig. In
dieser Sparte spielt die höhere
Anzahl an holzverarbeitenden
Betrieben eine Rolle. Der Aus-
bildungsmarkt der Stadt Müns-
ter ist hingegen stark durch
kaufmännische Berufe geprägt.
In der Top 10 der gemeldeten
Ausbildungsstellen finden sich
bereits sechs Berufsbezeich-
nungen mit kaufmännischem
Profil:
GRAFIK 32 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit
TOP 10 DER
GEMELDETEN
AUSBILDUNGS-
STELLEN
2019 / 2020
136
KAUFFRAU / -MANN BÜROMANAGEMENT
105
BANKKAUFFRAU / -MANN
96
MEDIZINISCHE / -R FACHANGESTELLTE / -R
77
KAUFFRAU / -MANN EINZELHANDEL
69
KAUFFRAU / -MANN VERSICHERUNG UND FINANZEN
65
ZAHNMEDIZINISCHE / -R FACHANGESTELLTE / -R
FACHKRAFT - LAGERLOGISTIK
KAUFFRAU / -MANN GROSS- UND AUSSENHANDEL
VERKÄUFER/IN
BACHELOR OF LAWS (FH)-VERWALTUNG
64
61
60
58
Daten aus den amtlichen Statistiken der Bundesagentur für Arbeit und IT.NRW – SEITE 43 SEITE 42 – Der duale Ausbildungsstellenmarkt in der Stadt Münster
HOLZVERARBEITUNG
RECHTSBERATUNG,
RECHTSSPRECHUNG
5
45
47
8
TOURISMUS UND SPORT
VERSICHERUNGS- UND
FINANZDIENSTLEISTUNGEN
11
146
30
25
VERKAUF (BEKLEIDUNG,
ELEKTRO, KFZ)
VERWALTUNG
13
172
29
38
LEBENSMITTEL-,
GENUSSMITTELHERSTELLUNG
3
21
6
4
VERANSTALTUNGS-, KAMERA-,
TONTECHNIK
VERKAUF VON DROGERIE-
WAREN / MEDIZINBEDARF
6
17
9
5
GEMELDETE
BEWERBER / -INNEN
AUS MÜNSTER
GEMELDETE
BEWERBER / -INNEN
AUS MÜNSTER
GEMELDETE
AUSBILDUNGS-
PLÄTZE
IN MÜNSTER
GEMELDETE
AUSBILDUNGS-
PLÄTZE
IN MÜNSTER
GRAFIK 35 In bestimmten Branchen ist die Anzahl der Mitbewerbenden groß und das Angebot an ver-
fügbaren Stellen nicht ausreichend. Gleichzeitig haben die Bewerberinnen und Bewerber aus Münster
mit zusätzlicher Konkurrenz aus den Nachbarkreisen zu rechnen.
Ein weiteres Phänomen sind die Berufsfelder mit Besetzungsproblemen. Hierbei handelt es sich um
Ausbildungsangebote in Branchen, die von den lokalen Bewerberinnen und Bewerbern nur wenig nach-
gefragt werden. In Münster sind dies besonders die Berufsfelder Verwaltung sowie Versicherung und
Finanzen. Die Arbeitgeber in diesen Branchen müssen verstärkt auf überregionale Bewerberinnen und
Bewerber zurückgreifen, um ihre Ausbildungsplätze besetzen zu können.
GRAFIK 33 Im Berichtsjahr
2019/2020 können von 2012
gemeldeten Ausbildungsstellen
über 91,60 % erfolgreich besetzt
werden.
Jedoch bleiben 169 von 2012
gemeldeten Ausbildungsstellen
unbesetzt (8,40 %). Im Vergleich
zu den beiden vorherigen Aus-
bildungsjahren ist dieser Wert
stark angestiegen.
GRAFIK 34 Obwohl das gesamte Angebot an Ausbildungsstellen die Anzahl an Bewerberinnen und Be-
werbern deutlich übersteigt, gibt es auch in Münster Berufsfelder mit Versorgungsproblemen. In diesen
Bereichen übersteigt das Interesse die verfügbaren Ausbildungskapazitäten:
BERUFS-
FELDER MIT
VERSORGUNS-
PROBLEMEN
UNBESETZTE
AUSBILDUNGS-
STELLEN IN
MÜNSTER
2019 / 2020
BERUFS-
FELDER MIT
BESETZUNGS-
PROBLEMEN
GRAFIK 34 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit GRAFIK 33 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit
GRAFIK 35 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit
MEDIEN-,
INFORMATIONSDIENSTE
1.843
BESETZTE
AUSBILDUNGSSTELLEN
169
UNBESETZTE
AUSBILDUNGSSTELLEN
Der Anteil der unbesetzten Ausbildungsstellen ist
im Vergleich zum Vorjahr von 3,34 % auf 8,40 %
deutlich gestiegen. Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit
Daten aus den amtlichen Statistiken der Bundesagentur für Arbeit und IT.NRW – SEITE 45 SEITE 44 – Der duale Ausbildungsstellenmarkt in der Stadt Münster
GRAFIK 36 Von Besetzungsproblemen besonders betroffen sind in 2019/2020 folgende Berufsfelder: GRAFIK 38 Betrachtet man die
schulische Vorbildung dieser
Auszubildenden, so ergibt sich
eine prozentuale Verteilung wie
folgt:
Mehr als die Hälfte der Auszubildenden (56,43 %) verfügt über die Berechtigung zum Besuch einer Hoch-
schule bzw. Fachhochschule. Dieses Niveau ist auch durch die entsprechende Anzahl an kaufmännischen
und informationstechnischen Ausbildungen in Münster zu erklären. In diesen Berufsfeldern werden ver-
mehrt höhere Schulabschlüsse von den Arbeitgebenden verlangt.
Personen mit niedrigen Schulabschlüssen sind kaum vertreten. Nur annähernd jeder achte Ausbildungs-
vertrag wird mit einer Person abgeschlossen, die über einen Hauptschulabschluss verfügt. Ohne Haupt-
schulabschluss ist es noch schwieriger eine Ausbildungsstelle zu erhalten. Rund eine von 32 Lehrstellen
wird an eine Person ohne Hauptschulabschluss vergeben.
Seit einigen Jahren sinkt in Deutschland die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe. Dieser Trend setzt
sich auch in der Stadt Münster fort. Während die Münsteraner Ausbildungsquote1 im Jahr 2010 noch
6,0 % betrug, sank sie sukzessiv auf einen Wert von 5,6 % im Jahr 2019. Im Detail befinden sich unter den
175.956 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten 9840 Personen in Ausbildung.
1 Die Ausbildungsquote bezeichnet den Anteil der zu ihrer Aus- und Weiterbildung
Beschäftigten an allen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten.
GRAFIK 37 2019 dokumentiert
die Berufsbildungsstatistik
2772 Ausbildungsverträge mit
Betrieben in Münster. Dabei
stammen die Auszubildenden
zum Teil aus dem Umland. Zu
berücksichtigen ist, dass nicht
alle Ausbildungsstellen und
Ausbildungsinteressierte der
Bundesagentur für Arbeit ge-
meldet werden.
77,8 %
KUNSTSTOFF-, KAUTSCHUK-
HERSTELLUNG
7 von 9 Lehrstellen 42,9 %
LEBENSMITTEL-, GENUSS-
MITTELHERSTELLUNG
9 von 21 Lehrstellen
40,0 %
MASCHINENBAU- UND
BETRIEBSTECHNIK
9 von 21 Lehrstellen
23,6 %
POST, ZUSTELLUNG,
GÜTERUMSCHLAG
21 von 89 Lehrstellen
GRAFIK 36 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für ArbeitGRAFIK 37 – Quelle: Berufsbildungsstatistik, IT NRW, Geschäftsbereich Statistik
GRAFIK 38 – Quelle: Berufsbildungsstatistik, IT NRW, Geschäftsbereich Statistik
BERUFSFELDER
MIT HOHEM
ANTEIL
UNBESETZTER
AUSBILDUNGS-
STELLEN
TOP TEN DER
AUSBILDUNGS-
VERTRÄGE MIT
BETRIEBEN
IN MÜNSTER
2019
165
1,73 %
3,14 %
56,43 % 13,08 %
25,62 %
KAUFFRAU / -MANN BÜROMANAGEMENT
NICHT ZUZUORDNENDER ABSCHLUSS
OHNE HAUPTSCHULABSCHLUSS
HOCH- UND
FACHHOCHSCHULREIFE HAUTPSCHULABSCHLUSS
FACHOBERSCHULREIFE
135
MEDIZINISCHE / -R FACHANGESTELLTE / -R
129
KAUFFRAU / -MANN EINZELHANDEL
123
KAUFFRAU / -MANN GROSS- UND AUSSENHANDEL
120
FACHINFORMATIKER / -IN ANWENDUNGSENTWICKLUNG
108
FACHINFORMATIKER / -IN SYSTEMINTEGRATION
ZAHNMEDIZINISCHE / -R FACHANGESTELLTE / -R
102
KAUFFRAU / -MANN VERSICHERUNG UND FINANZEN
99
INDUSTRIEKAUFMANN / -FRAU
87
KRAFTFAHRZEUGMECHATRONIKER / -IN
78
SCHULISCHE
VORBILDUNG
DER AUSZU-
BILDENDEN
MÜNSTER 2019
SEITE 46 – Datenreport „Schüler Online“
Daten aus den amtlichen Statistiken der Bundesagentur für Arbeit und IT.NRW – SEITE 47
GRAFIK 39 Ein weiterer Indikator für die verringerte Ausbildungsbeteiligung ist die Ausbildungsbetriebs-
quote2. Während dieser Wert von 2010 bis 2016 kontinuierlich fiel, kann der Abwärtstrend mittlerweile
aufgehalten werden.
Im Jahr 2019 bilden 2038 von 8170 Betrieben aus Münster aus. Dabei liegt die Ausbildungsbetriebsquote
in Münster mit 24,9 % vor dem NRW-Wert von 22,1 %.
2014
26,1 %
2015
25,6 %
2016
25,2 %
2017
24,8 %
2018
24,8 %
2019
24,9 %
GRAFIK 39 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit
AUSBILDUNGS-
BETRIEBSQUOTE
DER STADT
MÜNSTER
JEWEILS ZUM
31.12. EINES
JAHRES
1384
2446
1268
2012
AUSBILDUNGS-
JAHR 2019 / 2020
AUSBILDUNGS-
JAHR 2018 / 2019
GEMELDETE
BEWERBER / -INNEN
GEMELDETE
AUSBILDUNGS-
STELLEN
GRAFIK 40 In Münster lässt sich im Berichtsjahr ein deutliches Minus an gemeldeten Ausbildungsstellen
beobachten. So verringert sich deren Anzahl im Vergleich zum Vorjahr um 434 Plätze (-17,74 %). Gleich-
zeitig sinkt auch die Zahl der gemeldeten Bewerber und Bewerberinnen um 116 Personen (-8,38 %).
Trotz dieser Entwicklung gibt es im Ausbildungsjahr 2019/2020 deutlich mehr Ausbildungsstellen als
Bewerbende.
EIN MINUS AN
AUSBILDUNGS-
STELLEN,
GERINGFÜGIGER
RÜCKGANG AN
BEWERBENDEN
Die Entwicklung von Ausbildung und
Beschäftigung verläuft in Deutschland
diametral. Während der Arbeitsmarkt
immer neue Rekorde bei den Beschäftig-
tenzahlen verzeichnet, wird in Betrieben
immer weniger ausgebildet. Gleichzeitig
interessieren sich weniger Jugendliche
für eine Ausbildung.
2 Die Ausbildungsbetriebsquote misst den Anteil der Betriebe mit mindestens einem Auszubildenden
an allen Betrieben mit mindestens einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten.
GRAFIK 40 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit
Die gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber aus Münster – SEITE 49 SEITE 48 – Der duale Ausbildungsstellenmarkt in der Stadt Münster
DIE GEMELDETEN
BEWERBERINNEN UND
BEWERBER AUS MÜNSTER
GRAFIK 41 Bei den unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern handelt es sich um Personen, für die
weder die Einmündung in eine Berufsausbildung, noch ein weiterer Schulbesuch, eine Teilnahme an
einer Fördermaßnahme oder eine andere Alternative zum 30.09. bekannt ist und für die Vermittlungs-
bemühungen laufen. Im Ausbildungsjahr 2019/2020 trifft dies auf 108 gemeldete Bewerbende zu. Das
entspricht einer Quote von 8,52 % Unversorgter in Münster (Vorjahr: 4,77 %). Landesweit liegt der Anteil
unversorgter Bewerberinnen und Bewerber im gleichen Ausbildungsjahr bei 7,70 % (Vorjahr: 5,74 %).
GRAFIK 42 Zu den versorgten Bewerbenden rechnet die Bundesagentur für Arbeit zunächst alle
Personen, die im Laufe des Berichtsjahres eine Ausbildung beginnen. Auch Bewerberinnen und
Bewerber, die ohne Angabe von Gründen keine weitere aktive Hilfe mehr nachfragen, gelten als
versorgt. Hinzu kommen diejenigen, die weiter eine Ausbildung suchen, aber bereits eine Alternative
zum 30.09. gefunden haben. Der konkrete Verbleib der 1268 Bewerbenden ist wie folgt:
Insgesamt finden 564 der gemeldeten Bewerbenden eine Ausbildungsstelle. Bei 240 Personen hat die
Bundesagentur für Arbeit keine Kenntnisse hinsichtlich des Verbleibs, da sie ohne Angabe von Gründen
keine weitere Hilfe mehr nachfragen.
Zu berücksichtigen ist, dass auch zwei Perspektiven verfolgt werden können. So gibt es Bewerberinnen
und Bewerber, die sich sowohl für Studien- als auch Ausbildungsplätze interessieren.
Im Ausbildungsjahr 2019/2020 haben die gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber weiterhin gute
Chancen, in den regionalen Ausbildungsmarkt einzumünden. Ein Indiz ist das günstige Verhältnis
zwischen den angebotenen Stellen und der Nachfrage der Ausbildungsinteressierten. Dennoch gibt
es Personengruppen, die trotz positiver Ausgangslage nur schwer zu vermitteln sind. Dazu gehören
insbesondere ältere Bewerbende (Studienzweifler), Geflüchtete, schwerbehinderte Menschen und
Personen ohne Schulabschluss. Unter den sogenannten „unversorgten Bewerbern“ bilden diese
Gruppen stets einen hohen Anteil.
108
UNVERSORGTE
BEWERBER / INNEN
1160
VERSORGTE
BEWERBER / INNEN
UNVERSORGTE
BEWERBER /
-INNEN
AUSBILDUNGS-
JAHR 2019 / 2020
GRAFIK 41 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit
564
BERUFSAUSBILDUNG
240
EHEMALIGE BEWERBENDE OHNE VERBLEIBSANGABE
157
SCHULE, STUDIUM, PRAKTIKUM
145
ERWERBSTÄTIGKEIT
108
UNVERSORGTE
31
FÖRDERMASSNAHMEN
GEMEINNÜTZIGE DIENSTE
23
ART DES
VERBLEIBS DER
BEWERBENDEN
GRAFIK 42 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit
Die gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber aus Münster – SEITE 51 SEITE 50 – Der duale Ausbildungsstellenmarkt in der Stadt Münster
GRAFIK 43 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für ArbeitGRAFIK 44 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit
GRAFIK 45 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit
GRAFIK 43 Mit einem Anteil von 37,38 % sind Frauen in der Gesamtgruppe der Bewerbenden aus Münster
unterrepräsentiert. Dies entspricht dem landesweiten Trend. So registriert die Bundesagentur für Arbeit in
NRW einen Anteil von 37,94 % weiblicher Bewerbender. Diese Geschlechterdifferenz steht im Zusammen-
hang mit unterschiedlichen Berufswahlpräferenzen. Laut statistischem Bundesamt wählen junge Frauen
häufiger Berufe des Gesundheitswesens, die im Schulberufssystem ausgebildet werden. Untermauern
lassen sich diese Angaben anhand der jährlichen Erhebungen durch IT.NRW im Auftrag des Ministeriums
für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. So ist in der Erhebung von 2020 ein
Frauenanteil von 76,10 % an den Schulen des Gesundheitswesens in Münster dokumentiert.
GRAFIK 44 Von den 1268 ge-
meldeten Bewerberinnen und
Bewerbern aus Münster sind
592 Personen unter 20 Jahre alt.
Mit diesem Anteil von 46,69 %
hat die Stadt Münster deutlich
weniger junge Bewerbende
als im NRW-Durchschnitt. Hier
liegt der Referenzwert in der
Gruppe der „Unter 20-Jährigen“
bei 54,77 %. Weitere Unterschie-
de finden sich in der Gruppe
der Bewerbenden, die das 25.
Lebensjahr überschritten haben.
Während in NRW insgesamt
8,57 % zu dieser Kategorie zäh-
len, sind es in der Stadt Münster
bereits 15,30 %. Insbesondere
Studienabbrecherinnen und
Studienabbrecher erhöhen in
Münster die Anzahl der „Über
25-Jährigen“.
62,62 %
46,69 %
UNTER 20 JAHREN
38,01 %
20 – 24 JAHRE
15,30 %
25 JAHRE UND ÄLTER
37,38 %
GESCHLECHTER-
VERTEILUNG DER
BEWERBENDEN
ALTER DER
BEWERBENDEN
SCHUL-
ABSCHLUSS
DER
BEWERBENDEN
GRAFIK 45 Die Ausbildungsinteressierten in
Münster sind insgesamt älter, was im Zusammen-
hang mit höheren schulischen Qualifikationen
steht:
5,52 %
3,63 %
42,74 %
20,82 %
27,29 %
KEINE ANGABE
OHNE HAUPTSCHULABSCHLUSS
HOCH- UND
FACHHOCHSCHULREIFE
HAUTPSCHULABSCHLUSS
FACHOBERSCHULREIFE
Entspricht dem landesweiten Trend:
Frauen sind mit 37,38 % in der
Gruppe der Bewerbenden aus Münster
unterrepräsentiert.
Mit 42,74 % verfügen viele der Bewerbenden aus Münster über die Berechtigung zur Aufnahme eines
Studiums. In NRW können insgesamt 38,72 % der Ausbildungsinteressierten die Hoch- bzw. Fachhoch-
schulreife vorweisen.
Im landesweiten Vergleich fällt der Anteil der Bewerbenden mit Hauptschulabschluss aus Münster gering-
fügig größer aus. Hier beträgt die Größe 20,82 %, in NRW 19,96 %. Beachtenswert ist, dass 3,63 % aller
Bewerbenden aus Münster über keinen Hauptschulabschluss verfügen. Dies trifft landesweit auf lediglich
2,04 % der Gesamtgruppe zu.
SEITE 52 – Datenreport „Schüler Online“ Übergänge des 10. Jahrgangs der Förderschulen – SEITE 53
GRAFIK 46 Die Mehrzahl der Bewerberinnen und Bewerber aus
Münster stammt nicht aus Allgemeinbildenden Schulen. In die-
ser Kategorie beträgt die Größenordnung in Münster 37,07 %, im
Gegensatz zu 40,01 % des NRW-Benchmarks. In diesem Zusammen-
hang ist das hohe Bildungsangebot in Münster ein wichtiger Faktor.
Dies spiegelt sich auch im höheren Anteil an Ausbildungsinteressier-
ten wider, welche zuletzt eine Hochschule/Akademie besucht ha-
ben. Den 10,57 % aus Münster stehen hier 6,29 % in NRW gegenüber.
Diese Kategorie besteht überwiegend aus Studienabbrechenden
und Personen, die an der Fortsetzung ihres Studiums zweifeln.
GRAFIK 47 In Nordrhein-West-
falen haben im Berichtsjahr
über 7,45 % der gemeldeten
Bewerberinnen und Bewerber
einen Fluchtkontext. In der
Stadt Münster registrierte die
Bundesagentur für Arbeit einen
Wert von 16,11 % der Gesamt-
gruppe. Während in Nord-
rhein-Westfalen 34,37 % aller
Bewerbenden mit Fluchtkon-
text in eine Berufsausbildung
einmündeten, gelang dies in
Münster bereits 37,67 %.
GRAFIK 46 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit
GRAFIK 47 – Quelle: Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit
2,13 %
37,07 %
KEINE ANGABE
HOCHSCHULE / AKADEMIE
SONSTIGE SCHULE
ALLGEMEINBILDENDE
SCHULE
10,57 %
4,81 %
45,43 %
BERUFSBILDENDE
SCHULE
BESUCHTE
SCHULE DER
BEWERBENDEN
70 GEFLÜCHTETE
PERSONEN
HABEN EINEN
AUSBILDUNGS-
PLATZ
GEFUNDEN
102
SONSTIGR VERBLEIB
(MIT FLUCHTKONTEXT)
70
EINMÜNDENDE
(MIT FLUCHTKONTEXT)
GRAFIK 47 Von den 1268 gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern aus Münster haben 172 Personen
einen Fluchtkontext. Für diese Bewerbergruppe ist es besonders herausfordernd, erfolgreich in den Aus-
bildungsmarkt einzumünden. So stellen fehlende Sprachkenntnisse neben weiteren Vermittlungshemm-
nissen eine große Hürde dar. Dennoch finden im Berichtsjahr 70 Bewerbende mit Fluchtkontext eine
Ausbildungsstelle.
Geschlechtsspezifische Wahl der Ausbildungsberufe – SEITE 55 SEITE 54 – Der duale Ausbildungsstellenmarkt in der Stadt Münster
GESCHLECHTS-
SPEZIFISCHE WAHL DER
AUSBILDUNGSBERUFE
Nach wie vor existieren bei Jugendlichen geschlechtertypische Vorstellungen hinsichtlich ihrer
beruflichen Zukunft. So ist seit Jahren beobachtbar, dass in ausgewählten Berufen entweder
Frauen oder Männer in der klaren Mehrheit sind, weshalb man dann von Frauen- oder Männer-
berufen spricht. Dabei ist die Berufswahlentscheidung stets das Resultat vielfältiger, miteinander
verzahnter Einflussfaktoren. Die folgenden Daten aus der Berufsbildungsstatistik zeigen auf, dass
auch in Münster geschlechterspezifische Aspekte eine große Rolle bei der Berufswahl spielen.
GRAFIK 48 Die Auszubildenden unterteilen sich in 1587 (57,19 %) männliche und 1188 (42,81 %)
weibliche Personen. Damit ist der Anteil weiblicher Auszubildender etwas höher als der Vergleichswert
des Landes NRW (35,56 %).
1587 1188
GRAFIK 49 Dass die Berufswahl in Münster klassischen Rollenmustern folgt, lässt sich insbesondere an
den Berufsfeldern mit hoher Geschlechtersegregation dokumentieren:
Im Berufsfeld „Kraftfahrzeugmechatroniker/-in“ verzeichnet die Berufsbildungsstatistik keine abgeschlos-
senen Ausbildungsverträge durch weibliche Personen. Auch in den Ausbildungsberufen „Elektroniker/-in“
und „Anlagenmechaniker/-in“ ist der Frauenanteil sehr gering. Dagegen finden sich kaum männliche Aus-
zubildende im Gesundheitsbereich. Für die Ausbildung zum Kaufmann im Gesundheitswesen entscheiden
sich zumindest neun männliche Auszubildende. Das entspricht einem Anteil von 25 Prozent.
AUSBILDUNGS-
VERTRÄGE (2019)
MIT BETRIEBEN
IN MÜNSTER
(GESCHLECHTER-
VERTEILUNG)
GRAFIK 48 – Quelle: Berufsbildungsstatistik, IT NRW, Geschäftsbereich Statistik
GRAFIK 49 – Quelle: Berufsbildungsstatistik, IT NRW, Geschäftsbereich Statistik
78
ANLAGENMECHANIKER/-IN
FÜR SANIÄR-, HEIZUNGS- UND
KLIMATECHNIK
KRAFTFAHRZEUG-
MECHATRONIKER / -IN
ELEKTRONIKER / -IN ENERGIE-
UND GEBÄUDETECHNIK
MED.
FACHANGESTELLTE / -R
ZAHNMED.
FACHANGESTELLTE / -R
KAUFMANN/-FRAU IM
GESUNDHEITSWESEN
75
54
3
3
9
3
3
135
27
102
AUSBILDUNGS-
VERTRÄGE MIT
BETRIEBEN IN
MÜNSTER (2019)
BERUFSFELDER
MIT HOHER
GESCHLECHTERSE-
GREGATION
Das Geschlecht hat weiterhin erheblichen
Einfluss auf die Berufswahl. Berufsfelder
mit hoher Geschlechtersegregation sind
das Gesundheitswesen sowie die Bereiche
Elektronik und Informationstechnologie.
TOP TEN DER
AUSBILDUNGS-
VERTRÄGE MIT
BETRIEBEN IN
MÜNSTER (2019)
WEIBLICHE
AUSZU-
BILDENDE
TOP TEN DER
AUSBILDUNGS-
VERTRÄGE MIT
BETRIEBEN IN
MÜNSTER (2019)
MÄNNLICHE
AUSZUBILDENDE
GRAFIK 50– Quelle: Berufsbildungsstatistik, IT NRW, Geschäftsbereich Statistik
GRAFIK 51– Quelle: Berufsbildungsstatistik, IT NRW, Geschäftsbereich Statistik
105
FACHINFORMATIKER FR SYSTEMINTEGRATION
96
FACHINFORMATIKER FR ANWENDUNGSENTWICKLUNG
81
KAUFMANN IM GROSS- UND AUSSENHANDEL
78
KRAFTFAHRZEUGMECHATRONIKER
75
ELEKTRONIKER FR ENERGIE- UND GEBÄUDETECHINK
66
KAUFMANN IM EINZELHANDEL
ANLAGENMECHANIKER (SANITÄR / HEIZUNG / KLIMA)
54
INDUSTRIEKAUFMANN
48
KAUFMANN FÜR VERSICHERUNGEN UND FINANZEN
45
KOCH
45
135
MED. FACHANGESTELLTE
102
102
63
57
45
39
36
33
30
ZAHNMED. FACHANGESTELLTE
KAUFFRAU FÜR BÜROMANAGEMENT
KAUFFRAU IM EINZELHANDEL
KAUFFRAU FÜR VERSICHERUNGEN UND FINANZEN FR VERSICHERUNG
KAUFFRAU IM GROSS- UND AUSSENHANDEL FR GROSSHANDEL
INDUSTRIEKAUFFRAU
FRISEURIN
BANKKAUFFRAU
VERKÄUFERIN
GRAFIK 51 Die männlichen Auszubildenden zeigen überwiegend ein anderes Berufswahlverhalten (Gra-
fik 26). Zwar sind auch hier insgesamt vier kaufmännische Berufe enthalten, das Berufsbild Gesundheit ist
in den „Top Ten“ der männlichen Auszubildenden jedoch nicht vertreten. Stattdessen dominieren Aus-
bildungen im Bereich der Informationstechnologie wie der „Fachinformatiker für Anwendungsentwick-
lung“ (105 Personen) bzw. der „Fachinformatiker für Systemintegration“ (96 Personen). Folgende weitere
Ausbildungsberufe sind innerhalb der Gesamtgruppe häufig vorhanden: „Kraftfahrzeugmechatroniker“
(78 Personen), „Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik“ (54 Personen) und „Koch“
(45 Personen).
GRAFIK 50 Ein Blick über die konkreten Berufswahlpräferenzen der weiblichen Auszubildenden bietet
die Grafik 25. Mit insgesamt 135 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen steht die Berufsbezeich-
nung „Medizinische Fachangestellte“ an erster Stelle. Im Bereich des Gesundheitswesens starten eben-
falls 102 Personen die Ausbildung zur „Zahnmedizinischen Fachangestellten“. Gleichzeitig sind bereits
sieben Ausbildungsberufe mit kaufmännischem Hintergrund in der „Top Ten“-Liste der Ausbildungsver-
träge vertreten. Ergänzend ist das Berufsbild der „Friseurin“ vertreten, welches von 36 Personen gewählt
wird.
Ergebnisse in Kurzform Teil 2 „Ausbildungsmarkt“ – SEITE 59 SEITE 58 – Ergebnisse in Kurzform Teil 2 „Ausbildungsmarkt“
DEUTLICHER RÜCKGANG AN AUSBILDUNGSSTELLEN
UND BEWERBENDEN
Im Vergleich zum Vorjahr verringert sich die Anzahl der gemeldeten Ausbildungsstellen um
17,74 %. Gleichzeitig sinkt die Zahl der gemeldeten Bewerbenden um 8,38 %.
MÜNSTER IST EIN EINPENDLER-MAGNET FÜR AUSZUBILDENDE
Die Ausbildungsbetriebe in Münster sind auf Pendler angewiesen, um die Ausbildungsstel-
len zu besetzen. Konkret werden 44,4 % aller Ausbildungsverträge mit einer Person aus dem
Umland abgeschlossen.
KAUFMÄNNISCHE BERUFE PRÄGEN DEN AUSBILDUNGSMARKT
In den „Top 10 der gemeldeten Ausbildungsstellen“ sind sechs Berufsbezeichnungen mit
kaufmännischem Profil enthalten. Mit 165 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen (Stichtag
31.12.2019), ist der Beruf „Kauffrau/-mann für Büromanagement“ am häufigsten vertreten.
DIE MEHRHEIT DER AUSZUBILDENDEN HAT
EINE STUDIENBERECHTIGUNG
56,49 % aller Personen, die einen Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb aus Münster
abgeschlossen haben, verfügen über die Fach- bzw. Hochschulreife.
STEIGENDE QUOTE AN UNVERSORGTEN BEWERBENDEN
Im Ausbildungsjahr 2019/2020 liegt die Quote der unversorgten Bewerberinnen und
Bewerber aus Münster bei 8,52 %. Der Vorjahreswert beträgt dagegen 4,77 %.
BEWERBENDE OHNE HAUPTSCHULABSCHLUSS
MIT GERINGEN CHANCEN
Lediglich 3,14 % aller Ausbildungsverträge werden mit Personen abgeschlossen,
die über keinen Hauptschulabschluss verfügen.
DIE MEHRZAHL DER BEWERBENDEN AUS
MÜNSTER IST MÄNNLICH
Der Anteil der männlichen Bewerbenden liegt bei 62,62 %. Dies ist auf unterschiedliche
Berufswünsche der Geschlechter zurückzuführen. So sind Frauen mit 76,10 % stärker bei den
schulischen Ausbildungen des Gesundheitswesens in Münster vertreten.
GESCHLECHTSSTEREOTYPE BERUFSWAHL
DER AUSZUBILDENDEN IN MÜNSTER
Das Geschlecht hat weiterhin erheblichen Einfluss auf die Berufswahlentscheidung.
Berufsfelder mit hoher Geschlechtersegregation sind beispielweise das Gesundheitswesen,
der Bereich Elektronik und der Bereich Mechanik.
HOHER ANTEIL STUDIENZWEIFLER
10,57 % der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber auf Ausbildungsstellen aus Münster
haben zuletzt eine Fachhochschule bzw. Hochschule besucht.
MEHR AUSBILDUNGSSTELLEN ALS
BEWERBENDE
Im Ausbildungsjahr 2019/2020 werden der Bundesagentur für Arbeit
2012 Ausbildungsplätze von Betrieben aus Münster gemeldet. Dabei
liegt die Nachfrage bei 1268 gemeldeten Bewerberinnen und Bewer-
bern aus Münster. Mit einer Relation von 1,59 (Vorjahr: 1,77) kann die
Stadt Münster einen herausragenden Wert vorweisen.
ERHÖHTER ANTEIL AN UNBESETZTEN
AUSBILDUNGSSTELLEN
Im Berichtsjahr 2019/2020 bleiben 169 von 2012 gemeldeten Ausbildungsstellen
unbesetzt (8,40 %). Im Vergleich zum Vorjahr (3,43 %) ist dieser Wert stark an-
gestiegen. Die Berufsfelder mit hohem Anteil an unbesetzten Ausbildungsstellen
sind die Bereiche „Kunststoffherstellung“ mit 77,78 % (7 von 9 Lehrstellen) und
der Bereich „Lebensmittelherstellung“ mit 42,86 % (9 von 21 Lehrstellen).
BEWERBERINNEN UND BEWERBER MIT
FLUCHTKONTEXT NUTZEN IHRE CHANCEN
Von 172 gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern mit Fluchtkontext finden 70
Personen (40,70 %) eine Ausbildungsstelle. In NRW beträgt der Vergleichswert 9,37 %.
BETRIEBLICHE AUSBILDUNGSBETEILIGUNG
IST HÖHER ALS DER LANDESSCHNITT
Im Jahr 2019 beteiligen sich von 8170 Münsteraner Betrieben über
2038 an Ausbildung. Die Ausbildungsbetriebsquote liegt mit 24,9 %
etwas höher als der Vergleichswert in NRW (22,1 %).
ERGEBNISSE IN KURZFORM TEIL 2 „AUSBILDUNGSMARKT“
Handlungsempfehlungen – SEITE 61 SEITE 60 – Handlungsempfehlungen
Der Übergang Schule-Beruf wird von vielen Akteuren gestaltet,
die Arbeit lebt von einem intensiven Dialog und Austausch. Neben
den Schulen der Sekundarstufe I und den Ämtern für Kinder,
Jugendliche und Familien, sowie Schule und Weiterbildung
sind die Berufskollegs, das Jobcenter, die Agentur für Arbeit, die
Kammern und natürlich die Wirtschaft wesentliche Akteure.
Der vorliegende Bericht ist ein Instrument des Bildungsmonito-
rings und liefert Daten über das Übergangsgeschehen. Dabei ist
es ein Anliegen der Berichterstattung, Entwicklungen nicht nur
numerisch zu beschreiben, sondern durch Handlungsempfeh-
lungen auch konkrete Hinweise auf identifizierte Probleme zu
geben. Unter der Maßgabe der Chancengerechtigkeit werden im
Folgenden Unterschiede bei bestimmten Schülergruppen reflek-
tiert, beispielsweise die berufliche Inklusion von Jugendlichen
mit Förderbedarfen oder die Integration von Jugendlichen mit
Migrationsvorgeschichte.
Die Berichterstattung wird sich in der Analyse mit den Beteiligten
fortlaufend weiterentwickeln, als ein Beitrag zu dem Ziel, allen
Jugendlichen erfolgreiche Bildungsbiografien zu ermöglichen.
SEITE 60 – 67
HANDLUNGS-
EMPFEHLUNGEN
3. KAPITEL
Der Übergang Schule-Beruf als wichtige Gestaltungsaufgabe – SEITE 63 SEITE 62 – Handlungsempfehlungen
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie machen sich im Ausbildungsjahr 2019/2020 deutlich bemerk-
bar: Im Vergleich zum Vorjahr verringert sich die Anzahl der gemeldeten Ausbildungsstellen in Münster
um 17,74 %. Gleichzeitig sinkt die Zahl der gemeldeten Bewerbenden um 8,38 %. Am Ende des Berichts-
jahres sind deutlich mehr Bewerberinnen und Bewerber unversorgt und auch mehr Ausbildungsstellen
unbesetzt als im letzten Jahr. Positiv ist hingegen die weiterhin gute Relation gemeldeter Berufsausbil-
dungsstellen pro Bewerbenden. Diese liegt in Münster bei 1,59 (Vorjahr: 1,77). Zusätzlich ist die Ausbil-
dungsmarktsituation in den Nachbarkreisen sehr stabil.
Reduzierte Kontakte, Schulschließungen und abgesagte Praktika er-
schweren im Jahr 2020 die Berufsorientierung der jungen Menschen.
Es fehlen die Erfahrungsräume, um vorhandene Talente in der Praxis
auszuprobieren und erste Kontakte in die Arbeitswelt zu knüpfen. In
dieser Situation sind die Akteure der Berufsorientierung besonders
gefragt, neue Ideen zu entwickeln, da bisherige Formate plötzlich
nicht mehr durchführbar sind. Viele Angebote finden online statt,
zum Beispiel Ausbildungsberatungen per Video-Chat oder virtuelle
„Azubi-Datings“ und Elternabende. Grundsätzlich führt die Corona-
Krise zu einem erheblichen Digitalisierungsschub: Die Schülerinnen
und Schüler müssen sich mit neuen Methoden des Lernens vertraut machen. Ergänzend wirken sich di-
gitale Prozesse auch auf dem sich schnell wandelnden Arbeitsmarkt aus. Während bei der beruflichen
Ausbildung neue Lerninhalte erforderlich werden, entstehen neue Studiengänge und neue Berufsfelder.
Damit werden die möglichen Bildungswege noch vielfältiger und facettenreicher, so dass vielen Schulab-
gängerinnen und Schulabgängern die Orientierung für eine fundierte Berufs- und Studienwahl fehlt. Wie
schwierig die Berufswahl ist, lässt sich auch daran erkennen, dass deutschlandweit mehr als ein Viertel aller
Ausbildungs- und Studiengänge vorzeitig abgebrochen werden.
Die Übergangsperspektiven der Schülerinnen und Schüler aus Münster sind im Berichtsjahr sehr heterogen.
Während die Mehrheit der Jugendlichen nach Beendigung der Sekundarstufe I die Allgemeine Hochschul-
reife bzw. Fachhochschulreife anstrebt, ermöglicht die solide Situation des lokalen Ausbildungsmarktes
vielen weiteren Jugendlichen die Einmündung in eine Berufsausbildung. Doch trotz des Fachkräftemangels
gibt es vulnerable Schülergruppen, die an betrieblichen Zugangsbarrieren scheitern und ihre beruflichen
Wünsche nicht verwirklichen können.
Zu den Benachteiligten zählen hier die Jugendlichen der Haupt- und Förderschulen. Die Anforderungs-
profile vieler moderner Ausbildungsberufe kann ein großer Teil dieser Schülerinnen und Schüler kaum
erfüllen. Haben Jugendliche keinen bzw. nur einen niedrigen Schulabschluss, so führt dies zu deutlich ge-
ringeren Einmündungschancen auf dem Ausbildungsmarkt. Schließlich wird der Hauptschulabschluss für
die Besetzung eines dualen Ausbildungsplatzes von den meisten Betrieben vorausgesetzt. In Folge des
digitalen Wandels ist zukünftig mit einer weiteren Erhöhung des Anforderungsniveaus der Ausbildungsbe-
rufe zu rechnen. Zeitgleich werden die niedrig qualifizierten Arbeitsplätze, die sogenannten „Helfer-Jobs“,
abnehmen.
Auch die Schülerinnen und Schüler mit Migrationsvorgeschichte haben ein erhöhtes Risiko, am Ende der
Sekundarstufe I ohne gesicherten Anschluss zu verbleiben. Sie starten zwar deutlich häufiger mit einer Be-
rufsausbildung, münden jedoch auch öfter in die Berufsvorbereitung ein. Eine weitere Zielgruppe stellen
die jungen Menschen mit Fluchtkontext dar. Trotz multipler Vermittlungshemmnisse (wie z.B. fehlender
Sprachkenntnisse) gelingt es vielen der gemeldeten Bewerbenden eine Ausbildungsstelle zu finden.
Hinsichtlich der Geschlechter ist festzuhalten, dass männliche Jugendlichen häufiger als weibliche Jugend-
liche mit Schwierigkeiten im Übergang konfrontiert sind. Die Daten der Berufsbildungsstatistik für Müns-
ter belegen zudem, dass sich die Berufswahl junger Frauen und Männer deutlich unterscheidet und Rollen-
stereotype einen großen Einfluss ausüben.
Für alle genannten Zielgruppen bedarf es frühzeitiger Präventionsketten, damit die Integration in Arbeit
und Beruf gelingt. Die Vermeidung biographischer Brüche im Lebenslauf der Jugendlichen sowie kost-
spieliger Spätinterventionen lässt sich nur durch abgestimmtes Handeln von Schulen und Kommune er-
reichen. Dabei werden spezifische Berufsorientierungsangebote mit Elementen zur frühzeitigen Identi-
fizierung Jugendlicher mit hohem Risiko flankiert. So können kommunale Ressourcen (Beratung durch
Fachkräfte, Projekte) effizient da eingesetzt werden, wo sie verstärkt benötigt werden.
INKLUSION BEIM ÜBERGANG VON DER SCHULE IN DEN BERUF
Eine Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden, ist für viele
junge Menschen mit Beeinträchtigung und Unterstützungsbedarf ein
fernes Ziel. Das bestätigen auch die Daten zu den Übergängen der
Schülerinnen und Schüler aus Förderschulen. So haben im Berichts-
jahr lediglich 6,25 % dieser Jugendlichen nach der Abgangsklasse eine
Ausbildung aufnehmen können. Während die meisten Bildungsver-
antwortlichen für das Thema Inklusion in der Schule längst sensibili-
siert sind, wird der Inklusion beim Übergang in das Arbeitsleben weit
weniger Aufmerksamkeit entgegengebracht. Dabei ist dieser Sachver-
halt von entscheidender Bedeutung für die Bildungsgerechtigkeit.
Die Etablierung des Begriffs der Inklusion im Hinblick auf Menschen mit Behinderungen, steht im unmit-
telbaren Zusammenhang mit der 2009 in Deutschland in Kraft getretenen UN-Behindertenrechtskonven-
tion. Im Kern wird das Ziel hervorgehoben, die volle und gleichberechtigte Partizipation behinderter Men-
schen zu verwirklichen. Das Konzept der Inklusion versteht Behinderung nicht als individuelles Problem,
sondern als Wechselwirkung zwischen den Barrieren und negativen Einstellungen gegenüber behinderten
Menschen, die sie an der gleichberechtigten Teilhabe hindern. Aus diesem Grund sind Organisationen
aufgefordert, die notwendigen Änderungen für Offenheit und Zugänglichkeit vorzunehmen. Gleichzeitig
sollen behinderte Menschen durch individuelle Nachteilsausgleiche unterstützt werden, selbst wenn die
Umwelt weitestgehend barrierefrei wäre.
Für den Bereich des Übergangs Schule-Beruf formuliert die Konvention konkrete Leitideen. Idealtypisch
sollen Sonderwege in Ausbildung und Arbeitsmarkt so wenig wie möglich erfolgen. Für die Jugendlichen
mit Beeinträchtigungen würde dies eine Abkehr von nahezu automatischen Übergängen in die Berufs-
bildungswerke und die Werkstatt für behinderte Menschen bedeuten. Stattdessen müssten Verantwort-
liche in Schule und Kommune eine individuelle Berufswegeplanung in Kombination mit Praktika auf dem
regulären Arbeitsmarkt anbieten. Den betreffenden Schülerinnen und Schülern würden somit Einblicke in
den beruflichen Alltag ermöglicht werden. Auch potentielle Arbeitgeber könnten ihre Bedenken gegen-
AUSBILDUNGSSUCHE
UND BERUFSORIENTIERUNG
IN ZEITEN DER
COVID-19-PANDEMIE
Reduzierte Kontakte, Schulschließ-
ungen und abgesagte Praktika
erschweren im Jahr 2020 die Berufs-
orientierung der jungen Menschen.
Eine Anstellung auf dem ersten
Arbeitsmarkt zu finden, ist für
viele junge Menschen mit Beein-
trächtigung und Unterstützungs-
bedarf ein fernes Ziel.
Der Übergang Schule-Beruf als wichtige Gestaltungsaufgabe – SEITE 65 SEITE 64 – Handlungsempfehlungen
über behinderten Auszubildenden und Beschäftigten abbauen und ihnen eine Perspektive auf dem all-
gemeinen Arbeitsmarkt bieten. Die Stadt Münster kann zu diesem Zweck ein inklusives Praktikumsportal
entwickeln, um Jugendliche und Unternehmen aus der Region miteinander zu vernetzen.
Wenn bei der Ausbildung dennoch Sonderwege erforderlich sind, so sind diese so normal wie möglich
zu gestalten. Die Angebote von Trägern sollten betriebsähnlichen Strukturen nahekommen und Kom-
petenzen vermitteln, welche auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt
werden. Bei der berufsorientierenden Potenzialanalyse muss das
durchführende Personal hinsichtlich sonderpädagogischer Frage-
stellungen ausgebildet sein.
Die Schülerinnen und Schüler mit Behinderung könnten in ihrem
Klassenverband teilnehmen und würden lediglich in Einzelfällen
(z.B. bei Seh- und Hörbeeinträchtigung) ergänzende berufliche
Diagnostik in Berufsbildungswerken wahrnehmen.
Weiterhin kann die Stadt Münster Aktivitäten zur Verwirklichung
eines inklusiven Arbeitsmarktes vorantreiben. Dabei könnte der
schulischen und beruflichen Ausbildung eine Schlüsselrolle zu-
kommen, da diese wesentlich über die späteren Chancen am Arbeitsmarkt entscheidet. Im Rahmen des
„operativen Netzwerks“ kooperiert die Stadt bereits mit weiteren Partnern zur Erleichterung des Über-
gangs in Ausbildung (Sozialleistungsträgern, Kammern, Bundesagentur für Arbeit, Unternehmen) und
könnte Initiator der Entwicklung eines inklusiven Berufsbildungsbereichs sein. Anknüpfend ist der Zugang
zu flankierenden Angeboten wie der „unterstützten Ausbildung“, der „betrieblichen Einstiegsqualifizie-
rung“ oder „ausbildungsbegleitenden Hilfen“ für Menschen mit Behinderungen sicherzustellen, wenn eine
barrierefreie Gestaltung im Betrieb allein nicht ausreicht, um eine duale Ausbildung zu ermöglichen. Um
inklusive Berufsorientierung nachhaltig zum Erfolg zu führen, ist entscheidend, dass den jungen Menschen
eine kontinuierliche und längerfristige Begleitung offensteht. Die Praxis der befristeten Vergabe von Maß-
nahmen an wechselnde Träger der sozialpädagogischen Berufsvorbereitung sollte möglichst vermieden
werden, da diese oftmals mit hoher Personalfluktuation einhergeht. Zwischen den unterschiedlichen In-
stitutionen bedarf es vielmehr enger Kooperation und gemeinsamer
Standards, damit ein verlässliches Übergangsmanagement realisiert
werden kann.
Für das Gelingen des Übergangs nach der Sekundarstufe I benötigen
Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarfen eine intensive Beglei-
tung durch Lehrkräfte und sozialpädagogisches Personal; nicht zu-
letzt auch vor dem Hintergrund einer oftmals fehlenden Unterstüt-
zung durch das private Umfeld. Voraussetzung für ein Engagement
der handelnden Fachkräfte sind jedoch spezifisches Wissen über die
berufsorientierenden Bedürfnisse der Jugendlichen mit sonderpäda-
gogischem Unterstützungsbedarf. Die Teilnahme an entsprechenden Fortbildungen und die Kooperation
der Lehrpersonen für Sonderpädagogik in den verantwortlichen Teams zur schulischen Berufsorientierung
sollte obligatorisch sein. Zusätzlich sind auch außerschulische Akteure (z.B. die Reha-Beratung der Bun-
desagentur für Arbeit, die Fachdienste des Jobcenters sowie der Integrationsfachdienst) im Rahmen von
Förderkonferenzen zu beteiligen. In diesem Setting können mögliche Schritte der weiteren Berufswege-
planung für die betreffenden Schülerinnen und Schüler erörtert und abgestimmt werden.
Ein wichtiger Aspekt ist die Einbeziehung der Eltern in den Berufsorientierungsprozess. Eltern von Jugend-
lichen mit Behinderung stehen einerseits vor der Aufgabe ihren Kindern unterstützend zur Seite zu stehen
und gleichzeitig selbst mit den Anforderungen des Übergangs (z.B. Mehrfachbelastung durch neue Tages-
abläufe) fertig zu werden.
Vor diesem Hintergrund sind aus Mitteln der kommunalen „Projektförderung Schule-Beruf“ des Amtes für
Schule und Weiterbildung Projekte initiiert und finanziert worden, in denen die Beratung der Eltern von
Kindern mit Förderbedarfen ein wesentlicher Bestandteil war. Leider reichen die vorhandenen Finanzmit-
tel nicht aus, um eine Fortsetzung dieses vielversprechenden Ansatzes zu gewährleisten. In Kooperation
mit der Bundesagentur für Arbeit wird die „vertiefte Berufsorientierung gem. § 48 SGB III“ an den Schulen
des Gemeinsamen Lernens gefördert. Diese Angebote sind wertige Beiträge einer inklusiven Berufsorien-
tierung in Münster und sollten möglichst an weiteren Schulformen implementiert werden.
GESCHLECHTERSENSIBLE BERUFSORIENTIERUNG
Die Daten der Berufsbildungsstatistik zeigen, dass junge Menschen ihre Berufswahl nach wie vor an tradi-
tionellen Rollenvorstellungen ausrichten. So wählen weibliche Jugendliche öfter einen sozialen oder me-
dizinischen Beruf, während männliche Jugendliche stattdessen vermehrt technische Berufe bevorzugen.
Ausschlaggebend für die Wahl einer Ausbildung bzw. eines Studiums sollten jedoch vorrangig die eigenen
Interessen und Fähigkeiten sein, da diese für den Erfolg und das Wohl-
befinden im Berufsalltag entscheidender sind.
Deutschlandweit ist der Ausbildungs- und Arbeitsmarkt jedoch von
einer geschlechtsspezifischen Segregation bestimmter Branchen
geprägt. Viele Berufe gelten nach wie vor als typische „Frauen- oder
Männerberufe“. Angesichts dieser Zuschreibungen ist nachvollzieh-
bar, dass sich die Berufswahl junger Frauen und Männer deutlich un-
terscheidet. Mit dieser eingeengten Berufswahlorientierung gehen
insbesondere für junge Frauen strukturelle und ökonomische Nach-
teile einher. Potenziale von Schülerinnen und Schülern bleiben häufiger unentdeckt und zukunftsweisen-
de Berufsperspektiven versperrt. Gleichzeitig gehen auch den Betrieben qualifizierte Bewerberinnen und
Bewerber verloren.
Um inklusive Berufsorientierung
nachhaltig zum Erfolg zu führen,
ist entscheidend, dass den jungen
Menschen eine kontinuierliche und
längerfristige Begleitung offensteht.
Die Angebote von Trägern sollten
betriebsähnlichen Strukturen nahe-
kommen und Kompetenzen vermitteln,
welche auf dem Arbeitsmarkt nachge-
fragt werden.
Die Daten der Berufsbildungsstatis-
tik zeigen, dass junge Menschen ihre
Berufswahl nach wie vor an traditio-
nellen Rollenvorstellungen ausrichten.
Der Übergang Schule-Beruf als wichtige Gestaltungsaufgabe – SEITE 67 SEITE 66 – Handlungsempfehlungen
Ein zentrales Anliegen der Stadt Münster ist die Förderung der Gleichstellung von Mädchen und Jungen,
Frauen und Männern. Dies betrifft besonders die geschlechtersensible Berufswahl und berufliche Orien-
tierung von Schülerinnen und Schülern. Hinsichtlich des Übergangs Schule-Beruf sollen junge Menschen
darin bestärkt werden, ihre individuellen Talente auszuschöpfen und die Berufswahl nicht aufgrund tra-
ditioneller Rollenzuschreibungen einzuschränken. Die Berücksichtigung von geschlechtsspezifischen So-
zialisations- und Konstruktionsprozessen in der Beratungsarbeit mit den jungen Menschen ist dabei ein
wichtiger Beitrag zur Chancengleichheit.
Zukünftig sollten bewährte Programme der Berufsorientierung, bei denen sich junge Menschen in einem
breiten Spektrum von Tätigkeiten erproben können (z.B. Berufsfelderkundungen, Girls-Day und Boys-Day),
wieder angeboten werden. In diesem Zusammenhang sind beispielhaft auch die vielen Initiativen zur Förde-
rung des MINT-Interesses junger Frauen zu nennen. Ebenso bietet das Modellprojekt „Starke Pflege in Müns-
ter“ Möglichkeiten, männliche Jugendliche auf das Arbeitsfeld der Altenpflege aufmerksam zu machen.
BERUFSORIENTIERUNG VON SCHÜLERINNEN UND SCHÜLERN MIT
MIGRATIONSVORGESCHICHTE
Die Jugendlichen in Münster sind am Ende ihrer Schulzeit mehrheitlich an Bildung und Beruf interessiert,
unabhängig von einer Migrationsvorgeschichte. Leistungsbereitschaft und der Wille zum Aufstieg sind in
Familien mit Migrationsvorgeschichte stark ausgeprägt und durch viele Studien empirisch belegt. Obwohl
Betriebe zunehmend Schwierigkeiten haben ihre Ausbildungsplätze besetzen zu können, gehen noch im-
mer viele Bewerberinnen und Bewerber leer aus. Dies betrifft besonders Jugendliche mit Migrationsvor-
geschichte. Nach wie vor ist diese Gruppe beim Zugang in eine berufliche Ausbildung benachteiligt. Selbst
mit den gleichen Schulabschlüssen sowie der gleichen sozialen Herkunft, haben junge Menschen mit
Migrationsvorgeschichte schlechtere Chancen, einen Ausbildungsvertrag zu erhalten als die Vergleichs-
personen. Dokumentiert wird dieser Sachverhalt durch die Bewerberbefragung des Bundesinstituts für
Berufsbildung und der Bundesagentur für Arbeit: Danach münden deutschlandweit 29 % der gemeldeten
Bewerberinnen bzw. Bewerber mit Migrationsvorgeschichte in eine duale Ausbildung ein. Dagegen sind es
bei denjenigen ohne Migrationsvorgeschichte 47 %.
Ein Ansatzpunkt hierbei sind die Betriebe, die über den Zugang in eine duale Ausbildung entscheiden.
Durch betriebliche Kontakte können Jugendliche mit Migrationsvorgeschichte einen Vertrauensvorschuss
erwerben und damit möglichen Vorbehalten entgegenwirken. Be-
triebspraktika und/oder Berufsfelderkundungen sind deshalb wich-
tige Elemente der beruflichen Orientierung, die im Idealfall durch
Lehrkräfte bzw. pädagogische Fachkräfte vorbereitet werden.
Zusätzliche Unterstützung im Übergangsprozess bieten auch Mento-
ren-Programme. Dabei übernehmen geeignete Personen eine Paten-
funktion und sind Ansprechpartner für Reflexionsgespräche in der
Berufsfindung. So könnten Unternehmende mit Migrationsvorge-
schichte die Ausbildungsbeteiligung der betreffenden Jugendlichen
erhöhen sowie deren Eltern über alle Fragen zur dualen Berufsaus-
bildung informieren.
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit betont, dass Angebote
der Berufsorientierung für Jugendliche mit Migrationsvorgeschichte eine hohe Bedeutung haben. Insbe-
sondere Schülerinnen und Schüler, deren Eltern über geringe Kenntnisse der deutschen Sprache und des
deutschen Ausbildungssystems verfügen, schätzen die Beratungsmöglichkeiten außerhalb des privaten
Umfelds. Aus diesem Grund ist es problematisch, dass viele berufsorientierende Maßnahmen aufgrund
der Covid-19-Pandemie abgesagt werden oder nur unter erschwerten Bedingungen stattfinden können.
Dies betrifft beispielsweise persönliche Beratungsangebote, Berufsorientierungsmessen und Projekttage.
BERUFSORIENTIERUNG VON SCHÜLERINNEN UND SCHÜLERN IM
KONTEXT VON FLUCHTMIGRATION
In der Statistik der Bundesagentur für Arbeit werden seit 2016 explizit Bewerberinnen und Bewerber im
Kontext von Fluchtmigration berücksichtigt. Dabei handelt es sich konkret um drittstaatenangehörige
Ausländerinnen und Ausländer mit einer Aufenthaltsgestattung (§ 55 AsylG), einer Aufenthaltserlaubnis
Flucht (§ 22-26 AufenthG) oder einer Duldung (§ 60a AufenthG). Für die Berufsorientierung ist ausschlag-
gebend, dass Menschen mit Fluchthintergrund eine relativ junge Personengruppe darstellen. Ein Teil die-
ser Personen sind unbegleitete minderjährige Ausländer, die ohne eine für sie verantwortliche erwachsene
Person nach Deutschland gekommen sind. In der Regel stehen diese unter der Obhut des Jugendamtes
und werden in stationären Jugendhilfeeinrichtungen oder durch geeignete Pflege- bzw. Gastfamilien be-
treut. So zählt das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Münster zum Stichtag 31.12.2020
insgesamt 90 unbegleitete minderjährige Ausländer, für die Jugendhilfeleistungen gewährt werden.
Aufgrund des jungen Lebensalters besuchen viele der Geflüchteten die Lernorte der beruflichen Bildung. Zu
nennen sind hier insbesondere die Berufskollegs, an denen sie in Vorbereitungsklassen mit Sprachförderung
unterrichtet und auf die Aufnahme einer Berufsausbildung vorbereitet werden. Die jeweilige Bleibeperspek-
tive (Aufenthaltsstatus) hat dabei einen entscheidenden Einfluss auf den Zugang zu flankierenden Program-
men der Ausbildungsförderung und berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen. Im Übergang Schule-Beruf
werden unsichere Aufenthaltsperspektiven von den jungen Menschen als sehr belastend und diskriminie-
rend erlebt, da eine Zukunftsplanung kaum möglich ist. Insgesamt sind im Rahmen der Berufsorientierung
in Münster verschiedene Empfehlungen zu verwirklichen. An erster Stelle ist das pädagogische Handeln auf-
gefordert, die spezifische Lebenslage von jungen Geflüchteten zu reflektieren. Die Beratung zu Fragen der
Berufsorientierung sollte frühzeitig beginnen sowie mehrsprachig und jugendgerecht gestaltet sein.
Ein wichtiger Faktor für erfolgreiche Übergänge sind Praktika in Betrieben, bei denen die Jugendlichen ihr
Potenzial unter Beweis stellen können. Dies ist für die jungen Geflüchteten besonders wichtig, da viele
Unternehmen Vorbehalte gegenüber der Zielgruppe haben und wenig über Unterstützungsmöglichkei-
ten wissen. Insofern benötigen auch die Betriebe Ansprechpartner, die zum Thema „Flüchtlinge und Aus-
bildung“ beraten, auf rechtliche Voraussetzungen hinweisen und hinsichtlich Förderinstrumenten infor-
mieren. Neben einer intensiven Unterstützung der jungen Geflüchteten bei der Praktikumssuche sollten
langfristige Berufsorientierungsangebote stets auch Deutschunterricht beinhalten.
Ein weiterer Ansatzpunkt ist die migrationssensible Weiterentwicklung von schulischen Standardelemen-
ten wie der Potenzialanalyse. Die methodisch-didaktische Gestaltung sollte durch einfache Sprache, Visu-
alisierungen und nonverbalen Übungen gekennzeichnet sein. Zudem sollten die verwendeten Inhalte im
Hinblick auf ihre Kulturgebundenheit reflektiert werden und auch Kompetenzen erfassen, welche die jun-
gen Menschen im informellen Sektor erworben haben. Ein nachhaltiges Übergangsmanagement könnte
in Form von Nachbetreuungsprogrammen (Schulen, Berufseinstiegbegleitung bzw. Ehrenamtliche) sicher-
gestellt werden. Die jungen Geflüchteten werden dadurch beim Durchlaufen der unterschiedlichen Bil-
dungsinstitutionen und Maßnahmen durchgängig von vertrauten Personen begleitet. Im Idealfall umfasst
die Begleitung sowohl Unterstützung beim Lernen als auch sozialpädagogische Begleitung bei Krisensitu-
ationen sowie Beratung in ausländerrechtlichen Fragen. Für junge Geflüchtete, die Hilfe bei der Bewälti-
gung traumatisierender Fluchterfahrungen benötigen, müssen weiterhin ausreichende psychosoziale und
therapeutische Angebote zur Verfügung stehen.
Um die vorgenannten Handlungsempfehlungen für die geflüchteten jungen Menschen umzusetzen,
bedarf es der Netzwerkarbeit verschiedener Institutionen der Stadt Münster. So kooperiert das Amt für
Schule und Weiterbildung im Rahmen der Landesinitiativen „Gemeinsam klappts“ und „Durchstarten in
Ausbildung und Arbeit“ stark mit dem Kommunalen Integrationszentrum zusammen. Diese beiden Pro-
gramme verzahnen einzelne Elemente wie z.B. Coaching, berufsbegleitende Qualifizierung und Sprachför-
derung, um die Integration der geflüchtenden jungen Menschen nachhaltig zu fördern.
Nach wie vor ist diese Gruppe
» der Schülerinnen und Schüler mit
Migrationsvorgeschichte « beim
Zugang in eine berufliche Ausbildung
benachteiligt.
IMPRESSUM
Herausgeberin
Stadt Münster
Amt für Schule und Weiterbildung
Stabsstelle Bildungsmanagement
Friedrich-Ebert-Str. 110
48153 Münster
Ausarbeitung und Ansprechpartner:
Tobias Stelter
Tel.: 0251 492-4003
stelter@stadt-muenster.de
Design: HEIDER DESIGN, Münster
Druck: Stadt Münster
Auflage: 600 Stück
Stand: August 2021
Anlage A
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Anlage A zur V/0548/2021 Kurzüberblick In der Vorlage wird zu den Aktivitäten im Übergang Schule-Beruf und seiner Einbettung in das Datenbasierte Kommunale Bildungsmanagement (DKBM) berichtet. Im Zentrum steht der Über- gangsbericht als strategisches Steuerungsinstrument. Hieraus werden Empfehlungen für die Um- setzung von Beratungs- und Unterstützungsangeboten für Jugendlichen und junge Erwachsene in Münster gegeben. Angesprochen werden die Jugendberufsagentur, KAoA, kommunale Projek- te und die Stadtteilwerkstatt Nord. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Mit der Vorlage werden folgende Ziele verfolgt: Wir werden eine der führenden Bildungs-, Wissenschafts-, Forschungs- und Entwicklungs- standorte in Europa; wir werden als Wirtschaftsstandort die Stadt des dynamischen Mittelstandes in Nordrhein- Westfalen; wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens- und Erlebnisqualität weiterentwi- ckeln: mit hoher Umwelt- und Naturqualität mit breitem Freizeit- und Sportangebot mit hohem Wohnwert, Familienfreundlichkeit und sozialer Balance in der Stadtgesell- schaft. Teilziel ist die Weiterentwicklung der kommunalen Bildungslandschaft mithilfe des Datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements (DKBM); hier im Schwerpunkt Übergang Schule-Beruf. Zielerreichung: Das DKBM ist im Übergang Schule-Beruf eingeführt und soll verstetigt werden. Die durch das DKBM/hier Übergangsbericht ermittelten Handlungsbedarfe werden von interkom- munalen und rechtskreisübergreifenden Netzwerken aufgegriffen und in Aktivitäten zur Anhebung von Chancengleichheit und Teilhabe am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt überführt. Damit wird auch ein Beitrag zur Teilhabe an der Stadtgesellschaft und zur Wirtschaftskraft der Kommune geleistet. Die Weiterentwicklung der kommunalen Bildungslandschaft nimmt auch informelle und non- formale Lernmöglichkeiten in den Blick. Somit wird auch die Lebens- und Erlebnisqualität in Münster befördert. Finanzierung Produktgruppe: Nr. der PG Bezeichnung der PG Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja Nein Bereits veranschlagt? Ja Nein Die Höhe der Aufwendungen oder Auszahlungen sind unabhängig von der vorhandenen Mittelbe- reitstellung im Beschlussvorschlag zu nennen. Eine Angabe an dieser Stelle oder bei den Zielen reicht nicht aus. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig vollständig freiwillig Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Die o. g. Querschnittsthemen werden in allen Bereichen des DKBM berücksichtigt. Gender Migration Inklusion Umwelt, Kultur, Demokratisierung
Anlage 2
10688 Zeichen
Anlage 2 Kommunale Projektförderung Schule-Beruf im Schuljahr 2019 – 2020 Die Förderzeiträume für die Projekte erstrecken sich überwiegend auf ein Schuljahr. Dies soll sicherstellen, dass nach Beendigung des Schuljahres für Schulabgänger innen und Schulabgänger, die nicht in eine Ausbildung oder schulische Weiterbildung einmünden konnten, möglichst nahtlos unterstützende Anschlussmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Eine Besonderheit im Berichts zeitraum waren die seit dem Frühjahr 2020 geltenden Kontaktbeschränkungen im Rahmen der Corona-Pandemie. Die durchführenden Träger haben ihre Angebote überwiegend aufrechterhalten können und die jungen Menschen kreativ in Einzelbetreuung oder über digitale Alternativen weiterhin begleitet. Dennoch ist ein leichter Rückgang bei den Teilnahmezahlen damit zu erklären. Eine Clusterung der geförderten Projekte ist in zwei große Bereiche möglich: Projekte, die schulbegleitend stattfinden und Projekte, die nach Verlassen der weiterführenden Schule stattfinden. 1. Schulbegleitende Projekte Bei den folgenden Projekten geht es im Wesentlichen um die „Berufliche Orientierung von Schülerinnen und Schülern“ mit Förderbedarfen, also um eine Ergänzung oder Vertiefung der im Rahmen der Landesinitiative „kein Abschluss ohne Anschluss“ (Kurz: KAoA) zur Verfügung stehenden Standardelemente. Dazu gehören die Projekte: a. Berufsorientierungsmaßnahme gem. § 48 SGB III an den Regelschulen (Kofinanzierung der Förderung der Agentur für Arbeit) Lernen Fördern e. V.; Fördersumme: 16.000 € Durchführungsort ist Weseler Str. 75 Die Schülerinnen und Schüler mit dem sonderpädagogischen Förderbedarf „Lernen“ an den Schulen des Gemeinsamen Lernens erhalten zusätzliche Gruppenangebote zur Berufsorientierung, die gemeinsam mit der Agentur für Arbeit geplant und finanzier t werden. Es haben 48 Schülerinnen und Schüler (19 w, 29 m) im Schuljahr 2019 – 2020 teilgenommen. b. Vertiefte Berufsorientierung (kommunale Ergänzung) Lernen Fördern e. V.; Fördersumme: 85.000 € Standorte: Regelschulen des gemeinsamen Lernens und Albert -Schweitzer-Schule Durchführungsort ist Weseler Str. 75 Das unter a. beschriebenen Vorhaben wird durch Elemente kommunal ergänzt, die nicht förderfähig sind nach § 48 SGB III. Die Schülerinnen und Schüler mit dem sonderpädagogischen Förderbeda rf „Lernen“ an den Schulen des Gemeinsamen Lernens erhalten zusätzliche und individuelle Hilfestellung im Rahmen der Berufsorientierung und bei der Suche nach geeigneten Schulbegleitende Projekte Nachschulische Projekte 2 Anschlussmöglichkeiten, die über die Fördermöglichkeiten der Agentur für Arbeit hinausgeht. Teilgenommen haben 61 Schülerinnen und 94 Schüler). c. Berufsorientierung für Jugendliche mit Förderbedarf Albert-Schweitzer-Schule; Fördersumme: 6.400 € Durch den Einsatz eines Handwerkers konnten den Schülerinnen und Schülern im Übergang zusätzliche werkpraktische Angebote unterbreitet werden. Auf diesem Wege werden Erfolgserlebnisse in berufsnahen Situationen vermittelt und die berufliche Praxis simuliert. Teilgenommen haben ca. 45 Schülerinnen und Schüler (24 w, 21 m) d. Lotsenprojekt aktuell an der LWL-Schule und an der HS Wolbeck Diakonie Bildungs- und Beratungscentrum in Kooperation mit der FH Münster Fördersumme: 26.500 € Schüler und Schülerinnen mit besonderem Förderbedarf erhalten eine persönliche Begleitung und gezielte Unterstützung durch Studierende des Fachbereichs „Sozialwesen“ der Fachhochschule Münster, die ihnen in allen Fragen rund um die berufliche Zukunftsplanung zur Seite stehen, damit sie den Übergang von der Schule in den Beruf meistern. Die Studierenden erweitern so ihre Erfahr ungen in ihrer professionellen Rolle. Die Diakonie übernimmt dabei die Koordination und die fachliche Begleitung der Studierenden. Teilgenommen haben zuletzt 20 Schülerinnen und Schüler. e. Tatort Werkstatt- Berufsdetektive im Einsatz SeHT e. V. Fördersumme 8.400 € Standort Albert-Schweitzer-Schule Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 10, die die Übermittagsbetreuung der Albert- Schweitzer-Schule besuchen und besondere Förderbedarfe aufweisen, können an Berufsvorbereitungs-AG’s teilnehmen. Neben der Vermittlung handwerklicher Fertigkeiten stehen sowohl die Förderung der sozialen Kompetenzen und der Arbeit im Team als auch die Begleitung des individuellen Entwicklungs - und Entscheidungsprozesses im Vordergrund. Teilgenommen haben 17 Schülerinnen und Schüler (2 w, 15 m). Darüber hinaus hat der Träger SeHT Informationsabende zu den Übergangsmöglichkeiten von Schülerinnen und Schülern mit einer Behinderung für 45 Eltern, Lehrer - und Fachkräfte durchgeführt. f. Modellprojekt „Elternarbeit“ am Geschwister-Scholl-Gymnasium SeHT e. V. Fördersumme 36.865 € Am Geschwister -Scholl-Gymnasium w urden die Eltern im Hinblick auf die Berufs - orientierung der Sus mit Migrationsvorgeschichte und/oder sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf unterstützt. g. Planung und Bau eines Außenspielgerätes Adolph-Kolping-Schule; Fördersumme: 5.000 € Die Schülerinnen und Schüler in der Ausbildungsvorbereitungsklasse Holz-und Metalltech- nik des Adolph-Kolping-Berufskollegs bauen ein Außenspielgerät für eine Kita in Münster. Ein Teil der Materialkosten für das Spielgerät wird aus den Projektmitteln finanziert. Aufgrund der Coronabedingten Einschränkungen konnte das Projekt noch nicht abgeschlossen werden. Es haben sich zuletzt 47 Schülerinnen und Schüler (2 w, 45 m) an dem Projekt beteiligt. 2. Projekte nach Beendigung der weiterführenden Schule Ein weiterer großer Bereich ist die Förderung von niedrigschwelligen berufsvorbereitenden Maßnahmen für Schulabsolventen, die keinen schulischen oder beruflichen Anschluss haben. Einige werden gemeinsam mit dem Jobcenter finanziert um sicherzustellen, dass auch für 3 Jugendliche, die nicht im Leistungsbezug des SGB II sind, geeignete Plätze vorhanden sind. Häufig sind die Jugendlichen im Leistungsbezug auf der Grundlage des SGB VIII. a. Gemma – geschlechtsspezifische Berufsvorbereitung für Mädchen und Frauen Jugendausbildungszentrum gGmbH; Fördersumme: 76.000 € für 7 Plätze Standort Kinderhauser Str. 112 Junge Frauen und Mädchen mit einem hohen Anteil an Mehrfachproblemstellungen wie z. B. erhalten eine werkpraktische Anleitung in den Bereichen „Hauswirtsch aft, Floristik/Garten, Pflege“, Fachunterricht in Kleingruppen sowie eine berufswegplanende Begleitung durch eine Bildungsbegleiterin. Insgesamt haben im Betrachtungszeitraum 31 junge Frauen teilgenommen. Das Amt für Schule und Weiterbildung hat und das Jobcenter finanzieren dieses Angebot rechtskreisübergreifend. b. Kompetenzentwicklung und Perspektivgestaltung für Jugendliche und junge Erwachsene Lernen Fördern e. V.; Fördersumme: 66.000 €, Standort Weseler Str. 75) Der Lernort Süd bietet Jugendlichen die Möglichkeit, über einen Zeitraum von 12 Monaten Fähigkeiten zu erlernen, die in der Arbeitswelt gefragt sind. Das Angebot richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren, die nach dem allgemeinbilden den Schulbesuch noch keine berufliche Perspektive entwickelt haben oder auch Schwierigkeiten haben, den Anforderungen von Arbeits - und Ausbildungsverhältnissen bzw. Fördermaßnahmen gerecht zu werden. Werkstattangebote, Unterricht in Kleingruppen und eine sozialpädagogische Betreuung sollen helfen, die Persönlichkeit zu stabilisieren, soziale, schulische und sprachliche Defizite abzubauen und Schlüsselqualifikationen zu trainieren. Es haben im Auswertungszeitraum 23 Jugendliche (6 w, 17 m) aus beiden Rechtskreisen teilgenommen. c. LWL- Jugendwerkstatt im Jugendausbildungszentrum gGmbH Fördersumme zuletzt: 50.000 € (Kofinanzierung) Die Jugendwerkstatt ist ein niedrigschwelliges Angebot zur Berufsorientierung für junge Menschen, die bisher keinen Arbeitsmarktz ugang gefunden haben. Hier lernen TeilnehmerInnen verschiedene handwerkliche bzw. kreative Bereiche kennen und erarbeiten sich wichtige Schlüsselqualifikationen wie das Einhalten von Arbeitszeiten oder den sachgemäßen Umgang mit Geräten und Materialien. Die Angebote orientieren sich an den Fähigkeiten der jungen Menschen und unterstützen sie auf dem Weg zu einer effektiven Selbstorganisation und einer positiven beruflichen Perspektive. Teilgenommen haben 27 (22 m, 5 w). Es handelt sich nur um Jugendliche, die nicht im Leistungsbezug beim Jobcenter sind. d. Individueller flankierender Unterricht in der Stadtteilwerkstatt Nord und im Lernort Süd Lernen fördern e.V.; Fördersumme: zuletzt 35.000 € Jugendliche ohne Ausbildung erhielten individuellen Förderunterricht in Kleingruppen in Grundbildungsfächern wie Rechnen, Lesen etc., um einen Schulabschluss nachholen zu können bzw. die Ausbildungsfähigkeit zu erhöhen. Im Auswertungszeitraum haben neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf diesem Weg ihren externen Hauptschulabschluss erworben. Insgesamt haben im Berichtszeitraum 22 Jugendliche am Unterricht teilgenommen (7 w / 15 m). e. Einzelplatzförderung Die Einzelplatzkosten für Jugendliche mit Förderbedarf werden im Ausnahmefall übernommen, sofern keine vorrangigen Leistungsansprüche bestehen. Diese Unterstützung kommt in Betracht, wenn Teilnehmer/innen von lfd. Maßnahmen aus dem Leistungsbezug beim Jobcenter ausscheiden und damit die Finanzierung des Platzes eigentlich endet oder sie in einem anderen Rechtskreis verortet sind (z. B. Jugendhilfe nach dem SGB VIII). Im Berichtszeitraum wurden die Kosten für 3 Jugendliche übernommen, die an einer Maßnahme im Jugendausbildungszentrum gGmbH (Schulabschluss plus) teilnahmen. So 4 wurde ermöglicht, dass sie die begonnene Maßnahme abschließen konnten (2 w, 1 m). Erfreulich ist, dass alle den Hauptschulabschluss erreicht haben. f. Ausbildungslotse bzw. Kitchen class GEBA Gesellschaft für Berufsförderung und Ausbildung mbH; Fördersumme: 99.000 € (für 2 Jahre) Standort Hafenstr. 29-31 Junge geflüchtete Menschen im Übergang Schule -Beruf werden durch eine Ausbildungslotsin individuell auf ihrem Weg begleitet. Die Maßnahme wird in Kooperation mit der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter finanziert und durchgeführt und legt einen Schwerpunkt auf eine Vermittlung in eine Ausbildung oder Arbeit in der Gastronomie, verbunden mit zusätzlichem fachbezogenem Sprachunterricht. Da sich der Projektzeitraum in diesem Fall bis zum 28.02.2021 erstreckte liegt ein endgültiger Verwendungsnachweis noch nicht vor. Es haben im Projektzeitraum 33 junge zugewanderte Menschen teilgenommen (3 w, 30 m)
Beratungsverlauf (6)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
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Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
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Zur SitzungOrte (4)
- Friedrich-Ebert-Straße 110
- Weseler Straße 75
- Kinderhauser Straße 112
- Hafenstraße 29
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Details
- Aktenzeichen
- V/0548/2021
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 11.08.2021
- Erstellt
- 13.07.2021 09:38